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TechnologieUnter der Technologie (v. griech.: τεχνολογία technología = die Lehre, das System der Technik) versteht man die Gesamtheit der Verfahren zur Produktion von Waren und Dienstleistungen, die einer Gesellschaft zur Verfügung steht. Zur Übersetzung des englischen Wortes "technology" eignet sich "Technologie" demnach nur in Ausnahmenfällen, da das mögliche Bedeutungsspektrum von "technology" breiter ist und von "Technik" über "Gerät", "Werkzeug", "Computerprogramm" bis zu "System" und "Verfahren" reicht; entsprechend ist bei der Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche semantisch zu differenzieren. Technologie beinhaltet die Komponenten der Technik (Werkzeuge, Geräte, Apparate) und Komponenten der Logistik, die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen und deren Anwendung. In jüngster Zeit gewinnt die Technikfolgenabschätzung immer mehr an Bedeutung.
Häufig wird schönfärberisch Technologie anstelle von Technik verwendet. Spricht jemand im Zusammenhang z. B. bei Fahrzeugen von neuester eingesetzter Technologie, ist nur die Technik gemeint. Technologie soll das Wort Technik nur aufblasen und größer erscheinen lassen.
Technologie hat einen zeitlichen und kulturellen Kontext, so dass eine Technologie oft als Synonym für eine bestimmte Epoche (beispielsweise Bronzezeit, Informationszeitalter) oder als Bestimmung für eine Kultur (zum Beispiel bandkeramische Kultur) dient.
Die verfügbare Technologie beschränkt die erreichbare Produktivität sowohl qualitativ (was kann ich produzieren, was brauche ich an Voraussetzungen) als auch quantitativ (Kosten, Produktivität).
Unter High-Tech versteht man hochentwickelte Techniken, die neueste wissenschaftliche Erkenntnisse umsetzen, so beispielsweise die Produktion von CPUs oder bakteriell hergestelltes Insulin.
Im Gegensatz dazu bezeichnet Low-Tech absichtlich möglichst einfache, ausfallsichere Techniken (bei deren Entwicklung natürlich auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zum Einsatz kommen können), die dadurch einfach in Herstellung, Anwendung oder Wartung sind.
Juristisch gibt es den Begriff Stand der Technik, der eher im Sinne von Innovation verstanden wird und vom mehr konservativ geprägten Begriff anerkannte Regeln der Technik zu unterscheiden ist.
Bei der Entwicklung von Technologie unterscheidet man zwei Ansätze: zum einen den "technology push" - Ansatz, bei dem zuerst eine neue technische Entwicklung gemacht wird und danach nach möglichen Anwendungen und Nutzern gesucht wird, und zum anderen den Ansatz des "demand/market-pulls", bei dem technische Entwicklung nach den Bedürfnissen der Benutzer erfolgt. Seit den 80ern wird in der Industrie und bei der Technologiepolitik meist eine Doppelstrategie benutzt.
Geschichte
Obwohl der Gebrauch von Werkzeugen auch bei Tieren nachgewiesen wurde, ist der Begriff Technologie an die menschliche Kultur gekoppelt. Das Vorhandensein von Technologie (Werkzeuggebrauch, Feuer) wurde daher auch oft zur Abgrenzung zwischen Mensch und Tier verwendet.
Der technologische Fortschritt ist eng mit dem gesellschaftlichen Fortschritt insgesamt verknüpft. Während sich bis etwa zur industriellen Revolution die Technologie im Alltag kaum bemerkbar machte (weil sie sich nur langsam, wenn überhaupt, veränderte), ist spätestens mit dem Auftreten von Technologie-Katastrophen im 20. Jahrhundert der Begriff Technologie ins Bewusstsein der Menschen gedrungen.
Vor- und Frühgeschichte
Bereits in vorgeschichtlicher Zeit (Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit) schuf die verfügbare Technologie die Rahmenbedingungen für die entstehende Kultur und wurde daher zum prägenden Begriff. Obwohl heute oft eher abschätzig betrachtet (Dein Handy ist wohl noch aus der Steinzeit?) ist die Technologie dieser Epochen durchaus aufwändig und komplex, was sich in den heute noch vorhandenen Funden aus diesen Epochen (beispielsweise Ötzi) ausdrückt.
Prägende Technologien:
- Feuerstein
- Bronze
- Eisen
Antike bis 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts
Nachdem die Technologie der Vorzeit vor allem von den verfügbaren Materialien und Werkzeugen bestimmt war, entstanden schon in den antiken Hochkulturen erste Maschinen, und die Weiterentwicklung und Verbreitung von Techniken wurde systematisch betrieben. Trotzdem entwickelten sich Fortschritte nur langsam, da viele Schlüsseltechnologien, wie zum Beispiel Dampfmaschine, Elektrizität erst später entwickelt wurden, obwohl die Grundprinzipien teilweise schon bekannt waren.
In dieser Zeit wurde von Technologie selbst noch nicht gesprochen. Trotzdem gab es immer wieder Versuche, das bestehende Wissen zu beschreiben. Ab etwa dem 16. Jahrhundert setzte sich eine Lehre durch, welche die sich rasch entwickelnden Gewerbe, deren handwerklichen Verfahren und technischen Mittel, beschrieb. Die Hauptvertreter dieser Epoche waren Georgius Agricola und Réaumur. Agricola verfasste eine Enzyklopädie über den Bergbau und das Hüttenwesen. Unter der Anregung und Leitung von Réaumur wurde an der Pariser Akademie der Wissenschaften eine Sammlung von Beschreibungen der unterschiedlichsten Gewerbe erstellt. Diese Sammlung von Beschreibungen füllten im Jahr 1805 21 Bände und stellte somit die umfassendste Beschreibung von Methoden und Verfahren ihrer Zeit dar.
In dieser Zeit wurde das Wort Technologie wörtlich übersetzt, "Kunst der Rede". Somit beschrieb es die Fähigkeit, über wissenschaftliche Vorgänge zu sprechen.
Prägende Technologien:
- Maschinen
- Windkraft
- Wasserkraft
- Buchdruck
- Manufaktur
2. Hälfte des 18. Jahrhunderts bis 1. Viertel des 19. Jahrhunderts
Mit der Erfindung der Dampfmaschine im 18. Jahrhundert setzt man den Beginn der industriellen Revolution an. Die Möglichkeit, Energie künstlich in großem Maßstab zu erzeugen, gab der Technologie einen ungeahnten Aufschwung. Und der Begriff wurde selbst zum Gegenstand der Wissenschaft.
1777 veröffentlichte der Göttinger Professor für Ökonomie und Kameralwissenschaften Johann Beckmann die "Anleitung zur Technologie". Somit ist das erste Mal der Begriff der Technologie gefallen. Schon in der Erklärung für diese Wortwahl wird ersichtlich, was Beckmann beabsichtigte. Er wollte mit der Technologie eine Wissenschaft, die "Arbeiten, ihre Folgen und Gründe vollständig, ordentlich und deutlich erklärt". Doch die größte Leistung von Beckmann ist die systematische Erfassung und Ordnung des technologischen Wissens dieser Zeit. Sein Wirken beschränkte sich nicht nur auf seine Zeit. In weiteren Schriften fanden sich sogar schon Ansätze, Techniken nicht aus der Erzeugungsorientierten, sondern aus der Vorgangsorientierten Sicht zu beschreiben. In seinem "Entwurf der allgemeinen Technologie" sind so 51 Methoden- und Verfahrensklassen, die unabhängig von dem behandelnden Ausgangsstoff, den Produktionsprozess beschreiben. Somit war es das erste Mal in der Geschichte gelungen, die über die Zeit entwickelten Methoden und Verfahren, losgelöst von der ursprünglichen Verwendung, zu sehen. Dadurch konnten nun die scheinbar zusammenhangslosen Produktionsprozesse in Beziehung zueinander gesetzt werden.
Karl Marx ist die Person, die diese Entwicklung als erster beobachtet und beschrieben hat. Nach seiner Aussage wurde damit die moderne Wissenschaft der Technologie geschaffen.
Die Auffassung von Technologie als eigenständiger Wissenschaft hat sich nicht durchgesetzt, am engsten sind wohl die Ingenieurwissenschaften mit der Technologie verknüpft, obwohl in einem abstrakten Sinn alle Wissenschaften Beiträge zur Technologie liefern.
Prägende Technologien:
- Dampfmaschine
1. Viertel bis Ende des 19. Jahrhundert
In dieser Phase ist eine starke Entwicklung spezieller technologischer Bereiche zu erkennen. So entstehen Werke zur mechanischen, chemischen und landwirtschaftlichen Technologie. Die Entwicklung dieser Bereiche schritt im Prinzip unabhängig voneinander voran. Dieses kann eigentlich als Stillstand der Entwicklung der Technologie als Wissenschaft angesehen werden. Nur Karl Karmarsch scheint dem Gedanken der Zusammenführung der Technologie anzuhängen. So ist in seinem Werk "Handbuch der mechanischen Technologie" von 1837 bereits die Differenzierung in die allgemeine und spezielle Technologie anzutreffen. Auch die heute noch aktuelle Erforschung des Produktionsprozesses und deren systematische Darstellung beruht auf seinem Wirken.
Prägende Technologien:
- Dampfschiff
- Eisenbahn
- Elektrotechnik
Ende des 19. Jahrhunderts bis Mitte des 20. Jahrhunderts
In dieser Zeit kommt die industrielle Großproduktion auf. Die Dampfmaschine wird durch den individuellen Elektroantrieb ersetzt. So bestand nun die Möglichkeit, den Produktionsprozess neu zu gestalten und zu organisieren. Doch es ist anzunehmen, dass neue Produktionsprozesse, wie die Fließ- und Massenfertigung, nicht realisiert worden wären, wenn es nicht eine radikale Änderung der Betrachtungsweise des Produktionsprozesses gegeben hätte. So wurden die Produktionsvorgänge von einem abstrakteren Gesichtspunkt betrachtet und konnten so besser optimiert werden. Aus diesen Optimierungen, die sich überwiegend im Bereich der mechanischen und chemischen Industrie abspielten, bildeten sich die Fertigungstechnik, die Verfahrenstechnik, die Förderungstechnologie und auch die Verarbeitungstechnologie heraus. Diese Bereiche waren nun nicht mehr an die einzelnen Technologierichtungen gebunden und konnten so allgemeingültige Verfahren und Prozesse entwickeln.
Prägende Technologien:
- Automobil
- Fließband
- Flugzeug
- Funktechnik
ab Mitte des 20. Jahrhunderts
Mit der Entwicklung der Atombombe und dem Aufkommen der Atomtechnologie wurde zum erstenmal in der Geschichte die Selbstauslöschung der Menschen durch Technologie ermöglicht. Der Umgang mit Technologie und technischem Fortschritt wurde damit zur existentiellen Frage der Menschheit. Andere Technologien haben ebenfalls potentiell globale, katastrophale Folgen (Gentechnik, globale Erwärmung), so dass für manche der Begriff Technologie erstmals eine negative Nebenbedeutung bekommen hat und es Bestrebungen zur Begrenzung des technischen Fortschritts und zur Technologiefolgeabschätzung gibt.
Jedoch ist die technologische Entwicklung insgesamt relativ positiv zu bewerten, bezüglich ihrer Folgen. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Menschheit die Möglichkeit gegeben, die rechnerische Leistung des Gehirns mittels Computer zu multiplizieren (mit exponentieller Geschwindigkeit), was weitaus größere Folgen für den menschlichen Fortschritt haben wird, als die Multiplizierung des Muskelkraft von Menschen die durch die industrielle Revolution zustande kam.
Prägende Technologien:
- Kernkraft
- Raumfahrt
- Informationstechnologie
- Gentechnik
Wortherkunft
Aus dem Griechischen τεχνολογια (technologia), was abgeleitet ist von τεχνολογος (technologos) aus τεχνη (technä), Handwerk, Kunst, Technik und λογος (logos), (hier) Wissenschaft, also die Wissenschaft der handwerklichen Erzeugung oder Kunstfertigkeit oder moderner die Wissenschaft der Produktion.
Beispiele
Die Erfindung der Bronzebearbeitung zu Waffen und Werkzeugen, die der Menschheitsära der Bronzezeit den Namen verleiht, ist ein Beispiel aus der Geschichte, wo eine Technik aufgrund ihrer fundamentalen Bedeutung für sämtliche Lebensbereiche eine Einheit mit der Technologie bildete. Eine moderne Parallele findet man beispielsweise in der Informationstechnik, die bereits jetzt die Bezeichnung Informationszeitalter motiviert hat.
Literatur
- Seiffert, Helmut; Radnitzky, Gerard (Hrsg.) (1992): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie. 2. unv. Aufl. (Orig. 1989), München: dtv, ISBN 3-423-04586-8, S. 362-365 (Stichwort Technologie und deren Abgrenzung zu anderen Wissenschaften).
- Baudrillard, Jean; Böhringer, Hannes; Flusser, Vilem (1989): Philosophien der neuen Technologie, Berlin: Merve, ISBN 3883960667.
- Brödner, Peter (1997): Der überlistete Odysseus, Berlin: Edition Sigma, ISBN 3894046112.
Siehe auch
- Angepasste Technik
- Schlüsseltechnologie
- Ingenieurwissenschaft
- Technikfolgenabschätzung
- Automation
- Bahnen
- Computer
- Elektrotechnik
- Erfindung
- Informatik
- Internet
- Patente
- Raumfahrt
- Schifffahrt
- Verkehr
- Wissenschaft
- Forschung
- Mechanik
- Liste bedeutender Ingenieure
- Medientheorie
- Multimedia
- SciFi-Technologie
Weblinks
- [http://muse.jhu.edu/demo/technology_and_culture/v044/44.1hafter.pdf The Cost of Inventiveness]
ja:工業
ko:기술
ms:Teknologi
th:เทคโนโลยี
Griechische Sprache
Griechisch (griechisch ελληνικά) ist eine indogermanische Sprache, die einen eigenen Zweig dieser Sprachfamilie darstellt. Eine nähere Verwandtschaft scheint nur zur antiken makedonischen Sprache bestanden zu haben. Griechisch wird von ca. 16 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen ca. 10,5 Millionen in Griechenland leben, wo es Amtssprache ist. Die anderen Muttersprachler sind auf 35 andere Staaten verteilt. Auf Zypern ist Griechisch ebenfalls Amtssprache, offiziell neben dem Türkischen. Außerdem ist in einigen südalbanischen und süditalienischen Gemeinden, in denen Angehörige der griechischen Minderheit leben, das Griechische als lokale Amts- und Schulsprache zugelassen.
Siehe: Griko in Italien
Eine Vielzahl von altgriechischen Wörtern werden darüber hinaus auch in diversen Fachsprachen verwendet und haben Eingang in viele moderne Sprachen gefunden.
Die Sprachcodes nach ISO 639 für Neugriechisch (ab 1453) sind el
bzw. ell oder gre und für Altgriechisch (bis
1453) grc.
Geschichte
1453
Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie begegnen ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. - also in mykenischer Zeit - als sehr kurze Texte auf Transportamphoren, wo sie den Inhalt bezeichnen. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus dem Beginn des 12. Jahrhundert v. Chr.. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. ging die Linearschrift B und damit die Schriftlichkeit der ägäischen Welt nach herrschender Meinung verloren. Zumindest gibt es bisher keine Schriftfunde aus der Zeit der dunklen Jahrhunderte. Gegen Ende der dunklen Jahrhunderte, vermutlich um 800 v.Chr., übernehmen die Griechen das phönizische Schriftsystem, das sie im Grunde auch heute noch benutzen. Eines der bekanntesten frühen Beispiele der neuen alphabetischen Schrift zeigt der sog. Nestor-Becher. In klassischer Zeit ist eine Vielzahl von Dialekten feststellbar, zu den wichtigsten zählen das (noch heute in den Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, sind zum Beispiel in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Worte aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Metrums, im ganzen jedoch Ionisch mit äolischer Prägung ist.
Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregionalen Gemeinsprache (Koiné, griechisch κοινή, die Gemeinsame oder Allgemeine), die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Weltsprache und lingua franca aufstieg. Auch im Römischen Reich blieb Griechisch neben Latein Amtssprache, dies auch aufgrund der kulturellen Abhängigkeit der Römer von den Griechen. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache. Der Einfluss fremder Sprachen und der fortbestehenden Dialekte führte immer wieder, insbesondere im 2. Jahrhundert, zu Bemühungen um eine Reinigung der griechischen Sprache unter Rückgriff auf das klassische Attisch. Eine solche bereinigte Form des Altgriechischen wurde nach der Teilung des Römischen Reiches (395) zur Amts- und Literatursprache des oströmischen Reiches, das nach der Abschaffung der lateinischen Amtssprache um 630 endgültig vom römischen zum byzantinischen Reich wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt versiegt die Produktion literarischer Werke auf Altgriechisch; die Sprache des byzantinischen Reiches weist da schon deutliche Unterschiede in Grammatik und Aussprache auf. Nach der arabischen Eroberung Syriens und Ägyptens blieb Griechisch dort zunächst noch für einige Jahrzehnte Amtssprache, bevor es diese Funktion ab etwa 700 an das Arabische verliert.
Während der Besetzung Griechenlands durch das osmanische Reich war der Unterricht in griechischer Sprache offiziell verboten. Jedoch lebte sie im Alltag der Griechen (und vielfach von Priestern heimlich gelehrt) fort, veränderte sich aber aufgrund geringer Schriftkenntnis und mangelnder Gelehrsamkeit relativ stark. Nach der modernen Staatsgründung wurde die so genannte Katharévousa (griechisch καθαρεύουσα, Reinsprache; die Grundlagen wurden von Korais geschaffen) offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine „künstlich“ geschaffene Standardsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné abermals künstlich konservierte, jedoch innerhalb weitgehend neugriechisch geprägter Aussprache- und Grammatikstrukturen. Erst 1976 wurde die Volkssprache (Dimotikí, griechisch δημοτική) endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings sind viele Katharévousa-Worte im Laufe der Zeit wieder in die Dimotikí zurück übernommen worden.
Im Verlauf der Jahrtausende hat sich die griechische Sprache vielfach in der Aussprache geändert, die Orthographie blieb jedoch dank vielerlei Bemühungen um eine Reinhaltung der Sprache weitgehend konstant. Die in hellenistischer Zeit in die griechische Schriftsprache eingeführten Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis vor kurzem verwendet. Durch Erlass Nr. 297 des griechischen Präsidenten vom 29. April 1982 wurden der Akzent Gravis, der Akzent Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis abgeschafft. Es gibt seitdem in der griechischen Schriftsprache nur noch den Akzent Akut, der die betonte Silbe anzeigt.
Die griechische Sprache und Schrift hatte auf die Entwicklung Europas immensen Einfluss: Sowohl das lateinische als auch das kyrillische Alphabet wurde auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Die Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch, ausgelöst unter anderem durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453, war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus (siehe hierzu auch: Philhellenismus).
Noch heute werden wissenschaftliche Fachbegriffe gerne unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
Das Neue Testament wurde ursprünglich in hellenistischem Griechisch geschrieben und das erste Mal von Erasmus von Rotterdam gedruckt.
Grammatik
Altgriechisch
Die ersten Grammatiken des Abendlandes wurden zu hellenistischer Zeit in der philologischen Schule von Alexandria abgefasst. Aristarch von Samotrake schrieb eine tékhne grammatiké des Griechischen. Die vermutlich erste autonome grammatische Schrift ist die tékhne grammatiké des Dionysios Thrax (2. Jh. v.Ch.), welche die Phonologie und Morphologie einschließlich der Wortarten umfasst. Die Syntax ist Gegenstand eines sehr systematischen Werks des zweiten bedeutenden griechischen Grammatikers, des Apollonios Dyskolos (2. Jh. n.Ch.). Angeblich im Jahre 169/8 "importierten" die Römer die griechische Grammatik und adaptierten sie.
Die Grammatik des Altgriechischen ist auf den ersten Blick recht ähnlich zum Lateinischen, was Partizipialkonstruktionen und sonstige grammatische Phänomene (AcI etc.) anbelangt, so dass Lateinkenntnisse beim Erlernen des Altgriechischen sehr hilfreich sind – und umgekehrt. Gutes Verständnis der deutschen Grammatik hilft allerdings auch; in vielen Fällen ist das Altgriechische dem Deutschen strukturell ähnlicher als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel im Griechischen vorhanden, während sie im Lateinischen fehlen. Es gibt auch Fälle, in denen die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen eher oberflächlicher Art ist und mehr Verwirrung stiftet als hilft – beispielsweise werden die Zeitformen der Verben im Griechischen oft anders verwendet als im Lateinischen.
Im Westen und auch in diesem Artikel werden gewöhnlich lateinische Begriffe (wie Substantiv, Dativ, Aktiv, Person … ) zur Bezeichnung von altgriechischen grammatischen und semantischen Kategorien verwendet, die direkte Übersetzungen der griechischen Definitionen darstellen. In Griechenland werden dagegen bis heute die griechischen Originalbegriffe aus der tékhne grammatiké des Dionysios Thrax verwendet.
Nominale Wörter
Hierzu zählen die Wortarten Substantiv, Adjektiv und Pronomen, die alle dekliniert werden. Auch Partizipien, Verbaladjektive und Infinitive werden dekliniert, sie gelten aber als Zwischenformen (sogenannte Nominalformen des Verbs). Hinsichtlich der Deklination ist folgendes zu benennen:
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
- (allgemeine) Regeln:
- Maskulinum: bei Bezeichnungen für männliche Wesen, Winde, Flüsse und Monate
- Femininum: bei Bezeichnungen für weibliche Wesen, Länder, Inseln und Städte
- Neutrum: dient unter anderem zur Verkleinerung oder Verächtlichmachung von Wörtern männlichen und weiblichen Geschlechts.
- Für den sonstigen Gebrauch lassen sich keine eindeutigen Regeln aufstellen.
- Besonderheit des Neutrums: Bei Neutrum-Subjekten steht das Verb, auch wenn das Subjekt im Plural steht, in der 3. Person Singular. Diese Besonderheit besteht deswegen, weil das Griechische im Fall des Neutrums einen echten Plural nicht gebildet hat. Der Plural des Neutrums ist eigentlich ein aus dem Indogermanischen ererbter "kollektiver Singular", d.h. ein Sammelbegriff, der formal ein Singular ist, von der Funktion her aber einem Plural entspricht (wie im Deutschen: der Busch, das Gebüsch). Ferner haben im Neutrum – wie in allen indogermanischen Sprachen – Akkusativ und Nominativ identische Formen. Im Griechischen tritt noch die Form des Vokativs den beiden anderen Kasus als identisch hinzu.
Kasussystem
Von den acht Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen fünf erhalten: Nominativ, Akkusativ, Genitiv, Dativ und Vokativ. Die Funktionen der nicht erhaltenen Kasus des Indogermanischen haben sich im Griechischen auf den Dativ und den Genitiv verteilt. Die Aufteilung ähnelt der der deutschen Sprache.
Grundfunktionen der Kasus:
- Akkusativ
- echter Akkusativ (direktes Objekt)
- adverbial: Lativ (Richtung, Ausdehnung, Dauer)
- Genitiv
- echter Genitiv (Bereich)
- Separativ (Herkunft)
- Dativ
- echter Dativ (indirektes Objekt)
- Soziativ (Gemeinschaft)
- Instrumental (Mittel)
- Lokativ (Ort, Zeit)
Verben
Tempussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Tempusstämme: Präsensstamm, Aoriststamm, Perfektstamm, Futurstamm; wovon die ersten drei ein System bilden. Das Altgriechische besitzt aber kein ausgebildetes Tempussystem. Die Tempusstämme drücken Aspekte aus; – die subjektive Betrachtungsweise, das heißt die Art, wie der Sprechende den Verbalinhalt auffasst. Deswegen ist der Begriff Tempusstamm genaugenommen nicht richtig; besser zu sagen wäre Aspektstamm.
Der Aspekt des Präsensstamms ist durativ (linear, iterativ oder konativ). Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt der Verlauf oder das Andauern einer Handlung ausgedrückt.
Beispiele:
- νοσειν = (krank sein = ) krank darniederliegen
- (απο)θνησκειν = sterben ( = im Sterben liegen)
Der Aspekt des Aoriststamms ist punktuell. Das bedeutet, es wird der bloße Vollzug einer Handlung vermeldet. (Die Bezeichnung punktuell wird benutzt, um den Gegensatz zum linearen Präsensstamm auszudrücken. Der Aoriststamm ist die Normalform und benennt eine Handlung oder ein Ereignis, ohne ausdrücken zu wollen, ob diese Handlung in Wirklichkeit punktuell oder linear war/ist.) Bei diesem Aspekt wird in der Sprachpraxis gern ein bestimmter Punkt des Verbalbegriffs ins Auge gefasst, nämlich der Abschluss (effektiv) oder der Beginn (ingressiv) einer Handlung.
Beispiele:
- ingressiv: νοσησαι = krank werden oder erkranken
- effektiv: (απο)θανειν = sterben (als Moment des Dahinscheidens)
Der Aspekt des Perfektstamms ist resultativ. Das bedeutet, es wird mit diesem Aspekt ein (erreichter) Zustand oder einfach ohne jede nähere Bestimmung die Qualität einer Sache ausgedrückt.
Beispiele:
- τεθνηκεναι (τεθναναι) = (gestorben und nun) tot sein
- πεποιθεναι = vertrauen
Mit der Handhabung dieser drei Aspekte stellt der Griechischsprechende aber die zeitlichen Bezüge her, die von den Aspekten selbst nicht ausgedrückt werden. Die Aspekte gelten nun generell, während es eine direkt zeitliche Bedeutung nur im Indikativ gibt (bis auf das Futur. siehe unten).
Die Vergangenheit wird mit Hilfe der Nebentempora, die nur im Indikativ auftauchen, gebildet. Das sind im Präsensstamm das Imperfekt, im Perfektstamm das Plusquamperfekt und im Aoriststamm der Aorist. (Der Aoriststamm ist der älteste Tempusstamm und hat ein Haupttempus im Indikativ nie ausgebildet.)
Der vierte Tempusstamm des Altgriechischen, der Futurstamm, ist eine jüngere Entwicklung und hat in der Tat in allen Modi zeitliche Bedeutung.
Übersicht über die Tempusformen im Indikativ:
Modussystem
Es gibt im Altgriechischen vier Modi: Indikativ, Optativ, Konjunktiv, Imperativ. Die Funktionen, die diese Formen syntaktisch erfüllen, sind sehr vielfältig. Hier kann nur eine grundsätzliche Bestimmung ihrer Bedeutung vorgenommen werden.
Der Modus bringt die geistige Einstellung des Sprechenden gegenüber dem Verbalinhalt zu Ausdruck.
Mit dem Indikativ drückt der Sprecher aus, dass ihm ein Vorgang oder Zustand als wirklich (real) erscheint.
In den anderen Modi drückt der Sprecher aus, dass ihm der Vorgang oder Zustand nur als vorgestellt gilt.
Der Imperativ drückt einen Befehl aus.
Der Konjunktiv drückt einen Willen (Voluntativ) oder eine Erwartung (Prospektiv) aus. (Er hat also leicht futurische Bedeutung, was umgekehrt für das Futur in Bezug auf den Konjunktiv auch gilt).
Der Optativ drückt einen Wunsch (Kupitiv) oder eine Möglichkeit (Potentialis) aus.
Genera Verbi (eigentlich und für das Griechische besser: Diathese)
Von den drei Genera Verbi sind zwei (Aktiv und Medium) aus dem Indogermanischen geerbt. Das Passiv ist eine jüngere Entwicklung.
Das Aktiv drückt einfach eine Tätigkeit aus.
Das Medium drückt aus, dass das Subjekt an der Handlung beteiligt ist, oder an ihr interessiert ist, dass also eine nähere Beziehung zwischen Subjekt und Handlung besteht (transitives Medium). Ferner kann es ausdrücken, dass das Subjekt von seiner eigenen Handlung betroffen ist (intransitives Medium). Der Begriff Medium soll in etwa ausdrücken, dass diese Form zwischen Aktiv und Passiv stehe. Das ist jedoch weder sprachgeschichtlich, noch morphologisch richtig. Das Passiv ist im Griechischen der Grenzfall des Mediums, denn:
Das Passiv drückt die Wirkung einer Handlung auf das Subjekt aus, die nicht von ihm ausgeht. Insofern die Handlung nur noch auf das Subjekt wirkt, ohne von ihm auszugehen, bildet es den Grenzfall des Mediums. (Außerhalb des Futur- und Aoriststamms hat das Passiv keine eigenständige Form. Formal übernimmt dort das Medium neben der eigenen Funktion auch die des Passivs, was nur aus dem syntaktischen Zusammenhang, oder bei genauer Kenntnis der Beschaffenheit des entsprechenden Verbums zu unterscheiden ist.)
Beispiele:
Aktiv: er löst (etwas)
transitives Medium: er löst (etwas) für sich
intransitives Medium: er löst sich, er lässt sich lösen
Passiv: er wird gelöst (von jdm.)
- Singular
- Plural
- Dual (als Schwundform)
Erste Person (ich / wir), zweite Person (du / ihr), dritte Person (er, sie, es, Substantiv im Singular / sie, Substantiv im Plural).
Die Personalpronomen des Nominativ werden wie in vielen anderen indogermanischen Sprachen meist ausgelassen, wenn sie nicht besonders betont werden sollen. Es muss also nicht zwangsläufig ein das Subjekt ausdrücklich nennendes Bezugswort (Pronomen oder Substantiv) beim Verb stehen – die Endung reicht aus, um die Person und damit das Subjekt zu identifizieren.
Neugriechisch (Dimotiki)
Die neugriechische Sprache hat einen Großteil der altgriechischen Grammatik vereinfacht, ist aber immer noch eine stark flektierende Sprache. Sie ist eine der wenigen indogermanischen Sprachen, die eine synthetische (also nicht mit Hilfsverben konstruierte) Diathese behalten hat. Der Dativ ist bis auf wenige Formen wie εν τάξει (en táxei //) ("in Ordnung") verloren gegangen und wird meist durch die Konstruktion eis (eigentl. in... hinein) + Akkusativ ersetzt. Andere wichtige Änderungen der Grammatik sind der Verlust des Optativs (wird durch den Konjunktiv ersetzt), des Infinitivs (wird durch Nebensätze ersetzt "Ich will kaufen" -> "Ich will, dass ich kaufe") und des Duals (wird durch den Plural ersetzt), die Verkleinerung der Anzahl von Deklinationen und der verschiedenen Formen in jeder Deklinaton, der neue Modalpartikel θα (aus θέλω να ("ich will, dass...") > θε' να > θα) für das Futur und Konditional, die Einführung von Hilfsverben, die Reduzierung der Partizipien auf zwei, ein aktives und ein passives, die Erweiterung des Futurs auf die Aspektunterscheidung zwischen Präsens/Imperfekt und Aorist, der Verlust der dritten Person Imperativ, außer in Archaismen wie ζήτω! ('Lang lebe!'); neue Pronomen für die 2. Person Plural, da die alten wegen der Lautveränderung akustisch nicht mehr von denen der 1. Person Plural zu unterscheiden waren; und der Vereinfachung des Systems der Präfixe, wie bei der Augmentation und Reduplikation.
Das Phonemsystem der neugriechischen Sprache:
Vokale
geschlossen
halbgeschlossen
offen
Alle Vokale werden kurz ausgesprochen.
laut IPA
Konsonanten
p t k
b d g
v δ z γ
f θ s χ
m n
l
r
Siehe auch
- Griechisches Alphabet
- Liste griechischer Präfixe
- Liste griechischer Suffixe
- griechische Präpositionen
- Liste griechischer Magischer Quadrate
- Namenforschung
- Griechische Zahlen
- griechische Zahlwörter
- Griechische Phrasen und Redewendungen
Literatur
- Geschichte:
- Francisco R. Adrados: Geschichte der griechischen Sprache von den Anfängen bis heute. Tübingen/Basel 2002
- Hans Eideneier: Von Rhapsodie zu Rap. Aspekte der griechischen Sprachgeschichte von Homer bis heute. Tübingen 1999
- etymologische Wörterbücher (altgriechisch):
- Pierre Chantraine: Dictionnaire étymologique de la langue grecque : histoire des mots. 4 Bände. Paris 1968-80 (Neuauflage 1999)
- Hjalmar Frisk: Griechisches etymologisches Wörterbuch. 3 Bände. Heidelberg 1973
- Alois Vanicek: Griechisch-lateinisches etymologisches Wörterbuch. Leipzig 1877 (Nachdruck 1972)
- Wörterbücher (altgriechisch):
- Wilhelm Gemoll: Griechisch–Deutsches Schul- und Handwörterbuch bei Oldenburg Schulbuchverlag. ISBN 3-486-13401-9
- Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache in 4 Bänden. Braunschweig 1842 ff. (3. Aufl. 1880; Nachdruck 1954)
- Grammatiken (altgriechisch):
- Eduard Bornemann (u. Mitw. v. Ernst Risch): Griechische Grammatik. Frankfurt a.M. 1978
- Adolf Kaegi: Kurzgefasste griechische Schulgrammatik. Berlin 1884 (seither ständig nachgedruckt), ISBN 3-615-70100-3
- Historische Grammatik:
- Helmut Rix: Historische Grammatik des Griechischen. Laut- und Formlehre. Darmstadt 1992
Weblinks
- [http://www.geocities.com/kurogr/ Wörterbuch Mykenisches Griechisch - klassisches Altgriechisch - Englisch (PDF)]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/graeca/Auctores/g_alpha.html griechische Texte in der Bibliotheca Augustana]
- [http://info.uibk.ac.at/c/c6/c604/pdf/Hajnal/Griech.Dial.pdf Die Vorgeschichte der griechischen Dialekte] - Ein Aufsatz über Entstehen und Geschichte der altgriechischen Dialekte.
- [http://kypros.org/LearnGreek/ Online-Kurs vom zypriotischen Rundfunk CyBC, 105 Lektionen à 30 Min., engl., Real Audio]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.chairete.de/ Materialen zum Altgriechischen, Autoren]
- [http://www.altesprachen.de/heureka/heureka.htm Altesprachen.de]
- [http://www.geocities.com/Athens/Agora/6594/inhalt.html Altgriechisch] (Ziemlich umfangreicher Einstiegskurs)
- [http://www.combib.de/infoseiten/griechisch/griechisch.html Aussprachehilfe zum neutestamentlichen Griechisch] (Deutsche Schulaussprache, nicht Originalaussprache!)
- [http://www.gottwein.de/grueb/gr000.htm Altgriechischer Online-Sprachkurs]
- [http://www.gottwein.de/ Navicula Bacchi] (exzellente Seite rund um die Klassische Philologie mit sehr vielen Unterrichtsmaterialien)
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_griechisch.html Bibliographie - Griechisch]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Einzelsprache
als:Griechische Sprache
ja:ギリシア語
ko:그리스어
ms:Bahasa Greek
simple:Greek language
th:ภาษากรีก
Produktion
Produktion (v. lat.: producere = hervor führen) ist der vom Menschen bewirkte Transformations-Prozess, der aus natürlichen wie bereits produzierten Ausgangsstoffen unter Einsatz von Energie, Arbeitskraft und bestimmten Produktionsmitteln lagerbare Wirtschafts- oder Gebrauchsgüter erzeugt. Sie ist Teil des Betriebsprozesses. Eine umfassende Betrachtung der Produktion erstreckt sich nicht nur auf technologische Gesichtspunkte, sondern auch auf sozio-kulturelle und ethisch-normative Wertvorstellungen über die Arbeit, denen sie als einer der grundlegenden Vorgänge zur Deckung der menschlichen Bedürfnisse unterliegt.
Der Begriff der Produktion ist dabei zunächst nicht auf den industriellen Bereich beschränkt. Produziert wird ebenso im Handwerk, in der Land- und Forstwirtschaft und auf künstlerischem Gebiet. Dienstleistungen sind eingeschränkt produzierbar, solange ein zumindest in Maßen als Gegenstand zu begreifendes Produkt erzeugt wird (Fernsehsendung). Nicht lagerbare Wirtschaftsgüter, wie beispielsweise Elektrizität, werden dagegen in der Regel nicht produziert, sondern bereit gestellt.
Die wettbewerbsfähige Güterproduktion basiert auf hoch qualifizierten Fachleuten, besonders aber auf einem hohen Technisierungsgrad. Die Produktionsforschung entwickelt Verfahren, Ausrüstungen und Produktionsstätten unter anderem für den Fahrzeugbau oder das verarbeitende Gewerbe. Besonders wichtig sind ihre Ergebnisse aber im Maschinen- und Anlagenbau, dessen Produkte über die Leistungsfähigkeit der anderen Industriezweige bestimmen.
Umweltbelastung bei der Produktion eines Automobils
Dies fängt schon bei der Gewinnung der Rohstoffe die zur Herstellung eines Autos notwendig sind an. Auch beim Transport der Rohstoffe wird Energie verbraucht. Bei der Produktion eines einzigen Autos werden 200.000 Liter Wasser und die Energie aus 1500 Litern Öl verbraucht. Außerdem werden giftige Schwermetalle und krebs-erzeugende Lösemittel verwendet. Über 200.000 Tonnen Schlamm aus der Lackiererei werden jährlich als Sondermüll entsorgt. Die größte Umweltbelastung stellt der Betrieb eines Pkws dar : Es werden 1.016 Millionen m3 belastete Luft frei, über 12.000 l Kraftstoff, 112,5 l Motoröl, 10 l Frostschutzmittel, 6 l Bremsflüssigkeit, 3 Auspuffanlagen, 16 Reifen, 24.000 l Wasser zum Waschen, 10 Ölfilter, 5 Luftfilter und 20 Zündkerzen werden durchschnittlich bei einer Lebensdauer des Fahrzeuges von 10 Jahren verbraucht. Zur Herstellung eines Autos werden 40.000 kWh benötigt, um 100.000 km zu fahren braucht ein Auto etwa 50.000 kWh, für die Verschrottung sind noch einmal 5.000 kWh erforderlich. Ein Auto braucht also ca. 100.000 kWh, mit dieser Energie könnte ein durchschnittlicher Haushalt all seine Geräte ca. 30 Jahre lang betreiben.
Produktionswirtschaft, Produktionstheorie
Die Betrachtung der Produktion ist jedoch insbesondere auf die industrielle Fertigung im Produktionsbetrieb ausgerichtet.
Die Betriebswirtschaftslehre führt sie als eine der klassischen Funktionen im Betrieb (Produktionswirtschaft, Industriebetriebslehre, Technologie).
In der Volkswirtschaftslehre beschreibt die Produktionstheorie die Herleitung der Angebotskurve (Angebot (Volkswirtschaftslehre)) im Marktmodell. Von einer Technologie ausgehend, die alle technisch machbaren Kombinationen von Inputfaktoren beschreibt, lässt sich die effizienteste Faktorkombination - für gegebene Preise - herleiten (so genannte Gewinnmaximierung). Daraus lässt sich Faktornachfrage und das Güterangebot herleiten.
Modelle
- Faktor-Substitution
Substitutional bedeutet, dass die Faktoren beliebig kombiniert werden, also der eine Faktor den anderen ersetzen kann.
- Partielle Faktor-Variation
Im Gegensatz zur Faktorsubstitution, bei der die Ausbringungsmenge bei Änderung des Verhältnisses der Einsatzfaktoren konstant bleibt, ändert sich die Ausbringungsmenge. Partiell bedeutet ferner, dass lediglich ein Faktor geändert, der andere konstant gehalten wird.
- Totale Faktor-Variation
Alle Produktionsfaktoren können frei eingesetzt werden (keine Restriktion).
Siehe auch: schlanke Produktion (lean Production), Minimalkostenkombination, Kuppelproduktion
Faktorbeziehungen
Hinsichtlich der Faktorbeziehungen lassen sich substitutionale und limitationale Produktionsfunktionen unterscheiden.
Bei substitutionalen Produktionsfunktionen stehen die Ertragsfaktoren in keiner festen Relation zu dem mengenmäßigen Ertrag. Substitionale Produktionsfaktoren können daher gegeneinander ausgetauscht werden, ohne dass dadurch der mengenmäßige Ertrag verändert wird.
Im Gegensatz hierzu stehen die Faktoren bei limitationalen Produktionsfunktionen in einer technisch determinierten Relation zur geplanten Produktionsmenge. Zur Erzeugung eines bestimmten Ertrages ist eine technisch genau festgelegte Einsatzmenge jedes limitationalen Produktionsfaktors erforderlich. Dies findet man häufig in der chemischen Industrie.
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ja:生産
DienstleistungDienstleistung bezeichnet in der volkswirtschaftlichen Abgrenzung eine Leistung, die nicht der Produktion eines materiellen Gutes dient. Damit wird sie dem tertiären Sektor zugeordnet. Die Urproduktion (primärer Sektor) und die Produktion von Industriegütern (sekundärer Sektor) sind davon abzugrenzen.
Dienstleistungen werden von einer natürlichen Person oder einer juristischen Person zu einem Zeitpunkt oder in einem Zeitrahmen erbracht (i. d. R. gegen Entgelt).
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird eine Dienstleistung von der Sachleistung unterschieden. Die Dienstleistung ist nicht lagerbar, selten übertragbar (Immaterialität der Dienstleistung) und benötigt einen externen Faktor (Integration des externen Faktors). Die Erzeugung und der Verbrauch der Dienstleistung fallen meist zeitlich zusammen (uno-actu Prinzip).
Dienstleistungen sind nicht materiell, können aber materielle Bestandteile enthalten, beispielsweise ein Trägermedium, auf dem das Ergebnis der Dienstleistung übergeben wird. Die Güte der Dienstleistung bezeichnet man als Service-Qualität.
Durch den Immaterialitätsgrad kann es dabei zu Problemen bei der Messung der Dienstleistungsqualität kommen.
Dienstleistungen werden in standardisierte und individuelle Dienstleistungen unterschieden. Merkmal von standardisierten Dienstleistungen ist, dass die Leistung für einen fiktiven Durchschnittskunden erstellt wird. Die individuelle Dienstleistung wird hingegen für ein konkretes Individuum erstellt. Der Grad der Beteiligung (Integrationsgrad) des Kunden ist bei individuellen Dienstleistungen höher.
Die Abgrenzung zwischen Dienstleistung und Produktion ist hierbei fließend. Die Produktion eines vom Kunden eigens bestellten Gegenstandes (z.B. ein Schrank) ist auch eine Dienstleistung. Der Kunde hat hier die Möglichkeit, die Arbeit zu reklamieren oder in Frage zu stellen. Die Produktion eines Schranks, der im Handel gekauft werden kann, ist hingegen keine Dienstleistung, da die Produktion nicht auf Wunsch verändert oder reklamiert werden kann.
Demnach ist die betriebswirtschaftliche Definition von Dienstleistung nunmehr:
Jede Art von Arbeit, die im Sinne oder nach dem Wunsch eines Kunden ausgeführt wird. Anders beschrieben - das "Bemühen", das Bedürfnis des Kunden zu befriedigen.
Beispiele für Dienstleistungsbereiche:
- Handel
- Verkehr, Transport (Verkehrsdienstleistung)
- Kreditinstitute
- Versicherungsgewerbe
- Gastronomie, Hotellerie
- Wäscherei, Körperpflege, Fotoateliers
- Wasser-, Energieversorgung, Telekommunikation
- Arbeitnehmer- Arbeitgeberverhältnis
Kategorie:Dienstleistungssektor
Kategorie:Betriebswirtschaftslehre
Kategorie:Wirtschaft
GesellschaftGrundsätzlich muss unterschieden werden zwischen einem Alltagsverständnis von Gesellschaft (beispielsweise 'eine Menge von Personen', oder spezieller: "in guter Gesellschaft sein", "gesellschaftlichen Anschluss suchen", "das ist mir eine feine Gesellschaft") und der Verwendung des Begriffs in der Soziologie bzw. den Sozialwissenschaften überhaupt und im Privatrecht. Biosoziologisch gesehen ist der Mensch 'von Natur in Gesellschaft', mit (bereits) Aristoteles' Worten also ein ζώον πολιτικόν (zóon politikón), ein auf 'Staaten-(Gemeinden-, Poleis-)Bildung angelegtes Wesen'.
Die Herkunft des Begriffes "Gesellschaft" ist aus altertümlich gewordenen Worten wie "Geselle" erkennbar (vgl. Gleich und gleich gesellt sich gern). Eine oft implizite Bedeutung des Begriffs "Gesellschaft" ist, dass seine Mitglieder ein gegenseitiges Interesse oder ein Interesse an einer allgemeinen Zielsetzung teilen.
Gesellschaft (Soziologie)
Zum Begriff
In der Soziologie wird unter Gesellschaft allgemein das Zusammenleben von Menschen verstanden. Der Begriff wird auch für Gruppen von Menschen verwandt, beispielsweise für ein Volk, oder für einen strukturierten, räumlich abgegrenzten Zusammenhang zwischen Menschen (z.B. ("die schwedische Gesellschaft") oder für ein durch die Dichte und Multiplexität sozialer "Interaktionen" abgegrenztes Knäuel im Netzwerk der Menschheit.
Die Bezeichnung "Gesellschaft" ist als zentraler Grundbegriff der Soziologie nicht unumstritten. Analytisch eingeführt wurde der Terminus durch den Soziologen Ferdinand Tönnies 1887 in seinem Werk "Gemeinschaft und Gesellschaft". Tönnies stellt dem Begriff Gemeinschaft, welche sich durch gegenseitiges Vertrauen, emotionale Anbindung und Homogenität auszeichnet, den Begriff Gesellschaft gegenüber, derer sich die Akteure mit jeweils individuellen Zielen bedienen. Dies führt zu einer nur losen Verknüpfung der Individuen in der Gesellschaft. Beide, Gemeinschaft und Gesellschaft, sind für ihn Gegenstände der Soziologie.
Max Weber knüpfte mit dem Begriff Vergesellschaftung daran an.
Konkrete Anwendung des Begriffs
Für konkrete Anwendungen des Begriffs wird die Grenze der Gesellschaft wegen allzu schlecht bestimmbarer Allgemeinbegriffe meist da angesetzt, wo (vermeintlich) die Gemeinsamkeit endet, die mit der Verwendung des Begriffs angedeutet werden soll. Diese Gemeinsamkeiten werden nach verschiedenen Kriterien abgegrenzt. So werden einzelne Länder (Abgrenzungskriterium: Landesgrenzen) als Gesellschaften bezeichnet, ebenso wie Kulturen (Abgrenzungskriterium: Kulturgrenzen) und soziale Systeme.
Wer Soziologie betreibt, wird immer fragen, wer erfolgreich eine "Gesellschaft" definiere. Dies ist schwieriger als beim Staat (auch der Nation) zu ermitteln, der durch völkerrechtlichen Vertrag oder erfolgreiche Proklamation entsteht, oder selbst beim Volk, das sich im Selbstverständnis durch symbolische, miteinander eng vernetzte Medien (Sprache, Liedgut, Abstammungs- und andere Mythen usw. als solches versteht, oft mit dichterischer Nachhilfe - vgl. Homer, Dante, Luther; Nationaldichter). Wer aber definiert z.B. die "polnische Gesellschaft", d.h. grenzt das oben angesprochene "Knäuel" im sozialen Netzwerk Ostmitteleuropa als das "polnische" ab? Vermutlich Soziolog/inn/en.
Den politischen Eliten kann das kaum Recht sein. Die neoliberale Politikerin Margaret Thatcher stellte die Existenz von "Gesellschaft" überhaupt in Abrede.
Soziologische Schulen und ihr Zugriff zur "Gesellschaft"
Im (z.B.) Strukturfunktionalismus bildet sich aus Akteuren dann eine "Gesellschaft", wenn sie in der Lage ist, mittels bestimmter sozialer Funktionen die menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen (vgl. Talcott Parsons, aber auch: den Funktionalismus). Funktional darauf ausgerichtet bilden sich "Institutionen"; und ohne die Herausbildung von entsprechenden "Strukturen" ist eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung nicht möglich.
Auch ein Robinson Crusoe überlebt nur, weil er die Methoden zur Bewältigung der Welt (Normen, Werte, Fähigkeiten) verinnerlicht hat, weil er die Gesellschaft in sich trägt - z.B., wenn er auf seiner einsamen Insel 'fromm' wird. Akteur (oder, strittig, Individuum) und Gesellschaft stehen in einem wechselseitigem Abhängigkeitsverhältnis. Langfristig stabilisieren sich Gesellschaften nur, wenn sie sich über Sozialisation Strukturen und Wertvorstellungen reproduzieren. Ursprüngliche Instanz ist hier durch biologische Determination die Kernfamilie (sogar dies ist umstritten).
"Gesellschaft" in systemtheoretischen Begriffen ist, mit Luhmann ausgedrückt, das umfassendste soziale System, die Einheit, die keine soziale Umwelt mehr hat und alle (anderen) sozialen Systeme, Verhältnisse und Tatbestände umfasst. Anders ausgedrückt ist Gesellschaft alles, was durch Kommunikation füreinander erreichbar ist.
Für den 2002 verstorbenen französischen Soziologen Pierre Bourdieu ist "Gesellschaft" nicht völlig erklärbar. Es gebe aber zwei zu unterscheidende Ebenen: die Ebene der sozialen Praxis, in der sich das Leben nach Regelmäßigkeiten abspiele, deren Ablauf die Akteure zum großen Teil unbewusst inkorporiert haben, und die Ebene der "Theorie der Praxis", wo untersucht werden müsse, die unbewussten, in ihrer Gesamtheit kaum wahrgenommenen Machtverhältnisse der sozialen Praxis aufzudecken, und zwar dort, wo sie weitest gehend mit den Gewohnheiten des Handelns, des Wahrnehmens und Beurteilens bricht. Bourdieus sehr einflussreiches Werk enthält damit eine gesellschaftskritische Komponente.
Auch in der heutigen (2005) Soziologie ist die Verwendung des Begriffes "Gesellschaft" nicht unumstritten. So fordert z.B. der britische Soziologie John Urry für eine Soziologie des 21. Jahrhunderts die Abkehr von der Analyse von "Gesellschaften" (Sociology Beyond Societies, London 2000).
"Weltgesellschaft"
Tönnies' und Luhmanns Ansätze erlauben - wie die vieler anderer soziologischer Makrotheoretiker - auch die Konzeption einer "Weltgesellschaft" (bei Karl Marx durch den durchdringenden Ausbeutungsmechanismus im Kapitalismus; bei Ludwig Gumplovicz durch den Krieg zwischen Gruppen; bei Ferdinand Tönnies durch den Fernhandel; bei Niklas Luhmann durch Anschluss von Kommunikationmedien wie etwa durch "Zahlungen" von "Geld"; usw.).
Die Gesellschaft wird hier nach dem geschichtlichen Entwicklungsstand der Produktionsverhältnisse beschrieben:
- Urgesellschaft
- Sklavenhaltergesellschaft
- Feudalismus
- Asiatische Produktionsweise
- Kapitalismus
- Sozialismus
- Kommunismus
Rechtsform
Das Wort Gesellschaft wird im juristischen Sprachgebrauch für Zusammenschlüsse natürlicher oder juristischer Personen gebraucht, siehe Rechtsform.
Verwandte Themen
- Gesellschaftsordnung, Sozialstruktur, Gemeinwesen, Unterscheidung von Staat und Gesellschaft, Gesellschaftsmodell, Nivellierte Mittelstandsgesellschaft
- Industriegesellschaft, Konsumgesellschaft, Dienstleistungsgesellschaft, Informationsgesellschaft, Erlebnisgesellschaft, Netzwerkgesellschaft, Risikogesellschaft
ja:社会
ko:사회
nb:Samfunn
simple:Society
zh-min-nan:Siā-hōe
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Gesellschaftsrecht
Kategorie:Wortexport
TechnikUnter Technik (altgriechisch τεχνη [téchne], „Fähigkeit, Kunstfertigkeit, Handwerk“) versteht man Verfahren und Fähigkeiten zur praktischen Anwendung der Naturwissenschaften und zur Produktion industrieller, handwerklicher oder künstlerischer Erzeugnisse, wobei der griechische Begriff zwischen den heutigen Kategorien Kunst und Technik nicht unterschied (siehe Martin Heidegger: Die Frage nach der Technik).
Technik kann als die Fähigkeit des Menschen verstanden werden, Naturgesetze, Kräfte und Rohstoffe zur Sicherung seiner Existenzgrundlage sinnvoll einzusetzen oder umzuwandeln. Neben den materiellen Bedürfnissen (Nahrung, Kleidung, Wohnen) werden auch kulturelle Bedürfnisse durch die Technik gesichert.
Technische Fertigkeiten werden in Handwerk und Industrie auf den verschiedensten Ebenen von den Lehrberufen bis zu den Ingenieurwissenschaften benötigt. Letztere sichern den Erhalt bekannter und die Entwicklung neuer Techniken, sind aber mit Technik nicht gleichzusetzen.
Bedeutungsvarianten
Das Fremdwörterbuch des Duden definiert die Technik in fünf Aspekten:
# Alle Verfahren, Einrichtungen und Maßnahmen, die der praktischen Nutzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse dienen - insbesondere in Fachgebieten wie Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Informationstechnik.
# Ausgebildete Fähigkeit oder Kunstfertigkeit, die zur richtigen Ausübung einer Sache notwendig ist
# Die Gesamtheit der Verfahren und Kunstgriffe, die auf einem bestimmten Fachgebiet üblich sind („Stand der Technik“)
# Technische Hochschule bzw.-Universität, TU (süddt./österr.)
# Industrielle und andere Herstellungs- und Produktionsverfahren.
Technik als Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse
Technik besteht in der Anwendung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und den daraus resultierenden Verfahren in verschiedenen Fachgebieten:
- Elektrotechnik
- Computertechnik
- Tontechnik und Mediendesign
- Maschinenbau
- Verkehrstechnik und Fahrzeugbau
- Luftfahrt und Raumfahrt
- Bauingenieurwesen
- Bergbau und Metallurgie
- Technische Physik
- Technische Chemie
- Technische Mathematik
- Medizintechnik
- Gentechnik
- Geowissenschaften
- Informationstechnik
- Nachrichtentechnik
- Verfahrenstechnik
- Wehrtechnik
- Agrartechnik
Entwicklungs- und Forschungseinrichtungen dieser Fächer erarbeiten an Hochschulen, in der Industrie und anderen Forschungsstätten zusammen mit Betrieben und Einzelpersonen auch die Grundlagen von Produktionsverfahren und den aktuellen „Stand der Technik“ (Aspekt 3).
Technik als menschliche Handlungsfertigkeit
bedeutet im Sinn der Aspekte 2 und 5 sinnvolle, zielgerichtete und wiederholbare Vorgehensweisen des menschlichen Handelns, die in sämtlichen Bereichen menschlicher Aktivitäten anzutreffen sind. Beispiele:
- im Sport (Technik des Stabhochsprungs, des Diskuswurfs, des Delphin-Schwimmstils etc.),
- in der Kunst (Technik der Aquarellmalerei, des Trompetenblasens etc.),
- Alltagsaktivitäten (Technik des Fensterputzens etc.)
Neben der Befriedigung materieller Bedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Wohnen) werden auch kulturelle Bedürfnisse durch Anwendung von Techniken gedeckt. Auch der Einsatz naturwissenschaftlich unwirksamer Fertigkeiten - "magischer Techniken" nach Gehlen - wird hier gelegentlich einbezogen (z.B. als Götterzwang durch Opfer, Gebetsformeln, Tänze).
Technik als Kürzel für Hochschulen
folgt einem langjährigen Sprachgebrauch. Auch wenn dieser nicht ganz korrekt ist, entspricht die Gliederung technischer Hochschulen und -Universitäten (THs, TUs) in Abteilungen oder Fakultäten doch den obigen Aspekten. Außerdem tragen sie wesentlich zum „Stand der Technik“ bei.
Umgangssprachliche Verwendung und Abgrenzung des Begriffs zur Technologie
Der Begriff Technik wird oft verallgemeinernd – oft auch abwertend – für die Gesamtheit aller industriell hergestellten mechanischen Objekte in unserer Umwelt verwendet.
Des Weiteren wird Technik oft mit Technologie (die Gesamtheit aller verfügbaren und industriell nutzbaren Techniken, samt ihrer (ingenieur)wissenschaftlichen theoretischen Grundlagen) gleichgesetzt. Dies ist aber inhaltlich irreführend, denn schlicht gesagt ist Technik die Anwendung oder Umsetzung einer Technologie, während eine Technologie also das Wissen über technische Zusammenhänge - als wörtliche "Übersetzung" des englischen Worts "technology" - sein soll.
Das Attribut „technisch“
bezeichnet verschiedene Aspekte im Alltag, in der Industrie und Technik bzw. in den Naturwissenschaften, die über o.e. Aspekte hinausgehen:
- "technisch" als nähere Beschreibung von Fachbereichen oder Fachgruppen - beispielsweise Technische Chemie, technische Geologie, Gewerkschaft der technischen Berufe
- "technisch" im Denken - meist gleichbedeutend mit systematischem oder ausgeprägt logischem Denken - oder
- als Vorgehensweise - im Gegensatz z.B. zu intuitiv - meist unter Ausschluss emotionaler Aspekte
- "technisch" als Ablauf - z.B. bei einer Veranstaltung, bei Produktionsmethoden, oder bei Störungen durch „technische Pannen“.
Siehe auch:
- Portal:Technik
- anerkannte Regeln der Technik
- Forschung & Entwicklung (FuE, auch Research and Development (R&D)
- Ingenieurwissenschaften
- Konstruktion
- Norm
- Qualität
- Technikphilosophie
- Technikgeschichte
- Techniksoziologie
- Technikethik
- Medientheorie
- Stand der Technik
- Technischer Fortschritt, Automatisierung
- Technizismus
- Techniker
- Technische Chemie
- Technische Mathematik
- Technische Physik
- Technische Universität
- Technischer Zeichner
- Technologie
- Technokrat
- Werkzeug
- Ziviltechniker
- Technik (Schulfach)
- Artes mechanicae
Literatur
- Seiffert, Helmut; Radnitzky, Gerard (Hrsg.) (1992): Handlexikon zur Wissenschaftstheorie. 2. unv. Aufl. (Orig. 1989), Berlin: dtv, ISBN 3-423-04586-8, S. 358-365 (Stichworte Technik und Technologie; und deren Abgrenzung zu anderen Wissenschaften).
Kategorie:Technik
Kategorie:Techniktheorie
WerkzeugEin Werkzeug ist ein Arbeits- bzw. Produktionsmittel oder auch Teil der Fertigungshilfsmittel. Als ein System aus physikalischen Komponenten oder Informationen erleichtert oder ermöglicht es überhaupt erst die Durchführung bestimmter konkreter Arbeiten. Das Werkzeug ist dabei im Gegensatz zur Maschine nicht unabhängig einsetzbar. Es erfüllt seinen Zweck nur im Rahmen seiner Handhabung durch einen Menschen (oder ein Tier) oder als Komponente innerhalb einer Maschine oder eines Apparates.
Im Einzelnen steht der Begriff Werkzeug für
#einen für bestimmte Zwecke geformten Gegenstand oder ein Mittel zur Erweiterung der (beschränkten) Möglichkeiten eines Individuums, mit dem etwas bearbeitet oder hergestellt wird.
#die Gesamtheit der Werkzeuge, die für eine Verrichtung gebraucht werden (das Werkzeug des Tischlers).
#in der Informatik eingesetzte Software zur Erstellung anderer Software (z. B. Compiler, Interpreter).
#ein in der Massenproduktion (Massenfertigung) eingesetztes Hilfsmittel, das im Werkzeugbau oder Formenbau hergestellt wird.
#ein zur Bearbeitung von Werkstücken auf Werkzeugmaschinen eingesetztes Bearbeitungswerkzeug.
Bereits Schimpansen sind in der Lage, nicht nur Dinge als Werkzeug zu benutzen, sondern auch gezielt herzustellen. Im Verlauf der Steinzeit wurden sehr viele der heute noch üblichen Werkzeuge entwickelt. Die ältesten Steinwerkzeuge, die das Niveau der Schimpansentechnik übertrafen, wurden vor 2,4 Millionen Jahren vermutlich durch Homo rudolfensis hergestellt. Metalle als Material für Werkzeuge sind seit der Bronzezeit üblich. Der bekannteste Beruf zur Herstellung von Werkzeugen aus Metall ist der Schmied.
Um die Gesamtheit der Mittel und Hilfsmittel beim Lernen zu bezeichnen, hat sich in der Pädagogik/Erziehungswissenschaft der Begriff des Lernwerkzeugs durchgesetzt. Im Unterrichtsalltag kommen Lernwerkzeuge in Form von Heften, Füllern, Radiergummis, Linealen, Taschenrechnern und Computerprogrammen (z.B. elektronische Nachschlagewerke) etc. vor. Sie sparen Zeit, Material oder erledigen immer gleiche Abläufe. Gute Lernwerkzeuge helfen und sorgen für eine Arbeitserleichterung und tragen auch zu einer Unterstützung wichtiger Lernaktivitäten bei.
Werkzeuge werden, abhängig von ihrer Verwendung, auch als Instrumente bezeichnet, zum Beispiel die chirurgischen Instrumente.
Siehe auch
- Liste der Werkzeugmaschinen
- Liste der Werkzeuge
- Werkzeuggebrauch bei Tieren
Weblinks
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Kategorie:Handwerk
ja:道具
simple:Tool
GerätDer Begriff Gerät, allgemeiner auch Gerätschaft, wird in der deutschen Sprache als Oberbegriff für alle möglichen Dinge, mit denen etwas bearbeitet oder bewirkt werden kann, verwendet.
Unterhalb des Sammelbegriffes Gerät existieren wiederum zahlreiche einzelne Gattungen, wie beispielsweise Kriegsgerät, Elektrogerät, Haushaltsgerät, Meßgerät. In diesem Sinne kann ein Gerät auch ein spezielles Werkzeug sein. Der Ausdruck Gerät wird in der Alltagssprache auch als ein Synonym für ein technisches Gebilde, vergleichbar Apparat und Maschine verwendet (zum Beispiel ein Radio- oder Fernsehgerät).
Beim Computer ist ein Gerät ein einzeln ansprechbarer Teil der Peripherie. Der englische Ausdruck lautet device.
In der Technik gibt es Bestrebungen, das Gerät als ein signalumsetzendes Gebilde zu normen, und im Gegensatz dazu: einen Apparat als stoff- oder materieumsetzendes und eine Maschine als energieumsetzendes technisches Gebilde.
Kategorie:Gegenstand
Kategorie:Gerät
TechnikfolgenabschätzungDas Forschungsgebiet der Technikfolgenabschätzung befasst sich mit der Beobachtung und Analyse von Trends in Wissenschaft und Technik bzw. Technologie und den damit zusammenhängenden gesellschaftlichen Entwicklungen, insbesondere der Abschätzung der Chancen und Risiken. Des weiteren soll die Technikfolgenabschätzung auch Richtlinien für die Prävention von Risiken und die verbesserte Nutzung der Chancen geben. (siehe auch Gefährdung)
Hintergrund ist, dass Technik-Anwendungen niemals nur ihr Arbeitsziel erfüllen, sondern darüber hinaus weitere Nebenwirkungen für die natürliche und soziale Umwelt haben. (siehe auch Restrisiko und Grenzrisiko)
Ein einfaches Beispiel dafür ist der Autoverkehr: der Transport erzeugt unerwünschte Verbrennungsprodukte, die in die Atmosphäre abgegeben werden und belastet die Wohnumwelt durch Lärm; der nötige Straßenbau versiegelt Flächen, beschleunigt den Oberflächenabfluss von Niederschlägen und zerschneidet die Habitate von Großsäugern. Ein anderes Beispiel wäre die Mobilfunk-Telefonie, bei der elektromagnetische Streufelder entstehen, deren Schädlichkeit diskutiert wird. Oft sind diese weitergehenden Auswirkungen sehr komplex und nicht auf Anhieb durchschaubar.
Die Technikfolgenabschätzung beinhaltet die separat betrachteten Gebiete der Technikfolgenforschung und der Technikfolgenbewertung. Im ersteren geht es um die wissenschaftliche Erfassung der „Folgen“ bzw. Nebenwirkungen, diese werden nur wertfrei erfasst bzw. dargestellt.
In der Technikfolgenbewertung geht es um die Bewertung der zu erwartenden Folgen. Die Bewertung folgt dabei den Präferenzen, die von den Betroffenen vorgegeben werden oder ersatzweise von deren Stellvertretern.
Methoden und Durchführung
Je nach der Art der untersuchten Technik oder Technologie kommt meist eine Vielfalt unterschiedlicher Methoden zur Anwendung. Mit Literaturrecherche, Dokumentenanalysen und Expertenbefragungen können erste Erkenntnisse gewonnen werden, welche Spezialgebiete näher in die Untersuchung eingezogen werden müssen. Fallstudien, Computer-Simulationen und die Entwicklung von Szenarien können quantitative Angaben zu den erwarteten Auswirkungen liefern. Stehen dabei umweltrelevante Aspekte im Vordergrund, werden derartige Untersuchungen auch als "Umweltverträglichkeitsprüfung" (UVP) bezeichnet. Eine Bewertung der Risiken kann ferner mit Verfahren der Bürgerbeteiligung erfolgen.
Für die Durchführung einer TA-Studie ist folgender Ablauf denkbar:
#Problemdefinition
#Beschreibung der Technologie
#Erkundung und Beschreibung von Nebenwirkungen der Technologie
#Beschreibung der Betroffenen
#Voraussage der sozialen und sonstigen Entwicklungen
#Bewertungen der Folgen
#Analyse politischer Handlungsoptionen
#allgemeinverständliche Vermittlung der Resultate
Es ist zu berücksichtigen, dass Voraussagen angesichts der gleichzeitigen Veränderungen der Umgebung in ihrer Aussage z. T. unscharf und unpräzise sind.
Forschungsgebiete
Herausragende Forschungsgebiete sind alle aktuellen, global relevanten wissenschaftlich-technischen Themen unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten. Dabei stehen v. a. die Methoden der Energieversorgung und der Ernährung im Vordergrund. Aber auch die Möglichkeiten der globalen Kommunikation per Internet ist von wesentlichem Interesse.
- Soziale Folgen von Technologie
- Automatisierung, Technischer Fortschritt
- Nachhaltige Energieversorgung
- geothermische Stromerzeugung
- Brennstoffzellen-Technologie
- Bioenergieträger
- Nukleartechnik
- Biotechnologie z.B. Gentechnik, Klontechnologie,
- Agrartechniken und Produktionsmethoden
- transgene Pflanzen
- Tierzüchtung
- Nanotechnologie
- Umwelt und Gesundheit
- Flächeninanspruchnahme, Flächenversiegelung
- Organtransplantation
- Informationstechnologie
- netzbasierte Kommunikation (Internet)
- Zukunftstrends im Tourismus
(siehe auch Fehlerfreundlichkeit)
Institutionelle Strukturen der Technikfolgen-Abschätzung
Die institutionellen Bindungen und Strukturen von TA-Projekten können variieren. Hier gibt es folgende Unterscheidungen:
- Auftraggeber und Finanzier der Untersuchung,
- Durchführung durch die Institution selbst oder durch Externe Institute
- Ergebnisvermittlung intern oder auch extern (Beteiligung der Öffentlichkeit).
Im Deutschen Bundestag wurde 1990 das Instrument der Technikfolgenbewertung nach langer Diskussion in die Geschäftsordnung integriert. Nach § 56a GO-BT kann der zuständige Ausschuss für die Technikfolgenabschätzung Technikfolgenanalysen veranlassen und für den Bundestag aufbereiten sowie auswerten. Für die Durchführung dieser Technikfolgenanalysen wurde kein parlamentseigener Apparat geschaffen, vielmehr wird in solchen Fällen das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) beauftragt. Das TAB wird vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse des Forschungszentrums Karlsruhe (FZK) auf der Grundlage eines befristeten Vertrages betrieben.
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GOBT)
§ 56a Technikfolgenanalysen
# Dem Ausschuß für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung obliegt es, Technikfolgenanalysen zu veranlassen und für den Deutschen Bundestag aufzubereiten und auszuwerten. Er kann mit der wissenschaftlichen Durchführung von Technikfolgenanalysen Institutionen außerhalb des Deutschen Bundestages beauftragen.
# Der Ausschuß für Forschung, Technologie und Technikfolgenabschätzung hat Grundsätze über die Erstellung von Technikfolgenanalysen aufzustellen und diese Grundsätze zum Ausgangspunkt seiner Entscheidung im Einzelfall zu machen.
Im November 2004 haben sich maßgebliche Personen und Institutionen der deutschsprachigen TA-Gemeinschaft zum [http://www.netzwerk-ta.net Netzwerk TA] zusammengeschlossen. Dieses versteht sich als ein Zusammenschluss von WissenschaftlerInnen, ExpertInnen und PraktikerInnen im breit verstandenen Themenfeld TA (Technifolgenabschätzung/Technology Assessment). Die Mitglieder des Netzwerks vertreten die verschiedenen Ausprägungen der TA und decken das weite Spektrum zwischen Theorie und Praxis, zwischen Forschung und Beratung sowie zwischen den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen ab.
Kritik
Kritiker (insbesondere aus dem Lager des Techno-Liberalismus) werfen den Technikfolgeabschätzern eine negative Haltung zur technologischen Fortentwicklung vor. Als moderne Ausformung des Ludditentums, so ihre die Kritik, werde ein negativer Einfluss unterstellt und keine Vision entwickelt und Technikfolgenabschätzung folge dem Motto "bremsen statt gestalten".
Siehe auch
Social Construction of Technology, Technology Governance, Technologie, Paradigmenwechsel, Zukunftsforschung, Ethik, Technikethik, Wirtschaftsethik, Fehlerfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Entschleunigung, Globalisierung
Literatur
- Ropohl, G. (1996): Ethik und Technikbewertung. Frankfurt/M
- VDI (1991): Technikbewertung: Begriffe und Grundlagen (Richtlinie 3780). Düsseldorf
- Westphalen, R. Graf von (Hg.) (1997): Technikfolgenabschätzung (3. Aufl.). München, Wien
- Grunwald, A.: Technikfolgenabschätzung - eine Einführung. Edition Sigma, Berlin 2002. ISBN 3-89404-931-6
- Bröchler, St. u.a. (Hg.) (1999) Handbuch Technikfolgenabschätzung. Berlin (3 Bde.). ISBN 3-89404-457-8
Weblinks
- [http://www.itas.fzk.de/ Forschungszentrum Karlsruhe ITAS - Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse]
- [http://www.tab.fzk.de/ Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag]
- [http://www.netzwerk-ta.net Netzwerk TA (Technikfolgenabschätzung)]
- [http://www.izt.de IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung Berlin]
Kategorie:Techniktheorie,
Kategorie:Techniksoziologie,
Kategorie:Arbeitsschutz
KontextAls Kontext (lateinisch con-textus »Zusammenhang«, Plural: „Kontexte“) wird ein Zusammenhang oder Umfeld beispielsweise eines Wortes oder einer Handlung bezeichnet. Im Falle eines Wortes bezieht sich der Kontext auf das sprachliche Umfeld des Textes.
Im Rahmen der Diplomatik (Lehre der mittelalterlichen und frühzeitlichen Urkunden) wird als Kontext der Teil einer Urkunde bezeichnet, der zwischen den einleitenden und abschließenden Floskeln (Protokoll und Eschatokoll) eine allgemeine Einleitung (Arenga die Vorgeschichte der Urkunde (Narratio) und den eigentlichen Rechtssachverhalt (Dispositio) enthält sowie die Beglaubigungsmittel ankündigt (Corroboratio).
Kontext ist ein Fremdwort aus dem Lateinischen (contexo = zusammenweben, zusammensetzen; contextus = verflochten, fortlaufend).
Die Vorsilbe Kon heißt auf deutsch „zusammen“, das Wort text heißt so etwas wie Textur, auf deutsch übersetzt „das Gewebe“.
Siehe auch: Kontextualisierung, Szene, Umfeld, Sprache, Kultur, Konstruktivismus, Kontextmenü
Weblinks
- http://www.thomasgransow.de/Grundbegriffe/Kommunikation.htm
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Historische Hilfswissenschaften
Bronzezeit
Die Bronzezeit ist die Periode in der Geschichte der Menschheit, in der Werkzeuge aus Bronze hergestellt wurden.
Im Allgemeinen geht die Jungsteinzeit bzw. die Kupferzeit der Bronzezeit voran. (Siehe auch Dreiperiodensystem)
Die Bronzezeit wird zur Urgeschichte oder Frühgeschichte gezählt. Insbesondere aus Europa, dem westlichen Asien und Ägypten sind Bronzezeitkulturen bekannt (z. B. Troja).
Geschichte
Vor der Bronze als erste Legierung verwendeten die Menschen der Jungsteinzeit bereits gediegene Metalle wie Gold und Kupfer, die hauptsächlich aus Erzen gewonnen wurden.
Auf die damit verbundenen Metallverarbeitungstechniken konnte bei der Entdeckung der Legierungstechnologie zurückgegriffen werden. Bronze besteht aus 90 % Kupfer und 10 % Zinn und ist weitaus härter als Kupfer selbst, weswegen es rasche Verbreitung fand.
Erstes bearbeitetes reines Kupfer wurde in Anatolien bei Konya sowie in Ägypten gefunden. Kupfererz wurde schon vor 6000 v. Chr. verhüttet. In Europa ist die Verarbeitung von Kupfererz seit etwa 3000 v. Chr. bekannt.
Die Bronzeherstellung ist in Ägypten zuerst nachgewiesen (ca. 3500 v. Chr.). In China begann die Bronzezeit im 3. Jahrtausend v. Chr., spätestens während der Xia-Dynastie.
Mit der Verwendung der Bronze gingen mehrere Technologien einher: So wurde der Bergbau für Kupfererz und Zinnerze vervollkommnet. Zur Metallgewinnung waren Verhüttungstechniken nötig, da weder Kupfer noch Zinn in größeren Mengen gediegen vorkommen.
Mussten Kupferwerkzeuge nach dem Guss noch durch Schmieden in Form gebracht und gehärtet werden, machte der Bronzeguss die Serienfertigung von nahezu fertigen Werkstücken möglich.
Der Fernhandel entwickelte sich weiter, Schiffbau und Seefahrt mussten betrieben werden, um die Erze von ihren Gewinnungsstätten (insbesondere Zypern (Kupfer) und Britannien (Zinn) zum Festland zu transportieren. Bronzebarren eigneten sich als wertvolles Handelsgut (Zahlungsmittel), nicht dagegen Bronzegegenstände.
Die bronzezeitlichen Kulturen sind landwirtschaftlich geprägt, und leiten gebietsweise die Urbanisierung (Stadtgründungen) ein.
Die ersten staatlichen Gebilde entstanden und führten zu Hochkulturen, meist als Stadtstaaten, teilweise (wie in Ägypten und China) auch als Großreiche.
China
In dieser Zeit wurden in mehreren Kulturen der Handel und mit ihm Schriften entwickelt, beispielsweise in China, Ägypten, Palästina (Phönizien) oder Mesopotamien.
Je nachdem, ob bereits eine Schrift entwickelt wurde und historisch verwertbare Aufzeichnungen angefertigt wurden, fällt der Anfang der Zinn- und Kupferverhüttung sowie der Bronzeherstellung und -bearbeitung regional in die Vorgeschichte (z. B. Mittel- und Nordeuropa), Frühgeschichte, (östlicher Mittelmeerraum, vorderer Orient) oder in die Geschichte (China).
Auch in Südamerika wurde bereits in präkolumbischer Zeit Bronze hergestellt. Die ältesten Funde stammen aus Argentinien. Südamerikanische Kulturen hatten bereits vor Christi Geburt einen Fundus an metallurgischen Techniken entwickelt, so auch die Legierung von Kupfer mit Gold und Zinn.
Abgelöst wurde die Bronzezeit durch die Eisenzeit, in der Bronze zwar weiterhin für Kult- und Alltagsgegenstände verwendet, in der Technik und Waffenherstellung aber vom Eisen verdrängt wurde.
Anhand der Bestattungsformen werden in Mitteleuropa nach der durch einfache Flachgräber dominierten Frühbronzezeit die mittelbronzezeitliche Hügelgräberkultur und ab etwa 1350 v. Chr. die spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur unterschieden.
Aus der Frühzeit der Bronzeverarbeitung lässt sich evtl. die Entstehung des Zwergenmythos erklären.
Mitteleuropa
Die Bronzezeit unterteilt sich im westlichen Teil Mitteleuropas in drei Epochen:
- Frühbronzezeit (ca. 2150-1550 v. Chr.)¹
- Mittelbronzezeit (ca. 1550-1350 v. Chr.)
- Spätbronzezeit (ca. 1350-800 v. Chr.)
¹ In Troja, d. h. dem westlichen Teil Vorderasiens, wird der Beginn der Frühbronzezeit auf Grundlage der 14C-Datierung der Phase Troja I um 2800 v. Chr. angesetzt. Etwa zeitgleich begann mit dem Frühhelladikum die Bronzezeit auf dem griechischen Festland. Auch in Südosteuropa und im Karpatenbecken begann die Frühbronzezeit z. T. bereits um die Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr.
Siehe auch:
- Portal:Vor- und Frühgeschichte
Literatur
- Anthony F. Harding, European Societies in the Bronze Age (Cambridge 2000).
- Albrecht Jockenhövel / Wolf Kubach (Hrsg.), Bronzezeit in Deutschland (Hamburg 1994).
- Hermann Müller-Karpe, Handbuch der Vorgeschichte, Bd. 4: Bronzezeit (München 1980).
- Ernst Probst, Deutschland in der Bronzezeit (München 1996).
Weblinks
- [http://www.archaeologie-online.de/links/154/156/index.php Weblinks zur Bronzezeit] bei http://www.archaeologie-online.de
- [http://www.geocities.com/Athens/Crete/4162/bronze_d.htm Bronze- und Urnenfelderzeit in Europa]. Kommentierter Index zur Bronzezeit und Urnenfelderzeit, geographisch gegliedert.
- [http://www.kulturenderbronzezeit.de.vu Kulturen der Bronzezeit].
- [http://www.bronzezeit-pioniere.de.vu Pioniere der Bronzezeitforschung].
- [http://www.uni-muenster.de/UrFruehGeschichte/pbfmain.htm Prähistorische Bronzefunde]. Wissenschaftliches Editionsunternehmen zu den prähistorischen Bronzefunden der Alten Welt.
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua]. In diesem Diskussionsforum werden in erster Linie Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike behandelt, wobei natürlich auch die Bronzezeit eine Rolle spielt.
-
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Bronzezeit.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Kurzer Überblick über die Bronzezeit in Oberfranken].
- [http://www.landschaftsmuseum.de/Seiten/Lexikon/Goldkegel.htm Archäologisches Lexikon im Landschaftsmuseum Obermain: Goldene Hüte und Zeremonialgewänder].
Kategorie:Zeitalter
!Bronzezeit
ja:青銅器時代
ko:청동기 시대
simple:Bronze Age
Bandkeramische KulturAls die Bandkeramische Kultur, Linearbandkeramische Kultur oder LBK wird eine der ältesten bäuerlichen Kulturen der Jungsteinzeit in Mitteleuropa bezeichnet. Die Bezeichnung Bandkeramik leitet sich von der charakteristischen Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus runden und eckigen Spiralbogenlinien ab.
Jungsteinzeit 1882 zur Definition der bandkeramischen Kultur benutzte.]]
Entstehung von Ackerbau und Viehzucht
Der Ackerbau entstand um 11000 v. Chr. im Nahen Osten (Fruchtbarer Halbmond). Seit 8200 v. Chr. bestanden auf Zypern und spätestens seit 6500 v. Chr. in Griechenland und auf dem Balkan ackerbauende Kulturen.
Ursprung der Bandkeramik
Traditionellerweise wird die Bandkeramik aus dem Starcevo-Körös-Komplex und aus dem des nördlichen Alföld abgeleitet, vielleicht unter Einfluss der endneolithischen Vinča-Kultur.
Zuvor waren aber aus dem westlichen Mittelmeerraum (Cardial-Kultur) über die Rhône-Achse neolithische Kulturen nach Mitteleuropa vorgedrungen. Beleg dafür ist vor allem das Vorkommen des Borstenmohns, der aus dem westlichen Mittelmeerraum stammt. Bevor die Bandkeramik bis zum Niederrhein vordrang, fand eine Ausbreitung des Ackerbaus (einschließlich Keramik) von den Küsten Südfrankreichs nach Norden statt. Der Beginn dieser Ausbreitung wird bisher auf 6500 v. Chr. datiert, muss aber mind. 500 Jahre früher erfolgt sein. Um 4500 v. Chr. überschreitet diese Bewegung den Ärmelkanal. Die aus der Cardial-Kultur abzuleitende La-Hoguette-Kultur findet sich von der Normandie (eponymer Fundort) bis ins Main-Neckar-Gebiet, die Funde sind gleichzeitig mit der ältesten und älteren Stufe der (Flomborn) Bandkeramik.
In den vergangenen Jahren ist der Prozess der Neolithisierung Mitteleuropas erneut in die Diskussion geraten. Traditionell hat die Archäologie eine Verdrängung der Jäger und Sammler durch die Bandkeramiker angenommen. Die Theorie einer Einwanderung donauländischer Bauern wird aber immer wieder in Zweifel gezogen und mesolithische Traditionen und westmediterrane Einflüsse herausgearbeitet. Aufgrund der mittleren Ausbreitungsgeschwindigkeit von einem Kilometer pro Jahr wird auch eine allmähliche Übernahme neuer Techniken durch die eingesessene Bevölkerung diskutiert. Da die Ausbreitung jedoch schubweise (teils sogar sehr rasant) und rein zahlenmäßig mit mehr als 40-facher Überlegenheit erfolgte, ist eine friedliche Ausbreitung, für die es im Übrigen nicht einmal geschichtliche Beispiele gibt, nach Ansicht vieler unwahrscheinlich.
Um 5500 v. Chr. ist die älteste Bandkeramik in Mitteleuropa fassbar. Etwa 5000 v. Chr. reichte die Kultur von Nordfrankreich (Pariser Becken) bis nach Moldawien und war die größte Flächenkultur des europäischen Neolithikums. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nur tiefliegende Lößflächen besiedelt wurden, in wie weit die Gebiete zwischen den Siedlungsstreifen (z. B. Donautal) von den Bandkeramikern genutzt wurden, ist noch weitgehend unklar.
Umwelt
Mit der Ausbreitung des Ackerbaus begann die umfangreiche Rodung der Wälder, sowohl durch Feuer (um Ackerland zu erhalten) als auch durch geschliffene Steinbeile, um Bau- und Feuerholz zu gewinnen. Eine steigende Entwaldung trat durch Verbiss ein, da die Haustiere in den siedlungsnahen Wäldern gehalten wurden. Ein weiterer unregelmäßiger Holzbedarf entstand durch die Getreidetrocknung.
Wirtschaftsweise
Neben dem schon seit dem Mesolithikum domestizierten Hund wurden Rinder, Schweine, Schafe und Ziegen gehalten. Einkorn, Emmer, Flachs, Hülsenfrüchte am Ende auch Mohn wurden angebaut.
Häuser
Die Bandkeramische Kultur zeichnet sich durch charakteristische Langhäuser aus. Diese Häuser mit einer Grundfläche von bis zu 40 m x 8 m (kleinere Bauten etwa 20 m x 5 m) bestanden aus einem tragenden Gerüst von 5 parallelen Pfostenreihen (zwei für die Längswände, eine unter dem Dachfirst, zwei als zusätzliche Stütze dazwischen). Die äußeren Pfostenreihen waren vermutlich mit lehmverputzen Rutengeflechten zu Wänden gearbeitet, das auf den Pfosten sitzende Satteldach vermutlich mit Stroh, Schilf oder Rinde gedeckt. Die Häuser waren in der Regel in einer norwest-/südöstlichen Orientierung aufgebaut, wobei die Wände des nordöstliche Teils zum Teil durch nebeneinandergesetzte Holzpfähle verstärkt waren; im südöstlichen Teil befand sich möglicherweise eine Zwischendecke eingezogen.
Das charakteristische Langhaus war jedoch nicht der einzige Haustyp. Es gab insgesamt drei verschiedene Grundpläne von Häusern, die aus drei verschiedenen Modulen zusammengesetzt waren. Als Ausgangspunkt gilt hier ein zentrales Modul (Kleinbau). Dieses konnte auch alleine existieren (Kleinbau). Die Zusammenstellung der Module beschränkte sich auf zwei Varianten:
- das zentrale Modul mit einem nordwestlichen Anbau (Bau)
- das nordwestliche Modul, das zentrale Modul und ein südöstlichen Moduls (Grossbau oder Langhaus) (Modderman 1988, van de Velde 1990).
Die Häuser dienten trotz ihrer Größe angeblich nur einer Kleinfamilie von 6-8 Personen als Unterkunft, hatten jedoch wahrscheinlich neben der Wohn- auch Speicherfunktion (eingezogene Zwischendecke im SE-Teil, nur über die Art der Pfosten belegt). Eine Verwendung als Stallung ist unwahrscheinlich (in Bodenuntersuchungen müssten sonst Phosphate aus Tiermist nachweisbar sein, was aber nicht der Fall ist).
Wie die Inneneinrichtung aussah, ist weitgehend unbekannt. Der Lehm zum Verputzen der Wände wurde direkt neben dem Haus entnommen, die dabei entstandenen Gruben wurden wahrscheinlich als Keller genutzt, wenn sie ihre Speicherfunktion verloren, als Mülldeponie; in der frühen Forschung über die Bandkeramikkultur führte dies zur irrigen Annahme, dass diese Gruben die eigentlichen Behausungen darstellten ("Kurvenkomplexbauten").
Die Häuser standen zumeist alleine, stellenweise in Gruppen von bis zu drei Häusern. Früher wurden größere Siedlungen angenommen, eng beieinanderliegende Funde von Hausgrundrissen scheinen jedoch zu unterschiedlichen Perioden zu gehören, diese Häuser standen also nacheinander, aber nicht gleichzeitig auf dem jeweiligen Areal; es steht zu vermuten, dass die Häuser, wenn sie unbrauchbar geworden waren, in unmittelbarer Nähe neu aufgebaut wurden.
Kult und Religion
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