Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Sorraia

Sorraia

Das Sorraia ist eine sehr ursprüngliche Pferderasse aus Portugal, die erst im Jahre 1920 überhaupt entdeckt wurde, mit einer sehr kleinen Population von ca. 180 Tieren im Jahr 2004.

Exterieur

Sorraias haben einen kurzen, kräftigen Hals der auch an spanische und portugiesische Rassen erinnert. Ihr Körper ist kompakt. Meist schwarz weisses Langhaar, sowie schwarze Ohrenspitzen und Mehlmaul, Aalstrich.

Interieur

Zuchtgeschichte

Vom Typus dem Lusitano ähnlich, zeigen jüngere genetische Untersuchungen, dass die Sorraias zumindest in mütterlicher Linie nicht mit den Lusitanos verwandt sind, sondern eine eigenständige Pferdeunterart (Equus caballos ssp. sorraia ?) bilden. Aufgrund der Ähnlichkeit muss angenommen werden, dass Sorraiahengste in die Lusitanozucht eingeflossen sind (die übrigens mitochondrial nur bei ca. 60 % eine nahe Verwandtschaft mit den Andalusiern zeigen, 40 % entstammen einer anderen Population). Die heute lebenden Sorraias sind keine Wildpferde mehr, leben aber mehrheitlich in Robusthaltung. Zirka 60 Tiere leben auch in Deutschland. Heute werden die Sorraias vor allem durch eine Stiftung (siehe Links) geschützt. Die Sorraias werden in einem Reservat in Portugal in halbfreiheit gehalten. Ziel ist, das die Sorraia-Pferde als Rasse erhalten bleibt. Siehe auch: Liste der Pferderassen

Weblinks

[http://www.sorraia-stiftung.de Stiftung zur Rettung der Sorraia-Wildpferde] Kategorie:Pferderasse

Portugal

Die Portugiesische Republik (República Portuguesa) ist ein Staat im Südwesten der iberischen Halbinsel. Er wird im Westen und Süden vom Atlantischen Ozean, im Osten und Norden von Spanien begrenzt. Daneben gehören zum portugiesischen Staatsgebiet die Inselgruppe der Azoren sowie Madeira. Westlich der Hauptstadt Lissabon liegt Cabo da Roca, der westlichste Punkt des europäischen Festlandes. Der Name Portugal entstammt dem Namen der Siedlung Cale im Delta des Flusses Rio Douro. Cale könnte ein griechisches Wort sein (Kalles = schön) und sich auf die Schönheit der Natur im Norden des heutigen Portugal beziehen, das die Griechen in der Antike kolonisierten. Andere Historiker meinen, dass Cale phönizischen Ursprungs ist, da die Phönizier Portugal schon vor den Griechen besiedelten. Als das heutige Portugal zum Römischen Imperium gehörte, wurde Cale ein wichtiger Hafen, in Latein Portus Cale. Im Mittelalter wurde Portus Cale zu Portucale, später Portugale, wobei dieses Wort im 7. und 8. Jahrhundert nur die nördlichen Teile des Landes bezeichnete, also die Region zwischen den Flüssen Rio Douro und Rio Minho. Andererseits verkürzte sich der Name Portus Cale zu Porto, der zweitwichtigsten Stadt, die sich deshalb voller Stolz als Namensgeber des Landes bezeichnet.

Geographie

Der Norden Portugals hat ein relativ kühles und feuchtes Klima und besteht aus zwei traditionellen Provinzen oder Landschaften: Der Minho im Nordwesten gehört zu den am dichtesten besiedelten Gegenden des Landes, wobei Großstädte nur an der Atlantikküste liegen, im Landesinneren liegen jedoch viele Kleinstädte und Dörfer. Der Minho wird wegen seines Klimas und der vergleichsweise üppigen Vegetation als der grüne Garten Portugals bezeichnet. Auf den Hängen der zahlreichen Flusstäler wird vor allem Wein angepflanzt, die zum berühmten Portwein und dem Vinho Verde weiterverarbeitet werden. Daneben gedeihen viele Gemüsesorten. Die natürliche Vegetation ist eine Mischung aus der Flora der gemäßigten Klimazone und der subtropischen Flora, je nach Höhenlage gibt es Eichen oder Kastanien bzw. Pinien und Olivenbäume. Im Nordosten liegt Trás-os-Montes (Hinter den Bergen). Dies ist die dem Meer abgewandte Seite Nordportugals, die sehr gebirgig ist und deshalb sehr kalte Winter und sehr heiße Sommer hat. Die Vegetation ist bedeutend weniger üppig als im Minho und sie fällt umso spärlicher aus, je mehr man sich der Grenze zu Spanien nähert. Beiden Provinzen ist gemein, dass ihre Gebirgsmassive, wie z. B. Marão oder Peneda-Gerês von zahlreichen Flüssen, wie der Rio Minho (Grenzfluss zu Spanien) oder der Rio Douro, durchschnitten werden. Im Norden Portugals liegt der Nationalpark Peneda-Gerês, das bedeutendste Schutzgebiet des Landes. Dort existieren noch Restbestände naturbelassener Wälder, in denen sich insbesondere die immergrüne Steineiche findet. Bedeutende Städte des Nordens sind Porto, Vila Nova de Gaia, Matosinhos, Braga, Vila Real und Bragança. Mittelportugal ist größtenteils hügelig bis gebirgig und hat mit der Serra da Estrela ein bedeutendes Gebirge mit Skigebiet. Die wichtigsten Landschaften sind die Beira, der Ribatejo (die Tejo-Ebene mit Beinamen Garten Lissabons), die Estremadura sowie die Mündung des Tejo in den Atlantik. Die gesamte Region ist sehr fruchtbar und hat ein für den Weinanbau optimales Klima, so dass die Tradition des Weinbaus hier bis zu den Römern zurückreicht. Daneben werden Getreide, Reis, Sonnenblumen und Gemüse angebaut. Die Region wird durch den Tejo zweigeteilt. Überschwemmungen, die früher den Ribatejo regelmäßig heimsuchten, kommen seit dem Bau zahlreicher Staudämme nicht mehr vor. Die wichtigsten Städte Mittelportugals sind Lissabon, Aveiro, Amadora, Almada, Seixal, Cascais, Coimbra, Viseu, Guarda, Leiria, Castelo Branco, Covilhã, Setúbal sowie Santarém. Santarém Der Süden Portugals setzt sich aus den drei Landschaften Terras do Sado, Alentejo und Algarve zusammen. Die Oberfläche der gesamten Region ist eben bis hügelig und hat ein trockenes und heißes Klima. Der Alentejo, die frühere Kornkammer Portugals, ist heute nur dünn besiedelt und von Abwanderung gekennzeichnet, weitläufige Getreidefelder mit Olivenhainen und Korkeichen dominieren die Landschaft, die eine unvergleichliche Ruhe und Getragenheit ausstrahlt. Zum Getreide kommen Weinanbau und in zunehmenden Maße auch Sonnenblumen als Hauptprodukte. Die Wiesen sind im Frühling mit Blumen übersät, die als Weiden für Schafe dienen. Zum wirtschaftlichen Niedergang tragen nicht zuletzt auch immer länger werdende Trockenperioden bei, denen man mit dem Bau von Staudämmen zu begegnen versucht. Nicht einheimisch, aber immer häufiger anzutreffen, sind Pflanzungen von Eukalyptus, die allerdings wegen der hohen Brandgefahr, die von diesen Bäumen ausgeht, nicht unumstritten sind. Die südlichen Küstenregionen sind dazu häufig von Kiefernwäldern bewachsen. Daneben finden sich zahlreiche Palmenarten, von denen aber nur die Zwergpalme einheimisch ist. Die Algarve markiert die gesamte Südküste des Landes und ist mit ihren hübschen Städten, den Steilküsten und Sandstränden zu einem beliebten Feriendomizil geworden, was die üblichen negativen Begleiterscheinungen des Massentourismus mit sich gebracht hat. Die größten Städte Südportugals sind Portalegre, Évora, Beja sowie Faro und Lagos. Der wichtigste Fluss ist der Rio Guadiana, der zweimal auf längeren Strecken auch die Grenze zu Spanien markiert. An die große sommerliche Hitze angepasst sind zahlreiche sukkulente Pflanzen. Zu Portugal gehören weiterhin die beiden Inselgruppen Madeira (Holzinsel) und Azoren (Habichtsinsel) im Atlantik; sie sind vulkanischen Ursprungs. Die Inselgruppe Madeira hat aufgrund ihrer Lage vor der afrikanischen Küste eine teils tropische, teils subtropische Vegetation. Der höchste Berg Portugals befindet sich auf den Azoren (Monte Pico, 2.351 m). Der wichtigste Fluss Portugals ist der Tejo, welcher in Spanien unter dem Namen Tajo entspringt und bei Lissabon in den Atlantischen Ozean mündet. Siehe auch: Liste der Städte in Portugal Die Tierwelt Portugals unterscheidet sich nur unwesentlich von der Spaniens. Vereinzelt leben hier noch Wölfe; der nur auf der iberischen Halbinsel verbreitete Pardelluchs ist dagegen in Portugal nahezu ausgestorben, nur noch selten werden Einzeltiere angetroffen, die vermutlich über die Grenze mit Spanien eingewandert sind. Ansonsten finden sich Wildkatzen, Füchse, Wildschweine, Hirsche, wilde Ziegen sowie Wildkaninchen. Da Portugal auf der Zugvogelroute nach Afrika liegt, lassen sich zahlreiche Vögel beobachten, darunter insbesondere im Süden auch Flamingos; Steinadler leben und jagen in den Küstengebieten. Im Landesinneren kommen auch verschiedene Schlangen und Skorpione vor.

Bevölkerung

Portugal ist, jedenfalls bezogen auf die alteingesessene Bevölkerung, in sprachlicher, ethnischer und religiöser Hinsicht ein sehr homogenes Land. Die portugiesische Sprache wird im ganzen Land gesprochen, und nur in den Dörfern von Miranda do Douro wird ein dem Asturischen zugeordneter Dialekt (Mirandes) gesprochen, der als Minderheitensprache anerkannt wird. Die überwiegende Mehrheit der Portugiesen bekennt sich zum römisch-katholischen Glauben. Aus anthropologischer Sichtweise sind die Portugiesen ein Mischvolk, welches sich aus den Nachkommen der Iberer, der Urbevölkerung der iberischen Halbinsel, den später aus Nordeuropa gekommenen Kelten die sich mit den Iberern zu den Keltiberern zusammenschlossen, sowie den Nachkommen der römischen, gotischen, suebischen und maurischen Invasoren zusammensetzt. Der maurische Einfluss ist in Portugal stärker als in anderen europäischen Ländern. Nach der Reconquista wurden die Mauren teils vertrieben, zum größten Teil jedoch versklavt, sie vermischten sich später mit der Bevölkerung und hatten einen großen Anteil an der Blüte von Handwerk und Landwirtschaft im frühen Mittelalter. Mittelalter Für lange Zeit war Portugal ein Auswanderungsland; wichtige Zentren der portugiesischen Kultur gibt es vor allem in Frankreich, wo allein 600.000 Portugiesen leben, aber auch in vielen anderen Staaten. Andererseits war Portugal schon während der Unabhängigkeitskriege seiner Kolonien Zielland für Einwanderer aus den kolonisierten Regionen. Seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Union und dem damit verbundenen politischen und wirtschaftlichen Wandel ist Portugal verstärkt zu einem Einwanderungsland geworden, wobei die Herkunftsländer der Zuwanderer vor allem in Afrika (Angola, Kap Verde), Südamerika (Brasilien) sowie Osteuropa (Russland, Ukraine, Moldawien) liegen. Ende 2003 lebten etwa 250.000 ausländische Staatsangehörige in Portugal. Diese stammen zu mehr als der Hälfte aus anderen portugiesischsprachigen Ländern, sind meist katholischen Glaubens und haben auch einen ähnlichen kulturellen Hintergrund. Etwa ein Viertel der Ausländer, die in Portugal leben, sind Europäer - teils sind sie Dauerurlauber, die in Portugal ihre Pension verbringen, ein gewichtiger Anteil sind jedoch auch Rückkehrer, also Portugiesen, die aus Portugal ausgewandert waren und mit fremder Staatsbürgerschaft zurückgekehrt sind. Somit kennt Portugal das Phänomen, Zuwanderer mit komplett unterschiedlicher Sprache und Kultur integrieren zu müssen, wie etwa Deutschland, nicht. Auf zehn Portugiesen kommt statistisch gesehen ein Bürger nicht-portugiesischer Herkunft (viele davon mittlerweile mit portugiesischem Pass). Die ausländische Bevölkerung lebt zu mehr als der Hälfte in Lissabon, davon abgesehen konzentriert sie sich auf die Stadtgebiete an der Küste. Im Hinterland liegt der Anteil bei unter 0,5 %. Lissabon Die dichteste Besiedelung weist ein Küstenstreifen von der spanischen Grenze im Norden bis in die Gegend um Lissabon auf. Während in diesem Streifen 70 % der Bevölkerung leben, sind das Hinterland und der Süden Portugals sehr dünn besiedelt. Mehr als 10 % der Bevölkerung entfällt auf zwei Städte (Lissabon und Porto), während mehr als die Hälfte in Orten unter 2.000 Einwohnern lebt. Der Trend geht jedoch auch in Portugal in Richtung Verstädterung. Innerhalb Portugals gibt es starke Migrationsbewegungen, wobei die Wanderungsbewegungen aus den Regionen des Hinterlandes in Richtung der Zentren von Industrie (Lissabon, Porto) und Tourismus (Algarve, Madeira und Azoren) gehen.

Religion

Etwa 97 % der Portugiesen sind römisch-katholischen Glaubens, wobei jedoch in Portugal Glaubensfreiheit herrscht. Der Wallfahrtsort Fátima liegt in Portugal und ist der Mutter Jesu, Maria, gewidmet. Maria wird von den Portugiesen sehr verehrt, fast wie eine Göttin, was für manche ein Hinweis darauf ist, dass die Vorfahren der Portugiesen vor der Christianisierung vorrangig weibliche Gottheiten anbeteten.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte Portugals

Frühgeschichte bis Antike

Geschichte Portugals Die Vor- und Frühgeschichte des Landes entspricht weitgehend der Entwicklung in den anderen Regionen der iberischen Halbinsel. Ab 2000 v. Chr. wandern die Iberer wahrscheinlich aus Nordafrika ein. Ab 1200 v. Chr. werden von den Phöniziern und ab 700 v. Chr. von den Griechen Kolonien gegründet. Ab 600 v. Chr. wandern Kelten ein, die sich mit den Iberern vermischen (sog. Keltiberer). Zu diesen gehört auch der Stamm der Lusitaner, ([http://groups.msn.com/Loriga/viriatolusitanianhero.msnw Viriato]) der im Lateinischen namensgebend für das Land werden soll. Ab 450 v. Chr. wird das Gebiet von Karthago erobert und im Ergebnis des Zweiten Punischen Krieges an Rom abgetreten. Von den Römern wird es unter dem Namen Lusitania (Portugal) zum Teil als eigenständige Provinz verwaltet. Die römische Herrschaft endet in der Völkerwanderungszeit, Sueben (ab 409) und vor allem Westgoten (ab 416) gründen ihre Reiche auf dem Gebiet des späteren Portugals.

Maurische Herrschaft bis Kolonialmacht Portugal

Im Jahre 711 erobern die Mauren das Land, Portugal wird Teil des Kalifats von Córdoba, Herrschaft der Almoraviden. Von Asturien aus nimmt der Gotenherzog Pelagius (Don Pelayo) im Jahre 722 die christliche Reconquista auf, die Mauren werden bis 1492 sukzessive von der iberischen Halbinsel vertrieben. Portugal wird als eigenständige Grafschaft bereits im 11. Jahrhundert gegründet ("Condado Portucalense", Grafschaft von Portucale); diese fällt 1093 an Heinrich von Burgund, den Stammvater der ersten portugiesischen Königsdynastie. Unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Alfons I. erlangt das Land 1143 seine Unabhängigkeit, Alfons nimmt den Königstitel an. Die Burgunder herrschen bis 1383 in Portugal, 1211 wird das erste Ständeparlament (Cortes) einberufen, 1250 ist die Reconquista in Portugal mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen, 1256 wird die Hauptstadt nach Lissabon verlegt. Lissabon)]] 1383 stirbt das Haus Burgund in Portugal aus, ein nichtehelicher Abkömmling, Johann von Avis ruft sich zum König aus, kann kastilische Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota (1385) abwehren und gründet die zweite portugiesische Dynastie, das Haus Avis. Die Avis-Könige (besonders unter Emanuel I. - er herrschte von 1495 bis 1521) führten das Land zu höchster Blüte, Portugal steigt zur führenden Handels- und Seemacht auf, erwirbt Kolonien in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China, das Land ist Weltmacht und reichste Nation Europas (siehe auch Heinrich der Seefahrer). Auch kulturell kommt es zu einer Blütezeit (Luís de Camões). 1580 stirbt das Haus Avis aus, Portugal fällt aus dynastischen Gründen an die Habsburgerherrscher Spaniens. Bis 1640 herrschen die Spanier, Portugal verliert seine Unabhängigkeit, sinkt zur spanischen Provinz herab, verliert Teile seines Kolonialreiches. 1640 führt der Herzog von Braganza eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und ruft sich als Johann IV. zum König aus. Er gründet die vorletzte portugiesische Dynastie, das Haus Braganza. Außen- und wirtschaftspolitisch gerät das Land in immer größere Abhängigkeit von England (Methuenvertrag, 1703). 1755 vernichtet ein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon, der Marquês de Pombal baut die Stadt wieder auf und formt das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärt absolutistischen Staat um. 1807 besetzen napoleonische Truppen das Land, die königliche Familie flieht nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit britischer Hilfe vertrieben wurden, kommt es zur liberalen Revolution, das Land erhält zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Verfassung (1821). Der sich anschließende Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einer konstitutionellen Monarchie wird erst durch den Sieg der letzteren im Miguelistenkrieg entschieden. Am 7. September 1822 erlangt Brasilien unter Kaiser Peter I. seine Unabhängigkeit.

Endphase der Monarchie bis Estado Novo

Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wird von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten und Setembristen) geprägt. 1853 stirbt mit Königin Maria II. das Haus Braganza in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mit Ferdinand II. von Sachsen-Coburg-Gotha übernimmt der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie ist durch eine allgemeine Schwäche des Landes, wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) und zunehmende republikanische Aufstände geprägt. 1908 werden der König Karl I. und der Thronfolger bei einem Attentat getötet, 1910 wird die Republik ausgerufen. Im März 1916 tritt das Land auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Portugal mobilisiert bis zu 100.000 Soldaten, von denen ca. 7.000 bis zum Ende des Krieges fallen. Die sog. erste Republik (bis 1926) ist durch anarchisch chaotische Zustände gezeichnet, monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche (u. a. des Sidónio Pais, 1917), schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit und eine allgemeine politische Instabilität kennzeichnen die Situation. 1926 putscht das Militär und beendet die erste Republik. Unter den Militärs steigt jedoch ein Zivilist, António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründet ab 1933 den "Estado Novo", den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mit faschistischen Tendenzen, komplett mit Einheitspartei (Nationale Union), Staatsjugend und Geheimpolizei (PIDE). Im Zweiten Weltkrieg bleibt das Land neutral, erlaubt aber den Alliierten die Einrichtung von Militärbasen auf den Azoren und tritt nach Ende des Krieges der NATO bei. Ab 1960 beginnt der Kolonialkrieg, der besonders in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau) mit großer Härte geführt wird. 1968 muss Salazar wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten, sein Nachfolger, Marcello Caetano, kann sich jedoch nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg ist Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kosten des Krieges führen zu steigender Staatsverschuldung und Inflation. Führende Militärs erkennen, dass der Kolonialkrieg militärisch für Portugal nicht zu gewinnen ist; wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden, putschen sie schließlich 1974. Eine allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (hervorgerufen durch die erste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führt dazu, dass sich die Bevölkerung massenhaft mit den putschenden Offizieren solidiarisiert, es kommt zu einer allgemeinen Volkserhebung, der Nelkenrevolution, die den Estado Novo beendet. Die neuen Machthaber entlassen die portugiesischen Kolonien in die Unabhängigkeit (1974/1975). Dies bedeutet das Ende des jahrhundertealten portugiesischen Kolonialreiches.

Nelkenrevolution bis EU-Beitritt

1975 Die erste Phase nach der Revolution ist geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola) und einem sozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo), innerhalb des MFA (Movimento das Forças Armadas - Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offizieren. Zunächst sah es so aus, als wenn die sozialistische Strömung obsiegen würde, es kam zu Verstaatlichungen und Landreform, die neue Verfassung von 1976 definiert den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel. Als sich jedoch bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtere General Eanes überraschend deutlich gegen Hauptmann Otelo durchsetzen kann, sind die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Mário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führen das Land schließlich in die Europäische Gemeinschaft (Beitritt 1986).

Vom EU-Beitritt bis heute

1979 gewann zum ersten Mal seit der Nelkenrevolution wieder eine politische Gruppierung, die rechts von der Mitte stand, die Parlamentswahlen (Regierungen Francisco de Sá Carneiro und Francisco Pinto Balsemão), die Regierung kann sich mit der sozialistischen Opposition auf eine Verfassungsänderung einigen, durch die sozialistische Überreste, die nach der Nelkenrevolution in die Verfassung geschrieben wurden, entfernt werden. Die 1982 in Kraft getretene Verfassungsänderung eliminierte unter anderem den bis dahin bedeutenden Revolutionsrat und schuf ein Verfassungsgericht nach dem Vorbild anderer demokratischer Staaten. 1985 wird Aníbal Cavaco Silva Ministerpräsident, seiner konservativen Partido Social Democrata (PSD) gelingt bei den Wahlen 1987 ein Erdrutschsieg, bei dem eine Partei zum ersten Mal eine absolute Mehrheit erringen kann. Cavaco Silva bleibt bis 1995 Ministerpräsident, wobei er eine neoliberale Wirtschaftspolitik führt und die Verstaatlichungen aus der Zeit der Nelkenrevolution zurücknimmt. Von 1995 bis 2002 stellen die Sozialisten mit António Guterres wieder die Regierung. Bei den Parlamentswahlen vom 17. März 2002 kommt es zu einem neuerlichen Rechtsrutsch. Bei einer Wahlbeteiligung von 62,3 % erreicht die konservative PSD unter José Manuel Durão Barroso eine relative Stimmenmehrheit von 40,1 %, gefolgt von der sozialistischen Partido Socialista und der rechtskonservativen Volkspartei Partido Popular (PP) mit 37,9 bzw. 8,8 %. Mit letzterer bildet Barroso eine Koalitionsregierung, wobei der populistische Vorsitzende der PP, Paulo Portas, das Amt des Verteidigungsministers übernimmt und auch die Bereiche Justiz sowie Arbeit und Soziales an die PP gehen. Die Sozialisten stellen allerdings ununterbrochen den Präsidenten des Landes, da Nachfolger von Soares 1996 der Sozialist Jorge Sampaio wird. Im Jahr 2004 wird Barroso vom Europäischen Rat zum Nachfolger von Romano Prodi als Präsident der Kommission der Europäischen Union nominiert. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wird Pedro Santana Lopes, der aber nur kurze Zeit regieren kann, da der Präsident bereits im November das Parlament vorzeitig auflöst und für Februar 2005 Neuwahlen ausschreibt, bei der die Partido Socialista zum ersten Mal in der Geschichte eine absolute Mehrheit erringt. Ihr Spitzenkandidat José Sócrates ist seit 12. März 2005 neuer Ministerpräsident.

Politik

Politisches System

Seit der Nelkenrevolution des Jahres 1974 hat Portugal sich zu einer stabilen parlamentarischen Republik entwickelt. Die vier wichtigsten Organe der Politik in Portugal sind der Präsident, der Premierminister und sein Ministerrat, das Parlament sowie die Justiz. Der Präsident, der alle fünf Jahre direkt in allgemeinen Wahlen bestimmt wird, ist auch Oberkommandierender der Streitkräfte. Er ernennt einen Premierminister und den Ministerrat, wobei er sich am Ergebnis der Parlamentswahlen zu orientieren hat. Der Staatsrat ist ein Gremium, das den Präsidenten berät, und besteht aus dem Staatspräsidenten und allen seinen Vorgängern, dem Premierminister, dem Präsidenten des Verfassungsgerichtes, dem Bürgerbeauftragten, den regionalen Präsidenten (Madeira und Azoren) sowie fünf vom Staatspräsidenten und fünf vom Parlament ausgewählten Personen. Die Regierung wird vom Premierminister angeführt, der sich einen Ministerrat zusammenstellt. Jede neue Regierung muss dem Parlament ein Programm vorlegen, über welches debattiert wird. Sofern es nicht abgelehnt wird, bedeutet dies, dass die Regierung vom Parlament akzeptiert ist. Das Parlament wird als Assembleia da República (Versammlung der Republik) bezeichnet und besteht aus einer Kammer mit bis zu 230 Abgeordneten. Die Abgeordneten werden für vier Jahre gewählt, wobei das Verhältniswahlrecht zur Anwendung kommt. Der Präsident hat das Recht, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen anzusetzen. Das Oberste Gericht ist die höchste Instanz der portugiesischen Justiz, wobei es spezielle Oberste Gerichte für militärische, verwaltungsrechtliche und steuerrechtliche Fragen gibt. Das Verfassungsgericht Portugals hat neun Mitglieder und überwacht die verfassungsgemäße Auslegung des Rechts. Es gibt zwei große Parteien, die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische Partei (PS) und die bürgerlich-konservativ orientierte Sozialdemokratische Partei (PSD). Daneben gibt es auf der rechten Seite noch die rechtspopulistische Volkspartei (CDS/PP) und auf der linken Seite die traditionsreiche Kommunistische Partei (PCP) und der vor wenigen Jahren als Sammelbecken der intellektuellen Linken gegründete Linksblock (Bloco de Esquerda, BE). Diese fünf Parteien sind zurzeit alle im Parlament vertreten. Die Grünen (Partido Ecologista “os Verdes”, PEV) treten in Portugal immer in Listenunion mit den Kommunisten an und bekommen darüber normalerweise ein Parlamentsmandat. Siehe auch: Liste der politischen Parteien Portugals

Internationale Beziehungen

Portugal ist Mitglied der Europäischen Union und hatte den Ratsvorsitz im ersten Halbjahr 2000 inne. In dieser Zeit verfolgte Portugal vor allem das Ziel, den Dialog mit Afrika zu forcieren und Impulse zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft zu geben. Portugal war Gründungsmitglied der NATO und beteiligt sich mit Truppen an der Friedenssicherung auf dem Balkan. Zusammen mit Spanien ist Portugal an den Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen beteiligt, deren Ziel der Dialog v. a. mit den Ländern Lateinamerikas ist. Federführend war das Land auch an der Gründung der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder (CPLP) beteiligt, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit dieser Länder zu vertiefen. Portugal unterstützte Timor-Leste, eine frühere Kolonie, in seinem Unabhängigkeitskampf finanziell und militärisch und kooperiert jetzt in diesem jungen Staat mit asiatischen Ländern, den Vereinigten Staaten sowie der UNO. Zurzeit hat Portugal einen wichtigen Vertrag mit Frankreich, der besagt, dass die beiden Länder sich die Fischerei-Gebiete teilen. Spanien soll auf der westlichen Seite fischen und Portugal im Osten. Portugal hat einen Territorialstreit mit Spanien um Olivenza (bzw. Olivença), welches zu Spanien gehört, jedoch von Portugal beansprucht wird. Olivença ist seit 1801 unter spanischer Verwaltung, jedoch hat sich Spanien auf dem Wiener Kongress von 1815 bereiterklärt, das Gebiet an Portugal zurückzugeben. Dies ist bis heute nicht geschehen, und Portugal verlangt regelmäßig, dass die Rückgabe vollzogen wird.

Bildungssystem

Bis zur Nelkenrevolution 1974 wurde Bildung sträflich vernachlässigt und nach der Revolutionszeit wurde die Bildungs zwar vom Staat weiter vernachlässigt, aber die Privatleute fördeten sie mehr denn je. Dies macht sich bis heute bemerkbar: Im Jahr 2000 verfügten beispielsweise nur etwa ein Zehntel der Dreißigjährigen über einen Hochschulabschluss. Damit hatte Portugal unter den EU-Mitgliedern vor der Osterweiterung den mit großem Abstand niedrigsten Wert. Darüberhinaus hat Portugal heute mit fast 15 Prozent die höchste Analphabetenquote Europas. Dies ist ein großes Hindernis bei der Wirtscaftsentwicklung, trägt vor allem zur Ineffizienz der Landwirtschaft bei, da vor allem die Landbevölkerung von Analphabetismus betroffen ist. Aber auch die Mittelschicht Portugals ist unterdurchschnittlich gebildet, da der Zugang zu Universitäten erst in den letzten Jahren einfacher geworden ist. So fehlt es beispielsweise an gut ausgebildeten Unternehmern, die traditionellen Firmeneigentümer sind ausländischer Konkurrenz oft nicht gewachsen, weil sie durch Erbe, nicht durch Ausbildung in ihre Leitungsposition gekommen sind. Das Schulsystem besteht aus einer vierjährigen Grundschule und einer fünfjährigen Oberschule. Es besteht eine gesetzlich festgelegte neunjährige Schulpflicht für alle Kinder ab dem sechsten Lebensjahr. Der Pflichtschulunterricht ist an staatlichen Schulen kostenlos und für den Unterricht an einer der vergleichsweise zahlreichen privaten Institutionen können bedürftige Familien Unterstützung erhalten. Wer nach der Oberschule noch die dreijährige Escola Secundária absolviert, bekommt die Universitätsreife und kann zwischen mehreren Möglichkeiten des Hochschulstudiums wählen: Hochschulbildung wird in Portugal von staatlichen und privaten Universitäten (universidades) sowie staatlichen und privaten Fachhochschulen (escolas politécnicas) angeboten. Zur Förderung der abgelegeneren Gebiete wurden auch in vielen mittleren Städten Hochschulen eingerichtet; der Wechsel von einer zur anderen Institution ist relativ leicht. In jedem Fall ist eine Aufnahmeprüfung zu absolvieren und es sind Studiengebühren zu entrichten, die bei den privaten Schulen höher sind als bei den staatlichen, und auch je nach Fachrichtung variieren; auf staatlichen Einrichtungen bis zu 850 € jährlich. Trotzdem ist etwa ein Drittel der Studenten bei einer privaten Institution eingeschrieben. Zusätzlich zu den Einschreibegebühren sind propinas zu bezahlen, das sind Gebühren für die Vergabe von Zeugnissen und Diplomen. Etwa 20 Prozent der Studenten kommen in den Genuss einer einkommensabhängigen staatlichen Stützung.

Administrative Gliederung

Hauptartikel: Administrative Gliederung Portugals Das relativ kleine Portugal hat eine sehr komplexe Verwaltungsgliederung. Es gibt fünf Regionen, 18 Distrikte und zwei autonome Regionen, daneben existieren 28 sogenannte statistische Unterregionen. Eine Ebene darunter folgen etwa 300 Kreise und 4.200 Gemeinden. Diese Gliederung ist eher ineffizient und teuer, weshalb eine Reform in Arbeit ist, die die Distrikte abschaffen und Kompetenzen dezentralisieren soll.

Infrastruktur

Administrative Gliederung Portugals Die drei wichtigsten Flughäfen Portugals, Porto, Lissabon und Faro, werden von mehreren Fluggesellschaften bedient, wobei die beiden portugiesischen Linien TAP Air Portugal und Portugália die meisten Verbindungen anbieten. Es gibt auch Inlandsflüge, diese sind aufgrund der geringen Größe des Landes jedoch nicht sonderlich attraktiv und relativ teuer. Das Straßennetz ist nicht zuletzt dank EU-Mitteln aus den diversen Förderungsfonds gut ausgebaut; seit den 1980er Jahren hat sich viel bewegt. Die wichtigsten Routen werden von gebührenpflichten Autoestradas oder gebührenfreien Itinerários Principais (IP) bzw. Itinerários Complementares (IC) abgedeckt. In abgelegeneren Gebieten kann man jedoch noch häufig auf Straßen mit Kopfsteinpflaster stoßen. Das Selbstfahren, speziell in den Städten, sollten sich Mitteleuropäer jedoch gut überlegen; dem Chaos zur Hauptverkehrszeit sowie der großzügigen Auslegung der Verkehrsregeln ist nicht jeder gewachsen. Dass der Straßenverkehr Portugals zu den unsichersten gehört, haben europäische Unfallstatistiken wiederholt gezeigt. Taxis sind relativ günstig, besonders innerhalb der Städte. Das Eisenbahnnetz Portugals ist nicht besonders dicht, auf den Hauptverkehrsrouten sind die Verbindungen aber effizient und schnell, wenn die Bahnangestellten nicht gerade streiken. Die Fahrkarten sind relativ günstig. In die Nebenbahnen wurde in den letzten Jahrzehnten nichts mehr investiert und viele sind mittlerweile stillgelegt. Internationale Züge verbinden Portugal mit mehreren Städten in Spanien, daneben gibt es eine Verbindung nach Irún an der spanisch-französischen Grenze mit direktem TGV-Anschluss nach Paris, die vor allem für Interrailer interessant ist. Fahrradmitnahme ist in Eisenbahnzügen nicht mehr möglich (Stand 2002). Dagegen gibt es ein sehr dichtes Busnetz, welches zu ebenfalls günstigen Preisen fast jede Ortschaft bedient. Internationale Busse verbinden Mitteleuropa mit Portugal, diese werden wegen der langen Fahrzeit jedoch fast ausschließlich von Gastarbeitern benutzt. Die Busse fahren in Portugal von der Rodoviária ab, wo man auch die Fahrkarten bekommt.

Wirtschaft

Seit dem Beitritt Portugals zur EG im Jahre 1986 hat sich Portugal mehr und mehr zu einer diversifizierten, vor allem auf Dienstleistungen ausgerichteten Ökonomie entwickelt. Dienstleistungen sind mittlerweile für etwa zwei Drittel des BIP verantwortlich. Wie auch in anderen Staaten Europas wurden in den letzten Jahren weitreichende Privatisierungen durchgeführt und die Staatsausgaben reduziert. Im Jahre 1998 hat sich Portugal für den Beitritt zur Europäischen Währungsunion qualifiziert und führte wie auch elf andere Staaten am 1. Januar 2002 den Euro als Zahlungsmittel ein. Die Neuverschuldung Portugals übersteigt momentan die im Maastricht-Vertrag festgelegten 3 %, wobei das Land damit nicht allein dasteht. Das Wirtschaftswachstum hat mit etwa 3,3 % jährlich zwar in der Vergangenheit jenes des EU-Durchschnitts in der Regel übertroffen, trotzdem ist Portugal nach wie vor das ärmste Altmitglied der EU: Das Pro-Kopf-BIP (in Kaufkraftparitäten) liegt bei etwa 78 % des Durchschnitts der EU-Länder vor der Osterweiterung, wobei es im Jahr 1985 noch etwa bei 50 % lag. Als Hindernis für stärkeres Wachstum von Produktivität und Beschäftigung werden vor allem strukturelle Probleme gesehen, wie z. B. das nach wie vor schlechte Bildungssystem und die hohe Analphabetismusrate, die teils schlechte Infrastruktur, und die ineffiziente Verwaltung. Aus diesem Grund gerät Portugal immer mehr in einen Wettbewerb mit Niedriglohnländern aus Mittel- und Osteuropa, Asien und Nordafrika und ist für ausländische Direktinvestitionen nicht sonderlich attraktiv; die Durchschnittslöhne sind in Portugal sehr niedrig bei sehr langen Arbeitszeiten. Ausländische Investitionen kommen vor allem aus Großbritannien und Spanien; die größte Investition aller Zeiten war die Errichtung von Auto-Europa, einer Autofabrik. Die Arbeitslosigkeit ist mit etwa 4 % im Vergleich mit dem EU-Durchschnitt niedrig, wobei man berücksichtigen muss, dass es einen großen informellen Sektor in Portugals Wirtschaft gibt, welcher einen gewissen Anteil der Arbeitslosen beschäftigt, die sonst in die Arbeitslosenstatistik fallen würden. Der Außenhandel wird zu etwa 80 % mit den EU-Partnern abgewickelt; exportiert werden vor allem Bekleidung und Schuhe, Maschinen, Chemieprodukte, Kork sowie Zellstoff und Papier. Importiert werden Maschinen, Fahrzeuge, Öl und Ölprodukte sowie Landwirtschaftsprodukte. Dabei hat Portugal ein sehr großes Handelsbilanzdefizit und auch ein Zahlungsbilanzdefizit, welches durch hohe Einnahmen aus dem Tourismus jedoch nicht so hoch wie das Handelsbilanzdefizit ist. Portugal besitzt bedeutende Rohstoffvorkommen, darunter Kohle, Kupfer, Zinn, Gold, Eisenerze wie Pyrit und Chalcopyrit, Tonminerale wie Kaolinit sowie Wolframit und Uraninit; es gehört damit zu den weltführenden Nationen in der Wolfram- und Uranproduktion. Während des Zweiten Weltkrieges versorgte sich Deutschland mit portugiesischem Wolfram für die Waffenproduktion, während die Atombombe von Hiroshima portugiesisches Uran enthielt. Die Landwirtschaft Portugals ist eine der ineffizientesten in Europa; der Anteil der Landwirtschaft am BIP liegt bei etwa 5 %, jedoch sind mehr als 5 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft beschäftigt. Dies hat dazu geführt, dass viele Betriebe aufgeben mussten und mittlerweile fast die Hälfte der Nahrungsmittel importiert werden muss. Die Korkeichenplantagen im Alentejo und der Anbau von Mandeln befinden sich ebenfalls in einer tiefen Krise. Andererseits werden große Flächen mit Eukalyptus aufgeforstet, weil er schnell wächst und damit der Zellstoffindustrie, einem wichtigen Wirtschaftsfaktor Portugals, Rohstoff liefert. Dies ist aus umweltpolitischen Gründen allerdings sehr bedenklich, weil Eukalyptus den Boden auslaugt, den ursprünglichen Wald und damit die Tierwelt verdrängt und selbst sehr leicht brennt, was zu den häufigen katastrophalen Waldbränden im Sommer führt. Ähnlich wie die Landwirtschaft kämpft auch die Fischerei mit Produktivitätsproblemen; die portugiesische Fischereiflotte ist gegenüber der spanischen weit im Hintertreffen. Der meiste Fisch wird importiert. Für etwa 8 % des BIP, mit steigender Tendenz, ist der Tourismus verantwortlich, wobei die meisten Besucher aus Spanien und Großbritannien kommen. Die Algarve ist dabei unangefochten das Zentrum.
- Bruttosozialprodukt (Mrd. US$): 109,86 (1998), 109,99 (1999), 110,6 (2000),
- Bruttosozialprodukt / Einwohner (US$): 11.020 (1998), 11.010 (1999), 11.060 (2000)
- Bruttosozialprodukt / km² (US$): 1.073.759 (1997), 1.150.873 (1998)
- Mitgliedschaften: EU, Europarat, NATO, OECD, WTO

Kultur

Literatur

Hauptartikel: portugiesische Literatur portugiesische Literatur Portugal wird manchmal auch als Land der Poeten bezeichnet. In der portugiesischen Literatur hatte die Poesie immer einen stärkeren Einfluss als die Prosa. Im Mittelalter, als die portugiesische Nation entstand, war im Nordwesten der iberischen Halbinsel die Poesie sehr verbreitet und brachte exzellente epische wie lyrische Werke hervor. Während die bekanntesten klassischen Poeten Luís de Camões und Fernando Pessoa sind, so gibt es eine Reihe weiterer, weniger bekannter Künstler, die auf die moderne portugiesische Literatur jedenfalls auch bedeutenden Einfluss haben. Die Prosa entwickelte sich später als die Poesie und prägte sich erst im 14. Jahrhundert in der Form von Chroniken oder der Beschreibung des Lebens von Heiligen heraus. Hier ist Fernão Lopes der berühmteste Vertreter; er verfasste eine Chronik der Regentschaften von drei Königen seiner Zeit. Für ihn waren Genauigkeit der Darstellung sowie eine lebhafte Schilderung am wichtigsten. International jedoch ist die portugiesische moderne Literatur am meisten bekannt, besonders mit den Werken von José Maria Eça de Queiroz und dem Nobelpreisträger für Literatur 1998, José Saramago.

Gastronomie

Die portugiesische Küche ist sehr mannigfaltig, weil die Portugiesen viele Dinge in ihre Kochtraditionen aufnahmen, die sie auf ihren Entdeckungsfahrten kennenlernten. In jeder Region Portugals gibt es eigene Spezialitäten, mit verschiedenen Fleisch- und Fischsorten oder Meeresfrüchten. Das Nationalgericht ist Stockfisch (Bacalhau), von dem es 365 verschiedene Zubereitungsarten geben soll. Weitere bekannte Gerichte sind Caldo verde, eine Kohlsuppe, und gegrillte Sardinen. Außerdem sind kleine fritierte Pasteten (Pasteis) mit Fleisch, Muscheln oder Krabben sehr beliebt. Portugiesische Süßspeisen sind durch den maurischen Einfluss sehr süß. Als Beispiel sind hier Arroz doce (Milchreis), Pudim flam (Karamelpudding) und Mousse au Chocolate zu nennen. Aus Blätterteig wird eine Art Puddingtörtchen namens Pasteis de Nata gezaubert das über Macao inzwischen auch eine weitere Verbreitung in China findet. Auch für seinen Wein ist Portugal bekannt, schon seit der Römerzeit wird Portugal mit dem Gott des Weines und der Feste, Bacchus, assoziiert. Auch heute gehören einige von Portugals Weinen zu den besten der Welt. Bekannt sind vor allem der Vinho Verde und Rotweine. Der süße Vinho do Porto (Portwein) mit mindestens 16,5 % Alkoholgehalt ist eine Mischung aus rund ¼ neutralen Alkohol aus Weintrauben und teilvergorenem Wein. Siehe auch: Portugiesischer Eintopf: Caldeira de carne

Musik

Die wichtigste Musikform Portugals ist der Fado, der sehr melancholisch sein kann und deshalb teilweise für das Klischee der melancholischen Portugiesen (gegenüber den temperamentvollen Spaniern) verantwortlich ist. Diese Musik geht eng einher mit saudade (etwa: Sehnsucht), und ist wahrscheinlich durch die Vermischung der Lieder von portugiesischen Seefahrern mit den Rhythmen afrikanischer Sklaven entstanden. Hierbei unterscheidet man zwei Stilformen, nämlich den Fado von Lissabon und jenen von Coimbra. Amália Rodrigues war die bedeutendste Fado-Künstlerin, nach ihrem Tod sind mehrere neue Künstler aus ihrem Schatten getreten und bringen neue Formen des Fado hervor, die teilweise nur noch die saudade mit dem ursprünglichen Fado gemein haben. In den früheren Kolonien Portugals hat sich der Fado ebenfalls verbreitet und sich zur kapverdischen Morna einer Cesária Évora und zum brasilianischen Choro weiterentwickelt. Aus der Zeit des faschistischen Estado Novo unter Salazar stammt eine Liedermachertradition. Bekannteste Vertreter dieser Protestbewegung sind José Afonso (häufig Zeca genannt) und Sérgio Godinho. Von José Afonso stammt die Interpretation des Liedes Grândola, Vila Morena, welches das Startzeichen zur Nelkenrevolution gab. Im Popmusik-Genre hat sich in Portugal der Hip Hop Tuga entwickelt, der eine an Portugal adaptierte Version des Hip Hop ist und unter den Jugendlichen sehr populär ist. Jede Region Portugals besitzt ihren eigenen Folklorestil (Ranchos Folclóricos). Die portugiesische Musik- und Tanztradition hat sich in Brasilien mit den Traditionen der Sklaven aus dem heutigen Angola zur Samba gemischt und ist auch in Portugal sehr populär. Unter angolanischen Einwanderern ist auch Kuduro, eine Art harter, sehr sinnlicher Samba mit schnellem Rhythmus, sehr beliebt, Kizomba ist ein ähnlicher Tanzrhythmus der unter kapverdischen Einwanderern Popularität genießt.

Volksfeste

Im Juni finden in ganz Portugal Feste zu Ehren der drei Volksheiligen (Santos Populares) statt. Diese drei Heiligen sind Antonius, Johannes und Petrus. Gefeiert wird mit Wein, água-pé (Most), t

Exterieur (Pferd)

Als Exterieur bezeichnet man das äußere Erscheinungsbild eines Pferdes. Exterieur und Interieur bestimmen über die Verwendbarkeit des einzelnen Tieres, und über sie wird in der Rassebeschreibung auch der Verwendungszweck der Rasse festgelegt. Das Exterieur enthält folgende Merkmale:

Allgemeines

Der Begriff trocken im Bereich Kopf und Beine wird beim Pferd synonym zu gut konturiert als Gegensatz zu schwammig verwendet. Auf den Körper verwendet deutet er auf ein durchtrainiertes Pferd mit nur sehr dünner Fettschicht hin. Vollblüter zum Beispiel haben eine Veranlagung zum trockenen Körperbau, während Kaltblüter eher die Veranlagung zum schwammigen Körperbau haben, dabei aber durchaus einen trockenen Kopf aufweisen können. Bild:Pferd_MKL1888.png

Kopf

Im wesentlichen werden fünf Kopfformen unterschieden:
- Gerader Kopf: er entspricht dem heutigen Schönheitsideal am ehesten, Ober- und Unterlinie haben nur einen geringen Winkel
- Keilkopf: Ober- und Unterlinie bilden einen größeren Winkel, der Kopf wirkt daher von der Seite betrachtet keilförmig
- Ramsnase: aufgewölbte Nasenpartie, Stirn gerade
- Ramskopf: aufgewölbte Oberlinie, häufig bei Barockpferden
- Hechtkopf: abwärts gewölbte Oberlinie, vor allem beim europäischen Araber Showpferd anzutreffen Die Leistungsfähigkeit oder Eignung des Pferdes wird durch dieses Merkmal nicht beeinflusst. Nur ein zu stark herausgezüchteter Hechtkopf bietet dem Gebiss nicht mehr genügend Platz, weshalb in diesem Fall die Ernährung angepasst werden muss. Der Abrieb der Zähne bei normaler Fütterung, würde hier zu einem vorzeitigen Verschleiß der Zähne führen. Daher ist diese Kopfform in ihrer extremen Form auch nur bei Showpferden, nicht aber bei Rennpferden anzutreffen.

Ganaschen

Ganaschen nennt man den halbrunden hinteren Bereich des Unterkiefers. Eine zu enge Stellung der Ganaschen macht es dem Pferd schwer bis unmöglich die bei der Dressur geforderte Haltung anzunehmen. Daher ist die Ganaschenweite mitentscheidend für die Eignung zum Reitsport.

Hals

Fürs Reiten ist ein Hals gefragt, der sich leicht aufwölbt und in Anlehnung an den Zügel seinen höchsten Punkt im Genick hat. Weiterhin soll die Oberlinie des Halses gut bemuskelt sein (Trainingsfrage) und der Hals eine hinreichende Länge aufweisen. Ist der Hals zu lang und stark gewölbt, kann es dazu kommen, dass der höchste Punkt hinter dem Genick liegt. Dies wird als Schwanenhals bezeichnet und ist fürs Reiten nicht erwünscht, da das Pferd sich hierdurch leicht dem Zügel entzieht. Ebenso ist ein zu tief angesetzter steiler Hals (Hirschhals) unerwünscht, da er dem Pferd auf Grund falscher Bemuskelung (Unter- statt Oberlinie des Halses) die korrekte Haltung sehr erschwert oder sogar unmöglich macht.

Rumpf

Man unterscheidet zwische Quadrat-, Längsrechteck- und Hochrechteckpferden. Gemessen wird dabei jeweils das Verhältnis von Widerristhöhe (Stockmass) zu Rumpflänge (Bug bis Sitzbeinhöcker). Als Arbeitspferde, die den ganzen Tag eingesetzt werden sollen, werden dabei eher Quadratpferde bevorzugt, weshalb diese auch meist beim Westernreiten anzutreffen sind, während in der Dressur auf Grund der besseren Rückenfreiheit das Längsrechteckpferd bevorzugt wird.

Widerrist

Der Widerrist des Pferdes entscheidet wesentlich über die Lage des Sattels und ist daher von großer Bedeutung für Reitpferde. Ein zu flacher Widerrist macht die Lage des Sattels unstabil. Er muss in diesem Falle eventuell mit einem Schweifriemen am Vorwärtsrutschen gehindert werden. Ein zu hoher Widerrist birgt die Gefahr in sich, dass der Sattel zu weit nach hinten rutscht. Er muss in diesem Falle mittels Vorderzeug fixiert werden.

Rücken

Der Rücken soll kräftig sein und frei schwingen können, um das Gewicht des Reiters gut aufnehmen zu können. Ein zu kurzer Rücken kann das Pferd leicht fest machen, was es für die Dressur unbrauchbar macht. Ein zu langer Rücken erschwert es dem Pferd hinreichend weit unterzutreten, um das Gewicht auf die Hinterhand zu bekommen. In der Dressur ist ein nicht zu langes Rechteckpferd gewünscht, das einerseits die nötige Freiheit im Rücken hat, andererseits nicht zu lang ist. Fehler im Rücken sind der Senkrücken, ein nach unten gewölbter Rücken, der das Reiten unmöglich macht, und der Karpfenrücken, eine Aufwölbung des Rückens, die dem Pferd die notwendige Flexibilität nimmt und es damit ebenfalls fürs Reiten unbrauchbar macht. Auch vor der Kutsche sind Senk- und Karpfenrücken nicht brauchbar, da der nach hinten gerichtete Druck des Geschirrs hier nicht korrekt auf die Hinterhand übertragen werden kann.

Kruppe

Auch die Kruppe ist ein entscheidendes Merkmal für die Verwendbarkeit eines Pferdes. Eine sehr gerade flache Kruppe, wie sie häufig bei Rennpferden anzutreffen ist, ist für einen flachen schnellen Galopp zwar zuträglich, ist gleichzeitig aber hinderlich für eine hohe Tragfähigkeit und kann auch ein gutes Untertreten in der Versammlung behindern. Eine steil abfallende Kruppe ist dagegen gut für die Tragfähigkeit und für schwere Kaltblüter auch durchaus gewünscht, aber hinderlich für Dressur und Rennsport. In Dressur- und Springsport ist die schräge gut gerundete Kruppe erwünscht, die bei guter Tragfähigkeit auch einen optimalen Bewegungsspielraum bietet.

Beine

Vorderbeine

Wesentliches Merkmal beim Vorderbein ist die korrekte Stellung. Wenn man ein Lot vom Ellbogengelenk aus fällt, sollte dieses von der Seite gesehen durch das Vorderfußwurzelgelenk und durch das Fesselgelenk verlaufen. Von vorne gesehen sollen die Gelenke ebenfalls genau übereinander stehen. Folgende Fehlstellungen können dabei auftreten:
- bodenweit: von vorne gesehen verläuft die Linie durch die Gelenke nicht senkrecht nach unten, sondern nach außen
- bodeneng: von vorne gesehen verläuft die Linie durch die Gelenke nicht senkrecht nach unten, sondern nach innen
- vorbiegig: von der Seite gesehen verläuft das Lot durchs Ellbogengelenk hinter dem Vorderfußwurzelgelenk
- rückbiegig: von der Seite gesehen verläuft das Lot durchs Ellbogengelenk vor dem Vorderfußwurzelgelenk Alle Fehlstellungen führen zu einer Mehrbelastung der Gelenke und sollten daher, wenn sie vorhanden sind, möglichst gering sein.

Röhrbein

Die Stärke des Röhrbeins wird gern als Indikator für die Springtauglichkeit genommen, da ein zu schwaches Röhrbein den starken Belastungen der Landung nicht lange gewachsen ist.

Hinterbeine

Wesentliches Merkmal beim Hinterbein ist, wie beim Vorderbein, die korrekte Stellung. Wenn man ein Lot vom Hüftgelenk aus fällt, sollte dieses von der Seite gesehen durch das Sprunggelenk und durch das Fesselgelenk verlaufen. Von hinten gesehen sollen auch hier die Gelenke genau übereinander stehen. Folgende Fehlstellungen können dabei auftreten:
- fassbeinig: von hinten gesehen verläuft die Linie durch die Gelenke nicht senkrecht nach unten, sondern, meist O-förmig, nach innen
- kuhhessig: von hinten gesehen verläuft die Linie durch die Gelenke nicht senkrecht nach unten, sondern, meist X-förmig, nach außen
- vorständig: von der Seite gesehen verläuft das Lot durchs Hüftgelenk hinter Sprung- und Fesselgelenk
- rückständig: von der Seite gesehen verläuft das Lot durchs Hüftgelenk vor Sprung und Fesselgelenk
- säbelbeinig: von der Seite gesehen verläuft das Lot durchs Hüftgelenk vor dem Sprunggelenk und durchs Fesselgelenk Alle Fehlstellungen führen zu einer Mehrbelastung der Gelenke und sollten daher, wenn sie vorhanden sind, möglichst gering sein. Eine leicht säbelbeinige Haltung kommt bei vielen Gebirgspferden vor und wird hier auf Grund der höheren Trittsicherheit in unsicherem Gelände toleriert und sogar in die Rassebeschreibung mit aufgenommen.

Hufstellung

Die korrekte Hufstellung hat entscheidenden Anteil an der Belastung der Beugesehne in der Bewegung, weshalb ihr in jedem Fall eine hohe Bedeutung zukommt. Als Maß für die Hufstellung wird der Winkel zwischen Fessel und Röhrbein verwendet, statt von Hufstellung wird daher auch oft von Fesselstellung gesprochen. Normalerweise sollte der Winkel etwa 45 Grad betragen. Ist er geringer spricht man von einer weichen, ist er größer von einer harten Fesselung. Da das Fesselgelenk für das Pferd eine Art Stossdämpfer ist, ist das Pferd für den Reiter entsprechend der Fesselung weicher oder härter zu sitzen. Ist die gedachte Linie durch Fesselgelenk, Krongelenk und Huf im Fesselgelenk gebrochen, spricht man von einer bärentatzigen Hufstellung, die ein Pferd für jede Belastung untauglich macht, da hier die Beugesehne erheblich überstrapaziert wird.

Fell

Farben und Abzeichen

Farben und Abzeichen sind nur für Farbzuchten, wie Haflinger, Friese, Palomino, interessant, ein Rückschluss von der Farbe auf die Leistungsfähigkeit oder das Temperament, wie früher oftmals vorgenommen, ist nicht möglich. Nur die Albinofärbung kann ein Hinweis auf stärkere Anfälligkeit insbesondere für Hautkrankheiten sein und damit indirekt auf eine geringere Leistungsfähigkeit des Tieres hinweisen.

Langhaar

Wie die Färbung des Pferdes, so ist auch das Langhaar kein Merkmal für Leistungsfähigkeit. Nichtsdestoweniger wird in einigen Zuchten, wie Friese, Andalusier, großer Wert auf volles Langhaar gelegt, da solche Rassen auch als Showpferde eingesetzt werden. Kategorie:Pferd

Interieur

Als Interieur bezeichnet man:
- bei Tieren die psychischen Eigenschaften im Gegensatz zu den physischen Eigenschaften, die als Exterieur bezeichnet werden
- die inneren Organe, diese Verwendung des Begriffs ist allerdings ungewöhnlich
- das Innere eines Raumes, der Gegensatz ist "Exterieur".

Pferdezucht

Unter Pferdezucht versteht man die geplante und durchdachte Vermehrung von Pferden mit dem Ziel Gesundheit, Leistungsvermögen und -bereitschaft und bestimmte Rassemerkmale zu erhalten oder zu verbessern.

Allgemeines

Da als Zuchtpferde nur Tiere eingesetzt werden sollten, die dem Zuchtziel der jeweiligen Rasse möglichst gut entsprechen, muss zunächst eine Auswahl erfolgen. Auswahlkriterien können sein:
- Abstammung
- Exterieur/Interieur
- Eigenleistung
- Nachkommenleistung
- Gesundheit

Geschichte der Pferdezucht

Die Pferdezucht hat eine weit zurückreichende Historie und beginnt nach derzeitigem Wissensstand zwischen 5000 v. Chr. und 3000 v. Chr. etwa zeitgleich in verschiedenen Gebieten von Europa, Asien und Nordafrika. Da der Einsatz von Pferden vielfach die Beweglichkeit der Völker, die sie nutzten, steigerte, führte die Domestizierung gleichzeitig auch zu einer stärkeren Vermischung der Pferderassen untereinander, da der Mensch stets bemüht war, aus den im nun größeren Aktionskreis vorgefundenen Rassen das ihm jeweils am besten erscheinende Zuchtmaterial zu verwenden. Den genauen Domestikationszeitpunkt festzulegen ist außerordentlich schwierig, da es nur wenige Anhaltspunkte gibt, an denen ein domestiziertes Pferd von einem Wildpferd unterschieden werden kann. So ist man normalerweise auf den Fund von Gebrauchsgegenständen wie Trensen und Sätteln angewiesen. Haupteinsatzzwecke waren anfangs wohl der Transport von Lasten und die Fleischproduktion, aber bald kamen dann auch das Reiten und die Feldarbeit hinzu. Heute gibt es hunderte verschiedener Pferderassen, die mit dem Menschen nahezu alle Lebensräume erobert haben, wobei seit Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts ein Rückgang der Artenvielfalt zu beobachten ist, bedingt durch den Wegfall einer Reihe von Einsatzgebieten durch fortschreitende Industrialisierung. Letzte Untersuchungen, die auf der Auswertung der mitrochondialen DNA von heutigen Hauspferden und von Fossilien ausgestorbener Arten beruhen, deuten darauf hin, dass die Domestikation des Pferdes nicht an einem Ort, sondern unabhängig voneinander an mehreren Orten stattgefunden hat. Wesentliches Indiz hierfür ist die Breite der genetischen Variationen, die in beiden Testgruppen gleich groß ist. Bei nur einem Domestikationsort wäre bei den Hauspferden eine geringere genetische Variationsbreite zu erwarten gewesen. Zudem wurde bei diesen Tests festgestellt, dass einige der fossilen Funde näher mit heutigen Arten verwandt waren, als einige heutige Arten untereinander. Hieraus würde sich auch die starke Divergenz einiger heutiger Rassen, wie Ponys, Kaltblüter und Vollblüter erklären, da die Züchter zur unterschiedlichen Entwicklung der Rassen nicht nur den Domestikationszeitraum gehabt hätten, sondern auf das genetische Material bereits lange vorher existierender Arten zurückgreifen konnten. Durch den verhältnismäßig langen Generationenabstand des Pferdes sind für den Züchter meist Hengste, die eine ganze Zuchtlinie begründen können, interessanter als Stuten, die selten mehr als 6 Nachkommen haben und dadurch ihre Merkmale nicht im selben Maße weitervererben können. Bestes Beispiel hierfür ist die Zucht des englischen Vollblüters, bei der 95 % der Rasse auf lediglich einen Hengst zurückgeführt werden können. Der Fachbegriff für Deckhengste ist im Allgemeinen Beschäler oder Schälhengst, die auf einem Landesgestüt eingesetzten Hengste werden als Landbeschäler bezeichnet.

Zuchtverfahren

Einkreuzung

Zu Beginn der Pferdezucht kann man kaum von einer systematischen Zucht heutiger Form sprechen. Es wurden schlicht die zur Verfügung stehenden Tiere nach Gefallen miteinander gekreuzt. Gerne wurden Tiere die durch Handel oder Raubzüge aus entfernteren Gegenden kamen stark eingekreuzt, das Endprodukt war eher zufällig. Die Rassen entsprachen weitgehend den im jeweiligen Gebiet vorgefundenen Naturrassen.

Reinzucht

Beim Reinzuchtverfahren werden nur Tiere der gleichen Rasse miteinander angepaart. Man spricht in diesem Fall auch von einem geschlossenen Zuchtbuch. Rassen die nach diesem Verfahren gezüchtet werden, haben meist eine konsolidierte Population, das heißt die meisten Tiere sind sich bezüglich Aussehen und Charaktereigenschaften recht ähnlich und es gibt verhältnismäßig wenige extreme Ausnahmen. Bei der Reinzucht gilt es für die Züchter ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der genetischen Vielfalt zu legen, da eine zu enge Blutführung auch zu nicht unerheblichen Gesundheitsproblemen führen kann. Die bekanntesten Rassen mit geschlossenen Zuchtbüchern sind der Vollblutaraber, das englische Vollblut und das Islandpferd. Auch einige Warmblutrassen wie die Holsteiner oder die Trakehner haben nahezu geschlossene Zuchtbücher.

Veredlung

Die Veredlung einer Rasse durch Einzucht einiger weniger Individuen mit gewünschten Eigenschaften ist Standard in der Pferdezucht. So wurden in vielen Rassen Araber, Vollblüter oder Trakehner zur Veredlung eingesetzt. Im Gegensatz zur Einkreuzung wird der Veredler gezielt anhand gewünschter Eigenschaften ausgesucht.

Kreuzung

Bei der Kreuzung wird, wie zum Beispiel beim Aegidienberger, versucht die Eigenschaften zweier Rassen zusammenzuführen. Die beiden Ursprungsrassen werden im Zuchtverlauf immer wieder zur Blutauffrischung und Verfestigung der Zuchtrichtung eingekreuzt. Es können selbstverständlich auch mehr als zwei Rassen die Ausgangspunkte der Kreuzung bilden, die Ausgangsrassen sollten dann aber bereits eine hohe Ähnlichkeit aufweisen, um ein zu starkes Aufspalten der neuen Zuchtlinie zu vermeiden.

Zucht im 21. Jahrhundert

Die Zucht im 21. Jahrhundert ist großteils Privatengagement, da staatliche Institutionen die Kosten für eine reine Erhaltung nicht mehr tragen können. So gibt es zwar noch Staatsgestüte, aber der Großteil der Zuchttiere befindet sich in der Hand kleiner Privatzüchter, die sich den unterschiedlichsten Pferderassen verschrieben haben. Grundlagen für die Pferdezucht in Deutschland sind das Tierzuchtgesetz sowie die Verordnung über Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung bei Pferden. Wie bei anderen Tierarten auch werden Pferde mittlerweile nicht mehr nur auf natürlichem Wege, also durch das Zusammenführen von Hengst und Stute, vermehrt, sondern auch hier haben künstliche Besamung und Embryotransfer Einzug gehalten. Eine Entwicklung die durchaus nicht unkritisch betrachtet wird. Zu den Vorteilen der künstlichen Besamung zählen sicherlich die geringere Belastung der Tiere, da Transportwege entfallen und die Risiken von Verletzungen und Krankheitsübertragung minimiert werden, sowie die Kostenvorteile für den Züchter. Auf der Nachteilsseite steht langfristig die Gefahr einer genetischen Verarmung, da gewisse offensiv vermarktete "Modehengste" ihre Erbanlagen nun überdurchschnittlich oft weitergeben können und die schlechteren Trächtigkeitserfolge bei Stuten. Siehe auch: Pferdesport, Zucht, Viehzucht

Weiterführende Weblinks


- [http://forum.europa.eu.int/irc/sanco/vets/info/data/semen/ms-sc-eq.html#GERMANY Liste der deutschen EU-Besamungsstationen]
- [http://forum.europa.eu.int/irc/sanco/vets/info/data/breeding/br-eq.html#GERMANY Liste deutscher Pferdezuchtverbände]
- [http://www.fn-dokr.de/isy.net/servlet/broadcast/ocd_ergebnisse.html OCD-Forschungsprojekt]

EU-Bestimmungen


- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31990L0427&model=guichett Grundlegende Richtlinien]
- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31992D0353&model=guichett Anerkennung von Zuchtorganisationen]
- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31996D0078&model=guichett Eintragung in Zuchtbücher]

Literatur


- Michael Schäfer, Handbuch Pferdebeurteilung, Kosmos Verlag 2000, ISBN 3-440-07237-1
- Richtlinien für Reiten und Fahren, Bd.4, Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht, Fn-Verlag 2005, ISBN 3-88542-284-0 Kategorie:Pferd

Lusitano

Der Lusitano ist eine portugiesische Pferderasse, die im Barocktyp steht.

Exterieur

Ausdrucksvoller, edler Kopf - oft Ramskopf mit sehr gut geschwungenem Hals und gut angesetzter Schulter. Muskulöse, leicht abfallende Kruppe, trockene Beine mit langen Röhren, die dieser Rasse eine gute Beinaktion verleihen.

Interieur

Sie gelten als sensibel, lebhaft und unerschrocken.

Zuchtgeschichte

Zweifellos handelt es sich beim Lusitano um eine der ältesten Pferderassen in Westeuropa. Der Lusitano ist ein kleines, kompaktes, elastisches Pferd, das wegen seinem Mut, seiner Intelligenz und Beweglichkeit früher in der portugiesischen Kavallerie eingesetzt wurde. Später haben diese Eigenschaften den Lusitano für eine Vielzahl von Disziplinen, vor allem für die hohen Schule und für den Stierkampf ausgezeichnet. Siehe auch: Liste der Pferderassen

Weblinks

Kategorie:Pferderasse

Pferdezucht

Unter Pferdezucht versteht man die geplante und durchdachte Vermehrung von Pferden mit dem Ziel Gesundheit, Leistungsvermögen und -bereitschaft und bestimmte Rassemerkmale zu erhalten oder zu verbessern.

Allgemeines

Da als Zuchtpferde nur Tiere eingesetzt werden sollten, die dem Zuchtziel der jeweiligen Rasse möglichst gut entsprechen, muss zunächst eine Auswahl erfolgen. Auswahlkriterien können sein:
- Abstammung
- Exterieur/Interieur
- Eigenleistung
- Nachkommenleistung
- Gesundheit

Geschichte der Pferdezucht

Die Pferdezucht hat eine weit zurückreichende Historie und beginnt nach derzeitigem Wissensstand zwischen 5000 v. Chr. und 3000 v. Chr. etwa zeitgleich in verschiedenen Gebieten von Europa, Asien und Nordafrika. Da der Einsatz von Pferden vielfach die Beweglichkeit der Völker, die sie nutzten, steigerte, führte die Domestizierung gleichzeitig auch zu einer stärkeren Vermischung der Pferderassen untereinander, da der Mensch stets bemüht war, aus den im nun größeren Aktionskreis vorgefundenen Rassen das ihm jeweils am besten erscheinende Zuchtmaterial zu verwenden. Den genauen Domestikationszeitpunkt festzulegen ist außerordentlich schwierig, da es nur wenige Anhaltspunkte gibt, an denen ein domestiziertes Pferd von einem Wildpferd unterschieden werden kann. So ist man normalerweise auf den Fund von Gebrauchsgegenständen wie Trensen und Sätteln angewiesen. Haupteinsatzzwecke waren anfangs wohl der Transport von Lasten und die Fleischproduktion, aber bald kamen dann auch das Reiten und die Feldarbeit hinzu. Heute gibt es hunderte verschiedener Pferderassen, die mit dem Menschen nahezu alle Lebensräume erobert haben, wobei seit Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts ein Rückgang der Artenvielfalt zu beobachten ist, bedingt durch den Wegfall einer Reihe von Einsatzgebieten durch fortschreitende Industrialisierung. Letzte Untersuchungen, die auf der Auswertung der mitrochondialen DNA von heutigen Hauspferden und von Fossilien ausgestorbener Arten beruhen, deuten darauf hin, dass die Domestikation des Pferdes nicht an einem Ort, sondern unabhängig voneinander an mehreren Orten stattgefunden hat. Wesentliches Indiz hierfür ist die Breite der genetischen Variationen, die in beiden Testgruppen gleich groß ist. Bei nur einem Domestikationsort wäre bei den Hauspferden eine geringere genetische Variationsbreite zu erwarten gewesen. Zudem wurde bei diesen Tests festgestellt, dass einige der fossilen Funde näher mit heutigen Arten verwandt waren, als einige heutige Arten untereinander. Hieraus würde sich auch die starke Divergenz einiger heutiger Rassen, wie Ponys, Kaltblüter und Vollblüter erklären, da die Züchter zur unterschiedlichen Entwicklung der Rassen nicht nur den Domestikationszeitraum gehabt hätten, sondern auf das genetische Material bereits lange vorher existierender Arten zurückgreifen konnten. Durch den verhältnismäßig langen Generationenabstand des Pferdes sind für den Züchter meist Hengste, die eine ganze Zuchtlinie begründen können, interessanter als Stuten, die selten mehr als 6 Nachkommen haben und dadurch ihre Merkmale nicht im selben Maße weitervererben können. Bestes Beispiel hierfür ist die Zucht des englischen Vollblüters, bei der 95 % der Rasse auf lediglich einen Hengst zurückgeführt werden können. Der Fachbegriff für Deckhengste ist im Allgemeinen Beschäler oder Schälhengst, die auf einem Landesgestüt eingesetzten Hengste werden als Landbeschäler bezeichnet.

Zuchtverfahren

Einkreuzung

Zu Beginn der Pferdezucht kann man kaum von einer systematischen Zucht heutiger Form sprechen. Es wurden schlicht die zur Verfügung stehenden Tiere nach Gefallen miteinander gekreuzt. Gerne wurden Tiere die durch Handel oder Raubzüge aus entfernteren Gegenden kamen stark eingekreuzt, das Endprodukt war eher zufällig. Die Rassen entsprachen weitgehend den im jeweiligen Gebiet vorgefundenen Naturrassen.

Reinzucht

Beim Reinzuchtverfahren werden nur Tiere der gleichen Rasse miteinander angepaart. Man spricht in diesem Fall auch von einem geschlossenen Zuchtbuch. Rassen die nach diesem Verfahren gezüchtet werden, haben meist eine konsolidierte Population, das heißt die meisten Tiere sind sich bezüglich Aussehen und Charaktereigenschaften recht ähnlich und es gibt verhältnismäßig wenige extreme Ausnahmen. Bei der Reinzucht gilt es für die Züchter ein besonderes Augenmerk auf die Erhaltung der genetischen Vielfalt zu legen, da eine zu enge Blutführung auch zu nicht unerheblichen Gesundheitsproblemen führen kann. Die bekanntesten Rassen mit geschlossenen Zuchtbüchern sind der Vollblutaraber, das englische Vollblut und das Islandpferd. Auch einige Warmblutrassen wie die Holsteiner oder die Trakehner haben nahezu geschlossene Zuchtbücher.

Veredlung

Die Veredlung einer Rasse durch Einzucht einiger weniger Individuen mit gewünschten Eigenschaften ist Standard in der Pferdezucht. So wurden in vielen Rassen Araber, Vollblüter oder Trakehner zur Veredlung eingesetzt. Im Gegensatz zur Einkreuzung wird der Veredler gezielt anhand gewünschter Eigenschaften ausgesucht.

Kreuzung

Bei der Kreuzung wird, wie zum Beispiel beim Aegidienberger, versucht die Eigenschaften zweier Rassen zusammenzuführen. Die beiden Ursprungsrassen werden im Zuchtverlauf immer wieder zur Blutauffrischung und Verfestigung der Zuchtrichtung eingekreuzt. Es können selbstverständlich auch mehr als zwei Rassen die Ausgangspunkte der Kreuzung bilden, die Ausgangsrassen sollten dann aber bereits eine hohe Ähnlichkeit aufweisen, um ein zu starkes Aufspalten der neuen Zuchtlinie zu vermeiden.

Zucht im 21. Jahrhundert

Die Zucht im 21. Jahrhundert ist großteils Privatengagement, da staatliche Institutionen die Kosten für eine reine Erhaltung nicht mehr tragen können. So gibt es zwar noch Staatsgestüte, aber der Großteil der Zuchttiere befindet sich in der Hand kleiner Privatzüchter, die sich den unterschiedlichsten Pferderassen verschrieben haben. Grundlagen für die Pferdezucht in Deutschland sind das Tierzuchtgesetz sowie die Verordnung über Leistungsprüfung und Zuchtwertfeststellung bei Pferden. Wie bei anderen Tierarten auch werden Pferde mittlerweile nicht mehr nur auf natürlichem Wege, also durch das Zusammenführen von Hengst und Stute, vermehrt, sondern auch hier haben künstliche Besamung und Embryotransfer Einzug gehalten. Eine Entwicklung die durchaus nicht unkritisch betrachtet wird. Zu den Vorteilen der künstlichen Besamung zählen sicherlich die geringere Belastung der Tiere, da Transportwege entfallen und die Risiken von Verletzungen und Krankheitsübertragung minimiert werden, sowie die Kostenvorteile für den Züchter. Auf der Nachteilsseite steht langfristig die Gefahr einer genetischen Verarmung, da gewisse offensiv vermarktete "Modehengste" ihre Erbanlagen nun überdurchschnittlich oft weitergeben können und die schlechteren Trächtigkeitserfolge bei Stuten. Siehe auch: Pferdesport, Zucht, Viehzucht

Weiterführende Weblinks


- [http://forum.europa.eu.int/irc/sanco/vets/info/data/semen/ms-sc-eq.html#GERMANY Liste der deutschen EU-Besamungsstationen]
- [http://forum.europa.eu.int/irc/sanco/vets/info/data/breeding/br-eq.html#GERMANY Liste deutscher Pferdezuchtverbände]
- [http://www.fn-dokr.de/isy.net/servlet/broadcast/ocd_ergebnisse.html OCD-Forschungsprojekt]

EU-Bestimmungen


- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31990L0427&model=guichett Grundlegende Richtlinien]
- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31992D0353&model=guichett Anerkennung von Zuchtorganisationen]
- [http://europa.eu.int/smartapi/cgi/sga_doc?smartapi!celexapi!prod!CELEXnumdoc&lg=DE&numdoc=31996D0078&model=guichett Eintragung in Zuchtbücher]

Literatur


- Michael Schäfer, Handbuch Pferdebeurteilung, Kosmos Verlag 2000, ISBN 3-440-07237-1
- Richtlinien für Reiten und Fahren, Bd.4, Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht, Fn-Verlag 2005, ISBN 3-88542-284-0 Kategorie:Pferd

Andalusier

Die Bezeichnung Andalusier bezeichnet landläufig alle spanischen Pferderassen, ist so aber genau genommen nicht ganz richtig. Die Zucht des Pura Raza Española (kurz PRE) wird in Spanien außerordentlich streng gehandhabt, das Zuchtbuch wird vom Verteidigungsministerium verwaltet. Nur Hengste und Stuten, die hier registriert sind, sind zur Zucht zugelassen. Insofern werden spanische Pferde ohne die Zulassung und entsprechende Papiere gerne als "Andalusier" bezeichnet. Daneben gibt es noch den "Menorquin" und als Tres Sangres bezeichnete Pferde, wobei "Tres Sangres" keine eigene Rasse darstellt, sondern nur ausdrückt, dass hier drei unterschiedliche Rassen gekreuzt worden sind.

Weblinks

Siehe auch: Liste der Pferderassen Kategorie:Pferderasse

Pferdehaltung

Pferdehaltung ist immer ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Pferdes und seines Halters.

Allgemeines

Oberstes Gebot bei der Pferdehaltung sollte, wie bei jeder Tierhaltung, die Erfüllung der Bedürfnisse des Pferdes sein. Da das Pferd allerdings nur noch als Freizeitpartner des Menschen gehalten wird, muss man realistischerweise hier auch die Bedürfnisse des Halters berücksichtigen, da ein Erlöschen des Halterinteresses durch zu einseitig auf das Pferd abgestellte Haltung, schnell zur Gefährdung der meisten Pferderassen führen kann.

Bedürfnisse des Pferdes


- Bewegung: In freier Natur ist ein Pferd 10 bis 16 Stunden am Tag - meist zur Futtersuche - unterwegs. Da dieser Bewegungsbedarf allein über den Reit- und Fahrsport meist nicht gedeckt werden kann, sollte möglichst viel Gelegenheit zur selbständigen unbehinderten Bewegung gegeben werden.
- Sozialkontakte: Pferde sind ausgeprägte Herdentiere, Die Herde ist ihre Heimat.. Jedes Pferd braucht die Möglichkeit Sozialkontakte mit Artgenossen aufzunehmen.
- Gesundheit: das Pferd ist auf ein Leben unter freiem Himmel eingestellt und braucht den Kontakt zu Licht und Luft genauso wie staubfreie Luft und staubfreies Futter. Staub ist heutzutage das größte Problem für die empfindlichen Atmungsorgane des Pferdes.
- Futter: da das Pferd einen für seine Größe sehr kleinen Magen hat, muss über den Tag verteilt genügend Futter in kleineren Mengen verfügbar sein.
- Anregung: Zur Erhaltung eines ausgeglichenen Nervenkostüms und gleichzeitig wacher Sinne braucht das Pferd ein Mindestmaß an Abwechslung. Ideal ist hier ein freier Ausblick, der das Interesse an der Umgebung erhält, ohne Stress zu verursachen.
- Sicherheit: Das Pferd möchte bei Stress die Gelegenheit haben zu fliehen, sein Raumbedarf ist also relativ hoch.

Bedürfnisse des Halters


- Verfügbarkeit: Ein Aufwändiges Einfangen des Pferdes, bevor mit ihm geritten werden kann, sollte sich auf Ausnahmen beschränken. Auch für Tierarzt und Hufschmied muss das Pferd gut zu erreichen sein.
- Pflege: Das tägliche Schlammbad gefällt zwar vielen Pferden, das stundenlange Säubern, um keine Scheuerstellen unter dem Sattel zu erzeugen, dem Halter in der Regel weniger.
- Wetterunabhängigkeit: Es sollte neben einem Außenplatz und möglichst gut bereitbarem Gelände auch eine Reithalle zur Verfügung stehen.
- Sicherheit
  - Reitzubehör: Es müssen abschließbare Schränke vorhanden sein um Sattel, Trense etc. sicher unterbringen zu können.
  - Pferd: Es muss qualifiziertes Personal vorhanden sein, das in der Lage ist Probleme (z.B. Kolik) frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Auch muss in Zeiten von Pferderippern ein Mindestmaß an Kontrolle über das Pferd gewährleistet sein. Eine Verletzungsgefährdung soll für Pferd und Reiter möglichst ausgeschlossen werden.
- Unterstützung: Die meisten Reiter möchten die Gelegenheit haben, sich in ihrem Wissen und Können weiterzubilden, was einen Reitlehrer erforderlich macht. Auch die Haltung des Pferdes wird dem Reiter wesentlich erleichtert, wenn jemand existiert, der einspringen kann, wenn er selbst verhindert ist.
- Sozialkontakte: Der Reiter verbringt einen nicht unwesentlichen Teil seiner Freizeit beim Pferd und möchte daher auch eine Möglichkeit haben dort seine Sozialkontakte zu pflegen.

Bedürfnisse des Stallbesitzers


- Fütterung sollte möglichst geringen Zeitaufwand erfordern.
- Einstreuen und Misten sollten mit maschineller Hilfe möglich sein.

Ständerhaltung

Die Ständerhaltung war für kleine Bauernhöfe und Betriebe, die vor der Motorisierung auf die Arbeitskraft des Pferdes angewiesen waren, aber nicht in der Lage waren ihren Pferden viel Raum zu bieten, der Normalfall. Das Pferd hatte dabei nur Platz zum Stehen und war in seinem Ständer angebunden. Hierdurch war es nicht in der Lage sich zu drehen. Die Ständerhaltung ist heute in den meisten Bundesländern verboten, da sie den Bedürfnissen eines Pferdes in keiner Weise gerecht werden kann. Bei dieser Haltungsform muss auch darauf hingewiesen werden, dass die Pferde damals als Arbeitstiere täglich einige Stunden gebraucht wurden und dadurch ein verhältnismäßig hohes Maß an Bewegung hatten. In heutiger Zeit, wo Pferde als reine Freizeitobjekte gehalten werden, erhalten die meisten Pferde gerade einmal 1 Stunde Bewegung unter ihrem Reiter, was die Ständerhaltung zur Tierquälerei werden lässt.

Boxenhaltung

Die Boxenhaltung ist heute der Normalfall. Die meisten Reitpferde sind in einem Stall untergebracht, in dem sie eine Box von mindestens 3 mal 3 Meter für sich haben, in der sie sich eingeschränkt bewegen können. Die Boxen sind gegeneinander durch Gitter voneinander getrennt, was eine physische Kontaktaufnahme der Pferde untereinander verhindert. Auf diese Weise soll gegenseitigen Verletzungen vorgebeugt werden. Zu jedem guten Reitstall gehören heute Weiden auf denen die Pferde sich in der Weidezeit - etwa Mitte April bis Mitte Oktober - stundenweise frei bewegen und grasen können. Für die restliche Zeit des Jahres sollten Paddocks zur Verfügung stehen, um den Pferden auch im Winter zumindest eine eingeschränkte freie Bewegung zu ermöglichen. Diese Haltungsform ist ein Kompromiss zwischen den Bedürfnissen des Pferdes und des Reiters, der sich in erster Linie an den Bedürfnissen des Reiters orientiert. Das Pferd steht jederzeit schnell zur Verfügung und ist verhältnismäßig leicht sauber zu halten.

Offenstall

Paddocks In der Offenstallhaltung steht dem Pferd außer der Box auch ein abgegrenzter außerhalb des geschlossenen Stalls liegender Bereich zur Verfügung, der an den Stall angrenzt und mit diesem durch eine offenstehende Tür verbunden ist. Das Pferd hat jederzeit die Möglichkeit, sich zwischen dem geschützten Stallbereich und dem offenen Außenbereich hin und her zu bewegen. Diese Haltungsform wird oft auch mit mehreren Pferden in einer dann entsprechend größeren Box praktiziert, was diesen Sozialkontakte ermöglicht. Diese Haltung ist ein mehr am Pferd ausgerichteter Kompromiss, der dem Reiter etwas mehr Arbeit abverlangt als bei der Boxenhaltung. Bei schlechtem Wetter muss er sein Pferd oftmals erst einmal reittauglich machen, da es sich entgegen den Gewohnheiten des Menschen auch bei diesem Wetter meist draußen aufhält. Insbesondere für die Atmungsorgane ist diese Haltungsform ein Fortschritt, der viele bei reiner Boxenhaltung auftretende Probleme zu verhindern hilft.

Laufstall

Der Laufstall ist die Weiterentwicklung der Offenstallhaltung. Hier wird versucht, durch den Aufbau des Offenstalls zu erreichen, dass die Pferde sich zwangsläufig bei der Befriedigung ihrer Bedürfnisse, wie in freier Wildbahn, von einem Ort zum anderen bewegen müssen (Daher auch die Bezeichnung Bewegungsstall). Das bedeutet Wasser, Futter, Gelegenheit zum Kratzen und Wälzen etc. sind alle räumlich voneinander so getrennt, dass das Pferd nach Möglichkeit angehalten wird sich ständig von einem Ort zum anderen zu bewegen.

Robusthaltung

Die Robusthaltung ist die Idealform für das Pferd, die dafür dem Halter sehr viel abverlangt. Das Pferd wird hier in einer Herde auf einer hinreichend großen Weide - etwa ein halber Hektar je Pferd - ganzjährig draußen gehalten. Die Weide benötigt einen Sonnen- und optimalerweise auch einen Windschutz, etwa einen Baum oder einen einfachen Unterstand. Da das Pferd hier hinreichend Gelegenheit hat seine Sozialkontakte auszuleben und auch seinem Bewegungsdrang jederzeit nachgeben kann, ist es naturgemäß nicht mehr so sehr an seinem Reiter interessiert, der ihm endlich die lang ersehnte Bewegung ermöglicht. Da es hier auch immer aus einer Herde geholt werden muss, kann diese Haltungsform für Pferde, die ohnehin nur schwer wieder von der Weide zu holen sind, nicht empfohlen werden (es sei denn, der Halter möchte aufs Reiten verzichten). Gerade bei schlechtem Wetter verlangt diese Haltungsform dem Reiter viel Arbeit ab, da die Pferde diesem Wetter voll ausgesetzt sind, und dementsprechend erst aufwändig geputzt werden müssen, bevor man ihnen einen Sattel auflegen kann.

Weblinks


- [http://www.lag-online.de www.lag-online.de] - Webseite der Laufstallarbeitsgemeinschaft für artgerechte Pferdehaltung
- [http://www.verbraucherministerium.de/index-1E619239DEAB4B50A61A70892A91C741.html www.verbraucherministerium.de] -Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten
Siehe auch: Pferd, Pferdekrankheit !

Deutschland

Deutschland (die Langform der amtlichen Staatsbezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa und hat gemeinsame Grenzen mit Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Im Norden bilden die Nordsee und die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen. Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin; einige Bundesministerien befinden sich in der Bundesstadt Bonn, dem ehemaligen Regierungssitz. Das politische System ist föderal und als parlamentarische Demokratie organisiert: Nach Artikel 20 des Grundgesetzes versteht sich Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat und Rechtsstaat. Dieser Bundesstaat besteht aus 16 teilsouveränen Bundesländern. Deutschland ist mit über 82 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Europas. Die Bundesrepublik Deutschland ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der NATO und der G8. Viele Links zu Artikeln mit Deutschlandbezug finden sich im Portal Deutschland.

Geografie

Lage

Deutschland liegt in Mitteleuropa zwischen 47°16′15″ und 55°05′33″ nördlicher Breite und 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von List auf Sylt (Schleswig-Holstein) bis Oberstdorf (Bayern) und beträgt 876 km; die West-Ost-Ausdehnung zwischen der Gemeinde Selfkant (NRW) und Deschka (Sachsen) beträgt 640 km. Nachfolgend sind die an Deutschland angrenzenden Staaten und Meere im Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge (insgesamt 3.757 km lang) ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben. Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (67 km), im Nordosten an Polen (442 km), im Osten an Tschechien (811 km), im Südosten an Österreich (815; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 km; mit Grenzen der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 km), im Westen an Luxemburg (135 km) und Belgien (156 km) und im Nordwesten an die Niederlande (567 km). Während im Nordwesten die Küsten der Nordsee und im Nordosten die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen bilden, hat Deutschland im Süden Anteil an den Alpen.

Exklaven

Eine Exklave Deutschlands ist das am Hochrhein gelegene Büsingen, das zum Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg gehört. Sie ist 7,62 km² groß und gänzlich von den drei Schweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich umgeben. Daneben existiert eine zweite Exklave auf irischem Territorium, unweit von Dublin. Es handelt sich um einen Friedhof, auf dem während des Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten beerdigt wurden. Um nach dem Krieg eine kostspielige und aufwändige Überführung der Leichen zu vermeiden, wurde das Gebiet an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Mittelpunkt Deutschlands

Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt laut dem Statistischen Jahrbuch Deutschland (Stand: 2000) in der Gemeinde Niederdorla im westlichen Thüringen auf der .

Großlandschaften

Die landschaftlichen Großräume unterscheiden sich vor allem in der Abfolge von Nord nach Süd, da das Gelände nach Süden hin tendenziell höher und steiler wird. Der nördliche Teil Deutschlands, die Norddeutsche Tiefebene, ist ein hauptsächlich von den Eiszeiten geformtes Tiefland, an das sich nach Süden die bewaldeten Mittelgebirge im Zentrum und in südlicheren Teilen des Landes anschließen. Insbesondere in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, gehen diese Landschaften in das relativ hoch liegende Nördliche Alpenvorland und dies wiederum in das Hochgebirge der Alpen über.

Geologie

Deutschland ist geologisch vielgestaltig. Während die glazial geprägten Landschaften, die Flussniederungen und -becken erst ab dem Tertiär ihre Gestalt annahmen, sind die Mittelgebirge deutlich älteren Datums. Die kristallinen Rumpfgebirge (z. B. der Schwarzwald) sind bereits im Erdaltertum entstanden und bestehen hauptsächlich aus metamorphem und Tiefengestein wie Gneisen und Granit. Ähnlich alt ist das Rheinische Schiefergebirge, dessen Entstehung auf Silur und Devon zu datieren ist. An dessen Nordrand finden sich auch Formationen aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert waren. Die süddeutsche Landschaft ist größtenteils auf die Entwicklungen im Erdmittelalter zurück zu führen: Während die Pfalz, Thüringen, Teile Bayerns und Sachsens geologisch im Trias gebildet wurden, ist die sich quer durch den süddeutschen Raum ziehende Schwäbische und Fränkische Alb ein Ergebnis der Auffaltung und Hebung von Meeresboden aus dem Jurazeitalter. Erstere Regionen weisen Sandstein, letztere Kalkstein als vorherrschende geologische Formation auf. Vulkanismus wird in Deutschland nicht beobachtet. Dennoch findet sich in einigen Gebieten vulkanisches Gestein aus früherer Aktivität, insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg in Hessen. Auch Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, da Deutschland vollständig auf der Eurasischen Platte liegt. Das Land wird daher nicht von Grenzen zwischen aneinander anstoßenden großen Platten der Erdkruste durchzogen. Dennoch ist der Rheingraben in Nordrhein-Westfalen als mäßig gefährdete Erdbebenzone eingestuft, die sich bis in die Nachbarländer Belgien und Niederlande erstreckt (siehe auch Erdbebengebiet Kölner Bucht).

Gewässer

Erdbebengebiet Kölner Bucht bei Koblenz (Deutsches Eck)]] Deutschland grenzt mit den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein an die Nordsee. Diese ist ein Randmeer des Atlantiks und das am dichtesten befahrene Seegebiet der Erde. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegen an der Ostsee, einem Binnenmeer, das über den Skagerrak mit der Nordsee verbunden ist. Der Tidenhub an der Ostsee ist wesentlich geringer als an der Nordsee. Die deutschen Flüsse gehören zu sechs großen Flusssystemen, deren Einzugsbereiche fast die gesamte Fläche einnehmen. Diese sind der Rhein, die Donau, die Elbe, die Oder, die Weser, und die Ems. Der längste dieser Flüsse ist die Donau; sie ist mit 2.845 km ab dem Zusammenfluss von Brigach, Breg und der Donauquelle in Donaueschingen beziehungsweise 2.888 km ab der Breg-Quelle am Rande des Schwarzwaldes nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Allerdings verläuft nur ein kleiner Teil der Donau-Gesamtstrecke durch Deutschland. Die Donau mündet ins Schwarze Meer. Alle anderen deutschen Flüsse entwässern in die Nord- oder Ostsee. Der Abschnitt der Europäischen Wasserscheide durch Deutschland verläuft östlich des Oberrheingrabens über den Hauptkamm des Schwarzwaldes, danach folgt sie der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Der Rhein ist von diesen Strömen derjenige, der die längste Strecke innerhalb Deutschlands zurücklegt: Von seinem 1.320 km langen Flusslauf führen 852 km durch Deutschland. Er hat zudem für die Deutschen eine identitätsstiftende Rolle inne, die sich aus der Geschichte und zahlreichen Mythen und Sagen speist. Auch seine wirtschaftliche Funktion ist bedeutend: er ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Elbe entspringt im Riesengebirge an der Grenze Tschechiens zu Polen und mündet nach ungefähr 1.165 km – davon 770 km in Deutschland – bei Cuxhaven in die Nordsee. Sie gehörte zeitweilig zu den am meisten mit Schadstoffen belasteten Flüssen Europas, doch mittlerweile hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. Die Oderquellen befinden sich in den tschechischen Beskiden. Nach wenigen Kilometern fließt die Oder nach Polen und in ihrem Mittellauf durch Schlesien. In ihrem Unterlauf bildet sie die deutsch-polnische Grenze um dann wieder in Polen bei Stettin in das Stettiner Haff zu münden. Als Swine fließt sie schließlich zwischen den Inseln Usedom und Wollin durch Swinemünde in die Ostsee. Die Weser speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Teil Deutschlands. Die Einzugsgebiete von Oder und Ems liegen im äußersten Osten bzw. Westen. Die Seen in Deutschland sind größtenteils in der Folge der Eiszeit entstanden, nach deren Ende sich ehemalige Gletschertäler (Gletscher- und Gletscherwasserabflussrinnen) teilweise mit Wasser füllten. Daher finden sich die meisten der großen Seen in ehemals von Inlandeis bedeckten Gebieten oder deren Vorland, insbesondere in Mecklenburg und dem Alpenvorland. Der größte mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenz