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Verantwortung

Verantwortung

Verantwortung ist die Folgen zu tragen für eigene oder fremde Handlungen. Eine Verantwortung zieht immer eine Verantwortlichkeit nach sich, d. h. dafür Sorge zu tragen, dass der Verantwortungsbereich einen möglichst guten Verlauf nimmt.

Wortherkunft

Der Begriff Verantwortung kam erst im Mittelhochdeutschen auf und wurde ursprünglich im Sinne von „beantworten“ verwendet.

Definitionen

Allgemein

Sie stellt das menschliche Handeln in kausale Zusammenhänge. Diese sind z. B. temporaler, sozialer oder religiöser Natur. Innerhalb eines Verantwortungsbereiches folgen aus dem Handeln Konsequenzen in Gestalt von Erfolg, Misserfolg, Glück oder Schuld. Verantwortung ist außerdem etwas Begleitendes (man spricht vom Verantwortungsgefühl), sowie etwas Vorauslaufendes. Wer sich mit einer Aufgabe betrauen lässt, übernimmt die Verantwortung. Verantwortung ist eine positiv bewertete Größe. Wer dagegen verantwortungslos handelt, schadet seiner Umgebung, Gemeinschaft, Umwelt oder Zukunft bzw. bringt diese sogar in Gefahr. Wer Verantwortung hat, sollte sich dessen aber auch bewusst sein, da andere Menschen davon positiv und negativ beeinflusst werden. Vor allem im Bereich der Umweltproblematik, aber auch von hier auf andere Themen ausstrahlend, ist die Verantwortung mit dem Konzept der Nachhaltigkeit eng verbunden. Die Frage ob ein Mensch überhaupt eine direkte Verantwortlichkeit für sein Handeln besitzt ist zudem auch mit dem Freien Willen, dem Determinismus und der Prädestination verknüpft.

Johannes Schwartländer

Nach Johannes Schwartländer hat die Verantwortung eine „dreistellige Beziehung“:
- Allein der Mensch trägt Verantwortung
- für sein Handeln, sowie übernommene Aufgaben und Pflichten („die Verantwortung übernehmen“, „Verantwortungsbereich“, die Verantwortung für jemanden oder etwas haben)
- vor einer Instanz, die Rechenschaft fordert (z. B. Eltern, Freunde, der „Öffentlichkeit“, der „Geschichte“, einem Gericht, dem autonomen Sittengesetz, Gott als höchstem Richter)

Inkorrekte Verwendungen in der Politik

Oft wird in den Politik von "Übernahme von Verantwortung" gesprochen, auch wenn keine Konsequenzen aus dem Handeln gezogen werden. So ist häufig davon die Rede, dass Menschen für ihre Taten die "Verantwortung übernehmen", obwohl sie sich nur zu ihren Taten bekennen. Beispiel: Fischer bei der Visa-Affäre [http://www.welt.de/data/2005/02/14/463582.html] (s. a. Bekennerschreiben) . Häufige Ungenauigkeiten, die mit Verantwortung übernehmen gleichgestellt werden:
- sich zu Fehlern bekennen
- Fehler/Schuld einräumen Im Kontext der Globalisierung spielt auch die Frage nach der allgemeinen Verantwortlichkeit eine Rolle, wobei eine Argumentation des entmündigenden Sachzwangs im Zuge der Globalisierung an Bedeutung gewann („es gibt keine Alternativen“). Oft wird daher auch von „Verantwortung“ gesprochen, um ein Streben nach Macht oder Machterhalt zu verschleiern bzw. eine nicht anders begründbare Entscheidung zu erzwingen und deren Alternativen gezielt zu verschleiern („Verantwortung vor unseren Kindern“).

Arten von Verantwortung

Juristische Verantwortungsarten

Juristisch wird Verantwortung als die Pflicht einer Person verstanden, für ihre Entscheidungen und Handlungen Rechenschaft abzulegen. Wird einer Person eine Aufgabe und die zugehörige Kompetenz zugewiesen, so muss sie diese ausführen und bei Fehlern für die Folgen einstehen. Es werden unterschieden:
- Handlungsverantwortung: Rechenschaftspflicht hinsichtlich der Art der Aufgabendurchführung
- Ergebnisverantwortung: Rechenschaftspflicht hinsichtlich der Zielerreichung
- Führungsverantwortung: Rechenschaftspflicht hinsichtlich der wahrgenommenen Führungsaufgaben

Politische Verantwortungsarten

In der Politik sind zwei Verantwortungsarten anzutreffen – die Mitverantwortung und die Selbstverantwortung:
- Mitverantwortung ist die politische Interpretation des Begriffs Verantwortung für gesellschaftlich gelenkte Hilfeleistung und Verbesserungsprozesse, wie etwa die Mitverantwortung für die Umwelt, Mitverantwortung für die Schwächeren, Mitverantwortung für die Kranken usw. Diese Mitverantwortung kann von den Bürgern und vom Staat wahrgenommen werden. Die Mitverantwortung wird traditionell von linken Parteien betont.
- Selbstverantwortung ist die politische Interpretation des Begriffs Verantwortung im Sinne von sich selbst überlassen. Traditionell wird diese Verantwortungsart von den neoliberalen Vertretern betont. Die beiden Arten, die Mitverantwortung und die Selbstverantwortung, unterscheiden sich im Verantwortungsbereich und definieren damit die staatlichen Aufgaben. Während in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg unausgesprochen durch alle Schichten der Gesellschaft die Mitverantwortung ausgeprägt war, wird diese in den letzten Jahren durch die Betonung der Selbstverantwortung immer mehr verdrängt. Weder Mitverantwortung noch Selbstverantwortung ist eine höherwertige Verantwortungsart, sondern beides ist oft in Kombination erforderlich.

Siehe auch


- Ethik
- Verliererspiel

Literatur


- Greiff, Bodo: Besichtigung eines Begriffs: „Verantwortung in der Wissenschaft“, in: Leviathan, 2/1998, S. 228-242.
- Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation. Frankfurt/M., 1979, Neuauflage als Suhrkamp Taschenbuch, 1984. 425 S.
- Hans Lenk, Matthias Maring: Verantwortung. In: Historisches Wörterbuch der Philosophie. Darmstadt 2001, Bd. 11, Sp. 569-575.
- Micha H. Werner: [http://www.micha-h-werner.de/verantwortung.htm Verantwortung]. In: Düwell, Marcus / Hübenthal, Christoph / Werner, Micha H. (Hg.): Handbuch Ethik. Stuttgart: J. B. Metzler. ISBN 3-476-01749-4, S. 521-527.

Weblinks


- [http://www.hrb.at/de Haus der Verantwortung]
- [http://de.wikiquote.org/wiki/Verantwortung Zitatesammlung zu "Verantwortung"]
- [http://www.micha-h-werner.de/verantwortung.htm Handbuchbeitrag] Kategorie: Ethisches Prinzip ja:責任

Mittelhochdeutsch

Mittelhochdeutsch (Mhd.) ist die Bezeichnung für eine ältere Phase der deutschen Sprache etwa zwischen 1050 und 1350. Dem Mittelhochdeutschen geht voran das Althochdeutsche (Ahd.) (etwa 750 bis 1050), von etwa 1350 bis 1650 spricht man von Frühneuhochdeutsch (Frnhd.). Mittelhochdeutsch ist vor allem als Sprache der Literatur überliefert; der alltägliche Sprachgebrauch schlug sich noch kaum in Schriftzeugnissen nieder. Zu den bekanntesten mittelhochdeutschen Dichtungen gehören das Nibelungenlied, der "Parzival" Wolframs von Eschenbach, der "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, die Gedichte Walthers von der Vogelweide sowie der Minnesang. Das Mittelhochdeutsche unterscheidet sich vom Althochdeutschen insbesondere durch die Neben- bzw. Endsilbenabschwächung. Vom Neuhochdeutschen ist das Mittelhochdeutsche vor allem durch den Vokalismus der Stammsilben unterschieden; anders als das Neuhochdeutsche weist das Mittelhochdeutsche Kurzvokale in offener Tonsilbe auf, die zum Neuhochdeutschen hin durch die Dehnung in offener Tonsilbe beseitigt worden sind. Mittelhochdeutsch bezeichnet keine Hochsprache (im Gegensatz zur Umgangssprache), sondern ist als Gegenbegriff zum Mittelniederdeutschen zu verstehen und umfasst demnach die Sprache aller mitteldeutschen (thüringisch, hessisch, rheinfränkisch) und oberdeutschen Regionen (alemannisch, bairisch). Das Mittelhochdeutsche war keine überregional einheitliche Sprache wie das Schrift-Neuhochdeutsche, sondern war ebenso wie das heute gesprochene Deutsch gekennzeichnet durch starke regionale bzw. dialektale Unterschiede. Auch eine einheitliche Orthographie gab es im Mittelalter noch nicht. Für die Textausgaben der wichtigen mittelhochdeutschen Dichtungen, für Wörterbücher und Grammatiken wird das im Wesentlichen auf Karl Lachmann zurückgehende "normalisierte Mittelhochdeutsch" oder "Normalmittelhochdeutsch" verwendet, eine Idealform des Mittelhochdeutschen, das nur einen kleinen Ausschnitt der damaligen sprachlichen Realität wiedergibt. Die folgende Übersicht zeigt das Vokalsystem des (Normal-)Mittelhochdeutschen: :Kurzvokale: a, e, i, o, u, ä, ö, ü :Langvokale: â, ê, î, ô, û, æ, œ, iu (langes ü) :Diphthonge: ei, ie, ou, öu, uo, üe Es ist zu beachten, dass ei als e+i (nicht ai wie im Neuhochdeutschen, sondern wie "ei" oder "ij" im Niederländischen) zu sprechen ist; ie ist nicht lang-i, sondern i+e. Die wichtigsten Veränderungen vom Mittelhochdeutschen zum Neuhochdeutschen betreffen den Vokalismus:
- Die mittelhochdeutschen Langvokale /î, iu, û/ werden zu den Diphthongen nhd. /ei, eu/äu, au/ ("nhd. Diphthongierung") - Beispiele: mîn > mein, vriunt > Freund, hûs > Haus
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge /ie, üe, uo/ werden zu den Langvokalen /i, ü, u/ ("nhd. Monophthongierung") - Beispiele: liep > lieb, müede > müde, bruoder > Bruder
- Die mittelhochdeutschen Diphthonge /ei, öu, ou/ werden geöffnet zu /ei, eu/äu, au/ ("nhd. Diphthongwandel") - Beispiele: bein > Bein, böume > Bäume, boum > Baum
- Sämtliche mittelhochdeutsche Kurzvokale /a, e, i, o, u, ä, ö, ü/ werden in offener Silbe zu den entsprechenden Langvokalen gedehnt ("Dehnung in offener Tonsilbe") weitere Veränderungen:
- Großschreibung von Substantiven im Neuhochdeutschen (im Mittelhochdeutschen wurden nur Namen großgeschrieben)
- Auslautverhärtung wird im Neuhochdeutschen nur noch phonologisch wiedergegeben, jedoch nicht graphisch gekennzeichnet (bspw. mhd. tac = nhd. Tag [gesprochen wird am Ende "k"])
- Palatalisierung = "s" vor Konsonant im Wortanfang wird zu "sch". Dies ist orthographisch immer gekennzeichnet (bspw. slichen =nhd. schleichen) außer bei "s" vor "t" bzw. "p".

Siehe auch

Deutsche Sprachgeschichte

Weblinks


- [http://www.mwv.uni-trier.de/ www.mwv.uni-trier.de] mittelhochdeutsche Wörterbücher im Verbund
- [http://www.mediaevum.de/ www.mediaevum.de] Das altgermanistische Internetportal: Mittelalterliche Literatur u.v.m. im Internet
- [http://www.uni-salzburg.at/mhdbdb/ www.uni-salzburg.at/mhdbdb] Mittelhochdeutsche Begriffsdatenbank Kategorie:Deutsche Sprache Kategorie:Sprachstufe

Konsequenz

Konsequenz (von lat. consequi folgen, erreichen) ist eine oft zwingende - und damit zusammenhängende - Folge eines Sachverhaltes: wenn A stattfindet, dann findet anschließend auch B statt. Als Konsequenz wird manchmal auch die Zielstrebigkeit einer Person bezeichnet. Genauer: als Konsequenz bezeichnet man einen Sachverhalt im Hinblick auf seine Genese. Ein solcher Sachverhalt stellt eine nicht unbedingt kausale Folge oder kausale Konfiguration von Folgen einer oder mehrerer vorangegangener Handlungen oder Sachverhalte dar. Im Kontext sozialen Handelns tritt die Konsequenz häufig in Form einer Sanktion auf, die auf der Grundlage von Normen und Konventionen von Dritten bewusst initiiert wird. Kategorie:Logik Kategorie:Ethisches Prinzip

Erfolg

Der Ausdruck Erfolg bezeichnet ursprünglich die allgemeine Folge, Konsequenz oder den Effekt eines Handelns.

Begriffsentwicklung

Ursprünglich wurde mit dem Wort lediglich das Erfolgen bzw. der Verlauf eines Ereignisses beschrieben. In diesem Sinne formuliert noch Johann Wolfgang von Goethe: "der ihm den ganzen Erfolg erzählte".. Erst später erhält Erfolg die Bedeutung eines zunächst wertfreien, neutralen Resultats. Für das, was später mit "Erfolg" bezeichnet wurde, dienten zunächst Begriffe wie Sieg oder Glück. Mit dem Geist des Industrialismus nahm die Kategorie des Erfolgs die positiv bewertete Stellung ein, die zuvor mit beiden Begriffen beschrieben wurde. Da der Begriff Sieg eine eher globale Dimension aufwies, erwies er sich für den als privat verstandenen Charakter des Unternehmertums als ungeeignet. Ebenso wenig schien der Glücksbegriff für die neue Situation geeignet, setzte dieser doch eine schicksalhafte Mithilfe von anderer Seite (Gottes, des Zufalls o.a.) voraus. Erfolg wurde zum auf der eigenen Leistung basierenden Voranschreiten (siehe "Fortschritt") auf ein Ziel hin. Dabei kam dem Gelingen wie dem ökonomischen Wachsen eine entscheidende Bedeutung zu. Damit wurde jeder Einzelschritt auf dieses Ziel zum Erfolg. Der Erfolg wurde das Ziel. Auf der anderen Seite beschrieb der damals aufgekommene Begriff Misserfolg den Fehlschlag eines Unternehmens.

Erfolgsbestandteile

Heute stehen Handeln und Erfolg in einem deutlichen, planvollen Zusammenhang. Erfolg wird als das Erreichen eines definierten oder allgemein als erstrebenswert anerkannten Ziels verstanden. Dieses Ziel kann sich auf die Entwicklung eines Menschen oder auf materielle Komponenten beziehen. Der komplexe Bezugsrahmen, die Betrachtung des jeweiligen Systems und die damit verbundenen Bewertungskomponenten führen zu dem Problem einer objektiven Erfolgsdefinition. In welcher Form oder mit welchem Aufwand Ziele "erfolgreich" erreicht werden, hängt vom jeweiligen kulturellen Blickwinkel ab. In der westlichen Gesellschaft wird Erfolg mit dem Erreichen von propagierten Idealen verbunden. Als Erfolgreicher wird nicht der Wohlhabende angesehen, der aufgrund äußerer Umstände (Erbschaft, Lottogewinn) Luxusautos, Villen oder gesellschaftliches Ansehen erkaufen kann. Erfolgreich ist, wer Erfolg hat, in Geschäft, Politik oder beim anderen Geschlecht. Prinzipiell kann "Erfolg" als ein Beitrag zur Steigerung der Überlebensfähigkeit eines natürlichen, sozialen oder künstlichen Systems angenommen werden. Die Psychologie beschäftigt sich empirisch mit Ursachen (fachsprachlich Determinanten) des Erfolgs. Wenn es um Erfolg in Schule und Bildung geht, ist die pädagogische Psychologie die zentrale Disziplin. Unternehmen messen dagegen nur ihre materiellen Erfolge. Das sich entwickelnde Sozialkapital aus Vertrauen, persönlichem Netzwerk sowie Werten und Normen der Mitarbeiter bleibt in Bilanz sowie Gewinn- und Verlustrechnung unberücksichtigt. Wesentliche Faktoren für nachhaltige Erfolge sind Verhalten, Intelligenz, Wissen, Kultur und Motivation, ob für persönliche Ziele, Unternehmensziele oder gesellschaftliche Ziele. Die umfangreichste Analyse der Parameter des Erfolges ist die Publikation: Club Carriere - Enyzklopädie des Erfolges (Algoprint Verlags AG)

Erfolgsrechnung

Bei Unternehmensfinanzen wird der Begriff Erfolg häufig neutral definiert. In einer Erfolgsrechnung können am Ende des Jahres auch Verluste resultieren. Man spricht dann vom negativen Erfolg.

Siehe auch


- Leistungsdifferenzierung Kategorie:Ethisches Prinzip

Glück

Glück wird in der deutschen Sprache in zwei unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht:
- Glück als positiv empfundener Zustand, im Sinne von "Glück empfinden", "Glückseligkeit",
- Glück als positiver Zufall oder unverdienter positiver Umstand "Glück haben" Das Wort "Glück" wird vom mittelniederdeutschen "Gelucke" (ab 12. Jahrhundert) bzw. dem mittelhochdeutschen "Gelücke" abgeleitet. Beide Formen sind vom Verb "gelingen" abgeleitet, das sich wiederum von "leicht" ableitet. Glück ist demnach ursprünglich also das Gelungene, das leicht Erreichte oder der günstige Ausgang eines Ereignisses. Dieses Ziel musste nicht durch Talent oder ähnliches erreicht werden, sondern wurde ohne Leistung bzw. eigenes Zutun erreicht.

Glück empfinden

Das Empfinden von Glück ist sowohl ein Gefühl als auch ein Zustand, in dem sich eine Person befindet, und der sich durch ein allgemeines, oft unbewusstes Wohlbefinden auszeichnet. Entscheidend sind dabei nicht die objektiven Tatsachen, sondern das subjektive Erleben der betreffenden Person. Glücksforscher verwenden deshalb statt des Begriffes "Glück" eher den Begriff "Subjektives Wohlbefinden". "Glück empfinden" hat zwei mögliche Varianten:
- "Glück empfinden" können wir während einer kurzen Zeitdauer (wir erleben einen Glücksmoment, englisch: pleasure). Beispiele: Sex haben; etwas Gutes essen; mit Freunden zusammen sein; eine wichtige Sache erfolgreich abschließen.
- "Glück empfinden" kann ein dauerhaftes Gefühl sein (im Glück leben, englisch: happiness). Beispiele: Mit dem Leben zufrieden sein; viele Glücksmomente erleben.
- Subjektives Wohlbefinden
- Zufriedenheit
- angenehmes / gelingendes / gutes Leben
- Lebensqualität
- Freude
- Flow

Glück in der Psychologie

Psychologen definieren Glück unter anderem als die Empfindung der absoluten Harmonie unseres Bewusstseins. Wir gehen in unserem augenblicklichen Tun auf, alles um uns herum einschließlich der Zeit verschwimmt und spielt keine Rolle mehr. Als Auslöser für Glücksgefühle werden die Übereinstimmung von Erwartung mit wahrgenommenen Umständen oder die Befriedigung von Bedürfnissen betrachtet. Somit wird dem Glücksempfinden einerseits interpersonelle Bedeutung zugesprochen (also aufgrund zwischenmenschlicher Beziehungen), als auch intrapersonelle Bedeutung zugewiesen (Glücksempfinden aufgrund sog. innerer Dialoge). Wichtige Möglichkeiten zum Erreichen eines Glückszustandes sind hierbei unter anderem:
- soziale Integration
- positives Selbstwertgefühl
- erfüllte Sexualität
- angepasste Aggressivität
- materielle und ideelle Ziele
- emotionales Gleichgewicht

Philosophie des Glücks

Philosophen beschäftigen sich schon lange mit der Frage: "Was ist Glück". Danach ist z. B. die Glückseligkeit der Zustand vollkommener Befriedigung, vollkommener Wunschlosigkeit, ein Ideal, dessen Verwirklichung durch sinnvolles Wirken und Zusammenwirken erstrebbar ist, solange, bis der einzelne Mensch sein Maß gefunden hat. Während die Sophisten in der Antike die Auffassung vertraten, dass, "wer richtig leben will, seine Begierden muss so groß werden lassen als möglich und sie nicht einzwängen" (in Platon: Gorgias, 491e) und deshalb Wohlleben, Zügellosigkeit und Freiheit Glückseligkeit sind, hält Sokrates seinem sophistischen Widersacher Kallikles entgegen, dass wahres Glück und richtiges Leben an Glückseligkeit und Beständigkeit gebunden seien, wozu die Beherrschung zügelloser Begierden gehöre. Für Aristoteles verwirklicht sich das menschliche Wesen in der Polis (Staatsgemeinschaft). Wer die in ihm liegenden Tugenden und Tüchtigkeiten innerhalb der Polisgemeinschaft von Natur aus entfaltet, ist glückselig. Vollendet glücklich (makarios) kann ein Mensch jedoch erst genannt werden, wenn er mit äußeren Gütern hinreichend ausgestattet ist und sein ganzes Leben lang tugendgemäß verbringt. Epikur beschreibt die Lust als Prinzip gelingenden Lebens, oft wird seine Position mit der Kallikles verwechselt oder gleichgesetzt, was ihm aber nicht gerecht wird. Lust könnte in seinem Zusammenhang eher als ein Freisein von Unlust beschrieben werden.So geht es in der epikureischen Glücksphilosophie darum durch Schmerzvermeidung einen Zustand physischer Schmerzfreiheit zu erlangen und dies nicht eben durch übermäßigen Genuss der weltlichen Güter, sondern durch strategische Reduktion auf die notwendigsten Bedürfnisse, ähnlich wie auch Diogenes eine eher asketische Haltung vertrat, um den Zustand der Glückseligkeit im Verzicht zu erlangen. Durch diese asketische Lebensführung kann man dann den Zustand innerer Seelenruhe (ataraxia) erlangen, indem man über die Todesfurcht siegt. Die ethische Maxime der epikureischen Glücksphilosophie findet sich später auch in Jeremy Benthams „pleasure-Begriff“, sie stellt ein hedonistisches Kalkül dar. Die Stoa (Zenon von Kition, Cicero, Seneca) erhoben die Tugend zum Lebensprinzip, Lust wird also abgelehnt. Anders als bei Aristoteles wird das Erreichen der Glückseligkeit abgekoppelt vom politischen Leben, glückselig ist, wer nach der Natur lebt (secundum naturum vivere). Da die Natur durch göttliche Vernunft bestimmt wird, heißt vernünftig, im Einklang mit der kosmischen Ordnung zu leben, Leidenschaften und Begierden zurückzudrängen. Vernünftig ist, wer aufgrund des sicheren Urteils die Tugend zum Maßstab des Handelns werden lässt. Man muss frei von Affekten gleichgültig gegenüber seinem Schicksal sein. Wirkliche Freiheit besteht nur in Unabhängigkeit vom äußeren Geschick, wie auch von den eigenen Leidenschaften und Wünschen. So lässt sich der Zustand (apathia) erreichen, der für die Stoiker Glückseligkeit bedeutet. Die in der Antike aufgestellten Glücksphilosophien beherrschten die nachchristliche Zeit bis zur Moderne, sie haben sogar Eingang in heutige Glücksphilosophien gefunden. Viele Ideen des Christentums sind der antiken Glücksphilosophie und Vorstellung entlehnt, so zum Beispiel die Erlösungsvorstellung, dass der dauerhafte Glückszustand nicht irdisch ist, sondern erst nach dem Tod erreicht werden kann. Voraussetzung für die Glücksphilosophie von Immanuel Kant ist die Erhebung des Glücksbegriffs als moralisches Leitziel in der Aufklärung. Dabei wird die Glückseligkeit als moralisches Prinzip zunächst verworfen, da der Mensch nach dem Prinzip der Selbstliebe bedürftig ist. Zunächst geht alles nach Wunsch und Willen, im hedonistischen, notwendigen Verlangen versucht der Mensch seine Neigungen zu befriedigen. Dabei ist der Glücksbegriff, den der Mensch hat, für Kant nicht greifbar, da schon die einfachsten Neigungen schwankend sind und der gesamte Begriff damit selbst für individuelle Begriffsdefinitionen nur temporär gültig ist. Deshalb ersetzt Kant den Begriff des Glücks durch den der Pflicht, Glückseligkeit kann zu Lebzeiten nicht erreicht werden, denn Glücksstreben schränkt Handeln und Pflicht ein. Dennoch kann man sich durch sittliches Handeln des Glücks würdig machen, deshalb fordert Kant einen Gott, der dem würdigen Menschen nach dem Tode das ihm zustehende Maß an Glückseligkeit zuteil werden lässt. Bedeutend ist hier die Theoriensynthese Kants, der schon die von Sokrates geforderte Kopplung der Glückseligkeit an das sittliche Handeln umsetzt, indem er tugendhaftes und glücksstrebendes Handeln verbindet und in der Pflichterfüllung den Weg zum Ziel der Glückseligkeit nach dem Tode sieht. Sittlichkeit und Glückseligkeit sind somit nicht voneinander zu trennen, sondern sind im höchsten Gut zwei nach besten Kräften zu vereinbarende Bedingungen. Glück wird zur moralischen Aufgabe. Das höchste Gut wird zum Zweck, unter dem wir uns eine gemeinsame soziale Welt entwerfen. Für Arthur Schopenhauer gab es nur einen angeborenen Irrtum und dies ist der, "dass wir da sind, um glücklich zu sein." (Aphorismen, S.233) Trotz der pessimistischen Grundüberzeugung empfiehlt er, sich in seinem Glücksstreben nicht auf äußere Güter wie Besitz und Ansehen zu richten, sondern die Ausbildung der eigenen Persönlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen. Die größten Feinde des Glücks sind für ihn Schmerz und Langeweile, wobei letzteres durch geistigen Reichtum überwunden werden kann. Auch neueste philosophische Ansätze, z. B. Robert Spaemann, gelangen zu der Ansicht, dass jede tiefere Freude im Leben mit der Entwicklung von Kräften und Fähigkeiten zusammen hängt (Moralische Grundbegriffe, S. 34). Für Wilhelm Schmid ist die Lebensführung eine Kunst, zu der das bewusste Aushalten und die Bewältigung von Widerständen und Entbehrungen gehört. Martha Nussbaum leitet aus den Bedingungen des Menschseins (conditio humana) spezifisch menschliche, für ein gutes Leben unabdingbare Fähigkeiten ab, etwa die, sich guter Gesundheit zu erfreuen oder Beziehungen zu Dingen oder Personen außerhalb seiner selbst aufzubauen etc. Siehe auch weiteren Artikel Philosophie des Glücks.

Glück in Medizin und Neurobiologie

Medizinisch bzw. neurobiologisch betrachtet löst der Neurotransmitter Serotonin das Glücksgefühl aus. Das Gehirn schüttet diese Botenstoffe in unterschiedlichen Situationen aus, z. B. bei der Nahrungsaufnahme, beim Geschlechtsverkehr oder beim Sport. Kohlenhydrate spielen bei der Produktion von Serotonin eine wichtige Rolle, was nicht heißt, dass der Neurotransmitter, wie oftmals durch das Zitat "Schokolade macht glücklich" beschrieben, durch ihre Aufnahme als Nahrung schon ausgeschüttet wird. Einige Drogen veranlassen das Gehirn, die Neurotransmitter Dopamin und Serotonin auszuschütten und danach die Wiederaufnahme in den Synapsen für die Zeit der Wirkung zu hemmen, was für ein sonst für den menschlichen Körper unübliches über mehrere Stunden dauerndes Glücksgefühl sorgt. Der Mensch hat ein angeborenes Verlangen nach Serotonin, was für den Fortbestand der Menschheit und das Überleben des einzelnen Menschen wichtig ist, denn Serotonin wird sowohl bei der Fortpflanzung als auch bei der Nahrungsaufnahme ausgeschüttet. So ist jeder Mensch potenziell abhängig.

Glücksforscher

Aus verschiedenen Fachrichtungen haben sich folgende Forscher mit Glück beschäftigt:
- Michael Argyle, englischer Sozialpsychologe (University of Oxford)
- Alfred Bellebaum, deutscher Soziologe
- Mihaly Csikszentmihalyi, amerikanischer Psychologe (Flow)
- Ed Diener, amerikanischer Psychologe
- David T. Lykken, amerikanischer Psychologe
- David Myers, amerikanischer Sozialpsychologe
- Bertrand Russell, englischer Philosoph
- Wilhelm Schmid, deutscher Philosoph
- Martin Seligman, amerikanischer Psychologe
- Ruut Veenhoven, holländischer Soziologe (Gründer des Journal of Happiness Studies)
- Wolf Schneider Schriftsteller - Glück - was ist das? ISBN 3492023916
- Stefan Klein Schriftsteller - Die Glücksformel oder wie die guten Gefühle entstehen

Glück haben

Stefan Klein Glück haben bedeutet, entweder schicksalhaft (vgl. Heil) oder durch einen glücklichen Zufall begünstigt zu sein (Schwein zu haben). Beispiele: durch Zufall beim Lotto, Roulette oder einem sonstigen Glücksspiel gewinnen; durch Zufall einen Vorteil erlangen; durch Zufall einen Nachteil vermeiden. Das Gegenteil von Glück (im Sinne von "Glück haben") ist Unglück, Unheil oder Pech. Symbole für Glück sind oft:
- 4-blättriges Kleeblatt
- Hufeisen
- Schweine
- Schornsteinfeger
- 1-Cent-Münze (früher: 1-Pfennig-Münze)(noch früher: 1-Reichs-Münze)

Siehe auch


- Eudaimonie
- Simple living
- Malheur

Weblinks


- [http://www.objektivismus.de Eudämonie durch Logik & Objektivität]
- [http://www.eur.nl/fsw/research/happiness World Database of Happiness]
- [http://glueck.genetic.de/ Kunstprojekt "Glück kann man kaufen"] des Kunstlabels genetic
- [http://www.gluecksarchiv.de Glücksarchiv] Kategorie:Ethisches Gut Kategorie:Emotion

Aufgabe

Das Wort Aufgabe hat mehrere Bedeutungen:
- etwas zur Abfertigung abgeben (zB. Gepäckaufgabe)
- etwas, das erledigt werden muss,
- siehe Aufgabe (Pflicht), Auftrag,
  - (Schule): Hausaufgabe, Arbeitsaufgabe, Rechenaufgabe
- das willentliche Beenden (Aufgeben) von Etwas, siehe Aufgabe (Beenden)
  - die Kapitulation
- Aufgabe (Sport), im Ballsport

Verantwortungsbewusstsein

Verantwortungsbewusstsein ist die subjektive Widerspiegelung von Verantwortung. Es äußert sich in der Einstellung zu Menschen, Dingen oder Vorhaben, die von der Verantwortung tragenden Person abhängig sind. Der verantwortungsbewußte Mensch ist sich dieser Abhängigkeit bewusst und fühlt sich verpflichtet, das Notwendige zu tun, um positives für den oder die abhängigen Menschen, Dinge oder Vorhaben zu bewirken bzw. Schaden von ihnen abzuwenden. Verantwortungsbewusstsein ist eine charakterliche Eigenschaft, die wesentlich moralisch bedingt ist. Sie setzt eine persönliche Identifikation mit sittlichen Wertforderungen, moralischen Prinzipien und politischen Grundsätzen voraus und tritt als Verpflichtung in Erscheinung. Sie ist eng verbunden mit Gewissenhaftigkeit, Gründlichkeit, Umsicht und Treue, im Gegensatz zu Gleichgültigkeit, Verantwortungslosigkeit und Indifferenz. Es ist ein wesentliches Ziel der Erziehung heranwachsender Menschen, das über Stufen der Eigenverantwortung in Form von Verpflichtungen für sich selbst bis zur Fremdverantwortung, d.h. der Verpflichtung für andere Personen, verläuft. Verantwortungsbewusstsein entwickelt und differenziert sich insbesondere im sozialen Handeln auf der Grundlage eigener Entscheidungen. Die emotionale Komponente des Verantwortungsbewusstseins ist Verantwortungsgefühl. Siehe auch: Verantwortungsethik Literatur
- Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Bibliothek Suhrkamp Bd.1005. 4. Aufl. 1998. 413 S. 18,5 cm. Gebunden. 416gr., ISBN 3-518-22005-5, KNO-NR: 03 67 00 91 Kategorie:Ethische Haltung

Freier Wille

Der Freie Wille ist eine Bezeichnung für den Willen eines Wesens, den dieses Wesen selbst und frei bestimmt. Der freie Wille wird selbst bestimmt, weil ein Wesen seine Entscheidung allein aus sich selbst heraus, ohne Kontrolle von außen wählt, und er wird frei bestimmt, weil ein Wesen mehr als nur eine Möglichkeit hat, seinen Willen zu bestimmen. Da der Wille die eigenen Handlungen bestimmt, sind somit die Handlungen eines Wesens mit freiem Willen auf dieses selbst zurückzuführen. Diese Freiheit des Willens nennt man Willensfreiheit. Das Gegenkonzept zum freien Willen, und den damit verbunden freien Handlungen, ist der "unfreie Wille", und aus diesem resultierende unfreie Handlungen sind per Definition in irgendeiner Weise jemandem oder etwas anderem zuzuschreiben. Der Begriff "zuzuschreiben" ist unbestimmt, und lässt, wie der Begriff des freien Willens selbst, eine Vielzahl von Interpretationen zu. Wegen dieser Unbestimmtheit wird die Brauchbarkeit des Konzeptes freier Wille teilweise in Frage gestellt.

Kontroversen über den freien Willen

Seit Beginn der Aufklärung sah sich die Vorstellung eines freien Willens zahlreichen Anzweiflungen ausgesetzt, welche das Konzept eines freien Willens negieren. Hierbei existieren verschiedene Ansätze.

Das Problem des Determinismus und Indeterminismus

Aufklärung]
- Determinismus bezeichnet die Auffassung, dass alle Zustände der Welt durch alle vorherigen Zustände notwendig bestimmt seien. Das, was als nächstes geschieht, sei vollständig bestimmt (determiniert) durch das, was schon geschehen ist.
- Indeterminismus bezeichnet die gegensätzliche Auffassung, dass es (zumindest einige) Ereignisse gäbe, die nicht vollständig durch frühere Zustände bestimmt sind. Zumindest manches, was geschehe, sei nicht vollständig durch das bestimmt, was schon geschehen ist. Mit dem Beginn der modernen Naturwissenschaft setzte sich in der Wissenschaft die Auffassung durch, die Welt sei deterministisch. Die Auffassung des (absoluten) Determinismus kann mit dem Bild des Laplace'schen Dämons veranschaulicht werden, der alles Wissen über Vergangenheit und Gegenwart zur Verfügung hat sowie alle gültigen Naturgesetze kennt und daraus die gesamte Zukunft vollständig bis ins letzte Detail vorhersagen kann. Einige Philosophen sahen die Konzepte der Willensfreiheit und des Determinismus als unvereinbar an. Wenn der Wille, wie alles andere in der Welt auch, dem Determinismus unterläge, so könne der Wille, und damit alle von ihm ausgehenden Entscheidungen und Handlungen, nicht dem Bild der Willensfreiheit entsprechen. Diese philosophische Auffassung bezeichnet man als Inkompatibilismus, dass Determinismus und freier Wille unvereinbar seien. Inkompatibilisten gehen davon aus, dass eine Person genau dann frei handele (einen freien Willen besitze), wenn sie der einzige verursachende Grund für die Handlung sei und eine andere Entscheidung hätte treffen können. Wenn der Determinismus zuträfe, dann wäre jede Wahl, die wir treffen, bereits durch frühere Ereignisse außerhalb unseres Einflussbereiches vorherbestimmt. Unsere Entscheidungen wären nur ein weiteres, seit Urzeiten vorherbestimmtes Ergebnis der determinierten Weltordnung, der freie Wille lediglich eine Illusion. Aus dieser Zeit stammt die heutige Gegenüberstellung von Determinismus und Willensfreiheit. "Harte Deterministen" wie Baron d'Holbach sind diejenigen Inkompatibilisten, die den Determinismus akzeptieren und den freien Willen leugnen. Als Libertarianer werden Inkompatibilisten wie van Inwagen bezeichnet, die den freien Willen bejahen und daher die Position des philosophischen Indeterminismus akzeptieren (nicht zu verwechseln mit der politischen Richtung desselben Namens). van Inwagen] Es wird allerdings auch die Position vertreten, dass der Determinismus mit dem freien Willen verträglich sei. Kompatibilisten wie Thomas Hobbes gehen davon aus, dass eine Person genau dann frei handele, wenn sie eine Handlung wolle und auch anders handeln könne, wenn sie anders handeln wolle. Ob die Entscheidung deterministisch längst festgelegt sei, spiele keine Rolle, da der freie Wille die determinierte Zukunft nicht kenne. Für Kompatibilisten bedeutet frei sein letztlich, nach Gründen zu handeln, die dem Handelnden nicht bewusst sind. In der Diskussion um den freien Willen wird manchmal auch auf die Fälle hingewiesen, in denen eindeutig kein freier Wille vorliegt (z. B. Opfer von Vergewaltigung, Mord, Diebstahl). Der freie Wille ist hierbei aber nicht dadurch eingeschränkt, dass die Vergangenheit die Zukunft bestimmt, sondern dass ein Angreifer den freien Willen des Opfers missachtet. Determinismus spielt hierbei keine Rolle. Entscheidend ist vielmehr, dass unsere Entscheidungen das Resultat unserer Wünsche und Präferenzen sind und nicht durch externe (oder sogar interne) Einflüsse aufgehoben werden.

Determinismus-Paradoxon

Der (strenge) Determinismus im Sinne des Laplace'schen Dämons führt zu einem Paradoxon. Er sagt letztlich aus, dass alles genau so geschieht, wie es geschieht. Damit kann man eine (streng) deterministische Welt nicht von einer indeterministischen Welt unterscheiden. Jede Annahme eines freien Willens wäre, ebenso wie jede Annahme des Gegenteils bereits vorbestimmt. Eine streng deterministische Welt könnte damit von sich annehmen, eine indeterministische Welt zu sein. Andererseits lässt sich auch der (strenge) Indeterminismus auf dieses Paradoxon zurückführen. Auch eine indeterministische Welt könnte sowohl den Determinismus als auch den Indeterminismus annehmen, ohne ihn aber entscheiden zu können. Außerdem geht der Indeterminismus von der Willensfreiheit nur für die Zukunft aus. Alles was in der Vergangenheit liegt, lässt sich nicht mehr beeinflussen. Damit stimmen Determinismus und Indeterminismus für die Vergangenheit überein. Die Zukunft aber kann man erst beurteilen, wenn sie Vergangenheit ist. Somit läuft es auf ein Scheinproblem hinaus. Eine vermeintliche Lösung wäre, dass mehrere Zustände gleichzeitig auftreten können, dass der Satz vom ausgeschlossenen Dritten nicht gilt, dass es mehrere Vergangenheiten und Zukünfte gibt. Das aber wäre durch Beobachtung nach heutiger Auffassung nicht zu entscheiden. Aus dem Paradoxon ergibt sich, dass der Determinismus keinerlei tatsächlichen Einfluss auf das konkrete Handeln hat.

Kompatibilistische Theorien des freien Willens

Damit eine Entscheidung als frei in irgendeinem maßgeblichen Sinn bezeichnet werden kann, ist es nach Ansicht Vieler erforderlich, dass der Handelnde es auch anders hätte machen können. Sie nehmen dieses Prinzip – van Inwagen nennt es das "Prinzip der alternativen Möglichkeiten" – als notwendige Voraussetzung für Freiheit. Wenn z.B. ein Wissenschaftler eine Maschine in Roberts Hirn einsetzt, die Robert veranlasst, den Bundespräsidenten zu ermorden, war Roberts Handlung nicht frei, denn Robert hätte nicht anders handeln können. Inkompatibilisten nehmen öfters Bezug auf dieses Prinzip, um zu zeigen, dass Determinismus und freier Wille unvereinbar sind. "Wenn eine Entscheidung vollständig durch die Vergangenheit bestimmt ist, wie könnte der Handelnde sich entscheiden, etwas anderes zu tun?" wird gefragt. Darauf wird entgegnet, dass nicht nur wichtig ist, ob der Handelnde etwas anderes hätte tun können, sondern, ob er etwas anderes hätte tun können, "wenn er es gewollt hätte". Darüberhinaus argumentieren manche Kompatibilisten wie Frankfurt oder Dennett, dass es eindeutige Fälle gibt, wo ein Handelnder nicht anders hätte handeln können, die Entscheidung des Handelnden aber trotzdem frei war: Was wäre in dem Fall, wo Robert wirklich den Bundespräsidenten ermorden wollte, und die Maschine in Roberts Kopf nur einsetzt, wenn Robert die Nerven verliert? Wenn Robert so ausgerüstet durch die Stadt läuft, wäre diese Handlung sicherlich frei. Inkompatibilisten entgegnen darauf, dass das Problem dabei ist, dass das, was Robert "wollte", schon vorherbestimmt war, bevor er es wahrnahm. Auch weitergehende Analysen des freien Willens wurden versucht. Eine freie Handlung könnte nicht nur Freiheit von äußeren Zwängen erfordern, sondern auch Freiheit von inneren Konflikten oder Zwängen. Zwanghafte Verhaltensweisen und die Handlungen der Geistesgestörten sind daher nicht frei. Darüberhinaus sagt uns der gesunde Menschenverstand, dass ein Handelnder auch rational oder irrational vollständig gleichgültig sein kann. In jedem Fall ist was wir meinen mit freiem Willen, dass ein Handelnder "Eigentümer" seines Willens unabhängig von äußeren oder inneren Einflüssen ist.

Kausalität

Spätestens seit der Entwicklung der Quantenphysik ist jedoch festzuhalten, dass aus der Verneinung des Determinismus nicht zwangsläufig die Freiheit des Willens herleitbar ist. In dem heutigen indeterministischen Weltbild der Quantenphysik gilt der Zufall als Bestandteil der physikalischen Welt, der Determinismus ist dem Indeterminismus gewichen. Jedoch ist in einer indeterministischen Welt eine Zufallsbestimmung des Willens ebenso möglich wie dessen Selbstbestimmung. Daher ist es in einer indeterministischen Welt angebrachter zu fragen, ob der freie Wille mit dem kausalem Weltbild des menschlichen Denkens vereinbar ist. Unter kausalen Gesichtspunkten ist der freie Wille eine Ursache von Wirkungen, unseren Handlungen, welche selbst keinen Einfluss von außen hat, und eigene Ursache aufweist. (Jedoch ist philosophisch strikt zwischen einem epistemischen Indeterminismus und einem ontologischen Indeterminismus zu unterscheiden. Der epistemische Indeterminismus bezieht sich auf unsere Erkenntnisfähigkeit, d.h. wir können nicht eindeutig bestimmen, welcher Sachverhalt zutrifft, aber aufgrund erkenntnistheoretischer Probleme und Grenzen, nicht, weil "die Sache selbst" indeterministisch ist. Ein ontologischer Indeterminismus dagegen bezieht sich auf "die Sache selbst", i.e. die Welt. Dadurch wird die "Lösung" mit der Quantentheorie zu einer vermeintlichen Lösung, insofern sie - in der Regel - sich auf einen epistemischen Indeterminismus bezieht, nicht aber auf einen ontologischen. Nicht wenige Philosophen kritisieren daher solche vermeintlichen Lösungsansätze für das Problem der Willensfreiheit und weisen darauf hin, dass diese Option dann und nur dann möglich ist, wenn wir tatsächlich von einem ontologischen Indeterminismus ausgehen können). Schopenhauer, der diesen Ansatz bekannt machte, sah in der Verletzung des Kausalitätsprinzips, einer Grundfeste des menschlichen Denkens, ein Gegenargument gegen die Willensfreiheit. Der freie Wille sei eine Illusion, in Wahrheit sei der Wille durch chaotische Einflüsse außerhalb des Subjekts gesteuert. Unter die äußeren Einflüssen fallen Sozialisation, genetische Faktoren, und sämtliche Umwelteindrücke.

Willensfreiheit und Naturwissenschaft

Im Verlauf der Geschichte der Naturwissenschaften wurden viele Versuche gemacht, die Frage des freien Willens unter Verwendung naturwissenschaftlicher Prinzipien zu beantworten. Frühe wissenschaftliche Vorstellungen sahen die Welt oft als deterministisch an, und es gab die Auffassung, dass bei genügend genauer Information die Zukunft beliebig genau vorhergesagt werden kann. Dagegen ist es in der Quantenmechanik nicht mehr möglich, den Ablauf eines Vorgangs hinsichtlich aller messbarer Größen vorherzusagen, selbst wenn alle prinzipiell zugänglichen Informationen über seinen Anfangszustand bekannt sind (in der Praxis ist es nicht möglich, was aber nicht heisst, dass die Vorgänge nicht theoretisch einem tieferen "Naturgesetz" unterliegen, womit wir wieder beim Determinismus sind). Nach gängiger Interpretation ist damit das Naturgeschehen nicht vollständig determiniert sondern unterliegt in einem fundamentalen Sinne partiell dem Zufall. (Wieder ist dies nur ein praktischer Zufall, theoretisch kann dieser "Zufall" eben einem Naturgesetz unterliegen, womit es kein Zufall mehr ist. Es kann also auf keinen Fall von ontologischem Indeterminismus die Rede sein.) Ähnlich wie Physiker haben auch Biologen häufig versucht, die Frage des freien Willens zu erhellen. Eine der hitzigsten Debatten der Biologie ist die Frage Natur vs. Prägung. Wie wichtig sind Genetik und biologische Grundlagen für das menschliche Verhalten im Gegensatz zur Prägung durch Kultur und Umgebung? Genetische Studien haben viele spezifische genetische Faktoren identifiziert, die die Persönlichkeit eines Individuums beeinflussen, von offensichtlichen Fällen wie dem Down-Syndrom bis hin zu eher subtilen Effekten wie der statistischen Disposition für Schizophrenie. Dennoch ist nicht sicher, ob die Prägung durch die Umgebung weniger Einfluss auf den freien Willen hat als die genetische Determinierung. Es wurde in den letzten Jahren auch möglich, das lebende Gehirn zu untersuchen, und es gibt verschiedene Methoden, den Prozess der Entscheidungsbildung zu beobachten, den man gemeinhin mit dem freien Willen identifiziert. Ein richtungsweisendes Experiment auf diesem Gebiet wurde von Benjamin Libet in den 1980er Jahren durchgeführt. Die Probanden wurden gebeten, zu einem beliebigen Moment das Handgelenk zu bewegen, während gleichzeitig die Gehirnaktivitäten aufgezeichnet wurden. Libet fand heraus, dass die Gehirnaktivität, die dazu führte, dass die Person ihr Handgelenk bewegt, etwa eine halbe Sekunde vor dem Moment einsetzte, in dem die Person sich bewusst dazu entschloss, was darauf hinweist, dass die Entscheidung in Wirklichkeit auf einer unbewussten Ebene stattfindet und erst später in eine "bewusste Entscheidung" übersetzt wird. Ein damit zusammenhängendes Experiment wurde später von Alvaro Pascual-Leone durchgeführt, bei dem die Probanden gebeten wurden, zufällig die rechte oder die linke Hand zu bewegen. Er fand heraus, dass durch die Stimulation der verschiedenen Hirnhälften mittels magnetischer Felder die Wahl der Person stark beeinflusst werden konnte. Genaugenommen zeigen diese Experimente aber nicht, dass es keinen freien Willen gibt. Das wäre nur dann der Fall, wenn Entscheidungen singuläre, zeitlich genau bestimmbare Ereignisse wären. Aber auch aus der alltäglichen Erfahrung weiß man, dass Entscheidungsprozesse durchaus komplex und langwierig sein können. Die "bewusste Entscheidung" könnte einfach als die letzte Stufe eines Entscheidungsprozesses gesehen werden, der wesentlich früher begonnen hat. Genauso zeigen die Experimente von Alvaro Pascual-Leone lediglich, dass eine Beeinflussung möglich ist. Normalerweise wählen Rechtshänder die rechte Hand in ca. 60% aller Fälle. Wurde jedoch die rechte Hirnhälfte stimuliert, wurde die linke Hand in 80% aller Fälle ausgewählt (die rechte Hemisphäre des Hirns ist im wesentlichen für die linke Körperhälfte zuständig und umgekehrt). Trotz dieses nachweislichen Einflusses von außen berichteten die Probanden weiterhin, dass sie der Überzeugung waren, die Wahl frei getroffen zu haben. Die moderne Neurobiologie, so etwa Gerhard Roth, ist zunehmend der Auffassung, dass der freie Wille eine Illusion sei. (Beachte dazu die Kritik am Manifest der 11 Neurowissenschaftler in Gehirn&Geist (Roth e.a., Juni 2004 http://www.gehirnundgeist.de/blatt/det_gg_manifest) unter dem Titel "Nur ein Scheinproblem - Zu den erkenntnistheoretischen Prämissen der Neurowissenschaften". Darin Hinweise auf Max Plancks Abschiedsvorlesung 1947, Bertrand Russell, Kurt Gödel usw. mit dem Schluss, dass die Phänomenbereiche der Erlebnisphänomenologie (mind language) und der Hirnphysiologie (brain language) strikter auseinander zu halten sind.) Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer betrachtet den freien Willen u.a. unter neuropsychologischen Aspekten.

Konsequenzen der Willensfreiheit

Moralische Verantwortlichkeit

Da der freie Wille, und damit auch jede frei gewollte Handlung, auf das Subjekt selbst zurückgeht, wird das Konzept des freien Willens häufig mit dem Konzept der moralischen Verantwortlichkeit verknüpft. Daher sei ein Mensch für jede "freien Handlung" zur Rechenschaft ziehbar, bzw. zu ziehen und entsprechend mit positiven oder negativen Reaktionen zu konfrontieren. Entsprechend gehen mit Kontroversen über die Willensfreiheit auch Kontroversen über die Frage einher, ob, bzw. in welchem Sinne man für die eigenen Handlungen moralisch verantwortlich sei. Inwiefern aus derartigen Diskussionen tatsächliche Konsequenzen - z.B. im Strafrecht - zu ziehen sind, ist jedoch eine andere Debatte. Inkompatibilisten tendieren dazu, Determinismus und moralische Verantwortlichkeit für unverträglich zu halten. Wie kann man jemanden verantwortlich machen für eine Tat, die vom Beginn aller Zeiten an vorbestimmt war? Harte Deterministen verwerfen daher das Konzept der moralischen Verantwortlichkeit – Clarence Darrow gebrauchte dieses Argument in seiner berühmten Verteidigung der Mörder Leopold und Loeb – während Libertarianer den Determinismus verwerfen. Diese Thematik scheint der Kern der Auseinandersetzung zwischen harten Deterministen und Kompatibilisten zu sein. Harte Deterministen müssen zugeben, dass wir oft im kompatibilistischen Sinn "freien Willen" haben, leugnen aber, dass dies die Bedeutung von freiem Willen ist, die wirklich zählt in dem Sinn, dass sie als Begründung moralischer Verantwortlichkeit dienen kann: Die Tatsache, dass die Entscheidungen eines Handelnden nicht unter Zwang entstehen, ändert nichts an der Tatsache, dass der Determinismus den Handelnden von der Verantwortlichkeit entbindet. Kompatibilisten argumentieren dagegen oft so, dass der Determinismus gerade eine Vorbedingung für moralische Verantwortlichkeit ist: man kann niemanden für etwas verantwortlich machen, es sei denn, seine Handlungen wurden durch irgendetwas bestimmt (dieses Argument geht auf David Hume zurück). Schließlich gilt, dass im Falle des Indeterminismus diejenigen Ereignisse, die nicht determiniert sind, rein zufällig sind. Wie kann man jemanden loben oder tadeln für etwas, das rein zufällig seinen nervösen Erregungen entsprang? Stattdessen wird argumentiert, dass man, um eine Person für etwas verantwortlich zu machen, zeigen müsse, wie die Handlung durch die Wünsche und Präferenzen der Person begründet wurden – durch den Charakter der Person. Libertarianer entgegnen darauf, dass undeterminierte Handlungen nicht ganz zufällig sind, sondern aus einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen undeterminiert sind. Dieser Ansatz wird weithin als nicht zufriedenstellend angesehen, da er das Problem nur einen Schritt weiter zurück verlagert und außerdem eine sehr mysteriöse Metaphysik benötigt.

Willensfreiheit in der christlichen Theologie

Freiheitsverständnis in der Bibel

Die Bibel definiert Freiheit nicht nach den heutigen Maßstäben. Im heutigen westlichen Kulturkreis wird Freiheit oft mit den Wörtern Selbstverwirklichung, Hedonismus, Ungebundenheit u.ä. umschrieben. In der Bibel wird Freiheit stets als Abhängigkeit von Gott beschrieben. Ein Mensch der nicht von Gott abhängig ist, ist nach biblischem Verständnis von etwas anderem abhängig und damit unfrei. Dieses Freiheitsverständnis ist entscheidend, will man den freien Willen eines Menschen im biblischen Sinne verstehen. Die Freiheit zu Entscheiden hat man von daher nur in der Abhängigkeit von Gott.

Theologische Diskussion

In der Theologie stehen sich mehrere Faktoren gegenüber, die aus dem "(un)freien Willen" eines der Lieblingsthemen diverser Theologen aus allen Epochen gemacht hat. Es kristallisieren sich aber zwei wesentliche Punkte heraus, um die sich die Diskussion bis heute dreht.
- Die Allmacht und Allwissenheit Gottes widerspricht der Logik der menschlichen Entscheidungsfreiheit.
- Die Bibel enthält Verse, die sowohl die Freiheit des Menschen, selbst zu entscheiden, unterstreicht, aber auch solche, die diese Freiheit dem Menschen absprechen. Diese beiden Faktoren haben dazu geführt, dass sich das christliche Lager in zwei entgegengesetzte Grundüberzeugungen polarisierte. Auch wenn schon Augustinus im 4. Jahrhundert mit dem Thema befasst hat, so lässt sich die heutige theolgische Diskussion auf zwei Namen beschränken. Auf der einen Seite findet man Johannes Calvin, auf der anderen Seite Jacobus Arminius. Calvin lehrt die doppelte Prädestination, nach der Gott vorherbestimmt hat, wer gerettet und wer verdammt ist. Armin lehnt die Lehre Calvins entschieden ab und gesteht dem Menschen die Freiheit zu, die Gnade Gottes zurückzuweisen, allerdings verfügt auch nach seiner Meinung Gott über das Vorauswissen, welcher Mensch den Glauben annimmt oder nicht; seine Anhänger werden Remonstranten genannt. Innerhalb des breiten Spektrums christlicher Kirchen neigen manche Konfessionen stärker dazu den freien Willen zu betonen als andere. So steht die Römisch-Katholische Kirche auf der Seite des freien Willen des Menschen, es liegt an jedem Einzelnen, die Gnadengaben Gottes anzunehmen. Auch die meisten Freikirchen, die nicht aus dem Pietismus entstanden sind, sehen den freien Willen des Menschen als gegeben an. Lutherische und calvinistische Kirchen stehen dem entgegen und vertreten eine doppelte oder einfache Prädestination. Beide Positionen haben jedoch eines gemeinsam, jede Seite muss biblische Aussagen umdeuten oder ausklammern, um ihre Position zu rechtfertigen. Beide Lehren versagen an einen gewissen Punkt und lassen Fragen offen, insbesondere in Bezug auf die Frage der Allgütigkeit Gottes und damit der Theodizee. Eben dies ist mit ein Grund, warum auch im 21. Jahrhundert noch über dieses Thema diskutiert wird, denn beide Theorien haben ihre berechtigten Einwände gegenüber der jeweils Anderen. Die Diskussion ist aber aber noch lange nicht abgeschlossen und wird es wahrscheinlich auch nie sein. Einige Theologen wie etwa Adolf Schlatter haben deshalb versucht, das Paradox eines freien Willen und der Souveränität Gottes auf eigene Art und Weise zu verstehen. An seinem Ansatz lässt sich zeigen, welche Elemente im christlichen Verständnis der Willensfreiheit enthalten sind. Ein Auszug aus seinem 1897 erschienen Buch, Der Dienst des Christen: :Ist die Zugehörigkeit einer Begehrung zu uns selbst innig und wesenhaft [...], so erkennen wir sie, [...] als die Unsrige an. Sind aber entgegengesetzte Begehrungen in uns lebendig, dann erhält der neue sich bildende Oberwille, [...] besondere Wichtigkeit, weil dieser neue, wählende Wille den Fortgang unseres Willens- und Lebenslaufs bedingt. In diesem letzten Sinn gibt es erst nachdem ein gutes Wollen in uns entstanden ist eine Wahl; denn es braucht zwei Wollungen zur Wahl und der wählende Wille hebt sich als der dritte regierend über die beiden anderen empor. Im gottlosen Stand kann von freier Wahl nur in dem Sinne die Rede sein, dass wir uns mit unseren verdorbenen Begehren immer neu einigen und es als unser eigenes Wesen erkennen und wollen. Dieser Text enthält Elemente sowohl aus dem Calvinismus als auch dem Arminiairismus (Remonstranten). Calvinisten sowie der Grossteil der Arminianer gehen davon aus, dass der gottlose Mensch unter der Herrschaft der Sünde stehen. Das heißt Menschen tun nur was ihrem Wesen entspricht, sie können sich für nichts entscheiden, das außerhalb ihres wesensmässigen Verständnisses liegt. Es ist Gottes Gnade die den Menschen dazu befreit sich zu entscheiden. Diese Sicht Schlatters ist eine Synthese aus den beiden entgegengesetzen Sichtweisen, sie ist allerdings nicht in die praktische Religiösität eingeflossen.

Zitate

Das Verlangen nach “Freiheit des Willens,” in jenem metaphysischen Superlativ-Verstande, wie er leider noch immer in den Köpfen der Halb-Unterrichteten herrscht, das Verlangen, die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen und Gott, Welt, Vorfahren, Zufall, Gesellschaft davon zu entlasten, ist nämlich nichts Geringeres, als eben jene causa sui zu sein und, mit einer mehr als Münchhausen’schen Verwegenheit, sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren in’s Dasein zu ziehn. (Friedrich Nietzsche) Ich lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen heißt, es giebt keinen Willen. (Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1-36], Zarathustras heilige Gelächter) Die Daumenschraube eines jeden finden: Dies ist die Kunst, den Willen Anderer in Bewegung zu setzen. Es gehört mehr Geschick als Festigkeit dazu. Man muss wissen, wo einem Jeden beizukommen sei. Es gibt keinen Willen, der nicht einen eigentümlichen Hang hätte, welcher, nach der Mannigfaltigkeit des Geschmacks, verschieden ist. Alle sind Götzendiener, Einige der Ehre, Andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines Jeden kenne, um mittels desselben ihn zu bestimmen. Weiß man, welches für jeden der wirksame Anstoß sei, so ist es, als hätte man den Schlüssel zu seinem Willen. Man muß nun auf die allererste Springfeder oder das primum mobile in ihm zurückgehen, welches aber nicht etwa das Höchste seiner Natur, sondern meistens das Niedrigste ist: denn es gibt mehr schlecht- als wohlgeordnete Gemüter in dieser Welt. Jetzt muss man zuvörderst sein Gemüt bearbeiten, denn ihm durch ein Wort den Anstoß geben, endlich mit seiner Lieblingsneigung den Hauptangriff machen; so wird unfehlbar sein freier Wille schachmatt. (Baltasar Gracián: Handorakel und Kunst der Weltklugheit, 1647, Übersetzung: Arthur Schopenhauer) Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: "Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will." (Albert Einstein)

Literatur


- Augustinus von Hippo: Der freie Wille, übersetzt von Carl Johann Perl, vierte Auflage, unveränderter Nachdruck, Paderborn 1986, ISBN 3-506-70462-1
- Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit, Carl Hanser 2001, ISBN 3596156475
- Max Planck, Vom Wesen der Willensfreiheit und andere Vorträge, 1991, ISBN 3596104726
- Arnold Gehlen, Theorie der Willensfreiheit und frühe philosophische Schriften, 1965
- P.M. Driver, D.A. Humphries: Protean Behaviour - The Biology of Unpredictability, 1988, ISBN 0198571704
- Christian Geyer (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit : Zur Deutung der neuesten Experimente. Frankfurt a.M. : Suhrkamp 2004, ISBN 3518123874
- Dirk Hartmann: [http://www.uni-essen.de/%7Ebg0067/Dokumente/Willensfreiheit.pdf Willensfreiheit und die Autonomie der Kulturwissenschaften.] Handlung, Kultur, Interpretation 2000, 1, 66 - 103; [http://www.jp.philo.at/texte/HartmannD1.pdf ern. in: e-Journal Philosophie der Psychologie 1, März 2005]
- Ted Honderich: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem, Reclam 1995, ISBN 3-15-009356-2
- Hans Jonas: Macht oder Ohnmacht der Subjektivität? - Das Leib-Seele-Problem im Vorfeld des Prinzips Verantwortung, Frankfurt a.M. : Suhrkamp 1987, ISBN 3-518-38013-3
- Wilhelm Neuser: Arminius, die Remonstanten, die Schule von Saumur, In: Handbuch der Dogmen- und Theologiegeschichte, Band 2, Göttingen 1980, S. 335-339 (UTB-Ausgabe 1988)
- Ulrich Pothast (Hrsg.): Seminar: Freies Handeln und Determinismus, Suhrkamp 1978
- Gerhard Roth: Das Gehirn und seine Wirklichkeit - Kognitive Neurobiologie und seine philosophischen Konsequenzen, Suhrkamp 1997, ISBN 3-518-28875-X
- Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung, I: 1818, I+II: 1844, ISBN 3458335730
- Walter, Henrik: Neurophilosophie der Willensfreiheit, mentis 1999
- Hans Ertel: Kausalität, Teleologie und Willensfreiheit als Problemkomplex der Naturphilosophie. 1954

Siehe auch


- Philosophie des Geistes
- Wille
- Willensbildung (juristische Definition von "freier Wille")
- Natürlicher Wille (juristische Abgrenzung des "freien Willens")
- Bewusstsein
- Gödel, Escher, Bach - ein Buch von Douglas Hofstadter zu diesem Thema
- Selbstbestimmung
- Handlungsfreiheit
- Zufall - das Grundprinzip des Indeterminismus
- Prädestination - die theologische Abgrenzung von den Begriffen De- und Indeterminismus

Weblinks


- [http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit Willensfreiheit im Projekt Philosophie verständlich]
- [http://www.schmidt-salomon.de/freiheit.htm Dr.Michael Schmidt-Salomon: Können wir wollen, was wir wollen? Unzeitgemässes zur Theorie der Willensfreiheit]
- [http://www.newadvent.org/cathen/06259a.htm Artikel in der Katholischen Enzyklopädie Freier Wille (auf englisch)]
- [http://www.novo-magazin.de/76/novo7644.htm Hanko Uphoff: Gehirn und Willensfreiheit] (Willensfreiheit aus philosophischer und naturwissenschaftlicher Sicht) Kategorie:Metaethik Kategorie:Freiheit Kategorie:Philosophie des Geistes Kategorie:Theologie ja:自由意志

Determinismus

Determinismus (von lateinisch: determinare abgrenzen, bestimmen) ist eine philosophische Denkrichtung und zusammen mit seinem Gegenstück, dem Indeterminismus, ein wesentliches Grundelement zur Herausbildung eines konsistenten Weltbildes. Er geht davon aus, alle Ereignisse liefen nach feststehenden Gesetzen ab und seien durch diese vollständig bestimmt bzw. determiniert. Deterministen sind also der Auffassung, dass bei bekannten Naturgesetzen und dem vollständig bekannten Zustand eines Systems, der weitere Ablauf aller Ereignisse prinzipiell vorherbestimmt ist und folglich weder ein echter Zufall, noch Wunder bzw. ähnliche nicht-physische Phänomene existieren. Dies kann, muss jedoch nicht, eine Berechenbarkeit des Systems zur Folge haben, was unter anderem dessen Vorhersagbarkeit beeinflusst. Es gibt verschiedene Varianten des Determinismus, die mehr oder minder streng die Vorherbestimmtheit aller Ereignisse voraussetzen. Beispielsweise hängt dies davon ab, ob mit dem betrachteten System nur ein Teil des Universums oder das Universum als Ganzes gemeint ist. Auch spielen weitere Postulate wie beispielsweise die Existenz eines Schöpfers bzw. Gottes eine Rolle, wobei jedoch teilweise die Gefahr zirkulärer Logik durch sich lediglich gegenseitig rechtfertigende Postulate besteht. Im Zusammenspiel der durch vielfältige Wechselbeziehungen geprägten Konzepte von echtem Zufall, Kausalität bzw. Kausalprinzip, Materialismus, freiem Willen, Berechenbarkeit (Chaostheorie, Deterministisches Chaos, Turingmaschine) und zahlreichen weiteren Fragestellungen an der Berührungsstelle zwischen Naturwissenschaft und Philosophie ergibt sich die Basis eines deterministisch geprägten Weltbildes. Die Vielfältigkeit dieser Konzepte resultiert dabei auch in einer Vielfältigkeit der hierauf aufbauenden Weltbilder, besonders in Bezug auf die Frage nach der Existenz bzw. Nichtexistenz eines freien Willens. Es ist hierbei jedoch kaum möglich, einen spezifisch naturwissenschaftlichen von einem spezifisch philosophischen oder religiösen Determinismus zu unterscheiden, da sie letzten Endes die gleiche Fragestellung beinhalten und sich lediglich methodisch unterscheiden, sich jedoch auch in dieser Methodik gegenseitig vielschichtig durchdringen.

Gesonderte Sichtweisen

Sichtweisen der Naturwissenschaften

Die Newtonsche Mechanik (Klassische Mechanik) zeigte eine streng deterministische Tendenz, wie am Beispiel des Laplace'schen Dämons deutlich wird. Da jedoch religiöse Dogmen bezüglich der Willensfreiheit oder göttlichen Vorbestimmtheit des Menschen zur damaligen Zeit eine noch dominierendere Stellung als heute besaßen, spielte eine streng naturwissenschaftliche Betrachtung im Sinne Newtons in der breiten Öffentlichkeit zunächst eine untergeordnete Rolle. Zwar existiert auch bei Newton ein Schöpfer, jedoch ist dieser nur der Initiator der Welt und als solches kein rezent agierender Gott nach mehrheitlich christlichem und vor allem islamischem Verständnis. Man bezeichnet dies als Deismus. Durch die Entwicklungen der relativistischen Physik war der Determinismus in der Folge besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, insbesondere vor der weitgehenden Bestätigung der Quantenmechanik, in den Naturwissenschaften dominant und strahlte von hier auch weit in die Gesellschaft aus. Hierbei spielt in zunehmenden Maße jedoch der Pantheismus eine Rolle, aber auch der Atheismus bzw. Agnostizismus nehmen an Bedeutung zu. Heute kann man jedoch keine allgemein anerkannte physikalische Theorie zum Determinismus bzw. dessen Existenz oder Nichtexistenz aufstellen. Da die Heisenbergsche Unschärferelation eine vollständige Kenntnis des Zustands eines Systems unmöglich macht und die Quantenmechanik Gleichungen nutzt, die einen Zufall verwenden, ist der Indeterminismus heute in den Naturwissenschaften dominierend, auch wenn die Quantenmechanik keinesfalls die Existenz eines absoluten Zufalls beweist bzw. diesen in letzter Konsequenz voraussetzt. In diesem Zusammenhang spielen die so genannten Deutungen oder Interpretationen der Quantenmechanik wie die Kopenhagener Interpretation und die Viele-Welten-Interpretation (siehe auch Dekohärenz, Paralleluniversum, Multiversum, Quantenschaum) eine große Rolle. Die Kopenhagener Interpretation stellt hierbei den Charakter einer Standardinterpretation der Quantenmechanik dar und benötigt einen echten Zufall, ist also Indeterministisch. Die Viele-Welten-Interpretation stellt hingegen eine deterministische Minderheitenposition dar und benötigt keinen echten Zufall. Von Bedeutung hierfür ist insbesondere die Frage nach dem Kollaps der Wellenfunktion (Schrödingergleichung, Wellengleichung). Für alle Interpretationen gilt jedoch, dass sie keine falsizierbaren Theorien darstellen und als solche auch keine naturwissenschaftlichen Fragestellungen im engeren Sinne sind. Hierbei kommt insbesondere Ockhams Rasiermesser eine große Bedeutung zu, dieses kann jedoch durch die vielfältigen Schwächen jeder der Interpretationen unterschiedlich gewichtet bzw. angewendet werden. Jedoch kann, wenn man Determinismus als ein Vorherbestimmt-Sein und nicht als Vorherbestimmbarkeit der Ereignisse betrachtet, die Interpretation der Quantenmechanik nicht zur "Widerlegung" des philosophischen Determinismus herangezogen werden.

Rolle in der Religion und Philosophie

In der religiösen und philosophischen Diskussion hängt der Determinismus und seine Ablehnung/Akzeptanz eng mit der Frage nach einem Freien Willen des Menschen zusammen, wie er von den meisten Religionen bzw. den von ihnen getragenen Strömungen angenommen wird. Für eine Religion ist diese Frage zentral, da ein allmächtiger Gott nur in einer indeterministischen Welt in der Lage ist, auch nach einer Schöpfung weiterhin aktiv einzugreifen. Nach einigen Prädestinationslehren (Calvinismus) innerhalb des Christentums und besonders des Islams liegt eine solche jedoch nicht vor. Ein solch deterministisches (prädestiniertes) Weltbild steht jedoch im Konflikt mit dem freien Willen und ist deswegen gerade für das Christentum, wo der freie Wille des Menschen ein zentrales Dogma darstellt, im Zusammenhang mit verschiedenen Heilsversprechen und dem Theodizeeproblem durchaus nicht widerspruchsfrei. Hiervon wird nicht zuletzt auch der Gottesbegriff selbst stark berührt. Die Problematik löst sich im allgemeinen auf, wenn das Vorherwissen und die Vorherbestimmung deutlich unterschieden werden und das überzeitliche Wesen Gottes (etwa durch die Natürliche Theologie) aufgedeckt wird.

Einteilung

Allgemeiner und persönlicher Determinismus

Eine wichtige Einteilung des Determinismus ist folgende Unterscheidung:
- Allgemeiner Determinismus: Das ganze Weltgeschehen läuft deterministisch ab. Es gibt keinen echten Zufall.
- Persönlicher Determinismus: Der Mensch ist in seinem Willen durch äußere oder innere Ursachen vorherbestimmt und nicht frei. Es gibt keinen freien Willen.

Starker Determinismus

Man bezeichnet die Unvereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus als Inkompatibilismus und diesen zusammen mit einer Ablehnung der Willensfreiheit als starken bzw. harten Determinismus. Wenn der Wille, wie alles andere in der Welt auch, dem Determinismus unterläge, so könne der Wille, und damit alle von ihm ausgehenden Entscheidungen und Handlungen, nicht dem Bild der Willensfreiheit entsprechen. Starke Deterministen wie Paul Thiry d'Holbach gehen davon aus, dass eine Person genau dann frei handele, also einen freien Willen besitze, wenn sie der einzige verursachende Grund für die Handlung sei und eine andere Entscheidung hätte treffen können. Wenn der Determinismus zuträfe, dann wäre jede Wahl, die wir treffen, bereits durch frühere Ereignisse außerhalb unseres Einflussbereiches vorherbestimmt. Unsere Entscheidungen wären nur ein weiteres, seit Urzeiten vorherbestimmtes Ergebnis der determinierten Weltordnung, der freie Wille lediglich eine Illusion. Aus dieser Zeit stammt die heutige Gegenüberstellung von Determinismus und Willensfreiheit. Der starke Determinismus im Sinne des Laplace'schen Dämons führt jedoch zu einem Paradoxon. Er sagt letztlich aus, dass alles genau so geschieht, wie es geschieht. Damit kann man aber auch eine deterministische Welt nicht von einer indeterministischen Welt unterscheiden und beide sind insbesondere nicht falsifizierbar. Jede Annahme eines freien Willens ist, ebenso wie jede Annahme des Gegenteils, nicht anhand der Realität überprüfbar. Eine streng deterministische Welt könnte damit von sich annehmen, eine indeterministische Welt zu sein. Andererseits lässt sich auch der starke Indeterminismus auf dieses Paradoxon zurückführen. Auch eine indeterministische Welt könnte sowohl den Determinismus als auch den Indeterminismus annehmen, ohne sich aber entscheiden zu können. Dies wird oft als Begründung dafür herangezogen, dass es sich bei der Frage nach Determinismus und Indeterminismus in Wirklichkeit um eine Scheinfrage handele und sie damit keine Wirkung auf unsere tatsächlichen Handlungen hat. Einer Theorie zufolge, die sowohl in der Naturwissenschaft als auch in der Philosophie diskutiert wird, stellt die Annahme der parallelen Existenz mehrerer Welten bzw. Universen, dass es also mehrere Vergangenheiten und Zukünfte gibt, wie z.B. bei der Viele-Welten-Theorie, eine Lösung dar. Solche Theorien gelten im Allgemeinen als praktisch nicht falsifizierbar, auch wenn es Philosophen (z.B. Nick Bostrum in Anthropic Bias Observation Selektion Effects in Science and Philosophie, Routledge) gibt, die Viel-Welten-Theorien zumindest prinzipiell unter gewissen Umständen für testbar halten.

Schwacher Determinismus

Es wird auch die Position vertreten, dass der Determinismus mit dem freien Willen verträglich sei. Schwache Deterministen bzw. deterministische Kompatibilisten wie Thomas Hobbes gehen davon aus, dass eine Person genau dann frei handele, wenn sie eine Handlung wolle, jedoch auch anders handeln könne, wenn sie auch dies wiederum wolle. Ob die Entscheidung dabei deterministisch längst festgelegt ist, spiele keine Rolle, da der freie Wille die determinierte Zukunft, also seine Willensentscheidung, nicht kenne. Für Kompatibilisten bedeutet frei zu sein letztlich, nach Gründen zu handeln, die dem Handelnden nicht bewusst sind. Dieser Freiheitsbegriff ist jedoch sehr schwach und hiermit keine Lösung für den Antagonismus zwischen einem stärkeren Begriff des freien Willens und dem Determinismus, sondern lediglich eine andere Definition des freien Willens, so dass sich dieser einem solchen Antagonismus entzieht. Aber auch beim Indeterminismus gilt es zu beachten, dass auch die Existenz eines absoluten Zufalls keinesfall einen freien Willen bedingt. Gerade aus einer vollständigen Zufälligkeit der Welt und damit auch jeder bewussten oder unbewussten Entscheidung ist kein freier Wille ableitbar.

Technologischer Determinismus

Als technologischen Determinismus bezeichnet man die Auffassung, dass die zunehmende Verbreitung von Technik in zivilisierten Gesellschaften zu überwiegend durch die Technik vorbestimmten Arbeitsabläufen führt. Der Mensch bestimme nicht, wie er glaubt, die Arbeit der Technik, sondern die Technik bestimme in immer größerem Ausmaß die Arbeit des Menschen. Während sich nicht abstreiten lässt, dass die Art der Arbeit durch den technologischen Fortschritt merklich beeinflusst wird, so gilt doch heute eine strikt deterministische Sichtweise als widerlegt. So wird etwa ins Feld geführt, dass der Umgang mit Technik nicht nur rein mechanisch erfolgt, sondern häufig eine große Fachkenntnis voraussetzt und mit hoher Verantwortung im jeweiligen Arbeitsbereich verbunden ist. Dem technologisch determinierten Menschen wird der verantwortliche und kompetente Nutzer der Technik als Chance gegenübergestellt.

Folgerungen aus dem Determinismus

Erstursache

Eine, speziell für theologische Gottesbeweise wesentliche Frage, die sich aus dem Determinismus ergibt, ist ob die ihm zugrunde liegende Kausalkette einen Anfang hat und wenn ja, welche Bedeutung dieser Anfang hat. Theisten argumentieren oft, dass diese als Erste Ursache, Urgrund oder Initiator bezeichnete Anfang mit Gott gleichzusetzen sei. Da eine unendliche Kausalkette nicht möglich sei, führe die Annahme eines göttlichen Initiators hierbei zum Deismus bzw. genauer gesagt zum Theismus (siehe dazu auch den Artikel Gottesbeweis). Die Diskussion um die seit jeher umstrittene Frage der Gleichsetzung der ersten Ursache mit Gott, als auch die prinzipielle Unmöglichkeit einer unendlichen Kausalkette spielt in den jüngeren Richtungen der Gegenwartsphilosophie nur noch eine untergeordnete Rolle; die meisten der heute vertretenen Positionen erachten diese Argumente ohnehin als nicht gültig.

Moral

Besonders im Falle des starken Determinismus, also der Unvereinbarkeit von Willensfreiheit und Determinismus, zeigt sich hieraus eine Folge auf viele Aspekte der Moral im Sinne einer fehlenden Legitimation Menschen im eigentlichen Sinne als frei zu betrachten und diese auch dementsprechend für ihre Entscheidungen verantwortlich zu machen. Die Unterschiede zwischen verschiedenen Anschauungen über und Folgerungen aus dem Determinismus sind hierbei jedoch so facettenreich, dass hieraus kaum eine gemeinsame Basis definiert werden kann. Für die meisten Deterministen ist es jedoch unmoralisch bspw. einen Verbrecher aufgrund seiner Schuld zu verurteilen, da er ohne einen freien Willen auch keine freie Entscheidung fällen kann und folglich auch das jeweilige Verbrechen von vornherein determiniert war. Es sei jedoch keineswegs unmoralisch diesen einzusperren, um sich selbst und andere zu schützen. Die Durchsetzung der Einhaltung einer Moral ist für sie also ein legitimes Interesse, auch wenn ein Zuwiderhandeln gegen diese Moral keine Schuld im eigentlichen Sinne ist. Für die meisten Deterministen gilt daher tatsächlich, daß allein die Akzeptanz einer determinierten Welt nicht oder nur in geringem Ausmaß in einer gesonderten Moral oder gar deren Verschwinden resultiert, was jedoch oft auch lediglich auf eine begrenzte Konsequenz dieses deterministischen Weltbildes auf das tatsächliche Handeln zurückzuführen ist. Dies ergibt sich auch zwangsläufig aus der schon beschriebenen Unverbindlichkeit einer solchen Vorstellung, da jedes Handeln, also auch Handlungen die ein deterministisches Weltbild zu ihrer Legitimation nicht berücksichtigen, somit konform zum Determinismus ist. Aus philosophisch-theologischer Sicht ist auch die Existenz des Bösen in der Welt ein Argument gegen den Determinismus. Wenn bzw. weil sich Gott im Rahmen der Natürlichen Theologie als vollkommen gut nachweisen liese, könne das Böse nicht in seinem, sondern nur im geschöpflichen Willen liegen.

Vertreter


- Baruch de Spinoza (1632 - 1677)
- Paul Thiry d'Holbach (1723 - 1789)
- Pierre Simon Laplace
- Gottfried Wilhelm Leibniz
- Thomas Hobbes
- John Locke
- Marshall McLuhan
- David Hume
- John Stuart Mill
- Alfred Jules Ayer
- Ted Honderich
- Gottfried Seebaß
- Arthur Schopenhauer (1788-1860)
- Georg Büchner (1813-1837)
- Wolf Singer
- Gerhard Roth

Siehe auch


- Der Computer als deterministische Maschine (siehe jedoch auch Quantencomputer)
- Das Planetensystem als deterministisches System
- Das menschliche Gehirn als weitgehend deterministisches Informationsverarbeitungs- und Speicherungssystem
- Zufallsgenerator, Pseudozufallszahl

Literatur


- Ted Honderich: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem. Reclam, Stuttgart 1995, ISBN 3-15-009356-2
- Ulrich Pothast (Hrsg.): Seminar: Freies Handeln und Determinismus. 2. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-27857-6
- Ulrich Steinvorth: Freiheitstheorien in der Philosophie der Neuzeit. 2. Auflage. WBG, Darmstadt 1994, ISBN 3-534-02403-6
- Henrik Walter: Neurophilosophie der Willensfreiheit. Von libertarischen Illusionen zum Konzept natürlicher Autonomie. Schöningh, Paderborn 1998, ISBN 3-506-73241-2
- Pauen Michael: Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung. S.Fischer, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-10-061910-2

Weblinks


- [http://theotp1.physik.uni-ulm.de/~schu/komplex/lec1.html Physikalischer Determinismus und seine Grenzen]
- [http://beat.doebe.li/bibliothek/w00099.html Literatur zum Thema] Kategorie: Metaphysik Kategorie: Philosophie des Geistes Kategorie: Physik Kategorie: Dynamik Kategorie: Wissenschaftstheorie

Prädestination

Prädestination (lat. praedestinatio: Vorherbestimmung) ist der persönliche, unerforschliche Ratschluss Gottes mit personalem Charakter über das ewige Heil oder die ewige Verdammnis des Menschen. Die Prädestinationslehre ist eine religiöse Glaubensvorstellung, die besagt, dass das Schicksal eines Menschen allein von der Willkür Gottes bestimmt wird. Die Eigenschaft von Gott "erwählt" oder "verworfen" zu sein, hängt somit nicht etwa vom Handeln oder Glauben einer Person ab, sondern nur von der persönlichen Entscheidung Gottes. Wer auserwählt ist, hat nach verschiedenen Ausprägungen der Prädestinationslehre sein Leben lang Erfolg und Ansehen zu erwarten. Die erste strenge Prädestinationslehre entwickelte Augustinus. In der katholischen Kirche hat sich dagegen allgemein die Auffassung von einer bleibenden Entscheidungsfreiheit des Menschen gegenüber den Gnadengaben durchgesetzt. Die reformierte Theologie (Calvin, Zwingli) vertrat ursprünglich – in manchen Kreisen bis heute – die schärfste Prädestination, d.h. die grundsätzliche Vorherbestimmung jedes einzelnen Menschen entweder zur Seligkeit (ohne Verdienst) oder zur Verdammnis (ohne Schuld) als doppelte Prädestination. Die Einwände der Remonstranten wurden auf der Dordrechter Synode (1618-1619) verurteilt. Moyse Amyraut (1596-1664) versuchte diese Verurteilung abzumildern durch den Universalismus hypotheticus, also durch die Annahme eines gnädigen Willen Gottes, alle Menschen unter der Bedingung des Glaubens selig zu machen. Dagegen wandten sich 1674 der Zürcher Professor Johann Heinrich Heidegger und sein Genfer Kollege François Turrettini (1623-1687) mit dem Consensus Helveticus. Martin Luther kannte in gewisser Weise ebenfalls eine doppelte Prädestination, stellte aber die Erwählung zum Heil in den Vordergrund. Eine strenge Prädestinationslehre vertritt auch der orthodoxe Islam. Die Prädestinationslehren der reformierten Kirchen richten sich als theologische Behauptungen gegen den Fatalismus als Vorherbestimmung durch eine unpersönliche Macht (als Schicksal), den Indeterminismus und vor allem gegen die (natur-)wissenschaftlich-philosophischen Lehren des Determinismus.

siehe auch:


- Willensfreiheit und Determination, Rechtfertigungslehre, Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus (Max Weber), Theodizee Kategorie:Theologie Kategorie:Reformierte Kultur ja:予定説

Kategorischer Imperativ

Der kategorische Imperativ ist die ethische Grundnorm in der Philosophie Immanuel Kants. Er gilt für alle vernünftigen Wesen, also speziell auch für den Menschen. Er gebietet, Handlungen zu vollbringen, die nicht Mittel zu einem Zweck, sondern an sich gut sind. Eine Formulierung des kategorischen Imperativs lautet: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. (Trivial formuliert sollte man niemandem etwas antun, das man nicht selbst erleben möchte, wird oft angenommen, ist aber falsch, denn das allgemeine Gesetz ist im Sinne eines Naturgesetzes gemeint, d.h. das Gesetz ist allgemein gültig.) Neben dieser Formel aus der "Kritik der praktischen Vernunft" (1788) nennt Kant bereits in seiner "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" (1785), in der er den kategorischen Imperativ entwickelt, weitere Varianten: "Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte." Und: "Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."

Selbstverständnis des kategorischen Imperativs

Der kategorische Imperativ ist nach Kants Verständnis keine von ihm aufgestellte Moral, sondern laut seiner Analyse die Funktionsweise jeder praktischen Vernunft -- das heißt auf Praxis, also auf Handlungen, nicht auf reine Überlegungen abzielenden Vernunft. Kant untersucht die praktische Vernunft, insofern sie ein a priori enthält, also ein jeder realen Moral vorhergehendes Grundprinzip, das Moral überhaupt erst möglich macht, und das im Menschen selbst natürlicherweise vorhanden ist. Dieses a priori bestimmt den kategorischen Imperativ, das heißt, er gilt absolut und überall. Jeder Mensch auf der Welt kann ihn immer anwenden. Er wird auch als „das gute Gewissen“ umschrieben und sei eine notwendige, aber keine hinreichende Grundlage für gutes Handeln. Er bedürfe im Zweifelsfall der Ergänzung durch andere ethische Prinzipien. Im Gegensatz zum Regel-Utilitarismus, bei dem eine Handlungsregel bewertet wird nach dem, was sie als größte Anzahl von positiven Lust-Werten hervorbringt oder im Gegensatz zum Konsequentialismus, der danach bewertet, welche Folgen eine Handlung hat, ist der Kategorische Imperativ deontologisch. D. h. es wird eben nicht bewertet, was die Handlung bewirkt, sondern wie die Absicht beschaffen ist. Wenn der Wille gut ist, dann ist auch die Handlung moralisch gerechtfertigt. Der gute Wille allein ist das, was moralisch gut ist.

Der menschliche Wille als Adressat des Kategorischen Imperativs

Gesetzt den Fall, der Mensch als vernünftiges Wesen ist, wie Kant behauptet, immer schon als unter einem allgemeinen Gesetz stehend aufzufassen, warum handelt er dann oft nicht den Vorgaben des Gesetzes gemäß, vielmehr pflicht- und vernunftwidrig? Die Antwort hierauf ergibt sich aus der spezifischen Konstitution des menschlichen Willens. Dieser wird von Kant als "das Vermögen, nach der Vorstellung der Gesetze, d.i. nach Prinzipien zu handeln" (412) definiert. Hätte die Vernunft das Vermögen, den Willen vollständig zu bestimmen, d.h. wäre sie alleiniger Ursprung der Prinzipien, nach welchen sich der Wille bestimmt, wie es für reine Vernunftwesen gilt, so wäre das von der Vernunft objektiv (für alle vernünftigen Wesen notwendige) für moralisch gut erkannte auch das, was dasjenige Vernunftwesen subjektiv für sich als moralisch gut erkennen und demzufolge wollen würde. Der Mensch jedoch schöpft die Bestimmungsprinzipien seines Willens nicht allein aus Vernunft, er ist kein rein vernünftiges Wesen, sondern ein teilvernünftiges, ein mit einem sinnlich-affizierten Willen ausgestattetes partielles Vernunftwesen. Das, was außer der Vernunft noch seinen Willen bestimmt, sind nach Kant die Neigungen, Komponenten unserer sinnlichen Veranlagung, die auf dem "Gefühl der Lust und Unlust beruhen" (427). Aufgrund dieser Diskrepanz zwischen subjektivem Wollen und objektivem Vernunftgesetz wird der Mensch zum Adressaten einer "Nötigung", durch welche die Anerkennung und Beachtung der absoluten Verbindlichkeit objektiver Vernunftprinzipien und deren Priorität vor allen neigungsabhängigen Bestimmungen vom Subjekt eingefordert wird. Das, worin die Nötigung zum Ausdruck kommt, quasi ihr 'Transportmittel', ist der Imperativ. Imperative drücken immer ein "Sollen" aus und bringen appellativ zum Ausdruck, "dass etwas zu tun oder zu unterlassen gut sein würde" (413). (Alle Zitate aus: GMS, hrsg. v. Kraft/Schönecker (Meiner))

Formulierungen des kategorischen Imperativs

Kant definiert den Begriff der Pflicht folgendermaßen: Pflicht ist das Ergebnis, der eigenen Vernunft Folge zu leisten. Pflicht soll das Motiv für das Handeln sein, nicht die Freude oder Ähnliches. Wem das Gewissen gebietet, auf eine bestimmte Weise zu handeln, hat auch die Pflicht, so zu handeln. Der kategorische Imperativ erscheint bei Kant in insgesamt fünf (gleichwertigen) Formulierungen in zwei Werken, nämlich der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten und der Kritik der praktischen Vernunft. Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde. (Aus der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten) vgl. S. 61, Ziffer 437, Gr.z.M.d.S.! Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne. (Als § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft in der Kritik der praktischen Vernunft S. 36)

Praktischer und Hypothetischer Imperativ

Der kategorische Imperativ ist von dem aus ihm abgeleiteten praktischen Imperativ zu unterscheiden: »Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest.« (Siehe auch Kant-Fibel unter Weblinks.) Kant ist der Meinung, dass nur der gute Wille das einzig Gute ist. Begabung, Charakter oder günstige Umstände können auch zu schlechten Zwecken verwendet werden, aber der gute Wille ist an sich positiv zu bewerten und daher das höchste Gut. Sein Ausgangspunkt ist, dass eine Handlung durch praktische Vernunft bedingt sei. Weiter seien die Faktoren, welche das Handeln bedingen, keine Naturgesetze, sondern praktische Grundsätze:
- Maximen (subjektive Grundsätze): selbstgesetzte Handlungsregeln, die ein Wollen ausdrücken
- Imperative (objektive Grundsätze): durch praktische Vernunft bestimmt; Ratschläge, moralisch relevante Grundsätze Bei Kant gibt es noch weitere Imperative, die aber nicht kategorisch sind, die so genannten hypothetischen Imperative. Diese funktionieren nach dem Prinzip: „wer den Zweck will, der will auch das zugehörige Mittel, diesen Zweck zu erreichen“. Hypothetische Imperative können allerdings seiner Meinung nach nicht als Grundlage einer moralischen Handlung dienen. Der hypothetische Imperativ verfolgt einen bestimmten individuellen Zweck und stellt eine Mittel-Zweck-Relation her. Der kategorische Imperativ unterwirft das Handeln formal einem allgemeingültigen Gesetz ohne Rücksicht auf einen bestimmten Zweck.

Vernunftwesen

Kant behauptet nicht, dass es außer dem Menschen noch weitere vernünftige Wesen gäbe. Aber die Herleitung des kategorischen Imperativs ist so allgemein aus der Vernunft abgeleitet, dass dieser Imperativ für alle vernünftigen Wesen gelten könnte. Die Vernunft ist nicht gebunden an körperliche oder geistige Unterschiede, die zwischen den Menschen oder zu irgendwelchen anderen vernünftigen Wesen bestehen.

Parallelen und Ableitungen

Der kategorische Imperativ wird häufig als „Was Du nicht willst, dass man Dir tu, das füg' auch keinem anderen zu!“ erklärt. Diese so genannte Goldene Regel ist nicht mit der philosophischen Konstruktion des kategorischen Imperativs Kants verwandt – es ist ja eine moralische Regel, die jemand aufstellt – nicht wie bei Kant das Ergebnis einer Analyse der bereits vorhandenen menschlichen Moral. Ebenso wird der kategorische Imperativ oft als "Was wäre, wenn alle "X" täten ?" missverstanden. Dies ist jedoch nicht Kant. Kant nutzt zwar auch eine Form der Verallgemeinerung, bei ihm geht es jedoch um die Maxime, nach der eine Handlung geschieht, nicht um die Handlung an sich. So wird die Maxime durch den kategorischen Imperativ verallgemeinert, nicht die daraus folgende Handlung. Siehe auch: Ethik, Goldene Regel, Pflichtethik, Kant (Artikel)

Kritik

Der kategorische Imperativ ist zwar ein rein logischer Grundsatz. Das Problem ist aber die Subjektivität der Maxime. Kant versucht diese zu objektivieren, in dem er (sinngemäß) sagt, der Wille des eigenen Subjekts würde dadurch zum objektiven praktischen Gesetz, wenn der eigene Wille für den Willen jedes vernünftigen Wesens als gültig erkannt wird. Das ist für die Handlung richtig. Aber das Erkennen bleibt subjektiv. Und nun kann man aus reiner Vernunft sagen, dass man nicht aufgrund der subjektiven Sicht, was mein "vernünftiger Wille" sein soll von einem anderen mit "seinem" Gesetz behandelt werden will. In dem man das kund gibt, dürfte niemand mehr, er diesen Einwand kennt, nach dem kategorischen Imperativ handeln, ohne die Betroffenen vorher nach Zustimmung gefragt zu haben. Andernfalls würde er sich mit seiner Handlung performativ selbst widerlegen. Zu Kant äußert sich Adorno in "Dialektik der Aufklärung" wie folgt: "Sein Unterfangen, die Pflicht der gegenseitigen Achtung, wenn auch noch vorsichtiger als die ganze westliche Philosophie, aus einem Gesetz der Vernunft abzuleiten, findet keine Stütze in der Kritik. Es ist der übliche Versuch des bürgerlichen Denkens, die Rücksicht, ohne welche Zivilisation nicht existieren kann, anders zu begründen als durch materielles Interesse und Gewalt, sublim und paradox wie keiner vorher und ephemer wie sie alle. Der Bürger, der aus dem kantischen Motive der Achtung vor der bloßen Form des Gesetzes allein einen Gewinn sich entgehen ließe, wäre nicht aufgeklärt, sondern abergläubisch - ein Narr." Ökonomische Kritik (Sichtweise): "Der Mensch handelt rational und eigennutzorientiert. Die Individuen wägen Kosten und Nutzen ab und wählen eine Handlung, sobald sie mehr Nutzen als Kosten verursacht. Kosten können dabei gesellschaftliche Sanktionen sein, wenn z.B. eine Handlung als moralisch verwerflich von der Gesellschaft gesehen wird und das Individuum sanktioniert wird und ihm dabei Kosten z.B. durch Verachtung und Ausschluss entstehen. Die Kosten und Nutzen sind dabei individuell und können für jeden Menschen verschieden sein. (z.B. ist für ein Induviduum gesellschaftliche Anerkennung wichtiger als für ein anderes Individuum)

Weblinks


- Kant-Fibel: http://www.geocities.com/Athens/Delphi/2094/kant.htm Kategorie:Ethisches Prinzip Kategorie:Kantianismus

Bekennerschreiben

Ein Bekennerschreiben ist in der Kriminalistik ein von Terroristen, Attentätern oder Geiselnehmern verfasstes Schriftstück, in dem diese sich zu ihren Taten (häufig: Terroranschlag, Mord, Geiselnahme) gegenüber einer Behörde oder Regierung, einem Unternehmen oder einer Person bekennen. Meistens werden diese Schreiben über Mittelsmänner übergeben, um nicht ergriffen zu werden. Ein Bekennerschreiben enthält bei Terroristen häufig eine politische Forderung und eine politische Begründung für die Tat. Es kommt auch vor, dass sich mehrere terroristische Gruppen zu der selben Tat bekennen, obwohl sie sie nicht begangen haben (Trittbrettfahrer), um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Des Weiteren ist es möglich, dass der oder die Täter mit der Formulierung eines Bekennerschreibens so lange warten, bis in der Tagespresse ausführlich über etwaige Tatmotive spekuliert worden ist. Das Schreiben wird dann gemäss dieser veröffentlichten Erwartungshaltung formuliert, um die Fahnder auf eine falsche Fährte zu locken. siehe auch: Verantwortung Kategorie:Kriminalistik

Sachzwang

Als Sachzwänge werden äußere Umstände bezeichnet, die als angeblich nicht veränderbare Grundlagen eine wichtige Rolle bei der politischen Entscheidungsfindung spielen. Oft dienen sie als Begründung, warum politische Entscheidungsträger gegen ihre (tatsächliche oder vermeintliche) Überzeugung gehandelt haben („Ich würde ja gerne, aber verschiedene Sachzwänge stehen dem entgegen“). Siehe auch: Tina-Prinzip, Totschlagargument Kategorie:Politisches Schlagwort

Macht

Das Wort Macht dürfte von den meisten dem Bedeutungs- oder Wortfeld Herrschaft zugeordnet werden. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe.

Etymologie

Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen. Vergleichbar stammt das lateinische Substantiv für "Macht", potentia, von dem Verb posse ab, welches heute mit "können" übersetzt wird. Diese Urbedeutung ist bis heute verbreitet. In der politischen Theorie weicht deren Begriffsbildung allerdings heute von dieser etymologisch-naiven Bedeutung ab. In den meisten Definitionen und Darstellungen der Macht geht es um verschiedene Formen der Einflussnahme innerhalb kleiner oder größerer Gruppen. Dass jemand auch Macht über sich selbst gewinnen kann, dokumentieren Wörter wie Selbstbeherrschung oder Körperbeherrschung. Eine besondere Qualität hat die Macht über den eigenen Körper in der Kunst der indischen Yogi.

Definitionen


- Max Weber: Nach dieser wohl bekanntesten Definition ist Macht "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht." (Wirtschaft und Gesellschaft) Diese Definition abstrahiert von den Quellen der Macht, sieht also etwa von einer Legitimiertheit der Macht völlig ab.
- Robert A. Dahl: Sein Konzept nennt sich positionelle Macht. Laut Dahl ist Macht "die Fähigkeit von Akteur A einen Akteur B zu einer Handlung zu bewegen, etwas zu tun was Akteur A von ihm verlangt, abzüglich der Wahrscheinlichkeit, dass der Akteur B die von Akteur A gewollte Handlung auch ohne den Einfluß von Akteur A getan hätte." Robert Dahl ist es mit dieser Definition gelungen, Macht in einer mathematischen Formel auszudrücken, die wiederum wie bei Max Weber von der Quelle der Macht abstrahiert und ergebnisbezogen angewendet werden kann.
- John Mearsheimer: Macht ist für ihn rein materieller Natur. Sie wird auch als relationale Macht bezeichnet. Sie ist von Ressourcen abhängig. Als relevante Ressourcen gelten: Territorium, Rohstoffe, Export, Bevölkerungszahlen und Finanzstärke. Die wichtigste Ressource ist die militärische Fähigkeit, sie ist das universelle Machtpotential. Mearsheimers Definition ist eine politische. Sie lässt deutlich seine realismusbehaftete Theorieperspektive erkennen.
- Susan Strange: Sie prägte den Begriff der strukturellen Macht. Für Strange bedeutet er das Machtpotenzial, das Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und die Produktion auf die beteiligten Akteure haben. Akteure sind "mächtig", wenn sie Macht über diese Strukturen besitzen. Mächtig sind Akteure also immer dann, wenn sie in der Lage sind, Strukturen so anpassen zu können, dass es dem eigenen Vorteil gereicht und sich die anderen Konkurrenten/Akteure anpassen müssen. So besitzen sowohl Strukturen selbst als auch alle, die auf sie einwirken können, Macht. Stranges Modell ist sehr vielschichtig und komplex. Es bezieht sich auf globalsoziale Interaktionen und schafft es daher, eine Vielzahl von Größen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu vereinen und in ein machttheoretisches Konzept einzubauen.
- Hannah Arendt: Sie vertritt einen abstrakten Ansatz, der "Macht" als das Zusammenwirken von Menschen definiert, also als etwas potentiell Kurzlebiges und Verortbares. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht -- und in der Konsequenz streng -- von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten (Koalitionsfreiheit).
- Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der weichen Macht (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht. (vgl. "Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen", auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert.
- Marshall B. Rosenberg: Spricht im Kontext seines Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von zwei verschiedenen Formen von Macht: strafender und beschützender Macht. Strafende Machtandwendung hat zum Ziel, Menschen in den Einklang mit moralischen Vorstellungen zurückzuweisen, von denen sie, laut Ansicht der Machtanwender, Abstand genommen haben. Beschützende Anwendung von Macht stellt laut diesem Modell im Konfliktfall den Frieden wieder her und hat zum Ziel, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und gewahrt werden.

Machtbezogene Studien in Einzelwissenschaften

Je nach Interesse werden verschiedene Aspekte oder Phänomene der Macht zum Gegenstand der jeweiligen Untersuchung gemacht:
- Psychologische Abhandlungen konzentrieren sich auf das individuelle Verhalten der vom Machtstreben bestimmten oder betroffenen Personen. Ein besonderes Untersuchungsgebiet behandelt die Machtverhältnisse oder Beziehungen in einer (meist kleinen) Gruppe Gruppendynamik.
- Soziologische und politologische Studien untersuchen die Machtverteilung, ihre Ursachen und Auswirkungen in einer Gesamtgesellschaft oder in politisch oder ökonomisch bedeutenden Gruppen (Machteliten).
- Ethnologen unterscheiden z.B. nach dem Grad der Differenzierung der Machtverhältnisse vier gesellschaftliche Organisationsformen: Familienverband, Stamm, Häuptlingsherrschaft, Staat.
- Pädagogen interessieren sich dafür, welcher Unterrichtsstil und welche Methoden den größten Lernerfolg bei den SchülerInnen versprechen.
- Historiker haben vor allem die Generierung von Macht und Herrschaft sowie die Bildung von Machteliten in der Vergangenheit im Blick.
- Literar- und Kunsthistoriker untersuchen unter anderem die Wirkungsgeschichte bestimmter Schriftsteller, Musiker oder bildender Künstler oder aber einzelne ihrer Werke.
- Werbefachleute möchten schließlich wissen, welche Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung es gibt, bezogen auf bestimmte Zielgruppen, Werbeträger, Inhalte usw.
- Aus ethischer Sicht ist der Begriff Macht ambivalent. Er hat gewissermaßen eine positive und eine negative Ladung. Positiv zu bewerten sind die kon