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Reformierte Kirche

Reformierte Kirche

Die Reformierte Kirche (Reformierter Bund, gelegentlich auch Evangelisch-Reformierte Kirche) ist eine vor allem auf das reformatorische Wirken von Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf zurück gehende Kirche.

1522: Fastenbrechen als "Urdatum"

"Urdatum" ist das Wurstessen bei dem Züricher Bürger Christoph Froschauer, einem Druckereibesitzer, an Invokavit 1522 (9. März), also dem ersten Sonntag der vorösterlichen Fastenzeit. Zwingli soll an dem Wurstessen zwar nicht teilgenommen haben, aber anwesend gewesen sein. Als Priester verteidigte er den Fastenbruch: Das Fastengebot sei ein menschliches Gesetz und deshalb nicht unbedingt gültig. Nur göttlichen Gesetzen müsse der Mensch unbedingten Gehorsam leisten. Die göttlichen Gesetze aber findet Zwingli in der Bibel (zum Ganzen vgl. den folgenden Link [http://www.zwingli.ch/a-z/wurst.htm]). :Die Invokavit-Woche 1522 stellt zugleich auch für die lutherische Reformation ein wichtiges Datum dar. Luther hielt in dieser Woche seine berühmt gewordenen "Invokavitpredigten", in denen er sich mit Bildersturm und radikalen Wendungen der Reformation in Wittenberg auseinandersetzte.

1529: Marburger Religionsgespräche

Ein Zusammenschluss mit dem lutherischen Zweig der Reformation gelang nicht, vor allem weil in der Abendmahlsfrage keine Einigung erzielt werden konnte (Marburger Religionsgespräch 1529 zwischen Luther und Zwingli). Luther hielt an der wirklichen Gegenwart (Realpräsenz) von Leib und Blut Christi in den Gestalten des Mahls fest.

1563: Heidelberger Katechismus

Das wichtigste reformierte Dokument des 16. Jahrhunderts in Deutschland stellt der Heidelberger Katechismus dar. Zugleich dokumentiert dieser Katechismus die innerreformierte Spaltung: Während sich im Gefolge von Zwinglis Theologie in Zürich, Bern, Basel und anderen Orten eine sehr enge Verzahnung von politischer und geistlicher Führung herausbildete, arbeitete Calvin in seiner Institutio eine biblisch begründete Kirchenordnung heraus, die die Ämter von Presbyter und Pfarrer als Gemeindeleitung sowie daneben die Ämter des Diakons und des Lehrers kennt; zudem wird die Kirchenzucht betont, die den Presbytern obliegt ([http://www.ubf-net.de/heidelberg/hdkat/hdkat2f.htm#82 Heidelberger Katechismus Frage 82-85]; bedeutende Folgen bei Paul Schneider).

Ausbreitung

Während sich in den deutschen und niederländischen Gebieten die Genfer Richtung durchsetzte, war Bullinger mit seinen Bemühungen in England mehr Erfolg beschieden. - Das Waadtland nahm eine Zwischenstellung ein. Die Reformation in diesem Berner Untertanengebiet wurde von Bern und Zürich her angestoßen; später geriet es aber - als vor allem französischsprachiges Territiorium - unter starken Genfer Einfluss. So behielt es zwar im Wesentlichen die zwinglische Theologie bei, führte aber unter Genfer Druck das calvinische Kirchenmodell ein. Reformierte Kirchen und Gemeinden sind heute außer in der Schweiz vor allem in den Niederlanden und in Schottland verbreitet, in Deutschland auf dem Hunsrück, am Niederrhein, im Bergischen Land wie z.B. in Wuppertal, im Siegerland, in Nordwestdeutschland (vor allem Grafschaft Bentheim und Ostfriesland), im Ravensberger Land, an der Plesse, in Bayern (siehe Evangelisch-reformierte Kirche - Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland) und in Lippe (siehe Lippische Landeskirche). Ihr äußeres Charakteristikum ist in vielen Fällen die Sparsamkeit der Kirchenausstattung, liturgisch fällt die Vorrangstellung des Wortes auf; so kannte der Gottesdienst in Zürich zur Zeit Zwinglis keine Gesänge, Calvin führte den Psalmengesang ein, was zum weit verbreiteten "Genfer Psalter", einer Sammlung von Nachdichtungen der biblischen Psalmen, führte. In Sachsen wurde 1601 der ehemalige Kanzler Nikolaus Krell als des Kryptokalvinismus Beschuldigter auf Betreiben der sächsischen Kurfürstin-Witwe Sophie von Brandenburg hingerichtet. Sein Ziel war eine europäische Union aller Protestanten und die Beendigung des Bruderkrieges zwischen den beiden Kirchen der Reformation, der "lutherischen" und der "reformierten" Kirche. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es in Deutschland (Preußen) – dessen Herrscherhaus, die Hohenzollern, reformierten und dessen Bevölkerungsmehrheit lutherischen Glaubens war – und anderen Teilen der Welt zahlreiche Kirchenunionen unter Beteiligung reformierter Kirchen und Gemeinden. In der Leuenberger Konkordie von 1973 wird erklärt, dass und inwiefern der innerprotestantische Dissens in der Abendmahlslehre nicht mehr kirchentrennend sei. Zu den reformierte Kirchen gehören auch Presbyterianer und Kongregationalisten. Besonders bedeutende reformierte Theologen des 16. Jahrhunderts waren: Zürcher Richtung:
- Ulrich Zwingli
- Heinrich Bullinger Genfer Richtung:
- Johannes Calvin
- Theodor Beza
- Guillaume Farel (auch: Wilhelm Farel) Schottland:
- John Knox

Lehre

der Mensch ist von Natur aus ein Sünder und kann nur durch Jesus Christus errettet werden. Man soll eigenes Glück nicht völlig vor Gott stellen. Nur die Heilige Schrift und der Katechismus sind als Gottes Wort zu verstehen. Alles was nicht in der Bibel steht ist nicht Gottes Wort.

Weblinks

Internationale Seiten


- [http://www.warc.ch/de/index.html Reformierter Weltbund]
- [http://www.reformiert-online.net Reformiertes Internetportal für den deutschsprachigen Raum]
- [http://www.reformed.org was "reformiert historisch wirklich bedeutet]
- [http://www.berg-giessen.de ausgezeichnete reformierte Theologie]

Deutschland


- [http://www.reformierter-bund.de Reformierter Bund (Deutschland)]
- [http://www.altreformiert.de Evangelisch-altreformierte Kirche in Niedersachsen]
- [http://www.reformiert.de Evangelisch-reformierte Kirche (Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland)]
- [http://www.lippische-landeskirche.de Lippische Landeskirche]
- [http://www.berg-giessen.de Bekennende Evangelisch-reformierte Gemeinde Giessen]

Österreich


- [http://www.reformiertekirche.at Evangelische Kirche H.B. in Österreich]
- [http://www.reformed.org Was "reformiert" wirklich bedeuted]

Schweiz


- [http://www.ref.ch Evangelisch-reformierte Kirchen der Schweiz]
- [http://www.sek-feps.ch Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund] !

Ulrich Zwingli

Ulrich Zwingli (
- 1. Januar 1484 in Wildhaus/Schweiz; gefallen im Zweiten Kappelerkrieg 11. Oktober 1531 in Kappel am Albis/Schweiz) ist der Zürcher Reformator. Aus der Zürcher Reformation und der Genfer Reformation ging die reformierte Kirche hervor. reformierte Kirche Im Gegensatz zu manch volkstümlichen Annahmen lautet sein Taufname "Ulrich" (im Gedenken an den Heiligen Ulrich von Augsburg). Erst mit der Zeit begann Zwingli selbst, seinen Vornamen zu Huldrych ("Huldreich") zu verändern; dies wohl als humanistisch-volksetymologische Spielerei (Ulrich kommt von althochdeutsch uodal "Erbbesitz" + rich "mächtig"). Erst nach seinem Tode wurde "Huldrych" bei Reformierten anstelle des als katholisch unbrauchbar gewordenen Heiligennamens "Ulrich" populär. Seine Theologie wurde in der zweiten Generation von Heinrich Bullinger und Johannes Calvin weitergetragen.

Werdegang

Familie

Ulrich war das dritte Kind seiner Eltern Johann Ulrich und Maria Bruggmann, welche insgesamt elf Kinder hatten.

Ausbildung

Zwingli wuchs bei einem Onkel, der Priester des Bistums Konstanz war, gemeinsam mit dessen Kindern und seiner Konkubine auf. Zum Studium der septem artes liberales (die "sieben freien Künste", die jedem Studium der Theologie, Jurisprudenz und Medizin vorausgingen) ging er nach Bern sowie Wien und brachte es zu einem ausgezeichneten Humanisten, absolvierte dann ab 1502 das theologische Studium zu Basel als Schüler von Thomas Wyttenbach.

Priesterlicher Dienst

Glarus

1506 wurde Zwingli Pfarrer in Glarus. Als solcher nahm er an den Feldzügen der Glarner für den Papst gegen die Franzosen in der Lombardei 1512-1515 teil, wofür er bis 1517 vom Papst eine Pension von 50 Gulden jährlich bezog. Er beschäftigte sich mit humanistischen Studien und dann intensiv mit dem eben erschienenen griechischen Neuen Testament des Erasmus von Rotterdam, wobei er zum Schluss kam, dass die Lehre der Kirche in manchen Dingen nicht mit dem Neuen Testament übereinstimmte. Mit Erasmus verband ihn darüber hinaus die Ablehnung des Krieges.

Einsiedeln

1516 berief ihn Diebold v. Geroldseck als Prediger in das durch Wallfahrten berühmte Kloster Maria-Einsiedeln. Auf solche Weise auf den Schauplatz des krassesten Aberglaubens versetzt, fing er bald an, wider Wallfahrten und andre Missbräuche, und wider den seit 1518 in der Schweiz wirkenden päpstlichen Ablasskrämer Bernardin Samson zu predigen. Er forderte sogar die Bischöfe zu Sitten und Konstanz auf, die Kirche nach Anleitung des göttlichen Wortes zu verbessern. Zu gleicher Zeit trat er aber auch aufgrund seiner Erfahrungen beim Italienfeldzug gegen die Demoralisation des Volkes durch das Reislaufen an, wie die Kriegsdienste der Schweizer im Sold Frankreichs, Mailands und die Schweizergarde des Papstes bezeichnet wurden. Als Konsequenz seiner Beteiligung am Krieg in der Lombardei übernahm er Erasmus' Überzeugung: "Der Krieg erscheint den Unkundigen als süss." (Dulce bellum inexpertis.)

Zürich

Da die Zürcher Regierung ebenfalls gegen das Söldnerwesen war, verschaffte ihm diese Haltung das einflussreiche Amt als Leutpriester am Grossmünster in Zürich, das er am 1. Januar 1519 antrat. In seinen kunstlosen, aber klaren, allgemein verständlichen Predigten legte er fortlaufend die Evangelien aus. Das Volk und der Rat von Zürich liessen sich davon überzeugen. Sämtliche Prediger in Stadt und Land wurden 1520 von der Obrigkeit angewiesen, dem Evangelium gemäss zu predigen. 1522 veröffentlichte Zwingli seine erste reformatorische Schrift gegen das Fasten der römischen Kirche. "Von Erkiesen und Freiheit der Speisen". Dieses Werk schrieb er aus Anlass des Fastenbrechens eines Freundes. Zwingli selbst war beim "Wurstessen" anwesend, aber nicht beteiligt. Mit der Schrift rechtfertigte er das Handeln, da das Fastenhalten gegen den christlichen Glauben verstosse. An den Bischof von Konstanz sandte er ein ebenso bescheidenes wie nachdrückliches Bittschreiben, in welchem er und zehn seiner Genossen erklärten, dass sie "mit Gott fest entschlossen seien, das Evangelium ohne Unterlass zu predigen" und in dem sie um Aufhebung der Zölibatsgesetze nachsuchten. Damals bemühte sich Papst Hadrian VI., Zwingli durch einen die Frömmigkeit des Reformators anerkennenden Brief von weiteren Schritten gegen die katholische Kirche abzuhalten. Als die Dominikaner in Zürich Zwingli Ketzerei vorwarfen, lud der Grosse Rat alle Theologen, die Zwingli der Ketzterei überführen könnten, auf den 29. Januar 1523 zu einer Disputation (1. Zürcher Disputation) über die von Zwingli aufgestellten Thesen nach Zürich ein und es wohnten derselben circa 600 geistliche und weltliche Personen bei. Da die Abgeordneten des Bischofs, namentlich Johann Faber, gegen Zwinglis Thesen nur die Autorität der Tradition und der Konzile geltend zu machen wussten, erkannte der Rat von Zürich Zwingli den Sieg zu. Auf einem zweiten, vom 26. bis 29. Oktober 1523 gehaltenen Religionsgespräch in Zürich wurde in Gegenwart von fast 900 Zeugen aus eidgenössischen Orten über Bilderdienst und Messe gestritten. Grund für die 2. Zürcher Disputation war die Predigt gegen Bilderverehrung und einem daraus resultierenden Bildersturm. Es wurde beschlossen, dass die Bilder entfernt werden, dies aber nicht sofort geschehe, sondern innerhalb eines halben Jahres, damit das Volk durch weitere Predigten auf diesen Einschnitt vorbereitet werden könne. Dieser Bildersturm führte u.a. auch zum sog. Ittingersturm. Ein drittes Gespräch 13. und 14. Januar 1524 beseitigte auch die Messe. Noch im selben Jahr, am 19. April 1524 verheiratete sich Zwingli mit der 33jährigen Witwe Anna Meyer, geborene Reinhard, mit der er schon vorher unehelich zusammengelebt hatte. Die Reformation in Zürich betraf nicht nur die Religion. Der Rat, unter Beratung Zwinglis, ordnete Schul-, Kirchen- und Ehewesen neu und gab Sittengesetze heraus. Zwingli hatte kein politisches Amt, aber grossen Einfluss - der Rat wusste, dass das Volk auf Zwinglis Predigten hörte. 1525 gab Zwingli sein Glaubensbekenntnis Von der wahren und falschen Religion heraus, das er dem König Franz I. von Frankreich schickte. Mit Luther und den anderen deutschen Reformatoren in vielen Punkten einig, verfuhr Zwingli doch in liturgischer Beziehung radikaler und verwarf die leibliche Gegenwart Christi im Abendmahl. Ab 1525 waren die Reformation und die Reform des Gottesdienstes in Zürich abgeschlossen. Es wurde das Abendmahl in beiderlei Gestalt in Gedächtnis gefeiert. Die Bilder, Messen und das Zölibat waren abgeschafft und es gab eine geregelte Armenfürsorge. Diese finanzierte sich aus Geldern, die durch die Säkularisation von Klöstern u.ä. frei wurden. Ebenfalls wurde 1525 die Propstei am Grossmünster gegründet. Dies war eine Art Ausbildungsstätte für angehende Theologen. Sie mussten Bibelexegese lernen und die gewonnenen Ergebnisse in deutschen Predigten dem Volk vortragen. Dadurch wurden die Theologen geschult und das Volk sollte in der Bibel verwurzelt werden. Zwingli war als Antistes der Leiter der Zürcher Kirche. Zwingli sah Kirche und Staat in enger Zusammenarbeit und darin für die Obrigkeiten eine ernste Verpflichtung. Er erklärte, dass die Obrigkeit, welche ausser der Schnur Christi fahren, das heisst die Vorschriften Christi sich nicht zum Massstab nehmen wolle, mit Gott entsetzt werden möge. Auf den vom Landgrafen von Hessen, Philipp dem Grossmütigen, welcher Zwinglis weittragende politische Ansichten teilte, im Oktober 1529 zur Beilegung des Abendmahlsstreites zu Marburg im Schloss veranstalteten Marburger Religionsgesprächen wurde Zwingli von Luther schroff zurückgestossen, und der Plan einer gemeinsamen protestantischen Unternehmung gegen Kaiser und Papst scheiterte an theologischen Differenzen. Doch immer kühner wurden die Pläne der beiden innig verbundenen Freunde, des Landgrafen und Zwinglis. Dieser begeisterte 1530 jenen für den fast überkühnen Plan, durch einen Bund von der Adria bis zum Belt und zum Ozean die Welt aus der Umklammerung des Habsburgers zu retten. Damals hatte Zwingli schon im Januar 1528 bei einem Religionsgespräch zu Bern auch diesen Kanton für die Reformation gewonnen. Aber nachdem durch den ersten Kappeler Frieden 1529 die drohende Gefahr eines Glaubenskriegs zwischen Zürich und den fünf katholischen Urkantonen (freilich gegen Zwinglis Wunsch, der diese mit Gewalt der Waffen dem Evangelium öffnen wollte) beseitigt schien, kam es doch 1531 zum zweiten Kappelerkrieg zwischen Zürich und den katholischen Kantonen Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug. In enger Zusammenarbeit mit Leo Jud übersetzte Zwingli zwischen 1524 und 1529 die Bibel. Diese Übersetzung ist heute als die "Zürcher Bibel" bekannt. Am 11. Oktober 1531 unterlagen die Zürcher bei Kappel und Zwingli selbst fand auf dem Schlachtfeld seinen Tod. Am folgenden Tag schleppte man den Leichnam zum Scheiterhaufen und streute die Asche in den Wind. Erst 1838 wurde ihm in Kappel und 1885 in Zürich ein Denkmal errichtet. Zwingli besass einen scharfen Sinn für das Praktische, der ihn zu politischen Überlegungen befähigte. In die kirchliche Arbeit etwa mit der Prophezei, einer Art Volkshochschule, bezog er Laien ein. Als Schattenseite seines Wirkens muss hingegen sein Verhältnis zur Täuferbewegung angesehen werden. Erst in jüngster Zeit (2004) fand eine versöhnende Versammlung zwischen Zürcher Reformierten und den Täufern statt. Zwinglis Reformation ging von anderen Voraussetzungen aus und hatte, bei vielen Gemeinsamkeiten mit Luther, auch deutliche Unterschiede zu diesem. Während Luther Missstände in der Kirche, die seinem Verständnis der Bibel widersprachen entfernen wollte (z.B. den Ablasshandel), akzeptierte Zwingli in der Kirche nur das, was ausdrücklich in der Bibel stand. Von daher sind die reformierten Kirchen noch ausgeprägter als die lutherischen, Kirchen des Wortes: kein Kirchenschmuck ausser Bibelsprüchen, keine Glaubensbekenntnisse, Liturgie ist nur das, was in der Bibel steht, sogar auf Musik im Gottesdienst wurde eine Zeit lang verzichtet - obwohl Zwingli selbst sehr musikalisch war. Heinrich Bullinger wurde Zwinglis Nachfolger in Zürich.

Wirkungen

Auswirkungen der Theologie Ulrich Zwinglis sind vor allem in der deutschsprachigen Schweiz sowie im Waadtland festzustellen. Der Erfolg der Reformation ist dabei nicht ohne weitere Persönlichkeiten wie Johannes Oekolampad und Oswald Myconius in Basel, Berchtold Haller in Bern, Sebastian Hofmeister und Erasmus Ritter in Schaffhausen, Joachim Vadian und Johannes Kessler in St. Gallen und Johann Comander in Graubünden denkbar. In Deutschland gehen nur die reformierten Kirchen in Grönenbach und Herbishofen auf Zwinglis Wirken zurück. Die übrigen reformierten Kirchen sind - wie sich am Heidelberger Katechismus ablesen lässt - stärker von Calvins Denken beeinflusst.

Werke


- Von Erkiesen und Freiheit der Speisen (April 1522)
- Commentarius de vera et falsa religione (1525)
- Amica exegesis (1527)
- Fidei ratio (Juli 1530)
- Sermonis de providentia Dei anamenema (August 1530)
- Christianae fidei brevis et clara expositio ad regem christianum (Juli 1531)
- Zwinglis "Sämtliche Werke" erschienen zuerst in Folio (Zürich 1545 u. 1581), erneut herausgegeben von Schuler und Schultheß (Zürich 1828-42, 8 Bde.; dazu Supplemente 1861).
- Huldreich Zwinglis sämtliche Werke. Einzig vollständige Ausgabe der Werke Zwinglis, unter Mitw. d. Zwingli-Vereins in Zürich hrsg. von Emil Egli, Berlin-Leipzig-Zürich 1905 ff. (Corpus reformatorum 88-101) (noch unvollständig)
- Auswahlausgabe: Ernst Saxer: Ausgewählte Schriften in neuhochdeutscher Wiedergabe mit einer historisch-biographischen Einführung, Neukirchen-Vluyn 1988

Literatur


- Basis für alle älteren Biographien ist:
Myconius, Oswald: Narrationem de vita et obitu Zwinglii; Zürich 1532
neu herausgegeben von Rüsch, Ernst Gerhard: Vom Leben und Sterben Huldrych Zwinglis (dt.-lat.); St. Gallen: Fehr 1979
- Gäbler, Ulrich: Huldrych Zwingli. Eine Einführung in sein Leben und sein Werk; München: Beck, 1983; ISBN 3-406-09594-1 (kt.) bzw. ISBN 3-406-09593-3 (Ln.) (= Berlin: Evangelische Verlagsanstalt, 1985); 3. Auflage: Zürich: TVZ, 32004; ISBN 3-290-17300-3
- Hamm, Berndt: Zwinglis Reformation der Freiheit; Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1988; ISBN 3-7887-1276-7
- Locher, Gottfried Wilhelm: Huldrych Zwingli; in: Greschat, Martin (Hg.): Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 5: Die Reformationszeit I, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz: Kohlhammer, 21994; S. 187-216; ISBN 3-17-013695-X (Gesamtausgabe)

Weblinks


- [http://www.zwingli.ch Zwingli-Seite des Kirchlichen Informationsdienstes der Ev.-ref. Landeskirche des Kantons Zürich]
- [http://zh.ref.ch/staat/geschichte/zwingli.htm Zwingli: Staat als weltliche Form des Gottesvolkes]
- [http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/zwingli Texte von Zwingli]
- Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich Zwingli, Ulrich als:Zwingli ja:フルドリッヒ・ツヴィングリ ko:울리히 츠빙글리

Zürich

Zürich (französisch/englisch: Zurich, italienisch: Zurigo, schweizerdeutsch: Züri, rätromanisch: Turitg, lateinisch: Turicum) ist mit knapp mehr als 340'000 Einwohner (als Agglomeration 1.08 Mio.) die grösste Stadt der Schweiz. Sie liegt an der Limmat am Ausfluss des Zürichsees und ist die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons (Kanton Zürich). Seit 1989 fällt die Stadt Zürich mit dem Bezirk Zürich zusammen. Die Einwohner nennen sich Zürcher, in der Stadt leben 29% Ausländer (2004).

Wappen

Das von Silber und Blau schräg geteilte Wappen entstand im 14. Jahrhundert und wurde aus den blau-weiss gestreiften Bannern abgeleitet, welche seit 1315 verwendet worden waren. Der Kanton und die Stadt Zürich benutzen dasselbe Wappen. Der Löwe bzw. die Löwen werden nur im Vollwappen verwendet. Siehe auch: Wappen (Zürich)

Geographie

Wappen (Zürich) Wappen (Zürich) Zürich liegt am unteren Ende des Zürichsee am Ausfluss der Limmat. Beim Platzspitz mündet die Sihl in die Limmat. Die Stadt nimmt eine Fläche von 91.88 km² ein. Bei klarem Wetter hat man von der Quaibrücke eine gute Sicht auf die 60 km entfernten Glarner Alpen. Die Stadt ist von bewaldeten Bergen umgeben, im Westen der Hausberg Uetliberg (873 m), auf den die Uetlibergbahn führt, im Osten Zürichberg (670 m) und Adlisberg (700 m) und im Norden Waidberg (650 m). Die Hänge sind zwar hoch hinauf bebaut, aber ein Viertel der Stadtfläche ist Waldgebiet, was zusammen mit den vielen Gärten und den Parkanlagen am See ein sehr grünes Stadtbild ergibt. Nach Nordwesten dehnt sich die Stadt ins Limmattal aus, im Norden schwappt sie zwischen Zürichberg und Waidberg über ins Glattal. Einzelne Quartiere haben eine ausgeprägte Eigenart, z.B. die Altstadt beidseits der Limmat, das Villenquartier Zürichberg, das Geschäftsviertel um die Bahnhofstrasse und die alten Arbeiterquartiere in Aussersihl. Deutlich von der Innenstadt getrennt sind die Quartiere nördlich von Zürich- und Waidberg im Glattal (Oerlikon, Seebach, Affoltern und Schwamendingen). Die Stadt weist ausgedehnte Agglomerationsgebiete auf, die nur teilweise durch Eingemeindung Ende des 19. und anfangs des 20. Jahrhunderts Teil der politischen Gemeinde Zürich geworden sind. Zürich ist in 12 Kreise aufgeteilt, die je zwei bis vier Quartiere umfassen. siehe Stadtteile der Stadt Zürich Stadtteile der Stadt Zürich

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Zürich (nach dem Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Regensdorf · Rümlang · Opfikon · Wallisellen · Dübendorf · Fällanden · Zollikon · Kilchberg · Adliswil · Stallikon · Uitikon · Schlieren · Oberengstringen

Bevölkerung

Offiziell leben in der grössten Schweizer Stadt rund 370'000 Personen (Stand 2005). Rund jeder dritte in Zürich registrierte Einwohner besitzt keinen Schweizer Pass. Den grössten Anteil an der ausländischen Bevölkerung stellt mit knapp 18'000 Personen Deutschland, gefolgt von Immigranten aus Italien und Serbien und Montenegro. Zudem leben auch viele zugezogene Personen aus anderen Kantonen in Zürich. Jedoch wird die tatsächliche Zahl Einwohner wohl höher liegen, da auch viele nicht registrierte Menschen in Zürich leben (z.B. Sans papiers). In der Agglomeration Zürich leben gegenwärtig 920'000 Personen, im Grossraum (inkl. Winterthur, Baden/Brugg (Kanton Aargau), Uster/Wetzikon und Rapperswil-Jona) sind es rund 1,4 Millionen. Die Arbeitslosigkeit in der Stadt Zürich beträgt 4.2 % (Stand: August 2005).Rund 4 % der Stadtbevölkerung bzw. 15'500 Personen leben direkt oder indirekt von Sozialhilfe (Stand: April 2005).

Politik

Sozialhilfe Die Legislative ist der Gemeinderat mit 125 Mitgliedern, die nach dem Proporzverfahren gewählt werden. Stärkste Partei ist (Stand: 10. Juni 2002) die SP mit 49 Sitzen, zweitstärkste die SVP mit 31 Sitzen, die FDP hat 20 Sitze, die Grünen 10, die CVP 10, die AL 3 und die EVP 2. Der Gemeinderat trifft sich jeden Mittwochabend im Rathaus. Die Exekutive der Stadt Zürich ist der neunköpfige Stadtrat. Aktuell sind in ihm vier Mitglieder der SP, drei der FDP sowie ein Mitglied der Grünen und eine Parteilose. Stadtpräsident ist Elmar Ledergerber.

Wirtschaft

Elmar Ledergerber Zürich ist das Zentrum der Schweizer Bankenwirtschaft und auch als internationaler Finanzplatz von Bedeutung. Neben den beiden Grossbanken (Credit Suisse und UBS) haben auch etliche kleinere Bankinstitute ihren Sitz in der Stadt. Die grössten Arbeitgeber der Stadt sind die Dienstleistungsbrache sowie die Verwaltung und die Hochschulen. Die früher sehr bedeutende Industrie ist grösstenteils verschwunden. Allerdings haben immer noch bedeutende Industriefirmen Niederlassungen in Zürich, so ABB und Siemens.

Medien

Das öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehen SF DRS hat seinen Sitz in Zürich. Auch das Schweizer Radio DRS hat in Zürich ein Studio. Das Regionalfernsehen TeleZüri und verschiedene lokale Radiosender (Radio 24, Radio Energy Zürich, Radio LoRa, Radio Tropic. berichten vorwiegend aus der Stadt Zürich und Umgebung. Die Printmedien-Landschaft hat in den letzten fünfzig Jahren eine starke Konzentration erfahren. Momentan erscheinen noch die traditionell liberale Neue Zürcher Zeitung (NZZ) und der Tages-Anzeiger in grösserer Auflage. Das Tagblatt der Stadt Zürich ist zugleich städtisches Amtsblatt und wird als solches kostenlos an alle Haushalte geliefert.

Verkehr

Tagblatt der Stadt Zürich Der Flughafen Zürich in Kloten ist ein wichtiges Drehkreuz im europäischen Luftverkehr und hat eine gute Anbindung an die Eisenbahn. Zürich ist ein Eisenbahnknotenpunkt von nationaler Bedeutung, zu dem auch der zwischen den Nachbarorten Dietikon und Spreitenbach gelegene Rangierbahnhof Zürich-Limmattal gehört. Innerhalb der Gemeindegrenzen betreiben die Schweizerischen Bundesbahnen 13 Bahnstationen, darunter den Hauptbahnhof, den grössten Bahnhof der Schweiz, und den für seine moderne Architektur preisgekrönten Bahnhof Zürich Stadelhofen. Der öffentliche Verkehr im Gebiet der Stadt wird in erster Linie durch Trams, Auto- und Trolleybusse sichergestellt. Betreiber sind die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ). Die VBZ sind Partner im Zürcher Verkehrsverbund (ZVV), zu der auch die S-Bahn Zürich gehört. Es verkehren aber auch Schiffe auf der Limmat und dem See, die durch die Zürichsee-Schiffahrtsgesellschaft (ZSG) betrieben werden. Mit zwei Standseilbahnen (Polybähnli, Seilbahn Rigiblick) und einer Zahnradbahn (Dolderbahn) können die Steigungen am Zürichberg schnell überwunden werden. Die nächsten Erweiterungen des Verkehrsnetztes um Zürich sind im Norden geplant. Die Glattalbahn wird Oerlikon mit Schwamendingen und Dübendorf sowie mit dem Flughafen verbinden. Die Eröffnung der ersten Etappe ist für 2006 vorgesehen. Diverse U-Bahn-Projekte sind vorwiegend aus finanziellen Gründen bisher gescheitert.

Bildung

U-Bahn Die Stadt Zürich ist Sitz vieler Hochschulen und Bildungsinstitute. Im 19. Jahrhundert wurden über der Stadt auf der «Zürcher Akropolis» die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) und die Universität Zürich gegründet. Beide sind auch international von Bedeutung. Weitere wichtige Hochschulen und Forschungsinstitute im Raum Zürich: Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich · Hochschule für Musik und Theater Zürich · Hochschule für Technik Zürich · Hochschule für Wirtschaft und Verwaltung Zürich · Hochschule für Angewandte Psychologie Zürich · Hochschule für Pädagogik Zürich· Hochschule für Heilpädagogik Zürich · Hochschule für Soziale Arbeit Zürich · Internationale Schule für Touristik AG · Universitätsspital Zürich · Psychiatrische Universitätsklinik Zürich («Burghölzli») · Freud Institut Zürich · Technopark Zürich

Geschichte

Technopark Zürich Die Entstehung der heutigen Stadt Zürich geht auf die Gründung des Klosters Fraumünster im 9. Jahrhundert zurück. Der Name der Stadt leitet sich von einer römischen Zollstation Turicum ab. Zürich war eine bedeutende Stadt des Herzogtums Schwaben und stieg 1262 zur Reichsstadt auf. Die Regierung der Stadt lag seit 1336 in der Hand der Handwerkervereinigungen (Zünfte). Später entwickelte sich daraus eine Zunftaristokratie. 1351 trat Zürich der Alten Eidgenossenschaft bei und spielte als Vorort eine wichtige Rolle in der weiteren Geschichte der Schweiz. Ab 1519 wurde Zürich unter Huldrych Zwingli zu einem Zentrum der Reformation, zum «Rom an der Limmat». Die Stadt erwarb bis ins 18. Jahrhundert ein grosses Untertanengebiet aus dem nach der Ende der städtischen Vorherrschaft im 19. Jahrhundert der Kanton Zürich entstand. Nach der Industrialisierung stieg Zürich zu einem wirtschaftlichen Zentrum der Schweiz auf. siehe Geschichte der Stadt Zürich, Liste der Zürcher Persönlichkeiten, Liste der Bürgermeister der Stadt Zürich

Sehenswürdigkeiten

Gebäude, Plätze und Stadtviertel

Liste der Bürgermeister der Stadt Zürich]] Auf dem linken Limmatufer liegt ein Teil der Altstadt mit dem Sitz der Stadtverwaltung im Stadthaus beim Fraumünster und das Geschäftsviertel um die Bahnhofstrasse, die vom Hauptbahnhof zum Zürichsee führt. Neben vielen noblen Boutiquen und Bijouterien findet man an der eleganten Flaniermeile auch grosse Warenhäuser. Sie ist eine der bekanntesten Strassen der Welt und Magnet für viele Touristen. Auf halber Höhe der Bahnhofstrasse liegt der Paradeplatz, mit den Hauptsitzen der Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse. Am Paradeplatz befindet sich auch die berühmte Confiserie Sprüngli. Über der linken Seite der Limmat liegt der Lindenhof mit grossartiger Aussicht auf die Limmat und die Altstadt. Auf der rechten Limmatseite befinden sich das Niederdörfli mit dem autofreien Limmatquai mit trendigen Boutiquen, Secondhand-Shops, Restaurants, Cafés, Bars etc. Über der Altstadt liegt das Universitätsviertel mit der Aussichtsplattform Polyterrasse und den dominiertenden Gebäuden der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) von Gottfried Semper und der Universität Zürich. An der Rämistrasse liegt das Rechtswissenschaftliche Institut der Universität, in deren Innenhof 2005 ein Bibliotheksbau von Santiago Calatrava eröffnet wurde. Im Gegensatz zu anderen Städten gibt es in Zürich vergleichsweise wenige Hochhäuser, welche die Skyline prägen. Bis in die 1950er-Jahre gab es in Zürich kein einziges privates Hochhaus. Anschliessend wurden zurückhaltend einige Hochhäuser bewilligt. Hochhäuser in Zürich geniessen daher einen speziellen Status.

Kirchen

Hochhäuser in Zürich Hochhäuser in Zürich Das Grossmünster gehört zusammen mit dem Fraumünster und der St. Peter-Kirche zu den bekanntesten Kirchen der Zürcher Innenstadt. Der Bau begann um 1100 auf Anweisung von Kaiser Karl dem Dicken und war im Jahre 1220 vollendet. Die Kirche war Ausgangspunkt und Zentrum der deutschschweizerischen Reformation unter Huldrych Zwingli. Das Fraumünster ist vor allem berühmt für seine prächtigen Glasfenster von Marc Chagall. Die erste Kirche wurde um 874 durch Kaiser Ludwig den Deutschen gestiftet. Die St. Peter-Kirche ist die älteste Pfarrkirche Zürichs. Erstmals erwähnt wurde die Kirche 850, erbaut wurde sie aber vermutlich schon zweihundert Jahre früher. Seit 1360 befindet sich in ihr das Grab von Rudolf Brun, dem ersten Bürgermeister von Zürich. An der Kirchenmauer befindet sich der Grabstein von Johann Caspar Lavater, dem bekanntesten Vertreter der Physiognomie und Pfarrer von St. Peter. Die Kirche verfügt über das grösste Turmzifferblatt Europas (Durchmesser: 8,7 Meter). Weitere sehenswerte Kirchen: Augustinerkirche (1270) · Predigerkirche (1230) · Liebfrauenkirche (1893)

Parks

Der Zoologische Garten bietet mit der neu eröffneten Masoala-Regenwald-Halle eine für Europa einmalige Attraktion. Von den diversen Stadtparks sind insbesondere der (neue) Botanische Garten und der Chinagarten, ein Geschenk der Partnerstadt Kunming sehenswert. Weitere Parks sind der Irchelpark mit einigen modernen Skulpturen sowie der Oerliker Park und der MFO-Park im neu entstehenden Stadtteil Zürich Nord. Der älteste Park der Stadt ist der Platzspitz beim Zusammenfluss von Sihl und Limmat. Entlang des Ufers des Zürichsees befinden sich ausgedehnte Parkanlagen aus dem 19. Jahrhundert.

Denkmäler

In Zürich gibt es einige beachtenswerte Denkmäler berühmter mit Zürich verbundener Personen, zum Beispiel das Alfred Escher-Denkmal auf dem Bahnhofplatz oder das Johann Heinrich Pestalozzi-Denkmal an der Bahnhofstrasse. Weitere Zürcher Denkmäler sind das Hans Waldmann-Denkmal beim Grossmünster und das Ganymed-Denkmal.

Kunst und Kultur

Die Stadt Zürich ist ein wichtiges Zentrum des Schweizer Kulturschaffens. Einen Teil ihres kulturellen Aufschwungs verdankt Zürich den zahlreichen Malern, Komponisten und Schriftstellern, die sich in der Stadt aufgehalten und ihre Prägung hinterlassen haben: unter anderen James Joyce, Thornton Wilder, Hermann Hesse und Thomas Mann. In Zürich, genauer im Cabaret Voltaire, entstand 1915 die künstlerische und literarische Strömung Dadaismus. Seit 2005 wird das Zurich Film Festival mit breiter Unterstützung der Medienbranche durchgeführt.

Theater und Konzerte

Zürich weist eine grosse Anzahl von Theatern und Konzertlokalen auf. International bekannt sind das Opernhaus Zürich das Schauspielhaus Zürich und die Tonhalle. Bekannte Konzertlokale sind die Rote Fabrik in Wollishofen und das Extra Limmathaus am Limmatplatz.

Museen

Tonhalle Das Schweizerische Landesmuseum beim Hauptbahnhof zeichnet die Geschichte der Schweiz seit der Vorgeschichte nach und zeigt Hausgegenstände, Fresken, Waffen, Kleidungen, Gravuren, Goldschmiedekunst usw. Das Gebäude ist einem Schloss nachempfunden und vereinigt alle Stile der Schweiz nach dem Geschmack des 19. Jahrhunderts. Das Kunsthaus Zürich beherbergt eine Sammlung von Werken von Edvard Munch, Alberto Giacometti und anderer moderner und zeitgenössischer Künstler. Für historisch interessierte Touristen besonders interessant ist das kleine Museum des Stadtarchivs am Neumarkt, wo ein Modell der Stadt Zürich im 18. Jahrhundert zu sehen ist. Weitere Museen:Zoologisches Museum Zürich · Völkerkundemuseum Zürich · Museum für Gestaltung Zürich · Helmhaus · Graphische Sammlung der ETH Zürich · Tram-Museum · Mühlerama Tiefenbrunnen · Museum Rietberg · Spielzeugmuseum · Migros-Museum · Money-Museum

Festivitäten

Bekannte Festivitäten in Zürich sind das Knabenschiessen, welches jeweils Mitte September stattfindet, wo rund 5'000 Jugendliche den Schützenkönig unter sich ausmachen, sowie das Sechseläuten jeweils Ende April. Der Mittelpunkt dieses Festes sind ein Umzug der Zünfte und das Abbrennen des «Bööggs», des personifizierten Winters. Beide Anlässe finden an einem Montag statt und sind in der Stadt Zürich offizielle Feiertage . Jeweils Anfang August findet die Streetparade, ein Technoevent, statt, an dem jedes Jahr rund eine Million Menschen zusammentreffen. Es ist das grösste derartige Ereignis weltweit. Ebenfalls im Sommer finden das Langstrassenfest und das Zürifest (alle drei Jahre) statt.

Nachtleben, Partys, Clubs

Das Nachtleben in Zürich ist im Vergleich zur Grösse der Stadt sehr vielfältig. War früher vor allem das Niederdörfli beliebt für den Ausgang (speziell wegen kleinen Insiderclubs und Bars), so zieht es heute die Jüngeren vermehrt nach Zürich West. In der Innenstadt liegt als bedeutender Club nur noch das Kaufleuten. Auf den früheren Industriegeländen wie dem Maag- oder dem Löwenbräuareal schossen die Clubs in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. So zum Beispiel die Säulenhalle im ehemaligen Löwenbräugebäude, das werk21 oder der Code Club. Einer der grösseren Zürcher Clubs - das X-Tra (früher bekannt als Palais oder Limmathaus) - liegt ebenfalls ganz in der Nähe. Weitere bekannte Clubs in Züri West sind die Tonimolkerei, die Dachkantine oder das Moods, ein Jazzclub im Schiffbau. Weitere bekannte Clubs: Abart · Dynamo · Indochine · Kanzlei · Laborbar · Oxa · Rote Fabrik · Club Q · Säulenhalle · Supermarket · Rohstofflager · UG

Aktionen

In unregelmässigen Abständen stellt die City Vereinigung von den Mitgliedern gesponserte Figuren in der ganzen Stadt auf. Die Mitglieder lassen ihre Figuren von Künstlern gestalten. Oft wird die Gestaltung an das Geschäftsfeld des Sponsors angepasst, manchmal werden auch Wortspiele umgesetzt oder mehrere Figuren als Serie gestaltet. Nachdem die Stadt Zürich bei der ersten Aktion 1986 mit Figuren ihres Wappentieres, dem Löwen, verziert wurde folgten 1999 Kühe, 2001 Sitzbänke und 2005 schliesslich Teddybären. Die Figuren stehen jeweils während des Sommers in der Innenstadt (und an Aussenstationen wie dem Flughafen Zürich). Nach Ende der Aktion werden jeweils diejenige Figuren, welche von den Sponsoren nicht behalten werden, in einer Auktion versteigert.

Sport

Zürich besitzt neben privaten sehr viele städtisch geförderte Sportanlagen, welche vom Sportamt unterhalten werden. Dieses ist dem Schul- und Sportdepartement der Stadt Zürich untergeordnet. Die Aufgabe des Sportamts ist die Sportförderung, die Bereitstellung von Sportanlagen öffentliche Publikum, die Durchführung des obligatorischen Schwimmunterrichts (Schulsport) und die Aufklärung der Bevölkerung über Sportmöglichkeiten, Sportanlagen, Sportvereine und Sportveranstaltungen.

Sportvereine

Sport, Stadien und Vereine

Das wohl berühmteste Stadion in Zürich ist das Hallenstadion in Oerlikon. Es steht unter Denkmalschutz und ist das Heimstadion des Eishockeyclubs ZSC Lions. Weitere Stadien sind der Hardturm, Heim des Fussballteams Grasshopper-Clubs Zürich (GC) und der Letzigrund, Heim des Fussballclubs Zürich (FCZ). Für beide Fussballstadien bewilligte das Stimmvolk im Hinblick auf die Europameisterschaft 2008 einen Neubau. Für Aufsehen im Sport-Zürich sorgte zuletzt vor allem der sogenannte Stadion-Streit, der dazu führte, dass der Neubau des ursprünglich als Stadion für die Europameisterschaft 2008 vorgesehenen Hardturms, der auf dem Dach einer kommerziellen Überbauung Platz nehmen soll, wegen Einsprachen von Nachbarn und Umweltverbänden ins Stocken kam. Deshalb wurde im Oktober 2005 mit dem EM-konformen und fristgerechten Umbau des Letzigrundes, des zweiten grossen Zürcher Fussballstadions, in eine reine, luftige Sportanlage begonnen. Die Stadt Zürich besitzt die grösste Dichte an Schwimmanlagen in Europa. 25 öffentliche Bäder, aufgeteilt in 7 Hallen-, 7 Frei-, 5 Fluss- und 6 See- bzw. Strandbäder, zählt Zürich innerhalb der Stadtgrenze. Hinzu kommen 17 weitere Schulschwimmanlagen. 1.7 Millionen (Stand: März 2004) Besucherinnen und Besucher benützen die öffentlichen Bädern jährlich. Die Fédération Internationale de Football Association (FIFA) wie auch die International Ice Hockey Federation (IIHF) haben ihren Sitz in Zürich.

Internationale Turniere

Zürich war einer von sechs Spielorten der Fussball-Weltmeisterschaft 1954, es ist ausserdem als Spielort der Europameisterschaft 2008 vorgesehen (siehe unten). Von 1984 bis 1997 fand jeweils das Hallen-Tennisturnier «Zurich Open» für Frauen statt. Ursprünglich in der Saalsporthalle beheimatet, zog es von 1997 bis 2004 aufgrund des Platzmangels nach Kloten in den Schluefweg. Dort hiess das Turnier dann seit 1998 «Swisscom Challenge». 2005 kehrte die Veranstaltung unter dem Motto the girls are back in town nach Zürich, in das neu renovierte Hallenstadion zurück. Im Hallenstadion fanden 1935 und 1998 Spiele der Eishockeyweltmeisterschaft statt und 49 Mal (seit 1954) das «Sechstagerennen», bis dieses 2001 aufgrund von Zuschauermangel aufgegeben wurde. Seit 1928 wird alljährlich im August im Letzigrund die «Weltklasse Zürich», ein Leichtathletik-Meeting, der Serie der IAAF Golden League ausgetragen.

Lebensqualität

Zürich wurde 2005 in einem internationalen Städtevergleich der Unternehmensberatung W. M. Mercer zum vierten Mal in Folge als Stadt mit der höchsten Lebensqualität bewertet, punktgleich mit Genf und dicht gefolgt von Wien und Vancouver.

Partnerstädte


- San Francisco (ein privates, von der Stadt unterstütztes Projekt [http://www.sfzhinitiative.com])
- Kunming

Literatur


- Zürich by Mike von Mike van Audenhove, Cartoons über die Zürcher, wie sie wirklich sind. ISBN 3-907055-02-0
- Zürich: Reisen mit Insider-Tipps. Mit Cityatlas. Farbfotos, Karten, Pläne. 120 S., ISBN 3-8297-0315-5, Verlag: Marco Polo

Siehe auch

Weblinks


- [http://www.stadt-zuerich.ch/ Offizielle Website der Stadt Zürich]
- [https://data.statistik.zh.ch/infospc/geport/gemeinde.jsp?bfs=171 Statistische Daten Stadt Zürich]
- [http://www.gis.zh.ch/gb4/bluevari/gb.asp?BFS=261 Stadt Zürich] im [http://www.gis.zh.ch/ GIS des Kantons Zürich]
- [http://www.zurichtourism.ch/ Offizielle Website von Zürich-Tourismus]
- [http://swisstownguide.ch/zh/info/deu/hist100.html Stadtgeschichte in Kürze]
- [http://www.wirtschaftsfoerderung.stadt-zuerich.ch Wirtschaftsförderung der Stadt]
- [http://www.stadt-zueri.ch Geschichtlicher Rundgang durch das alte und neue Zürich] Kategorie:Ort in der Schweiz Kategorie:Ort im Kanton Zürich Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Hauptort eines Kantons (Schweiz) Kategorie:Reichsstadt Zurich als:Zürich ja:チューリッヒ ko:취리히 simple:Zürich

Johannes Calvin

Johannes Calvin, eigentlich Jean Cauvin (
- 10. Juli 1509 in Noyon, Picardie; † 27. Mai 1564 in Genf), war ein Schweizer Reformator französischer Abstammung und Begründer des Calvinismus. Johannes Calvin war der Sohn des Generalprokurators des Domkapitels zu Noyon. Er studierte in Paris Rechtslehre, wo er 1533 mit den reformatorischen Lehren Martin Luthers in Berührung kam. Wegen seiner Bekehrung zum Protestantismus musste er Frankreich 1534 verlassen. Er predigte heimlich die neuen Lehren, entkam nur knapp einer Verhaftung, war immer wieder auf der Flucht und unternahm Reisen in die Schweiz und nach Italien. Auf seiner Flucht kam er 1535 nach Basel, wo er zum ersten mal auf Heinrich Bullinger und Guillaume Farel traf. 1536 gab er in Basel seine Christianae Religionis Institutio (dt. "Unterricht in der christlichen Religion") heraus. Im gleichen Jahr hielt ihn auf einer seiner Durchreisen der Prediger Guillaume Farel in Genf fest und beschwor ihn, sich dort für die Sache der Reformation einzusetzen. Er erarbeitete eine Gemeindeordnung mit strenger Kirchenzucht, die auf heftige Widerstände stieß. 1538 wurden er und Farel aus Genf verwiesen, da sie der gesamten Gemeinde das Abendmahl versagten. Dies war eine Protestaktion der beiden als Reaktion auf die Tatsache, dass der Genfer Rat einige Riten und Bräuche (z.B. die Verwendung des Taufbeckens oder der Hostie bei der Abendmahlsfeier) einführen wollte, um damit der verbündeten Stadt Bern zu gefallen. In Folge kam Calvin 1536 nach Straßburg, wo er eine biblische Professur inne hatte und die französische Flüchtlingsgemeinde betreute. Durch Kontakt mit dem dort ansässigen Martin Bucer wurde Calvin in seiner Theologie geprägt - so z.B. in der Prädestinationslehre, im Abendmahlsverständnis und in der 4-Ämter-Lehre. 1541 holte man Calvin jedoch zurück nach Genf, nachdem er einen Antwortbrief an den katholischen Bischof geschrieben hatte. In diesem zeigte sich Calvin aufs tiefste mit Genf verbunden. Der Bischof wollte die Genfer Gemeinde überreden wieder zum katholischen Glauben zurückzukehren. Der Rat wusste darauf nicht zu antworten und bat Calvin dies zu tun. Beeindruckt von diesem Brief rief der Rat Calvin nach Genf zurück, und versprach ihm, diesmal seine Kirchenordnung und strenge Kirchenzucht einzuführen. Im selben Jahr noch schuf er eine neue kirchliche Ordnung. Er verfasste den Genfer Katechismus. Seine Arbeit wurde nach und nach allgemein anerkannt, wobei er bis 1555 stark umstritten war. Aber selbst danach war er zwar kirchlich äußerst einflussreich, aber nicht an der politischen Macht beteiligt. Deshalb ist die Verfolgung der Häretiker im calvinistischen Genf, die entweder aus Genf ausgewiesen oder hingerichtet wurden, nicht allein Calvin anzulasten. So spielten beim bekanntesten Opfer, dem Wissenschaftler und Theologen Michael Servetus, der 1553 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, eine ganze Reihe von Gründen eine Rolle für dessen Verurteilung. U.A. fürchteten die weltlichen Behörden von Genf politische Schwierigkeiten, wenn sie ein nicht-trinitarisches Bekenntnis zugelassen hätten. Deshalb drangen sie auf Härte. Calvin selbst war hier wenigstens etwas milder und sprach sich statt für die Verbrennung für die Enthauptung aus, konnte sich aber nicht durchsetzen. Gerade weil Calvins Macht in Genf letztendlich sehr begrenzt war, ist das von Zweig geprägte Bild stark legendär. 1559 gründete Calvin die Genfer Akademie, die zur Hochschule des Calvinismus wurde. Nach jahrelanger Krankheit starb er 1564 in Genf. Calvins Lehre beinhaltete auch den zentralen Punkt, die Menschen könnten an ihrer Fähigkeit zu strengster Pflichterfüllung sehen, ob sie zum Heil vorausbestimmt seien. Obwohl Calvin mit dieser seiner Prädestinationslehre eigentlich die Allmacht Gottes und Bedeutungslosigkeit des menschlichen Willens betonte, führte sie in Verbindung mit der strengen Moral, die Calvin in Genf einführte, zu jenem Arbeitsethos, das die Grundlage für das Gewinnstreben im Kapitalismus bildete. Die auf den ersten Blick überraschenden und nicht eben geradlinigen Zusammenhänge wurden erst 1904 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen Max Weber (1864 - 1920) entdeckt, sind aber heute kaum noch umstritten. Eine Statue von Johannes Calvin steht am Genfer Reformationsdenkmal.

Calvin und die Hexenprozesse

Genfer Reformationsdenkmal Genau wie Luther befürwortete Calvin vehement die Verfolgung der Hexen und deren Hinrichtung. Johannes Calvin rief in wörtlicher Befolgung alttestamentlicher Aussagen dazu auf, „Hexen“ aufzuspüren und gnadenlos „auszurotten“. Er forderte die unerbittliche Verfolgung und Vernichtung von Feinden Gottes, damit auch der Hexen. Unter Berufung auf die Bibelstelle Exodus 22, 17 erklärte Calvin, Gott selbst habe die Todesstrafe für Hexen festgesetzt. In seinen Predigten über das erste Buch Samuel tadelte er darum jene, welche die Verbrennung der Hexen ablehnen, und wollte sie als Verächter des göttlichen Wortes aus der Gesellschaft ausstoßen. Wer sich gegen die Hinrichtung der Hexen auszusprechen wagte, setzte sich der Gefahr schwerster Verfolgungen, des Bannes oder Todes aus. Calvin glaubte, dass drei Jahre lang Männer und Frauen in Genf durch Zauberkünste die Pest ausbreiteten und hielt alle ihnen durch die Folter abgepressten Selbstanschuldigungen für wahr, nachträglichen Widerruf für unwahr. 1545 wurden innerhalb weniger Monate 34 Unglückliche nach entsetzlichen Martern vor allen Häusern, die sie angeblich mit Pest behext hatten, verbrannt. Der deutsche calvinistische Pfarrer Anton Praetorius wandte sich 1602 mit seinem Buch "Von Zauberey vnd Zauberern Gründlicher Bericht" mit Argumenten aus der Bibel vehement gegen Calvins und Luthers Aufruf zur Verbrennung der Hexen und forderte die Abschaffung der Folter.

Literatur


- Oskar Pfister: Das Christentum und die Angst, Zürich 1945
- Oskar Pfister: Calvins Eingreifen in die Hexer- und Hexenprozesse von Peney 1545 nach seiner Bedeutung für Geschichte und Gegenwart, Zürich 1947
- Jörg Haustein: Martin Luthers Stellung zum Zauber- und Hexenwesen, Dissertation, 1990
- Alister McGrath: A Life of John Calvin
- Stefan Zweig: Castellio gegen Calvin oder Ein Gewissen gegen die Gewalt (1936)

Weblinks


-
- [http://www.efb.ch/Texte/adcalv1.htm Johannes Calvin (1509-1564)]
- [http://www.glaubensstimme.de/reformatoren/calvin Texte von Johannes Calvin]
- [http://www.litlinks.it/cx/calvin.htm Texte im Internet]
- [http://www.lebensquellen.de LebensQuellen - Kalvinismus Heute (ein kalvinistischer Blog] Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes Calvin, Johannes ja:ジャン・カルヴァン ko:장 칼뱅

Christoph Froschauer

Christoph Froschauer (
- um 1490 (vermutlich) in Kastl bei Altötting; † 1. April 1564 in Zürich) war der erste Buchdrucker in Zürich und druckte insbesondere die von Zwingli übersetzte sogenannte "Zürcher Bibel".

Leben

Froschauer erlernt das Setzer- und Buchdruckerhandwerk (vermutlich bei Hans Froschauer) in Augsburg, kommt um 1515 nach Zürich und arbeitet zuerst als Angestellter bei Hans Rüegger, wo er eine Druckerei aufbaut. Nach Rüeggers Tod 1517 heiratet Froschauer dessen Witwe, übernimmt die Druckerei und bekommt 1519 das Bürgerrecht der Stadt verliehen. Dadurch erhält er Druckaufträge vom Staat Zürich. Er druckt ins Deutsche übersetzte Werke von Erasmus von Rotterdam, von Luther und insbesondere von Zwingli. Zwingli bedient sich des neuen Mediums sehr gewandt und lässt Predigten und andere programmatische Schriften in kurzer Zeit bei Froschauer drucken. Froschauer wird so zu einem wichtigen Förderer der Reformation in Zürich. In Froschauers Haus findet im Beisein Zwinglis das [http://www.zwingli.ch/a-z/wurst.htm Wurstessen] während der Fastenzeit statt, eine geplante Provokation, für die er sich vor dem Stadtrat verteidigen muss. In Froschauers Druckerei werden zwischen 1520 und 1564 etwa 1000 Bücher in annähernd einer Million Exemplaren gedruckt, darunter reich ausgestattet Bibeln (1524 Luthers Neues Testament, 1525 Altes Testament, 1530 die "Zürcher Bibel" mit etwa 100 Illustrationen nach Vorlagen von Hans Holbein d. J.). Er druckt nicht nur, sondern schneidet seine eigenen Schriften, baut eine Typengiesserei auf, übernimmt Buchbindearbeiten und den Vertrieb der Werke in einer eigenen Buchhandlung. Mit der Pacht der städtischen Papiermühle auf der Papierwerd in der Limmat erzeugt er sein eigenes Papier. Froschauer stirbt 1564 an der Pest. Die Druckerei wird von seinem Neffen Christoph Froschauer d.J. weitergeführt und wechselt über die Jahrhunderte mehrfach den Besitzer.

Verschiedenes

Die heutige Orell Füssli AG (Verlag, Buchhandlung, Karten- und Banknotendruck) führt ihre Anfänge auf Froschauers Druckerei zurück. Froschauer, Christoph Froschauer, Christoph Froschauer, Christoph Froschauer, Christoph Froschauer, Christoph

1522

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 26. Juni: Die osmanischen Türken beginnen mit der Belagerung von Rhodos, das von den Johannitern verteidigt wird
- 7. September: Juan Sebastián de Elcano beendet die erste Weltumsegelung

Geboren


- 2. Februar: Lodovico Ferrari, Mathematiker († 1565)
- 22. Februar: Lampert Distelmeyer, kurfürstlicher Kanzler der Mark Brandenburg († 1588)
- 28. März: Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach, Markgraf von Brandenburg-Kulmbach († 1557)
- 11. September: Ulisse Aldrovandi, italienischer Arzt und Naturforscher († 1605)
- 9. November: Martin Chemnitz, Lutherischer Theologe († 1586)
- 18. November: Lamoral Graf von Egmond, niederländischer adliger Freiheitskämpfer (hingerichtet 1568)
- Tabernaemontanus, deutscher Mediziner und Botaniker († 1590)

Gestorben


- 30. Juni: Johannes Reuchlin, war deutscher Philosoph und Humanist (
- 1455)
- 5. Juli: Antonio de Nebrija, ein spanischer Humanist und Philologe (
- 1444)
- 30. Oktober: Jean Mouton, französischer Komponist und Sänger (
- 1459) ko:1522년

Fastenzeit

Fastenzeit ist eine Zeit, in der von einer Religion das Fasten vorgeschrieben oder vorgeschlagen wird. Im Christentum ist es ein Merkmal der katholischen Tradition, die sowohl im römischen Katholizismus als auch in der Orthodoxie und im Protestantismus in unterschiedlichem Maß ausgeprägt ist.

Historische Entwicklung und Symbolik der christlichen Fastenzeit vor der Reformation

Zwar sieht die christliche Tradition genau genommen zwei Fastenzeiten vor, da die Adventszeit auch als Fastenzeit gesehen werden kann. Der christliche Brauch der Fastenzeit lässt sich bis in das 4. Jahrhundert zurückverfolgen. Im Mittelalter dauerte die Fastenzeit vor Weihnachten 40 Tage und begann nach dem 11. November, dem Martinstag. Der Brauch, davor noch eine Martinsgans zu essen, stammt aus jener Zeit. Der Begriff Fastenzeit wird jedoch nur (und auch im älteren Sprachgebrauch) für die österliche Bußzeit verwendet. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet in der Osternacht, dem Vorabend des Ostersonntag. In dieser Zeit sind ebenfalls 40 Tage Fastenzeit vorgesehen, wobei die Sonntage seit der Synode von Benevent (1091) nicht mehr dazu gerechnet werden. Im christlichen Festkalender geht die österliche Fastenzeit (Quadragesima) dem Osterfest voran, das durch das Konzil von Nicäa 325 auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgesetzt wurde. Ostern ist deshalb ein beweglicher Festtermin, der auf die Zeit zwischen den 22. März und den 25. April (Ostergrenzen) fallen kann. Der Termin der Fastenzeit ist "beweglich" und definiert sich im Verhältnis zu Ostern durch die Länge der Fastenzeit. In Bezug auf das Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4, 2) legte die Kirche die Länge der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte fest. Die in 40 Einheiten zu teilende Zeitspanne bezeichnet die erdzugewandte Vielfalt und kommt in der Bibel mehrfach vor: 40 Jahre wandern die Israeliten durch die Wüste (Ex 16,35), 40 Tage begegnet Moses Gott auf dem Sinai (Ex 24,18), 40 Tage wandert Elias zum Berg Horeb (1 Kön 19,8), 40 Tage fastet Jesus in der Wüste (Mt 4,2; Lk 4,2) und 40 Tage nach der Auferstehung (= Ostern) feiert die Kirche Christi Himmelfahrt (Apg 1,3). Der Beginn der Fastenzeit liegt auf einem Mittwoch und das Ende der Fastnachtszeit auf dem Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern (Invocabit). Als die Synode von Benevent 1091 die Sonntage in der Fastenzeit als Gedächtnistage der Auferstehung Jesu vom Fasten ausnahm, rückte deshalb der Beginn der Fastenzeit um 6 (Wochen-) Tage vor. Die Fastnacht endet seitdem am Dienstag nach dem 7. Sonntag vor Ostern (Estomihi) und die Fastenzeit beginnt mit dem folgenden Mittwoch, dem Aschermittwoch. Jene, die ihre Fastnacht nach der alten Fastenordnung vor der Regelung in Benevent (1091) feiern, begehen die Alte Fastnacht (auch: Bauernfastnacht), die immer in die geltende Fastenzeit fällt. Zum Unterschied von der Alten Fastnacht wurde der der neuen Fastenordnung entsprechende neue Fastnachtstermin Herrenfastnacht genannt. Die Fastenzeit galt als gebundene Zeit, denn in dieser Zeit waren die Christen an Verpflichtungen gebunden: Die Pflicht zum Fasten, d.h. zum Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte (= Laktizinien), Wein und Eier, Mitfeier der Karwoche und der österlichen Gottesdienste, Teilnahme an der Osterbeichte. Andere Namen für die österliche Fastenzeit oder Fastenquadragese sind: Quadragesima, Quadragena, Quarentana, Quadragesimum major, - ante pascha, tempus quadragesi-male, Großes Fasten, Lange -, jejunium longum, - quadragesimale, - paschale, jejunia.

Fastenzeiten in der römisch-katholischen Kirche

Bis 1966 war in der römisch-katholischen Kirche an allen Freitagen (Gedenktag zum Tod des Herrn) und in der österlichen Bußzeit, das Fasten für jeden Gläubigen verbindlich vorgeschrieben. Da jedoch der eigene Entschluss so nicht gewährleistet ist und die innere Haltung des Gläubigen als ungemein wichtig angesehen wird, wurde das Fastengebot durch Papst Paul VI neu geordnet. Seit dem gelten nur noch der Aschermittwoch (erster Tag der Passionszeit) und der Karfreitag als verbindliche Fasttage, an den übrigen Tagen der Passionszeit wird das Fasten jedoch eindringlich empfohlen. An den verpflichtenden Tagen ist auch genauestens vorgeschrieben wie die Gläubigen fasten müssen: Nur eine Hauptmahlzeit und eine kleine Stärkung zu den anderen beiden Tischzeiten (Abbruchfasten) dürfen eingenommen werden. Außerdem ist auf Fleisch zu verzichten. (siehe auch: Fastensonntag, Funkensonntag, Bohnensonntag) Weil die Enthaltung von Fleisch nicht von jedem Menschen als Verzicht empfunden wird, dürfen an den empfohlenen Fasttagen auch andere Bußformen verrichtet werden. Viele Katholiken essen in dieser Zeit z. B. keine Süßigkeiten und entsagen sämtlichen Genussmitteln wie Kaffee, Tee oder Alkohol. Andere dagegen schränken alltägliche Gewohnheiten wie Fernsehen, Musik hören oder Computerspielen ein und meiden Kneipen- oder Diskobesuche. Auf diese Weise ist es möglich, die Fastenzeit individuell zu gestalten; die Gläubigen fasten so lange sie wollen und auf welche Weise sie es für richtig halten. So nimmt auch die Römisch-katholische Kirche an Aktionen teil, wie z.B. "Auto-Fasten", die gemeinschaftlich mit der Evangelische Kirche in Deutschland und dem Verkehrsclub Deutschland zusammen gesponsort wird. Die bewusste Einschränkung soll v. a. eine Schulung des Geistes bewirken. Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Umkehr. Daher sollen Katholiken während der Passionszeit mindestens einmal die Beichte ablegen.

Fastenzeiten in der östlich-orthodoxen Kirche

Grundsätzlich sollte in der Orthodoxen Kirche jeder Gläubige seine Fastenregeln mit Gott, sich selbst, und seinem Priester oder Beichtvater abklären. Fasten "auf eigene Faust" wird nicht empfohlen, und Beten sowie die striktestmögliche Enthaltung von den Sünden, nicht der Nahrungsverzicht, gilt als der wichtigere Teil der Fastenübung. Alles folgende ist also nur als Vorschlag zu verstehen. Die östlich-orthodoxe Kirche hat vier Fastenzeiten:
- die große Fastenzeit, die sieben Wochen vor Ostern beginnt und bis Ostern dauert (50 Tage strenges Fasten)
- die Apostel-Fastenzeit vom ersten Sonntag nach Pfingsten bis zum Tag Peter und Paul am 29. Juni (Länge hängt vom Osterdatum ab, leichtes Fasten)
- die Mariä-Entschlafung-Fastenzeit vom 1. - 14. August (14 Tage mittleres Fasten)
- die Weihnachts-Fastenzeit vom 15. November bis 24. Dezember (3 Wochen leichtes, 3 Wochen mittleres Fasten) Außerdem soll an jedem Mittwoch und Freitag gefastet werden, außer in den Wochen direkt nach Ostern und Weihnachten. Während der Fastenzeiten sollte sowohl die Anzahl der täglichen Mahlzeiten wie auch deren Gehalt eingeschränkt werden. Innerhalb dieser Fastenzeiten gibt es Tage mit strengeren und weniger strengen Regeln: die mildeste Form ist Verzicht auf das Fleisch von Landtieren, bei der strengsten Form sind keinerlei Wirbeltier-Produkte (also an tierischen Lebensmitteln nur z.B. Honig und Meeresfrüchte), kein Öl und keine alkoholischen Getränke erlaubt, zudem sollen dann nur zwei Mahlzeiten am Tag gegessen werden und nichts zwischen den Mahlzeiten. Meeresfrüchte galten in den alten Mittelmeer-Kulturen, wo diese Regeln entstanden, als minderwertige Nahrung der Armen. An Samstagen und Sonntagen wird das Fasten jeweils um eine "Stufe" gelockert. Für Mönche gelten strengere Regeln; je nach Kloster kann ein einziges gekochtes Ei pro Jahr, am Ostersonntag, das maximal erlaubte sein.

Fastenzeit in protestantischen Kirchen

Die Reformatoren haben das Fasten sehr kritisch betrachtet. Ihrer Ansicht nach handelte es sich dabei um einen rein äußerlichen Akt der Religiosität, der vor Gott nicht verdienstlich sei. Da Jesus Christus sich selbst am Kreuz geopfert hat, seien weitere Opfergaben unnötig. Dennoch ist der Brauch des Fastens im heutigen Protestantismus nicht unbekannt. Für viele Protestanten ist der Verzicht auf Fleisch und Genussmittel bis heute am Karfreitag selbstverständlich. Je stärker der individuelle Protestant bzw. die einzelne protestantische Konfession der katholischen Tradition verpflichtet ist, desto eher wird auch das Fasten mit der 40-tägigen Fastenzeit in Verbindung gebracht, und desto eher werden auch andere Bräuche, die in der Orthodoxie oder im römischen Katholizismus vorkommen, praktiziert. So wird in der anglikanischen Tradition das Aschenkreuz auf dem Stirn empfangen; auch liturgische Bewegungen innerhalb des restlichen Protestantismus, wie z.B. die Taizé oder Berneuchener Bewegung, berücksichtigen die Fastenzeit, in dem die Liturgien einen besonderen Bußcharakter erhalten, und auf das Wort Alleluia verzichtet wird. Am anderen Ende des protestantischen Spektrums, z.B. bei Pfingstlern oder Evangelikalen, aber auch bei vielen Reformierten Christen werden diese geschichtlich gewachsenen Traditionen überhaupt nicht berücksichtigt oder gar als abergläubig verworfen. Dort, wo die Fastenzeit im Protestantismus beachtet wird, wird weniger auf detaillierte Eßvorschriften geachtet, und mehr auf Verzicht im Allgemein; so nimmt auch die Evangelische Kirche in Deutschland an Aktionen teil, wie z.B. "Auto-Fasten", die gemeinschaftlich mit der Römisch-katholischen Kirche und dem Verkehrsclub Deutschland zusammen gesponsort wird. Weil die Enthaltung von Fleisch nicht von jedem Menschen als Verzicht empfunden wird, dürfen an den empfohlenen Fasttagen auch andere Bußformen verrichtet werden. Manche Protestanten essen in dieser Zeit z. B. keine Süßigkeiten und entsagen sämtlichen Genussmitteln wie Kaffee, Tee oder Alkohol. Andere dagegen schränken alltägliche Gewohnheiten wie Fernsehen, Musik hören oder Computerspielen ein und meiden Kneipen- oder Diskobesuche. Auf diese Weise ist es möglich, die Fastenzeit individuell zu gestalten; die Gläubigen fasten so lange sie wollen und auf welche Weise sie es für richtig halten. Die bewusste Einschränkung soll v. a. eine Schulung des Geistes bewirken. Fastenzeit ist eine Zeit der Buße und der Umkehr.

Fastenzeit im Islam

Die jährliche max. dreißigtägige Fastenzeit des Islam heißt Ramadan. In dieser Zeit dürfen Moslems tagsüber weder Essen noch Trinken noch Rauchen. siehe auch: Fasten, Misereor !

Weblinks


- [http://www.katholisch.de/2627_8535.htm katholische Kirche in Deutschland: Fastenzeit]
- [http://www.karl-leisner-jugend.de/Fastenzeit.htm Fastenzeit und Fastenregeln aus katholischer Sicht]
- [http://www.7-wochen-ohne.de/ Die Fastenaktion der evangelischen Kirche - 7 Wochen Ohne] als:Fastenzeit ja:四旬節

Reformation

Die Reformation (v. lat.: reformatio = Umgestaltung), ist eine Bewegung im Christentum des 16. Jahrhunderts, in deren Verlauf es zur Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche und zur Entstehung der reformierten, lutherischen und anglikanischen Kirchen sowie einiger Freikirchen kam. Die gemeinsame Grundlage sehen die ersten beiden Strömungen in der Rückbesinnung auf die Bibel und der Abkehr von bestimmten Auswüchsen der katholischen Kirche. Eine Trennung von der Römisch-Katholischen Kirche war zunächst nicht die Absicht der Reformatoren. Die re-Formation ("Wieder-Formierung") sollte die ursprüngliche christliche Lehre in der katholischen Kirche wiederherstellen.

Ausgangssituation

Die Reformation entstand nicht an einem Ort durch einen Menschen - es gab verschiedene Zentren und verschiedene Reformatoren, die von unterschiedlichen Voraussetzungen her kamen und in unterschiedlichen politischen Verhältnissen arbeiteten. Eine Vielzahl von Faktoren bereitete zu Beginn des 16. Jahrhunderts den Nährboden für die Reformation
- Deutschland war kein Zentralstaat wie z.B. Frankreich oder England. Es existierten viele geistliche und weltliche Fürstentümer unterschiedlichster Größe. Die Kurfürsten wählten den Kaiser. Daneben stellten die Reichsstände wesentliche Machtfaktoren dar. Deren Versammlung, der Reichstag sollte im Zuge der Reformation immer wieder eine wichtige Rolle spielen.
- Deutscher Kaiser war Karl V. Seine Verpflichtungen in Spanien, Italien, den Niederlanden und Burgund und seine Kriege mit Frankreich führten nicht selten zu seiner Abwesenheit vom Deutschen Reich und beanspruchten seine volle Aufmerksamkeit.
- In Folge der Konzile von Pisa und Konstanz war das Schisma der abendländischen Kirche beendet worden. Obwohl die Lehren John Wyclifs und Jan Hus' verworfen wurden, kam es durch die Konzile zur Aufstellung umfangreicher Reformprogramme. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts konnte der Papst seine Position gegenüber dem Konziliarismus ausbauen. Bestehende Reformbeschlüsse wurden abgeschwächt.
- Verschiedene Steuern, Gebühren und Abgaben flossen in die päpstlichen Kassen. Diese wurden von vielen Fürsten als zu hoch empfunden. Die Praxis des Ablasshandels stand zunehmend in der Kritik.
- Das Erscheinen der Frühreformatoren im Mittelalter: z.B. Jan Hus, John Wyclif, Petrus Waldes
- Die Philosophie der Renaissance: Erasmus von Rotterdam, die Vorstellung Wilhelm von Ockhams zur Trennung von Kirche und Staat.
- Die Übersetzung der Bibel ins Deutsche durch Martin Luther.
- Das seit Johannes Gutenberg wachsende Buchdruckerhandwerk begünstigte die Verbreitung neuer Ideen. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden Strukturen hatte dabei zunächst den Charakter eines wissenschaftlichen Disputes der Theologischen Fakultäten; die Disputationen der mittelalterlichen Universitäten trugen wesentlich zur Differenzierung, Festigung und Ausbreitung der reformatorischen Gedanken bei. Schnell wurden auch die Möglichkeiten des Buchdruckes genutzt. Viele Reformatoren veröffentlichten Streitschriften in hoher Auflage. Lucas Cranach der Ältere illustrierte meisterhaft die Streitschriften Luthers und Philipp Melanchthons.

Der lutherische Ansatz

Der Augustinermönch Martin Luther litt und rang damit, sich Gottes Gnade durch eigene Anstrengungen verdienen zu müssen, bis er im Bibelstudium Römer 3, 28 entdeckte: So halten wir nun dafür, daß der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben. Die oft in den Vordergrund gerückten Mißstände der Römisch-Katholischen Kirche waren für Luther nicht der Auslöser der Reformation. Sein Problem war allein theologischer Natur. Seine Verwerfung des sich in Deutschland durch den Prediger Tetzel verbreitenden Ablasshandels und vieler anderer Traditionen der Kirche war die für ihn notwendige Folge seiner Auslegung der bereits von Paulus diskutierten Gerechtigkeit allein aus Glauben (Römer 1, 17: Denn im Evangelium wird die Gerechtigkeit Gottes offenbart aus Glauben zum Glauben, wie es in der Schrift heißt: Der aus Glauben Gerechte wird leben.)

Grundgedanken

Die wesentlichen Punkte der Reformation, die auch heute noch gemeinsamer Nenner der protestantischen Kirchen sind, werden oft mit dem vierfachen "allein ..." ausgedrückt:
- sola scriptura - allein die Schrift ist die Grundlage des christlichen Glaubens, nicht die Tradition
- solus Christus - allein Christus, nicht die Kirche, hat Autorität über Gläubige
- sola gratia - allein durch die Gnade Gottes wird der Mensch errettet, nicht durch eigenes Tun
- sola fide - allein durch den Glauben wird der Mensch gerechtfertigt, nicht durch gute Werke

Bibelübersetzungen

Luthers Bibelübersetzung war ebenfalls grundlegend und neu. Die zu seiner Zeit verbreiteten Bibelübersetzungen fußten auf der Vulgata, der von Hieronymus geschaffenen lateinischen Bibel, die ihrerseits auf der griechischen Septuaginta beruhte (Altes Testament). Die ursprünglich hebräischen und aramäischen Texte des Alten Testamentes hatten also mindestens drei Übersetzungsvorgänge, die des Neuen Testamentes zwei hinter sich, bevor sie in Deutscher Sprache zu lesen waren. Luther bemühte sich um direktere Übersetzungen aus dem Hebräischen bzw. Griechischen. Dabei bediente er sich einer volkstümlichen und verständlichen Sprache, die für lange Zeit zum Maßstab deutscher Bibelübersetzungen wurde.

Kritik an bestehenden Traditionen

Dabei gibt es zwei Ansätze:
- Luther unterzog die Traditionen der Kirche einer strengen Überprüfung. Messlatte war der Text der Bibel. Traditionen, die nach seiner Meinung der Schrift zuwider liefen, wurden abgeschafft. Er trat aber dafür ein, Traditionen, die nicht direkt auf der Bibel fußten, aber hilfreich für das Leben der Gläubigen waren, beizubehalten. So sprach sich Luther aus didaktischen Gründen gegen ein Bilderverbot in der Kirche aus.
- Ulrich Zwingli und Johannes Calvin lehnten alle Traditionen ab, die nicht in der Bibel begründet sind. Daher haben die reformierten Kirchen nüchterne Gotteshäuser, die höchstens mit Bibelsprüchen dekoriert sind; die Kirchenstruktur ist synodal, presbyterianisch oder kongregationalistisch strukturiert (ohne Bischof), Zwingli lehnte zeitweilig sogar Instrumentalmusik in der Kirche ab. Das Abendmahl ist eine Gedenkfeier. Beiden Richtungen gemeinsam war die massive Kritik am Papsttum. Zugrunde liegt wieder ein theologisches Problem. Die Sonderstellung des römischen Bischofs wird traditionell begründet mit Matthäus 16,18 (Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.) Christus bezeichnet Petrus als Fundament der Kirche. Petrus wird später Bischof von Rom. Das wird als Einsetzung des Papstes durch Christus ausgelegt. Dieser wiederum hat stellvertretend für Christus die Vollmacht, weitere Priester zu ernennen. Dem stellt Luther Matthäus 18,19 gegenüber, wo die Gemeinde Christi als Versammlung von mindestens zwei Menschen unter dem Namen Christi definiert wird. In Verbindung mit Kapitel 12 des 1. Korintherbrief wird die Vorstellung vom Laienpriestertum entwickelt. Der Pfarrer ist dann nicht mehr Nachfolger des von Christus eingesetzten Petrus, sondern das Glied der Gemeinde, das es am besten versteht, die Aufgaben des Pfarrers, wie Predigt und Seelsorge, wahrzunehmen. Dieses Gemeindemitglied hat seine Sonderstellung nicht aufgrund seiner Weihe sondern aufgrund seiner Ausbildung.

Neue Gottesdienstordnungen

Verschiedene Reformatoren (Thomas Müntzer mit der ersten deutschsprachigen Gottesdienstordnung 1523, auch Karlstadt oder Luther) bemühten sich um die Schaffung von Gottesdienstordnungen in der Landessprache. Diese ersetzten in den protestantischen Gebieten zunehmend die Liturgie der lateinischen Messe. Im Zentrum dieser Ordnungen standen Schriftlesung und Predigt (Wortgottesdienst). Die deutsche Bibelübersetzung ermöglichte es jedem Gemeindemitglied, die Auslegung des Pfarrers (Predigt) mit dem Wort der Bibel zu vergleichen.

Unmittelbare politische Entwicklungen

Die Grundlagen der Reformation waren im Gegensatz zu späteren Interpretationen nicht die politischen und sozialen Missstände der Kirche. Diese waren lediglich der Nährboden für die neuen theologischen Gedanken der Reformatoren. Luther versuchte zuerst ein theologisches Problem zu lösen. Die protestantischen Reichsfürsten hingegen versuchten mit der Reformation einige ihrer politischen Probleme mit Kaiser und Papst zu lösen. Zum theologischen Ringen um die richtige Auslegung der Bibel traten auch bald politische Aspekte hinzu. Die neuen Gedanken gaben den Reichsfürsten eine theologische Begründung, die von Rom auferlegte Abgabenlast reduzieren zu können. Das Entstehen der protestantischen Landeskirchen stärkte ebenfalls die Autonomie der Fürstentümer. Bedeutende protestantische Territorien im Deutschen Reich waren Hessen, die Pfalz, Sachsen und Württemberg. Es kam in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu verschiedenen Kriegen zwischen Katholiken und Protestanten innerhalb von Deutschland und der Schweiz, die in Deutschland 1555 mit dem Augsburger Religionsfrieden und in der Schweiz 1531 mit dem 2. Landfrieden von Kappel endeten. Bei beiden kam es auf "cuius regio, eius religio" (wessen Land, dessen Glaube) heraus. In Deutschland bestimmte der jeweilige Fürst die Konfession seines Landes, in den Schweizer Kantonen die jeweiligen republikanischen Regierungen.

Die radikalen Ansätze

Für radikale Reformatoren wie Thomas Müntzer, Andreas Bodenstein von Karlstadt, Menno Simons oder Jakob Hutter stand die Zeit unter apokalyptischen Vorzeichen. Sie deuteten die Ereignisse spiritualistisch und sahen ihre Aufgabe darin, dem in ihren Augen real hereinbrechenden Reich Gottes als einer endzeitlichen Herrschaft der Gerechtigkeit die Bahn zu ebnen. Sie suchten enthusiastisch die Schaffung endzeitlicher Strukturen. Die Gemeinden sollten aus, in wahrhaftigem Glauben, Getauften bestehen (Täufer), sie wirkten bis in die politischen Strukturen hinein und kehrten die sozialen und politischen Verhältnisse teilweise revolutionär um (Deutscher Bauernkrieg). Dies stieß nicht nur auf Seiten der sozialen Oberschicht und der katholischen Kirche auf heftigen Widerstand. Auch die Protestanten mit Luther an der Spitze riefen zur gewaltsamen Beendigung der Unruhen auf. Mit Waffengewalt bereiteten die fürstlichen Truppen den Aufständen ein Ende - die Täufer fanden erst als Auswanderer in Amerika religiöse Freiheit (Puritaner).

Die Reformation in England

Die Reformation in England wurde vor allem aus politischen Gründen ausgelöst. Allerdings hatten Theologen auch aus eigenen Gründen die Schriften und das Wirken von Martin Luther, Johannes Calvin, und Ulrich Zwingli mit Interesse verfolgt, und es kam vielen von ihnen nicht ungelegen, dass sich nun mehr die Gelegenheit bot, bestimmte Prinzipien, die vormals von Rom verboten waren, auch in England anwenden zu dürfen. So hatte es z.B. Versuche gegeben, die Bibel in englischer Sprache zu verbreiten (siehe John Wycliffe, William Tyndale). Diese endeten auch unter Heinrich VIII. mit der Hinrichtung des Übersetzers. Erst unter Edward VI. wurden größere Reformen (z.B. das erste Book of Common Prayer) eingeführt. Mit seinem Tod wurde England unter der "blutigen Maria" wieder gewaltsam zur römischen Lehre zurückgeführt, aber mit der Nachfolge von Elisabeth I. auf dem Thron wurde die Anglikanische Kirche endgültig in England etabliert. Siehe hierzu: Geschichte der Anglikanischen Kirche.

Reaktion der katholischen Kirche

Die katholische Kirche versuchte zuerst zu überzeugen, dann verlegte sie sich auf politischen und kirchlichen Druck. Luther musste fliehen und überlebte nur durch fürstlichen Schutz. Zwingli gelang es, den Rat von Zürich von der Richtigkeit seiner Lehre zu überzeugen. Die Ideen der Reformation breiteten sich wie ein Lauffeuer aus - die Bevölkerung strömte zum neuen Glauben, Reichsstädte und Fürsten gingen auf die Seite der Reformation über. Der damalige Kaiser Karl V. blieb katholisch, konnte sich jedoch nicht auf die Niederschlagung der Reformation konzentrieren, da ihn die Außenpolitik stark beanspruchte (Türkei, Frankreich). In der Folge leitete der von Ignatius von Loyola gegründete Orden der Jesuiten die Gegenreformation ein.

Ausbreitung in Europa

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts kam eine zweite Generation von Reformatoren zum Zug. In Genf Calvin, in Zürich Heinrich Bullinger, der als Nachfolger von Ulrich Zwingli der Züricher Kirche vorstand. Deren Beitrag war es, die Reformation theologisch zu konsolidieren - Calvin mit seiner "Institutio", Bullinger mit dem "Zweiten Helvetischen Bekenntnis". Beide übten einen europaweiten Einfluss auf den Protestantismus aus. Aus ihren Lehren geht die Reformierte Kirche hervor. Theologisch wie auch politisch gipfelte die Reformation in den Bekenntnisschriften der protestantischen Kirchen:
- Augsburger Bekenntnis
- Konkordienformel
- Konkordienbuch
- Zweites Helvetisches Bekenntnis

Bedeutung und Folgen der Reformation

Die Reformation war einer der großen Wendepunkte in der Geschichte des Abendlandes. Für die Geschichte des Christentums bedeutete die Reformation den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die von der beinahe vollständigen Allmacht der katholischen Kirche über die ab dem 13. Jahrhundert verstärkt formulierte Kritik an ihr (Averroismus, Jan Hus, John Wyclif,Wilhelm von Ockham) und die Bildung zahlreicher "häretischer" christlicher Glaubensgruppen bis hin zur endgültigen Spaltung der Christenheit führten. Die neu entstandenen Konfessionen konnten sich nach langem Ringen schließlich als gleichberechtigte Kirchen neben der katholischen etablieren. Da die neuen Konfessionen zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können, waren, obwohl es zahlreiche Rückschläge und sogar Religionskriege gab, beide Seiten auf Dauer zur religiösen Toleranz gezwungen. Die katholische Kirche verlor nicht nur in weiten Teilen Europas an Einfluss, sondern insbesondere auch ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel. Die Reformation führte durch den Druck, der durch den schnellen Abfall ganzer Regionen vom Katholizismus verursacht wurde, auch auf katholischer Seite zu Reformen. Zwar wurde die christliche Religion durch die Reformation nicht grundlegend in Frage gestellt, dennoch wurden fundamentale Glaubenssätze und religiöse Praktiken, die jahrhundertelang als unumstößlich galten, erfolgreich von den Reformatoren und ihren Anhängern verworfen. Erstmals hatte sich eine von in der Kirchenhierarchie weitgehend unbedeutenden Personen geäußerte Kritik tatsächlich durchgesetzt. Die Autorität der Kirchen über die Gläubigen wurde zwar zunächst nur teilweise aufgebrochen, dennoch bereitete die Reformation den Weg zum Zeitalter der Aufklärung, in dem das Individuum in seiner persönlichen Freiheit deutlich aufgewertet wurde und in der schließlich selbst atheistische Weltbilder Anerkennung erfuhren, oftmals (wie in Frankreich von Voltaire) sogar zur Doktrin erhoben wurden. Doch die Reformation revolutionierte nicht nur das geistige Leben, sie setzte auch eine gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang. Der Staat löste sich von der Bevormundung durch die Kirche, um nun seinerseits im Landesherrentum und Absolutismus die Kirche von sich abhängig zu machen. Doch auch dies stellte nur eine Übergangsphase in einer Entwicklung dar, die in vielen Ländern in die Trennung von Kirche und Staat mündete. Somit wirkte die Reformation weit über die eigentliche Reformationszeit hinaus und bildete einen Wendepunkt hin zur Entwicklung der modernen Gesellschaft der Neuzeit.

Literatur


- Christine Roll (Hrsg.): Recht und Reich im Zeitalter der Reformation. Festschrift für Horst Rabe, Frankfurt/a.M. u.a. 1996, 531 S., ISBN 3-631-47923-9
- Rudolf Stickelberger, Kirchengeschichte für Jedermann, 1969 (Kirchengeschichte mit Schwerpunkt Reformation, etwas Schweiz-lastig, aus reformierter Sicht)
- B. Moeller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, (Deutsche Geschichte 4), 1999 ISBN 3-525-33462-1 (die profanhistorische Reihe zeichnet sich durch einen sozialgeschichtlichen Zugang aus)
- Armin Sierszyn, 2000 Jahre Kirchengeschichte, Band 3, Reformation und Gegenreformation, 2000, ISBN 3-7751-3247-3. (umfassende Darstellung, viele Quellenangaben, aus landeskirchlich-evangelikaler Sicht)
- Hans Küng, Das Christentum, 1994, ISBN 3-492-03747-X, Kapitel IV, Das protestantisch-evangelische Paradigma (neuartige Sicht auf die Kirchengeschichte, eher katholisch)
- Carter Lindberg: The European Reformations, 1996, ISBN 1-55786-575-2 (Sehr umfassende Geschichte der Reformation vom Spätmittelalter bis zur Gegenreformation, die sämtliche europäischen Länder mit reformierter Geschichte einschließt - aus amerikanischer Sicht)
- Stefan Zweig: Ein Gewissen gegen die Gewalt: Castellio gegen Calvin, 1936, (Roman)

Siehe auch


- Protestantismus, Reformation und Gegenreformation, Liste der Reformatoren, Marburger Religionsgespräche, Geschichte des Christentums
- Portal:Religion, Portal:Bibel

Weblinks


- [http://www.luther.de/ Martin Luther]
- [http://www.reformiert-online.net:8080/t/de/bildung/grundkurs/gesch/index.jsp Einführung in die Reformierte Geschichte]
- [http://www.calvinianum.de/ Calvinianum]
- [http://www.dieterwunderlich.de/Luther_reformation.htm Martin Luther und die Reformation] ! Kategorie:Christentum Kategorie:Europäische Geschichte Kategorie:Theologie Kategorie:Protestantismus ! Kategorie:Gegenreformation

Abendmahl

Das Abendmahl oder die Eucharistie (je nach Konfession auch heilige Kommunion, Herrenmahl, Altarsakrament, Brotbrechen oder Gedächtnismahl genannt) gehört zusammen mit der Taufe zu den gottesdienstlichen Handlungen, die alle christlichen Kirchen praktizieren. Als Sakrament verstanden, geht dieser Ritus auf das letzte feierliche Mahl Jesu mit seinen Jüngern am Vorabend seines Todes zurück. Dieses Mahl wird im Neuen Testament in verschiedenen Fassungen geschildert und gedeutet, die sich alle auf Jesu stellvertretenden Opfertod beziehen. Die