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Teutonen

Teutonen

Die Teutonen (lat. teutoni oder teutones) waren ein germanisches Volk, das erstmals vom griechischen Seefahrer Pytheas um 325 v. Chr. erwähnt wurde. Ursprünglich stammten die Teutonen aus dem äußersten Nordwesten Jütlands, der heutigen Landschaft Thy. Im Jahr 120 v. Chr. müssen sie aber (angeblich) aufgrund einer Sturmflut ihr Heimatland verlassen und ziehen zusammen mit den Kimbern und Ambronen in Richtung Süden, wo es 113 v. Chr. zu Zusammenstößen mit den Römern kommt. 105 v. Chr. Schlacht bei Arausio (heute Orange) - Die Teutonen besiegen die Römer und gehen dabei besonders brutal mit ihren Gegnern um. 102 v. Chr. wurden die Teutonen von Marius bei Aquae Sextiae (heute Aix-en-Provence) vernichtend besiegt. Der König der Teutonen war Teutobod. Es gab nur zu Kriegszeiten, nicht zu Friedenszeiten einen König. Siehe auch: Kimbern und Teutonen ---- Heute wird Teutonen auch gelegentlich als Synonym für Deutsche gebraucht. Dabei schwingt in der Regel eine Nebenbedeutung von 'martialisch' oder 'grob, unkultiviert' mit. Beispiel: Der Strand bei Rimini wird als Urlaubsziel der Deutschen gelegentlich "Teutonengrill" genannt. Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Germanischer Stamm

Germanen

Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit ähnlicher Sprache, Kultur, Abstammung und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Jahrtausend vor Christus bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich zunächst nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich im dünn besiedelten Mitteleuropa während der längsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Von den Römern wurden sie oft als große Menschen mit blondem oder rotem Haar bezeichnet.

Ursprünge

Mitteleuropa Die historischen Überlieferungen über die Germanen beginnen mit den Berichten antiker Schriftsteller im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus.

Schrift und Sprache

:Hauptartikel: Germanische Sprachen Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Für die Zeit davor geben nur Archäologie und die vergleichende Sprachwissenschaft, Auskunft über die germanischen Völker. Die Sprachwissenschaft konnte durch sorgfältigen Vergleich der germanischen Einzelsprachen untereinander (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) und deren Vergleich mit anderen indoeuropäischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend rekonstruieren. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:
- In früheren Ansätzen der Sprachforschung wurde zwischen westlich-indoeuropäischen Kentum-Sprachen und östlich-indoeuropäischen Satem-Sprachen unterschieden. Im Rahmen dieser Unterscheidung wurde das Germanische mit dem Keltischen und dem Italischen zur Gruppe der Kentum-Sprachen geschlagen. Doch erwies sich der Ansatz einer älteren Sprachgemeinschaft (also einer gemeinsamen "Alteuropäischen Sprache") als nicht haltbar.
- Inzwischen werden Verzweigungsmodelle verwendet, die auch Einflüsse berücksichtigen, die sich durch räumliche Nähe und folgendem Kontakt von Sprechern minder verwandter Sprachen ergeben. Hierbei bildet das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indoeuropäischen Sprachen.
- Das Protogermanische löst sich dann aus dieser Gruppe, wobei sich vermutlich starke Einflüsse einer uralischen Sprache - unter anderem gerundete Vokale (ä, ö, ü) - abzeichnen. Zudem weist das Protogermanische eine auffallend eigenwillige Verwendung (Slang) von Worten indoeuropäischen Ursprungs auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi).
- Der protogermanische Wortschatz enthält viele Lehnworte nicht-indoeuropäischen Ursprungs, obwohl Schätzungen dieses Anteils von ehemals ein Drittel nach unten korrigiert wurden. Häufungen von Lehnworten gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Entstehung als Substrat oder Einwanderersprache nahelegen.
- Nach der Herausbildung der protogermanischen Sprache bestanden Beziehungen insbesondere mit den keltischen Sprachen, was Lehnworte belegen. Auch das Finnische hat bereits früh mehrere germanische Worte entlehnt und in nahezu unveränderter Form bis heute bewahrt, so die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Worten steht z für stimmhaftes s.

Begriffsbildung

Finnische Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmals vom griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios um das Jahr 80 v. Chr. überliefert. Bedeutung und Herkunft des Wortes "Germane(n)" sind immer noch umstritten. Es bieten sich folgende Interpretationen an:
- Es handelt sich ursprünglich um den Namen eines einzelnen, nicht näher bekannten Stammes. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie übertragen worden sein.
- Historisch gesichert ist, dass Gaius Julius Caesar in seinem Buch De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.) den Namen dokumentarisch festgeschrieben und damit auch weiter verbreitet hat. Damit wurde der Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker angewendet. Bis dahin wurden die in Mitteleuropa ansässigen Völker durch die Griechen in Kelten (Westeuropa), und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten auch die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um einen Teil der Kelten handelte, sondern um eine eigene Völkerfamilie.
- Die Etymologie ger-mann - zu ger "Wurfspieß, Speer" - ist weit verbreitet, aber nicht haltbar.
- Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von "Ger" ist bisher weder überliefert noch erschlossen. Somit wäre unwahrscheinlich, dass der Begriff aus einer (germanischen) Selbstbezeichnung abgeleitet wurde. Der römischen Historiker Tacitus schreibt dagegen in seinem Buch De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunächst für die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen; Tacitus zufolge seien alle rechtsrheinischen Stämme zuerst von den Galliern als Germanen im umfassenden Sinn bezeichnet worden, was auf eine keltische Herkunft des Wortes hindeutet. Diesen Namen hätten die Volksstämme später auch für sich selber verwendet. In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Beschreibung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen Stämme und Völker zwischen Rhein und Weichsel sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgeführt sind. Gallier Neueste Theorien vermuten aufgrund der Namensgebung von Flüssen und Ortschaften, dass der Entstehungsort der germanischen Kultur im Raum nördlich der deutschen Mittelgebirge gelegen haben könnte. Die Mehrheit der Wissenschaftler teilt diese Theorie jedoch nicht. Von Germanen kann im archäologischen Sinne erst zu der Zeit ganz sicher gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen. Ein "Rückrechnen" und die Suche nach sogenannten "Ur-Germanen" der Stein- und Bronzezeit war in der archäologischen Forschung früher lange Zeit üblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verworfen.

Germanische Lautverschiebung

Gustaf Kossinna Jahrzehntelang wurde angenommen, die gemeinsame germanische Sprache (Urgermanisch, Protogermanisch), aus der später die einzelnen germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Dialekt gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich beispielsweise anlautendes k über ch (wie im Wort ach) zu h, ebenso p zu f und t zu th (gesprochen wie im Englischen). Ein anderes Merkmal, das alle germanischen Sprachen verbindet und sie von den italischen und keltischen Sprachen unterscheidet, ist die Veränderung des häufigen Kurzvokals o zu a und des Langvokals ā zu ō. Diese Veränderungen können nur stattgefunden haben, solange alle späteren Einzelstämme der Germanen noch in engem Austausch standen. In der neueren und neuesten Forschung wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich später angesetzt, nämlich im ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafür ist der Stammesname der Kimbern, die im späten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Beide Völker stammen aus dem Gebiet des heutigen Dänemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Texten durchgehend cimbri geschrieben wird, nie chimbri oder gar himbri, während in späteren lateinischen Texten sonst ebenso konsequent beispielsweise chatti (Chatten, daraus Hessen), chauci, cherusci usw. geschrieben wird, wird heute mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im späten 2. Jahrhundert vor Christus noch nicht stattgefunden hat, zumindest aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige früh überlieferte Ortsnamen gestützt. Diese Einschätzung hat für die Historische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa für die Datierung des Vernerschen Gesetzes. Die bislang in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit bereits durchgeführter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zügigem Umbruch befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um bzw. kurz vor der Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den früheren Germanen dagegen ein dem Indoeuropäischen weit ähnlicheres Idiom gesprochen, das nicht überliefert ist, aber in seinen Grundzügen ebenfalls erschlossen werden kann.

Geschichte

Älteste historische Berichte über die Germanen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich. Bereits der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker. Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.

Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen

Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in Jütland, aufgrund derer die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren. Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretierten. Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern. Ausführlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern Kimbern

Ariovist und Caesar

Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltische Mittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, so dass später auch andere Germanen, insbesondere Suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten. Unter ihrem Führer Ariovist drangen sie u.a. in Gallien ein, wurden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurückgeworfen. Im 1. vorchristlichen Jahrhundert machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkannte Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.

Vorstoß des Augustus bis zur Elbe

Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloß deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren. Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken, Brukterer, Marsen und Chatten. Trotz der Feldzüge des Drusus gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus beim Rückzug bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, setzte sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die Feldzüge fort. Im Jahre 4 n. Chr. gelang es ihm, die bis dahin aufständischen Cherusker zu unterwerfen. Nun galt Germanien bis zur Elbe als unterworfen, es wurden repräsentative römische Städte östlich des späteren Limes gegründet, beispielsweise im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Siedlung ist sowenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen oder Marktbreit am Main. Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 n. Chr. sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der Germanen gewesen. Von Mainz mainaufwärts und dem Raum Wien Richtung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden. Dennoch galt Germanien bis zur Elbe weiterhin als römische Provinz.

Die Varusschlacht

Pannonien Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Gebieten rechts des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen zudem als zutiefst ungerecht empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten. Unter diesen Umständen gelang es dem Cheruskerfürst Arminius, der die römischen Bürgerrechte und Ritterwürden besaß, mehrere germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Schlacht ("Varusschlacht" oder "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) verloren die Römer drei Legionen (etwa 15.000 Soldaten). Laut den Überlieferungen des Sueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: "Quinctili Varus, legiones redde!" ("Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!"). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9 n. Chr. Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen Kultur wenig beeinflusst.

Die Römisch-Germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht

Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere Vorstöße über die Rheingrenze hinweg. Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten. In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichen Friesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung herangezogen werden, um die Revolte der Bataver (Bataveraufstand) unter Führung des Iulius Civilis niederzuschlagen. Im Jahre 83 entschloss sich Kaiser Domitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des Limes, der im Süden durch die so genannte Sybillenspur, den Lautertal-Limes, mit dem Alblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Germania Inferior (Untergermanien). Neueste Forschungen (ab etwa 1995) deuten allerdings darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, sondern erst um das Jahr 98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Vor allem fehlt bis heute auch nach über hundertjähriger Forschung ein zuverlässig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder ein dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militärtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians ähnlich Parallelen fehlen. Um das Jahr 122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Die letzte römische Expansion in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 25 Kilometer nach Osten unter Kaiser Antoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Jahr 159 datierbar.

Die Markomannenkriege

Im 2. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende Veränderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen sich die zerstrittenen germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen, zum anderen drückten die Germanen immer stärker gegen die römischen Grenzen. 167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden, Vandalen, Jazygen und weitere Stämme in die römische Provinz Pannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier Feldzügen schlug der römische Kaiser Marc Aurel die Germanen vernichtend. Man vermutet, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten. Nach dem Tod Marc Aurels 180 kehrte sein Sohn Commodus jedoch wieder zur Defensivpolitik zurück und schloss Friedensverträge mit den Germanen. Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen durch die Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Richtung Donau. Die Ursachen für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bisher nicht geklärt werden, denkbar wären z.B. Hungersnöte.

Die germanischen Stämme

Versuche, die Germanenstämme, die zu dieser Zeit in Norddeutschland und Südskandinavien lebten, zu klassifizieren, führten zu Einteilungen in Nord-, West- und Ostgermanen oder auch Elb-, Wesergermanen.

Nordgermanen

Zu den Nordgermanen zählen die skandinavischen Stämme. Aus ihnen gingen später die Dänen, die Schweden, die Norweger und die Isländer hervor (siehe auch: Skandinavier). Archäologisch werden die Nordgermanen in die Ost- und Westnordische Gruppe aufgeteilt.

Westgermanen

Zu den Westgermanen zählen die:
- elbgermanischen Stämme (Sueben): Markomannen, Quaden, Hermunduren, Semnonen und Langobarden
- nordseegermanischen Stämme (bei Tacitus Ingaevonen): Chauken, Angeln, Warnen, Friesen, und Sachsen
- rheinwesergermanischen Stämme: Cherusker, Bataver, Brukterer, Chamaven, Chattuarier, Chatten, Ubier, Usipeter, Sigambrer, Angrivarier und Tenkterer (siehe auch Nordwestblock)

Ostgermanen

Zu den Ostgermanen südlich der Ostsee zählen ursprünglich die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden und andere. Archäologisch werden die Ostgermanen in die folgenden Kulturgruppen eingeteilt: Przeworskkultur (im südlichen Polen), Wielbarkkultur (Willenbergkultur) oder Weichsel(mündungs)germanen(Weichselmündung) und die Odermündungsgruppe. Durch den Einfall der Hunnen aus den Steppen Asiens und die verstärkte Ausbreitung der slawischen Völker aus der osteuropäischen Tiefebene wurden die Ostgermanen zunehmend gen Süden und Westen gedrängt, wo sie in Konflikt mit den dort ansässigen Stämmen gerieten.

Die Goten

Nach ihrem Herkunftsmythos entstammen die Goten der Insel Scandza im nördlichen Eismeer. Um das Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts verließen die Goten ihre Heimat in Südschweden, in Vester- und Östergotland und auf der Insel Gotland. Sie zogen über das Meer und ließen sich auf dem Gebiet des heutigen Polen nieder. Später, man weiß heute nicht mehr genau wann, dehnten sie sich entlang Weichsel und Dnister bis zum Schwarzmeer aus und errichteten dort, unter der Königdynastie der Amaler, zwischen Donau und Don das mächtige Reich der Ostgoten, welches bis zur Ostsee reichte. Die staatliche Organisation der Goten gilt als straffer als die der übrigen Germanenstämme. Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten 252 n. Chr. sogar ein ganzes römisches Heer. Durch den Einfall der Hunnen aus den asiatischen Steppen um 375 n.Chr. wurde das Reich der Ostgoten zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Ostgoten zogen nach Westen und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Fortan standen sie unter Waffengefolgschaft der Hunnen und zogen 451 n. Chr. bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten (u.a. Burgunder) zu Felde, was auch im Nibelungenlied erzählt wird. 488 n.Chr. zog der ostgotische Kaiser Theoderich mit den Ostgoten nach Italien und besiegte den dortigen germanischen Herrscher Odoaker. Theoderich gründete daraufhin ein neues ostgotisches Reich in Italien. Die Gefolgschaft Theoderichs bezeichnete sich als "theodisce" oder, nach dem Lied der Nibelungen, als "diete lit", was möglicherweise der sprachliche Ursprung unseres heutigen "deutsche" ist.

Wirtschaft

Die Germanen waren hauptsächlich sesshafte Bauern und gingen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie lebten hauptsächlich von der Eigenproduktion, aber neben der Landwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer und Tischler. Das Rad war bereits seit indoeuropäischer Zeit bekannt, es gab im Germanischen sogar zwei Worte dafür. Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschränkte sich auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis heute die Bedeutung des englischen Wortes fee = Gebühr (ursprünglich eben: Vieh!). Nach neusten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlins bereits eine Art Hütten"industrie" entwickelt haben. Der dort produzierte Stahl soll von hoher Qualität gewesen sein und soll vor allem in das Römische Reich exportiert worden sein. Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Pferde. Außerdem war den Germanen die Bienenzucht ebenso wie die Webkunst bekannt. Ebenfalls wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanische Sprache kannte ein eigenes Wort für Weichkäse, das in den skandinavischen Sprachen im Wort "Ust" bzw. "Ost" (= Käse) fortlebt. Für Hartkäse entlehnten sie das lateinische Wort caseus (= Käse). Obwohl der Pflug bereits seit etwa Christi Geburt bekannt war, setze er sich bei den Germanen nur langsam durch. Für die Ernährung war besonders die Gerste von großer Bedeutung. Die Äcker ließen sie regelmäßig brach liegen und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Getreide wurde hauptsächlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten. Die Produktivität war wesentlich geringer als bei den Römern. Tacitus etwa berichtet: "Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Stirnschmuck" (Kapitel 5). Deshalb kam es oft zu Hungersnöten und viele Germanen litten an Unternährung, was zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung führte. Es wird vermutet, dass dies eine der Hauptursachen der germanischen Wanderbewegungen ist (wie etwa der Zug der Kimbern und Teutonen), die schließlich mit der großen Völkerwanderung ihren Höhepunkt erreichte.

Mythologie

Siehe Artikel Germanische Mythologie.

Lebensweise der Germanen

Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmäßig: Dort wo bereits ein Germane siedelte, kamen bald weitere hinzu. Ein Erbe dieser Siedlungsweise sind bis heute die so genannten Haufendörfer in Deutschland und anderen Ländern der germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von einer Art Zaun, selten durch eine richtige Palisade umgeben. Nur in den Grenzregionen zum Römischen Reich wurden mit Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden geschützt und bewacht. Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu Steinhäusern das Holz mit der Zeit verrottet, geben lediglich die archäologisch nachweisbaren Pfostenlöcher einen Aufschluss über den genauen Aufbau der Häuser. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das aufgrund seines Verhältnisses von Länge und Breite so bezeichnet wird. Unter seinem Dach beherbergte es sowohl die Familie als auch alle Halbfreien und Sklaven sowie die Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte vor allem den Vorteil, dass die Tiere dazu beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen. Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht.

Staat und Gesellschaft

Die Germanen kannten kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne. Die Reiche der germanischen Stämme waren ähnlich dem Personenverbandsstaat organisiert. Die Staatsangehörigen schworen ihrem König Treue und waren damit an das Reich gebunden. Der Staat wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Desshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen König verbunden, und der Tod des Königs bedeutete oft auch den Untergang des Reiches. Das Reich war, laut römischer Schilderung, in Gaue (mehrere Siedlungen) untergliedert, denen die Gaufürsten vorstanden, wobei es auch losere Staatsgebilde ohne König gab, die von einer Versammlung der Gaufürsten regiert wurden. Zu bestimmten Terminen fanden die Versammlungen der freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so z.B. die Wahl des Königs. König und Gaufürsten hatten beim Volksthing nur das Vorschlagsrecht. Die Gesellschaft war patriarchalisch organisiert und das Haus hatte eine besondere Stellung in ihr. Die Macht des Königs reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der Sippe einen Schutz vor Willkür bot. Das Volk war in die Stände Freie, Halbfreie (Knechte) und rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert.

Darstellende Kunst

Schrift

Die Schrift wurde den Germanen erst relativ spät bekannt. Das einzig zusammenhängende schriftlich erhaltene Werk vor dem Ende der Völkerwanderung ist die Wulfilabibel aus dem 4. Jahrhundert. Da die Goten keine eigene Schrift besaßen, entwickelte Wulfila ein Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetze. Die Runen, die ab dem 2. Jahrhundert aufkamen, wurden hauptsächlich als magische Zeichen benutzt. Längere Schriften sind selten, häufig wurden Runen in Waffen (Lanzenspitzen, Schwerter) oder Fibeln geritzt. Die schriftlichen Quellen über die Germanen gehen hauptsächlich auf römischen und griechischen Ursprung zurück, insbesondere auf Tacitus.

Mythen und Wahrheit

Tacitus Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Germanen im deutschsprachigen Raum immer wieder als Übermenschen dargestellt und ihr idealisiertes Bild zu nationalistischen Zwecken missbraucht. Insbesondere der Nationalsozialismus bediente sich dieser Idealisierung der Germanen und erhob ihre Nachkommen zur arischen "Herrenrasse" (Arier). Die Darstellung der Germanen geht hauptsächlich auf antike Autoren wie Tacitus und Caesar zurück. Sie beschrieben die Germanen als blonde, blauäugige Riesen, die über fast übermenschliche Kräfte verfügten. Durch Skelett- und Moorfunde lässt sich belegen, dass die Germanen tatsächlich größer als die Römer waren. Allerdings übertrieben die antiken Quelle teilweise: So zeigen die gefundenen Skelette, dass die Germanen zwar größer als die Römer waren, diese aber durchschnittlich nur um ungefähr einen Kopf überragten. Auch kräftemäßig waren sie den Römern offenbar überlegen. Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht, Gelenkerkrankungen und Bandscheibenschäden waren verbreitet. Die antiken Autoren sind sich einig, dass sich die Germanen häufig dem Alkoholgenuss hingaben. Die verbreitetsten Getränke waren Met und Bier. Hohe Festtage begingen die Germanen häufig mit einem Gelage. Selbst die Götter, so glaubten sie, würden sich dem Alkoholgenuss hingeben. So bemerkt schon Tacitus in seiner Germania: :Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält... und bezogen auf den hohen Alkoholkonsum: :Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgehend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.

Reichsgründungen

In der Zeit der Völkerwanderung gründeten unterschiedliche Germanenstämme Reiche in Nordafrika (Vandalenreich, wurde durch Byzanz vernichtet)Frankreich, Italien und Spanien und wanderten auch nach Britannien. Auf dem europäischen Festland ging aus diesen Reichen später das Frankenreich hervor. Aus diesem entstand das erste Reich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, das Ostfrankenreich und später das Heilige Römische Reich, dessen ostwärtige Expansion die Westbewegung der Völkerwanderungszeit umkehrte.

Literatur


- Publius Cornelius Tacitus Germania (De origine et situ Germanorum liber), Stutgart: RECLAM, 2000, Lateinisch/Deutsch ISBN 3-15-009391-0; RECLAMS UNIVERSA-BIBLIOTHEK Nr. 9391 [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Deutsche Übersetzung] Eine Deutsche Übersetzung von Germania (De origine et situ Germanorum liber), jedoch fehlt das nachwort von RECLAM BUCH
- Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer/Dietrich Hakelberg (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung "germanisch-deutsch". Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 34, Berlin u.a., 2004. ISBN 3110175363. [http://www.degruyter.de/rs/bookSingle.cfm?id=IS-3110175363-1&l=D Inhaltsverzeichnis], Rezension von [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-3-059 Gregor Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22.07.2004].
- Hepp, Armin E.: Licht von Mitternacht - Auf den Spuren deutscher Vergangenheit"; Tübingen: Grabert; 1979
- Döbler, Hannsferdinand:
Die Germanen. Legende und Wirklichkeit von A–Z. Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, München: Orbis, 2000. ISBN 3-572-01157-4 (Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage des Buches von 1975. Das Buch entspricht in vielen Fällen nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand.)
- Rudolf Simek:
Götter und Kulte der Germanen. Beck'sche Reihe 2335, München, 2004.
-
Frühe Völker Europas. Thraker, Illyrer, Kelten, Germanen, Etrusker, Italiker, Griechen, Stuttgart, 2003. ISBN 3806217580.
- Maureen Carroll-Spillecke:
Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen Roms, Darmstadt, 2003. ISBN 3534174267.
- Uta von Freeden / Siegmar von Schnurbein (Hrsg.):
Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3-8062-1337-2
- Wilfried Menghin / Dieter Planck (Hrsg.):
Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3886094677.
- Walter Pohl:
Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 57, München: Oldenbourg, 2000. ISBN 348655705X. ([http://www.oeaw.ac.at/gema/pub_WP.htm weitere Arbeiten des Autors zu diesem Thema])
- Allan A. Lund:
Die ersten Germanen. Ethnizität und Ethnogenese, Heidelberg, 1998. ISBN 3825306852.
-
Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin/ New York, 1998. ISBN 3110163837.
- Krierer, Karl R.:
Antike Germanenbilder, Archäologische Forschungen 11, Denkschr. phil.-hist. Kl. 318, Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2004. ISBN 3-7001-3239-5. [http://hw.oeaw.ac.at/3239-5]

Weblinks


- [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Tacitus: Germania - über die Herkunft und Lage der Germanen]
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua] Diskussionsforum für Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike.
- [http://weltderwunder.rtl2.de/archiv/2001/10/wdw/Mensch/Mythos/Germanen/index.html Germanen - Blonde Bestien oder nette Naturburschen?] Welt der Wunder Special zum Thema Germanen
- [http://www.novaesium.de/artikel/germanen.htm Germanen: Unterwegs zu höherer Zivilisation] von Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
- [http://kelten.piranho.at/pages/germanen.htm Umfangreiche Darstellung der Germanen]
- [http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,BADEC0D6C24A44CFE030DB95FBC306BC,,,,,,,,,,,,,,,.html Planet Wissen: Römer und Germanen Zusammenfassung der Sendung]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,2006981,00.html ZDF Mediathek: Völkerwanderung - Sturm über Europa]
- http://www.oeaw.ac.at/gema/gb.htm - Germanen-Bibliographie
- [http://www.antikefan.de/kulturen/germanen.html Germanen - Die Erben Roms]
- [http://www.heidenmacht.de/php/include.php?path=content/articles.php&contentid=91 Die Germanen - eine Einführung] Umfangreicher, wissenschaftlich fundierter Artikel von heidenmacht.de

Siehe auch

Liste der germanischen Stämme, Germanische Religion, Thing Kategorie:Europäische Ethnie Kategorie:Deutsche Geschichte ja:ゲルマン人 ko:게르만족


Pytheas

Pytheas von Massilia (
- ca. 380 v. Chr.; † ca. 310 v. Chr.) war ein Händler, Geograf und einer der großen Entdecker der Antike. Zur selben Zeit, in der Alexander der Große im Osten bis an die Grenzen der damals in Europa bekannten Welt vordrang, erforschte Pytheas den unbekannten Norden Europas. Sein Reisebericht Über den Ozean (griechisch: Περι του Ωκεανου) ist nicht erhalten, die wenigen Fragmente des Buches kennt man von Zitaten anderer Historiker, die Pytheas allerdings hauptsächlich als Lügner verleumdeten, weil sie seine Reisen für schier unmöglich hielten. Pytheas stammt aus der phokäanischen Kolonie Massilia (auch Massalia), dem heutigen Marseille. Unklar ist, ob er nur eine oder gleich mehrere Reisen in den Norden unternahm, sicher ist aber, dass sich die Ereignisse zwischen 330 v. Chr. und 310 v. Chr. abspielten. Ebenfalls unklar ist, wie es Pytheas möglich war, durch die von Karthago kontrollierte Straße von Gibraltar zu gelangen. Irgendwie muss er es geschafft haben, denn seine Reise war in Gades noch lange nicht beendet. An der West- und Nordküste der iberischen Halbinsel entlang segelte Pytheas in den unerforschten Norden. Er beobachtete das für Griechen unbekannte Phänomen von Ebbe und Flut und brachte es als erster richtigerweise mit den Mondphasen in Zusammenhang. An den Mündungsgebieten von Garonne und Loire vorbei erreichte Pytheas das zu Cornwall gehörende Kap Belerion (Land's End) und traf dort auf Bewohner der zinnreichen Britischen Inseln. Er beobachtete selbst, wie Zinn geschürft, geschmolzen und zu Barren geschmiedet wurde, die über einen Damm zur Insel Ictis transportiert wurden, von wo sie durch fremde Händler gekauft wurden. Bei Ictis könnte es sich der Beschreibung nach um St. Michael’s Mount vor der Südküste Cornwalls gehandelt haben. Von dort nahm er die Umsegelung Albions durch die irische See in Angriff. Einen Landgang auf Irland gab es vermutlich nicht, aber Strabon erwähnt, Pytheas habe England "durchwandert". Vom Meer aus vermaß Pytheas die Küstenlänge Albions und errechnete dabei erstaunlich genaue 42.500 Stadien (etwa 7.800 Kilometer). Ebenso bestimmte er mit Hilfe der unterschiedlichen Schattenlänge seiner Sonnenuhr die Entfernung von der Nordspitze Schottlands zum Heimathafen Massalia und kam auf 1.700 Kilometer (tatsächlich: 1.815 km). Von Schottland aus segelte er weiter in nordöstlicher Richtung und bemerkte dabei, dass die Sommertage immer länger werden. Er erreichte schließlich die Insel Thule (vermutlich Norwegen oder Shetland), deren Bewohner Wasser, Hefe und Honig zu Hydromeli (Met) mischten. Weiter nördlich von Thule stieß er laut Solonius auf das "träge und geronnene Meer" (lat. pigrum et concretum mare) und beobachtete somit als erster Grieche Treibeis. Ebenso berichtet er von Polarlicht und Mitternachtssonne, im Mittelmeer gänzlich unbekannte Erscheinungen. Hinter Berichten von Phänomenen wie diesen vermuteten die Gelehrten der damaligen Zeit sowie der folgenden Jahrhunderte Fiktion, während sie sich heute einfach erklären lassen. Von Thule aus segelte Pytheas in südlicher Richtung und erreichte Abalon (vermutlich Helgoland), wo er Bernstein fand und es als erster zutreffend als fossiles Baumharz beschrieb. In Küstennähe ging die Reise westwärts Richtung Bretagne und von dort über Gades zurück nach Massilia. Eine literarische Spekulation über Pytheas' letzte, nicht überlieferte, Lebensetappe und Tod schuf Arno Schmidt mit seiner Erzählung 'Gadir' (1949).

Literatur


- Dietrich Stichtenoth: Über das Weltmeer. Die Fragmente, Böhlau 1959.

Weblinks


- http://www.spyros.de/pytheas.htm - Pytheas
- http://www.tolos.de/zinninsel.htm - Der Weg zu den Zinninseln
- http://www.bujack.de/berichte/historie/pytheas.htm - Der Norden im Altertum Kategorie:Mann Kategorie:Grieche Kategorie:Entdecker Kategorie:Geograph

Thy

Dieser Artikel beschäftigt sich mit der dänischen Landschaft Thy. Für das ICAO-Kürzel THY siehe unter Turkish Airlines ---- Thy ist die Bezeichnung für den westlichen Teils der Insel, die nördlich des Limfjordes den Norden Dänemarks bildet. Den östlichen Teil bildet die Landschaft Vendsyssel.

Name

Erstmals erwähnt wurde Thy im Erdbuch König Waldemars im Jahre 1231 als Thythæsysæl. Der erste Teil des Namens stammt vom altnordischen Thyhir, was "Volk" bedeutet.

Geologie

Thy verdankt seine Entstehung dem Geschiebe der letzten Kaltzeit (Eiszeit). Ursprünglich bestand die Landschaft aus mehreren kleineren und größeren Inseln. Erst ein geologischer Hebeprozeß ließ die Inseln untereinander und mit der östlich gelegenen Insel Vendsyssel zusammenwachsen. An der Nordseeseite begann sich eine Ausgleichsküste herauszubilden, die schließlich im Südwesten ein Zusammenwachsen mit dem dänischen Festland bei Thyborøn zur Folge hatte. Im Jahre 1825 brach das Meer an dieser Stelle zum Limfjord durch und machte ganz Vendsyssel wieder zur Insel.

Geschichte

Menschliche Besiedlung ist auf Thy bereits 4000 v. Chr. nachzuweisen. Zeugen dafür sind die überall zu findenden auffälligen Grabhügel. Ins Licht der schriftlich festgehaltenen Geschichte trat Thy früher als jeder andere Ort in Skandinavien: Hier hatten die Teutonen ihre Heimat, die um 120 v. Chr. ihre Wanderung nach Südeuropa begannen. Sie besiegten mehrfach römische Heere, bis sie 102 v. Chr. im heutigen Frankreich vernichtend geschlagen wurden. In der Wikingerzeit 800 bis 1050 waren die Inseln und Buchten des westlichen Limfjordes Ausgangspunkt für Eroberungsfahrten zu den britischen Inseln. Im zweiten Weltkrieg war der Nordwesten Thys Teil des Atlantikwalls.

Landschaft und Naturschutz

Thy besteht auf Grund seiner geologischen Entwicklung zum größten Teil aus hügeligen Hochflächen. An ihren oft steilen Rändern, den ehemaligen Steilküsten, finden sich oft nur wenig über den Meeresspiegel sich erhebende Wiesen, Sümpfe und Binnenseen. Diese Gebiete sind in vielen Fällen als Vogelreservate unter Schutz gestellt. Thy war durch Raubbau über viele Jahrhunderte völlig baumlos, was große Probleme durch Flugsand und Wanderdünen hervorrief. Holz mußte aus Norwegen eingeführt werden. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts begann man planmäßig im großen Stil Kiefernwälder anzulegen. Besonders die Westküste besteht aus Dünen mit Sandstränden zum Meer hin.

Besiedlung und Verkehr

Verwaltungszentrum von Thy ist die Stadt Thisted an einem Ausläufer des Limfjordes. Große Bedeutung hat auch das nördlich davon an der Küste des Skagerrak gelegene Hanstholm, ein ehemaliger Fischereihafen, von dem aus heute regelmäßig Fähren nach Norwegen, den Färöer und Island verkehren. Thy ist über zwei Brücken und zwei Autofähren mit dem dänischen Festland verbunden.

113 v. Chr.

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Ereignisse


- Die Stämme der Kimbern und Teutonen fallen in die Provinz Gallia Cisalpina ein, verheeren die keltischen Siedlungen und bedrohen schließlich auch Rom.
- Niederlage der Römer gegen die Völkerwanderung der Kimbern, Teutonen und Ambronen bei Noreia

Geboren


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Gestorben


- 1-0113

Schlacht bei Arausio

Am 6. Okt 105 v. Chr. wurde eine römische Armee, die Südgallien schützen sollte, in einer Schlacht bei Arausio, dem heutigen Orange in der Provence, von den Kimbern und Teutonen vernichtend geschlagen. Die wandernden Völker unter der Führung des Königs Boiorix zogen vom Rhônetal abwärts nach Süden bis nach Arausio. Hier wurden sie von zwei Armeen gestellt, die unter dem Befehl von Prokonsul Quintus Servilius Caepio und Konsul Cn. Mallius Maximus standen. In der darauffolgenden Schlacht kam es zu einer vernichtenden Niederlage der römischen Streitkräfte. Der genaue Ablauf der Schlacht ist nicht bekannt, aber man weiß, dass Prokonsul Caepio den Oberbefehl seines Heeres nicht an Mallius Maximus abtreten wollte, weil dieser, wie er meinte, von zu geringem Stand gewesen wäre. Die Spaltung führte dazu, dass zwei etwa gleich starke römische Heere, die nicht zusammenarbeiteten, gegen die Feinde geführt wurden. Nach Angaben des Valerius Antias wurden etwa 80.000 Legionäre und 40.000 Trossknechte und Marketender erschlagen. Nur 10 Legionäre, die von der Niederlage berichteten, sollen das Gemetzel auf römischer Seite überlebt haben. Auch Prokonsul Caepio überlebte. Allerdings ist der Berichterstatter Valerius Antias für seine Übertreibungen bekannt; die übliche Schlachtaufstellung der römischen Einheiten lassen seine Zahlen jedenfalls zweifelhaft erscheinen. Gleichwohl war es eine vernichtende Niederlage der römischen Streitkräfte, die mittelbar zur Heeresreform durch Marius (104 v. Chr.) führte, die die Kampfkraft der römischen Streitkräfte stark erhöhte. Angaben über die Verluste auf Seiten der Kimbern und Teutonen gibt es nicht. Nach der Schlacht wurde, wie damals üblich, die Beute komplett den Göttern geopfert. Wider Erwarten und entgegen allen Befürchtungen zogen die Sieger nicht weiter in Richtung Rom. Die Kimbern wanderten stattdessen westwärts nach Spanien, die Teutonen dagegen ins Innere Galliens auf der Suche nach Land und Siedlungsraum. Arausio Arausio Kategorie:2. Jahrhundert v. Chr.

102 v. Chr.

Ereignisse

Politik und Weltgeschehen


- In der Schlacht von Aquae Sextiae, dem heutigen Aix-en-Provence (Südfrankreich), werden die Teutonen und Ambronen von Marius besiegt.

Geboren


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Gestorben


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Marius

Gaius Marius (
- 156 v. Chr. in Cereatea bei Arpinum; † 13. Januar 86 v. Chr.) war ein römischer Feldherr und Staatsmann. Er erreichte die bis dahin unerhörte Zahl von sieben Consulaten und war Anführer der Popularen im 88 v. Chr. ausgebrochenen Bürgerkrieg. Bürgerkrieg

Herkunft

Marius stammte aus einer ritterlichen Familie, gehörte also nicht zur Nobilität, der senatorischen Führungsschicht der römischen Republik. Trotzdem gelang ihm eine beispiellose Karriere. Er war jedoch zeit seines Lebens hin- und hergerissen zwischen seiner politischen Heimat bei der Volkspartei und der Oberschicht, die ihn überwiegend als nicht standesgemäß ansah.

Aufstieg

Seine Laufbahn begann Marius in Spanien, wo er unter Scipio dem Jüngeren diente und sich 134 v. Chr. durch seinen Mut während der Belagerung Numantias hervorhob. Danach durchlief er die römische Ämterlaufbahn: 119 v. Chr. wurde er Volkstribun, 115 v. Chr. Praetor und 114 v. Chr. Statthalter der spanischen Provinz Hispania Ulterior.

Militärische Erfolge

Ab 109 v. Chr. war Marius zunächst Legat im Jugurthinischen Krieg. Es gelang ihm, gegen den Widerstand der Nobilität für das Jahr 107 v. Chr. zum ersten Mal zum Consul gewählt zu werden und den Oberbefehl im Krieg gegen den numidischen König Jugurtha zu übernehmen. Mit Hilfe des damaligen Quaestors Sulla konnte er ihn siegreich beenden. Seine wohl wichtigsten Siege errang er aber über zwei Germanenstämme, die Rom lange in Angst und Schrecken versetzt hatten. 102 v. Chr. besiegte er die Teutonen bei Aquae Sextiae in Südfrankreich (heute Aix-en-Provence) und 101 v. Chr. die Kimbern bei Vercellae in Norditalien (heute Vercelli). Für diesen Krieg wurde Marius entgegen aller Gewohnheiten und Vorschriften jedes Jahr (von 104 bis 100 v. Chr.) zum Consul gewählt.

Heeresreform

Als mitentscheidend für die glänzenden Triumphe erwies sich die von ihm durchgeführte Heeresreform, die den Übergang von einer Milizarmee zu einer Berufsarmee markierte. Der Berufssoldat diente 25 Jahre seinem Feldherren. Als Entlohnung erhielt er einen Sold und Anteile an der Beute. Der Feldherr musste für die Veteranenversorgung aufkommen, die bis Caesar die Form einer Landschenkung hatte und erst im imperialen Rom durch Geldzahlungen abgelöst wurde. Somit wuchs die Macht der Feldherren, da die Soldaten sich ihm mehr verpflichtet fühlten als der Republik. Fortan bestand eine Legion aus 10 Kohorten zu je 500 - 600 Mann und nicht mehr aus den bisherigen Manipeln, die Ausbildung wurde gestrafft und die Soldaten erhielten eine Standardbewaffnung, zu der auch das Pilum gehörte. Livius legt jedoch dar, dass die Manipulartaktik auch nach den Reformen, z.B. in Spanien, noch in Gebrauch blieb, da diese auf diesen spezifischen Kriegsschauplätzen der Kohortentaktik weiterhin überlegen war.Der Tross wurde stark verringert und die Soldaten mussten ihre Ausrüstung selber tragen = "muli mariani"(Maultiere des Marius). Des weiteren öffnete Marius die Ränge der Armee für die capite censi, also den Stand der Besitzlosen, die bis dahin vom Militärdienst ausgeschlossen gewesen waren. Möglich war dies, da nun der Staat die Ausrüstung der Soldaten stellte. Durch die Reform wurde das römische Heer schlagkräftiger und professioneller, konnte von ambitionierten Feldherren nun jedoch leichter zum Zugewinn an politischer Macht in Rom benutzt werden.

Niedergang

Auf dem Höhepunkt seiner Macht zog sich der hochdekorierte Marius im Jahre 100 v. Chr. nach seinem sechsten Consulat aus der aktiven Politik zurück, weil er eine innenpolitische Niederlage im Senat hinnehmen musste. Die von der Volkspartei angestrebten Verbesserungen für die einfache Bevölkerung wurden mit den Stimmen der Optimaten abgelehnt. In der Folge kam es zu Ausschreitungen in Rom, woraufhin Marius den Ausnahmezustand gegen seinen politischen Freund, den Volkstribun Lucius Appuleius Saturninus, verhängen musste. Im Bundesgenossenkrieg 91 - 88 v. Chr. erinnerte man sich angesichts vieler Niederlagen des alten Haudegens Marius, der einmal mehr die Kohlen aus dem Feuer holen musste. Doch auch er konnte nicht mehr verhindern, dass Rom gezwungen war, seinen italienischen Verbündeten das römische Bürgerrecht zu verleihen.

Konflikt mit Sulla

88 v. Chr. wurde Marius vom Volk das Oberkommando über die Legionen im Ersten Mithridatischen Krieg angetragen, obwohl der Senat zuvor Sulla mit der Bekämpfung des Mithridates betraut hatte. Der Bruch mit Sulla war nun offensichtlich. Die Folge war ein Bürgerkrieg, bei dem Sulla zunächst Rom im Handstreich nahm, die Senatsherrschaft wieder herstellte und daraufhin mit den Truppen nach Kleinasien eilte. Marius wurde geächtet und musste Hals über Kopf nach Karthago fliehen. Er kehrte aber 87 v. Chr. in die Stadt am Tiber zurück, wo er sich blutig an den Anhängern der Optimaten rächte. Die von Sulla zuvor erlassenen Gesetze wurden alle rückgängig gemacht. Für 86 v. Chr. ließ Marius sich noch einmal zum Consul wählen, das Consulat konnte er aber nicht mehr antreten, da er vorher verstarb. Von Plutarch existiert eine Biographie des Marius.

Weblinks


- Marius, Gaius Marius, Gaius Marius, Gaius Marius, Gaius Marius, Gaius Marius, Gaius Marius, Gaius ja:ガイウス・マリウス

Aix-en-Provence

Aix-en-Provence [] ist eine Universitätsstadt im französischen Departement Bouches-du-Rhône in der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur). Die Stadt umfasst eine Fläche von 18.608 Hektar. 30.000 der 137.000 Einwohner, die man Aixois nennt, sind Studenten. Als Unterpräfektur des Départements ist Aix, wie die Stadt kurz genannt wird, Hauptstadt eines gleichnamigen Arrondissements.

Geschichte

Das keltisch-ligurische Oppidum wurde von Prokonsul Caius Sextius Calvinus 123 v. Chr. zerstört. Er gründete die erste römische Stadt auf gallischem Boden: Aquae Sextiae Salluvorum. 102 v. Chr. besiegt der Feldherr Marius die Teutonen in einer Schlacht. Unter Diocletian wurde Aquae Sextiae politisches Zentrum der Provinz Narbonensis II und gegen Ende des 4. Jahrhunderts Sitz einer Diözese, die durch die erst 972 vertriebenen Sarazenen immer wieder schweren Zerstörungen ausgesetzt war. Ab 1182 regierten in Aix die provenzalischen Grafen. Der gute König René wählte Aix 1471 zu seiner Altersresidenz. 1480 vermachte Graf Karl von Maine die bis dahin unabhängige Grafschaft der französische Krone. 1501 schuf Ludwig XII. in Aix das Parlament der Provence, welches bis 1789 bestand. Mit dem Aufstieg von Marseille zum regionalen Zentrum verlor Aix seinen politischen Einfluss, der erst ab 1970, mit Hightech-Ansiedlungen an der Universität und der dem Tourismus zuträglichen Altstadtsanierung, ausgeglichen werden konnte.

Sehenswürdigkeiten

1970 Die 1649 angelegte Prachtmeile Cours Mirabeau mit den beiden Brunnen Fontaine de La Rotonde und Fontaine du Roi René an ihren Enden ist berühmt für ihre Einkaufsmöglichkeiten. Südlich davon befindet sich das Mazarin-Viertel mit seinen Palästen für den Adel, zu denen das Hôtel du Chaumont und das Musée Paul Arbaud gehören. In der Altstadt sind die Chatédrale St-Sauveur und der Place de l'Hôtel de Ville zentrale Anlaufpunkte. Die schon bei den Römern bekannten Thermalquellen Les Thermes Sextius befinden sich in einem 1990 komplett umgestalteten Badekomplex. Aix zählt für die Franzosen zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität. Insbesondere der Schwerpunkt für Kunst und Kultur sowie das studentischen Angebot an Bars und Diskotheken machen den Reiz der Stadt aus. Berühmt sind auch die Calissons. Partnerstadt von Aix ist unter anderem Tübingen.

Persönlichkeiten


- Jassuda Bédarride, französischer Jurist
- Joseph Bruny d’Entrecasteaux, Seefahrer und Entdecker
- Paul Cézanne, Maler
- Luc de Clapiers, Marquis de Vauvenargues, Philosoph und Schriftsteller
- Yta Farrow, Techno-Sängerin
- Hélène Grimaud, französische Pianistin
- Eugen von Mazenod, Heiliger, Gründer der Oblatenmissionare
- Darius Milhaud, Komponist
- Christophe Pelinq, französischer Comicautor
- Victor Vasarely, französischer Maler ungarischer Herkunft

Weblinks


- [http://www.mairie-aixenprovence.fr/ Homepage der Stadt]
- [http://www.aixenprovencetourism.com Homepage des Fremdenverkehrsamtes] Kategorie:Ort in Provence-Alpes-Côte d'Azur Kategorie:Kurort ja:エクス=アン=プロヴァンス ko:엑상프로방스

Kimbern und Teutonen

Die Kimbern und Teutonen waren zwei germanische Stämme, die ursprünglich in Jütland beheimatet waren. Um 120 v. Chr. begannen sie, zusammen mit den Ambronen aus ihrem Siedlungsgebiet nach Süden zu ziehen. Sie durchzogen Böhmen, das heutige Österreich und fielen schließlich in Gallien ein. Nachdem bereits 113 v. Chr. in der Schlacht bei Noreia ein römisches Heer in Noricum geschlagen wurde, vernichteten die Kimbern und Teutonen 105 v. Chr. neuerlich eine Armee, die den weiteren Vorstoß der beiden Stämme in die römische Provinz Gallia Narbonensis verhindern sollte, in der Schlacht bei Arausio. Einige Jahre später trennten sich die Kimbern von den Teutonen. Die Teutonen überzogen Gallien mit Angst und Schrecken, bis sie 102 v. Chr. von Gaius Marius in der Schlacht bei Aquae Sextiae Aix-en-Provence vernichtend geschlagen wurden und sich ihre Spur in den Geschichtsquellen verliert. Die Kimbern drangen weiter nach Oberitalien vor, wurden jedoch am 30. Juli 101 v. Chr. bei Vercellae (heutiges Piemont) ebenfalls von den Truppen des Marius und des Quintus Lutatius Catulus vernichtend geschlagen.

Weblinks


- [http://www.jadu.de/mittelalter/germanen/kimuteu.html Die Kimbern und Teutonen] Kategorie:Germanen Kategorie:Germanischer Stamm

Deutschland

Deutschland (die Langform der amtlichen Staatsbezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland) ist ein Bundesstaat in Mitteleuropa und hat gemeinsame Grenzen mit Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Im Norden bilden die Nordsee und die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen. Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin; einige Bundesministerien befinden sich in der Bundesstadt Bonn, dem ehemaligen Regierungssitz. Das politische System ist föderal und als parlamentarische Demokratie organisiert: Nach Artikel 20 des Grundgesetzes versteht sich Deutschland als demokratischer und sozialer Bundesstaat und Rechtsstaat. Dieser Bundesstaat besteht aus 16 teilsouveränen Bundesländern. Deutschland ist mit über 82 Mio. Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Europas. Die Bundesrepublik Deutschland ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der NATO und der G8. Viele Links zu Artikeln mit Deutschlandbezug finden sich im Portal Deutschland.

Geografie

Lage

Deutschland liegt in Mitteleuropa zwischen 47°16′15″ und 55°05′33″ nördlicher Breite und 5°52′01″ und 15°02′37″ östlicher Länge. Die Nord-Süd-Ausdehnung reicht von List auf Sylt (Schleswig-Holstein) bis Oberstdorf (Bayern) und beträgt 876 km; die West-Ost-Ausdehnung zwischen der Gemeinde Selfkant (NRW) und Deschka (Sachsen) beträgt 640 km. Nachfolgend sind die an Deutschland angrenzenden Staaten und Meere im Uhrzeigersinn aufgeführt. Die Grenzlänge (insgesamt 3.757 km lang) ist hinter den jeweiligen Staaten in Klammern angegeben. Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (67 km), im Nordosten an Polen (442 km), im Osten an Tschechien (811 km), im Südosten an Österreich (815; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 km; mit Grenzen der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 km), im Westen an Luxemburg (135 km) und Belgien (156 km) und im Nordwesten an die Niederlande (567 km). Während im Nordwesten die Küsten der Nordsee und im Nordosten die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen bilden, hat Deutschland im Süden Anteil an den Alpen.

Exklaven

Eine Exklave Deutschlands ist das am Hochrhein gelegene Büsingen, das zum Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg gehört. Sie ist 7,62 km² groß und gänzlich von den drei Schweizer Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich umgeben. Daneben existiert eine zweite Exklave auf irischem Territorium, unweit von Dublin. Es handelt sich um einen Friedhof, auf dem während des Zweiten Weltkrieg gefallene deutsche Soldaten beerdigt wurden. Um nach dem Krieg eine kostspielige und aufwändige Überführung der Leichen zu vermeiden, wurde das Gebiet an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.

Mittelpunkt Deutschlands

Der geographische Mittelpunkt Deutschlands liegt laut dem Statistischen Jahrbuch Deutschland (Stand: 2000) in der Gemeinde Niederdorla im westlichen Thüringen auf der .

Großlandschaften

Die landschaftlichen Großräume unterscheiden sich vor allem in der Abfolge von Nord nach Süd, da das Gelände nach Süden hin tendenziell höher und steiler wird. Der nördliche Teil Deutschlands, die Norddeutsche Tiefebene, ist ein hauptsächlich von den Eiszeiten geformtes Tiefland, an das sich nach Süden die bewaldeten Mittelgebirge im Zentrum und in südlicheren Teilen des Landes anschließen. Insbesondere in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, gehen diese Landschaften in das relativ hoch liegende Nördliche Alpenvorland und dies wiederum in das Hochgebirge der Alpen über.

Geologie

Deutschland ist geologisch vielgestaltig. Während die glazial geprägten Landschaften, die Flussniederungen und -becken erst ab dem Tertiär ihre Gestalt annahmen, sind die Mittelgebirge deutlich älteren Datums. Die kristallinen Rumpfgebirge (z. B. der Schwarzwald) sind bereits im Erdaltertum entstanden und bestehen hauptsächlich aus metamorphem und Tiefengestein wie Gneisen und Granit. Ähnlich alt ist das Rheinische Schiefergebirge, dessen Entstehung auf Silur und Devon zu datieren ist. An dessen Nordrand finden sich auch Formationen aus dem Karbon, in denen die gewaltigen Steinkohlevorkommen im Ruhrgebiet eingelagert waren. Die süddeutsche Landschaft ist größtenteils auf die Entwicklungen im Erdmittelalter zurück zu führen: Während die Pfalz, Thüringen, Teile Bayerns und Sachsens geologisch im Trias gebildet wurden, ist die sich quer durch den süddeutschen Raum ziehende Schwäbische und Fränkische Alb ein Ergebnis der Auffaltung und Hebung von Meeresboden aus dem Jurazeitalter. Erstere Regionen weisen Sandstein, letztere Kalkstein als vorherrschende geologische Formation auf. Vulkanismus wird in Deutschland nicht beobachtet. Dennoch findet sich in einigen Gebieten vulkanisches Gestein aus früherer Aktivität, insbesondere in der Vulkaneifel und auf dem Vogelsberg in Hessen. Auch Erdbeben mit schweren Folgen kommen praktisch nicht vor, da Deutschland vollständig auf der Eurasischen Platte liegt. Das Land wird daher nicht von Grenzen zwischen aneinander anstoßenden großen Platten der Erdkruste durchzogen. Dennoch ist der Rheingraben in Nordrhein-Westfalen als mäßig gefährdete Erdbebenzone eingestuft, die sich bis in die Nachbarländer Belgien und Niederlande erstreckt (siehe auch Erdbebengebiet Kölner Bucht).

Gewässer

Erdbebengebiet Kölner Bucht bei Koblenz (Deutsches Eck)]] Deutschland grenzt mit den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein an die Nordsee. Diese ist ein Randmeer des Atlantiks und das am dichtesten befahrene Seegebiet der Erde. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein liegen an der Ostsee, einem Binnenmeer, das über den Skagerrak mit der Nordsee verbunden ist. Der Tidenhub an der Ostsee ist wesentlich geringer als an der Nordsee. Die deutschen Flüsse gehören zu sechs großen Flusssystemen, deren Einzugsbereiche fast die gesamte Fläche einnehmen. Diese sind der Rhein, die Donau, die Elbe, die Oder, die Weser, und die Ems. Der längste dieser Flüsse ist die Donau; sie ist mit 2.845 km ab dem Zusammenfluss von Brigach, Breg und der Donauquelle in Donaueschingen beziehungsweise 2.888 km ab der Breg-Quelle am Rande des Schwarzwaldes nach der Wolga der zweitlängste Strom in Europa. Allerdings verläuft nur ein kleiner Teil der Donau-Gesamtstrecke durch Deutschland. Die Donau mündet ins Schwarze Meer. Alle anderen deutschen Flüsse entwässern in die Nord- oder Ostsee. Der Abschnitt der Europäischen Wasserscheide durch Deutschland verläuft östlich des Oberrheingrabens über den Hauptkamm des Schwarzwaldes, danach folgt sie der Schwäbischen und Fränkischen Alb. Der Rhein ist von diesen Strömen derjenige, der die längste Strecke innerhalb Deutschlands zurücklegt: Von seinem 1.320 km langen Flusslauf führen 852 km durch Deutschland. Er hat zudem für die Deutschen eine identitätsstiftende Rolle inne, die sich aus der Geschichte und zahlreichen Mythen und Sagen speist. Auch seine wirtschaftliche Funktion ist bedeutend: er ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen Europas. Die Elbe entspringt im Riesengebirge an der Grenze Tschechiens zu Polen und mündet nach ungefähr 1.165 km – davon 770 km in Deutschland – bei Cuxhaven in die Nordsee. Sie gehörte zeitweilig zu den am meisten mit Schadstoffen belasteten Flüssen Europas, doch mittlerweile hat sich die Wasserqualität deutlich verbessert. Die Oderquellen befinden sich in den tschechischen Beskiden. Nach wenigen Kilometern fließt die Oder nach Polen und in ihrem Mittellauf durch Schlesien. In ihrem Unterlauf bildet sie die deutsch-polnische Grenze um dann wieder in Polen bei Stettin in das Stettiner Haff zu münden. Als Swine fließt sie schließlich zwischen den Inseln Usedom und Wollin durch Swinemünde in die Ostsee. Die Weser speist sich aus den Flüssen Werra und Fulda und entwässert den mittleren Teil Deutschlands. Die Einzugsgebiete von Oder und Ems liegen im äußersten Osten bzw. Westen. Die Seen in Deutschland sind größtenteils in der Folge der Eiszeit entstanden, nach deren Ende sich ehemalige Gletschertäler (Gletscher- und Gletscherwasserabflussrinnen) teilweise mit Wasser füllten. Daher finden sich die meisten der großen Seen in ehemals von Inlandeis bedeckten Gebieten oder deren Vorland, insbesondere in Mecklenburg und dem Alpenvorland. Der größte mit deutschem Anteil ist der Bodensee, an den auch Österreich und die Schweiz grenzen. Der größte vollständig zu deutschem Staatsgebiet gehörende See ist die Müritz, die Teil der mecklenburgischen Seenplatte ist. Siehe auch: Liste der Flüsse in Deutschland, Liste der Seen in Deutschland

Gebirge und Senken

Liste der Seen in Deutschland Die Alpen sind das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat. Hier befindet sich mit der Zugspitze (2.962 m) der höchste Berg Deutschlands. Die Mittelgebirge nehmen tendenziell von Nord nach Süd an Höhe und Ausdehnung zu. Höchster Mittelgebirgsgipfel ist der Feldberg im Schwarzwald mit 1.493 m, gefolgt vom Großen Arber im Bayerischen Wald mit 1.453 m. Gipfel über 1.000 m erreichen außerdem das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, die Schwäbische Alb und als Sonderfall der Harz, der sich recht isoliert als nördlichstes Mittelgebirge in Deutschland mit dem Brocken auf 1.141 m erhebt. Nördlich der Mittelgebirgsschwelle erheben sich nur noch vereinzelte Formationen über 100 m, von denen der Hagelberg im Fläming mit 200 m die höchste ist. Details finden sich in der Liste der höchsten Berge Deutschlands und der Liste der Gebirge Deutschlands. Die niedrigste begehbare Landesstelle Deutschlands liegt bei 3,54 m unter Normalnull in einer Senke bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch (Schleswig-Holstein). Ebenfalls in diesem Bundesland befindet sich die tiefste Kryptodepression: Sie liegt mit 39,10 m u. NN am Grund des Hemmelsdorfer Sees nord-nordöstlich von Lübeck. Die tiefste künstlich geschaffene Stelle liegt bei 293 m u. NN am Grund des Tagebau Hambach östlich von Jülich in Nordrhein-Westfalen.

Inseln

Jülich Gemessen an der Küstenlinie verfügt Deutschland über eine beachtliche Zahl an Inseln. Diese sind in der Nordsee meist in Form von Inselketten dem Festland vorgelagert und stellen Festlandsreste dar, die durch Landsenkung und nachfolgende Überflutung von der Küste getrennt wurden. Unterteilt werden sie in die nordfriesischen und die ostfriesischen Inseln, die Bestandteil des deutschen Wattenmeeres sind. Die nordfriesischen Inseln gehören zu Schleswig-Holstein und bestehen aus den größeren Inseln Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand sowie den wesentlich kleineren Halligen. Die zu Niedersachsen gehörenden ostfriesischen Inseln sind von Aufbau und Größe sehr ähnlich. Größte dieser Inseln ist Borkum. Einen Sonderfall stellt die weiter in der Nordsee gelegene Insel Helgoland dar, die Deutschlands einzige Hochseeinsel ist. Die Inseln in der Ostsee liegen an der deutschen Boddenküste, sind tendenziell größer und weisen ein stärker bewegtes Relief auf. Die größte dieser Inseln und gleichzeitig größte deutsche Insel ist Rügen, gefolgt von Usedom, deren Ostzipfel bereits zu Polen gehört. Wie die Nordseeinseln sind auch die Ostseeinseln beliebte Reiseziele und von bekannten Seebädern gesäumt. Auch in einigen deutschen Binnengewässern gibt es Inseln, von denen die bekanntesten Mainau und Reichenau im Bodensee sowie Herrenchiemsee im Chiemsee sein dürften. Für die vollständige Aufführung aller Inseln siehe: Liste deutscher Inseln

Klima

Deutschland gehört zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Das Klima wird unter anderem vom Golfstrom beeinflusst, der die klimatischen Werte für die Breitenlage ungewöhnlich mild gestaltet. Extreme Wetterbedingungen wie langanhaltende Dürren, Tornados, strenger Frost oder extreme Hitze sind vergleichsweise selten. Gelegentlich treten jedoch Stürme auf, die in den Jahren 2000 und 2002 zu schweren Schäden geführt haben. Regelmäßig ereignen sich auch Hochwasser, die nach intensiven Regenperioden im Sommer (Oderhochwasser 1997, Elbehochwasser 2002) oder nach der Schneeschmelze im Winter zu Überschwemmungen und erheblichen Zerstörungen führen können. Dass es am Rhein häufiger zu Hochwasser kommt, liegt wahrscheinlich an der im 19. Jahrhundert unter der Leitung von Tulla durchgeführten Rhein-Begradigung, die weitgehend zur Beseitigung der früheren Rheinauen geführt hat. Dürren betreffen hauptsächlich den Nordosten Deutschlands, können zuweilen aber auch das ganze Land in Mitleidenschaft ziehen, wie zuletzt während der Hitzewelle 2003. Die Klimadaten betragen (gemittelte Werte der Jahre 1961–1990): Quelle: [http://www.cru.uea.ac.uk/~timm/cty/obs/TYN_CY_1_1.html Tyndall Centre for Climate Change Report] Die deutschlandweiten Klimamittel werden je nach Region teils erheblich über- oder unterschritten. Die höchsten Jahrestemperaturen verzeichnet Südbaden mit über 11 °C, während in Oberstdorf der Durchschnitt unter 6 °C liegt. Zudem zeichnet sich ein allgemeiner Trend zu höheren Temperaturen ab: Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes lagen in 14 der 15 Jahre seit 1990 die Durchschnittstemperaturen über dem langjährigen Mittel von 8,3 °C, im Jahr 2000 wurden sogar 9,9 °C erreicht. Insbesondere die Sommer sind deutlich wärmer geworden. Zudem verfrüht sich der Frühlingseinzug im Schnitt um fünf Tage pro Jahrzehnt. Zugvögel halten sich fast einen Monat länger in Deutschland auf als noch in den siebziger Jahren.

Böden und Flächennutzung

Die Zusammensetzung und Qualität der Böden ist regional sehr unterschiedlich. In Norddeutschland bildet ein küstennaher Gürtel aus fruchtbaren Marschböden die Grundlage für ertragreiche Landwirtschaft, während die dahinter liegende, eiszeitlich geprägte Geest nur sehr magere Böden aufweist. In der Lüneburger Heide ist dieser durch jahrhundertelange Weidewirtschaft zum Podsol degeneriert, so dass Ackerbau kaum möglich ist. Sehr unergiebig sind auch die Gebiete der Alt- und Jungmoränenlandschaft, in denen sich Flugsand angelagert hat. Brandenburg beispielsweise war schon in historischer Zeit als des „Heiligen Reiches Streusandbüchse“ berüchtigt. Zwischen der Moränenlandschaft und der Mittelgebirgsstufe zieht sich von West nach Ost eine Reihe von Börden: In diesen Gebieten ist durch eiszeitliche Lössablagerungen äußerst fruchtbarer Boden entstanden. Dieser besteht zumeist aus Braunerden, im Osten teils auch aus Schwarzerden und wird intensivst landwirtschaftlich genutzt. In den Mittelgebirgen herrschen magere Böden vor, die landwirtschaftlich nur extensiv bewirtschaftet werden. Die weitaus größte Fläche ist bewaldet. Ergiebige Böden finden sich in Süddeutschland insbesondere entlang der Flüsse Rhein, Main und Donau. Insgesamt werden 53,5 % der deutschen Fläche landwirtschaftlich genutzt, Wälder bedecken weitere 29,5 %. Aufgrund hoher Bevölkerungsdichte und Mobilität macht die Siedlungs- und Verkehrsfläche stolze 12,3 % aus (Tendenz weiterhin steigend). Wasserflächen kommen auf 1,8 %, die restlichen 2,4 % verteilen sich auf sonstige Flächen, zumeist Ödland.

Politik

Hauptartikel: Politisches System Deutschlands

Staatsorganisation

Hauptartikel: Politisches System Deutschlands Hauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Nach Artikel 20 GG ist die Bundesrepublik Deutschland ein demokratischer, sozialer und rechtsstaatlicher Bundesstaat. Es gibt 16 teilsouveräne Bundesländer, von denen einige wiederum in Regierungsbezirke untergliedert sind. Die staatliche Ordnung regelt das Grundgesetz. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident mit repräsentativen Aufgaben. Protokollarisch gesehen folgen ihm der Präsident des Deutschen Bundestages, der Bundeskanzler und der jeweils amtierende Bundesratspräsident, der gemäß dem Grundgesetz den Bundespräsidenten vertritt. Der Regierungschef Deutschlands ist der Bundeskanzler. Er besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Kanzlerdemokratie). Bundesregierung Als Bundesstaat ist Deutschland föderal organisiert, d. h. es gibt zwei Ebenen im Politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem Bundesland einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive (ausführende Gewalt), Legislative (gesetzgebende Gewalt) und Judikative (rechtsprechende Gewalt). Siehe auch: Gewaltenteilung Bundestag und Bundesrat entscheiden gemeinsam über die Gesetze des Bundes und haben die Befugnis mit Zweidrittelmehrheit in beiden Organen das Grundgesetz, die Verfassung Deutschlands, zu ändern. In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach dem Grundgesetz nicht weisungsgebunden sind, dominieren Vorentscheidungen in den Parteien die Gesetzgebung. Parteien] Die Exekutive wird auf Bundesebene durch die Bundesregierung gebildet, die durch den Bundeskanzler geleitet wird. Auf der Ebene der Bundesländer leitet der Ministerpräsident (bzw. der Bürgermeister der Stadtstaaten) die Exekutive. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze der Behörden. Wie in anderen Ländern auch, spielen Verbände im politischen System eine wichtige Rolle. Mit ihrer Lobbyarbeit versuchen sie, die Politik in die Richtung ihrer Interessen zu bewegen. Die Sinnhaftigkeit dieser Tätigkeiten ist nicht unumstritten und unterliegt häufiger Kritik insbesondere der durch die Lobbyarbeit jeweils negativ betroffenen anderen Verbände. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Die Obersten Gerichtshöfe des Bundes sind der Bundesgerichtshof mit Hauptsitz in Karlsruhe, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das Bundesarbeitsgericht in Erfurt, das Bundessozialgericht in Kassel und der Bundesfinanzhof in München. Der Großteil der Rechtsprechung liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Die Bundesgerichte sind fast immer nur Revisionsinstanz und prüfen die Entscheidungen der Landesgerichte auf formelle und materielle Rechtmäßigkeit. Siehe auch: Grundgesetz

Bundesländer

Parteienlandschaft

Die Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) wurde 1945 als überkonfessionelle Nachfolgepartei bürgerlicher und religiös geprägter Parteien gegründet. In ihr vereinigten sich vor allem Kräfte aus der Zentrumspartei. Sie ist konservativ geprägt. Mit der Ausnahme Bayerns ist die CDU im gesamten Bundesgebiet vertreten. Die Christlich Soziale Union (CSU) hat eine ähnliche konservative Ausrichtung, wirkt aber nur in Bayern. Gemeinsam bilden beide Parteien im Deutschen Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, zusammen werden sie „die Union“ oder auch „Unionsparteien“ genannt. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) existiert einschließlich ihrer Vorläuferorganisationen seit 1863, und ist damit die älteste bis heute existierende politische Partei Deutschlands. Sie hat die Tradition der Sozialdemokratie begründet. Nach Verbot in der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie 1945 wiedergegründet. Sie versteht sich seit ihrem Godesberger Programm von 1959 auch offiziell nicht mehr nur als Arbeiterpartei, sondern als eine Volkspartei, die für breite Schichten wählbar sein will. Ihr Bekenntnis lautet „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“. Die Freie Demokratische Partei (FDP) wurde 1948 gegründet und beruft sich in ihrem Selbstverständnis auf die Tradition des deutschen Liberalismus, der sich bereits 1861 mit der Deutschen Fortschrittspartei in Preußen als erste politische Partei Deutschlands im heute verstandenen Sinn organisiert hatte, sich wenige Jahre darauf jedoch in sich gegeneinander konkurrierende unterschiedliche Parteien aufgespalten hatte. Die moderne FDP steht insbesondere in Wirtschafts-, aber auch in Bürgerrechtsfragen für mehr Freiheiten und Verantwortung des Einzelnen, sowie für eine stärkere Zurückhaltung des Staates - insbesondere bei wirtschaftlichen Belangen. Sie war mit insgesamt 42 Jahren am längsten als kleinerer Koalitionspartner sowohl der CDU/CSU als auch der SPD an der Regierungsverantwortung der Bundesrepublik beteiligt. Die Grünen entstanden als bundesweite Partei 1979/80 aus den damals neuen sozialen Bewegungen, beispielsweise der modernen Frauenbewegung, der Friedens- und der Ökologiebewegung der 1970er Jahre. 1983 zogen sie erstmals in den Bundestag ein. 1990 schlossen sie sich mit der ostdeutschen Bürgerbewegung Bündnis 90 zu Bündnis 90/Die Grünen zusammen. Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) war die Rechtsnachfolgerin der in der DDR allein herrschenden SED. Inhaltlich beruft sich die Partei auf sozialistische Ideale, und steht im Parteienspektrum des Bundestags links von der SPD. Bedeutendere Wahlerfolge für die PDS blieben zunächst auf Ostdeutschland beschränkt. 2005 wurde aus Protest gegen die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) auf Initiative von Gewerkschaftern und enttäuschten vormaligen SPD-Mitgliedern gegründet. Für die Bundestagswahl 2005 öffnete die PDS ihre Listen für WASG-Mitglieder. Aus diesem Grund hat sich die PDS inzwischen in Die Linkspartei. umbenannt. Beide Parteien streben eine Vereinigung an. Rechtsextreme Parteien waren, von der Deutschen Reichspartei im Ersten Bundestag (1949–1953) abgesehen, nie im deutschen Bundestag vertreten, konnten aber auf Landesebene zeitweise in Parlamente einziehen. Eine relative Blütezeit erlebten sie Ende der 1960er und seit der Wiedervereinigung. Parteien dieser Richtung sind Die Republikaner, die Deutsche Volksunion (DVU) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Es gibt zahlreiche regionale Parteien und „Splitterparteien“, deren politischer Einfluss auf Bundesebene aber durch die Sperrklausel der 5%-Hürde in der Regel auf außerparlamentarische Aktivitäten beschränkt ist. Die Ausnahmeregelung, über Direktmandate in den Bundestag einzuziehen, ist für diese ebenso fast unmöglich. Im Landtag von Schleswig-Holstein ist jedoch aufgrund einer Sonderregelung für die dänische Minderheit der Südschleswigsche Wählerverband gesetzlich garantiert vertreten. In der Geschichte der Bundesrepublik gab es mehrere Parteiverbote, gegen die rechtsradikale SRP 1952 und gegen die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 1956. Ein Verbotsantrag gegen die NPD scheiterte 2004 unter anderem wegen Versagens des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Nahezu allen einflussreichen Parteien stehen – mehr oder weniger selbständig – Jugendorganisationen zur Seite. Die wichtigsten sin