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Ufa-KinoUfa-Kinos hießen die Kinos der großen Lichtspielhaus-Kette der Filmgesellschaft Universum Film AG (Ufa).
Geschichte
Neben ihren Filmproduktionseinrichtungen besaß die Ufa bereits seit der Zeit der Weimarer Republik eine wachsende Anzahl von Erstaufführungstheatern. Im Jahre 1936 waren es 109 Kinos, im Jahre 1938 5.446 Kinos.
Im April 1956 wurden die Ufa-Kinos von einem Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank erworben und in einer „Ufa-Theater AG“ zusammengefasst. Vorstandsvorsitzender wurde Arno Hauke, der bisherige Generaltreuhänder für das UFI-Vermögen in der britischen Besatzungszone. Im Januar 1964 ging die Kinokette in den Besitz der Firma Bertelsmann über, 1972 folgte als Eigentümer der Kinounternehmer Heinz Riech. Eng mit Riech - und damit mit den Ufa-Kinos - verbunden ist der Begriff der Schachtelkinos. Die ehemals großen Säle der Nachkriegszeit wurden meist in mehrere kleine Räume unterteilt, die teilweise nur 20 bis 30 Plätze boten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm Riech mit seiner Düsseldorfer Firma einen Großteil der Kinos der ehemaligen DDR.
Im Oktober 2002 ging das Unternehmen in Konkurs. Innerhalb weniger Jahre hatten die Konkurrenten Cinemaxx, UCI und Cinestar moderne Kinokomplexe, aber auch gewaltige Überkapazitäten aufgebaut. Die Ufa-Gruppe konnte dem nur langsam folgen und betrieb in großem Maße veraltete Kinos, die immer weniger Besucher anzogen. Nach einer kurzen Zusammenarbeit mit dem Cinemaxx-Konzern wurden die Ufa-Kinos vom Lübecker Konkurrent Cinestar vollständig übernommen. Der Name Ufa konnte bis 2004 in Lizenz weiter verwendet werden, seit dem firmieren die Kinos unter Cinestar.
Cinestar geriet durch die Übernahme, verbunden mit dem allgemeinen Besucherrückgang, selbst in eine Schieflage. Gemäß Kaufvertrag wurden daraufhin einige weniger aussichtsreiche Häuser an die insolvente Ufa-Kette zurückgegeben, unter anderem Häuser in Hamburg und Dresden. Da ein Weiterbetrieb gescheitert ist, stehen die Immobilien derzeit bei vorerst noch weiterlaufendem Betrieb durch den Insolvenzverwalter zum Verkauf. Ein Teil der meist in günstiger Innenstadtlage befindlichen Gebäude wird wahrscheinlich zu Büros und Geschäften umgebaut.
Bedeutende Ufa-Kinos
- Ufa-Filmbühne Wien (Berlin, 1913 eröffnet)
- Ufa-Palast am Zoo (Berlin, 1919; vorher: „Cines-Palast“), bedeutendstes Uraufführungskino der 1920er und 1930er Jahre
- Ufa Gloria-Palast/Gloriette (Berlin, 1926)
- Ufa-Palast am Gänsemarkt (Hamburg, 1929; vorher: „Lessing-Theater“)
- Ufa-Kino (Wien, 1938; vorher: „Zentral“)
- Luitpold-Theater (München, 1929)
- Kosmos Ufa-Palast (Berlin, 1996), das erste Multiplexkino der Ufa
- Ufa-Kino Kassel (2000)
Weblink
- Kerstin Decker: [http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/01.12.2002/330203.asp Warum müssen die Ufa-Kinos sterben?] In: Der Tagesspiegel, 1. Dezember 2002; Berlin
Kategorie:Kino
Kategorie:Deutsche Filmgeschichte
Kinoer Kurkinos]]
Kinos, auch Lichtspieltheater, Lichtspielhäuser oder Filmtheater, sind Abspielorte für alle Arten von Filmen. Manchmal steht der Begriff auch für die Filmkunst an sich, auch für das Erlebnis des Ins-Kino-Gehens.
Geschichte
Die Erfindung des Kinos wird, je nach Quelle, meist den Brüdern Lumière oder Thomas Alva Edison zugeschrieben. Das Kino entstand jedoch erst in langen Jahrzehnten nach der Erfindung des Films organisch im Zusammenspiel von Filmemachern und Publikum. Was die Lumieres, Edison und Max und Emil Skladanowsky damals entwickelt haben und entwickeln wollten, war (bewegter) Film als Rummelplatzattraktion, nicht Kino.
Die Entwicklung der Filmtechnik erwuchs zunächst wissenschaftlichem Interesse. So nahm z. B. der Brite Eadweard Muybridge im Jahre 1870 mit mehreren Kameras den Bewegungsablauf eines Pferdes im Galopp auf, um zu beweisen, dass zu bestimmten Zeitpunkten kein Huf den Boden berührte.
Eine kommerzielle Nutzung der Filmtechnik wurde dann in den USA vor allem von Edison vorangetrieben. Zusammen mit seinem jungen britischen Assistenten William Kennedy Laurie Dickson entwickelte er im Jahre 1891 das Kinetoscope (bzw. Kinetoskop), ein Guckkasten, in dem jeweils eine Person kurze Filme betrachten konnte. Im April 1894 wurden in New York in einer Einkaufspassage fünf dieser Maschinen aufgestellt. Der Preis für eine Nutzung betrug 25 Cent. Andere Entwickler arbeiteten an Kamera-Projektor-Systemen, die die eigentliche Voraussetzung für Kinos sind. Schon Ende der 1880er Jahre gab es in England Experimente mit dieser Technik. Schließlich zum Abschluss gebracht wurde sie, etwa gleichzeitig und unabhängig voneinander, in Frankreich von den Brüdern Lumière und in den USA von Thomas Armat.
Am 19. März 1895 drehte Louis Lumière seinen ersten Film: Er filmte Arbeiter beim Verlassen einer Fabrik (Sortie des usines). Insgesamt fast 400 Filme entstanden im Laufe weniger Jahre, doch die meisten waren lediglich kurze, dokumentarische Alltagsszenen.
Die erste öffentliche Filmvorführung vor einem zahlenden Publikum fand in Europa am 1. November 1895 im Berliner „Wintergarten“ durch die Brüder Skladanowsky statt. Am 28. Dezember 1895 veranstalteten dann in einem Kellersalon („Salon Indien“) des „Grand Cafes“ in Paris die Lumières ihre erste öffentliche Vorstellung.
Als Konkurrenz zur Apparatur der Lumières, dem Cinematographe, kaufte Edison die Projektorversion von Armat und ließ sie unter dem Namen Kinetograph patentieren, produzieren und verkaufen. Der Begriff Kino ist eine Kurzform der ins Deutsche übersetzten Bezeichnung für die Erfindung der Brüder Lumière, dem Kinematographen. Daher sprach man in den 1910er Jahren in Deutschland auch von der Kino, statt das Kino, und meinte damit den Projektor, nicht das Lichtspieltheater selbst.
Kinetograph
Die Filme waren schwarz-weiß, stumm, mit einer Bildgröße von 18×24 mm und einem Seitenverhältnis von 1:1,33. Die ersten Kinos waren Jahrmarktattraktionen, so dass der Kinobesuch meist auf den Sommer beschränkt war. In den USA wurde außerdem das Programm der Varietétheater mit Filmen bereichert, was sich in Deutschland allerdings nicht durchsetzen konnte. Schon im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden viele Lichtspielhäuser als feste Einrichtungen in den Städten eröffnet. Zunächst waren provisorische Einrichtungen, umgebaut aus Verkaufsläden, die Regel. Sie wurden als Kintöppe (Einzahl: Kintopp, Verballhornung von „Kinetoskop“) bezeichnet und entsprechen den amerikanischen Nickelodeons dieser Zeit. In den 1910er Jahren entstanden dann immer größere und luxuriösere Neubauten, die das Aus für die Kintöppe bedeuteten. Die inzwischen immer länger werdenden Filme wurden mit Klavier, in großen Kinos auch mit Orchester begleitet (siehe dazu Filmmusik). Bis 1927 gab es fast ausschließlich Stummfilme. In diesem Zeitraum entstanden monumentale Werke wie beispielsweise „Geburt einer Nation“ (Birth of a Nation) von David Wark Griffith, Metropolis von Fritz Lang, Ben Hur von Fred Niblo (mit Farbsequenzen) oder „Napoléon“ von Abel Gance, der in diesem Film auch mit Farbfilm, 3D-Film und Breitwandfilm (als Vorläufer von Cinemascope) experimentierte.
Eines der ersten Kinos in Deutschland war Knopfs Lichtspielhaus am Spielbudenplatz der Hamburger Reeperbahn. Eberhard Knopf kaufte 1900 für sein „Konzert- und Automatenhaus“ einen Vorführapparat; das erste Programm bestand aus drei Teilen, „1. Ankunft eines Eisenbahnzuges, 2. Einschiffung auf hoher See und 3. Ein Bauern-Wettreiten“ (Hamburger Tageblatt vom 1. November 1935). 1906 zog das Theater wegen des großen Erfolgs in den eigens neu errichteten Anbau um.
Seit geraumer Zeit versuchte man, den Film mit Ton zu versehen. Der Hauptgrund war, die Schauspieler sprechen zu lassen, um dadurch auf die lästigen Zwischentitel verzichten zu können. Auf der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 wurden zwar bereits Ton- und Farbfilm vorgeführt, die Verfahren (z. B. Handcoloration) erwiesen sich aber als zu kostspielig für die kommerzielle Nutzung. Auch Versuche mit Nadelton (mittels einer Schallplatte, die parallel zum Film lief) waren nicht sehr zufriedenstellend, da diese nur sehr schwer mit dem Film zu synchronisieren war.
1926 kam der erste abendfüllende Spielfilm in der Nadeltontechnik des Vitaphone-Patents zur Aufführung: „Don Juan“ von Alan Crosland mit Warner Oland (der später als Charlie Chan berühmt wurde).
1927 kam der Film The Jazz Singer von Alan Crosland als Nadeltonfilm in die Kinos. Alan Crosland Nach dem überragenden Erfolg wurde der Film später auf Lichtton-Film umkopiert. Hierbei wird am linken Bildrand ein 3 mm breiter Streifen für die Tonspur reserviert. Eine kleine Lampe leuchtet auf den Tonstreifen, der je nach Lautstärke und Frequenz des Tonsignals mehr oder weniger stark lichtdurchlässig ist. Das Licht fällt durch den Film auf eine Fotozelle und die dabei entstehenden Helligkeitsschwankungen werden in eine Wechselspannung für ein Tonsignal umgewandelt, das nach Verstärkung den Lautsprechern im Kinosaal zugeführt werden kann. Innerhalb von nur wenigen Jahren verdrängte dann der Tonfilm den Stummfilm.
Technik
Ein Kino projiziert mit einem Projektionsapparat die Bilder des Films auf eine Filmleinwand. Digitales Kino spielt bisher, Anfang 2005, nur eine Nebenrolle. Zum Einsatz kommen daher nahezu ausschließlich Filmprojektoren.
Der Ton wird mit unterschiedlich komplexen Verfahren erzeugt und befindet sich als Licht- (Dolby,SDDS) oder Magnettonspur auf dem Film oder wird von separaten Datenträgern abgespielt, die dann mit dem Film synchronisiert werden müssen (DTS).
Magnetton spielt im kommerziellen Kino keine Rolle.
Neue Entwicklungen ersetzen den Film durch andere Datenträger (DVD, Festplatte, Satellitenübertragung).
Kino heute
Ihre erste große Zeit hatten Kinos vor der Entwicklung des Fernsehens. In den 1950er-Jahren setzte jedoch eben durch das Fernsehen ein großes Kinosterben ein. Die Filmproduktionsfirmen versuchten deshalb durch neue, teilweise aber kurzlebige, Techniken die Zuschauer wieder für das Kino zurückzugewinnen. So wurde mit 3D-Filmen ein kurzzeitiger Boom ausgelöst und mit neuen Breitwandtechniken experimentiert (Cinemascope Todd-AO, Cinerama, Cinemiracle u.a.), die das Fernsehen anfangs noch nicht ausstrahlen konnte. Dennoch mussten viele Kinobetriebe bis Anfang der 1980er-Jahre aufgegeben werden. Nach der Konsolidierung des Marktes erlebt das Kino heute eine Renaissance.
Image:Berlin Babylon 2005.jpg|Berlin, Babylon (cinema)
Image:Berlin Film-Palast.jpg|Berlin, Film-Palast (cinema)
Image:Hackesche Höfe (Berlin) 2.jpg|Berlin, Varieté und Filmtheater Hackesche Höfe
Image:CinemaxX-BI.jpg|Bielefeld, CinemaxX
Image:Dresden Ufa Cinema Center.jpg|Dresden, Ufa Cinema Center
Image:Lichtburg Essen.jpg|Essen, Lichtburg
Image:Cinedom-Köln.JPG|Köln, Cinedom
Image:Muenchen Gloriapalast Tag.jpg|München, Gloria-Palast
Image:Autokino gravenbruch.jpg|Neu-Isenburg, Autokino Gravenbruch
Image:Stuttgart SI Centrum Maxx Filmpalast 2003.jpg|Stuttgart, SI-Centrum: MaxX Filmpalast
Image:Wien Kuenstlerhaus Kino 2003.jpg|Wien, Künstlerhaus (Kino)
Image:Urania-Eingang.jpg|Wien, Urania
Image:Cannes_FF_Palace.jpeg|Cannes, Le Palais du Festival
Image:London IMAX cinema 2.jpg|London, London IMAX Cinema
Image:Graumanchinesetheater.jpg|Los Angeles CA, Grauman's Chinese Theater (Mann's Chinese Theater)
Image:Fox_Theater_night.jpg|Atlanta GA, Fox Theater
In vielen Städten, die zuvor mit mehreren Kinos ausgestattet waren, blieb nur noch ein Kinobetrieb übrig. Dieses wurde dann oft in kleinere Einzelsäle aufgeteilt, was zu, spöttisch als Schachtelkinos bezeichneten, beengten Kleinkinos führte. Die seit den 1980er-Jahren neu gebauten Kinos, vor allem die so genannten Multiplex-Kinos (Das erste Multiplexkino Europas war das Cinemaxx in Hannover), sind dagegen technisch auf dem neuesten Stand: Dolby Digital- und DTS-Tonanlagen (vereinzelt THX-zertifiziert) gehören zur Grundausstattung, in besonderen Sälen auch SDDS.
Auch die digitale Filmprojektion ist vereinzelt schon anzutreffen. Derzeit gibt es hier jedoch nur wenig Auswahl an großen Kassenschlagern, wie z.B. Star Wars II – Angriff der Klonkrieger, die den Umbau der Kinos und den Einsatz der neuen Technik lohnen. Dementsprechend sind entsprechende Projektionssysteme auch nur selten in Multiplexkinos eingebaut. Mit europäischer Förderung wurde jedoch am 12. November 2004 cinemaNet Europe gestartet. Zielgruppe sind Programmkinos, die bei der Anschaffung der Technik unterstützt werden und kleine Produktionen (schwerpunktmäßig Dokumentationen, Animationsfilme, Kurzfilme), die besonders profitieren, da die Verbreitung über Satellit für unabhängige Filmautoren wesentlich günstiger und leichter zu handhaben ist, als der Verleih herkömmlicher Filmkopien.
Große Kinos spielen meist nur ein sehr beschränktes Repertoire an gerade erfolgreichen Filmen. Dagegen setzt das so genannte Programmkino auf ein vielseitig zusammengesetztes Spektrum auch aus älteren und unbekannteren Filmen. In vielen deutschen Städten gibt auch es ein Kommunales Kino.
Zukunft
Es ist in der Diskussion, den Film überflüssig zu machen: Es wird digital produziert, über Satelliten wird direkt an die Vorführtheater übertragen und dort mittels Videoprojektor aufgeführt.
- Vorteile: teuere Filmkopien müssen nicht mehr angefertigt werden, Transportkosten entfallen, gleichbleibende Qualität wird gesichert, es kann aktueller aufgeführt werden.
- Nachteile: eine längere Periode von Kinderkrankheiten der konkurrierenden Projektionssysteme (vgl. Digitales Kino) und schneller Gerätegenerationswechsel mit hohen umzulegenden Investitionskosten der Kinobetreiber als Folge.
Bekannte Kinos
- Apollo-Kinematograph, Berlin, 1905 bis 1930
- UFA-Kino Berlin; gebaut 1926 bis 1928, Architekt Erich Mendelsohn
- Lichtburg, Essen
- Mathäser-Filmpalast, München
- Türkendolch, München
- Cinecittà Nürnberg, Nürnberg
- Das Erika-Kino, Wien, galt lange Zeit als das älteste noch bespielte Kino der Welt [http://cinetext.philo.at/wienfilm/erika.html]
- Kommunales Kino Frankfurt am Main
- Studio 4, Zürich, Architekt Roman Clemens, heute «filmpodium»
- Kino Frank in Flonheim, mit dem ältesten Filmvorführer von Deutschland, zählt zu den ältesten Kinos Deutschlands und ist das älteste Kino in Rheinland-Pfalz
Siehe auch
- Portal:Film, Filmmuseum, Kommunales Kino, Autokino, Cinemascope, IMAX, Heimkino, Digitales Kino,
- Filmkunst, Stummfilm
- Ufa-Kinos
- Brüder Lumière
- Experimentalfilm
Weblinks
- http://www.kino-geschichte.de (Die Frühgeschichte des Kinos im Stil eines Films)
- http://www.kinogeschichte.at (Über die Anfänge des Kinos am Beispiel der Stadt Klagenfurt)
- http://german.imdb.com (englischsprachiges Verzeichnis von Filmen und Darstellern)
- http://www.cinematrix.org (Top 50 Kinofilme Deutschland)
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ja:映画館
Universum Film AGDie Universum Film AG, kurz "Ufa" ist ein traditionsreiches deutsches Filmunternehmen.
Sparten
Die Ufa war im Laufe ihrer Geschichte in den Bereichen Filmproduktion, Fernsehproduktion, Verleih und Kino aktiv. Dieser Artikel konzentriert sich auf die beiden erstgenannten Sparten. Für die Geschichte der Ufa-eigenen Lichtspielhäuser siehe Ufa-Kinos.
Geschichte
Gründung (1917)
Eine Vorstufe zur Gründung der Ufa war das von der Obersten Heeresleitung am 13. Januar 1917 eingerichtete Bild- und Filmamt (Bufa). Die Aufgabe dieser Behörde, die als Reaktion auf den empfundenen Vorsprung der Feinde auf dem Gebiet der filmischen Propaganda gegründet wurde, bestand darin, auch im eigenen Land den Film für die psychologische Kriegführung nutzbar zu machen.
Die Pläne des deutschen Generalstabs, insbesondere von Erich Ludendorff, gingen jedoch weit über die Einrichtung des Bufa hinaus. Ihm schwebte ein großer Filmkonzern vor, der - vom Staat gesteuert - den nationalen Interessen dienen sollte. Unter diesem Vorzeichen wurde die Universum-Film AG (Ufa) am 18. Dezember 1917 in Berlin als Zusammenschluss privater Filmfirmen gegründet. Das Startkapital der Firma, an der neben der Reichsregierung und dem Kriegsministerium auch die Deutsche Bank beteiligt war, betrug 7 Millionen Reichsmark. Aufsichtsratsvorsitzender wurde der Direktor der Deutschen Bank, Emil Georg von Stauß.
Statt der Neugründung hatte der Generalstab zunächst auch eine Übernahme der erst 1916 gegründeten Deutschen Lichtbild-Gesellschaft e. V. (DLG) in Betracht gezogen, die jedoch zu stark unter dem Einfluss der Schwerindustrie und von Alfred Hugenberg stand, um den Interessen Ludendorffs zu entsprechen.
Stummfilmzeit (1918-1927)
Zur Aufgabe der Ufa war bei ihrer Gründung die Produktion von Filmen - Spielfilmen, Dokumentarfilmen, Kulturfilmen und Wochenschaubeiträgen - erklärt worden, die im Ausland Propaganda für Deutschland machen sollten. Nachdem es jedoch zu Spannungen zwischen den Gründungsmitgliedern kam, setzte sich bald die Deutsche Bank durch, die mit der Filmproduktion eher geschäftliche als militärische Interessen verband. Statt der Propagandafilme wurden nun aufwändige Unterhaltungsfilme wie Sumurun (Ernst Lubitsch, 1920) hergestellt.
1921 wurde die Ufa, die inzwischen bereits den Löwenanteil der deutschen Kinofilme produzierte, privatisiert. Ab 1922 standen für die Filmproduktion große Ateliers in Potsdam-Babelsberg und Berlin Tempelhof zur Verfügung, die 1926 durch den Bau der damals größten Atelierhalle Europas erweitert wurden. Nachdem 1923 Erich Pommer Chef aller Produktionsbetriebe wurde und zahlreiche Stars entdeckte und aufbaute - u. a. Emil Jannings, Pola Negri, Conrad Veidt und Lya de Putti - erfuhr die Ufa einen weiteren Aufschwung und wurde mit Filmen wie Dr. Mabuse (1922), Die Nibelungen (1924) und Faust (1926) zur direkten Konkurrenz für Hollywood.
Hugenberg (1927-1933)
1927 erreichte die weltweite Wirtschaftsdepression auch die Ufa. Alfred Hugenberg - Vorsitzender der Deutschnationalen Volkspartei und Besitzer der Scherl-Gruppe, eines machtvollen Medienkonzerns, - kaufte die vom Bankrott bedrohte Firma im März 1927 auf. Neuer Generaldirektor wurde Ludwig Klitzsch. Den Vorsitz des Aufsichtsrates übernahm Hugenberg selbst; sein Stellvertreter wurde der Bankier Emil Georg von Stauß.
An der Produktionspolitik der Ufa änderte sich dadurch zunächst nichts. 1928 wurde Produktionschef Erich Pommer durch Hugo Corell abgelöst, der die Firma durch die Umstellung auf den Tonfilm führte. Durch einen Vertrag mit der Tobis-Klangfilm, der für sie die Lizenzlage vereinfachte, hatte die Ufa gegenüber kleineren Unternehmen bei der Tonfilmproduktion einen erheblichen Vorsprung. Einen weltweiten Erfolg erzielte sie 1930 mit dem Film Der blaue Engel.
Verstaatlichung (1933-1942)
Nach der nationalsozialistischen Regierungsübernahme im Januar 1933 stellte Hugenberg, der sich eigene Vorteile versprach, die Ufa den Propagandazwecken von Joseph Goebbels zur Verfügung, der sie - ebenso wie die gesamte übrige Medienindustrie - unter die Kontrolle seines Propagandaministeriums stellte.
Die Ufa war durch ihre Vergangenheit als quasi staatliche Einrichtung und durch den deutschnationalen Geist, der in ihr herrschte, perfekt auf die Zwecke der nationalsozialistischen Propaganda zugeschnitten. Der formalen Gleichschaltung hätte es kaum bedurft, denn kennzeichnend für die Firmenpolitik der Ufa war von Anfang an ein vorauseilender Gehorsam gegenüber dem nationalsozialistischen Regime. Ein Beispiel: noch bevor der Staat im Sommer 1933 mit der Einrichtung der Reichsfilmkammer eine Verordnung zum Ausschluss jüdischer Filmschaffender erließ, entledigte die Ufa sich ihrer jüdischen Mitarbeiter durch einen Vorstandsbeschluss bereits am 29. März. Zur Belohnung für seine Kooperation wurde Hugenberg 1933 zum Reichswirtschaftsminister ernannt, auf Druck von Hitler jedoch schon nach sechs Monaten wieder verabschiedet.
1936 wurde mit der von Hans Traub auf dem Filmgelände Babelsberg eingerichteten Ufa-Lehrschau das erste Filminstitut in der deutschen Geschichte gegründet.
Am 18. März 1937 verkaufte der Hugenberg-Konzern seine Ufa-Aktien für 21,25 Millionen Reichsmark an die Cautio Treuhand GmbH, eine quasi-staatliche Holdinggesellschaft, die im Auftrag von Goebbels arbeitete. Damit war die Ufa faktisch verstaatlicht. Neuer Aufsichtsratsvorsitzender wurde Emil Georg von Stauß, Generaldirektor blieb Ludwig Klitzsch, Pressechef wurde Carl Opitz. Im Mai wurde ein von Carl Froelich geleiteter, tatsächlich jedoch von Goebbels gesteuerter Kunstausschuss gegründet, der direkten Einfluss auf die Produktionsplanung der Ufa nahm und die Kompetenzen des Produktionschefs, Ernst Hugo Corell, erheblich beschnitt. Nachdem Corell sich auch noch weigerte, der NSDAP beizutreten, wurde er 1939 entlassen.
Zu den Produktionseinrichtungen der Ufa zählten zum Zeitpunkt ihrer Verstaatlichung 27 Filmateliers, davon 9 in Potsdam-Babelsberg und 7 in Berlin-Tempelhof, darunter auch drei, die nur noch der Form nach der Carl Froelich-Film GmbH gehörten. Daneben verfügte die Ufa über zwei Studios zur Nachsynchronisation, ein Mischstudio, zwei Trickstudios, zwei Ateliers für Werbefilme, eines für Zeichentrickfilme und ein kleines Ausbildungsatelier.
Staatliches Filmmonopol: Die UFI (1942-1945)
Die Ufa erlebte unter den Nationalsozialismus eine erneute kommerzielle Hochblüte, nicht zuletzt dank zahlreicher protektionistischer Maßnahmen, mit denen das Regime die Firma z. B. von lästiger in- und ausländischer Konkurrenz befreite und ihr deren Produktionseinrichtungen und -stäbe eingliederte (siehe auch: Nationalsozialistische Filmpolitik). Mit der Besetzung halb Europas beschaffte der nationalsozialistische Staat der Ufa obendrein neue Absatzmärkte. Nachdem sie während des Krieges Produktionseinrichtungen u. a. in Frankreich und Belgien übernommen hatte, fand ein Drittel ihrer Umsätze im Ausland statt. Der wirtschaftliche Höhenflug der Ufa ermöglichte einen weiteren Ausbau des bereits in der Stummfilmzeit begründeten Starsystems. Die höchstbezahlten Stars der Ufa waren im Dritten Reich Hans Albers und Zarah Leander; unter den Regisseuren war es Veit Harlan, der die höchsten Gagen erhielt.
Am 10. Januar 1942 wurde die Ufa schließlich zum Kern der Ufa-Film GmbH (UFI), in der die gesamte deutsche Filmproduktion zusammengefasst war. Weitere eingegliederte Firmen waren die Bavaria-Film, die Berlin-Film GmbH, die Terra Film, die Tobis, die Prag-Film AG und die Wien-Film GmbH.
Die Personalhierarchie der Ufa wurde dem nationalsozialistischen Führerprinzip entsprechend reorganisiert. Die Koordination der einzelnen Zweigbetriebe des UFI-Konzerns war Aufgabe des neu eingesetzten Reichsfilmintendanten. Ihm unterstanden die Produktionschefs, die für die Gesamtplanung der Jahresprogramme und der Gestaltung der Stoffe bis zur Drehreife verantwortlich waren und wiederum den Produktionsgruppenleitern und Regisseuren ihre Weisungen erteilten.
Nachkriegszeit: Entflechtung und Reprivatisierung
Ende April 1945 wurden die Ufa-Ateliers in Potsdam-Babelsberg und Berlin-Tempelhof von Einheiten der Roten Armee besetzt. Nachdem die deutsche Wehrmacht am 7. und 9. Mai bedingungslos kapituliert hatte, wurde mit dem Military Government Law No. 191 zunächst jede weitere Produktion von Filmen untersagt. Mit dem Military Goverment Law No. 52 wurde am 14. Juli das gesamte reichseigene Filmvermögen der UFI-Holding beschlagnahmt. Jegliche Tätigkeit in der Filmindustrie wurde unter strenge Lizenzierungsvorschriften gestellt und die Filme einer Zensur unterzogen.
Die sowjetische Militärregierung, der an einem raschen Wiederaufbau der deutschen Filmindustrie unter sowjetischer Aufsicht gelegen war, gliederte die Babelsberger Ateliers der am 17. Mai 1946 gegründeten DEFA ein. Das filmpolitische Hauptziel der westlichen Besatzungsmächte bestand hingegen darin, künftig jegliche Machtanhäufung in der deutschen Filmindustrie zu verhindern. Auch hatten die westlichen Alliierten mehr Interesse daran, den deutschen Kinomarkt für die eigenen Erzeugnisse zu erschließen, als die deutsche Filmindustrie schnell wieder Fuß fassen zu lassen. Trotz des von der amerikanischen und der britischen Militärregierung erlassenen "Lex UFI" (September 1949) und eines vom Deutschen Bundestag verabschiedeten Entflechtungsgesetzes (Juni 1953) ging die Reorganisation darum nur sehr zögerlich vonstatten.
Erst 1956 kam es zur Ausgliederung der Bavaria und zur Reprivatisierung der Rest-Ufa. Hinter der Gründung der neuen Universum-Film AG, zu deren Produktionseinrichtungen das Afifa-Kopierwerk und die Ateliers in Berlin-Tempelhof gehörten, stand ein Bankenkonsortium unter der Führung der Deutschen Bank. Vorstandsvorsitzender wurde Arno Hauke, der bisherige Generaltreuhänder für das UFI-Vermögen in der britischen Zone. Der erste Film der Universum-Film AG, ein Kurzdokumentarfilm mit dem Titel Am Seidenen Faden, kam 1955 heraus. 1958 erschien der erste Spielfilm, Stefanie, mit Sabine Sinjen. Regie führte Josef von Baky, der 1942 den großen Ufa-Jubiläumsfilms Münchhausen gedreht hatte. Nach 10 weiteren Spielfilmen, in denen bewährte Filmkünstler wie Kurt Bernhardt, Wilhelm Dieterle, Helmut Käutner und Wolfgang Liebeneiner, aber auch Neulinge wie Peter Beauvais, Rolf von Sydow und Georg Tressler, Regie geführt hatten, wurde die Kinofilmproduktion 1961 ganz eingestellt.
1964 erwarb der Bertelsmann-Konzern die Ufa.
Gegenwart
Als UFA Film & TV Produktion GmbH gehört die Gesellschaft seit 1964 zur Bertelsmann-Gruppe. Der Unternehmensteil, der die Lichtspieltheater des UFA-Konzerns betrieb, wurde 1972 verkauft und gehört heute zum australischen Unternehmen AHL.
Die UFA Film & TV Produktion GmbH konzentriert sich heute auf Fernsehproduktionen.
Die Rechte an den Produktionen der "alten UFA" liegen heute bei der Friedrich Wilhelm Murnau-Stiftung, welche die Filme auch lagert und restauriert.
Die Filme der Ufa
Ihre Blütezeit erlebte die UFA in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Während dieser Zeit hatte sie maßgeblichen Anteil an der deutschen Filmgeschichte. Zu den bekanntesten Produktionen der UFA gehören:
- Doktor Mabuse (1922, Regie: Fritz Lang)
- Die Nibelungen (1924, Regie: Fritz Lang)
- Metropolis (1927, Regie: Fritz Lang)
- Der blaue Engel (1930, Regie: Josef von Sternberg)
- Die drei von der Tankstelle (1930, Regie: Wilhelm Thiele)
- M – Eine Stadt sucht einen Mörder (1931, Regie: Fritz Lang)
- Der Kongreß tanzt (1931, Regie: Erik Charell)
- Frauen sind doch bessere Diplomaten (1941, Regie: Georg Jacoby; (der erste deutsche Spielfilm in Farbe)
- Die Feuerzangenbowle (1944, Regie: Helmut Weiss)
Die Regisseure der Ufa
Bekannte Regisseure der Ufa in der Stummfilmzeit waren: Arnold Fanck, Johannes Guter, Fritz Lang, Friedrich Wilhelm Murnau und Arthur Robison.
Zwischen 1933 und 1942 waren die Hausregisseure u. a.: Carl Boese, Eduard von Borsody, Peter Paul Brauer, Karl Hartl, Georg Jacoby, Gerhard Lamprecht, Herbert Maisch, Paul Martin, Karl Ritter, Reinhold Schünzel, Detlef Sierck, Hans Steinhoff, R. A. Stemmle, Viktor Tourjansky, Gustav Ucicky und Erich Waschneck.
Siehe auch
- Liste deutscher Filmproduktionsgesellschaften
- Nationalsozialistische Filmpolitik
Literatur
- Hans Traub, Die Ufa. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Filmschaffens, Berlin (Ufa-Buchverlag) 1943
- Otto Kriegk, Der deutsche Film im Spiegel der Ufa. 25 Jahre Kampf und Vollendung, Berlin (Ufa-Buchverlag) 1943
- Hanspeter Manz, Die Ufa und der frühe deutsche Film, Zürich 1963
- Die Ufa - auf den Spuren einer großen Filmfabrik, hg. v. Bezirksamt Tempelhof, Abteilung Volksbildung, Berlin (Elefanten Press) 1987
- Hans-Michael Bock, Michael Töteberg (Hg.), Das Ufa-Buch. Kunst und Krisen, Stars und Regisseure, Wirtschaft und Politik, Frankfurt (Zweitausendeins) 1992
- Rainer Rother (Hg.), Die Ufa 1917-1945. Das deutsche Bildimperium, Berlin (Deutsches Historisches Museum) 1992
- Klaus Kreimeier, Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns, Frankfurt (Fischer) 2002
Weblinks
- [http://www.ufa.de www.ufa.de] (Website der heutigen Ufa)
- [http://www.filmportal.de/df/9f/Artikel,,,,,,,,EE196499A83F583FE03053D50B3759F4,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,,.html www.filmportal.de] (Geschichte der Ufa)
- [http://www.cinegraph.de/etc/ateliers/babelsberg.html www.cinegraph.de] (Ateliers in Potsdam-Babelsberg)
- [http://www.cinegraph.de/etc/ateliers/tempelhof.html www.cinegraph.de] (Ateliers in Berlin-Tempelhof)
- [http://www.cinegraph.de/etc/ateliers/froelich.html www.cinegraph.de] (Carl Froelich-Ateliers)
- [http://www.murnau-stiftung.de/ www.murnau-stiftung.de] (ein Rechtsnachfolger der alten Ufa)
Kategorie:Filmgesellschaft
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Kategorie:Deutsche Filmgeschichte
Kategorie:Unternehmen (Potsdam)
Weimarer RepublikAls Weimarer Republik wird die aus der Novemberrevolution hervorgegangene von 1919 bis 1933 existierende demokratische Staatsform in Deutschland bezeichnet. Während der Zeit der Weimarer Republik war das Deutsche Reich ein demokratischer Bundesstaat. Die Reichsverfassung beinhaltete eine Mischform aus präsidentiellem und parlamentarischem Regierungssystem. Das Parlament war der Reichstag, die Hauptstadt war Berlin. Den Namen erhielt die erste deutsche Republik von der Stadt Weimar, dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung. Ihre Entstehung ist durch die unmittelbaren Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs geprägt. Gleichzeitig ist ihr Untergang auch mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus verbunden.
Nationalsozialismus]]
Allgemeines
Nationalsozialismus
Die Zeit der Weimarer Republik 1919–1933 nimmt den größeren Teil des deutschen Interbellums ein. Sie war nach der Märzrevolution von 1848 der zweite und erfolgreichere Versuch, eine liberale Demokratie nach westlichem Muster in Deutschland zu etablieren. Er scheiterte mit der Machtübernahme durch die NSDAP, die in eine totalitäre Diktatur führte. Die schon unter Zeitgenossen verbreitete These, der Staat von Weimar sei eine „Republik ohne Republikaner“ gewesen, ist nur bedingt richtig, weist aber auf ein wesentliches Strukturproblem hin: Es gab keinen tragfähigen Verfassungskonsens, der alle Teile des politischen Spektrums von rechts bis links eingebunden hätte. Reformen zur Demokratisierung von aus dem Kaiserreich übernommenen Institutionen wie dem Militär unterblieben. Neben den Antidemokraten von der rechten Seite des politischen Spektrums, die man nach Kenntnis des Endes der Weimarer Republik bedeutender einschätzen muss, dürfen aber auch die republikfeindlichen Bestrebungen der linken Seite nicht vergessen werden. Sie verursachte vor allem zu Beginn und in der Mitte der Weimarer Republik Probleme und bildete an ihrem Ende zusammen mit der rechten Seite eine destruktive Mehrheit, die Furcht vor den Bolschewisten half den rechten Parteien und die Republik musste gleichzeitig an zwei Fronten kämpfen.
Die meisten Parteien hatten von ihren unmittelbaren Vorgängern im Kaiserreich die ideologische Ausrichtung übernommen und vertraten weitgehend die Interessen ihrer jeweiligen Klientel – auch wenn es abgesehen von SPD und Zentrum keine namentliche Kontinuität gab. Die Zersplitterung der Kräfte und Aufteilung nach Interessensgruppen wie Arbeiterbewegung oder Katholiken wurde (negativ) Partikularismus genannt. Das parlamentarische Regierungssystem einerseits und das die Parteienzersplitterung begünstigende reine Verhältniswahlrecht andererseits erforderten aber die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen und Kompromisse zu schließen. Die Parteien der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum und DDP) – so genannt, weil sie die erste Regierungskoalition in der Weimarer Nationalversammlung bildeten – verloren die absolute Mehrheit bereits mit der ersten Reichstagswahl von 1920 und konnten sie nie wieder erlangen. In 14 Jahren gab es 20 Kabinettswechsel; 11 Minderheitenkabinette regierten abhängig von der Duldung durch eine Mehrheit des Reichstags, am Ende sogar unter Ausschaltung des Reichstag nur durch die Gnade des Reichspräsidenten und mit Hilfe von gesetzesvertretenden Notverordnungen nach Artikel 48 Abs. 2 der Weimarer Verfassung. Meistens bevölkerten den Reichstag bis zu 17 verschiedene Parteien, selten waren es weniger als 11.
Die junge Demokratie trat ein schweres Erbe an:
- Die Parteien und Politiker waren nicht auf die Regierungsübernahme vorbereitet. In der Kaiserzeit hatte es keinen Zwang zur Koalitionsbildung gegeben, da die Regierung vom Parlament unabhängig war. Die Parteien hatten nicht gelernt Kompromisse zu schließen und vertraten nur ihre Wähler. Die Parteien hatten auch keinen Rückhalt in der Bevölkerung, sie galten als notwendiges Übel, nicht vertrauenswürdig und nicht am Wohl der Allgemeinheit sondern am eigenen interessiert. Die Regierung erhielt deshalb oft Ermächtigungsgesetze oder man vertraute die Politik „überparteilichen“ Fachleuten und Beamten an.
- Verwaltung und Justiz rekrutierten sich aus dem Personal der Kaiserzeit, auf eine grundlegende Demokratisierung des Beamtenapparats wurde verzichtet – nur das größte Land Preußen bildete zunehmend eine Ausnahme. Viele Richter urteilten politisch voreingenommen: Rechte Straftäter konnten mit wesentlich milderen Urteilen rechnen als linke – worauf bereits der zeitgenössische Statistiker Emil Julius Gumbel aufmerksam machte.
- Im Ebert-Groener-Pakt unterstellte sich die Heeresführung der neuen Regierung und sicherte ihr gleichzeitig militärische Unterstützung gegen linksradikale Revolutionäre zu. Die spätere Reichswehr entzog sich jedoch unter dem Kommando des Generals Hans von Seeckt weitgehend der demokratischen Kontrolle und führte eine Parallelexistenz als „Staat im Staate“.
- Die alten Herrscher hatten die Macht früh genug übergeben um mit der Dolchstoßlegende die Kriegsniederlage und den Friedensvertrag, die Schande von Versailles, den neuen, demokratischen Machthabern in die Schuhe schieben zu können.
- Der Erste Weltkrieg hinterließ schwere ökonomische und soziale Lasten, die nur teilweise von der Sozialpolitik gelindert werden konnten. Insbesondere die faktische Enteignung vieler Bürger durch die Hyperinflation und die nach dem Versailler Vertrag geforderten Reparationen erwiesen sich auch als psychologische Belastung und lieferten den nationalistischen Gegnern der Republik Munition für ihre Agitation gegen die „Erfüllungspolitik“.
Entwicklung der Weimarer Republik
Die Geschichte der Weimarer Republik lässt sich nach der Gründungsphase in drei Abschnitte gliedern:
- In den Krisenjahren von 1919–1923 hatte die Republik mit den unmittelbaren Kriegsfolgen, einer Hyperinflation und zahlreichen Umsturzversuchen zu kämpfen
- In den Goldenen Zwanzigern von 1924–1929 erreichte sie eine gewisse Stabilität, wirtschaftliche Erholung und die außenpolitische Anerkennung
- Die Weltwirtschaftskrise und der Aufstieg der Nationalsozialisten zwischen 1929 und 1933 mündeten in Agonie und Untergang der Republik.
Die Gründung der Republik
1933 am 6. Februar 1919]]
Die Weimarer Republik ging aus der Novemberrevolution am Ende des Ersten Weltkrieg hervor. Die letzte kaiserliche Regierung des Deutschen Kaiserreiches unter Prinz Max von Baden hatte mit den Oktoberreformen selbst noch die Parlamentarisierung der Reichsverfassung vorgenommen, um die Siegermächte zu günstigen Friedensbedingungen zu bewegen. Die Reformen hin zu einer parlamentarischen Demokratie waren außerdem eine Bedingung der Alliierten, insbesondere des US-Präsidenten Woodrow Wilson, um überhaupt Friedensverhandlungen aufzunehmen. Er machte in einer Antwortnote auf das deutsche Waffenstillstandsgesuch im Oktober 1918 deutlich, dass mit den militärischen Beherrschern und monarchistischen Autokraten nicht über Friedensbedingungen verhandelt werde. Andernfalls hätte Deutschland sich ergeben müssen. Die Entscheidung der kaiserlichen Marineleitung, nach Herausgabe des Waffenstillstandsgesuchs an die Alliierten noch eine Schlacht mit der englischen Flotte zu suchen, löste den Matrosenaufstand von Kiel und die Novemberrevolution aus, die das Schicksal des kaiserlichen Regimes endgültig besiegelte.
Am 9. November 1918 gab Max von Baden eigenmächtig die Abdankung Kaiser Wilhelms II. bekannt und übergab dem Vorsitzenden der Mehrheitssozialdemokraten, Friedrich Ebert, das Kanzleramt. Am gleichen Tag rief Philipp Scheidemann die demokratische Republik aus, und kam damit der radikalen Linken zuvor, die nur zwei Stunden später in Person von Karl Liebknechts die sozialistische Republik proklamierte. Der Rat der Volksbeauftragten, die provisorische Regierung aus MSPD und USPD, sicherte sich die Unterstützung der neuen Obersten Heeresleitung unter General Wilhelm Groener (Ebert-Groener-Pakt) und strebte rasche Neuwahlen zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung an.
Noch im Dezember zerbrach die neue Regierung am Streit um das Vorgehen des Militärs gegen die Aufständischen des Spartakusbundes, deren Ziel nach wie vor die Errichtung einer Räterepublik war, obwohl sie damit selbst innerhalb von USPD und Arbeiter- und Soldatenräten eine Minderheitenposition vertraten. Im Verlauf der gegenrevolutionären „Säuberungen“ durch reguläre Truppen und Freikorps wurden Mitte Januar 1919 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Angehörigen der Garde-Kavallerie-Schützendivision verschleppt und erschossen.
Die Verfassungsentwicklung
Nachdem am 19. Januar 1919 die ersten Wahlen in der neuen Republik stattgefunden hatten, trat die Weimarer Nationalversammlung am 6. Februar 1919 zum ersten Mal zusammen. Man wählte die Stadt an der Ilm als Tagungsort, da man befürchtete, dass Sicherheit und Unabhängigkeit der ersten ordnungsgemäß gewählten Volksvertreter der neuen Republik aufgrund von Unruhen in der Hauptstadt Berlin nicht gewährleistet sein würden. Ein weiterer Grund war, dass man durch die Wahl der Stadt der freiheitsliebenden Weimarer Klassik ein Signal an die Staaten senden wollte, die in Paris über den Friedensvertrag berieten.
Hauptaufgabe dieses Organs war es zu diesem Zeitpunkt eine Verfassung zu entwickeln, in der eine demokratische Grundordnung rechtsgültig festgeschrieben wurde.
Maßgeblich verantwortlich für den ersten Entwurf der neuen und innovativen Verfassung war der linksliberale und spätere Reichsinnenminister Hugo Preuß. Dieser hatte schon während des Krieges einen Vorschlag für eine demokratisch überarbeitete Verfassung des Deutschen Reiches vorgelegt und war deshalb als Gegner des Obrigkeitsstaates und überzeugter Demokrat bekannt.
Er selbst sagte in der Begründung seines Entwurfs:
„Das deutsche Volk zur sich selbst bestimmenden Nation zu bilden, zum ersten Mal in der deutschen Geschichte den Grundsatz zu verwirklichen: die Staatsgewalt liegt beim Volk, – das ist der Leitgedanke der freistaatlichen deutschen Verfassung von Weimar ...“ Diese Aussage verdeutlicht, welche Hoffnung in die neue Staatsform und ihre Verfassung gelegt wurde.
Der Entwurf löste jedoch heftig geführte Diskussionen zwischen den verschiedenen politischen Lagern aus, da nahezu alle politischen Elemente des früheren Kaiserreichs bedeutungslos wurden und die Verfassung somit eine tiefe Zäsur darstellte.
Am 31. Juli 1919 wurde die Verfassung schließlich in ihrer endgültigen Form von der Nationalversammlung angenommen und am 11. August vom Reichspräsidenten Friedrich Ebert unterzeichnet. Die Reichsregierung bestimmte den Tag zum Nationalfeiertag, um der „Geburtsstunde der Demokratie“ zu gedenken.
Weimarer Verfassung
Mit der Weimarer Verfassung wurde das Deutsche Reich erstmals eine parlamentarische Demokratie mit in der Verfassung verankerten liberalen und sozialen Grundrechten. Die Gesetze wurden vom auf vier Jahre gewählten Reichstag erlassen, bei dem auch das Budgetrecht lag und der den Reichskanzler und jeden Minister, durch ein destruktives Misstrauensvotum absetzen konnte. Außer vom Reichstag war der Reichskanzler auch noch vom Reichspräsidenten abhängig, der ihn einsetzte und absetzen konnte. Der Reichspräsident stellte einen Ersatzkaiser dar. Er wurde auf 7 Jahre vom Volk gewählt und konnte mit Notverordnungen, mit denen er sogar die Grundrechte außer Kraft setzen konnte, notfalls ohne den Reichstag, den er zudem auflösen konnte, regieren. Die Verfassung basierte auf dem Rechtspositivismus, was bedeutet, dass sie der Verfassungsrevision (Art. 76) keine substantiellen Schranken zog. Der führende Verfassungskommentator Gerhard Anschütz kommentierte: "Auf dem durch Art. 76 geregelten Gesetzgebungswege können Verfassungsrechtsänderungen jeder Art bewirkt werden: nicht nur minder bedeutsame, mehr durch technische als durch politische Erwägungen bedingte, sondern auch bedeutsame, einschließlich solcher, die sich auf die rechtliche Natur des Reichsganzen (Bundesstaat), die Zuständigkeitsverschiebung zwischen Reich und Ländern, die Staats- und Regierungsform des Reichs und der Länder (Republik, Demokratie, Wahlrecht, Parlamentarismus, Volksentscheid, Volksbegehren) und andere prinzipielle Fragen (Grundrechte!) beziehen. Die durch Art. 76 den hier bezeichneten qualifizierten Mehrheiten übertragene verfassungsändernde Gewalt ist gegenständlich unbeschränkt." (Anschütz, Verfassung, S. 403).
Die Verfassung hatte zwar einen genuin demokratischen Charakter, wurde jedoch von vielen als Kompromissverfassung angesehen, da an der Entwicklung viele Parteien mit gegensätzlichen Positionen und Interessen beteiligt waren. An die Stelle der politischen Grundentscheidung traten vielfach "dilatorische Formelkompromisse", die ein Nebeneinander von Programmen und positiven Bestimmungen nach sich zogen, dem die "verschiedenartigsten politischen, sozialen und religiösen Inhalte und Überzeugungen zugrunde liegen" (Carl Schmitt, Verfassungslehre, S. 30). Der Kompromisscharakter erschwerte zwar Vielen die Identifikation mit der Verfassung, gleichwohl erzeugte die Konstitution eine Normativität, die selbst die Nationalsozialisten vor einem offenen Verfassungsbruch zurückschrecken lassen sollte. Die verschiedenen Mängel der Verfassung destabilisierten aber die Republik und erleichterten oder ermöglichten sogar der NSDAP die Machtergreifung.
Die Krisenjahre
Von Anfang an stand die junge Republik unter den Angriffen der extremen Rechten und Linken. Die Linke warf den Sozialdemokraten wegen ihres Zusammengehens mit den alten Eliten Verrat an den Idealen der Arbeiterbewegung vor; die Rechte machte die Anhänger der Republik für die Niederlage im Ersten Weltkrieg verantwortlich und verunglimpfte sie als „Novemberverbrecher“, nach der Dolchstoßlegende hatten sie das ungeschlagene deutsche Heer mit der Revolution von hinten erdolcht.
Der Kapp-Putsch vom März 1920 stellte die Republik auf eine erste Bewährungsprobe. Freikorps, welche aufgrund der Forderungen im Versailler Vertrag aufgelöst werden sollten, unter General von Lüttwitz besetzten das Berliner Regierungsviertel und ernannten den ehemaligen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die legale Regierung zog sich zunächst nach Dresden und anschließend nach Stuttgart zurück und rief von dort aus zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Der Putsch scheiterte rasch; entscheidend für die Niederlage war die Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten. Die Reichswehr hatte sich demgegenüber abwartend verhalten (Hans von Seeckt: „Reichswehr schießt nicht auf Reichswehr.“).
Nahezu gleichzeitig mit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch erschütterte ein kommunistischer Aufstandsversuch das Ruhrgebiet; er wurde von Reichswehr und Freikorps blutig niedergeschlagen. Weitere Aufstände in Mitteldeutschland, Thüringen und Hamburg wurden genauso blutig unterdrückt.
Am 16. April 1922 vereinbarten Deutschland und die Sowjetunion im Vertrag von Rapallo diplomatische und wirtschaftliche Beziehungen, militärische Zusammenarbeit und einen Verzicht auf Entschädigungszahlungen. Der Vertrag verärgerte die Westmächte, insbesondere Frankreich.
Am 24. Juni 1922 ermordeten rechtsextreme Offiziere aus der Organisation Consul den für den Rapallo-Vertrag verantwortlichen Außenminister Walther Rathenau, nachdem 1921 schon der Unterzeichner des Waffenstillstandsabkommens und Finanzminister Matthias Erzberger getötet worden war. Rathenau war einer der bedeutendsten Politiker beim Aufbau der Weimarer Republik und gleichzeitig eine der wenigen intellektuellen Integrationsfiguren. Der Terroranschlag stürzte den jungen Staat sowohl innen- als auch außenpolitisch in eine schwere Krise, als Reaktion wurde ein Gesetz zum Schutze der Republik verabschiedet, das aber sein Ziel, die Ausschaltung der Nachfolgerorganisationen der Freikorps, nicht erreichte.
Ein Verzug bei den Reparationszahlungen führte Anfang 1923 zur Ruhrbesetzung, in deren Zusammenhang dann im Rheinland und in der Pfalz separatistische Bewegungen mit der kurzfristigen Gründung der Rheinischen Republik auftraten. Der von der Regierung ausgerufene passive Widerstand verursachte stark steigende Kosten, die der Reichskanzler Wilhelm Cuno (parteilos) durch vermehrtes Drucken von Geld zu decken versuchte. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden der Ruhrbesetzung belief sich auf 3,5 bis 4 Milliarden Goldmark. Der Wert der Papiermark fiel immer schneller.
Papiermark: eine Frau feuert ihren Kachelofen mit Inflationsgeld]]
Am 3. September stand der Wechselkurs für einen amerikanischen Dollar noch bei knapp zehn Millionen Mark, Ende des Monats waren es dann schon 160 Millionen Mark, wenig später kostete ein Dollar Milliarden- und Billionenbeträge. Aus der Inflation, die schon während der Kriegszeit eingesetzt hatte, wurde eine Hyperinflation. Der neue Reichskanzler Gustav Stresemann (DVP) beendete schließlich den passiven Widerstand im Ruhrgebiet und löste das Problem der Inflation durch eine neue Währung. Die Einführung der Rentenmark (1 Rentenmark = 1 Billion Papiermark bei 4,20 Rentenmark für den Dollar) beendete diese Entwicklung. Zu den Verlierern der Inflation gehörten vor allem die kleinen Sparer und Rentenbezieher. Sachwertbesitzer und Industrielle (wie Hugo Stinnes), die Kredite mit entwertetem Geld zurückzahlen konnten, profitierten (genau so wie der Staat, dessen Kriegsschulden sich in nichts aufgelöst hatten). Auch Landwirte gehörten zu den Gewinnern, da ihre Schulden an Wert verloren. (Siehe auch: Deutsche Inflation 1914 bis 1923)
Das Land Bayern avancierte zu einer Art Sammelbecken von rechtskonservativen und nationalsozialistischen Kräften; von dieser „Ordnungszelle“ aus erstrebten sie die Befreiung Deutschlands vom „marxistischen Chaos“. Das Ende des Widerstandes gegen die Ruhrbesetzung diente der bayerischen Regierung als Vorwand Gustav Ritter von Kahr zum Generalstaatskommissar mit diktatorischen Vollmachten nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung zu ernennen. Dieser und der bayerische Wehrkreiskommandeur Otto von Lossow spielten eine zweideutige Rolle im von Adolf Hitler nach italienischem Vorbild geplanten „Marsch auf Berlin“. Als Reaktion auf diesen Putschversuch zur Errichtung einer Rechtsdiktatur, verhängte Reichspräsident Ebert seinerseits den Ausnahmezustand (Art. 48 Abs. 2). General Hans von Seeckt, der Chef der Heeresleitung, der mit Gustav Ritter von Kahr sympathisierte, konnte eine sogenannte Reichsexekution (Art. 48 Abs. 1) allerdings verhindern.
Die Goldenen Zwanziger
Trotz aller Spannungen und Konflikte, die die junge Republik zu meistern hatte, schien die Demokratie zunehmend erfolgreich. Die Neuordnung der Währung und die im Gefolge des Dawes-Plans ins Land strömenden US-amerikanischen Kredite leiteten eine Phase relativer wirtschaftlicher und politischer Stabilisierung ein, die so genannten Goldenen 20er Jahre. Dazu trug bei, dass Stresemann unter wechselnden Regierungen Außenminister blieb und mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand eine erste noch vorsichtige Politik der Annäherung einleitete. Gleichzeitig versuchte er, eine schrittweise Revision des Versailler Vertrages zu erreichen und Deutschland wieder als gleichberechtigten Partner in die internationale Gemeinschaft zurück zu führen. Die Aufnahme in den Völkerbund und die Verträge von Locarno sind als erste Erfolge auf diesem Wege anzusehen. Mit dem Berliner Vertrag, der ein deutsch-sowjetisches Freundschafts- und Neutralitätsbündnis darstellte, versuchte der Reichsaußenminister sowjetischen Befürchtungen über eine einseitige deutsche Westbindung und deutscher, in dieselbe Richtung zielender Kritik, entgegenzuwirken.
Weitere Stationen auf dem Weg der Aussöhnung mit den ehemaligen Kriegsgegnern bildeten die Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Pakts, der die Ächtung des Kriegs als Instrument der Politik zum Inhalt hatte, und – trotz erheblicher Widerstände von rechter Seite, die in einem Volksbegehren mündeten – die Annahme des Young-Plans, der eine endgültige Regelung der Reparationsfrage darstellte und Voraussetzung für die vorzeitige Räumung des Rheinlands von alliierter Besatzung war.
Auch der Abschluss von Wirtschaftsverträgen mit Ungarn, Rumänien und Bulgarien im Jahr 1927 stärkte das Ansehen der Weimarer Republik im Ausland.
Innenpolitisch gelang es, die republikfeindliche Deutschnationale Volkspartei (DNVP) in die Regierungsverantwortung einzubinden. Bei der Reichstagswahl im Dezember 1924 erhielten die völkischen Parteien mit 0,9 Millionen Stimmen eine Million Stimmen weniger als noch im Mai. Auch die Wahl des greisen Generalfeldmarschalls Paul von Hindenburg 1925 zum Reichspräsidenten, der sich vor der Wahl die Zustimmung Wilhelms II. holte, wirkte sich anfangs eher stabilisierend für die Demokratie aus (siehe: Reichspräsidentenwahl 1925). Die Wahl war notwendig geworden, nachdem 1924 dem bisherigen Reichspräsidenten Ebert im Dolchstoßprozess vorgeworfen worden war, durch seine Beteiligung an den Streiks während des Weltkriegs habe er Landesverrat begangen, Ebert deshalb eine Blinddarmentzündung nicht rechtzeitig behandeln ließ und daran starb. Hindenburg konnte allerdings seine restaurativen Neigungen nicht ganz verbergen, was sich unter anderem in der von ihm 1926 erlassenen Flaggenverordnung zeigt, die es deutschen Auslandsvertretungen erlaubte, neben der schwarz-rot-goldenen Reichsflagge die schwarz-weiß-rote Handelsflagge des Kaiserreichs zu hissen. Auch hatte er sich 1926 gegen den Entwurf eines von der Verfassung angekündigten Ausführungsgesetzes zu Artikel 48 WRV gewandt, welches eine gewisse Beschränkung der präsidialen Vollmachten herbeigeführt hätte.
Zu einer heftigen Auseinandersetzung kam es 1925 und 1926 um die Behandlung des Vermögens der früher regierenden Fürstenhäuser. Dieses Vermögen war bei der Revolution beschlagnahmt, aber nicht enteignet worden. Es kam zu gerichtlichen Auseinandersetzungen, bei denen die noch monarchistische Justiz eher auf Seiten der Fürstenhäuser stand. Die DDP brachte daraufhin im Reichstag einen Gesetzentwurf ein, der den einzelnen Ländern die Regelung der Auseinandersetzungen unter Ausschluss des Rechtsweges gestattet hätte. Die KPD machte daraufhin das erste Mal in der Weimarer Republik von der Möglichkeit Gebrauch ein Gesetz durch Volksbegehren und Volksentscheid zu erreichen, die SPD schloss sich ihr an. Der Gesetzentwurf der KPD sah eine entschädingungslose Enteignung der Fürstenhäuser zu Gunsten Bedürftiger vor. Der Entwurf erhielt beim Volksbegehren mit über 12 Millionen Unterschriften, die Zustimmung von fast einem Drittel der Stimmberechtigten. Da der Reichstag den Gesetzesentwurf ablehnte kam es zu einem Volksentscheid, bei dem die Mehrheit der Stimmberechtigten benötigt wurde. Bei dem Entscheid scheiterte der Entwurf, da er nur von 36,4% der Stimmberechtigten (14,46 Mio. Stimmen, Hindenburg hatte bei seiner Wahl 14,66 Mio. Stimmen erhalten) unterstützt wurde, allerdings hatten auch nur 1,5% der Wähler mit Nein gestimmt. Ein Problem bei der Abstimmung war der Aufruf der rechten Parteien zum Wahlboykott, so dass die Wahl nicht mehr geheim war, da man bei einer Stimmabgabe von einer Unterstützung des Vorschlags ausgehen konnte. Aus diesem Grund nahmen, vor allem im ländlichen Raum, Stimmberechtigte aus Furcht nicht am Volksentscheid teil. Der Volksentscheid führte zu einer Beteiligung großer Bevölkerungsteile an einer wichtigen Entscheidung, aber war auch eine Misstrauenserklärung an das parlamentarische System und destabilisierte dieses weiter. Auf diesen Effekt zielten später bei ihrem Volksbegehren die rechten Parteien.
Insgesamt waren auch diese Jahre nur eine Phase der relativen, nicht der absoluten Stabilisierung. Auch in diesen Jahren besaßen nur 2 Regierungen eine Mehrheit im Parlament, und die Koalitionen mit Mehrheit waren immer in der Gefahr zu zerbrechen, keine Regierung überstand eine komplette Legislaturperiode. Ein weiteres Zeichen für die noch vorhandene Instabilität ist auch, dass weiterhin teilweise mit Hilfe eines Ermächtigungsgesetzes regiert wurde. Die Parteien fühlten sich weniger dem Allgemeinwohl als vielmehr ihrer Klientel oder dem eigenen Erfolg verpflichtet. Auch die Weichen für die Wirtschaftskrise wurde in diesen Jahren gelegt, da es im Außenhandel ein Ungleichgewicht gab, welches durch kurzfristige Auslandskredite ausgeglichen wurde. Als diese Kredite abgezogen wurden kam es zum Zusammenbruch der Wirtschaft.
Agonie und Untergang
Alle Hoffnungen auf eine langfristige Stabilisierung der ersten deutschen Demokratie erwiesen sich als vergeblich. Der Tod Gustav Stresemanns im Oktober 1929 markiert den Anfang vom Ende der Weimarer Republik.
In der DNVP hatten sich die stramm antirepublikanischen Kräfte um den Medienzaren Alfred Hugenberg durchgesetzt, der zusammen mit Adolf Hitler und Franz Seldte vom Stahlhelm 1929 den Volksentscheid gegen den Young-Plan initiierte. Der Volksentscheid scheiterte zwar, machte aber die Nationalsozialisten in weiten Kreisen des konservativen Bürgertums salonfähig.
Volksentscheid
Von entscheidender Bedeutung für die Radikalisierung der Politik war schließlich die Weltwirtschaftskrise, die Deutschland sehr viel härter traf als andere europäische Staaten. Nach dem Börsenkrach an der Wall Street wurden die vielen kurzfristigen Auslandskredite aus Deutschland abgerufen und die amerikanische Regierung griff zu protektionistischen Zollmaßnahmen. Daraufhin brach die ohnehin schon schwache deutsche Wirtschaft völlig zusammen. Durch die einsetzende Massenarbeitslosigkeit verschlechterte sich die soziale Lage dramatisch. Am Ende der Weimarer Republik im Jahr 1933 zählte man insgesamt sechs Millionen Arbeitslose. Viele Menschen lebten am Existenzminimum. Dies ging einher mit einer Dauerregierungskrise. Parlament, Regierung und Reichspräsident arbeiteten mehr gegen- als miteinander. Es kam zu Neuwahlen und Kabinettskrisen in rascher Abfolge, bei denen die radikalen Parteien, allen voran die NSDAP, immer mehr Zulauf erhielten.
Im März 1930 zerbrach die von dem Sozialdemokraten Hermann Müller geführte Große Koalition über der Frage einer geringfügigen Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung. Reichspräsident Hindenburg ernannte Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Kanzler. Da das Ernennungsrecht nach Art. 53 WRV beim Reichspräsidenten lag, war ein Präsidialkabinett, also eine Minderheitsregierung möglich, die nur auf das Vertrauen des Präsidenten und dessen Notstandsvollmachten gestützt war (gesetzesvertretendes Notverordnungsrecht nach Art. 48 Abs. 2 und Befugnis zur Auflösung des Reichstags nach Art. 25 WRV). Ein solches Präsidialkabinett wurde unter Brünings Führung etabliert. Zu dieser Entscheidung hatte das Fehlen einer arbeitsfähigen Regierung ebenso beigetragen wie die mangelnde Konsensfähigkeit der Parteien. Dass jedoch tatsächlich alle Verhandlungsspielräume erschöpft waren, wurde bezweifelt. Auch wurden nur die Minister der SPD ausgewechselt, was auf einen vom Präsidenten gewünschten und geplanten Schwenk nach Rechts hindeutet.
Die Wahlen vom September 1930 brachten den Nationalsozialisten einen erdrutschartigen Zuwachs: sie konnten ihre Stimmenzahl auf 18,3% steigern und wurden damit zur zweitstärksten Partei. Jetzt gab es nicht einmal mehr eine Mehrheit für eine Große Koalition im Reichstag, der zunehmend zum Forum für die Agitation rechter und linker Gegner der Republik wurde.
Das Vertrauen in die Demokratie und die Republik sank ungebremst. Die Republik wurde für die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich gemacht. Die Rufe nach einem „Starken Mann“, der das Deutsche Reich wieder zu alter Größe und Ansehen bringen sollte, wurden lauter.
Auf diese Forderungen gingen besonders die Nationalsozialisten ein, die mittels gezielter Propaganda und der Konzentration auf die Person Hitlers ein solches Bild der Stärke suggerierten. Sie verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen und nutzten modernste Wahlkampfmittel, z.B. die konsequente Emotionalisierung. Hitlers Angriffe richteten sich gegen alles, was mit dem „Weimarer System“ in Verbindung gebracht wurde - vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien bis hin zum eigentlichen demokratisch-parlamentarischen Prinzip.
Aber nicht nur der rechte Flügel Deutschlands erstarkte, sondern auch der linke. Die republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen kaum Stimmen, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament und auf der Straße. Denn längst hatte sich der Kampf, ausgehend von den Kampforganisationen der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Roter Frontkämpferbund) auf die Straße verlagert, wo sich teilweise bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten. Daran hatten selbst die republikanisch gesinnten Kräfte mit einem eigenen Kampfverband, dem sozialdemokratisch dominierten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold (später Eiserne Front) anteil. Auch diese chaotischen Gewaltszenen spielten letztlich – obwohl diese oft dafür verantwortlich waren – den Nationalsozialisten in die Hände, da Hitler immer häufiger als „letzte Karte“ ins Spiel gebracht wurde, der die geordnete Verhältnisse wiederherstellen würde.
Um eine weitere Stärkung der radikalen Flügelparteien zu verhindern, tolerierte die SPD im Reichstag weitgehend die auf Kürzung der Sozialausgaben basierende Spar- und Deflationspolitik Brünings, welche aber die wirtschaftliche Krise kurzfristig noch verschärfte.
Am 11. Oktober 1931 vereinigte sich die nationalistische Rechte zur Harzburger Front. Als Reaktion bildeten die republiktreuen Organisationen unter dem Fahnensymbol der drei Pfeile die Eiserne Front.
1932 standen Wahlen zum Amt des Reichspräsidenten an. Bezeichnend für die Situation der Republik ist, dass keiner der Kandidaten, Thälmann, Hitler und Hindenburg, ein Demokrat war. Die Parteien der Mitte bis zur SPD unterstützten Hindenburg, um einen Erfolg Hitlers zu verhindern. Brüning hatte sich mit seinem Verbot der SA und der Osthilfeverordnung, die von den ostpreußischen Grundbesitzern – zu denen auch Hindenburg gehörte – stark kritisiert wurde, beim Reichspräsidenten in Misskredit gebracht. Hindenburg nahm ihm zudem übel, dass er auf sein Betreiben auch von den Anhängern der SPD zum Reichspräsidenten gewählt worden war. Er entzog ihm sein Vertrauen und Brüning, der aufgrund seiner Sparpolitik in der Bevölkerung ohnehin kaum Rückhalt besaß, musste zurücktreten. Der Kanzler wurde nach eigenem Bekunden „hundert Meter vor dem Ziel“ gestürzt, da seine Deflationspolitik noch keine Wirkung entfalten konnte. Auch sein Ziel der Gleichberechtigung Deutschlands und der endgültigen Aufhebung der Reparationen hatte er nicht erreicht.
Osthilfe
Sein Nachfolger Franz von Papen ersuchte Hindenburg sofort um Auflösung des Parlaments. Er wollte die Unterstützung der Nationalsozialisten und hob dafür das Verbot der SA und der SS wieder auf. Im sechsten Reichstag, der im Juli 1932 gewählt wurde, hatten die Nationalsozialisten 230 und die Kommunisten 89 von 608 Mandaten. Die beiden extremen Flügelparteien hatten damit eine negative Mehrheit erreicht, die jede parlamentarische Arbeit unmöglich machte. Papen löste den gerade erst gewählten Reichstag, nach einem mit großer Mehrheit gegen ihn gerichteten Misstrauensvotum, durch eine vorbereitete Order Hindenburgs wieder auf. Am 20. Juli setze er die Regierung von Preußen ab, die letzte Bastion der Republik. Als Vorwand für den „Preußenschlag“, der häufig als Staatsstreich bezeichnet wurde, diente das angebliche Versagen der preußischen Polizei am „Altonaer Blutsonntag“ (Straßenkämpfe zwischen SA und Kommunisten).
Die Neuwahlen vom November des gleichen Jahres brachten zwar einen Rückgang der Stimmen für die NSDAP, aber wiederum keine regierungsfähige Mehrheit. Papen trat zurück, nachdem ihm klar geworden war, dass er die Unterstützung der Reichswehr bei der Absicherung einer Diktaturregierung nicht besaß. Zudem hatte es der Reichstag aufgrund eines Verfahrensfehlers Papens geschafft, ihm rechtlich wirkungslos aber öffentlichkeitswirksam das Misstrauen auszusprechen. Aufgrund der fehlenden Unterstützung des Wehrministers Kurt von Schleicher, die im Zuge einer militärischen Simulation eines möglichen Aufstandes (dem „Planspiel Ott“) sichtbar geworden war, verweigerte Hindenburg die geforderte Auflösung des Reichstags ohne Festsetzung von Neuwahlen. Diese Ausschaltung des Parlaments, gestützt auf das Argument des Staatsnotstands, hätte einen offensichtlichen Verfassungsbruch dargestellt.
Papens Nachfolger wurde General Schleicher, der bis dahin im Hintergrund die Fäden gezogen hatte und für Papens Sturz verantwortlich war. Doch auch sein Konzept, einen Ausweg aus der Krise zu finden, scheiterte. Er hatte eine breite „Querfront“ von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP um Gregor Strasser erstrebt. Anders als Papen setzte er nicht auf restaurative Verfassungsreformen, sondern auf sozialen Ausgleich. Am 28. Januar 1933 musste auch Schleicher zurücktreten, nachdem er zuletzt selbst von Hindenburg erfolglos die Ausrufung des Staatsnotstands, nach dem er aber vermutlich im Gegensatz zu Papen wieder zur Demokratie zurückkehren wollte, gefordert hatte. Schleicher selbst war kein Demokrat, seine Verhältnis zur NSDAP wandelte sich mehrmals, zuletzt empfahl er Hindenburg ein Kabinett unter Hitler (AdR, Dok. Nr. 72 vom 28.1.1933).
Schleichers dringliche Bitte um Order zur Auflösung des Reichstags und Proklamation des Staatsnotstandes gründete sich in der Tatsache, dass in der nächsten Sitzung am 31. Januar 1933 ein sicheres Misstrauensvotum drohte. Hindenburg lehnte sein Begehren um Zusage der Auflösung mit folgenden Worten ab:
:„Das kann ich bei der gegebenen Lage nicht. Ich erkenne dankbar an, daß sie versucht haben die Nationalsozialisten für sich zu gewinnen und eine Reichstagsmehrheit zu schaffen. Es ist leider nicht gelungen und es müssen daher nun andere Möglichkeiten versucht werden.“
:(AdR, Kabinett Schleicher, Dok. Nr. 72, Niederschrift aus dem Büro des Reichspräsidenten über den Empfang des Reichskanzlers durch den Reichspräsidenten am 28. Januar 1933).
Schleicher konnte nicht wissen, dass ausgerechnet er, Meister der Intrigen, nun selbst Opfer einer Intrige geworden war: Schon am 4. Januar 1933 hatte sich sein ehemaliger Schützling Franz von Papen mit Hitler zu Geheimverhandlungen im Privathaus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder getroffen. Diesem Gespräch folgten Weitere, zuletzt auch unter Anwesenheit des Staatssekretär des Reichspräsidenten Otto Meißner und dem Sohn des Reichspräsidenten Oskar von Hindenburg, beides einflussreiche Berater in der Kamarilla des greisen Paul von Hindenburg. Sie vereinbarten eine Koalitionsregierung aus Deutschnationalen und NSDAP, der außer Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten, nämlich Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister, angehören sollten. Papen selbst war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.
Reichspräsident von Hindenburg, der sich bis zuletzt gegen eine Kanzlerschaft des „böhmischen Gefreiten“ Hitler gesträubt hatte, konnte mit dem Hinweis, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmter“ NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute, beruhigt werden. Ein weiteres zentrales Argument für Hindenburg war die formale Verfassungskonformität der Lösung Hitler. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bedeutete in ihrer revolutionären Stoßrichtung faktisch das Ende der Weimarer Republik - auch wenn die Weimarer Verfassung formal nie außer Kraft gesetzt wurde.
Paul von Hindenburg war in den letzten Wochen von allen einflussreichen Lobbyistenverbänden und den Beratern seiner Kamarilla bearbeitet worden (siehe dazu die Artikel zur: Industrielleneingabe (Rolle des Reichsverbandes der Industrie), zum Osthilfeskandal (Rolle des Reichslandbundes) ). Inwieweit das seine Entscheidung wirklich beeinflusste, ist schwer zu sagen – man bedenke, dass Hindenburg zu diesem Zeitpunkt das 86. Lebensjahr erreicht hatte.
Reichstagsbrandverordnung und Ermächtigungsgesetz führten direkt in die Diktatur des Nationalsozialismus.
In der Geschichtsforschung wird allgemein die Zäsur des 30. Januar 1933 als Ende der Weimarer Republik angenommen. Anzumerken ist, dass zu diesem Zeitpunkt, und auch noch im folgenden Jahr, bis zum Tod Hindenburgs, formal das Rechts- und Präsidialregierungssystem der Jahre zuvor galt. Bemerkenswert auch, dass Reichspräsident Paul von Hindenburg für den Fall seiner Abwesenheit dem Vizekanzler Franz von Papen eine Vollmacht zur Ausübung des präsidialen Vetorechts gegen Hitler übergeben hatte. Dieser setzte sie nie ein.
Die Diskussion, ob die Weimarer Republik bis zum 30. Januar 1933, bis zum Ermächtigungsgesetz am 23. März 1933, bis zum Tod Hindenburgs am 2. August 1934, zur Volksabstimmung am 19. August 1934, oder – aufgrund der Tatsache, dass die Weimarer Verfassung nie aufgehoben, sondern nur per Notstandsgesetz außer Kraft gesetzt war – sogar de jure bis 1945 bestand, wird oftmals stark polemisch geführt, und führt im Allgemeinen ins Leere. Siehe dazu auch die Diskussionsseite dieses Artikels.
Ob die Reichstagswahlen am 5. März 1933 und die Volksabstimmung am 19. August 1934 demokratischen Maßstäben genügen ist fraglich (diskutiert u. A. in „Irene Strenge, Machtübernahme 1933 - alles auf legalem Weg?“, ebenso Karl-Dietrich Bracher, „Die nationalsozialistische Machtergreifung. Studien zur Errichtung des totalitären Herrschaftssystems in Deutschland 1933–34.“, uvm.).
Das Phänomen des Scheiterns der ersten deutschen Demokratie in der Weimarer Republik, des Erstarkens der Nazis, der Machtübergabe/Machtübernahme/Machtergreifung an/durch Hitler kann sicher nur im vollständigen Zusammenhang, und ohne Schere im Kopf, begriffen werden.
Ursachen des Scheiterns
Alle Erklärungsmodelle, die sich auf einen einzelnen Grund für das Scheitern der Weimarer Republik beschränken, greifen zu kurz: Weder waren es alleine institutionelle Mängel der Weimarer Verfassung, noch die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er Jahre, das Elend der Massenarbeitslosigkeit, dass breite Wählerschichten den Nationalsozialisten in die Arme trieben, noch die versäumte Demokratisierung von Justiz, Verwaltung und Militär. Das Scheitern lässt sich auch nicht am persönlichen Versagen Einzelner oder der charismatischen Anziehungskraft der „Führerfigur“ Hitlers festmachen – Hitler und die Nationalsozialisten hatten um die Jahreswende 1932/33 den Zenit der Zustimmung bereits überschritten. Gescheitert ist die erste deutsche Republik an einem ganzen Bündel von Ursachen und deren unglücklichen Verschränkung. Bis zuletzt war der Weg in die Diktatur nicht zwangsläufig. Allerdings stellt die Forschung den Hauptakteuren der letzten Phase der Weimarer Republik ein überwiegend negatives Zeugnis aus. Verblendet durch Ehrgeiz, in Selbstüberschätzung und mangelnder politischer Urteilsfähigkeit ebneten sie Hitler den Weg an die Macht. Aber auch die Verteidiger der Republik konnten letztlich keine überzeugenden Konzepte anbieten.
Nach der Ernennung Hitlers konnten sich die demokratischen Parteien nicht auf ein gemeinsames, entschlossenes Vorgehen einigen – das Zentrum hatte teilweise selbst Koalitionen mit der NSDAP erwogen. Schleicher wiederum hatte es versäumt, dem Reichspräsidenten Alternativen zu einer verfassungswidrigen Verschiebung von Neuwahlen zu unterbreiten. So wäre es z. B. möglich gewesen, auch nach einem Misstrauensvotum als geschäftsführende Regierung im Amt zu bleiben. Das Misstrauensvotum hätte mit Verweis auf die Mehrheitsunfähigkeit der Antragssteller ignoriert werden können, was faktisch eine Hineininterpretation eines „konstruktiven Misstrauensvotums“ in die Weimarer Verfassung bedeutet hätte. Das Konzept eines konstruktiven Misstrauensvotums lag seit 1927 vor und eine entsprechende Argumentation gegenüber Hindenburg war Schleicher seitens seiner Berater angeraten worden.
Die von Heinrich August Winkler und anderen Historikern der Gegenwart bekannte These von "Weimar" als einer "Republik ohne Demokraten" wurde als pauschalisierende Zuspitzung kritisiert: Sie trifft jedoch durchaus auf viele damalige Führungskräfte in Staat, Wirtschaft, Verwaltung, darüberhinaus auch auf große Teile der Parteienlandschaft und ihrer Wählerbasis zu. Die Neigung, die Demokratie ihren Feinden preiszugeben, war damals eine weit verbreitete Grundeinstellung in der deutschen Bevölkerung. Auch für viele Wähler der Nationalsozialisten war der Marsch in die Diktatur letztlich ein Marsch in den eigenen Untergang.
Hitler wurde zu einer Zeit Reichskanzler, als seine Partei aufgrund von inneren Spannungen in einer ernsten Krise war. Was die Nationalsozialisten als „Machtergreifung“ bezeichneten, um damit Stärke zu suggerieren, war in dieser Perspektive eher eine Art Machtübergabe. Es war eine Verkettung von Umständen, die den Nationalsozialisten die Macht bescherte.
Der Sozialhistoriker Detlef J. Peukert führt das Scheitern der Weimarer Republik auf „vier zerstörerische Prozesse“ zurück, „die einzeln wohl hätten gemeistert werden können“:
Machtergreifung
1. Destabilisierung: Die Basiskompromisse aus der Gründungszeit hätten zu ihrer Ausgestaltung breitere Handlungsspielräume benötigt. Dadurch, dass diese durch die wirtschaftliche und soziale Dauerkrise verengt wurde, wurde die sozioökonomische Strukturkrise (Krise der Modernisierung, Weltwirtschaftskrise) zu einer Destabilisierung des politischen und sozialen Systems der Republik transformiert.
2. Legitimationsverlust: Die allmähliche und kontinuierliche Zurücknahme der Basiskompromisse trug zum Legitimationsverlust der neuen Ordnung bei. (z. B. Abbau des Sozialstaats, der in dieser Form in der Novemberrevolution als Kompromiss zwischen Kapital und Arbeit begründet wurde (Stinnes-Legien-Abkommen der ZAG))
3. Politik der autoritären Wende: Die alten republikfeindlichen Eliten zerstörten willentlich die angeschlagenen parlamentarisch-demokratischen Institutionen, um einen obrigkeitlichen Staat zu (re-)installieren. Dies war ein gemeineuropäisches Phänomen der 30er Jahre, in Deutschland gab es aber zwei Besonderheiten:
- Nirgendwo sonst waren die alten und die neuen Werte (Kaiserreich/Republik) zugleich so erschüttert worden wie im Nachkriegsdeutschland. Dies verringerte die Möglichkeiten eines liberal-konservativen Kompromisses.
- Nirgendwo sonst war die Öffentlichkeit so weitgehend politisiert und radikalisiert worden wie hier. Dadurch war an eine dauerhafte Regierung ohne Massenbasis nicht zu denken.
4. nationalsozialistische Alternative: Die NS-Bewegung konnte angesichts der Krise der Jahre 1930 bis 1933 die ganze Dynamik einer totalitären Integrationspartei entfalten. Sie konnte sich zum Sprecher der Krisenängste eines guten Drittels aller Deutschen machen. Aber allein hätte sie die Republik nicht stürzen können.
Antisemitismus in der Weimarer Republik
Zur Zeit der Weimarer Republik traten zu den unterschiedlichen Zeiten verschiedene Formen des Antisemitismus auf. Diese reichten von persönlichen Beleidigungen und Verleumdungen, beispielsweise in Form von Flugblättern, über körperliche Angriffe bis hin zu pogromähnlichen Ausschreitungen.
Antisemitismus trat jedoch nicht in allen Regionen des Reiches im gleichen Ausmaß auf, sondern ließ teilweise deutliche Unterschiede zwischen Großstädten und ländlichen Regionen erkennen. Er war jedoch eine alltägliche Erscheinung in der Weimarer Republik, die in dem Gedankengut aller Bevölkerungsschichten anzutreffen war. Dies wird durch zahlreiche Postkarten mit antisemitischen Motiven und öffentliche Hasspropaganda deutlich.
Kunst und Kultur in der Weimarer Zeit
Kulturell war die Zeit der Weimarer Republik eine der schöpferischsten und experimentierfreudigsten Epochen der deutschen Geschichte. Waren die Anfangsjahre jedoch noch geprägt vom Geist des späten Expressionismus in Malerei und Literatur, dominierte im besten Jahrfünft die Neue Sachlichkeit, die wiederum von einem sozialkritischen Realismus zur Zeit der Weltwirtschaftskrise abgelöst wurde. Autoren wie Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Lion Feuchtwanger, Erich Kästner, Thomas und Heinrich Mann, Carl von Ossietzky, Erich Maria Remarque, Kurt Tucholsky, Franz Werfel, Arnold und Stefan Zweig schrieben Weltliteratur. Der Film entwickelte sich zum Massenmedium und setzte mit dem Cabinet des Dr. Caligari und Metropolis künstlerische Akzente. Mit scharfer Beobachtungsgabe thematisierte der Schriftsteller Heinrich Eduard Jacob - zwischen 1927 bis 1933 Wiener Leiter des "Mitteleuropäischen Büros" des Berliner Tageblatts - in seinem Roman Blut und Zelluloid (1929) den italienischen Faschismus und die Auswirkungen von Hetzfilmen auf die Gesellschaft, was sich kurze Zeit später so verhängnisvoll für Deutschland auswirken sollte. Der durch Walter Gropius in Weimar begründete Bauhausstil wurde zu einem der bedeutendsten Architekturstile des 20. Jahrhunderts. Stellvertretend für viele Künstler sei George Grosz genannt, der mit seinen ätzend satirischen Darstellungen von Bourgeoisie, Justiz und Militär (zum Beispiel Stützen der Gesellschaft, 1926) die sozialen Missstände der Weimarer Republik anprangerte.
Gesellschaft
Mit der Gründung der Weimarer Republik erhielten Frauen das
Bertelsmann
Die Bertelsmann AG ist ein internationaler Verlags- und Medienkonzern. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Gütersloh.
Zum Bertelsmannkonzern gehören eine Reihe von Medienunternehmen, wie unter anderem der Gruner & Jahr Zeitschriftenverlag (u.a. Stern, Brigitte), die RTL-Group, die Verlagsgruppe Random House, die Bertelsmann Music Group (BMG) und die Direct Group Bertelsmann (u.a. Bertelsmann Club).
Gesellschafter
- Bertelsmann Stiftung - 57,6%
- GBL Groupe Bruxelles Lambert - 25,1% (Börseneinführung dieser Aktienanteile ab 2006 möglich, aber noch nicht entschieden)
- Familie Mohn - 17,3%
Die Bertelsmann AG ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft. Ihre Aktionäre sind die Bertelsmann Stiftung, die Groupe Bruxelles Lambert und die Familie Mohn. Die Kapitalanteile verteilen sich wie folgt auf die drei Gesellschafter: Die Bertelsmann Stiftung hält 57,6%, die Familie Mohn 17,3% und die Groupe Bruxelles Lambert 25,1%, davon 0,1% stimmrechtslos. Die Stimmrechte der Bertelsmann Stiftung und der Familie Mohn werden von der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft (BVG) ausgeübt. Die BVG verfügt über 75% und die Groupe Bruxelles Lambert über 25% der Stimmrechte.
Management des Unternehmens
- Gunter Thielen (Vorsitzender des Vorstands)
- Bernd Kundrun (Gruner und Jahr)
- Siegfried Luther (Finanzen / Corporate Center, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands)
- Peter Olson (Random House)
- Hartmut Ostrowski (Arvato)
- Rolf Schmidt-Holtz (Bertelsmann Music Group; Chief Creative Officer)
- Ewald Walgenbach (Direct Group Bertelsmann)
- Gerhard Zeiler (RTL Group, kein Mitglied des Bertelsmann Vorstands)
Unternehmenszahlen
Mitarbeiter Stand: 31. Dezember 2004: 76.266
- davon 33.813 bei Arvato
- davon 12.116 bei Direct Group Bertelsmann
- davon 11.671 bei Gruner + Jahr
- davon 8.117 bei der RTL Group
- davon 4.259 bei BMG
- davon 5.383 bei Random House
Umsatz im Geschäftsjahr 2004: 17,0 Milliarden Euro
Umsatz nach Geschäftsfeldern 2004:
- RTL Group: 27,7%
- Arvato: 21,3%
- BMG: 14,5%
- Gruner + Jahr: 13,9%
- Direct Group Bertelsmann: 12,4%
- Random House: 10,2%
Haupt-Beteiligungen
- 100 % Arvato AG, Gütersloh
- 100 % Direct Group Bertelsmann, Gütersloh
- 100 % Random House, New York City
- 100 % BMG Music Publishing, New York City
- 90,4 % RTL Group SA, Luxemburg
- 74,9 % Gruner + Jahr AG, Hamburg
- 50 % Sony BMG Music Entertainment, New York City
Daneben besitzen die Haupt-Beteiligungen ca. 400 weitere Firmen und Firmenbeteiligungen.
Geschichte des Unternehmens
vor 1900
Am 1. Juli 1835 gründet der Drucker und Buchhändler Carl Bertelsmann den C. Bertelsmann Verlag mit angeschlossener Druckerei in Gütersloh. Am 17. Dezember 1850 stirbt der Firmengründer im Alter von 59 Jahren. Sein Sohn Heinrich Bertelsmann übernimmt die Geschäftsleitung des nunmehr 14 Mitarbeiter zählenden Verlages. Zunächst auch auf erbauliche christliche Lieder und Texte ausgerichtet, öffnet sich der Verlag 1850 unter dem Sohn Heinrich Bertelsmann auch für Belletristik. 1861 wird der Verlag S.G. Liesching aus Stuttgart erworben. 1868 umfasst das Unternehmen 60 Mitarbeiter und zieht im selben Jahr in ein neues Verlagsgebäude in der Bahnhofstrasse in Gütersloh. 1887 richtet Heinrich Bertelsmann für seine Mitarbeiter eine Invalidenkasse ein, lange vor der staatlichen Sozialversicherung. Am 3. März 1887 stirbt Heinrich Bertelsmann und sein Schwiegersohn Johannes Mohn übernimmt die Leitung des Verlagshauses. 1898 wird die angegliederte Druckerei erweitert.
1900-1945
1921 übernimmt Heinrich Mohn die Geschäftsleitung. Das Unternehmen beschäftigt 80 Mitarbeiter. 1928 erscheinen die ersten Romane aus dem Verlagshaus. Die ersten drei waren in Fortsetzungen zuvor in der von Heinrich Mohn erworbenen Zeitschrift "Der Christliche Erzähler" erschienen. Am 2. November 1930 stirbt Johannes Mohn. 1932 veröffentlicht Bertelsmann die ersten Romane als Volksausgaben. In den folgenden Jahren wächst der Verlag ständig und hat 1939 bereits 400 Mitarbeiter.
Bertelsmann wird im Zweiten Weltkrieg mit den sogenannten "Feldausgaben" zum wichtigsten Buchlieferanten der Soldaten an der Front. Es wurden u.a. Bücher von nationalsozialistischen Autoren wie Will Vesper oder Hans Grimm verlegt. Mit Titeln wie "Mit Bomben und MGs über Polen" und "Wir funken für Franco" erzielte man Millionenauflagen.
1944 verfügen die Nationalsozialisten die Schließung des Bertelsmanns Verlages, wobei nicht, wie noch bis weit in die 1990er Jahre vorgegeben, eine oppositionelle Haltung zum NS-Regime, sondern Wirtschaftskriminalität ausschlaggebend waren (siehe hierzu auch den eingehenderen Artikel zu Matthias Lackas). Der Verlag war keineswegs ein Hort des Widerstandes. Von der Schließung 1944 sind jedoch die Setzerei, Druckerei und Buchbinderei nicht betroffen. 1945 werden durch einen alliierten Bombenangriff die Produktionsstätten völlig zerstört. Nach dem Kriegsende beginnt der sofortige Wiederaufbau.
1945-1990
1946 bekommt Bertelsmann in der britischen Besatzungszone eine Verlagslizenz erteilt. Der technische Betrieb, die Mohn & Co. GmbH, heute MohnMedia, wird eine selbständige Firma. 1947 übernimmt Reinhard Mohn in fünfter Generation das Familienunternehmen. Noch im Soldatenmantel spricht er anlässlich des ersten Richtfestes zu seinen Mitarbeitern.
1950 gründen Reinhard Mohn und sein Mitarbeiter Fritz Wixforth zusammen mit dem Buchhandel den Bertelsmann-Lesering. 1954 wird eine Verlagsgemeinschaft zur Betreuung der nun 1 Million Lesering-Mitglieder gegründet. Am 26. April 1955 stirbt Heinrich Mohn. 1956 gründet Bertelsmann den Schallplattenring. 1958 erfolgt der Eintritt in den Musikmarkt mit der Gründung des Schallplattenlabels Ariola. 1960 feiert Bertelsmann sein 125jähriges Jubiläum. In Anerkennung um die Verdienste der Stadt Gütersloh wird die zum Betriebsgelände führende "Wilhelmstraße" in "Carl-Bertelsmann-Straße" umbenannt. 1963 erfolgt die Übernahme des Europäischen Buchclubs und Europäischen Phonoclubs, der später in "Europäische Bildungsgemeinschaft" umbenannt wird. Es eröffnet die erste Partner-Bücherstube in der Buchhandlung "Fingerhut" in Kleve. 1964 Start des Club-Reisedienstes für Lesering-Mitglieder. Die erste Bücherstube des Leserings wird in Kiel eröffnet. 1964 steigt Bertelsmann in den Filmsektor ein und kauft die Ufa Filmproduktionsgesellschaft. Die Anteile an der gleichnamigen Kinokette werden in den siebziger Jahren wieder verkauft. 1969 werden die Bücherstuben der Verlagsgemeinschaft in Club-Center umbenannt. Im selben Jahr erwirbt Reinhard Mohn eine Beteiligung von 25 % am Hamburger Verlagshaus (Gruner und Jahr), an dem Bertelsmann 1973 die Mehrheitsbeteiligung erwirbt. Von 1965 bis 1970 war Manfred Köhnlechner der Generalbevollmächtigte des Konzerns. Im April 1971 wird Bertelsmann in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1974 erfolgt die Grundsteinlegung für ein neues Verlags- und Verwaltungsgebäude der Bertelsmann AG in Gütersloh. 1975 wird der Bertelsmann-Lesering 25 Jahre alt und umfasst 7,5 Millionen Buchclub-Mitglieder, die 25 Buch- und Schallplattengemeinschaften in 18 Ländern angehören. Am 11. April 1976 stirbt der Mitbegründer des Leserings, Fritz Wixforth. Bertelsmann versucht zusehends weiter international an Gewicht zu gewinnen und erwirbt 1977 eine Mehrheitsbeteiligung an Bantam Books, den bis dato größten Verlag der Welt. 1979 kommt es zu einem Großbrand in der Druckerei Mohndruck. Im gleichen Jahr wird das amerikanische Label Arista erworben. Später kommen auch noch das Plattenlabel RCA und das Verlagshaus Doubleday hinzu. Die Musikaktivitäten werden fortan unter dem Label BMG gebündelt. 1980 besucht Bundeskanzler Helmut Schmidt Bertelsmann und spricht vor 3.000 Mitarbeitern. Am 29. Juni 1981 erhält Reinhard Mohn anlässlich seines 60. Geburtstages die Ehrenbürgerschaft der Stadt Gütersloh. 1985 hat Bertelsmann nunmehr 150 Jahre Bücher verlegt und den Buchclubs gehören weltweit mehr als 16 Millionen Mitglieder an.
1990 bis heute
1990, mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Ende des Kalten Krieges expandiert die Bertelsmann AG auch in Osteuropa. Dem Unternehmen gehören 42.500 Mitarbeiter an und der Jahresumsatz beträgt 13,323 Milliarden DM. 1993 überträgt Reinhard Mohn 68,8% der Unternehmensanteile der AG auf die bereits 1977 von ihm gegründete Bertelsmann Stiftung. Die Familie Mohn kümmert sich bis heute über Sitze und Stimmen in der Bertelsmann-Vermögensverwaltungsgesellschaft (BVG) um die E | | |