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Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Sozialistische Einheitspartei Deutschlands

Die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) war erst in der Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und dann in der DDR eine hegemoniale Partei. Sie wurde 1946 nach einem Zusammenschluss der dortigen SPD und KPD gegründet. Die SED war mit ihren Blockparteien die herrschende innenpolitische Macht der DDR, dies war ab 1968 auch in der Verfassung der DDR festgeschrieben. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 gab sie sich den neuen Namen SED-PDS, später dann nur noch Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Seit 2005 ist sie Die Linkspartei.

Gründung

Die Linkspartei. Das ZK der KPdSU ließ deutsche Kommunisten und Widerstandskämpfer, die den Zweiten Weltkrieg überlebt hatten, nach gewissenhafter Schulung in Moskau zurück nach Ost-Berlin verbringen. Einer dieser Kader war der später in die Bundesrepublik geflüchtete Wolfgang Leonhard, der als Mitglied der Gruppe Ulbricht die sowjetischen Weisungen für deren Besatzungszone in demokratisch aussehende Formen eines Rechtsstaates umzuformen hatte. Durch den Befehl Nummer zwei der SMAD vom 10. Juni 1945 stand ihrer politischen Betätigung nichts mehr im Wege. Im Juni 1945 trat das Zentralkomitee der KPD zum ersten mal an die Öffentlichkeit. Das ZK der KPD und die mitteldeutsche SPD beschlossen noch im selben Monat ein Aktionsabkommen, welches die Grundlage für die Gründung einer deutschen Einheitspartei bildete. Durch den Druck der Besatzungsmächte und der KPD sowie nicht weniger SPD-Mitglieder, veranstalteten die Führungen der SPD und KPD im Dezember 1945 eine Konferenz, die die Verschmelzung beider Parteien beschloss. Motivation waren die Erfahrungen mit der Spaltung der linken Hitlergegner im Parlament der späten Weimarer Republik, die als eine der wesentlichen Ursachen für die Machtergreifung der NSDAP betrachtet wurde, was unter anderem im deklamatorischen Charakter des Schwurs von Buchenwald und in der Volksfront zum Ausdruck kam. Am 21. und 22. April 1946 versammelten sich im Admiralspalast (das heutige Metropol-Theater) in der Friedrichstraße Delegierte von KPD und SPD, Ehrengäste und Zuschauer zum gemeinsamen Parteitag von KPD und Teilen der SPD. Seitens der SPD nahmen 548 Delegierte (darunter 103 aus den westlichen Besatzungszonen) teil und von der KPD 507 Delegierte (darunter 127 westliche). Diese vertraten rund 680.000 sozialdemokratische und rund 620.000 kommunistische Parteimitglieder der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ). Eröffnet wurde die Veranstaltung mit der Fidelio-Ouvertüre Beethovens. Anschließend betraten Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl von verschiedenen Seiten die Bühne und reichten sich die Hände. Diese symbolische Geste wurde im Emblem der SED nachempfunden. Inwieweit oder ob es sich um eine Zwangsvereinigung von SPD und KPD handelte ist umstritten, wenngleich u.a. der Zeitzeuge und damalige Mitverantwortliche Wolfgang Leonhard dazu eindeutig in seinen Büchern die Koordinierung Moskaus belegt. Vorausgegangen waren kontroverse Diskussionen der Mitglieder in den deutschen Ländern. Hauptströmungen waren dabei: # fundamentalistische Kräfte der KPD, welche die Politik der Verteufelung der SPD als „Sozialfaschisten“ fortsetzten, # kritische Kräfte der SPD, welche Kommunisten als „rotlackierte Faschisten“ bezeichneten, # Kräfte, welche die politischen Konzepte von KPD und SPD als unvereinbar betrachteten, # Einheitsbestrebungen, die aus Erkenntnissen von Sozialdemokraten und Kommunisten aus der Zeit der gemeinsamen Illegalität und Verfolgung unter der nationalsozialistischen Diktatur und des gemeinsamen Widerstandes resultierten, # Bestrebungen der sowjetischen Besatzungsmacht, stalinistisch orientierte Kräfte zu etablieren, # Bestrebungen der US-amerikanischen, englischen und französischen Besatzungsmächte, antisowjetisch orientierte Kräfte zu etablieren, # taktische und machtpolitische Bestrebungen besonders in Teilen der KPD-Führung, um den wachsenden Einfluss der SPD zurückzudrängen. Besonders innerhalb der SPD tobten um die avisierte Vereinigung heftige Kontroversen. Der faktische Vorsitzende in Westdeutschland, Kurt Schumacher, sprach sich vehement gegen diesen Schritt aus. Der Zentralausschuss unter dem Vorsitz von Otto Grotewohl, das Leitungsgremium der SPD in der SBZ und der Viersektorenstadt Berlin, konnte bei mehreren Sitzungen zu keiner Einigung kommen. Er willigte erst ein, als der thüringische SPD-Landesvorsitzende Otto Buchwitz drohte, die Vereinigung mit seinem Landesverband zu starten. Insbesondere in den Regional- und Lokalgliederungen der SPD hatte die sowjetische Besatzungsmacht die Möglichkeit, unter anderem auch mit Repressionen und Verhaftungen auf die SPD-Mitglieder einzuwirken. Bei einer Urabstimmung unter SPD-Mitgliedern, die nur in den Westsektoren in Westberlin durchgeführt werden konnte, sprachen sich am 31. März 1946 82 % der Teilnehmer gegen eine sofortige Vereinigung, aber immerhin 62 % für „gemeinsame Arbeit“ mit der KPD aus. Im sowjetischen Sektor von Berlin und in der Sowjetischen Besatzungszone wurde eine Urabstimmung der SPD nicht zugelassen. In Berlin, wo die SPD auch im Ostteil der Stadt weiter existierte, behielten ungefähr zwei Drittel der Mitglieder ihr sozialdemokratisches Parteibuch, etwa ein Drittel trat in die SED ein. Auch in den übrigen Besatzungszonen gab es verschiedenen Formen der Zusammenarbeit und Annäherungsbestrebungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten. So beschlossen am 24. Juli 1945 in Hamburg und am 8. August 1945 in München Vertreter der SPD und der KPD ein gemeinsames Aktionsprogramm. In Frankfurt am Main entstand am 3. Oktober 1945 ein Arbeitsausschuss von Sozialdemokraten und Kommunisten und am 1. Oktober 1945 rief der Einheitsauschuss von SPD und KPD in Wiesbaden zur Vereinigung beider lokaler Parteien auf. Darüber hinaus arbeiteten in einer Reihe von Städten Sozialdemokraten und Kommunisten auf kommunaler Ebene zusammen. Sowohl in den amerikanischen, englischen und französischen Besatzungszonen, als auch in der sowjetischen Besatzungszone, wurde auf diese Prozesse seitens der Besatzungsmächte Einfluss genommen. Deshalb wird und wurde die in der sowjetischen Besatzungszone erfolgte Vereinigung im allgemeinen als Zwangsvereinigung unter sowjetischem Druck angesehen. 2001 räumten die Bundestagsabgeordneten Gabriele Zimmer und Petra Pau (beide PDS) ein, dass Mitglieder der SED sowohl im Prozess der Vereinigung Täuschungen, Zwänge und Repressionen zuließen, als auch Fehler begangen hätten. Am 6. Mai 2001 schloss sich der Parteivorstand dieser Erklärung an.

Die historische Entwicklung der SED

Die SED als linkssozialistische Volkspartei

Zum Zeitpunkt der Gründung in der Sowjetischen Besatzungszone bestand die SED aus etwa 1,3 Millionen Mitgliedern. Diese kamen zu fast gleichen Teilen aus den beiden Gründungsparteien. Das an antifaschistisch-demokratischen Grundzügen orientierte Programm übte eine beachtliche Anziehungskraft auf die Bevölkerung aus. Dies bezeugen sowohl die Mitgliederzugänge als auch die Wahlergebnisse 1946. So wurde die SED bei den Wahlen von 1946 stärkste Partei, verfehlte jedoch die angestrebte absolute Mehrheit. Anteil der SED-Mitglieder an den einzelnen sozialen Schichten in den Ländern der sowjetischen Besatzungszone im Jahr 1947:
- 33% aller Angestellten
- 33% aller Lehrer
- 25% aller Industriearbeiter
- 20% aller Bauern
- 14% aller Handwerker und Gewerbetreibenden
- 14% aller Ingenieure und Techniker Mit einer gewissen Berechtigung konnte somit tatsächlich von einer Massenpartei gesprochen werden. Die im ersten Parteiprogramm der SED enthaltenen Grundsätze fanden sowohl bei ehemaligen Sozialdemokraten als auch bei ehemaligen Kommunisten Zustimmung. Beachtenswert ist auch dessen Nähe zum Erfurter Programm der SPD von 1891. So vermied das ursprüngliche Programm der SED noch jeden Bezug auf den Leninismus und sprach vom demokratischen Weg zum Sozialismus. Im Parteistatut wurden noch keine weltanschaulichen Einschränkungen erhoben. Vielmehr stand die SED allen offen, die sich offen vom Nationalsozialismus abgewandt hatten, beziehungsweise diesen ablehnten. Es gab noch keine Kandidatenzeit, keine Überprüfungen, kein Politbüro und keinen Generalsekretär. Ämter wurden streng paritätisch von Kommunisten und Sozialdemokraten besetzt. So gab es zu dieser Zeit auch zwei Parteivorsitzende: den Sozialdemokraten Otto Grotewohl und den Kommunisten Wilhelm Pieck. Praktisch zeigte es sich jedoch, dass ehemalige kommunistische Funktionäre, bedingt durch ihre Erfahrung im Umgang mit politischen Apparaten, ihre Nähe zur Besatzungsmacht und mit ihrer daraus folgenden stärkeren politischen Durchsetzungskraft, sich gegenüber ehemaligen sozialdemokratischen Funktionären häufig als dominant erwiesen. Im ersten Jahr der SED gelang es nicht, die angestrebten Ziele zu verwirklichen. So misslangen Versuche, die Parteiarbeit auf den Westen Deutschlands auszudehnen, und bei den Landtagswahlen in der SBZ im Oktober 1946 verfehlte die vereinigte Arbeiterpartei die absolute Mehrheit. Bei einer Wahlbeteiligung, im Ostsektor herrschte Wahlpflicht, von knapp über 90 Prozent erhielt die SED bei den Landtagswahlen 47,5 Prozent der abgegebenen Stimmen. In Berlin, wo zur gleichen Zeit die Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung stattfanden, ergaben sich folgende Stimmverhältnisse (alle vier Sektoren zusammen):
- SPD: 49%
- CDU: 22%
- SED: 20%
- LDPD: 9% Speziell die Westarbeit und dabei die Option auf ein sozialistisch wiederzuvereinigendes Deutschland prägte die Parteiarbeit der ersten Jahre. Im Dezember 1947 tagte erstmals der auf Initiative der SED einberufenen Erste Deutsche Volkskongress in Berlin. Er verstand sich als gesamtdeutsches Gremium gegen die, so in der Parteisprache der damaligen Zeit, „Spalterpolitik der imperialistischen Westmächte“. Allerdings nahm aus den westlichen Besatzungszonen nur 664 Delegierte und Gäste teil. So auch Parteikader der KPD (242 Delegierte) und der SPD (91 Delegierte). Sogar Teile der CDU der Sowjetischen Besatzungszone verweigerten sich.

Die Umformung der SED in eine Partei neuen Typus

Eine „Partei neuen Typus“ ist im Verständnis der leninschen Theorie eine Partei auf der Basis des Marxismus-Leninismus und des demokratischen Zentralismus, mit straffer Parteidisziplin als Organisationsprinzip, die sich als Avantgarde des Proletariats versteht.

Politische Situation

Als Massenpartei widerspiegelte die SED alle Strömungen der Gesellschaft. Dies entsprach nicht den Vorstellungen einflussreicher Teile der ehemaligen KPD und der sowjetischen Besatzungsmacht. So wurde, bedingt durch die zunehmende Führerschaft ehemaliger kommunistischer Mitglieder, ein neues, grundlegendes Demokratieverständnis verhindert. Zudem konnten wesentliche Vorbehalte, die schon in den 30er Jahren gegen eine gemeinsame Politik von SPD und KPD sprachen, nicht ausgeräumt werden. Dazu gehörte in erster Linie das Abrücken von den stalinistischen Repressionen, denen auch deutsche Antifaschisten zum Opfer fielen. Verbot sich doch jeder Ansatz einer kritischen Bewertung dieser Politik allein schon aus der Anwesenheit der Besatzungsmacht heraus. Als unheilvoll erwies sich auch die starke Bindung deutscher Kommunisten an die KPdSU (Bolschewisierung) und die damit verbundene Einflussnahme seitens der Sowjetunion auf alle Bereiche des parteilichen Lebens. Dies gipfelte darin, dass nationale Interessen bedingungslos sowjetischen Bestrebungen untergeordnet wurden. Die Bevorzugung ehemaliger kommunistischer Funktionäre durch die Besatzungsmacht und die Art und Weise, in der diese es auch für sich nutzten, verbunden mit politischen Diffamierungen, führten zu Spannungen und Beschädigungen innerhalb der SED.

Gesellschaftliche Situation

In Deutschland zeichnete sich die Bildung zweier Staaten ab, die unterschiedlichen Blöcken angehören würden. Damit wurde die Konfrontationspolitik des Kalten Krieges unmittelbar in die verschiedenen Besatzungszonen hineingetragen. Heftige Auseinandersetzungen zwischen LDPD, CDU und SED hinsichtlich der Entwicklungstendenz der Wirtschaft, Widerstände gegen Bodenreform und Verstaatlichung, sowie Widersprüche zwischen Markt- und Planwirtschaft kennzeichneten die Situation in der sowjetischen Besatzungszone. Hinzu kamen verschiedene Formen der Wirtschaftskriminalität und der Sabotage.

Auswirkungen auf die SED

Um die politische Macht zu stabilisieren und unter den Einflüssen der KPdSU schien es den führenden Kreisen der SED notwendig, die Partei zu reformieren. Auf der I. Parteikonferenz im Januar 1949 wurde zudem deutlich, dass sich die stalinistischen Kräfte erfolgreich in der SED durchgesetzt hatten. Sie wurde streng nach den Regeln einer leninschen Partei umgebildet, aufgebaut nach dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“. Dazu gehörte die Aufgabe der weltanschaulichen Neutralität zugunsten eines strengen Materialismus, die alleinige Orientierung am Marxismus-Leninismus als „wissenschaftliche Weltanschauung“ und die Bekämpfung aller sozialdemokratischen Tendenzen. Etwa 150.000 Mitglieder wurden ausgeschlossen. Begleitet wurden diese Prozesse von Vorgängen, wie sie in der Sowjetunion seit Stalins Machtübernahme stattfanden. Verfolgungen, Verhaftungen, Anklagen und Verurteilungen von ehemaligen Sozialdemokraten, Arbeiterfunktionären und Westemigranten der KPD unter direkter Mitwirkung der Parteikontrollkommission und später von Organen der Deutsche Demokratische Republik (Ministerium für Staatssicherheit, Volkspolizei, Justizapparat) sicherten den stalinistisch Kräften in der SED die Vorherrschaft. Damit wurde die SED zur staatstragenden Partei der DDR, neben der die anderen Blockparteien nur eine Nebenrolle spielten. Auf der II. Parteikonferenz wurden 1952 die Grundlagen für den Umbau der Gesellschaft für den Aufbau des Sozialismus in der DDR beschlossen: # Neugliederung des Staatsaufbaues mit der Auflösung der Länder und Schaffung von 14 Bezirken # Aufbau bewaffneter Streitkräfte # verstärkte Kollektivierung der Landwirtschaft

Aufbau der SED

Die Grundorganisation

Die SED organisierte sich hauptsächlich in den Betrieben und Einrichtungen der DDR. Damit unterlag faktisch jeder Bereich des öffentlichen Lebens ihrem Einfluss. Die Anforderungen, die sich daraus für jedes Mitglied ergeben sollten, drückt die Losung „Wo ein Genosse ist, da ist die Partei“ aus. Die Parteigruppe bildete die kleinste Organisationszelle der Partei. In ihr wählten die Mitglieder den Parteigruppenorganisator (PGO) als Verantwortlichen für die Parteiarbeit, einen Kassierer, Agitator und, je nach Größe, noch beigeordnete Mitglieder in die Leitung. Waren mehrerer Parteigruppen vorhanden, so wurden sie in der Abteilungsparteiorganisation (APO) zusammengefasst, die wiederum eine gesonderte Leitung um den Abteilungsparteisekretär bildete. Die regelmäßig stattfindenenen Parteiversammlungen dienten der politischen Diskussion und Schulung. Mehrere APOs oder, in kleineren Einrichtungen, oftmals nur eine Parteigruppe bildeten die Grundorganisation (GO), die von einem Parteisekretär geleitet wurden. In den Wohngebieten gab es für nicht Berufstätige (Hausfrauen, Rentner) die weniger bedeutenden Wohnparteiorganisation (WPO), mit analogem Aufbau.

Der Parteisekretär

Parteisekretäre wirkten zum größten Teil ehrenamtlich neben ihrer täglichen Arbeit. Ab einer bestimmten Größe der Grundorganisation, die immer auch viele Abteilungsorganisationen und zwischengeordnete Gremien bedingte, wurden hauptamtliche Parteisekretäre gewählt. Parteisekretäre in sehr großen Kombinaten oder in volkswirtschaftlich bedeutsamen Unternehmen, waren gleichzeitig Mitglied in übergeordneten Führungsorganen, bis hin zum Zentralkomitee. Die Aufgabe des Parteisekretärs war die Organisation der politischen Arbeit. Er bereitete die Parteiversammlungen und politischen Schulungen gemeinsam mit der Parteileitung vor, kontrollierte die Einhaltung der Parteibeschlüsse, sorgte für deren Umsetzung, meldete weiter und leitete an. Dazu gehörte auch ein monatlich abzugebender Bericht über „Stimmungen und Meinungen“, in dem das Meinungsbild der Bevölkerung widerspiegelt werden sollte. Da übergeordnete Leitungen darin mitunter eine Kritik ihrer Arbeit fanden, wurden diese vielfältig abgewandelt weiter gegeben. Diese Tatsache macht die zunehmende Bürokratisierung des Parteiapparates und das Vorhandensein stalinistischer Tendenzen deutlich. Parteisekretäre wurden monatlich politisch besonders qualifiziert und von Vertretern der übergeordneten Parteigremien, den Instrukteuren angeleitet und kontrolliert. Sie waren auch Mitglieder der staatlichen Leitung, und sicherten so die Führungsansprüche der SED in den Betrieben und Verwaltungen ab. Entscheidungen der Leitung wurden in den Parteigremien besprochen und letztendlich beschlossen. Dies bedeutete, dass der staatliche Leiter, sofern er Mitglied der SED war, an die Umsetzung des Beschlusses gebunden wurde. Die Wahl des Parteisekretärs erfolgte scheinbar demokratisch durch Abstimmung der Mitglieder oder Delegierte, tatsächlich war der Ausgang durch die Benennung geeigneter Kandidaten schon vorbestimmt. Der geringe Handlungsspielraum, der Parteisekretären zur Verfügung stand, verbunden mit Desillusionierung angesichts der erlebten Widersprüche der gesellschaftlichen Entwicklung führte dazu, dass besonders die ehrenamtliche Funktion oft nur unter erheblichen moralischem Druck seitens der übergeordneten Leitungen angenommen wurde.

Kreisleitung

Die Grundorganisationen eines Kreises waren der SED-Kreisleitung unterstellt. Insgesamt gab es 262 Kreisleitungen, davon zwanzig in zentralen Einrichtungen wie Freie Deutsche Jugend (FDJ), Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), Außenministerium, Ministerium für Außenhandel, Deutsche Reichsbahn und den militärischen Organen Ministerium des Innern (MdI), Ministerium für Staatssicherheit (MfS) und Nationale Volksarmee (NVA), die jeweils eine eigene politische Verwaltung hatten. Die Kreisleitung als Gremium war ein gewähltes, ehrenamtlich agierendes Organ. Daneben bestand die Verwaltungsinstitution Kreisleitung, die angestellte Mitarbeiter hatte, die aber nicht zwangsläufig Mitglieder des Gremiums Kreisleitung waren, sondern den Parteiapparat verwalteten. Deren 1. Sekretär der SED-Kreisleitung, wurde unterstützt vom 2. Kreissekretär, der immer für die wirtschaftlichen Belange des Kreises verantwortlich zeichnete und dem Sekretariat mit Verantwortlichen für Agitation und Propaganda, Landwirtschaft, Volksbildung und andere Bereiche. Dieses Sekretariat der Kreisleitung führte die eigentlichen Geschäfte. Weitere Mitglieder des Sekretariats waren in der Regel der Vorsitzende des Rat des Kreises, der FDJ-Kreissekretär, der Vorsitzende des FDGB-Kreisvorstandes, der Vorsitzende der Kreisplankommission und der Vorsitzende der Kreisparteikontrollkommission. Sie nahmen direkt Enfluss auf die Arbeit der staatlichen Organe, beispielsweise den Rat des Kreises. Grundsätzlich konnten die Parteigremien den staatlichen Organen „nur“ Empfehlungen in der operativen Arbeit geben, waren allerdings in Kaderfragen (Personalentscheidungen) zustimmungspflichtig. Mitglied der SED-Kreisleitung war stets der Leiter der Kreisdienststelle des MfS. Der 1. Kreissekretär war auch Leiter der Kreiseinsatzleitung, für die Führung des Kreises im militärischen Verteidigungszustand verantwortlich. Als Kontrollorgane fungierten die Kreisrevisionskommission, die Finanzen und Einhaltung der Beschlüsse kontrollierte und die Kreisparteikontrollkommission, die innerparteiliche Abläufe prüfte und direkt dem Sekretariat unterstand. Das Zusammentreten der Kreisdelegiertenkonferenz, an der die gewählte Vertreter der Grundorganisationen (Parteisekretär und, entsprechend der Größe, mehrere Mitglieder) teilnahmen, war Anlass, Rechenschaft abzulegen, Beschlüsse zu fassen, die Arbeit des Sekretariates und der Kreisleitung zu bestätigen und eine neue Kreisleitung zu wählen. In größeren Orten war eine Ortsleitung und eine Ortsdelegiertenkonferenz zwischen Kreisleitung und Grundorganisationen installiert, um auch Parteimitglieder, die nicht in betrieblichen Grundorganisationen erfasst wurden (Rentner, kleinere Handwerksbetriebe, Freiberufler etc.), zu organisieren. Der Kreisleitung war die Kreisparteischule zugeordnet. Ein Bild der Arbeit einer Kreisleitung und ihres 1. Sekretärs zeichnete der thüringische Schriftsteller Landolf Scherzer in seinem Buch „der Erste“.

Bezirksleitung

Diese Struktur setzte sich über die 15 Bezirke mit der Bezirksleitung (BL) und deren Sekretariat, sowie den oben genannten Kommissionen fort. Die BL als Gremium war ein gewähltes, ehrenamtlich agierendes Organ. Daneben bestand die Verwaltungsinstitution Bezirksleitung, die angestellte Mitarbeiter hatte, die aber selten Mitglieder des Gremiums BL waren, sondern den Parteiapparat verwalteten. Deren 1. Sekretär, wurde unterstützt vom 2. Sekretär und dem Sekretariat mit Verantwortlichen für Agitation und Propaganda, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Landwirtschaft. Diesem Sekretariat gehörten analog der Kreisleitung die Bezirkschefs von FDJ, FDGB, Bezirksplankommission etc. an. Der erste Sekretär der Bezirksleitung, verfügte über eine beträchtliche Machtfülle im Bezirk, war Mitglied des Zentralkomitees der SED und seltener sogar Kandidat oder Mitglied des Politbüros des ZK der SED (immer der Bezirkssekretär für die Hauptstadt Berlin). Er war zugleich Vorsitzender der jeweiligen Bezirkseinsatzleitung (BEL), die für die Leitung des Bezirks im Verteidigungsfall als Organ des Nationalen Verteidigungsrates zuständig war. Sitz der BEL war üblicherweise das Wehrbezirkskommando. Mitglied der Bezirksleitung war unter anderem immer der jeweilige Leiter der Bezirksverwaltung (BV) des MfS. Dies heißt, der Leiter der BV war formal dem SED-Bezirkschef unterstellt, hatte aber in operativen Fragen eigene Befehlsgewalt. Der Bezirksleitung war als Bildungsstätte die Bezirksparteischule zugeordnet. Ebenso unterstand der BL die Bezirkszeitung, eine Tageszeitung mit zahlreichen Lokalredaktionen, die zum Parteibetrieb VOB Zentrag gehörte. Die 1. Sekretäre der SED-Kreis- und Bezirksleitungen waren jeweils schon Nomenklaturkader, das heißt sie mussten vor ihrer Wahl in diese Parteifunktion vom ZK der SED bestätigt werden.

Zentralkomitee

Das Zentralkomitee (Kurzform: ZK) war das höchste Organ in der Parteistruktur zwischen den Parteitagen. Das Machtzentrum lag dabei beim Sekretariat des Komitees, dem ein Generalsekretär vorstand. Dieser war wiederum Vorsitzender des Politbüros. In der politischen Rangfolge standen die Mitglieder des ZK über den Ministern, die ZK-Sekretäre und Abteilungsleiter waren gegenüber den staatlichen Ministern weisungsbefugt. Diese Führungsrolle ergibt sich aus der Verfassung von 1968, in der die Führungsrolle der SED festgeschrieben wurde. Zuletzt waren 222 Mitglieder und Kandidaten im ZK. Alle hochrangigen Partei- und Staatsfunktionäre der DDR waren - sofern Mitglied der SED - im ZK vertreten. Von Institutsdirektoren über Generaldirektoren wichtiger Kombinate, dem Präsidenten des Schriftstellerverbandes, Generälen bis hin zu verdienten Parteiveteranen waren alle wichtigen Funktionsträger vertreten. Das ZK war - wie die gesamte obere Machthierarchie der DDR - männlich dominiert, der Frauenanteil stieg seit 1950 nie über 15 Prozent. Die Generalsekretäre des ZK waren:
- Walter Ulbricht, 1950 - 1953, danach Erster Sekretär bis 3. Mai 1971
- Erich Honecker, ab 3. Mai 1971 bis 1976 Erster Sekretär, danach bis 18. Oktober 1989 Generalsekretär
- Egon Krenz 18. Oktober 1989 - 3. Dezember 1989 Den etwa zehn ZK-Sekretären waren die insgesamt 40 verschiedenen Abteilungen des ZK mit hauptamtlichen Mitarbeitern zugeordnet. Gab es 1970 noch 1.000 Mitarbeiter, waren es 1987 schon 2.000 Mitarbeiter. Eine Abteilung wurde jeweils durch einen Abteilungleiter und seinen Stellvertreter geleitet, auch eine sehr einflussreiche Positionen im DDR-Machtapparat. Jede Abteilung war wiederum in Sektoren gegliedert mit Sektorenleitern, Mitarbeitern und Instrukteuren. ZK-Mitglieder und Mitarbeiter hatten mit ihren Dienstausweisen freien Zugang zu allen staatlichen und Parteieinrichtungen, eigene Ferienheime und andere Privilegien. ZK-Abteilungen und ihre Abteilungsleiter (es gab ca. 40 Abteilungen, Liste unvollständig):
- Kader: Fritz Müller (1960-1990), zugleich 1. Sekretär der SED-GO im ZK
- Parteiorgane: Horst Dohlus (1960-86, ab 1973 sogar Sekretär des ZK), Heinz Mirtschin
- Staats- und Rechtsfragen: Dr. Klaus Sorgenicht (zugleich Mitglied des Staatsrates)
- Sicherheitsfragen: Gustav Röbelen (1955), (Generaloberst) Herbert Scheibe (1972-1985), Wolfgang Herger (1985-89)
- Maschinenbau und Metallurgie: Gerhard Tautenhahn, zugleich ab 1985 Leiter der Führungsgruppe Schlüsseltechnologie
- Grundstoffindustrie: Horst Wambutt (1969-89)
- Landwirtschaft: Bruno Kiesler, (1959-81) Helmut Semmelmann (1982-89)
- Handel, Versorgung und Außenhandel: Ernst Lange, Hilmar Weiß (1967-89)
- Transport- und Nachrichtenwesen: Dieter Wöstenfeld (1987-1989)
- Bauwesen: Gerhard Trölitzsch (1960-89)
- Planung und Finanzen: Günter Ehrensperger (1974-89)
- Sozialistische Wirtschaftsführung: Carl-Heinz Janson (1967-89), gleichnamiges Institut in Berlin-Rahnsdorf zugeordnet
- Agitation: Rudi Singer (1963-66), Werner Lamberz, später Hans Modrow (1971-73)
- Gewerkschaften und Sozialpolitik: Fritz Brock (1966-76)
- Kultur: Hans-Joachim Hoffmann (später Kulturminister als Nachfolger von Klaus Gysi), Egon Rentzsch, Ursula Ragwitz (1976-89)
- Auslandsinformation: Manfred Feist (Bruder von Margot Honecker)
- Internationale Verbindungen: Paul Markowski (1966-78), Günther Sieber (1980-89)
- Internationale Politik und Wirtschaft: Herbert Häber (1973-1985), Gunter Rettner (1985-89), Stellv. Harry Morgenstern; gleichnamiges IPW-Institut zugeordnet
- Jugend: Wolfgang Herger (1976-85), Gerd Schulz (1985-89)
- Frauen: Inge Lange (1961-89)
- Volksbildung: Werner Neugebauer, Lothar Oppermann (1963-89)
- Sport: Rudolf Hellmann Das ZK der SED hatte überwiegend seinen Sitz im ZK-Gebäude, auch bekannt als „Großes Haus“, am Werderschen Markt in Berlin-Mitte. Dieser weitläufige Gebäudekomplex war früher Sitz der Reichsbank und ist heute Teil des Auswärtigen Amtes. Das Zentralkomitee wurde oft als „kleiner Parteitag“ bezeichnet, da es zwischen den eigentlichen Parteitagen mehrmals im Jahr zusammentrat und die Arbeit des Politbüros absegnete. Während unter Generalsekretär Ulbricht noch lebhafte Diskussionen im ZK stattfanden, tagte unter seinem Nachfolger Honecker dieses Gremium nur noch sehr förmlich zweimal im Jahr. Die Tagesarbeit übernahm stattdessen das Politbüro, ein kleiner Zirkel der Sekretäre des ZK und anderer hochrangiger Parteifunktionäre. Die letzte Sitzung des Zentralkomitees der SED fand am 3. Dezember 1989 statt, auf der Hans Albrecht, Erich Honecker, Werner Krolikowski, Günther Kleiber, Erich Mielke, Gerhard Müller, Alexander Schalck-Golodkowski, Horst Sindermann, Willi Stoph, Harry Tisch, Herbert Ziegenhahn und Dieter Müller aus dem ZK und aus der Partei ausgeschlossen wurden. Auf dem 3. Parteitag der SED 1950 wurde erstmals ein ZK nach sowjetischem Vorbild gewählt und man ersetzte dabei den bisher amtierenden Parteivorstand.

Sekretariat des Zentralkomitees

Das Sekretariat des ZK tagte jeweils am Mittwoch, um als Planungsstab die am Vortag getroffenen Entscheidungen des Politbüros umzusetzen und dessen nächste wöchentliche Sitzung vorzubereiten. Es bestand aus den Sekretären des ZK der SED, aber die praktische Arbeit wurde von den diversen Abteilungsleitern und ihren Mitarbeitern geleistet. Entscheidende Bedeutung hatte das Sekretariat bei der Auswahl der ZK-Nomenklaturkader, dies waren die etwa 300 höchsten Positionen in Partei und Staat, die vor ihrer Neubesetzung durch das ZK-Sekretariat zustimmungspflichtig waren.

Politbüro des Zentralkomitees

Die wichtige Tagesarbeit übernahm das Politbüro, ein kleiner Zirkel hochrangiger Parteifunktionäre, bestehend aus 15 - 25 Mitgliedern und etwa 10 Kandidaten (ohne Stimmrecht), darunter die etwa 10 Sekretäre des ZK. Der Generalsekretär des ZK der SED war zugleich Vorsitzender des Politbüros (so auch sein offizieller vollständiger Funktionstitel). Diese knapp 30 SED-Kader waren der allmächtige innerste Machtzirkel der DDR. Die eigentliche Regierung, der staatliche Ministerrat der DDR hatte dessen Beschlüsse „nur“ noch über die Ministerien nach unten umzusetzen, dabei ständig kontrolliert von den Parteigremien, so die „führende Rolle der Partei“, laut DDR-Verfassung, sicherstellend. Der Vorsitzende des Ministerrates und der Präsident der Volkskammer waren, sofern SED-Mitglieder, auch Mitglieder des Politbüros. In der Praxis wurden nur noch die umfangreichen vom Sekretariat und den Abteilungen des ZK erarbeitenen Vorlagen von den Mitgliedern und Kandidaten (ohne Stimmrecht) meist einstimmig beschlossen, die den Mitgliedern zuvor per Kurier zum Aktenstudium zugestellt wurden. Dabei verließ man sich meist auf die Beschlussempfehlung des für das jeweilige Fachgebiet zuständigen Politbüromitglieds, ohne anderen in ihr Fachgebiet herein zu reden. Übergreifend konnte nur der Generalsekretär eingreifen. Abstimmungen zu Sicherheitsfragen waren dabei tabu, diese wurden direkt zwischen dem jeweiligen Minister und dem Generalsekretär streng vertraulich geregelt. Zu speziellen Themen wurden leitende Kader wie Generaldirektoren, Institutsdirektoren, Minister oder Staatssekretäre zur Verteidigung ihrer Entscheidungsvorlage vorgeladen. Das Politbüro tagte jede Woche Dienstags ab 10:00 Uhr für etwa zwei Stunden in der zweiten Etage des Zentralkomiteegebäudes. Außerhalb der Sitzungen und in der Urlaubszeit kam es auch zu Beschlüsse im Umlaufverfahren, das heißt eine Unterschriftenmappe wurde von den Mitgliedern zustimmend abgezeichnet. Umlaufverfahren] Kommissionen und Arbeitsgruppen beim SED-Politbüro und deren Leiter:
- Außenpolitische Kommission, Hermann Axen
- Agitationskommission, Joachim Herrmann
- Kulturkommission, Kurt Hager
- Kommission der Leiter gesellschaftswissenschaftlicher Institute beim ZK der SED, Kurt Hager
- Wirtschaftskommission, Günter Mittag, tagte alle 14 Tage Montags
- Kommission Asien, Afrika und Arabischer Raum, Günter Mittag
- Jugendkommission, Egon Krenz
- Frauenkommission, Inge Lange
- Sicherheitskommission, Egon Krenz (ersetzt durch Nationalen Verteidigungsrat NVR?)
- Kaderkommission, Fritz Müller
- Arbeitsgruppe Zahlungsbilanz, Günter Mittag
- Zentrale Revisionskommission (ZRK): Fritz Gäbler, Kurt Seibt (1967-89) Für die unterstützende administrative Arbeit gab es ein Sekretariat des Politbüros, seine Leiter waren:
- Otto Schön (bis 1968)
- Gisela Glende (1968-1986)
- Edwin Schwertner (1986-1989)

Die Rolle der SED in der DDR

Innenpolitik und Gesellschaft

Die SED baute in der DDR ein diktatorisches Staatssystem auf, in dem die Bevölkerung auf viele Menschenrechte verzichten musste. So wurden die Bürger der DDR daran gehindert, Reisefreiheit zu genießen. Um eine Abwanderung der Menschen aus der DDR zur verhindern, ließ die SED am 13. August 1961 eine Mauer errichten, an u.a. aufgrund von Schießbefehl 897 Menschen beim Versuch, diese zu überwinden, ums Leben gekommen sind. Um ihre Macht zu sichern und politische Gegner und Aktivisten auszuschalten, baute die SED über die STASI ein Spitzelsystem auf, welches die Bevölkerung überwachen sollte. Grundlage dafür bildete die sogenannte Nomenklatura, über die gesichert wurde, dass Schlüsselpositionen in Medien, Bildung und andere Führungspositionen mit linientreuen Parteikadern besetzt wurden, welche die Zusammenarbeit mit der STASI auf Anfrage garantieren und Auffälligkeiten melden mussten. Darüberhinaus wurden Spitzel als inoffizielle Mitarbeiter (IM) an der Basis eingesetzt, die entweder freiwillig oder gezwungener Maßen Arbeitskollegen, Klassenkameraden oder Familienmitglieder überwachen und Auffälligkeiten melden mussten. Gegen Ende der 80er Jahre gab es insgesamt 339.000 Nomenklaturkader, d.h. auf jeden 50. DDR-Bürger kam ein Nomenklaturkader. Insgesamt gab es in der DDR ca 390.000 politischer Gefangener, von denen ca. 190.000 in Gefangenschaft ihr Leben verloren. Die SED bestimmte und kontrollierte das ganze öffentliche Leben, das Bildungswesen, das wirtschaftliche und politische System. Es wurde mit gewalttätigen Mitteln und psychischem Druck versucht, eine pluralistische Gesellschaft zu verhindern. Systemkritiker oder Personen, die nicht parteikonform liefen, haben berufliche und wirtschaftliche Nachteile und Bestrafungen hinnehmen müssen. Fehlendes Engagement in FDJ oder Partei konnte ein Verlust von Studien- oder Arbeitsplatz bedeuten, wenn man nicht gerade außerordentliche Fähigkeiten besaß, so dass man unverzichtbar war.

Parteialltag

FDJ Die SED hatte zuletzt etwa 2,3 Millionen Mitglieder. Dies war ein sehr hoher Anteil bei etwa 8 Millionen Erwerbstätigen und 16,8 Millionen Menschen Gesamtbevölkerung in der DDR, damit führte die SED ihren eigenen Anspruch als „Avantgarde der Arbeiterklassead absurdum. Während in den Anfangsjahren nur bewährte überzeugte Genossen nach ausgiebiger Prüfung aufgenommen wurden, setzte sich später das Prinzip „Quantität statt Qualität“ durch, und (zu) viele wurden nur noch aus Karrieregründen Parteimitglieder. Allein 339.000 Mitglieder, also 15 %, waren 1981 Nomenklaturkader, das heißt hohe leitende Partei- oder Wirtschaftsfunktionäre. In der DDR war der Begriff „Die Partei“ als Synonym für die SED gebräuchlich und wurde so zum Geflügelten Wort. Dieses geht zurück auf einen Text von Louis Fürnberg zurück ([http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/JahreDesAufbausInOstUndWest_liedtextSEDLied/index.html Originaltext]). In den letzten Jahren der DDR war zudem die Frustration in der Bevölkerung schon so weitgehend, dass es immer schwieriger wurde, insbesondere junge Menschen zum Parteieintritt zu bewegen. In den Kreisen der künstlerischen Intelligenz und in der Ärzteschaft galt es traditionell eher als befremdlich, „Genosse“ zu sein, dort konnte man auch ohne Parteimitgliedschaft Karriere aufgrund des eigenen Könnens machen. In anderen Bereichen war dies nur absoluten Genies vorbehalten, auf die auch der „erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden“ nicht verzichten konnte. Für die SED arbeiteten etwa 44.000 hauptamtliche Mitarbeiter und 300.000 nebenamtliche Mitarbeiter darunter 100.000 Parteisekretäre, wobei zumindest die einfachen Mitarbeiter lediglich knapp durchschnittlich zu einem vergleichbaren Wirtschaftskader bezahlt wurde, da man es als Genosse als große Ehre zu verstehen hatte, für den Apparat der Partei arbeiten zu dürfen. In der Sowjetunion mit dem lange Zeit großen Vorbild KPdSU war es beispielsweise wesentlich exklusiver, Mitglied der Staatspartei zu sein.

Aufnahme

Wer in die SED aufgenommen werden wollte, musste mindestens 17 Jahre alt sein und einen schriftlichen Antrag (mit Begründung) auf Mitgliedschaft als „Kandidat der SED“ stellen und von zwei Bürgen unterstützt werden, die langjährige Mitglieder der SED waren und den Antragsteller lange genug kannten. Dann war man zunächst ein Jahr lang Kandidat und hatte die Pflicht, an allen Parteiversammlungen der zuständigen Grundorganisation ohne Stimmrecht teilnehmen. Es erfolgte eine spezielle Kandidatenschulung und oftmals wurden Kanditatenaufträge vergeben. Sie hatten zum Beispiel folgende Form:
- „Der Genosse XYZ sichert eine hohe Ordnung in seiner Abteilung“
- „Gemeinsam mit dem Genossen ABC hält Genosse XYZ Kontakt zur Patenklasse und führt zwei Veranstaltungen im Rahmen der Patenschaftsarbeit durch“
- „Als Mitglied der Kampfgruppe des Kombinates erfüllt Genossse XYZ alle ihm übertraggenen Aufgaben mit hoher Qualität und Einsatzbereitschaft.“ Nach Ablauf eines Jahres wurde in der Parteigruppe abgestimmt, ob der Kandidat aufgenommen werden sollte, wobei es durchaus zu Ablehnungen oder Verlängerung der Kandidatenzeit kam. Allerdings war dies sehr selten und häufig mit Kritik an der Grundorganisation seitens übergeordneter Leitungen verbunden. Der betreffende Kandidat musste mit Benachteiligungen und Anfeindungen im Berufsleben rechnen. Das Mindestalter bei der Aufnahme als Mitglied war 18 Jahre (Volljährigkeit). Für die Aufnahme war die Angehörigkeit zu sozialen Schichten oder Klasse durchaus maßgebend. Es bestanden festgeschriebene Mitgliederverhältnisse von Arbeitern, Angestellten, Genossenschaftbauern, Mitgliedern der sozialistischen Intelligenz, Handwerkern und Freiberuflern. Während Arbeiter und Genossenschaftsbauern praktisch ohne Beschränkung in die „Arbeiterpartei“ SED eintreten durften, ja sogar gezielte Werbeaktionen durchgeführt wurden, war es unter Umständen für einen Angehörigen der Intelligenz (insbesondere Lehrer) besonders dann schwer in die SED aufgenommen zu werden, wenn sich gerade die Mitgliederverhältnisse nicht in der gewünschten Übereinstimmung befanden. Teilweise mussten sich diese weniger gewünschten Schichten jahrelang mit dem Kandidatenstatus begnügen. Tatsächlich waren 1986 58,2 % aller Mitglieder als „Arbeiter“ eingestuft, tatsächlich Produktionsarbeiter waren aber nur 37,9 %. Angehörige der Intelligenz waren offiziell nur 22,4 %, und Rentner 14 % aller Mitglieder. In der Praxis kam es zu den abenteuerlichsten Verbiegungen, um noch als gewünschter Arbeiter zu gelten. So galt der Generaldirektor, wenn er vor 40 Jahren seine Karriere als Arbeiter begonnen hatte, zeitlebens als Arbeiter. Bei erfolgreicher Aufnahme wurde dem neuen Genossen die Dokumente, das heißt Mitgliedsausweis, Parteiprogramm und Parteistatut (Zwei kleine rote Büchlein, Format etwa A6) feierlich übergeben. Der Verlust des Mitgliedsausweises „Parteidokument“ galt als grobe Verfehlung, da er ja dem „Klassenfeind“ in die Hände fallen konnte und wurde mindestens mit einer Rüge geahndet. In den Anfangsjahren mussten die Genossen den Ausweis ständig bei sich tragen. In den harten Zeiten des Kalten Krieges der 1950er Jahre wurde noch wesentlich stärker auf Parteidisziplin geachtet, und der Ausschluss des betreffenden Genossen wäre sicher gewesen. Beschlüsse wurden nach Diskussion meist einstimmig gefasst, Stimmenthaltung war laut Parteistatut nicht vorgesehen. Die Diskussionen wurden auch von unten nach oben immer einsilbiger, bis es auf den Parteitagen nur noch zur Verlesung vorher schriftlich eingereichter und genehmigter „Diskussionsbeiträge“ kam.

Ende der Mitgliedschaft

Die Mitgliedschaft in der SED endete nur durch Ausschluss, Austritt (Streichung) oder Tod. Wobei ein Austritt faktisch nicht möglich war, da der betreffende abtrünnige Genosse einfach vorher ausgeschlossen wurde, dies wurde dann als „Streichung“ bezeichnet. Parteistrafen wie Rüge, Strenge Rüge und Ausschluss wurden durch die Parteikontrollkommissionen auf allen Parteiebenen verhängt, die über die „Einheit und Reinheit“ der Partei streng zu wachen hatten. Vorsitzende der Zentralen Parteikontrollkommission (ZPKK) beim ZK der SED:
- Hermann Matern (1949-1972)
- Erich Mückenberger (1972-1989)
- Werner Eberlein 1989 Mit Rügen wurden auch „moralische Verfehlungen“ wie Ehebruch, der eines Parteimitgliedes im öffentlichen und persönlichen Leben nicht würdig war, geahndet. Eine strafrechtliche Verurteilung führte zum Parteiausschluss. Jahr/ Parteistrafen/ Ausschlüsse/ Streichungen:
- 1987/ 19.470/ 7.516/ 1.349
- 1988/ 22.998/ 10.849/ 1.956 Eine Sonderform, seine Parteimitgliedschaft wieder zu verlieren, war der etwa alle zehn bis 15 Jahre stattfindende so genannte Umtausch der Parteidokumente, das heißt, es wurde ein neuer Mitgliedsausweis ausgegeben. Dies war mit einer umfassenden innerparteilichen Diskussion und „Reinigung“ verbunden, in der „unzuverlässige“ Genossinnen und Genossen nicht wieder in die Partei kamen, es erfolgte sozusagen ein „kalter Ausschluss“ mit der Streichung von der Mitgliederliste. Der letzte Umtausch war im Herbst 1989 kurz vor dem Ende der DDR geplant. Er ging einher mit persönlichen Gesprächen in den Grundorganisationen. Die Herbstereignisse ließen den Umtausch platzen und es wurden keine neuen Parteidokumente mehr ausgegeben. Sie waren jedoch bereits in den Kreisleitungen vorhanden und ausgestellt.

Parteiversammlung

Als Mitglied der SED nahm man an den Parteigruppenversammlungen beziehungsweise Mitgliederversammlungen der Betriebsparteiorganisationen (BPO) oder bei nicht Erwerbstätigen/ Rentnern der Wohngebietsparteiorganisationen (WPO) teil. Man konnte gewählt werden und wählen. Kandidaten hatten nur beratende Stimme. In den Versammlungen gab es eine Tagesordnung und ein Versammlungsprotokoll. Zur Information der etwa 100 000 Parteisekretäre gab es als Mitteilungsblatt die vertrauliche Parteiinformation; diese gaben dann den Inhalt an die Mitglieder in geeigneter Weise weiter. Die Parteiversammlung fand in allen Betrieben immer Montags nach Arbeitsschluss, also ab etwa 17:00 Uhr dort statt und dauerte ein bis zwei Stunden. Die Parteiversammlung war nur Genossen und Kandidaten zugänglich. In Ausnahmefällen gab es einen öffentlichen Teil für interessierte Nicht-Genossen und einen internen Teil nur für die Genossen. Es gab Sitzungen der Grundorganisation, der Abteilungsparteiorganisation (APO) und zum Parteilehrjahr, damit waren schon monatlich bis zu drei Montagabende für die Genossen verplant.

Parteilehrjahr

Das Parteilehrjahr diente der politisch-ideologischen Schulung der Mitglieder und wurde monatlich durchgeführt. Geleitet wurde es von einem Mitglied der Parteileitung der Grundorganisation beziehungsweise einem geschulten Propagandisten. Es wurde zentral mit Veranstaltungen für die Seminarleiter begonnen. An den Seminaren nahmen auch Nichtmitglieder teil, wenn sie besondere Führungspositionen einnahmen. Für Lehrer existierte ein Beschluss der Gewerkschaft, in der die Teilnahme für Parteilose verpflichtend war. Aus einem Themenangebot wählte die Parteileitung das für die Grundorganisation bedeutsame aus. In hohen Auflagen wurden Broschüren zur Unterstützung der Arbeit im Dietz-Verlag herausgegeben. Dieses Material wurde von den Teilnehmern des Lehrjahres käuflich erworben, der Preis war mit 1,60 Mark aber auch außerordentlich gering. Themenbeispiele:
- 1970/71 Die Leninsche Theorie des Imperialismus - Schlüssel zum Verständnis des Imperialismus in seiner gegenwärtigen Entwicklungsetappe
- 1978/1979 Theorie und Politik der weiteren Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der DDR
- 1983/84 Grundlehren der marxistisch-leninistischen Philosophie
- 1985/86 Grundprobleme der politischen Ökonomie des Sozialismus und der ökonomischen Strategie der SED
- 1987/88 Leninsche Theorie über den Imperialismus Zusätzlich zum Parteilehrjahr gab es in den Betrieben in den 1980er Jahren das „Argument der Woche“, kurze politische Schulungen für die Mitarbeiter durch ein dazu beauftragtes Mitglied der SED.

Parteischulen

Die SED-Parteischulen waren ebenfalls hierarchisch organisiert. Am unteren Ende standen die Kreisparteischulen (KPS) mit Abendkursen, danach kam die Delegation zu den Bezirksparteischulen (BPS) (1 Jahr Direktstudium) und an der Spitze war die PHS Parteihochschule Karl Marx (1 und 3 Jahre Studium) Berlin. Üblicherweise konnte man die nächste Stufe nur absolvieren, wenn man zuvor die vorhergehende Schule erfolgreich absolviert hatte. Bezirks- und Parteihochschule waren auch im Fernstudium möglich. Der Abschluss an der Parteihochschule war Diplomgesellschaftswissenschaftler. Rektorin der Parteihochschule war die als besonders orthodox bekannte Hanna Wolf, mit sehr engen persönlichen Kontakten zum Generalsekretär. Weitere Einrichtungen auf zentraler Ebene waren das Institut für Marxismus-Leninsmus (IML)und die Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED. Deren theoretisches Organ war die Monatszeitschrift „Die Einheit“. Als Material für die aktuelle Parteiarbeit gab es die vom ZK der SED herausgegebene Monatsschrift „Neuer Weg“. Alternativ war ein Delegierung zum Besuch der Parteihochschule „W.I. Lenin“ der KPdSU in Moskau möglich. Hier studierten im Ein- oder Dreijahresstudium viele Kader aus allen sozialistischen Ländern und Volksdemokratien. Die Diskussionen waren von einer wesentlich offeneren globalen Perspektive geprägt. Aufgrund dieses Moskauaufenthaltes sprachen viele leitende Parteikader (ab 1. Kreissekretär aufwärts) exzellent Russisch. Absolvent als Diplomgesellschaftswissenschaftler mit Staatsexamen war zum Beispiel Egon Krenz. Ohne den Besuch einer Parteihochschule war es in der DDR praktisch unmöglich, eine staatliche oder innerparteiliche Spitzenposition zu erreichen, da fachliche und gesellschaftliche Qualifikation für den „sozialistischen Leiter“ eine Einheit darstellten.

Bekannte Mitglieder der SED

(Eintrittsjahr)
- Otto Grotewohl (1946)
- Wilhelm Pieck (1946)
- Walter Ulbricht (1946)
- Erich Honecker (1946)
- Olga Körner (1946)
- Hermann Kant (1949)
- Hans Modrow
- Günter Schabowski (1952)
- Gregor Gysi (1967)
- Werner Eberlein
- Wolfgang Harich
- Alexander Abusch Weitere Mitglieder siehe :Kategorie:SED-Mitglied Siehe auch: Politische Partei, Maueröffnung, Parteiwesen in der SBZ, Arbeiterbewegung, Arbeiter- und Bauernstaat, SEW (Sozialistische Einheitspartei Westberlins), Parteitage der SED

Literatur


- Geschichte der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Dietz Verlag, 1978, 677 S.
- Zwangsvereinigung? Zur Debatte über den Zusammenschluss von SPD und KPD 1946 in Ostdeutschland.; Diestel Verlag, Heilbronn 1996, 128 S.

Weblinks


- [http://www.stiftung-aufarbeitung.de/ Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur] Kategorie:Partei (DDR) Kategorie:Nationale Front (DDR) ja:ドイツ社会主義統一党

Sowjetische Besatzungszone

Die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) oder Sowjetzone war das von der Sowjetunion nach 1945 besetzte Gebiet Deutschlands. Heute wird der Begriff überwiegend für die Zeit bis zur Gründung der DDR verwendet. Bis in die 1980er Jahre hinein wurde der Begriff außerdem von Politikern der Bundesrepublik als Synonym für die (von ihnen nicht akzeptierte) DDR benutzt (oder auch "die sogenannte DDR", Ostzone, Sowjetzone, Sowjetdeutschland). In der Springer-Presse wurde zeitweilig statt "SBZ" die Abkürzung "SWBZ" genutzt, wobei das "W" für "widerrechtlich" stand und seitens des Verlags die Rechtmäßigkeit der Sowjetischen Besatzungszone in Frage gestellt werden sollte. Die SBZ war eine der vier Besatzungszonen, in die Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg aufgeteilt war. Entsprechend dem Potsdamer Abkommen vom August 1945 übernahm die Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die Besatzungsaufgaben in diesem Landesteil. Sehr bald erlaubte die SMAD die Bildung von vier politischen Parteien, darunter die KPD. Diese warb mit einem bürgerlich klingenden Programm, bereitete aber bereits ihre Diktatur vor: die SPD wurde durch eine Zwangsvereinigung einverleibt (Bildung der SED), die CDU und die LDPD mussten über ein Allparteien-Komitee ("Nationale Front"), in der auch verschiedene staatstragende Massenorganisationen wie der FDGB und die FDJ vertreten waren, mitarbeiten. Ursprünglich wollte Josef Stalin angeblich die Einheit eines blockfreien neutralen Deutschland, das er unter anderem mit einer Note an die Westmächte 1952 forderte. (Stalinnoten) Als aber "der Westen" sich dem widersetzte, ging er zum Aufbau eines neuen Staates über, der de facto auf die SBZ beschränkt blieb. In der SBZ entstanden 1945 die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, die am 7. Oktober 1949 Bestandteil der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden. Der Begriff Sowjetzone wurde durch Konrad Adenauer geprägt und wurde gemeinsam mit Ostzone als politisches Schlagwort auch nach Gründung der DDR für das ehemalige Gebiet der SBZ weiter verwendet. Siehe auch:
- Bizone, Trizone
- Barber-Ljaschtschenko-Abkommen, Wanfrieder Abkommen Kategorie:Deutsche Teilung Kategorie:Deutsche Geschichte (Nachkriegszeit)

Deutsche Demokratische Republik

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war ein deutscher Staat, der vom 7. Oktober 1949 bis zum 2. Oktober 1990 existierte. Sie wurde 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone und dem Ostsektor Berlins gegründet und bezeichnete sich selbst als sozialistischen Staat. Die DDR wurde aufgrund des Alleinvertretungsanspruchs in der Bundesrepublik Deutschland (BRD) anfangs und bis in die 1960er Jahre vornehmlich als Sowjetisch Besetzte Zone (SBZ), Sowjetzone und Ostzone oder einfach nur als Zone bezeichnet. Im Hinblick auf die bezweifelte Demokratie (für die das zweite ‚D‘ der Abkürzung steht) wurde sie insbesondere in konservativen und rechten Kreisen in der Bundesrepublik auch als „die sogenannte DDR“ bezeichnet, oder die Abkürzung wurde mit Anführungszeichen geschrieben.

Geschichte

Siehe auch:
- Geschichte der DDR
- Geschichte Deutschlands Die DDR wurde auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone und dem sowjetischen Sektor Berlins am 7. Oktober 1949 fünf Monate nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland errichtet. Politisch wurde sie von Anfang an durch die SED dominiert und war Teil des unter der Hegemonie der Sowjetunion stehenden Ostblocks. Von 1949 bis 1971 war Walter Ulbricht als Erster Sekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED der faktische Machthaber, von 1971 bis 1989 Erich Honecker (ab 1976 mit dem Titel Generalsekretär) und vom 18. Oktober 1989 bis zum Rücktritt des gesamten Politbüros der SED am 3.Dezember Egon Krenz. Zunächst betrieb die Sowjetunion die Angleichung der DDR an das zentralkommunistische System weniger stark, um die Chance auf eine politisch neutrale und vielleicht auch sowjetisch dominierte deutsche Einheit nicht zu verspielen. Dies änderte sich jedoch schlagartig mit der Ablehnung der Stalinnote 1952 durch die Bundesregierung unter Konrad Adenauer und durch die Westalliierten. Die Kollektivierung der Landwirtschaft und die Verstaatlichung der Betriebe wurden massiv vorangetrieben. Die Länder der DDR wurden 1952 aufgelöst und durch Bezirke ersetzt. Am 17. Juni 1953 kam es in Ost-Berlin zu Demonstrationen gegen erhöhte Arbeitsnormen, die sich in weiten Teilen des Landes zu teilweise sehr umfangreichen Aufständen auch gegen die Parteidiktatur der SED ausweiteten. Diese wurden militärisch von den in der DDR stationierten sowjetischen Truppen niedergeschlagen; dabei kam es auch zu Todesfällen. Aufständen auch gegen die Parteidiktatur der SED Da die Wirtschaft der DDR sich auch aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen (die DDR leistete umfangreiche Reparationszahlungen an die Sowjetunion und verzichtete auf Grund des Drucks aus Moskau auf die finanziellen Leistungen aus dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas), aber auch aufgrund der Kollektivierung langsamer entwickelte als die der Bundesrepublik Deutschland und wesentliche Freiheiten nicht gewährt wurden, siedelten von 1945 bis 1961 etwa zwei Millionen Menschen aus freiem Willen, durch Abwerbung (meist durch attraktive Arbeitsplatzangebote) oder auf der Flucht vor Repressionen von der DDR in die Bundesrepublik Deutschland über. Dies wurde für die DDR wirtschaftlich bedrohlich, da überdurchschnittlich viele junge und gut ausgebildete Menschen den Staat verließen. „Republikflucht“ wurde daher in der DDR zur Straftat erklärt, die Grenze zur Bundesrepublik Deutschland durch Sperranlagen, lebensbedrohende Minensperren, Selbstschussanlagen und gezielt schießende Grenzsoldaten „gesichert“. Bei dem Versuch, dieses Sperrsystem, von der DDR als "antifaschistischer Schutzwall" bezeichnet, zu überwinden, wurden mehrere hundert Menschen an der innerdeutschen Grenze getötet. Die durch die DDR verübten Menschenrechtsverletzungen, darunter die an der innerdeutschen Grenze, wurden in der Bundesrepublik Deutschland von der eigens eingerichteten Zentralen Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen in Salzgitter dokumentiert. Die noch offene Grenze in Berlin wurde ab dem 13. August 1961 durch die Berliner Mauer verschlossen, die damit zum Symbol der Teilung Deutschlands und Europas wurde. Im Zuge der Ostpolitik der bundesdeutschen Regierungen seit 1966, die hauptsächlich von Willy Brandt (Außenminister 1966–69 und Bundeskanzler 1969–74) formuliert wurde, kam es zur Annäherung zwischen DDR und BRD. Diese gab ihren Alleinvertretungsanspruch auf; die DDR erkannte an, dass die Deutschen ein Volk sind, das lediglich in zwei Staaten lebte. Daraufhin wurden 1973 beide deutschen Staaten Mitglieder der UNO. Im Sommer und Herbst 1989 flohen immer mehr Bürger der DDR über Ungarn, das am 2. Mai 1989 seine Grenze zu Österreich geöffnet hatte und ab dem 11. September 1989 auch DDR-Bürgern offiziell die Ausreise nach Österreich erlaubte, sowie über die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland in ostmitteleuropäischen Staaten, vor allem in Prag. Da die DDR-Führung die Umgestaltungspolitik des sowjetischen Generalsekretärs Michail Gorbatschow nicht nachvollziehen wollte, destabilisierte sich die DDR zunehmend von innen heraus. Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und die auf der sowjetischen Perestroika-Politik beruhenden, von Honecker aber enttäuschten Hoffnungen auf freiheitliche Veränderungen führten im Rahmen der Friedensgebete besonders der Evangelischen Kirche 1989 zu regelmäßigen Protestdemonstrationen. Diese weiteten sich vor allem in Leipzig sehr schnell zu Großdemonstrationen aus, die friedlich blieben - anders als die Protestdemonstrationen wegen der erzwungenen Durchreise der Botschaftsflüchtlinge aus Prag und Warschau, die am Hauptbahnhof Dresden zu heftigen Ausschreitungen führten. Am 18. Oktober 1989 musste Honecker unter dem Druck der öffentlichen Proteste zurücktreten, wie wenige Tage später die vollständige DDR-Regierung. Am 9. November wurde die Berliner Mauer geöffnet. Am 17. November wählte die Volkskammer Hans Modrow, bisheriger 1. Sekretär der Bezirksleitung der SED Dresden, zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates. In dessen Regierungszeit wurden die Runden Tische zur zweiten demokratischen Diskussionsebene. Die Montagsdemonstrationen der DDR-Bevölkerung und die Maueröffnung führten schließlich zum Zusammenbruch des SED-Regimes. Die unbewaffneten Montagsdemonstranten blieben friedlich, und die bewaffneten Organe der DDR, die vor allem 1989 noch mit Prügeleien und Verhaftungen auf die Demonstrationen reagiert hatten, verzichteten, wohl auch angesichts der zunehmenden Masse der Demonstranten, weitgehend auf die gewaltsame Auflösung der Versammlungen. Der bewusste Verzicht auf Gewalt wurde am deutlichsten bei der großen Leipziger Demonstration, in deren Vorfeld es dazu öffentliche Absprachen zwischen SED-Bezirksleitung und prominenten DDR-Bürgern (u. a. Kurt Masur) gab. Bei den ersten freien Wahlen zur Volkskammer am 18. März 1990 wurde die Allianz für Deutschland, ein Wahlbündnis aus CDU-Ost, DSU und DA, mit 48,15 Prozent der abgegebenen Stimmen Wahlsieger. Auf Basis des Einigungsvertrags trat die Deutsche Demokratische Republik am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 des Grundgesetzes bei.

Politik

Siehe auch: Politisches System der DDR Die offiziellen staatlichen Institutionen übten zwar formell die Macht aus, konnten faktisch aber bis 1989 nur Beschlüsse der tatsächlichen Machthaber bestätigen:
- Volkskammer (Parlament)
- Ministerrat (Regierung)
- Staatsrat (kollektives Präsidial-Gremium, dessen Vorsitzender das Staatsoberhaupt war, eingesetzt nach dem Tod des ersten und einzigen Präsidenten Wilhelm Pieck) Tatsächlich kontrolliert wurde der Staat durch die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) und die Sowjetunion. Der absolute Führungsanspruch der SED war seit 1968 auch offiziell in der Verfassung der DDR verankert. In Artikel 1 der Verfassung hieß es: :Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei. Ihre Führungsrolle setzte sie durch die Nomenklatur, einen umfangreichen Überwachungs- und Spitzelapparat (Ministerium für Staatssicherheit), die Zensur von Printmedien, Hörfunk und Fernsehen und Repressalien gegen politisch Andersdenkende durch. Unter dem Druck der friedlichen Revolution, der so genannten Wende, wurde dieser Führungsanspruch am 1. Dezember 1989 von der alten DDR-Volkskammer aus der Verfassung gestrichen. Die DDR war international im Warschauer Vertrag und im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) eingebunden und seit 1973 Mitglied der Vereinten Nationen. Das Rechtswesen der DDR entsprach nicht dem Standard für einen Rechtsstaat. In der DDR waren Rechtsanwälte nicht unabhängig vom Staat. Sie hatten kein Recht auf Akteneinsicht. Rechtsanwälte bekamen, wie die Richter, lediglich einen zusammenfassenden Bericht. Die Möglichkeit, selber die Akten durch einen Rechtsanwalt (insbesondere in Strafprozessen) überprüfen zu lassen, bestand nicht. Politische Häftlinge gab es in der DDR-Terminologie nicht, sie wurden kriminalisiert und als Straftäter bezeichnet. Zusätzlich erfolgte eine Politisierung der gesamten Gesellschaft. Mit der Ideologisierung und der damit verbundenen Zensur in Medien, Literatur und Kunst wurde gleichzeitig mit einer neuen Terminologie ein Feindbild propagiert, welches vor allem die Jugend verinnerlichen sollte.

Bewaffnete Organe


- 1948 entstanden mit den kasernierten Bereitschaften die ersten bewaffneten Einheiten nach dem Krieg. Sie wurden 1952 in die Kasernierte Volkspolizei überführt, die Vorläufer der NVA waren. Parallel wurde die Volkspolizei-See und -Luft geschaffen. Im Laufe des Jahres 1956 wurden die meisten Einheiten in die NVA überführt.
- Die Nationale Volksarmee (NVA) wurde am 1. März 1956 gegründet. Seitdem wurde der 1. März als Tag der NVA begangen. Sie bestand aus den Landstreitkräften (LaSK), der Volksmarine (VM) und den Luftstreitkräften/Luftverteidigung (LSK/LV).
- Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse
- Die Grenztruppen der DDR gehörten nicht zur NVA, waren aber wie die Nationale Volksarmee dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unterstellt und für die Bewachung der Grenzen der DDR zuständig.
- Deutsche Volkspolizei
  - VP-Bereitschaft (Bereitschaftspolizei)
  - Verkehrspolizei
  - Transportpolizei (Trapo)
  - Kasernierte Einheiten des Ministeriums des Innern (MdI)
- Ministerium für Staatssicherheit (MfS)
  - Zollverwaltung der DDR
- Zivilverteidigung der DDR Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurde 1952 gegründet und war eine von mehreren paramilitärischen Organisationen im Umfeld der NVA. Sie trug zur Militarisierung der Gesellschaft bei, indem sie die gesetzlich vorgeschriebene vormilitärische Ausbildung an Schulen, Universitäten und in den Betrieben durchführte. Die Rolle der NVA bei der Niederschlagung des Prager Frühlings: Die 7. Panzerdivision und die 11. Motorisierte Schützendivision sollten ursprünglich mit in die ČSSR einmarschieren. In der Realität jedoch leisteten sie nur logistische Hilfe und standen direkt an der Grenze DDR / ČSSR zur militärischen Absicherung der Operation. Diverse Verbindungsoffiziere, NVA-Nachrichtensoldaten und auch MfS-Offiziere waren direkt in der ČSSR im verdeckten oder korrespondierenden Einsatz.

Parteien

Herrschende Partei der DDR war die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands. Ihr Führungsanspruch war seit 1968 in der Verfassung festgeschrieben und manifestierte sich auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Lebens in der DDR. Neben der SED gab es vier weitere Parteien, die mit der SED und einigen Massenorganisationen im so genannten demokratischen Block (Nationale Front) zusammenarbeiteten, die so genannten Blockparteien:
- Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU)
- Liberaldemokratische Partei Deutschlands (LDPD)
- Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD)
- Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) Sie waren zwar formal an den meisten Gremien und Organen der DDR beteiligt, hatten aber de facto keinen wirklichen Anteil an der Macht. Ferner wurde die Mitgliederanzahl der Blockparteien limitiert. In der Zeit der Wende gründeten sich 1989 zahlreiche neue Parteien und Bürgerbewegungen. Dies waren unter anderem:
- Neues Forum
- Demokratie jetzt
- Initiative für Frieden und Menschenrechte
- Sozialdemokratische Partei der DDR (SDP)
- Vereinigte Linke
- Demokratischer Aufbruch (DA)
- Deutsche Soziale Union (DSU)
- Grüne Partei
- Unabhängiger Frauenverband Zur einzigen freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 traten neben den alten DDR-Parteien, die meist inzwischen komplett andere Ziele vertraten, auch viele der neu gegründeten Parteien und Bürgerbewegungen an, teilweise in dazu gegründeten Wahlbündnissen. Die SED änderte noch 1989 ihren Namen in SED/PDS (Partei des demokratischen Sozialismus) und benannte sich Anfang 1990 in PDS um.

Massenorganisationen

Neben den Parteien gehörte eine Reihe so genannter Massenorganisationen zur Nationalen Front. Sie waren teilweise mit eigenen Mandaten in den Volksvertretungen bis hin zur Volkskammer vertreten. Die überwiegende Mehrheit der DDR-Bürger im schulpflichtigen oder erwerbstätigen Alter war in einer oder mehreren dieser Organisationen Mitglied.
- Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB)
- Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD)
- Freie Deutsche Jugend (FDJ)
- Pionierorganisation Ernst Thälmann
- Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
- Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF)
- Deutscher Turn- und Sportbund (DTSB)
- Volkssolidarität
- Kulturbund

Flagge und Wappen

Drei waagerechte Streifen in den traditionellen deutsch-demokratischen Farben Schwarz-Rot-Gold mit dem Staatswappen der DDR in der Mitte, bestehend aus Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz als Symbol des Bündnisses von Arbeitern, Bauern und Intelligenz. Erste Entwürfe des Wappens von Fritz Behrendt enthielten nur Hammer und Ährenkranz, als Ausdruck des „Arbeiter- und Bauernstaates“. Die endgültige Version beruhte hauptsächlich auf der Arbeit von Heinz Behling. Mit Gesetz vom 26. September 1955 wurde das Staatswappen mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz bestimmt, als Staatsflagge aber weiter „nur“ Schwarz-Rot-Gold. Mit Gesetz vom 1. Oktober 1959 wurde das Wappen in die Staatsflagge eingefügt. Das öffentliche Vorzeigen dieser Flagge wurde bis Ende der 1960er in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin als ein Verstoß gegen Verfassung und öffentliche Ordnung angesehen und durch polizeiliche Maßnahmen verhindert (vergleiche Erklärung der Innenminister von Bund und Ländern, Oktober 1959). Erst 1969 verfügte die Bundesregierung, „daß die Polizei nirgendwo mehr gegen die Verwendung von Flagge und Wappen der DDR einschreiten sollte.“ Auf Antrag der DSU beschloss die erste frei gewählte Volkskammer der DDR am 31. Mai 1990, dass das DDR-Staatswappen innerhalb einer Woche in und an öffentlichen Gebäuden entfernt werden sollte. Dennoch fand es bis zum offiziellen Ende der Republik beispielsweise auf Dokumenten weiter vielfältige Verwendung.

Gesellschaftliches Leben

Verbände


- Deutscher Anglerverband (DAV)
- Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW)
- Nationales Olympisches Komitee der DDR (NOK)
- Deutscher Fußball-Verband (DFV)
- Leopoldina, Halle (Saale)
- Urania
- Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter (VKSK)
- Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB)
- Kammer der Technik (KdT)
- Domowina (Bund der Sorben in der Lausitz)
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
- Liga für Völkerfreundschaft
- Friedensrat der DDR
- Allgemeiner Deutscher Motorsportverband (ADMV)
- Nationaler Rat der DDR zur Pflege und Verbreitung des Deutschen Kulturerbes

Schulsystem der DDR

Hauptartikel: Bildungssystem der DDR Das sozialistische Bildungssystem der DDR war im wesentlichen als ein einheitliches Gesamtschulsystem konzipiert, mit anschließenden tertiären Bildungseinrichtungen. Aufbauend auf der Vorschulerziehung im Kindergarten und der ab den 1960er Jahren für alle Kinder verbindlichen zehnklassigen polytechnischen Oberschule (POS) folgten
- eine zwei- bis dreijährige Berufsausbildung (Abschluss Facharbeiter)
- eine dreijährige Berufsausbildung (Facharbeiterbrief mit Abitur) oder
- eine Abiturausbildung auf der Erweiterten Oberschule (EOS). Diese begann bereits nach der 8. Klasse der POS und führte in vier Jahren zum Abitur. Erst ab Beginn der 1980er Jahre schlossen sich 2 Jahre EOS an die Beendigung der zehnjährigen POS an. Wesentliche Merkmale des Schulsystems der DDR waren
- die Einheitlichkeit der Bildungsinhalte für alle Kinder bis Klasse 10 bei zunehmenden Möglichkeiten einer Differenzierung, insbesondere nach Klasse 10; Folge dieser Einheitlichkeit waren die identischen Abschlussprüfungen der 10. Klasse beziehungsweise des Abiturs an jeweils gleichen Tagen,
- die gezielte Vorbereitung auf die spätere Arbeitswelt durch polytechnische Ausbildung und eine Schwerpunktsetzung auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer,
- das Bemühen um eine Einheit von Bildung und Erziehung mit dem Ziel der vollständigen Integration der Absolventen in die sozialistische Gesellschaft.

Religionen

In der DDR gab es verschiedene Religionsgemeinschaften. Die größte Rolle spielten die christlichen Kirchen, insbesondere die seit 1969 im Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR zusammengeschlossenen acht evangelischen Landeskirchen und, mit weit weniger Mitgliedern, die römisch-katholische Kirche, aber auch verschiedene Freikirchen, zum Beispiel der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR. 1950 gehörten etwa 85% der DDR-Bürger der evangelischen und etwa 10% der katholischen Kirche an. Bis 1989 ging der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung auf etwa 25% bei den Protestanten und 5% bei den Katholiken zurück. Neben christlichen gab es jüdische Gemeinden, sowie vereinzelt ab den 1980er Jahren buddhistische, hinduistische und muslimische Gruppen. Die religiösen Organisationen waren die einzigen legalen vom Staat unabhängigen Organisationen. Religionsfreiheit war auch in der DDR in der Verfassung festgeschrieben und wurde formal auch gewährt. Dennoch versuchte die DDR mit unterschiedlichen Methoden, den Einfluss der Kirchen zurückzudrängen und vor allem junge Menschen kirchlichem Einfluss zu entziehen. Ihre schärfste Form hatte die antikirchliche Politik der DDR Anfang der 1950er Jahre. Sie gipfelte 1953 in der Kriminalisierung der „Jungen Gemeinden“. Dies führte zu zahlreichen Relegierungen von Schulen und Universitäten und zu Verhaftungen, die im Juni 1953 jedoch wieder zurückgenommen wurden. Jedoch war auch in den Folgejahrzehnten die Möglichkeit für Kirchenmitglieder, zu studieren und eine staatliche Laufbahn einzuschlagen, erschwert. Folge auch dieser Politik war es, dass die Zahl religiös gebundener Menschen im Laufe der DDR-Geschichte erheblich abnahm. Die Politik der DDR konnte aber nicht verhindern, dass die christlichen Kirchen ein gewisser eigenständiger gesellschaftlicher Faktor blieben. Die Geschichte der Jahre 1989/90 zeigte dann, dass sich gerade in den evangelischen Kirchen als halböffentliche Versammlungsräume ein großer Teil der Menschen fand, teilweise ohne selber religiös zu sein, die zu den Trägern der friedlichen Revolution in der DDR wurden. Siehe auch: Christen und Kirche in der DDR

Kultur und Kunst

Hauptartikel: Kultur in der DDR In der DDR gab es 10.471 allgemeinbildende Schulen (darunter 1.150 Mittelschulen und 373 Oberschulen, d.h. EOS), ausserdem 307 Fachschulen, 46 Hochschulen (darunter 6 Universitäten), 5 Akademien, 86 Theater, 40 Sinfonieorchester, 11.092 Bibliotheken, 284 Heimat- Kunst- und Naturkundemuseen, 803 Kulturhäuser, 451 Klubhäuser, 6 hauptberufliche Volkskunstensembles und 3.078 Kinos (Stand 1957). Die Auftragskunst der DDR und fast sämtliche im Staatsbesitz befindlichen Kunstwerke der DDR wurden kurz vor der Wiedervereinigung vom letzten Kulturminister der DDR Herbert Schirmer aus allen Städten, volkseigenen Betrieben, Schulen, Kulturhäusern, Pionierhäusern, Klubs etc. eingezogen und in die Burg Beeskow gebracht. Es waren 23.000 Werke, bestehend aus 1.500 Gemälden, 12.000 Graphiken, 2000 Zeichnungen, aus Fotos, Plakaten, Plastiken, und Gastgeschenken an staatliche Stellen und Betriebe. Seitdem wurden diese Werke vom Kunstarchiv Beeskow verwaltet, das damit regelmässig Ausstellungen zusammenstellt.

Geografie

Kunstarchiv Beeskow Das Territorium der DDR bestand aus den heutigen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland: Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, sowie dem Ostteil Berlins. Hinzu kam die Gemeinde Amt Neuhaus, die nach dem Zweiten Weltkrieg dem Land Mecklenburg zugeschlagen worden war und nach der Wiedervereinigung wieder niedersächsisch wurde. Die DDR grenzte an die damalige Bundesrepublik Deutschland, die Tschechoslowakei, Polen sowie die Ostsee. West-Berlin war eine Enklave inmitten der DDR. Die DDR bestand seit 1952 verwaltungstechnisch aus 15 Bezirken. Neben der Hauptstadt Berlin waren das:
- Bezirk Dresden
- Bezirk Karl-Marx-Stadt
- Bezirk Leipzig
- Bezirk Gera
- Bezirk Erfurt
- Bezirk Suhl
- Bezirk Halle
- Bezirk Magdeburg
- Bezirk Cottbus
- Bezirk Potsdam
- Bezirk Frankfurt (Oder)
- Bezirk Neubrandenburg
- Bezirk Schwerin
- Bezirk Rostock Autokennzeichen siehe historische Kennzeichen. Der nördlichste Punkt des DDR-Territoriums war das Kap Arkona auf der Ostsee-Insel Rügen; größter See war die Müritz im Bezirk Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).
- Berge: Fichtelberg 1214 m, Brocken 1142 m, Inselsberg 916 m,
- Gebirge: Erzgebirge, Harz, Sächsische Schweiz, Thüringer Wald, Lausitzer Bergland, Zittauer Gebirge
- Flüsse: Elbe, Saale, Oder, Havel, (Zwickauer und Freiberger) Mulde, Neiße, Spree, Ilm, Peene, Unstrut, Warnow, Werra, Weiße Elster
- Seen: Müritz, Schweriner See, Malchiner See,
- Inseln: Rügen, Usedom, Poel, Hiddensee, Halbinsel Fischland-Darß-Zingst Der Norden und die Mitte sind Teil der Norddeutschen Tiefebene. Charakteristisch für den Norden sind eiszeitlich geformte Moränenlandschaften und zahlreiche Seen (Mecklenburgische Seenplatte). Südlich davon erstrecken sich Hügelländer, in welche große Tieflandsbuchten (Leipziger Tieflandsbucht, Thüringer Becken) hineinragen. Der Süden wird von Mittelgebirgen eingenommen (Harz, Thüringer Wald, Rhön, Erzgebirge, Elbsandsteingebirge, Lausitzer Bergland)

Sprache

Das Gebiet der ehemaligen DDR gehört zum deutschen Sprachraum. In einigen Kreisen der Bezirke Dresden und Cottbus war auch Sorbisch als die Sprache der sorbischen Minderheit staatlich anerkannt. In den Schulen der DDR war bis zur Wende Russisch die zuerst gelehrte Fremdsprache. Zweite Fremdsprache war meist Englisch, sie wurde fakultativ gelehrt. Alternativen waren Französisch, ganz selten Spanisch und bis in die 1960er Jahre auch Latein, an einzelnen Schulen auch andere Sprachen. Die Kenntnis einer zweiten Fremdsprache war Voraussetzung für die Hochschulreife.

Die deutsche Sprache im Gebiet der DDR von Nord nach Süd


- Von Rügen bis in Höhe der Hauptstadt Berlin sind Dialekte der ostniederdeutschen Sprache vorherrschend. (Entspricht ca. 23% der DDR-Einwohner.)
- Südlich einer gedachten Linie, die vom nördlichen Harz über Stendal, Berlin, Cottbus bis zur Oder verläuft, schließen sich die Dialekte der ostmitteldeutschen Sprache an. Sie werden von der Mehrzahl der Einwohner in den ehemaligen Bezirken Leipzig, Dresden, Halle, Karl-Marx-Stadt, Erfurt, Gera, Magdeburg, Cottbus, Potsdam und in der Hauptstadt Berlin gesprochen. (Entspricht mehr als 70% der DDR-Einwohner.)
- Entlang der früheren DDR-Staatsgrenze in Südthüringen und losgelöst davon weiter östlich im Vogtland und im Erzgebirge sprechen die Einheimischen vorwiegend ostfränkische Mundarten. (Entspricht ca. 5% der DDR-Einwohner.)

Dialekte in den DDR-Bezirken


- Mecklenburgisch-Pommersch – in den Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg
- Mark-Brandenburgisch – in den Bezirken Frankfurt (Oder), Potsdam und Magdeburg
- Berlin-Brandenburgisch – im Bezirk Potsdam und in der Hauptstadt Berlin
- Lausitzisch – in den Bezirken Dresden und Cottbus
- Thüringisch-Obersächsisch – in den Bezirken Leipzig, Dresden, Halle, Magdeburg, Erfurt, Gera, Karl-Marx-Stadt und Suhl
- Ostfränkisch – in den Bezirken Suhl und Karl-Marx-Stadt

Wirtschaft

Ostfränkisch Die DDR war trotz der ihr auferlegten Reparationsleistungen an die Sowjetunion das wirtschaftlich am weitesten entwickelte Land des RGW und hatte einen höheren materiellen Standard als viele der entwickelten Staaten der Erde. Sie litt jedoch trotzdem ständig unter Devisenknappheit und nicht nachhaltigen Wirtschaftsprozessen. Es herrschte teilweise eine Notlösungswirtschaft. Das vorherrschende Wirtschaftssystem war eine Planwirtschaft mit Fünfjahrplänen und staatlichen Betrieben und Großbetrieben (Kombinate). In sehr kleinem Umfang wurden auch privatwirtschaftliche Kleinstbetriebe geduldet, die nicht vollständig der Planung unterworfen waren. Der erste Fünfjahrplan von 1951 bis 1955 verfolgte hauptsächlich das Ziel, die Folgen der Kriegszerstörungen, Demontagen und Reparationen zu beseitigen und die Produktion speziell der Energiewirtschaft, der Schwer- und chemischen Industrie zu steigern. 1955 existierten in der DDR noch über 13.000 Privatbetriebe, und in der Landwirtschaft war die Kollektivierung erst 1960 abgeschlossen. 1957 produzierte die DDR doppelt soviel wie vor dem 2. Weltkrieg vom Gebiet der späteren DDR produziert wurde. Im gleichen Jahr wurden in der DDR 213 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert (50 Prozent der Weltförderung), 32,7 Mio. Kilowatt Strom produziert - etwa soviel wie Belgien, Niederlande, Dänemark und Finnland zusammen, 2,9 Mio Tonnen Stahl (14 mal so viel wie noch 1947), in der Chemieproduktion hatte die DDR weltweit die zweithöchste Produktionsrate und war der grösste Maschinenexporteur unter allen Ostblockstaaten, bis 1965 erreichte die Industrieproduktion etwa das fünffache des Vorkriegsstandes. Anfang der 1970er Jahre war die DDR für kurze Zeit das zehntgrößte Industrieland der Erde, gemessen an ihrer Produktionsleistung. Zur Zeit der Wende nahmen sie noch einen Platz unter den fünfundzwanzig stärksten Industrienationen ein. Dennoch waren in der DDR in einigen Bereichen fast immer Konsumgüter knapp. Zum Beispiel musste man sich für einen Autokauf anmelden und dann je nach Modell bis zu 15 Jahre warten (zu vergleichsweise hohen Preisen). Ein "Schwarzmarkt" wurde teilweise geduldet, so dass die Wartezeit durch Zahlung eines höheren Preises umgangen werden konnte. Preise und Löhne wurden überwiegend staatlich festgelegt. Der einheitliche Verkaufspreis subventionierte besonders grundlegende Dinge des täglichen Bedarfs. Technische Geräte und andere Waren, die auch gegen Devisen exportiert werden konnten, waren dagegen oft sehr teuer im Vergleich zur Kaufkraft der Menschen. Die Kaltmiete für eine Wohnung betrug je nach Ausstattung etwa 30 bis 80 Mark im Monat, ein Farbfernseher in den 1980er Jahren 7.000 Mark, ein Brötchen fünf Pfennige, ein typisches Auto Trabant 10.000 Mark für den Neuwagen mit Wartezeit und 30.000 Mark ohne Wartezeit. Unter Kennern galt die Faustregel - (Doppelter Neupreis) minus (1000 Mark pro Nutzungsjahr). Der Bau von Einfamilienhäusern wurde zunächst wegen Materialknappheit in nur engen Grenzen ermöglicht (es gab zum Beispiel Vorschriften zur verbauten Menge an Steinen und vorgeschriebene Haustypen in Abhängigkeit von der Familiengröße), erlebte aber durch den nicht ausreichenden staatlichen Wohnungsbau vor allem in den 1980er Jahren einen gewissen Aufschwung. Beliebt waren Schrebergärten und Datschen, sowie Reisen nach Kuba, Ungarn, Bulgarien und in die Sowjetunion. Die Wohnviertel waren nicht so stark nach Einkommensgruppen homogenisiert wie es heute in vielen westlichen Ländern der Fall ist. Angehörige verschiedener sozialer Schichten wohnten oft dicht zusammen. Allerdings wurden die Parteinomenklatura und die Mitarbeiter vieler "Staatsorgane" in bestimmten Wohngebieten durch staatliche Wohnungszuteilungen konzentriert. Das Einkommen einer Verkäuferin (mit etwa 600–800 Mark), eines Ingenieurs (etwa 500–1200 Mark) und eines Bauarbeiters (etwa 900-1800 Mark) unterschied sich in der Höhe und damit auch im Sparpotenzial (Residualeinkommen), die Einkommensschere klaffte aber nicht so stark auseinander wie in den westlichen Industrieländern. Gefragte Handwerker verdienten nicht selten mindestens so gut wie leitende Ärzte. Man konnte diese Unterschiede im täglichen Leben an Statusgegenständen kaum ausmachen, da diese wegen dauernden Mangels kaum erhältlich waren. Sie spielten daher eine weniger beachtete Rolle (Ausnahmen waren beispielsweise Ärzte, die z. B. aufgrund von Bereitschaftsdiensten bevorzugt Telefonanschlüsse erhielten). Trotzdem gelang es vielen, die es sich leisten konnten, sich durch häufige Reisen innerhalb des Ostblocks und teilweise durch westliche Konsumwaren aus der breiten Masse hervorzuheben. Berufsgruppen mit erwartungsgemäß geringem Zulauf von Auszubildenden wurden besonders gefördert, die Lehrstellen- und Studienplatzvergabe wurde anhand des errechneten Bedarfs zentral geplant und über die Schulen als Lenkorgan realisiert. Die gesetzlich festgeschriebene Bildungsfreiheit war durch diese Voraussetzungen teilweise nur mit größeren Hindernissen für den Auszubildenden zu realisieren. Die Versorgung mit knappen Gütern, zum Beispiel einem Telefonanschluss oder Baumaterial, war vielfach von Beziehungen und Zufall, nicht selten auch von der vorgegebenen politischen Einstellung abhängig. Erich Honecker leitete zu Beginn seiner Amtszeit vor allem soziale Reformen ein, die so genannte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, die auf dem VIII. Parteitag der SED 1971 beschlossen wurde. Er ließ etwas mehr politischen und kulturellen Freiraum, womit auch die Verhandlungen um eine internationale Anerkennung der DDR befördert werden sollten, und versuchte den staatlichen Betrieben mehr Freiräume zu lassen. Honecker galt daher anfangs als Hoffnungsträger. Zugleich ließ er aber in zwei Wellen in den 1970er Jahren bis auf Kleinhandwerker alle Betriebe verstaatlichen, indem sie gezwungen wurden, eine staatliche Mehrheitsbeteiligung zu akzeptieren. Der anfängliche Reformschwung erlahmte jedoch, weil sich die Diskrepanzen zwischen politischer Unterdrückung und gewissen Freiräumen nicht dauerhaft überbrücken ließen. Als besonders misslich erwies sich die erste Ölkrise in den 1970er Jahren, da die DDR-Wirtschaft immer stärker von der Veredlung sowjetischen Erdöls profitierte und zugleich abhängig wurde. Zwar gab die Sowjetunion die Ölpreiserhöhungen nur verzögert weiter, kürzte aber wegen extremer wirtschaftlicher Probleme 1981/82 die Liefermengen erheblich und ließ die Ölpreise im RGW während des Ölpreissturzes 1985 weitgehend unverändert (Regelung im RGW: Durchschnittspreis der jeweils letzten 5 Jahre). Dadurch fehlten der Wirtschaft dringend benötigte Devisen für Investitionen, die der Bereich Kommerzielle Koordinierung aufwändig erwirtschaftete. Zudem torpedierte Honeckers Sozialpolitik ab 1972 das wirtschaftliche Wachstum, weil die Sozialausgaben aufgrund der geringeren Arbeitsproduktivität stetig stärker stiegen als das Nationaleinkommen (vergleichbar dem Bruttosozialprodukt). Mit dem Mikroelektronikprogramm ab 1977 zum Aufbau einer eigenen Mikroelektronikindustrie bis 1990 wurden etwa 15 Mrd. DDR-Mark investiert. So lebte die DDR zu ihrem Ende hin nur noch von der Substanz und Krediten, beispielsweise einem Kredit über eine Milliarde DM von der Bayerischen Landesbank, initiiert von Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Die geringe Arbeitsproduktivität und die ineffizienten Produktionskosten, vor allem aber die Auswirkungen der Währungsunion kurz vor der Wiedervereinigung brachten die Exportwirtschaft 1990 fast zum erliegen. Viele tausende Arbeitsplätze gingen durch die größer werdenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Betriebe verloren. Das geheime so genannte „Schürer-Papier - Analyse der ökonomischen Lage der DDR“ vom 27. Oktober 1989, das zur Rettung der DDR-Wirtschaft beitragen sollte, zog die folgende Schlussfolgerung über einen funktionierenden Sozialismus: :Insgesamt geht es um die Entwicklung einer an den Marktbedingungen orientierten sozialistischen Planwirtschaft bei optimaler Ausgestaltung des demokratischen Zentralismus, wo jede Frage dort entschieden wird, wo die dafür nötige, größere Kompetenz vorhanden ist Die in dem Papier gemachten Vorschläge kamen aber nicht mehr zur Ausführung. 1988 hatten bereits 55 Prozent aller Haushalte mindestens ein eigenes Auto, während es 1969 erst 14 Prozent waren und 1980 38 Prozent. (Zum Vergleich: In der Bundesrepublik Deutschland hatten 1988 61 Prozent der Haushalte mindestens ein Auto.)

Wissenschaft und Technik

Die DDR versuchte als Industrieland auf vielen industriellen und technischen Gebieten eine Autarkie zu erreichen und ihre technischen Aufgaben im Rahmen des RGW und der "sozialistischen Integration" zu erfüllen. Eine wesentliche Rolle sollten dabei Wissenschaftler und Techniker der DDR spielen. Auf einigen Gebieten waren erhebliche Erfolge zu verzeichnen; auch in wenig geförderten Bereichen wie der Automobilindustrie und der Unterhaltungselektronik war die DDR-Produktion vielfältiger und quantitativ umfangreicher als z.B. in Österreich, Spanien, Irland, Portugal und der Schweiz. Die Forschung und Wissenschaft in der DDR war erheblich anwendungsorientiert und praxisbezogen. Wichtige Produkte, Gebiete, Ereignisse, Entdeckungen, Entwicklungen, Ergebnisse und Persönlichkeiten