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| Sonnenkult |
SonnenkultSonnenverehrung oder Sonnenkult beschreibt einen Kult oder eine Religion, dessen zentrales Motiv der Orientierung oder Anbetung die Sonne ist. Dabei repräsentiert das physische Zentralgestirn unseres Planetensystems die oberste Gottheit oder die höchste Kraft der jeweiligen Kosmologie.
Bronzezeit
In Deutschland fanden sich (z.B. in Beckstedt, Landkreis Oldenburg) Steine mit konzentrischen Rillen darauf, die von Archäologen in die Bronzezeit datiert und mit einem Sonnenkult in Verbindung gebracht werden. Vergleichbare Darstellungen gibt es auch in Grossbritannien und Schweden. Der Stein von Beckstedt befindet sich heute im Focke-Museum Bremen.
Altes Ägypten
Die Sonne war lange Zeit im alten Ägypten oberste Gottheit und trug abwechselnd verschieden Bezeichnungen. Zum Teil wurde sie als rechtes Auge des Himmelsherrn angesehen (Sonnenauge) oder als selbständiger Weltkörper.
Es gab die Vorstellung, dass die Sonne eine linsenförmige Scheibe sei. Andere meinten, die Sonne sei eine rote, glühende Scheibe, die in einer Sonnenbarke (ein großes Schiff) den Himmel befahre. Sie spiegelte aber auch den Lebenszyklus eines Ägypters auf die Länge des Tages wider: Die Sonne wurde als Kind am Morgen geboren (Chepre), war am Mittag im besten Mannesalter (Ra) und starb dann am Abend als Greis (Atum).
Diese Vorstellung vom täglichen Leben der Sonne wurde später sogar dahingehend modifiziert, dass sie zu jeder einzelnen Stunde an der sie tagsüber sichtbar war, eine andere Gestalt annehmen könne. Beispielsweise: Vom Kind über den Mann mit Widder- und Falkenkopf bis hin zum Greis in Affen-, Löwen- und dann wieder Widder und Falkenform.
Eine leicht andere Vorstellung war, dass der Sonnengott in einem gewaltigem Sonnenschiff (Sonnenbarke) über den Himmel fuhr, um sich täglich wieder zu erneuern.
Persien
In der vorislamischen persischen Religion spielte die Verehrung der Sonne und des Feuers als Symbol für Ahura Mazda eine wichtige Rolle.
Mayas
Ein Sonnenkult war bei den Mayas Staatsreligion.
Griechenland und Rom
Die Griechen verehrten den Sonnengott Helios als ein göttliches Wesen, das im Osten aus dem Ozean auftauchte, über den Himmel wanderte und abends wieder im Meer versank (Homer, Odyssee 3,1). Um Helios rankten sich zahlreiche Mythen, und der berühmte Koloss von Rhodos soll ihn dargestellt haben, dennoch blieb seine Bedeutung insgesamt eher begrenzt.
Im Rom der Kaiserzeit war der Sonnengott Sol Invictus hingegen höchst populär; im dritten Jahrhundert nach Christus wurde dieser Kult, der henotheistischen Charakter trug, von einer Reihe von Kaisern (vor allem Aurelian) stark gefördert und fast zu einer Staatsreligion erhoben. Damals wurde der Sonntag (dies solis) zum allgemeinen Feiertag erklärt - woran man auch in christlicher Zeit festhielt, um sich vom jüdischen Sabbat abzugrenzen. Auch Konstantin der Große war vor seiner "Konversion" zum Christentum wie sein Vater ein Anhänger des Sonnengottes gewesen. Zahlreiche Elemente dieser Religion wurden von den Christen übernommen - angefangen mit der Licht- und Finsternismetaphorik bis hin zum Weihnachtstermin: Der 25. Dezember war zuvor als Geburtstag des Sonnengottes gefeiert worden.
Auch nach dem Sieg des Christentums hielt sich der Kult des Sol Invictus bis zum Ende der Spätantike. Einer der letzten großen Tempel (im syrischen Baalbek) wurde erst 554 n. Chr. unter Justinian I. zerstört.
Kelten und Germanen
Bei den Kelten waren es die Druiden, die großes astronomisches Wissen besaßen und wahrscheinlich die Sonne genau beobachteten. Die Sonnenwendtage sind die höchsten Feiertage in dieser Mythologie.
Neuzeit
In manchen Bewegungen der Esoterik erlangt auch die Sonne wieder eine große Bedeutung. Hier existieren zahlreiche Versuche, alte Sonnenkulte wiederzubeleben.
Auch sehen manche Esoteriker Jesus als Personifizierung der (geistigen) Sonnenenergie, des sogenannten Sonnenstrahls. Des Weiteren wurden einige Sonnensekten gegründet.
Als übertriebener und unnatürlicher Sonnenkult wird auch die weite Verbreitung und Benutzung von Solarien und Bräunungsstudios in großen Bevölkerungskreisen angesehen. Aber auch Gruppen von Menschen, die bei jeder Gelegenheit versuchen, sich im Freien zu sonnen werden manchmal etwas scherzhaft als so genannte Sonnenanbeter betrachtet.
Weblinks
- [http://www.manfredholl.de/aegypt11.htm private] [http://www.sam-carter.de/sonnenkult.htm Seiten ] über den ägyptischen Sonnenkult
Kategorie:Religion
KultKult von lat.: cultus = Verehrung, Pflege, abgeleitet von lat. colere (im PPP cultum) = anbauen, pflegen. Das Wort hat vor allem im Bereich der Religionen Bedeutung gewonnen (cultus deorum, bezeichnete hier die Götterverehrung). Übertragene Bedeutungen kamen hinzu; siehe eingehender die Artikel:
- Kult (Religion) zu religiösen Kulten,
- Kult (Status) zum Phänomen von Kulturgütern, die unter ihren Liebhabern "Kultstatus" gewinnen,
- Personenkult und Führerkult zur übersteigerten Verehrung von Personen, insbesondere Machthabern,
- Kult (Rollenspiel) zum Rollenspiel selben Namens,
- Kult (Band) polnische Rock-Band u.a. mit Kazik Staszewski
sowie:
- Arbeitskult zur überhöhten Verehrung der Arbeit insbesondere in Werken des sozialistischen Realismus
MotivEin Motiv (lat. motus = Bewegung, Antrieb) bezeichnet
- den Beweggrund für ein Werk oder eine Tat (z.B. Motiv für ein Verbrechen)
- in der Psychologie eine relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft, die durch eine Präferenz einer bestimmten Klasse von Handlungszielen gekennzeichnet ist: Motiv (Psychologie)
- bei Kunstwerken in der Regel das zentrale Thema, genauer: Bildgattung
- in der Musik eine oft kurze Melodielinie, die im Verlauf eines Musikstückes variiert und ausgearbeitet wird: Motiv (Musik) siehe auch: Leitmotiv
- in der Fotografie und Malerei: einen bildprägenden Bildteil, oft zentral dargestellt Motiv (Malerei)
- in der Theorie zur Technik von Fotografie und Filmerei wird das Motiv (Optik) auf das Filmmaterial abgebildet.
- in der Literatur ein Handlungsstrangschema: Motiv (Literatur)
- beim Schach bekannte Verfahren, um Vorteil zu erlangen oder um matt zu setzen
- als Verzierung im Möbelbau, der Architektur, der Metallverarbeitung oder im Kunsthandwerk
- in der Genetik und Proteomik eine Sequenz, die charakterisiert ist durch ein Muster
PlanetensystemEin Planetensystem ist die Ansammlung von massereichen Körpern, die sich – durch die Gravitationskraft gebunden – um mindestens einen Zentralstern bewegen. Die größten dieser Körper werden auch als Planeten bezeichnet (solange in ihrem Inneren keine Kernfusionsprozesse ablaufen). Das bekannteste Planetensystem ist das Sonnensystem, welches historisch bedingt auch einen Spezialfall darstellt.
Siehe auch
- Extrasolare Planeten
- Brauner Zwerg
- Liste der Sterne
- Sternensystem
Kategorie:Planetologie
KosmologieDie Kosmologie (griechisch κοσμολογία – die Lehre der Welt) beschäftigt sich mit dem Ursprung und der Entwicklung des Universums (Kosmos) als Ganzem und ist damit ein Teilgebiet sowohl der Philosophie als auch der Physik.
Die physikalische Kosmologie versucht, das Universum mittels physikalischer Gesetzmäßigkeiten zu beschreiben. Dabei ist besonders die heute beobachtete, ungleichmäßige Verteilung der Galaxien im Universum zu verstehen.
Haufenbildung mit großen Leerräumen (Voids) dazwischen führt dazu, dass man von einem "klumpigen" Universum spricht. Die größte bisher entdeckte Struktur, die Große Mauer, ist ca. 500 Mio. Lichtjahre lang.
Weiterhin muss eine umfassende Kosmologie die Kosmische Hintergrundstrahlung, die Expansion des Universums und die Häufigkeit der Elemente im Universum zusammenfassend beschreiben.
Standardmodell
Das Standardmodell der Kosmologie ist die heute anerkannte kosmologische Theorie, die viele beobachtete Phänomene zufriedenstellend beschreibt. Darin wird von einem unendlich heißen und dichten Frühzustand des Universums (Urknall, englisch Big Bang) ausgegangen. Die folgenden drei Beobachtungen bestätigen dieses Modell:
# Häufigkeit der Elemente: In der primordialen Nukleosynthese (englisch Big Bang Nucleosynthesis) kurz nach dem Urknall (10-2 s) war das Universum so heiß, dass Materie in Quarks und Gluonen aufgelöst war. Durch die Expansion und Abkühlung des Universums entstanden Protonen und Neutronen. Nach ca. 1 Sekunde verschmolzen aus Protonen und Neutronen die Kerne leichter Elemente (Deuterium, 3He, 4He, 7Li). Der Prozess endet nach etwa 3 min. Es wurden also die relativen Häufigkeiten der Elemente vor der Bildung der ersten Sterne festgelegt.
# Kosmische Hintergrundstrahlung (engl. cosmic microwave background radiation CMBR): 1946 von George Gamow postuliert, wurde sie 1964 durch Arno Penzias und Robert Woodrow Wilson entdeckt - mit einer mittleren Temperatur von 2,73 Kelvin. Die Hintergrundstrahlung stammt aus der Zeit ca. 300.000 Jahre nach dem Urknall, als das Universum etwa 1/1000 seiner heutigen Größe hatte. Das ist auch der Zeitpunkt, an dem das Weltall transparent wurde; vorher bestand es aus undurchsichtigem ionisiertem Gas. Messungen durch COBE, BALOON, MAP.
# Expansion des Universums: Edwin Hubble konnte 1929 die Expansion des Weltalls nachweisen, da Galaxien mit wachsender Entfernung eine zunehmende Rotverschiebung in den Spektrallinien zeigen (Dopplereffekt). Proportionalitätsfaktor ist die Hubble-Konstante H, deren Wert bei 71 (+/-4) km/s Mpc-1 angenommen wird (Stand 2004). H ist eigentlich keine Konstante, sondern verändert sich mit der Zeit - invers proportional zum Alter des Universums. Wir stehen auch nicht im Mittelpunkt der Expansion - der Raum selbst dehnt sich überall gleichmäßig aus (isotropes Universum). Durch Zurückrechnen der Expansion kann man das Alter des Universums (Hubble-Zeit) bestimmen: Ist die Hubble-Konstante korrekt, so liegt es bei etwa 13,7 Milliarden Jahren. Auch aufgrund der bisher von der Sonde MAP gewonnenen Daten geht man inzwischen von einem offenen, also beschleunigt expandierenden Universum mit einem Alter von 13,7 Mrd. Jahren aus.
Die einzelnen Phasen der Expansion sind im Artikel Urknall beschrieben. Nach dem Standardmodell der Kosmologie ergibt sich grob folgender Ablauf:
- Planck-Ära; bis 10-43s; alle vier Kräfte noch vereint;
- Inflationäre Phase; endet nach 10-33s bis 10-30s; extreme Expansion um einen Faktor zwischen 1030 und 1050;
- Quark-Ära; bis 10-7s; es bilden sich Quarks, Leptonen und Photonen; das Ungleichgweicht von Materie und Antimaterie entsteht in der Baryogenese
- Hadronen-Ära; bis 10-4s; Protonen, Neutronen und deren Antiteilchen entstehen; außerdem Myonen, Elektronen, Positronen, Neutrinos und Photonen;
- Lepton-Ära; bis 10 s; Myonen zerfallen, Elektronen und Positronen zerstrahlen;
- Primordiale Nukleosynthese; bis 3 min; Wasserstoff, Helium, Lithium entstehen;
- Strahlungs-Ära; ca. 300.000 Jahre;
- Materie-Ära; bis heute; Universum wird durchsichtig, Galaxien entstehen;
Wichtige Instrumente zur Erforschung des Universums werden heute von Satelliten und Raumsonden getragen: Das Hubble-Weltraumteleskop, ROSAT, Hipparcos und MAP.
Nichtstandardmodell
Die Steady-State-Theorie (Gleichgewichtstheorie) wurde 1949 durch Fred Hoyle, Thomas Gold und anderen als Alternative zur Urknall-Theorie entwickelt. Während den 1950er und 1960er Jahren wurde diese Theorie von den meisten Kosmologen als führende Theorie akzeptiert. Die Zahl der Anhänger ging später zurück und heutzutage wird sie als 'Nicht-Standard-Theorie' betrachtet. Eine davon abgeleitete Variante davon ist die 'Quasi-steady-state-Theorie', die von mehreren kleineren 'Urknallen' ausgeht, die während einer bestimmten Zeit eingetreten seien.
Die 'Steady-State-Theorie' wurde aufgrund von Berechnungen postuliert, die zeigten, dass ein statisches Universum unmöglich unter der Annahme der allgemeinen Relativitätstheorie ist. Zudem zeigten Beobachtungen von Edwin Hubble, dass das Universum expandiert. Die Theorie postuliert nun, dass das Universum sein Aussehen nicht ändert, obwohl es größer wird. Damit dies klappt, muss Materie neu gebildet werden, um die durchschnittliche Dichte gleich zu halten. Da die Menge der neu zu bildenden Materie klein ist (nur einige hundert Wasserstoffatome pro Jahr in der Milchstraße), ist es kein Problem, dass die Neubildung von Materie nicht direkt beobachtet werden kann. Obwohl diese Theorie das Postulat verletzt, dass die Menge der Materie konstant bleibt, hatte sie einige attraktive Eigenschaften. Die wohl herausstechendste war, dass es laut dieser Theorie nicht nötig ist, dass das Universum einen Anfang hat.
Schwierigkeiten, diese Theorie weiter aufrechtzuerhalten, begannen in den späteren 60er Jahren. Beobachtungen zeigten, dass sich das Universum in der Tat ändert: Quasare und Radiogalaxien (radio galaxies) wurden nur in weit entfernten Galaxien gefunden.
Halton Arp interpretierte die vorliegenden Daten seit den 1960er Jahren anders und gab an, dass es Quasare auch im nahe liegenden Virgo cluster gäbe.
Der Niedergang der Steady-State-Theorie wurde beschleunigt durch die Entdeckung der kosmischen Hintergrundstrahlung, welche von der Urknall-Theorie vorausgesagt worden war.
Im Jahr 2004 wird die Urknalltheorie von der Mehrheit der Astronomen akzeptiert als beste Annäherung an eine Beschreibung des Ursprungs des Universums. In den meisten Publikationen über Astrophysik wird sie implizit vorausgesetzt. Gleichzeitig jedoch - nach der unerwarteten Beobachtung eines sich beschleunigt ausbreitenden Universums in den späten 1990er Jahren - sind Anstrengungen im Gange, eine 'Quasi-steady-state-Theorie' zu entwickeln. In dieser wird die Materie nicht mit einem großen Urknall, sondern mit einer Folge von mehreren kleineren erschaffen.
Geschichte der Kosmologie
Anfänge und Ptolemäisches Weltbild
Erste Aufzeichnungen von mythischen Kosmologien sind aus China (I Ging, Buch der Wandlungen, das in seinen Ursprüngen möglicherweiseaus bis ins 3. Jahrtausend vor Chr. zurückgeht), aus Babylon (Enuma Elish) und der vorionischen Zeit (Theogonie des Hesiod) bekannt. Die babylonischen Mythen - welche vermutlich auf ältere sumerische Mythen zurückgehen und ihrerseits wieder Vorlage für die biblische Genesis sein dürften - und Himmelsbeobachtungen haben wahrscheinlich auch die spätere griechischen kosmologischen Weltentwürfe beeinflusst und sind damit Ausgangspunkt der abendländischen bzw. der heutigen wissenschaftlichen Kosmologie.
Während die frühen Kosmologien noch weitgehend mythischen Charakter hatten, begann bei den griechschen Denkern Thales von Milet, vor allem aber bei Anaximander (6. Jhd. v. Chr.), der Prozess der Rationalisierung. Waren frühere mythologische Kosmologien rein beschreibend, ohne nach kausalen Zusammenhängen zu suchen, so entwarf Anaximander erstmals ein rationales Weltbild, welches auf gesetzmäßigen kausalen Zusammenhängen basierte, und in dem die Himmelsobjekte keine Götter mehr waren, sondern physikalischer Natur. In die gleiche Richtung gingen die kosmologischen Entwürfe der Atomisten Demokrit, Anaxagoras.
Eine weitere wichtige Entwicklung war das erste historisch überlieferte System, in dem die Erde nicht im Zentrum stand und von kugelförmiger Gestalt war, das von Philolaos, einem Schüler von Pythagoras, im 5./4. Jhd. entworfen wurde.
Im Gegensatz dazu bedeutete die Kosmologie, die Platon (5/4.Jhd.v.Chr.) im Timaios entwarf, wieder einen Schritt zurück zu mythologischen Vorstellungen, indem er die Himmelsobjekte wieder als von personalen, mit Verstand ausgerüsteten göttliche Wesen annahm. Die Erde war in Platons Vorstellung eine Kugel, die seiner Vorstellung nach im Zentrum des Kosmos ruhte. Zwar drängte Platons Schüler Aristoteles in seiner Kosmologie die Auffassung Platons von der göttlichen Natur der Himmelsobjekte wieder zurück, ohne jedoch ganz zu einer rationalen Kosmologie zurückzukehren. Die Planeten und die Sonne selbst waren bei ihm keine göttlichen Wesen, deren Bewegungen wurden jedoch von einem "ersten unbewegten Beweger" hervorgerufen.
Eudoxos von Knidos entwarft Anfang des 4. Jahrhunderts ein Sphärenmodell, das von Kallippos weiterentwickelt wurde und erstmals die retrograden Schleifenbewegungen der Planeten beschreiben konnte und das sowohl Aristoteles als auch das Ptolemaische Weltbild beeinflussten. Messungen von Eratosthenes, der im 3. Jahrhundert v. Chr. den Umfang der Erde mit guter Genauigkeit bestimmte, und auch von Aristyllus und Timocharis zeigten jedoch Abweichungen der Planetenbewegungen von den nach Eudoxos' Methode berechneten Positionen. Apollonios von Perge entwickelte im 3. Jahrhundert v. Chr. eine Methode der Berechnung von Planetenbahnen mithilfe von Epizykeln, d.h. er ließ Kreisbewegungen der Planeten zu, deren Mittelpunkt selbst wieder auf einer Kreisbahn lag.
Neben den Pythagoreern, die ihre Kosmologie mit bewegter Erde weiterentwickelten, vertrat Heraklides (4. Jhd. v. Chr.) ein zwar geozenrisches Weltbild, gemäß dem sich die Erde aber erstmals in 24 Stunden einmal um die Achse drehte. Aristarch von Samos (3/2 Jhd.v.Chr) vertrat ein heliozentrisches Weltmodell, das sich allerdings nicht durchsetzen konnte, und weswegen er der Gottlosigkeit beschuldigt wurde.
Ptolemäus (2. Jhd. n. Chr.) beschrieb im Almagest, einem sehr umfangreichen Werk welches das Wissen seiner Zeit zusammenfasste, eine geozentrische Kosmologie, welche mit den meisten Beobachtungen seiner Zeit in Einklang zu bringen war und bis zur Durchsetzung des Kopernikanischen Weltbildes allgemein anerkannt wurde.
Die Kopernikanische Wende
Bereits im 15. Jahrhundert wurden durch Nikolaus von Kues (1401 - 1464) wichtige Gedanken der späteren Kosmologie vorweggenommen und das Ptolemäische Weltbild in Frage gestellt, indem er die Vorstellung eines begrenzten Universums, in dessen Mittelpunkt sich unbeweglich die Erde befindet, verwarf. Im Gegensatz dazu war das von Kopernikus 1543 in seiner Schrift "De revolutionibus orbium caelestium" beschriebene Universum endlich und durch eine materielle Fixsternsphäre begrenzt. Diese war allerdings nach Kopernikus Vorstellungen sehr gross, um das Fehlen einer Fixsternparallaxen zu erklären. Wichtig an dem kopernikanischen System war der Verlust der Sonderstellung der Erde und die Einführung eines heliozentrischen Weltalls mit kreisförmigen Bahnen der Planeten um die Sonne. Erst Thomas Digges (1576, A Perfit Description of the Caelestiall Orbes) vertrat ein modifiziertes Kopernikanische Weltbild ohne materielle Fixsternsphäre mit unendlichem euklidischen Raum. Auch von Giordano Bruno (1548 - 1600) wurde ein unendliches Universum mit unendlich vielen Sonnen und Planeten postuliert, in dem die beobachteten Fixsterne ferne Sonnen sind. Für diese Lehre wurde er letztlich als Ketzer verurteilt und auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.
Weitere wichtige Gründe für die Abkehr vom Ptolemäischen Weltbild waren die von Tycho Brahe beobachtete Supernova von 1572 und sein Nachweis, dass ein 1577 beobachteter Komet sich außerhalb der Mondbahn befand, womit der Himmel nicht, wie von Aristoteles beschrieben, unveränderlich war. Tycho Brahe steigerte die Präzision der Planetenbeobachtung erheblich. Sein Schüler Kepler erkannte nach dessen Tod bei der Auswertung der Beobachtungsdaten, dass die Planetenbahnen nicht, wie von Kopernikus angenommen, kreisförmig sondern elliptisch sind. Er formuliert die Gesetze für die Planetenbewegung, die heute als die keplerschen Gesetze bezeichnet werden. Kepler versuchte die Planetenbewegung durch eine magnetische Kraft zu erklären. Obwohl nicht erfolgreich wandte er sich damit einem mechanistischem Bild der Planetenbewegung zu, in dem die Planeten nicht mehr wie bei Ptolemäus beseelt waren. Allerdings glaubte Kepler noch an ein endliches Universum und versuchte dies durch Argumente zu zeigen die später als olberssches Paradoxon bekannt wurden. Gestützt wurde das Kopernikanische System auch durch Galileis Entdeckung der Jupitermonde, der Beobachtung der Mondoberfläche und seines Nachweis, dass Fixsterne scheinbar punktförmig sind.
Durch Isaac Newton (1687, Philosophiae naturalis principia mathematica) wurde erstmals in seiner Gravitationstheorie Kosmologie und Mechanik verknüpft. Dadurch brachte Newton eine Physik in die Kosmologie, in der gleiche Gesetze für himmlische (Planetenbewegung) und irdische Bereiche (Schwerkraft) galten. Erst durch die Newtonsche Mechanik wurde das Kopernikanische System gegenüber dem Ptolemäischen System ausgezeichnet, da der gemeinsame Schwerpunkt zwar nicht exakt im Mittelpunkt der Sonne liegt, aber doch innerhalb der Sonne. Ein wichtiger Schritt für diese Entwicklung war die vorausgegange Entwicklung der Mechanik, insbesondere des Trägheitsbegriffes (Galilei, Descartes).
Thomas Wright of Durham hielt die Sonne nicht für Mittelpunkt des Weltalls, sondern als einen Fixstern unter vielen, wies die Annahme einer homogenen Sternverteilung zurück, und identifizierte die Milchstraße als aus Einzelsternen bestehende Scheibe in deren Ebene sich die Sonne befindet. Auch betrachtete er die von Astronomen beobachteten Nebel als andere Galaxien. Kant (1755, Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels) entwickelte nicht nur eine Kosmologie ähnlich der von Thomas Wright, sondern auch eine Kosmogonie, in der eine anfangs chaotisch verteilte Materie sich unter Gravitationswirkung zu den beobachteten Himmelskörpern zusammenballt. Ein ähnliches Entwicklungschema wurde von Laplace entwickelt. Auch der Astronom Herschel versuchte durch Klassifizierung der Sterne und Galaxien ein chronologisches Entwicklungschema abzuleiten.
Die Annahme eines im Wesentlichen homogenen und isotropen Kosmos wurde später zu Ehren Kopernikus "Kopernikanisches Prinzip" genannt.
Anthropisches Prinzip
Theoretisch gäbe es eine Vielzahl möglicher Theorien des Universums. Das anthropische Prinzip sagt aus, dass eine Theorie nicht dazu in Widerspruch stehen darf, dass heute intelligentes menschliches Leben existiert. Sie muss die entsprechenden Entwicklungsbedingungen und Lebensbedingungen gewährleisten, sonst ist sie falsch.
Siehe auch
- Liste bedeutender Kosmologen
- Portal:Astronomie
- Astronomie
- Portal:Physik
- Dunkle Energie
- Dunkle Materie
- Kosmologisches Prinzip
- Struktur des Kosmos
Literatur
- Bernulf Kanitscheider: Kosmologie, Geschichte und Systematik in philosophischer Perspektive. Reclam, 1984
- Wolfgang Stegmüller: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie, Band III Kapitel 1 (Evolution des Kosmos), Kröner 1987
- Alfons Lehmen: Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage, Band II, erster Teil (Kosmologie), fünfte Auflage 1920
- Steven Weinberg: Die ersten drei Minuten. Piper, München 1977
- Albrecht Unsöld, Bodo Baschek: Der neue Kosmos, Springer-Verlag, ISBN 3-540-42177-7
- Erwin Kohaut, Walter Weiss: "Universum und Bewusstsein. Philosophisch-physikalische Gedanken zur Welt", EDITION VA BENE, ISBN 3-85167-147-3
- Gerhard Börner, Matthias Bartelmann: Astronomen entziffern das Buch der Schöpfung. Physik in unserer Zeit 33(3), S. 114 - 120 (2002), ISSN 0031-9252
- Gabriele Veneziano: Die Zeit vor dem Urknall. Spektrum der Wissenschaft, August 2004, S. 30 - 39, ISSN 0170-2971
Weblinks
- [http://www.astro.uni-bonn.de/~peter/cosmo_short.pdf Kurze Einführung in die Kosmologie] (pdf)
- [http://abenteuer-universum.vol4u.de/mbeer.html Kosmologie] (Physik Spezialgebiet)
Kategorie:Kosmologie
Kategorie:Geschichte der Naturwissenschaft
Kategorie:Naturphilosophie
ja:宇宙論
ko:우주론
simple:Cosmology
th:จักรวาลวิทยา
Bronzezeit
Die Bronzezeit ist die Periode in der Geschichte der Menschheit, in der Werkzeuge aus Bronze hergestellt wurden.
Im Allgemeinen geht die Jungsteinzeit bzw. die Kupferzeit der Bronzezeit voran. (Siehe auch Dreiperiodensystem)
Die Bronzezeit wird zur Urgeschichte oder Frühgeschichte gezählt. Insbesondere aus Europa, dem westlichen Asien und Ägypten sind Bronzezeitkulturen bekannt (z. B. Troja).
Geschichte
Vor der Bronze als erste Legierung verwendeten die Menschen der Jungsteinzeit bereits gediegene Metalle wie Gold und Kupfer, die hauptsächlich aus Erzen gewonnen wurden.
Auf die damit verbundenen Metallverarbeitungstechniken konnte bei der Entdeckung der Legierungstechnologie zurückgegriffen werden. Bronze besteht aus 90 % Kupfer und 10 % Zinn und ist weitaus härter als Kupfer selbst, weswegen es rasche Verbreitung fand.
Erstes bearbeitetes reines Kupfer wurde in Anatolien bei Konya sowie in Ägypten gefunden. Kupfererz wurde schon vor 6000 v. Chr. verhüttet. In Europa ist die Verarbeitung von Kupfererz seit etwa 3000 v. Chr. bekannt.
Die Bronzeherstellung ist in Ägypten zuerst nachgewiesen (ca. 3500 v. Chr.). In China begann die Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr., spätestens während der Xia-Dynastie.
Mit der Verwendung der Bronze gingen mehrere Technologien einher: So wurde der Bergbau für Kupfererz und Zinnerze vervollkommnet. Zur Metallgewinnung waren Verhüttungstechniken nötig, da weder Kupfer noch Zinn in größeren Mengen gediegen vorkommen.
Mussten Kupferwerkzeuge nach dem Guss noch durch Schmieden in Form gebracht und gehärtet werden, machte der Bronzeguss die Serienfertigung von nahezu fertigen Werkstücken möglich.
Der Fernhandel entwickelte sich weiter, Schiffbau und Seefahrt mussten betrieben werden, um die Erze von ihren Gewinnungsstätten (insbesondere Zypern (Kupfer) und Britannien (Zinn) zum Festland zu transportieren. Bronzebarren eigneten sich als wertvolles Handelsgut (Zahlungsmittel), nicht dagegen Bronzegegenstände.
Die bronzezeitlichen Kulturen sind landwirtschaftlich geprägt, und leiten gebietsweise die Urbanisierung (Stadtgründungen) ein.
Die ersten staatlichen Gebilde entstanden und führten zu Hochkulturen, meist als Stadtstaaten, teilweise (wie in Ägypten und China) auch als Großreiche.
China
In dieser Zeit wurden in mehreren Kulturen der Handel und mit ihm Schriften entwickelt, beispielsweise in China, Ägypten, Palästina (Phönizien) oder Mesopotamien.
Je nachdem, ob bereits eine Schrift entwickelt wurde und historisch verwertbare Aufzeichnungen angefertigt wurden, fällt der Anfang der Zinn- und Kupferverhüttung sowie der Bronzeherstellung und -bearbeitung regional in die Vorgeschichte (z. B. Mittel- und Nordeuropa), Frühgeschichte, (östlicher Mittelmeerraum, vorderer Orient) oder in die Geschichte (China).
Auch in Südamerika wurde bereits in präkolumbischer Zeit Bronze hergestellt. Die ältesten Funde stammen aus Argentinien. Südamerikanische Kulturen hatten bereits vor Christi Geburt einen Fundus an metallurgischen Techniken entwickelt, so auch die Legierung von Kupfer mit Gold und Zinn.
Abgelöst wurde die Bronzezeit durch die Eisenzeit, in der Bronze zwar weiterhin für Kult- und Alltagsgegenstände verwendet, in der Technik und Waffenherstellung aber vom Eisen verdrängt wurde.
Anhand der Bestattungsformen werden in Mitteleuropa nach der durch einfache Flachgräber dominierten Frühbronzezeit die mittelbronzezeitliche Hügelgräberkultur und ab etwa 1350 v. Chr. die spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur unterschieden.
Aus der Frühzeit der Bronzeverarbeitung lässt sich evtl. die Entstehung des Zwergenmythos erklären.
Mitteleuropa
Die Bronzezeit unterteilt sich im westlichen Teil Mitteleuropas in drei Epochen:
- Frühbronzezeit (ca. 2150-1550 v. Chr.)¹
- Mittelbronzezeit (ca. 1550-1350 v. Chr.)
- Spätbronzezeit (ca. 1350-800 v. Chr.)
¹ In Troja, d. h. dem westlichen Teil Vorderasiens, wird der Beginn der Frühbronzezeit auf Grundlage der 14C-Datierung der Phase Troja I um 2800 v. Chr. angesetzt. Etwa zeitgleich begann mit dem Frühhelladikum die Bronzezeit auf dem griechischen Festland. Auch in Südosteuropa und im Karpatenbecken begann die Frühbronzezeit z. T. bereits um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.
Siehe auch:
- Portal:Vor- und Frühgeschichte
Literatur
- Anthony F. Harding, European Societies in the Bronze Age (Cambridge 2000).
- Albrecht Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.), Bronzezeit in Deutschland (Hamburg 1994).
- Hermann Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte, Bd. 4: Bronzezeit (München 1980).
- Ernst Probst, Deutschland in der Bronzezeit (München 1996).
Weblinks
- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/156/index.php Weblinks zur Bronzezeit] bei http://www.archaeologie-online.de
- [http://www.geocities.com/Athens/Crete/4162/bronze_d.htm Bronze- und Urnenfelderzeit in Europa]. Kommentierter Index zur Bronzezeit und Urnenfelderzeit, geographisch gegliedert.
- [http://www.kulturenderbronzezeit.de.vu Kulturen der Bronzezeit].
- [http://www.bronzezeit-pioniere.de.vu Pioniere der Bronzezeitforschung].
- [http://www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/pbfmain.htm Prähistorische Bronzefunde]. Wissenschaftliches Editionsunternehmen zu den prähistorischen Bronzefunden der Alten Welt.
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua]. In diesem Diskussionsforum werden in erster Linie Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike behandelt, wobei natürlich auch die Bronzezeit eine Rolle spielt.
-
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Bronzezeit.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Kurzer Überblick über die Bronzezeit in Oberfranken].
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Goldkegel.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Goldene Hüte und Zeremonialgewänder].
Kategorie:Zeitalter
!Bronzezeit
ja:青銅器時代
ko:청동기 시대
simple:Bronze Age
Ägyptische MythologieDie Ägyptische Mythologie beschäftigt sich mit der religiösen Vorstellung der Bevölkerung im alten Ägypten.
Einführung
Durch die Austrocknung der nordafrikanischen Wüsten wurden die Jäger-und Sammlerkulturen in Ägypten als Ackerbau treibende Bauern sesshaft. Ihre wüsten-nomadische Totem-Religion traf auf die einheimische Bauernreligion und vermischte sich mit dieser.
Wie in vielen alten Kulturen existierte auch im prädynastischen Ägypten in fast jedem Dorf der Glaube an einen oder mehrere unterschiedliche Götter. Doch durch den Zusammenschluss zu kleineren Teilreichen wurde auch die jeweilige Religionskultur in die umliegenden Dörfer und Gegenden weitergetragen und bildete so ein zusammenhängendes Konglomerat aus den verschiedensten religiösen Ansichten. Daraus entstand im Laufe der Zeit die heute bekannte Ägyptische Mythologie mit ihrer Göttervielfalt. Maßgebend für die altägyptische Religion ist natürlich der das Leben bestimmende Nil. Ob im Niloberland oder im Nildelta, alles Leben hing von der jährlichen Nilschwemme ab, die den fruchtbaren Nährboden für erfolgreiche Ernten in die Ebene spülte. Diese Nilschwemme ließ sich über die Stellung der Gestirne am Himmel relativ genau vorhersagen, so dass die Ägypter sich schon früh mit den Grundlagen der Astronomie beschäftigten, was dann auch Einfluss auf ihre Religion nahm.
Siehe auch: Liste ägyptischer Götter
Schöpfungsmythen
In der ägyptischen Mythologie existiert kein einheitlicher Schöpfungsmythos. Die wichtigen ägyptischen Kultzentren Heliopolis, Hermopolis und Memphis entwickelten unterschiedliche Kosmogonien und Theogonien.
Die Priester der Stadt Heliopolis, das Hauptzentrum des Sonnenkultes, richteten die Schöpfungsgeschichte ganz auf den Sonnengott Atum als Vater der Götter aus. Er und acht seiner Nachkommen bildeten die Enneade von Heliopolis, (griech. Neunheit). Im Moment der Schöpfung soll Atum, der Selbstentstandene, aus der Urflut geboren worden sein. Durch seine Schöpfungskraft erhob sich aus dem Urgewässer ein Hügel (Benben), so dass Atum das erste Land betreten konnte. Daraufhin sei er zur Quelle aller weiteren Schöpfungen geworden. Er brachte aus seinen Körperflüssigkeiten seine zwei Kinder Schu, den Gott der Luft, und Tefnut, die Göttin der Feuchtigkeit, hervor. Dieses Paar wiederum gebar eigene Kinder, Geb, den Gott der Erde, und Nut, die Göttin des Himmels. Diese ersten drei Generationen stellen in der Enneade die Grundelemente der Schöpfung dar. Geb und Nut zeugten die Urenkel des Atum, die Gottheiten Osiris und Isis und das Paar Seth und Nephtys, die im Schöpfungsmythos das fruchtbare Nilschwemmland und die umgebende Wüste repräsentieren.
Im Gegensatz dazu steht der ältere Schöpfungsmythos der Stadt Hermopolis. Dieser sieht als Ursprung der Schöpfung acht Urgötter, die Ogdoade von Hermopolis (griech. Achtheit). Diese Achtheit besteht aus vier Paaren von je einer männlichen und einer weiblichen Gottheit, die jeweils ein Element der Schöpfung symbolisierten. Nun und Naunet stellten das Urgewässer dar, Huh und Hauhet die Endlosigkeit des Raums, Kuk und Kauket die Urfinsternis. Das vierte Paar wurde mehrfach ausgetauscht, bestand aber ab dem Neuen Reich in Amun und Amaunet, die die Unsichtbarkeit und die Luft symbolisierten. Diese Gottheiten waren nach dem hermopolitanischen Schöpfungsmythos die Mütter und Väter des Sonnengottes. Dieser habe das Licht in die Welt und damit den Beginn aller weiteren Schöpfungen gebracht.
Eine weitere Schöpfungsgeschichte hatte ihren Ursprung in der Stadt Memphis. Die Memphitische Theologie stellte den Stadtgott Ptah, den Gott der Handwerker und Baumeister, ist Zentrum des Schöpfungsmythos. Sie verweist auf den heliopolitanischen Mythos, wandelt ihn jedoch dahingehend ab, dass der Gott Ptah dem Sonnengott vorausgehe und diesen durch seine Zunge und sein Herz geschaffen habe. Die Memphitische Theologie ist die früheste bekannteste Theologie, die auf dem Prinzip des Logos beruht, der Schöpfung durch das Wort und die Rede.
Literatur
- Bilolo, Mubabinge, Les cosmo-théologies philosophiques d'Héliopolis et d'Hermopolis. Essai de thématisation et de systématisation, (Academy of African Thought, Sect. I, vol. 2), Kinshasa-Munich 1987; new ed., Munich-Paris, 2004.
- Bilolo, Mubabinge, "Les cosmo-théologies philosophiques de l’Égypte Antique. Problématique, prémisses herméneutiques et problèmes majeurs, (Academy of African Thought, Sect. I, vol. 1)", Kinshasa-Munich 1986; new ed., Munich-Paris, 2003.
- Bilolo, Mubabinge, "Métaphysique Pharaonique IIIème millénaire av. J.-C. (Academy of African Thought & C.A. Diop-Center for Egyptological Studies-INADEP, Sect. I, vol. 4)", Kinshasa-Munich 1995 ; new ed., Munich-Paris, 2003.
Osiris Ermordung
Die vierte Generation der heliopolitanischen Neunheit war zugleich der Ursprung einer weiteren prägenden Legende in der ägyptischen Mythologie.
Seth der seinen Bruder Osiris hasste, ersann eine List um ihn zu töten. Er besorgte sich die Körpermaße seines Bruders und lud ihn zu einem Fest ein, bei dem er eine wunderschöne Kiste präsentierte, die er demjenigen zum Geschenk machen würde, der sich genau hineinlegen könnte. Alle Gäste probierten es aus, doch nur Osiris passte hinein. Als der nun in der Kiste lag verschloss Seth diese sofort und umgab sie mit einer Bleischicht, damit sein Bruder nicht entkommen konnte. Dann versenkte er die Kiste im Nil.
Osiris Frau Isis, die gerade schwanger war konnte aber zu der Zeit nicht gegen Seth kämpfen, so dass dieser die Macht über die ganze Welt an sich riss. Isis brachte ihren Sohn Horus geheim zur Welt und ließ ihn in einem Körbchen den Nil hinab treiben (siehe auch: Moses), da sie Angst hatte, das Seth auch ihn ermorden würde. So wuchs Horus bei Menschen auf, die ihn am Nilufer fanden.
Währenddessen suchte Isis ihren Mann Osiris. Kinder berichteten ihr von der Tat des Seth. Bis nach Byblos konnte Isis die Spur der Kiste verfolgen, wo diese in einen Baumstamm eingeschlossen worden war, den der König Melkart in seinen Palast als Pfeiler integriert hatte. Isis verdingte sich am Hofe des Königs als Dienerin und gewann so das Vertrauen der Königin. Nachdem sie sich ihr offenbarte, überredete die Königin ihren Mann die Kiste freizugeben. So konnte Isis den Leib von Osiris wieder nach Ägypten bringen und ihn dort durch mächtige Zaubersprüche wieder ins Leben zurückholen.
Seth blieb die Wiedererweckung des Osiris nicht verborgen. Mit seiner ganzen Macht, die ihm nun innewohnte tötete er Osiris erneut und verteilte den Leichnam über das ganze Land. Isis im erneuten Versuch ihren Mann zu retten, sammelte alle Teile ein um ihn wieder erwecken zu können. Sie musste allerdings feststellen, dass ein Krokodil den Phallus ihres Gatten gefressen hatte und sie nicht im Besitz aller Teile war. Der Versuch den fehlenden Phallus durch eine Holzkopie zu ersetzen schlug fehl.
So wurde Osiris nicht wiedererweckt und avancierte zum Herrscher über das Totenreich. Seth aber konnte seine Herrschaft über Ägypten und die Welt weiter ausbauen.
Der Krieg der Götter
Horus, der bei den Menschen aufgewachsen war, erfuhr nun von seiner göttlichen Herkunft und wer seine Eltern waren. So sann er auf Rache gegen Seth und begann einen grausamen Feldzug gegen ihn. Zu Beginn dieses Kampfes hatte er noch zahlreiche Verbündete, wie beispielsweise Nephthys, die ehemalige Gemahlin des Seth, Thot und Anubis, sowie natürlich seine Mutter Isis. Als Isis jedoch Kriegsgefangene ihres Sohnes befreite, reagierte dieser so bösartig, dass er ihr den Kopf abschlug. Thot konnte durch seine heilenden Kräfte zum Glück deren Tod verhindern, aber nun wandten sich alle übrigen Götter von Horus ab.
Die leidtragenden im großen Götterkrieg waren die Menschen, denn sie bildeten die Truppen, die Horus und Seth gegeneinander schickten. Horus griff Nubien an, das Land in dem Seth herrschte und konnte mit seinen besonders ausgerüsteten Kriegern, den Mesinu, fast das komplette Heer des Seth besiegen. Als Seth dies sah griff er selbst in den Kampf ein. Doch das Duell mit Horus endete in einem Unentschieden. Nubien fiel aber trotz alledem in den Herrschaftsbereich des Horus.
Die Reichsteilung
Re, der die Verwüstung der Welt kommen sah, da keiner der beiden bereit war die Kriegshandlungen einzustellen, rief alle anderen Götter auf zu beraten, wer von den beiden denn nun der Pharao über die Welt sein sollte.
Doch die Götter konnten sich nicht einig werden. Also riefen sie Neith, die Göttin der Weisheit an, eine Entscheidung zu treffen. Neith entschied sich für Horus, aber Seth wollte sich damit nicht zufrieden geben und entfachte den Krieg aufs neue.
Schlussendlich sollte Osiris, der Regent der Unterwelt, entscheiden. Osiris verlangte darauf hin von allen Göttern die Entscheidung der Neith zu akzeptieren.
Damit wurde die Welt geteilt. Horus herrschte ab sofort über das schwarze Land Ägypten und Seth bekam als neues Reich das rote Land, bestehend aus der lebensfeindlichen Wüste zugeteilt.
Siehe auch: Reichseinigung
Der Aton-Kult
Aton, die Sonnenscheibe oder auch die Sonne selbst, stand im Mittelpunkt der Religion des Amenophis IV. (Echnaton). Unter seiner Regentschaft wurde mit der Verehrung eines einzelnen Gottes der Monotheismus eingeführt. Schon unter Amenophis I. wurde der Gott Aton als Gott neben vielen anderen verehrt. Doch war Amun zu dieser Zeit der Hauptgott des Neuen Reichs der unter Echnaton von Aton als Alleinherrscher abgelöst wurde. Aton war der Lebensspender, der an jedem Tag in seiner Barke den Himmel überquerte.
Nach Echnatons Zeit wurden von seinen Nachfolgern die alten Rangfolgen der Ägyptischen Mythologie wieder hergestellt, so dass Amun wieder an die Spitze der Gottheiten trat.
Siehe auch
Totengericht, Liste ägyptischer Götter, Altes Ägypten, Geschichte des Alten Ägyptens, Ägyptisches Totenbuch
Weblinks
Ausführliche Infos über die Ägyptische Mythologie auf Deutsch
- [http://www.aegyptische-mythologie.de/ Ägyptische Mythologie]
- [http://www.enctype.de/mythologien/aegyptisch/aegypteingang.htm Mythen Ägyptens]
- [http://www.meritneith.de/myths_helio_hermu_mem_the.htm Die Enneade von Heliopolis]
- [http://www.mythologische-tafeln.de/heliopolis.htm Mythologische Tafel Heliopolis]
- [http://www.meritneith.de/atonkult.htm#Die%20Entwicklung%20der%20Sonnentheologie Der Aton-Kult unter Echnaton]
!
Mythologie
ja:エジプト神話
ko:이집트 신화
BarkeUnter dem Begriff Barke versteht man generell ein mastloses Boot.
Als Barke wird im Mittelmeerraum ein seegängiges, mastloses Boot bezeichnet. In der Binnenschifffahrt bezeichnet Barke einen mastlosen Kahn. Im übertragenen Sinn wird das Wort weiterhin für alle kleineren Wasserfahrzeuge benutzt.
Unterscheide: Bark (Schiff)
Kategorie:Bootstyp
ChepreChepre (altägyptisch Cheper) ist eine altägyptische, meist als Skarabäus dargestellte Gottheit die, den den Sonnenaufgang und die Morgensonne symbolisiert.
Seltener wird er auch als Mensch mit einem Skarabäus als Kopf dargestellt.
xpr:r-i-A40
Sein Name bedeutet 'der (von selbst) entstand', so wie die Ägypter auch glaubten, dass die Sonne jeden Morgen wieder von selbst aus der Erde entstand. Die Verbindung zum Skarabäus besteht darin, dass dieser seine Eier in eine Mistkugel legt und es scheint, dass seine Jungen wie der Urgott selbst ohne Zeugungsakt entstehen. Die Mistkugel schiebt der Käfer wie einen Ball vor sich her, so wie auf Darstellungen der Skarabäus die Sonnenscheibe am Morgen über den Horizont schiebt.
Chepre wird auch mit Auferstehungssymbolik verbunden. Außerdem ist Chepre nur eine der drei Gestalten des Re. Harachte verkörpert die Mittagssonne und Atum die Abendsonne.
siehe auch: Liste ägyptischer Götter
Kategorie:Ägyptische Gottheit
ja:ケプリ
RaïDer Raï (راي) ist eine algerische Volks- und Populärmusik, entstanden in der Hafenstadt Oran. Der Ursprung der Bezeichnung ist umstritten, sie wird sowohl vom arabischen Wort "ra'y" (dt. Meinung) abgeleitet wie auch von dem Ausruf "Ya ray!", der bereits im Vorläufer des Raï als Füllsel zur Überbrückung zwischen Textabschnitten diente, ähnlich dem "Yeah!" in der angloamerikanischen Pop- und Rockmusik. Aufgrund des Ursprungs des Raï in volksmusikalischen Traditionen gilt letztere Erklärung mittlerweile als wahrscheinlicher.
Geschichte
Erst mit dem Phänomen des Pop-Raï ab dem Anfang der 1980er Jahre geriet der Raï ins Blickfeld der Musikwissenschaft und eine Geschichtsschreibung begann. Bis heute sind viele Details seiner Entstehung unbekannt und werden es vermutlich wohl auch für immer bleiben, da insbesondere zu seiner Frühgeschichte weder Tondokumente noch Aussagen von Zeitzeugen existieren. Ähnlich wie beim Blues verlieren sich die Ursprünge des Raï am Ende des 19. Jahrhunderts.
? - 1920
Hervorgegangen ist der Raï aus einer einfachen und kunstlosen Hirtenmusik aus dem Umland Orans, geprägt von schlichten improvisierten Texten und einfacher Flötenbegleitung. Während der Landflucht der Jahrhundertwende zogen viele der Hirten in die Stadt und brachten ihre Musik mit nach Oran, dort adaptierte diese Züge der tradierten städtischen Volks- und Kunstmusiken.
1920-1960
Diese neue Musik wurde von den Medahates, reinen Frauenorchestern, adaptiert und weiterentwickelt. Die Medahates spielten meist bei Feierlichkeiten wie Hochzeiten oder Beschneidungen auf, aber auch in Bordellen und Bars. Durch die Bandbreite dieser Erfahrungen und die extrem liberale Atmosphäre Orans dieser Zeit begünstigt, formulierten die Vorsängerinnen der Orchester, die Cheikhates (cheikh=alt, weise, erfahren), in ihren Texten zunehmend in realistischer und kritischer Form die Lebensbedingungen von Frauen der Unterschicht im Oran der 1920er Jahre, sangen Lieder über Liebe, Eifersucht, Sexualität, Armut und Trunksucht. Mit diesen Inhalten befand sich der Raï deutlich in Konflikt mit der prüden algerischen Gesellschaft, die den Raï vielfach für "ein Genre, das den Verfall der Sitten und den Niedergang des Anstands im algerischen Volke widerspiegelt" hielt.
Die berühmteste dieser Sängerinnen war Cheikha Rimitti (der Name stammt vom französischen "Remettez", zu Deutsch "Schenk ein!"), sie machte 1952 ihre erste Schallplattenaufnahme (für die französische Plattenfirma Pathé) und ist bis heute aktiv. Ihre Musik illustriert auch den inhaltlichen Wandel vom orchestralen Medahates-Raï zum individuelleren Cheikha-Stil, formal allerdings blieb der Raï unverändert, die Vorsängerin wurde nach wie vor von einem Gesangsensemble begleitet, sowie der Gasba (eine Rosenholzflöte) und der Gallal (einer Rahmentrommel).
1960-1979
Diese Gestalt des Raï als eine raue und wilde urbane Volksmusik erhielt sich lang hinaus über den algerischen Unabhängigkeitskrieg der 1950er und 1960er Jahre. 1968, mit den ersten Aufnahmen des Trompeters Bellemou Messaoud, dem "Pere du Raï" (Vater des Raï), erfährt der Raï eine bedeutende Veränderung, die klassische Instrumentation wird durch westliche Instrumente wie E-Gitarre, Saxophon, Geige und Akkordeon ergänzt, Elemente von Flamenco, Jazz und der Rockmusik werden eingearbeitet und die Stücke werden kunstvoller und virtuoser, auf Gesang wird, zugunsten der Solotrompete, teils ganz verzichtet. Der "Raï Pop" Messaouds stellte einen revolutionären Wendepunkt in der Geschichte des Raï dar, nur dem Wandel von der Hirtenfolklore zur städtischen Orchestermusik in den 1920er Jahren vergleichbar. Nicht nur, was Instrumentation, Struktur und Interpretation der Musik angeht, auch soziologisch war Messaouds Stil revolutionär: Durch den weitgehenden Verzicht auf Gesang und Text entfiel die gesellschaftliche Stigmatisierung des Raï, die sich auch nach der Unabhängigkeit erhielt und die technisch und kompositorisch anspruchsvollere Präsentation erschloss dem Raï ein neues Publikum. Die vielleicht wichtigste Veränderung aber war wohl, dass zum ersten Mal ein männlicher Interpret in die bisher reine Frauendomäne des Raï vorstieß, Bemerkenswertes darin leistete und so die geschlechtliche Bindung der Musik aufbrach (was in der Rezeption bis heute allerdings auch zur Folge hat, dass der äußerst gewichtige Beitrag der Frauen zu dieser Musik nur selten angemessen gewürdigt wird). 1975 zog sich Messaoud aus der Musik wieder zurück. Ein weiterer bedeutender Interpret dieser Zeit ist Bouteldja Belkacem.
1979-1989
1979 erschien ein Stück namens "Ana Ma H'Lali Ennoum", zu deutsch "Ich kann nicht schlafen", das erste Raï-Stück, in dem ein Synthesizer zu hören ist, von einer Sängerin namens Chaba Fadela und wurde schlagartig ein riesiger Erfolg. Schon der Name der Sängerin war ein Aufbegehren, Chaba bedeutete nämlich "Die Junge" in Opposition zum Cheikh und Cheikha der Altvorderen.
Mit seiner aufgeheizten Nervosität und dem eindringlichen, schrillen Ton traf das Stück die algerische Jugend bis ins Mark.
70% der algerischen Bevölkerung waren zu dieser Zeit unter 25 und sie litten unter hoher Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot. Die zutiefst verknöcherte algerische Gesellschaft hatte die Unruhe ihrer Jugend lange verdrängt, in diesem Stück fand ihre Wut und Frustration Ausdruck. Der "Raï moderne" verbreitete sich schlagartig, als Studiomusik erstmals solide produziert und musikalisch erneuert mit dem massiven Einsatz von Synthesizern und Drumcomputern vor allem durch den bedeutenden Produzenten Rachid Baba Ali Ahmed. Innerhalb kürzester Zeit tauchten neue Interpreten auf wie Cheb Hamid, Cheb Khaled (dessen Stück "Aisha" 2003 als Cover-Version ein internationaler Hit wurde), Chaba Zahouania, Cheb Sahraoui (der spätere Ehemann von Chaba Fadela) und viele weitere.
Die Regierung, die das Unruhepotential der Jugend zu fürchten begann, verbot den Raï in Radio und Fernsehen, aber die kleinen, schnellen und hochflexiblen Kassettenmärkte schufen eine Gegenöffentlichkeit, gegen die die Regierung machtlos war. Die Aufhebung des Banns wurde erst 1985 mit einem großen, im Fernsehen übertragenen Festival vollzogen, nicht zuletzt weil das Phänomen Raï mittlerweile auch internationale Beachtung gefunden hatte. Besonders erfolgreiche Karrieren begannen Cheb Khaled (der später das Cheb fallen ließ und heute als Khaled firmiert) und Cheb Mami.
1989-heute
So gut sollte die Situation für die Musiker aber nicht lange bleiben. Ab dem Ende der 1980er Jahre hatte die "Islamische Heilsfront" (FIS) die Unzufriedenen gesammelt und bei den Wahlen 1992 kam es zu einem Erdrutsch-Sieg der FIS. Um eine islamistische Regierung zu verhindern, putschte das Militär und es entspann sich ein jahrelanger Bürgerkrieg, der weit über 100.000 Menschenleben kostete. Im Visier der Islamisten waren auch die Raï-Musiker, viele gingen bereits ab 1990 ins Exil nach Frankreich, da der islamistische Druck zu stark war. Der Sänger Cheb Hasni, wichtigster Repräsentant des "Raï Love"-Stils (geschmeidige Arrangements mit Liebeslyrik) und beharrlich den Gang in das Exil verweigernd, wurde am 11. September 1994 auf offener Straße als "Feind Gottes", der "das Übel auf der Erde verbreitet habe" durch Attentäter der GIA erschossen, ebenso im Februar 1995 der legendäre Produzent Rachid Baba Ahmed (der Phil Spector des Raï) und im September 1996 Cheb Aziz.
Dem algerischen Schriftsteller Aziz Chouaki zufolge "veränderte die Ermordung Cheb Hasnis die Texte, verwandelte die Raï-Szene in eine Protestbewegung". Wo die Inhalte des Raï bisher nur Sex, Alkohol und Rastlosigkeit waren, entstand plötzlich ein politisches Bewusstsein.
Cheb Mami konnte erst 1999 nach 10 Jahren wieder in Algerien ein Konzert geben, 2000 folgte Cheb Khaled, der 14 Jahre lang nicht mehr in Algerien war. Ein Teil der jüngsten Generation des Raï arbeitet heute in Paris oder Marseille, wo er unter den so genannten Beurs schon seit den frühen achtziger Jahren ein interessiertes Publikum gefunden hatte. Die Notwendigkeit des Exils bot vielen Musikern gleichzeitig die Möglichkeit, in engem Anschluss an internationale Musik zu arbeiten und ihre Einflüsse aufzunehmen. Hybridformen mit Techno, House und Drum'n'Bass und Hip Hop sind entstanden, einer der wichtigsten dieser "Crossover"-Interpreten ist Rachid Taha.
Trotz der repressiven Bedingungen der 90er Jahre blieben die Raïmusiker auch in Algerien weiterhin aktiv und sind nicht verstummt, wenn auch in den Medien der westlichen Welt wenig über sie zu hören ist.
Bedeutende Interpreten
- Cheb Aziz
- Rachid Baba Ali Ahmed
- Bouteldja Belkacem
- Cheikha Djenia Lkbira
- Chaba Fadela
- Faudel
- Cheb Hamid
- Cheb Hasni
- Cheb Hindi
- Cheb Kader
- Cheb Khaled
- Cheb Mami
- Bellemou Messaoud
- Cheb Nasro
- Raïna Raï
- Cheikha Rimitti
- Cheb Sahraoui
- Rachid Taha
- Cheb Tahar
- Chaba Zahouania
Literatur
- Jean Trouillet: Rai! Beim Barte des Propheten., in: Jean Trouillet / Werner Pieper (Hrsg.), WeltBeat, Löhrbach, 1989, ISBN 3925817328 [http://www.gruenekraft.com/permalink:gz132.html]
- Marc Schade-Poulsen: Men and Popular Music in Algeria: The Social Significance of Rai (Modern Middle East Series). University of Texas, 1999, ISBN 029277740X
- Frank Tenaille: Die Musik des Rai. 2003, ISBN 3930378493
- Andy Morgan: The Rough Guide to Rai. 2002
Weblinks
- [http://www.world-of-rai.de/ Deutsche Rai-Site]
Kategorie:Musikgenre
Kategorie:Raï
Kategorie:Kultur (Algerien)
WidderDas Wort Widder bezeichnet
- ein männliches, mittelgroßes Säugetier mit dickem, wolligem Fell, siehe Schaf.
- in der Astronomie ein Sternbild: Widder (Sternbild).
- in der Astrologie eines der 12 Tierkreiszeichen (auch Sternzeichen).
- eine Kaninchengattung, siehe Widderkaninchen.
- ein antike Waffe, siehe Widder (Waffe).
- eine Sonderform einer Pumpe, siehe Hydraulischer Widder.
- eine Inkarnation des ägyptischen Gottes Amun.
- ein von 1930 bis 1955 existierendes Schiff (Hilfskreuzer), siehe Widder (Hilfskreuzer).
- eine spezielle Bauernstellung im Schach
Falken
Die Falken (Gattung Falco) sind Greifvögel aus der Familie der Falkenartigen (Falconidae).
Merkmale der Falken
Die Falken sind eher kleine bis mittelgroße Greifvögel (Raubvögel), welche wegen ihres langen Schwanzes und der spitzen Flügel zu den schnellsten Greifvögeln gehören. Sie jagen überwiegend fliegend nach Beute und sind somit Luftjäger. In ihrem Erscheinungsbild stellen Falken eine verhältnismäßig einheitliche Gruppe dar. Zu ihren Merkmalen zählt auch der hakig nach unten gebogene Oberschnabel. An diesem tragen alle Falken den sogenannten Falkenzahn, der von einer beiderseits im vorderen Teil des Oberschnabels vorhandene Zacke gebildet wird. Diese Ausformung unterstützt den Biß in den Nacken beziehungsweise in den Hinterschädel des Beutetiers, durch den dieses getötet wird.
Die Iris der großen Augen ist stets dunkelbraun. Die Umgebung des Auges ist gewöhnlich unbefiedert und meist von gleicher Farbe wie die weiche Wachshaut über dem Oberschnabel.
Wie für Greifvögel üblich, ist die Befiederung des muskulösen Unterschenkels zu sogenannten Hosen verlängert. Eine schwache Befiederung zieht sich über das Fersengelenk hinweg. Äußerlich nicht sichtbar ist dagegen der Oberschenkel, der eng am Körper anliegt.
Falkenzahn]
Falken haben stets 15 Halswirbel. Ein Turmfalke beispielsweise, der von einer Warte aus nach Beute ausspäht, kann seine Halswirbelsäule um 180° drehen. Sein Blickfeld beträgt damit etwa 220°, ohne dass er den Körper bewegen muss. Typisch sind auch die für Greifvögel typischen großen Augäpfel, die in der Lage sind, kleine und bewegliche Objekte auch über größere Entfernungen zu fixieren. Die Ohren der Falken liegen unterhalb und hinter dem Auge. Sie sind durch lange schmale Konturfedern verdeckt.
Verbreitung
Die Gattung ist fast weltweit verbreitet und umfasst 38 Arten. In Mitteleuropa kommen mit Turmfalke, Rotfußfalke, Merlin, Baumfalke und Wanderfalke 5 Falkenarten vor. Der Rötelfalke brütet bis vor wenigen Jahren noch in der Steiermarik, kann aber mittlerweile nicht mehr als mitteleuropäischer Brutvogel betrachtet werden.
Lebenserwartung
Falken werden in freier Wildbahn zwischen 15 und 18 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 50 Jahre alt.
Fortpflanzung
Sie bauen keine Nester sondern brüten an Felswänden, Gebäuden oder ziehen ihre Jungen in alten Nistplätzen anderer Arten groß. Damit unterscheiden sie sich von anderen Greifvögeln.
Nahrungserwerb
Typisch für alle Falken ist, dass sie in der Luft in 40 Metern Höhe "rütteln", also auf einer Stelle flattern, und sich dann blitzschnell mit angelegten Schwingen auf die erspähte Beute herabstürzen. Dabei können sie Geschwindigkeiten von mehreren hundert km/h erreichen. Die höchste Geschwindikeit erreicht hierbei der Wanderfalke, der sich im Sturzflug (45° Fallwinkel) mit 350 km/h auf seine Beute stürzt.
rüttelnn (F. cherrug)]]
Zur bevorzugten Beute von Falken gehören Mäuse, Ratten, Maulwürfe, Hasen und Vögel. Der Falkenzahn, jener zahnartiger Vorsprung an der Kante des Oberschnabels spielt eine wichtige Rolle beim Töten der Beute. Die Füße dienen anders als bei Habichten, Adlern und Weihen nur dem Fangen und Halten der Beute. Man bezeichnet Falken daher auch als Griffhalter im Gegensatz zu diesen Arten, die man Grifftöter nennt. Bei Wanderfalken kann nach einem Sturzflug Vögel jedoch so hart mit Füßen und Krallen getroffen werden, dass sie bereits durch die Wucht des Zustoßes verenden.
Zu den Besonderheiten der Falken gehört außerdem, dass sie regelmäßig kleine Steine fressen. Vermutlich fördern diese Steinchen durch eine verstärkte Reibung die Verdauung. Sie werden am nächsten Tag ähnlich wie ein Gewölle wieder ausgespieen. Falken suchen gezielt nach diesen Steinen und nutzen, wo es möglich ist, Bachufer für deren Suche. Bei der Größe der verschluckten Steine lässt sich eine Abhängigkeit vom Körpergewicht der Falken feststellen. Während Falken, die ein Körpergewicht von etwa 1.000 Gramm erreichen, Steine mit einem Durchmesser von 12 bis 16 Millimeter verschlucken, präferieren kleineren Falkenarten, die durchschnittlich ein Körpergewicht von 250 Gramm haben, Steine mit einem Durchmesser von vier bis acht Millimeter.
Falken und Menschen
Mythologie
Bei vielen Völkern spielt der Falke eine wichtige Rolle in der Mythologie. In der Ägyptische Mythologie hat der Sonnengott Horus, der die finsteren Mächte besiegt, den Kopf eines Falken. Bei den Kelten zählte der Falke als Übermittler zwischen dieser und der Anderswelt. Auch in der slawischen Mythologie ist der Falke (Sokol) eine Gestalt der Sonne und des Lichtes. Er ist bekannt für seinen großen Mut, seine scharfen Augen und kann in kürzester Zeit große Distanzen durchmessen. Deshalb ist er insbesondere der Vogel der Krieger. Die Helden der russischen Märchen verwandeln sich gerne in Falken, um schwierige Aufgaben zu bewältigen. Berühmtestes Beispiel ist der Märchenheld Finist-Strahlender Falke. Die heldenhaften Eigenschaften waren wohl auch der Grund, warum die tschechisch-nationale Turnervereinigung Sokol so heißt.
Die Beizjagd
Falken werden seit alters her für die Beizjagd eingesetzt. Nach wie vor geschätzt wird für diese Jagdform der Gerfalke, der zu den größten Falken zählt. In Nordamerika ist es besonders der Präriefalke, der häufig zum Einsatz kommt, da er als besonders aggressiver Jäger gilt.
Die Beizjagd trägt jedoch auch wesentlich zur Bestandsgefährdung der Falkenarten bei, da viele der für diese Jagd genützten Vögel aus der freien Natur entnommen werden. Insbesondere in arabischen Ländern ist der Besitz ausgefallener Falken nach wie vor ein Statussymbol. Falken erzielen in diesen Ländern sehr hohe Preise. In anderen Ländern ist dagegen die Beizjagd streng reguliert.
Arten
Präriefalke]
Präriefalke]
- Falken (Falco)
- Afrika-Baumfalke (F. cuvierii)
- Amurfalke (F. amurensis)
- Aplomadofalke (F. femoralis)
- Australien-Baumfalke (F. longipennis)
- Baumfalke (F. subbuteo)
- Bindenfalke (F. zoniventris)
- Buntfalke (F. sparverius)
- Eleonorenfalke (F. eleonorae)
- Fledermausfalke (F. rufigularis)
- Fuchsfalke (F. alopex)
- Gerfalke (F. rusticolus)
- Graubartfalke (F. cenchroides)
- Graufalke (F. ardosiaceus)
- Habichtfalke (F. berigora)
- Luggerfalke (F. jugger)
- Lannerfalke (F. biarmicus)
- Madagaskarfalke (F. newtoni)
- Malaien-Baumfalke (F. severus)
- Maorifalke (F. novaeseelandiae)
- Mauritiusfalke (F. punctatus)
- Merlin (F. columbarius)
- Molukkenfalke (F. moluccensis)
- Präriefalke (F. mexicanus)
- Rotbrustfalke (F. deiroleucus)
- Rotfußfalke (F. vespertinus)
- Rothalsfalke (F. chicquera)
- Rußfalke (F. subniger)
- Rötelfalke (F. naumanni)
- Schieferfalke (F. concolor)
- Schwarzrückenfalke (F. dickinsoni)
- Seychellenfalke (F. araea)
- Silberfalke (F. hypoleucos)
- Steppenfalke (F. rupicoloides)
- Taitafalke (F. fasciinucha)
- Turmfalke (F. tinnunculus)
- Wanderfalke (F. peregrinus)
- Würgfalke (F. cherrug) (auch Sakerfalke)
- Wüstenfalke (F. pelegrinoides)
Literatur
- Theodor Mebs: Greifvögel Europas - Biologie - Bestandsverhältnisse - Bestandsgefährdung Franckh-Kosmos Verlag Stuttgart 2002, ISBN 3-440-06838-2
- Benny Génsbol, Walther Thiede: Greifvögel - Alle europäischen Arten, Bestimmungsmerkmale, Flugbilder, Biologie, Verbreitung, Gefährdung, Bestandsentwicklung, BLV Verlag München, 1997, ISBN 3-405-14386-1
- Rudolf Piechoki: Der Turmfalke, Ziemsen Verlag Wittenberg, 1991, ISBN 3-7403-0257-7
Weblinks
Kategorie:Greifvögel
simple:Falcon
Ahura Mazda]
Ahura Masda (altiranisch (اهورا مزدا) "der weise Herr" oder "Herr der Weisheit", mittelpersisch Ormuzd oder Ormus) ist in der von Zoroaster gestifteten alten iranischen Nationalreligion des Parsismus (Zoroastrismus) der Schöpfergott, der die Welten Nenok und Geti erschaffen hat; er verkörpert die Macht des Lichts, ist Schöpfer und Erhalter der Welt und der Menschheit und ist der Gott der Fruchtbarkeit der Lebewesen; im Zendavesta Ahuramazda ("weiser Herr"), auf den Keilinschriften der persischen Großkönige Auramazda genannt.
In der Religion der arischen Einwanderer Indiens und Irans kommt er unter diesem Namen noch nicht vor, wenn ihn auch einige Gelehrte mit dem Himmelsgott Varuna der indischen Veden identifizieren wollen. Die Griechen, welche ihn Oromazes oder Oromasdes nennen, kannten ihn bereits als obersten Gott der Perser, als den aus dem reinsten Licht entstandene Urheber der guten Dinge und als Schöpfer der Welt; auf den von Dareios I. herrührenden Keilinschriften von Behistun (auch: Bisutun) heißt er "der größte der Götter".
Die authentische Quelle für die Erkenntnis seines Wesens ist das Zendavesta, besonders der älteste, von Zarathustra selbst oder seinen Jüngern herrührende Teil desselben, die "Gâthâ" (Lieder). Hiernach ist er der heiligste, Gedeihenspendende Geist, der Sonne, Mond und Sterne und den Himmel, die Erde und die Gewässer, die Bäume und die Menschen geschaffen hat und erhält. Er ist allwissend, der Freund und Schützer der Guten, der Feind der Lügner und der Rächer des Unrechts, der Erfinder der guten Sprüche (daena) zur Abwehr der Unholde (daeva). Man betet zu ihm um Verleihung irdischer Güter, aber auch um Vollkommenheil und Unsterblichkeit oder langes Leben. Er ist die Quelle der guten Gedanken, Worte und Werke, der Vater der Armaiti, welche die Gottheit der Demut und Frömmigkeit und zugleich der Erdgeist ist; "Wahrheit" und "guter Sinn" stehen ihm, halb personifiziert, halb nicht, zur Seite.
Sein ständiger Widersacher ist sein Zwillingsbruder Anromainyus (der "böse Geist", Anga Manju, Ahrmanyu, der spätere Ahriman). Zwischen diesem und Ahuramazda hat der Mensch zu wählen, doch hat im ganzen der erstere eine sehr inferiore Stellung und tritt erst in den späteren Teilen des Zendavesta mehr hervor.
Ahura Masda selbst erscheint in der späteren Religion als Schöpfer sämtlicher anderer Götter, insbesondere der sechs Amschaspand, die im Himmel neben ihm thronen. Auch die Erschaffung der Welt, besonders der 16 Landschaften von Ostiran, wird mehr im Detail ausgeführt, und es werden viele Unterredungen mitgeteilt, die Ahura Masda mit seinem Propheten Zarathustra über verschiedene Fragen des Glaubens und der Moral gehalten haben soll.
Freilich bleibt er eine etwas abstrakte und passive Figur im Vergleich mit den lebensvollen alten Naturgöttern, wie Mithra. Nur sein Kampf mit dem bösen Geiste, der 3000 Jahre lang dauern und mit der Niederlage desselben enden soll, wird breiter ausgeführt; auch erscheint er nun als Totenrichter, der die Seelen um ihren Wandel befragt und sie, wenn die Antwort befriedigend ausfällt, einlädt, ein Paradies mit ihm zu teilen.
Noch entschiedener tritt seine Gestalt in der Pehlewi-Literatur der Sassanidenzeit und in der Religion der heutigen Parsen hervor, die wesentlich monotheistisch ist.
Ahura Masda wird meist in der Mitte der geflügelten Sonnenscheibe abgebildet und durch die Flamme symbolisiert, die eins der heiligen vier Elemente (Feuer, Wasser, Erde und Luft) bildet und als rein gilt.
Literatur
- Windischmann: Zoroastrische Studien (Berlin 1863);
- Spiegel: Eranische Altertumskunde, Bd. 2 (Berlin 1873);
- Duncker: Geschichte des Altertums, Bd. 4 (5. Aufl., Berlin 1881);
- Darmesteler: Ormazd et Ahriman (Paris 1877);
- W. Geiger: Ostiranische Kultur im Altertum (Erlangen 1882).
Kategorie:Zoroastische Gottheit
ja:アフラ・マズダー
Maya
]
Die Maya sind ein Indianervolk in Mittelamerika, das insbesondere aufgrund des von ihnen in Teilen Mexikos und Mittelamerika gegründeten Reiches bekannt ist.
Heute leben die Maya auf der Yucatán-Halbinsel sowie in Belize, Guatemala und Honduras.
Kulturgeschichte
Honduras
Vorklassische Zeit
Erste den Maya zugerechnete archäologische Funde aus Cuello (Belize) werden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Von diesem Ursprungsort aus wird eine Aufspaltung und Bewegung nach Norden (Golf von Mexiko) angenommen, wo dann etwa 500 v. Chr. erstmals Siedlungsbauten und steinerne Tempel nachgewiesen werden. Zu den ersten großen Städten der Maya gehört Nakbe im heutigen Guatemala, das seine Glanzzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. hatte. Ebenfalls in der vorklassischen Zeit wurde Lamanai gegründet, das mit einer permanenten Besiedlungszeit von etwa 3000 Jahren zu den am längsten genutzten Mayastädten gehört. Ca. 1000 v. Chr. wurde Cahal Pech besiedelt und blieb es bis ca. 700 n. Chr.
Klassische Zeit
Die Maya-Zivilisation umfasste eine Reihe von Stadtstaaten, die jeweils einen eigenen Herrscher und ihm untergebene Verwalter hatte. Berühmt sind die Maya für ihre Mathematik und für ihren hoch entwickelten Kalender. Sie schrieben in Hieroglyphen.
Die heute bekannteste Ruinenstadt, Chichén Itzá, wurde um das Jahr 400 herum gegründet. Gut 100 Jahre später entstanden Copán, Yaxchilán, Palenque und Oxkintok. Mit der Ausbreitung über die ganze Yucatán-Halbinsel erreichte die Hochkultur der Maya ihre Blütezeit, während derer auch Uxmal und Coba gegründet wurden. Weitere wichtige Städte waren Tikal, Calakmul, Bonampak und Quirigua. Viele Städte waren durch Dammstraßen miteinander verbunden. Die Städte hatten teilweise mehr als 10.000 Einwohner und waren damit größer als die größten Städte des damaligen Mitteleuropas.
Wichtige Errungenschaften sind der Anbau von Mais, die Entwicklung des sehr präzisen Maya-Kalenders und der Maya-Schrift. Die Schrift, obwohl auf Bildsymbolen basierend, war jedoch mehr als eine reine Ideogrammschrift.
Das Kunsthandwerk (Bearbeitung von Stein, Keramik, Holz, Textilien) und Malerei waren hoch entwickelt, Metallverarbeitung (Gold) spielte nur für rituelle Zwecke eine Rolle, nicht für die Werkzeugherstellung. In den Städten gab es bis zu 65 m hohe Stufenpyramiden, Paläste und Ballspielplätze. Siehe auch Liste der Pyramiden.
Das ausgehende 9. Jahrhundert sah den Niedergang der Kultur. Städte wurden verlassen, die Bewässerungssysteme verfielen. Die Vermutung, dass Klimaschwankungen und insbesondere Dürren für den Untergang der Hochkultur verantwortlich gewesen seien, hat durch den Nachweis verminderter Niederschläge im 9. und 10. Jahrhundert in Venezuela unter Leitung des Geologen Gerald Haug im Jahre 2003 Auftrieb erhalten.
Maya-Zentren der Klassik
- Bonampak
- Calakmul
- Caracol
- Xunantunich
- Lubaantun
- Copán
- Dos Pilas
- Nakum
- Naranjo
- Palenque
- Piedras Negras
- Rio Azul
- Tikal
- Yaxchilán
- Yaxha
Nachklassische Zeit
Yaxha
In der Architektur der Maya kamen nun vermehrt toltekische Einflüsse auf. Die neue Großmacht wurden die Azteken in Zentralmexiko. Einen letzten Schlag mussten die verbleibenden Maya 1511 hinnehmen, als sie durch Ankunft der Spanier endgültig ihre Eigenständigkeit verloren. Gleichwohl hielten sie sich länger unabhängig als die Azteken. Das letzte Maya-Reich Tayasal wurde erst um 1697 von den Spaniern unterworfen. Ab 1847 rebellierten die Nachkommen der Maya im so genannten Kastenkrieg gegen die Autorität des mexikanischen Staates und installierten eine Hauptstadt in Chan Santa Cruz, das erst 1901 von der mexikanischen Armee erobert werden konnte.
Heute leben noch ca. 4,2 Millionen Maya.
Maya-Zentren der Postklassik
- Coba
- Chichén Itzá
- Ek Balam
- Mayapan
- Tulúm
- Uxmal
-
Maya-Forscher
- John Lloyd Stephens
- Frederick Catherwood
- Johann Friedrich Graf von Waldeck
- Teobert Maler
Siehe auch
Diego de Landa, Vigesimalsystem, Indigene Völker Mittelamerikas und der Karibik, Maya-Gewölbe, Maya-Ziffern, Kristallschädel, Popol Vuh (Buch)
Literatur
- Grube, Nikolai: Maya, Gottkönige im Regenwald, Könemann, Köln 2000. ISBN 382901564X
- Laughton, Timothy: Die Lebenswelt der Maya, Bechtermünz, Augsburg 1999. ISBN 3828907199
- Riese, Berthold: Die Maya, C.H. Beck, München 2004. ISBN 3406462642
- Schele, Linda; Freidel, David: Die unbekannte Welt der Maya, Albrecht Knaus, München 1991. ISBN 3-8135-6342-1
Weblinks
- [http://www.sven-gronemeyer.de/schrift.htm Das Schriftsystem der Maya]
- [http://mayaruins.com/ Bilder von Maya-Ruinen (englisch)]
- [http://www.mayaweb.nl/ Mayaweb: Culture and History of the Ancient Maya (Dutch and English website)]
- [http://www.famsi.org FAMSI (englisch und spanisch)]
- [http://www.wayeb.org WAYEB - Europäische Mayanisten-Vereinigung]
Kategorie:Maya
Kategorie:Indigene Völker
ja:マヤ文明
ms:Maya
Helios
In der griechischen Mythologie war Helios (griech. ΄Ηλιος, „Osten“) der Sonnengott. Zusammen mit Selene (Mondgöttin) und Eos (Morgenröte) war er Kind von Hyperion und Theia.
Theia
Helios hatte mit Klymene vier Kinder: Aigle, Phaethusa, Lampetia (die 3 Heliaden) und Phaeton. Er ist auch der Vater von Kirke und Pasiphae.
Hyperion --- Theia
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---------------- ...
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Selene Eos Helios --- Klymene --- ...
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--------------------------- ---------
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Aigle Phaetusa Lampetia Phaeton Kirke Pasiphae
Die Aufgabe von Helios war es, den Sonnenwagen über den Himmel zu lenken, dabei ging Eos vor ihm, Selene folgte am Abend. Der Koloss von Rhodos soll ein Standbild von Helios gewesen sein.
Kategorie:Griechische Gottheit
ja:ヘリオス
Odyssee eine Weinschale.]]
Die Odyssee (altgriechisch Oδύσσεια, Odysseía) ist nach der Ilias das zweite dem griechischen Dichter Homer zugeschriebene Epos. Im späten 8. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, schildert es die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg. Die Odyssee gehört zu den ältesten und einflussreichsten Werken der abendländischen Literatur.
In vielen Sprachen ist der Begriff „Odyssee“ zu einem Synonym für lange Irrfahrten geworden.
Der Inhalt der Odyssee
Irrfahrt
Mit der Anrufung der Muse beginnt die – nach Homers Ilias – älteste Dichtung der abendländischen Literatur:
: Ándra moi énnepe, Moúsa, polýtropon, hós mala pólla
: plánchthe, epeí Troiés hiërón ptoliéthron epérse;
: póllon d'ánthropón íden ástea kaí noon égno,
: pólla d' ho g' én pontó pathen álgea hón kata thýmon,
: árnymenós hen té psychén kai nóston hetaíron.
: áll' oud' hós hetaroús errhýsato, híëmenós per;
: aúton gár spheterésin atásthaliésin olónto,
: népioi, hoí kata boús Hyperíonos Éëlioío
: ésthion; aútar ho toísin apheíleto nóstimon émar.
In der Übersetzung von Johann Heinrich Voss aus dem Jahr 1781 lauten die gesamten Eingangsverse der Odyssee so:
:Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes,
:Welcher so weit geirrt, nach der heiligen Troja Zerstörung,
:Vieler Menschen Städte gesehn und Sitte gelernt hat,
:Und auf dem Meere so viel unnennbare Leiden erduldet,
:Seine Seele zu retten und seiner Freunde Zurückkunft.
:Aber die Freunde rettet' er nicht, wie eifrig er strebte;
:Denn sie bereiteten selbst durch Missetat ihr Verderben:
:Toren! welche die Rinder des hohen Sonnenbeherrschers
:Schlachteten; siehe, der Gott nahm ihnen den Tag der Zurückkunft.
In 12.200 solcher Hexameterverse, die in 24 Gesänge unterteilt sind, erzählt die Odyssee, wie der König der kleinen Insel Ithaka nach zehn Jahren Krieg weitere zehn Jahre umherirrt. Nach vielen Abenteuern kehrt er schließlich als Bettler unerkannt heim und findet sein Haus voller Fremder, die sein Eigentum aufzehren. Sie reden seiner Frau Penelope ein, er sei tot, und wollen sie zwingen, einen von ihnen zu heiraten. In einem letzten Abenteuer muss Odysseus den Kampf gegen diese Freier bestehen. Eine Parallelhandlung, die „Telemachie“, erzählt, wie sich Telemachos, der Sohn von Odysseus und Penelope, auf die Suche nach dem vermissten Vater macht.
Die 24 Gesänge
Telemachos
Um die Spannung stets aufrecht zu halten, bedient sich Homer einer sehr komplexen Erzählweise. Er arbeitet zum Beispiel mit Parallelhandlungen, Rückblenden, Einschüben, Perspektiv- und Erzählerwechseln. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern setzt kurz vor der Rückkehr Odysseus' nach Ithaka ein. Sie gliedert sich wie folgt:
- 1.-4. Gesang: Der Rat der Götter beschließt, Odysseus die Heimkehr zu ermöglichen. Daraufhin fordert der Götterbote Hermes die Nymphe Kalypso auf, Odysseus ziehen zu lassen. Unterdessen überredet die Göttin Athene in Gestalt des väterlichen Freunds Mentor Odysseus' Sohn Telemachos, sich auf die Suche nach dem vermissten Vater zu machen. Dessen Frau Penelope wird von zahlreichen Freiern bedrängt, einen von ihnen zu heiraten.
- 5.-8. Gesang: Auf einem selbstgebauten Floß verlässt Odysseus die Insel Ogygia, auf der Kalypso ihn sieben Jahre lang festgehalten hat. Doch sein Widersacher, der Meeresgott Poseidon, erregt einen Sturm, in dem das Floß untergeht. Als Schiffbrüchiger rettet sich Odysseus mit letzter Kraft auf die Insel Scheria. In der Heimat der Phaiaken, einer Nachbarinsel Ithakas, wird er gastfreundlich aufgenommen.
- 9.-12. Gesang: Im zentralen Teil des Epos erzählt Odysseus zwei Nächte hindurch im Haus des Phaiakenkönigs Alkinoos die Geschichte seiner Irrfahrten (siehe unten: Die Irrfahrten des Odysseus).
- 13.-16. Gesang: Nun werden die beiden Handlungsstränge, die „Telemachie“ und die eigentliche „Odyssee“ zusammengeführt. Odysseus kehrt mit Hilfe der Phäaken nach Ithaka heim, muss sich aber im Haus des treuen Sauhirten Eumaios verbergen, bis er den Kampf mit den Freiern wagen kann. Hier begegnet er auch dem von seiner erfolglosen Suche zurückgekehrten Telemachos.
- 17.-20. Gesang: Zu seinem Schutz verleiht Athene Odysseus die Gestalt eines Bettlers. Als solcher kehrt er nach 20 Jahren in sein Haus zurück, wo ihn zunächst nur sein alter sterbender Hund Argos wiedererkennt, später dann auch die alte Magd Eurykleia. Insgeheim bereitet sich Odysseus auf den Kampf mit den Freiern vor.
- 21.-22. Gesang: Bei einem Bogenkampf gibt sich Odysseus zu erkennen und tötet mit Hilfe von Telemachos und Eumaios die Freier sowie die Mägde und Knechte, die sich als untreu erwiesen haben.
- 23.-24. Gesang: Odysseus sieht nach 20 Jahren seine Frau Penelope wieder. Doch erst nachdem sie ihn mit einer List auf die Probe gestellt hat, erkennt sie in ihm den Gatten. Anschließend besucht Odysseus seinen alten Vater Laërtes. In der Unterwelt preisen Achilles und Agamemnon, Odysseus' Mitkämpfer vor Troja, dessen siegreiche Heimkehr. Die Göttin Athene schlichtet den Streit zwischen Odysseus und den Verwandten der erschlagenen Freier.
Die Irrfahrten des Odysseus
Im Zentrum des Epos steht in den Gesängen 9 bis 12 Odysseus' eigene Schilderung seiner Abenteuer bis zu seiner Landung auf der Insel der Phaiaken. Dieser, eher märchenhafte Teil wird von vielen Forschern für das ursprüngliche Epos gehalten, das später um die einleitende Telemachie und die ausführliche Schilderung des Freiermords am Ende erweitert wurde.
Kikonen, Lotophagen und Kyklopen
Nachdem die Ithaker Troja auf zwölf Schiffen verlassen haben, überfallen Odysseus und seine Männer zunächst die mit den Trojanern verbündeten thrakischen Kikonen, werden von diesen aber vertrieben. Dann verschlägt ein Sturm ihre Schiffe weit über Kap Malea, die Südspitze der Peloponnes und die Insel Kythera hinaus ins Land der Lotophagen, der Lotosesser. Einige Männer kosten von der Frucht, die süchtig macht und sie ihre Vergangenheit und ihre Heimat vergessen lässt. Sie müssen daraufhin mit Gewalt auf die Schiffe gebracht werden.
Anschließend landen Odysseus und seine Gefährten auf einer Insel, die von je allein lebenden einäugigen Riesen bevölkert ist, den Kyklopen. Der Kyklop Polyphem sperrt sie in seiner Höhle ein und droht, sie nacheinander zu verspeisen. Odysseus, der sich ihm listig als „Niemand“ (griechisch oudeís, zugleich ein Wortspiel, da es auch ein Kosename für Odysseus ist) vorgestellt hat, gelingt es, Polyphem betrunken zu machen und ihn dann mit einem glühenden Pfahl zu blenden. Als andere Kyklopen auf Polyphems Gebrüll hin herbeieilen, ruft dieser ihnen zu, „Niemand“ habe ihm etwas angetan, so dass sie wieder umkehren. Um seine Schafe auf die Weide zu lassen, muss Polyphem den Stein vor seiner Höhle weg wälzen. So können Odysseus und seine Gefährten entkommen. Als Polyphem ihre Flucht bemerkt, schleudert er Felsen in die Richtung, in der er die Schiffe vermutet, verfehlt sie aber. Hochmütig enthüllt Odysseus Polyphem seinen wahren Namen. In seinem Zorn bittet dieser seinen Vater Poseidon, Odysseus auf dem Meer umkommen zu lassen oder seine Heimkehr zu verhindern.
Aiolos, Laistrygonen, Kirke und Hades
Der Windgott Aiolos, dessen Insel er als nächste anläuft, schenkt Odysseus einen Lederschlauch, in dem alle Winde eingesperrt sind, bis auf den, der seine Schiffe sicher nach Ithaka treiben soll. Doch als Odysseus' ahnungslose Gefährten kurz vor dem Ziel den Schlauch aus Neugier öffnen, entweichen alle Winde und ihre Schiffe werden zur Insel des Aiolos zurückgetrieben. Dieser verweigert daraufhin jede weitere Hilfe.
Als nächstes gelangen Odysseus und seine Leute zu den Laistrygonen, einem menschenfressenden Riesenvolk, das elf ihrer zwölf Schiffe vernichtet. Mit seinem letzten Schiff kommt Odysseus zur Insel Aiaia, wo die Zauberin Kirke (auch: „Circe“ oder „Zirze“) einige seiner Gefährten in Schweine verwandelt. Ihm selbst gelingt es mit Hilfe des Götterboten Hermes, dem Zauber zu entgehen und seine Gefährten zu befreien. Schließlich gewinnt er sogar Kirkes Liebe, die ihn überzeugen will, für immer bei ihr zu bleiben. Die betreffende Zeile ist ein Beispiel für Homers Wortmusik. Danach bezirzt Kirke Odysseus folgendermaßen:
: aíei dè malakoísi kai haímylioísi logoísi
: thélgei ...
: (ímmer jedóch mit weíchen schmeíchelnden Wörtchen ...)
Doch nach einem Jahr beschließt er, die Heimreise fort zu setzen. Kirke rät ihm, zuvor den toten Seher Teiresias im Hades, der griechischen Unterwelt, nach seinem weiteren Schicksal zu befragen.
Im Hades trifft er auch seine inzwischen verstorbene Mutter, Mitkämpfer aus dem Trojanischen Krieg und seinen verunglückten Gefährten Elpenor, den er glaubte, gesund bei Kirke zurück gelassen zu haben. Der Seher Teiresias gibt ihm Ratschläge für die Weiterfahrt.
Seeungeheuer, Helios' Rinder, Kalypso
Nach dem Besuch in der Schattenwelt segelt Odysseus zunächst an der von Klippen umgebenen Insel der Sirenen vorüber. Mit ihren betörenden Gesängen locken die Sirenen alle Schiffe in Hörweite ins Verderben. Um diese Gesänge dennoch hören zu können, lässt sich Odysseus an den Mast fesseln, während seine Gefährten sich die Ohren mit Wachs verschließen müssen. Anschließend passieren sie mit knapper Not die Meerenge, an deren Rändern zwei Seeungeheuer drohen: die sechsköpfige, menschenverschlingende Skylla und die Charybdis, die einen Strudel verursacht, in dem ganze Schiffe versinken.
Charybdis
Ermattet und ausgehungert erreichen sie die Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus' Warnung schlachten die Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen sie nach ihrer Abreise allesamt in einen Sturm um. Nur Odysseus kann sich auf die Insel Ogygia der Nymphe Kalypso retten. Diese hält Odysseus sieben Jahre auf ihrer Insel fest und lässt ihn erst auf Geheiß der Götter wieder ziehen. Er baut ein Floß und gelangt trotz eines Sturms, den Poseidon entfacht, nach Scheria, der Insel der Phaiaken, wo die Königstochter Nausikaa ihn nackt am Strand findet.
An zwei aufeinanderfolgenden Abenden erzählt Odysseus den Phaiaken und ihrem König Alkinoos seine Geschichte. Anschließend beschenken sie ihn reich und bringen ihn heim nach Ithaka.
Die Homerische Frage
Die Frage nach Entstehung, Autorenschaft und realen Hintergründen der Odyssee beschäftigt die altphilologische Forschung seit zwei Jahrhunderten.
Entstehung des Großepos
Nausikaa
Da die Handlung der Odyssee unmittelbar an die Ilias anschließt, könnten erste mündliche Fassungen des Epos bereits kurz nach den kriegerischen Ereignissen am Ende der Bronzezeit (um 1150 v. Chr.) entstanden sein, die den realen Hintergrund zum Sagenkreis um den Trojanischen Krieg bilden. Mit Sicherheit wurden verschiedene Urfassungen der Odyssee jahrhundertelang durch Sänger, so genannte Rhapsoden, mündlich tradiert und dabei immer wieder verändert. Der metrische Rhythmus der Verse diente dem vortragenden Sänger als Gedächtnisstütze.
In der Forschung wird heute allgemein angenommen, dass verschiedene Kurzepen zur Odyssee dichterisch zusammengefasst wurden. Ursprünglich dürften mindestens zwei verschiedene Geschichten existiert haben: zum einen die des Troja-Heimkehrers Odysseus | | |