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Stahlkappenstiefel

Stahlkappenstiefel

Sicherheitsstiefel umgangssprachlich auch Stahlkappenstiefel, sind primär Schuhe oder Stiefel als Schutzkleidung. Eingesetzt werden diese im Bauwesen sowie im Garten- und Landschaftsbau, bei der Feuerwehr, im Rettungsdienst und sogar Köche müssen diese tragen. Sie sind mit einer eingenähten Stahlkappe ausgestattet, die die Zehen schützen soll. Das Obermaterial ist in der Regel aus Leder und die Schuhsohle aus Gummi.

Kategorie und Schutzwirkung

Insgesamt gibt es nach GUV-R 191 drei genormete Kategorien: SB - Grundanforderungen S1 - u.a. geschlossener Fersenbereich S2 - S1 zusätzlich Wasserdicht S3 - S2 zusätzlich Durchtrittsicher S4 - SB zusätzlich Energieaufnahme im Fersenbereich S5 - S4 zusätzlich Durchtrittsicher Die Stiefel sind in der Regel knöchelhoch. In die Stiefelspitze ist eine Stahlkappe eingelassen, die den Zehenbereich schützt. Über die Stahlkappe ist eine Gummikappe gezogen, so daß das Leder in diesem Bereich nicht verschleißen kann. Die Sohle besteht aus Isoliergummi, um den Träger vor Stromschlägen zu schützen.

Mode

Seit den 1970ern sind sie als Stahlkappenstiefel als Modeartikel beliebt geworden. Dieser Trend stammt aus der Skinheadszene, deren Angehörige begannen, schwere Stiefel (sog. Steelies) auch außerhalb der Arbeitszeit zu tragen, um ihre behauptete oder tatsächliche Herkunft aus der englischen Arbeiterklasse äußerlich zu betonen. Diese Mode wurde auch in anderen Jugendkulturen populär, z. B. in der Punk-, Heavy Metal- und Gothicszene sowie in der BDSM-Kultur. Ein weiterer Aspekt, der die Popularität von Stahlkappenstiefeln als Freizeitschuhwerk mitbestimmte, ist die Einsetzbarkeit der Stahlkappen in körperlichen Auseinandersetzungen - oder auch nur die Suche nach einem „harten“ Image. Tatsächlich waren Stahlkappenstiefel zeitweise in englischen Stadien als Waffen verboten. Neben den „original“ Doc Martens-Stiefeln existieren eine Reihe von Herstellern, die so genannte Rangers herstellen, also Stahlkappenstiefel mit geschraubter Sohle, die Armee-Kampfstiefeln stark ähneln. Eine breite Palette von Farben und Formen ist erhältlich, auch solche mit diversen Schnallen oder Ketten, vom knöchelhohen Straßenschuh bis zum über das Knie reichenden Stiefel.

Normen

DIN EN 344-347 (Spez. Sicherheitsschue, Schutzschuhe, Berufsschuhe) DIN EN 12 568 (Prüfverfahren) DIN 4843 (Gebrauchseigenschaften) DIN VDE 0680 (Körperschutzmittel im Niederspannungsbereich) Kategorie:Fußbekleidung Kategorie:Schutzkleidung Kategorie:Rettungsdienst

Stiefel

Der Stiefel (Synonym: Boot, vom englischen Wort für Stiefel) ist eine Schuhgrundform und stellt insofern eine Art der Fußbekleidung dar. Gegenüber dem nur bis zur Fußbeuge reichenden Halbschuh, ist ein Stiefel ein Schuh, dessen Schaft (fachsprachlich für das Oberteil des Schuhs, in Abgrenzung zum Schuhboden) bis mindestens über den Knöchel reicht. Der Stiefelschaft wird nochmals grob untergliedert in den Fußteil und das sich daran anschließende, nach oben reichende Rohr (allgemeinsprachlich "Schaft" genannt).

technische Definition und Abgrenzung

Im technischen Sinn werden Schuhe mit einer maximalen Schafthöhe (gemessen am hinteren Rand zwischen der Absatzoberkante und der Schaftabschlusskante) von 80% der betreffenden Schuhlänge und einer minimalen Schafthöhe, die bis über den Knöchel reicht, als Stiefel oder Boots bezeichnet. Handelt es sich um einen knöchelhohen Stiefel (Schnürstiefel, Schlupfstiefel mit Elastikeinsatz oder mit einem Reißverschluss) spricht man auch von einer Stiefelette. Die Machart (= herstellungsbedingte Konstruktionsweise der Verbindung von Schaft und Sohle), unterschiedliche Sohlen und Absatzhöhen sind dabei unerheblich. Im engeren Sinn bezeichnet man mit einer Stiefelette einen eleganten Stiefel, welcher durch einen Elastikeinsatz seitlich im Schaft den Einschlupf erleichtert und den Stiefel am Fuß festhält.

Kategorisierung

Stiefel können nach verschiedenen Kriterien unterschieden werden:
- Schaftlänge (Stiefel/Boots und Stiefeletten, Halbschaftstiefel, Langschaftstiefel, Überkniestiefel)
- Verwendungszweck (zum Beispiel Motorradstiefel, Reitstiefel, Schlittschuhstiefel, Jagdstiefel, Skistiefel, Wanderstiefel etc.)
- Schnittform des Schafts (zum Beispiel Kropfschnitt, Seitenteilschnitt usw.)
- Material (zum Beispiel Gummistiefel, Lederstiefel, Holzstiefel, Filzstiefel usw.)

Modelle

Damen- und Herrenmodelle unterscheiden sich oft nur durch die Leistenform und Absatzhöhe. Im 19. Jahrhundert gab es sehr viele Stiefelmodelle (Hessenstiefel, Wellingtonstiefel, Bottine, Jakobinerstiefel usw.), die sich aber größtenteils überlebt haben. Heute werden weniger, anhand des Schaftschnitts sich voneinander unterscheidende, Modelle differenziert. Im klassischen Herrenschuhbereich sind folgende überknöchelhohen Modelle (mit meist eher kurzem Schaft) seit Jahrzehnten unverändert anzutreffen: Chelsea-Boot (mit seitlichem elastischen Gummibandeinsatz), Jodhpur-Stiefel (mit einem um das Gelenk herumreichenden Riemen mit Dornschnalle), George-Boot und Chukka-Boot (beides Schnürschuhe, der George-Boot reicht etwas höher), Ringsbesatzstiefel oder auch Balmoral genannt (mit so genannter geschlossener Schnürung und auffälligem Schaftschnitt) und der Derby-Boot (sportlicher Boot mit so genannter offener Schnürung). Ferner sind die im engeren Sinne weniger klassischen Modelle zu erwähnen, welche heute häufig vorkommen: Der Engineer-Stiefel (eher hoher Schaft bis Mitte Wade oder seltener bis zum Knie, vornre meist rund mit Halteriemen ums Rist), der Westernstiefel (vorne spitzig, meist mit aufgenähten Verzierungen und allermeistens bis Mitte Wade reichend) und der typische Motorradstiefel meist mit einem seitlichen Ring zum Knöchelschutz. Der heute wieder zunehmend häufige hohe Schaft-Modestiefel für Herren leitet sich oft vom klassischen Reitstiefel ab. Er ist in der Schafthöhe variabel, gelegentlich fast kniehoch und kann einen seitlichen Reissverschluss haben. Balmoral

Historisches und die heutige Bedeutung

Die ältesten Zeugnisse von Stiefeln sind auf den Wandmalereien (15.000 - 13.000 v. Chr.) in der spanischen Alta Mira Höhle zu sehen. Darauf sind Jäger mit Stiefeln an den Füßen dargestellt. Der Stiefel diente also einem erweiterten Schutz, weil er zugleich das Bein (Unterschenkel) und den Fußes umgab. Auch in den späteren Zeiten war das die vornehmliche Aufgabe des Stiefels: der auf das Bein ausgeweitete Schutz. Insofern finden sich Stiefel bei Soldaten (Knobelbecher, Kampfstiefel, Fallschirmspringerstiefel) und Wanderern, Bergsteigern, Jägern und als Fußbekleidung bestimmter Sportarten (Skistiefel), wie auch als Sicherheitsstiefel im beruflichen Einsatz (Feuerwehrleute, Waldarbeiter). Neben den modebedingten Stiefeln finden sich Stiefel also auch als eine an bestimmte Aufgaben gebundene Fußbekleidung. So wird beispielsweise zum Reiten der Reitstiefel und zum Autowaschen oder dergleichen der Gummistiefel getragen. Nachdem der Stiefel als alltägliche Fussbekleidung gegen Ende des letzten Jahrhunderts zu einer eher seltenen Erscheinung geworden war, wurde er inzwischen von der Modewelt wiederentdeckt. Auch Herrenstiefel mit langem Schaft werden wieder vermehrt und teilweise auch zum feinen Anzug getragen, dabei gibt es inzwischen wieder eine breite Modellauswahl. Bei den Western- und Rangerstiefeln aus Amerika respektive Mexiko und Spanien hat es seit jeher eine grosse Vielfalt gegeben. Die Hosen werden momantan meistens über den Stiefeln getragen, nur gelegentlich auch in den Schaft gesteckt.

Besonderheiten

Je nach Stiefelmodell weisen Stiefeln gegenüber Halbschuhen einige Besonderheiten auf. Ein Stiefel muss, um eine gute Passform zu haben und somit auch ein komfortables Gehen zu ermöglichen, dicht an dem Fußrist anliegen, und folglich entsprechend eng an dieser Stelle sein. Stiefel ohne Schnür-, Reiß- oder Riemenverschluss (so genannte Schlupfstiefel) und gleichzeitig hohem Stiefelrohr lassen sich aber nur dann problemlos An- und Ausziehen, wenn an dieser Stelle eine ausreichende Weite gegeben ist, so dass der Fuß um die Biegung schlüpfen kann. Oder, wie es häufig bei Damenstiefeln der Fall ist, der Schaft aus einem dünnen und damit relativ dehnfähigem Material besteht. Soll also ein bequemer Einschlupf gewährleistet sein, liegt der Schaft nicht mehr dicht an der Fußbeuge an, so dass der Fuß beim Gehen hochlupft. Um dies zu verhindern, wird der Fuß mit einem Marschriemen (ein mit einer Dornschließe in der Länge verstellbare Riemen, der im Schuhboden befestigt sind und quer über den Rist verläuft) fest in den Fersenbereich des Stiefels gezogen. Da Stiefel aus besagten Gründen auch schwierig anzuziehen sind, haben viele Modelle so genannteZugschlaufen in den oberen inneren Schaftrand eingenäht. Mit den Fingern an diesen Gewebebandschlaufen gezogen bei gleichzeitigem Druck des Fußes in den Stiefel, geht das Anziehen einfacher von statten. Um diese Prozedur zu erleichtern, gibt es so genannte Stiefelanziehhaken: Ihr rechtwinklig abgebogenes Hakenteil wird in die Zugschlaufe eingeführt und an dem am anderen Ende befindlichen Holzgriffstück wird bequem mit der ganzen Hand gezogen. Um das Ausziehen des Stiefels zu erleichtern wird ein so genannter Stiefelknecht verwendet. Der Name geht auf einen Bediensteten zurück, dessen Aufgabe es früher war, dem Stiefelträger beim Ausziehen der Stiefel behilflich zu sein. Heute handelt es sich um ein Holzbrett, welches schräg aufgestellt und an einem Ende U-förmig ausgeschnitten, die Möglichkeit bietet, die Stiefelferse dort einzuführen und dann durch Gegendruck mit dem anderen Fuß auf das Brett bei gleichzeitigem Zug des Fußes mit dem auszuziehenden Stiefel, diesen vom Fuß zu streifen. Überknöchelhohe Schnürstiefel, wie es sie als klassische Herrenschuhen gibt, zeigen im unteren Bereich der Schnürung Ösen und - für ein leichteres An- und Ausziehen - im oberen Bereich Haken (Agraffen); so auch der eingangs abgebildetet Derbyboot.

Einfluss auf die Sprache

Zumindest in der englischen Sprache sind viele Worte aus dem Alltag dem Wort für Stiefel entsprungen. In diese Kategorie fallen z.B. Schöpfungen wie Bootstrap-Loader, Bootleg, ...

Literatur


- Valerie Steele: Schuhe, duMont Verlag, Köln, 1999, ISBN 3-7701-8523-4 (Original: Shoes - A Lexicon of Style, Co. & Bear Productions (UK) Ltd., 1998). : Die Autorin widmet dem weiblichen Stiefel ("gestiefelte Amazonen") ein eigenes Kapitel von rund 30 Seiten (insgesamt 192 S.)
- Helge Sternke: Alles über Herrenschuhe. Nicolai Verlag, Berlin, 2005, 550 S., 450 Abb., ISBN 3-89479-252-3. : Der Autor beschäftigt sich vor allem mit der Passformproblematik von Stiefeln und gibt Tipps zum Kauf von Stiefeln. Ansonsten ein umfassendes Werk, welche alle Aspekte rund um den Schuh behandelt.

Siehe auch:

Balmoral, Chelsea-Boot, George-Boot, Jodhpur-Stiefel, Kamerad Schnürschuh, Schuhe, Stiefelknecht,

Weblinks

Kategorie:Fußbekleidung ja:ブーツ simple:Boot

Bauwesen

Als Bauwesen bezeichnet man
- das Fachgebiet, das sich mit Bauprozessen und Bauwerken beschäftigt.
- die Bauwirtschaft, also die Wirtschafts-Branche, die Planungs und Bauleistungen aller Art erbringt. Während die Architektur sich zunächst mit den gestalterischen und kulturellen Aspekten des Bauens beschäftigt, dreht sich beim Bauwesen dann alles um die konkrete Realisierung von Bauwerken und Gebäuden. Eine generelle Trennung in Teilbereiche ist die Unterscheidung von Hochbau und Tiefbau.

Siehe auch


- Portal:Architektur und Bauwesen
- Architektur, Bauingenieurwesen
- Gewerk
- Bauwerk, Gebäude
- Verkehrsbauwesen
- Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Literatur


- Bauen in der Schweiz, ISBN 3-7643-7058-0 (Das Buch bietet einen Überblick über die Arbeit von Architekten und Ingenieuren in der Schweiz.)

Weblinks


- [http://www.fh-kl.de/kaiserslautern/bi/ Fachbereich Bauingenieurwesen] - An der Fachhochschule Kaiserslautern
- [http://www.bauwesen.uni-dortmund.de/ Fachbereich Bauwesen] - an der Uni Dortmund
- [http://www.baunetz.de BauNetz] - Bekanntestes deutsches Bau- und Architekturportal
- [http://planet.baublog.de planet.baublog.de] - RSS-Aggregator für News und Blogs im Bauwesen !

Feuerwehr

Notrufnummern Arten :Freiwillige Feuerwehr :Jugendfeuerwehr :Berufsfeuerwehr :Pflichtfeuerwehr :Betriebsfeuerwehr :Werkfeuerwehr :Militärische Feuerwehr :Flughafenfeuerwehr :
Flughafenfeuerwehr]] Statistik ;Gesamtanzahl Feuerwehren :Deutschland 25.513 :Luxemburg 211 :Österreich 4.876 :Schweiz 2.500 :Südtirol 305 :Liechtenstein 10 ;Gesamtanzahl Aktive :Deutschland 1.383.730 :Österreich 247.227 :Schweiz 125.000 :Südtirol 12.500 :Liechtenstein (Stand 2001) ;Gesamtzahl der Brände und Brandeinsätze :Deutschland 750.000 - 200.000 Einsätze (Stand 2003)
Hier finden Sie allgemein gültige Informationen zur Feuerwehr. Spezielle Informationen zu bestimmten Feuerwehren finden Sie in den jeweiligen Länderseiten. ---- Die Feuerwehr ist eine Hilfsorganisation, deren Aufgabe es ist, dem Einzelnen und der Allgemeinheit im Notfall und bei öffentlichen Notständen Hilfe zu leisten, Menschen zu retten, Tiere und Sachwerte zu bergen oder vor Schaden zu schützen, Brände zu bekämpfen und technische Hilfe zu leisten. Da sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Brände stark zurückentwickelt hat, übernimmt die Feuerwehr zunehmend Aufgaben, die über die traditionelle Brandbekämpfung hinausgehen, wie zum Beispiel Rettungseinsätze. Die Art der neu übernommenen Aufgaben und die Strukturen der Feuerwehren sind regional sehr unterschiedlich.

Organisationsformen

Eine Feuerwehr kann sein:
- eine Einrichtung der Kommune (Körperschaft des öffentlichen Rechtes).
- eine betriebliche Einrichtung (Werk- und Betriebsfeuerwehr).
- ein privates Unternehmen, das im Auftrag der Kommune oder des Betriebes die Aufgaben einer Feuerwehr wahrnimmt (beispielsweise Falck in Dänemark).

Gründe für Unterschiede in der Welt

Dänemark Der Aufbau einer Feuerwehr ist von den ihr gesetzlich übertragenen Aufgaben abhängig. Neben dem abwehrenden Brandschutz kann die Feuerwehr auch zuständig sein für den vorbeugenden Brandschutz, die technische und allgemeine Hilfeleistung, den Rettungsdienst, sowie den Umweltschutz und den Katastrophenschutz. Für die unterschiedlichen möglichen Einsatzarten muss die Feuerwehr entsprechend ausgestattet sein. Dies macht insbesondere eine Auswahl und Anpassung der Technik bezüglich der Topographie (z.B. Seen, Gebirge, Waldflächen) und der Bebauung (z.B. Hochhäuser, Gewerbegebiete) notwendig. Die Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr ist abhängig von der von ihr verwendeten Technik und vom Ausbildungsstand des Personals. Gerade Feuerwehren in Entwicklungsländern können ihre Aufgaben auf Grund fehlender Geldmittel oftmals nicht flächendeckend und nicht optimal erfüllen. Abhängig von der Bevölkerungsstruktur und -dichte sind auch die Strukturen der Feuerwehrorganisationen. Sind es im deutschsprachigen Raum die freiwilligen Feuerwehren, die den flächenmäßig größten Teil des Brandschutzes abdecken, haben andere Länder auf Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichem Personal gesetzt. Wieder andere setzen auf den Brandschutz durch militärische Strukturen. Hauptartikel:
- Feuerwehr in Deutschland
- Feuerwehr in Luxemburg
- Feuerwehr in Lettland
- Feuerwehr in Österreich
- Feuerwehr in der Schweiz
- Feuerwehr in Südtirol Feuerwehr in Südtirol

Aufgaben

Die Aufgabe der Feuerwehren ist die Gefahrenabwehr, der Auftrag wird in den Gesetzen der jeweiligen Staaten geregelt. International weit verbreitet, sind ihre Aufgaben in den vier Worten Retten, Löschen, Bergen und Schützen als Leitbild enthalten. In Deutschland sind die Aufgaben: Abwehrender Brandschutz, Vorbeugender Brandschutz und Technische Hilfeleistung. Nachfolgend werden Aufgaben, die für einen Großteil der Feuerwehren grundlegend sind, beschrieben.

Retten

Retten ist die Abwendung einer Lebensgefahr von Menschen durch Sofortmaßnahmen (Erste Hilfe), die der Erhaltung oder Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf oder Herztätigkeit dienen und/oder Befreien aus einer Zwangslage durch technische Rettungsmaßnahmen. Tätigkeitsfelder hierfür sind z.B. Feuer, Überschwemmungen oder Verkehrsunfälle.

Löschen

Verkehrsunfälle Das Löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr. Bei diesem so genannten abwehrenden Brandschutz werden unterschiedlichste Brände mit Hilfe der technischen Feuerwehrausrüstung bekämpft. Im Laufe der Zeit ist jedoch die Zahl der Brandbekämpfungen weltweit zurückgegangen. Aufgrund der zunehmenden Aufgabenvielfalt der Feuerwehr nehmen die Technischen Hilfeleistungen stark zu und die Feuerwehr entwickelt sich zur Hilfeleistungsorganisation.

Bergen

bekämpft Die Feuerwehr kann weiterhin für das Bergen von Sachgütern, Tieren oder Toten, zum Beispiel bei Hochwasser, technischen Hilfeleistungen wie das Auspumpen von Kellern, Hilfe bei Verkehrsunfällen und Unwettern verantwortlich sein.

Schützen

Zum vorbeugenden Brandschutz kann die Bereitstellung von Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen und die Kontrolle von Hydranten und Löscheinrichtungen gehören. Der vorbeugende Brandschutz ist eine wichtige Einrichtung, um Brände im Vorfeld zu vermeiden und die Bevölkerung schon im Kindesalter auf Gefahren aufmerksam zu machen und das richtige Verhalten in Notsituationen aufzuzeigen. So wird Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen durchgeführt. Besonders in Industrienationen wird dem Betriebsbrandschutz immer mehr Augenmerk geschenkt, sei es durch eigene betriebliche oder auch durch öffentliche Feuerwehren. Grundschule Darüber hinaus wird die Feuerwehr im Rahmen behördlicher Baugenehmigungsverfahren größerer Bauvorhaben häufig hinzugezogen und um Stellungnahme gebeten (Stellungnahmeersuchen). Außerdem kann die Feuerwehr aktiven Umweltschutz betreiben, wie die Eindämmung von Ölunfällen, Beseitigung von Ölspuren auf Straßen und Eindämmung chemischer, biologischer und atomarer Gefahren (siehe Gefahrgut). Auch bei der Erstellung von Alarmplänen oder bei verschiedenen Genehmigungsverfahren kann es nötig sein, die Feuerwehr heranzuziehen. Weiterhin bringt die Feuerwehr bei der Erstellung von Standards in verschiedenen Fachgebieten ihre Erfahrung und Verbesserungsvorschläge ein.

Allgemein

Um einem alten Vorurteil gegenüber der Feuerwehr, das besagt Was das Feuer nicht kaputt machte, erledigte das Löschwasser entgegenzuwirken, musste auch die Feuerwehr ihre Arbeitsweise bei allen Einsatzarten ändern, um professioneller zu arbeiten. Es muss bei jeder Art von Einsätzen darauf geachtet werden, dass nicht nur die unmittelbare Gefahr gebannt wird, sondern auch die Folgeschäden (u. a. verursacht durch Rauch und Löschwasser), die oft wesentlich die Primärschäden übersteigen, möglichst gering zu halten. Dadurch wirkt ein Einsatz oft wesentlich unspektakulärer als früher, weil nicht mehr nur die Geschwindigkeit sondern auch ein überlegtes, manchmal langsamer erscheinendes Handeln zählt.

Geschichte

Standard]] Standard] Bereits die alten Ägypter hatten die ersten organisierten Feuerlöscheinheiten. Im Römischen Reich entstanden Millionenstädte wie Rom. Die Häuser waren meist mehrstöckig und standen sehr eng beieinander, auch die Gassen waren sehr eng. Vielfach wurden hölzerne An- und Vorbauten an den Häusern errichtet. Etliche Male vernichteten Feuersbrünste ganze Stadtteile von Rom. Im Jahr 21 v. Chr. wurde eine erste Feuerwehr mit 600 Sklaven gegründet. Siehe auch: Feuerwehren im Römischen Reich Schon im Mittelalter waren die Gemeinden verpflichtet, den Brandschutz aufzubauen. So wurden zuerst die Innungen und Zünfte dazu verpflichtet im Notfall einzugreifen. Da sehr viele Gebäude Fachwerkbauten aus Holz waren und oft innerhalb der Stadtmauern auf engstem Raum errichtet wurden, kamen Großbrände, bei denen ganze Stadtviertel abbrannten, sehr oft vor. Es wurden auch erstmals Feuerknechte in den Feuerlöschverordnungen verankert, so dass von den ersten Berufsfeuerwehren gesprochen werden kann, wie zum Beispiel in Wien 1685. Die feuerwehrtechnische Ausrüstung war in der vorindustriellen Zeit auf einfache Hilfsmittel wie Eimer, Leitern oder Einreißhaken beschränkt. Im 17. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus genähtem Leder angefertigt wurde; später wurde das Leder vernietet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch Handpumpen, sogenannte Feuerspritzen verwendet, die von Pferden oder der Löschmannschaft an die Einsatzstelle gezogen wurden. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors verbesserte sich auch die Ausrüstung der Feuerwehren erheblich: Motorspritzen und selbstfahrende Feuerwehrfahrzeuge erhöhten die Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches. In den USA wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten, privatwirtschaftlich organisierten, Berufsfeuerwehren gegründet. Teilweise wurden nur Häuser, die die Plakette eines solchen Unternehmens trugen, gelöscht. Hauptartikel: Geschichte der Feuerwehr und Feuerwehren im Römischen Reich

Ausrüstung

Feuerwehren im Römischen Reich] Feuerwehren im Römischen Reich] Zur Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben verfügt die Feuerwehr in der Neuzeit über eine Vielzahl von technischem Gerät, dies umfasst neben den Feuerwehrfahrzeugen auch deren Beladung und die persönliche Ausrüstung eines jeden Feuerwehrmannes, die in einer so genannten Feuerwache untergebracht sind. Darüber hinaus kommen bei der Feuerwehr auch Kommunikationssysteme, wie das BOS-Funksystem und Technik zur Alarmierung der Feuerwehrangehörigen zum Einsatz. In manchen Ländern gehören auch Rettungshunde zur Feuerwehr. Sie werden hauptsächlich im Katastrophenhilfsdienst nach Erdbeben oder anderen Katastrophen, aber auch bei der Suche nach einzelnen vermissten Personen eingesetzt. In einigen Ländern ist die Feuerwehr auch für den Rettungsdienst zuständig und hält somit entsprechende Fahrzeuge und Geräte vor. In Deutschland wird diese Aufgabe überwiegend im Bereich von Berufsfeuerwehren wahrgenommen.

Struktur

Die Feuerwehr muss nach bestimmten Kriterien in Einheiten strukturiert sein, damit die Mitglieder der Feuerwehr möglichst effizient zusammen arbeiten können. In einigen Ländern wurden die Strukturen vom dortigen Militär übernommen, in anderen Ländern wurden neue Strukturen geschaffen. Hauptartikel: Feuerwehreinheiten

Ausbildung und Dienst

Da die Feuerwehren einerseits effektiv und professionell arbeiten sollen, andererseits auch der Selbstschutz nicht zu kurz kommen darf, ist eine gute Ausbildung notwendig. Deshalb müssen Lehrgänge, Übungen und Dienste von den Feuerwehrleuten besucht werden. Der größte Teil der Ausbildung erfolgt in so genannten Feuerwehrschulen. Außerdem muss eine körperliche und geistige Eignung vorhanden sein. Diese kann je nach Gesetzeslage durch ärztliche Tests und Untersuchungen festgestellt werden. ärztliche Tests und Untersuchungen]] ärztliche Tests und Untersuchungen Durch die verstärkte Technisierung der gesamten Gesellschaft ist die Art der Einsätze wesentlich komplizierter geworden. So werden immer mehr Spezialisten benötigt. Aus diesem Grund bilden sich in manchen Feuerwehren Schwerpunkte heraus, wie zum Beispiel im Chemiebereich oder im Strahlenschutz. Diese Feuerwehren können andere mit Fachleuten unterstützen. Der aktive Dienst kann in einigen Ländern schon mit 16 Jahren beginnen, in anderen Ländern erst ab 18. Da der Dienst körperlich sehr viel abverlangt, gibt es auch bei Freiwilligen ein bestimmtes Höchstalter. Meist endet er mit dem Erreichen des 60. oder 65. Lebensjahres. Der Übungsbetrieb ist nicht leicht durchzuführen da die Übungssituationen möglichst realistisch sein sollen, und es nicht einfach möglich ist Übungsobjekte anzünden oder Fahrzeuge zu zerschneiden. Noch schwieriger wird es, wenn es um Menschenrettung geht. So bleibt jede Übung nur ein Trockentraining,das den Feuerwehrleuten in Fleisch und Blut übergehen muss, um im Ernstfall richtig entscheiden zu können. Nur in sehr wenigen Fällen können so genannte Heißübungen durchgeführt werden; diese sind jedoch sehr wichtig um Feuerwehrpersonal an den Umgang mit dem Feuer zu gewöhnen.
Da auch sehr viel theoretisches und rechtliches Wissen abverlangt wird, finden zusätzlich zu den zahlreichen praktischen Übungen auch theoretische Unterrichtseinheiten statt, in der Regel während der kalten Jahreszeit. Um in den einfachen Handgriffen sattelfest zu werden, werden regelmäßig Feuerwehrleistungsbewerbe durchgeführt, die schon nahe dem Leistungssport liegen. Sie werden bis zu Weltmeisterschaften durchgeführt.

Jugendarbeit

Weltmeisterschaften In vielen Ländern gibt es Abteilungen der Feuerwehr, die sich speziell um die Anwerbung von jungen Menschen kümmern. Damit können sie leichter Nachwuchs rekrutieren, andererseits fällt ihnen auch bei der Jugenderziehung eine verantwortungsvolle Tätigkeit zu. Hauptartikel: Jugendfeuerwehr

Kameradschaft

Jugendfeuerwehr] In der Öffentlichkeit ist die Feuerwehr auch durch ihre Kameradschaft bekannt. Da Feuerwehrleute sich während ihrer Einsatztätigkeit aufeinander verlassen müssen und unter Umständen einander ihr Leben gegenseitig anvertrauen, ist eine ausgeprägte Vertrauensbasis wichtig. Das soziale Miteinander und das oft starke Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Feuerwehrleuten wird als Kameradschaft bezeichnet. Vor allem bei den freiwilligen Feuerwehren hält diese Kameradschaft auch über den aktiven Dienst hinaus und manifestiert sich in gemeinsamer Freizeitgestaltung. Gerade in kleinen Orten ist die Feuerwehr häufig ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Der Prozentsatz, den die Feuerwehrkameraden an der Ortsbevölkerung stellt, ist in diesen Orten wesentlich höher als in städtischen Gebieten. Oft hat die Mitgliedschaft in der Feuerwehr Familientradition. Die meisten Feuerwehrleute verlassen nach Ende ihre aktiven Dienstzeit die Wehr nicht einfach, sondern wechseln in die Seniorengruppe, die - regional unterschiedlich - Alters-, Reserve- oder Ehrenabteilung genannt wird. Während die freiwilligen Feuerwehrangehörigen sich als Kameraden bezeichnen, wird bei Berufsfeuerwehrleuten meist, wie in jedem anderen Unternehmen auch, der Begriff "Kollegen" verwendet.

Probleme der Feuerwehr

Finanzielle Situation

Besonders in Zeiten fehlender Investitionen (vor allem Kapital) durch die Träger des Brandschutzes (Kommunen, Städte), ist es vielen freiwilligen Feuerwehren heutzutage nicht mehr möglich, all ihre Aufgaben wirkungsvoll und der Gesetzgebung entsprechend zu erfüllen. Unter Umständen kann dies Menschen in Not zusätzlich in Gefahr bringen bzw. ihre Notlage verschlimmern, wenn die Kameraden der Feuerwehr nicht schnellstmöglich am Einsatzort eintreffen können. Es kam schon vor, dass während eines Einsatzes die Feuerwehrleute ihr Fahrzeug zum Einsatzort schieben mußten. Eine Verschlechterung ihres Rufes in der Bevölkerung ist somit die Folge. Aber auch die Unversehrtheit von Leib und Leben der Feuerwehrkameraden, die letztendlich ihren Dienst uneigennützig für die Allgemeinheit versehen, ist in Gefahr, wenn schlechte und veraltete Technik genutzt werden muss. Viele Feuerwehren sind auch auf die finanzielle Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, da die Feuerwehren vor allem in finanziell schwachen Gemeinden sonst nicht ausreichend unterhalten werden können. Berlin zum Beispiel hat heute weniger hauptberufliche Feuerwehrleute als der Ost- und der Westteil der Stadt vor der Wiedervereinigung jeweils alleine hatten. Hier wirkt sich besonders einschneidend aus, dass eine hauptamtliche Stelle jährlich z.T. so viel kostet wie eine ganze Freiwillige Feuerwehr. Wiedervereinigung So sind gerade Berufsfeuerwehren gezwungen, starke Etatkürzungen einsatztaktisch bestmöglich zu kompensieren. Die Sparzwänge erstrecken sich jedoch ebenso auf ehrenamtlich unterhaltene Feuerwehren: Bei der reinen Betrachtung der großen Anzahl freiwilliger Feuerwehren könnten Außenstehende die Notwendigkeit einzelner Wehren anzweifeln. Jedoch zeigen gerade Katastrophen wie das Jahrhunderthochwasser 2002 wie wichtig jede helfende Hand ist. Zum anderen muss beachtet werden, dass jeder einzelne Standort der Einhaltung der Hilfsfrist in seinem Einsatzbereich dient, d. h. das Eintreffen der Feuerwehr innerhalb einer vorgeschriebenen Zeitspanne ab der Alarmierung garantiert. In anderen Ländern, wo ein freiwilliges System nicht existiert, hört man dagegen den Ruf nach einem solchen System, da es in vielen Bereichen doch kostengünstiger als eine Berufsfeuerwehr ist. Ein freiwilliges System lässt sich aber kaum durch Gesetze verordnen, sondern muss langsam wachsen. So gibt es in Griechenland Sommercamps, von der ESEPA veranstaltet, mit freiwilligen Feuerwehrleuten aus anderen Ländern, die helfen, die zahlreichen Waldbrände zu bekämpfen.

Vereinbarkeit von Feuerwehr und Beruf im Ehrenamt

Waldbrände Auch durch die Arbeitsmarktssituation im 21. Jahrhundert wird die Einsatzfähigkeit von in vielen Ländern vorkommenden Freiwilligen Feuerwehren verringert. So wird manchen ehrenamtlichen Feuerwehrleuten von ihren Arbeitgebern untersagt, während ihrer Arbeitszeit die Arbeit wegen eines Feuerwehreinsatzes zu verlassen, obwohl dies in einigen Ländern eindeutigen gesetzlichen Regelungen widerspricht. Auch das vermehrte Auspendeln zu den Arbeitsplätzen vermindert vor allem die Tagesbereitschaften. Obwohl die Feuerwehr immer eine Männerdomäne war und es auch in Feuerwehrkreisen noch immer einige Vorurteile gibt, werden aus diesem Grund auch immer mehr Frauen bei den Feuerwehren aufgenommen. Allerdings gibt es auch etliche Unternehmen, die die Eigenschaften von Feuerwehrangehörigen schätzen und bevorzugt aufnehmen, da diese aus dem Feuerwehrdienst Kenntnisse mitbringen, die nicht unmittelbar als zur allgemeinen Berufsausbildung zählen. So sticht besonders die Teamfähigkeit von Feuerwehrleuten heraus (siehe oben: Kameradschaft in der Feuerwehr). In einigen Ländern, wie Deutschland, haben deren Führungsorganisationen angesichts der stetig zurückgehenden Zahl von freiwilligen Helfern die Notwendigkeit erkannt, durch groß angelegte Werbe- und Imagekampagnen neue Mitglieder hinzuzugewinnen. Ob sich dies wirklich auf Dauer auszahlt, wird sich zeigen. Das System des Brandschutzes, wie es in der Vergangenheit gab und bewährt hat, ist allerdings wohl in dieser Form nicht mehr aufrecht zu erhalten. Bessere Fahrzeugtechnik, bessere persönliche Ausrüstung die Umstellung auf Digitalfunk zwingen die Kommunen zum Spagat zwischen knappen Haushaltsmitteln und moderner Ausstattung. Technische ausgefeiltere und umfangreiche zu bedienende Gerätschaften erfordern gut ausgebildetes Personal, das sich ständig weiterbilden muss. Auch ein Problem von Freiwilligen, die im zivilen Berufsleben auch immer höheren Anforderungen gegenüberstehen. Ernsthaft betriebene Feuerwehrarbeit bedeutet immer mehr, einer massiven Doppelbelastung ausgesetzt zu sein.

Vorurteile gegen Feuerwehrmitglieder

Kameradschaft in der Feuerwehr Oftmals wird angenommen, dass besonders viele Brandstifter selber Mitglied in einer Feuerwehr seien. So haben Pyromanen aufgrund ihrer Krankheit sicher eine gesteigerte Motivation, in eine Feuerwehr einzutreten, doch wird versucht, dies durch eine geeignete soziale und strafrechtliche (Führungszeugnis) Mitgliederauswahl zu verhindern. Auch eine gegenseitige Kontrolle innerhalb der Feuerwehr kann dies verhindern. Jedoch ist dieses Problem keine Besonderheit der Feuerwehr – auch andere Gruppen können ähnliche Anziehungspunkte für nicht geeignete Mitglieder darstellen (vgl. Vorurteile: Schützenverein, Bundeswehr). Deshalb ist ein professioneller und differenzierter Umgang mit dem Thema notwendig. Der Großteil der Brandstiftungen geht auf ganz andere Motivationen als Pyromanie zurück, wie Vertuschung von anderen Verbrechen oder Grundstück- beziehungsweise Gebäudespekulationen. Diese Taten sind nicht krankhaft motiviert und die Tätergruppen sind gar nicht interessiert, beim Feuer zuzuschauen, haben daher keine besonderen Kontakte zur Feuerwehr. Allerdings gibt es das Problem, dass Feuerwehrleute aufgrund falscher Motivation Brände legen, um diese dann selbst zu löschen und so soziale Anerkennung (Heldenstatus) zu bekommen. Dieses Problem ist, im Gegensatz zu Pyromanen in der Feuerwehr, schon ein „eigenes“ Problem, welches nicht tabuisiert, aber auch nicht zu übertrieben gesehen werden darf, da es sich auch zahlenmäßig um eine Randerscheinung handelt (beispielsweise in Deutschland: Etwa 12 der 36.000 Brandstiftungen im Jahr gehen auf Feuerwehrleute zurück - zum Vergleich: 12.000 auf Kinder). Ein anderes Vorurteil ist, dass die Feuerwehrmitglieder besonders gerne den Durst löschen würden. Der Prozentsatz an Personen mit erhöhter Neigung zum Alkoholkonsum ist allerdings bei der Feuerwehr nicht größer als anderswo. Bei Berufsfeuerwehren herrscht wie in jedem gewerblichen Betrieb ein striktes Alkoholverbot; dies wird zunehmend auch von Freiwilligen Feuerwehren übernommen. Freiwillige Feuerwehren bilden neben der Bedeutung für die Gefahrenabwehr auch eine soziale Gruppe, also wie Vereine, in diesen ist natürlich ein gemeinsamer Genuss genau so vorhanden wie in jeder anderen Gruppe. Auch wenn zur Stärkung der Gemeinschaft interne Feste gefeiert werden, so fällt dort der Alkoholkonsum in keiner Weise höher aus als auf anderen Festlichkeiten oder Partys, eher wird sogar weniger Alkohol konsumiert. Es wird aber auf eine strenge Trennung zwischen Dienstlichem und Privatem geachtet. Als Faktor nicht zu unterschätzen ist, dass die Getränke nach Übungen etc. oftmals auf Feuerwehrkosten gehen und nur deshalb ein verstärkter Konsum zu verzeichnen ist. Trotz dieser Schwierigkeiten identifizieren sich viele Feuerwehrleute stark mit ihrer Tätigkeit. Auch an kleinen Äußerlichkeiten wie Aufklebern auf den Privatfahrzeugen mit Retten – Schützen – Löschen – Bergen oder ähnlichen Texten kann man einen gewissen Stolz erkennen. In der Bevölkerung rangiert der Beruf des Feuerwehrmannes im Ansehen unter den zehn meist geachteten Berufen. In der "Reader’s Digest European Trusted Brands 2005" Studie wurden Feuerwehrleute zu Deutschlands vertrauenswürdigstem Berufsstand gewählt. In Österreich wurde der "Beruf" des Feuerwehrmannes sogar von 100 % der Bevölkerung so beurteilt. So mancher Kindertraum ist es, ein Feuerwehrmann zu werden. Viele Feuerwehrmänner/Feuerwehrfrauen haben sich mit ihrem erstmaligen Beitritt zu ihrer Organisation einen Kindertraum erfüllt.

Leitsprüche

Alkohol Die Tätigkeit und Kameradschaft unter den Feuerwehrmitgliedern selbst wird auch oft durch Leitsprüche, die regional verschieden sind, ausgedrückt. An diesen Leitsprüchen sieht man auch ungefähr die Zeit wann sie entstanden sind. Neben ernsten Leitsprüchen haben sich gerade in neuerer Zeit auch humorvolle bis ironische Sprüche entwickelt. Hier sollen nur einige aus dem deutschsprachigen Raum zitiert werden:
- Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr
- Den Jungen zur Lehr, den Alten zur Ehr
- Einer für alle, alle für einen
- Retten-Löschen-Bergen-Schützen
- Freiwillig, und doch professionell
- Unsere Freizeit für ihre Sicherheit!
- Wo andere rausrennen, gehen wir rein (mehrere Variationen bekannt)
- Wir machen Hausbesuche
- Ohne uns wird's brenzlig
- Helfen in Not ist unser Gebot
- Stell' dir vor, wenn Feuer wär', und es gäb' keine Feuerwehr... Was DAS für ein Feuer wär'!
- Wir werden nachts aus den schönsten Träumen gerissen, um so manchen Albtraum zu erleben
- Freiwillig, stark und fair
- 24 Stunden Vor-Ort-Service
- Die Feuerwehr hilft, vorbeugen musst Du!
- Erst wenn das letzte Feuerwehrauto eingespart wurde und kein Freiwilliger mehr ein Ehrenamt ausübt, dann merken wir, dass Geld allein kein Feuer löschen kann!
- Feuerwehr ist nicht alles, aber ohne Feuerwehr ist Alles nichts!!!

Gruß

Zum Abschluss noch der Gruß, mit dem sich Feuerwehrkameraden im deutschsprachigen Raum begrüßen. Die Grüße sind regional unterschiedlich verbreitet.
-
Gut Wehr (Für offizielle Anlässe die richtige Wahl)
-
Gut Schlauch
-
Immer eine Handbreit Wasser im Tank
-
Gut Heil (Gruß der Feuerwehren in Kärnten und der Steiermark)

Siehe auch


- Portal:Hilfsorganisationen/Feuerwehr, Themenliste Feuerwehr, CTIF, THW, Brandmelder, Feuerspritze

Literatur


- Feuerwehrkatalog
Spezial-Literatur zu den Themen Feuerwehr und Rettungsdienst - (http://www.feuerwehrkatalog.de)
- Wolf-Dieter Prendke, Hermann Schröder:
Lexikon der Feuerwehr. Stuttgart 2001, ISBN 3-170-15767-1
- Rainer Crummenerl:
WAS IST WAS Band 114: Feuerwehr. München 2002, ISBN 3-788-61501-X
- Wolfgang Jendsch u.a., Weltrundschau-Verlag:
BRAND - Die Feuerwehren der Welt", Chroniken 1-8, Bände 2001-2004 (http://www.feuerwehrpresse.de/literatur.htm#Brand)
- Wolfgang Jendsch: Feuerwehrfahrzeuge in Europa. 1991, ISBN 3-88776-048-4
- Wolfgang Jendsch: Diverse Veröffentlichungen zum Thema Brandschutz/Rettungsdienst (pdf) - (http://www.feuerwehrpresse.de/Fachbeitraege-Downloads.html)
- Wolfgang Jendsch: Diverse Veröffentlichungen zum Thema Wald- und Flächenbrandbekämpfung (pdf) - (http://www.feuerwehrpresse.de/Fachbeitraege-Downloads.html#Waldbrand)
- Hamilton, Handbuch für den Feuerwehrmann, Boorberg-Verlag, ISBN 3-415-01705-2

Weblinks

Hier finden Sie nur Weblinks von internationalen Feuerwehrseiten, nationale finden sie unter den jeweiligen Länderseiten.
- [http://www.feuerwehr.net/ Feuerwehr-Links-Weltweit] Große Linksammlung von Feuerwehren weltweit
- [http://www.feuerwehr.de/wiki/ FeuerwehrWiki] ein Feuerwehr-Wiki
- [http://www.sbznet.de/?rubrik=magazin&thema=03-08-19-01 Berufsbild Feuerwehrmann: Als Retter auf die Karriereleiter]
- [http://www.feuerwehrpresse.de/Europa.html Feuerwehren in Europa] Informationsseite mit Überblick über Tätigkeitsbereiche im internationalen Brandschutz- und Rettungswesen
- [http://www.feuerwehrhistorik.de Feuerwehrgeschichte u.a.m.]
- [http://www.feuerwehr-land.de Feuerwehr-Land] Feuerwehr Portal Seite
- [http://www.faszination-feuerwehr.de.vu Faszination Feuerwehr] Infos rund um die Feuerwehr

Rettungsdienst

Der zivile Rettungsdienst (kurz: RD, in der Schweiz Sanität, in Österreich die Rettung) hat die Aufgabe, rund um die Uhr bei medizinischen Notfällen aller Art - Verletzungen, Vergiftungen und Krankheiten - rasch und sachgerecht zu helfen und Leben zu retten. Dabei unterscheidet man zwischen:
- dem bodengebundenen RD mit den Aufgabenbereichen Notfallrettung und qualifiziertem Krankentransport
- der Luftrettung,
- dem Bergrettungsdienst
- und dem Wasserrettungsdienst, wobei die Spezialorganisationen der Berg- oder Wasserrettung den Patienten nach der Rettung zur weiteren Versorgung an den allgemeinen Rettungsdienst übergeben. Als internationales Erkennungszeichen für den Rettungsdienst hat sich der Star of Life etabliert.

Rettungsdienst in Europa

Als europaweit einheitliche Notrufnummer wurde die 112 für Hilfeersuchen aller Art vereinbart, die dann ggf. an die zuständige Stelle weitergeleitet werden. Darüber hinaus gibt es in Europa weiterhin zahlreiche verschiedene national und lokal gültige Notrufnummern. Europaweite Standards gibt es zum Beispiel für
- Bekleidung der im RD tätigen Einsatzkräfte (EN 471)
- Fahrzeuge zur Patientenbeförderung (DIN EN 1789)
- Krankenfahrtragen (DIN EN 1865) Einige Rettungsdienstorganisationen sind auch nach Europäischen Qualitätsmanagement-Normen zertifiziert (ISO 900x). Diese Organisationen garantieren damit, einen gewissen Standard einzuhalten, von der Materialbeschaffung bis zur Behandlung des Patienten. Es gibt keine EU- oder gar europaweiten Richtlinien für die Einhaltung bestimmter Hilfsfristen. Allenfalls gibt es die Empfehlung einer Hilfsfrist zwischen zehn und zwanzig Minuten, die die Mitgliedsstaaten eigenständig nach oben oder unten abwandeln dürfen.

Rettungsdienst in Deutschland

Hilfsfrist In Deutschland ist der Rettungsdienst nach dem Förderalismusprinzip des Grundgesetzes Ländersache und wird daher durch Ländergesetze geregelt. Zur Durchführung des Rettungsdienstes greifen die Länder dabei auf unterschiedliche subsidiäre Modelle zurück. Die Länder legen die Aufgaben wiederum per Gesetz auf die Landkreise oder kreisfreien Städte um. Die Kommunen kommen dieser Aufgabe nach indem sie eigene Rettungsdienstunternehmen betreiben, bzw., sofern vorhanden, den hauptberuflichen Kräften ihrer Feuerwehr überträgt oder an gemeinnützige Organisationen vergibt (das häufigste Modell in Deutschland) bzw. privatwirtschaftliche Unternehmen beauftragt.
Wahrgenommen wird der bodengebundene Rettungsdienst im Auftrag der Kommunen durch:
- kommunale Rettungsdienstunternehmen
- die Feuerwehr mit hauptberuflichen Kräften
- die Hilfsorganisationen
  - Deutsches Rotes Kreuz
  - Arbeiter-Samariter-Bund
  - Johanniter-Unfall-Hilfe
  - Malteser Hilfsdienst
- private Rettungsdienstunternehmen Die Luftrettung wird gemeinsam von den Betreibern der Rettungshubschrauber sowie Kliniken und Hilfsorganisationen betrieben. Die Bergrettung wird von der Bergwacht, die Wasserrettung von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), der Wasserwacht (DRK) und dem Arbeiter Samariter Bund (ASB) und die Seenotrettung auf Nord- und Ostsee der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wahrgenommen. Die Einsatzkräfte werden durch die jeweils zuständige Rettungsleitstelle alarmiert und koordiniert. Die Finanzierung der Vorhaltung ist unterschiedlich geregelt, für den Patiententransport kommt in der Regel die Krankenversicherung des Patienten auf. Von der individualmedizinisch ausgerichteten Patientenversorgung des Rettungsdienstes sind die Strukturen beim Massenanfall von Verletzten abzugrenzen, die sich dadurch auszeichnen, daß primär nicht genügend Einsatzkräfte für die Bewältigung der Schadenslage vor Ort sind. Die medizinische Einsatzleitung bei einem solchen Ereignis obliegt dem Organisatorischen Leiter Rettungsdienst (Orgl/OLRD) und dem Leitenden Notarzt (LNA). Der reguläre Rettungsdienst wird dabei durch Helferinnen und Helfer unterstützt, die in Schnelleinsatzgruppen (SEG) zusammengefasst sind und bei Bedarf alarmiert werden. In Deutschland bestehen auch Gemeinschaftsprojekte unter den Rettungsorganisationen. DLRG und Wasserwacht stellen Einsatztaucher, die mit dem Hubschrauber zu Unfallplätzen geflogen werden. Zudem gibt es Kooperationen zwischen der Feuerwehr, die das Material und das Fahrzeug (ein so genannter Gerätewagen Wasserrettung (GWW)) bereithält und der Wasserrettung, die das Personal stellt. Da viele Ortsgruppen der Hilfsorganisationen oder der freiwilligen Feuerwehren auf dem Land Einsatzfahrzeuge besitzen, werden diese zunehmend auch als Einrichtungen örtlicher Erster Hilfe (First Responder oder Helfer vor Ort) eingesetzt, wenn ein Notfall in deren unmittelbarer Nähe geschieht. In Großstädten werden manche Berufsfeuerwehren ebenfalls zu diesem Zweck eingesetzt, wenn der Standort eines Löschfahrzeuges näher als der des nächsten Rettungsfahrzeuges liegt. Ihre Aufgabe ist dann die Erstversorgung des Patienten auf notfallmedizinischem Niveau und die Überbrückung der Zeit bis zum Eintreffen eines regulären Rettungsmittels. Seit Beginn der 90er Jahre ist die psychosoziale Betreuung von Einsatzkräften nach extrem belastenden Einsätzen, z. B. Kindertodesfällen, und die Betreuung von betroffenen Personen nach einem Schadensereignis, z. B. Angehörige nach einer erfolglosen Wiederbelebung, die Aufgabe von Kriseninterventionsdiensten (KIT) und der Notfallseelsorge (NFS). Derzeit gibt es ca. 47.000 hauptberuflich Beschäftigte im deutschen Rettungsdienst.

Rettungsdienst in Österreich

Notfallseelsorge In Österreich ist das Rettungswesen wie die Feuerwehr Gemeindesache und ist in Landesgesetzen geregelt. Anders als bei der Feuerwehr ist, dass die Gemeinden bestehende Rettungsdienst-Organisationen mit der Durchführung des Rettungsdienstes beauftragen und sich nur finanziell beteiligen. Daher sind die Rettungsdienste meist für mehrere Gemeinden zuständig. Bundesweit ist der Rettungsdienst über die Notrufnummer 144 ereichbar. Neben angestellten Mitarbeitern werden Zivildiener und zahlreiche ehrenamtliche Mitarbeiter im Rettungs- und Krankentransport eingesetzt. Die wichtigsten Organisationen, die in Österreich den Rettungsdienst durchführen, sind das Rote Kreuz und der Samariterbund. Neben diesen beiden großen Organisationen, die österreichweit agieren, gibt es noch lokal verschieden stark vertretene Organisationen, wie den Malteser Hilfsdienst, die Johanniter-Unfall-Hilfe und andere. Auch kleinere Firmen wie das Grüne Kreuz können mit den Gemeinden Verträge haben, um den Rettungsdienst durchzuführen. In Wien, wo der Rettungsdienst von der Stadtgemeinde selbst durchgeführt wird, arbeiten die anderen Organisationen ebenfalls mit. Vor allem im ländlichen Raum werden von den Organisationen sowohl der Rettungsdienst als auch Krankentransporte durchgeführt. Vereinzelt wird dort auch das First Respondersystem in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und der Polizei angewandt. Bei speziellen Teilaufgaben, wie etwa beim Notarztdienst oder der Flugrettung, wird mit anderen Institutionen zusammengearbeitet. Die Notärzte werden meist von lokalen Krankenhäusern gestellt. In der Flugrettung wird mit dem ÖAMTC und privaten Firmen kooperiert, die die Helikopter mit dem notwendigen Flugpersonal bereitstellen. Der Österreichische Bergrettungsdienst und die Österreichische Wasserrettung sind eigenständige Organisationen, die fast ausschließlich von ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen werden. Die Aufgaben der Wasserrettung werden teilweise aber auch von den lokalen Rettungsorganisationen übernommen. Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in Österreich keine eigenständigen Katastrophenhilfe-Einheiten, sondern die entsprechenden Mittel werden durch die regulären Rettungsdienste vorgehalten. Der hohe Anteil an ehrenamtlichen Mitarbeitern im Rettungs- und Krankentransportdienst ermöglicht die Mobilisierung ausreichender Personalreserven.

Rettungsdienst in der Schweiz

Allgemeines

Österreichische Wasserrettung In der Schweiz ist das Rettungswesen Gemeindesache. Hinzu kommen kantonale Regelungen und Gesetze. Flächendeckend wird der Rettungsdienst über die Notrufnummer 144 aufgeboten. Die Rettungsdienste in der Schweiz können öffentlich-rechtlicher Natur sein oder aber auf privater Basis betrieben werden. Die Mehrzahl der Rettungsdienste ist einem Spital angeschlossen. Auch in Sachen Rettungswesen herrscht in der Schweiz der Liberalismus. So gibt es zwischen den einzelnen Rettungs-Organisationen grosse Unterschiede und verschiedene gesetzliche Grundlagen. In der Schweiz gibt es in etwa 160 Rettungsdienste.

Grossereignis & Katastrophen

Notrufnummer Auch hier ist dies weitgehend kantonal geregelt. Beispiel Kanton Zürich: Man hat den Kanton topografisch in eine nördliche und eine südliche Hälfte geteilt. Im Süden ist der Rettungsdienst der Stadt Zürich zuständig und im Norden der Rettungsdienst Flughafen Zürich. Der zuständige Rettungsdienst übernimmt die rettungsdienstliche Führung des Ereignisses und koordiniert die Einsätze der lokal ansässigen Rettungsdienste. Um diese Aufgabe zu erfüllen besitzen diese beiden verantwortlichen Rettungsdienste umfangreiches Einsatzmaterial (zB. LKW mit Katastrophenmaterial, Kommandofahrzeuge, Behandlungsstellen...etc) für diese Führungsaufgabe. Jeder Rettungsdienst im Kanton hat zusätzlich Material stationiert für grössere Ereignisse (zB. kleinere Anhänger).

Geschichtliche Entwicklung

Siehe auch entsprechender Abschnitt im Artikel Rettungswagen. Erste frühstrukturelle Ansätze sind schon in der Ära Napoleons zu suchen. Zunächst einmal mussten für die Verletztenversorgung zuständige Personen gefunden werden, die mit in die Schlacht zogen. Obwohl Ärzte als Berufsstand etabliert waren wurden die Heere nicht ärztlich begleitet. Dies war seinerzeit noch nicht üblich. Also musste man sich auf andere bzw. deren Fähigkeiten verlassen. Friseure und Barbiere bildeten den "Rettungsdienst". Sie waren praktisch die einzigen, die sich mit der Anatomie des Menschen beschäftigten. Während der Kämpfe blieben sie in sicherer Entfernung. Als es die ersten Verletzten gab, rannten sie mit Holzkarren auf das Schlachtfeld und transportierten die Verwundeten ab. Über die damaligen konkreten Möglichkeiten der Versorgung besteht geschichtswissenschaftlich keine Einigkeit, die hygienischen Bedingungen müssen jedoch katastrophal gewesen sein. Im Gegensatz zu manch gängiger Auffassung war die behördlich geförderte und im allgemeinen Bewusstsein der Öffentlichkeit heute selbstverständliche „Rettung von Menschen aus Lebensgefahr“ und in medizinischen Notlagen erst ein Phänomen des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten obrigkeitlichen Rettungsverordnungen in den einzelnen deutschen Ländern, in denen die Lebensrettung zur Pflicht jedes Bürgers erklärt sowie Belohnungen für erfolgreiche Wiederbelebungen von „Scheintoten“ ausgesetzt wurden und die auch zeitgenössische Anleitungen zur Hilfeleistung und Lebensrettung enthielten. Ende des 19. Jahrhunderts verfügten die meisten deutschen Großstädte über ein organisiertes Krankenbeförderungswesen. Mit der Durchführung waren private Unternehmen, zivile Samaritervereine, Sanitätskolonnen des Roten Kreuzes und/oder die Feuerwehr beauftragt. Die Motorisierung der Krankenbeförderung begann nach dem Ersten Weltkrieg. Im Frühjahr 1943 wurde durch einen nationalsozialistischen „Führer-Erlass“ der Versuch einer Vereinheitlichung des Krankentransportwesens in Deutschland gemacht, das nach dem Willen der NS-Staatsführung ausschließlich dem gleichgeschalteten Deutschen Roten Kreuz zugewiesen werden sollte. Der Ausgang des Zweiten Weltkrieges beendete diesen Versuch. Nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes und des Deutschen Reiches übertrugen die Besatzungsmächte die Durchführung der Krankenbeförderung und damit auch die Notfallrettung zunächst an die Kommunen (zum Beispiel in der britischen Besatzungszone) oder an das entnazifizierte und neugegründete DRK. In den fünfziger Jahren wurden dann vor allem außerhalb der Großstädte für die Sicherstellung der Krankenbeförderung und mangels anderer Regelung auch für die Gewährleistung der Unfallrettung wieder vermehrt Konzessionen an Privatunternehmer vergeben. Die zunehmende Dichte des Straßenverkehrs führte etwa ab Ende der fünfziger Jahre zu einem stetigen Anstieg der Unfallzahlen. Hinzu kamen ab Mitte der sechziger Jahre neue Erkenntnisse bzw. verbesserte Grundsätze in der Behandlung von Notfallpatienten und daraus abgeleitete Weiterentwicklungen in der Fahrzeug- und Gerätetechnik. Mit diesen neuen Anforderungen konnte das bestehende Rettungswesen in Deutschland nicht Schritt halten und es entwickelte sich seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch in der Wahrnehmung durch die Öffentlichkeit ein beklagenswerter „Rettungsnotstand“. Diese unzuträgliche Situation führte ab Mitte der sechziger Jahre zum verstärkten Engagement von Verwaltungsfachleuten, Medizinern und Hilfsorganisationen und schließlich zur behördlichen Reorganisation des Rettungswesens ab Anfang der siebziger Jahre.

Fahrzeuge im Rettungsdienst


- Der Krankentransportwagen (KTW) wird eingesetzt, wenn kein akuter Notfall vorliegt, beispielsweise dann, wenn jemand krankheitsbedingt in ein Krankenhaus eingeliefert werden muss.
- Der Rettungswagen (RTW) wird zu Notfällen geschickt, bei denen das Leben oder die Gesundheit des Patienten gefährdet sind. Er unterscheidet sich in seiner Mindestausstattung erheblich von einem Krankentransportwagen. In einigen Bundesländer ist für die Besetzung eines Rettungswagens mindestens ein Rettungsassistent vorgeschrieben. Dies ist aber von Land zu Land unterschiedlich (Niedersachsen z.B. fordert lediglich "2 geeignete Personen". Es ist somit Aufgabe der Kommunen, einen Standard festzulegen, an den sich die Beauftragten Rettungsdienstorganisationen halten müssen. Im Rendezvous-System wird der RTW am Notfallort durch den zusteigenden Notarzt zum NAW.
- Der Sanitätseinsatzwagen (SEW), oft auch als Notfallkrankenwagen (NKTW) oder Mehrzweckfahrzeug (MZF) bezeichnet, wird vor allem in Österreich eingesetzt. Ein SEW wird sowohl in der Notfallrettung als auch im Krankentransportwesen eingesetzt, wobei der verantwortliche Transportführer sowohl Rettungssanitäter als auch Notfallsanitäter (Ö) bzw. Rettungssassistent (D) sein kann. Die Ausstattung der Fahrzeuge ist in der Regel nicht so umfangreich wie jene eines RTW; auch das Platzangebot ist vielfach deutlich geringer. Bei Bedarf wird ein SEW gemeinsam mit einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zu einem Einsatzort gesendet, damit dort der Notarzt zusteigen und die Patientenbetreuung (falls notwendig) übernehmen kann.
- Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) ist zumeist ein PKW, der den Notarzt unabhängig von den übrigen Fahrzeugen zum Einsatz befördert. Auch dieses Fahrzeug verfügt über eine umfassende medizinisch-technische Notfallausstattung. Üblicherweise besteht die Besatzung aus dem Notarzt (NA) und einem Fahrer, der zumindest die Qualifikation eines Rettungssanitäters, oft jedoch auch eine Qualifikation des Rettungsassistenten hat, in Österreich muss der Fahrer ausgebildeter Notfallsanitäter sein.
- Der Notarztwagen (NAW) entspricht einem RTW mit einem Notarzt an Bord. Ein NAW ist üblicherweise an einem Krankenhaus stationiert, damit der Arzt schnell zusteigen kann. Es kommt jedoch auch vor, dass der NAW zunächst von der Rettungswache zum Krankenhaus fährt, um den Arzt aufzunehmen. Manchmal ist der Arzt während seiner Dienstzeit an der Rettungswache stationiert, wie das andere NAW-Personal auch.
- Der Intensivtransportwagen (ITW) (auch Intensivmobil genannt) ist meist ein LKW oder Bus, der in eine rollende Intesivstation umgebaut wurde. Hiermit ist es möglich, intensivpflichtige Patienten von Klinik zu Klinik zu verlegen. Die Besatzung besteht aus drei oder mehr Personen, darunter mindestens ein Arzt.
- Der Rettungshubschrauber (RTH) ist ein Luftfahrzeug, das primär einen Notarzt unabhängig von den übrigen Einsatzfahrzeugen zum Einsatz befördert. Außerdem wird er bei bestimmten Krankheitsbildern bzw. Verletzungsmustern als Transportmittel benutzt. Besetzt ist er in der Regel mit einem Piloten, einem Arzt mit „Fachkundenachweis Rettungsdienst“ bzw. einem Facharzt für Notfallmedizin (Notarzt) und einem in Avionik und Flugnavigation geschulten Rettungsassistenten.
- Motorrettungsboote (MRB) dienen der Sicherung von Veranstaltungen, der Suche nach Personen sowie dem Transport von Patienten, Helfern und Material auf dem Wasser. Beim bodengebundenen Rettungsdienst unterscheidet man beim Zubringen des Notarztes zwischen dem Rendezvous- und dem Kompakt-System:
- Beim Rendezvous-System fahren Rettungswagen und NEF getrennt zum Notfallort.
- Ist der Rettungsdienst kompakt organisiert, fährt der Notarzt direkt im Notarztwagen zur Einsatzstelle (siehe oben: NAW). NAWFür spezielle Aufgaben verfügt der Rettungsdienst über Sonderfahrzeuge, z.B. Einsatzleitwagen (ELW) zur Einsatzführung bei Großschadensfällen, sowie Gerätewagen-Rettungsdienst (GW-Rett) mit einer umfangreichen Ausstattung zur Versorgung einer Vielzahl von Verletzten/Erkrankten bei einem Großschadensfall, einem sogenannten „Massenanfall von Verletzten“ (MANV). Siehe auch:
- Portal:Rettungsdienst
- Portal:Erste Hilfe
- Erste Hilfe - Notruf - Rettungskette - Notfallkoffer
- Hilfsorganisation
- Ersthelfer, Sanitätshelfer, Rettungshelfer, Rettungssanitäter, Notfallsanitäter
- Wasserwacht zusätzlich:
- Schnelleinsatzgruppe
- Rettungsleitstelle
- Einsatzvorschrift
- Krisenintervention im Rettungsdienst
- SbE

Weblinks


- [http://www.bundesaerztekammer.de/30/Richtlinien/Uebersicht.html Richtlinien, Leitlinien, Empfehlungen und Stellungnahmen der Bundesärztekammer]
- [http://www.samariter.org/data/saintartikel/navigationlinks/rettungsdienst/homede_17.htm Rettungsdienst in Europa]
- [http://www.rettungsdienst-online.com Rettungsdienst Online]
- news://de.etc.notfallrettung
- [http://www.katastrophenschutz-ev.de/ Katastrophenschutz e.V. - Verein zur Optimierung des Katastrophenschutzes und Rettungswesens] Kategorie:Hilfsorganisation Kategorie:Erste Hilfe Kategorie:Arbeitsschutz

Leder

Leder ist ein Material, das aus der Haut von Tieren (Rind, Kalb, Ziege, Schwein, Krokodil, Pferd etc.) durch Gerben gewonnen wird. Im Mittelalter wurde auch Hunde- und Katzenhaut verwendet. Auch in jüngster Zeit gelangt vielfach ungekennzeichnetes Leder aus Fernost nach Europa, das von Hunden und Katzen stammt. Unter Kunstleder, einem Lederimitat, versteht man den Verbund von textilem Gewebe mit einer Beschichtung aus Kunststoff . Hierbei handelt es sich um Naturfasergewebe oder Kunstfasern, die mit einer weichen PVC-Schicht beschichtet sind. Diese Beschichtungen können je nach Anwendungsfall kompakt oder geschäumt ausgeführt werden. In aller Regel sind die Oberflächen noch genarbt, sodass sie einer Lederstruktur entsprechen. Anwendungsbeispiele für Kunstleder sind Schuhe, Taschen oder automobile Faltdächer. Kategorie:Mode und Design Kategorie:Leder Kategorie:Leder

Verarbeitung

Nach dem Schlachten werden die Rohhäute getrimmt (beschnitten). Hierbei werden Teile, die nicht zur Lederherstellung geeignet sind, entfernt. Danach muss die Haut schnellstmöglich konserviert werden, um den organischen Verfall aufzuhalten und qualitative Schäden zu vermeiden. Dies geschieht meistens durch Salzen. In Regionen, wo die Entfernungen und die Lieferketten es zulassen, werden die Häute auch durch Kühlung Kurzzeit-konserviert und damit auf Salz verzichtet. In manchen Regionen, in denen Salz knapp ist und es das Klima zulässt, werden Häute und Felle auch noch getrocknet. Bei der Gerbung wird die Haut zunächst eingeweicht, um Salz, Schmutz etc. zu entfernen. Danach wird die Haut enthaart und anschließend mit tierischen, mineralischen oder pflanzlichen Gerbstoffen behandelt und dadurch haltbar gemacht. Dickes Leder wird gespaltet. Für die meisten Anwendungen bedarf es noch diverser Oberflächenbehandlungen, wie z.B. Lackieren, Prägen, Perforieren u.ä.. Gefärbtes Leder wird entweder durch- oder oberflächengefärbt. Durchgefärbtes Leder bezeichnet man auch als Anilin gefärbtes Leder. Anilin ist ein Teil der Farbe, welcher in das Leder eindringen kann. Komplett Anilin gefärbtes Leder hat auf der Ober- und der Unterseite die gleiche Farbe, Kratzer oder Abnutzung fallen dadurch weniger auf. Semi-Anilin gefärbtes Leder wurde mit Farbe auf Anilin Basis besprüht, welche etwas in die Oberfläche eindringt. Oberflächengefärbtes Leder ( oder auch pigmentiertes Leder ) ist mit einem Farbstoff lackiert.

Grundlegende Ledertypen

Je nach Machart unterscheidet man verschiedene Ledertypen.
- So ist Nappaleder die glatte, obere Seite vom Spaltleder, die sogenannte "Vachette". Diese kann als Rein-Anilin ohne Oberflächenschutz, als Semi-Anilin mit schwacher Oberflächenbehandlung oder als gedecktes Leder mit Schutzlack gehandelt werden.
- Von Nubukleder spricht man, wenn die Oberfläche angeschliffen wird, so dass eine feine, aufgeraute Struktur entsteht.
- Im Kleidungsbereich weit verbreitet ist das Veloursleder, welches man aus den dünneren, unteren Schichten nach dem Spalten der Haut erhält oder durch das auf-links-drehen von dünneren Glattledern. Veloursleder kann von schwerer, sehr guter Qualität sein, was allerdings selten der Fall ist. Oft wird fälschlicherweise von Wildleder gesprochen. Das rührt daher, dass Velours eine ähnliche Oberfläche aufweist wie Leder von Hirschen oder ähnlichen Wildtieren.
- Hühnerleder wird aus den Fellen junger Schafe und Ziegen gewonnen. Hühnerleder Verwendung findet Leder vor allem in der Bekleidungsindustrie/Mode (als Jacken, Mäntel, Hosen, Schuhen, Gürteln, (Hand-)Taschen und Motorrad- oder Schutzkleidung), in der Möbelindustrie als (Bezug von Möbeln, Sofas ö.ä.), im Sport zum Überzug von Bällen (Fußball) oder Sportgeräten. Erzeugnisse aus Leder werden als Lederwaren oder Portefeuilles bezeichnet. Es gibt zahlreiche unterschiedliche lederverarbeitende Handwerksberufe wie den Feintäschner, Gerber, Kürschner, Riemer, Sattler, Schuster oder den Schuhmacher. Ein wachsender Anwendungsbreich ist die Technik oder Fahrzeugindustrie. Schon früh wurde Leder für Transmissionsriemen o. ä. verwendet. Heute nimmt die Verwendung als Innenraum- oder Lenkradverkleidung sowie für Ledersitze zu.

Tabelle der Lederarten


- Cordovan
- Hühnerleder
- Juchtenleder
- Krokodilleder
- Nappaleder
- Nubukleder
- Saffian
- Vacheleder
- Vachetteleder
- Veloursleder
- Weißleder
- Aalleder

Siehe auch

Kirn, Pergament, Chagrin, Bandalier, Lineapelle

Weblinks


- http://www.ledermuseum.de Deutsches Ledermuseum Offenbach Kategorie:Mode und Design Kategorie:Organischer Werkstoff ! Kategorie:Nicht essbares Tierprodukt ja:皮革 simple:Leather

Gummi

Der Begriff Gummi (aus dem ägyptischen kami- Gummi arabicum) bezeichnete ursprünglich Kautschuk oder andere kautschukähnliche Pflanzensäfte (Milchsaft), die beim Eintrocknen durch Polymerisation zu plastisch - elastischen Feststoffen verhärten. Sie enthalten einen wasserlöslichen Anteil und Gummiharze (Latex). Gummi ist heute ein vielseitiger Werkstoff.

Gummi als Werkstoff

Als Werkstoff Gummi wird heute vulkanisierten Kautschuk bezeichnet. Kautschuk ist im Milchsaft (Latex) von tropischen Pflanzen enthalten und wird hauptsächlich aus dem Gummibaum (Hevea brasiliensis, ein Wolfsmilchgewächs) gewonnen. In der Natur dient er dem Schutz des Baumes, denn er dichtet verletzte Stellen vor Bakterienbefall ab. Der Latex besteht aus langen Polyisopren-Ketten, welche durch Zusatz von Schwefel unter Druck und Hitze vernetzt werden können, wodurch dieses sehr elastische Material entsteht. Dieser Vulkanisierung genannte Vorgang wurde 1839 von Charles Goodyear entdeckt. Die Besonderheit des Gummis besteht darin, dass er extrem dehnungsfähig ist. Ein Großteil der industriellen Gummiproduktion geht in die Reifenherstellung, wobei verschiedene Kautschuksorten verwendet werden, um ein Optimum an Belastbarkeit, Abrieb und Straßenhaftung zu erzielen. Naturkautschuk ist bernsteinfarben und wird für Autoreifen mit künstlich hergestelltem Ruß zur Modifikation der Eigenschaften (z.B. des Abriebes, Reißfestigkeit, Härte) gemischt. Daraus resultiert die schwarze Färbung. Für Reifen, die in verschiedenen Farben bereits zum Kauf angeboten werden, wird hingegen hochaktives Silikat verwendet um die Eigenschaften zu verbessern. Gummi ist nicht unbegrenzt lagerfähig. Alte Radiergummis werden mit der Zeit spröde, trocknen aus und radieren nicht mehr. Alte Gummi-Reifen am Auto sind eine Gefahr, weil sie während der Fahrt platzen können.

Einsatz von Gummi

Gummi kann in vielen Bereichen eingesetzt werden.
- Die Eigenschaft der Haftfähigkeit ohne zu kleben wird beim Radiergummi ausgenutzt, der Bleistift-Striche (eigentlich Striche aus Graphit) von Papier entfernt.
- Gummi kann während der Vulkanisation durch ein Treibmittel aufgeschäumt werden. Das so entstandene Schwammgummi wird zu Isolationsmaterialien und ähnlichem weiterverarbeitet.
- Geschäumter Gummi wird fast ausschließlich aus synthetischen Gummisorten (z.B. Neopren) hergestellt und findet als Isolation oder elastische Dämmung vielfälltige Anwendung, vom Taucheranzug bis zur Bettmatratze.
- Für besondere Anwendungen wird auch synthetischer Gummi oder Silikongummi verwendet, letzterer ist ein Polymer auf Basis von Silizium- Sauerstoff-Ketten mit organischen Seitengruppen (Siehe auch: Silikon).
- Gummi ist auch wasserabweisend und kann deshalb als Farbe an die Wand gestrichen werden.
- Auch im Bergbau kommt Gummi oft vor. Vor allem zum Schutz der Karkasse von Fördergurten.

Umgangssprachliche Bedeutungen des Begriffs

„Gummi“ hat auch spezielle umgangssprachliche Bedeutungen:
- Einweg-Gummihandschuhe aus einem reinen und nicht vulkanisierten Naturkautschuk hergestellt.
- „Gib Gummi!“ = sinnloses Gasgeben - also dafür sorgen, dass möglichst viel von dem Rohstoff auf der Straße liegen bleibt.
- Gummi als Synonym für Kondom.
- Gummihose, eine wasserdichte Windelhose, meist auch synonym für vergleichbare Höschen aus PVC oder PE-beschichteten Materialien verwendet.
- „Gummi spielen“ meinen Kinder in einer Verkürzung, wenn sie Gummitwist spielen möchten.
- Der Gummibär wird nicht aus Kautschuk, sondern aus einer anderen (essbaren) Substanz mit gummiartigen Eigenschaften, z.B. Pektin oder Gelatine, hergestellt. Wegen der glatten und elastischen Eigenschaften ist Gummi auch ein Fetischobjekt.
siehe auch: Hartgummi

Weblinks


- [http://www.wilhelmi-gmp.de Gummi/Metall-Verbindungen]
- [http://www.geocities.com/rubbermuseum/ Virtuelles Gummimuseum]
- [http://www.hofftech.com/frames/frame_gummi.html Hoffmann Gummilexikon]
- [http://www.industrystock.com/html/Gummi--und-Kunststoffmaschinen/Gummimaschinen/hersteller_kategorie_show-de-1501-0.html Firmenadressen: Gummiherstellung und Verarbeitung] Kategorie:Weiche Materie Kategorie:Kunststoff ja:ゴム

Zehe (Fuß)

Als Zehen werden die Endabschnitte der Gliedmaßen der vierfüßigen Wirbeltiere bezeichnet, bei Primaten und Menschen nur die der hinteren Gliedmaßen. Die lateinische Bezeichnung lautet Digiti pedis und bedeutet "Finger des Fußes", die deutsche Bezeichnung geht wohl auf das indogermanische deik (Zeiger) zurück. Der Mensch besitzt normalerweise an jedem Fuß fünf Zehen. Die größte Zehe befindet sich hierbei innen, die kleinste außen am Fuß. Die große Zehe teilt sich in zwei Glieder kurzer Röhrenknochen, die übrigen Zehen sind dreigliedrig. Wie jeder Finger so besitzt auch jede Zehe einen Nagel. Bei Tieren können Zehen neben Nägeln aber auch Hufe, Krallen tragen. Es gibt auch Tiere, deren Zehen durch Flug- oder Schwimmhäute verbunden sind. Siehe auch: Zehengänger Kategorie:Anatomie

1970er

Ereignisse


- Bundesligaskandal in Westdeutschland (1971–1973)
- Match des Jahrhunderts (1972)
- Ölkrise (1973)
- Watergate-Affäre (1974)
- Ende des Vietnamkriegs
- Rote Armee Fraktion: Deutscher Herbst (1977)
- Israelisch-ägyptischer Friedensvertrag 1978/1979, siehe auch Nahost-Konflikt
- Ende der 1970er: Entstehung der Grünen Partei.
- Beginn der PC-Revolution mit der Gründung von Apple Computer 1976
- Die Gemeindereform reduziert die Zahl der Einzelgemeinden im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland um zwei Drittel. Sie ist in der Mitte des Jahrzehnts offiziell abgeschlossen.

Kulturgeschichte


- Pink Floyd
- Alice Cooper
- Loudon Wainwright III
- ABBA
- Les Humphries Singers
- Jesus-People
- Playback Theater
- Bhagwan
- Räucherstäbchen
- Brokdorf
- Star Wars
- Lavalampe
- Flokatiteppich
- Radio Dreyeckland
- Kommunales Kino
- Rasterfahndung
- Comic-Magazin ZACK (1972 bis 1980)
- Bonanza , Fernsehserie.
- Sesamstrasse

Persönlichkeiten (Auswahl)

Politik

Kunst und Kultur

Weblinks


- [http://www.sfgb-b.ch/d/4/tgprojekt/70erJahre_26_8/index.html 70er: Einmal Zukunft und Zurück] – Umfangreiche Darstellung der 1970er 01–1970 7!-1970er !1970er ja:1970年代 simple:1970s

Mode

Mode (v. französ.: mode; aus lat.: modus Art) bezeichnet die in einem bestimmten Zeitraum und einer bestimmten Gruppe von Menschen als zeitgemäß geltende Art, bestimmte Dinge zu tun, Dinge zu benutzen oder anzuschaffen. Am häufigsten wird damit die Art sich zu kleiden, zu frisieren bzw. nach außen zu geben gemeint. Diese Moden sind Momentaufnahmen eines Prozesses kontinuierlichen Wandels.

Erweiterte Definition

Soziologisch betrachtet drückt Mode die Normierung gesellschaftlicher Beziehungen, die Zuordnung zu bestimmten Gruppen der Gesellschaft und die Anpassung von Individuen aus. Der Begriff beinhaltet folgende Bedeutungsaspekte. 1. etwas, das dem gerade vorherrschenden bevorzugten Geschmack oder den vorherrschenden Überzeugungen entspricht. Es gibt auch wissenschaftliche und intellektuelle Moden. 2. etwas, was gerade üblich ist: Sitte, Brauch, Gewohnheit 3. etwas, was einem ständigem Wandlungsprozeß unterzogen ist, einem Wandlungsprozeß bzgl. dessen was in einem gesellschaftlichen Kontext als üblich, vorherrschend oder als dem Zeitgeschmack entsprechend angesehen wird. Dieser Artikel stützt sich ausschließlich auf diese Definition.

Davon abweichenden Bedeutungen

Manchmal wird der Begriff „Mode“ auch in anderer Bedeutung verwendet. Diese abweichenden Definitionen werden hier nur erwähnt, aber nicht im Rahmen dieses Artikels verwendet: 1. „Mode“ wird umgangssprachlich häufig synonym mit „Kleidung“ verwendet. 2. „Mode“ als Verkürzug des Begriffs „Kleidermode“ 3. „Mode“ als Kurzform für Schwingungsmode (oft englisch ausgesprochen). Ein Schwingungszustand z. B. bei Hohlleitern in der Hochfrequenztechnik. (Dieser Begriff wird in diesem Artikel nicht behandelt).

Das Spannungsfeld der Begriffe Mode, Kleidermode und Kleidung

Auch wenn umgangssprachlich „Kleidung“ und „Mode“ oft synonym verwendet werden, ist eine Abgrenzung beider Begriffe von einander zu empfehlen. Moden und Modeprozesse betreffen nicht nur Kleidung. Die Moden und Modeprozesse, die Kleidung betreffen, werden hier als „Kleidermoden“ bezeichnet. Kleidung kann nicht nur unter dem Blickwinkel der Mode bzw. Kleidermode betrachtet, ausgewählt und getragen werden, sondern beispielsweise auch unter den Aspekten Fetisch (siehe auch Fetischismus), regional-üblicher Kleidung oder situationsspezifischer Kleidung. Meist ist Mode hier nur einer von mehren Faktoren, die sich überlagern.

Mode als Prozess und Status Quo

Der Begriff Mode ist ein unscharfer Begriff. Er bezeichnet zugleich einen Prozeß und einen aktuellen Status Quo. Als Status Quo bezeichnet Mode den Geschmack bzw. die Überzeugungen, die aktuell innerhalb einer Gesellschaft oder einer gesellschaftlichen Gruppe vorherrschen. Als Prozess bezeichnet er den Prozess der gesellschaftlichen Veränderung dieses Zeitgeschmacks bzw. dieser Überzeugungen. Mode ist in diesem Sinne ein gesellschaftlicher Prozeß der Auf-, Um- und Neubewertung von Gegenständen jeglicher Art. Materieller und ideelle Art. Wenn von Mode als Status Quo die Rede ist, schwingt aber im Hintergrund immer diese Assoziation von Prozeßhaftigkeit mit. Die aktuelles Mode ist immer etwas Flüchtiges. Im Gegensatz dazu weckt der Begriff Zeitgeschmack die Assoziation einer in einer Epoche in etwa gleich bleibenden gesellschaftlichen Bewertung.

Verbreitung

Die heutige Verbreitung von Moden ist durch den Massenkonsum geprägt, wobei Werbung und Massenmedien eine wichtige Rolle spielen. Es lassen sich klare Globalisierungstendenzen in der Mode beobachten.

Historisches

Im Mittelalter galt die Mode als Merkmal der Standeszugehörigkeit, die mit genauen Vorschriften belegt war. Heute ist Mode vor allem ein Mittel der Selbstdarstellung und Individualisierung, Ausdruck des Lebensstils.

Psychologie und Sozialpsychologie der Mode

Die Psychologie der Mode scheint auf den ersten Blick einfach und schnell zu beschreiben und zu begründen sein. Häufig werden dabei folgende Aspekte erwähnt: Es wirken eine Reihe von Grundbedürfnissen zusammen, aus denen die Modeerscheinungen psychologisch erklärt werden können: Das Grundbedürfnis nach Beachtung, um aufzufallen oder Interesse zu wecken. Das Grundbedürfnis nach Anerkennung, Bedeutung und sich selbst und Anderen zu gefallen. Weiterhin wichtig sind die Bedürfnisse nach Abwechslung und Individualität, wobei letzteres mit dem nach Konformität in Widerspruch zu stehen scheint. Dennoch greift dieses Erklärungsmuster zu kurz: denn Mode ist ein hoch-komplexes gesellschaftliches Phänomen, das seine Wurzeln in sehr unterschiedlichen individuellen und kollektiven Bedürfnissen hat. Ohne die komplementären Bedürfnisse von Zugehörigkeit und Abgrenzung, Konformismus und Individualismus, Expression und Tarnung, Exhibitionismus und Verhüllung ist das Phänomen sicherlich nicht erklärbar. Dennoch ist das nur ein Teil der Ursachen von Mode. Unüberschaubar viele individuelle Faktoren kommen dazu. Beispielsweise die persönliche Bedeutung konkreter aktueller Modethemen und -bilder für die individuelle Persönlichkeit und die entsprechende Lebenserfahrung. Kleidung, auch modische Kleidung, ist oft ja auch ein sehr persönlicher Ausdruck eines indivduellen Lebensgefühls, einer aktuellen Stimmung oder von Sehnsüchten, Träumen und Visionen. Insofern ist Kleidung dann auch ein alltägliches Rollenspiel oder Rollen-Einnehmen. Ein Sich-Aneignen erträumter Rollen. Aber auch das ist nur ein Beispiel. (weiterführende Literatur: Hoffmann, „Kleidersprache“)

Zitat


- Die Moden wechseln, da sie selber aus dem Bedürfnis nach Wechsel entstehen.Marcel Proust
(Aus: "Im Schatten der jungen Mädchen", ISBN 3-51857875-8, S. 9)

Siehe auch


- Zeitgeschmack
- Kleidung
- Outfit
- Kleidermode
- gesellschaftliche Prozesse
- Schneider (Beruf)
- Modedesign
- Modefotografie
- Farbtypenlehre
- Schönheit
- Textilindustrie
- Streetwear

Literatur


- Pierre Bourdieu, Y. Delsaut, Y. (1975). "Die neuen Kleider der Bourgeoisie" in: Kursbuch 42, S. 172-182
- Charlotte Perkins Gilman, The dress of women : a critical introduction to the symbolism and sociology of clothing . Ed. with an introd. by Michael R. Hill and Mary Jo Deegan, Westport, Conn. [u.a.] : Greenwood Press, 2002
- Ingrid Loschek, Fashion of the Century, Battenberg 2001
- Silvia Bovenschen (Hrsg.), Die Listen der Mode, Frankfurt am Main 1986
- Roland Barthes, Die Sprache der Mode, Frankfurt am Main 1997

Weblinks


- [http://www.mode-frauen.de.vu/ Biografien berühmter Modeschöpferinnen, Models und Kosmetikerinnen]
- [http://www.b-treude.de/fashionlexikon.htm Das Fashion-Wörterbuch] Glossar der Modefachsprache Kategorie:Mode ja:ファッション

Skinhead

] Skinhead [] (englisch skin = Haut, head = Kopf) ist heute eine Sammelbezeichnung für alle Angehörigen der so genannten Skinheadszene, einer sehr heterogenen, jugendlich dominierten Subkultur. Gemeinsam haben sie vor allem die kurz bis kahl geschorenen Köpfe sowie eine Kleidung, die meist aus den sog. Ranger-Boots (Schwere Stahlkappenstiefel mit Schnürungen zwischen drei und zwanzig (bei einigen Skins, insbesondere GaySkins ( im englischen gayskin), auch dreißig) Löchern – welche auch fälschlicherweise Springerstiefel genannt werden – oder auch Dr. Martens Schuhe bzw. Bomber-, Harrington- und Donkey-Jacken besteht. Skinheads werden fälschlicherweise öfters mit Neonazis verwechselt, was jedoch nur auf einzelne Gruppen von Skinheads zutrifft.

Geschichte der Skinheads

Skinhead kommt aus dem Englischen und bedeutet wörtlich "Glatzkopf". Die Skinheadbewegung entstand 1969 bei Jugendlichen in englischen Arbeitervierteln. Begründet wurde sie durch (weiße) Arbeiterkinder, die mit den Kindern schwarzer Einwanderer aus Jamaika und anderen Teilen der Westindischen Inseln aufwuchsen. Man lernte sich durch gemeinsames Interesse an "schwarzer Musik", erst Calypso, dann Ska, dann den sogenannten Skinhead-Reggae kennen. Aus schwarzen Rude boys und weißen Mods entstand so die Skinheadbewegung zunächst als "Hard Mods". Sie grenzte sich früh von den modebewußten Mods, die ebenfalls aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelklasse kamen, und von den Hippies aggressiv ab. Das Outfit der frühen Skinheads, als sich die Bewegung erst von den Mods zu trennen begann, trugen wie diese noch smarte Anzüge. Diese verschwanden nach vollzogener Abgrenzung, und wurden durch das heute bekannte derbe, an Arbeiterkleidung orientierte Outfit ersetzt. Früher war in der Skinheadszene die Aggressivität weiter verbreitet als heute. So gingen in den Anfangsjahren schwarze und weiße Skins auf pakistanische Immigranten los, die dafür bekannt waren, dass sie sich bei Prügeleien nicht wehrten. Skins waren (und sind) teilweise auch Bestandteil der Hooligan-Szene, die bei Fußballspielen "für ihren Verein kämpft". In ihrer Frühzeit waren die Skins generell anti-bürgerlich, aber ansonsten eher unpolitisch. Anfang der 1970er Jahre wandten sich die schwarzen Skins mehr und mehr der sich entwickelnden politischen Reggae-Szene zu und grenzten sich allgemein mehr von der weißen britischen Kultur ab. Auslöser hierfür war auch mit der "Reggae-Krieg" in einschlägigen Discos um Titel wie "Young, gifted and black", mit denen sich die weißen Skins nicht identifizieren konnten und die Lieder deshalb boykottierten. Skinheads, die sich an der Gewalt in der Szene störten, ließen ihre Haare etwas länger wachsen und nannten sich Suedeheads ("Wildlederköpfe"), um sich abzugrenzen. In den 1970ern begann sich die vorher politisch sehr gemischte englische Skinhead-Szene in Linke, Rechte und Traditionalisten zu spalten, und die extreme Rechte begann einen immer größeren Teil der Szene zu vereinnahmen. Diese Entwicklung wurde vor allem durch die englischen Parteien National Front und British National Party (BNP) vorangetrieben. Bald stürzten sich auch die Medien auf das Phänomen, und nicht lange danach begannen Neonazis, die vorher nichts mit der Skinheadkultur zu tun hatten, den Skinheadlook zu übernehmen. Zu Beginn der 1980er formierten sich auch in Deutschland und den USA, wie vorher bereits in England, mehr und mehr so genannte Naziskins oder Boneheads - extrem gewaltbereite, rechtsradikale Jugendliche, die mit ihrem Äußeren an die Skinheadbewegung anknüpften. Die Rechtsradikalen prägten bald das öffentliche Bild von einem Skinhead. Gefördert wurde diese Meinung auch durch Massenmedien, die eher über rassistische Gewaltakte berichteten, als über Demonstrationen von Skinheads gegen Rassismus. Als Reaktion darauf wurde 1988 in New York City die antirassistische SHARP-Bewegung (SkinHeads Against Racial Prejudice) gegründet. Die heutige Skinheadbewegung lässt sich grob in unpolitische und vor allem antirassistische SHARP-Skins, linke/linksradikale Redskins, unpolitische Oi!-Skins und rechtsradikale Naziskins aufteilen. Linke Skins sind meist an politischen Buttons oder Aufnähern zu erkennen. Die Szene ist stark männlich dominiert, doch es gibt auch einige weibliche Skinheads, die sogenannten Skingirls oder Renees, die am charakteristischen Feathercut, einer besonderen Kurzhaarfrisur, bei der die Seiten vor den Ohren lang gelassen werden, leicht zu erkennen sind. Teile der Skinszene haben traditionell große Überschneidungen mit der Punkszene; viele Skinheads sind ehemalige Punks. Die Idee der Einheit von Skinheads und Punks wird seit einigen Jahren unter dem Schlagwort "United" vertreten. Auf der anderen Seite stehen viele Skins - unabhängig von ihrer politischen Einstellung - den Punks skeptisch bis feindselig gegenüber. Alkohol hat in der Szene einen großen Stellenwert, und auf Konzerten und anderen Treffen werden oft sehr große Mengen Bier konsumiert. Andere Drogen, insbesondere harte, werden abgelehnt.

Kleidung

Wie in anderen Jugend-Gegenkulturen hat die "richtige" Kleidung unter den Skinheads einen hohen Stellenwert. Einerseits dient sie der Abgrenzung gegenüber der Gesellschaft, andererseits soll damit Zugehörigkeit zur Szene demonstriert und Anerkennung der Gruppe erworben werden.
- Mjölnir: wird oft von Anhängern der rechten Szene um den Hals getragen, ist aber kein skinheadspezifisches Symbol
- Dr. Martens oder Ranger-Boots, Arbeitsstiefel: Schwere Arbeitsstiefel, mit Stahlkappe, meistens in Schwarz. Der oft verwendete Ausdruck Springerstiefel ist falsch. In der DDR trugen Skins 35,- Arbeitsstiefel, in Australien trägt man auch Blundstone Boots. Dazu dicke, grobe Baumwollsocken.
- Hosenträger: Schmale englische Hosenträger, in unterschiedlichen Farben.
- Bomberjacke, Donkeyjacket und Harringtonjacke: Bomberjacken, die von Fliegern und Securitypersonal getragen werden. "Donkeys" und "Harringtons" sind Englische Jacken, wie sie auch von Pitbull und anderen Firmen (Perry, Hooligan, Lonsdale etc.) hergestellt werden. Donkeys wurden zuerst von britischen Hafenarbeitern getragen, daher erklärt sich der PVC-Überzug auf den Schultern.
- Polohemd: Polohemden waren von Anfang an Teil der Skinhead-Kleidung. Besonderer Beliebtheit erfreuen sich die Shirts der vom englischen Tennisprofi Fred Perry gegründeten Marke Fred Perry. Ihr Symbol ist der Lorbeerkranz, die Hemden sind in vielen Farben erhältlich.
- Button-down-Hemd: Hemden mit Knöpfen am Kragen, die perfekten Sitz garantieren. Eine sehr bekannte Marke ist "Ben Sherman", die von einem Kanadier dieses Namens gegründet wurde.
- Jeans: Bluejeans verschiedener Marken, bevorzugt Levis (501), Wrangler, aber auch "Supermarktjeans". Oft werden die Jeans hochgekrempelt oder auch etwas gekürzt, damit die Stiefel besser zu sehen sind. Großer Beliebtheit erfreute sich außerdem die "Sta-Prest"-Serie von Levis mit Bügelfalte. "Domestos-Hosen" sind Jeans, die mit einem chlorbleichehaltigen Reinigungsmittel teilweise entfärbt wurde; diese Technik wird gelegentlich auch bei Jacken angewendet.

Bevorzugte Kleidungsmarken

Markenbewusstsein ist in der Skinszene sehr verbreitet. Während es ursprünglich nur eine Handvoll von "Skinmarken" gab, nämlich die etablierten englischen Hersteller, drängen mittlerweile immer mehr Anbieter auf den Markt und versuchen, sich als Marke für Skinkleidung zu etablieren. Mittlerweile existiert eine Vielzahl von Anbietern, die ihre Artikel meist über Spezialgeschäfte und Versände vertreiben.
- Lonsdale: Eine englische Boxermarke mit langer Tradition, die auf den Earl von Lonsdale zurückgeht. Wird auch von Skinheads gerne getragen und kam im deutschsprachigen Raum durch unseriöse Berichterstattung in den Ruf, eine rechte Marke zu sein, weil der Name den Schriftzug NSDA enthalte. Anders als bei Consdaple (siehe unten) fehlt hier aber das "P" im Schriftzug. Allerdings wird Lonsdale gleichermaßen auch von linken Skinheads getragen und die Firma fördert antirassistische Projekte und die britische Antifascist Action (eine antifaschistische Vereinigung). Weiterhin wurden eine Reihe von Geschäften die vor allem von Rechtsradikalen frequentiert wurden, von der Belieferung mit Lonsdale-Artikeln ausgenommen.
- Alpha Industries: Hersteller von Jacken für die amerikanischen Streitkräfte seit 1959. Die Alpha-Bomberjacken gehören zu den beliebtesten Jacken in der Skinheadszene.
- Ben Sherman: Ben Sherman ist das Produkt des Kanadiers Ben Sherman, der in den späten 1950ern eine kleine Fabrik in Brighton besaß. Die Marke wurde schon vor einigen Jahrzehnten von Anhängern der Skinhead-Bewegung in Großbritannien getragen und ist heute sogar bei vornehmen Bankern beliebt - teilweise allerdings auch in rechtsextremen Kreisen.
- Fred Perry: Eine Ikone der Skinheadbewegung, die die Arbeiterbewegung sehr schätzt. Perry war der erste Wimbledon-Sieger, dem man Nähe zum Proletariat zusprach. Da die damaligen 69er-Skins unpolitisch waren und ihre Ideale auf den Stolz auf ihre Herkunft (Arbeitermilieu) und die Familie beschränkten, war diese Marke gängig unter den Skins. Als in den 1970ern vermehrt Rechtsextreme und Neonazis in die Szene kamen, übernahmen diese auch die Perry-Hemden, wie den gesamten Kleidungsstil. Der Lorbeerkranz aus dem Logo der Marke wird in allen Teilen der Szene bis ins rechte Lager hinein verwendet. Um rechtsradikale Träger solcher Hemden zu brüskieren, wurde in linksradikalen Kreisen das Gerücht in die Welt gesetzt, Fred Perry sei Jude gewesen.
- Consdaple: Marke, die von mit dem Neonazitum sympathisierenden Skinheads getragen wird, da sie den Schriftzug NSDAP enthält. Die Kleidungsmarke wurde von Personen aus dem rechtsextremen/neonazistischen Umfeld gegründet.
- Dobermann Deutschland: Für rechtsradikale Träger das Gegenstück zur sich von Rechtsextremismus distanzierenden Marke Pitbull. Hergestellt werden T-Shirts, Pullover, Aufnäher, etc. Der Inhaber der Marke "Doberman Deutschland" ist der Geschäftsmann Werner Kahl.
- Pitbull: Eine Marke, von der es Jacken, Pullis, Hemden gibt. "Pitbull"-Kleider werden gerne von Skins getragen, die dem rechten Milieu zugehören, die Marke selbst ist allerdings grundsätzlich nicht politisch gefärbt.
- Thor Steinar: Eine seit 2003 bestehende Marke aus Königs Wusterhausen, die auch von rechten Skins getragen wird und sich unter Neonazis (aber nicht nur dort) steigender Beliebtheit erfreut.
- Daneben existieren eine Reihe von anderen Marken, die T-Shirts, Jacken und Accessoires für Skinheads anbieten, wie Hooligan Streetwear oder Troublemaker, deren Hersteller sich das Szenechiffre "A.C.A.B." "All Cops are Bastards" schützen ließ.

Schnürsenkel

Häufig wird behauptet, man könne die Gesinnung eines Skinheads (oder Punks) an seinen Schnürsenkeln erkennen. Tatsächlich versuchen besonders junge Skins und Punks mit auffällig gefärbten Schnürsenkeln etwas auszudrücken. Die meist verwendeten Farben sind dabei weiß, rot und gelb. Allerdings sind die zugeordneten Bedeutungen so vielfältig, dass letztlich doch kein Rückschluss auf die Gesinnung möglich ist. Die Farbe der Schnürsenkel und auch der Hosenträger (Braces) stellte oft die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Fussballverein dar. Unter jungen Naziskins sollen weiße Schnürsenkel häufig "Kampfbereitschaft" ausdrücken oder für "White Power" stehen. Der schwarz-weiße Farbkontrast zwischen Schuhen und Schnürsenkeln könnte auch als Hinweis auf das typische Schachbrett-Musters des Plattenlabels Two Tone Records (siehe Ska) interpretiert werden, und soll Einigkeit zwischen Schwarzen und Weißen ausdrücken. Die Behauptung, Naziskins ließen sich durch weiße Schnürsenkel erkennen, ist eine gerade von den großen Medien gerne kolportierte Urban Legend, die an der Vielfalt der Realität stark vorbeigeht. Rote Schnürsenkel sind insbesondere bei jungen Punks beliebt und sollen dort oft die anarchistische Einstellung betonen. Früher sollen rote Schnürsenkel aber auch oft von Anhängern und Mitgliedern der verbotenen FAP getragen worden sein. Wer einen roten und einen schwarzen Schnürsenkel trägt,, ist angeblich ein Anarchist. Auch den Anhängern des Blood and Honour-Netzwerkes wird die Verwendung von roten Schnürsenkeln als Hinweis auf "blood" nachgesagt. Unter älteren Skins und Punks ist das Tragen von Schnürsenkeln mit auffälligen Farben seltener und eher modisch motiviert. Oft wird auch versucht, damit gerade diejenigen (meist aus der eigenen Szene) zu provozieren, die eine Gesinnung aus dem Tragen von auffälligen Schnürsenkeln ableiten wollen. Besonders oft tragen Anhänger der sich selbst als unpolitisch bezeichnenden Oi!-Szene auffällige Schnürsenkel. Nicht selten ist dabei auch die Kombination von Schnürsenkeln mit verschiedenen Farben. Ursprünglich wurde farbige Schnürsenkel benutzt um die Balkenschnürtechnik zu betonen.

Gesi