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Signographie

Signographie

Signografie bzw. -graphie ist die Lehre vom grafischen Zeichen. Ihr Gegenstand ist Anatomie und Entwicklung grafischer Formen und ihre Verwendung als Sinnträger, als Zeichen. Signografie ist die Semiotik des Grafischen, die von den originären Eigengesetzlichkeiten grafischer Formbildung ausgeht und diese auf alle Gebiete anwendet, die mit dem Medium des grafischen Zeichens kommunizieren.

Kurze Einführung in die Signografie

Signografie ist die Lehre des grafischen Zeichens. Ihr Gegenstand sind grafische Zeichen jeglicher Art, jedweden Anwendungsgebietes. Im Sommer 2000 erschien auf meine Initiative hin die erste Ausgabe der Schriftenreihe SIGNA, in der zum ersten Mal eine Konzeption dieses Studienfaches unter dem Namen Signografie vorgestellt wurde.[1] Seitdem sind weitere Ausgaben mit Beiträgen zu signografischen Themen erschienen, die auf wachsendes Interesse stoßen. Um allen Interessenten einen einfachen Einstieg in das Fach zu ermöglichen, stelle ich hier eine Reihe von Erläuterungen zum Verständnis des Faches, seiner Inhalte und Anliegen zur Diskussion.

Was ist ein Zeichen?

Dieser Frage beschäftigt seit geraumer Zeit die Vertreter der Semiotik (Zeichenlehre, im allgemeinsten Sinne). Ein Zeichen kann ein Buchstabe, ein Signet, ein Gegenstand, eine Handbewegung, ein Ton, eine Geste, ein Bild oder sonstetwas sein. In Winfried Nöths aktuellem Handbuch der Semiotik wird – immerhin bereits auf Seite 133 –, zur allgemeinen Definition des Zeichens ausgeführt: »Jedes Objekt, jedes Ereignis oder Verhalten ist (...) ein potentielles Zeichen. Sogar Schweigen, das ja die Abwesenheit von Materialität und Zeichen zu beinhalten scheint, kann als ein Zeichen fungieren (...)[2]« Da demnach letztlich alles als Zeichen gewertet werden kann, ist eine Unterscheidung zwischen dem als zeichenhaft betrachteten und dem nicht als zeichenhaft betrachteten notwendig. Oder, anders ausgedrückt: ein Zeichen ist zum einen ein bloßer Zeichenträger (beispielsweise ein Verkehrsschild), zum anderen aber die Gesamtheit aus Zeichenträger, Zeichenbedeutung und Bedeutungszusammenhang. Dieser Zusammenhang funktioniert in der Regel als Übereinkunft zwischen Mitteilendem und Mitteilungsempfänger.

Was ist ›grafisch‹?

Das griechische γραφειυ bedeutet soviel wie ritzen, schreiben, zeichnen. Es meint die Erzeugung einer Markierung durch eine Bewegungsspur auf einem Untergrund; etwa mit dem Finger im Sand, mit der Feder auf Papier oder mit einem Griffel auf einer Schiefertafel. Im Gegensatz zu abdruckerzeugenden Techniken (Schablonieren, Drucken), bei denen das Abbild einer bereits vorhandenen Form entspricht, entsteht beim Grafieren das Gebilde ursprünglich erst im Moment der Bewegung des Werkzeuges. Dieser Aspekt ist wesentlich.

Was ist ein grafisches Zeichen?

Unter der großen Gesamtheit aller visuellen Zeichen nehmen die grafischen Zeichen insofern eine Sonderrolle ein, als bei ihnen die Spezifik der Zeichen(träger) – das Grafische –, mehr als bei sonstigen visuellen Zeichen mit der tatsächlichen Verwendung als Informationsträger zusammenfällt. Einfache grafische Gebilde werden ungleich häufiger als Kommunikationsmedium eingesetzt als etwa gemalte oder fotografierte Bilder (natürlich gibt es Zwischenstufen und nahtlose Übergänge). Der Impuls etwas zu zeigen fällt klassischerweise mit der Handlung etwas zu zeichnen (schreiben) zusammen. Grafische Zeichen sind visuell wahrnehmbare Markierungen, die aus tendenziell einfachen, oft einfachsten grafischen Gebilden bestehen und die in irgendeinem Zusammenhang der Speicherung und Übermittlung von Informationen dienen. Zusammenfassend kann man sagen: grafische Zeichen sind eine (diffus umgrenzte) Teilmenge aller visuellen Zeichen, diese sind wiederum eine Teilmenge aller Zeichen überhaupt, sofern man sich auf eine sinnvolle Definition dessen verständigen kann.

Warum ein eigenes Fach namens Signografie?

Die Ursprünglichkeit des Grafischen an sich und die daraus resultierende Eigengesetzlichkeit grafischer Gebilde sind der eigentliche Grund, unter dem Begriff Signografie eben dieses zu erforschen, was bisher so noch von keiner anderen Disziplin geleistet wird. Zwar gibt es etliche Fächer, die sich mit Grafischem befassen, aber eben noch keines, welches das Grafische schlechthin untersucht. Die Vergleichbarkeit der grafischen Ausdrucksmittel aller Gebiete offenbart einen gemeinsamen Wesenskern, der Gegenstand signografischer Untersuchung ist.

Wie erklärt sich die Bezeichnung ›Signografie‹?

Die Bezeichnung Signografie wurde von mir nach reiflicher Überlegung und Beratung mit sprachkundigen Kollegen gewählt. Dabei stand ich vor dem Problem, dass ein Terminus, der auf das eigentlich Grafische abzielt, zu einer Bezeichnung wie Grafik, Grafemik, Grammatik oder Grafologie führen müsste – welche alle schon vergeben sind. Auch Grammatologie ist in der Semiotik schon benutzt worden,[3] Semiografie wurde in Hinblick auf Semiotik/Semiologie ebenfalls verworfen. Da mir Grammatografie nicht opportun erschien, fiel die Wahl auf Signografie, eine græcolateinische Chimäre schließlich in Kauf nehmend. Gerechtfertigt wird diese Wahl in meinen Augen durch den Umstand, dass es hier nicht nur um grafische Zeichen im engsten Sinne geht, sondern auch um solche Zeichen der visuellen Kommunikation, die ihre Gestalt nicht ausschließlich rein grafischen Prozessen im physischen Sinne verdanken (unsere Buchstaben etwa sind Ergebnis einer Reihe unterschiedlicher Reproduktionsprozesse).

Was ist Signografie?

Die Lehre vom grafischen Zeichen. Untersuchungsgegenstand sind Zeichen und Zeichensysteme aller Art, von historischen und rezenten Schriften über Hausmarken, Firmensignets, Landkarten- oder Gerätezeichen bis zu elektrotechnischen oder musikalischen Notationssystemen. Die Signografie identifiziert und beschreibt Zeichen, den Zusammenhang zwischen Gestalt und Gebrauch des Zeichens; sie vermag die Anatomie und Metamorphose von Zeichen modellhaft und konkret zu erörtern. Dies ist notwendig, um Wandlungsprozesse von Zeichen zu verstehen.

Wozu Signografie?

Der Sinn signografischer Forschung ist, fundierte Erkenntnisse über Entstehung und Entwicklung sowie den Gebrauch von Zeichen zu gewinnen. Es geht um die Kenntnis von Zeichenvorkommen, Verständnis des Zeichenhaften, der Zeichen und ihrer Darstellung. Missverständnisse in Kommunikationsprozessen werden dadurch unwahrscheinlicher. Kommunikation wird effektiver, wenn man genau weiß, wann wo welche Zeichen einzusetzen sind und wie sie auszusehen haben – oder wie sie aussehen können. Durch die rasante Zunahme des Informationsaustausches besteht heute eine gesteigerte Notwendigkeit, sich mit noch unbekannten Zeichenkulturen vertraut zu machen. Durch die Vernetzung der Welt wirken die Zeichengebräuche der Regionen in noch nie dagewesener Weise aufeinander ein. Wer an diesen Prozessen gewinnbringend teilnehmen will, braucht fundierte Kenntnisse über den Umgang mit Zeichen.

Wie ist das Fach Signografie einzuordnen?

Signografie sollte als eine Kulturwissenschaft aufgefasst werden, ähnlich der Sprachwissenschaft, Semiotik oder Musikwissenschaft. Signografie kann man als eine Semiotik des Grafischen verstehen oder auch als Grundlagendisziplin der visuellen Kommunikation. Durch die oben gegebene Definition des Gegenstandes ergibt sich eine Bündelung einer ganzen Reihe von Fächern durch die signografische Perspektive. Einige davon seien hier genannt: Semiotik, Sprachwissenschaft, Schriftgeschichte, Typografie, Paläografie, Epigrafie; Ornamentik, Heraldik, Siegelkunde, Monografik, Signetik. Ferner spielen Aspekte von Archäologie, Geometrie und Grafikdesign eine Rolle. Die Berührungspunkte der genannten Disziplinen sind zwar wohlbekannt, werden aber von den traditionell vereinzelten Fächern nicht hinreichend thematisiert. Wenn wir Signografie als Wissenschaft bezeichnen wollen, darf dabei nicht vergessen werden, dass es sich beim eigentlichen Untersuchungsgegenstand um Äußerungen mit zum Teil dezidiert künstlerischem Charakter handelt. Kunst und Wissenschaft gehören in der Signografie untrennbar zusammen.

Was erforscht die Signografie?

Signografische Erörterung kann sich sowohl einem Zeichen als festgelegtem, frequent auftretenden Typus, als auch einem einzelnen Zeichenvorkommen widmen. Die beiden wichtigsten Aspekte sind in der Regel: a) wie sieht das Zeichen aus (was ist zu sehen?) und b) was wird durch das Zeichen mitgeteilt (was ist gemeint?) – Zeichengestalt und Zeichengebrauch. Denn: ein und dieselbe grafische Form kann unter Umständen verschiedene Bedeutungen tragen, aber ein Zeichen kann mitunter auch ganz unterschiedliche grafische Formen annehmen – bei gleichbleibender Bedeutung. Des Weiteren ist die Thematik[4] ein wichtiges signografisches Forschungsfeld: welche Zeichen werden überhaupt wo verwendet? Ist es möglich, schlüssige Gesamtverzeichnisse meteorologischer oder kartografischer Zeichen anzulegen? Welche Zeichen werden in der Kristallografie verwendet? Für praktische Zwecke der Publizistik sind solche Fragen oft von großer Bedeutung. Ferner gehört die Praktik zum Forschungsumfang, hier geht es um die unterschiedlichen Techniken zur Zeichendarstellung und ihre Wechselwirkungen mit Form und Anwendung.

Welchen praktischen Nutzen hat signografische Forschung?


- Enzyklopädische Sammlung von Informationen über die Zeichen der Welt, Bereitstellung dieses Wissens durch geeignete Publikationsarten (Aufsätze, Übersichten, Lexika, Datenbanken),
- Bereitstellung methodischen Grundlagenwissens für zeichenanwendende oder zeichenbeschreibende Disziplinen (zum Beispiel Typografie, Epigrafie, Archäologie, Kommunikationsdesign),
- Erarbeitung wirksamer Methoden und Strategien zur Entwicklung neuer Zeichensysteme,
- Erarbeitung von Kriterien zur Beurteilung von Zeichenentwürfen (beispielsweise für Firmenzeichen),
- Grundlagenforschung für die Gebiete Kodierung/Datenübertragung und Fontproduktion.

Welchen gesellschaftlichen Nutzen hat signografische Forschung?

Ganz allgemein: ein breiteres und tieferes Verständnis für die Zeichen der Welt – und damit für das, was Menschen mittels der Zeichen ausdrücken wollen. Die Parallele zum Erlernen von Sprachen liegt auf der Hand. Selbst in unserer, eindeutig alphabetisch geprägten Kultur gibt es eine Fülle außeralphabetischer Zeichenkonventionen. Gerade heute entwickeln sich in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen neue Zeichengebräuche, bestehende Zeichen erfahren oft eine Umwidmung. Piktogramme und Ideogramme haben in den letzten Jahren massiv an Bedeutung in der visuellen Kommunikation – über die klassischen Anwendungsfelder hinaus –, gewonnen. Für Bereiche wie öffentliche Orientierung oder Touristik spielen grafische Zeichen in ihrer Gesamtheit eine eminente Rolle. Auch für spezielle gesellschaftliche Gruppen, wie beispielsweise Hörgeschädigte, ist die – erst in jüngerer Zeit erfolgte –, Schaffung spezieller Zeichensysteme von nicht zu überschätzender Bedeutung.

Kann man Signografie studieren?

Als Hochschulfach ist Signografie noch nicht etabliert. In meinem Unterricht im Fach Typografie an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle fließen signografische Aspekte an geeigneter Stelle in die Arbeit ein. Wer Interesse an signografischer Forschung hat, kann sich mit mir in Verbindung setzen (Kontaktformular auf der genannten Website). Die Webseite [http://signographie.de signographie.de] dient dem allgemeinen Austausch über signografische Fragen.[5] Die Schriftenreihe SIGNA[6] bietet die Möglichkeit, signografische Studien einer interessierten Öffentlichkeit vorzulegen; diese Veröffentlichungen dienen nicht zuletzt auch der Förderung des ›signografischen Gedankens‹ und seiner breiteren Verankerung im Bildungswesen.

Konkrete Aufgaben signografischer Arbeit

# Die Grundlagen des Faches und die signografische Terminologie sind auszubauen. Als Anfang hierzu war die erste Nummer der Signa gedacht. Ich selbst befasse mich seit längerem unter anderem mit den Grundlagen der Grafemik, also mit den grafischen Grundformen.[7] # Zeichen jeglicher Art sind zu sammeln, denn man muss den Untersuchungsgegenstand ja erst einmal vor sich haben. Das Sammeln und das damit notwendig einhergehende Beschreiben und Ordnen sind eine fundamentale Voraussetzung. Oft erschließen sich erst bei dieser Tätigkeit, herausgefordert durch Vergleichen, wichtige Fragestellungen nach Form oder Inhalt von Zeichen. # Methodik und Terminologie zur Definition von Zeichen sind zu entwickeln. # Die Erkenntnisse zu einzelnen Zeichen oder Zeichengruppen sind in geeigneter Form zu publizieren. Mit entsprechender Unterstützung wäre es möglich, Datenbanken anzulegen, die dann auch via Internet zugänglich sein könnten. # Da eine ganze Reihe von Fächern mit Signografie zusammenhängen, sind diese Verbindungen darzulegen und die betreffenden Fächer einander näherzubringen, indem Terminologie, Aufgabenstellungen und Methoden einander gegenübergestellt und aufeinander bezogen werden. # Damit Zeichen weltweit im gegenseitigen Verkehr übertragen werden können, müssen sie innerhalb der verwendeten Technik (dem Computer) kodiert sein. Seit durch Unicode quasi alle bestehenden (Schrift-)Zeichenstandards zu einem einzigen Standard zusammengefügt werden, ist die Frage nach einer Totalerschließung ›aller lebenden und toten Zeichen‹ dieser Welt virulent geworden. Das bisherige Fehlen signografischer Grundlagenforschung trifft dabei offen zutage. Durch den universalen signografischen Ansatz wird es möglich, die Gesamtheit der Zeichen durch ein größeres Glas als die ›Schriftbrille‹ zu betrachten und zu verstehen. ---- Anmerkungen [1] Signa Nr. 1, 2000. Grimma, Edition Wæchterpappel, 2000.
[2] Winfried Nöth: Handbuch der Semiotik. 2. Auflage, Stuttgart/Weimar, Metzler, 2000; S. 133.
[3] Jacques Derrida: De la grammatologie. Paris, Minuit, 1967. (zitiert nach Nöth, S. 557)
[4] siehe hierzu eine aktuelle Aufstellung signografischer Thematik in dem Dokument [http://www.signographie.de/cms/upload/pdf/thematik_1.1.pdf Themen der Signografie (PDF)]
[5] Die Webseite signographie.de wird von Ingo Preuß (Heidelberg) und Andreas Stötzner (Leipzig) auf unabhängiger Basis betrieben. Dahinter steht keine Firma oder Institution.
[6] Signa erscheint ein- bis zweimal jährlich im Verlag Edition Wæchterpappel der Denkmalschmiede Höfgen gGmbH [http://www.hoefgen.de www.hoefgen.de]
[7] Eine Veröffentlichung hierzu in Signa ist geplant.

Weblinks


- [http://www.signographie.de www.signographie.de] Kategorie:Semiotik

Zeichen

Ein Zeichen ist das Grundelement zum Aufbau von Sprachen.

Der Zeichenbegriff der strukturalistischen Sprachwissenschaft

Nach Ferdinand de Saussure ist ein Zeichen die Beziehung (Verbindung) zwischen Bezeichnetem ('Signifié') und Bezeichnung (= 'Signifiant', Bezeichnendes). Das Bezeichnete entspricht einer Vorstellung oder einem Konzept, das Bezeichnende ist ein Lautbild. Das Lautbild ist auch etwas Gedachtes (also ein 'psychischer Eindruck' und nicht die physikalische Schallwelle), da man für sich selber eine Lautfolge gedanklich "aussprechen" kann, ohne die Lippen zu bewegen. Der Zusammenhang zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem ist beliebig (arbiträr). Beliebig bedeutet hier nicht, dass jede Person frei einen Signifikanten für ein Signifikat aussuchen kann, sondern dass die ursprüngliche Festlegung eines Zeichens unmotiviert ist. Zeichen für die Kommunikation zwischen Menschen bedürfen der "Verabredung", einer Konvention. Ist das Zeichen erst einmal zur Konvention geworden, bleibt es fest zugeordnet. Betrachtungsprinzipien:Synchronie und Diachronie und ihre Unterscheidung, Bilateralität des Zeichens, Arbitrarität, Linearität, Konstanz (über individuell), Primat der gesprochenen Sprache

Der Zeichenbegriff des Pragmatismus

Für den Logiker und Semiotiker Charles Peirce ist ein Zeichen "etwas, das für jemanden in gewisser Hinsicht für etwas steht". Umberto Eco schlägt vor, alles Zeichen zu nennen, was aufgrund einer vorher vereinbarten sozialen Konvention als etwas aufgefasst werden kann, das für etwas anderes steht. Er übernimmt damit weitgehend die Definition von Charles W. Morris (1938). Charles S. Peirce unterteilt die Zeichen in drei Zeichen-Trichotomien, so dass sich neun Subzeichenklassen und, durch deren Kombination untereinander, zehn Hauptzeichenklassen ergeben. Unter den Subzeichenklassen sind die wohl bekanntesten: Ikon, Index und Symbol. Sie gehören zur zweiten Trichotomie, in der die Objektrelation des Zeichens thematisiert wird. Ein Ikon ist ein Zeichen, das eine Ähnlichkeit zu seinem Gegenstand aufweist (ein Abbildverhältnis), wie z.B. bei dem lautmalerischen "Wau" für das Kläffen eines Hundes. Ein Index ist ein Zeichen, das die Folge oder Wirkung seines Objektes ist, so ist z.B. Rauch ein Zeichen für Feuer. Ein Symbol ist für Peirce schließlich ein Zeichen, das auf Konventionalität beruht, also auf einer arbitären Vereinbarung. Dies trifft auf einen Großteil der menschlichen Sprache zu, insbeondere auf Eigennamen. Die chinesische Schrift ist der Prototyp einer ikonischen Schrift. Gerade das Beispiel zeigt, dass auch diese konventioneller Festlegungen bedürfen um Missverständnissen entgegenzuwirken. Wörter in einer Alphabetschrift bestehen aus Buchstabensequenzen. Erst das ganze einzelne Wort ist im linguistischen Sinn ein Zeichen und zwar ein symbolisches. Nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Zeichens ist der Begriff des Schriftzeichens. Letzterer muss nicht einer Bedeutung (Bezeichnetem) zugeordnet sein, sondern ist bei Alphabet- und Silbenschriften einer bestimmten Lautung oder Funktion innerhalb des Schriftsystems zugeordnet. (Im Deutschen ist diese Unterscheidung etwas verwirrend, im Englischen z.B. ist sie eindeutiger: sign vs. character.)

Literatur


- Ferdinand de Saussure, Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft; Erster Teil, Kapitel I, Die Natur des sprachlichen Zeichens, 1915.
- Umberto Eco, Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, Wilhelm Fink Verlag, 1987.

Weblinks


- http://www.lichtensteiger.de/zeichen_card.html
- http://www.lichtensteiger.de/saussure.html Siehe auch: Deixis, Semiotik, Wahrzeichen, Name, Begriff, Benennung, Zahl, Symbol, Syntax, Information, Daten, Signographie, Piktogramm ! Kategorie:Semiotik ja:記号

Form

Form (lat. Lehnwort von Forma) bezeichnet
- allgemein die äußere Gestalt eines Objektes, siehe Gestalt, Erscheinung, Morphologie
- den Aufbau, die Struktur oder die Gattung eines Musikstückes, siehe Formenlehre (Musik)
- in der Literatur die Gestalt bzw. den Aufbau eines Werkes, siehe Gattung (Poesie/Literatur)
- speziell in der Philosophie den Endzustand, den das Veränderte annimmt, siehe Form (Philosophie)
- im Rechtswesen die Anforderungen, die das Recht an die äußere Gestaltung bestimmter Handlungen stellt, siehe Form (Recht)
- bei Urformtechniken eine Hülle, die einen flüssigen Stoff aufnimmt, bis er erstarrt, siehe Gussform
- in Mathematik unter anderem Gleichungen die bestimmte Anforderungen erfüllen, siehe Form (Mathematik)
- im Sport die körperliche Verfassung eines Menschen, siehe Fitness
- im Tae Kwon Do, einer koreanischen Kampfkunst eine Trainingsmethode, oft auch als "Schattenkampf" bekannt. Siehe auch Taekwondo-Begriffe.

Zeichen

Ein Zeichen ist das Grundelement zum Aufbau von Sprachen.

Der Zeichenbegriff der strukturalistischen Sprachwissenschaft

Nach Ferdinand de Saussure ist ein Zeichen die Beziehung (Verbindung) zwischen Bezeichnetem ('Signifié') und Bezeichnung (= 'Signifiant', Bezeichnendes). Das Bezeichnete entspricht einer Vorstellung oder einem Konzept, das Bezeichnende ist ein Lautbild. Das Lautbild ist auch etwas Gedachtes (also ein 'psychischer Eindruck' und nicht die physikalische Schallwelle), da man für sich selber eine Lautfolge gedanklich "aussprechen" kann, ohne die Lippen zu bewegen. Der Zusammenhang zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem ist beliebig (arbiträr). Beliebig bedeutet hier nicht, dass jede Person frei einen Signifikanten für ein Signifikat aussuchen kann, sondern dass die ursprüngliche Festlegung eines Zeichens unmotiviert ist. Zeichen für die Kommunikation zwischen Menschen bedürfen der "Verabredung", einer Konvention. Ist das Zeichen erst einmal zur Konvention geworden, bleibt es fest zugeordnet. Betrachtungsprinzipien:Synchronie und Diachronie und ihre Unterscheidung, Bilateralität des Zeichens, Arbitrarität, Linearität, Konstanz (über individuell), Primat der gesprochenen Sprache

Der Zeichenbegriff des Pragmatismus

Für den Logiker und Semiotiker Charles Peirce ist ein Zeichen "etwas, das für jemanden in gewisser Hinsicht für etwas steht". Umberto Eco schlägt vor, alles Zeichen zu nennen, was aufgrund einer vorher vereinbarten sozialen Konvention als etwas aufgefasst werden kann, das für etwas anderes steht. Er übernimmt damit weitgehend die Definition von Charles W. Morris (1938). Charles S. Peirce unterteilt die Zeichen in drei Zeichen-Trichotomien, so dass sich neun Subzeichenklassen und, durch deren Kombination untereinander, zehn Hauptzeichenklassen ergeben. Unter den Subzeichenklassen sind die wohl bekanntesten: Ikon, Index und Symbol. Sie gehören zur zweiten Trichotomie, in der die Objektrelation des Zeichens thematisiert wird. Ein Ikon ist ein Zeichen, das eine Ähnlichkeit zu seinem Gegenstand aufweist (ein Abbildverhältnis), wie z.B. bei dem lautmalerischen "Wau" für das Kläffen eines Hundes. Ein Index ist ein Zeichen, das die Folge oder Wirkung seines Objektes ist, so ist z.B. Rauch ein Zeichen für Feuer. Ein Symbol ist für Peirce schließlich ein Zeichen, das auf Konventionalität beruht, also auf einer arbitären Vereinbarung. Dies trifft auf einen Großteil der menschlichen Sprache zu, insbeondere auf Eigennamen. Die chinesische Schrift ist der Prototyp einer ikonischen Schrift. Gerade das Beispiel zeigt, dass auch diese konventioneller Festlegungen bedürfen um Missverständnissen entgegenzuwirken. Wörter in einer Alphabetschrift bestehen aus Buchstabensequenzen. Erst das ganze einzelne Wort ist im linguistischen Sinn ein Zeichen und zwar ein symbolisches. Nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Zeichens ist der Begriff des Schriftzeichens. Letzterer muss nicht einer Bedeutung (Bezeichnetem) zugeordnet sein, sondern ist bei Alphabet- und Silbenschriften einer bestimmten Lautung oder Funktion innerhalb des Schriftsystems zugeordnet. (Im Deutschen ist diese Unterscheidung etwas verwirrend, im Englischen z.B. ist sie eindeutiger: sign vs. character.)

Literatur


- Ferdinand de Saussure, Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft; Erster Teil, Kapitel I, Die Natur des sprachlichen Zeichens, 1915.
- Umberto Eco, Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, Wilhelm Fink Verlag, 1987.

Weblinks


- http://www.lichtensteiger.de/zeichen_card.html
- http://www.lichtensteiger.de/saussure.html Siehe auch: Deixis, Semiotik, Wahrzeichen, Name, Begriff, Benennung, Zahl, Symbol, Syntax, Information, Daten, Signographie, Piktogramm ! Kategorie:Semiotik ja:記号

Semiotik

Semiotik ist die allgemeine Lehre von den Zeichen, Zeichensystemen und Zeichenprozessen.

Frühe Definitionen

Erste Zeichen- und Bedeutungslehren entstanden in der stoischen Dialektik durch Diogenes von Babylon u.a. sowie im mittelalterlichen Nominalismus durch Wilhelm von Occam. Wesentliche Begründer der „modernen“ Semiotik sind Charles Sanders Peirce (1839-1914), Ferdinand de Saussure (1857-1913), Charles William Morris (1901-1979) und der dänische Semiotiker Louis Hjelmslev (1899-1965) Saussure erklärt Sprache als ein System von Zeichen, welches fähig ist, Ideen auszudrücken. Daraus geht eine Wissenschaft hervor, die sich mit dem Umgang mit Zeichen in der Gesellschaft beschäftigt und später Teil der Soziopsychologie sein wird, und daraus folgend auch Teil der Allgemeinen Psychologie. Man bezeichnet sie als Semiologie, abgeleitet vom griechischen Wort semeion („das Zeichen“). Saussure geht davon aus, dass nur menschliche Sender semiologische Vorgänge verstehen und produzieren können, indem der Sender eine Idee als Nachricht an einen menschlichen Empfänger schickt. Peirce hingegen geht von einem dreiteiligen System aus, welches er Semiosis nennt. Die Semiosis ist ein Prozess der drei Instanzen umfasst, nämlich das Zeichen, sein Objekt und den Interpretanten. Der Interpretant kann hierbei in erster Annäherung als die Bedeutung des Zeichens verstanden werden, die in Peirce' System wiederum selbst als Zeichen mit eigenem Interpretanten aufgefasst wird. Auf diese Weise setzt sich der Interpretationsprozess prinzipiell bis ins Unendliche fort. Jedes Zeichen vermittelt so zwischen seinem Objekt und seinem Interpretanten. In einem bloßen Verhältnis von actio und reactio ist dies nicht möglich. Wenn bspw. eine Kugel auf eine andere trifft, ist dafür keinerlei Vermittlung oder Übersetzung nötig. Peirce schließt auch solche Phänomene ein, die keinen Menschen als Sender haben – die natürlichen Zeichen –, aber auch solche die keinen Menschen als Empfänger haben: so sei der Sonnenstrahl für die Blume ein Zeichen, sich ihr zuzuwenden. Saussure vernachlässigte diesen Bereich.

Sprachwissenschaftliche Definition

Ein semiotischer Vorgang in sprachwissenschaftlicher Hinsicht liegt vor, wenn eine codierte Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gesendet wird und diese Nachricht vom Empfänger decodiert, also entschlüsselt werden kann. Diese Daten oder Nachrichten werden durch den Empfänger klassifiziert und interpretiert. Durch diesen Prozess ist der Empfänger in der Lage, in Interaktion mit dem Sender zu treten. Das in einem bestimmten Code, beispielsweise Sprache, geschriebene Zeichen beschreibt sein Objekt und wird durch den Übersetzer interpretiert. Die Semiotik wird üblicherweise in die drei überlappenden Teilbereiche Syntax, Semantik und Pragmatik untergliedert, wobei diese Bereiche durch ihre Beziehungen zwischen Zeichen, der Zeichenbedeutung und den Benutzern der Zeichen in einer bestimmten Situation definiert werden: ;Syntax:Zeichen ↔ Zeichen ;Semantik:Zeichen ↔ Bedeutung ;Pragmatik:Zeichen ↔ Benutzer u. Situation Siehe auch: Struktur und Bedeutung von Information

Literatursemiotik

Vertreter der Literatursemiotik werden teilweise auch den Strukturalisten oder Formalisten zugerechnet. Die literatursemiotischen Ansätze sind zudem sehr unterschiedlich: Roland Barthes vertritt eine poststrukturalistische Position, von der aus er die Vieldeutigkeit eines Werkes betont, während Umberto Eco Barthes‘ Vorstellung einer grenzenlosen Offenheit der Bedeutung literarischer Werke korrigiert und die Rezeption literarischer Texte als Wechselspiel von Freiheit und Determiniertheit darstellt: Einerseits muss der Text eine Struktur aufweisen, sonst "gäbe es keine Kommunikation, sondern nur eine rein zufällige Stimulierung von aleatorischen Reaktionen" (Eco). Andererseits entscheidet der Leser, welche Codes und welchen semantischen Rahmen er auf den Text anwenden soll, wodurch er im Verlauf seines Lektüreprozesses die weitere Aktualisierung von Bedeutungen maßgeblich beeinflusst. Dem gegenüber stehen Ansätze in der Tradition des Strukturalisten Algirdas J. Greimas, der über die Analyse der verschiedenen bedeutungstragenden, hierarchisch organisierten Ebenen eines Textes eine semantische Tiefenstruktur eindeutig rekonstruieren will.

Über das Ästhetische

Es scheint trotz dieser Vielfalt einen Konsens darüber zu geben, dass ästhetische Objekte Zeichensysteme sind, die sich eines anderen Zeichensystems als Trägersystem, als Form bedienen: Im Fall der Literatur ist dies das überaus komplexe Zeichensystem Sprache. Herausragende Beispiele im deutschsprachigen Raum sind hier etwa Hans Wollschläger. Ästhetische Funktion nach Jan Mukařovský (geb. 11. November 1892 in Písek, Südböhmen; Mitglied des 1926 gegründeten "Cercle Linguistique de Prague", erste Schule der strukturalen Methode (vgl. Strukturalismus) Ein Zeichen kann mit der sog. ästhetischen Funktion belegt sein. Diese Funktion (im Gegensatz zum Beispiel zur referentiellen Funktion) führt dazu, dass ein Zeichen vornehmlich um seiner selbst willen rezipiert wird. Es verweist damit nicht mehr auf ein konkretes Objekt, sondern auf seine eigenen Möglichkeitsumstände, damit nach Mukarovský auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang seiner Rezeption. Wann und wie einem Zeichen die ästhetische Funktion beigelegt wird, ist zwar auch vom rezipiernden Subjekt abhängig, wird aber, allgemein gesehen, von der ästhetischen Norm bestimmt, die in einer Gesellschaft im Moment der Zeichenrezeption herrscht. (So können nach Mukařovský für uns heute Kathedralen u.ä. Bauwerke durchaus unter ästhetischem Gesichtspunkten betrachtet werden, waren aber zur Zeit ihres Baus weit stärker mit einer sakralen Funktion als mit der ästhetischen Funktion belegt) Literatur: vgl.: Mukařovský, Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1970

Semiotik als Sinnprozesslehre

Der deutsche Sozialphilosoph Johannes Heinrichs versteht Semiotik nicht als eine einzelwissenschaftliche Spezialdisziplin (Lehre von Zeichen), sondern als philosophische Sinnprozesslehre. Auch der Zeichenbegriff bedarf der Herleitung aus Bewusstseinsvollzügen (Handlungen im weiteren Sinn). Es wäre falsch, ihn einfach als eine Urgegebenheit neben der einzigen wirklichen philosophischen Urgegebenheit von Sinn als "Bewusstseinsvollzügen mit ihren Gehalten" hinzunehmen. Er grenzt diese philosophische Semiotik ab von dem Aspekt der inhaltlichen Hermeneutik von Sinn, als die er Philosophie primär definiert: Letztere befasst sich mit der Gehalt-Seite, die Semiotik mit der formalen Prozess-Seite. Er kennt vier Ebenen von bewusstseinsmäßigen Sinn-Prozessen (diese im Unterschied zur Übertragung biologischer oder anderer physischer Information): 1. die semiotischen Prozesse des Handelns und dem Erleben als dessen rezeptiver Form, worin sich auch eine Ortsbestimmung des Zeichen-Handelns, somit also des Zeichens, ergibt, 2. der Sprache (als sich selbst in eigenen syntaktischen Zeichen regulierenden Meta-Handelns), 3. der Kunst (als sich in einer Meta-Syntax reflektierende Meta-Sprache) sowie 4. der Mystik, die von der Annahme bzw. Erfahrung einer Eigenaktivität des von Anfang an vorausgesetzten Sinnes (Sinn-Mediums) ausgeht. Mystik ist in semiotischer Betrachtung der Titel für die Schließung eines systemischen Kreislaufs zwischen Subjekt und Sinn-selbst, worin die Einseitigkeit des Handelns, einseitig subjektgeleitet zu sein, über die Vorstufen der sozialen Gegenseitigkeit sowie des künstlerischen, "medialen" Prozesses hinweg, aufgehoben ist. Auf all diesen Ebenen spielt der Zeichenbegriff eine wesentliche Rolle, ohne aber eine bloß "positive" Gegebenheit zu bleiben oder gar eigene Unhintergehbarkeit zu beanspruchen.

Siehe auch

Allgemeine Linguistik, Sprachwissenschaft, medizinische Semiologie, Dekonstruktion, Grammatologie, Code

Wichtige Personen der Semiotik


- Peirce, Charles Sanders
- Jacques Derrida ( vergleiche besonders: Limited Inc.)
- Saussure, Ferdinand de
- Lévi-Strauss, Claude
- Baudrillard, Jean
- Uexküll, Jakob Johann von
- Eco, Umberto
- Barthes, Roland
- Morris, Charles W.
- Heinrichs, Johannes Russische Semiotik:
- Bachtin, Michail
- Lotman, Jurij
- Uspenskij, Boris Vorläufer:
- Diogenes von Babylon
- Locke, John
- Bruno, Giordano
- Occam, Wilhelm von
- Platon (vergleiche: Höhlengleichnis).

Literatur


- Chandler, Daniel (2001). Semiotics: The Basics London, New York: Routledge. ISBN 0-415-26594-0. [http://www.aber.ac.uk/media/Documents/S4B/ Onlineversion]
- Derrida, Jacques: (2001). Limited Inc. Wien: Passagen, 2001. ISBN 3-85165-055-7.
- Eco, Umberto (1962). Einführung in die Semiotik (autorisierte deutsche Auflage durch Jürgen Trabant). München: Fink, 2002. ISBN 3-8252-0105-8.
- Eco, Umberto (1991). Semiotik: Entwurf einer Theorie der Zeichen (2. Aufl.; G. Memmert, Übers.). München: Fink, (Orig. ersch. 1976)
- Eco, Umberto (1977). Zeichen: Einführung in einen Begriff und seine Geschichte (G. Memmert, Übers.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp, (Orig. ersch. 1973)
- Heinrichs, Johannes (1980). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 1: Handlungstheorie. Strukturalsemantische Grammatik des Handelns, 192 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Heinrichs, Johannes (1981). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 2: Sprachtheorie. Philosophische Grammatik der semiotischen Dimensionen, 490 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Lucid, David P. (Hrsg.). (1977). Soviet Semiotics. An Anthology. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
- Mersch, Dieter (Hrsg.). (1998). Zeichen über Zeichen: Texte zur Semiotik von Peirce bis Eco und Derrida. München: dtv.
- Nöth, Winfried (2000). Handbuch der Semiotik (rev. u. erw. 2. Aufl.). Stuttgart/Weimar.
- Pape, Helmut (Hrsg.)/Peirce, Charles S. (1983). Phänomen und Logik der Zeichen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
- Peirce, Charles S. / Uchtmann, Roger (Hrsg.) (2003). Von der Klarheit unserer Gedanken (inkl. Edwina Taborsky Evolution des Bewusstseins). Neuenkirchen: Phänomen-Verlag. ISBN 3-933321-46-8.
- Sebeok, Thomas A. (1979). Theorie und Geschichte der Semiotik (A. Eschbach, Übers.). Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, (Orig. ersch. 1976)

Artikel zum Thema Semiotik


- Semiotisches Dreieck
- Signografie
- Semantik
- Syntax
- Pragmatik
- Atomsemiotik
- Semiosphäre

Weblinks


- [http://www.semiotik.de www.semiotik.de]
- [http://www.rechtssemiotik.de www.rechtssemiotik.de] ! Kategorie:Geisteswissenschaft ja:記号学 simple:Semiotics

Zeichen

Ein Zeichen ist das Grundelement zum Aufbau von Sprachen.

Der Zeichenbegriff der strukturalistischen Sprachwissenschaft

Nach Ferdinand de Saussure ist ein Zeichen die Beziehung (Verbindung) zwischen Bezeichnetem ('Signifié') und Bezeichnung (= 'Signifiant', Bezeichnendes). Das Bezeichnete entspricht einer Vorstellung oder einem Konzept, das Bezeichnende ist ein Lautbild. Das Lautbild ist auch etwas Gedachtes (also ein 'psychischer Eindruck' und nicht die physikalische Schallwelle), da man für sich selber eine Lautfolge gedanklich "aussprechen" kann, ohne die Lippen zu bewegen. Der Zusammenhang zwischen Bezeichnetem und Bezeichnendem ist beliebig (arbiträr). Beliebig bedeutet hier nicht, dass jede Person frei einen Signifikanten für ein Signifikat aussuchen kann, sondern dass die ursprüngliche Festlegung eines Zeichens unmotiviert ist. Zeichen für die Kommunikation zwischen Menschen bedürfen der "Verabredung", einer Konvention. Ist das Zeichen erst einmal zur Konvention geworden, bleibt es fest zugeordnet. Betrachtungsprinzipien:Synchronie und Diachronie und ihre Unterscheidung, Bilateralität des Zeichens, Arbitrarität, Linearität, Konstanz (über individuell), Primat der gesprochenen Sprache

Der Zeichenbegriff des Pragmatismus

Für den Logiker und Semiotiker Charles Peirce ist ein Zeichen "etwas, das für jemanden in gewisser Hinsicht für etwas steht". Umberto Eco schlägt vor, alles Zeichen zu nennen, was aufgrund einer vorher vereinbarten sozialen Konvention als etwas aufgefasst werden kann, das für etwas anderes steht. Er übernimmt damit weitgehend die Definition von Charles W. Morris (1938). Charles S. Peirce unterteilt die Zeichen in drei Zeichen-Trichotomien, so dass sich neun Subzeichenklassen und, durch deren Kombination untereinander, zehn Hauptzeichenklassen ergeben. Unter den Subzeichenklassen sind die wohl bekanntesten: Ikon, Index und Symbol. Sie gehören zur zweiten Trichotomie, in der die Objektrelation des Zeichens thematisiert wird. Ein Ikon ist ein Zeichen, das eine Ähnlichkeit zu seinem Gegenstand aufweist (ein Abbildverhältnis), wie z.B. bei dem lautmalerischen "Wau" für das Kläffen eines Hundes. Ein Index ist ein Zeichen, das die Folge oder Wirkung seines Objektes ist, so ist z.B. Rauch ein Zeichen für Feuer. Ein Symbol ist für Peirce schließlich ein Zeichen, das auf Konventionalität beruht, also auf einer arbitären Vereinbarung. Dies trifft auf einen Großteil der menschlichen Sprache zu, insbeondere auf Eigennamen. Die chinesische Schrift ist der Prototyp einer ikonischen Schrift. Gerade das Beispiel zeigt, dass auch diese konventioneller Festlegungen bedürfen um Missverständnissen entgegenzuwirken. Wörter in einer Alphabetschrift bestehen aus Buchstabensequenzen. Erst das ganze einzelne Wort ist im linguistischen Sinn ein Zeichen und zwar ein symbolisches. Nicht zu verwechseln mit dem Begriff des Zeichens ist der Begriff des Schriftzeichens. Letzterer muss nicht einer Bedeutung (Bezeichnetem) zugeordnet sein, sondern ist bei Alphabet- und Silbenschriften einer bestimmten Lautung oder Funktion innerhalb des Schriftsystems zugeordnet. (Im Deutschen ist diese Unterscheidung etwas verwirrend, im Englischen z.B. ist sie eindeutiger: sign vs. character.)

Literatur


- Ferdinand de Saussure, Grundfragen der Allgemeinen Sprachwissenschaft; Erster Teil, Kapitel I, Die Natur des sprachlichen Zeichens, 1915.
- Umberto Eco, Semiotik. Entwurf einer Theorie der Zeichen, Wilhelm Fink Verlag, 1987.

Weblinks


- http://www.lichtensteiger.de/zeichen_card.html
- http://www.lichtensteiger.de/saussure.html Siehe auch: Deixis, Semiotik, Wahrzeichen, Name, Begriff, Benennung, Zahl, Symbol, Syntax, Information, Daten, Signographie, Piktogramm ! Kategorie:Semiotik ja:記号

Buchstabe

Ein Buchstabe ist ein Zeichen, das in einer menschlichen alphabetischen Schriftsprache Verwendung findet. Phoneme werden in Gestalt von Graphemen fixiert. Ein Alphabet ist die Gesamtheit der Buchstaben einer phonembasierten Schriftsprache.

Etymologie

Das Wort entstand wahrscheinlich aus den germanischen, zum Los bestimmten Runenstäbchen (
- bōks
). In Buchenstäbchen ritzten die Germanen ihre Runen. Diese wurden als Orakel für wichtige Entscheidungen benutzt. Von den kultisch wichtigen Buchen-Stäbchen leitet sich das Wort Buchstabe ab. Nach manchen Erklärungen auf den kräftigen Zentralstrich der Runen.

Buchstabieren

Beim Buchstabieren von schwierigen Wörtern oder Eigennamen, insbesondere bei Funk- und Fernsprechverbindungen, greift man zur Vermeidung von Falschübermittlungen auf das Hilfsmittel der Buchstabiertafel zurück. Dabei werden einzelne Buchstaben durch Wörter ersetzt, deren Anfangsbuchstabe für den genannten Buchstaben steht.

Schriftarten

Neben phonembasierten existieren auch so genannte Ideogramm-basierte Schriften (z.B. die asiatischen Schriftzeichen). Sie basieren auf Symbolen bzw. Piktogrammen und stellen ganze Wörter dar. Die Germanen nahmen die Zweige der Buche und legten damit ihre Runen. Daher stammt der Begriff "Buchstabe" -> Stab (Zweig) der Buche.

Siehe auch


- Buchstabenhäufigkeit
- Majuskel
- Minuskel
- Typografie
- Buch

Weblinks


- [http://www.typolexikon.de/b/buchstabe.html Wolfgang Beinert: Der lateinische Buchstabe] Kategorie:Schriftzeichen Kategorie:Schreibtechnik als:Buchstabe

Signet

Das Signet (sprich: sinjee) (von latein. Signum = Zeichen) ist ein dem Logo übergeordnetes visuelles Zeichen. Die Anforderung an Signets sind abhängig von der Funktion, der Zielgruppe, aber auch von epochalen Stilprägungen. Moderne Signets sind meist aus geometrischen Grundformen aufgebaut, die schnell erfassbar sind. Der Wiedererkennungswert und die Sympathie sind weitere Kriterien für die Signetgestaltung. Signetentwicklung ist ein Spezialgebiet des Grafikdesigns. Eine der historischen Wurzeln des Signets ist die Heraldik. Ein einfaches Signet ist z. B. mit den beiden Spitzen des Kölner Doms gegeben (hier in ASCII stilisiert): /\/\ | | |__| Das Wort Signet ist aber auch ein Synonym für z. B. "das Aushängeschild (dieser Firma)" oder "die Visitenkarte (dieses Herrn)". Siehe auch: Logographie, Liste von Symbolen, Symbol Kategorie:Grafikdesign Kategorie:Symbol

Ton (Musik)

Töne sind die Grundelemente der Musik. Mit dem Begriff Ton wird der Einzelton benannt. Davon abzugrenzen ist der Klang, der aus mehreren Tönen besteht, und das Geräusch, das aus einer Klangfläche besteht. Basis aller Töne ist der durch eine Frequenz genau definierte Sinuston (nicht zu verwechseln mit dem Primärton) . Ein Instrumentalton, etwa von einer Geige, ist hingegen schon ein kompliziertes Gemisch von dem (gespielten und erklingenden) Grundton und mehreren gleichzeitig erklingenden Obertönen, deren Lautstärke sich zudem während des Spielens eines Tons verändert. Die Lautstärke der einzelnen Obertöne und deren Zeitverhalten ist unter anderem für den charakteristischen Klang eines Instrumentes verantwortlich. Auch die Stimme ist in der Hinsicht ein Instrument; ein gesungener Ton besteht ebenfalls aus dem Grundton und mehreren Obertönen. So genannte Formanten bestimmen in der Stimme die Färbung des Tones. Die folgenden Parameter lassen sich an einem Ton beschreiben:
- die Tonhöhe lässt sich einerseits als Frequenz in Hertz (Schwingungen pro Sekunde), anderseits in Tonbezeichnungen mit dazugehöriger Angabe des Oktavstreifens ausdrücken; siehe auch Tonleiter
- die Lautstärke oder Tonstärke ist physikalisch als Schwingungsweite (Amplitude des Schalldrucks) zu beschreiben
- die Klangfarbe wird durch die Gewichtung von Teiltönen und Obertönen, die mit dem eigentlichen Ton mitschwingen, bestimmt, sowie von deren zeitlichem Verhalten. Den Abstand zweier Töne bezeichnet man als Intervall, mehrere gleichzeitig erklingende Töne bilden einen Akkord oder Cluster. Töne stellt man schriftlich durch ihre Tonnamen nebst Oktavstreifen, graphisch als Noten, dar.

Geschichte des abendländischen Tonsystems

Seit dem 10. Jahrhundert verwendete man zur Bezeichnung der sieben Stammtöne des abendländischen Tonsystems die ersten sieben Buchstaben des lateinischen Alphabets: :a, b, c, d, e, f, g Der Ton b spaltete sich später in zwei Teiltöne, einen höheren (b quadratum, eckiges b) und einen tieferen (b rotundum, rundes b). B quadratum wurde später wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Buchstaben h verwechselt (Abschreibfehler eines Mönches im Mittelalter). Mit a als Grundton ergibt sich die Tonart a-Moll, mit c als Grundton die Tonart C-Dur. Da Dur die heute üblichste Tonleiter ist, kennen wir heute im Deutschen die Stammtöne in der Reihenfolge: :c, d, e, f, g, a, h Im Englischen heißt dagegen die Note h heute noch b, während die Note b dort als b flat bezeichnet wird. Die international übliche Bezeichnung ist die, die aus dem Englischen kommt. (Was eigentlich auch richtig ist.) Siehe dazu auch anderssprachige Tonbezeichnungen. Kategorie:Akustik

Semiotik

Semiotik ist die allgemeine Lehre von den Zeichen, Zeichensystemen und Zeichenprozessen.

Frühe Definitionen

Erste Zeichen- und Bedeutungslehren entstanden in der stoischen Dialektik durch Diogenes von Babylon u.a. sowie im mittelalterlichen Nominalismus durch Wilhelm von Occam. Wesentliche Begründer der „modernen“ Semiotik sind Charles Sanders Peirce (1839-1914), Ferdinand de Saussure (1857-1913), Charles William Morris (1901-1979) und der dänische Semiotiker Louis Hjelmslev (1899-1965) Saussure erklärt Sprache als ein System von Zeichen, welches fähig ist, Ideen auszudrücken. Daraus geht eine Wissenschaft hervor, die sich mit dem Umgang mit Zeichen in der Gesellschaft beschäftigt und später Teil der Soziopsychologie sein wird, und daraus folgend auch Teil der Allgemeinen Psychologie. Man bezeichnet sie als Semiologie, abgeleitet vom griechischen Wort semeion („das Zeichen“). Saussure geht davon aus, dass nur menschliche Sender semiologische Vorgänge verstehen und produzieren können, indem der Sender eine Idee als Nachricht an einen menschlichen Empfänger schickt. Peirce hingegen geht von einem dreiteiligen System aus, welches er Semiosis nennt. Die Semiosis ist ein Prozess der drei Instanzen umfasst, nämlich das Zeichen, sein Objekt und den Interpretanten. Der Interpretant kann hierbei in erster Annäherung als die Bedeutung des Zeichens verstanden werden, die in Peirce' System wiederum selbst als Zeichen mit eigenem Interpretanten aufgefasst wird. Auf diese Weise setzt sich der Interpretationsprozess prinzipiell bis ins Unendliche fort. Jedes Zeichen vermittelt so zwischen seinem Objekt und seinem Interpretanten. In einem bloßen Verhältnis von actio und reactio ist dies nicht möglich. Wenn bspw. eine Kugel auf eine andere trifft, ist dafür keinerlei Vermittlung oder Übersetzung nötig. Peirce schließt auch solche Phänomene ein, die keinen Menschen als Sender haben – die natürlichen Zeichen –, aber auch solche die keinen Menschen als Empfänger haben: so sei der Sonnenstrahl für die Blume ein Zeichen, sich ihr zuzuwenden. Saussure vernachlässigte diesen Bereich.

Sprachwissenschaftliche Definition

Ein semiotischer Vorgang in sprachwissenschaftlicher Hinsicht liegt vor, wenn eine codierte Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gesendet wird und diese Nachricht vom Empfänger decodiert, also entschlüsselt werden kann. Diese Daten oder Nachrichten werden durch den Empfänger klassifiziert und interpretiert. Durch diesen Prozess ist der Empfänger in der Lage, in Interaktion mit dem Sender zu treten. Das in einem bestimmten Code, beispielsweise Sprache, geschriebene Zeichen beschreibt sein Objekt und wird durch den Übersetzer interpretiert. Die Semiotik wird üblicherweise in die drei überlappenden Teilbereiche Syntax, Semantik und Pragmatik untergliedert, wobei diese Bereiche durch ihre Beziehungen zwischen Zeichen, der Zeichenbedeutung und den Benutzern der Zeichen in einer bestimmten Situation definiert werden: ;Syntax:Zeichen ↔ Zeichen ;Semantik:Zeichen ↔ Bedeutung ;Pragmatik:Zeichen ↔ Benutzer u. Situation Siehe auch: Struktur und Bedeutung von Information

Literatursemiotik

Vertreter der Literatursemiotik werden teilweise auch den Strukturalisten oder Formalisten zugerechnet. Die literatursemiotischen Ansätze sind zudem sehr unterschiedlich: Roland Barthes vertritt eine poststrukturalistische Position, von der aus er die Vieldeutigkeit eines Werkes betont, während Umberto Eco Barthes‘ Vorstellung einer grenzenlosen Offenheit der Bedeutung literarischer Werke korrigiert und die Rezeption literarischer Texte als Wechselspiel von Freiheit und Determiniertheit darstellt: Einerseits muss der Text eine Struktur aufweisen, sonst "gäbe es keine Kommunikation, sondern nur eine rein zufällige Stimulierung von aleatorischen Reaktionen" (Eco). Andererseits entscheidet der Leser, welche Codes und welchen semantischen Rahmen er auf den Text anwenden soll, wodurch er im Verlauf seines Lektüreprozesses die weitere Aktualisierung von Bedeutungen maßgeblich beeinflusst. Dem gegenüber stehen Ansätze in der Tradition des Strukturalisten Algirdas J. Greimas, der über die Analyse der verschiedenen bedeutungstragenden, hierarchisch organisierten Ebenen eines Textes eine semantische Tiefenstruktur eindeutig rekonstruieren will.

Über das Ästhetische

Es scheint trotz dieser Vielfalt einen Konsens darüber zu geben, dass ästhetische Objekte Zeichensysteme sind, die sich eines anderen Zeichensystems als Trägersystem, als Form bedienen: Im Fall der Literatur ist dies das überaus komplexe Zeichensystem Sprache. Herausragende Beispiele im deutschsprachigen Raum sind hier etwa Hans Wollschläger. Ästhetische Funktion nach Jan Mukařovský (geb. 11. November 1892 in Písek, Südböhmen; Mitglied des 1926 gegründeten "Cercle Linguistique de Prague", erste Schule der strukturalen Methode (vgl. Strukturalismus) Ein Zeichen kann mit der sog. ästhetischen Funktion belegt sein. Diese Funktion (im Gegensatz zum Beispiel zur referentiellen Funktion) führt dazu, dass ein Zeichen vornehmlich um seiner selbst willen rezipiert wird. Es verweist damit nicht mehr auf ein konkretes Objekt, sondern auf seine eigenen Möglichkeitsumstände, damit nach Mukarovský auf den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang seiner Rezeption. Wann und wie einem Zeichen die ästhetische Funktion beigelegt wird, ist zwar auch vom rezipiernden Subjekt abhängig, wird aber, allgemein gesehen, von der ästhetischen Norm bestimmt, die in einer Gesellschaft im Moment der Zeichenrezeption herrscht. (So können nach Mukařovský für uns heute Kathedralen u.ä. Bauwerke durchaus unter ästhetischem Gesichtspunkten betrachtet werden, waren aber zur Zeit ihres Baus weit stärker mit einer sakralen Funktion als mit der ästhetischen Funktion belegt) Literatur: vgl.: Mukařovský, Jan: Kapitel aus der Ästhetik. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1970

Semiotik als Sinnprozesslehre

Der deutsche Sozialphilosoph Johannes Heinrichs versteht Semiotik nicht als eine einzelwissenschaftliche Spezialdisziplin (Lehre von Zeichen), sondern als philosophische Sinnprozesslehre. Auch der Zeichenbegriff bedarf der Herleitung aus Bewusstseinsvollzügen (Handlungen im weiteren Sinn). Es wäre falsch, ihn einfach als eine Urgegebenheit neben der einzigen wirklichen philosophischen Urgegebenheit von Sinn als "Bewusstseinsvollzügen mit ihren Gehalten" hinzunehmen. Er grenzt diese philosophische Semiotik ab von dem Aspekt der inhaltlichen Hermeneutik von Sinn, als die er Philosophie primär definiert: Letztere befasst sich mit der Gehalt-Seite, die Semiotik mit der formalen Prozess-Seite. Er kennt vier Ebenen von bewusstseinsmäßigen Sinn-Prozessen (diese im Unterschied zur Übertragung biologischer oder anderer physischer Information): 1. die semiotischen Prozesse des Handelns und dem Erleben als dessen rezeptiver Form, worin sich auch eine Ortsbestimmung des Zeichen-Handelns, somit also des Zeichens, ergibt, 2. der Sprache (als sich selbst in eigenen syntaktischen Zeichen regulierenden Meta-Handelns), 3. der Kunst (als sich in einer Meta-Syntax reflektierende Meta-Sprache) sowie 4. der Mystik, die von der Annahme bzw. Erfahrung einer Eigenaktivität des von Anfang an vorausgesetzten Sinnes (Sinn-Mediums) ausgeht. Mystik ist in semiotischer Betrachtung der Titel für die Schließung eines systemischen Kreislaufs zwischen Subjekt und Sinn-selbst, worin die Einseitigkeit des Handelns, einseitig subjektgeleitet zu sein, über die Vorstufen der sozialen Gegenseitigkeit sowie des künstlerischen, "medialen" Prozesses hinweg, aufgehoben ist. Auf all diesen Ebenen spielt der Zeichenbegriff eine wesentliche Rolle, ohne aber eine bloß "positive" Gegebenheit zu bleiben oder gar eigene Unhintergehbarkeit zu beanspruchen.

Siehe auch

Allgemeine Linguistik, Sprachwissenschaft, medizinische Semiologie, Dekonstruktion, Grammatologie, Code

Wichtige Personen der Semiotik


- Peirce, Charles Sanders
- Jacques Derrida ( vergleiche besonders: Limited Inc.)
- Saussure, Ferdinand de
- Lévi-Strauss, Claude
- Baudrillard, Jean
- Uexküll, Jakob Johann von
- Eco, Umberto
- Barthes, Roland
- Morris, Charles W.
- Heinrichs, Johannes Russische Semiotik:
- Bachtin, Michail
- Lotman, Jurij
- Uspenskij, Boris Vorläufer:
- Diogenes von Babylon
- Locke, John
- Bruno, Giordano
- Occam, Wilhelm von
- Platon (vergleiche: Höhlengleichnis).

Literatur


- Chandler, Daniel (2001). Semiotics: The Basics London, New York: Routledge. ISBN 0-415-26594-0. [http://www.aber.ac.uk/media/Documents/S4B/ Onlineversion]
- Derrida, Jacques: (2001). Limited Inc. Wien: Passagen, 2001. ISBN 3-85165-055-7.
- Eco, Umberto (1962). Einführung in die Semiotik (autorisierte deutsche Auflage durch Jürgen Trabant). München: Fink, 2002. ISBN 3-8252-0105-8.
- Eco, Umberto (1991). Semiotik: Entwurf einer Theorie der Zeichen (2. Aufl.; G. Memmert, Übers.). München: Fink, (Orig. ersch. 1976)
- Eco, Umberto (1977). Zeichen: Einführung in einen Begriff und seine Geschichte (G. Memmert, Übers.). Frankfurt a. M.: Suhrkamp, (Orig. ersch. 1973)
- Heinrichs, Johannes (1980). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 1: Handlungstheorie. Strukturalsemantische Grammatik des Handelns, 192 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Heinrichs, Johannes (1981). Reflexionstheoretische Semiotik, Teil 2: Sprachtheorie. Philosophische Grammatik der semiotischen Dimensionen, 490 S., Bouvier Verlag, Bonn. [http://www.johannesheinrichs.de/bibliographie.html Onlineversion]
- Lucid, David P. (Hrsg.). (1977). Soviet Semiotics. An Anthology. Baltimore: Johns Hopkins University Press.
- Mersch, Dieter (Hrsg.). (1998). Zeichen über Zeichen: Texte zur Semiotik von Peirce bis Eco und Derrida. München: dtv.
- Nöth, Winfried (2000). Handbuch der Semiotik (rev. u. erw. 2. Aufl.). Stuttgart/Weimar.
- Pape, Helmut (Hrsg.)/Peirce, Charles S. (1983). Phänomen und Logik der Zeichen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
- Peirce, Charles S. / Uchtmann, Roger (Hrsg.) (2003). Von der Klarheit unserer Gedanken (inkl. Edwina Taborsky Evolution des Bewusstseins). Neuenkirchen: Phänomen-Verlag. ISBN 3-933321-46-8.
- Sebeok, Thomas A. (1979). Theorie und Geschichte der Semiotik (A. Eschbach, Übers.). Reinbek b. Hamburg: Rowohlt, (Orig. ersch. 1976)

Artikel zum Thema Semiotik


- Semiotisches Dreieck
- Signografie
- Semantik
- Syntax
- Pragmatik
- Atomsemiotik
- Semiosphäre

Weblinks


- [http://www.semiotik.de www.semiotik.de]
- [http://www.rechtssemiotik.de www.rechtssemiotik.de] ! Kategorie:Geisteswissenschaft ja:記号学 simple:Semiotics

Feder

Federn (lat. Pennae, Singular Penna) sind auf der Außenhaut der Vögel wachsende Gebilde aus Keratin, die die wesentliche äußere Hülle, das Gefieder oder Federkleid, bilden. Federn schützen die Vögel einerseits vor Wasser und Kälte und statten sie andererseits mit Farben aus, die sowohl zur Tarnung gegen Feinde, als auch als Mittel der visuellen Kommunikation dienen. Hinzu kommt die feste Kontur, die sie dem Vogel verleihen, und natürlich auch die Möglichkeit des Fluges. Obgleich eine einzelne Feder von äußerst geringem Gewicht ist, wiegt das Gefieder eines Vogels zwei oder dreimal mehr als sein Skelett.

Verteilung

Auch wenn es von außen nicht auf den ersten Blick deutlich wird: Körperfedern sind nicht gleichmäßig auf dem Körper verteilt. Man unterscheidet:
- Federraine (Apteriae): Bezirke ohne Körperfedern
- Federflure (Pterylae): Bezirke mit Körperfedern

Federtypen

Es gibt zwei grundsätzliche Arten der Federn, die sich im Bau unterscheiden. Dies sind zum einen die Konturfedern, die das Äußere des Körpers umfassen, sowie die unter den Deckfedern befindlichen Unterfedern (auch Daunen oder Dunen), die als wärmedämmende Schicht wirken. Die Konturfedern (Pennae conturae) werden funktionell weiter unterteilt in:
- Körperfedern (Pennae conturae generales): Deckfedern des Rumpfes
- Schwungfedern (Remiges): bilden die eigentliche Tragfläche, an Hand und Unterarm
- Deckfedern (Tectrices): übrige Federn am Flügel
- Steuerfedern (Rectrices): Schwanzfedern Die Dunen (Plumae) bilden das Unterkleid, bei einigen Vögeln (z.B. Laufvögel) sind sie nicht vorhanden. Die Nestlingsdunen, das Federkleid der Jungvögel, sind keine echten Dunen, sondern modifizierte Konturfedern. Neben diesen beiden Grundtypen gibt es noch verschiedene Spezialfedern:
- Halbdunen (Semiplumae): entlang Rainränder, stehen im Bau zwischen Konturfedern und Dunen
- Fadenfedern (Filoplumae): ihre Follikel sind gut innerviert, sie der Propriozeption der Federstellung (fehlen den Straußenvögeln und Kasuaren)
- Borstenfedern (Setae): ersetzen die Augenwimpern
- Puderfedern (Pulviplumae): bei einigen Vögeln (z.B. Tauben, Wasservögel) produzieren einen feinen, wasserabweisenden Staub aus Keratingranula

Bau der Vogelfeder

Deckfedern

Die Deckfedern bestehen aus einem langen und festen Federkiel (Scapus) sowie einer Federfahne (Vexillum). Der Kiel wird weiter unterteilt in den Federschaft (Rachis) und die Federspule (Calamus). An der Spule gibt es zwei Öffnungen: ein oberer Nabel (Umbilicus superior) und ein unterer (Umbilicus inferior). Vom Federschaft gehen nach vorn und hinten Federäste (Barbae oder Rami) aus, von welchen jeweils wieder Bogenstrahlen (Barbulae proximales) und Hakenstrahlen (Barbulae distales) entspringen. An den Hakenstrahlen sitzen feine Häkchen, die sich mit den Bogenstrahlen des benachbarten Federastes verhaken und somit die notwendige Steifheit und Festigkeit der Federfahne herstellen.

übrige Federn

Die Daunen haben nur einen kurzen Schaft und büschelartige Äste (Dunenäste oder Dunenstrahlen), die nicht miteinander verhakt sind, so dass keine Federfahne ausgebildet wird. Die Spezialfedern besitzen nur einen Schaft und ein Büschel kurzer, nicht verzahnter Äste.

Entwicklung der Vogelfeder

Federn entwickeln sich aus so genannten Haarfollikeln, das sind röhrenförmige Einsenkungen der Haut. An diesen Stellen wächst zunächst ein langer Hohlstab aus verhornenden Hautzellen, den Keratocyten. Dieser Stab ist oben geschlossen, die Federäste liegen zu dem Zeitpunkt noch innerhalb des Stabes. Der Hohlstab bildet die spätere basale Scheide der Feder, die den unteren Teil der Rachis mit Seitenästen sowie die gut durchblutete Bildungszone enthält. Die Feder wird bereits hier in der typischen Form mit einem Schaft und den Seitenästen gebildet, wobei allerdings erst spiralig die Seitenäste am Rand der Bildungszone (Epidermalkrage) gebildet werden und diese danach zentral zum Schaft verschmelzen. Beim Wachstum wird der obere Bereich der Feder von unten kommend vorwärts geschoben, indem sich unten die neuen Teile der Feder bilden. Die genetische Steuerung der Ausbildung der Federn erfolgt durch zwei Gene, die bei Wirbeltieren allgemein als Signalgeber für das Wachstum von Gliedmaßen, Fingern und Hautstrukturen wirken. Dabei handelt es sich um die Gene Shh (Sonic hedgehog) und Bmp2 (Bone morphogenetic protein 2) sowie die dazugehörenden Proteine. Shh regt dabei die Zellteilung der Keratocyten an, während Bmp2 die Differenzierung der Zellen steuert und die Regulation des Wachstums übernimmt. Durch die Konzentrationsverteilung der beiden Proteine wird außerdem die Ober- und die Unterseite der Feder festgelegt. Federn werden regelmäßig erneuert in der Periode der Mauser. Während der Mauser wachsen neue Federn durch die gleichen Poren, aus denen die alten ausgefallen waren.

Evolution der Vogelfeder

Die verbreitete Ansicht, dass Federn eine Weiterentwicklung der Reptilienschuppen sind, ist durch die Erkenntnisse der letzten Jahre revidiert worden. Heute weiß man, dass es sich bei der Feder, wie auch bei dem Haarkleid der Säugetiere, um eine eigenständige Entwicklung handelt, die mit den Schuppen der Reptilien nicht homolog ist. Die Evolution der Vogelfeder fand wahrscheinlich in mehreren Schritten statt. Fossile Federn geben darüber allerdings keinen Aufschluss, da die wenigen fossilen Zeugnisse von Federn bereits sehr weit entwickelte Vogelfedern zeigen. So besaß etwa der Urvogel Archaeopteryx bereits Deckfedern, die denen der heutigen Vögel entsprechen. Trotzdem ist anzunehmen, dass eine solch komplexe Struktur nicht mit einem Mal entstanden sein kann und die Fossilfunde gefiederter Dinosaurier wie etwa dem Caudipteryx oder dem Sinornithosaurus bestätigen diese Theorie. So entstand die Vogelfeder nach Ansicht von Richard O. Prum und Alan H. Brush im Laufe der Evolution über mehrere Schritte: # Die ersten Federn waren wahrscheinlich Hohlstäbe, die auch den ersten Schritt in der Entwicklung heutiger Federn darstellen. Diese Vorstufen der Federn werden bereits bei einer Reihe von Dinosauriern, die der Gruppe der Theropoden (aus denen sich später auch die Vögel entwickelten) angehören, angenommen und konnten bei dem Fund des Sinosauropteryx auch nachgewiesen werden. Diese Hohlnadeln entstanden zusammen mit dem Epidermalkragen # Die nächste Stufe stellt eine Büschelfedern dar, die der heutigen Daune ähnelt, aber die Nebenäste auf den Vezweigungen noch nicht ausgebildet hat. Einher mit der Evolution dieses Typs geht die Differenzierung des Epidermalkragens. # Im dritten Stadium wird eine Trennung der beiden Federtypen angenommen. So soll hier die Deckfeder mit dem Federschaft entstanden sein, die aber noch keine verhakten Nebenstrahlen aufweist, außerdem die mit Nebenstrahlen versehene Daunenfeder, die noch heute zu finden ist. In Kombination der beiden könnte bereits die erste Deckfeder mit Nebenstrahlen entstanden sein. # Im vorletzten Stadium entstand die Deckfeder mit der ineinander verzahnten Fahne. Diese war im Gegensatz zu heutigen Federn symmetrisch aufgebaut und entspricht den heutigen Konturfedern des Gefieders. Diese Feder konnte bei den Theropoden Caudipteryx und Sinornithosaurus gefunden werden. # Im letzten Schritt entstand die asymmetrische Flugfeder, die den aktiven Flug ermöglichte und den Federn der Flügel heutiger Vögel entspricht. Diese Feder besaß bereits der Archäopteryx

Federn in Mythologie und Brauchtum

Bereits in der Religion der Ägypter hatten Federn eine sakrale Bedeutung. Nach dem Tod einer Person wurde ihre Seele mit der Feder der Maat aufgewogen. Welche Seele so leicht war, wie die Feder, war von keinen Sünden belastet. In der ägyptischen Hieroglyphenschrift stand deshalb die Feder für die Wahrheit. Die Feder war in den sakralen Vorstellungen vieler Völker ein Symbol des Elements Luft. In der römischen Religion wurden in den Heiligtümern der Juno Federn und Federschmuck verwendet. In der keltischen Mythologie kam der Feder des Zaunkönigs besondere Bedeutung zu: Dieser galt als heiliges Tier der Göttin Mana. Alljährlich wurden deshalb auf der Isle of Man die Zaunkönige mit einer großen Zeremonie getötet und ihre Federn anschließend als Schutz an die Seeleute verteilt.

Literatur


- D.S. Peters: Probleme der frühen Vogelevolution. I. Die Sache mit den Federn; Natur und Museum 11, 387(2001)
- Richard O. Prum: Dinosaurs take to the Air; Nature 421, S. 323 (2003)
- Richard O. Prum, Alan H. Brush: The Evolutionary Origin and Diservication of Feathers; Quaterly Review of Biology 77(3), S. 261ff. (2002)
- Richard O. Prum, Alan H. Brush: Zuerst kam die Feder; Spektrum der Wissenschaft, Oktober 2003, S. 32 - 41, ISSN 0170-2971

Weblinks


- [http://www.kanarien-schramm.de Sehr schöner, umfangreicher und gut bebilderter Artikel über Kanarienvogel-Federn]
- [http://www.quarks.de/fliegen2/0104.htm Artikel mit Foto eines mikroskopischen Feder-Details]
- [http://www.fr.ch/mhn/expositions/expo-plume/Feder.htm Eidgenössischer Artikel zum Thema Feder]
- [http://www.wort-und-wissen.de/sij/sij61/sij61-1.html Sind Vögel Dinosaurier mit Federn?]
- [http://www.gefiederkunde.de Eine Seite die Ihnen die Federn näher bringt.]
- [http://www.federn.org Die Verbindung der Wissenschaft und der Schönheit zum Thema Federn] Kategorie:Ornithologie Kategorie:Morphologie Kategorie:Haut Kategorie: nicht essbares Tierprodukt ja:羽根

Papier

Papier (von französ.: papier, aus griech.: pápyros Papyrusstaude) ist ein Material, das vorwiegend zum Beschreiben und Bedrucken verwendet wird und größtenteils aus pflanzlichen Fasern besteht. Normalerweise wird Papier in dünnen Schichten verwendet; es kann aber auch zu massiven Objekten geformt werden (Pappmaché). Papier wird in der Regel aus Holzschliff oder Zellstoff hergestellt. Der kulturell wichtigste Papiertyp ist das Schreibpapier. Daneben wird Papier als Packmaterial in vielen verschiedenen Formen (siehe z. B. Pappe), in der Wohnungseinrichtung (Tapete, in Japan und China in den vielfältigsten Anwendungen), sowie zum Basteln verwendet.

Geschichte des Papiers

Bevor es Papier gab

Höhlenzeichnungen sind die ältesten Dokumente, die der Mensch mit Pigmentfarbe auf einen Untergrund gezeichnet hat. Die Sumerer, die älteste bekannte Hochkultur, schrieben auf weiche Tontafeln in (Keilschrift) (ab ca. 3300 v. Chr.), die anschließend gebrannt wurden. Aus Ägypten ist beispielsweise die Prunkpalette des Königs Narmer 3100 v. Chr. aus Speckstein erhalten. Speckstein Es wurden auch schon organische Schriftträger wie Leder, Pergament, Holz, Rinde, Papyrus (Ägypten ab ca. 3000 v. Chr.) und Papier verwendet, über die wir nur von Zeichnungen auf haltbarerem Material (z. B. Fels) wissen. Papyrus besteht aus den flach geschlagenen, über Kreuz gelegten und gepressten Stängeln der am gesamten unteren Nil in ruhigen Uferzonen wachsenden Schilfpflanze (Echter Papyrus). Geschrieben wurde darauf mit schwarzer und roter Farbe. Die schwarze Tusche bestand aus Ruß und einer Lösung von Gummi arabicum, die rote Farbe wurde auf Ocker-Basis hergestellt. Das Schreibgerät war ein Pinsel aus Binsen. Zwar gab es auch Papyrus im antiken Griechenland, jedoch war eine Verbreitung über Griechenland hinaus kaum bekannt. Im 3. Jahrhundert ersetzten die Griechen den Pinsel durch eine gespaltene Rohrfeder. Von dem griechichen Wort pápyros leitet sich das Wort Papier ab. Im Römischen Reich nutzte man sowohl Papyrus als auch Wachstafeln, in letztere wurde der Text mittels eines angespitzten Stöckchens geritzt. Mit einem Schaber konnte man das Wachs wieder glätten und die Tafel erneut beschreiben. In Indien verwendete man Blätter von Palmengewächsen und in China Tafeln aus Knochen, Muscheln, Elfenbein. Später bestanden die Tafeln aus anorganischem Material, wie Bronze, Eisen, Gold, Silber, Zinn, Jade, Stein und Ton, sowie aus organischem Material, wie Holz, Bambusstreifen und Seide. Dagegen wurden Pflanzenblätter und Tierhäute nicht als Schriftträger benutzt. Die Orakelknochen wurden mit Griffeln geritzt oder mit Tinte aus Lampenruß und Zinnober beschriftet.

Die Erfindung des Papiers

Die chinesische Erfindung des Papiers wird in einem Bericht von Fan Yeh aus dem 5. Jahrhundert (späte Han-Dynastie) beschrieben: Von alters her wurden zum Schreiben Bambusstreifen verwendet, die man zusammenband. Es gab auch ein Papier, das aus Seidenabfällen hergestellt war (Chi). Aber die Seide war zu teuer und die Bambustafeln waren zu schwer, beide also zur Verwendung nicht geeignet. So fasste Tsái Lun den Plan, aus Baumrinde oder Bastfasern, Hanf und auch aus alten Lumpen und Fischnetzen, Papier zu bereiten. Im Jahre 105 v. Chr. berichtete er darüber dem Kaiser, und dieser lobte seine Fähigkeiten. Seitdem wurde das Papier allgemein gebraucht, und im gesamten Kaiserreich nannten es alle das Papier des gnädigen Tsái. Bereits zuvor war Papier aus Hanf bekannt, wie fünf Papierfunde aus den Jahren 1973 bis 1978 belegen. Die vergleichende Datierung ergab, dass diese Papierproben aus der Zeit 140 bis 87 v. Chr. stammen müssen. Dem mischte der kaiserliche Hofbeamte Tsái Lun noch alte Lumpen und Fischnetzen bei und ergänzte es mit Bast des Maulbeerbaumes. Die Verwendung von Maulbeerbast lag nahe, da der Seidenspinner sich von den Blättern des Maulbeerbaums ernährt und somit dieses Material ein Koppelprodukt aus der Seidenproduktion ist. Wie alt die Verwendung von Bast ist, belegt die Gletschermumie Ötzi (ca. 3.300 v. Chr)), die Kleidungsstücke aus Lindenbast trägt. Die chinesische Erfindung bestand in der neuartigen Zubereitung: Die gesäuberten Fasern und Fasernreste werden zerstampft, gekocht und gewässert. Anschließend wurden einzelne Lagen mit einem Sieb abgeschöpft, getrocknet, gepresst und geglättet, der entstehende Brei verfilzte die Pflanzenfasern und bildete ein relativ homogenes Papierblatt. Da Bast ein Material ist, das im Vergleich zu dem heute verwendeten Holz längere Fasern und dadurch eine hohe (zeitliche) Haltbarkeit hat, war das Papier von Tsái Lun nicht nur zum Schreiben verwendbar, sondern auch für Raumdekorationen und Kleidungsstücke.

Die Verbreitung des Papiers

Papier in der asiatischen und ozeanischen Welt

Bereits im 2. Jahrhundert gab es in China Papiertaschentücher und im Jahr 363 erschien die erste Ausgabe der Pekinger Zeitung (1936 eingestellt). Im 6. Jahrhundert stellte man Toilettenpapier aus billigstem Reisstrohpapier her. Alleine in Peking wurden jährlich 10 Millionen Päckchen mit 1000 bis 10 000 Blatt produziert. Die Abfälle an Stroh und Kalk bildeten bald große Hügel,
Elefanten-Gebirge genannt. Für Zwecke des chinesischen Kaiserhofes stellte die kaiserliche Werkstatt 720.000 Blatt Toilettenpapier her. Für die kaiserliche Familie waren es noch einmal 15.000 Blatt hellgelben, weichen, parfümierten Papiers. Bekannt ist, dass um das Jahr 300 die Thais die Technik des schwimmenden Siebs zur Papierherstellung verwendeten und um das Jahr 600 die Technik des Schöpfsiebs in Korea und um 625 in Japan verwendet wurden. Die Amtsrobe der japanischen Shintō-Priester, die auf die Adelstracht der Heian-Zeit (794-1185) zurückgeht, besteht aus weißem Papier (Washi) und in Polynesien und Melanesien werden die traditionellen Stoffe aus Tapa-Rindenbaststoff, das vorwiegend aus Maulbeerbaum-Bast besteht, hergestellt.
Papiergeld
Kaiser Gaozong (650 bis 683, Tang-Dynastie) ließ erstmals Papiergeld ausgeben. Auslöser war ein Mangel an Kupfer für die Münzprägung. Seit dem 10. Jahrhundert hatten sich Banknoten in der Song-Dynastie durchgesetzt. Ab etwa 1300 waren sie in Japan, Persien und Indien im Umlauf und ab 1396 in Vietnam unter Kaiser Tran Thuan Tong (1388 - 1398). Im Jahr 1298 berichtete Marco Polo über die starke Verbreitung des Papiergeldes in China, wo es zu dieser Zeit eine Inflation gab, die den Wert auf ca. 1 % des ursprünglichen Wertes fallen ließ. Im Jahre 1425 (Ming-Dynastie) wurde das Papiergeld allerdings wieder abgeschafft, um die Inflation zu beenden. Um das in Umlaufbringen von Falschgeld zu erschweren wurde Papiergeld zeitweise aus einem Spezialpapier gefertigt, welches Zusätze an Seidenfasern, Insektiziden und Farbstoffen enthielt.

Papier in der arabischen Welt

Wann genau das erste Papier in der arabischen Welt produziert wurde, ist nicht unumstritten. So wird als Datum 750 oder 751 genannt, als vermutlich bei einem Grenzstreit gefangengenommene Chinesen die Technik der Papierherstellung nach Samarkand gebracht haben sollen. Andererseits gibt es Erkenntnisse, die zu der Annahme führen, dass in Samarkand bereits 100 Jahre früher Papier bekannt war und auch hergestellt wurde. Als Papierrohstoff benutzte man Flachs und Hanf und so hatten die Araber bald eine blühende Papierindustrie aufgebaut. In Bagdad errichtete man um 795 eine Papiermühle, 870 erschien dort das erste Papierbuch. In den Kanzleien des Kalifen Harun ar-Raschid wurde auf Papier geschrieben. Es folgten Papierwerkstätten in Damaskus, Kairo, in nordafrikanischen Provinzen bis in den Westen. Die Araber entwickelten die Herstellungstechnik weiter. Das Schöpfsieb aus Metalldraht ermöglichte es nun, Wasserzeichen zu verwenden. Durch Verwendung von Stärke konnte die Leimung (dünner Überzug, um Papier glatter und weniger saugfähig zu machen; die Tinte oder Tusche verläuft weniger stark) deutlich verbessert werden. Genormte Flächenmaße wurden eingeführt. 500 Bogen waren ein Bündel (
rizma), worauf der heute noch in der Papierwirtschaft übliche Begriff Ries zurückgeht. Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert dauerte die hohe Blütezeit des islamischen Reiches. Als Kulturzentrum zog Bagdad Künstler, Philosophen und Wissenschaftler, insbesondere Christen und Juden aus Syrien an..

Papier in Europa

Über den Kulturkontakt zwischen dem christlichen Abendland und dem arabischen Orient sowie dem islamischen Spanien gelangte das Schreibmaterial seit dem 12. Jahrhundert nach Europa. In San Felipe (Xativa) bei Valencia gab es nach einem Reisebericht von Al-Idrisi bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts eine blühende Papierwirtschaft, die auch in die Nachbarländer hochwertige Produkte exportierte. Auch nach der Vertreibung der Araber aus Spanien blieb das Gebiet um Valencia bedeutend für die Papierwirtschaft, da hier viel Lein angebaut wurde, welcher ein hervorragender Rohstoff für die Papierherstellung ist. Mit der Ausbreitung der Schriftlichkeit in immer weitere Bereiche der Kultur (Wirtschaft, Recht, Verwaltung usw.) trat das Papier gegenüber Pergament seit dem 14. Jahrhundert seinen Siegeszug an. Mit dem Buchdruck auf billigerem Papier seit der Mitte des 15. Jahrhunderts war die Rolle des Pergaments als reines Luxusschreibmaterial besiegelt. Allerdings dauerte es bis ins 17. Jahrhundert, bis das Papier das vergleichsweise teure Pergament als Beschreibstoff endgültig verdrängt hatte.
Die Gleismühl bei Nürnberg
Die erste deutsche Papiermühle stand 1389 bei Nürnberg. Gegründet wurde die Gleismühl vom Ratsherren und Exportkaufmann Ulman Stromer. Stromer unternahm Geschäftsreisen, u. a. auch in die Lombardei und kam dort mit der Papierherstellung in Berührung. Stromer ließ Mitarbeiter und Erben einen Eid ablegen, die Kunst der Papierherstellung geheim zu halten. Die Gleismühl bestand aus zwei Werkseinheiten. Die kleinere Mühle besaß zwei Mühlräder, die größere verfügte über drei, die mit Wasserkraft angetrieben wurden. (vgl. Wasserrad). Insgesamt wurden 18 Stampfen angetrieben. 1389 bis 1394 leitete Stromer selbst die Papiermühle und verpachtete sie dann gegen eine Pacht von "30 Ries gross Papier" an Jörg Tirman, seinen Mitarbeiter. Die Schedelsche Chronik von 1493 zeigt sie als früheste Darstellung einer Papiermühle auf der Darstellung der Stadt Nürnberg. Die Gleismühl brannte später ab

Papier im vorkolumbischen Amerika

Auch schon im vorkolumbischen Amerika war Pflanzen-Papier bekannt. Bei den Maya hieß dieses Papier
Huun und Amate bei den Azteken.

Papierherstellung

Unabhängig von der Faserart kann Papier in Handarbeit oder maschinell hergestellt werden. Papier besteht hauptsächlich aus Zellulosefasern, die wenige Millimeter bis zu einigen Zentimeter lang sind. Die Zellulose wird zunächst weitgehend freigelegt, also von Stärken, Harzen und anderen Pflanzenbestandteilen getrennt. Der so gewonnene Zellstoff wird mit viel Wasser versetzt und zerfasert. Diesen dünnen Brei nennt der Papiermacher "
Stoff". Wenn dieser in einer dünnen Schicht auf ein feines Sieb gegeben wird, enthält er einen Wassergehalt von über 99 %. Ein Großteil des Wassers tropft ab. Das Sieb muss bewegt werden, so legen sich die Fasern aneinander und bilden ein Vlies, das Papierblatt. Wenn das Papier getrocknet ist, wird die Oberfläche mit Hilfe von der zuvor gewonnenen Stärke geglättet. Wird auf dieses Sieb ein Muster aus Draht angebracht, lagern sich an dieser Stelle weniger Fasern ab und das Muster ist beim fertigen Papier zumindest in Gegenlicht als Wasserzeichen zu erkennen.

Papierherstellung

In Japan verfeinerte man die Technik und setzte dem Faserbrei Pflanzenschleim der Wurzel des
Abelmoschus manihot zu. Die Fasern waren nun gleichmäßiger verteilt, es traten keine Klümpchen mehr auf. Dieses Papier bezeichnet man als Japanpapier. Zunächst wurde Papier mit dem schwimmenden Sieb geschöpft. Das Bodengitter des Siebes war fest mit dem Rahmen verbunden. Jedes geschöpfte Blatt musste im Sieb trocknen und konnte erst dann herausgenommen werden. Entsprechend viele Siebe waren nötig. Diese Technik gelangte um das Jahr 300 zu den Thai. Um das Jahr 600 gelangte die weiter entwickelte Technik des Schöpfens mit dem Schöpfsieb nach Korea und später nach Japan. Bei dem Schöpfsieb kann der Rahmen vom Sieb gelöst werden. Das frisch geschöpfte Blatt kann feucht entnommen und zum Trocknen ausgelegt werden. Diese Technik wird heute noch bei handgeschöpftem Papier verwendet. Daraus ergibt sich, dass das Schöpfsieb in der Zeit zwischen 300 und 600 erfunden wurde. Der Prozess der Papierherstellung besteht aus rund 60 Arbeitsschritten. Die benötigten Zellstofffasern wurden bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts aus abgenutzten Leinentextilien gewonnen (Lumpen, Hadern (von althochdt. hadara, "Schafspelz"))gewonnen. Lumpensammler und -händler versorgten die Papiermühlen mit dem Rohstoff. Lumpen waren zeitweise so begehrt und rar, dass für sie ein Exportverbot bestand, welches auch mit Waffengewalt durchgesetzt wurde. In den Papiermühlen wurden die Hadern in Fetzen geschnitten, manchmal gewaschen, einem Faulungsprozess unterzogen und schließlich in einem Stampfwerk zerfasert. Das Stampfwerk wurde mit Wasserkraft angetrieben. Die Rohstoffaufbereitung erfolgte noch im 17. Jahrhundert in handwerklich organisierten Betrieben sowie teilweise in größeren Manufakturen mit einen höheren Grad der Arbeitsteilung. Im frühen 18. Jahrhundert wurden halbmechanische Lumpenschneider eingeführt, die zunächst nach dem Fallbeilprinzip sowie später nach dem Scherenprinzip arbeiteten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ging man dazu über, die Hadern statt des Faulens und Reinigens mit Chlor zu bleichen. Der Verlust an Fasern war so geringer, es konnten außerdem auch farbige Stoffe verarbeitet werden. bleichen Aus dem dünnen Papierbrei (Stoff) in der Bütte (= Bottich, daher der Name des Büttenpapiers) schöpfte der Papiermacher das Blatt mit Hilfe eines sehr feinmaschigen, flachen, rechteckigen Schöpfsiebes aus Kupfer von Hand. Das Schöpfsieb zeichnet sich durch einen abnehmbaren Rand, den Deckel aus. Die Größe des Papierbogens wurde von der Größe des Siebes bestimmt. Nun drückte der Gautscher den frischen Bogen vom Sieb auf ein Filz ab, während der Schöpfer den nächsten Bogen schöpfte. Nach dem Gautschen wurden die Bögen in großen trockenen Räumen, vornehmlich auf Speichern und Dachböden zum Trocknen aufgehängt. Anschließend wurde das Papier nochmals gepresst, geglättet, sortiert und verpackt. Handelte es sich um Schreibpapier, wurde es geleimt. Dazu wurde es in Leim getaucht, gepresst und getrocknet. Der Leim hindert die Tinte am Verlaufen. Bei Handarbeit, die heute in der Regel nur bei Fasern - und somit Papier - hoher Qualität angewendet wird, nehmen die Fasern keine bevorzugte Richtung ein (Isotropie). Der moderne technische Durchbruch begann sich mit der Erfindung des Holländers um 1670 abzuzeichnen. Es handelt sich um eine Maschine, die den Faserbrei (Pulpe), der das Ausgangsmaterial für jede Papierherstellung ist, nicht mehr aus Lumpen, sondern überwiegend alten Seilen, Schiffstauen und Fischernetzen gewinnt. Diese sehr festen Materialien wurden zunächst in der Kapperij, einem Stampfwerk mit wenigen Stempeln und scharfen Schneidmessern, zerkleinert und dann in einem Kollergang weiter zerkleinert. Der Holländer wurde in deutschen Papiermühlen ab etwa 1710 eingesetzt.

Der historische Beruf des Papiermachers

Ein Papiermacher ist ein Handwerker, der Papier herstellt, in der Regel in einer
Papiermühle mit entsprechenden Produktionseinrichtungen. In der größten Zahl der Fälle hat jeder leitende Papiermüller ein Wasserzeichen verwendet, das allein für seine Wirkungszeit typisch war. Da die Papiermacher ein Sonderberuf mit einer ausgeprägten Berufstradition innerhalb bestimmter Familien waren, so ergänzen sich genealogische und Wasserzeichenforschung gegenseitig. Aus diesem Grunde ist das Deutsche Buch- und Schriftmuseum in der Deutschen Bücherei in Leipzig zugleich Standort einer Papiermacherkartei (siehe Verkartung), in der die Daten von über 8.000 Papiermachern, Papiermühlenbesitzern, Lumpensammlern und Papierhändlern samt ihren Familien erfasst worden sind und einer Kartei der Papiermühlen mit den Papiermachern, die jemals auf ihnen erwähnt worden sind.

Die Industrialisierung der Papierherstellung

Saures Papier aus Holzschliff

Industrialisierung Der Mangel an Lumpen (Hadern), die für die Papierherstellung notwendig waren, wurde zum Engpass der Papierherstellung. Deshalb suchte man bereits um 1700 nach Alternativen für die Hadern. Der französische Physiker René Antoine Ferchault de Réaumur schrieb 1719 der französischen Akademie der Wissenschaften in Paris:
Die amerikanischen Wespen bilden ein sehr feines Papier, ähnlich dem unsrigen. Sie lehren uns, dass es möglich ist, Papier aus Pflanzenfasern herzustellen, ohne Hadern oder Leinen zu brauchen; sie scheinen uns geradezu aufzufordern zu versuchen, ebenfalls ein feines und gutes Papier aus gewissen Hölzern herzustellen. Wenn wir Holzarten ähnlich denen besäßen, welche die amerikanischen Wespen zu ihrer Papierherstellung benutzen, so könnten wir das weißeste Papier herstellen. Jacob Christian Schäffer führte umfassende Experimente durch, um Papier aus Pflanzenfasern oder Holz zu gewinnen; in sechs Bänden beschrieb er zwischen 1765 und 1771 seine Versuche und Muster, ohne alle Lumpen oder doch mit einem geringen Zusatze derselben, Papier zu machen. Seine Verfahren zur Papierherstellung aus Pappelwolle, Moos, Hopfen, Weinreben, Disteln, Brennnesseln, Kartoffelpflanzen, Torf, Tannenzapfen und Sägespänen ergaben aber kein qualitativ gutes Papier und wurden deshalb von den Papiermüllern nicht verwendet. 1798 erhielt der Franzose Nicolas-Louis Robert ein Patent auf eine Längssiebmaschine, die eine maschinelle Fabrikation des Papiers ermöglichte. Bei dieser Papierschüttelmaschine wurde das Schöpfen des Papierbreis durch dessen Aufgiessen auf ein rotierendes Metallssieb ersetzt. Friedrich Gottlob Keller erfand Anfang Dezember 1843 das Verfahren zur Herstellung von Papier aus Holzschliff, wobei er auf einem Schleifstein Holz in Faserquerrichtung mit Wasser zu Holzschliff verarbeitete, das zur Herstellung von qualitativ gutem Papier geeignet war. Er verfeinerte das Verfahren bis zum Sommer 1846 durch die Konstruktion von 3 Holzschleifermaschinen. Am 11. Oktober 1845 ließ er eine Reihe von Exemplaren der Nummer 41 des Intelligenz- und Wochenblattes für Frankenberg mit Sachsenburg und Umgebung auf seinem Holzschliffpapier drucken. 1845 Die industrielle Auswertung seiner Erfindung blieb Friedrich Gottlob Keller versagt, da ihm die Geldmittel zur technischen Erprobung und die Patentierung des Verfahrens vom Sächsischen Ministerium des Inneren verweigert wurden. So übertrug er am 20. Juni 1846 die Rechte zur Nutzung des Verfahrens gegen ein geringes Entgelt an den vermögenden Papierfabrikanten Heinrich Voelter, der das Kellersche Holzschliffverfahren weiterentwickelte, in die Praxis einführte und durch die Entwicklung von Hilfsmaschinen zur großtechnischen Nutzung gebracht hat. Heinrich Voelter Seit etwa 1850 wurde der Holzschleifer eingesetzt, mit der die Papierherstellung aus dem preiswerten Rohstoff Holz im industriellen Maßstab möglich wurde; um 1879 arbeiteten allein in Deutschland rund 340 solcher Holzschleifereien. Die Holzschliffpapiere erwiesen sich aufgrund von Säureresten aus dem Prozess der chemischen Aufschließung durch saures Ammoniumsulfit u. ä. als problematisch; mittel- und langfristig bildet sich im Papier Schwefelsäure, die das Papier braun und brüchig werden lässt oder es gänzlich zerstören kann; daher wird seit den 1980er Jahren für den Druck hochwertiger Publikationen überwiegend ein teureres, aber auch dauerhafteres säurefreies Papier verwendet. Da die Lebensdauer der auf dem säurehaltigem Papier hergestellten Bücher und Archivalien sehr begrenzt ist, müssen die Archivbestände auf säurefreies Papier umkopiert oder aber in speziellen Geräten entsäuert werden. So hat das Holzschliffpapier nicht nur einen Nutzen für die kostengünstige Herstellung von Papier gebracht, sondern auch einen großen Schaden für die schriftliche Überlieferung des 19. und 20. Jahrhunderts.

Industrielle Papierherstellung

Rohstoffe

Die für das Papier notwendigen Ausgangsstoffe kann man in drei Gruppen einteilen: Die Zellulose (Halbstoffe), die Leimung, die Füllstoffe und die Farbstoffe (Hilfsstoffe). Die Zellulose ist ein Polysaccharid der Kohlenhydrate mit der chemischen Formel C6H10O5 und die häufigste organische Verbindung der Welt, aus der fast alle Zellwände von Pflanzen und Hölzern bestehen. Zellulose kann aus Holz, in geringem Umfange Stroh, Hadern und heute etwa zur Hälfte Altpapier gewonnen werden. Zellulose besteht aus sehr vielen, kettenförmig miteinander verknüpften Glukoseresten. Die einzelnen Zellulosemoleküle sind also kettenförmige Makromoleküle, deren kleinste Glieder Glukoseeinheiten sind. Das Glukosemolekül (C6H12O6), das Monomer der Zellulose, bildet mit einem weiteren Glukosemolekül durch Lösung eines Wassermoleküls eine Zellobiose. Das Aneinanderreihen solcher Zellobiosen zu einer Kette bildet ein Zellstoffmolekül (es entsteht ein Polymer). Die Kettenmoleküle bilden miteinander Mizellen, das sind Molekülbündel, aus denen sich die Fibrillen aufbauen. Erst eine größere Anzahl Fibrillen bilden die sichtbare Zellulosefaser. Die Molekülbündel bestehen aus kristallinen Bereichen (regelmäßige Molekül-Führung) und amorphen Bereichen (unregelmäßige Molekülführung). Die kristallinen Bereiche sind für die Festigkeit und Steifheit, die amorphen Bereiche für die Flexibilität und Elastizität des Papiers verantwortlich. Die Länge der Kette, d. h. die Anzahl der Monomere, variiert je nach Papierrohstoff und ist für die Qualität und Alterungsbeständigkeit von großer Bedeutung. Das Fasermaterial zur Papierherstellung nennt der Papiermacher Halbstoff. Zu 95 % wird Papier heute aus Holz(Holzstoff) hergestellt. Faserbildung und Härte des Holzes spielen bei der Auswahl als Papierrohstoff eine Rolle, nicht jedes Holz ist geeignet. Als besonders geeignet gelten Die Verfügbarkeit und die regionalen Gegebenheiten bestimmen, welche Holzart als
Primärrohstoff eingesetzt wird. Schnellwüchsige Hölzer, wie z. B. Pappeln kommen dem großen Bedarf entgegen. Dabei eignet sich jedoch nicht jedes Holz für jede Art von Papier. Während für die Herstellung von graphischen Papieren hohe Anteile von Laubholz verwendet werden, um eine möglichst gleichmäßige Formation zu erreichen, wird für Zeitungsdruckpapiere überwiegend Holzstoff aus Nadelholz verwendet, da dieses eine höhere Reißfestigkeit besitzt. Alle zellulosehaltigen Stoffe sind grundsätzlich zur Papierherstellung geeignet. Zunehmend ist die Bedeutung von Altpapier als Rohstoff. Stroh und Papierabfälle werden in geringen Mengen für weniger wertvolle Papiersorten eingesetzt. Der früher wichtigste Rohstoff, die Hadern (Lumpen), finden heute nur noch in verschwindend geringen Mengen Verwendung. Einen Anteil von etwa 65 % hat der Sekundärrohstoff Altpapier an den heute in Deutschland eingesetzten Rohstoffen für Papier, Pappe und Kartonagen. Da Altpapier bereits einmal zu Papier verarbeitet wurde, enthält es viele Zusatzstoffe und wurde bereits gemahlen. Die Fasern werden durch die erneute Verarbeitung zu Papier weiter geschädigt, der Anteil der Zusatzstoffe im Verhältnis zu den Faserstoffen nimmt weiter zu. In Europa und Amerika werden vor allem Weizen und Roggen zur Strohfasergewinnung genutzt, aber auch Grassorten aus Nordafrika (Alfa- und Espartogras) können verwendet werden. In Japan verwendet man auch heute noch Reisstroh, in Indien den schnellwachsenden Bambus. Für besonders wertvolle, dauerhafte und stark beanspruchte Papiere werden auch heute noch in geringem Umfang Hadern verwendet.

Aufbereitung von Halbstoff

Holz kann # mechanisch # chemisch aufbereitet werden.
Mechanische Aufbereitung
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Weißer Holzstoff entsteht aus geschliffenen Holzstämmen. Dazu werden geschälte Holzabschnitte mit viel Wasser in Vier-Pressen-Schleifern oder Stetigschleifern zerrieben. (vgl. Holzschleifer) Im gleichen Betrieb wird die stark verdünnte Fasermasse zu Papier verarbeitet oder zum Versand in Pappenform gebracht. Dies geschieht mit Entwässerungsmaschinen. # Brauner Holzstoff entsteht, wenn Stammabschnitte in großen Kesseln erst gedämpft und dann geschliffen werden.