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Soldat

Soldat

Ein Soldat (nach dem Sold, den er bezieht) ist ein bewaffneter Angehöriger einer Armee oder der Streitkräfte eines Landes. In der Schweiz wird er häufig als Wehrmann bezeichnet.

Geschichte

Wehrmann Soldaten im eigentlichen Sinne gibt es nach dem römischen Reich in Europa erst wieder mit der Bildung stehender Heere. Frühere Heere wurden entweder durch feudale Strukturen kurzzeitig verpflichtet oder für den jeweiligen Kriegszug von anderen Landesoberhäuptern gekauft (Landsknechte, Söldner). Soldaten fühlten sich zunächst nur an ihren Kommandeur gebunden, der der jeweiligen Einheit oft auch seinen Namen gab. Erst mit dem Übergang von der absolutistischen zur nationalen Staatsidee wandelte sich auch das Bild vom Soldaten, der nun seiner Nation verpflichtet war. Die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, die Bundeswehr, verstehen ihre Soldaten als "Staatsbürger in Uniform", um deutlich zu machen, dass anders als in früheren deutschen Armeen der Soldat weiter in die zivile Gesellschaft eingebunden bleiben soll.

Dienstgrade

Die meisten Soldaten haben einen Dienstgrad, der ihre Stellung und ihre Befugnisse innerhalb der Streitkraft regelt. In der Regel untersteht ein Soldat mit einem niedrigen Dienstgrad dem Kommando eines höher gestellten Soldaten, es gibt aber Ausnahmen. Ein einfacher Soldat ("Mannschaftsdienstgrad") hat im Gegensatz zu Offizieren oder Unteroffizieren keine Befehlsgewalt, sofern er diese nicht zur Erfüllung besonderer Aufgaben erhalten hat (etwa als stellvertretender Wachhabender, Wachvorgesetzter, Vorgesetzter aufgrund besonderen Aufgabenbereichs oder auch bei Aufsicht von Kriegsgefangenen).

Aufgaben

Der Soldat ist im Rahmen seiner Armee als erstes, ein Garant für die äußere Souveränität seines Landes. Er und die Armee sind in der Lage die Interessen des Staates, egal wie ausgeartet, gegenüber anderen Staaten(oder aber inneren Bewegungen) durchzusetzen. Im Kriegsfall ist das Aufgabenfeld des Soldaten und seiner Armee sehr weit gestreut. Je nach Lage sind folgende Dinge vordringlich: - Aufklären des Feindes - Lagebeurteilung - Ergreifen von Maßnahmen die dem gesetzten Ziel dienlich sind - Vernichtung gegnerischer Kräfte - Besetzen taktisch, strategisch oder wirtschaftlich wichtiger Punkte - Sicherung der Stellung, sowie Sicherung des Hinterlandes und der Nachschublinien.

Berufsbild

Souveränität bewaffnet)]] In europäischen oder vergleichbaren Ländern werden Soldaten oft an andere Dienstorte versetzt – auch in Friedenszeiten; dies hat zur Folge, dass die Familien oft unter einer erhöhten Belastung stehen, da es schwer ist, Bekannten- und Freundeskreis, Berufstätigkeit des Ehepartners und Schulbesuch konstant zu gestalten. Auch die im Allgemeinen kritische Haltung der Bevölkerung gegenüber dem Militär trägt nicht zur Beliebtheit dieses Berufes bei. Der Beruf des Soldaten hat den Vorteil, dass der Ruhestand meist sehr früh beginnt, kommt es doch auf die körperliche Fitness an. Auch sind in vielen europäischen Ländern die Soldaten verbeamtet. Die meist gute technische Ausbildung des Soldaten wird auch in der Wirtschaft geschätzt. Die Möglichkeit, sich als Zeitsoldat zu verpflichten und dadurch vom Staat ausgebildet zu werden, wird von vielen genutzt. Daher treten ehemalige Soldaten oft später noch einmal ins zivile Berufsleben ein; Luftwaffenpiloten arbeiten dann beispielsweise als Verkehrspiloten, auch haben viele Fahrschullehrer ihren Beruf bei der Bundeswehr erlernt.

Warlords

In Ländern ohne Zentralgewalt, wie etwa in einigen Ländern Asiens oder Afrikas (Afghanistan, Somalia) verdienen sich Soldaten ihren Lebensunterhalt oft durch Plünderungen und Raub unter der Regie von so genannten Warlords, die Landesteile kontrollieren.
Auch in Europa waren die eigenen Armeen für die Zivilbevölkerung eines Landes oft verheerend (Dreißigjähriger Krieg, Hundertjähriger Krieg). Es lag an den Heerführern, wo und wie sie die Bezahlung ihrer Truppen erhielten. So gab es in alten Zeiten kaum einen Unterschied, ob ein feindliches oder freundliches Heer durchs Land zog, da der Sold der Soldaten oft nur aus dem bestand, was Land und Bewohnern zu nehmen war.

Zitate


- Wir Soldaten haben den Frieden zum Beruf. Dieter Wellershoff (
- 1933), dt. Admiral, Generalinspekteur der Bundeswehr a.D.
- Wenn man sein Wesen betrachtet, ist der Militärdienst in sich eine sehr ehrenvolle, sehr schöne, sehr edle Sache. Der eigentliche Kern der Berufung zum Soldaten ist nichts anderes als die Verteidigung des Guten, der Wahrheit und vor allem jener, die zu Unrecht angegriffen werden. Johannes Paul II.
- Der Autor Kurt Tucholsky bezeichnete in dem Weltbühnen-Artikel Der bewachte Kriegsschauplatz Soldaten als Mörder.
- "Soldat,Du bist wie jeder andere Mensch verantwortlich für Tun und Unterlassen"
- "Ehre den Soldaten, die Gutes und Schlechtes voneinander zu unterscheiden versuchen und danach handeln, was immer man ihnen befehlen mag."

Siehe auch


- Portal:Militär
- Bausoldat
- Bauernsoldat
- Blauhelm
- Bündnis
- Eid, Vereidigung in den Streitkräften
- Gelöbnis
- KFOR
- Kriegsdienstverweigerung
- Kriegsgefangener
- Miliz
- Musketier
- Spielzeugsoldat
- Deutscher Soldatenbund Kategorie:Allgemeine Truppenkunde Kategorie:Mannschaftsdienstgrad Kategorie:Beruf

Armee

Armee kann verschiedene Bedeutungen haben:
- Synonym für Streitkräfte
- Militärischer Großverband des Ersten und Zweiten Weltkriegs, bestehend aus mehreren Korps, besonderen Armee- bzw. Heerestruppen und Armeereserven. Armeen haben organisatorisch und logistisch den Unterbau, der eigenständige und weiträumige Operationen ermöglicht, insbesondere bezüglich Logistik und Sanitätswesen. Das Armeeoberkommando ist eine höhere Kommandobehörde, die im rückwärtigen Armeegebiet hinter der Kampfzone auch Sicherungsaufgaben wahrnimmt.
- Die übergeordnete Einheit einer Armee sind Heeresgruppen, die untergeordnete Einheit ist das Korps.

Beispielhafte Struktur einer Armee-Einheit

Eine deutsche Armee bestand im Ersten und Zweiten Weltkrieg aus durchschnittlich 100.000 Mann, manchmal sogar mehr. Aufgeteilt in
- vier bis fünf Korps (je ca. 22.500 Mann),
- zu je drei bis vier Divisionen (je ca. 7.500 Mann),
- zu je drei bis vier Regimentern (je ca. 2.500 Mann),
- zu je drei bis vier Bataillonen (je ca. 625 Mann),
- zu je drei bis vier Kompanien (je ca. 210 Mann),
- zu je drei bis vier Zügen (je ca. 70 Mann). Bei der Bundeswehr gibt es keine Armeen, die Struktur ihrer Verbände ist aber ähnlich.

Siehe auch

Armada, Bundeswehr, Französische Armee, Rote Armee, Schweizer Armee Kategorie:Militärischer Verband

Streitkräfte

Als Streitkräfte oder Militär (von frz. militaire, was auf das lat. militaris (den Kriegsdienst betreffend) zurückgeht, das wiederum von lat. miles (Soldat) kommt) bezeichnet man die bewaffneten Verbände eines Staates oder eines Bündnisses, die dieser zur Verteidigung gegen einen Angriff von außen, oder eben um einen solchen Angriff nach außen zu führen, aufstellt. Meist haben sie aber auch den Auftrag zur Gewährleistung der inneren Sicherheit eines Staates. Zweck des Militärs ist nicht ausschließlich die Führung von Kriegen, sondern heute zunehmend die Führung von multinationalen Operationen zur Friedenssicherung und -erhaltung wie beispielsweise in Afghanistan oder Bosnien. Wobei in Afghanistan der Frieden durch die Amerikaner ursprünglich erzwungen wurde. Heute wird das Militär in die drei Teilstreitkräfte Landstreitkräfte (Heer), Seestreitkräfte (Marine) und Luftstreitkräfte (Luftwaffe) unterteilt. Manche Nationen ergänzen ihre Streitkäfte durch weitere Teilstreitkräfte. Die deutsche Bundeswehr, die neben den drei genannten noch den Zentralen Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis ausweist, bezeichnet diese jedoch als Organisationsbereich. Diese sind damit wie die Nationalgarde in den USA ausdrücklich keine eigenen Teilstreitkräfte. In demokratisch organisierten Gesellschaften wird heute zwischen der Rolle des Militärs und der der innerstaatlichen Sicherheitskräfte (Polizei) unterschieden. Dagegen sind in vielen Diktaturen diese beiden Funktionen vermischt, und das Militär übernimmt innenpolitische Aufgaben (oft mit dem Ziel der Repression). Ausdruck für diesen Dualismus ist die Miliz, die für Militär und Polizei steht (der Begriff steht auch für Miliz (Volksheer), dem Gegenteil einer Berufsarmee). Ein anderer Ausdruck hierfür ist auch Gendarmerie. Gendarmen sind ebenfalls häufig Teil der Streitkräfte wie in Frankreich oder unterstanden historisch einmal dem Verteidigungsresort wie die frühere Bundesgendarmerie in Österreich. Verfassungsrechtliche und verwaltungsrechtliche Normen stellen dabei sicher, dass solche Einheiten im Frieden dem Innen- bzw. dem Justizresort unterstehen. Militärische Organisationen zeichnen sich durch eine hierarchische Struktur mit einer Befehlsgewalt der Militärführung aus. Mitglieder einer militärischen Organisation verzichten auf einen Teil ihrer Freiheiten und Grundrechte. Alle Militärapparate reproduzieren ihren inneren Zusammenhalt durch die periodische Veranstaltung verschiedener Militärrituale. Werden letztere als öffentliches Zeremoniell veranstaltet, dann dienen sie darüberhinaus der symbolischen Unterstreichung der Bedeutung von Militär im nicht-militärischen Teil der Gesellschaft und sind daher oft umstritten. So genannte paramilitärische Organisationen, die in vielen nicht als Krieg bezeichneten bewaffneten Konflikten (etwa Bürgerkriegen) teilnehmen, gelten nicht als Militär und werden nach internationalen Konventionen auch anders behandelt. Die Militärtechnik hat traditionell eine wichtige Vorreiter- und Schrittmacherrolle bei der allgemeinen technischen Entwicklung inne. So wurden beispielsweise das Fernsehen, das Internet oder GPS ursprünglich im militärischen Auftrag entwickelt und anfangs nur vom Militär genutzt. Alle Streitkräfte müssen
- sich unter einem einheitlichen Kommando befinden, das dem Staat gegenüber für die Führung der Unterstellten verantwortlich ist,
- sich durch Uniformen, Abzeichen, Zeichen oder andere aus der Ferne erkennbare äußere Merkmale von der Zivilbevölkerung unterscheiden,
- einem internen Disziplinarsystem unterliegen, das im Einsatzfall auch die Regeln der Kriegsführung durchsetzt,
- die Waffen offen führen.

Umgangssprache

Umgangssprachlich bezeichnet man mit ein Militär auch ein führendes Mitglied im Militär, in einer Junta oder in einer Militärdiktatur.

Siehe auch


- Portal:Militär
- Atomstreitkräfte
- Militärbasen im Ausland
- Armeegruppe
- Militärischer Befehl
- Preußische Armee
- Bundeswehr
- Schweizer Armee
- Österreichisches Bundesheer
- NVA
- US-Armee
- Fremdenlegion
- Kindersoldat
- Milizen
- Söldner
- Krieg
- Kriegsgefangene
- Haager Landkriegsordnung
- Neutralität

Literatur


- Friedrich Engels: Armee in: The New American Cyclopædia, 1857: http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_005.htm ja:軍隊 simple:Military zh-cn:武装力量 Kategorie:Militärwesen

Stehendes Heer

Im Gegensatz zu den erst bei Bedarf aufgestellten Truppen, bezeichnet ein Stehendes Heer eine dauernd unter Waffen stehende und damit jederzeit einsatzbereite Armee. Stehende Heere sind seit der Antike bekannt. Die ägyptischen Pharaonen hatten stehende Heere ebenso wie die Griechen und die Römer(Legion). Im Mittelalter waren stehende Heere eher die Ausnahme. Man bediente sich Söldnerheere, die für den der bezahlte, kämpften oder der König fordete seine Vasallen auf ihrer Dienstpflicht nachzukommen. Von dem französischen König Karl VII. wurde ein stehendes Heer aufgestellt. Karl wollte verhindern, dass Söldner, die nach dem Ende des Hundertjährigen Kriegs keine Aufgabe mehr hatten, weiterhin plündernd durch das Land zogen und gab ihnen eine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In Italien war das Söldnerwesen im Spätmittelalter besonders schlimm, trotzdem kämpften bis zum Dreißigjährigen Krieg primär Söldnerheere. Die Landsknechte verdienten ihren Lebensunterhalt mit Tod und durch plündern. Nach dem Dreißigjährigen Krieg stellten die Herrschenden aller Länder stehende Heere auf, da diese nicht von der Laune der Anführer der Söldner und dem passenden Geldbeutel abhängig waren. Schon Machiavelli hatte erkannt, dass Macht, die auf Söldneheeren basierte, dauerhaft nichts wert war. Im 18. Jahrhundert lösten stehende Heere völlig die bis dahin übliche Praxis ab, Armeen bei Bedarf auszuheben, sei es durch Zwangsverpflichtung der Zivilbevölkerung oder den Ruf an Vasallen und Lehensnehmer, sei es durch die Anwerbung von Söldnern. Im Absolutismus war das stehende Heer eine der wichtigen Stützen der herrscherlichen Macht, denn die Soldaten konnten nicht nur gegen äußere Feinde, sondern auch zur Unterdrückung von Aufständen und Unruhen im Inneren eingesetzt werden. Gegen Ende des 18. Jahrhundert wurde in der französischen Revolution die Wehrpflicht eingeführt, um das in Friedenszeiten vergleichsweise kleine Heer schnell um grosse Soldatenzahlen erweitern zu können. Eine Armee, die nur bei Bedarf einberufen wird, ist wesentlich billiger als ein Stehendes Heer. Kategorie:Allgemeine Truppenkunde Kategorie:Absolutismus

Landsknecht

Als Landsknecht bezeichnet man den zu Fuß kämpfenden, zumeist deutschen Söldner des späten 15. und des 16. Jahrhunderts, dessen primäre Waffe nach Schweizer Vorbild die Pike war. Obwohl Landsknechte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ursprünglich als kaiserlich-habsburgische Söldner angeworben wurden, kämpften sie unter den verschiedensten europäischen Fürsten. Sie galten aufgrund ihrer fortschrittlichen und disziplinierten Kampfweise als besonders schlagkräftig, waren aber zugleich als Plünderer bekannt, die nach ausgebliebenen Soldzahlungen ganze Landstriche verheerten. Begründet wurden die Landsknechtheere von Kaiser Maximilian I., der auch als "Vater der Landsknechte" bekannt ist. Maximilian I. aus dem frühen 16. Jahrhundert]]

Etymologie

Die Bezeichnung Landsknecht ist seit den 1480er Jahren belegt, ihre Bedeutung war als bewusste Abgrenzung von den aus dem Gebirge - und nicht vom flachen Land - stammenden, Schweizer Pikenieren gedacht. Bereits um 1500 setzte sich die irreführende Bezeichnung Lanzknecht durch, welche auf die eigentlich als Langspieße einzustufenden Piken der Söldner anspielte. "Knecht" (siehe auch dort) weist wahrscheinlich auf die Verpflichtung des Söldners gegenüber Reich und Kaiser hin. Das aus dem Zweiten Weltkrieg stammende Wort "Landser" leitet sich direkt von Landsknecht ab. Im heutigen Sprachgebrauch wird Landsknecht gelegentlich als Synonym für "Söldner" verwendet.

Entwicklung des Landsknechtswesens

Ursprung der Landsknechte

Im Verlauf des Spätmittelalters wurde in mehreren Schlachten deutlich, dass eine eigenständig agierende, schwere Reiterei, wie sie für die Ritterheere des Mittelalters typisch gewesen war, gegen eine mit Stangenwaffen ausgestattete, diszipliniert kämpfende Infanterie nur wenig ausrichten konnte. Auf blutige Weise demonstrierten dies vor allem die Schweizer Eidgenossen, die 1315 in der Schlacht am Morgarten und 1386 in der Schlacht bei Sempach die habsburgischen Österreicher vernichtend schlugen. In den Burgunderkriegen (1474-1477) errangen die Schweizer Hellebardiere und Pikeniere, die in mehreren Tausend Mann starken Gewalthaufen kämpften, diverse Siege über Karl den Kühnen von Burgund, welcher in der Schlacht bei Nancy den Tod fand. Diese militärischen Erfolge veranlassten zahlreiche europäische Herrscher dazu, Schweizer Söldner anzuwerben, die auch als "Reisläufer" bekannt waren. Reisläufer

Blütezeit der Landsknechte

Durch Erbfolge fielen die burgundischen Territorien an den Habsburger Maximilian, Sohn des damaligen Kaisers Friedrich III.. In der Schlacht bei Guinegate (1479) konnte Maximilian den Großteil seiner neu gewonnenen Gebiete gegen König Ludwig XI. von Frankreich behaupten, darunter die Niederlande, Luxemburg und die Freigrafschaft Burgund. Um weiteren französischen Angriffen begegnen zu können und um Druck auf die mächtigen Territorialstaaten Bayern und Böhmen auszuüben, plante Maximilian die Aufstellung eines schlagkräftigen Heeres von Fußsoldaten. Im Jahre 1487 ließ der wenige Monate zuvor zum deutschen König gekrönte Maximilian die ersten Einheiten dieses Fußvolkes zusammenstellen. Er war es, der : das Fussvolk nach Art der römischen Legionen in Haufen, Regimenter, teilte, dieselben mit langen Stangsspiessen oder Piquen versehen lassen und sie in diesem Gewehr dermassen abgerichtet, dass sie es allen anderen Nationen zuvorthaten, dannenhero von dieser Zeit an kein Krieg in Europa ohne die Teutschen Lanzknechte geführet worden und kein kriegsführender Potentat derselben entbehren wollen (Reallexikon der deutschen Altertümer, 1885) Sie wurden in Brügge von Graf Eitelfritz von Hohenzollern ausgebildet und gingen siegreich aus Feldzügen in Flandern und Böhmen hervor. Um die Kampfmoral seiner Soldaten zu erhöhen, verpflichtete sie Maximilian seit 1490 dazu, einen Gefolgschaftseid auf ihn zu leisten. Als Ende des 15. Jahrhunderts der Konflikt zwischen dem Schwäbischen Bund und der Schweizerischen Eidgenossenschaft eskalierte, kam es zum bewaffneten Konflikt. In dem so genannten Schwabenkrieg kämpften Maximilians Truppen auf Seiten des Schwäbischen Bundes, der 1488 als Gegengewicht zu den Expansionsbestrebungen der bayerischen Wittelsbacher gegründet worden war. Die kaiserlichen und schwäbischen Aufgebote mussten im Kampf gegen die Schweizer schwere Niederlagen hinnehmen, die mit dem Frieden von Basel 1499 ihre faktische Unabhängigkeit vom Reich erlangten. An dem Krieg hatte auf schwäbischer Seite auch Georg von Frundsberg teilgenommen, der noch im selben Jahr in kaiserlichen Diensten gegen die in das Herzogtum Mailand eingefallenen Franzosen kämpfte. Frundsberg half Maximilian bei der Aufstellung und Ausbildung der Landsknechtheere, wobei er sich aufgrund der im Schwabenkrieg gesammelten Erfahrungen an den Schweizer Söldnerhaufen orientierte, deren Taktiken er aber weiterentwickelte. Frundsberg sollte zum bedeutendsten Landsknechtführer werden, dessen Truppen in den Italienkriegen mehrere wichtige Siege gegen Franzosen und auch Schweizer erkämpfen konnten. Sein Tod im Jahre 1528 markierte einen Wendepunkt in der Geschichte der Landsknechte. Bereits im frühen 16. Jahrhundert war der militärische Ruf der deutschen Landsknechte mit dem der Schweizer Reisläufer vergleichbar. Dies führte dazu, dass nicht nur der Kaiser und die Reichsfürsten, sondern auch ausländische Herrscher Landsknechte anwarben, insbesondere die französischen Könige. Zwischen Landsknechten und Reisläufern entwickelte sich eine latente Feindschaft, die in mehreren Schlachten der Italienkriege zum Ausdruck kam.

Niedergang der Landsknechtheere

Landsknechte nahmen an diversen kriegerischen Auseinandersetzungen des 16. Jahrhunderts teil. Sie kämpften unter anderem in den Italienkriegen, im Landshuter Erbfolgekrieg, im Bauernkrieg und im Schmalkaldischen Krieg. Da Maximilian I. und sein Nachfolger Karl V. stets mit finanziellen Problemen zu kämpfen hatten, ließen sich zahlreiche Landsknechte von fremden Mächten abwerben. Dadurch beschleunigten sie ihren Bedeutungsverlust, da ihre Taktiken von diversen Armeen adaptiert wurden. Bis zur zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts hatten sich in großen Teilen Europas militärische Standards herausgebildet. Zwischen den Formationen, der Bewaffnung, den Truppengattungen und der Organisation der europäischen Heere bestanden keine nennenswerten Unterschiede mehr, womit auch die herausragende Stellung der Landsknechte wegfiel. Dies zeigte sich nicht nur an der Tatsache, dass die gepuffte und geschlitzte Kleidung außer Mode kam, sondern auch an der Verdrängung der Bezeichnung Landsknecht durch Kaiserlicher Fußknecht. Die Anwerbung und Organisation von Söldnerheeren folgte jedoch im deutschen Raum bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts der Vorgehensweise aus der Landsknechtzeit. Das Söldnertum spielte zwar im Dreißigjährigen Krieg noch einmal eine entscheidende Rolle, jedoch waren zu diesem Zeitpunkt bereits Kämpfer aus weiten Teilen Europas beteiligt, so dass Landsknechte (im engeren Sinn als deutschsprachige Söldner) nicht mehr dominierten. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde das gesamte Söldnertum weitgehend durch Stehende Heere verdrängt.

Anwerbung

Stehende Heere] Die meisten Landsknechte stammten aus Baden, dem Elsass, Tirol und Württemberg, aber auch aus dem Rheinland und Norddeutschland. Ihre Anwerbung und Musterung wurde nach schweizerischem Vorbild durchgeführt. Ein Kriegsherr wurde vom Kaiser, einem Fürsten oder einer Stadt durch den so genannten Bestallungsbrief mit der Aufstellung eines Landsknechtregiments beauftragt. Nachdem der Kriegsherr die nötigen finanziellen Mittel beschafft hatte, stellte er als Obrist des Regiments den Offiziersstab zusammen. Dann ließ er Trommler ausschicken, die auf Marktplätzen potentielle Rekruten herbeitrommelten. Hatten sich die Rekruten eingeschrieben, mussten sie sich zur Musterung begeben, die auf einem im Bestallungsbrief festgelegten Sammelplatz durchgeführt wurde. Dort angekommen, wurden sie in zwei Gruppen aufgeteilt, die sich gegenüber standen. Am Ende der beiden Gruppen wurde mit zwei Hellebarden und einer Pike ein Durchgang errichtet, den jeder Rekrut durchschreiten musste, wobei ein Offizier seine körperliche Verfassung und seine Bewaffnung prüfte. Da ein Landsknecht selbst für seine Ausrüstung aufkommen musste, verkauften Marketender auf den Sammelplätzen überteuerte Waffen und Rüstungen. Die für die Musterung zuständigen Offiziere versuchten oftmals, den Obristen zu übervorteilen. So zählten sie manche Rekruten doppelt oder stuften unerfahrene und schlecht ausgerüstete Männer als schwerbewaffnete Veteranen ein, um vom Obristen eine höhere Summe für die Besoldung des Regiments zu erhalten. Die Differenz zur tatsächlichen Summe behielten sie für sich selbst. Nach der Musterung wurde den Landsknechten ihr erster Monatssold ausgezahlt und das Regiment in zehn Fähnlein zu je 400 Mann unterteilt. Jedes Fähnlein umfasste im Idealfall 100 kampferfahrene Landsknechte, die den doppelten Sold erhielten und deshalb als Doppelsöldner bezeichnet wurden. Das gesamte Regiment musste sich in einem Kreis um den Obristen sammeln, der den im Bestallungsbrief enthaltenen Artikelbrief verlas. Der Artikelbrief umfasste die Rechte und vor allem die Pflichten der Landsknechte und wurde alle sechs Monate von Neuem verlesen. Nach der Verlesung mussten alle Landsknechte auf Weisung des Schultheiß einen Eid auf den Kaiser oder den Obristen schwören und geloben, sich gemäß dem Artikelbrief zu verhalten. Die zu Fähnrichen bestimmten Landsknechte mussten zudem schwören, die ihnen anvertraute Fahne unter keinen Umständen im Gefecht zu verlieren. Die Aufstellung des Regiments wurde durch die Unterteilung der Fähnlein in Rotten abgeschlossen, die aus zehn einfachen Landsknechten oder sechs Doppelsöldnern bestanden. Jede Rotte wählte ihren eigenen Rottmeister.

Organisation

Für ein Landsknechtregiment war eine Stärke von 4.000 Mann vorgesehen, doch wurde diese Zahl nur selten erreicht. Ein Obrist, der mehrere Regimenter kommandierte, hatte den Rang eines Obersten Feldhauptmannes inne. Der Befehl über die einzelnen Regimenter fiel in diesem Fall den Locotenents (den späteren Leutnants) zu, die in Anwesenheit ihres Vorgesetzten nur als Hauptmann eines Fähnleins galten. Dieser war beritten, im Kampf jedoch ebenfalls zu Fuß unterwegs, und kämpfte mit einem Schwert, einer Streitaxt oder einer Helmbarte. Ein Obrist verfügte über einen "Staat" aus 22 Personen, darunter ein Feldscher, ein Dolmetscher, ein Quartiermeister, ein Schreiber, ein Trommler, ein Pfeifer und 8 Trabanten (Leibwachen). Auch die Hauptmänner der Fähnlein hatten einen eigenen "Staat", der unter anderem einen Feldwebel umfasste. Aufgabe der Feldwebel war es, die Landsknechte zu drillen und im Formationskampf zu unterweisen. Der Gemeinwebel wurde monatlich von den einfachen Landsknechten gewählt, um ihre Interessen gegenüber den Offizieren zu vertreten. Um die Einhaltung des Artikelbriefs überwachen zu lassen, ernannte der Obrist einen Provost. Im Gefolge des Provost befand sich der in einen blutroten Mantel gehüllte Freimann, der mit einem Richtschwert und einem Strick ausgerüstet war. Die Exekutivgewalt des Provost unterlag nur wenigen Einschränkungen. Gelang es einem Landsknecht, der sich eines Verbrechens schuldig gemacht hatte, auf der Flucht vor dem Provost ein Geschütz zu berühren, konnte er sich für eine bestimmte Zeit in Sicherheit wähnen. Der Provost durfte ihn unter diesen Umständen innerhalb der darauf folgenden 72 Stunden nicht festnehmen, doch durfte sich der Landsknecht nicht mehr als 24 Schritte von dem Geschütz entfernen. Verstieß der Provost gegen dieses Gesetz, durfte der Kommandant der Artillerie aus Protest sämtliche Geschütze abziehen lassen. Zu den Strafen, die über einen Landsknecht verhängt werden konnten, gehörte das "Recht der langen Spieße", eine frühe Form des Spießrutenlaufs. Für den Tross des Heeres, der aus Marketendern, Prostituierten und Angehörigen der Landsknechte bestand, war ein Hurenwebel verantwortlich, der zum "Staat" des Obristen gehörte. Unterstützt wurde der Hurenwebel von einem Rumormeister. Die vornehmliche Aufgabe des Rumormeisters bestand im Auseinandertreiben von streitenden Trossfrauen, wobei er nicht selten einen Knüppel verwendete. Für viele Landsknechte stellte die Ernennung zum Hurenwebel die einzige militärische Aufstiegsmöglichkeit dar. Die Besoldung der Landsknechtheere basierte zu Beginn des 16. Jahrhunderts auf dem Faktor 4, da einfache Landsknechte 4 Gulden monatlich ausgezahlt bekamen. Dementsprechend wurde ein Doppelsöldner mit 8 Gulden entlohnt, während der Hurenwebel 12 und die Hauptleute jeweils 40 Gulden erhielten. Der Sold für einen Obristen betrug 400 Gulden im Monat. Eine regelmäßige und angemessene Besoldung stellte jedoch nicht den Regelfall dar, was Meutereien und Plünderungen nach sich zog. Da die Finanzkraft ausländischer Staaten oftmals größer war als die der Habsburger, ließen sich viele Landsknechte unter Missachtung des von ihnen geleisteten Eids abwerben. Die Artillerie eines Landsknechtheeres hatte eine Sonderstellung inne. Kommandiert wurde sie von dem Obersten Zeugmeister, der bei der Plünderung einer eroberten Stadt ein Anrecht auf sämtliche intakten Geschütze und sonstige Waffen der besiegten Gegner hatte. Ein Drittel dieser Beute musste jedoch dem Obristen übergeben werden. Für den Transport der Geschütze war der Geschirrmeister zuständig, während der Zeugwart über die Munition und den Tross der Artillerie wachte. Die Artilleristen verfügten über einen eigenen Tross und konnten nicht vom Provost belangt werden. Ihre Besoldung war höher als die der restlichen Landsknechte, da sie an Plünderungen nicht teilnehmen durften. So erhielt ein Schneller, der die Geschütze nachladen musste, 6 Gulden monatlich, womit sein Sold 50 % höher war als der eines einfachen Landsknechts. Auch bei der Essensausgabe wurden die Artilleristen stets bevorzugt behandelt. Der Beutmeister sorgte für die mehr oder weniger gerechte Verteilung der Beute.

Bewaffnung

Beutmeister]] Die Hauptwaffe der Landsknechte war die Pike, ein bis zu 6 Meter langer Spieß mit einer knapp 30 cm langen Spitze. Manche Landsknechte banden einen Fuchsschwanz an ihre Pike, den sie als Glücksbringer betrachteten. Die mit einer Länge von etwa 2 Metern deutlich kürzere Hellebarde wurde von den Unteroffizieren und Doppelsöldnern getragen. Die Feldwebel stellten mit ihr die Geschlossenheit der Formation sicher. Als Varianten der Hellebarde kamen auch Glefen und Partisanen zum Einsatz. Zu den Schwertern der Landsknechte zählte der Katzbalger, der als Stichwaffe benutzt wurde. Die gewaltigen Zweihandschwerter (auch Biehänder oder Biedenhander genannt), die länger als 1,60 Meter sein konnten, dienten als Spieße brecher (Gassenhauer)und waren Anfangs in den vorderen Reihen zu finden.(eine Reihe Spieße, eine Reihe Zweihänder) die so ausgestatteten Doppelsöldner mussten auch ein Schreiben eines Meisters des Langenschwertes vorzeigen, in dem Geschrieben stand, dass sie das Langeschwert beherrschen. Später dienten sie eher nur repräsentativen Zwecken, da sie äußerst unhandlich waren. Im Gegensatz zu den Schweizern setzten die Landsknechte bereits früh auf die Verwendung von Handfeuerwaffen. Ein Teil der Doppelsöldner war mit Arkebusen bewaffnet, bei denen es sich um Luntenschlossgewehre handelte. Im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts übernahmen manche Landsknechte auch Radschlosspistolen. Jedes Fähnlein umfasste im Idealfall 300 Pikeniere und 100 Doppelsöldner, darunter 50 Arkebusiere und 50 Hellebardiere, doch verschob sich das zahlenmäßige Gewicht im Laufe der Zeit zugunsten der Arkebusiere. Für die Geschütze der Landsknechtheere ließ Maximilian I. eine eigene Nomenklatur schaffen. Die schwersten Geschütze, die bei Belagerungen zum Einsatz kamen, waren die Hauptbüchsen, die Basilisken, die Kartaunen, die Scharfmetzen und die Singerinnen. Als Feldgeschütz wurde die Falkaune, das Falkonett, die Sau und die Schlange eingesetzt. Nur ein Teil der Landsknechte war durch eine Rüstung geschützt. Manche Pikeniere und Hellebardiere trugen einen schlichten Brustpanzer, der über Beintaschen zum Schutz der Oberschenkel verfügen konnte. Dabei wurde aus Kostengründen mitunter auf die Rückenplatte verzichtet. Der Preis eines Pikenierharnischs betrug üblicherweise 12 Gulden, was dem Sold für 3 Monate entsprach. Rege Verbreitung fand der "Bischofskragen" aus Kettengeflecht, der den Hals- und Schulterbereich bedeckte. Manche Landsknechte trugen eine stählerne Hirnhaube oder einen Eisenhut, bis sich die Sturmhaube und der Morion durchsetzten. Die Hauptmänner schützten sich meist durch einen nahezu vollständigen Harnisch, da sie in den vordersten Reihen der Formation kämpfen mussten und sich im Gegensatz zu den einfachen Landsknechten einen derartigen Körperschutz leisten konnten. Die am besten gepanzerten Landsknechte wurden zu Doppelsöldnern erhoben und stets an der Spitze der Formation postiert. Die Obristen legten bei der Wahl ihrer Rüstung großen Wert auf Repräsentation. Zu einem qualitativ hochwertigen Feldharnisch erwarben manche einen Rossharnisch für ihr Pferd.

Taktik

Die Formation der Landsknechtregimenter orientierte sich zunächst stark an den annähernd quadratischen Gewalt- oder Gevierthaufen der Schweizer, die über 5.000 Mann umfassen konnten. Das Zentrum des Gevierthaufens bestand aus den Hellebardieren und Pikenieren, wobei in den ersten und letzten Reihen die erfahrensten Doppelsöldner postiert wurden. Diejenigen, die in den letzten Reihen standen, sollten ihre Vordermänner antreiben und fliehende Kameraden rücksichtslos umbringen. Der zentrale Block aus Hellebardieren und Pikenieren wurde vollständig von Arkebusieren umgeben. Diese sollten Lücken in gegnerische Formationen schießen, in die dann mit Hellebarden und Katzbalgern bewaffnete Doppelsöldner eindrangen. In den Ladepausen wurden die Arkebusiere von den Pikenieren geschützt. Um einen gleichmäßigen Vormarsch zu gewährleisten, spielten Trommler auf. Vor dem Landsknechtregiment, dem "Hellen Haufen", marschierte als Vorhut der "Verlorene Haufen". Dieser bestand aus Freiwilligen, Sträflingen und ausgelosten Landsknechten. Erkennungszeichen des Verlorenen Haufens war die rote Blutfahne. Drohte die Umzingelung des Gevierthaufens durch gegnerische Truppen, bildeten die Landsknechte den kreisförmigen "Igel", auch "Rädlein" genannt. Dabei zogen sich die Arkebusiere hinter die Pikeniere zurück, die mit aufgestützter Waffe den Angriff abwarteten. Während der Italienkriege gewannen die Arkebusiere kriegstaktisch an Bedeutung. Die Landsknechtführer gingen dazu über, ihre Regimenter nach dem Vorbild des spanischen Feldherren Gonzalo Fernándo de Córdoba anzuordnen. Dieser hatte bereits 1495 2.000 Landsknechte von Maximilian I. zur Verfügung gestellt bekommen, um mit ihrer Hilfe die spanische Infanterie zu reformieren. Tatsächlich erlangte die spanische Infanterie innerhalb weniger Jahre einen herausragenden Ruf. Zu den Reformen von Córdoba zählte die Entwicklung der so genannten Tercio-Formation. Dabei wurde der Gevierthaufen verkleinert, so dass er sich besser manövrieren ließ. Zum Schutz der Flanken und zur Erhöhung der Feuerkraft postierten sich an den Ecken des Gevierthaufens Arkebusiere. Die so entstandenen Tercios verteilten sich schachbrettartig auf dem Schlachtfeld, um sich gegenseitig Feuerschutz geben zu können. Bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein kämpften die Fußsoldaten der meisten europäischen Armeen in der Tercio-Formation, die auch als "Spanisches Viereck" bekannt war.

Landsknechtmode

Die Landsknechte waren nicht nur für ihre Kampfkraft, sondern auch für ihr extravagantes Erscheinungsbild bekannt. Ihre äußerst bunte Bekleidung bestand aus gepufften und geschlitzten Hemden und Hosen, zu denen sie ein Barett oder eine Bundhaube und die nach ihrer Form benannten Kuhmaulschuhe trugen. Der Ursprung dieser Mode ist wahrscheinlich in der Tatsache zu sehen, dass die enge Kleidung des späten 15. Jahrhunderts im Kampf äußerst hinderlich war. Die Landsknechte schlitzten sie deshalb auf, banden sich Stofffetzen um die Ärmel und ließen die dicken Unterstoffe herauspludern. Die gepuffte und geschlitzte Kleidung der Landsknechte wurde in adeligen Kreisen als Anmaßung betrachtet. Auf Initiative Maximilians I. gewährte ihnen der 1503 tagende Reichstag zu Augsburg jedoch das Recht, sich nach eigenem Gutdünken zu kleiden. Der Hosenlatz der meisten Landsknechte suggerierte ein besonders großes Geschlechtsteil, was insbesondere Geistliche mit Entsetzen zur Kenntnis nahmen. Die Kleidung der Landsknechte beeinflusste die zivile Mode des damaligen Europas stark und wurde sogar in Stahl nachgebildet. So entstanden "gepuffte und geschlitzte" Paraderüstungen, die repräsentativen Zwecken dienten. Der Brayette genannte Genitalschutz der damaligen Rüstungen war ein stählernes Abbild des Hosenlatzes der Landsknechte.

Lebensumstände

Bei den meisten Landsknechten handelte es sich um Tagelöhner, einfache Handwerker und Gesellen, Kleinkriminelle und Bauernsöhne, die sich von dem relativ hohen Sold und etwaigen Plünderungen eine finanzielle Alternative erhofften. Einfache Landsknechte lebten jedoch im Regelfall am Rande der Armut, da sie ihre Ausrüstung und Nahrung zu überhöhten Preisen verkauft bekamen. Zudem waren sie unter Zivilisten Außenseiter, denen man bestenfalls Misstrauen entgegenbrachte. Landsknechte galten weithin als Sinnbild der Unmoral und Gotteslästerlichkeit. In deutschen Kreuzigungsgemälden des 16. Jahrhunderts war es üblich, die römischen Soldaten als Landsknechte darzustellen. Sebastian Franck beschreibt sie in seiner "Chronica des gantzen Teutschen lands" entsprechend: :"Es ist durch die bank hindurch alweg und alzeit ein böss unnütz volk, nit wenige dann münch und pfaffen. Ist es im krieg, so ist under tausend kaum einer an seinem sold begnuegig, sunder stechen, hawen, gotslestern, huoren, spielen, morden, brennen, rauben, witwen und weisen machen, ist ir gemein handwerk und höchste kurzweil." Im Volk waren sie nicht immer gern gesehen. Auch außerhalb des Krieges benahmen sie sich nach eigenen Moralvorstellungen und nahmen sich etliche Freiheiten heraus. Entsprechend schreibt Sebastian Franck weiter: :"Kummen sie denn nach dem kreg mit dem bluotgeld und schweiss der armen heim, so machen sie ander leut mit inen werklos, spacieren müessig in der statt creuzweiss umb mit jedermann ärgernus, und sind niemand nicht nutz denn den würten. und stellen sich, als sei inen geboten, sie sollen eilends wider verderben. Die andern, denen die beut nicht geraten ist, laufen daussen auf der gart um, das zuo Teutsch bettlen heisst, des sich ein frommer heid, will geschweigen ein christ, in sein herz hinein schämt." Neben die soziale Randstellung der Landsknechte trat ihre äußerst geringe Lebenserwartung. Bereits eine leichte Verletzung im Kampf konnte eine Wundinfektion zur Folge haben, die zum Tod des Betroffenen führte. Eine nennenswerte medizinische Versorgung oder gar Lazarette existierten nicht. Hinzu kamen Seuchen, die vor allem bei längeren Belagerungen zahlreiche Menschen dahinraffen ließen. Auch Geschlechtskrankheiten waren äußerst verbreitet. Eine zeitgenössische Redensart wies nicht zu Unrecht darauf hin, dass man nur selten alte Landsknechte sieht. Nach dem Ende eines Feldzuges oder Krieges wurden die Landsknechte von ihren militärischen Pflichten entbunden. Sie sahen sich dann gezwungen, zu "garten", also bettelnd oder plündernd durch das Land zu ziehen. Auch Kriegversehrten blieb nur ein Leben als Bettler übrig. Das Problem der umherziehenden Söldnerbanden, unter denen vor allem die bäuerliche Bevölkerung zu leiden hatte, konnte bis weit in das 17. Jahrhundert hinein nicht gelöst werden.

Berühmte Landsknechtsführer


- Konrad von Boyneburg
- Georg von Frundsberg

Sonstiges

Als Landsknecht oder französisch korrumpiert als Lansquenet wurde ein berüchtigtes Kartenglücksspiel aus der Landsknechtszeit bezeichnet.

Literatur


- Douglas Miller, John Richards: Landsknechte 1486-1560, St. Augustin 2004, ISBN 3-877-48636-3
- Thomas Arnold: The Renaissance at War, London 2002, ISBN 0-304-36353-7
- Ernst Götzinger: Reallexikon der deutschen Altertümer, Leipzig 1885, daraus die Zitate von Sebastian Franck: Chronica des gantzen Teutschen lands, Bern 1539

Siehe auch


- Fußsoldaten im Mittelalter

Weblinks


- [http://www.dhm.de/ausstellungen/eisenkleider/burschel.htm "Langspieß und Bettelstab", Informationen über die Lebensumstände und die soziale Stellung der Landsknechte]
- [http://www.kriegsreisende.de/neuzeit.htm "Landsknechte, Schweizer Reisläufer und Conquistadoren", Geschichte der Söldner im 16. Jh.] Kategorie:Militärgeschichte ! Kategorie:Militärgeschichte Kategorie:Deutsche Militärgeschichte Kategorie:Österreichische Militärgeschichte Kategorie:Schweizerische Militärgeschichte

Kommandeur

Der Kommandeur ist ein militärischer Befehlshaber. Im Gegensatz zum Kommandanten befehligt der Kommandeur einen militärischen Verband ab Bataillon, gegebenenfalls auch einen Einsatzverband im Ausland. Dem Kommandeur steht ein Stab zur Seite der ihn in den diversen Bereichen der Truppenführung und Verwaltung unterstützt. In der Bundeswehr werden die Stellen dieser Fachoffiziere mit dem Buchstaben S (ab Brigadeebene "G") und einer Ziffer gekennzeichnet, z.B. S3, für den verantwortlichen Stabsoffizier für Ausbildung, Führung Organisation. Im übertragenen Sinn wird der Begriff auch in der Einstufung der französischen Ehrenlegion und anderer ausländischer Verdienstorden gebraucht. Bei der Ehrenlegion steht er über den Titeln Ritter und Offizier und unter den Titeln Grossoffizier und Grosskreuz. Kategorie:Dienststellung

Streitkräfte

Als Streitkräfte oder Militär (von frz. militaire, was auf das lat. militaris (den Kriegsdienst betreffend) zurückgeht, das wiederum von lat. miles (Soldat) kommt) bezeichnet man die bewaffneten Verbände eines Staates oder eines Bündnisses, die dieser zur Verteidigung gegen einen Angriff von außen, oder eben um einen solchen Angriff nach außen zu führen, aufstellt. Meist haben sie aber auch den Auftrag zur Gewährleistung der inneren Sicherheit eines Staates. Zweck des Militärs ist nicht ausschließlich die Führung von Kriegen, sondern heute zunehmend die Führung von multinationalen Operationen zur Friedenssicherung und -erhaltung wie beispielsweise in Afghanistan oder Bosnien. Wobei in Afghanistan der Frieden durch die Amerikaner ursprünglich erzwungen wurde. Heute wird das Militär in die drei Teilstreitkräfte Landstreitkräfte (Heer), Seestreitkräfte (Marine) und Luftstreitkräfte (Luftwaffe) unterteilt. Manche Nationen ergänzen ihre Streitkäfte durch weitere Teilstreitkräfte. Die deutsche Bundeswehr, die neben den drei genannten noch den Zentralen Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis ausweist, bezeichnet diese jedoch als Organisationsbereich. Diese sind damit wie die Nationalgarde in den USA ausdrücklich keine eigenen Teilstreitkräfte. In demokratisch organisierten Gesellschaften wird heute zwischen der Rolle des Militärs und der der innerstaatlichen Sicherheitskräfte (Polizei) unterschieden. Dagegen sind in vielen Diktaturen diese beiden Funktionen vermischt, und das Militär übernimmt innenpolitische Aufgaben (oft mit dem Ziel der Repression). Ausdruck für diesen Dualismus ist die Miliz, die für Militär und Polizei steht (der Begriff steht auch für Miliz (Volksheer), dem Gegenteil einer Berufsarmee). Ein anderer Ausdruck hierfür ist auch Gendarmerie. Gendarmen sind ebenfalls häufig Teil der Streitkräfte wie in Frankreich oder unterstanden historisch einmal dem Verteidigungsresort wie die frühere Bundesgendarmerie in Österreich. Verfassungsrechtliche und verwaltungsrechtliche Normen stellen dabei sicher, dass solche Einheiten im Frieden dem Innen- bzw. dem Justizresort unterstehen. Militärische Organisationen zeichnen sich durch eine hierarchische Struktur mit einer Befehlsgewalt der Militärführung aus. Mitglieder einer militärischen Organisation verzichten auf einen Teil ihrer Freiheiten und Grundrechte. Alle Militärapparate reproduzieren ihren inneren Zusammenhalt durch die periodische Veranstaltung verschiedener Militärrituale. Werden letztere als öffentliches Zeremoniell veranstaltet, dann dienen sie darüberhinaus der symbolischen Unterstreichung der Bedeutung von Militär im nicht-militärischen Teil der Gesellschaft und sind daher oft umstritten. So genannte paramilitärische Organisationen, die in vielen nicht als Krieg bezeichneten bewaffneten Konflikten (etwa Bürgerkriegen) teilnehmen, gelten nicht als Militär und werden nach internationalen Konventionen auch anders behandelt. Die Militärtechnik hat traditionell eine wichtige Vorreiter- und Schrittmacherrolle bei der allgemeinen technischen Entwicklung inne. So wurden beispielsweise das Fernsehen, das Internet oder GPS ursprünglich im militärischen Auftrag entwickelt und anfangs nur vom Militär genutzt. Alle Streitkräfte müssen
- sich unter einem einheitlichen Kommando befinden, das dem Staat gegenüber für die Führung der Unterstellten verantwortlich ist,
- sich durch Uniformen, Abzeichen, Zeichen oder andere aus der Ferne erkennbare äußere Merkmale von der Zivilbevölkerung unterscheiden,
- einem internen Disziplinarsystem unterliegen, das im Einsatzfall auch die Regeln der Kriegsführung durchsetzt,
- die Waffen offen führen.

Umgangssprache

Umgangssprachlich bezeichnet man mit ein Militär auch ein führendes Mitglied im Militär, in einer Junta oder in einer Militärdiktatur.

Siehe auch


- Portal:Militär
- Atomstreitkräfte
- Militärbasen im Ausland
- Armeegruppe
- Militärischer Befehl
- Preußische Armee
- Bundeswehr
- Schweizer Armee
- Österreichisches Bundesheer
- NVA
- US-Armee
- Fremdenlegion
- Kindersoldat
- Milizen
- Söldner
- Krieg
- Kriegsgefangene
- Haager Landkriegsordnung
- Neutralität

Literatur


- Friedrich Engels: Armee in: The New American Cyclopædia, 1857: http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_005.htm ja:軍隊 simple:Military zh-cn:武装力量 Kategorie:Militärwesen

Bundeswehr

Bundeswehr ist die Bezeichnung für die Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland und ihre Verwaltung.

Struktur

Die Bundeswehr besteht aus den Streitkräften und der zivilen Bundeswehrverwaltung. Diese Zweiteilung in eine uniformierte und eine zivile Komponente verschleiert ein wenig die tatsächliche Personalstärke des deutschen Militärs, insbesondere im Vergleich mit dem Militär anderer Staaten, in denen die Verwaltung des Militärs ebenfalls militärischem Personal obliegt. Die Bundeswehr soll bis zum Jahr 2010 ihre neue Struktur mit einer Friedensstärke von etwa 250.000 Soldaten und 75.000 zivilen Mitarbeitern einnehmen. Heute (April 2005) hat sie etwa 257.000 Soldaten und 125.000 zivile Mitarbeiter. In Zeiten des Kalten Krieges verfügte die Bundeswehr über eine Sollstärke von etwa 495.000 Soldaten. Dabei handelt es sich um Wehrpflichtige (zur Zeit neun Monate Pflichtdienstzeit), um Berufssoldaten und um Soldaten auf Zeit. Die Bundeswehr nahm nach der Wiedervereinigung rund 20.000 Soldaten der ehemaligen NVA der DDR auf. Außerdem wurde ein kleiner Teil des Materials der NVA übernommen und zum Teil bis heute weiter genutzt. Große Mengen der Bewaffnung und Ausstattung wurden hingegen verschrottet, verkauft oder verschenkt, so wie Panzer an die Türkei und kürzlich die letzten sechs MiG-29 der NVA-Luftwaffe an Polen. 39 Kriegsschiffe der Volksmarine kaufte Indonesien. Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt ist im Frieden der Verteidigungsminister, im Verteidigungsfall geht die Befehls- und Kommandogewalt auf den Bundeskanzler über ( GG). Oberster Soldat der Bundeswehr ist der Generalinspekteur der Bundeswehr, rangmäßig ein Viersterne-General, der jedoch nicht militärischer Oberbefehlshaber der Bundeswehr ist. Einen solchen kennt die Kommandostruktur der Bundeswehr nicht. Die Verantwortung für die Einsatzbereitschaft ihrer Bereiche haben die Inspekteure der Teilstreitkräfte (Heer, Luftwaffe, Marine) beziehungsweise der militärischen Organisationsbereiche (Streitkräftebasis, Zentraler Sanitätsdienst). Seit 2001 ist die Bundeswehr uneingeschränkt für Frauen geöffnet. Zuvor durften sie nur im Sanitätsdienst der Bundeswehr (seit 1975 als Offizier, seit 1991 auch in der Unteroffiziers- und Mannschaftslaufbahn) sowie im Militärmusikdienst (ebenfalls seit 1991) beschäftigt werden. Mit der Ernennung zum Generalarzt (w) wurde Verena von Weymarn 1994 der erste weibliche General in der deutschen Geschichte. Derzeit leisten über 12.000 weibliche Soldaten ihren Dienst in der Bundeswehr. Davon befindet sich etwa die Hälfte im Sanitätsdienst der Teilstreitkräfte. Insgesamt stellen sie damit einen Anteil von 6,2% der Berufs- und Zeitsoldaten. Dabei liegt ihr Anteil in der Marine bei 8,4%, im Heer bei 6,3% und in der Luftwaffe bei 4,9%. (Stand Januar 2005). Die Reservisten der Bundeswehr sind u.a. in Heimatschutzbataillonen verplant, die im Verteidigungsfall (oder in anderen Notfällen) aufgestellt werden.

Innere Führung

Hauptartikel: Innere Führung Der Begriff Innere Führung beschreibt die komplexe Führungskonzeption der Bundeswehr, er ist verbunden mit dem Leitbild des Staatsbürgers in Uniform. Das bedeutet, dass die Grundrechte des Soldaten nur so weit eingeschränkt werden sollen, wie es der militärische Auftrag erfordert. So ist das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung durch das Prinzip von Befehl und Gehorsam eingeschränkt (siehe: Vorgesetztenverordnung). Anders als Soldaten in vielen Ländern besitzen die Bundeswehrsoldaten das aktive und das passive Wahlrecht. Die Innere Führung soll so die Integration der Bundeswehr in die Gesellschaft gewährleisten. Sie wurde unter anderem durch den späteren General Graf Baudissin entwickelt und markiert einen bedeutenden Unterschied zu allen früheren deutschen Armeen. Zuständig für die Lehre, Kommunikation nach außen und die Weiterentwicklung ist das Zentrum Innere Führung. Ein Merkmal der Inneren Führung ist das sehr weit gehende Beschwerderecht der Soldaten. Jeder Soldat kann sich in allen dienstlichen Fragen beschweren ohne dass ihm daraus Nachteile erwachsen dürfen. Dies bezieht sich sowohl auf Befehle, als auch auf das Verhalten von Vorgesetzten und Gleichgestellten.

Bundeswehrreform und Transformation

Die Bundeswehr hat sich in ihrer Geschichte immer wieder veränderten Bedingungen anpassen müssen. Während des Ost-West-Konflikts war das Bedrohungspotenzial des Warschauer Pakts bestimmend für die Struktur der Bundeswehr. Nach dessen Ende war deshalb eine Grundreform der Bundeswehr notwendig geworden. Dabei mussten anfangs die mögliche Restbedrohung aus dem osteuropäischen Raum und sich zunächst nur vage abzeichnende neue Aufgaben miteinander in Einklang gebracht werden. Auch die innenpolitische Diskussion in Deutschland, die sich unter anderem zwischen 1990 und 1994 in der so genannten out-of-area-Debatte niederschlug, stand einer schnellen und gründlichen Reform im Wege. Erst nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 über die Auslandseinsätze der Bundeswehr waren die Voraussetzungen gegeben, die Bundeswehr gezielt auf derartige Aufgaben auszurichten. Es blieb jedoch vornehmlich aus innenpolitischen Gründen zunächst bei einer Veränderung in kleinen Schritten. Nach dem Regierungswechsel 1998 und den Empfehlungen der so genannten Weizsäcker-Kommission wurde der Umbau unter Bundesminister Scharping erheblich beschleunigt. Nicht alle Reformansätze haben sich indes als praktikabel und finanzierbar erwiesen. Die Anschläge des 11. September 2001 und der darauf beginnende militärische Kampf gegen den Terror haben weitere Veränderungen der Reformen erforderlich gemacht. Inzwischen ist die Erkenntnis erwachsen, dass es nicht mehr möglich ist, einen am Ende der Reform anzustrebenden dauerhaften Sollzustand zu definieren, wie es für frühere Bundeswehrreformen unter den fast statischen Bedingungen des Kalten Krieges typisch war. Eine von Manchen erhoffte gründliche Reform, die alle Probleme der Bundeswehr auf einmal behebt, kann es nicht mehr geben. Die sich schnell verändernde Lage erfordert es vielmehr, dass sich die Bundeswehr zu einer lernenden Organisation entwickelt, die ihre Umwelt kontinuierlich analysiert und sich dem Wandel anpasst. Dieser Prozess trägt die Bezeichnung „Transformation“. Um die Transformation zu lenken, wurde das bisherige Zentrum für Analysen und Studien in ein Zentrum für Transformation umgewandelt. Der seit 1990 anhaltende Veränderungsprozess bringt für viele Soldaten und zivile Mitarbeiter der Bundeswehr erhebliche persönliche Belastungen mit sich. Die Menschen mussten teilweise mehrmals außer völlig neuen Aufgaben auch Standortschließungen, Beschwernisse durch Umzug und Umschulung oder die Veränderung persönlicher und familiärer Planungen bewältigen. Aufgrund dieser Unsicherheit stieg die Zahl von Eingaben der Soldaten an den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages deutlich an, ein Indiz für die derzeitige Verunsicherung vieler Menschen in der Bundeswehr. Zusätzlich zu schultern waren Kürzungen des Weihnachtsgeldes, Wegfall des Urlaubsgeldes, und eine kontinuierliche Absenkung der Pension, bei steigender Auftragslast durch Auslandseinsätze mit erheblichem Gefahrenpotential z.B. Minen, oft unabsehbaren versetzungsbedingten (Standortschließungen) Umzügen mit allen daraus für die Familien entstehenden Belastungen.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Bundeswehr Der ehemalige Panzergeneral Gerhard Graf von Schwerin wurde am 24. Mai 1950 Konrad Adenauers Berater in technischen Fragen der Sicherheit zur geheimen Vorbereitung des Aufbaus westdeutscher Streitkräfte. Am 26. Oktober 1950 berief Konrad Adenauer Theodor Blank zum Beauftragten des Bundeskanzlers für die mit der Vermehrung der alliierten Truppen zusammenhängenden Fragen. Dieses Amt Blank wurde zur Keimzelle des späteren Bundesministeriums der Verteidigung. Die Gründung der Bundeswehr und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik am 5. Mai 1955 führte zu erheblichen innenpolitischen Auseinandersetzungen, vor allem zwischen SPD und CDU über die Frage, ob es moralisch zu verantworten sei, dass Deutschland nach der Hitler-Diktatur jemals wieder über Streitkräfte verfügen sollte. Am 7. Juni 1955 wurde die Wehrverwaltung gegründet, am 12. November 1955 die ersten 101 Freiwilligen vereidigt. Der Name "Bundeswehr" wurde auf Vorschlag des FDP-Bundestagsabgeordneten Hasso von Manteuffel, früherer Wehrmachtsgeneral der Panzertruppe, gewählt. Die ersten Soldaten der Bundeswehr waren Offiziere und Unteroffiziere, die in der Wehrmacht gedient hatten. Im Jahr 1958 stammten 12.900 Offiziere aus der Wehrmacht. Alle Offiziere vom Oberst aufwärts wurden durch den Personalgutachterausschuss überprüft, ein Gremium aus 38 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die vom Bundespräsidenten auf Vorschlag der Bundesregierung und nach Bestätigung durch den Bundestag ernannt worden waren. Auf den Vorwurf, alle hohen Offiziere hätten in der Wehrmacht gedient, antwortete Bundeskanzler Adenauer sinngemäß, die NATO nehme ihm keine 18-jährigen Generäle ab. Obwohl die Bundeswehr sich ausdrücklich nicht in der Tradition der Wehrmacht sieht, sondern als demokratische Armee aus mündigen Bürgern, geben die wenigen immer noch bestehenden Benennungen von Kasernen nach Wehrmachtspersönlichkeiten immer wieder Anlass zu Kritik.

Parlamentarisch-politische Kontrolle

Die Bundeswehr untersteht dem Bundesminister der Verteidigung, einem zivilen Angehörigen der vom Bundestag getragenen Bundesregierung. Der Verteidigungsminister ist der einzige Zivilist, der Soldaten Befehle erteilen kann. Dadurch wird das Primat der Politik, das heißt der Vorrang der Politik gegenüber dem Militär, sichergestellt. Dieses politische Primat erfordert, dass auch in der Bundeswehr das Prinzip von Befehl und Gehorsam gilt. Obwohl die Bundeswehr Teil der Exekutive ist, hat der Bundestag bedeutende Kontrollrechte, und die Bundeswehr gilt als „Parlamentsarmee“. Das Parlament verfügt über Kontrollinstrumente mit gegenüber der Bundeswehr erheblich weiter gehenden Rechten, als es sie für andere Bereiche der Exekutive wie etwa der Bundespolizei, der Finanzverwaltung oder den Botschaften gibt. Es handelt sich dabei um die besonderen Rechte des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuss, um den Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages und um die Sonderregelungen im Haushaltsrecht.

Der Verteidigungsausschuss

Während der Bundestag in allen anderen Angelegenheiten einen Untersuchungsausschuss einsetzen kann ( GG), kann sich der Verteidigungsausschuss selber zum Untersuchungsausschuss erklären ( GG). Das erlaubt es den Abgeordneten, jede bundeswehrinterne Sache, der der Ausschuss politische Bedeutung beimisst, mit allen Mitteln eines Untersuchungsausschusses, das heißt ähnlich einer staatsanwaltlichen Ermittlung, zu überprüfen, ohne dass das Bundestagsplenum eingeschaltet werden muss. Dadurch können die zuständigen Parlamentarier die Bundeswehr leichter überwachen, ohne dass die gegebenenfalls notwendige Geheimhaltung verloren geht.

Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages

GG bestimmt, dass zum Schutze der Grundrechte und als Hilfsorgan des Bundestages bei der Ausübung der parlamentarischen Kontrolle ein Wehrbeauftragter des Bundestages berufen wird. Der Wehrbeauftragte ist also ein Organ des Bundestages, nicht der Bundeswehr oder der Bundesregierung. Er untersucht mögliche Verletzungen der Grundrechte der Soldaten und Verstöße gegen die Grundsätze der Inneren Führung und berichtet dem Bundestag. Außerdem ist er Petitionsinstanz für alle Soldaten, die sich ohne Einhaltung des Dienstweges unmittelbar an ihn wenden dürfen. [http://www.bundestag.de/parlament/wehrbeauftragter/index.html Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages]

Sonderregelungen im Haushaltsrecht

Abs. 1 GG bestimmt: “Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmäßige Stärke und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.” Das bedeutet, dass die Stärke und Organisation der Streitkräfte jedes Jahr von neuem durch den Bundestag im Haushaltsgesetz festgelegt werden. Eine ähnliche Regelung gibt es für keinen anderen Bereich der Exekutive. Sie verhindert, dass der Verteidigungsminister die Streitkräfte vergrößert oder sie zu nicht vom Parlament gebilligten Zwecken umorganisiert.

Auftrag

Die Bundeswehr hat gemäß Abs. 1 Satz 1 GG den Auftrag, Deutschland und seine Verbündeten zu verteidigen („Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“). Deutschland und seine Staatsbürger gegen politische Erpressung und äußere Gefahr zu schützen, bei Katastrophen zu helfen, aus Notlagen zu retten und bei humanitären Aktionen zu unterstützen, die militärische Stabilität und die Integration Europas zu fördern sowie dem Weltfrieden und der internationalen Sicherheit im Einklang mit der Charta der Vereinten Nationen zu dienen sind grundgesetzlich Nebenaufgaben, wenn sie auch in den letzten Jahren die Haupttätigkeit der Bundeswehr bilden. Die Verteidigung der Bundesrepublik erfolgt dabei „nicht mehr nur in Hindelang, sondern auch am Hindukusch (Zitat Bundesverteidigungsminister [http://de.wikiquote.org/wiki/Peter_Struck Peter Struck], 2003).

Bündnisfall

Mit dem Bündnisfall regelt der NATO-Vertrag im Artikel 5 in Verbindung mit Abs. 3 GG eine weitere Einsatzmöglichkeit der Bundeswehr. Die Bundeswehr kann auch eingesetzt werden, wenn ein NATO-Bündnispartner angegriffen wird. Der Bündnisfall wurde seit seiner Festlegung erstmals nach dem 11. September 2001 erklärt.

Die Bundeswehr im Auslandseinsatz

Zunehmend wird die Bundeswehr auch zu friedenserhaltenden und -sichernden Maßnahmen außerhalb der Bundesrepublik Deutschland eingesetzt. Bereits unmittelbar nach der Wiedervereinigung begann eine heftige Debatte über den Einsatz der Bundeswehr außerhalb des NATO-Vertragsgebiets (out-of-area-Debatte). Die ersten derartigen Einsätze waren 1991 eine Minenräumaktion der Marine nach dem 2. Golfkrieg im Persischen Golf und 1993 die Entsendung eines Feldlazaretts nach Phnom Penh im Rahmen einer UN-Mission. Es folgten Einsätze in der Adria (SHARP GUARD 19921996), in Somalia und auf dem Balkan im Rahmen der Einsätze IFOR und SFOR. Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der Einsätze nach Massgabe des Abs. 2 GG hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 12. Juli 1994 geklärt. Darüber hinaus enthält dieses Urteil die Grundlegung für den Parlamentsvorbehalt für den Einsatz bewaffneter deutscher Streitkräfte im Ausland. Im Schrifttum ist umstritten, ob dieser Vorbehalt durch das Urteil nur explizit klargestellt oder in extensiver Auslegung der Verfassung erst durch das Gericht "eingeführt" wurde. 1999 hat die Bundeswehr mit der Luftwaffe im Rahmen der NATO-Operation ALLIED FORCE mit etwa 500 Einsätzen zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an einem verfassungsmäßig und völkerrechtlich umstrittenen Krieg – dem Krieg gegen Jugoslawien – teilgenommen. Die völkerrechtliche Grundlage für den Einsatz war in der Fachdiskussion stark umstritten. Überwiegend wurde die Intervention von den verantwortenden Politikern als "humanitäre Intervention" bezeichnet und in der Hinsicht als gerechtfertigt angesehen. Die Legitimation der Beteiligung stützte sich besonders auf geheimdienstliche Informationen, die bei Kriegseintritt als fragwürdig galten. Die Teilnahme deutscher Streitkräfte an der Operation konnte bei Annahme des Rechtfertigungskonstruktes als verfassungsrechtlich zulässig angesehen werden: Es lag kein Angriffskrieg im Sinne des GG vor und die Teilnahme erfolgte im Rahmen eines Systems gegenseitiger und kollektiver Sicherheit, wie Abs. 2 GG es verlangt. Wird die Begründung der "humanitären Intervention" nicht geteilt, stellte die NATO-Intervention völkerrechtlich einen Angriffskrieg dar, wodurch die Beteiligung der BRD verfassungsrechtlich unzulässig war. Es schloss sich diesem Einsatz eine Beteiligung an der KFOR-Mission zum Schutz der Bevölkerung und der im Land tätigen Hilfsorganisationen an. Der Einsatz der internationalen Sicherheitspräsenz KFOR fußte von Anfang an auf einer Resolution des Sicherheitsrates ( 1244 (1999)). Seit 2001 ist die Bundeswehr auch im Rahmen der Antiterrorkoalition eingesetzt. Ein Marinekontingent überwacht, abgestützt auf Dschibuti, das Seegebiet am Horn von Afrika; außerdem ist die Marine an entsprechenden NATO-Operationen im Mittelmeer beteiligt. Ein Heereskontingent ist in Afghanistan im Rahmen von ISAF aktiv und schützt seit November 2003 im Rahmen der Bildung eines regionalen Aufbauteams den Handel der Stadt Kunduz und Demilitarisierungsprogramme wie DDR (Disarmament, Demobilization and Restauration). Auch die übrigen Teile der Bundeswehr sind an diesen Operationen unterstützend beteiligt. Im Irak sind derzeit keine Soldaten der Bundeswehr eingesetzt, bilden jedoch in Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten Polizei- und Milizkräfte der neuen irakischen Sicherheitskräfte aus.

Überblick über Auslandseinsätze der Bundeswehr


- seit 1960 an mehr als 130 humanitären Hilfsaktionen beteiligt. Darunter Hilfeleistungen von Luftwaffe und Sanitätsdienst für die durch ein Erdbeben im Februar 1960 zerstörte Stadt Agadir in Marokko.
- Januar 1965 - Erstmals Beteiligung an einer großen internationalen Hilfsaktion in Algerien. Hierzu bilden zwei Lufttransportgeschwader mit 12 Flugzeugen vom Typ "Noratlas" eine Luftbrücke.
- August 1976 - Katastrophenhilfe im norditalienischen Erdbebengebiet Friaul.
- November 1984 - Flugzeuge vom Typ "Transall" der Luftwaffe fliegen Versorgungsgüter in die Hungergebiete in Äthiopien.
- 6. Januar 1991 - Verlegung von 18 Kampfflugzeugen des Typs "Alpha-Jet" auf den Fliegerhorst Erhac in der Türkei. Insgesamt 212 Soldaten der Luftwaffe sollen einen Beitrag zum Schutz der Türkei vor Angriffen aus dem Irak leisten.
- ab März 1991 im Rahmen der US-geführten "Operation Südflanke" Entsendung von Minensuchbooten ins Mittelmeer und später zum Minenräumen in den Persischen Golf (ca. 350 Deutsche, 7 Schiffe).
- April 1991 - Im Rahmen der "Operation Kurdenhilfe" versorgen Transporthubschrauber vom Typ CH-53 kurdische Flüchtlinge in Anatolien.
- November 1991 - Sechs, später 18 deutsche Sanitätssoldaten werden zur medizinischen Betreuung von UN-Angehörigen nach Kambodscha entsandt.
- 1992-1996 SHARP GUARD, Embargo gegen das ehemalige Jugoslawien in der Adria durch Marineverbände, stets zwei deutsche Fregatten oder Zerstörer, außerdem Flugzeuge.
- April 1992 - Entsendung von 140 weiteren Soldaten, darunter 30 Ärzte, zur medizinischen Betreuung von UN-Angehörigen in Kambodscha.
- 1993 unter UN-Kommando: Entsendung eines Militärlazaretts zur Unterstützung der Vereinten Nationen in Kambodscha.
- 1993-1994 unter UN-Kommando: Teilnahme an UNOSOM, einer Stabilisierungsmission der UN in Somalia (ca. 1.700 Heeressoldaten u.a. stationiert in Belet Huen, später außerdem vier Schiffe der Marine für die Rückführung aus Mogadischu). In Mombasa in Kenia wurden zwei Transportflugzeuge stationiert.
- 1995-1996 (UNPF) innerhalb Kroatiens mit ersten Maßnahmen nach Bosnien Herzegovina, abgelöst durch IFOR
- 1995-1996 unter NATO-Kommando: IFOR (Implementation Forces in Bosnia and Herzegovina), abgelöst durch SFOR
- 1996-2004 unter NATO-Kommando: SFOR (Stabilisation Force in Bosnia and Herzegovina), 1.700 Deutsche, abgelöst durch EUFOR
- 1999 unter NATO-Kommando: Teilnahme an Luftangriffen im Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien (Kosovo-Krieg, Belgrad)
- 1999 unter NATO-Kommando: KFOR (Kosovo Force), bis 4.700 Deutsche
- 2001 Operation „Essential Harvest“ in Mazedonien, Entwaffnung von albanischen Extremisten, 600 Deutsche
- seit 2001 Operation ACTIVE ENDEAVOUR im Mittelmeer zum Schutz des Seeverkehrs gegen terroristische Bedrohungen, deutsche Fregatten und Schnellboote
- Seit Januar 2002 unter US-Kommando: Operation Enduring Freedom als Teil des Kampfes gegen den Terrorismus mit bis zu 4.900 deutschen Soldaten
- seit 2003 unter NATO-Kommando: ISAF-Einsatz in Afghanistan zur Friedenssicherung
- seit Dezember 2004 unter EU-Kommando: EUFOR (European Union Force in Bosnia and Herzegovina) etwa 1100 Deutsche
- Dezember 2004 AMIS (African Union Mission in Sudan) - Bereitstellung von Lufttransportkapazitäten für die Verlegung von Friedenstruppen der Afrikanischen Union in die sudanesische Krisenregion Darfur.
- seit Januar 2005 Humanitäre Hilfe in Indonesien - Einsatz von Sanitätskräften, MEDEVAC-Flugzeugen und dem Einsatzgruppenversorger "Berlin" nach der Flutwelle im indischen Ozean (ca. 385 Soldaten).
- seit April 2005 UNMIS (United Nations Mission in Sudan) - Entsendung von bis zu 75 unbewaffneten Militärbeobachtern in den Süden und Osten des Sudans zur Überwachung des Friedensabkommens. Karte der momentanen Bundeswehr-Außeneinsätze

Organisation der Bundeswehr

Karte der momentanen Bundeswehr-Außeneinsätze

Allgemeines

Das Hoheitszeichen der Bundeswehr und ihrer Teilstreitkräfte ist das Eiserne Kreuz.
- Dienstgrade in der Bundeswehr
- Wachdienst in der Bundeswehr
- Ehrenzeichen der Bundeswehr .

Teilstreitkräfte (TSK)


- Heer (Landstreitkräfte)
- Luftwaffe (Luftstreitkräfte)
- Deutsche Marine (vor 1990: Bundesmarine) (Seestreitkräfte)

Militärische Organisationsbereiche (TSK-übergreifend)


- Streitkräftebasis
- Zentraler Sanitätsdienst

Wehrverwaltung

Die Verwaltung der Bundeswehr ist eine bundeseigene und bundesunmittelbare Verwaltung mit eigenem Verwaltungsunterbau und übernimmt gem. Art. 87b des Grundgesetzes die Bundeswehrverwaltung, die sich in den Rüstungsbereich und die Territoriale Wehrverwaltung untergliedert (Organisationsbereiche). Die Bundeswehrverwaltung ist damit beauftragt den materiellen und personellen Bedarf der Streitkräfte zu decken. Insbesondere sind der Territorialen Wehrverwaltung Aufgaben des Wehrersatzwesens übertragen.

Ämter und Dienststellen der Bundeswehr

(Auswahl)
- Akademie der Bundeswehr für Information und Kommunikation [http://www.aik-bundeswehr.de]
- Bundesamt für Wehrverwaltung
- Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung
- Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr
- Bundessprachenamt
- Bundeswehrverwaltungsschule
- Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik
- Führungsakademie der Bundeswehr [http://www.fueakbw.de]
- Einsatzführungskommando
- Heeresführungskommando
- Heeresamt
- Luftwaffenführungskommando
- Luftwaffenamt
- Flottenkommando
- Marineamt
- Streitkräfteunterstützungskommando
- Streitkräfteamt
- Sanitätsführungskommando
- Sanitätsamt
- Katholisches Militärbischofsamt [http://www.kmba.de//]
- Evangelisches Kirchenamt für die Bundeswehr [http://www.ekd.de]
- Universität der Bundeswehr
- Zentrum für Informationstechnik der Bundeswehr
- Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr
- Zentrum für Nachwuchsgewinnung
- Zentrum für Transformation der Bundeswehr
- Zentrum Innere Führung
- Zentrum Operative Information

Fuhrpark

Zentrum Operative Information Der Fuhrpark ist zwar nicht homogen, jedoch relativ einheitlich gestaltet, sofern es sich nicht um Sonderfahrzeuge handelt, beispielsweise Bergungskräne. Auch Fahrräder, Motorräder und Anhänger zählen zum Fuhrpark, auch wenn diese nur in geringer Zahl vorhanden sind. Wesentliche Elemente sind jedoch Panzerfahrzeuge, geländegängige Fahrzeuge und Transportfahrzeuge aller Art. Weitgehend mit den zivilen Fahrzeugen vergleichbare Fahrzeugmodelle des Alltagsbedarfs für Truppe und Verwaltung werden mittlerweile durch die Bw FuhrparkService GmbH verwaltet. Die Bundeswehr unterhält noch an einer ganzen Reihe von Standorten KFZ-Werkstätten, in denen zum Teil auch ausgebildet wird. Die Fahrzeuge sind bis auf wenige Ausnahmen mit Diesel-Motoren ausgerüstet. Für die eingesetzten Modelle wird vom jeweiligen Hersteller eine mehrere Jahrzehnte lange Ersatzteil-Garantie eingefordert. Ebenso ist die in Deutschland ansässige KFZ-Industrie verpflichtet, in Friedenszeiten eine gewisse Prozentzahl an KFZ vorzuhalten, die in einem Spannungs- oder Verteidigungsfall abgefordert werden können. Für Informationen über Fahrzeug-Kennzeichen der Bundeswehr siehe Kfz-Kennzeichen (Deutschland).

Liegenschaften

Die Bundeswehr verfügt über zahlreiche Grundstücke und Gebäude. Im Zuge der wiederholten Standortschließungen der Neuzeit wurden jedoch zahlreiche Liegenschaften für eine andere, meist zivile Nutzung frei gemacht (Konversion) oder schlicht still gelegt.

Ausrüstung

Uniform

Für die Soldaten der Bundeswehr gibt es eine große Zahl unterschiedlicher Uniformen. Neben den Ausgehuniformen der Teilstreitkräfte gibt es verschiedenartige Arbeits- und Gefechtsanzüge und Sonderbekleidung für bestimmte klimatische Verhältnisse wie zum Beispiel Kälteschutzbekleidung. Siehe dazu den Fachartikel Uniform (Bundeswehr). Die Bestimmungen für die Uniformen der Bundeswehr sind ausführlich in der ZDv 37/10 "Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr" festgelegt.

Waffen

ZDv Während der Grundausbildung werden die meisten Rekruten sowohl an Feuerwaffen als auch an Waffen mit Sprengwirkung ausgebildet. Die Standardwaffe der Bundeswehr ist das Sturmgewehr Gewehr 36 (G36), welches das alte Gewehr 3 (G3) weitestgehend abgelöst hat. Dazu kommt die Pistole 8 (P8), der Nachfolger der Pistole 1. Fahrzeugbesatzungen sind teilweise mit der Maschinenpistole 2 (MP2) ausgerüstet, die durch die Maschinenpistole 7 (auch: PDW) ersetzt werden soll. Die Bundeswehr verfügt auch über ein Standard-Maschinengewehr, das Maschinengewehr 3 (MG3), dessen Nachfolger das MG4 sein wird. Als Fahrzeugbewaffnung bleibt allerdings das MG3 erhalten. Waffen mit Sprengwirkung sind beispielsweise die Handgranate DM51, DM41 oder die Handflammpatrone, sowie die Granatpistole 40mm oder Panzerabwehrwaffen wie die Panzerfaust 3 oder die leichte Panzerfaust. Außerdem verfügt die Bundeswehr über die Leuchtbüchse, welche die Leuchtpatrone 84mm verschießt, um das Gefechtsfeld zu beleuchten. Explosive Granaten können mit der Leuchtbüchse nicht verschossen werden. Zusätzlich benutzen die Scharfschützen der Bundeswehr das Gewehr G22 der britischen Firma Accuracy International und eine modifizierte Variante des G3, das G3A3 ZF.

Siehe auch


- Bundeswehrfeuerwehr
- Darmstädter Signal
- Deutsche Marine (Geschichte)
- Dienstgrade in der Bundeswehr
- Ehrenmedaille der Bundeswehr
- Gelöbnis
- Handwaffen der Bundeswehr
- Kriegsdienstverweigerer
- Liste von Kriegsschiffen (Deutschland seit 1945)
- Luftfahrzeuge der Bundeswehr
- Militärbasen im Ausland
- Militärrituale
- Panzermodelle nach 1945
- Portal:Militär
- Soldatensprache
- Wehrrecht
- Wehrersatzdienst

Literatur


- Detlef Bald: Die Bundeswehr. Eine kritische Geschichte 1955-2005 (2005), C.H. Beck Verlag, ISBN 3-406-52792-2
- Heinz Karst: Die Bundeswehr in der Krise (1997) ISBN 3-8004-1350-7
- Paul Klein u. Dieter Walz (Hrsg.): Die Bundeswehr an der Schwelle zum 21. Jahrhundert (2000) ISBN 3-7890-7013-0
- Der Reibert - Das Handbuch für den deutschen Soldaten ISBN 3-8132-0755-2
- Heinz Karst/Karlhelmut Schnell/Hansdieter Seidel: Taschenbuch für Wehrausbildung Walhalla und Praetoria Verlag, Regensburg und München, 1966 ff.

Weblinks


- [http://www.bundeswehr.de Homepage der Bundeswehr]
- [http://www.bmvg.de Homepage des Verteidigungsministeriums]
- [http://www.bundeswehr-karriere.de Karriere-Portal der Bundeswehr]
- [http://www.deutschesheer.de Homepage des Heeres]
- [http://www.luftwaffe.de Homepage der Luftwaffe]
- [http://www.marine.de Homepage der Marine]
- [http://www.streitkraeftebasis.de Homepage der Streitkräftebasis]
- [http://www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de Homepage des Zentralen Sanitätsdienstes]
- [http://www.reservistenverband.de Verband der Reservisten der Bundeswehr]
- [http://www.janmaat.de/m_geschichte1.htm Chronik der Gründung der Bundeswehr]
- [http://edition.cnn.com/SPECIALS/2004/oef.casualties/ Gefallene deutsche Soldaten während der Operation Enduring Freedom] Kategorie:Militär (Deutschland) Bundeswehr

Armee

Armee kann verschiedene Bedeutungen haben:
- Synonym für Streitkräfte
- Militärischer Großverband des Ersten und Zweiten Weltkriegs, bestehend aus mehreren Korps, besonderen Armee- bzw. Heerestruppen und Armeereserven. Armeen haben organisatorisch und logistisch den Unterbau, der eigenständige und weiträumige Operationen ermöglicht, insbesondere bezüglich Logistik und Sanitätswesen. Das Armeeoberkommando ist eine höhere Kommandobehörde, die im rückwärtigen Armeegebiet hinter der Kampfzone auch Sicherungsaufgaben wahrnimmt.
- Die übergeordnete Einheit einer Armee sind Heeresgruppen, die untergeordnete Einheit ist das Korps.

Beispielhafte Struktur einer Armee-Einheit

Eine deutsche Armee bestand im Ersten und Zweiten Weltkrieg aus durchschnittlich 100.000 Mann, manchmal sogar mehr. Aufgeteilt in
- vier bis fünf Korps (je ca. 22.500 Mann),
- zu je drei bis vier Divisionen (je ca. 7.500 Mann),
- zu je drei bis vier Regimentern (je ca. 2.500 Mann),
- zu je drei bis vier Bataillonen (je ca. 625 Mann),
- zu je drei bis vier Kompanien (je ca. 210 Mann),
- zu je drei bis vier Zügen (je ca. 70 Mann). Bei der Bundeswehr gibt es keine Armeen, die Struktur ihrer Verbände ist aber ähnlich.

Siehe auch

Armada, Bundeswehr, Französische Armee, Rote Armee, Schweizer Armee Kategorie:Militärischer Verband

Dienstgrad

Mit dem Dienstgrad wird das Rangverhältnis von Personen speziell beim Militär sowie bei bestimmten Behörden zueinander festgelegt. Üblicherweise wird der Dienstgrad durch Abzeichen oder Kennzeichen an der Uniform oder der Kopfbedeckung gezeigt. Auch andere Uniformierungsmerkmale können über den Dienstgrad Aufschluss geben. Kopfbedeckung Ein höherer Dienstgrad bedingt nicht unbedingt auch ein Unterstellungsverhältnis. Dieses wird vielmehr durch die Dienststellung begründet. Es ist also möglich, wenn auch sehr unüblich, dass ein Untergebener einen höheren Dienstgrad hat, als sein Vorgesetzter. Typische Dienststellungen sind zum Beispiel Kompaniechef, Bataillonskommandeur oder Kommandierender General. Kommandierender General] Dienstgradabzeichen können sich am Revers, am Ärmel (Ärmeltressen) oder auf der Schulter (Schulterklappen) wiederfinden. Sie können angenäht (Stoffabzeichen), angeknöpft oder eingeschlauft werden. Daneben geben Laufbahngruppenabzeichen (beispielsweise eine Mützenlitze), Soldgruppenabzeichen (bei den amerikanischen Streitkräfte am Ärmel getragen) und Funktionsabzeichen (wie „OvWa“ (Offizier vom Wachdienst), „Einsatzleitung“ oder Ähnliches als Ansteckschild, Armbinde oder Rückenbeschriftung) Auskunft über Dienstgrad, dienstliche Stellung und Aufgabe eines Uniformträgers.

Militärische Dienstgrade

Der militärische Dienstgrad steht jedem Kombattanten zu, insbesondere Angehörigen regulärer Streitkräfte. Er erleichtert die Einordnung des einzelnen Soldaten in die militärische Hierarchie. Über den militärischen Dienstgrad werden auch Befehl und Gehorsam, Grußpflicht und teilweise der Verantwortungsbereich geregelt. Jedem Dienstgrad ist – in der Bundeswehr – eine Besoldung zugeordnet – diese kann je nach Aufgabenbereich noch differenziert sein (beispielsweise für einen Oberst in der Regel A16, für einen Oberst als Brigadekommandeur B3). Der Aufstieg ergibt sich nach Qualifikation (Bestehen von Laufbahnlehrgängen) oder Anciennität. Die typische Einteilung der Dienstgrade beim Militär wird in Laufbahngruppen zusammengefasst. Üblicherweise gibt es drei Laufbahngruppen: Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Innerhalb der Laufbahngruppen der Offiziere und Unteroffiziere sind die Dienstgrade noch einmal in Dienstgradgruppen aufgeteilt.
- In der Laufbahngruppe der Unteroffiziere gibt es die Unteroffiziere ohne Portepee und die Unteroffiziere mit Portepee.
- In der Laufbahngruppe der Offiziere gibt es die Dienstgradgruppen der Leutnante, Hauptleute, Stabsoffiziere und Generale/Admirale.

Dienstgradübersichten


- Militär:
  - Dienstgrade in der Bundeswehr (Deutschland)
  - Dienstgrade im Bundesheer (Österreich)
  - Dienstgrade in der Schweizer Armee
  - Dienstgrade in der französischen Armee
  - Dienstgrade in der US-Armee
  - Dienstgrade des US Marine Corps
- Militär (historisch):
  - Dienstgrade im Heer des Deutschen Kaiserreichs
  - Dienstgrade der Kaiserlichen Marine
  - Dienstgrade in der NVA (DDR)
  - Dienstgrade in der Wehrmacht
- Polizei:
  - Dienstgrade bei der österreichischen Bundespolizei
  - Dienstgrade bei der Police Nationale
  - Dienstgrade bei den Carabinieri
  - Dienstgrade bei der deutschen Polizei
  - Dienstgrade im Bundesgrenzschutz bzw. in der Bundespolizei (Deutschland)
- Andere Organisationen mit Dienstgraden:
  - Dienstbezeichnungen der deutschen Zollverwaltung
  - Dienstränge der Deutschen Reichsbahn
  - Dienstgrade bei den Feuerwehren

Weblinks


- http://www.grosser-generalstab.de/lexikon/dienstgrad.html
- http://www.soko110.de/ – internationale Dienstgradabzeichen der Polizei
- http://www.uniforminsignia.net/ – World Rank Insignia (englisch) Kategorie:Allgemeine Truppenkunde Kategorie:Beamtenrecht Kategorie:Beruf

Kommando

Der Ausdruck Kommando bezeichnet
- einen Befehl in Maschinensprache
- ein (eingetipptes) Kommando auf einer Kommandozeile
- eine Weisung an eine untergebene Person (v.a. im Militär und in der Schifffahrt)
- die Befehlsgewalt gegenüber Militärpersonen
- eine militärische Einheit oder Gruppe mit Sonderauftrag (siehe Kommando (Militär))
- ein Gesellschaftsspiel, bekannt auch unter den Namen Kommando Pimperle, oder Kommando Bimmele oder Kommando Prickele. siehe auch: Computerspiel Commandos
- die Größe einer militärischen Einheit wie z.B. LwMatKdo (Luftwaffenmaterialkommando) oder LwAusbKdo (Luftwaffenausbildungskommando), angeordnet über der Division Kategorie:Nachricht

Unteroffizier

Unteroffizier bezeichnet in den meisten Armeen eine Laufbahn, eine Dienstgradgruppe aber auch einen Dienstgrad. Auch bei Organisationen, die militärähnlich strukturiert sind, bezeichnet man bestimmte Dienstgrade als Unteroffizier, beispielsweise bei der Feuerwehr.

Laufbahn

Unteroffiziere werden unterteilt in Unteroffiziere im Truppendienst und Unteroffiziere im Fachdienst. Unteroffiziere organisieren den Ablauf einer militärischen Einheit. Sie kom