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Stettin
Stettin (polnisch Szczecin [] ) ist die Hauptstadt des polnischen Verwaltungsbezirks Westpommern und liegt rund 120 km nordöstlich von Berlin an der Odermündung zum Stettiner Haff. Stettin ist einer der größten Seehäfen des Ostseeraums. Sie ist die siebtgrößte Stadt Polens und nach Breslau und Danzig die drittgrößte Stadt der 1945 von Deutschland abgetrennten sogenannten Ostgebiete. Stettin beherbergt mehrere Hochschulen, Universitäten sowie einen katholischen Bischofssitz.
Geographie
Odermündung
Stettin liegt landschaftlich attraktiv zwischen Wald und Wasser. Der größte Teil der Stadt liegt am linken (westlichen) Oderufer, das vor allem im Norden der Stadt von bewaldeten Hügeln geprägt ist. Auch der Stadtteil Altdamm (Dabie) östlich der Oder ist von Waldgebieten umgeben, der Buchheide und der Gollnower Heide.
Zwischen diesen beiden Kernen verläuft die in zahlreiche Flussarme geteilte Oder. Das Oderbruch mit seinen zahlreichen Flussinseln reicht bis in das Stadtgebiet. Unmittelbar südlich der Stadt beginnt der deutsch-polnische Nationalpark Unteres Odertal, der sich bis zum uckermärkischen Schwedt erstreckt.
Nördlich der Kernstadt weitet sich die Oder zu einem großen Binnensee, dem Dammschen See, auf. In der Höhe von Pölitz findet der Fluss wieder in ein (sehr breites) Bett zurück, bevor er sich wieder zur Oderausdehnung aufweitet, die bei Ziegenort ins Stettiner Haff mündet. Über die Kaiserfahrt und die Swine wird bei Swinemünde die offene Ostsee erreicht.
Stettiner Flussinseln
Ostsee
Im engeren Stadtgebiet liegen zwischen den beiden Hauptarmen des Flusses, der Westoder (Odra Zachodnia) und der Ostoder (Odra Wschodnia), sowie den alten Querverbindungen Parnitz und Dunzig, zahlreiche Flussinseln:
- Der Altstadt direkt gegenüber liegt die Insel Lastadie (Łasztownia), die über die Hansabrücke erreicht wird. Der Stadtteil Lastadie grenzt unmittelbar an das Gebiet des Seehafens.
- Nördlich davon liegt, zwischen Westoder, Dunzig (Duńczyca) und Oder-Dunzig-Kanal (Kanał Grodzki), die kleine, unbebaute Insel Schlächterwiese (Wyspa Grodzka).
- Südlich von Lastadie liegt die Insel Silberwiese (Kępa Parnicka), umgeben von Westoder, Grünem Graben (Kanał Zielony) und Parnitz (Parnica). Die Silberwiese ist vollständig bebaut. Die Insel war früher durch die Bahnhofsbrücke mit dem direkt gegenüber liegenden Hauptbahnhof verbunden, die Brücke reicht heute nur noch bis zur kleinen Ahrensinsel in der Westoder. Durch weitere Brücken ist die Silberwiese mit Lastadie und mit der Neuen Silberwiese verbunden.
- Die südlich angrenzende Neue Silberwiese (Wyspa Zielona) ist nur zu einem geringen Teil bebaut, die Insel entstand durch den Bau des Parnitz-Durchstichs.
- Östlich des Parnitz-Durchstichs liegt die Insel Vorbruch, die nur im Norden bebaut ist (Siedlung Vorbruch) und ansonsten weitgehend aus Kleingärten besteht. Östlich davon liegt der Hafensee (Jezioro Portowe), der über den Vorflutkanal (Kanał Rybny) mit der Parnitz verbunden ist.
- Nördlich von Lastadie liegt der Grabower Werder (Wyspa Ostrów), der ursprünglich eine ungefähr dreieickige Form besaß und von Westoder, Dunzig und Möllnfahrt begrenzt wurde. Da die Insel mitten im Gebiet des Seehafens liegt, wurden die Flussarme beim Bau der Hafenbecken stark verändert. So wurde ein Teil der Dunzig zugeschüttet, wodurch eine direkte Landverbindung mit Lastadie entstand. Die nach Norden offene Breslauer Fahrt (Kanał Dębicki) wurde damit zu einer Sackgasse. Durch den Oder-Dunzig-Kanal im Westen der Insel wurde die schon genannte Schlächterwiese abgetrennt. Der Dunzig-Parnitz-Kanal schuf eine Verbindung zwischen den beiden Flussarmen. Im Westen des Grabower Werders bedecken Kleingärten und Wald.
- Nördlich davon liegt der Bredower Werder (Wyspa Gryfia), der ganz vom hafen eingenommen wird. Ihn umgibt im Westen die Westoder, im Osten die Grabower Fahrt (Kanał Grabowski) und die Oderfahrt (Przekop Mieleński).
- Die nördlich anschließenden Inseln Schwarzer Ort (Czarnołęka) und Großer Oderbruch (Wyspa Dębina) liegen bereits im Dammschen See.
Stadtgliederung
Der historische Stadtkern, die Altstadt, liegt am westlichen Ufer der Westoder. Um sie herum legt sich die gründezeitliche Neustadt. Das von diesen beiden eingenommene, dicht bebaute Innenstadtgebiet hat einen Durchmesser von etwa drei Kilometern.
Die angrenzenden Stadtteile sind lockerer bebaut. Jenseits der Westoder liegen die Stadtteile Lastadie und Silberwiese auf den gleichnamigen Flussinseln. Auf dem linken Flussufer grenzt südlich der Stadtteil Pommerensdorf (Pomorzany) an, westlich Schwarzow (Świerczewo), Torney (Turzyn), Braunsfelde (Pogodno), und nördlich Grünhof (Bolinko) und Grabow (Grabowo). Die meisten dieser zentrumsnahen Stadtteile sind ehemalige Dörfer, außerdem gibt es Villenkolonien der Vorkriegszeit und Plattenbausiedlungen der 60er bis 80er Jahre.
Auch in den Außenbezirken liegen zahlreiche gewachsene, eingemeindete Dörfer. Vor 1945 war Stettin mit 460 km² Fläche die flächenmäßig drittgrößte Stadt Deutschlands, das Stadtgebiet umfasste zahlreiche noch recht ländlich geprägte Ortschaften. Eine Sonderrolle innerhalb der Außenbezirke nimmt die ehemalige Stadt Altdamm (Dąbie) auf dem östlichen Oderufer ein. Sie besitzt einen eigenen mittelalterlichen Stadtkern und ist bis heute das Zentrum des Stettiner Stadtgebiets rechts der Oder.
Stadtbild
Altstadt
Altdamm
Der Bereich der Altstadt wurde nach schweren Kriegszerstörungen nur teilweise wiederaufgebaut. Bis heute prägen zahlreiche Brachen das Stadtbild im ältesten Teil Stettins. Zwischen erhaltenen oder nach alten Unterlagen rekonstruierten alten Bauwerken stehen zahlreiche sehr einfache Wohnhäuser der 50er Jahre.
Den höchsten Punkt der Altstadt nimmt das Schloss der Herzöge von Pommern ein. Zu seinen Füßen, südlich angrenzend, entstand die bürgerliche Stadt rund um das heutige, gotische Alte Rathaus am Heumarkt. Das mehrfach erweiterte Gebiet der mittelalterlichen Stadt lag ungefähr zwischen dem Oderufer und den heutigen Straßen Dworcowa (Grüne Schanze), al. Niepodleglości (Paradeplatz), pl. Zołnierza Polskiego (Königsplatz) und der neuen Schnellstraße Trasa Zamkowa (Schloßtrasse). Ziemlich genau in der Mitte dieses alten Stadtgebiets steht die größte Kirche der Stadt, die gotische Jacobikirche.
An die mittelalterliche Stadtmauer erinnert heute nur noch der Siebenmäntelturm an der nordöstlichen Ecke des damaligen Stadtgebiets. Die beiden erhaltenen barocken Stadttore, das Berliner Tor im Westen und das Königstor im Norden, entstanden erst nach Abriss der Stadtmauerund dienten keinen militärischen, sondern nur repräsentativen Zwecken.
Zwei weitere gotische Kirchen sind erhalten geblieben, Johanneskirche der Franziskaner am südlichen Rand der Altstadt und die Kirche St. Peter und Paul im Norden. Zwischen Jacobikirche und Königstor liegen mehrere barocke Stadtpaläste, etwa der ehemalige pommersche Landtag in der Luisenstraße (Staormłyńska) das Wolkenhauerhaus am Roßmarkt, heute Musikhochschule, oder das ehemalige Generalkommando, heute Nationalmuseum, am Königsplatz (pl. Żołnierza Polskiego).
Neustadt
Franziskaner
Nach 1945 übernahm die gründerzeitliche Neustadt anstelle der fast völlig zerstörten Altstadt die meisten Zentrumsfunktionen. Die Anlage der Neustadt ging auf die Initiative des langjährigen Oberbürgermeisters Hermann Haken zurück.
Ein echter Stadtmittelpunkt ist heute nicht erkennbar, jedoch kann man den Bereich um den Paradeplatz (al. Niepodległości/al. Wyzwolenia), zwischen Brama Portowa (Berliner Tor) und dem Hotelhochhaus Radisson SAS als wichtigsten Straßenzug der heutigen Innenstadt ansehen. Direkt neben dem Hotelgebäude befindet sich die Shopping-Mall Galaxy, das größte Einkaufszentrum der Stadt.
Am Paradeplatz stehen einige Prachtbauten der Gründerzeit, etwa das neobarocke Gebäude der ehemaligen Generallandschaft, heute die Niederlassung einer Bank, die neugotische Oberpostdirektion und mehrere Kaufhäuser.
Am Berliner Tor stößt rechtwinklig der Hohenzollernplatz (pl. Zwycięstwa) auf den genannten Straßenzug. Den Platz schmücken repräsentative Grünanlagen, in denen sich, am westlichen Ende die im Jugendstil errichtete Bugenhagenkirche (św. Wojciecha) erhebt. Aus der gleichen Zeit stammt die benachbarte Garnisonkirche, heute Herz-Jesu (N. Serca Pana Jezusa).
In der südlichen Neustadt, zwischen Altstadt und Hauptbahnhof, entstanden vor dem Ersten Weltkrieg weitere repräsentative Großbauten, die heute, nach der Zerstörung ihrer städtebaulichen Umgebung, als Solitäre in einer Abfolge großer Grünanlagen stehen.
Nördlich des Bahnhofs, unmittelbar am Oderufer (Bollwerk/Bulwar Piastowski) steht die Hauptpost, ein mächtiger Bau der Neurenaissance. Das mächtige Neue Rathaus am Rathausplatz (pl. Ratuszowy) wurde nach Berliner Vorbild Rotes Rathaus genannt, es beherbergt heute Einrichtungen der Hafenverwaltung. Das nahe Stadthaus mit seinem hohen Jugendstilturm ist heute Sitz der pommerschen Medizinhochschule.
Rotes Rathaus
Die äußere Neustadt erinnert in ihrem städtebaulichen Grundriss an Pariser Vorbilder, in der Architektur der Einzelgebäude dagegen an Berlin. Große, gerade Straßenachsen schneiden sich an repräsentativen Sternplätzen, deren bekanntester der pl. Grunwaldzki (ehem. Kaiser-Wilhelm-Platz) im Norden den Neustadt ist. Die Bebauung der einzelnen Parzellen erfolgte wie in Berlin mit Vorderhäusern, Seitenflügeln und Quergebäuden, wodurch zahlreiche enge Hinterhöfe entstanden. Die Bebauung der Neustadt ist überwiegend viergeschossig. Eine der größten Straßenachsen ist die ehemalige Kaiser-Wilhelm-Straße, heute al. Jedności Narodowej, an deren Endpunkt das ehemalige Landeshaus steht, das heutige Rathaus der Stadt. Hinter dem Rathaus liegt die Quinstorp-Aue, in der bereits zu dessen Lebzeiten ein Denkmal Papst Johannes Paul II. errichtet wurde.
Nördlich der Altstadt, zwischen Oderufer und Grabower Anlagen, entstand von 1902 bis 1921 das bekannteste Bauensemble Stettins, die Hakenterasse. Drei monumentale Großbauten stehen an dieser Uferstraße: die Seefahrthochschule, das Stadtmuseum (heute Theater und Meeresmuseum) sowie das Gebäude der Regierung von Pommern, das heute als Sitz der Wojewodschaft Westpommern weiterhin seiner ursprünglichen Funktion dient. Die flussseitige Straßenseite schmücken zwei Jugendstilpavillons und eine große Freitreppe zum tiefer liegenden Fluss.
Äußere Stadtteile
Die äußeren Stadtteile Stettins sind von großen Grünanlagen durchzogen. Zu diesen gehört der Hauptfriedhof, im Stadtteil Scheune (Gumieńce) an der Pasewalker Chaussee (Ku Słońcu), mit 1,7 km² Fläche einer der größten Friedhöfe Europas. Er wurde auf Initiative des schon erwähnten Oberbürgermeisters Haken angelegt, der hier auch begraben liegt.
Der nördlich angrenzende Stadtteil Pogodno, die frühere Villenkolonie Braunsfelde, ist Heimat des Fußballvereins Pogoń Szczecin, der die Stadt in der obersten polnischen Fußballliga vertritt. Nördlich dieses Stadtteils liegt der Eckerberger Wald (Park leśny Arkónski), ein wichtiges Ausflugsziel.
Größere Plattenbausiedlungen liegen am westlichen Rand von Pogodno (osiedle Zawadzkiego, osiedle Somosierry), im Süden von Pogodno (os. Kaliny, os. Przyjaźni), in Niebuszewo (Zabelsdorf, os. Książąt Pomorskich) sowie im südlichen Stadtteil Pommerensdorf/Pomorzany (os. Wzgórze Hetmańskie).
Geschichte
siehe auch: Geschichtsdaten (Stettin)
Geschichtsdaten (Stettin)
Seit dem 7. Jahrhundert bestand auf dem Gebiet des heutigen Stettin eine slawische Siedlung. Stettin wurde 967 zusammen mit Pommern von dem polnischen Piasten-Fürsten Mieszko I. erobert. Im 11. Jahrhundert geriet Stettin in dänische Abhängigkeit. Von 1127 bis 1164 gehörte Stettin zu Polen. Im Rahmen der polnischen Senioratsverfassung von 1138 wurde Stettin die Hauptstadt Pommerns. 1164 kam Stettin unter die Lehnsherrschaft Heinrichs des Löwen. 1243 erhielt Stettin das Magdeburger Stadtrecht. 1278 wurde Stettin Mitglied der Hanse und danach wichtige Hansestadt. 1472 kam Stettin unter brandenburgische Lehnsherrschaft. 1534 wurde in Stettin durch den pommerschen Reformator Johann Bugenhagen die Reformation eingeführt. 1637, während des Dreißigjährigen Krieges, starb der in Pommern herrschende Zweig der Greifen aus und Stettin kam 1648 – nach einem kurzen dänischen Intermezzo – mit dem übrigen Vorpommern zu Schweden. 1720 wurde Stettin preußisch. Dies blieb Stettin bis zum Zweiten Weltkrieg mit Unterbrechung in den Napoleonischen Kriegen.
Napoleonischen
Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress
bestand 1818 der Stadtkreis Stettin im gleichnamigen Regierungsbezirk in der preußischen Provinz Pommern. Er umfasste die beiden Städte Alt-Damm und Stettin. In Stettin war ferner das Landratsamt des Kreises Randow. Am 26. September 1826 wurden nach Auflösung des Stadtkreises Stettin die Städte Alt-Damm und Stettin in den Kreis Randow eingegliedert. Am 16. März 1857 wurde erneut ein Stadtkreis Stettin gegründet, der jetzt nur noch aus einer Gemeinde bestand, nämlich der Stadtgemeinde Stettin.
Zum 1. April 1900 wurden die Stadtgemeinde Grabow und die Landgemeinden Bredow und Nemitz aus dem Kreis Randow nach Stettin eingegliedert.
Am 15. Oktober 1939 wurde der Stadtkreis Stettin durch großflächige Eingemeindungen aus den umliegenden Landkreisen wie folgt vergrößert:
- aus dem Landkreis Greifenhagen: Buchholz, Hökendorf, Mühlenbeck und Sydowsaue,
- aus dem Landkreis Naugard: Augustwalde und Franzhausen,
- aus dem Landkreis Randow: die Städte Altdamm und Pölitz, und die Gemeinden Alt Leese, Brunn, Buchholz, Finkenwalde, Frauendorf, Gotzlow, Güstow, Hohenzahden, Karow, Klein Reinkendorf, Kreckow, Kurow, Mandelkow, Messenthin, Möhringen, Neuendorf, Niederzahden, Odermünde, Podejuch, Polchow, Pommerensdorf, Pritzlow, Scheune, Stöven, Stolzenhagen, Völschendorf, Warsow, Wussow, Zedlitzfelde und Züllchow und der Gutsbezirke Buchheide, Anteil Kr. Randow, Forst und Dammscher See.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Stettin durch englische und amerikanische Luftangriffe schwer zerstört. Die gesamte Altstadt brannte ab.
Stettin wurde nach 1945 auf sowjetischen Befehl hin [http://www.dpg-brandenburg.de/nr_8_9/stettin_45.htm] und unter Verletzung des Potsdamer Abkommens unter polnische Verwaltung gestellt, obwohl es westlich der Oder-Neiße-Grenze liegt und bereits eine deutsche kommunistische Verwaltung gegründet worden war. Die Ursache für die Abtretung an Polen begründete Stalin damit, dass Stettin ein wichtiger Hafen für Polen sei, ohne den die Kohlevorkommen Schlesiens nicht nutzbar seien.
Die deutschen Einwohner Stettins (über 98%) wurden nach der Übergabe an Polen fast vollständig vertrieben.
Die scheinbar nachträgliche Zwangsübergabe an Polen (tatsächlich plante Stalin schon mindestens seit der Konferenz von Teheran mit Stettin für Polen) führte bis in die 80er Jahre inoffiziell zu Spannungen mit der DDR, so versuchte die DDR z.B. teilweise erfolgreich die Fahrrinne des Stettiner Hafens als DDR-Hoheitsgewässer anerkennen zu lassen, so dass dort keine polnischen Baggerschiffe mehr eingesetzt werden konnten. Ohne Baggerarbeiten war es aber unmöglich, dass dort größere Schiffe verkehren konnten und die DDR hatte praktisch die Kontrolle über den Hafen Stettins. Ende der 80er Jahre verzichtete die DDR überraschend auf alle Ansprüche. Die Bundesrepublik Deutschland verzichtete im Zuge der 2+4-Verhandlungen 1990 gegen vereinzelte Widerstände aus der pommerschen Landsmannschaft auf die polnisch verwalteten Gebiete westlich der Oder, womit der von Stalin realisierte Völkerrechtsbruch nachträglich sanktioniert wurde. Die damalige Bundesregierung zog damit die Konsequenz aus der Überlegung, dass territoriale Ansprüche gegen Polen den Beitritt der DDR-Länder zur Bundesrepublik auf Grund internationaler Widerstände hätten verhindern können.
Heute ist es die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Westpommern, welche weitgehend das historische Hinterpommern umfasst.
Religion
Hinterpommern
Die Einwohner Stettins, so wie ganz Pommerns, wurden mit der Reformation fast ausschließlich evangelisch. 1905 waren 93,3 % der Stettiner evangelisch und 3,9 % katholisch. Die Eintragungen über Taufen, Eheschließungen und Todesfälle der evangelischen Kirchenmitglieder in Stettin sind seit 1603 vorhanden und wurden nach 1920 von der HLT-Kirche ("Mormonen") aufgezeichnet (siehe Weblinks unten). Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945 bis 1948 endete auch die evangelische Zeit in Stettin.
Da die heutigen polnischen Bewohner mehrheitlich dem katholischen Glauben angehören, wurde 1972 ein katholisches Bistum mit Sitz in Stettin eingerichtet. Die Jacobikirche im Zentrum der Stadt wurde zur katholischen Kathedrale.
Die in großer Zahl in Stettin lebenden Ukrainer gehören häufig der polnisch-orthodoxen Kirche an.
Stettin gilt auch als eines der Zentren des polnischen Buddhismus. Unter anderem befindet sich hier der Sitz der 'Misja Buddyjska' (Buddhistischen Mission), einer Dachorganisation buddhistischer Gruppen in Polen. Mit der Eröffnung einer 'Buddhistischen Bibliothek' im Rahmen der Pommerschen Bibliothek durch S.H. Dalai Lama im Mai 2000 wurde die Bedeutung Stettins gewürdigt. 2005 fand auf Einladung der polnischen Buddhisten der Jahreskongress der Europäischen Buddhistischen Union und das Treffen der 'Buddhist Teachers in Europe' in Stettin statt.
Wichtige Bauwerke, Straßen und Plätze
Europäischen Buddhistischen Union
In der Altstadt:
- Das Schloss der Herzöge von Pommern (Zamek Książąt Pomorskich) wurde im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört. Erst in den 80er Jahren wurde es im Stil der Renaissance rekonstruiert, als Orientierung dienten unter anderem Stiche aus dem 17. Jahrhundert. Das Schloss leigt an der nordöstlichen Ecke der Altstadt, besitzt einen großen, quadratischen und einen kleineren, länglichen Hof und zwei Türme. Im großen Schlosshof finden im Sommer Freiluftkonzerte statt. Ein Flügel des Schlosses dient als Stettiner Opernhaus. [http://www.zamek.szczecin.pl/de/index.asp]
- Der benachbarte Siebenmäntelturm (Baszta Siedmiu Płaszczy) verdankt seinen Namen der Legende nach einem Schneider, der dem Herzog von Pommern sieben Mäntel nähen sollte, aber mit dem wertvollen Stoff zu fliehen versuchte und nach seiner Festnahme in diesem Stadtmauerturm seine Strafe absitzen musste.
- Der gotische Loitzenhof (Dom Loitzów , 16. Jahrhundert) unterhalb des Schlosses war der Sitz der bedeutenden Kaufmannsfamilie Loitz, die durch den Salzhandel zu großem Reichtum kam und als Bankiers in vielen Städten Nordeuropas vertreten waren. Das Handelsimperium, dessen wichtigste Zentren außer Stettin Danzig und Lüneburg waren, brach 1572 zusammen, als große Kredite an den König Sigismund II. von Polen und Kurfürst Joachim II. von Brandenburg nach deren Tod nicht zurückgezahlt wurden. Die Familie Loitz konnte dadurch ihre eigenen Gläubiger nicht mehr bezahlen und musste aus Stettin fliehen.
- Die spätgotische Peter-und-Paul-Kirche (Kościół Piotra i Pawła) steht an der Stelle des ersten christlichen Gotteshauses der Stadt, in dem bereits der Missionsbischof Otto von Bamberg 1124 die Messe feierte.
- Die Jacobikirche (Katedra pw. Św. Jakuba) wurde von den Bürgern der stolzen Hansestadt nach dem Vorbild der (allerdings unerreichten) Lübecker Marienkirche errichtet. Die dreischiffige Hallenkirche war sehr reich ausgestattet, sie wurde jedoch 1677 durch Kriegsereignisse zerstört. 1894 stürzte der zuvor aufgestockte Westturm ein, wurde jedoch wiederaufgebaut. Luftangriffe während des Zweiten Weltkriegs hatten einen erneuten Einsturz des damals 119 Meter hohen Turms und große Schäden am Kirchenschiff zur Folge. Die Kirche wurde erneut wiederaufgebaut, die Nordwand erhielt dabei eine moderne Fassade im Stil der 1950er Jahre. Die Kirche ist heute die Kathedrale des katholischen Bistum Stettin.
Bistum Stettin
- Das Alte Rathaus stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde ab 1677 im barocken Stil wieder aufgebaut. Nach der Zerstörung während des 2. Weltkrieges erfolgte die Rekonstruktion der ursprünglichen gotischen Gestaltung. Die Nordfassade zum Neuen Markt (Rynek Nowy) erhielt einen vereinfacht rekonstruierten, durchbrochenen gotischen Ziergiebel, die Südfassade zum Heumarkt zeigt Formen der Renaissance. Im Alten Rathaus befindet sich heute das Museum für Stadtgeschichte. Im Ratskeller befindet sich ein Restaurant.
- Den Heumarkt (Rynek Sienny) erhält zur Zeit seine historische Gestalt wieder. An seiner Ostseite entstehen Neubauten, deren Platzfassade am historischen Vorbild orientiert ist. Die westliche Platzseite ist noch nicht geschlossen.
- Den Roßmarkt (Plac Orła Białego) nördlich der Jacobikirche ziert eine Grünanlage mit einer Statue der Göttin Flora (18. Jh.) und dem barocken Roßmarktbrunnen. Das große Gründerzeitbauwerk auf der Westseite des Platzes war die Preußische Nationalversicherung. Im Vorgängerbau (1723-26) wurde 1759 Maria Feodowora geboren. Im benachbarten, barocken Wolkenhauerhaus, erbaut vom niederländischen Kaufmann Georg Christian Velthusen, produzierte die Firma C. Wolkenhauer Klaviere. Heute beherbergt es eine Musikhochschule.
- Im ehemaligen Pommerschen Landtag in der Luisenstraße (Staromłyńska), einem barocken Palast des Architekten G. C. Wallrave, befindet sich heute ein Museum zur Geschichte Pommerns. Das preußische Generalkommando direkt gegenüber ist Museum für polnische Kunst des frühen 20. Jahrhunderts.
- Das barocke Königstor (Brama Królewska, 1725-27) an der nördlichen Begrenzung der Altstadt und das Berliner Tor (Brama Portowa, 1725-29) am Hohenzollerplatz sind prächtige Schmuckbauten. Die Wandreliefs erinnern an den Kauf Pommerns durch Preußen.
Maria Feodowora
In der Neustadt:
- Die Hakenterrasse (Wały Chrobrego) ist das bekannteste Bauensemble der Stadt. Die baumbestandene, hoch über der Oder gelegene Uferstraße entstand zwischen 1900 und 1914 auf dem Gelände des aufgegebenen Forts Leopold nördlich der Altstadt. Drei monumentale öffentliche Gebäude stehen hier. Die Seefahrthochschule, das südliche Bauwerk, ist ein Bau der deutschen Neurenaissance. Ihr folgt das ehemalige Museum der Stadt Stettin, ein heller Jugendstilbau mit einem stadtbildprägenden, kupfergedeckten Mittelturm. Es ist heute Sitz des Meeresmuseums, einer Abteilung des polnischen Nationalmuseums. Im Gebäude befindet sich außerdem ein Theater. Das dritte Großbauwerk, die in nordischer Renaissance errichtete Regierung von Pommern ist heute der Sitz der Wojewodschaft Westpommern. Vor dem mittleren Bau öffnet sich die Allee zwischen zwei Jugenstilpavillons zur Oder, eine breite Freitreppe führt hinunter zum Fluss.
- Der Hochhauskomplex PAZIM wurde 1992 fertiggestellt, er beherbergt ein Hotel der Radisson-Kette sowie Büronutzungen. Das Hochhaus hat 22 Etagen und ist 92 m hoch. Es ist damit aber nur das zweithöchste Bauwerk der Stettiner Stadtgeschichte: der im Zweiten Weltkrieg eingestürzte Westturm der Jacobikirche war 119 hoch. Neben dem PAZIM befindet sich das 2003 eröffnete Einkaufszentrum Galaxy Center, in dem sich unter anderem Filialen von H&M und der französischen Hypermarktkette Géant befinden.
- Die Kaiser-Wilhelm-Straße (al. Jedności Narodowej) ist die größte der Straßenachsen der Neustadt. Auf ihr liegen zwei große Plätze, der Kaiser-Wilhelm-Platz (pl. Grunwaldzki) und der Augustaplatz (pl. Lotników). Auf letzterem steht ein Reiterstandbild (1913) von Bartolomeo Colleoni. Die Quistorpaue (Park Kasprowicza) am nördlichen Ende der Straße wurde der Stadt von einem Bürger namens Quistorp unter der Bedingung geschenkt, dass sie für immer von Bebauung freizuhalten sei. Hier feierte Papst Johannes Paul II. 1987 mit rund einer Million Gläubigen die heilige Messe.
Bartolomeo Colleoni
- Der Paradeplatz (al. Niepodległości) ist heute der wichtigste Straßenzug der Innenstadt. Auf der östlichen Straßenseite gibt es Geschäfte und Restaurants, auf der westlichen Seite repräsentative Großbauten, darunter die neobarocke Generallandschaft (Emil Drews, 1890-95), heute Sitz eines Kreditinstituts (Bank Pekao SA) und die benachbarte neugotische Oberpostdirektion (1903-04).
- Am südlich angrenzenden Hohenzollernplatz (pl. Zwycięstwa) stehen außer dem Berliner Tor zwei große Kirchen, die Bugenhagenkirche (neugotische und Jugenstilformen, 1906-09) und die ehemalige Garnisonkirche (1913, Jugendstil), die erste Kirche im damaligen Deutschland, die mit Stahlbeton errichtet wurde.
- Neues Rathaus (1879 vollendet), neugotisch, auf dem Rathausplatz der Manzelbrunnen (Ludwig Manzel 1898). Anstatt der Sedina, einer allegorischen, die Stadt Stettin verkörpernden Frauenfigur schmückt ihn heute ein Anker. In der Nähe steht das ehemalige Stadthaus, heute medizinische Akademie, ein monumentaler Jugendstilbau mit hohem Turm.
- Der unten beschriebene Hauptbahnhof macht einen wenig ansehnlichen Eindruck, das Empfangsgebäude stammt aus den 50er Jahren und zeigt im Innern eine große Landkarte Pommerns.
In den äußeren Stadtteilen:
- Dammscher See (Jezioro Dąbie)
- Hauptfriedhof [http://www.cmentarzcentralny.szczecin.pl/]
- Herta-See (Jezioro Szmaragdowe)
Hochschulen
- Akademia Rolnicza Szczecin [http://www.ar.szczecin.pl Offizielle Seite]
- Politechnika Szczecińska
- Pomorska Akademia Medyczna Szczecin [http://www.pam.szczecin.pl Offizielle Seite]
- Uniwersytet Szczeciński
- Wyższa Szkoła Morska Szczecin [http://www.wsm.szczecin.pl Offizielle Seite]
Wirtschaft und Verkehr
Seehafen Stettin-Swinemünde
Uniwersytet Szczeciński
Der Seehafen an der Odermündung in das Stettiner Haff ist für die gesamte polnische Wirtschaft wichtig - der Hafen Stettin-Swinemünde ist nach Danzig der zweitgrößte Seehafen des Landes. Die Lage an der Odermündung macht Stettin zum natürlichen Seehafen für das gesamte Einzugsgebiet dieses Stroms. Dies betrifft seit 1945 zuallererst die Produktion des Oberschlesischens Industriegebiets um Kattowitz, dem größten Ballungsraum des Landes. Ähnlich wie im Ruhrgebiet bildet der örtliche Steinkohlebergbau die wirtschaftliche Grundlage dieser Region, die dortige Stahlindustrie benötigt außerdem Eisenerz. Das für Oberschlesien bestimmte Eisenerz wird deshalb über Stettin-Swinemünde importiert und dort auf Binnenschiffe verladen, die zu exportierenden fertigen Stahlprodukte nehmen den umgekehrten Weg, ebenfalls über Stettin.
Bis 1945 war Stettin außerdem der Ein- und Ausfuhrhafen für Berlin, die zeitweise größte Industriestadt Europas war über den bereits 1605 (und, nach Zerstörung, 1743 wieder) eröffneten Finowkanal sowie ab 1917 über den modernern Oder-Havel-Kanal mit der Oder verbunden. Die enge wirtschaftliche Symbios zwischen beiden Städten riss nach Krieg, Vertreibung und Grenzziehung weitgehend ab. Durch den europäischen Einigungsprozess kann für die Schiffsverbindung zwischen Berlin und Stettin jedoch perspektivisch wieder eine größere Bedeutung angenommen werden.
Der Seehafen Stettin-Swinemünde hatte 2004 einen Gesamtumschlag von 15,5 Millionen Tonnen und 27.700 Containern. Der Fährhafen (die meisten Verbindungen beginnen in Swinemünde) zählte 740.000 Passagiere, die die Verbindungen nach Skandinavien benutzten.
Stettin ist außerdem ein bedeutender Schiffbaustandort, die Werft ist mit rund 10.000 Beschäftigten die größte in Europa.
Eisenbahnverkehr
Werft
Stettin ist bereits seit 1843 an das Eisenbahnnetz angebunden. In diesem Jahr erreichte die am 1. August 1842 zwischen Berlin und Eberswalde eröffnete Stettiner Bahn ihren Endpunkt in der pommerschen Hauptstadt. Die Linie begann im Stettiner Bahnhof an der Berliner Invalidenstraße und führt über Bernau, Eberswalde und Angermünde nach Stettin. Der hiesige Endbahnhof hieß demnach zunächst Berliner Bahnhof; aus ihm entwickelte sich der heutige Hauptbahnhof (Szczecin Główny). Der Bahnhof liegt am linken Oderufer südlich des alten Stadtkerns.
Die Bahnstrecke führt unmittelbar nördlich des Bahnhofs in einem weiten Bogen über die Oder, die Insel Silberwiese (Kępa Parnicka), und die Parnitz. Jenseits dieses Oderarms erreicht die Bahn das Hafengebiet, ein großer Güterbahnhof (Port Centralny) schließt sich dort an.
Außer der Strecke nach Berlin gibt es Eisenbahnlinien von Stettin nach Vorpommern (Pasewalk), entlang der Oder nach Süden (Greifenhagen, Küstrin, Grünberg, Breslau), nach Osten (Stargard-Posen-Warschau und Stargard-Köslin) sowie entlang der Ostseeküste über Kolberg und Köslin nach Danzig. Regionalzüge verkehren über Gollnow nach Cammin sowie zur Insel Wollin bis nach Swinemünde. Auf dem linken Oderufer verkehren Vorortzüge quer durch das Stettiner Stadtgebiet nach Pölitz und Ziegenort.
Flughafen Stettin-Gollnow
Der Flughafen in Gollnow (35 km nordöstlich) hatte 2003 rund 90.000 Passagiere und etwa 7.500 Flugbewegungen, bei stark steigender Tendenz. Die meisten Linienflüge gehen mit LOT nach Warschau, die irische Billiglinie Ryanair fliegt außerdem einmal täglich nach London.
Oderbrücken
London
In Stettin befinden sich die letzten festen Querungen der Oder vor ihrer Mündung. Im Stadtgebiet und der näheren Umgebung kreuzen vier Straßen und zwei Eisenbahnstrecken den in viele Flussarme geteilten Strom:
- Südlich der Stadt, bereits im Bereich des Nationalparks Unteres Odertal gelegen, verläuft die Autobahn A6 (Europastraße 28), die von Berlin nach Danzig führt.
- Am südlichen Stadtrand verläuft die Schnellstraße nach Posen (Autostrada Poznańska), die auch vom Stadtbus benutzt wird. Direkt parallel zur Straße verläuft eine Eisenbahnstrecke, die von Güterzügen zur Umfahrung des Hauptbahnhofs genutzt wird. Straße und Eisenbahn kreuzen West- und Ostoder jeweils auf gemeinsamen Brücken.
- Die im Krieg zerstörte Bahnhofbrücke wurde nicht wiederaufgebaut, ihre Reste verbinden heute nur noch die Ahrensinsel mit der Silberwiese.
- Die Eisenbahn quert, wie erwähnt, gleich nördlich des Hauptbahnhofs die Westoder, die anschließende Insel Silberwiese und die Parnitz.
- Die traditionelle Stadtbrücke in der Altstadt war die Hansabrücke, an ihrer Stelle steht heute die Lange Brücke (Most Dlugi).
- Zwischen Schloss und Hakenterrasse kreuzt die am Königstor beginnende, autobahnähnliche Schlosstrasse (Trasa Zamkowa) die Oder. Sie ist die letzte Oderbrücke vor der Mündung.
Stadtverkehr
Europastraße
Der städtische Verkehrsbetrieb MZK betreibt den öffentlichen Verkehr innerhalb des Stadtgebiets in Form eines umfangreichen Straßenbahnnetzes und ergänzender Buslinien. In der Stadt verkehren 11 Straßenbahnlinien. Die wichtigsten Umsteigeknoten sind am Berliner Tor sowie am Radisson-Hotel (pl Rodła). Zwei Linien fahren über die Lange Brücke auf das östliche Ufer der Westoder, enden dort jedoch nach einigen Kilometern im Hafengebiet. Der Bezirk Altdamm rechts der Ostoder wird nicht von der Straßenbahn erreicht.
Söhne und Töchter der Stadt
- Johannes Theodor Baargeld, Mitbegründer der Kölner Dada-Gruppe und Herausgeber
- Max Berg, deutscher Architekt
- Albrecht Bethe, deutscher Physiologe
- Otto Friedrich Bollnow, Philosoph, Pädagoge, Psychologe
- Erwin Bootz, Pianist des Berliner Ensembles Comedian Harmonists
- Karl Heinrich von Bötticher, deutscher Beamter und Politiker
- Johann Christian Brandes, Schauspieler und dramatischer Dichter
- Michael Bürsch, deutscher Politiker
- Reinhard Cherubim, deutscher Schachspieler, Schachjournalist, Schachfunktionär
- Heinz von Cramer, Hörspielregisseur und Autor
- Helga Deen, Jüdin, Holocaust-Opfer
- Alfred Döblin, deutscher Arzt und gesellschaftskritischer Schriftsteller
- Felix Anton Dohrn, deutscher Zoologe, Erforscher der Phylogenese
- Burkhard Driest, deutscher Schauspieler und Drehbuchautor
- Manfred Ewald, deutscher Sportfunktionär
- Paul Fuchs, brandenburgischer Minister
- Mogens von Gadow, deutscher Schauspieler, Regisseur, Dramaturg und Synchronsprecher
- Heinrich George, deutscher Schauspieler
- Fritz Gerlich, deutscher Journalist und Historiker
- Otto von Gierke, Jurist, Rechtshistoriker und Sozialpolitiker
- Hermann Graßmann, deutscher Mathematiker
- Kurt Graunke, deutscher Orchestergründer und Komponist
- Carl Gustav Friedrich Hasselbach, Geheimer Regierungsrat, Kommunalpolitiker und Bürgermeister der Stadt Magdeburg
- Jerzy Hawrylewicz, ehemaliger polnischer Fussballspieler
- Bernhard Heiliger, deutscher Bildhauer
- Ferdinand Henry, leitender preußischer Militärbeamter
- Franz Hessel, deutscher Schriftsteller
- Heiko Hoffmann, deutscher Politiker
- Michael Holm, bekannter deutscher Musiker, Texter und Produzent
- Hans-Günter Hoppe, deutscher Politiker und Mitglied der FDP
- Antje Huber, deutsche Politikerin
- Leon Jessel, deutscher Operetten-Komponist
- Friedrich Wilhelm Kantzenbach, deutscher Kirchenhistoriker
- Katharina II. (Russland), Zarin von Russland.
- Knut Kiesewetter, deutscher Sänger, Liedermacher und Posaunist
- Franz Kugler, deutscher Kunsthistoriker und Schriftsteller
- Carl Johann Bogislaw Lüdecke, deutscher Architekt
- Benno Meyer-Wehlack, deutscher Schriftsteller
- Günter Mittag, Mitglied des ZK der SED
- Friedrich August Müller, deutscher Orientalist
- Wolfhart Pannenberg, Theologe
- Dita Parlo, deutsch-französische Filmschauspielerin
- Robert Prutz, deutscher Schriftsteller
- Albert Rossow, deutscher Komponist und Dirigent
- Christian Friedrich Scherenberg, deutscher Dichter
- Gustav Graf von Schlabrendorf, deutscher Schriftsteller
- Carl Ludwig Schleich, in Berlin wirkender Arzt und Schriftsteller
- Wolfgang Schnur, deutscher Jurist, Mitbegründer und Vorsitzender der Partei Demokratischer Aufbruch
- Ellen Schwiers, deutsche Schauspielerin, Mutter von Katerina Jacob
- Werner Seelenbinder, deutscher Ringer und Kommunist
- Sophia Dorothea Augusta Luisa von Württemberg, Zarin von Russland
- Horst Stern, deutscher Journalist, Filmemacher und Schriftsteller
- Manfred Stolpe, deutscher Politiker
- Rudi Strahl, deutscher Dramatiker, Erzähler und Lyriker
- Christian Tomuschat, Inhaber des Lehrstuhls für öffentliches Recht, Völker- und Europarecht an der Humboldt-Universität zu Berlin
- Henning Venske, deutscher Schauspieler, Kabarettist, Moderator und Schriftsteller
- Felicita Vestvali, Sängerin und Schauspielerin
- Friedrich von Adelung, deutscher Jurist und Philosoph
- Krzysztof Warlikowski, polnischer Theaterregisseur
- Ernst Wasserzieher, deutscher Etymologe
- Friedrich Graf von Wrangel, preußischer General
- Oskar Ziethen, Bürgermeister der Stadt Lichtenberg
Literatur
- Eckhardt Wend (Hrsg.): Stettiner Lebensbilder, Köln/Weimar/Wien : Böhlau 2004, 508 S, (= Reihe: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern : Reihe 5 ; 40) ISBN 3-412-09404-8
Weblinks
- [http://www.szczecin.pl Stadtverwaltung Stettin] (poln., dt., engl.)
- [http://www.port.szczecin.pl/angielska/index_ang.htm Hafen Stettin-Swinemünde] (engl.)
- [http://www.airport.com.pl Offizielle Seite des Stettiner Flughafens] (poln.)
- [http://www.szczecin.pl/przewodnik/map.html Stadtplan]
- [http://www.historia.szczecin.pl altes Stettin] (poln.)
- [http://www.sedina.pl auch das alte Stettin] (poln.)
- [http://www.ostsee-urlaub-polen.de/stettin-szczecin/ Informationen über Stettin (touristisch)]
- [http://www.kochamszczecin.com/ Ich liebe Stettin] (poln.)
- [http://www.podziemnyszczecin.pl Untergrundstettin] (poln.)
- [http://www.czejarek.pl/stettin/ Stettin in alten Ansichtskarten] (poln.)
- [http://szczecin.tvp.pl/d_pogoda.html Kamerasicht und Wetter in Stettin]
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Westpommern
Kategorie:Pommern
ja:シュチェチン
ko:슈체친
Polnische Sprache
Die Polnische Sprache (Polnisch, poln. język polski) zählt zur lechitischen Gruppe der westslawischen Sprachen, einer Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie.
Sie ist eng verwandt mit dem Kaschubischen, dem Tschechischen, dem Slowakischen und dem Sorbischen (das von einer in Deutschland lebenden Minderheit gesprochen wird).
Polnisch ist die Landessprache Polens. Weltweit weist sie fast 46 Millionen Sprechern auf. Bedeutende polnische Minderheiten gibt es in Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Zudem ist Polnisch die Muttersprache von etwa zehn Millionen Sprechern in den USA, ferner in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, aber auch in Kanada, Deutschland und Frankreich.
Dialekte
Zu den polnischen Dialekten gehören Kleinpolnisch (Südostpolen mit Krakau), Schlesisch (im Südwesten), Masowisch (Nordostpolen mit Warschau) und Großpolnisch (im Norden und Westen). Das Kaschubische (im Norden) ist eine eigenständige westslawische Sprache, aber insbesondere in der polnischen Literatur auch als polnischer Dialekt zu finden. Das Góralische ist ein Übergangsdialekt vom Polnischen zum Slowakischen, der im äußersten Süden Kleinpolens und in Teilen des slowakischen Gebiets Orava gesprochen wird.
Geschichte
Die ältesten, heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen Schriftstücken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen der Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man dagegen in der Chronik des Zisterzienserklosters in Henryków bei Wrocław. Unter den Einträgen des Jahres 1270 lesen wir die Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. "Daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj", was in der Übersetzung lautet: "Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus."
Zu den frühesten Denkmälern der polnischen Sprache gehören die "Bogurodzica" – die erste polnische Hymne, die "Heilig-Kreuz-Predigten", der "Florianer Psalter" und die "Gnesener Predigten". Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Polnische übertragen, beispielsweise der Psałterz Floriański ("Florianer Psalter") aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der zunächst bestehende Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt, und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen. Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von Geistlichen geschrieben wurde, verbreitete es sich in der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum.
Die moderne polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert auf der Grundlage von Dialekten, die in der Gegend von Poznań (Posen) im Westen Polens gesprochen wurden. Aus dieser Zeit stammen die Eulenspiegelliteratur sowie die Chronikliteratur von Marcin Bielski und die Prosaschriften von Mikołaj Rej. Ihr hohes sprachliches Niveau lässt auf eine lange gesprochene Tradition des Polnischen auf dem Königshof, in der staatlichen Verwaltung wie auch in der weltlichen und kirchlichen Rhetorik schließen. Im 16. Jahrhundert erreichte die polnische Sprache einen Stand, der sie wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit zu den wichtigsten Sprachen Mitteleuropas aufsteigen lies. Die Gebildeten der Renaissance kämpften um die weitere Entwicklung des Polnischen und seine Durchsetzung gegenüber dem Latein. "Gesagt sei´s allen Völkern außerhalb, der Lache (Pole) ist keine Gans, auch er hat seine eigene Sprache!" lautete die berühmte Maxime des als Vater der polnischen Literatur geltenden Mikołaj Rej aus dem Jahre 1562.
Im Polnischen gibt es eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Alttschechischen und Mittelhochdeutschen sowie aus dem Lateinischen; in jüngerer Zeit gingen Einflüsse auf die polnische Sprache insbesondere vom Weißrussischen, Ukrainischen, Deutschen, Französischen und Englischen aus.
Alphabet
Polnisch wird von Anfang an mit dem lateinischen Alphabet geschrieben (vgl. andere slawische Sprachen) und benutzt zur Wiedergabe der polnischen Laute diakritische Zeichen.
Das polnische Alphabet besteht aus 32 Buchstaben und lautet vollständig:
A, Ą, B, C, Ć, D, E, Ę, F, G, H, I, J, K, L, Ł, M, N, Ń, O, Ó, P, R, S, Ś, T, U, W, Y, Z, Ź, Ż.
Ą, Ę, Ń und Y kommen nie am Wortanfang vor, deshalb sind die entsprechenden Großbuchstaben sehr selten und werden nur dann verwendet, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird. Q, V und X werden nur bei Fremdwörtern benutzt, die noch nicht polonisiert wurden.
Im Lauf seiner Entwicklung ging im Polnischen die Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen verloren, und der Wortakzent festigte sich auf der vorletzten Silbe.
Zur Aussprache von h und ł:
In einigen Regionen ist eine abweichende Aussprache anzutreffen:
- ł - apico dental (ähnlich der Aussprache von л im Russischen)
- h - als stimmhaftes pharyngales Frikativ [] - allerdings artikuliert im Larynx .
Diese Aussprache gilt als korrekt, wird auch vereinzelt von (älteren) Schauspielern verwendet.
Noch im 19. Jahrhundert galt diese Aussprache als einzig korrekte.
r wird als „gerollter“ Zungenspitzlaut [] also (alveolarer Vibrant), ein Zäpfchen-R [] (uvularer Vibrant), wie auch ein Zungenseitenlaut, gilt streng genommen als (häufiger) Aussprachefehler.
Grammatik
Das Polnische hat eine sehr freie Wortstellung, tendiert jedoch langsam zur Verbzweitstellung.
Es gibt zwei Numeri:
- Singular
- Plural
- Dual.
Es gibt fünf Genera:
- Personalmaskulinum (beschränkt auf männliche Personen)
- belebtes Maskulinum
- unbelebtes Maskulinum
- Femininum
- Neutrum
Polnisch verfügt über ein gut ausgebautes Formensystem und hat das altslawische Kasussystem bewahrt: sechs Kasus für Nomen, Pronomen und Adjektive und ein siebter Kasus, der Vokativ, für Nomen und Pronomen, der in der direkten Anrede gebraucht wird.
Im Polnischen werden Substantive – im Gegensatz zum Deutschen – grundsätzlich klein geschrieben, Ausnahmen sind Eigennamen und Satzanfänge. Es werden wahrnehmbare und nicht wahrnehmbare (abstrakte Objekte oder Eigenschaften) sowie belebte (personale) und unbelebte (nichtpersonale) Substantive unterschieden. Dies ist für die Deklination sehr wichtig.
Fast alle Adjektive werden nach einem Grundmuster dekliniert. Es gibt zwei Arten von Adjektiven:
- weichstämmige, die auf einen weichen Konsonanten oder auf k bzw. g auslauten, haben die Endung -i
- hartstämmige (alle anderen) haben die Endung -y
Verben werden nach Person, Numerus und Genus flektiert. Das Tempussystem hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei alte Tempora (Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt) aufgegeben wurden. Das Präteritum ist die einzige Vergangenheitsform, die in der Alltagssprache gebraucht wird. Sehr selten vor allem in der Schriftsprache wird noch Plusquamperfekt verwendet - und ist schon mehr oder weniger veraltet.
Präpositionen sind unveränderlich und bilden zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen eine Sinneseinheit.
Mehr über polnische Grammatik gibt es in den Wikibooks
Wie jede lebendige Sprache unterliegt auch das Polnische im Laufe der Zeit normalen Entwicklungen und Veränderungen, sowohl in der Grammatik wie auch im Wortschatz. Manche Änderungen werden tief in die Sprache verwurzelt, andere wiederum haben kaum einen Einfluss oder geraten in Vergessenheit.
Änderungen
in der Dialektstruktur
Die Dialekte der polnischen Sprache vereinheitlichen sich im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg, der Verstädterung, den Einflüssen der Massenmedien und der Bildung, die im allgemeinen Dialekt durchgeführt wird, immer mehr. Die Dialekte sind in der jüngeren Generation kaum ausgeprägt, davon ausgenommen sind jedoch der gorallische und der schlesische Dialekt, denen im Augenblick das Aussterben nicht droht, doch die Allgemeinheit spricht im gemeinsamen Dialekt.
in der Grammatik
Eine gegenwärtig zu beobachtende Veränderung besteht darin, dass die maskuline unbelebte Sachform durch die maskuline belebte Sachform ersetzt wird. Viele Wörter, die bisher als eindeutig unbelebt betrachtet wurden, werden umgangssprachlich, vor allem in der Jugendsprache, als belebt angesehen. Es äußert sich dadurch, dass der Akkusativ dem Genitiv gleicht, und nicht wie bisher, dem Nominativ. Sehr oft (noch in der Umgangssprache) anzutreffende Formen sind „mieć pomysła“ (eine Idee haben) oder „obejrzeć filma“ (einen Film ansehen). Doch die meisten Neologismen und Fremdwörter, die sich auf nichtmaterielle oder nichtwahrnehmbare Begriffe beziehen, nehmen auch in der offiziellen Sprache die maskuline belebte Sachform an. Beispiel: „dostać e-maila/SMSa” (eine E-Mail/SMS bekommen).
im Wortschatz
Es werden immer mehr Wörter aus dem Englischen entliehen. Gleichzeitig verschwinden viele französische und russische Fremdwörter. Eine interessante Erscheinung ist die Änderung mancher französischer Fremdwörter von der französischen in die englische Aussprache, z. B. wird image wie im Englischen imidż ausgesprochen und nicht wie im Französischen imaż.
in der Phonetik
Da immer mehr Wörter aus dem Englischen mit seiner unterschiedlichen Sprachstruktur entliehen werden, verbreiten sich in diesem Zusammenhang immer mehr bisher selten anzutreffende Lautverbindungen. Es erscheint z. B. i nach alveolaren Lauten t, d, s, z, r (didżej, tir, ring).
in der Vulgarität
In den letzten Jahren flossen sehr viele vulgäre Ausdrücke in die Umgangssprache hinein (z. B. das Adjektiv zajebiste, lässt sich mit der heutigen Bedeutung von geil vergleichen, bedeutet ursprünglich aber etwas völlig anderes als die damalige deutsche Bedeutung). Viele andere Wörter, welche weiterhin vulgär sind, verloren ihre Stärke und werden oft in Situationen gebraucht, die früher undenkbar waren (das Wort kurwa, polnisch für Nutte, wird z. B. von vielen Polen in der Umgangssprache als Interjektion verwendet und entspricht damit in etwa dem fuck in der englischen Sprache).
Auf der anderen Seite werden im Rahmen der politischen Korrektheit manche Wörter als stärker beleidigend empfunden als früher. Zum Beispiel gehört es sich heutzutage nicht das Wort pedał (hier: schwul) zu benutzen (außer in der Bedeutung Pedal), das englische Wort gej oder homoseksualista (Homosexueller) haben es ersetzt.
Fremdwörter aus dem Polnischen
Es sind nur relativ wenige polnische Wörter aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen.
Gurke - mittelgriechisch αγγούριον „Gurke“ (pl. ogórek), das möglicherweise vom altgriechischen αωρος „grün, unreif“ stammt. Das griechische Wort wurde wahrscheinlich aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen. Auch das Wort Grenze (pl. granica) sowie einige Vogelarten (z.B. Stieglitz) kamen aus dem Polnischen ins Deutsche.
Weblinks
- [http://www.dep.pl DeP - Deutsch-Polnisch-Online-Wörterbuch]
- [http://portalwiedzy.onet.pl/tlumacz.html?tr=nie-auto Onet - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.ponsline.de/cgi-bin/wb/w.pl Pons - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.deutsches-polen-institut.de/ Deutsches Polen-Institut]
- [http://www.pol-institut.de/int/woert.htm Polnische Wörterbücher]
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Slawische Sprache
ja:ポーランド語
ko:폴란드어
Polen
Die Republik Polen (poln. Rzeczpospolita Polska) ist ein Staat in Mitteleuropa.
Polens Grenzen sind 3582 km lang, wobei 467 km auf die Grenze zu Deutschland im Westen, 790 km auf die zu Tschechien und 539 km auf die zu der Slowakei im Süden, 529 auf die zur Ukraine und 416 auf die zu Weißrussland im Osten, 103 km auf die zu Litauen und 210 auf die zur russische Exklave Kaliningrad im Nordosten sowie 528 auf die Ostsee-Küste im Norden entfallen. Flächenmäßig ist Polen der neuntgrößte Staat in Europa.
Der Name "Polen" kommt von dem westslawischen Stamm der Polanen, deren Siedlungsgebiet sich im zentralpolnischen Großpolen um Posen und Gnesen befand und die die anderen westslawischen Stämme zwischen Oder und Bug im 10. Jahrhundert unterwarfen und einigten. Den Namen "Polanen" kan man mit "Feldbewohner" übersetzen (pole = Feld). Der latainische Name Terra Poloniae oder Regnum Poloniae wurde seit dem 11. Jahrhundert für das ganze polnische Staatsgebiet verwendet. Das Ursprungsgebiet der Polanen wurde ab dem 14. Jahrhundert als Altpolen und später Großpolen (von lat.: Polonia Maior) bezeichnet, während die südlicheren Landesteile um Krakau Kleinpolen (von lat.: Polonia Minor) genannt wurden.
Andere Namen für das Land Polen und die Polen gehen auf den Stamm der Lędzianen zurück, die im Südosten Polens an der mittleren Weichsel siedelten, z.B. Lechia, Lenkija (litauisch), Lechistan (persisch) sowie Lach (russisch), Lengyel (ungarisch).
Geographie
Weichsel
Das Gebiet Polens besteht aus fünf geografischen Räumen. Im Nordwesten befindet sich die von der pommerschen bis zur Danziger Bucht reichende Ostseeküste, die durch zahlreiche Nehrungen, Binnengewässer und Dünen gekennzeichnet ist. Die weitgehend gerade verlaufende Küstenlinie wird durch das das Stettiner- und Frische Haff sowie die Pucker Bucht gegliedert. Im Norden und der Mitte schließt sich das von der Eiszeit geformtes Tiefland der mitteleuropäischen Ebene an, das durch seine vier großen Seenplatten (Masurische Seenplatte, Kaschubische Seenplatte, Pommersche Seenplatte und Großpolnische Seenplatte) gekennzeichnet wird, deren Mermal neben den zahlreichen Gewässern vor allem die hügelige Moränenlandschaft ist, vgl. z.B. Kaschubische Schweiz. Südlich daran schließt sich die durch die Urstromtäler der großen Flüsse geprägte Landschaft Schlesiens und Masowiens an. Insbesondere die Lubliner Region an der mittleren Weichsel mit ihren Lößböden ist stark durch die Hohlwege gekennzeichnet. Südlich davon befinden sich die polnischen Mittelgebirge Krakauer-Tschenstochauer Jura, Heiligkreuzberge, Beskiden, Waldkarpaten und Sudeten. Die höchste Erhebung, die Tatra, ist ein geologisch sehr vielseitiges Hochgebirge.
Siehe auch: Großpolen, Masowien, Ermland-Masuren, Pommern, Schlesien, Kleinpolen, Podlasien.
Geologie
Podlasien]
Die geologische Struktur Polens ist im wesentlichen das Ergebnis einer Plattenkollision der Kontinente Afrika und Europa während der letzten Jahrmillionen und die Vergletscherung aus Skandinavien. Beide Ereignisse formten die Karpaten und die Sudeten. Die Moränenlandschaft Nordpolens weist zumeist Sand- und Lehmböden auf, während die südlicheren Urstromtäler oft Lößböden haben. Der Jura, die Pieninen und die Westliche Tatra betehen aus Kalkstein, während die Hohe Tatra, die Beskiden und das Riesengebirge sich zum großen Teil aus Granit und Basalten zusammensetzten. Das Heiligkreuzgebirge ist eines der ältesten Gebirge der Welt.
Berge
Basalt
Polen hat 21 Zweitausender, von denen sich alle in der Tatra befinden. Die Tatra, auf polnischem Gebiet bestehend aus Hoher- und Westlicher Tatra, stellt die höchste Bergkette in Polen und den ganzen Karpaten dar. Der mit 2.499 m höchste Berg Rysy mit seinem hochgelegenen See Morskie Oko liegt in der Hohen Tatra.
Der mit 2 m unter N.N. am tiefsten gelegene Punkt befindet sich bei Raczki Elbląskie in der Nähe von Elbląg im Weichseldelta.
Die zweithöchste Gebirgkette in Polen sind die Saybuscher Beskiden mit der Babia Gora (1725 m) als höchsten Gipfel. Gefolgten werden sie von dem Riesengebirge, dessen Schneekoppe mit 1602 m die höchste Erhebung der Sudeten darstellt. Zu den schönsten Bergen Polens gehören die Waldkarpaten im äußersten Südosten des Landes, deren höchste in der Polonina die Tarnica mit ca. 1300 m ist. Unter Touristen sind zudem die Niederen Beskiden ca. 1000 m , die Gorce ca. 1300 m, und die Pieniny ca. 1000 m bekannt, die jeweils durch einen Nationalpark geschützt sind.
:Kategorie:Gebirge in Polen
Seen
:Kategorie:Gebirge in Polen
Polen gehört mit fast 10.000 geschlossenen Gewässern, deren Fläche einen ha überschreitet, zu den seenreichsten Ländern der Welt. In Europa weist nur Finnland mehr Seen pro qm als Polen auf. Die größten Seen mit über 100 km² Fläche sind Sniardwy und Mamry in Masuren sowie Łebsko und Drawsko in Pommern. Neben den Seenplatten im Norden (Masuren, Pommern, Kaschubei, Großpolen) gibt es auch eine hohe Anzahl an Bergseen in der Tatra, von denen das Meeresauge der flächenmäßig größte ist. Der mit über 100 m tiefste See ist der Hancza in der Seenplatte von Wigry östlich von Masuren in der Wojewodschaft Podlachien. Gefolgt wird er von dem Tatra Bergsee "Großer Polnischer See" im "Tal der fünf polnischen Seen". Zu den ersten Seen deren Ufer besiedelt wurden, gehört die Großpolnische Seenplatte. Die Pfahlbausiedlung von Biskupin, die von mehr als 1000 Einwohnern bewohnt wurde, gründeten bereits vor dem 7. Jahrhundert v. Chr. Menschen aus der Lausitzer Kultur. Die Vorfahren der heutigen Polen, die Polanen, bauten ihre ersten Burgen auf den Seeinseln (pl. "Ostrów"). Der legendäre Fürst Popiel soll im 8. Jahrhundert von Kruszwica am Gopło-See regiert haben. Der erste historisch belegte Herrscher Polens, Herzog Mieszko I., hatte seinen Palast auf der Wartheinsel "Ostrów Tumski" in Posen.
:Kategorie:See in Polen
Flüsse
:Kategorie:See in Polen ]]
Die längsten Flüsse sind die Weichsel mit 1047 km, der Grenzfluss Oder mit 854 km, die Warta mit 808 km und der Bug mit 772 km. Die Weichsel und die Oder münden genauso wie zahlreiche kleiner Flüsse in Pommern in die Ostsee. Die Liebe und die Wegorapa fließen über die Pregel und die Czarna Hancza über die Memel in die Ostsee. Daneben entwässern einige kleinere Flüsse, wie die Izer in den Sudeten über die Elbe in die Nordsee. Die Orawa aus den Beskiden fließt über die Waag und die Donau genauso wie einige kleiner Flüsse aus den Waldkarpaten über den Dnister ins Schwarze Meer. Die polnischen Flüsse wurden schon sehr früh zur Schifffart genutzt. Bereits die Wikinger befuhren mit ihren Drachenbooten während ihrer Raubzüge durch Europa die Weichsel und die Oder. Im Mittelalter und der Neuzeit als Polen-Litauen die Kornkammer Europas waren, gewann die Verschiffung von Agrarprodukten auf der Weichsel Richtung Danzig und weiter nach Westeuropa eine sehr große Bedeutung, wovon noch viele Renaissance- und Barockspeicher in den Städten entlang des Flusses zeugen.
:Kategorie:Fluss in Polen
Küste
:Kategorie:Fluss in Polen]
Die polnische Ostseeküste ist 528 km lang und erstreckt sich von Swinemünde auf den Inseln Usedom und Wollin im Westen bis zu Krynica Morska auf der Frischen Nehrung (auch Weichsel Nehrung genannt) im Osten. Die polnische Küste ist zum großen Teil eine sandige Ausgleichsküste die durch die stetige Bewegung des Sandes aufgrund der Strömung und des Windes von West nach Ost charakterisiert wird. Dadurch bilden sich viele Kliffe, Dühnen und Nehrungen, die nach dem Auftreffen auf Land viele Binnengewässer schaffen, wie z.B das Jezioro Łebsko im Slowinzischen Nationalpark bei Łeba. Die bekanntesten Nehrungen sind die Hela und die Frische Nehrung. Die größte polnische Ostseeinsel ist Wolin. Die größten Hafenstädte sind Gdingen, Danzig, Stettin und Swinemünde. Die bekanntesten Ostseebäder sind Zoppot, Misdroy,Kolberg, Łeba, Habichtsberg und Jurata.
Polnische Inseln
Bodennutzung
Polnische Inseln]
28% des Landes sind von Wald bedeckt. Über die Hälfte der Fläche wird landwirtschaftlich genutzt, wobei allerdings die Gesamtfläche der Äcker zurückgeht und gleichzeitig die verbliebenen intensiver bewirtschaftet werden. Die Viehzucht ist insbesondere in den Bergen weit verbreitet. Große industrielle Ballungszentren sind das GOP in Oberschlesien, der Ballungsraum um Warschau und Lodsch sowie das Weichseldelta um die Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen. Über 1 % der Fläche Polens - 3.145 km² - werden in 23 Nationalparks geschützt. In dieser Hinsicht nimmt Polen den ersten Platz in Europa ein. Drei weitere sollen in Masuren, im Krakauer-Tschenstochauer Jura und in den Waldkarpaten neugeschaffen werden. Die meisten polnischen Nationalparks befinden sich in den Bergen im Süden. Zudem werden Sumpfgebiete um Flüsse und Seen in Zentralpolen geschützt, sowie Küstengebiete im Norden. Zudem kommen zahlreiche Reservate und Schutzgebiete.
Flora und Fauna
Schutzgebiete]
In Polen leben noch Tiere, die in weiten Teilen Europas bereits ausgestorben sind, wie z.B. der Wisent im Urwald von Bialowieza in Podlachien und der Braunbär in Bialowieza, in der Tatra und in den Waldkarpaten, der Wolf und der Luchs in den Waldgebieten, der Elch in Nordpolen, der Biber in Masuren, Pommern und Podlachien. In den Wäldern trifft man auch auf Nieder- und Hochwild (Rotwild, Rehwild und Schwarzwild). Zudem gibt es im Osten Polens auch Urwälder, die nie von Menschen gerodet wurden, wie der zuvor erwähnte Urwald von Bialowieza. Große Waldgebiete gibt es auch in den Bergen, Masuren, Pommern und Niederschlesien. Polen ist auch das wichtigste Brutgebiet der europäischen Zugvögel. Ein Viertel aller Zugvögel die im Sommer nach Europa kommen brütet in Polen, insbesodere in den Seenplatten und den Sumpfgebieten der Biebrza, Narew und Warthe, die jeweils durch einen Nationalpark geschützt werden. In Masuren gibt es Dörfer in denen mehr Störche als Menschen wohnen.
Liste der Nationalparks in Polen
Klima
Das Klima ist gemäßigt und wird nach Osten und Südosten immer kontinentaler.
bild:Klima_gdynia.png|Klimadiagramm Gdynia
bild:Klima_warschau.png|Klimadiagramm Warschau
bild:Klima_krakau.png|Klimadiagramm Krakau
bild:Klima_zakopane.png|Klimadiagramm Zakopane
Größte Städte
Zakopane]
Zakopane]
Zakopane]
Zakopane]
Zakopane]
Siehe auch: Liste der Städte in Polen, Liste deutscher Bezeichnungen polnischer Orte :Kategorie:Ort in Polen
Bevölkerung
Polen hat mit 40 Millionen Einwohnern die achtgrößte Bevölkerungszahl in Europa und die sechstgrößte in der Europäischen Union.
Polen ist ethnisch betrachtet ein äußerst homogener Staat, was ein Novum in der polnischen Geschichte darstellt: Die Polen stellen mit 99,3 % die Mehrheitsbevölkerung. Die verbleibende Minderheitsbevölkerung in Polen setzt sich nach der Volkszählung von 2002 aus Deutschen (ca. 150.000), Weißrussen (ca. 49.000) und Ukrainern (ca. 30.000) sowie Tataren, Litauern, Roma, Lemken, Russen, Karäern, Slowaken und Tschechen zusammen. Unter den ausländischen Staatsangehörigen stellen Vietnamesen die größte ethnische Gruppe, gefolgt von Griechen und Armeniern.
Religion
Armenier
Armenier) ist die größte Kirche in Polen und die fünftgrößte auf der Welt]]
Armenier]
Die polnischen Stämme waren ursprünglich Heiden und hatten - ähnlich wie die anderen Westslawen - ein polotheistisches Religionssystem, dessen Hauptgott Świętowit war, dessen vierköpfige Statuten zwischen Pommern (z.B. bei Kap Arkona auf Rügen) und der Ukraine (z.B. der Antichrist aus dem Zburz) gefunden wurden. Diese Religion konnte sich teilweise bis ins 14. Jahrhundert behaupten. Insbesondere im Nordosten wurde auch ein Ahnenkult gepflegt, der teilweise bis ins 19. Jahrhundert überdauerte und in der Romantik u.a. von Adam Mickiewicz in seinem Drama Dziady wieder aufgegriffen wurde.
Die polnischen Stämme kamen wahrscheinlich im 9. Jahrhundert über das Großmährische Reich mit dem christlichen Glauben zum ersten mal in Kontakt. Die Wislanen in Kleinpolen wurde zur Zeit der byzantinischen Slawenapostel Kyrill und Method von den Herrschern des Großmährischen Reiches erobert und nach mährischen Chronisten soll bereits zu dieser Zeit das Christentum im slawischen Ritus in der Region um Krakau eingeführt worden sein. Im Jahre 965 heiratete der Herzog von Polen, Mieszko I., eine tschechische Prinzessin christlichen Glaubens und ließ sich im folgenden Jahr im lateinischen Ritus taufen. Damit hatten auch seine Untertanen den neuen Glauben anzunehmen. Polen war jedoch im Mittelalter nie einheitlich in der Religion. Noch bevor sich der christliche Glaube endgültig durchsetzten konnte, wanderten in den nächsten Jahrhunderten, begünstigt durch das Tolleranzedikt von Kalisch von 1265 Juden aus Westeuropa und Hussiten aus Böhmen nach Polen ein. Durch die Union mit Litauen 1386 und 1569 kamen viele weissrussisch- und ukrainischsprachige orthodoxe Christen unter die Herrschaft der polnischen Könige. Das Luthertum fand seit dem 16. Jahrhundert besonders bei der deutschen Bevölkerung in den nordpolnischen Städten viele Anhänger, während der Kalvinismus beim Kleinadel, der Szlachta, beliebt war. Es bildete sich auch eine polnische Sekte der arianischen Polnischen Brüder unter der Leitung von Fausto Sozzini, die in Rakow sogar eine eigene Universität gründete. Der Sejm von 1555 debattierte über die Einführung einer protestantischen Nationalkirche in Polen. Diese wurde zwar nicht eingeführt doch die Warschauer Konföderation und die Heinrichschen Artikel von 1573 sicherten die individuelle Glaubensfreiheit in der polnischen Verfassung, daher kam es in Polen nie zu Religionskriegen. 1596 wurde in der Kirchenunion von Brest die griechisch-katholische Kirche gegründet. Im 17. Jahrhundert vermochte die Gegenreformation jedoch die meisten "Andersgläubigen" auf die katholische Seite zu ziehen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts siedelte der polnische König Jan Sobieski moslemische Tataren in Podlachien an. Eine relativ große moslemische Minderheit lebte auch um Kamieniec Podolski in Podolien, das zwischen 1672 und 1699 zum Osmanischen Reich gehörte. Im 18. Jahrhundert bildeten sich unter den polnischen Juden zwei dominierende Glaubensrichtungen, die aufgeklärte Haskala und die orthodoxen Chassiden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Westverschiebung Polens ist Polen fast einheitlich katholisch - über 90 % römisch-katholisch, davon etwa 70 % praktizierend; 0,5 % Polnisch-Orthodoxe; 1,4 % Protestanten, 0,1 % Altkatholiken und religiöse Minderheiten von Zeugen Jehovas, Juden und Moslems (unter anderem die Tataren bei Białystok ). Die heute polnischen Regionen Niederschlesien, Lebus, Westpreußen, Pommern und das südliche Ostpreußen waren vor der Vertreibung der ansässigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg mehrheitlich evangelisch-lutherisch. Oberschlesien und Ermland waren demgegenüber bereits vor dem Zweiten Weltkrieg schon mehrheitlich katholisch.
Ein besonders hohes Ansehen in Polen besitzt der verstorbene Papst Johannes Paul II., der vor seiner Papstwahl als Karol Wojtyła Erzbischof von Krakau war und eine bedeutende politische Rolle während des Zusammenbruchs des Ostblocks inne hatte.
Siehe auch: Konfessionen in Polen
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Polens
Vorhistorische Zeit und Gründung
Geschichte Polens im Frühmittelalter ]]
Während der Eiszeiten lebten bereits Jäger und Sammler auf dem Gebiet des heutigen polnischen Staates, soweit die Vergletscherung ihnen Lebensraum zurückließ. Zentren dieser frühen Kulturen waren z.B Höhlen und Felsen in den südlichen Bergen. So wurde z.B. der Wawelhügel mitsamt Grotte in Krakau schon vor 20.000 Jahren bewohnt. In der Bronze- und Eisenzeit dominierte die Lausitzer Kultur und Przeworsker Kultur. Als bekanntestes Beispiel gilt die Pfahlbausiedlung in Biskupin, die um 700 v. Chr. gegründet wurde und um 400 v. Chr. von Skythen zerstört wurde. Während der Antike unterhielt die Bevölkerung im Gebiet des heutigen Polen über die Bernsteinstrassen Handelsbeziehungen mit Rom und Griechenland. Die Römer erwähnten bereits um Christi Geburt die Städte Kalisch und Turso. Germanische Stämme, die zeitweilig in Nord- und Westpolen siedelten (Goten, Vandalen und Burgunder) zogen während der Spätantike ins heutige Frankreich, Spanien und Tunesien und vermischten sich mit den dortigen Bevölkerungen. Gleichzeitig kamen während der Völkerwanderung andere Völker, darunter die Hunnen, Slawen und Awaren in das heutige Polen. Dauerhaft siedelten seit dem 5. Jahrhundert die Westslawen. Vor der Staatsgründung veranstalteten die Wikinger, Ungarn und Mährer Raubzüge nach Polen. Mit dieser Zeit verbindet man auch die Sagen um die ersten Urfürsten Polens Popiel, Piast, Lech und Siemowit.
Polen, dessen Name sich vom westslawischen Stamm der Polanen ableitet, ist als Herzogtum im frühen 10. Jahrhundert von Posen und Gnesen aus gegründet worden. Es wurde von 960 bis 992 vom Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten regiert, der nach und nach die anderen westslawischen Stämme zwischen Oder und Bug unterwarf.
966 ließ sich Mieszko I nach römisch-katholischem Ritus taufen. Das Territorium erreichte durch Eroberungen unter Mieszko I. und seinem Sohn Boleslaw dem Tapferen Grenzen, die den heutigen Staatsgrenzen sehr nahe kamen. Um 997 schloss Polen ein enges politisch-militärisches Bündnis mit dem Heiligen Römischen Reich, während des Staatsakts zu Gnesen im Jahr 1000 wurde die Übereinkunft vom polnischen Herrscher Boleslaw I. und Kaiser Otto III. bestätigt. Mit der Krönung Boleslaws
im Jahr 1025 wurde Polen in den Stand eines Königreiches erhoben.
Mittelalter und Neuzeit
Königreich - 1795 ]]
Während der Regentschaft des Piasten Kasimir I., wurde die Hauptstadt 1040 von Gnesen nach Krakau verlegt. Nach dem Tod von Boleslaw Schiefmund 1138 wurde die Senioratsverfassung eingeführt, nach welcher die Söhne Boleslaw III. als Juniorherzöge unter dem Seniorat des jeweils Ältesten der Dynastie unter ihnen die einzelnen Landesteile regierten. Bis 1295 dauerte die feudale Zersplitterung, der sogenannte Partikularismus, in Polen an, der zu einer starken politischen Schwächung Polens im 13. Jahrhundert führte. Polen zerfiel in mehrere de facto unabhängige Herzogtümer, Kleinpolen, Großpolen, Pommern, Sandomir, Schlesien, Masowien und Leczyca. Hinzu kamen in den folgenden Jahrhunderten Eroberungen verschiedener Staaten (Kgr. Böhmen, Mgf. Brandenburg, Kreuzritter vom Deutscher Orden). Auch der Mongolensturm des Jahres 1241, und die nachfolgenden großen Plünderungszüge der Tartaren ließen die Bevölkerungszahl in den polnischen Teilfürstentümern schrumfen.
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Polen unter der Regentschaft von Wladyslaw Ellenlang wiedervereinigt. Sein Sohn, Kasimir der Große, setzte den väterlichen Kampf um die Einheit fort und leitete erfolgreich soziale und wirtschaftliche Reformen ein, die Polen zu einer machtvollen Position in Mitteleuropa verhalfen. 1386 heiratete der litauische Großfürst Jagiello die polnische Königin Jadwiga von Anjou. Er, Wladyslaw II. Jagiello, nunmehr zugleich litauischer Großfürst und polnischer König, schuf den mächtigen Doppelstaat Polen-Litauen, der für die nächsten 300 Jahre die Geschicke Mittel- und Osteuropas entscheidend beeinflußte. Im 15. Jahrhundert, nach der politischen Ausschaltung des Deutschen Ordens, stieg das aus Polen und Litauen hervorgegangene Großreich zu einer der führenden Kontinentalmächte und war lange Zeit der größte Staat Europas mit Einflußsphären vom Baltischen- zum Schwarzen Meer und von der Adria bis an die Tore Moskaus. Auf Betreiben des letzten polnischen Königs aus der Jagiellonen-Dynastie, Sigismund August, wurde die Personalunion zwischen Polen und Litauen in Lublin im Jahr 1569 in eine Realunion umgewandelt. Polen und Litauen bildeten seit 1569 die sogenannte Adelsrepublik und damit den ersten modernen Staat Europas mit einem adelsrepublikanischen System.
Teilung, Unterdrückung und Kampf um die Unabhängigkeit
Geschichte Polens, 1793, 1795 ]]
Durch zahlreiche Kriege mit Schweden, dem Osmanischen Reich, Russland, Brandenburg-Preußen, Siebenbürgen, fehlende politische Reformen, sowie innere Unruhen in der Adelsrepublik, die sich durch Bildung von Magnaten Konföderationen gegen die Interessen des Staates und des Königs, Kosakenaufstände und dauerhafte Konfrontation mit den Krim-Tataren in den südöstlichen Wojewodschaften kennzeichneten, stürzten Polen im 17. und 18. Jahrhundert in dauerhafte Krise. In den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 wurde Polens innere Schwäche von seinen Nachbarn Preußen, Österreich und Russland ausgenutzt, welche Polen überfielen und am Ende rechtswidrig unter sich aufteilten. Polen wurde damit seiner Freiheit beraubt und in drei unterschiedliche Staaten zerrissen.
Auf Drängen des französischen Kaisers Napoleon entstand im Rahmen des Friedens von Tilsit 1807 aus den preußischen Besatzungszonen der Zweiten- und Dritten Teilung (1809 kam das mit der Dritten Teilung seit 1795 österreichisch besetzte Westgalizien hinzu), ein relativ kleines Herzogtum Warschau, als Vasallenstaat des revolutionären Frankreichs. Durch die Niederlage der polnisch-französischen Allianz in der Völkerschlacht bei Leipzig 1813, wurde das Herzogtum auf dem durch die Teilungsmächte dominierten Wiener Kongress größenteils 1815 dem zaristischen Russland zugesprochen, welches als Kongress-Polen in Personalunion mit Russland bis 1831 weitgehende Autonomie genoß. Im fehlgeschlagenen Novemberaufstand von 1830 versuchten die Polen die russische Fremdherrschaft und Dominanz abzuschütteln. Mit der Niederlage der Polen wurde die polnische Bevölkerung seit 1831 in den preußischen und russischen Besatzungszonen einer verstärkten Germanisierung - zufolge den preußischen Volkszählungen ohne größere Auswirkungen auf die Bevölkerungsverhältnisse - und Russifizierung unterzogen, die nach dem zweiten gescheiterten großen polnischen Aufstand, dem Januaraufstand von 1863, besonders forciert wurde. Die Bezeichnung Polen wurde verboten und das Land durch die russische Obrigkeit in "Weichselland" unbenannt. Ähnlich verfuhren auch die Hohenzollern mit ihrer Clique in Pommerellen und Großpolen (Provinz Posen), obgleich in preußischen Schulbüchern und Volkszählungen die Bezeichnung "Polen" weiterhin gebräuchlich blieb. Nur im von Österreich besetzten polnischen Galizien konnten die Polen mit den Liberalisierungsbestrebungen des Hauses Habsburg in der Donaumonarchie seit 1867 der geistig-nationalen Knechtschaft in den von Preußen und Russland dominierten Teilen Polens entkommen, das von da ab das Fundament der Wiedergeburt Polens nach dem Ersten Weltkrieg bildete.
Unabhängigkeit und die Zweite Republik 1918 - 1939
Ersten Weltkrieg am 18. März 1921, administrative Aufteilung in Wojewodschaften ]]
Aufgrund der Niederlage der Teilungsmächte nach dem Ersten Weltkrieg, erlangte Polen 1918 seine Souveränität zurück. Im Versailler Friedensvertrag wurden die Unabhängigkeit Polens 1919 auch im internationalen Rahmen bestätigt, während die Teilungsverträge der Jahre 1772, 1793 und 1795 für illegal erklärt und anschließend annulliert wurden.
Aufgrund der unklaren politischen Verhältnisse nach dem Zusammenbruch der Hohenzollern- und Romanow-Monarchien, kam es zu Grenzkonflikten bei der Neuordnung Mittel- und Osteuropas. 1919 begannen kämpferische Auseinandersetzungen zwischen polnischen, ukrainischen und bolschewistisch-russischen Kräften. Im August 1920 eroberten die Bolschewiken während des Polnisch-Sowjetischen Krieges Ostpolen, darunter auch weite Teile Galiziens. Nach dem Sieg Marschall Piłsudskis gegen die Bolschewiken an der Weichsel, wurde im Friedensvertrag von Riga am 18. März 1921 Polens Ostgrenze im Vergleich zur Curzon-Linie um etwa 250 km nach Osten verschoben. Die Curzon-Linie markierte die östliche Grenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, während die östlichen Gebiete eine gemischte Bevölkerungsstrukur aus Polen, Ukrainern, Weißrussen, Litauern, Juden, Tataren, Deutschen u.a. aufwiesen, wobei Polen in vielen Städten und die anderen Bevölkerungsgruppen, meist Weißrussen bzw. Ukrainer, auf dem Land dominierten. Während die Bevölkerungsmehrheit der Städte meist katholisch bzw. jüdisch war, war die Landbevölkerung überwiegend russisch- bzw. ukrainisch-orthodox. Gleichwohl verfehlte Piłsudski sein Ziel, die Ukraine als unabhängigen „Pufferstaat“ zwischen Polen und Russland zu etablieren, was eines der zentralen Ziele der polnischen Politik war. In Riga erkannte Polen die Ukraine als Teil der Sowjetunion unter Mykoła Skrypnyk an. Im annektierten Gebiet östlich des Westlichen Bugs, bildeten die Polen 1919 25% der Bevölkerung, 1939, nach der Amtszeit Piłsudskis waren es bereits etwa 38%. Polnische Sprachinseln im je nach Region mehrheitlich ukrainisch, weißrussischen oder litauischen Umland waren die Regionen Vilnius und Lemberg.
Kurz bevor Polen selbst vom nationalsozialistischen Deutschland überfallen wurde, stellte es im Zuge des Münchener Abkommens territoriale Forderungen an die Tschechoslowakei. Im Oktober 1938 annektierte Polen gegen den Willen der tschechischen Regierung das Olsagebiet, welches 1919 von der Tschechoslowakei besetzt wurde und mehrheitlich von Polen bewohnt wurde. Im September 1939 wurde Polen gemeinsam vom Dritten Deutschen Reich, dem deutschen Vasallenstaat Slowakei unter Jozef Tiso und der Sowjetunion überfallen. Zuerst besetzten Truppen des Deutschen Reichs und der Slowakei das Land und am 17. September, unter dem Vorwand des „Schutzes“ der weißrussisch-ukrainischen Bevölkerung, die Truppen der Sowjetunion. Die Annexion und Aufteilung des polnischen Staatsgebietes war zuvor in einem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt von den Diktatoren beschlossen worden. Damit nahm der Zweite Weltkrieg seinen Anfang, in dem sechs Millionen polnische Staatsbürger, darunter fast die Hälfte jüdischen Glaubens, ihr Leben verlieren sollten.
Zweiter Weltkrieg 1939 - 1945
Zweite Weltkrieg] Mit dem Überfall Deutschlands am 1. September und der Sowjetunion am 17. September 1939 auf Polen, begann der Zweite Weltkrieg. Noch vor dem Zusammenbruch der polnischen Front, floh die polnische Regierung über das neutrale Rumänien nach Paris, später nach London und organisierte von dort aus die Streitkräfte und den Widerstand neu.
Der Krieg gegen Polen sollte nach dem Willen der NS-Führung Züge eines rassistischen Verdrängungs- und Vernichtungsfeldzugs annehmen. Anders als im Westen machte Hitler schon vorher klar, dass er die "Liquidierung des führenden Polentums" (Reinhard Heydrich) ins Auge fasste. Allein in den ersten vier Monaten der deutschen Besatzungsherrschaft wurden mehrere 10.000 Personen erschosse | | |