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| Sinnesphysiologie |
SinnesphysiologieDie Sinnesphysiologie untersucht Fragestellungen am Schnittpunkt zwischen Neurowissenschaften und Physiologie. Sie beschäftigt sich mit:
# dem visuellen System (Sehen)
# dem auditiven System (Hören)
# dem taktilen System (Taktile Wahrnehmung)
# dem vestibulären System (Vestibuläre Wahrnehmung)
# dem kinästhetischen System (Kinästhetische Wahrnehmung)
Literatur
- Schmidt, Robert F.; Schaible, Hans-Georg (Hrsg.): Neuro- und Sinnesphysiologie. Berlin: Springer, 2006 (5. Aufl.) ISBN 3-540-25700-4
Siehe auch
- Wahrnehmung
- Sinneswahrnehmung
- Wahrnehmungspsychologie
- Wahrnehmungsphysiologie
- Objektive Sinnesphysiologie von Verhaltensreaktionen
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Wahrnehmung
NeurowissenschaftenDie Neurowissenschaften sind ein interdisziplinärer wissenschaftlicher Bereich, welcher den Aufbau und die Funktionsweise des biologischen Nervensystems untersucht.
Paradigmen
Das Spektrum der wissenschaftlichen Ansätze zur Untersuchung des Nervensystems, die man in den Neurowissenschaften antrifft, könnte nicht vielfältiger sein. Sowohl einzelne Zellen (vor allem Neuronen und Gliazellen), Zellverbände, aber auch das ganze Gehirn bzw. das zentrale oder periphere Nervensystem sind Untersuchungsgegenstand von Neurowissenschaftlern. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei sehr verschiedene Fragen, z.B. die Rolle entwicklungssteuernder Gene, Aktivitätsmuster des gesamten Gehirns oder die speziellen Proteine der Nervenzellen.
Neben den experimentellen Grundlagenforschung wird auch medizinischen Fragestellungen nachgegangen, wie z.B. die Heilung von Nervenkrankheiten oder Demenz. Darüberhinaus liefern die Neurowissenschaften auch Anstöße für die wissenschaftliche Untersuchung von Begriffen wie Bewusstsein, Bewusstheit, Gedächtnis, Seele, Geist etc.. Daher besteht eine enge Beziehung zwischen Neurowissenschaften und der Kognitionswissenschaft.
Disziplinen der Neurowissenschaften
- Neurobiologie
- Neurophysiologie
- Sinnesphysiologie
- Neuroanatomie
- Entwicklungsneurobiologie
- Hirnforschung
- Pharmakologie
- Entwicklungsgenetik
- Neuropsychologie (Klinische Neuropsychologie)
Methoden der Neurowissenschaften
- EEG
- FMRI
- Anatomie
- MEG
- Läsionsstudien ·
- TMS
- PET
- ERP
- Zellkultur
- Genetik
- Psychophysik
Geschichte der Neurowissenschaften
siehe: Geschichte der Hirnforschung
Medizin
Folgende klinische Fachdisziplinen befassen sich mit Funktionsweisen, Erkrankungen und Störungen des Nervensystems. Die Übergänge sind teilweise fließend.
- Neurologie
- : In der Neurologie werden Erkrankungen des Nervensystems diagnostiziert und nicht-operativ behandelt.
- Psycho-Neuro-Immunologie (PNI)
- : In der PNI wird der Informationsaustausch zwischen Psyche, Nervensystem, Hormonsystem und Immunsystem erforscht.
- Neurochirurgie
- : Die Neurochirurgie umfasst Krankheiten des Gehirns und des Rückenmarks, die operativ behandelt werden müssen.
- Psychiatrie
- : Krankheiten und Störungen psychischer Funktionen sind die Domäne der Psychiatrie.
- Innere Medizin
- : In der Inneren Medizin werden in Deutschland traditionell Erkrankungen des autonomen Nervensystems behandelt.
Sie werden von folgenden Disziplinen unterstützt:
- Neuroradiologie
- : Diagnostik und Therapie von Erkrankungen neurowissenschaftlicher Fachdisziplinen mittels radiologischer Methoden.
- Neuropathologie
- : Begutachtung von makroskopischen und histologischen Gewebeproben.
siehe auch
- Neuroethik
- Neurotechnologie
- Portal:Geist und Gehirn
- Portal:Neurowissenschaften
Literatur
- Olaf Breidbach und Giuseppe Orsi (Hrsg.): Ästhetik - Hermeneutik - Neurowissenschaften. Heidelberger Gadamer-Symposium des Istituto Italiano per gli Studi Filosofici. Lit, Münster 2004. ISBN 3-8258-7727-2
- Thomas Budde und Sven Meuth: Fragen und Antworten zu den Neurowissenschaften. Neurologie Lehrbuch. Huber, Bern u.a. 2003. ISBN 3-456-83929-4
- Viviane Green (Hrsg.): Emotionale Entwicklung in Psychoanalyse, Bindungstheorie und Neurowissenschaften. Theoretische Konzepte und Behandlungspraxis. (Aus dem Engl. von Elisabeth Vorspohl) Brandes und Apsel, Frankfurt 2005. ISBN 3-86099-812-9
- Matthias Grundmann und Raphael Beer (Hrsg.): Subjekttheorien interdisziplinär: Diskussionsbeiträge aus Sozialwissenschaften, Philosophie und Neurowissenschaften. Lit, Münster 2004. ISBN 3-8258-7304-8
- Nicole Kühnpast: Zur Bedeutung der Neurowissenschaften für das Marketing. FGM-Verl., München 2004. (Zugl.: Diplomarbeit) ISBN 3-934491-64-2
- Steven E. Locke, Robert Ader und Hugo Besedovsky(Hrsg.): Foundations of Psychoneuroimmunology. Aldine, 1985. ISBN 0202251381
- Jürgen Peiffer: Hirnforschung in Deutschland 1849 bis 1974. Briefe zur Entwicklung von Psychiatrie und Neurowissenschaften sowie zum Einfluss des politischen Umfeldes auf Wissenschaftler. Springer, Berlin u.a 2004. ISBN 3-540-40690-5
Weblinks
- [http://fens.mdc-berlin.de/ Federation of European Neuroscience Societies]
- [http://nwg.glia.mdc-berlin.de/ Neurowissenschaftliche Gesellschaft]
- [http://apu.sfn.org/ Society for Neuroscience]
- [http://www.gehirn-und-geist.de/manifest/ Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung]
Kategorie:Neurologie
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Kategorie:Neuroinformatik
Kategorie:Interdisziplinäre Forschung
ja:脳科学
SehenVisuelle Wahrnehmung (Sehen) ist die Wahrnehmung von Objekten auf Grund der Reizung durch Lichtstrahlen, die von den Objekten ausgesandt, gebeugt oder reflektiert werden.
Neurobiologische Betrachtung der visuellen Wahrnehmung
Strahlenbrechung: Das Auge enthält ein Linsensystem, das alle von einem Punkt ausgehende Strahlen auf einen Punkt der Netzhaut ("Retina") zusammenführt und so auf dieser ein umgekehrtes Bild der Umwelt projiziert. Am stärksten lichtbrechend ist die Hornhaut (Cornea) zur Veränderung der Brennweite läßt sich die dahinter liegende Linse verformen. Kurzfristige Änderungen der Lichtintensität können durch eine Veränderung der Pupillengröße durch eine Veränderung der Iris ausgeglichen werden. Bei längerfristiger Änderung der Lichtverhältnisse kommt es zu einer Anpassung der Photorezeptoren an die mittlere Leuchtintensität (Adaptation). Das Licht unterschiedlicher Wellenlängen wird unterschiedlich stark gebrochen (chromatische Aberration), weshalb sich das Auge stets auf die Brennweite für grünes Licht einstellt und Farben räumlich zunächst nur sehr grob ausgewertet werden.
Netzhautvorgänge
In den lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut befinden sich in der Membran G-Protein gekoppelte Rezeptorproteine, die Rhodopsin-Moleküle, die aus aus Vitamin A (Retinal) und einem Proteinanteil (Opsin) bestehen. Fällt ein Photon auf das am C-Atom 11 geknickte Vitamin-A-Molekül (11-cis-Retinal) klappt dieses auf und wird gerade (all-trans-Retinal). Der Proteinanteil verändert seine Konformation und aktiviert in den Photorezeptoren das Transducin, ein G-Protein. Dieses löst eine signalverstärkende Enzymkaskade aus, bei Vertebraten hyperpolarisiert die Rezeptormembran, bei Evertebraten depolarisiert die Photorezeptormembran, das ende der visuellen Signaltransduktionskaskade ist erreicht. Dieses elektrische Signal wird von den weiteren Zellen der Retina ausgewertet. Das Signal wird dabei in der Retina horizontal und vertikal weitergeleitet. Horizontal regulieren Horizontalzellen und Amakrine-Zellen das Signal, vertikal wird es von Bipolarzellen an die Ganglienzellen weitergeleitet.
Die Ganglienzellen sind Neurone, deren Axone den Sehnerv bilden. Da die Retina von Vertebraten evers gebaut ist, die Photorezeptoren also vom Licht abgewendet sind, müssen die Axone der Ganglienzellen durch einen Punkt, den Blinden Fleck, das Auge als Sehnerv verlassen.
Schon auf der Retina wird das Signal der Photorezeptoren ausgewertet. So sorgen am Photorezeptor schon die Horizontalzellen für eine Kantenverstärkung durch die laterale Inhibition. Der zentrale Bereich der Retina ist außerdem räumlich höher aufgelöst, nur hier hat jeder Photorezeptor eine eigene Ganglienzelle. Im Durchschnitt kommen auf jede Ganglienzelle etwa 300 Photorezeptoren, in der Peripherie der Retina kann das Verhältnis bis zu 3000 Photorezeptoren pro Ganglienzelle betragen, weshalb man von dendritischen Feldern sprechen muss.
laterale Inhibition
Die Fasern der Sehnerven der beider Augen werden im Chiasma opticum so geteilt, dass die Information der linken und rechten Hemisphäre jeweils in das linke und rechte Gehirn weitergeleitet werden. Der so geteilte Sehnerv wird als Tractus opticus bezeichnet und übermittelt die Information in das Mittelhirn (Mesencephalon) in den jeweiligen Colliculus superior und das Corpus geniculatum lateralis (CGL). Vom CGL aus strahlen die Sehstrahlen (Radiatio optica) in den primären visuellen Kortex (V1) aus. Einige Zellen des CGL strahlen auch direkt in höhere Gehirnareale aus, wie das für die Bewegungserkennung zuständige visuelle Kortexareal V5 (auch mediotemporaler Kortex oder kurz MT genannt) - diese Signale dienen vermutlich zur direkten Kontrolle der Bewegungswahrnehmung. Abhängig von der Größe der Zellkörper im CGL spricht man auch vom magnozellulären (groß) und parvozellulären (klein) Verarbeitungsweg. Beide Wege haben unterschiedliche Funktionen und haben unterschiedliche Ganglienzelltypen (M- und P-Ganglienzellen, in der Literatur werden die P-Zellen midget ganglion cells, die M-Zellen parasol ganglion cells genannt). Die bei Säugetieren gefundenen W-Zellen lassen sich bei Primaten nicht nachweisen. Bisher wird angenommen, dass die großen Zellkörper vor allem für Bewegungswahrnehmung und Objektlokalisation, die kleinen vor allem für Beschaffenheit, Struktur und Farbe zuständig sind. Im CGL wurde inzwischen, zusätzlich zum magnozellulären und parvozellulären Verarbeitungsweg, ein dritter Verarbeitungsweg gefunden. Wegen der nur kleinen, vereinzelt zwischen den Schichten vorkommenden Zellen bezeichnet man ihn als den koniozellulären Verarbeitungsweg (von griechisch konios, Staub). Er dient wohl zur Verifizierung und Falsifizierung der in V1 bis V3 gewonnenen Informationen des magno- und parvozellulären Weges und ist daher direkt mit höheren Hirnarealen verschaltet (z. B. mit V5 für das Bewegungssehen).
Kortikale Verarbeitungsströme
Im visuellen Kortexareal V1 wird vor allem eine Kantenerkennung durchgeführt. Diese Informationen werden in das Areal V2 und V3 des visuellen Kortex weitergeleitet. Ab hier teilen sich die Verarbeitungswege in einen parietalen (entlang des Scheitels zentral nach vorne) und einen temporalen (zur Schläfe hin gerichteten) Verarbeitungsstrom. Diese haben unterschiedliche Funktionen. So dient der Verarbeitungsstrom zur Schläfe hin gerichtet vor allem der Objekterkennung (daher auch Was-Strom genannt), der am Scheitel entlang laufende Verabeitungsstrom der Bewegungs- und Entfernungsbestimmung (daher auch Wo-Strom genannt). Durch diese parallele Verarbeitung wird eine enorm hohe Verarbeitungsgeschwindigkeit erreicht. Innerhalb von nur 150ms ist die gesamte Objekterkennung abgeschlossen, was zeitlich (nach der Phototransduktion) auf lediglich 5-10 neuronale Verarbeitungsschritte schließen läßt. Beide Verarbeitungsströme treffen im Stirnlappen erneut zusammen, womit die visuelle Wahrnehmung durch eine Objektkategorisierung und eine räumliche Bestimmung (Größe, Entfernung, Bewegung) abgeschlossen wird. Das Sehen eines Objektes erfolgt also zeitgleich mit seiner Wahrnehmung! Entlang dieser kortikalen Verarbeitungswege wird die räumliche Anordnung der retinalen Ganglienzellen (Retinopie) immer weiter zugunsten von hochspezialisierten Zentren hin verlassen. V1 und V2 sind annähernd noch vollständig retinop aufgebaut. In den höheren Kortxarealen hingegen gibt es hochspezifische Zellen, die zum Beispiel nur auf das Vorhandensein von Händen, Tieren oder Gesichtern reagieren, unabhängig davon, wo diese Objekte sich im Sehfeld befinden.
feed-back-Schleifen
Wird ein zuvor unbekanntes Objekt wahrgenommen, wird der feiner aufgelöste Bereich der Augen (die Fovea centralis) darauf gerichtet und das Objekt optisch abgetastet. Hat bereits eine Kategorisierung stattgefunden, wird das Objekt sofort erkannt (Perzeption) und auch die Wahrnehmung selber wird diesem Objekt angepaßt. Dies geht sogar soweit, dass Kantenwahrnehmung von Scheinkanten, also nicht vorhandenen Kanten, auch im visuellen Kortexareal V1 stattfindet, tatsächlich vorhandene Kanten hingegen dort dann nicht mehr ausgewertet werden.
Handelt es sich hingegen um ein völlig unbekanntes Objekt, wird es genauer betrachtet und dann einer passenden Kategorie hinzugefügt (Apperzeption). Ist eine solche Einteilung erfolgt, findet nur noch eine Perzeption statt. Bei einer Fehlbeurteilung dauert es daher recht lange, bis eine korrigierende Wahrnehmung möglich ist.
Limitierungen
Die tatsächliche, physikalische Auflösung eines Auges ist auf wenige Bogensekunden begrenzt. Durch die neuronale Fusion beider Bilder beim stereoskopischen Sehen wird tatsächlich eine wesentlich höhere Auflösung wahrgenommen (etwa um Faktor 10 besser), als sie der Bauplan des Auges erahnen läßt. Diese Überauflösung (engl. hyperacuity) hat mehrere Ursachen, wie die neuronal feinere Auflösung im V1 und die langsamen Augenbewegungen (drift).
Die schnelle Auswertung der Signale der Photorezeptoren und die Retinopie bis in den visuellen Kortex führt auch häufig zu optische Täuschungen. Die Farbwahrnehmung entspricht der Standard-Farbwahrnehmung aller Wirbeltiere (Farbkreis), obwohl diese eigentlich für vier verschiedene Photorezeptoren ausgelegt zu sein scheint.
Verknüpfungen der visuellen Wahrnehmung mit anderen Wahrnehmungen
Die Verknüpfung der visuellen Wahrnehmung mit anderen Wahrnehmungen geschieht über jeweils eigene Hirnareale. So werden akkustische Wahrnehmungen vermutlich über den Colliculus inferior mit der visuellen Wahrnehmung verknüpft. Zur Ermittlung der Lotrechten wird neben der Information des Innenohres auch der wahrgenommene Horizont verwendet. Daher "ziehen" Abgründe den Betrachter an, da eine aus beiden Informationen gemittelte Lotrechte wahrgenommen wird.
Psychologische Betrachtung der visuellen Wahrnehmung
Physikalisch-chemische Stufe
Dieser 1. Stufe werden diejenigen energetischen (physikalischen und chemischen) Prozesse zugerechnet, die in Beziehung zur visuellen Wahrnehmung stehen, aber auch außerhalb der visuellen Wahrnehmung vorkommen und Bedeutung haben.
Physische Stufe
Der 2. Stufe werden diejenigen materiellen Prozesse zugerechnet, die nicht nur energetischer Natur sind, sondern auch noch nicht-energetische Funktionen erzeugen, das sind solche, die nur in Lebewesen vorkommen und für diese von Bedeutung sind. Jede dieser spezifischen Funktionen ist an spezifische Materie gebunden, ist abhängiges Korrelat "ihrer" Körpermaterie. Diese "Körperfunktionen" entwickeln sich zusammen mit "ihren" Körpermaterien.
Die Netzhaut befindet sich auf der rückseitigen Innenseite des Augapfels; auf ihr sind Millionen einzelner lichtempfindlicher Zellen - Photorezeptoren - in einer halbkugelförmigen Schicht angeordnet. Die lichtchemische Zersetzung der im Rezeptor enthaltenen Substanz löst einen elektrischen Impuls aus, eine "neuronale Erregung", ein "Signal", das auf nachgeschaltete Zellen weitergeleitet wird, die ihrerseits ihre Erregungen in einem hierarchischen Prozess an bestimmte Gebiete des Gehirns weiterleiten. Diese Vorgänge und ihre hierarchische Struktur werden seit Mitte des 20. Jahrhunderts intensiv von der Neurophysiologie erforscht, anfangs vor allem von David Hubel und Thorsten Wiesel, die für ihre bahnbrechenden Ergebnisse den Nobelpreis erhalten haben.
Es gibt zwei Typen von Photorezeptoren: Stäbchen und Zapfen. Die Stäbchen vermitteln das Hell-Dunkel-Sehen, die Zapfen das Farbensehen. Zapfen sprechen auf Rot-, Grün- oder Blau-Empfindung vermittelnde Wellenlängen an. Bei der menschlichen Wahrnehmung unterscheidet man peripheres Sehen und foveales Sehen. Jenes dient mit Hilfe vor allem der Stäbchen dem zwar unscharfen, aber hoch-lichtempfindlichen Dämmerungssehen (Nachtsehen), dieses dem "scharfen" Sehen, denn die "Fovea", das zentrale Gebiet der Retina, in dem sich der Objektbereich um den Blickpunkt herum abbildet, enthält nur Zapfen, und zwar in großer Dichte. Die Zapfen dienen vor allem dem Tagessehen, denn sie sprechen nicht auf geringe Lichtintensität an; deswegen kann man nachts keine Farben wahrnehmen. Aus der unterschiedlichen spektralen Empfindlichkeit der Stäbchen und Zapfen ergibt sich der so genannte Purkinje-Effekt: das menschliche Auge ist im Bereich des Nachtsehens (das heißt in dunkeladaptiertem Zustand, also bei geringer Beleuchtungsstärke) blauempfindlicher als beim Tagsehen. Darüber hinaus verlangsamt sich beim dunkeladaptierten Auge die Reizverarbeitung, der Seheindruck wird "träger", diese physiologische Besonderheit bewirkt den Pulfrich-Effekt.
Psychische Stufe
Der 3., der psychischen, Stufe gehören Funktionen an, die auf Körperfunktionen aufbauen, selbst aber keine spezifischen Funktionen spezifischer Körpermaterien sind, dafür aber ihrerseits etwas Neues erzeugen: (subjektives) "Erleben", hier: visuelles Wahrnehmungserleben, visuelle Perzepte. Während bereits den Funktionen der energetische Aspekt fehlt, fehlt dem Erleben auch noch der räumliche Aspekt. Erleben hat keinen Ort und ist auch nicht räumlich strukturiert. Nur der Inhalt des Wahrnehmungserlebens ist meistens räumlich strukturiert, nicht aber das Erleben selbst. Diese höhere Art von Funktionen kann man von den Körperfunktionen als "psychische Funktionen" abgrenzen. Die von ihnen produzierten und von ihnen abhängigen Korrelate sind spezifische "Psychische Bewusstseine", hier: visuelle Perzepte.
Wahrnehmungserlebnisse und ihre Bedingungen sind ein von der Wahrnehmungswissenschaft weitgehend unerforschtes Gebiet. Neurobiologen untersuchen den Verlauf neuronaler Erregungen und damit der an die Körpermaterie "Neuron" geknüpfte Körperfunktionen. Sie stellen zwar fest, dass sich bei Reizung bestimmter Neuronenklassen von Tieren mit menschenähnlichem visuellen System bestimmte Wahrnehmungsleistungen einstellen, die beim Menschen bestimmten Erlebnissen entsprechen dürften. Aber sie verstehen Wahrnehmung als rein biologischen, körperlichen, Vorgang, so dass selbst Hubel noch 1995 eingestehen mußte:
"Wir sind weit davon entfernt, die Wahrnehmung von Objekten, selbst von so einfachen wie Kreisen, Dreiecken oder dem Buchstaben A, zu verstehen - ja, wir vermögen nicht einmal plausible Hypothesen darüber aufzustellen" (S. 228).
Von der Berliner Gestaltpsychologie wurde eine Unmenge von vor allem visuellen Wahrnehmungserlebnissen zutage gefördert (siehe Metzger 1953), aber auch ihre Vertreter glaubten, die von ihnen untersuchten Phänomene mit körperlichen Vorgänge von "isomorpher" Gestalt erklären zu können, ja, sie reduzierten diese sogar noch auf rein physikalische Vorgänge, nämlich elektrische Ströme. Sie scheiterten mit ihrem Erklärungsversuch. Die Leipziger Gestaltpsychologien entdeckten und beschrieben die stufenweise Entwicklung visueller Perzepte, angefangen von diffusen ganzheitlichen "Flecken" über eine Reihe von "Vorgestalten" steigender Differenziertheit bis hin zum volldifferenzierten Perzept, der "Endgestalt". Aber eine Erklärung dieser Aktualgenese des Sehens fanden sie nicht, suchten nach ihr auch gar nicht, obwohl sie mit ihrem Struktur-Begriff einen erlebensjenseitigen "Ort" für die Bedingungen des Erlebens konzipiert hatten. Auch die vielfältigen moderneren Versuche der Erklärung visueller Wahrnehmung haben nicht zu einer plausiblen Theorie geführt.
Angenommen, man verwendet als Reizmuster ein schwarzes Rechteck von 4 cm Breite und 2 cm Höhe. Dann erlebt man auf der psychischen Stufe nur eben dieses schwarze Etwas auf weißem Grund und nichts mehr. Würde man auf dieser Stufe dieses Erleben verbal beschreiben können, was man aber nicht kann, dann würde man etwa sagen, und so etwa lautet auch die Beschreibung durch die ETVG, wobei die in Klammern zugefügten Symbole die Gestaltqualitäten in ihren Plus-Minus-Polaritäten bezeichnen:
"Da ist (Pml) eine homogene (Gml-) schwarze längliche (E+) Figur (Fl+) in einem homogenen weißen Umfeld (Fl-). Die Figur hat vier (Q4) gerade (S+) und scharfe (Gml+) Konturen (Ll+), durch die sich die helligkeitsunterschiedlichen (Dm+) Felder (Ll-) voneinander abgrenzen. Die zwei nicht aneinander stoßenden Konturen, die nah (Dl-) beieinander stehen, sind horizontal (H) orientiert (O), gleichlang (M+) und einander parallel (R-). Die zwei nicht aneinander stoßenden Konturen, die weit voneinander stehen (Dl+), sind vertikal (V) orientiert (O), gleichlang (M+) und einander parallel (R-). Die aneinander stoßenden Konturen bilden rechte Winkel (R+) und sind ungleich lang (M-)."
In dieser Beschreibung können allein "schwarz" (dunkel) und "weiß" (hell) als angeborene Sinnesqualitäten der 2. Stufe angesehen werden; sämtliche mit Symbolen gekennzeichneten Wörter bezeichnen Gestaltqualitäten erlernter Gestaltfunktionen der 3. Stufe. Die Beschreibung mit Worten (ohne Symbolnennung) dauert etwa 30 Sekunden; die Wahrnehmung selbst erfolgt in etwa 1/10 Sek.
Die kognitive Verarbeitung des visuellen Perzepts
Diese 4. Stufe ist von der 3. Stufe ebenso klar unterscheidbar wie die 3. von der 2. Stufe. Wahrnehmungserleben geschieht ausschließlich in der 3. Stufe, fußend auf der 2., und diese fußt auf der 1. Stufe. Erst in der 3. Stufe entsteht "Bewusstsein". Dieses hat allerdings die Form des "schlichten Bewusstsein" (Lersch), es ist reines Objektbewusstsein, Wahrnehmungsbewusstsein, Wahrnehmungserlebnis. In der 4., der "mentalen", Stufe finden andere, ebenfalls bewusste, Vorgänge statt, aber es sind "geistige" oder "mentale" Vorgänge. Diese sind also nicht selbst Wahrnehmungsvorgänge, sondern, wenn sie schon "irgendwie" mit Wahrnehmung zu tun haben, dann in der Weise, dass das Wahrgenommene Bezugssystem für sie ist. Dabei wird das Objektbewusstsein (der 3. Stufe) selber bewusst. Geistiges Bewusstsein ist Bewusstsein höherer Art; es befindet sich eine Hierarchiestufe über dem Objektbewusstsein.
Die einfachste Form des Bewusstseins der 4. Stufe ist das Erkennen. In obigem Beispiel kann das Reizmuster als "liegendes Rechteck" bezeichnet werden. Man nimmt aber auf der 3. Stufe nicht ein "liegendes Rechteck" wahr, sondern nur jenes Etwas, wie oben beschrieben. "Liegendes Rechteck" ist keine Wahrnehmung, sondern eine Erkennung (4. Stufe): wir haben in der Schule gelernt, dass ein Ding, das so aussieht, als "Rechteck", oder gar, wenn man bei der Benennung die horizontale Orientierung der längeren Kanten mitberücksichtigen will, als "liegendes Rechteck" genannt wird. Der Unterschied zwischen Wahrnehmen und Erkennen ist wissenschaftstheoretisch von größter Bedeutung, wird aber in der Wahrnehmungswissenschaft sehr häufig nicht beachtet, weil das Wort "bewusst" oft im Sinne der Umgangssprache als "gestig bewusst" verwendet wird. Bei Nichtbeachtung des Unterschieds verwischt man aber die Grenzen zwischen (psychischem) Wahrnehmen und (geistigem, mentalem) Erkennen. Dies geschieht schon dann, wenn man Wahrnehmungserleben als "mentalen" Vorgang bezeichnet oder glaubt, ein Perzept sei erst ein Perzept, wenn Wahrgenommenes "geistig" verarbeitet worden sei.
Wahrnehmen ist zweigliedrig: Ich (1) wahrnehme etwas (2).
Erkennen ist dreigliedrig: Ich (1) erkenne Wahrgenommenes (2) als diesen Gegenstand (3).
Gestaltwahrnehmung beruht zudem auf impliziten (unbewussten) Lernprozessen, das sind solche, durch die nicht-erlebte, erlebensjenseitige, (Gestalt)Funktionen im Gedächtnis miteinander verknüpft werden, wobei diese dann freilich durch nachfolgende Aktualisierung "ihre" Gestaltqualitäten produzieren, die das stets ganzheitliche Wahrnehmungserlebnis (Perzept) konstituieren.
Erkennen dagegen beruht auf expliziten Lernprozessen, das sind solche, in denen bereits Erlebtes miteinander assoziiert wird. So wird das Wahrnehmungserlebnis "schwarzes Etwas" mit dem geistigen Erlebnis der Bedeutung und Bezeichnung "Rechteck" assoziiert.
Visuelle Wahrnehmungen werden kognitiv und damit in üblichem Sinne "bewusst" in drei Schritten verarbeitet:
# Globalauswertung. Mit dem ersten Blick auf ein Bild oder eine Szene konzentriert sich der Betrachter darauf, einen Gesamteindruck der Szene zu gewinnen. Die visuelle Information wird dabei kategorisiert (z.B. "Landschaft", "Person", ...) und einem Schema aus dem Erfahrungsschatz des Betrachters zugeordnet, das zum weiteren Verständnis benutzen wird. Mit Erfahrung ist hier das Ergebnis von expliziten (das heißt: auf bewussten Erlebnissen beruhenden) Lernprozessen gemeint. So erfolgt z.B. die Auswertung von Zeichnungen oder Texten mit völlig anderen Mitteln als die Auswertung einer dreidimensionalen Szene.
# Detailauswertung. Nachdem der Betrachter sich einen Gesamteindruck verschafft hat, führt er eine Grobabtastung durch. Dazu lenkt er seinen Blick - oft aber nicht zwingend der Leserichtung folgend - über die Szene und ordnet die wahrgenommenen Informationen in das bereits aktivierte Schema ein oder nimmt im Bedarfsfall eine Neukategorisierung vor. Nach dieser Grobabtastung lenkt der Betrachter seinen Blick auf Bildbereiche, die visuell hervorstechen, z.B. durch Bewegung, Farbkontraste oder die Unterscheidung zwischen Vorder- und Hintergrund.
# Elaborative Auswertung. Erst jetzt aktiviert der Wahrnehmende ein Modell zur Übersetzung der visuellen Information in ein mentales Modell, welches für seine reale Problematik und die zu lösende Aufgabe geeignet scheint. Die Betrachtung wird nun zielorientiert und konzentriert sich auf diejenigen Details, die zum Aufbau des mentalen Modells benötigt werden, z.B. das Gesicht oder die Geschlechtsmerkmale einer Person. Unwichtige Details werden bei diesem Vorgang ausgeblendet, im mentalen Modell nicht berücksichtigt und daher auch nicht bewusst wahrgenommen. Dieser letzte Schritt ist sehr individuell; Auswahl und Reihenfolge der berücksichtigten Details werden durch Übung und Erfahrung optimiert. Eine ausführlichere Beschreibung des mentalen Modells findet sich unter Wahrnehmungspsychologie.
Weitere Informationen über die Augenbewegungen in Verbindung mit dem Wahrnehmungsprozess finden sich unter Blickbewegung. Der Wahrnehmungsprozess beim Lesen wird im Artikel Lesen ausführlicher dargestellt.
Visuelle Wahrnehmung bei anderen Lebewesen
Die bloße Möglichkeit, Licht wahrzunehmen, besitzen bereits Pflanzen, jedoch kann hier nicht von Sehen gesprochen werden, da Pflanzen nicht in der Lage sind, Farben und Strukturen zu differenzieren. Die Art und Weise, wie Lebewesen sehen, ist sehr unterschiedlich in Bezug auf die Gestaltwahrnehmung, das Sehen von Farben (Wellenlängen), die Auflösung und die Fähigkeit zum räumlichen Sehen (Stereoskopie).
Die Fähigkeit zu Sehen ist dabei besonders deshalb für Lebewesen von vitaler Bedeutung, weil es ihnen hilft, sich in ihrer Umgebung zu orientieren, denn die Umgebung wird aufgrund von Reflexionen und Brechungen von Licht sichtbar.
Ein völlig anderes Sehen weisen Insekten und Krebse auf, die über so genannte Facettenaugen verfügen; dabei ist beispielsweise das Bienenauge in rund 5000 Teilaugen, die Ommatidien, aufgeteilt; nach Karl von Frisch können Bienenaugen ultraviolettes Licht sehen, nicht dagegen rotes. Insekten besitzen neben dem Facettenauge außerdem noch ein weiteres visuelles Wahrnehmungsorgan, die drei Punktaugen (auch Stirnaugen oder Ocellen), die als Lichtmesser der Feststellung der absoluten Tageshelligkeit dient.
Klapperschlangen und andere Grubenottern können durch ein "Wärmestrahlenauge" - das Grubenorgan, infrarotes Licht, also Wärmestrahlung wie Körperwärme sehen. Vermutlich besitzen dieses visuelle Sinnesorgan auch Nachtschmetterlinge.
Siehe auch
- Wahrnehmung, Sehereignis
- multistabile Wahrnehmung
- Kognition und Konstruktion
- Wahrnehmungsphysiologie
- Visueller Kortex, Bewegungssehen
- Inattentional Blindness
Literatur
Zur Sinneswahrnehmung bei Tieren:
- Vitus B. Dröscher: Magie der Sinne im Tierreich. München 1966 (3. Aufl., München 1984). ISBN 3-423-011-26-2
Zur Neurobiologie des Sehens:
- David Hubel: Auge und Gehirn : Neurobiologie des Sehens. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 1995
- Robert W. Rodieck: The First Steps in Seeing Sinauer Associates; Erste Auflage (15 Januar 1998). Die Bibel der visuellen Wahrnehmung für Neurobiologen.
- Richard Gregory: Auge und Gehirn : Psychologie des Sehens. Reinbek b. Hamburg 2001
Zur visuellen Gestaltwahrnehmung beim Menschen:
- Lothar Kleine-Horst: Evolutionär-psychologische Theorie des Sehens. Auftakt zu einem neuen wissenschaftlichen Weltbild. Köln, 1992 ISBN 3-928955-40-3 (Die Gestaltwahrnehmung nach der Neuen Gestaltpsychologie)
- Wolfgang Metzger: Gesetze des Sehens. Frankfurt/M: Kramer. 1953
Zur Psychosomatik des Sehens:
- Ilse Strempel, Das andere Augenbuch. Seele und Sehen - ein Leitfaden für Betroffene, KVC Verlag (Karl und Veronica Carstens-Stiftung) Essen 2004
Weblinks
- [http://www.allpsych.uni-giessen.de/karl/teach/aka.htm Grundlagen der visuellen Verarbeitung im Gehirn]
- [http://visor.unibe.ch/~bkersten/Texte/projektbeschreibung.pdf Visuelle Wahrnehmung, Schönheit & Kunst (Juni 2003; PDF-Datei, 1,5 MB)]
- [http://www.twk.tuebingen.mpg.de/twk98/TWK98.pdf Visuelle Wahrnehmung. Beiträge zur 1. Tübinger Wahrnehmungskonferenz, 1998 (PDF-Datei; etwa 500 kB)]
- [http://www.informatik.uni-hamburg.de/GRK/schwerpunkte/Wahrnehmung.html Visuelle Wahrnehmung und Aufmerksamkeit]
- [http://www.bewusstsein.ws/sehen/sehenset.htm Visuelle Wahrnehmung und das Bewusstsein sehen]
- http://www.neue-gestaltpsychologie.de
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/256352.html www.wissenschaft.de: Das Gehirn fügt wahrgenommene Einzelteile unbewusst zum Gesamtbild zusammen]
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Sehen
Kategorie:Wahrnehmung
ja:視覚
HörenAls Gehör bezeichnet man
- allgemein Beachtung, Zuhören, "Gehör verschaffen";
- eine Sinneswahrnehmung von Lebewesen, mit der Schall wahrgenommen werden kann, siehe Auditive Wahrnehmung.
- in der Physiologie die Gesamtheit von Ohren, Hörnerv und Hörzentrum im Gehirn;
- in der Rechtssprache das Recht, angehört zu werden; siehe Rechtliches Gehör;
- in der Musik eine besondere musikalische Begabung; siehe absolutes Gehör und Tonhöhengedächtnis
Vestibuläre WahrnehmungAls vestibuläre Wahrnehmung (auch Gleichgewichtssinn) bezeichnet man eine Sinneswahrnehmung von Lebewesen, mit der Lageveränderungen und Lagewechsel beziehungsweise Rotationen wahrgenommen werden können. Eng verwandt ist die kinästhetische Wahrnehmung, durch die ein Bewegungsempfindung und das Erkennen der Bewegungsrichtung ermöglich wird.
Säugetiere
Die vestibuläre Wahrnehmung ist bei Säugetieren im so genannten Vestibularsystem des Innenohrs verortet.
Siehe auch
- Sensorik und sensorische Integration
- Wahrnehmung
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Wahrnehmung
Kinästhetische WahrnehmungAls kinästhetische Wahrnehmung (auch Tiefensensibilität oder Propriozeption; zu lat. proprius, "eigen", und recipere, "aufnehmen") bezeichnet man eine Komponente der haptischen Wahrnehmung von Lebewesen, durch die eine Bewegungsempfindung und das Erkennen der Bewegungsrichtung ermöglicht wird; bei der Tiefensensibilität geht es also im eigentlichen Sinne um die Eigenwahrnehmung des Körpers.
Eng verwandt sind die vestibuläre Wahrnehmung, mit der Lageveränderungen und Lagewechsel beziehungsweise Rotationen wahrgenommen werden können, und die taktile Wahrnehmung (Oberflächensensibilität). Kinästhetische und taktile Wahrnehmung werden umgangssprachlich zusammengefasst als Tastsinn bezeichnet.
Säugetiere
Die kinästhetische Wahrnehmung findet durch Rezeptoren in Gelenken (Gelenksensoren), Muskeln (Muskelspindeln) und Sehnen (Sehnen-Organe) statt.
Die Propriozeption nimmt Informationen aus Muskeln und Sehnen auf. Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum, durch spezifische Rezeptoren (Propriorezeptoren) registrierte Informationen über Muskelspannung (Golgi-Sehnenorgan), Muskellänge (Muskelspindel) und Gelenkstellung beziehungsweise Bewegung werden zum Teil auf Rückenmarkebene (monosynaptisch) verschaltet (propriozeptive Reflexe).
Die kinästhetische Wahrnehmung macht uns zum Beispiel das Gehen erst möglich, aber auch das Greifen und andere Tätigkeiten. Tänzer, Akrobaten, Jongleure, Musiker, Seiltänzer, Sportler, Bergsteiger, Fahrradfahrer brauchen eine ausgeprägte Tiefensensibilität ganz besonders; wird sie gestört, zum Beispiel durch Krankheiten, durch Alkoholeinfluss, Medikamente oder Drogen, sind auch vertraute Bewegungen plötzlich schwierig bis unmöglich, bei Handwerkern ist die Gefahr von Arbeitsunfällen erhöht.
Wahrnehmungsdefizite und Sensibilitätsstörungen (z.B. Gefühlstaubheit) können durch gezielte Physiotherapie, Training oder auch durch Ergotherapie behoben oder zumindest gemindert werden.
Siehe auch
- Sensorik und sensorische Integration
- Sensibilität
- Sinne
- Anästhesie
- Feldenkrais-Methode
Andere Sinneswahrnehmungen:
- # Olfaktorische Wahrnehmung,
- # Visuelle Wahrnehmung,
- ## Gestaltwahrnehmung,
- ## Farbwahrnehmung,
- # Auditive Wahrnehmung,
- # Haptische Wahrnehmung,
- ## kinästetische Wahrnehmung,
- ## Taktile Wahrnehmung,
- ## Propriozeptive Wahrnehmung,
- ## Vibratorische Wahrnehmung,
- # Vestibuläre Wahrnehmung.
- # Somatische Wahrnehmung,
- # Trigeminale Wahrnehmung,
- # Gustatorische Wahrnehmung.
Andere Wahrnehmungen:
- # Zeitwahrnehmung;
Literatur
- Carsten Morsch und Christina Lechtermann (Hrsg.): Kunst der Bewegung. Kinästhetische Wahrnehmung und Probehandeln in virtuellen Welten. Peter Lang: Bern 2004. (= Publikationen zur Zeitschrift für Germanistik. Band 8.)
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Wahrnehmung
SinneswahrnehmungWahrnehmung bezeichnet im Allgemeinen den Prozess der bewussten Informationsaufnahme eines Lebewesens über seine Sinne. Auch die aufgenommenen und ausgewerteten Informationen selbst werden gelegentlich Wahrnehmung(en) genannt. Die Fähigkeit zur Sinneswahrnehmung kann bewusst durch die sog. Aufmerksamkeit gesteigert werden.
Im Speziellen unterscheidet man die folgenden drei wissenschaftlichen Definitionen des Prozesses Wahrnehmung:
- In der Psychologie und der Physiologie bezeichnet Wahrnehmung die Summe der Schritte Aufnahme, Interpretation, Auswahl und Organisation von sensorischen Informationen – und zwar nur jener Informationen, die zum Zwecke der Anpassung (Adaption) des Wahrnehmenden an die Umwelt oder deren Veränderung (Modifikation) aufgenommen werden. Gemäß dieser Definition sind also nicht alle Sinnesreize Wahrnehmungen, sondern nur diejenigen, die auch geistig verarbeitet werden.
- In der Biologie ist der Begriff Wahrnehmung enger gefasst und bezeichnet die Fähigkeit eines Organismus, mit seinen Sinnesorganen Informationen in Form von Reizen aufzunehmen und zu verarbeiten.
- In der Philosophie wird die Wahrnehmung streng von der Kognition (der gedanklichen Verarbeitung des Wahrgenommenen) unterschieden und bezeichnet das sinnliche Abbild der objektiven Realität im Zentralnervensystem von Lebewesen. Die Wahrnehmung in der Philosophie beinhaltet auch die Beziehungen der erfassten Objekte und wird im Artikel Wahrnehmung (Philosophie) ausführlicher behandelt.
Sinne, Sinneswahrnehmungen, Sinnesorgane
Ein Sinnesorgan (z.B. Auge) nimmt Reize bestimmter Sinnesqualitäten (beispielsweise visuell) als Sinneswahrnehmung (z.B. visuelle Wahrnehmung) auf und setzt damit einen Sinn (beispielsweise Sehen) um. Die Summe aller Sinneswahrnehmungen entspricht der Wahrnehmung als Ganzes. Dementsprechend unterscheidet man folgende Sinneswahrnehmungen des Menschen:
- Visuelle Wahrnehmung
::auch Gesichtssinn oder Sehen. Dient der Wahrnehmung von visuellen Reizen wie z.B. Helligkeit, Farben (siehe auch Farbwahrnehmung), Kontrast, Linien, Form & Gestalt, Bewegung und Räumlichkeit (siehe auch Raumwahrnehmung). Das zuständige Sinnesorgan ist das Auge. Besonders in künstlerischem Kontext bezeichnet man ein wahrgenommenes Bild oder eine Szene als Sehereignis.
- Auditive Wahrnehmung
::oder akustische Wahrnehmung, auch Gehörsinn, Gehör oder Hören. Dient der Wahrnehmung von Schall, insbesondere von Geräuschen, Tönen, Rhythmen und Klängen. Das zuständige Sinnesorgan ist das Ohr. Besonders im Kontext der Psychoakustik wird ein wahrgenommenes Schallereignis Hörereignis genannt, dessen Richtung und Entfernung durch Lokalisation (Richtungshören und Entfernungshören) bestimmt wird.
- Haptische Wahrnehmung
::auch Tastsinn, Gefühl oder Fühlen. Sie ist die Vereinigung von Taktiler Wahrnehmung und Kinästhetischer Wahrnehmung und dient damit der Wahrnehmung von (körperlichen) Gefühlen wie beispielsweise Berührungen, Härte oder Hitze. Zuständig für diese Sinneswahrnehmung ist die Gesamtheit aller Tast-, Wärme- und Kälterezeptoren, die in den folgenden Untersystemen angeordnet sind:
: - Kinästhetische Wahrnehmung
:::Dient der Wahrnehmung der Stellung der Körperglieder zueinander und damit der Körperhaltung. Anstatt eines einzelnen Organes ist eine Vielzahl von Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen für die Reizaufnahme zuständig, die meist unter dem Begriff Muskelsinn zusammengefasst werden. Zu diesem System gehört auch die propriozeptive Wahrnehmung (auch Eigen- bzw. Tiefenwahrnehmung), die u.a. für mit den inneren Organen verbundene Wahrnehmungen verantwortlich ist.
: - Taktile Wahrnehmung
:::Dient der Wahrnehmung von Druck, Berührung und Vibrationen sowie der Temperatur. Das zuständige Sinnesorgan ist die Haut und zwar sowohl deren Tast- als auch Wärme- und Kälterezeptoren. Man unterscheidet Untersysteme.
- Olfaktorische Wahrnehmung
::auch Geruch oder riechen. Dient der Wahrnehmung von Riech- und Duftstoffen. Das zuständige Sinnesorgan ist die Nase, genauer gesagt deren Riechschleimhaut. Geruchswahrnehmungen werden im Gedächtnis stark mit Emotionen assoziiert.
- Gustatorische Wahrnehmung
::auch Geschmack oder schmecken. Dient der Wahrnehmung von chemischen Qualitäten von Nahrung. Das zuständige Sinnesorgan ist die Zunge mit ihren Geschmacksknospen.
- Vestibuläre Wahrnehmung
::auch Gleichgewichtssinn. Dient der Wahrnehmung von Lageveränderungen im Verhältnis zu einem Schwerefeld zur Wahrung des Gleichgewichts und der Kontrolle von Bewegungen, zusammen mit Augen und Muskelsinn. Das zuständige Sinnesorgan ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
- Trigeminale Wahrnehmung
::Dient der taktilen Wahrnehmung im Gesicht (beispielsweise des Windes) und unterstützt die olfaktorische und die gustatorische Wahrnehmung. Für diese Sinneswahrnehmung ist der Nerv Trigeminus zuständig, dessen freie Nervenenden in der Gesichtshaut und den Schleimhäuten der Nase, der Mundhöhle und der Augen enden.
In der Tierwelt existieren weitere Sinneswahrnehmungen. Dieser Bereich der Wikipedia ist noch wenig ausgebaut und viele Informationen und Fachbezeichnungen sind daher vage oder (noch) unbekannt; sie sind hier kursiv markiert:
- Wahrnehmung von Druck auf Distanz
::auch Ferntastsinn, verbreitet bei Fischen. Eine Verbindung aus auditiver und taktiler Wahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von Veränderungen des Druckes unter Wasser und auf Distanz. Zuständiges Sinnesorgan ist das Seitenlinienorgan.
- Wahrnehmung elektrischer Felder
::Vertreten bei manchen Raubfischen (beispielsweise Hammerhaien). Nicht vergleichbar mit einer menschlichen Sinneswahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von elektrischen Feldern, wie sie von Lebewesen erzeugt werden.
- Wahrnehmung von Magnetfeldern
::auch Magnetsinn, verbreitet bei Zugvögeln, aber auch bei anderen Tieren und Bakterien. Dient der Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes zur Navigation. Die zuständigen Sinnesorgane sind nicht eindeutig identifiziert und namentlich nicht bekannt; bei einigen Vogelarten scheint der Magnetsinn im Auge, bei anderen im Schnabel lokalisiert zu sein.
- Thermische Wahrnehmung
::sehr ausgeprägt z.B. bei Schlangen. Eine vergleichbare Sinneswahrnehmung ist beim Menschen Teil der taktilen Wahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von Wärme, Kälte und Wärmeleitung. Das zuständige Sinnesorgan ist namentlich nicht bekannt.
- Vibratorische Wahrnehmung
::auch Wahrnehmung von Erschütterungen, sehr ausgeprägt bei Katzen, Insekten und Spinnen. Eine vergleichbare Sinneswahrnehmung existiert als Teil der taktilen Wahrnehmung in schwachem Ausmaß auch beim Menschen. Das zuständige Sinnesorgan ist namentlich nicht bekannt, liegt bei Schlangen aber an der Bauchseite, bei Spinnen in den Gliedmaßen.
Des weiteren gibt es die folgende Form der Wahrnehmung, die nicht als Sinneswahrnehmung, sondern als kognitive Wahrnehmung aufgefasst wird:
- Zeitwahrnehmung
::Die Zeit ist eine zwar abstrakte, aber reale Eigenschaft der Umwelt und die grundlegenden Informationen über sie werden über die Sinne aufgenommen (manche Philosophen bezweifeln die Realität der Zeit, siehe dazu Zeit). Deshalb bildet die Zeitwahrnehmung zwar eine echte Form der Wahrnehmung, es handelt sich aber nicht um eine Sinneswahrnehmung, denn die Zeitwahrnehmung entsteht erst durch kognitive Vorgänge. Beim Menschen unterscheidet man die beiden Formen Wahrnehmung der zeitlichen Folge (Sequenz) und die Wahrnehmung von Zeitintervallen.
Die Wahrnehmungskette
Zeitintervall
Das grundlegende Modell der Wahrnehmung bildet die Wahrnehmungskette. Sie besteht aus sechs Gliedern, die jeweils auf ihr Folgeglied Einfluss ausüben und an jeder Art von Wahrnehmung in genau dieser Reihenfolge beteiligt sind. Zudem ist sie in sich geschlossen, d.h. das sechste Glied beeinflusst wiederum das erste Glied der Kette:
#Umwelt. Umwelt ist hier all das, was außerhalb eines wahrnehmenden Lebewesens liegt. Ein Lebewesen nimmt seine Umwelt und die Aktivitäten darin wahr, um angemessen reagieren zu können. Demzufolge sind Objekte und Energien der Umwelt sowie das eigene Verhältnis dazu notwendiger Ausgangspunkt jeder Wahrnehmung. Diese nur scheinbar unnötig komplizierte Definition zollt der Tatsache Tribut, dass einige Sinneswahrnehmungen (insbes. die Kinästhetische Wahrnehmung) nach innen gerichtet sind, also nicht der Informationsaufnahme aus der Umwelt dienen.
#Medium. Ein Medium übermittelt Eigenschaften der Umwelt oder des eigenen Körpers an die Sinne. Medien sind i.A. physikalisch messbare Größe (z.B. Strahlung, Schall, Druck), Ausnahmen werden von der Parapsychologie unter dem Begriff Außersinnliche Wahrnehmung erforscht. Teile der Umwelt, die ihre Eigenschaften über tatsächlich wahrnehmbare Medien verbreiten, werden Distaler Reiz genannt. Eine Instanz (z.B. Geräusch) eines Mediums (z.B. Schall) wird auch als Signal bezeichnet.
#Rezeptoren. Sinneszellen (Rezeptoren) sind Zellen des Körpers, die sich auf die Interaktion mit bestimmten Medien spezialisiert haben. Es handelt sich hierbei um echte Interaktion, da ein Rezeptor durch den Empfang eines Signals seinen Zustand so verändern kann, dass nachfolgende gleichwertige Signale andere Reaktionen auslösen. Löst ein Signal in einem Rezeptor eines Sinnesorganes eine Reaktion (Aktionspotenzial) aus, bezeichnet man es als Reiz. Die Gesamtheit aller Reize eines einzelnen distalen Reizes, fasst man unter dem Begriff Proximaler Reiz zusammen. Rezeptoren sind meist in ausgeprägte biologische Strukturen eingebettet, die Sinnesorgane (Rezeptororgane, z.B. das Auge) genannt werden. Innerhalb eines Sinnesorganes findet bereits eine Vorverarbeitung der empfangenen Informationen statt.
#Sinnesnerven. Ein Sinnesnerv ist eine neuronale Struktur, die Reize von einem Sinnesorgan an die sensorischen Zentren des Gehirns weiterleitet. Hierbei kann eine weitere Verarbeitung, z.B. durch Zusammenführung der Reize verschiedener Sinnesorgane, erfolgen. Das im sensorischen Zentrum ankommende Ergebnis aller Vorverarbeitungsstufen ist das Perzept, die bloße Summe aller mit dem distalen Reiz verbundenen Wahrnehmungen eines Sinnesorgans ohne etwaige Erkenntnisse oder Interpretationen.
#Sensorische Zentren. Ein sensorisches Zentrum (auch sensorisches Rindenfeld oder Projektionsfeld genannt) ist der Bereich der Großhirnrinde, in den die Sinnesnerven eines Sinnesorgans einmünden. Diese Zentren sind direkt mit anderen Hirnarealen verbunden und bilden den Ausgangspunkt für die bewusste Verarbeitung des Perzepts (Kognition): Prozesse wie Erinnern, Kombinieren, Erkennen, Assoziieren und Urteilen führen zum Verständnis des Wahrgenommenen und bilden die Grundlage für Reaktionen auf den distalen Reiz. Dabei müssen diese Prozesse keineswegs zu einem klar umrissenen gedanklichen Bild führen, auch vagere Empfindungen wie Hunger, Schmerz oder Angst sind Ergebnis der Kognition.
#Reaktion. Letztendliches Ergebnis der Wahrnehmung ist die Reaktion auf die Umwelt. Die Reaktion mag zunächst nicht als Teil der Wahrnehmung einleuchten, muss aber zumindest teilweise definitiv hinzugerechnet werden. Der Grund ist, dass viele Reaktionen darauf abzielen, den nächsten Durchlauf der Wahrnehmungskette zu beeinflussen, indem neue Eigenschaften der Umwelt für die Wahrnehmung zugänglich gemacht werden (z.B. Augenbewegung, Abtasten einer Oberfläche).
Die Wahrnehmung arbeitet im Allgemeinen veridikal, d.h. zwischen einem Reiz und seiner Repräsentation im Gehirn besteht ein kausaler, nachvollziehbarer Zusammenhang. Ist ein Glied der Wahrnehmungskette gestört, so kann es zu Widersprüchen zwischen dem Reiz und der durch ihn ausgelösten Wahrnehmung kommen und man spricht von einer gestörten Wahrnehmung. Entspricht das Ergebnis des Wahrnehmungsprozesses nicht der Realität, obwohl die Wahrnehmungskette störungsfrei arbeitet, so spricht man von einer Wahrnehmungstäuschung. Diese Täuschungen werden in der Psychologie ausgiebig erforscht, denn sie liefern direkte Hinweise auf die Funktionsweise des Wahrnehmungsapparates.
Der Zusammenhang der wichtigsten Begriffe soll an folgendem konkreten Beispiel verdeutlicht werden:
:Ein Kaminfeuer übermittelt über die Medien Strahlung, Schall und chemische Stoffe (allesamt (physikalische Größen), für die wir Sinnesorgane besitzen, Eigenschaften; das Kaminfeuer ist also ein distaler Reiz. Da die ausgesandten Signale Rezeptoren, z.B. in der Netzhaut des Auges, zur Reaktion reizen, handelt es sich hierbei um die Reize Licht, Wärme, Geräusche und Gerüche. Die Gesamtheit dessen, was wir vom Kaminfeuer wahrnehmen, bildet den proximalen Reiz, der von unseren Sinnesnerven als Perzept wie "gelb bis rote Farben, flackernde Bewegung, mittlere Temperatur, Knistern, geruchswirksame Aromen x, y und z" an die sensorischen Zentren weitergeleitet wird. Obwohl die Umrisse des Kamins auf der Netzhaut gekrümmt sind, wird er veridikal als rechteckig wahrgenommen. Zum Abschluss wird das Perzept durch die Kognition mit den Erinnerungen "Feuer" und "Kamin" verbunden, zum "Feuer im Kamin" kombiniert, als "Kaminfeuer" erkannt, mit "November 1968" und "Lisa" assoziiert und als "sehr angenehm" beurteilt und bildet damit die Grundlage für unsere Reaktion: Wir schnurren behaglich und entkorken genüsslich den Bordeaux.
Kognition
Zeitwahrnehmung
Die Zeit ist eine zwar abstrakte aber reale Eigenschaft der Umwelt (siehe oben). Die grundlegenden Informationen über diese Eigenschaft werden über die Sinne gewonnen. Deshalb bildet die Zeitwahrnehmung eine echte Form der Wahrnehmung. Allerdings handelt es sich nicht um eine Sinneswahrnehmung, denn die Zeitwahrnehmung entsteht erst durch kognitive Vorgänge.
Erklärungsmodelle
Das Mentale Modell
Folgendes zeigt einen möglichen, sehr verkürzt dargestellten, Ansatz, wie der letzte Schritt der Wahrnehmung, also die Umsetzung des Reizes in einen Zusammenhang, psychologisch erklärt werden kann:
Zum Wahrnehmen und Verstehen von komplexen Vorgängen werden so genannte mentale Modelle vom Wahrnehmenden geschaffen.
Darunter versteht man unter Anderem logische Verknüpfungen, kurze Bilder und Filme aus Erinnerungen und Erfahrungen, die vor dem geistigen Auge des Wahrnehmenden aufgebaut werden, um so eine Repräsentation der für die Realität relevanten Aspekte und ihrer dynamischen Wechselwirkungen im Gehirn zu schaffen.
Die Wahrnehmung variiert dabei durch die individuellen Gedächtnisinhalte, Stimmungen und Denkprozesse des Wahrnehmenden, die zum Aufbau des mentalen Modells benutzt werden – daraus resultiert, dass jedes Wesen eine eigene Wahrnehmung hat. Diese Modelle werden benötigt um Informationen, die neu aufgenommen werden sollen, überhaupt erst in einen Kontext einzuordnen zu können und somit verstehen und bewerten zu können. Mit der Neuaufnahme von Informationen und Eindrücken werden dann die Möglichkeiten zur Abbildung der Realität in ein mentales Modell für zukünftige Wahrnehmungen konstant erweitert, es tritt also ein Lerneffekt ein.
Dabei sind nicht nur die Komponenten des mentalen Modells bei jedem Menschen unterschiedlich, sondern auch ihre Gewichtung zueinander.
Während einige Menschen eher bildhaft denken, orientieren sich andere eher an anderen Sinneseindrücken und Erfahrungen, wie beispielsweise Schmerz oder Glück.
Daher ist es schwierig den Wahrnehmungsprozess allgemeingültig zu beschreiben, da er von Mensch zu Mensch grundlegend verschieden sein kann; so haben auch zum Beispiel viele psychische Krankheiten ihre Ursachen in einer krankhaft gestörten Wahrnehmung.
Organisationsprinzipien der Wahrnehmung
Unter den Organisationsprinzipien der Wahrnehmung versteht man bestimmte Gesetzmäßigkeiten und Erfahrungswerte, nach denen der Strukturierungsprozess der Wahrnehmung die aufgenommenen Reize klassifiziert.
Die Organisationsprinzipien lassen sich besonders einfach dort nachweisen, wo der physikalische (objektiv gegebene) und der phänomenale (empfundene, wahrgenommene) Sachverhalt nicht übereinstimmen.
Durch diese Prinzipien wird deutlich, dass sowohl die Wahrnehmung als auch ihre stete Adaption an sich ändernde Reizverhältnisse beim Menschen nicht durch Abbildung, sondern durch einen konstruktiven, kognitiven Verarbeitungsprozess stattfindet.
Kontextabhängigkeit
psychische Krankheiten
Objekte werden immer im Kontext mit ihrer Umgebung wahrgenommen.
So erscheint in der Beispielgrafik der rechte blaue Ball größer als der linke, obwohl ihre Größe identisch ist.
Der Kontext kann dabei nicht nur die Größenwahrnehmung, sondern auch die Bedeutung oder Funktion des Wahrgenommen verändern.
Die Kontextabhängigkeit wird deutlich, wenn ein Objekt aus seinem gewohnten Kontext herausgelöst wird und in einen atypischen Kontext gesetzt wird.
BEISPIEL:
Ein Schiff im Wasser ist etwas Alltägliches, ein Schiff auf einer Wiese hingegen würde sofort unsere Wahrnehmung auf sich ziehen – um Aufmerksamkeit zu erregen; ein Effekt, den die Werbung gerne für sich nutzt.
Dabei gilt die Kontextabhängigkeit nicht nur für die optische Wahrnehmung. Studien haben gezeigt, dass auch bei der Wahrnehmung von Konsonanz bzw. Dissonanzen in der Musik eine Abhängigkeit zum Musikstück, dem Ort, dem Interpreten, usw. besteht.
Einfluss der Erfahrung
Müssen sich widersprechende Informationen verarbeitet werden, bevorzugt das Gehirn die wahrscheinlichste Interpretation durch Vergleich mit bereits abgespeicherten (erlernten) Erfahrungen. (Transaktionalismus)
Filtereffekte
Die Sinnesorgane nehmen nur einen Teil der möglichen Reize auf.
Bei der Weiterverarbeitung werden diese Informationen in kleinere Einheiten zerlegt, getrennt verarbeitet (verstärkt, abgeschwächt, bewertet) und in verschiedenen Gehirnarealen wieder zusammengeführt. Es lassen sich verschiedene kognitive Beurteilungsprogramme unterscheiden:
- Attributdominanz: Hierbei ist ein wahrgenommenes Merkmal ausschlaggebend für die Meinungsbildung;
- Irradiation: Hierbei wird von der Eigenschaft eines Merkmals auf die Qualität anderer Merkmale geschlossen. Beispielsweise wird von einer breiten Pkw-Bereifung auf eine starke Motorisierung geschlossen.
- Halo-Effekt: Demnach wird die Wahrnehmung einzelner Attribute durch ein bereits gebildetes Urteil bestimmt.
Bewertung
Jeder Sinneseindruck wird auch mit einem Gefühl oder einer Emotion(Angst, Freude, Hunger etc.) verknüpft. Diese Bewertung bestimmt dann die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das spezifische Sinnesmaterial.
Veränderungen der Wahrnehmung
Die Wahrnehmung kann durch die folgenden Dinge beeinflusst, verändert oder erweitert werden:
- Drogen wie Alkohol oder Halluzinogene (LSD, DMT, Psilocin, Meskalin, Ecstasy, Cannabis etc., "bewusstseinserweiternde Drogen") beeinflussen den Wahrnehmungsprozess auf physiologischer Ebene. Während Alkohol zu einem starken Nachlassen der Leistungsfähigkeit der Wahrnehmung führt (z.B. "Tunnelblick"), führen Halluzinogene zu subtileren Veränderungen: Es kommt zu Halluzinationen und Reize werden falsch kombiniert oder an die falschen Verarbeitungszentren des Gehirns weitergeleitet (Synästhesien, z.B. "Farben riechen").
- Lernprozesse. Wahrnehmung ist zu großen Teilen erlernt und dadurch höchst anpassungsfähig. Einige Beispiele: Blinde können lernen, Hindernisse wie beim Sonar durch Reflexion von Schallwellen zu orten. Kamerabilder, die als Druck auf die Haut eines Blinden projiziert werden, können mit viel Übung zu räumlichen Wahrnehmungen führen. Amputierte Gliedmaßen können noch lange Zeit später als Phantomglied wahrgenommen werden; allmählich absterbende Gliedmaßen (z.B. durch Lepra) führen jedoch nicht zu solchen Fehlwahrnehmungen.
- Biofeedback ist eine Behandlungsmethode der Verhaltenstherapie. Mittels technischer Hilfsmittel bekommt der Patient dabei zusätzliche sensorische Informationen (Feedback) über Prozesse seines Körpers, die sich normalerweise unbewusst selbst regulieren (Homöostase, z.B. der Puls) oder aufgrund von Nervenschädigungen nicht mehr bewusst kontrollierbar sind (z.B. Lähmungen). Dieser neue, künstliche Sinn funktioniert ähnlich wie die Kinästhetische Wahrnehmung und ermöglicht unter gewissen Umständen eine bewusste Steuerung des dargestellten Prozesses.
- Technische Geräte können die Wahrnehmung auf viele Arten beeinflussen oder erweitern:
- Sehhilfen (Brille, Kontaktlinsen) und Hörgeräte oder Cochleaimplantate sollen Behinderungen ausgleichen und die normale Funktionsweise der Sinnesorgane so weit wie möglich wiederherstellen.
- Lupen, Ferngläser, Nachtsichtgeräte und Kompasse sollen die Fähigkeiten der Wahrnehmung erweitern oder verbessern. Prinzipiell kann jede Vorrichtung der technischen Sensorik (z.B. Radar, Sonar, Geigerzähler usw.) als Erweiterung der Wahrnehmung betrachtet werden.
- Erweiterte Realität beschreibt die Erweiterung der Wahrnehmung um computergestützte virtuelle Informationen. Ein Beispiel für eine Anwendung ist das Eyetap (bis zur Übersetzung wird hier auf den englische Artikel verwiesen: :en:Eyetap).
- Meditation. Meditationstechniken wie Yoga, Zazen oder Naikan zielen auf eine Schärfung der Wahrnehmung des eigenen Körpers ab. Durch die Konzentration auf einzelne Körperteile oder Prozesse (z.B. Atmung) sollen Anzeichen von Stress erkannt werden um diesem mit Entspannungstechniken entgegenzuwirken. Die physiologischen Vorgänge bleiben dabei zwar unverändert, aber durch erhöhte Aufmerksamkeit werden Reize wahrgenommen und in Verhalten umgesetzt, die sonst unbewusst oder unbeachtet bleiben.
Wahrnehmung in Wissenschaft und Technik
In den naturwissenschaftlichen Gebieten Physiologie und Psychologie ist die Wahrnehmung für folgende Disziplinen interessant:
- Physiologie
- Wahrnehmungsphysiologie, Sinnesphysiologie. Untersucht die biologischen Grundlagen der Sinneswahrnehmungen.
- Psychologie
- Wahrnehmungspsychologie. Untersucht alle psychologischen Fragestellungen der Wahrnehmung.
- Psychophysik. Untersucht den Zusammenhang zwischen objektiven physikalischen Reizen und den subjektiven psychologischen Empfindungen.
- Gestaltpsychologie. Untersucht die Gesetzmäßigkeiten der visuellen Wahrnehmung.
- Kognitionspsychologie. Untersucht u.a. die kognitive Verarbeitung der Wahrnehmung; überschneidet sich hier mit der Wahrnehmungspsychologie.
Die Untersuchung des Wahrnehmungsprozesses wird in der Forschung von zwei Seiten aus angegangen:
- Die Betrachtung "von unten nach oben" (Bottom-up) untersucht den Weg eines Reizes von seiner Aufnahme durch die Rezeptoren über die Verarbeitung bis hin zu einer bewussten Wahrnehmung.
- Im Umkehrschluss versucht die Untersuchung "von oben nach unten" (Top-down) aus einer bestimmten Wahrnehmung Rückschlüsse auf die erhaltenen Sinnesreize und ihre Verarbeitung zu erzielen.
Informationsverarbeitung und Sensorik
Von besonderer Bedeutung ist die Wahrnehmung auch immer wieder für die Informatik und die sensorischen Teilgebiete der Physik. Es lassen sich dabei drei Interessengebiete unterscheiden:
- Die Entwicklung von Sensoren und die mit ihnen verbundene Verarbeitung, die es Systemen ermöglicht, mit ihrer Umgebung zu interagieren. Beispiele sind:
- Robotik. Roboter sind auf ausgeklügelte sensorische Regelsysteme angewiesen, wenn es etwa darum geht, ein Glas aufzuheben ohne es zu zerbrechen oder den Inhalt zu verschütten.
- Context Awareness. Anwendungen, die sich ihrer Umgebung bewusst sein sollen, benötigen maßgeschneiderte sensorische Systeme um die notwendigen Daten zu ermitteln und auszuwerten. Ein sehr einfaches Beispiel ist ein Bildschirm eines tragbaren Gerätes, der sich automatisch an die Helligkeit der Umgebung anpasst.
- Die Entwicklung neuer Algorithmen und Anwendungen durch die Nachbildung biologischer Wahrnehmungssysteme. Beispiele sind:
- Texterkennung. Dient der maschinellen Erkennung von Schrift und Layout.
- Bildverstehen. Dient der Analyse von Bildern auf Inhalt und Aufteilung.
- Neuronales Netze bilden einen menschlichen Wahrnehmungsprozess mit anschließender Weiterverarbeitung der Informationen ab.
- Die Entwicklung und Verbesserung von Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, wie sie von der Mensch-Computer-Interaktion untersucht wird. Beispiele sind:
- Software-Ergonomie. Dieses Teilgebiet der Mensch-Computer-Interaktion untersucht Anwendungen auf ihre Benutzerfreundlichkeit. Die Software-Ergonomie beschäftigt sich daher ausführlich damit, wie und wie gut vom Computer bereitgestellte Informationen vom Benutzer wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist die Frage, wie stark Verzögerungen (Delay) durch die Netzwerk-Transportschicht den Benutzer beim Spielen eines Computerspiels stören.
- Interfacedesign. In diesem Teilgebiet der Mensch-Computer-Interaktion werden neue Schnittstellen entwickelt. Von besonderer Bedeutung sind Neuentwicklungen für die Forschungsgebiete Mobile Computing, Portable Computing und Wearable Computing. Ein aktuelles Beispiel sind vibratotaktile Schnittstellen, die Entfernungsinformationen in Form von Vibrationen an ihren blinden Benutzer weitergeben.
Die Entwicklung der Wahrnehmung in der Ontogenie des Menschen
Tastsinn, Bewegung und Gleichgewichtssinn werden als „Basiswissen“ bezeichnet. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung der anderen Wahrnehmungsbereiche.
Der Geschmackssinn (gustatorisches System)
Im 3. Schwangerschaftsmonat beginnt die Entwicklung des Geschmackssinns. Dieser ist bei der Geburt voll ausgebildet.
Der Tastsinn (taktiles System)
Ab dem 2. Schwangerschaftsmonat entwickelt sich der Tastsinn.
Mit der Geburt empfindet das Kind Temperaturunterschiede, trockene Luft, Bewegung durch die Pflegeperson, etc.
Der Hörsinn (auditives System)
Im 7. Schwangerschaftsmonat und damit schon einige Zeit vor der Geburt funktioniert der Hörsinn.
- Die Stimme der Mutter wird bereits im Mutterleib wahrgenommen.
Insgesamt ist das Gehör bereits nach der Geburt äußerst leistungsfähig. Das Kind hört bereits sehr differenziert Töne und verschiedene Tonhöhen.
- Den Klang der Stimme seiner Mutter, ihre Lautstärke ernimmt das Kind lange bevor es den Sinn der Worte versteht.
Der Sehsinn (visuelles System)
Im 8. Schwangerschaftsmonat beginnt sich der Sehsinn zu entwickeln.
- Neugeborene unterscheiden bereits hell und dunkel und können im Abstand von 20-40 cm schon relativ scharf sehen.
Nach ca. 2 Monaten ist die Fähigkeit, die Augen auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen entwickelt.
- Durch beidäugiges Sehen entwickelt sich sodann auch das räumliche Sehen und damit verbunden die Tiefenwahrnehmung.
- Ein Kind kann ca. mit 2 Jahren die Tiefen eines Raums wahrnehmen. Zuvor sind in seinem Verständnis Dinge so groß, wie sie wirklich sind, entfernte Dinge erscheinen ihm genauso klein wie sie aussehen. z.B. ein Baum aus der Nähe im Vergleich zu einem Baum in der Ferne. Erst allmählich begreift es, dass ein Gegenstand seine Größe beibehält, auch wenn er auf Grund unterschiedlicher Entfernung unterschiedlich groß erscheint.
- Ca. mit 4 Jahren kann das Kind ähnlich gut Tiefen und Entfernungen sehen wie ein Erwachsener.
- Perspektivisches Zeichnen ist ihm jedoch erst mit ca. 12 Jahren möglich.
Der Gleichgewichtssinn (vestibuläres System)
Im 3. bis 4. Schwangerschaftsmonat wird das Gleichgewichtssystem angelegt und ist ungefähr im 6. Schwangerschaftsmonat ausgereift.
- Dieser Sinn wird unmittelbar nach der Geburt „aktiv“
- Er ist die wichtigste Voraussetzung für die motorische Entwicklung.
- Im ersten Lebensjahr ermöglicht der Gleichgewichtssinn die Fähigkeit zum aufrechten Gehen und Stehen.
Der Bewegungssinn (kinästhetisches System)
Ab dem 3. Schwangerschaftsmonat entwickelt sich der Bewegungssinn.
Die Wahrnehmung der Zeit
- Im 1. Lebensjahr lebt ein Kind ausnahmslos in der Gegenwart.
- Mit ca. zwei Jahren kann es „zukünftiges“ Geschehen zumindest sprachlich fassen z.B. „Morgen kommt Oma“
- Die Vergangenheit begreift es schließlich erst mit 3 Jahren z.B. „gestern waren wir im Zoo“
- Mit ca. 5 Jahren kennt das Kind Wochentage, mit 7 Jahren die Monate und Jahreszeiten.
- In der späten Kindheit erst, ca. mit 10-12 Jahren, kann es die Begriffe nahe und ferne Vergangenheit, nahe und ferne Zukunft unterscheiden und mit geschichtlichen Zeiträumen umgehen.
Siehe auch
- Wahrnehmungspsychologie, Wahrnehmungsphysiologie
- Sinnesphysiologie
- Multistabile Wahrnehmung
- Aufmerksamkeit
- Außersinnliche Wahrnehmung
- Kino im Kopf
- Wahrnehmungstäuschungen
- binokulare Rivalität
Literatur
- Bruce Goldstein: Wahrnehmungspsychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2002
- Karl R. Gegenfurtner: Gehirn & Wahrnehmung. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2003 (2. Aufl. 2004) ISBN 3-596-15564-9
Weblinks
- http://www.bruehlmeier.info/wahrnehmung.htm "Psychologie der Wahrnehmung", Lehrtext des Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier über Gestaltpsychologie
- http://kulturkritik.net/systematik/kultur/k1011.html#1 Systematik der Wahrnehmung in einer kulturkritischen Psychologie
- http://kulturkritik.net/begriffe/wah.html#wahrnehmung Begriff der Wahrnehmung im Kulturkritischen Lexikon
- http://www.eberhard-eckerle.de/theo_im.html Philosophischer Vortrag über die Wahrnehmung
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/254499.html www.wissenschaft.de: Das Halle-Berry-Neuron] - Für die Erkennung bekannter Personen, Tiere oder Objekte ist jeweils eine Nervenzelle im Gehirn zuständig
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/259045.html www.wissenschaft.de: Gute Sportler sehen Bälle größer] - Wie der Erfolg im Sport die Wahrnehmung beeinflusst
Kategorie:Kybernetik
Kategorie:Verhaltensbiologie
Kategorie:Wahrnehmung
Kategorie:Kognitionswissenschaft
ja:知覚
WahrnehmungspsychologieDie Wahrnehmungspsychologie hat die Aufgabe, auf den verschiedenen Sinnesgebieten den Vorgang der Wahrnehmung ("Perzeption") und dessen subjektives Ergebnis ("Perzept") zu beschreiben und zu erklären. Sie wird als Teilgebiet der Kognitionspsychologie aufgefasst, deren Gegenstand außer der Wahrnehmung vor allem solche höheren ("kognitiven") Leistungen wie Denken, Problemlösen, Urteilen mit umfasst, die letztlich auf Wahrnehmungen aufbauen.
Um Wahrnehmungen zu verstehen, ist es nötig, ihre biologischen Grundlagen zu kennen, vor allem Bau und Funktion der Sinnesorgane sowie deren neurobiologische Vernetzung mit dem Gehirn.
Teilthemen der Wahrnehmungspsychologie in oben genanntem Sinne sind unter anderem:
- Psychophysik
- Theorien der Wahrnehmungsorganisation
- Gestaltgesetze der Wahrnehmung
Literatur
- Bruce Goldstein: Wahrnehmungspsychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2002
- Karl R. Gegenfurtner: Gehirn & Wahrnehmung. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2003 (2. Aufl. 2004) ISBN 3-596-15564-9
Weblinks
- [http://www.kulturkritik.net/begriffe/wah.html#wahrnehmung Wahrnehmungsbegriff im Kulturkritischen Lexikon]
- [http://kulturkritik.net/Systematik/Kultur/index.html Systematischer Begriffszusammenhang der Wahrnehmungstheorie von Wolfram Pfreundschuh]
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/256732.html www.wissenschaft.de: Bildverarbeitung auf chinesisch und amerikanisch] Amerikaner nehmen auf Bildern hauptsächlich die auffallenden Objekte im Vordergrund wahr, Chinesen eher den komplexeren Hintergrund
Siehe auch
- Gestaltpsychologie, Sinneswahrnehmung, Wahrnehmungstäuschungen
- Wahrnehmung, Wahrnehmungsphysiologie, Sinnesphysiologie
Kategorie:Wahrnehmung
Wahrnehmungsphysiologie
Wahrnehmungsphysiologie ist die Bezeichnung für die biologischen Grundlagen sinnlicher Wahrnehmungen.
Dies umfasst sowohl die Signaltransduktionsvorgaenge in den Sinnesrezeptoren, wie auch die daran anschließenden Verarbeitungsschritte dieser Reizinformationen im Zentralnervensystem.
Da bewusste Wahrnehmungen nicht bloßen Sinnesreizen entsprechen, sondern das Endresultat der zentralnervösen Verarbeitung darstellen, unterscheidet man zumeist zwischen unbewussten sensorischen und den eigentlichen perzeptuellen Sinneseindruecken. Ein klassisches Beispiel zur Veranschaulichung dieser Dichotomie ist die Gegenüberstellung der zweidimensionalen Lichtprojektion auf der Netzhaut (sowie der daraus resultierenden zweidimensionalen Rezeptoraktiverung der Retina und das dreidimensionale Sehempfinden, dass das Gehirn hieraus errechnet.
Eine entscheidende Rolle für das subjektive Erleben von Sinneseindrücken spielt die Aufmerksamkeit auf die jeweiligen Reize. Der Druck der Kleidung auf der Haut wird zum Beispiel die meiste Zeit über nicht gespürt, außer man fokussiert das eigene Empfindungsvermögen gezielt auf diesen Reiz.
Siehe auch
- Wahrnehmung
- Sinneswahrnehmung
- Sinnesphysiologie
- Wahrnehmungspsychologie
Kategorie:Wahrnehmung
Kategorie:Physiologie
Objektive Sinnesphysiologie von VerhaltensreaktionenObjektive Sinnesphysiologie von Verhaltensreaktionen bezeichnet Verfahren zur Feststellung von objektiven Verhaltensleistungen
Mit Hilfe von Konditionierungsverfahren wurden in der objektiven Sinnesphysiologie (Verhaltensbiologie | Verhaltensphysiologie) die Abhängigkeit der absoluten Sehschwelle von der Wellenlänge des Reizlichtes und damit die Absorptionskurven der von verschiedenen Säugetieren, Vögeln, Fröschen, Fischen und Tintenfischen benutzten Sehfrabstoffe (Pigmente) untersucht.
Viele der subjektiv sinnesphysiologischen Gesetzmäßigkeiten lassen sich so im Tierexperiment über Reiz-Verhaltens-Reaktionen nachweisen. Andererseits kann man sich auch beim Menschen im Rahmen der experimentellen Psychologie über das verbale Reiz-Antwort-Verhalten und über Wiedererkennungstests dem objektiven sinnesphysiologischen Verfahren annähern.
Mit Hilfe der bedingten Aktion(operative Konditionierung) kann man über das Verhaltensresultat die Sehschwelle und die Dunkeladaptation im Tierversuch quantitativ bestimmen. Die bedingte Aktion ist ein Lernvorgang, bei dem durch Bekräftigung bestimmter Verhaltenskomponenten ihre Verknüpfung mit dem zugehörigen Antrieb und begleitenden Situationsreizen erfolgt.
Beispiel:
Man belohnt an einer automatischen Skinner-Box bei einer Taube gezieltes Picken auf Taste A immer dann, wenn sie einen Lichtreiz sieht, und gezieltes Picken auf Taste B, wenn kein Lichtreiz wahrgenommen wird. Mit Hilfe eines solchen Diskriminationslernens über die Bekräftigung mit Futterkörnern kann die Unterscheidungsfähigkeit zwischen gerade wahrgenommenem Licht und nicht mehr schwellenwirksamen Lichtreiz geprüft werden:
Bei anfänglich gebotenem Lichtreiz wird die Taube mehrfach Taste A picken, wodurch die Reizlichtstärke automatisch verringert wird. Wenn die Helligkeit die Reizschwelle unterschritten hat, pickt die Taube solange die Taste B, bis die Reizlichtstärke wieder überschwellig wird. Durch die Betätigung der beiden Tasten wird die Taube die Lichtstärke einstellen, die um die absolute Sehschwelle schwankt.
Mit dieser Versuchsanordnung lassen sich nun auch zeitliche Änderungen der Sehschwelle objektivieren, z.B. der Zeitverlauf der Dunkeldaptation. Nach dem Übergang von heller zu geringer Raumbeleuchtung stellt die Taube nunächst eine hohe und dann eine immer geringere Schwellenreizstärke ein. Dabei nimmt die über das Verhalten der Taube registrierbare Empfindlichkeit des Sehorgans etwa um den Faktor 100 zu. Die so bestimmte objektive Dunkeladaptationskurve des Tieres ähnelt der subjektiven durch Befragung gewonnenen Dunkeladaptationskurve des Menschen in Zeitverlauf und Amplitude.
Zur Erforschung höherer Wahrnehmungsgleistungen ist der konzertierte Einsatz objektiver und subjektiver Verfahren unumgänglich.
Kategorie: Neurophysiologie
Kategorie:Wahrnehmung
Kategorie:PhysiologieKategorie:Medizin
Kategorie:Biologie
ja:Category:生理学
Kategorie:WahrnehmungSiehe auch: :Kategorie:Neurophysiologie, :Kategorie:Neuropsychologie
Kategorie:Physiologie
Kategorie:Allgemeine Psychologie
Kategorie:Erkenntnistheorie ПолуметаллыПолумета́ллы — химические элементы, расположенные в периодической системе на границе между металлами и неметаллами. Для них характерно образование ковалентной кристаллической решётки и наличие металлической проводимости.
В физике твёрдого тела полуметаллами называются различные вещества, занимающие по электрическим свойствам промежуточное положение между металлами и полупроводниками.
К полуметаллам относят Bi, Sb, Po, иногда — As, Te, Ge, которые по своим химическим свойствам являются неметаллами, но по типу проводимости относятся к проводникам, а также Sn, имеющее полупроводниковую форму и аллотропную модификацию углерода — графит.
В отличие от полупроводников полуметаллы обладают электрической проводимостью при абсолютном нуле температуры, и в отличие от металлов их проводимость с температурой возрастает.
Характерной особенностью полуметаллов является слабое перекрытие валентной зоны и зоны проводимости, что приводит, с одной стороны, к тому, что полуметаллы остаются проводниками электрического тока вплоть до абсолютного нуля температуры, а с другой стороны — с повышением температуры число носителей тока (электронов и дырок) возрастает, но всё-таки остаётся небольшим, достигая концентрации 1018—1020 см-3, или 10-3 на атом.
Носители тока в полуметаллах отличаются большой подвижностью и малой эффективной массой. Благодаря этому полуметаллы — наиболее подходящие объекты для наблюдения размерных эффектов, фазовых переходов полуметалл — диэлектрик в сильных магнитных полях и ряда других явлений.
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Категория:Физика твёрдого тела
ja:半金属
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