ReformReform (lat. für re zurück; formatio Gestaltung: Wiederherstellung) bezeichnet in der Politik eine größere, planvolle und (im Gegensatz zur Revolution) gewaltlose Veränderung oder Umgestaltung bestehender Verhältnisse.
Beispiele sind die Sozialreformen Bismarcks, eine Währungsreform wie die Einführung des Euro, die deutsche Rechtschreibreform, die Große Strafrechtsreform oder die Lebensreform-Bewegung.
Reformen werden oft mit dem Ziel der Linderung oder Beseitigung bestehender (sozialer, kultureller oder wirtschaftlicher) Missstände begründet, wobei die Bewertung ihrer Auswirkungen abhängig von der Perspektive ist.
Der Gebrauch des Wortes Reform in der aktuellen deutschen Politik
In Zeiten des institutionalisierten sozialen Friedens mit zahlreichen, allgemein akzeptierten Kooperationen quer über Interessensgegensätzen hinweg (Sozialpartnerschaft) war Reform einmal das Schlüsselwort, eine Hoffnung auf Demokratisierung wie unter Willy Brandt, oder für sozial schwache Gruppen auf Beteiligung an gesellschaftlichen Reichtum (Umverteilung).
Am Beginn des 21. Jahrhunderts wird das Wort Reform vor allem in der neoliberalen Politik verwendet im Sinne einer Umgestaltung des Gemeinwesens, die die Kräfte des Marktes von regulierenden Eingriffen befreit.
Hauptmotor dieser Bestrebungen sind internationale Unternehmen, die zur Renditeerhöhung auch in Deutschland Löhne und Arbeitsbedingungen wünschen, wie sie sie in Niedriglohnländern vorfinden. Solange eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland rentabel ist, findet er weiterhin statt. Dadurch werden die Sozialkassen belastet und verlieren gleichzeitig Beitragszahler. Politik und Medien reagieren auf diesen Problemkomplex, teilweise unter Einflußnahme durch die Industrieverbände, mit der Übernahme von Reformforderungen, die auf eine Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten sowie einen Abbau von Arbeitnehmerrechten und sozialer Absicherung zielen.
Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitslose kritisieren den dabei stattfindenden Sozialabbau. Angebotsorientierte Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmen beklagen einen Reformstau und fordern mehr Eigenverantwortung. Die Parteien haben dabei teils unterschiedliche Vorstellungen von Reformen.
In der deutschen Politik sind derzeit Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt (Hartz-Konzept) und in der Sozialversicherung (Rürup-Kommission), eine Föderalismus- und eine Steuerreform sowie Veränderungen am Arbeitsmarkt, im Bildungswesen (Studiengebühren) aktuell und Gegenstand heftiger Kontroversen. Aber auch zu kürzende Subventionen verursachen Streit. Die entsprechende Änderungen bzw. Vorschläge stoßen auf massiven Widerstand von Lobbyisten aller Seiten und betroffenen Teilen der Bevölkerung. Für alle diese Änderungsvorschläge wird das Wort Reform benutzt
In Deutschland stiegen (Stand 2005) trotz Privatisierung und Sozialabbau die Zahl der Arbeitslosen und die Gegensätze zwischen arm und reich. Vermehrt wird deshalb auch die traditionelle Koppelung von Arbeit und Einkommen kritisiert und etwa ein Grundeinkommen gefordert.
Siehe auch:
- Agrarreform, Bodenreform, Gesundheitsreform, Gebietsreform, Rechtschreibreform, Sozialreform, Steuerreform, Hochschulreform
- Reformstau
- Reformation
- Veränderung, Gestaltung, Evolution
- Preußische Reformen
- Agenda 2010
- Neoliberalismus, Privatisierung,
- Thinktank, Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Bertelsmann Stiftung, Bürgerkonvent
Literatur
- Albrecht Müller: Die Reformlüge. Droemer, 2004 ISBN 3-426-27344-6
- Gabor Steingart: Deutschland - Der Abstieg eines Superstars ISBN 3492046150
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Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Politisches Schlagwort
RevolutionRevolution (v.frz.: révolution Umwälzung; aus lat.: revolvere zurückwälzen) wird in unterschiedlichen Wissenschaften behandelt.
Revolution (Soziologie)
Allgemein
Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie immer einen radikalen und meist, jedoch nicht immer einen gewalttätigen Umsturz(-versuch) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der von einer organisierten (nicht notwendig geheimen) Gruppierung von Neuerern getragen wird und die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile findet (vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung). Doch auch „Friedliche Revolutionen“ sind möglich (siehe unten). Oft wird der Begriff der Emanzipation hinzu genommen, die Idee eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten.
Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk (gegebenenfalls mit relativ geringfügiger Massenbasis) die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch. Hier wird der »Revolutions«-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt.
Der Begriff »Revolution« wird auch verwandt, wenn dem sozialen Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde »Neolithische Revolution« (vgl. Steinzeit), für den Siegeszug des Kapitalismus oder für die Industrielle Revolution (s. a. Industrialisierung).
Soziologische Theoretiker/innen der »Revolution«
# Vilfredo Pareto (Revolution als eine besondere Form der Elitenablösung),
# Max Weber (in Europa / Nordamerika bedurfte der Kapitalismus anfangs einer radikalen nichtwirtschaftlichen – religiösen – Mentalitätsänderung, und zwar in Gestalt des Protestantismus),
# Eugen Rosenstock-Huessy (die europäischen Revolutionen als Abfolge von Ständerevolutionen, beginnend mit der »papalen Revolution« des Papsttums gegen das mittelalterliche Kaisertum und endend mit der »proletarischen Revolution«),
# Ralf Dahrendorf (»Revolution« als radikaler und rapider sozialer Wandel, bedingt durch intensive beziehungsweise gewaltsame soziale Konflikte),
# Theda Skocpol (nachhaltige Revolutionen sind vor allem Bauernrevolutionen)
Theoretisch innovativ argumentierende Revolutionäre und Revolutionärinnen
# Karl Marx (jede Gesellschaft, in der eine Form des »Besitzes an Produktionsmitteln« es erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind »Revolutionen der Produktivkräfte« von den durch sie ausgelösten »Revolutionen der Produktionsverhältnisse«),
# Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution aus, die die »Wildheit« (menschliche Urzeit) beendete und die der Beginn der Geschichte war, und werden durch die letzte Revolution optimal disponiert werden, in der das Ende der Geschichte – das Ende »des Reiches der Notwendigkeit« – und der Beginn des »Reiches der Freiheit« möglich werden wird),
# Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte – vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution),
# Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden),
# Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an)
sowie Danton, Marat, Saint-Just, Robespierre, Símon Bolívar, Bakunin, Mahatma Gandhi, Leo Trotzki, Mao Zedong, Camilo Torres, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Che Guevara, Ali Schariati, Guy Debord und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.
Praktiker der Revolution
Radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolutionen«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war, wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Cäsar, im Mittelalter zum Beispiel Harald Schönhaar oder Otto der Große und in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Cromwell oder Atatürk.
Soziale Revolutionen im weiteren Sinne
Politische Revolutionen
- Der erste als »Revolution« bezeichnete Umsturz war 1688 die Glorious Revolution in England.
- Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 (Unabhängigkeitserklärung der USA 1776)1776
- Französische Revolution 1789
- Julirevolution (Frankreich 1830)
- Novemberaufstand in Polen 1831 und Folgejahre
- Februarrevolution und Juniaufstand (Frankreich 1848)
- Revolutionen in Ungarn, Italien, Deutschland (Märzrevolution) 1848
- Pariser Kommune
- Russische Revolution 1905
- Mexikanische Revolution 1910 und Folgejahre
- Russische Revolutionen 1917: (Februarrevolution und Oktoberrevolution)
- Novemberrevolution in Deutschland 1918/1919, einschließlich der Räterepubliken in Bayern (Münchner Räterepublik) und Bremen (Bremer Räterepublik)
- Kubanische Revolution 1956 - 1959
- Nelkenrevolution in Portugal 1974
- Revolution in Laos 1975 (vgl. auch Pathet Lao)
- Nicaraguanische Revolution 1979
- Islamische Revolution im Iran 1979
- Die spontane und gewaltlose Revolution in der DDR 1989/1990
- Die Samtene Revolution in Georgien 2003
- Die Orangene Revolution in der Ukraine 2004
Geistige Revolutionen
- Die »Kopernikanische Revolution« (Ersetzung des geozentrischen durch das heliozentrische Weltbild anfangs der Neuzeit – der Heliozentrismus selbst war bereits in der Antike von Aristarchos von Samos erfolgert worden)
- Die Darwinsche Revolution, in der der Mensch seine Sonderstellung in der Natur verlor (s. a. Darwinismus)
- Die »sexuelle Revolution«, oft mit der Entdeckung des Unbewussten durch Sigmund Freud gleichgesetzt
- Die »Kulturrevolution« 1967 und Folgejahre in China, Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA und anderen westlichen Ländern
Inflationierte »Revolutions«-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen).
Siehe auch: Paradigmenwechsel.
Technische Revolutionen (marxistisch: »Revolutionen der Produktivkräfte«)
- Neolithische Revolution (Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht ca. 15.000 v. Chr. – der Übergang zur Jungsteinzeit)
- Industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert (siehe auch Industrialisierung)
- Elektronische Revolution oder Digitale Revolution) ab etwa 1980
Siehe auch: Bürgerkrieg, Dialektik, Evolution, Katastrophe, Reform, Revolution (Jugendorganisation), Sozialer Wandel, Staatsstreich, Zweite industrielle Revolution, Kondratjew-Zyklus
Revolution (Politologie)
Beispiel eines Ansatzes: Die heutige Revolutionstheorie stellt fünf Hauptfaktoren besonders heraus, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darzustellen scheinen. Dabei ist vom Sonderfall der Entwicklungsländer abzusehen.
# eine plötzliche Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft.
# ein Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt.
# die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringt keine Revolution zustande.
# eine Ideologie.
# Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.
Nach: E. Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, 96f.
Siehe auch: Revolution (Politik)
Revolution (Astronomie)
In der Astronomie (veraltet) ist eine Revolution die Umlaufbewegung der Planeten um die Sonne – von hier wurde der Ausdruck Revolution generell übernommen.
Revolution (Spiel)
- beim Skatspiel die Variante »Null ouvert Hand«, bei dem die gegnerischen Spieler die Karten austauschen dürfen. Nur bei Hobbyrunden, nicht in den offiziellen Skatregeln (da es sowieso nur angesagt wird, wenn es nicht verloren werden kann).
- Alternative zu bekannten Quizsendungen: [http://www.wer-wird-revolutionaer.de/ Wer wird Revolutionär?]
Siehe auch
- :Kategorie:Revolution
- Anarchismus,Generalstreik, Klassenkampf, Marxismus, Politisches Theater, Rätekommunismus, Sabotage, Situationistische Internationale, Subversion, Sozialismus, Kommunismus
- Bürgerliche Revolution, Frühbürgerliche Revolution
- Différance
Literatur
- Hobsbawm, Eric: Europäische Revolutionen. 1789 bis 1848. Zürich, 1962
- Hannah Arendt: Über die Revolution, München, 1963
Weblinks
- [http://home.bawue.de/~mauss/revo.html So geht Revolution]
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Soziologie
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Kategorie:Marxismus
ja:革命
VeränderungEine Veränderung bezeichnet einen Unterschied im Zustand eines Objekts.
Veränderungen können durch Beobachtung und Messung erkannt werden.
Es gibt mehrere mathematische Modelle zur Berechnung von Veränderungsraten.
Ursachen
Veränderungen können innere und äußere Ursachen haben.
Entsprechend der Rolle und dem Überwiegen entweder der inneren oder äußeren Ursachen für die Veränderungen eines Objektes kann unterschieden werden in:
- überwiegende Selbstveränderung (als Fähigkeit: die Veränderlichkeit)
- überwiegendes Verändertwerden (als Fähigkeit oder Möglichkeit: die Veränderbarkeit)
Klassifizierung
Veränderungen können klassifiziert werden u.a. als:
- wesentlich / unwesentlich
- notwendig / zufällig
- geplant / ungeplant
- strukturell / funktionell
- räumlich / zeitlich
- prognostizierbar / nichtprognostizierbar
- formal / inhaltlich
- quantitativ / qualitativ
- reversibel / irreversibel
Auffassung der Dialektik
Von entscheidender Bedeutung für die dialektische Analyse von Prozessen und ihren Resultaten ist die Unterscheidung von quantitativen und qualitativen Veränderungen, deren wichtigste Beziehungen zueinander in der Gesetzmäßigkeit des Umschlagens quantitativer Veränderungen in qualitative Veränderungen und umgekehrt formuliert werden kann (in Abhängigkeit von den gegebenen konkreten Bedingungen und Objekten, Prozessen u.a.). Qualitative Veränderungen führen zu anderen Qualitäten. Diese sind neue Qualitäten, wenn es sich bei den qualitativen Veränderungen um Entwicklungsprozesse handelt, um irreversible qualitative Veränderungen, die gesetzmäßigen Charakter besitzen (siehe Entwicklung).
Optimierung
Oft besteht der Wunsch eine Veränderung auf ein Ziel auszurichten (siehe auch Transformation, Optimierung).
Beispiele:
- Gesellschaft: Veränderungen durch Beteiligung der Bürger an Politik
- bessere Völkerverständigung
- neue Technologien
- Entstehung von Trends
- Wirtschaft: Veränderung des Kaufverhaltens der Kunden.
Kategorie:Wissenschaftstheorie
Otto von Bismarck
Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen, genannt der Eiserne Kanzler, ( - 1. April 1815 in Schönhausen (heute Sachsen-Anhalt); † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg), war ein deutscher Staatsmann. Er war der Gründer und erste Kanzler des 2. Deutschen Reiches. Vormals war er Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Norddeutschen Bundes
Er war seit 1865 Graf von Bismarck-Schönhausen, seit 1871 Fürst von Bismarck und seit 1890 Herzog zu Lauenburg. Den Herzogtitel, den er bei seiner Entlassung erhielt, führte er niemals. Er ließ auch Post zurückgehen, die so adressiert war. Angeblich bevorzugte Bismarck eine schlesische Herrschaft und fühlte sich durch die ihm zu Teil gewordene Herzogswürde herabgesetzt.
Leben
Lauenburg
Otto von Bismarck studierte Rechtswissenschaften in Göttingen und war Mitglied des Corps Hannovera Göttingen. Danach war er an Gerichten und Behörden tätig. 1838 verließ er den Staatsdienst, weil ihm der bürokratische Routinebetrieb nicht zusagte, und begann seinen Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger.
Nach dem Tod seiner bürgerlichen Mutter, mit der er in einem gewissen Spannungsfeld lebte, und dem Tod seines Vaters (1845) wurde er Landwirt und übernahm die Bewirtschaftung des Bismarckschen Besitzes Schönhausen. Zwischenzeitlich war die Familie nach Pommern übergesiedelt (ab 1816). Dass er auch darin allein nicht seinen Lebensinhalt finden konnte, zeigte sich in politischen Ambitionen, aber auch in ausgeprägter Beschäftigung mit Philosophie, Kunst, Religion und Literatur. Schon damals war er ein meisterlicher Redner und Briefschreiber. 1847 heiratete er in Reinfeld (Pommern) Johanna von Puttkamer (1824–1894), wie er es seiner wahren Liebe und Johannas bester Freundin, Marie von Thadden, vor deren Tod versprochen hatte. Dieser Ehe entstammen seine Kinder Marie ( - 1848), Herbert (1849–1904) und Wilhelm (1852–1901).
Zu dieser Zeit wurde er auch politisch aktiv als Mitglied des preußischen Vereinigten Landtages. 1849 und 1850 gehörte er der Zweiten Kammer des Landtages an und war Wortführer des äußersten rechten Flügels. Während der Märzrevolution von 1848/49 profilierte er sich als konsequenter Verteidiger des monarchischen Prinzips. Einen auf Volkssouveränität gegründeten deutschen Nationalstaat, wie ihn die Frankfurter Nationalversammlung proklamierte, lehnte er ab - Preußen sollte Preußen bleiben. Obwohl Bismarck keine diplomatische Ausbildung besaß, wurde er 1851 zum preußischen Gesandten beim Bundestag in Frankfurt ernannt. Dieses Mandat behielt er bis 1859. 1859–1862 war er Gesandter in St. Petersburg, 1862 kurzfristig Botschafter in Paris.
Am 23. September 1862 wurde Bismarck von König Wilhelm I. im Verfassungskonflikt zum preußischen Ministerpräsidenten, am 8. Oktober 1862 dann noch zum Außenminister berufen (Die Ernennung zum Außenminister war eine wesentliche Forderung Bismarcks gewesen. Er wollte Außenpolitik machen, wie er es für richtig hielt. Da das preußische Kabinett eine Kollegialverfassung hatte, mußte er dazu auch Außenminister sein.). Bismarck war als Monarchist bekannt und bot als einer der wenigen die Garantie, bedingungslos für den preußischen König gegen das Parlament die notwendige Militärreform durchzusetzen.
Bismarck, der seit seiner Jugend Pommern sehr verbunden war, erwarb 1867 von der ihm wegen des erfolgreichen Deutsch-Österreichischen Krieges bewilligten Dotation von 400.000 Talern das Rittergut Varzin und ließ auf dessen Fluren die Hammermühle und weitere Papierfabriken errichten, die sich bald zum größten Unternehmen Ostpommerns entwickelten und legte somit den Grundstein für die heutige polnische Stadt Kępice.
Einigung Deutschlands unter preußischer Führung
1864 führte Preußen im Bunde mit Österreich erfolgreich den Deutsch-Dänischen Krieg um Schleswig-Holstein. In der Folge zeigte sich, dass ein Konflikt und damit ein Krieg mit Österreich um die Vormachtstellung in Deutschland unausweichlich würde. Der Deutsche Krieg im Jahre 1866 verursachte die Auflösung des Deutschen Bundes, wobei Bismarck gegen den Widerstand des Militärs eine Demütigung Österreichs vermied (Kleindeutsche Lösung). Bismarck setzte sich sogar gegen den König durch, der den Krieg zunächst weiterführen wollte. In der Folge wurde 1867 unter immensen Gebietsgewinnen Preußens der Norddeutsche Bund gegründet; gegenüber den norddeutschen Kleinstaaten war Bismarck weniger großzügig als gegenüber dem besiegten Österreich. Sie wurden kurzerhand aufgelöst und Preußen einverleibt. Mit den süddeutschen Staaten wurden Schutz- und Trutzbündnisse abgeschlossen; Bismarck wurde Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes.
Bundeskanzler
Infolge der Stärkung Preußens steigerten sich die deutsch-französischen Gegensätze. In Spanien kandidierte der mit den in Deutschland regierenden Hohenzollern verwandte Prinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen für den Thron, wodurch Frankreich Angst hatte von den Hohenzollern eingekesselt zu sein, was zum Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führte (zu den Kriegsgründen vergleiche Emser Depesche). Vor dem Beginn dieses Krieges hatte Bismarck geheime Schutz- und Trutzbündnisse mit den süddeutschen Staaten geschlossen, weshalb Frankreich nach seiner Kriegserklärung an Preussen von deren Eintritt in den Krieg und somit auch der Stärke des Feindes überrascht wurde . Die Bemühungen Bismarcks um die nationale Einigung gipfelten nach dem Sieg der deutschen Truppen in der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelms I. am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles und der Gründung des 2. Deutschen Reiches. Der Reichsgründung waren zähe Verhandlungen mit den süddeutschen Fürsten vorangegangen, die sich dabei einige Sonderrechte erstritten. Die meisten Sonderrechte behielt Bayern, dessen Widerstand erst durch eine handfeste Bestechung aus dem Welfenfond überwunden wurde. Jedoch war Bismarck, der bekanntlich Monarchist war, nicht mit der Reichseinigung zufrieden, die mehr oder weniger auch auf Druck der Nationalisten und des Volkes auf ihn als Kanzler "erzwungen" wurde. Insbesondere bei Verlesung zur Proklamation, die Bismarck selber tätigte, soll ihm besonders die Formulierung über Kaiser Wilhelm I. als "Mehrer des Volkes und des Reiches" auf den Magen geschlagen sein, da offiziell seine Bemühungen nicht gewürdigt wurden, stattdessen fiel alles auf Kaiser Wilhelm zurück.
Bismarck erreichte durch den Frieden von Frankfurt zudem den territorialen Zugewinn von Elsaß-Lothringen. Die Gründung des Deutschen Reiches wurde maßgeblich von Bismarck initiiert, wobei sein enger Vertrauter Rudolf von Delbrück die Verhandlungen mit den süddeutschen Staaten führte. Bismarck wurde erster Reichskanzler, blieb aber wie vorgesehen preußischer Ministerpräsident. In dem Zeitraum zwischen dem 18. Januar und dem Inkrafttreten der Reichsverfassung am 16. April 1871 bestand allerdings der Norddeutsche Bund faktisch weiter, nur waren nun die süddeutschen Staaten beigetreten. Bismarck, der weiterhin Bundeskanzler war, kann somit als erster (und strenggenommen einziger)
gesamtdeutscher Bundeskanzler bezeichnet werden.
Innenpolitik
Bismarck wurde 1862 durch den Konflikt um die Heeresreform zwischen dem preußischen Landtag und dem preußischen König Wilhelm I. trotz des heftigen Widerstands von dessen Gemahlin, der Königin Augusta, zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Um die Heeresreform, die Preußen militärisch stärken sollte, auch ohne die Zustimmung des Parlamentes durchsetzen zu können, berief er sich auf die so genannte Lückentheorie, indem er darlegte, der Fall des unauflöslichen Dissenses zwischen Monarch und Parlament sei in der Verfassung nicht geregelt, es liege also eine Lücke vor, die durch die Prärogative des Königs geschlossen werden müsse. Diese Verfassungsinterpretation ist zumindest stark angreifbar und nach Auffassung vieler ein schlichter Verfassungsbruch. Nach dem Sieg über Österreich brachte Bismarck 1866 die Indemnitätsvorlage im Reichstag ein, um seinen Verfassungsbruch nachträglich zu legitimieren. Die Abstimmung über diese Frage spaltete die liberale Partei(in demokratische Liberale und Nationalliberale). Und B. hatte durch seinen Alleingang auch die demokratische von der nationalen Bewegung getrennt.
Von 1871 bis 1878 führte Bismarck den so genannten Kulturkampf gegen die katholische Kirche und die katholische Zentrumspartei, da er fürchtete, diese seien „Reichsfeinde“ und dem Papst mehr zugetan als dem deutschen Kaiser. Im Zuge dieser Auseinandersetzung wurden Rechte und Machtstellung der Kirche durch Reichs- und preußische Landesgesetze beschnitten (Kanzelparagraph, Brotkorbgesetz) und auch die Zivilehe eingeführt. In diesem Zusammenhang äußerte Bismarck in einer Reichstagsrede den bekannten Satz: „Seien Sie außer Sorge, nach Canossa gehen wir nicht - weder körperlich noch geistig.“Hintergrund des Kulturkampfes war unter anderem auch die Einigungsbewegung Italiens. Durch das junge Königreich Italien war der Kirchenstaat in Gefahr geraten und wurde später sogar auf das Gebiet des heutigen Vatikans verkleinert. Das Zentrum forderte ein Eingreifen zum Schutz des Kirchenstaates. B. aber, in dessen Bündnissystem Italien noch eine wichtige Rolle spielen sollte, hatte gar kein Interesse sich in dieser Angelegenheit auf die Seite des Zentrums zu stellen und bezeichnete dessen Mitglieder daher kurzer Hand als Reichsfeinde.
Bismarcks zunehmend konservative Politik (Verstaatlichungen, Protektionismus, autoritäre Innenpolitik) führte ab 1876 zur Kanzlerkrise: nachdem bereits 1876 sein liberaler Amtsleiter Rudolf von Delbrück unter Protest zurückgetreten war, konnte sich Bismarck im März 1877 beim Kaiser nicht mit seiner Forderung durchsetzen, den preußischen Staatsminister Albrecht von Stosch zu entlassen. Dieser war enger Vertrauter des damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und wurde von Bismarck als potentieller Nachfolger gefürchtet. Verärgert über seinen Misserfolg beim Kaiser, trat Bismarck bis Januar 1878 einen längeren Urlaub an.
1878 nahm er dann das zweite Attentat auf Kaiser Wilhelm I. zum Anlass, das Sozialistengesetz im Reichstag zu initiieren, das bis 1890 in Kraft blieb. Dieses Ausnahmegesetz, das seinen Zweck letztlich verfehlte, erlaubte es, die sozialistische Agitation zu verbieten, ließ jedoch die politische Arbeit der Sozialdemokratischen Partei in Wahlmandaten wie beispielsweise im Reichstag unangetastet. Die "Peitsche" des Sozialistengesetzes ergänzte er durch das "Zuckerbrot" sozialer Reformen. Bismarck versuchte, die Arbeiterschaft mit dem Staate zu versöhnen, indem er 1881–1889 weitreichende Sozialgesetze zur Kranken-, Unfall-, Renten- und Invaliditätsversicherung durchsetzte. Diese Sozialversicherungen, die heute die Säulen der sozialen Sicherung darstellen, war bis dato weltweit einzigartig. Bismarck war somit maßgeblicher Wegbereiter des Sozialstaats, auch wenn er selbst die Maßnahmen eher aufgrund politischen Kalküls traf. Nachdem das Gesetzeswerk den Zweck, die Sozialdemokratie zu schwächen, verfehlt hatte, verlor Bismarck das Interesse daran; in seinen Gedanken und Erinnerungen widmet er diesem Thema kein einziges Wort.
Außenpolitik
Gedanken und Erinnerungen]]
Voraussetzung für Bismarcks erfolgreiche Außenpolitik war die "Saturiertheit" des Reiches nach der Reichseinigung von 1871, das heißt der Verzicht auf weitere Expansion und weitere Annexionen nach der Krieg-in-Sicht-Krise von 1875. So konnte er durch eine geschickte Bündnispolitik das europäische Mächtegleichgewicht der "Großen Fünf" (Pentarchie) erhalten, einer Isolierung Deutschlands vorbeugen und Kriege der Nachbarn gegen das Deutsche Reich, aber auch gegeneinander verhindern (Berliner Kongress 1878).
Siehe: Bündnispolitik Otto von Bismarcks
Bismarck, der ein entschiedener Gegner des Kolonialismus war ("Frankreich liegt links, Rußland liegt rechts, in der Mitte liegen wir. Das ist meine Karte von Afrika."), ließ sich allerdings doch zu einem Ausflug in die Kolonialpolitik hinreißen. Dies war aber eher innenpolitisch bedingt. Bismarck, der befürchtete, dass der bekanntermaßen englandfreundliche Kronprinz Friedrich Wilhelm bei seinem Amtsantritt ein eher englisch gesinntes Kabinett einrichten würde, wollte bewusst eine eher englandfeindliche Stimmung im Volk schaffen. Daher entdeckte er Afrika als ungefährlichen, aber doch für seine Zwecke wirkungsvollen Konfliktherd mit dem Empire. Somit gründete Bismarck Kolonien in Afrika, die bewusst so lagen, dass sie den englischen Bestrebungen eines zusammenhängenden Kolonialgebiets von Kairo nach Kapstadt offensichtlich im Wege standen. Bismarck wollte mit den Kolonien vor allem neue Rohstoff- und Absatzmärkte erschliessen und „den Deutschen ein neues Ziel setzen, für das sie sich begeistern können.“. 1871 lehnte Bismarck das Angebot der Franzosen ab, Cochinchina – etwa das heutige Vietnam – als Kolonie im Rahmen der Reparationsleistungen übertragen zu bekommen : „O! O! Cochinchina! Das ist aber ein sehr fetter Brocken für uns; wir sind aber noch nicht reich genug, um uns den Luxus von Kolonien leisten zu können.“
„Der Lotse geht von Bord“
Cochinchina
Bismarcks Sturz im Jahr 1890 ist vor allem auf das Scheitern eines von ihm vorgelegten verschärften Sozialistengesetzes im Reichstag zurückzuführen, das er gegen die durch bedeutende Wahlerfolge im Januar erstarkten Sozialdemokraten einsetzen wollte. Zudem wünschte der junge Kaiser Wilhelm II. künftig eine eigene Politik, frei von Bismarcks Einfluss, zu gestalten. Nach seiner entwürdigenden Entlassung (Bismarck selbst: "...die ich ein Leichenbegängnis erster Klasse mit Recht nennen konnte.") am 20. März 1890 durch Wilhelm II. setzte wenig später eine beispiellose Bismarck-Verehrung ein (Bismarck-Türme, Bismarck-Denkmäler, Bismarckstraßen und Bismarckgesellschaften). Bismarck starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh. Er wurde in einem Mausoleum auf Friedrichsruh neben seiner Frau begraben. Eine Büste wurde in der Walhalla aufgestellt und er ist außerdem Ehrenbürger der Städte Darmstadt, München, Hamburg, Wandsbek, Kassel, Köln, Moers, Detmold, Zwickau, Rathenow sowie seit 1895 aller badischen Städte.
Bismarck selbst wurde 1891 Mitglied des Kreistages von Stormarn. Er kandidierte auch für den Reichstag, wurde gewählt, nahm aber sein Mandat nie wahr.
Bismarck diktierte nach seiner Entlassung seine Memoiren, die unter dem Titel "Gedanken und Erinnerungen" veröffentlicht wurden. Der zweite Teil dieses Buches, in dem er sich sehr kritisch mit seiner Zeit als Kanzler unter Kaiser Wilhelm II. auseinandersetzte, sollte erst nach dessen Tod erscheinen. Mit der Revolution in Deutschland 1918 und dem Exil des Kaisers gingen die gesammelten Memoiren aber gegen den Protest der Bismarck-Familie bereits 1919 in Druck.
Die Nachfolge
In seinem Bestreben, so lange wie möglich selbst Reichskanzler zu bleiben, hatte Bismarck trotz seines Alters nichts unternommen, einen Nachfolger aufzubauen. 1889 erwog er kurz, sich auf das Außenministerium zu beschränken, gab den Gedanken aber bald darauf wieder auf. Es wäre in der Tat auch schwer vollstellbar gewesen, einen Kanzler unter dem Schatten Bismarcks in seinem Kabinett zu haben. Aus dem gleichen Grund war auch seine Vorstellung irreal, seinen Sohn Herbert als Außenminister oder gar Kanzler einzusetzen.
Auf einen früheren Vorschlag von ihm wurde schließlich der politisch unerfahrene General Leo von Caprivi berufen.
Kritik
"Wenn man sagt, dass man einer Sache grundsätzlich zustimmt, so bedeutet es, dass man nicht die geringste Absicht hat, sie in der Praxis durchzuführen." (Otto von Bismarck)
Bismarck war und ist eine Ikone der Konservativen, aber eine Hassfigur der Linken. Seine Machtpolitik bereitete ihm schon zu Lebzeiten zahlreiche Feindschaften, aber auch viele Bewunderer. Seine bedeutenden Erfolge machten ihn jedoch weitgehend unangreifbar. Kritiker wenden heute oft ein, Bismarck habe jene machtpolitischen Verflechtungen geschaffen, die zum Ersten Weltkrieg führten, indem er das Deutsche Reich "nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse, sondern durch Eisen und Blut" schuf (Bismarck in der Budgetkommission 1862). Dagegen war sich Bismarck der besonderen Gefahren bewusst, die vom Balkan schon damals ausgingen: "Die Händel auf dem Balkan sind mir nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Musketiers wert." Wird Bismarck für "seine" Sozialgesetzgebung bis heute gerühmt, so wird er wegen der Verfolgung so genannter "Reichsfeinde" durch Kulturkampf und Sozialistengesetz kritisiert. Dass Bismarck die Reichsverfassung von 1871 auf seine Person zuschnitt, hat sich angesichts seiner politisch zumeist schwachen Nachfolger als fatal herausgestellt. Daher verstanden es seine Nachfolger auch nicht, grundlegende (und notwendige) Reformen der Staatsstruktur durchzusetzen, beispielsweise Abschaffung des Dreiklassenwahlrechts in Preußen oder die Parlamentsverantwortlichkeit der Regierung. Der größte Kritikpunkt vieler Historiker heutzutage gilt dem letzten Einigungskrieg und der folgenden Reichgründung. Beide bedeuteten eine Demütigung Frankreichs, welches von diesem Zeitpunkt an auf Revanche aus war. Bismarck erkannte den Revanchegedanken und versuchte, Frankreich zu isolieren, gleichzeitig Krieg in Europa durch ein System mehrerer Allianzen unmöglich zu machen. Auf ewig war dieser Plan jedoch nicht umsetzbar und scheiterte schließlich an der Politik des Kaisers Wilhelm II, der ab 1890 direkt in die Aussenpolitik des Deutschen Reiches eingreiffen sollte.
Recht einmütig loben Historiker Bismarcks außenpolitisches Geschick, das er sich unter anderem als Gesandter in Paris und Petersburg aneignete. So geschickt, wie er außenpolitisch handelte, so ungeschickt handelte er im Inneren, was ihn immer wieder in Bedrängnis brachte.
Auch persönlich hatte er einige recht unangenehme Züge. Personen, die ihm seiner Meinung schaden wollte, konnte er mit unerbittlichem Haß verfolgen. So ruinierte er zum Beispiel das Leben des Grafen Armin, nur weil er glaubte, dieser könnte als Reichskanzler in betracht kommen. In Wirklichkeit hatte der Graf keine Ambitionen und ließ sich Bismarck gegenüber keine Illoyalität zu schulden kommen. Selbst in seinen Memoiren, lange nach Armins Tod, widmet er diesem ein haßerfülltes Kapitel.
Personenkult
Dreiklassenwahlrecht
Bismarck wurden zahlreiche Ehrungen zuteil. Schon zu Lebzeiten errichtete man viele Denkmäler, meist Bronzestandbilder (→Liste der Bismarck-Denkmäler). Aber auch architektonische Monumente widmete man ihm. Der Bismarckturm zwischen Allmannshausen und Assenhausen am Starnberger See wurde zwischen 1896 und 1899 errichtet. Seine Studentenwohnung in Göttingen, das Bismarck-Häuschen, ist als kleines Museum zugänglich.
Bismarck-Häuschen
In der bildenden Kunst wurde er vor allem von Franz von Lenbach und Christian Wilhelm Allers portraitiert.
Nach seinem Tode wurden ihm, finanziert in der Regel durch Spenden der Bevölkerung, zunehmend auch Groß-Monumente gewidmet. Vielerorts wurden Bismarcktürme und -säulen erbaut, teils herkömmliche Aussichtstürme, teils Feuersäulen mit Vorrichtungen, die es erlaubten, ein großes Gedenkfeuer zu entzünden. Viele dieser Bauwerke waren nach dem Entwurf des Architekten Wilhelm Kreis gestaltet, der bei einem Wettbewerb der "Deutschen Studentenschaft" 1899 den ersten Preis erhalten hatte.
Weiterhin wurde Bismarck die Skulptur des so genannten Adlers zugedacht, eine etwa 18 m hohe Aufschichtung von behauenen Steinquadern, die am Rand einer Aussichtsplattform am Hang des Hoyerbergs im gleichnamigen Stadtteil von Lindau (Bodensee) errichtet ist. Erkennbar ist diese Widmung durch Einarbeitung eines etwa 1,50 m großen Bismarck-Reliefs im Sockel.
Das größte Bismarck-Monument in Deutschland ist das 1906 eingeweihte Bismarck-Denkmal in Hamburg-Sankt Pauli (Entwurf: Hugo Lederer), das den ehemaligen Reichskanzler als monumentale Roland-Figur darstellt, mit Rüstung und auf das Schwert gestützt. Der Plan, ein gigantisches Bismarck-Nationaldenkmal bei Bingerbrück zu erbauen, wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert.
An seinem Geburtsort Schönhausen wurde 1998 mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt ein Bismarckmuseum eingerichtet.
Am 1. November 2004 wurde in Jever ein weiteres Bismarckmuseum eröffnet.
Die Bundesrepublik Deutschland errichtete ihm zu Ehren 1996 die Otto-von-Bismarck-Stiftung als bundesunmittelbare Stiftung in Friedrichsruh.
Gesprochene Wikipedia
Siehe auch
- Bismarck (Begriffsklärung)
- Otto Fürst von Bismarck (CDU) (1897-1975) - Enkel, MdB (CDU)
- Kissinger Diktat
- Bismarckhering
- Reptilienfonds
Weblinks
-
- http://www.dhm.de/datenbank/ online-Exponate des Deutschen Historischen Museum
- http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/95002614/index.html Bismarck-Statue
- http://www.bismarck-stiftung.de
- http://www.deutsche-schutzgebiete.de/bismarck.htm
- http://www.preussen-chronik.de/person.jsp?key=Person_Otto+Eduard+Leopold+von_Bismarck
- [http://www.schoenhausenelbe.de/museum/frame.html Bismarck Museum Schönhausen (Elbe)]
- [http://www.oldenburgische-landschaft.de/print.php?pv=41&did=350 Bismarck Museum Jever]
- http://www.bismarcktuerme.de/
- [http://janeden.org/2292 Bismarcks Außenpolitik bis zur Reichsgründung]
- http://www.bismarckbund.de
- [http://www.hgstump.de/bismarckturm.htm Bismarckturm in Aachen]
- [http://www.geschichteinchronologie.ch/afrika/kol/N3-2004_Bismarcks-Kongo-konferenz-1884-aufteilung-Afrikas.htm Bismarcks Kongo-Konferenz 1884 - Bismarck als Begünstiger der "Aufteilung" und Ausbeutung Afrikas] Filmprotokoll aus N3 2004
Bismarck, Otto von
Bismarck, Otto von
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ja:オットー・フォン・ビスマルク
ms:Otto von Bismarck
WährungsreformDer Begriff Währungsreform bezeichnet eine Änderung von relevanten Merkmalen einer Währung. In den meisten Fällen besteht eine Währungsreform aus einem Umtausch alter Währungseinheiten zu einem staatlich festgelegten Wechselkurs in Einheiten der neuen Währung. Oft gelten dabei unterschiedliche Umrechnungskurse für Bargeld, Bankguthaben und Verbindlichkeiten. Findet lediglich eine einfache Umrechnung aller Preise und Werte zu einem einheitlichen Kurs statt, so spricht man auch von einer Währungsumstellung. In der Regel ist mit einer Währungsreform auch eine Änderung des Namens der Währung verbunden. Der Extremfall einer Währungsreform ist die Einführung der Währung eines anderen Landes (Dollarisierung, Euroisierung).
In Deutschland wird der Begriff oft auch als Synonym für die Einführung der D-Mark 1948 gebraucht.
Gründe für Währungsreformen
Währungsreformen werden meist aus drei Gründen durchgeführt:
- Beendigung einer aktuellen Hyperinflation: Länder, die hohe Inflationsraten aufweisen, denen sie durch die sonstigen Mittel der Geld- und Währungspolitik nicht Herr werden können, versuchen oft, durch das psychologische Mittel eines Neuanfangs den Vertrauensverlust in die eigene (alte) Währung zu beenden. Die neu eingeführte Währung wird dann häufig mit zusätzlichen, Glaubwürdigkeit schaffenden Maßnahmen versehen - beispielsweise einem festen Wechselkurs zu einer preisstabilen Währung, einer unabhängigen Zentralbank o. Ä. Beispiele für eine solche Währungsreform sind Argentinien 1991 und Deutschland 1923 (s. u.).
- Beseitigung der negativen Auswirkungen früherer Inflationen: Länder, die in der Vergangenheit unter dauerhaft hohen Inflationsraten zu leiden hatten, spüren die langfristigen Auswirkungen der Inflation v. a. in Form von hohen, intransparenten Preisen, d. h. Einheiten eines relativ wertlosen Gutes kosten schon vergleichsweise viele Geldeinheiten. Dies verursacht hohe Transaktionskosten, da die Preisauszeichnungen aufgrund ihres Umfangs für den Anbieter von Gütern aufwändig und für den Nachfrager intransparent werden. Abhilfe schafft hier die Einführung einer neuen Währung, bei der im Verhältnis zum alten Zahlungsmittel oft einfach mehrere Nullen entfernt werden. Beispiele für eine derartige Währungsreform sind die Einführung der neuen Türkischen Lira 2004 oder die französische Währungsreform 1960.
- Politische Gründe für die Einführung einer neuen Währung: In selteneren Fällen kommt es auch aus politischen Gründen zu Währungsreformen: Treten Währungsräume einem anderen Land bei (Beispiel: Beitritt der DDR zur BRD 1990) oder brechen Länder auseinander (Beispiel: Tschechoslowakei 1993), so kommt es zu Währungsreformen. Einen Sonderfall stellt hierbei die Einführung des Euro 1999 dar, die ohne eine weitere politische Union zustande kam.
Währungsreformen markieren sowohl den Anfang als auch Ende fast jeder Währung (zumindest jeder solchen, die auf Fiat-Money aufgebaut ist).
Die Währungsreform 1923
Die Umstellung des Deutschen Reiches von der "Mark" (M) auf die "Rentenmark" (später "Reichsmark", RM) beendete eine galoppierende Inflation und war die auffälligste und kurzfristig erfolgreichste deutsche Währungsreform überhaupt, bei einem Kurs von 1.000.000.000.000 M: 1 RM.
Inflation
Die Währungsreform 1948
In Deutschland wird mit dem Begriff meist die Einführung der Deutschen Mark (DM) in "Westdeutschland" (d. h. in der Englischen, Amerikanischen und Französischen Besatzungszone) am 20. Juni 1948 verbunden. Hier wurden jeder Person in zwei Schritten sofort 40,- DM und etwas später 20,- DM bar ausgezahlt;
- Schulden wurden umgerechnet mit dem Kurs 10 Reichsmark (RM) zu 1 DM (10:1) umgestellt;
- Löhne und Mieten jedoch mit dem Kurs 1:1;
- Bargeld wurde zum Kurs 100 Reichsmark zu 6,50 DM umgetauscht.
Das neue Geldvolumen lag in den Monaten nach der Währungsreform bei etwa 13 Mrd. DM (M3, Bar- und Buchgeld).
Diese Währungsreform war das im positiven Sinne markanteste kollektive Erlebnis der westdeutschen Nachkriegszeit nach 1945, vor allem, weil Ludwig Erhard sie mit der fast völligen Aufhebung der "Bewirtschaftung" (Rationierung) der Güter des Alltagsbedarfes verband: "Auf ein Mal gab es Alles!" Die Währungsreform war durch die am 23. Juli 1947 durch den Wirtschaftsrat der Bizone gegründete Sonderstelle "Geld und Kredit" in Bad Homburg vorbereitet worden, die unter Leitung von Ludwig Erhard stand. Die letzten Feinheiten wurden im Frühjahr 1948 unter strengster Geheimhaltung in den Gebäuden der Fritz-Erler-Kaserne zu Rothwesten (Landkreis Kassel) beschlossen.
Da die Währungsneuschaffung der Deutschen Mark so plötzlich und nur in den "Westzonen" kam, floss das ganze übrige Reichsmark-Bargeld in die Sowjetischen Besatzungszone, wo es dort nachfragend wirkte, sodass dort wegen der daraus resultierenden Preissteigerung eine (weitere) galoppierende Inflation drohte.
Die Währungsreform verstärkte den bereits bestehenden Konflikt zwischen der UdSSR und den Westmächten, so dass sie unter Anderem (willkommener) Anlass zur Intensivierung der Berlin-Blockade war.
In der Sowjetischen Besatzungszone erfolgt daraufhin eine Währungsreform vom 24. bis 28. Juni auf die "Mark der Deutschen Notenbank" (MDN), bei der ein Erfolgserlebnis ähnlich dem in den westlichen Besatzungszonen entfiel.
Die Währungsunion 1990
Die Einführung der Deutschen Mark in der ehemaligen DDR anlässlich der Wiedervereinigung war ein Mittelding - es war keine richtige Währungsreform, aber auch keine einfache Umstellung, denn verschiedene Arten von Geldern wurden mit unterschiedlichen Sätzen umgetauscht (1:1, 2:1).
Österreich
Siehe: Währungsreformen in Österreich
Literatur
Siegfried Freick, Die Währungsreform 1948 in Westdeutschland. Weichenstellung für ein halbes Jahrhundert, Schkeuditzer Buchverlag, Schkeuditz 2001
Weblinks
- http://www.dhm.de/lemo/html/Nachkriegsjahre/EntstehungZweierDeutscherStaaten/waehrungsreform.html
- http://www.fortunecity.de/arbeit/versicherung/231/WERBUNG/50ER/wunder.htm
- http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2002/200203mba_dm_bargeld.pdf
Kategorie:Währung
Kategorie:Numismatik
RechtschreibreformEine Rechtschreibreform ist eine mehr oder weniger eingreifende Änderung der Rechtschreibung (Orthographie) einer Sprache. Für die aktuell im deutschen Sprachraum diskutierte Reform von 1996 siehe unter Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996.
Rechtschreibreformen in verschiedenen Sprachen
Im deutschen Sprachraum fanden zwei orthographische Konferenzen mit dem Ziel einer Vereinheitlichung der deutschen Orthographie statt:
- 4. bis 15. Januar 1876: „Konferenz zur Herstellung größerer Einigung auf dem Gebiet der deutschen Orthographie“ (I. Orthographische Konferenz in Berlin);
- 17. bis 19. Juni 1901: „Konferenz zur Erzielung einer einheitlichen deutschen Rechtschreibung“ (II. orthographische Konferenz in Berlin).
Danach wurden zwei Reformen mit dem Ziel der Vereinfachung der Rechtschreibung geplant:
- die Rechtschreibreform von 1944, die schon gedruckt vorlag, aber nicht umgesetzt wurde;
- die Rechtschreibreform von 1996, deren Umsetzung im Jahr 2005 im Wesentlichen abgeschlossen wurde.
Zwischenzeitlich gab es bereits einige Änderungen der deutschen Rechtschreibung, für die aber keine formale Reform erforderlich war.
Reformen der Rechtschreibung gab es unter anderem auch in folgenden anderen Sprachen:
- dänische Sprache
- französische Sprache,
- niederländische Sprache
- norwegische Sprache.
In einigen anderen Sprachen ist es dagegen sehr unwahrscheinlich, dass es jemals zu einer Rechtschreibreform kommen wird, da es an einer Instanz fehlt, die eine solche Reform beschließen und durchsetzen könnte oder weil kein ausreichender Wille dazu zu erkennen ist. Dazu zählt insbesondere die
- englische Sprache.
Die Rechtschreibung der englischen Sprache hat sich zwar, auch ohne dass es einer formalen Reform bedurfte, seit dem 16. Jahrhundert erheblich verändert, weitergehende Reformversuche scheiterten jedoch größtenteils. Die einzige bedeutende Ausnahme bildeten die Vorschläge von Noah Webster, von denen sich einige in Nordamerika vollständig durchsetzten und auf die ein Großteil der heutigen Unterschiede zwischen amerikanischer und britischer Rechtschreibung zurückgehen.
Zu den weiteren Reformversuchen zählt u.a. die Kampagne der 1908 in England gegründeten Simplified Spelling Society (SSS), welche sich das Ziel setzte, die Unregelmäßigkeiten der englischen Rechtschreibung zu reduzieren. Viele Persönlichkeiten schlossen sich dieser Kampagne an, darunter George Bernard Shaw und Isaac Pitman. In den USA hatten unter anderem Benjamin Franklin, Samuel Morse und später Mark Twain Schritte zur Vereinfachung der Rechtschreibung der englischen Sprache vorgeschlagen. Insbesondere der Amerikaner William Thornton, geboren auf den Westindischen Inseln, hat sich seit 1785 mit der Vereinfachung der englischen Rechtschreibung beschäftigt, die von seiner Absicht ausging, das Leben der Sklaven zu verbessern, die zumeist Analphabeten waren.
Wenig oder gar kein Reformpotential und -bedarf besteht in Sprachen, die traditionell phonologisch geschrieben werden:
- italienische Sprache,
- serbische Sprache,
- kroatische Sprache,
- spanische Sprache,
- ungarische Sprache.
In wenigen Sprachen wurde einmal eine radikale Rechtschreibreform mit Umstellung von einem etymologischen auf ein phonologisches Regelsystem durchgeführt:
- finnische Sprache,
- lettische Sprache,
oder umgekehrt:
- slowakische Sprache (1851)
Eigentlich nicht als Rechtschreibreform kann man die Vereinfachung eines Ideogrammsystems bezeichnen...
- chinesische Schrift.
... ebenso wenig einen Wechsel der Schriftzeichen:
- türkische Sprache (Wechsel von arabischen auf lateinische Schriftzeichen),
- koreanische Sprache (Wechsel von chinesischen auf Hangul-Schriftzeichen).
Inhalt einer Rechtschreibreform
Eine Rechtschreibreform kann in Form einer Wortliste beschlossen werden, wie in Frankreich üblich (1990, als sich der öffentliche Protest auf eine einzige Änderung konzentrierte: ognon statt oignon; 1878 als, ebenfalls unter öffentlichem Protest, poëte sein Trema verlor, bis zurück ins Jahr 1740, als die Académie française mit ihrem Wörterbuch die Schreibweise mehrerer tausend Wörter änderte). Eine Rechtschreibreform kann aber auch die Änderung von Rechtschreibregeln umfassen, wie zuletzt 1996 in Deutschland, als unter anderem neue Regeln zur Verwendung von Doppel-s und ß, zu Dreifachkonsonanten, zur Groß- und Kleinschreibung, zur Schreibung von Fremdwörtern, zur Auseinanderschreibung zusammengesetzter Wörter und zur Zeichensetzung (Interpunktion) sowie zur Worttrennung am Zeilenende erlassen wurden.
Verfügungsgewalt über die Rechtschreibung
Der deutsche Bundestag beschloss am 26. März 1998: „Die Sprache gehört dem Volk!“ Eine Rechtschreibreform setzt demnach voraus, dass eine Mehrheit der Schreibenden eine Reform wünscht und die Beschlüsse eines demokratisch eingesetzten wissenschaftlichen Sprachrates dem Sprach- beziehungsweise Schreibgebrauch entsprechen. Sie sollten demzufolge so überzeugend sein, dass sie von der Mehrheit der Bevölkerung akzeptiert werden. Die längste Tradition als eine solche Instanz hat die Académie française, die zwar als nationale französische Institution konstituiert ist, aber im gesamten französischen Sprachraum anerkannt wird. Dagegen gibt es keine übergeordnete Instanz, die über die Schreibung des Englischen verfügen könnte; eine solche Instanz hat es historisch nie gegeben. Das Deutsche nimmt zwischen diesen beiden Extremen eine Mittelstellung ein.
Juristisch betrachtet stellt das, was man gemeinhin als „Rechtschreibung“ bezeichnet, nichts Anderes als eine Verwaltungsvorschrift dar. Sie ist nur im Bereich der öffentlichen Verwaltung (Bund, Länder, Gemeinden) verbindlich.
Damit in allen Teilen der öffentlichen Verwaltung dasselbe Regelwerk gilt und in der täglichen Verwaltungspraxis angewendet wird, müssen der Bund (i.d.R. der Bundesinnenminister) sowie jedes einzelne der 16 Bundesländer die deutsche Rechtschreibung formal als Verwaltungsvorschrift erlassen.
In der Staatspraxis sieht es so aus, dass die Kultusministerkonferenz auf dem Gebiete der Rechtschreibung Beschlüsse fasst, die dann sowohl von Seiten der Bundes- als auch der Landesverwaltung als Verwaltungsvorschrift erlassen werden.
Tatsächlich gesellschaftlich durchgesetzt wird die Rechtschreibung überwiegend mittels der Schulen, da diese im staatlichen Innenverhältnis der Verwaltungsvorschrift Rechtschreibung unterliegen, sowie über die Medien und Verlage, die von sich behaupten, die gültige Rechtschreibung in ihrem Bereich zu praktizieren, de fakto aber ihre eigenen orthographischen Krautgärten, häufig gegen grammatische Erkenntnisse, wild wuchern lassen.
Beispiel alter Schreibweise
Meldungen aus dem Preußischen Stadt- und Landbote - Tageblatt für Eberswalde und Umgebung aus dem Jahre 1901
- Oderberg, 5. Januar. In Flammen aufgegangen ist heute Mittag gleich nach 11 Uhr die dicht an der Bahn kurz vor der Station Oderberg-Bralitz belegene Holz-Briquette-Fabrik des Dampfschneidemühlenbesitzers C. Müller-Bralitz. Die Fabrik ist erst vor 3 Jahren errichtet und glich in ihrem Aeußeren einem Prachtbau. Das Feuer, welches im Trockenboden ausgekommen sein soll, verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit und bald war die ganze Fabrik bis auf das Maschinengebäude vernichtet. Der entstandene Schaden dürfte durch Versicherung annähernd gedeckt sein.
- Oderberg, 5. März. vermutlich ertrunken ist am Sonnabend vormittag der fünfjährige Sohn des Schiffbauers Kunze auf der Kolonie Teufelsberg. Der Kleine ist mit seinem Vater über das Eis gegangen und dann von dem Vater wieder nach Hause geschickt worden. Dort ist er jedoch nicht wieder angekommen und Niemand weiß, wo er geblieben ist. In Folge dessen muß man also annehmen, daß das Kind in offenes Wasser geraten und ertrunken ist. Nach der Leiche ist bisher vergeblich gesucht worden.
- Oderberg, 23. März. Die Eisversetzungen sind vorüber. Trotzdem ist ein nicht bedeutendes Anschwellen der Oder zu constatieren. Wenn nicht bald wieder ein fallen des Wassers eintritt, so wird die Oder die Ufer theilweise überfluthen und den angrenzenden Besitzern unangenehm sich bemerkbar machen. Das neu errichtete Bollwerk wird gleichfalls bald vom Wasser überfluthet sein.
- Oderberg, 6. April. In die bis zum 1. April von Herrn Postsecretair a. D. Beeck innegehabte Wohnung in dem Kunz’schen Hause an der Eberswalder Chausse wurde vor einigen Tagen von der Straße aus ein Schuß durch das Fenster abgefeuert. Außer der Beschädigung einer Fensterscheibe wurde, da das Zimmer noch unbewohnt war, glücklicherweise kein Unheil weiter angerichtet. Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, den Thäter zu ermitteln.
- Oderberg, 15. April. Bei dem heute nachmittag zwischen 2-3 Uhr niedergehenden Gewitter fuhr der Blitz in die Nähe der Walter’schen Ziegelei bei Neuenhagen eine ca. 20 Meter hohe Kiefer und warf dann, als er die Erde berührte, den Sand noch drei Meter hoch auf die umstehenden Bäume.
siehe auch: Geschichte der deutschen Rechtschreibung.
Kategorie:Medien
Kategorie:deutsche Sprache
Kategorie:Zeitung
Kategorie:Reform
Große StrafrechtsreformUnter der Großen Strafrechtsreform versteht man in Deutschland die grundlegende Umgestaltung des Strafgesetzbuches, die in den 1950ern und 1960ern betrieben wurde.
Entwicklung
Bis zum Zweiten Weltkrieg
Eine Reform des Strafgesetzbuches von 1871 wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Entwürfe erarbeitet, diese scheiterten jedoch wegen des Endes der Weimarer Republik und des Beginns der NS-Diktatur.
1950er bis 1969
Im Jahr 1953 ließ Bundesjustizminister Thomas Dehler Gutachten zu einer Reform des deutschen Strafrechts erstellen. Sein Nachfolger Fritz Neumayer berief 1954 eine Kommission zur Erstellung eines neuen StGB ein. Diese Große Strafrechtskommission bestand aus 24 Mitgliedern (u. a. aus Professoren, Richtern und Bundestagsabgeordneten) und tagte von 1954 bis 1959. Resultat waren mehrere Gesetzesentwürfe, darunter der Entwurf aus dem Jahr 1962 (E 1962, BT-Drs. IV/650).
1966 erschien der "Alternativ-Entwurf eines Strafgesetzbuches" (AE) von mehreren deutschen und schweizerischen Professoren (darunter Claus Roxin und Werner Maihofer), der ebenfalls Einfluss auf die weitere Gesetzgebung hatte.
Beschlossen wurde die Reform schließlich von der großen Koalition. Der Sonderausschuss des Bundestags für die Strafrechtsreform arbeitete die ersten beiden Strafrechtsreformgesetze aus, die 1969 verabschiedet wurden:
- Erstes Gesetz zur Reform des Strafrechts (1. StrRG), verkündet am 25. Juni 1969 (BGBl. I S. 645), in Kraft getreten am 1. September 1969 bzw. am 1. April 1970.
- Zweites Gesetz zur Reform des Strafrechts (2. StrRG), verkündet am 4. Juli 1969 (BGBl. I S. 717), in Kraft getreten am 1. Juli 1975.
Nach 1969
In den Folgejahren wurden durch weitere Strafrechtsreformgesetze insbesondere Änderungen am Besonderen Teil des StGB vorgenommen.
Inhalt
Das 2. StrRG gestaltet den Allgemeinen Teil des StGB neu. Durch das 1. StrRG traten einige wichtige Neuerungen schon vorher in Kraft. Darüberhinaus gab es auch Änderungen am Besonderen Teil. Die wesentlichsten Änderungen im Einzelnen:
Strafe nur bei Rechtsgutverletzung
Taten werden nur noch bestraft, wenn durch sie ein Rechtsgut verletzt wurde. Dass eine Tat unmoralisch ist, genügt demnach nicht mehr. Infolgedessen wurde unter anderem folgende Tatbestände abgeschafft oder entschärft:
- Unzucht zwischen Männern (§ 175 a.F.)
- Widernatürliche Unzucht (§ 175b a.F.)
- Kuppelei (§ 180 a.F.)
- Verführung (§ 182 a.F.)
- Verbreitung unzüchtiger Schriften (§ 184 a.F.)
Form des Freiheitsentzugs
Die Zuchthausstrafe wurde abgeschafft. Statt der verschiedenen Formen des Freiheitsentzugs (Zuchthaus, Gefängnis) wurde nun als einheitliche Strafe die Freiheitsstrafe eingeführt.
Alternativen zum Freiheitsentzug
Weiterhin wurden die Möglichkeiten erweitert, lediglich eine Geldstrafe zu verhängen oder eine Strafe zur Bewährung auszusetzen. So sollen nun im Regelfall keine Freiheitsstrafen von weniger als sechs Monaten verhängt werden ([http://dejure.org/gesetze/StGB/47.html § 47]).
Literatur
- Niederschrift über die Sitzungen der Großen Strafrechtskommission, Bd. 1–14. 1956–1960.
Kategorie:Rechtsgeschichte
Kategorie:Strafrecht
SozialpartnerschaftDie Sozialpartnerschaft ist die Zusammenarbeit zwischen den Organisationen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer. Sie dient der außerparlamentarischen Konsensbildung zwischen den unterschiedlichen Interessen in Bezug auf Wirtschafts- und Sozialthemen. Die beteiligten Parteien sind die Sozialpartner. Sie legen in Tarifverträgen vor allem die Arbeitsbedingungen, die Arbeitszeit und das Arbeitsentgelt fest.
Österreich
Vor allem in Österreich bildet sich diese Form der Zusammenarbeit in den 60er und 70er Jahren zu einem Instrument des Dialoges heraus, das sich nicht nur auf die unmittelbaren Themen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beschränkt, sondern alle Wirtschafts- und Sozialbereiche einbindet. Auch für den parlamentarischen Bereich, machten die Sozialpartner ihre Vorschläge.
Das österreichische System der Sozialpartnerschaft war Ende des vorigen Jahrhunderts nicht unwesentlich für den Ruf Österreichs als Insel der Seligen verantwortlich, auf der Streikzeiten in Sekunden pro Jahr gemessen wurden.
Der Einfluss der Sozialpartnerschaft ist in den letzten Jahren einerseits auf Grund der wirtschaftlichen Gegebenheiten, andererseits durch vermehrten politischen Druck gesunken. Sie findet aber innerhalb der österreichischen Bevölkerung nach wie vor breite Zustimmung.
In Österreich wird die Sozialpartnerschaft gebildet aus:
- Wirtschaftskammer Österreich (WKO),
- Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammern Österreichs,
- Österreichischer Gewerkschaftsbund (ÖGB)
- Bundesarbeiterkammer (BAK)
Weblinks
- [http://www.sozialpartner.at/ Sozialpartnerschaft]
-
Kategorie:Politik (Österreich)
Kategorie:Tarifvertragsrecht
Kategorie:Gesetz (Österreich)
DemokratisierungDemokratisierung ist der Prozess der Entstehung demokratischer Strukturen.
Sie ist oftmals in den ehemals undemokratischen Ländern wie den sozialistischen Ländern und anderen vormaligen Diktaturen anzutreffen. Innerhalb der wissenschaftlichen Diskussion über die Befriedung gewaltsamer Konflikte, kann die Demokratisierung die Entwicklung einer Konfliktkultur, die die gewaltlose Lösung von Konflikten vorsieht, vorantreiben (siehe zivilisatorisches Hexagon von Dieter Senghaas).
Angewendet wurde sie unter anderem im Nachkriegs-Deutschland (in der US-Doktrin der Modellfall für Nation-Building) und beinhaltet die Anpassung der bestehenden Gesellschaftsform an die Normen und Wertvorstellungen der Demokratie.
Dazu gehört der Entwurf einer entsprechenden Verfassung, einer Legislative und Judikative.
Demokratisierung kann sich aber auch auf Institutionen wie Unternehmen (Mitbestimmung) oder Hochschulen (Hochschulreform) beziehen. Sie steht dann für die vermehrte Möglichkeit und Rechte der mit der Institution durch Ausbildung oder beruflich verbundenen Menschen, Ideen einzubringen und auf Entscheidungen Einfluss zu nehmen (Gestaltung).
Siehe auch:
Demokratie,
Despotismus,
Kommunismus
Neoliberalismus
Kategorie:Demokratie
Umverteilung Wechsel der Verfügbarkeit von Einkommen oder Kapital
Der Begriff der Umverteilung beschreibt einen sozial- bzw. wirtschaftspolitischen Prozess, im Allgemeinen den Wechsel der Verfügbarkeit von Einkommen oder Kapital. Die staatlich durchgeführte und durch den Willen seiner Bürger legitimierte Umverteilung wird von der individuell und auf eigene Faust vollzogenen Zueignung unterschieden; letztere wird als Eigentumsdelikt in sämtlichen Kulturen der Welt geächtet und in sämtlichen Ländern der Welt unter Strafe gestellt.
Umverteilung durch Besteuerung
Umverteilung findet in unterschiedlichem Maße in jedem modernen Staat statt. Beispielsweise ist die Einkommensteuer für Spitzenverdiener in Deutschland beim Spitzensteuersatz derzeit 42%, bei einem Geringverdiener nur 15%.
Welche Bedeutung die Umverteilung über die Einkommensbesteuerung als Instrument zur Nivellierung hat und wie groß oder gering diese Bedeutung ist, zeigt die Differenz der Ungleichverteilungskennzahlen vor und nach Steuern. Für Westdeutschland galt im Jahr 1995 (Werte für 1992 in Klammern):
- Hoover: 0,3(0,3) brutto und 0,27(0,27) netto, Nivellierung: 0,03(0,03);
- Kullback und Leibler: 0,32(0,34) und 0,27(0,28), Nivellierung: 0,05(0,06);
- Atkinson: 0,33(0,36) und 0,27(0,28), Nivellierung: 0,06(0,08);
- Gini: 0,42(0,43) und 0,38(0,39), Nivellierung: 0,04(0,04).
(Rechengang und Grunddaten: [http://www.umverteilung.de/verteilung.htm http://www.umverteilung.de/verteilung.htm])
Umverteilung durch Subventionen
Weitere Umverteilung finden durch Subventionen statt. Subventionen erfolgen direkt durch Geldzahlungen, Steuervergünstigungen oder durch Bereitstellung von kostenloser/kostengünstiger öffentlicher Leistung. Manchmal werden dazu weitgehend eigenwirtschaftlich arbeitende, aber von der Politik abhängige Körperschaften gezwungen wie etwa der ÖPNV.
Umverteilungsdebatte
Die Diskussion um eine angenommene, eine geforderte oder eine abgelehnte Umverteilung ist in der Sozialpolitik ein geradezu historischer Streitpunkt.
Die meisten Umverteilungsdiskussionen gehen davon aus, dass die Einkommen berechtigt sind und entsprechend der Produktivität differenziert sind. Auf der anderen Seite sagt die Volkswirtschaftslehre, dass man
die Produktivität eines einzelnen Beschäftigten nicht messen kann. Beide Aussagen widersprechen sich und auch die unterschiedliche Lohndifferenzierung bei äquivalenten Arbeitsabläufen in verschiedenen Ländern zeigen, dass man die Produktivität eines einzelnen Beschäftigten nicht messen kann. Deshalb ist die Behauptung, dass der Lohn der Produktivität des Beschäftigten entspricht - falsch. Die Lohndifferenzierung sagt deshalb nur etwas über die Machtverteilung aus. Die Einkommensdifferenzierung kann deshalb sehr ungerecht sein und über die Umverteilung nähert man sich in der Regel mehr der Gerechtigkeit als dass man sich davon entfernt.
Allgemein herrscht Konsens dazu, dass eine Umverteilung notwendig ist, wenn die biologische Existenz oder die Gesundheit eines Menschen gefährdet sind. Es gibt allerdings gegenwärtig in Deutschland und in vielen anderen Ländern Diskussionen darüber, welcher Umfang der medizinischen Leistungen gesellschaftlich zu garantieren sei. Außerdem werden häufig Stimmen laut, die gegenwärtig erfolgende Umverteilung sei zu umfangreich und nicht gezielt genug gerichtet, aus diesem Grunde gibt es Vorschläge und Gesetzesinitiativen der beiden großen Parteien in Deutschland, die den Umfang der Umverteilung reduzieren sollten. Die Gegenposition ist, dass die Umverteilung nicht ausreiche, wo Ungleichverteilung der Einkommen und Vermögen zunähme.
Grundsätzlich stellt sich neben der Frage der ethischen Rechtfertigung der Umverteilung die Frage, wie viel oder wie wenig Umverteilung eine Gesellschaft verträgt und ob Umverteilung überhaupt nötig sei. Wird mit dem Ziel einer geringeren Ungleichheit zu viel umverteilt, so reduziert dies die Leistungsbereitschaft aller. Leistung wird dann nicht mehr durch ein höheres Einkommen belohnt. Wird mit dem Ziel einer höheren Ungleichheit zu wenig umverteilt, so steigt das Konfliktpotential. Bei extrem hohen Ungleichverteilungen steigt das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzung.
Oft wird behauptet, dass die sozialen Unterschiede in einer Gesellschaft zu groß wären wenn eine zu geringe Umverteilung erfolgen würde. Die Gegenposition ist, dass soziale Unterschiede leistungsfördernd wirken können. Die Grundfragen sind:
- Wann sind sozialen Unterschiede zu groß oder zu klein?
- Welche negativen oder positive Folgen haben sozialen Unterschiede?
Dazu wird manchmal behauptet, große sozialen Unterschiede hätten eine gestiegene Anzahl der Eigentumsdelikte zur Folge. Dieses Argument bleibt umstritten - es werden genauso die hohen Kriminalitätsraten einiger Metropolen der Vereinigten Staaten zitiert wie auch die Praxis der sozialistischen Staaten in Osteuropa, wo die sozialen Unterschiede offiziell gering waren aber die Eigentumsdelikte keinesfalls eliminiert wurden. Bei beiden Argumenten ist zu berücksichtigen, dass soziale Unterschiede nur einer von vielen möglichen Faktoren ist, die Einfluss auf den Grad der Beschaffungskriminalität haben. Siehe dazu Reduzierung der Kriminalität durch Voght.
Ein weiteres Beispiel für ein Argument in der zur Umverteilungsdiskussion führenden Ungleichheitsdiskussion gibt He Qinglian in Zhongguo Xiandaihua de XianJing (Die Fallen der Modernisierung in China, besprochen von Liu Binyan und Perry Link in [http://www.nybooks.com/articles/717 New York Review of Books,]8.10.1998) anhand des Gini-Koeffizienten: Ein Koeffizient von 0,3 oder weniger zeige eine deutliche Gleichverteilung an, 0,3 bis 0,4 sei der Bereich akzeptabler Normalität, 0,4 oder mehr werde für zu hoch gehalten. Über 0,6 gäbe es soziale Unruhen.
Umverteilung beschränkt sich aber nicht nur auf steuerliche Fragen und Subventionen. So entstand im Zusammenhang mit der Diskussion um Verteilungsgerechtigkeit auch der Begriff der "Umverteilung von unten nach oben". Eine als nicht leistungsgerecht empfundene Verteilung von Einkommen wird in dieser Weise ebenfalls als Umverteilung bezeichnet.
Die Frage nach der ethischen Seite von Umverteilung zum Ausgleich unterschiedlicher Resourcenverteilung ist eine der grundlegenden Fragen, mit denen sich die Menschen in einer Gesellschaft auseinandersetzen. In Demokratien wird versucht, sie in einem pragmatischen Ansatz dem Wähler zur Beantwortung zu übergeben.
Voraussetzung für Umverteilung
Eine entscheidende Voraussetzung für Umverteilung ist in jedem Fall, dass es Resourcen zum Umverteilen gibt. Daraus folgt, dass die Resourcenlage einer Gesellschaft einen entscheidenden Einfluss darauf hat, wie Resourcen in einer Gesellschaft verteilt werden. Die Unterschiedlichkeit der Resourcenverteilung zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten ist ein wesentlicher Grund für die unterschiedlichen Antworten auf die Frage, ob und vieviel in einer Gesellschaft umzuverteilen sei.
Siehe auch: Sozialpolitik, soziale Gerechtigkeit, soziale Ungleichheit, Wohlfahrtsökonomie
Kategorie:Sozialstaat
Kategorie:Wohlfahrtsökonomie
GemeinwesenGemeinwesen ist ein Sammelbegriff, der sämtliche gegenwärtigen und historischen Organisationsformen des menschlichen Zusammenlebens bezeichnet die über den Familienverband hinausgehen. In der Gegenwart ist der Staat die beinahe ausschließliche existente Form des Gemeinwesens. Aber auch die Kommunen als seine elementaren Teilsysteme können als Gemeinwesen aufgefasst werden. Manchmal bestehen neben dem Staat und der bürgerlichen Gemeinde noch ältere Formen des Gemeinwesens fort und machen diesen ihren Exklusivitätsanspruch streitig, so zum Beispiel die Stammesorganisationen der nordamerikanischen Indianer oder die in manchen Regionen Afrikas fortbestehenden traditionellen Königreiche.
Die längste Zeit waren die menschlichen Gemeinwesen nicht als Staaten im modernen Sinne verfasst. Es gab stattdessen in der Geschichte eine Vielzahl alternativer Organisationsformen menschlicher Gemeinschhaften: die Stämme der Gentilordnung, die altorientalischen Despotien, die griechische Polis, die ständisch verfassten Länder und Reiche des Mittelalters, frei geschlossene Bünde und Einungen, die mittelalterliche Stadtkommune und andere mehr. Allen genannten Formen von Gemeinwesen fehlen die charakteristischen Merkmale moderner Staaten. Die meisten von ihnen können am besten als Personenverband beschrieben werden.
Liste unterschiedlicher Gemeinwesen
- Clan, Volksstamm, Ethnie
- Personenverband
- Land, Reich
- Gemeinde, Stadt, Dorf, Polis
Vgl. auch Gesellschaft und Gemeinschaft
Kategorie:Soziologie
Markt
Der Begriff Markt (v. lat.: mercatus Handel, zu merx Ware) bezeichnet im engeren Sinne den Ort, an dem Waren regelmäßig gehandelt oder getauscht werden. Im weiteren Sinne bezeichnet der Begriff heute das geregelte Zusammenführen von Angebot und Nachfrage von Waren, Leistungen und Rechten. Das traditionelle Zeichen eigener Markthoheit einer Stadt war früher der Roland.
Marktrecht und Marktplatz
Hauptartikel Marktrecht
Marktrecht, Marokko ]]
Ein Markt, in ostdeutschen Städten als Ring (polnisch Rynek) bezeichnet, ist ein städtischer Platz (z. B. Gendarmenmarkt in Berlin), auf dem regelmäßig Verkaufsveranstaltungen (Märkte) abgehalten werden oder wurden. Dieser so genannte Marktplatz ist in der Regel der zentrale Platz in einer Stadt, an dem auch das Rathaus errichtet wurde. In größeren Städten existierten oft mehrere Marktplätze, auf denen früher spezifische Waren angeboten wurden. Um Märkte nicht unter freiem Himmel abhalten zu müssen, wurden in vielen Städten Markthallen errichtet. Das Recht einen Markt abzuhalten (Marktrecht) war im Mittelalter für die städtische Entwicklung entscheidend, und galt als erste Stufe zum Stadtrecht. Der Roland als traditionelles Symbol der Markthoheit findet sich heute noch als Standbild in etlichen deutschen Städten, z. B. in Brandenburg an der Havel, Bremen, Halberstadt, Stendal, Wedel und Zerbst. Manchen Gemeinden wurde früher offiziell der Titel einer "Marktgemeinde" verliehen. In Bayern und Österreich ist der Begriff Markt bis heute teilweise offizieller Bestandteil des Ortsnamens.
Arten von Märkten
Aus dem ortsbezogenen Marktbegriff hat sich im Zeitverlauf ein auf die Verkaufsform bezogener Marktbegriff abgeleitet. Heute unterscheidet man eine ganze Reihe unterschiedlicher Märkten.
Markt als offene Verkaufsveranstaltung
Ortsname)]]
Ortsname
Markt ist ebenfalls die Bezeichnung der Verkaufsveranstaltung an sich, zu der in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen an einem bestimmten Ort Händler zusammenkommen, um Waren des täglichen Bedarfs an Ständen zu verkaufen (so genannte Krämer- oder Krammärkte), oft in Form eines Wochen- oder Jahrmarkts. Werden über den täglichen Bedarf hinausgehende Waren angeboten, spricht man von Flohmarkt.
Neben solchen allgemeinen Marktveranstaltungen hat sich im Lauf der Geschichte eine ganze Reihe spezieller Veranstaltungen im Marktform entwickelt. Hierzu zählen beispielsweise Obst- und Fischmärkte (wie zum Beispiel der Hamburger Fischmarkt), Bauernmärkte, aber auch Weihnachtsmarkt und Messen.
Großmarkt
Ein Großmarkt ist ein Ort (meistens eine Halle), an dem Obst und Gemüse (bevorzugt von landwirtschaftlichen Betrieben aus der näheren Umgebung) ihre Produkte an Wiederverkäufer (z.B. Supermärkte) verkaufen.
Supermarkt
Ein Supermarkt ist ein Laden, der - wie ein historischer Wochenmarkt - verschiedene Waren des täglichen Bedarfs anbietet. Die moderne Markthalle nimmt mit ihren meist festen Ständen eine Zwischenstellung zwischen Markt und Supermarkt ein.
Börse
Börsen sind Spezialmärkte (für Aktien, Kuxe, Obligationen, Versicherungen, spezielle Waren (Öl, Immobilien u. a. m.). Nach der Art des Handels lassen sie sich z. B. unterteilen in geregelter Markt, amtlicher Markt, Neuer Markt.
Marktbegriff in der Wirtschaft
Hauptartikel Markt (Ökonomie), Marketing
Der Begriff Markt bezeichnet in der Wirtschaft ganz allgemein den (realen oder virtuellen) Ort des Zusammentreffens von Angebot und Nachfrage von und nach einem Gut. Daraus ergeben sich das Marktgleichgewicht und der Marktpreis. Dabei wird der Markt heute i. A. als die effizienteste Methode zur Güterallokation angesehen und ist daher prägend für das in den meisten Ländern vorherrschende Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft. Erweist sich die Güterallokation über einen Markt im Einzelfall als ineffizient, so spricht man vom Marktversagen.
Von der Volkswirtschaftslehre behandelte Märkte sind beispielsweise der Gütermarkt, die Finanzmärkte (Geldmarkt, Kapitalmarkt, Devisenmarkt, ...) oder der Arbeitsmarkt.
Aus unternehmerischer Sicht bezeichnet man als Markt ein Absatzgebiet. Der Terminus neue Märkte erschließen bezeichnet heute eine Grundanforderung für jedes wachstumsorientierte Unternehmen. Der relevante Gesamtmarkt lässt sich dabei in Marktsegmente unterteilen. Aus der großen Bedeutung des Absatzgebietes für ein Unternehmen hat sich in der Betriebswirtschaftslehre das Fachgebiet Marketing entwickelt.
Marktbegriff in der Soziologie
Hauptartikel Marktsoziologie
In der Soziologie wird der Markt als allgemeines Muster gesellschaftlichen Handelns seit Ferdinand Tönnies (für "Gesellschaft" gegenüber "Gemeinschaft") und Max Weber genutzt, er umfasst in seiner weitest greifenden Ausprägung jeden Tausch sozialer Sanktionen (also auch negativer Sanktionen bis hin zum Krieg).
Kategorie:Wirtschaft
ja:市場
simple:Market
WirtschaftswissenschaftlerWirtschaftswissenschaft (Ökonomik) ist die Lehre von der Ökonomie (v. griech.: Oikos = Haushalt und Nomos= Gesetz). Sie unterteilt sich in die Bereiche Betriebswirtschaftslehre, welche die wirtschaftliche Seite eines Unternehmens innerhalb einer Volkswirtschaft untersucht, sowie Volkswirtschaftslehre (ehemals Nationalökonomie), welche die gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge und Prozesse in einer Gesellschaft untersucht. Die Wirtschaftsinformatik trat Mitte der 1980er Jahre als Teildisziplin der Wirtschaftswissenschaft hinzu. Um wirtschaftstheoretische Modelle empirisch zu überprüfen und ökonomische Phänomene quantitativ zu analysieren werden ökonometrische Methoden eingesetzt.
Ebenso werden die Wirtschaftspädagogik, das Wirtschaftsingenieurwesen sowie die Wirtschaftsgeschichte im Rahmen der Wirtschaftswissenschaft berücksichtigt. Weitere Disziplinen sind die Wirtschaftsgeographie, Verkehrswirtschaftslehre und die Wirtschaftsethik. Wirtschaftliche Aspekte werden auch in anderen Sozialwissenschaften untersucht.
Historische Entwicklung
Die Geschichte der Wirtschaftswissenschaft ist fast so lang wie die Menschheitsgeschichte. Die großen Denker der Antike und des Mittelalters gelten als Ahnherren der Wirtschaftswissenschaft. Als Geburtsstunde der Wirtschaftswissenschaft in der heute verstandenen Form als Forschungsdisziplin mit eigenständigen Theoriegebilden gilt das Jahr 1758, in welchem der französische Arzt Francois Quesnay sein Tableau économique veröffentlichte. Durch die Beobachtungen am Hofe Ludwigs XV. angeregt beschrieb der damals 64-jährige Gelehrte in seinem Werk die Abhängigkeiten von Geld- und Güterströmen und damit den Einkommenskreislauf eines Landes.XY
Methoden
Die Methodenfragen und -positionen in den Wirtschaftswissenschaften sind durch vier Methodendebatten gekennzeichnet:
# Historismus(-debatte)
# Werturteil(-sdebatte)
# Positivismus(-streit)
# Kuhninismus(-debatte)
Organisationen, Verbände und Vereine
- Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb)
- Gesellschaft für Experimentelle Wirtschaftsforschung (GEW)
Literatur
- Pribram, Karl: A History of Economic Reasoning. Johns Hopkins University Press 1983. ISBN 0801822912
- Pribram, Karl: Geschichte des ökonomischen Denkens. Übersetung der Originialausgabe A History of Economic Reasoning. Erster und zweiter Band. Frankfurt/M.: Suhrkamp Verlag 1998. ISBN 351828956X.
- Frank, Jürgen: Kritische Ökonomie
- Kromphardt/Clever/Klippert: Methoden der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
- Lipczynski, John & Wilson, John: Industrial Organisation - An analysis of competitive markets. Prentice Hall 2001, Essex.
- Starbatty, Joachim: Geistesgeschichte als Korrelat zur Ökonomik, in: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
Siehe auch
- Sozialwissenschaften
- Portal:Wirtschaft
- Liste von Ökonomen
- Deutsche Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften (ZBW)
Weblinks
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UnternehmenAls Unternehmen oder Unternehmung wird allgemein ein von Personen durchzuführendes Vorhaben bezeichnet. Im wirtschaftlichen Bereich wird seine Struktur im so genannten Geschäftsplan festgeschrieben. Die Begriffe Unternehmung und Unternehmen werden heute meistens synonym gebraucht.
Rechtsbegriff
Wirtschaftsunternehmen werden in Form einer so genannten Firma geführt. Der Firmenbegriff ist im § 17 HGB festgelegt und bezeichnet die juristische Benennung eines kau |