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Spieß

Spieß

Ein Spieß ist
- eine Stichwaffe zu Jagd- u. Kriegszwecken, die im Unterschied zum Speer nicht geworfen wird. ::Davon abgeleitet ist der Begriff "Spießer" oder Spießbürger für einen Menschen mit konservativen, bürgerlichen Ansichten. Dies kommt daher, daß der Spieß (wie der Kriegsflegel, im Gegensatz zu den Waffen des Adels wie Lanze und Breitschwert) im europäischen Mittelalter eine leicht herzustellende Waffe war, deren Einzelteile aus billigen, zur Genüge vorhandenen Materialien wie Holz oder Gußeisen bestanden und die von Bürgern und Bauern bei Aufständen gegen die Obrigkeit (wie zum Beispiel den Hussiten- (1419-1434) oder Bauernkriegen (1525) verwendet wurde. Zudem war die Bedienung leicht zu lernen. Eine Formation Spießträger konnte sich sehr erfolgreich gegen eine Kavallerieattacke zur Wehr setzen - einer der Gründe dafür, daß die deutschen Ritterheere nicht in der Lage waren, die Hussitenaufstände niederzuschlagen (Niederlagen in den Schlachten von Aussig 1426, Mies 1427, nach der Niederlage von Taus 1431 geben die Kreuzfahrerheere die Hoffnung auf eine militärische Lösung der Hussitenfrage auf).
- umgangssprachliche Bezeichnung für den Kompaniefeldwebel beim deutschen Militär (Dadurch entstanden, weil dieser zeitweise tatsächlich einen Spieß trug, um Soldaten, die aus der Reihe ausbrachen, mit einem Stoß wieder an die Pflicht zu erinnern) bzw. einen Dienstführenden Unteroffizier (meist im Range eines Offizierstellvertreters oder Vizeleutnants) im Österreichischen Bundesheer.
- Die Bezeichnung für eine bestimmte Taktik beim Schach, bei der eine Figur dem gegnerischen König Schach bietet und diesen zum Wegziehen zwingt, so dass eine vorher hinter dem König befindliche Figur geschlagen werden kann.
- eine Bezeichnung für Blindmaterial, das beim Bleisatzdrucken aus Versehen mitgedruckt wird (Druckersprache). Kategorie:Hieb- und Stichwaffe

Lanze

Eine Lanze ist eine Stangenwaffe, deren Schaft aus Holz (mitunter auch Stahlrohr) gefertigt ist, und die wesentlich länger als ein Speer ist. Die Gesamtlänge beträgt meist zwischen zwei und dreieinhalb Meter, spezielle Lanzentypen erreichen aber eine Länge von bis zu acht Metern. Es handelte sich um eine Stoßwaffe, die bereits in der Antike von der Infanterie geführt wurde (Hopliten). Nach heutiger Terminologie unterscheidet sie sich vom Speer in Länge und Dicke des Schaftes sowie dadurch, dass sie nicht geworfen wird. Danach ist der Spieß die Stichwaffe des Kämpfers zu Fuß, die Lanze die Stichwaffe des Reiters, und der Speer eine geworfene Waffe. Mit der Erfindung des Steigbügels im frühen Mittelalter wurde sie endgültig zur Hauptwaffe der Kavallerie im aufgesessenen Kampf. Sie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert eingesetzt. In der britischen Armee und in der deutschen Reichswehr wurde die Lanze als offizielle Gefechtswaffe erst 1927 abgeschafft. Lanzen gibt es in verschiedensten Formen, zum Beispiel:
- Makedonische Sarissa
- Sarmatischer und spätrömischer Contus
- Germanische Ango mit langer Tülle und Widerhaken
- Germanische Frame
- Japanische Naginata
- Bei der Jagd auf Wildschweine, als sog. Saufeder
- Schweizer Pike
- Piken und Hellebarden der Landsknechte
- Flügellanze, die Form der Heiligen Lanze
- Als Hauptwaffe der Ulanen mit Dreikantklinge und Auflaufbremse (in Form eines Knebels oder einer Kugel)
- Als Seitenwaffen für Offiziere und Unteroffiziere im Gefecht bis ins 18. Jahrhundert hinein.
- Als Synonym für das männliche Glied, eine sog. Spermalanze Siehe auch: Krönig Kategorie:Hieb- und Stichwaffe

Speer

Der Speer ist ein zu den Blankwaffen zählende Stangenwaffe und eine der ältesten von Menschen verwendeten Waffen. Heute ist der Speer, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in erster Linie ein Sportgerät, bei Naturvölkern jedoch noch heute eine wichtige Jagdwaffe. Der älteste Speer, der bis jetzt gefunden wurde, ist 400.000 Jahre alt. Er wurde in einem Tagebaugebiet in Schöningen ausgegraben. Eine Verbesserung der Flugeigenschaften und Reichweite des Speeres stellt die Speerschleuder dar, diese ist aber erst seit ca. 13.000 Jahren belegt. An einer Stange, dem Schaft, ist eine Spitze (oft zweischneidige Klinge) aus unterschiedlichen Materialien (angespitzte Steine, Knochen, Eisen, Stahl) angebracht. Speere sind kürzer und leichter als Lanzen. Als Waffe ist der Speer zur Jagd und für Kriegszwecke verwendbar. Nachdem unter Berücksichtigung der Wurfbahn auf ein Ziel gezielt wurde, wird der Speer geworfen. Beim Wurf ins Wasser etwa zum Fischfang, ist die Lichtbrechung mit zu berücksichtigen. In der Antike wurde der Xyston benutzt.
- Der Speer als Sportgerät (siehe Speerwurf)
- Der zerlegbare Wimpelspeer zum Tragen von Fahnen, Bannern und Wimpeln

Speer in anderen Zusammenhängen

Der Speer war auch Kultgegenstand und Herrschaftszeichen. Dies galt nicht nur für die Heilige Lanze. Sondern im germanischen Königtum war der Speer das wichtigste Würdezeichen. Mit der Übergabe des Speeres wurde das Königtum feierlich und bindend weitergegeben. Der Speer war vom Spitzenahnherrn in der Königsfamilie weitergegeben. Spitzenahnherr war regelmäßig ein Gott. Königsahnherr war in der Regel Wotan. Beim feierlichen Gott-Opfer wurde das Odinsopfer mit dem Odins-Speer getötet. Der Speer des nordischen Gottes Odin heißt Gungnir.

Speer in Namen

Das althochdeutsche Wort für Speer, "ger", kommt vor als Bestandteil von Namen wie
- Gerfried (m)
- Gerhard (m)
- Gerlinde (w)
- Gernot (m)
- Gerold (m)
- Gertrud (w)
- Holger (m)

Siehe auch

Ango, Frame (Waffe), Lanze, Sport, Speerwerfen, Rippenspeer, Yari Kategorie:Hieb- und Stichwaffe Kategorie:Wurfwaffen ja:槍

Spießer

Ein Spießer ist # eine Kurzform des Schmähbegriffs Spießbürger # ein Rehbock, dessen Gehörn die Form zweier Spieße hat

Konservativismus

Konservatismus oder auch Konservativismus (lat. conservare: erhalten, bewahren) ist ein Sammelbegriff für politische, gesellschaftliche oder religiöse Strömungen, deren Hauptziel es ist, eine auf natürlichen Hierarchien bestehende Gesellschafts- und Werteordnung zu schaffen oder zu bewahren.

Merkmale und Unterschiede

Der Konservatismus stützt sich zumeist auf Tradition, Religiosität und Autorität. Eine über diese Merkmale hinausgehende formale Definition des Begriffes existiert nicht. Die Begriffsbestimmung scheitert an den Schwierigkeiten der Zuordnung, die sich auch in zahlreichen Varianten mit fließenden Übergängen äußern, etwa Liberalkonservatismus, Nationalkonservatismus oder christlicher Konservatismus. Näherungsweise wird der Konservatismus daher oft in zwei Hauptrichtungen eingeteilt: Wertkonservatismus und Strukturkonservatismus. Den möglichen Spielarten sind dabei aber kaum Grenzen gesetzt, so schufen etwa Intellektuelle der Konservative Revolution in der Weimarer Republik eine Verbindung zwischen nationalkonservativem und revolutionärem Gedankengut: Durch Revolution solle ein Zustand geschaffen werden, den es zu bewahren lohnt. Sie sind noch heute Ideengeber der Neuen Rechten. Eine weitere Variante des Konservatismus, die aktuell stark diskutiert wird, ist der sog. Neokonservatismus, hier vor allem der Neokonservatismus in den USA. Diese von Irving Kristol begründete Bewegung verbindet Konservatismus mit der progressiven Grundausrichtung der sogenannten "Alten Linken" in Amerika.

Merkmale

Der Konservativismus begreift es angesicht seiner Skepsis utopischer Staatsverwirklichung gegenüber als seine Aufgabe, die spezifischen Werte einer Nation und Kultur gegenüber der Idee des Multikulturalismus zu verteidigen. Er betont die Notwendigkeit, die Identität der Nation zu bewahren. Die von ihm vertretenen Prinzipien beanspruchen "Zeitlosigkeit" und wollen so dem Walten des Zeitgeistes Ordnung und Stabilität entegenstellen. Nicht zu verwechseln ist der Konservativismus mit dem Traditionalismus.

Geistige Vertreter

Platons Ideen über den Staat dienen bis heute als Grundlage vieler konservativer Theorien. Wichtige Vertreter des Konservatismus in der Moderne waren:
- François-René de Chateaubriand, der in Paris die Zeitschrift "Le Conservateur" herausgab.
- Der Engländer Edmund Burke
- Der Engländer Thomas Hobbes, der den Erhalt von Ordnung und Sicherheit durch einen STARKEN Staat als Hauptaufgabe des Staates sah.
- Der deutsch-amerikanische Philosoph Leo Strauss, der mit den sog. "Straussians" eine einflussreiche Denkschule begründete.

Religiöse Unterschiede

Konservatismen lassen sich auch nach Epoche und Religion unterscheiden. So ist der Ultramontanismus eine Erscheinung der katholischen Kirche im 19. Jahrhundert.

Nationale Unterschiede

Konservatismus ist keine philosophisch definierte politische Haltung mit abstrakten Werten, sondern jeweils auf die historische Situation bezogen - der Konservatismus des 19. Jahrhunderts hatte andere Ideale als der Konservatismus des 21. Jahrhunderts, der Konservatismus in den USA vertritt andere Werte als der Konservatismus in der Schweiz. In der Schweiz etwa, wie auch in anderen europäischen Ländern - insbesondere im Alten Europa, dort insbesondere in Frankreich -, tritt der Konservatismus heutzutage primär entweder in Form eines nationalistisch-ländlich-randregional geprägten Rechtskonservatismus oder aber in Form eines etatistisch-gewerkschaftlichen (und oft ebenfalls ländlich-randregional geprägten) Linkskonservatismus auf; beide Strömungen sind gegen eine vertiefte Integration ihrer jeweiligen Staaten in die Europäische Union.

Siehe auch:


- Konservative Revolution

Literatur


- Frank Bösch: Das konservative Milieu. Göttingen: Wallstein, 2002. - ISBN 3-89244-501-X [Sozialgeschichte des dt. Konservatismus im 20. Jh.]
- Martin Greifenhagen: Das Dilemma des Konservatismus in Deutschland. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1986. (Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 634) - ISBN 3-518-28234-4
- Bernd Heidenreich (Hg.): Politische Theorien des 19. Jahrhunderts. Band 1: Konservatismus, Wiesbaden 1999. (Sammelband der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung)
- Karl Mannheim: Konservatismus. Ein Beitrag zur Soziologie des Wissens. Hrsg. v. David Kettler, Volker Meja u. Nico Stehr. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1984. (Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr. 478) - ISBN 3-51828-078-3
- Armin Pfahl-Traughber: Konservative Revolution und Neue Rechte. Opladen: Leske + Budrich Verlag, 1998. - ISBN 3-81001-888-0
- Richard Saage: Rückkehr zum starken Staat? Studien über Konservativismus, Faschismus und Demokratie. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1983. [Aufsätze zu Carl Schmitt, Ernst Forsthoff, Hans Freyer u.a.] - ISBN 3-518-11133-7
- Hans-Gerd Schumann (Hg.): Konservativismus. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1974. (Neue Wissenschaftliche Bibliothek 68) [Sammelband mit Grundlagentexten zur Theorie und Geschichte des Konservatismus] - ISBN 3-462-00993-1
- Caspar von Schrenck-Notzing (Hg.): Lexikon des Konservatismus. Stocker, 1996. - ISBN 3-70200-760-1
- Rudolf Vierhaus: Konservativ, Konservatismus, in: Otto Brunner u.a. (Hg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland. Band 3. Stuttgart: Klett-Cotta, 1982 - ISBN 3-608-91500-1
- Die Herausforderung der Konservativen, Herder Verlag, Freiburg, 1974 neue programmatische Schriften von Konservativen
- Alexander Gauland : Anleitung zum Konservativsein. München: DVA, 2002. - ISBN 3-421-05649-8 ([http://www.perlentaucher.de/buch/12224.html])
- Günter Rohrmoser: Kampf um die Mitte. München: Olzog, 1999. - ISBN 3-789-28023-2
- Udo Di Fabio: Die Kultur der Freiheit. München: C.H.Beck 2005 - ISBN 3-406-53745-6

Weblinks


- [http://www.townhall.at/ townhall.at - Das konservative Netz]
- [http://www.konservative-epoche.de/ Epoche - Das jungkonservative Ideenmagazin]
- [http://www.zeit.de/archiv/2001/31/200131_essay_-_nolte.xml Paul Nolte, Die Krise des Konservatismus - Eine Grundströmung westlichen Denkens droht zu verschwinden - nicht nur zum Schaden der CDU] ("Die Zeit" Nr. 31/2001)
- [http://www.interconnections.de/cgi-bin/db_site_idw.cgi/site_1281/id_11011/dertag_2004-09-10 Studie "Politische Orientierung und Persönlichkeit" (Uni Leipzig)]
- [http://www.fahayek.org/index.php?article=177 Friedrich A. Hayek, Why I Am Not a Conservative]
- [http://jetzt.sueddeutsche.de/jetzt/starsein/tagebuch/beitrag.php?tbid=1111842339000&jetzt_session=n17741128sga13et54fey7o2pbf9fqbd Konservativ] (Jetzt.de) Die tageszeitung (taz) veröffentlichte am 20. August 2005 einige Dossiers zum Thema Konservativismus: http://www.taz.de/pt/2005/08/20.nf/ressort.q,TAZ.re,sw Kategorie:Politischer Begriff ja:保守 nb:Konservatisme simple:Conservatism

Lanze

Eine Lanze ist eine Stangenwaffe, deren Schaft aus Holz (mitunter auch Stahlrohr) gefertigt ist, und die wesentlich länger als ein Speer ist. Die Gesamtlänge beträgt meist zwischen zwei und dreieinhalb Meter, spezielle Lanzentypen erreichen aber eine Länge von bis zu acht Metern. Es handelte sich um eine Stoßwaffe, die bereits in der Antike von der Infanterie geführt wurde (Hopliten). Nach heutiger Terminologie unterscheidet sie sich vom Speer in Länge und Dicke des Schaftes sowie dadurch, dass sie nicht geworfen wird. Danach ist der Spieß die Stichwaffe des Kämpfers zu Fuß, die Lanze die Stichwaffe des Reiters, und der Speer eine geworfene Waffe. Mit der Erfindung des Steigbügels im frühen Mittelalter wurde sie endgültig zur Hauptwaffe der Kavallerie im aufgesessenen Kampf. Sie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert eingesetzt. In der britischen Armee und in der deutschen Reichswehr wurde die Lanze als offizielle Gefechtswaffe erst 1927 abgeschafft. Lanzen gibt es in verschiedensten Formen, zum Beispiel:
- Makedonische Sarissa
- Sarmatischer und spätrömischer Contus
- Germanische Ango mit langer Tülle und Widerhaken
- Germanische Frame
- Japanische Naginata
- Bei der Jagd auf Wildschweine, als sog. Saufeder
- Schweizer Pike
- Piken und Hellebarden der Landsknechte
- Flügellanze, die Form der Heiligen Lanze
- Als Hauptwaffe der Ulanen mit Dreikantklinge und Auflaufbremse (in Form eines Knebels oder einer Kugel)
- Als Seitenwaffen für Offiziere und Unteroffiziere im Gefecht bis ins 18. Jahrhundert hinein.
- Als Synonym für das männliche Glied, eine sog. Spermalanze Siehe auch: Krönig Kategorie:Hieb- und Stichwaffe

Breitschwert

Ein Breitschwert ist eine direkte Übersetzung vom englischen Broadsword und bezeichnet eigentlich ein meist historische einhändig geführte Langschwert mit einer relativ breiten und schweren, ca. 70 bis 110 cm langen Klinge. Die Bezeichnung ist vergleichend mit den späteren Degen englisch Smallsword gemeint. Die Klinge war üblicherweise zweischneidig geschliffen. Meist wurde es zusammen mit einem Schild getragen. Kategorie:Schwert

Hussitenkriege

Unter dem Begriff Hussiten (auch Bethlehemiten genannt) werden verschiedene reformatorische beziehungsweise revolutionäre Bewegungen im Böhmen des 15. Jahrhunderts zusammengefasst.

Jan Hus

Der Name Hussiten geht auf den tschechischen Theologen und Reformator Jan Hus (
- um 1370) zurück. Dieser kritisierte den Reichtum der Kirche und ließ einzig die Bibel als gültig für Glaubensfragen gelten; er erkannte die Unfehlbarkeit des Papstes nicht an. Er folgte damit John Wyclif und stand auch den Positionen der Waldenser nahe. U.a. Martin Luther wurde von ihm beeinflusst. Hus wurde auf dem Konstanzer Konzil zum Tode verurteilt und am 6. Juli 1415 verbrannt. Der Konstanzer Schuldspruch gegen Jan Hus wurde von der Bevölkerung Böhmens und dessen Nachbarn überwiegend nicht anerkannt, 452 böhmische Adlige sandten im September einen feierlichen Protest an das Konstanzer Konzil und schlossen miteinander ein Bündnis. Auch in der Bevölkerung löste die Hinrichtung heftige Proteste aus, in deren Folge die böhmische Freiheitsbewegung entstand, die die wesentlichen Ziele von Jan Hus übernahm. Man war sich einig, die freie Predigt des Wortes Gottes zu schützen und Verordnungen der Bischöfe und des Papstes nur insoweit anzuerkennen, als sie mit der Schrift übereinstimmten.

Vier Prager Artikel und die Hussitenbewegung

1420 wurden die Vier Prager Artikel verfasst, welche folgende Forderungen enthielten: # vollständiges Abendmahl mit Kelch gleichberechtigt für Laien und Priester; der Abendmahlskelch wurde das Zeichen der Hussiten # die freie Predigt in der Landessprache, auch für Laien # die Abgabe des kirchlichen Besitzes und der Verzicht des Klerus auf Reichtum und weltlichen Einfluss # die strenge Bestrafung der Todsünden Diese Forderungen wurden im Wesentlichen von dem Flügel der Calixtiner (von lat. calix Kelch) als die wichtigsten erachtet. Die radikaleren Taboriten (die eine nach dem Berg Tábor benannte Siedlung/Stadt gegründet hatten), die sich zum größten Teil aus der mittellosen Stadt- und Landbevölkerung rekrutierten, erhoben darüber hinaus die Forderung nach Abschaffung der kirchlichen Einrichtungen und Gebräuche und die Errichtung des Reiches Gottes mit Hilfe von Waffengewalt. Diese richteten sich also auch gegen die weltliche Ordnung mit Feudalismus und Monarchie. Im Frühjahr 1421 vertrieben die „neuen Obrigkeiten“ Tábors (Jan Žižka, Nikolaus von Pelhřimov, Johannes von Jičín) den radikalen Kern der Taboriten um Martin Húska aus der Stadt. Jan Žižka spürte sie in den Dörfern, wo sie Zuflucht gesucht hatten, auf und ließ sie ausrotten. Den in Tábor und Prag populären Martin Húska selbst ließen die (adligen) Calixtiner und Žižka vom (katholischen) Prager Erzbischof Konrad von Vechta foltern und auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Nach der Auslöschung der Anhänger von Martin Húska verleumdete Jan Žižka diese als angeblich systematisch Unzucht treibende „Adamiten“ sowie als „Pikarden“ (nach ev. Flüchtlingen aus der Picardie, von denen sie ihre „Häresie“ abgeleitet haben sollten). Jan Žižka selbst wurde, um ihn von den zunächst insgesamt radikalen Taboriten nachträglich abzugrenzen und somit wenigstens teilweise für die sich in der Tradition der Calixtiner wähnenden adligen und bürgerlichen tschechischen National(ist)en zu vereinnahmen, postum als ein Anführer der zwischen Taboriten und Calixtinern verorteten „Orebiten“ (bzw. Bezug nehmend auf Žižkas Tod „Orphaniten“, lat. „Waisen, Verwaiste“) dargestellt, deren Existenz jedoch nicht belegt werden kann, zumal Žižka von Tábor aus gewirkt hat.

Hussitenkriege

Nach der Verbrennung von Jan Hus 1415 suchte der böhmische König Wenzel (HRR) die empörten hussitischen Anhänger aus Kirchen- und Staatsämtern auszuschließen. Dies führte zu einem Aufstand. Dabei kam es am 30. Juni 1419 zum ersten Prager Fenstersturz, bei dem Hussiten das Rathaus stürmten und einige Ratsherrn aus dem Fenster warfen. Die Kreuzzugsbulle von Papst Martin V. führte dazu, dass aus dem Aufstand ein regelrechter Krieg wurde. König Wenzel starb am 16. August und seinen Bruder Sigismund wollten die Hussiten nicht als König anerkennen, da er das seinerzeit dem Hus versprochene sichere Geleit nicht eingehalten hatte. Der Einmarsch katholischer Truppen in Böhmen unter Kaiser Sigismund im Jahre 1420 wurde in der Schlacht am Prager St. Veitsberg von Hussiten-Truppen unter Jan Žižka zurückgeschlagen. Eine zweite Niederlage erlitten die katholischen Truppen 1420 in Südböhmen bei Sudomer. Žižka führte ein straffes Regiment, das u.a. zum gewaltsamen Tod und zur Vertreibung vieler Deutscher aus Böhmen führte. Auch der zweite und der dritte Kreuzzug in den Jahren 1421 und 1422 scheiterten. Nach dem Tode Žižkas im Oktober 1424 übernahm Andreas Prokop die Führung der Hussiten. Auch unter seinem Kommando blieben die Hussiten siegreich. Der vierte Kreuzzug 1427 endete für die katholischen Truppen mit einer Niederlage bei Tachau in Westböhmen, der fünfte Kreuzzug mit der Niederlage unter Kardinal Giuliano Cesarini in der Schlacht von Taus am 14. August 1431. Schlachten während der Hussitenkriege:
- Schlacht am Ziskaberg (1420)
- Schlacht bei Pankratz (1420)
- Schlacht bei Deutsch Brod (1422)
- Schlacht bei Aussig (1426)
- Schlacht bei Mies (1427)
- Schlacht bei Hiltersried (1433) Schon ab 1428 gingen die Hussiten unter Andreas Prokop zum Angriff auf katholische Bastionen über. Der Kriegszug des Jahres 1428 verheerte Niederösterreich und Teile Schlesiens, 1429 folgte ein neuerlicher Vorstoß nach Niederösterreich und in die Lausitz. Der Hussitenzug des Jahres 1430 betraf wiederum Schlesien sowie Sachsen und Oberfranken, der des Jahres 1431 Teile Ungarns (westliche Slowakei). 1432/34 folgten die weiträumigsten Operationen der Hussiten, die im Osten nach Oberschlesien und in die Slowakei führten, in Richtung Norden in die Lausitz, nach Niederschlesien, Brandenburg, in den Raum Danzig (Land des Deutschen Ordens) sowie nach Polen. Diese Kriegszüge waren von massenhaften Plünderungen und Grausamkeiten begleitet, aber auch die Kriegführung der katholischen Truppen in Böhmen war rücksichtslos. Da bis auf kleinere Gefechte den kaiserlichen und päpstlichen Truppen der Sieg gegen die Hussiten verwehrt blieb, wurde zwischen 1431 und 1433 mit ihnen verhandelt. Auf dem Basler Konzil wurden den Hussiten mit den Prager Kompaktaten einige Zugeständnisse gewährt. Auf das Konzil wurde seitens der Böhmen unter Prokop durch die Belagerung der katholischen und reichstreuen Stadt Pilsen ab Mitte 1433 Druck ausgeübt. Die „Obere Pfalz“, heute Oberpfalz, war dabei wiederum stark gefährdet und, wie schon öfter, von Raubzügen der Hussiten bedroht. Am 21. September 1433 wurden das Teilkontingent des hussitischen Belagerungsheeres, das zum fouragieren in die „Obere Pfalz“ eingedrungen war, von dem wesentlich kleineren Heer des Pfalzgrafen Johann von Pfalz-Neumarkt, der „Hussitengeißel“, vernichtend geschlagen. Während dem Konzil von Basel kehrte der weniger radikale Flügel der Utraquisten beziehungsweise Calixtiner wieder in den Schoß der katholischen Kirche zurück und verbündete sich sogar mit den kaiserlichen Truppen gegen die radikaleren Taboriten. Diese wurden schließlich 30. Mai 1434 in der Schlacht von Lipan (tschechisch: Lipany) vernichtend besiegt. Auf diese Weise versandete der Hussitismus in einem Kompromiss. Die aus Böhmen vertriebenen Deutschen forderten nach dem Ende der Kämpfe die Rückgabe ihres Eigentums, die ihnen 1436 verwehrt wurde. Als politischer und wirtschaftliche Sieger der Hussitenkriege gilt der niedere Adel der böhmischen Länder. Durch die Hussitenkriege verloren die böhmischen Länder ihre im 14. Jahrhundert wirtschaftlich und kulturell führende Stellung in Europa für mehrere Generationen. Auch wenn die wenigen religiösen Zugeständnisse der katholischen Kirche an die Hussiten wieder zurückgezogen wurden (Papst Pius II. am 31. März 1462), waren sie doch ein Anstoß für die Bildung eines tschechischen Nationalbewusstseins, besonders, da die Macht auf Kleinadel und Patriziat übergegangen war. In den Jahren 1458 bis 1471 herrschte Georg von Podiebrad, der Anführer der Calixtiner, als König von Böhmen. Er setzte sich aber zwischen alle Stühle, indem er einerseits die verbliebenen Radikalen verfolgte, andererseits zu keiner Einigung mit dem Papsttum kam. Auch wenn er letztlich an einer Übermacht scheiterte, war er doch der erste nicht-katholische König Europas. Auch der katholische Nachfolger Georgs von Podiebrad, König Wladislaw II. (1471-1516) mußte 1485 auf dem Landtag zu Kuttenberg die Kompaktaten bestätigen. Der Reichstag von 1512 verlieh den Hussiten gar die gleichen Rechte wie den Katholiken. Im Laufe des 16. Jahrhunderts näherten sich die Utraquisten den Lutheranern an, eine eigene Richtung verfolgten in dieser Zeit eher die Böhmischen Brüder. Nach der Niederlage der böhmischen Stände im Jahre 1620 in der Schlacht am Weißen Berge wurden die böhmischen Länder mit Gewalt zum Katholizismus zurückgeführt, die geflüchteten Utraquisten gingen in den lutherischen Kirchen auf. Die 1920 gegründete Tschechoslowakische Hussitische Kirche beruft sich zwar auf die Hussiten, ist aber - als Abspaltung von der katholischen Kirche - eher mit der Anglikanischen Kirche vergleichbar.

Siehe auch


- Liste von Kriegen
- Liste von Schlachten Kategorie:Christentumsgeschichte (Reformationen) Kategorie:Protestantismus Kategorie:Tschechische Geschichte Kategorie:Böhmen ja:フス派

1419

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- In der Hansestadt Rostock wird die erste Universität im gesamten Ostseeraum gegründet: Universität Rostock
- Der Begriff „Hexe“ taucht erstmals auf

Geboren


- 7. März: Mechthild von der Pfalz, Erzherzogin; herausragende Persönlichkeit des deutschen Mittelalters († 1482)
- 10. Juli: Go-Hanazono, 102. Tennō (Kaiser) von Japan († 1470)

Gestorben


- 10. Februar: Ulrich Ensinger, Baumeister der süddeutschen Gotik (
- 1350)
- 12. August: Heinrich Grymhardt, Priester und Offizial in Köln
- 16. August: Wenzel, römisch-deutscher König und als Wenzel IV. König von Böhmen, Kurfürst von Brandenburg (
- 1361)
- 10. September: Johann Ohnefurcht, Herzog von Burgund (
- 1371)
- 22. Dezember: Johannes XXIII., Gegenpapst 1410–1415 (
- um 1370) ko:1419년

Deutscher Bauernkrieg

Als Deutscher Bauernkrieg (auch Erhebung des gemeinen Mannes) wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in weiten Teilen Süddeutschlands und der Schweiz bezeichnet, wobei die Bauern mit ihren Zwölf Artikeln erstmals fest umrissene Forderungen formulierten. In Schwaben, Franken, dem Elsass und in Thüringen wurden die Aufstände 1525, in Sachsen und Tirol 1526 niedergeschlagen. 1526

Ursachen und Umfeld

Die Ursachen für das Aufbegehren der Bauern waren vielfältig. Anfang des 16. Jahrhunderts war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation in Süddeutschland und dort vor allem in Schwaben in einer unüberschaubaren Vielzahl kleiner Feudalherrschaften zersplittert. Viele Probleme der Bauern waren lokal und durch den jeweiligen Landesherren bedingt; die kleinen Wirtschaftseinheiten führten zu Abgrenzung und Kirchturmdenken und bremsten den wirtschaftlichen Aufschwung. Die meisten Ursachen der Aufstände waren aber in der allgemeinen Situation der Bauern begründet, die sich von Herrschaft zu Herrschaft nicht wesentlich unterschied.

Situation der Bauern

Die Hauptlast zur Aufrechterhaltung der Feudalgesellschaft trugen die Bauern: Fürsten, Adel, Beamte, Patrizier und der Klerus lebten von deren Arbeitskraft, und da die Zahl der Nutznießer immer weiter anstieg, stiegen auch die Abgaben, die die Bauern zu leisten hatten. Neben dem Großzehnt und dem Kleinzehnt auf die meisten ihrer erwirtschafteten Einkünfte und Erträge zahlten sie Steuern, Zölle und Zinsen und waren häufig ihren Grundherren zu Fron- und Spanndiensten verpflichtet. In Oberschwaben, Württemberg, Franken, Sachsen (Obersachsen) und Thüringen wurde die Realerbteilung angewandt, die bei gleich bleibender Gesamtproduktionsfläche zu immer kleineren Höfen führte. Viele dieser Kleinstbauernhöfe waren angesichts der hohen Belastungen nicht mehr wirtschaftlich zu führen. Wirtschaftliche Probleme, häufige Missernten und der Druck der Grundherren führten immer mehr Bauern in die Hörigkeit und weiter in die Leibeigenschaft, woraus wiederum zusätzliche Pachten und Dienstverpflichtungen resultieren. Auch das „Alte Recht“, ein mündlich überliefertes Recht, wurde von den Grundherren zunehmend frei interpretiert oder gänzlich ignoriert. Seit Jahrhunderten bestehende Allmenden wurden enteignet und gemeinschaftliche Weide-, Holzschlag-, Fischerei- oder Jagdrechte beschnitten oder abgeschafft.

Situation im Reich

Der Hochadel war an einer Änderung der Lebensumstände der Bauern natürlich nicht interessiert, weil dadurch zwangsläufig eigene Privilegien und Vorteile eingeschränkt worden wären. Der niedere Adel ging dem Niedergang entgegen und hatte mit einem dramatischen Bedeutungsverlust zu kämpfen, was zu eigenen Aufständen führte (Pfälzischer Ritteraufstand). Der Versuch vieler niederer Adliger, sich durch Raubrittertum über Wasser zu halten, ging größtenteils wiederum zu Lasten der Bauern. Der Klerus war genauso gegen jede Veränderung: Der Katholizismus in der bestehenden Form stellt die Kernsäule des Feudalismus dar; die kirchlichen Einrichtungen waren in der Regel selbst feudal organisiert – kaum ein Kloster existierte ohne zugehörige Dörfer. Die Kirche bezog ihre Einnahmen vorwiegend aus Spenden, schwunghaftem Ablasshandel sowie dem Zehnt. Letzterer war auch für den Adel eine wichtige Finanzquelle. Die einzigen Reformbestrebungen, die auf die Abschaffung der alten Feudalstrukturen zielten, gingen vom erstarkenden Bürgertum der Städte aus, blieben aber schwach ausgeprägt, da auch dieses von Adel und Klerus abhängig war.

Reformation

In der Kirche herrschten erhebliche Missstände – viele abwertend Pfaffen genannte Geistliche führten ein allzu ausschweifendes Leben und profitierten von Stiftungen und Erbschaften der reichen Bevölkerung sowie Abgaben und Spenden der Armen. In Rom gelangte man durch Vetternwirtschaft und Bestechung zu Amt und Würden; die Päpste taten sich als Kriegs- und Bauherren sowie als Förderer der schönen Künste hervor. Diese Zustände wurden schon früh von Hans Böhm in Unterfranken, Girolamo Savonarola in Florenz und später auch von Luther kritisiert. Als der Dominikanermönch Johannes Tetzel 1517 im Auftrag von Albrecht, dem verschuldeten Erzbischof von Mainz, und Papst Leo X.. durch Deutschland zog, dort erfolgreich den Ablass predigte und seine Ablasszettel verkaufte, verfasste der erzürnte Luther seine 95 Thesen, die er der Legende nach an die Kirchentür von Wittenberg schlug. Zwingli in Zürich sowie Calvin in Genf vertraten öffentlich die Ansicht, dass jeder Mensch auch ohne die Vermittlung der Kirche seinen Weg zu Gott und seinem Seelenheil finden könne. Damit untergruben sie den Absolutheitsanspruch der katholischen Kirche und bestätigten den Bauern, wie weit sich der Klerus von seinen eigenen Lehren entfernt hatte und deshalb in großen Teilen überflüssig sei. Die Argumentation Luthers in seiner Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen (erschienen 1520), dass Ein Christenmensch [...] ein Herr über alle Dinge und niemandem untertan sei, sowie seine Übersetzung des Neuen Testaments ins Deutsche 1522 waren weitere entscheidende Auslöser für das Aufbegehren der dörflichen Bevölkerung: Nun war es auch den einfachen Leuten möglich, die mit dem „Willen Gottes“ gerechtfertigten Ansprüche von Adel und Klerus zu hinterfragen. Für die eigene erbärmliche Lage fanden sie keine biblische Begründung und somit stellten viele Bauern fest, dass die Einschränkung des Alten Rechts durch die Grundherren dem tatsächlichen Göttlichen Recht widerspreche – Gott lasse tatsächlich die Tiere und Pflanzen ohne das Zutun der Menschen und für alle Menschen ausreichend wachsen. Manche glaubten nun, dieselben Rechte wie Adlige und der Klerus beanspruchen zu können.

Träger des Aufstandes

Viele der einfachen Bauern trauten sich aufgrund ihrer vielfachen Abhängigkeitsverhältnisse nicht, gegen ihre Herren aufzubegehren. Vor allem die dörfliche Oberschicht wollte aber Veränderungen. Schultheiße, Bauernrichter, Dorfhandwerker und Ackerbürger aus den Kleinstädten trugen den Aufstand und drängten vielerorts die armen Bauern zum Anschluss an die Bauernhaufen. Die Bauern selbst wollten vor allem ihre altüberlieferten Rechte wieder herstellen und ein menschenwürdiges und im Übrigen gottesfürchtiges Leben führen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden Gesellschaftsordnung.

Vorangegangene Erhebungen

Die sich ständig verschlechternde Situation der Bauern war schon lange vor dem eigentlichen Bauernkrieg von 1524/25 die Ursache für viele regionale Konflikte. Die Unzufriedenheit der Bauern vergrößerte sich über viele Jahrzehnte und äußerte sich in einer Vielzahl von regionalen Erhebungen. Auslöser für diese waren neben den allgemeinen Umständen meist zusätzliche lokale Probleme. Neben zahlreichen kleineren Bauernprotesten kam es immer wieder auch zu größeren Bauernaufständen: Liste größerer Bauernerhebungen:
- seit 1291 Aufbegehren der Alten Eidgenossenschaft gegen die Habsburger
- 1419-1420 und 1433-1434: Hussitenkriege in Böhmen
- 1476 Empörung um Hans Böhm (Pauker von Niklashausen) in Franken
- 1478 Bauernaufstand in Kärnten
- 1492 Bauernerhebung im Allgäu
- 1493 Bundschuh-Verschwörung im Elsass
- 1502 Bundschuh-Verschwörung in Speyer
- 1513 Bundschuh-Verschwörung im Breisgau
- 1517 Bundschuh-Verschwörung im Schwarzwald
- 1514 Aufstand des Armen Konrad in Württemberg
- 1522-1523 Pfälzischer Ritteraufstand in der Kurpfalz Auch die Bürger begehrten auf und solidarisierten sich mit den Bauern: 1509 in Erfurt, 1511 in Regensburg, Braunschweig, Speyer, Köln, Schweinfurt, Worms, Aachen, Osnabrück und weiteren Städten. Fast alle dieser Aufstände wurden gewaltsam niedergeworfen; lediglich das schon lange andauernde Aufbegehren der Schweizer Bergbauern war am Ende von Erfolg gekrönt. Die Situation der Bauern wurde ansonsten durch keinen der Aufstände verbessert; meist kam es zu zusätzlichen Repressalien.

Eskalation 1524

1524 kam es bei Forchheim in der Nähe von Nürnberg neuerlich zu Unruhen, kurz darauf auch in Mühlhausen bei Erfurt. Im Oktober 1524 erhoben sich die Bauern im Wutachtal bei Stühlingen. Wenig später zogen 3.500 Bauern in Richtung Furtwangen. In Oberschwaben rund um den Bodensee gärte es schon länger und innerhalb kurzer Zeit bildeten sich im Februar und März 1525 drei bewaffnete so genannte Bauernhaufen: der Baltringer Haufen, der Seehaufen, und der Allgäuer Haufen. Der größte der drei war der Baltringer Haufen: mehr als 12.000 Bauern, Bürger und Geistliche sammelten sich innerhalb weniger Tage im Baltringer Ried in der Nähe von Biberach. Auch der Allgäuer Haufen in der Nähe von Lindau bestand aus annähernd 12.000 Männern, darunter auch viele einfache Geistliche und Landsknechte. Die 7.000 Allgäuer Bauern, die vor allem gegen den Fürstabt von Kempten aufbegehrten, lagerten bei Leubas.

Zwölf Artikel und Verhandlungen

Die drei oberschwäbischen Bauernhaufen wollten vor allem eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erreichen und keinen Krieg beginnen. Deshalb setzen sie auf Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund. 50 Vertreter der drei Bauernhaufen trafen sich dazu in der freien Reichsstadt Memmingen, deren Bürgerschaft mit den Bauern sympathisierte. Hier versuchten die Führer aller drei Haufen, die Forderungen der Bauern zu artikulieren und mit der Bibel argumentativ zu unterlegen. Nach mehreren Verhandlungen wurden am 20. März 1525 die Zwölf Artikel und die Bundesordnung verabschiedet. Diese waren sowohl Beschwerdeschrift als auch Reformprogramm und politisches Manifest. Nach dem Vorbild der Schweizer Eidgenossenschaft gründeten die Bauern die Oberschwäbische Eidgenossenschaft, deren Grundlagen in der Bundesordnung niedergelegt wurden. So sollten die einzelnen Bauernhaufen, im Gegensatz zu vorhergehenden Erhebungen, zukünftig auch für einander einstehen. Innerhalb kürzester Zeit wurden von beiden Schriften hohe Auflagen gedruckt und verteilt, die für eine außergewöhnlich schnelle Verbreitung der Aufstände in ganz Süddeutschland und Tirol sorgten. Die Gründung der Oberschwäbischen Eidgenossenschaft wurde nach der Verabschiedung der beiden Papiere dem Schwäbischen Bund in Augsburg in der Hoffnung angezeigt, als gleichwertiger Partner an Verhandlungen teilnehmen zu können. Angesichts verschiedener Plünderungen und der Weinsberger Bluttat (siehe weiter unten) hatten die im Schwäbischen Bund zusammengeschlossenen Adligen allerdings kein Interesse an Verhandlungen. Unterstützt durch die Augsburger Kaufmannsfamilie Fugger wurde Georg Truchsess von Waldburg-Zeil (genannt Bauernjörg) mit einer Armee von 9.000 Landsknechten und 1.500 gepanzerten Reitern beauftragt, die meist mit Sensen und Dreschflegeln bewaffneten Bauern niederzuwerfen. Die Verhandlung der 12 Artikel in Memmingen war Dreh- und Angelpunkt des Bauernkrieges: Hier wurden die Forderungen erstmals einheitlich formuliert sowie schriftlich fixiert. Die Bauern traten erstmals einheitlich gegenüber der Obrigkeit auf – die bisherigen Erhebungen scheiterten vor allem an der Zersplitterung der Aufstände und der mangelnden gegenseitigen Unterstützung. Mit den „12 Artikeln“ änderte sich dies. Es ist allerdings auch zu bemerken: Hätten die Bauern nicht auf Verhandlungen mit dem Schwäbischen Bund gesetzt, sondern weitere Landstriche besetzt, hätten sie allein aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit schwerlich niedergeworfen werden können, und ihr Anliegen wäre ernster genommen worden.

Verlauf des Aufstands

Memmingen Ende März 1525 sammelte sich das Heer von Waldburg-Zeil in Ulm. Ein Stück donauabwärts bei Leipheim hatten sich um den Prediger Jakob Wehe 5.000 Bauern versammelt, die im weiteren Umkreis Klöster und Adelssitze plünderten. Das Heer des Schwäbischen Bundes marschierte deshalb nach Leipheim und rieb schon auf dem Weg dorthin einzelne plündernde Bauerngruppen auf. Am 4. April kam es zur ersten großen Schlacht bei Leipheim, in der der Leipheimer Haufen besiegt wurde. Die Stadt Leipheim musste ein Strafgeld zahlen; Wehe und die anderen Führer des Haufens wurden hingerichtet. Ebenfalls Anfang April sammelten sich auch die Bauern aus dem Neckartal und dem Odenwald unter Jäcklein Rohrbach. Zu Ostern 1525 (16. April) lagerten der Neckartaler Haufen bei Weinsberg, wo der hitzköpfige Rohrbach den von den Bauern gehassten Grafen Ludwig von Helfenstein, den Schwiegersohn von Kaiser Maximilian I., und seine Ritter Spießruten laufen liess. Der schmerzvolle Tod der Adligen durch das Stechen und Prügeln der Bauern ging als die Weinsberger Bluttat in die Geschichte des Bauernkriegs ein. Sie prägte entscheidend das Bild vom mordenden und plündernden Bauern und war einer der Hauptgründe, weshalb sich viele Adlige gegen die Sache der Bauern stellten. Zur Strafe wurde die Stadt Weinsberg niedergebrannt und Jäcklein Rohrbach bei lebendigem Leib verbrannt. Nach der Bluttat von Weinsberg vereinigten sich die Neckartaler und Odenwälder mit dem von dem fränkischen Adligen Florian Geyer geführten Taubertaler Haufen (Schwarzer Haufen) zum starken Heller Lichter Haufen. Die annähernd 12.000 Männer wandten sich unter der Führung des Hauptmanns Götz von Berlichingen gegen die Bischöfe von Mainz und Würzburg und den Kurfürsten von der Pfalz. Am 12. April stellte die Streitmacht des Schwäbischen Bundes den Baltringer Haufen, der schnell besiegt werden konnte. Die Bauern wurden entwaffnet, und jeder musste ein hohes Strafgeld zahlen. Am 13. April musste sich der Truchsess mit seinem Heer vor dem militärisch recht gut ausgebildeten Seehaufen wieder zurückziehen und traf einen Tag später, am 14. April bei Wurzach auf die eigenen Bauern des Allgäuer Haufens. Er verhandelte mit ihnen und konnte sie überzeugen, ihre Waffen niederzulegen. Im Vertrag von Weingarten am 20. April machte er dem Seehaufen und dem Allgäuer Haufen Zugeständnisse und garantierte ihnen freien Abzug und ein unabhängiges Schiedsgericht zur Austragung ihrer Konflikte. Am 16. April sammelten sich die Württemberger Bauern. Die 8.000 Mann starke Truppe rückte in die Stadt Stuttgart ein und zog im Mai weiter nach Böblingen. Auch bei Hall und Gmünd bildeten sich kleinere Haufen, die 3.000 Anhänger plünderten die Klöster Lorch und Murrhardt, und legen die Burg Hohenstaufen in Schutt und Asche. Auch im Kraichgau und Ortenau wurden Klöster geplündert und Burgen niedergebrannt. Nach dem Erfolg von Weingarten zog das Heer Waldburg-Zeils ins Neckartal. Die Bauern wurden bei Balingen, Rottenburg, Herrenberg und am 12. Mai in der Schlacht bei Böblingen geschlagen. Ähnlich erging es am 2. Juni den Neckartalern und Odenwäldern bei Königshofen. Am 23. Mai nahm ein Haufen von 18.000 Breisgauer und Südschwarzwälder Bauern Freiburg im Breisgau ein. Nach dem Erfolg wollte der Anführer Hans Müller den Belagerern von Radolfzell zu Hilfe eilen, doch nur wenige Bauern zogen mit ihm; – die meisten wollten sich wieder um ihre Felder kümmern. So war deren Streitmacht relativ klein, als sie von Erzherzog Ferdinand von Österreich kurz darauf geschlagen werden. Waldburg-Zeil traf am 4. Juni bei Würzburg auf den Hellen Lichten Haufen der fränkischen Bauern, und da dieser am Vortag von Götz von Berlichingen unter einem Vorwand verlassen wurde, hatten die führerlosen Bauern keine Chance. In zwei Stunden wurden 8.000 Bauern getötet. Nach diesem Sieg wendeten sich die Truppe des Bauernjörg wieder nach Süden und besiegten im Allgäu Ende Juli die letzten Aufständischen. In vier Monaten hatte die Armee des Georg Truchseß von Waldburg-Zeil mehr als 1.000 km zurückgelegt. Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 war eine der bedeutendsten Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. In ihr wurden die aufständischen Bauern Thüringens unter Führung von Thomas Müntzer von einem Fürstenheer vollständig besiegt. Münzer selbst wurde gefangen genommen und am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet, nachdem er auf die Festung Heldrungen gebracht und gefoltert worden war. Etliche kleinere Aufstände wurden ebenso niedergeschlagen; bis September 1525 waren alle Gefechte und Strafaktionen abgeschlossen. Kaiser Karl V. und Papst Clemens VII. dankten dem Schwäbischen Bund für sein Eingreifen.

Folgen

Folgen für die Aufständischen

Die Folgen für die Aufständischen waren hart. Schätzungen zufolge haben allein durch die Niederschlagung der Aufstände etwa 100.000 Bauern ihr Leben verloren. Die überlebenden Aufständischen fielen automatisch in Reichsacht und verloren damit alle ihre staatsbürgerlichen, privaten und Lehensrechte – sie waren somit vogelfrei. Die Anführer wurden mit dem Tod bestraft. Teilnehmer und Unterstützer der Aufstände mussten die Strafgerichte der Landesherren fürchten, die erst jetzt begannen und zum Teil sehr grausam waren. Viele Berichte sprechen von Enthauptungen, Augenausstechen, Abschlagen von Fingern und weiteren Misshandlungen. Wer mit einem Bußgeld davonkam, hatte wohl Glück gehabt, auch wenn viele Bauern die Strafgelder wegen der hohen Abgaben nicht bezahlen konnten. Ganzen Gemeinden wurden Rechte aberkannt, weil sie die Bauern unterstützt hatten. Teilweise ging die Gerichtsbarkeit verloren, Feste wurden verboten und Stadtbefestigungen geschleift. Alle Waffen mußten abgeliefert werden und abends durften keine Dorfschenken mehr besucht werden. Trotzdem hatte der Bauernkrieg in manchen Regionen positive Auswirkungen, wenn es auch wenige waren. In einigen Gebieten wurden Missstände durch Verträge beseitigt, falls die Aufständischen aufgrund besonders schlimmer Umstände rebelliert hatten (z.B. in der Fürstabtei Kempten, für die auf dem Reichstag zu Speyer 1526 ein entsprechender Vertrag geschlossen wurde). Auch waren die Verhältnisse der Bauern vielerorts besser überschaubar geworden, weil diese ihre Steuern nun nicht mehr alleine an die Grundherren, sondern auch direkt an die Fürsten abzuführen hatten.

Folgen für die Heerführer

Die Niederlagen der Bauern legten den Grundstein für Vermögenszuwächse bei den siegreichen adligen Heerführern. Georg Truchsess von Waldburg-Zeil fielen Ländereien in Oberschwaben zu. Der Feldhauptmann Sebastian Schertlin von Burtenbach hielt sich an den Besiegten schadlos, um seine von ihm eingestellten Landsknechte zu besolden.

Folgen für das Reich

Einzelne Bauernbünde wie der des Tiroler Michael Gaismair hielten sich im Geheimen noch einige Jahre. Etliche geächtete Bauern lebten noch Jahrzehnte als Räuberbanden in Wäldern. Aus dieser Zeit haben auch eine Reihe von Geschichten (z.B. Räuber Hotzenplotz) ihren Ursprung. Zu größeren Aufständen kam es aber nicht mehr. In den folgenden 300 Jahren begehrten die Bauern kaum noch auf, und erst mit der Märzrevolution von 1848/49 konnten Ziele durchgesetzt werden, die die Bauern bereits in ihren Zwölf Artikeln 1525 formuliert hatten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen durch den Verlust von 100.000 – in anderen Quellen werden 130.000 genannt – Bauern sind enorm und sorgen mit dafür, dass in Deutschland auch politisch vieles still steht und es im Dreißigjährigen Krieg zum Spielball vieler Mächte wird.

Bauernkrieg und Religion

Martin Luther

Obwohl die Standpunkte der Reformation eine wesentliche Rechtfertigung für die aufständischen Bauern waren, distanzierte sich Martin Luther deutlich vom Bauernkrieg. Schon 1521 unterschied er genau zwischen weltlichem und geistlichem Bereich, da er mit der Reformation die Veränderung der Kirche und nicht – im Gegensatz zu Savonarola – eine Verchristlichung der Welt erreichen wollte. Von der Obrigkeit trotzdem zunehmend für die Geschehnisse im Bauernkrieg verantwortlich gemacht, distanzierte er sich nach der Weinsberger Bluttat scharf von den Aufständischen und schrieb: :wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern [...] man soll sie zerschmeißen, würgen, stechen, heimlich und öffendlich, wer da kann, wie man einen tollen Hund erschlagen muss. Nach 1525 verlor der Protestantismus seinen revolutionären Geist und zementierte, auch von Luther unterstützt, die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse mit dem Glaubenssatz „Seid untertan der Obrigkeit“.

Thomas Müntzer

Thomas Müntzer war ein früherer Anhänger Luthers. Im Gegensatz zu diesem stand er aber für die gewaltsame Befreiung der Bauern und betätigte sich in Mühlhausen (Thüringen), wo er Pfarrer war, als Agitator und Förderer der Aufstände. Dort versuchte er seine Vorstellungen einer gerechten Gesellschaftsordnung umzusetzen: Privilegien wurden aufgehoben, Klöster aufgelöst, Räume für Obdachlose geschaffen, eine Armenspeisung eingerichtet. Seine Bestrebungen, verschiedene Thüringer Bauernhaufen zu vereinigen, gelangen jedoch nicht. Im Mai 1525 wurde er gefangen genommen, gefoltert und schließlich hingerichtet.

Literatur


- Wilhelm Zimmermann: Der große deutsche Bauernkrieg Köhler Stuttgart 1841-43, Dietz Stuttgart 1891, Dietz Berlin 1952, deb Berlin 1980, Berlin 1993 ISBN 3-32001-829-9
- Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg Hamburg 1850, Marx-Engels-Werke Bd.7, Dietz Berlin 1960, ISBN 3-32000-291-0
- Peter Blickle: Der Bauernkrieg. Die Revolution des Gemeinen Mannes, C.H. Beck 1998, ISBN 3-40643-313-8
- Peter Blickle: Die Revolution von 1525, München 2004, 4. Auflage, ISBN 3-486-44264-3
- Horst Buszello u. a. (Hrsg.): Der deutsche Bauernkrieg, Paderborn u. a. 1995, 3. Auflage, ISBN 3-8252-1275-0

Siehe auch


- Liste von Schlachten

Weblinks


- [http://www.krieg.historicum.net/themen/bauernkrieg/ Übersicht]
- [http://wikisource.org/wiki/Bauernkriege Friedrich Engels: Der deutsche Bauernkrieg] Kategorie:Bauernkrieg Kategorie:1520er Bauernkrieg Kategorie:Aufstand ja:ドイツ農民戦争

Kavallerie

Als Kavallerie bezeichnet man berittene militärische Einheiten. Das Wort Kavallerie wurde gegen Ende des 16. Jahrhunderts dem gleichbedeutenden französischen Wort cavalerie entlehnt, welches wiederum aus dem italienischen cavaliere für Reiter hervorging. Die Gesamtheit aller Kavallerieeinheiten einer Armee nennt man auch Reiterheer.

Geschichte

In der militärischen Taktik waren berittene Einheiten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein wichtiger Faktor. Sie erweiterten die taktischen Möglichkeiten einer Armee ungemein. Das Besondere an der Kavallerie war ihre Mobilität, Schnelligkeit und Durchschlagskraft. Die Kavallerie war eine der wichtigsten und zugleich stärksten Einheiten der Antike, des Mittelalters und der Renaissance. So spielte sie auch in den Kreuzzügen eine wichtige Rolle. Bis ins späte 19. Jahrhundert hinein wurden Schlachten hoch zu Ross ausgetragen. Der effektivste Gegner der Kavallerie im Mittelalter waren die Pikeniere, die mit großen Lanzen versuchten, die Pferde zu töten. Deshalb schützte man Schlachtrösser in West- und Mitteleuropa seit dem 14. Jahrhundert mit einem so genannten Rossharnisch aus Metallplatten. In Persien, Osteuropa und Byzanz wurden die Schlachtrosse schon ab der Spätantike mit einem Überwurf aus Schuppen- oder Kettengeflecht geschützt. Wahrscheinlich entstanden die ersten Pferderüstungen im antiken Zentralasien. Man bezeichnet üblicherweise nur Truppen zu Pferd als Kavallerie; nicht aber Krieger, die auf anderen Tieren (z.B. Kriegselefanten) reiten. Der Begriff Reiterheer kann allerdings sämtliche Einheitentypen berittener Soldaten verschiedenster Reittiere und Waffengattungen einschließen. Die Verwendung des Begriffs Kavallerie für einen Truppenkörper setzt voraus, dass die ganz überwiegende Anzahl dieser Truppe beritten ist und auch kavalleristisch eingesetzt wird. Deswegen ist z.B. ein berittener Offizier der Infanterie oder Artillerie kein Kavallerist, ebensowenig wie ein Gebirgsjäger, der sein Tragetier gelegentlich als Reittier nutzt. Auch die reitende Artillerie zählt daher nicht zur Kavallerie. Auch heute noch führen in vielen Staaten einige Regimenter aus Traditionsgründen ihre alten Kavallerie-Bezeichnungen, obwohl sie längst mit modenen Panzerfahrzeugen ausgestattet sind. Bei der US-Armee wurden ab 1964 für den Krieg in Vietnam aus ehemaligen (inzwischen motorisierten) Kavallerie-Regimentern Luftlandeverbände mit Hubschraubern aufgestellt; auch hier hielt man an der Bezeichnung Kavallerie fest. Aufgrund der Brüche in der deutschen Militärgeschichte verbot sich die Zuweisung einer konkreten Verbandstradition für die Bundeswehr. Deren Panzeraufklärungstruppe hat jedoch mit der Aufklärung als Hauptaufgabe der leichten Kavallerie auch die alte goldgelbe Kragenspiegelfarbe der Kavallerie geerbt.

Leichte Kavallerie mit Bogen

Die Kombination aus Mensch, Bogen, Pfeil und Pferd ist ein sehr wirkungsvolles Waffensystem, wie schon viele Völker zu ihrem Nachteil erfahren mussten. Zu den ältesten uns bekannten Reitervölkern gehören die Hyksos und die Skythen; am bekanntesten sind wohl die Hunnen, Mongolen, die nordamerikanischen Indianer und die Reitertruppen des osmanischen Reiches (u.a. Sipahis).

Ausrüstung

Die leichte Reiterei benutzte kleine, schnelle und wendige Pferde. Die Reiter trugen keine oder nur leichte Rüstung. Die klassischen Reitervölker benutzten kurze, starke Bögen von großer Kraft und Reichweite. Die sogenannten Kompositbögen der Reitervölker bestehen aus bis zu 16 verleimten Holz- und Hornteilen. Diese Reiter- oder Kurzbögen besaßen dennoch nicht die Reichweite und Durchschlagskraft wie später der Langbogen oder die Armbrust. Die von einem Kurzbogen abgefeuerten Pfeile waren daher zumeist nicht in der Lage, schwere Rüstungen zu durchdringen.

Taktik

Reiterarmeen konnten feindliche Truppen auf Distanz mit Pfeilen überschütten und mussten sich nie auf Nahkämpfe einlassen. Langsamere Gegner ohne wirkungsvolle Fernwaffen waren oft chancenlos. So vernichteten die Reitertruppen des Partherreiches in der Schlacht bei Carrhae (53 v. Chr.) die Legionen des Crassus. Beim ihrem Einfall nach Zentral- und Westeuropa im 9. und 10. Jahrhundert verbreiteten die Ungarn als berittene Bogenschützen Angst und Schrecken im gesamten West- und Ostfränkischen Reich. Die Menschen fügten damals jedem Vaterunser den Satz an: "und befreie uns von den Pfeilen der Ungarn, oh Herr!" (de sagittis Hungarorum libera nos, domine). Die großen Schwächen berittener Bogenschützen waren ihr Platzbedarf und ihre leichte Ausrüstung. Wenn sie auf engem Raum zum Nahkampf mit besser gepanzerten Gegnern gezwungen waren, unterlagen sie meist. Außerdem waren sie nicht für die Teilnahme an Belagerungen geeignet. Gute Reitertruppen benötigten viel Ausbildung und sehr gute Pferde. Die klassischen Reitervölker wie Hunnen oder Mongolen lebten praktisch auf dem Pferderücken. Die Schlacht von Doryläum 1097 im Ersten Kreuzzug veranschaulicht Vor- und Nachteile der berittenen Bogenschützen: Es gelang den Reiterpulks des seldschukischen Sultans Kilij Arslan, ein Heer der Kreuzfahrer einzukreisen und auf Distanz zu beschießen. Die Ritter konnten dem Pfeilhagel wenig entgegensetzen. Plötzlich erschien Verstärkung unter Gottfried von Bouillon, und die Seldschuken sahen sich ihrerseits eingekreist. Sie konnten nicht mehr fliehen und wurden im Nahkampf vernichtend geschlagen. Die Niederlage der Seldschuken bei Doryläum war so vollständig, dass die Kreuzfahrer praktisch unbehelligt Anatolien durchqueren konnten.

Schwere Kavallerie mit Lanzen

Die ersten schweren Reiter

Die ersten schwer gepanzerten Lanzenreiter waren die Cataphracti und Clibanarii der Sarmaten, Parther, Sassaniden, der späten Römer und Byzantiner. Im Mittelalter setzte man in West- und Mitteleuropa zuerst im Fränkischen Reich auf schwere Reiter, es entstanden die sog. Fränkischen Panzerreiter.

Die Ritter

Zu Beginn des 8. Jahrhunderts kam auch in Europa der Steigbügel auf, der sich als vorteilhaft für die schwere Reiterei erwies. Insbesondere in Verbindung mit einem hohen Sattel ermöglichte er es der schweren Reiterei, im vollen Galopp einen Lanzenstoß auszuführen, ohne dabei vom Pferd zu fallen. Außerdem erschwerten es Steigbügel und Sattel dem Fußvolk, einen Reiter vom Pferd zu zerren. Im Hochmittelalter entwickelte sich in West- und Mitteleuropa die Truppengattung der Ritter. Sie kämpften mit einer langen Lanze, trugen schwere Ketten- und Plattenpanzerung und ritten auf Schlachtrössern, die speziell für den Kampf und das Tragen von hohem Gewicht trainiert wurden.

Taktik

Die Ritter griffen im schnellen Ritt und zum Teil in mehreren Angriffswellen mit der Lanze als Primärwaffe an und durchbohrten den Gegner. Die schweren Lanzen wurden nach dem Lanzenangriff fallen gelassen und der Kampf wurde mit den Sekundärwaffen (Schwert, Axt, Streitkolben oder ähnliches) weitergeführt. Mit ihren schweren Schlachtrössern wurde gegnerisches Fussvolk niedergeritten. Wurde ein Fußsoldat von einer unter die Achsel eingelegten Ritterlanze aus vollem Galopp getroffen, wurde er meist mit solch einer Wucht weggeschleudert, dass er mehrere seiner Hintermänner umwarf. Diese Methode des Angriffs war wirksam, aber hing von vielen Faktoren ab. Folgende Taktiken waren meist effektiv gegen schwere Reiterei:
- Gute Fernwaffen: Sowohl der Langbogen als auch die Armbrust konnten den Rittern gefährlich werden. Obwohl die schwere, adlige Reiterei des Mittelalters oftmals zu Fuß kämpfte oder zumindest aussichtslose Frontalangriffe vermied, kam es mehrfach vor, dass Ritterheere einen ihren Kriegeridealen entsprechenden Angriff durchführten. Die Folgen waren immer verheerend: Bei Crécy (1346) und Poitiers (1356) erlitten die französischen Ritter schwere Verluste gegen englischen Langbogenschützen; bei Agincourt (1415) starben über 5.000 Ritter im Pfeilhagel.
- Stangenwaffen: Die langen Spieße der Schotten und Schweizer (Pikeniere) waren eine gute Wahl. Die Kämpfer standen in enger Formation wie die antike Phalanx. Im Kampf gegen die Schotten erwiesen sich die englischen Ritter als ebenso borniert und hochmütig wie ihre französischen Kollegen. In den Schlachten an der Brücke von Stirling (1297) und Bannockburn (1314) unterlagen sie gegen die Schotten. Als erste ahmten die unterlegenen Engländer diese Taktik erfolgreich gegen die Franzosen nach, von den Schweizern wurde sie perfektioniert. Jetzt war die Formation trotz inzwischen länger gewordener Lanzen für Ritter fast undurchdringlich. Die mit Piken bewaffneten Pikeniere waren bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges wichtige Truppen. Als Gegentaktik im Kampf gegen Pikenträger entwickelte die schwere Reiterei in der frühen Neuzeit Manöver wie zum Beispiel die Caracolla.
- Das Nutzen von Geländevorteilen: Lanzenreiter benötigten festen, ebenen Boden und genug Platz für ihren Angriff. Ein kluger Gegner vermied die Schlacht auf offenem Feld und stellte sich lieber in sumpfigem, bergigen oder bewaldetem Terrain zum Kampf. Dies taten die Schotten bei Bannockburn und Stirling. Die Schweizer Eidgenossen besiegten die österreichischen Ritter in der Schlacht bei Morgarten (1315), indem sie das Ritterheer an einer engen Stelle zwischen einem Abhang und einem Sumpf angriffen. Die Bauern von Dithmarschen stellten sich im Jahr 1500 bei Hemmingstedt der Armee des dänischen Königs entgegen. Sie öffneten Deiche und überfluteten das Land. War das Gelände für einen Reiterangriff schlecht geeignet, kämpften englische Ritter oftmals zu Fuss und verwendeten ihre Lanzen dabei wie Piken. Zu Fuss kämpfende Ritter nannte man in England Men-at-Arms.
- Guerillakriegsführung: Ein Feind, der blitzschnell zuschlagen und wieder verschwinden konnte war für schwere Reiter ein ernstes Problem. Es war daher wichtig, immer auch genug leichte Kavallerie zu haben. Man geht heute davon aus, dass ein Großteil der Ritter in vielen mittelalterlichen Schlachten zu Fuß kämpfte. Nur bei idealen Geländebedingungen und Unterstützung durch Fernkämpfer führte man den Angriff auf einem Schlachtross durch. War das gegnerische Fußvolk mit Stangenwaffen ausgerüstet und kämpfte in dichter Formation, täuschten die Ritter einen Angriff vor und machten sofort kehrt. Viele Fußsoldaten hielten dies für eine Flucht und nahmen die Verfolgung auf, wobei sich ihre Formation auflöste. Die Ritter machten in dieser Situation wieder kehrt und ritten das Fußvolk nieder. Eine solche Taktik kam beispielsweise in der Schlacht von Hastings 1066 zum Einsatz.

Europäische Kavallerietruppen der Neuzeit

Lanzierer

Die Lanzierer bildeten die älteste Kavalleriegattung der Neuzeit. Sie waren meist durch einen vollständigen Plattenpanzer oder zumindest durch einen Trabharnisch, der bis zu den Knien reichte, geschützt. Ihre Hauptwaffe war die Lanze, doch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gingen sie dazu über, auch Radschlosspistolen mit sich zu führen. Lanzierer ritten auf schweren Schlachtrössern, die oftmals durch einen Rossharnisch geschützt wurden. Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts gingen die Lanzierer in die Truppengattung der Kürassiere auf. pistole

Kürassiere

Die Truppengattung der Kürassiere entstand in den 1540er Jahren und wendete zunächst fast nur die Taktik Caracolla an. Als schwere Reiterei bildeten sie Angriffspitzen. Bis in das 17. Jahrhundert hinein trugen die meisten Kürassiere einen Trabharnisch, später den Kürass. Bewaffnet waren sie mit diversen Pistolen (später oft auch einem Karabiner) sowie einem Pallasch, der im Laufe der Zeit zur einzig wichtigen Waffe wurde. Manche europäische Heere unterhielten bis in das 20. Jahrhundert hinein Kürassier-Einheiten.

Arkebusierreiter

Die Arkebusierreiter des 16. und frühen 17. Jahrhunderts waren mit einem Radschlossgewehr bewaffnet, der so genannten Arkebuse. Dieses Gewehr war kürzer und leichter als die Muskete. Arkebusierreiter trugen meist nur einen Helm und einen Brustpanzer und waren zusätzlich mit einer Blankwaffe ausgerüstet.

Dragoner

Die Dragoner bildeten seit dem 16. Jahrhundert eine neue Gattung der Kavallerie, zuerst als auf das Pferd gesetzte Infanterie, die normalerweise vor dem Kampf absaß, seit dem späten 17. Jahrhundert als eigenständige Kavallerie-Truppengattung neben den Kürassieren. Ab dem späteren 18. Jahrhundert unterteilte man manchmal in schwere und leichte Dragoner, wobei in Großbritannien, Hessen-Kassel und Hannover die leichten Dragoner ähnliche Aufgaben hatten wie die Jäger zu Pferde. Frankreich setzte noch 1809 die Dragoner als Infanterie ein. Diese abgesessenen Dragoner mussten aber ihre Pferde an andere Kavallerieverbände abgeben und waren somit keine echte Reiterei mehr. Meist verwendeten sie Karabiner und Pistolen, dazu Pallasch(schwere) oder Säbel(leichte Dragoner). Die Uniformierung folgte oft dem Vorbild der Infanterie, jedoch mit kavallerietypischen Abweichungen wie z.B. Reitstiefel und - Hosen. Die Dragoner trugen keine Rüstung, doch im 19. Jahrhundert waren Helme weit verbreitet. Die Bezeichnung Dragoner wurde wahrscheinlich nach dem französischen >dragon< benannt, einer Handfeuerwaffe zwischen kleinem Karabiner und Pistole.

Kosaken

Die Kosaken, ursprünglich Wehrbauern in den südrussischen und ukrainischen Steppen, stellten ab dem späten 16. Jahrhundert die größte europäische Kavallerie-Streitmacht dar und galten im 19. Jahrhundert als die effektivste leichte Reiterei. In den Befreiungskriegen stellten Polen und Preußen eigene Kosakenverbände auf, denen jedoch der soziale und kulturelle Hintergrund der "echten" Kosaken fehlte, so dass sie auch nicht mit diesen ernsthaft konkurrieren konnten. Im Zarenreich wurden die Kosaken oft zur Bekämpfung innerer Unruhen eingesetzt und erwarben sich bei organisierten Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung (Pogrome) einen zweifelhaften Ruf. Im russischen Bürgerkrieg kämpften die Kosaken überwiegend auf Seiten der Revolutionsgegner, da sie den Sozialismus als Bedrohung ihrer Privilegien und Lebensart betrachteten. Die Kosakeneinheiten der Roten Armee knüpften militärisch und optisch an die Tradition der zaristischen Kosaken an, ohne dass sie deren gesellschaftlichen Strukturen übernahmen. Im 2. Weltkrieg ließen sich viele ehemalige zaristische Kosaken von Deutschland zur Kollaboration anwerben. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konnte sich bei den Kosaken eine Uniformierung der Kleidung durchsetzen, die dennoch der russischen Nationaltracht (weiter Kaftan und Pluderhosen) verbunden blieb. Im späten 19. Jahrhundert näherte sich die Bekleidung der üblichen Uniformierung. Weite Reithosen und Pelzmützen blieben bis zum Schluß charakteristisch. Neben der Lanze und dem Säbel waren sie seit etwa 1800 häufig auch mit einem Karabiner bewaffnet.

Husaren

2. Weltkrieg Die Husaren waren zuerst ungarische Freischärler, wurden aber seit dem 18. Jahrhundert auch als reguläre Truppen aufgestellt, ohne ihren Charakter als leichte Reiterei für Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben zu verlieren. Die Husarengattung wurde schnell von allen europäischen Großmächten übernommen. Die Uniform orientierte sich an der ungarischen Nationaltracht. Charakteristisch hierfür waren eine Zier-Verschnürung auf der Brust der Uniformjacke und eine über die Schulter gehängte weitere verschnürte Jacke mit Pelzbesatz. Als Kopfbedeckung diente häufig eine flache Pelzmütze oder auch ein Tschako. Die Bewaffnung bestand aus einem gekrümmten Säbel und Pistolen, letztere wurden etwa ab 1800 durch Karabiner ergänzt und letztlich verdrängt. In Deutschland erhielten die Husaren um 1890 wie die gesamte Kavallerie zusätzlich Lanzen.

Chevaulegers

Ende des 15. Jahrhunderts bezeichnete man in Frankreich als Chevaulegers (franz.:"leichte Pferde") diejenigen Lanzenreiter, die leichter gerüstet waren als die anderen Teile der Kavallerie. Von der Mitte des 18. Jahrhundert bis zum Ende des 1. Weltkrieges verwendete man diese Bezeichnung in Teilen des deutschsprachigen Raumes (insbesondere in Bayern und Österreich, nicht jedoch in Preußen) für Reiter, die äußerlich den Dragonern ähnelten, aber wie Husaren eingesetzt wurden. Im napoleonischen Frankreich wurde die Bezeichnung chevauleger für Ulaneneinheiten verwendet. Anfangs besaßen die Chevaulegers einen leichten Pallasch, später einen Säbel und Karabiner. In Bayern erhielten sie um 1890 wie die gesamte Kavallerie zusätzlich Lanzen.

Ulanen

Nach dem Verschwinden der Lanzierer schien die Lanze als militärische Waffe ausgedient zu haben. Trotzdem wurden im 18. Jahrhundert in verschiedenen europäischen Staaten kleine und meist kurzlebige Verbände von leichten Lanzenreitern aufgestellt, z.B. in Frankreich die Volontaires de Saxe. Da die Rekruten hierfür oft aus dem osmanisch beeinflussten Osteuropa stammten, bürgerte sich für sie die Bezeichnung Ulanen (von türkisch "Oglan" = junger Mann) ein. Preußen stellte als erste Großmacht eine reguläre Ulaneneinheit auf, das Regiment Towarczys. In Polen hingegen hatten Lanzenreiter immer den Großteil der Reiterei ausgemacht, und als nach den Teilungen Polens zahlreiche polnische Freiwillige unter den Fahnen der französischen Republik für die Freiheit ihrer Heimat kämpften, nutzte Frankreich deren traditionelles Geschick im Umgang mit der Lanze, um aus ihren Reihen die ersten französischen Ulanenregimenter (chevau-légers lanciers = leichte Lanzenreiter) aufzustellen. Russland und Österreich-Ungarn hatten ihrerseits aus den in den polnischen Teilungen "erbeuteten" Landeskindern Ulanenregimenter rekrutiert. Andere Länder wie Preußen und Großbritannien folgten dem Beispiel und stellten zahlreiche Ulanen-Verbände auf. Die Einstufung dieser Einheiten war unterschiedlich: Österreicher und Russen setzten sie v.a. als leichte Reiterei ein, die Franzosen und Preußen konzentrierten sich mehr auf den Frontalangriff. In Deutschland verordnete Kaiser Wilhelm II um 1890 der gesamten Kavallerie die Lanze, so dass bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges die deutsche Reiterei faktisch aus Ulanen bestand, wenn auch die anderen Kavalleriegattungen ihre angestammten Bezeichnungen und Uniformen behielten. Im Stellungskrieg stellte sich jedoch die Nutzlosigkeit der Lanzen für die moderne Kriegsführung heraus. Lediglich das wiedererstandene Polen gab sie nicht auf und stattete den Großteil seiner Reiterei mit ihr aus. Beim Überfall auf Polen (1939) griffen polnische Ulanen letztmals mit der Lanze an. Die Uniform der Ulanen orientierte sich oft an der polnischen Nationaltracht, insbesondere an der charakteristischen Mütze mit dem viereckigen Oberteil (Tschapka). Auch ein breiter Stoffbesatz auf der Brust (Plastron) der Uniformjacke war typisch für die Ulanen aller Länder. Neben der Lanze, dem Säbel und den Pistolen waren sie seit etwa 1800 häufig auch mit einem Karabiner bewaffnet.

Jäger zu Pferde

Die Jäger zu Pferde traten Ende des 18. Jahrhunderts in Erscheinung, als einige europäische Staaten (insbesondere Frankreich) den Bedarf nach einer regulären leichten Reiterei erkannten, jedoch die Kosten für die Aufstellung aufwändig uniformierter Husareneinheiten scheuten. Wie diese dienten sie primär für Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben, wurden aber auch zunehmend als Schlachtenkavallerie eingesetzt. Erst ab 1901 stellte man in Preußen Jäger zu Pferde auf. Die Uniform orientierte sich oft an der der Husaren, war aber in der Regel weniger aufwändig. Nur im Deutschen Reich ähnelte die Uniformierung der der Kürassiere. Die Bewaffung bestand aus einem gekrümmten Säbel und Karabiner. In Preußen führten die Jäger zu Pferde zusätzlich Lanzen.

Moderne Kavallerie

Nachdem die Wirkung von moderner Artillerie sowie von Mehrlader- und Maschinengewehren den Einsatz der Kavallerie in ihrer klassischen Rolle unmöglich machten, wurden Kavalleristen wieder zunehmend in der Rolle der ursprünglichen Dragoner, nämlich als berittene und damit sehr mobile Infanterie eingesetzt. Bereits im amerikanischen Bürgerkrieg hatte die Unionskavallerie überwiegend in dieser Rolle gekämpft, und so überlebte die Kavallerie mit dieser Aufgabe auch den Ersten Weltkrieg. Mit dem Aufkommen zuverlässiger geländegängiger Kraftfahrzeuge jedoch wurde das Pferd als Fortbewegungsmittel zunehmend überflüssig, auch wenn man aus Materialmangel oder aus Traditionsbewusstsein noch bis in den zweiten Weltkrieg hinein auf Pferde zurückgriff. Die Individualbewaffnung der Soldaten umfasste zunehmend auch automatische Waffen, selbst wenn daneben wie bei den Kosaken noch Blankwaffen verwendet wurden. Nach 1945 wurden Kavallerieeinheiten nur mehr in wenigen Staaten für den Felddienst verwendet, insbesondere für den Einsatz in mit Kraftfahrzeugen unzugänglichem Gebiet (z.B. in der Sowjetunion und in der Schweiz). Ab Anfang der 70er Jahre verschwanden auch die letzten Pferde aus dem Militäralltag; nur mehr wenige Staaten (z. B. Großbritannien, Argentinien, Frankreich und Schweden) unterhalten für Repräsentationszwecke zahlenmäßig kleine Kavalleriekontingente. Zudem existieren in einigen Staaten (u.a. in den deutschsprachigen Gebieten) noch Gebirgstragtiereinheiten, in der Schweiz als Train bezeichnet, deren Tiere (in der Bundeswehr Haflinger und Maultiere, in der Schweiz Freiberger Pferde) sowohl für die Nachschubversorgung als auch für den berittenen Patrouillendienst in unwegsamem Gelände Verwendung finden.

Literatur


- Günter Dorn, Joachim Engelmann: Die Kavallerie-Regimenter Friedrich des Großen 1756-1763, Nebel Verlag, 2000, ISBN 3-8955-5301-8
- Friedrich Engels: Kavallerie in Karl Marx/Friedrich Engels - Werke, Dietz Verlag, Berlin. Band 14, 1961, Berlin/DDR. S. 286-314.
- Karlheinz Gless: Das Pferd im Militärwesen, Berlin, Militärverlag der DDR, 1980
- Dietmar Kügler: Die U.S.-Kavallerie Legende und Wirklichkeit einer militärischen Eliteeinheit, Motorbuch Verlag, 1979, ISBN 3-8794-3626-6
- Georg Nagyrevi v. Neppel: Husaren in der Weltgeschichte, Wiesbaden, Verlag Emil Vollmer, 1975
- Janusz Piekalkiewicz: Pferd und Reiter im Zweiten Weltkrieg, Herbig 1998, ISBN 3-7766-1756X
- Klaus Christian Richter: Kavallerie der Wehrmacht, Nebel Verlag, 2000, ISBN 3-8955-53107
- Klaus Christian Richter: Geschichte der deutschen Kavallerie 1919-1945, Augsburg, Weltbild Verlag, 1994
- Herve de Weck: Illustrierte Geschichte der Kavallerie, Stuttgart, Verlag Huber Frauenfeld, 1982, ISBN 3-7193-0762X

Weblinks


- [http://www.preussenweb.de/kavallerie2.htm www.preussenweb.de] - Umfangreiche Informationen zur Kavallerie der preußischen Armee
- [http://www.deutsche-kavallerie.de www.deutsche-kavallerie.de] - Informationen über Kavallerie in Reichswehr und Wehrmacht
- [http://www.mlwerke.de/me/me14/me14_286.htm www.Marx-Engels-Werke.de] - Friedrich Engels Kavallerie
- [http://www.deutschesheer.de/__c1256b6c002d670c.nsf/vwContentByKey/N25RAKBX607GJBSDE?OpenDocument&Click= Einsatz- und Ausbildungszentrum für Gebirgstragtierwesen 230 der Bundeswehr] Kategorie:Truppengattung Kategorie:Pferd ja:騎兵 ko:기병



Taus

Domažlice (deutsch Taus) ist eine Stadt in der westböhmischen Plzeňský kraj mit ca. 11 000 Einwohnern. Domažlice ist erstmals 1231 als Dorf belegt. An seiner Stelle ließ Přemysl Ottokar II. 1262 - 1265 eine befestigte Stadt errichten, deren Aufgabe es sein sollte, die Grenze nach Bayern zu schützen. Als Grenzwächter wurden die Choden eingesetzt, freie Bauern, die in der Umgebung von Domažlice siedelten. 1331 wurde die Stadt an Bayern verpfändet, diese Pfändung dauerte mit Unterbrechungen bis 1419. Unter den Hussiten wurde das deutsche Patriziat aus der Stadt vertrieben, die seither eine deutliche tschechische Mehrheit hat. 1431 schlug der hussitische Heerführer Prokop der Kahle bei Domažlice die Kreuzritter. Im 15. und 16. Jahrhundert wechselte die Stadt häufig den Besitzer, nach dem Dreißigjährigen Krieg sank ihre Bedeutung immer stärker. Erst ab 1770 blühte sie wieder auf, vor allem durch die Ansiedlung von Textilindustrie. Im 19. Jahrhundert war Domažlice ein Zentrum der tschechischen Nationalen Wiedergeburt. Am 13. August 1938 fand hier eine Wallfahrt statt, die sich zu einer großen Protestdemonstration gegen die deutsche Besetzung entwickelte. Am Sonntag 17. Juli 2005 berichtet die tschechische Zeitung »Mlada fronta Dnes« dass ein Massengrab mit 54 ermordeten deutschen Kriegsgefangenen in der Nähe der Stadt gefunden wurde. Deutsche Experten wollen jetzt die Soldaten identifizieren.

Städtepartnerschaften


- Furth im Wald
- Furth bei Göttweig
- Ludres

Weblinks


- [http://web.quick.cz/chodsko1/taus/ Geschichte]
- [http://web.quick.cz/chodsko1/spacir.htm Bilder] Kategorie:Ort in Tschechien

1431

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- 21. Februar: Der Prozess gegen Johanna von Orleans beginnt
- 3. März: Eugen IV. wird Papst
- 25. Juni: Beginn des Konzils von Basel
- Das Thai-Königreich Ayutthaya erobert Angkor und beendet die Vormachtstellung der Khmer in Südostasien
- Italienzug Sigismunds und Krönung zum König von Italien
- Konzil von Basel

Geboren


- 7. Dezember: Vlad III. Drăculea, Herrscher der Walachei bekannt durch Bram Stokers Dracula († 1476)
- 1. Januar: Alexander VI., Papst von 1492 bis 1503 († 1503)
- 26. Oktober: Ercole I. d'Este, Herzog von Ferrara, Modena und Reggio († 1505)

Gestorben


- 20. Februar: Martin V., Papst (
- 1368)
- 30. Mai: Jeanne d'Arc („Jungfrau von Orléans“), französische Nationalheldin (
- 1412)
- 1. November: Nuno Álvares Pereira, portugiesischer Heerführer und Karmelit (
- 1360) ko:1431년 simple:1431

Kompaniefeldwebel

Der Kompaniefeldwebel (KpFw) oder Vorgesetzte in vergleichbarer Dienststellung, auch Spieß genannt, ist der wichtigste Unteroffizier in der militärischen Einheit. Er ist zuständig für den Innendienst der Einheit und unmittelbarer Vorgesetzter (§ 1 VorgesV) gegenüber allen Soldaten seiner Teileinheit (Innendienst). Er ist Vorgesetzter mit besonderem Aufgabenbereich (§ 3 VorgesV) aller Unteroffiziere seiner Einheit und unterstützt den Kompaniechef in vielen Bereichen (Personal, Innere Führung). Der Dienstgrad des KpFw ist Hauptfeldwebel und höher, sein Dienststellungsabzeichen ist eine gelbe Schnur über der rechten Schulter, jedoch nur bei Heer und Luftwaffe. Nur in bestimmten Situationen, wie zum Beispiel einer Übung im Feld, trägt der KpFw bei der Marine die gelbe Schnur. Bei den verschiedenen Teilstreitkräften und Truppengattungen heißt der Spieß auch: #Batteriefeldwebel (Artillerie, Heeresflugabwehr) #Inspektionsfeldwebel (Schulen) #Staffelfeldwebel (Fliegende Truppenteile) #Wachtmeister (An Bord von Schiffen der Marine)

Geschichte

Einen "ersten Unteroffizier" in der militärischen Einheit kennt man schon seit der Landsknechtszeit. Mit der Herausbildung eines festen Dienstgradsystems (18. Jh.) erhielt der Spieß, dessen Bezeichnung von einer von ihm getragenen Seitenwaffe herrühren soll, den Rang "Feldwe(i)bel". Die Aufgaben waren bis zum Ersten Weltkrieg vor allem strenge Dienstaufsicht und Kontrolle der Mannschaften. Erst in der Reichswehr änderte sich das Anforderungsprofil des Spießes. Er erhielt nun auch Aufgaben die unter dem Begriff Förderung der militärischen Kameradschaft subsumiert werden können. Die Wehrmacht baute darauf auf, wobei administrative Aufgaben nach wie vor im Vordergrund standen - von der Postversorgung der Soldaten bis zu Personalangelegenheiten und Verpflegungsorganisation ging der Zuständigkeitsbereich. Aber auch als Zugführer mußte der Spieß ausgebildet sein. Die Nationale Volksarmee der DDR kannte nur den militärischen Part des Berufsbildes, wohingegen in der Bundeswehr das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform besonders betont wird. Kategorie:Wehrrecht Kategorie:Bundeswehr Kategorie:NVA Kategorie:Bundesheer Kategorie:Wehrmacht

Militär

Als Streitkräfte oder Militär (von frz. militaire, was auf das lat. militaris (den Kriegsdienst betreffend) zurückgeht, das wiederum von lat. miles (Soldat) kommt) bezeichnet man die bewaffneten Verbände eines Staates oder eines Bündnisses, die dieser zur Verteidigung gegen einen Angriff von außen, oder eben um einen solchen Angriff nach außen zu führen, aufstellt. Meist haben sie aber auch den Auftrag zur Gewährleistung der inneren Sicherheit eines Staates. Zweck des Militärs ist nicht ausschließlich die Führung von Kriegen, sondern heute zunehmend die Führung von multinationalen Operationen zur Friedenssicherung und -erhaltung wie beispielsweise in Afghanistan oder Bosnien. Wobei in Afghanistan der Frieden durch die Amerikaner ursprünglich erzwungen wurde. Heute wird das Militär in die drei Teilstreitkräfte Landstreitkräfte (Heer), Seestreitkräfte (Marine) und Luftstreitkräfte (Luftwaffe) unterteilt. Manche Nationen ergänzen ihre Streitkäfte durch weitere Teilstreitkräfte. Die deutsche Bundeswehr, die neben den drei genannten noch den Zentralen Sanitätsdienst und die Streitkräftebasis ausweist, bezeichnet diese jedoch als Organisationsbereich. Diese sind damit wie die Nationalgarde in den USA ausdrücklich keine eigenen Teilstreitkräfte. In demokratisch organisierten Gesellschaften wird heute zwischen der Rolle des Militärs und der der innerstaatlichen Sicherheitskräfte (Polizei) unterschieden. Dagegen sind in vielen Diktaturen diese beiden Funktionen vermischt, und das Militär übernimmt innenpolitische Aufgaben (oft mit dem Ziel der Repression). Ausdruck für diesen Dualismus ist die Miliz, die für Militär und Polizei steht (der Begriff steht auch für Miliz (Volksheer), dem Gegenteil einer Berufsarmee). Ein anderer Ausdruck hierfür ist auch Gendarmerie. Gendarmen sind ebenfalls häufig Teil der Streitkräfte wie in Frankreich oder unterstanden historisch einmal dem Verteidigungsresort wie die frühere Bundesgendarmerie in Österreich. Verfassungsrechtliche und verwaltungsrechtliche Normen stellen dabei sicher, dass solche Einheiten im Frieden dem Innen- bzw. dem Justizresort unterstehen. Militärische Organisationen zeichnen sich durch eine