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SowjetrepublikEine Sowjetrepublik ist eine von Sowjets (russisch für Räte) geführte Volksrepublik, zu deutsch Räterepublik. Bei den führenden Räten handelte es sich zumeist um kommunistisch oder sozialistisch dominierte Arbeiter- und Soldaten-/Matrosenräte.
- Meist wird der Begriff im Zusammenhang zur Sowjetunion synomym mit Unionsrepublik verwendet.
- Während der Novemberrevolution in Deutschland und danach (1918-19) wurden auch in Deutschland kurzlebige Sowjet- bzw. Räterepubliken gegründet (Bayern, Bremen, Braunschweig)
- Die kommunistisch geführte Republik Ungarn unter Béla Kun wurde 1919 ebenfalls als Ungarische Räterepublik bezeichnet, von ihr wiederum ging die Gründung der Slowakischen Räterepublik aus
- Im Nordiran bestand von Sommer 1920 bis Herbst 1921 die Iranische Sowjetrepublik bzw. Sowjetrepublik von Gilan
- 1931 wurde zunächst in Südchina, dann 1934 in Nordchina eine Chinesische Sowjetrepublik gegründet
Siehe auch
- Räterepublik
- Sowjetrussland
- Revolutionsexport
Kategorie:Politische Geographie
SowjetSowjet (russisch: cове́т = Rat) ist die Bezeichnung für bestimmte Verwaltungsorgane in der UdSSR. Ursprünglich waren Sowjets die aus den Revolutionen von 1905 und 1917 hervorgegangenen basisdemokratischen Selbstverwaltungsorgane der Arbeiter, Bauern und Soldaten. Im krassen Widerspruch zur Grundidee des Rätesystems wurden die 1936 von Stalin eingeführten machtlosen parlamentarischen Führungsgremien ebenfalls Sowjets genannt.
Entwicklung bis 1936: Selbstverwaltung in Arbeiterkomitees
Als Sowjet bezeichneten sich in der russischen Revolution von 1905 bis 1907 Arbeiterkomitees der Betriebe und in Stadtteilen, die Funktionen der politischen und militärischen Macht ausübten. Sie bildeten sich spontan; Trotzki, der während dieser Etappe als Vorsitzender des Petersburger Sowjets wirkte, konstatierte, dass sie im Zuge der kommenden Revolution überall im Russischen Reich Sowjets bilden würden.
Dieser apriorischen Einschätzung entsprechend bildeten die überall aus dem Boden sprießenden Arbeitersowjets nach der russischen Februar-Revolution von 1917 eine Gegenregierung zur bürgerlichen provisorischen Kerenski-Regierung. Mit der Zuspitzung der sozialen Konflikte und der Entwicklung der revolutionären Gärungsprozesse schwenkten die zuerst stark mit den Menschewiki sympathisierenden Sowjets nahezu linear nach links, bis die Kommunistische Partei Russlands (Bolschewiki) um Lenin und Trotzki schließlich den größten Einfluss auf die in den Sowjets organisierten Arbeiter hatten. In der mit der Theorie der permanenten Revolution konformen Oktoberrevolution erklärte sich der von bolschewistischen Arbeiterdelegierten dominierte Allrussische Sowjetkongress zur neuen Obersten Instanz Russlands.
Das ursprüngliche Organisationsprinzip waren die Betriebe, Dörfer, Armeeeinheiten, weshalb man von einer dem Parlamentarismus überlegenen "Rätedemokratie" sprach. Infolge des Bürgerkrieges konnte das Sowjetsystem aber nur in beschränktem Maße wirken, zwar konnten entgegen vorherrschender Darstellungen durchaus freie Diskussionen geführt, friedliche Demonstrationen geplant und Arbeiterorganisationen aufgestellt sowie auf kommunaler Ebene die Macht direkt von den Arbeitern und Bauern ausgeübt werden, jedoch konnte die bolschewistische revolutionäre Staatsführung fundamentale Oppositionsbewegungen oder antibolschewistische Strömungen nicht vollkommen akzeptieren. Allerdings ist zu bemerken, dass zu dieser Zeit in der Sowjetgesellschaft verhältnismäßig große Freizügigkeit herrschte, etwa wurden sich selbst als "Arbeiteropposition" deklarierende, in Wahrheit im Falle der Übernahme der Staatsführung für den Arbeiterstaat tödliche Bewegungen keineswegs verfolgt, solange sie nicht zu Aufständen aufriefen oder Gewalt anwendeten, wie zum Beispiel die Sozialrevolutionäre oder diverse anarchistische Zirkel. Die Jahre bis 1923 waren also von der Notwendigkeit straffer Organisation in Bezug auf die militärische Lage und die wirtschaftliche Not geprägt, was die ursprüngliche Hegemonie der Sowjets einschnürte.
Ab 1923, also in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, begannen die Rufe unter den Arbeitern nach der Wiederherstellung der Sowjetdemokratie immer lauter zu werden, was jedoch von der zunehmend auf die eigenen Privilegien bedachte Bürokratie, deren Macht zum einen aus temporär angelegten Maßnahmen, wie dem Verbot der Parteien und Fraktionen, und zum anderen aus im Grunde genommen illegalen Prozessen, wie der im Bürgerkrieg erfolgten und von revolutionären Bolschewiki, Anhängern des durch einen Schlaganfall paralysierten Lenin und des an der Front beschäftigten Trotzki, scharf attackierten Verschmelzung des Partei- und Staatsapparates. Nach dem Tode Lenins begann die Bürokratie, verkörpert durch das Triumvirat Stalin-Bucharin-Kamenew, ihr Machtmonopol und ihre sozialen Vorteile massiv auszubauen, während sie die Arbeitermassen politisch expropriierte. Die Linke Opposition, eine Organisation unter der Leitung Trotzkis, versuchte bis 1936, zuerst eine großangelegte Reform, dann eine zweite Revolution mit dem Zwecke der Wiederherstellung der vollen Sowjetdemokratie, des Mehrparteiensystems, der Abschaffung der Bürokratie an sich etc. zu erreichen. Diese Organisation artikulierte im Grunde die Forderungen der Arbeiter, was zur Folge hatte, dass die Linke Opposition eine im Stillen vom Proletariat gefeierte, halblegale Untergrundpartei wurde. Die herbeigesehnte zweite Revolution wurde jedoch hauptsächlich während der Großen Säuberung blutig zerschlagen, ihre Aktivisten deportiert und die Arbeiterklasse gewaltsam völlig demoralisiert.
Siehe auch: Räterepublik, Arbeiterstaat; in der deutschen Geschichte: Arbeiter- und Soldatenrat, Novemberrevolution
Entwicklung seit 1936: „Parlament“
Das Jahr 1936 markierte das Ende der Sowjetidee, denn in der neuen Stalinschen Verfassung wurde das basisdemokratische Rätesystem auch formell abgeschafft, und durch machtlose konventionelle Parlamente (Trotzki: "Eine Karikatur eines Parlamentes!") ersetzt.
Die Verfassung von 1936 führte das allgemeine und gleiche Wahlrecht für alle Bürger der UdSSR ein. Auf allen Verwaltungsebenen wurden fortan Sowjets der Deputierten der Werktätigen in geheimer Abstimmung direkt gewählt. Ihre Bezeichnung wurde mit der Verfassung von 1977 in Sowjets der Volksdeputierten geändert.
:Die Sowjets der Volksdeputierten - der Oberste Sowjet der UdSSR, die Obersten Sowjets der Unionsrepubliken, die Obersten Sowjets der autonomen Republiken, die Regions- und Gebietssowjets der Volksdeputierten, die Sowjets der Volksdeputierten der autonomen Gebiete und der autonomen Kreise, die Bezirks-, Stadt- und Stadtbezirks-, Siedlungs- und Dorfsowjets der Volksdeputierten - bilden das einheitliche System der Organe der Staatsmacht. (Artikel 89 der Verfassung von 1977)
Die Kandidaten wurden von der KPdSU, ihrer Jugendorganisation Komsomol und der Gewerkschaft unter Kontrolle der Parteiorgane aufgestellt. Bis 1987 gab es keine Gegenkandidaten.
1987 aus, deren Hierarchie hier nicht dargestellt wird.]]
Oberster Sowjet der UdSSR
Das höchste Staatsorgan der UdSSR, der Oberste Sowjet umfasste zwei gleichberechtigte Kammern, den Unionssowjet und den Nationalitätensowjet, die bei gleicher Sitzungsperiode im Fünfjahresrhythmus von den Bürgern der UdSSR gewählt wurden.
- Die Wahl des Nationalitätensowjets erfolgte nach Unionsrepubliken (je 32 Deputierte), autonomen Republiken (je 11 Deputierte), autonomen Gebieten (je 5 Deputierte) und autonomen Kreisen (je 1 Deputierter). Der Nationalitätensowjet hatte also ab den 60er Jahren 750 Mitglieder.
- Der Unionssowjet wurde gemäß der Verfassung von 1936 nach Wahlkreisen mit je 300.000 Einwohnern gewählt. Die dadurch leicht variierende Mitgliederzahl wurde in der Verfassung von 1977 auf die Zahl der Sitze im Nationalitätensowjet festgeschrieben, im Unionssowjet saßen also 750 nach Wahlkreisen mit gleicher Einwohnerzahl gewählte Deputierte.
Der Oberste Sowjet tagte zweimal im Jahr. Er wählte aus den eigenen Reihen 24 Mitglieder in das Präsidium des Obersten Sowjets, dem außerdem die Vorsitzenden des Obersten Sowjets der Unionsrepubliken von Amts wegen angehörten. Das Präsidium war ständiges legislatives Organ, sein Vorsitzender Staatsoberhaupt. Außerdem wählte der Oberste Sowjet den Ministerrat (bis zum 16. März 1946 Rat der Volkskommissare genannt), der den Exekutiv- und Verwaltungsbereich der Regierung bildete.
Oberste Sowjets der Unionsrepubliken
Analog gab es auf Republikebene die Obersten Sowjets der Unionsrebubliken, die als höchstes Staatsorgan den Ministerrat der jeweiligen Republik wählten. Sie bestanden jedoch nur aus einer Kammer. Die Vorsitzenden der Obersten Sowjets der Unionsrepubliken gehörten von Amts wegen des Obersten Sowjet der UdSSR an, die Vorsitzenden der Ministerräte der Unionsrepubliken auch dem Ministerrat der UdSSR.
Umgangssprachlich: "die Sowjets"
Umgangssprachlich bezeichnete der Terminus die Sowjets im deutschsprachigen Raum die Machthaber der Sowjetunion und - seltener - die Bevölkerung der Sowjetunion.
Siehe auch
- Verteidigungsrat der UdSSR
- Sowjetrepublik
- Räterepublik
Kategorie:Politik
ja:ソビエト
RussischRussisch bezieht sich auf:
- Russland oder die russische Nation
- das Volk der Russen
- die russische Sprache
VolksrepublikVolksrepublik ist ein historisch nach der Oktoberrevolution aufgekommener, nach dem Zweiten Weltkrieg verstärkt vertretener Begriff zur Bezeichnung von Staaten mit (nach dem Verständnis der entsprechenden Regierungen) sozialistischer oder kommunistischer Herrschaftsform.
In der Benennung muss man unterscheiden zwischen
#Volksrepublik im engeren Sinne: verfassungsrechtliche Selbstbezeichnung von Staaten (in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts u. a. Bulgarien, Ungarn, Polen), auch ungeachtet der tatsächlichen Zugehörigkeit zum sozialistischen Lager (z. B. Südjemen, Algerien);
#Volksrepublik im weiteren Sinne (auch Volksdemokratie): umgangssprachliche Bezeichnung von Staaten dieser Gruppe ungeachtet ihrer verfassungsrechtlichen Selbstbezeichnung (in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts u. a. Rumänien, Jugoslawien, Bulgarien)
Die ersten Volksrepubliken entstanden in den 20er Jahren, darunter die Mongolei und einige spätere Unionsstaaten der Sowjetunion. Die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen osteuropäischen Volksdemokratien haben im Verlauf der 1990er Jahre sowohl ihren Namen als auch ihre Herrschaftsform reformiert. Gegenwärtig tragen nur noch China, Nordkorea, Libyen, Algerien, Bangladesch und Laos die amtliche Bezeichnung Volksrepublik (gemäß 1.).
Kritiker bezeichnen den Begriff häufig lediglich als einen Euphemismus für die Diktatur des Proletariats oder andere unter dem Etikett des Sozialismus oder Kommunismus diktatorisch geführte Staaten. Dem ist aber entgegenzusetzen, dass die Diktatur des Proletariats im Sozialismus oder Kommunismus nicht negativ besetzt ist, und daher auch keinen Euphemismus benötigt. Die Bezeichnung wird von den entsprechenden Regierungen als sachlich richtig empfunden.
Viele Kritiker der entsprechenden Staaten weisen auch häufig darauf hin, dass es sich bei den genannten Staaten nicht um wirklich sozialistische oder kommunistische Staaten handle.
Sprachhistorisch ist das Wort "Volksrepublik" eine Tautologie, da das lateinische Adjektiv public-us (-a, -um) in res publica etymologisch auf das Wort populus ("Volk") zurückgeht. Vom politischen Sinn her ist "Sache des Volkes" bzw. "Volkssache" eine passendere Erklärung für Republik als etwa "öffentliche Sache"; rein sprachlich gesehen wäre eine "Volksrepublik" somit eine "Volks-Volkssache".
Siehe auch: Kommunistische Partei, Volkspartei, Dschamahiriyya
Kategorie:Politisches System Kategorie:Diktatur
UnionsrepublikEine Unionsrepublik ist ein Teil einer Union von Republiken.
Gebräuchlich war das Wort vor allem für die fünfzehn Unionsrepubliken der Sowjetunion (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken):
#Russland (Russische SFSR)
#Weißrussland (Weißrussische SSR)
#Ukraine (Ukrainische SSR)
#Moldawien (Moldawische SSR)
#Lettland (Lettische SSR)
#Estland (Estnische SSR)
#Litauen (Litauische SSR)
#Kasachstan (Kasachische SSR)
#Turkmenistan (Turkmenische SSR)
#Usbekistan (Usbekische SSR)
#Kirgisistan (Kirgisische SSR)
#Tadschikistan (Tadschikische SSR)
#Aserbaidschan (Aserbaidschanische SSR)
#Georgien (Georgische SSR)
#Armenien (Armenische SSR)
In der Geschichte der Sowjetunion kam es jedoch weitere, kurzlebige Unionsrepubliken:
- Transkaukasien (Transkaukasische SFSR)
- Karelien (Karelo-Finnische SSR, später zur ASSR zurückgestuft)
- Tuwa (Volksrepublik Tannu Tuwa, als autonomes Gebiet bzw. autonome Republik zurückgestuft)
- Choresmien (Sowjetische Volksrepublik Choresm)
- Buchara (Sowjetische Volksrepublik Buchara)
Siehe auch
- Sowjetrepublik
- Teilrepublik
- Politische Gliederung Russlands
Kategorie:Politische Geographie
Béla KunBéla Kun [], eigentlich Béla Kohn, ( - 20. Februar 1886 in Cehu Silvaniei (ungar. Szilágycseh) in Siebenbürgen, † 30. November 1939 in der Sowjetunion) war ein ungarischer Kommunist.
Biografie
Béla Kun entstammte einer jüdischen Familie. 1906 änderte er seinen Famliennamen in die ungarische Form „Kun“. Er studierte an der Universität von Klausenburg, wo er mit Sozialisten in Kontakt kam. 1914 ging er nach Budapest, wo er eine sozialistische Zeitung herausgab. Im Ersten Weltkrieg diente er in der österreichisch-ungarischen Armee und geriet 1916 in russische Kriegsgefangenschaft. In der Gefangenschaft wurde er zum Anhänger der russischen Bolschewiki.
Im Dezember 1918 wurde er nach Ungarn entsandt, um dort für eine kommunistische Revolution zu wirken. Er wurde dort bald von der Regierung des Grafen Mihály Károlyi inhaftiert, jedoch in Folge der Wirren, die nach Ende des 1. Weltkrieges ausbrachen, am 21. März 1919 wieder freigelassen. Er bildete darauf eine Räteregierung aus Sozialisten und Kommunisten, die Güter, Banken und Betriebe verstaatlichte. Eine ungarische "Rote Armee" fiel außerdem in die Slowakei ein und versuchte, die Revolution dorthin auszuweiten. Nach anfänglichen Erfolgen brach die Bewegung jedoch rasch zusammen, nachdem sich tschechische, rumänische und von Frankreich unterstützte ungarische Kräfte unter Miklós Horthy gegen die Räterepublik unter Kuns Regierung wandten.
Béla Kuns Regierung wurde am 1. August 1919 gestürzt, und Kun floh nach Österreich, wo er interniert wurde. Ihm gelang jedoch die Flucht in die Sowjetunion, wo er in den nächsten Jahren für die KPdSU und die Komintern in verschiedenen Funktionen tätig war. Unter anderem nahm er erfolglos an den Märzkämpfen in Mitteldeutschland 1921 teil. 1928 war er wieder in Wien, von wo aus er gleichfalls ohne Erfolg versuchte, sozialistische Strömungen in Ungarn zu organisieren. 1939 wurde er im Rahmen der Stalinschen Säuberungen in der Sowjetunion ermordet.
Literatur (englischsprachig)
- György Borsányi: The Life of a Communist Revolutionary. Bela Kun, Boulder 1993
- Iván Völgyes (Hg.): Hungary in Revolution, 1918-19: Nine Essays, Lincoln 1971
- Rudolf Tőkés: Béla Kun and the Hungarian Soviet Republic: The Origins and Role of the Communist Party of Hungary in the Revolutions of 1918-1919, New York 1967
Kun, Bela
Kun, Béla
Kun, Bela
Kun, Bela
Kun, Bela
ja:クン・ベーラ
Iranische SowjetrepublikDie Iranische Sowjetrepublik bzw. Persische Sozialistische Sowjetrepublik war eine 1920 in der nordpersischen Provinz Gilan errichtete Räterepublik am Kaspischen Meer, daher auch Sowjetrepublik von Gilan .
Vorgeschichte
Während der Jungpersischen Revolution (1905-1911) war im Jahre 1909 in Rascht die erste persische Übersetzung des Kommunistischen Manifests erschienen. Seit 1915 operierten in Nordiran die Dschangali-Rebellen des Mirza Kutschek Khan, der schon 1905-1911 aktiv gewesen war. Mit deutscher und osmanischer Hilfe vertrieb er im Ersten Weltkrieg die Truppen des zaristischen Russland und der von Russen aufgebauten persischen Kosakenbrigade Reza Shah Pahlewis aus der Region. Die Kosaken hatten einst bereits die Revolution niedergeschlagen. Genaugenommen also war die republikanische Bewegung in Nordpersien eine Fortsetzung, zumindest doch aber ein verspäteter Ausläufer der konstitutionellen Revolution.
Bis 1917 beherrschte Kutschek Khan mit 3.000 Dschangali ganz Gilan, nach Ausbruch der Oktoberrevolution überließen die abziehenden Russen auf Weisung der Sowjets den Dschangali ihre Waffen. Innerhalb der Dschangali entstand neben Kutschek Khan ein anarchistischer Flügel um Ehshanollah Khan.
Statt der Russen jedoch kamen die Briten, die die antisowjetischen Russen unter dem "weißen" General Denikin unterstützten. General Dunsterville und seine Dunsterforces schlugen die Dschangali 1918. Kutschek Khan unterwarf sich daraufhin den Briten, nicht aber der Zentralregierung in Teheran. Doch als Persien 1919 nach einem Protektoratsvertrag mit Großbritannien zum Aufmarschgebiet gegen Sowjetrußland und den Kaukasus wurde, vertrieben britisch-persische Truppen Kutschek Khan nach Sowjet-Aserbaidschan.
Republikanische Gegenregierung in Gilan
Mit dem Gegenangriff der Roten Armee brach 1920 ein antibritischer Aufstand in Nordiran aus, das Ergebnis eines Revolutionsexports. Die Russen verfolgten die Weißgardisten bis Gilan und besetzten Anzali, wohin Dunsterville und Denikin sich zurückgezogen hatten. Im Juni 1920 wurde die Kommunistische Partei Irans (später Tudeh-Partei) unter dem linksradikalen Parteichef Pischewari und dem sozialistischen Generalsekretär Agajew gegründet. Eine Einheitsfront aus Dschangali und KP eroberte mit russischer Hilfe am 5.6.1920 Rascht und proklamierte die Persische Sozialistische Sowjetrepublik, gestützt auf die russische Kaspiflotte und 2.000 Rotgardisten unter einem russischen Militärgouverneur. Zusätzlich wurde eine Iranische Rote Armee gebildet, deren Kommandeur Ehschanollah Khan wurde.
Nach Abzug der Sowjets putschte sich Ehshanollah mit Hilfe Pischewaris am 21.7.1920 an die Spitze der Revolutionsregierung und unternahm abenteuerliche Vorstöße gegen Teheran, die zu schweren Verlusten führten. Im Gegenzug besetzte die von der Roten Armee zwar zerschlagene, aber von den Briten wiederaufgebaute Teheraner Kosakenbrigade Ende 1920 Rascht.
Im Exil in Baku spaltete sich die KP, nachdem Pischewari von den Sowjetrussen durch den ehemaligen Sozialdemokraten Haidar Khan Amu Ogli ersetzt worden war. Erst im Mai 1921 schlossen Ehschanollah, Kutschek Khan und Haidar Khan eine neue Einheitsfront. Im Juni 1921 zog Ehshanollah mit 2.000 Mann erneut gegen Teheran, wurde aber geschlagen, die besten Teile der Iranischen Roten Armee endgültig vernichtet.
Der Revolutionsrat schloß ihn daraufhin am 30.7. 1921 aus, und am 4.8. konnten Kustschek Khan und Haidar Khan nochmals die Sowjetmacht in Rascht errichten. Dem Gegenstoß der Regierungstruppen versuchte Kutschek Khan durch einen Putsch und der Ermordung Haidars zuvorzukommen. Doch Pahlewi lehnte das mit Autonomiegarantie für Gilan verbundene Kapitulationsangebot ab, am 3.11.1921 fiel Rascht endgültig. Mirza Kutschek Khan erfror auf der Flucht, der vom Leichnam abgetrennte Kopf wurde nach Teheran gebracht. Ehshanollah Khan entkam in die Sowjetunion, die Dschangali wurden aufgerieben.
Autonomiebewegung in Aserbaidschan
Am 7.4.1920 war die russische Rote Armee auch in Iranisch-Aserbaidschan einmarschiert, wo sich am 23.6.1920 in Tabriz eine weitere Sowjetrepublik konstituierte, die demokratische Republik Aserbaidschan. Sie überstand aber den Anzug der Russen nicht und wurde schon am 14.9.1920 von Regierungstruppen vernichtet, ihre Führer wurden hingerichtet.
Weblink
- [http://www.marxists.org/archive/trotsky/works/1920-mil/ch110.htm Brief des persischen Revolutionsrates an Trotzki (englisch)]
Kategorie:Iranische Geschichte
Kategorie:Staat (historisch)
RäterepublikEine Räterepublik bezeichnet allgemein ein Herrschaftssystem, bei dem die Herrschaft vom Volk über direkt gewählte Räte ausgeübt wird. Rätesysteme sind der Versuch einer Direkten Demokratie.
Die Räte werden auf mehreren Ebenen gewählt. So werden auf Wohn- und Betriebsebene in Vollversammlungen Arbeiter aus den eigenen Reihen in die örtlichen Räte entsandt. Die örtlichen Räte delegieren nun wiederum Mitglieder in die nächsthöhere Ebene – in die Bezirksräte. Dieses System der Delegierung setzt sich bis zum Zentralrat auf staatlicher Ebene fort. Die Wahlvorgänge geschehen also von unten nach oben. Die Ebenen sind meist an Verwaltungsebenen gebunden. Im Unterschied zu klassischen Demokratiemodellen nach Locke und Montesquieu existiert in Rätesystemen keine Gewaltenteilung, das heißt, sie üben auf ihrer jeweiligen Ebene alle drei Gewalten aus; sie sind für Gesetzgebung, Rechtsprechung und Ausführung voll verantwortlich. Sie haben meist ein imperatives Mandat, sie sind also an den Auftrag ihrer Wähler gebunden – im Gegensatz zum Freien Mandat, bei dem die gewählten Mandatsträger nur „ihrem Gewissen“ verantwortlich sind. Die Räte können von ihrem Posten jederzeit abgerufen (abgewählt) werden.
Der Rätegedanke beziehungsweise die Idee der Räterepublik entstand aus der Arbeiterbewegung und wurde unterschiedlich sowohl von Michail Bakunin (Anarchismus) als auch von Karl Marx (Sozialismus/Kommunismus)und Lenin weiterentwickelt.
Ein Rätesystem wurde während der russischen Revolution ab 1905 erstmals umgesetzt. Dieses wurde jedoch nach dem Vorbild Pariser Kommune (1871) errichtet. Wie damals in Paris waren auch in den russischen Räten alle Gewählten Mitglieder jederzeit rechenschaftspflichtig und abwählbar, außerdem durften sie nur einen durchschnittlichen Lohn verdienen und hatten keine Privilegien. Damals bildeten sich spontane Selbstverwaltungsorgane (Räte, russisch = Sowjets) die, von Lenin unterstützt, nach der Oktoberrevolution 1917 fest eingerichtet wurden und das Grundgerüst der Sowjetunion bildeten.
In Russland waren die Bolschewiki in den Räten anfangs in der Minderheit, wurden aber durch ihre grundsätzliche Zustimmung zu den Räten, (die als Konkurrenz zum Zaristischen Parlamentssystem standen) mit immer höheren Wahlergebnissen bestätigt. Verschiedene Gruppierungen, vor allem die von den „Sozialrevolutionären“ wollten jedoch zu einen Parlamentssystem kommen und griffen hauptsächlich mit Terroranschlägen die Vertreter der Räte an. Da sie selber in relativ großen Zahlen in den Räten vertreten waren, gingen die Anschläge fast hauptsächlich auf die Bolschewiki, was diese dazu bewegte, die Räte und auch sich selbst zu verteidigen und militärische Gegenschläge auszuführen. Da dieses mitten im russischen Bürgerkrieg geschah, wurden die Oppositionellen von der Roten Armee unter der Führung Leo Trotzkis erst stark in ihren Rechten eingeschränkt und nach weiteren Anschlägen verboten. Nach dem Bürgerkrieg wurde mit der Aufhebung des Kriegsrechtes allen Oppositionellen Gruppen wieder sämtliche Freiheiten zur Politischen Betätigung gewährt. Nach dem Tod Lenins wurden die Räte größtenteils eingeschränkt und später zerschlagen, was auch mit einem neuen Verbot der Opposition einher ging.
Beispiele hierfür finden sich im Kronstädter Matrosenaufstand oder der anarchistischen Machno-Bewegung, die zwischen 1918 und 1922 den größten Teil der Ukraine kontrollierte, unter der Führung von Machno.
Nestor Machno installierte zwischen 1918 und 1922 in der Ukraine ein am Anarchismus orientiertes System. Die Führung unterlag aber eigentlich nur ihm und von ihm eingesetzten „Gouverneuren“. Also ist die Rolle dieser Räte umstritten.
Antikommunistisch orientierte, verherrlichende („demokratische“) Mythen über Machno werden angezweifelt.
Auf der Grundlage von neuen Dokumenten aus Archiven der zerfallenen Sowjetunion geht außerdem hervor, dass die „Anarchisten“ von Kronstadt und Machno stark mit der Weißen Armee verbunden waren und im Grunde nur von den intervenierenden Armeen Westeuropas finanziert und unterstützt wurden, um die Oktoberrevolution zu vernichten.
So waren die Sprüche der Kronstädter Matrosen nicht nur „Räte ohne Bolschewiki“, sondern auch „Juden raus!“. Daher stellte die Bevölkerung der umliegenden Dörfer von Kronstadt eine starke Bewegung auf, die die Bewegung der Matrosen - lange bevor Trotzkis Rotarmisten eintrafen - niederschlug.
Das Partei- und Fraktionsverbot sind Kinder des russischen Bürgerkriegs, die die Entstehung konterrevolutionärer Elemente generell verhindern sollten.
Lenin und dessen Partei schränkten 1921 nach den Erfahrungen mit dem Kronstädter Matrosenaufstand die Kompetenzen der Räte stark ein, um die Macht der Partei auch weiterhin sicherzustellen.
Die Diskussionen in den Räten in der Sowjetunion waren aber nach wie vor ein wichtiges Element in der Entwicklung in der Partei und der Politik der Bolschewiki.
Nach Lenins Tod 1924 und der Machtübernahme Stalins nahm die Bedeutung dieser Räte weiter ab.
Unter Stalin wurde der Demokratische Zentralismus in einen „bürokratischen Absolutismus“ umgewandelt, um die Linke Opposition (unter Trotzki) und später die Rechte Opposition (unter Bucharin) aus der Partei drängen zu können. Stalin stärkte außerdem die Macht seines Amtes (Generalsekretär der KPdSU) und festigte sie mit der Schaffung eines Personenkults um ihn. Eine kritische Bezeichnung für dieses spezielle System Stalins ist „proletarischer Bonapartismus“. Außenpolitisch wurde die Idee der Weltrevolution zugunsten der These des „Sozialismus in einem Lande“ aufgegeben.
In der Umbruchzeit nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bildeten sich im November 1918 nach dem Vorbild der Entwicklung in Russland auch in Österreich, Ungarn, Deutschland und anderswo spontan so genannte Arbeiter- und Soldatenräte (zuerst am 4. November 1918 in Kiel). Nach dem Spartakusaufstand unter Führung der KPD im Januar 1919 stieg deren Zahl noch weiter an, nun gab es unter anderem in Berlin, München, Hamburg, Bremen und dem Ruhrgebiet Arbeiter- und Soldatenräte. Verbunden war mit der Idee der Räterepublik das Ziel der Sozialisierung der Schlüsselindustrien (Kohle, Eisen und Stahl, Banken) im Sinne von Marx und teilweise nach dem sowjetrussischen Modell.
Im Dezember beschlossen die Räte aus ganz Deutschland im von Friedrich Ebert geführten „Rat der Volksbeauftragten“ die Wahlen zu einer deutschen Nationalversammlung. Damit trafen sie die Wahl für eine parlamentarische Demokratie und gegen ein Rätesystem.
Trotzdem wurden im Frühjahr 1919 nach dem Vorbild der Sowjetunion in Bremen, Baden, Braunschweig, Würzburg und in München unter Kurt Eisner 1919 offiziell Räterepubliken proklamiert. Aber schon im März beschloss die Reichsregierung, gegen die Räte vorzugehen. Die Reichswehr und Freikorps-Soldaten (sog. „Weiße Truppen“) erhielten den Auftrag, gegen die sozialistischen und kommunistischen Rätemilizen (sog. „Rote Truppen“) vorzugehen und lösten diese Räterepubliken gewaltsam auf. Am 11. Oktober 1919 trat die Weimarer Verfassung in Kraft.
Auch in Ungarn wurde im März 1919 eine Räterepublik proklamiert, die aber auch nur bis August 1919 Bestand hatte. Weitere Räterepubliken gab es im Sommer 1919 in der Slowakei um die Stadt Košice und 1920-1921 für 16 Monate in der iranischen Provinz Gilan. Die Räte tauchten auch im Ungarischen Aufstand von 1956 wieder auf.
Obwohl dann nicht mehr so genannt, hatten 1989 im Endstadium der VR Polen und der Deutschen Demokratischen Republik die „Runden Tische“ räterepublikanische Züge.
Literatur
- Oscar Anweiler, Die Rätebewegung in Russland 1905-1921, Leiden 1958
- Sebastian Haffner: Der Verrat, 1968 (Nachdruck Berlin 1995). ISBN 3-930-27800-6
Regionale und Lokale Räteorganisationen in Württemberg. Bearbeitet von Eberhard Kolb und Klaus Schönhoven. Droste Verlag. Düsseldorf. ISBN 3-7700-5084-3
Siehe auch
- Sowjet
- Münchner Räterepublik
- Direkte Demokratie
- Anarchismus
Weblinks
- [http://www-user.uni-bremen.de/~bremhist/Raeterepublik.html Die Bremer Räterepublik]
- [http://www.lrz-muenchen.de/~zwirlein/page3.5.htm Alles über München: Münchner Räterepublik]
- [http://www.philolex.de/pungarn1.htm Der Volksaufstand in Ungarn 1956]
- [http://www.linksruck.de/zeitung/archiv/geschich/pg_1905.htm Artikel von Peter Glatter: Russland 1905. Vom Massenstreik zu Rätedemokratie]
- [http://www.marxist.com/makhno-anarchists-kronstadt-russia.htm The Makhno anarchists, Kronstadt and the position of the Russian peasants in post-revolutionary Russia]
Kategorie:Politischer Begriff
Kategorie:Staatsform
Kategorie:Demokratie
SowjetrusslandSowjetrussland ein Synonym für
- die Sowjetunion
- die Russische SFSR
Mit Sowjetrussland wurde weiter das von kommunistischen Sowjets (Räten) beherrschte Russland vor Errichtung der Sowjetunion (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken) bezeichnet, also etwa in der Zeit von der Oktoberrevolution 1917 bis zur Unionsverfassung von 1922.
Bis dahin wurden aus dem Erbe des russischen Zarenreiches keine autonomen Untereinheiten für die einzelnen Nationalitäten geschaffen, also keine Unionsrepubliken. Neben Sowjetrussland ist jedoch z. B. auch von der Sowjetukraine die Rede, die bis 1920 im Gegensatz zu Sowjetrussland meist von ausländischen oder weißen Truppen besetzt war und somit bis zur Eroberung durch die Rote Armee eine gewisse Autonomie besaß, ehe sie als Ukrainische SSR der Sowjetunion angeschlossen wurde. Von Sowjetrussland unabhängig war 1920–1922 die Fernöstliche Republik. Auch nach der Schaffung der UdSSR hielt sich der Begriff Sowjetrussland noch lange als Synomym für die gesamte Union, da ja innerhalb der Sowjetunion die Russen tatsächlich dominierten. Verwechslungen gab und gibt es auch mit der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, die anfangs ganz Sowjetrussland umfaßte, innerhalb der Sowjetunion aber 1922/25 aufgeteilt worden war.
Darüber hinaus ist Sowjetrussland auch die Bezeichnung für
- Sowjetrussland (Zeitung) der Sowjetunion
- Sowjetrussland (Verlag) der UdSSR
Siehe auch
- Geschichte Russlands
- Sowjetrepublik
Kategorie:Russische Geschichte
Kategorie:Sowjetische Geschichte
RevolutionsexportAls Revolutionsexport wird sowohl die unbeabsichtigte als auch die kalkulierte oder manipulierte Ausbreitung einer Revolution in ein anderes Land bezeichnet. Darüber hinaus unterscheidet man zwischen Revolutionsexport durch direkte Intervention oder durch indirekte Unterstützung subversiver Kräfte.
Dabei kann es sich um verschiedene Formen einer revolutionären gesellschaftlichen Veränderung handeln, so stellt z.B. die Ausbreitung der Reformation im 16. Jahrhundert eine eher religiöse Revolution als eine soziale Revolution dar, zweifellos aber begleitet von wesentlichen politischen Veränderungen und einer Revolution der Bauern (Bauernkrieg). Messianische Bewegungen können ebenfalls als religiöser Revolutionsexport angesehen werden. Die industrielle Revolution wiederum wurde im 19. Jahrhundert vor allem durch die Eisenbahn exportiert.
National-Demokratische Revolution
Im eigentlichen Sinne aber führte die Verbreitung der Ideen der Französischen Revolution (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) seit 1789 erstmals zu einem Revolutionsexport großen Ausmaßes und zugleich einem der wenigen erfolgreichen Revolutionsexporte der Geschichte.
Zunächst war die 1790 von Revolutionären in den Österreichischen Niederlanden parallel errichtete Republik der "Vereinigten Belgischen Staaten" wieder unterdrückt worden.
Die ab 1792 in die Nachbarländer vordringenden revolutionäre Volksheere der Republik Frankreich führten aber zur Errichtung der Mainzer Republik, 1794 zu einem Aufstand in Polen und ab 1795 zur Errichtung zahlreicher weiterer Satelliten- und Tochterrepubliken, z.B.
- Cisalpinische Republik (Cispadanische Republik und Transpadanische Republik) bzw. Italienische Republik
- Ligurische Republik (Genua)
- Batavische Republik (Niederlande)
- Helvetische Republik (Schweiz)
- Römische Republik (Vatikan)
- Parthenopäische Republik (Neapel)
- weitere
Polen und andere
Von Frankreich gingen auch nach der Julirevolution von 1830 wieder revolutionäre Impulse aus, bis 1832 vor allem nach Belgien, Polen und Italien, jedoch nur indirekt und nicht im eigentlichen Sinne eines Revolutionsexports. Durch die französische Februarrevolution 1848 erneut ausgelöst, trug aber auch Polnischer Messianismus bei den Verfassungskämpfen und nationalen Befreiungsrevolutionen von 1848/49 wesentlich zu deren Ausbreitung in ganz Europa mit bei.
Die (nationalen) Revolutionen gingen zwar verloren, doch die Idee des Kommunismus und der kommunistischen Revolution wurde geboren (Kommunistisches Manifest 1848). Die kommunistisch beeinflußte Frühbürgerliche Revolution in Russland 1905/07 wiederum löste 1905/11 die bürgerlich-demokratische Jungpersische Revolution im Iran aus und diese beeinflußte dann 1908/09 die Revolution der Jungtürken im Osmanischen Reich wesentlich.
Aus US-amerikanischer Sicht war der Ausbruch der Französischen Revolution seinerseits das Ergebnis eines Revolutionsexports, nachdem aus den USA zurückkehrende französische Truppen freiheitliche Ideen mitgebracht hätten.
In jüngster Zeit gehen wieder von der Politik der USA Revolutionen aus, so z.B. die Umstürze in Georgien (2003), der Ukraine (2004) und Kirgistan (2005). Russland, Weißrußland und Usbekistan werfen Washington Revolutionsexport vor und verweisen in diesem Zusammenhang erneut auf die Geschichte der USA. Durch inszenierte Umstürze hatten US-Siedler bereits 1835 Texas und 1846 Kalifornien von Mexiko abgespalten und die kurzzeitig "unabhängigen" Marionettenstaaten schließlich angegliedert, ähnlich 1898 im Falle Kubas und 1903 im Falle Panamas.
Kommunistische Revolution
Während des Ersten Weltkrieges schien 1917 nicht nur der Sieg einer Oktoberrevolution in Sowjetrussland, sondern auch der Sieg der Weltrevolution in den anderen kriegsführenden Staaten möglich, da durch den Krieg und interne Nationalitätenkonflikte auch in allen Staaten eine revolutinäre Situation entstanden war. Trotz Meutereien in Frankreich sprang der revolutionäre Funke 1918 jedoch zunächst nur auf Deutschland über. Der deutschen Novemberrevolution waren Verbrüderungen deutscher und russischer Truppen sowie eine ungeschickte Schaukelpolitik des Kaiserreichs gegenüber den Sowjets vorausgegangen, nicht jedoch ein Revolutionsexport der damals noch zu schwachen Sowjets. Der Kampf um die Errichtung einer Räterepublik auch in Deutschland ging daher 1919 verloren.
Inhaltlich widerspricht der Revolutionsexport in wesentlichen Punkten sowhl der kommunistischen Revolutionstheorie, die den Ausbruch der Revolution erst nach Zustandekommen bestimmter Vorbedingungen erwartet
- nichtreformierbare Gegensätze, meist Klassengegensätze, siehe Klassenkampf
- Vorhandensein einer revolutionären Klasse, aus der wiederum vor allem die revolutionäre Partei neuen Typs hervorgeht
- revolutionäre Situation (Krieg, Hungersnot, Streiks oder ähnliches)
als auch der Weltrevolution, die bei gleichzeitigem Zustandekommen dieser Bedingungen in mehreren Staaten erfolgen solle, siehe Weltbrand.
Im Überlebenskampf Sowjetrußlands jedoch provozierten die russischen Kommunisten jedoch weitere Aufstände zunächst mit dem Ziel, die antisowjetische Front zu schwächen. Im Rahmen ihrer Gegenoffensive ab 1920 an allen Fronten versuchte sie darüberhinaus, Russland mit einem Schutzgürtel kommunistischer Satelittenrepubliken zu umgeben, die später als Pufferzone dienen sollten (z.B. Iranische Sowjetrepublik). Letztere wurden durch direkten Einmarsch sowjetischer Truppen geschaffen, aber auch die kommunistische Revolution in Ungarn 1919 ist das Ergebnis eines Revolutionsexport und führte dort wiederum zu einem vergeblichen Revolutionsexport in die Slowakei. Alle diese Versuche, die Revolution direkt oder indirekt zu importieren, scheiterten bis spätestens 1921. Besonders die russische Niederlage vor Warschau und das Mißlingen der Errichtung einer Polnischen Sowjetrepublik markierte dieses Scheitern deutlich, die 1921 zur sowjetischen Abkehr vom Revolutionsexport führte.
Allein in der Mongolei führte der sowjetische Einmarsch 1921/24 tatsächlich zur Errichtung einer dauerhaften kommunistischen Bruderrepublik (Volksrepublik bis 1990), doch dort hatte der russische Einfluß bereits vor der Oktoberrevolution dominiert. In China führte die sowjetische Einmischung seit den 1920 Jahren zur Gründung der Chinesischen Sowjetrepublik, die jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Macht festigte und bald schon wieder dem sowjetischen Einfluß entkam.
Der im Westen befürchtete Revolutionsexport blieb zwar aus, weiterhin jedoch ein Argument antisowjetischer Bedrohungsszenarien. Nicht zu Unrecht. 1943 hatte Stalin mit der Auflösung der Komintern zwar die Idee der Weltrevolution aufgegeben, nach ihrem Sieg im Zweiten Weltkrieg jedoch errichtete die Sowjetunion zahlreiche neue Satellitenrepubliken an ihren Grenzen.
Wie einst die Tochterrepubliken auf den französischen Bajonetten entstanden nun Volksrepubliken auf sowjetischen Bajonetten. 1946 zogen sich die Sowjets zwar aus Sinkiang und der Mandschurei sowie Aserbaidschan und Kurdistan zurück, 1948 wurde die kommunistische Revolution aber in der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Bulgarien, Rumänien und Nordkorea erfolgreich exportiert, bis 1949 auch in der DDR und der Volksrepublik China. Der sowjetische Revolutionsexport fand damit seinen erneuten Anschluß, er diente seit 1921 ohnehin eher geostrategischen als revolutionären Zielen.
Um 1960 jedoch wurde auch Kuba kommunistisch und China löste sich aus der sowjetischen Vorherrschaft. Diese beiden Staaten betrieben in den nächsten Jahren und Jahrzehnten im Gegensatz zur Sowjetunion wieder einen massiven und von Moskau unkontrollierten Revolutionsexport, der jedoch überall scheiterte. Ernesto Che Guevara, der bereits im Kongo vergeblich die Revolution entfacht hatte, fiel 1967 als Martyrer bei dem Versuch, den kubanischen Kommunismus nach Bolivien zu exportieren. Kubanische Revolutionäre wirkten auch in Guevaras Heimat Argentinien vergeblich, bis 1989 standen kubanische Truppen in Angola, Äthiopien und vielen anderen lateinamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Staaten. Der (vermeintliche) Revolutionsexport nach Grenada wurde 1983 durch eine massive US-Invasion gegen die winzige Insel unterbunden.
Ebenso unterstützte China, das zunächst auch die Weltrevolution nicht aufgegeben hatte, in den 1960ern massiv maoistische Rebellen und kommunistische in Asien und Afrika, z.B. Peru (Leuchtender Pfad und Volksrepublik Ayacucho), den Philippinen, Nepal (bis heute), Indien, Malaysia, Irak (1959), Burma, Laos und Kambodscha. Im Falle der letzteren beiden Staaten war der Revolutionsexport von Vietnam aus (bis 1965 chinesisch unterstützt) 1975 erfolgreich und führte zur Errichtung weiterer Volksrepubliken. Das Scheitern des chinesisch-kubanischen Revolutionsexports ist jedoch 1968 mit dem Scheitern der weltweiten Studentenrevolte anzusetzen, die weder Kuba noch China unter ihre Kontrolle oder zum Erfolg hatten führen können.
Islamische Revolution
Ebenfalls in den 1960ern setzten von Sowjets, Chinesen und Kubanern unterstütze Regimes in arabischen Staaten zum Export ihrer panarabischen und islamisch-sozialistischen Ideen an, allen voran Ägyptens Präsident und Revolutionsführer Nasser. Bereits 1954 hatte die nationale Revolution in Ägypten den antikolonialen Aufstand in Algerien mitverursacht, was Frankreich (zusammen mit Großbritannien und Israel) 1956 zum (erfolglosen) Angriff auf Ägypten veranlaßt hatte.
1962 marschierten ägyptische Truppen in Nordjemen ein, um die dort errichtete Republik gegen jemenitische und saudische Monarchisten zu verteidigen, die syrische Baath-Partei putschte 1963 im Irak. Die PLO versuchte 1970 eine Revolution in Jordanien und mischte seit 1975 im Bürgerkrieg im Libanon auf seiten der Revolutionäre mit. Irak wiederum errichtet 1990 auf irakischen Bajonetten die kurzlebige "Volksrepublik Kuwait". Vor allem aber Libyens Revolutionsführer Ghadafi sah sich seit Nassers Tod (1970) als dessen Nachfolger und inszenierte zahllose republikanische Umsturzversuche und revolutionäre Aufstände in Marokko ("Republik Marokko"), Sudan, Aceh (Indonesien), Mindanao (Philippinen), ja sogar in Trinidad und Tobago. Im Nachbarland Tschad griffen die Libyer mehrmals vergeblich ein, trugen aber letztlich zum Sturz mehrerer Regimes mit bei.
Die meiste internationale Beachtung fanden die seit 1979 von der Islamischen Revolution in der Islamischen Republik Iran ausgehenden, aber überbewerteten Revolutionsexportversuche.
Schiitisch ausgerichtet, hatte das Mullah-Regime fast gleichzeitig mit der Machtübernahme in Teheran 1979 die Ausweitung der Islamischen Revolution zunächst auch in den ebenfalls mehrheitlich schiitischen Irak, Nordjemen und ab 1982 in den Libanon beabsichtigt. Umsturzversuche jedoch scheiterten, und ab 1980 griff der Irak im Gegenzug den Iran an (Erster Golfkrieg). Die faktische Niederlage Irans 1988 offenbarte das Scheitern des Exports der Islamischen Revolution, insofern kommt Saddam Hussein der "Verdienst" zu, sie vom Irak und der übrigen Islamischen Welt ferngehalten zu haben. Zwar rief Irans Revolutionsführer Ayatollah Khomeini auch den sowjetischen Staats- und Parteichef Gorbatschow zur Annahme des Islam und zur Umwandlung der UdSSR in eine "Union der Islamischen Sowjetrepubliken" auf, der von den Sowjets befürchtete Revolutionsexport in die islamischen Republiken Mittelasiens blieb jedoch aus.
Mit Khomeinis Tod 1989 schien der Revolutionsexport zu den Akten gelegt, doch schon 1991 (nach Iraks Niederlage im Zweiten Golfkrieg) versuchte Iran erneut, mit massiver Unterstützung irakischer Aufständische durch eigene Truppen, auch im Irak die Islamische Revolution zum Sieg zu führen. Das algerische Regime warf dem Iran 1992 eine ähnliche, gegen Algier gerichtete Politik vor. Seit dem Dritten Golfkrieg beschuldigen auch die USA Iran des erneut versuchten Revolutionsexports nach Irak. Trotz der Abkehr Teherans vom Revolutionsexport hat die Zahl der Anhänger und Befürworter der Islamischen Revolution stattdessen vor allem in Ägypten und der Türkei stark zugenommen, eine ausreichende revolutionäre Situation ist dort jedoch noch nicht entstanden.
Sonderfall Afghanistan
Als Nachbarland sowohl Irans als auch der ehemaligen Sowjetunion traf Afghanistan 1979 das Schicksal, Opfer gleich zweier (gescheiterter) Revolutionsexporte zu sein. Die Kommunisten in Moskau hatten mit einem außenpolitischen Erfolg von innenpolitischen Problemen (Stagnation unter Breschnew) ablenken wollen und eine kommunistische Marionettenregierung in Kabul installiert, die sich bald untereinander zerfleischte. Dagegen erhob sich die muslimische Bevölkerung nach dem Vorbild Irans und mit direkter iranischer Unterstützung (bewaffnete Freiwillige, Hilfszahlungen) zum bewaffneten Aufstand. Die Sowjetunion ihrerseits sah sich zur direkten Invasion zugunsten Kabuls gezwungen, siehe Afghanischer Bürgerkrieg und sowjetische Invasion
Nach einem jahrelangen Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Mudschaheddin in Afghanistan zogen die Sowjets 1988 ab, die Mudschaheddin besiegten 1992 die Kommunisten und wurden selbst 1996 von den sunnitischen Taliban besiegt. Sowohl der wiederaufgenommene kommunistische Revolutionsexport der Sowjets als auch die schiitische Islamische Revolution des Iran waren gescheitert.
Literatur
- Luis Baez: Geheimnisse von Generälen. Havanna 1997
- Curzio Malaparte: Technik des Staatsstreiches. Berlin 1988 (1920, Polnisches Zwischenspiel)
Weblinks
- [http://www.zeit.de/2004/51/Ukraine Exportschlager Orange - Ist die ukrainische Revolution ansteckend?]
- [http://www.gegenargumente.at/radiosend/radiosend_05/frei_wahl_II.htm Wenn der Ruf nach freien Wahlen von außen erschallt]
- [http://www.derfunke.de/rubrik/international/amerika/kuba/interview-hart.html Kuba, Venezuela und Lateinamerika - Springt der revolutionäre Funke über?]
- [http://countrystudies.us/iran/100.htm Iranian Concept of Export of the Revolution]
- [http://www.fordham.edu/halsall/mod/castro-revolution.html Fidel Castro about Export of Revolution]
Kategorie:Revolution
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External links
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Die Union Evangelischer Kirchen (UEK), eigentlich Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist ein Zusammenschluss folgender Landeskirchen:
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- Zusammensetzen von Einzelaufnahmen zu einem Panorama (z.B. Bergpanormas)
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Manganknollen bestehen bis zu 27% aus dem Metall Mangan. Sie sind zwischen 4000 m und 6000 m Tiefe auf dem Meeresboden zu finden. Andere Elemente wie Kupfer, Kobalt, Zink und Nickel sind mit 0,2 - 1% enthalten.
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