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Virginia

Virginia

Virginia [] ist heute ein US-Bundesstaat der südatlantischen Gruppe der USA mit einer Fläche von 105.711 km² und etwa 7,39 Millionen Einwohnern (2003). Es umfasst Teile der südatlantischen Küstenebene, des Piedmont und der Südappalachen. Der offizielle Name ist Commonwealth of Virginia und die Hauptstadt ist Richmond. Neben Virginia bezeichnen sich nur drei weitere Staaten (Kentucky, Massachusetts und Pennsylvania) der 50 Vereinigten Staaten als Commonwealth. West Virginia ist ein eigenständiger Staat, der sich im 19. Jahrhundert von Virginia lossagte.

Geschichte

Den Namen erhielt Virginia zu Ehren der englischen Königin Elisabeth I. von Walter Raleigh im Zuge seiner Expedition von 1584, als er die erste Ansiedlung auf Roanoke Island gründete. Da Elisabeth I. den Beinamen die „jungfräuliche Königin“ hatte (engl. Virgin Queen) und es aus der Sicht der Kolonialisten schließlich um die Besiedlung und Urbarmachung eines ebensolchen Landes ging, wurde dieser Name gewählt. Allerdings bezeichnete man damit einst ein Gebiet, welches die späteren Staaten Virginia, West Virginia, North Carolina, Kentucky, Tennessee und Ohio beinhaltete. Von den Ureinwohnern Virginias am besten bekannt sind die zur Algonkin-Sprachfamilie gehörenden Powhatan, die nahe der Küste lebten. Weitere Gruppen waren die zur Irokesen-Sprachfamilie gehörenden Nottaway und Meherrin südwestlich von diesen, die zur Sioux-Sprachfamilie gehörenden Monacan und Saponi, die im Vorland der Appalachen wohnten, und die Cherokee im äußersten Westen des Staates. Die erste englische Siedlung von Bestand war die 1607 von der Virginia Company gegründete Niederlassung Jamestown. Der zweite Gouverneur der Kolonie wurde Lord De La Warr. Deutsche Einwanderer aus dem Siegerland gründeten 1714 die Kolonie Germanna. Germanna wurde nach Deutschland (Germany) und der damaligen britischen Königin Anne benannt. Später schlossen sich die Bürger Virginias als zehnte den ursprünglich 13 Kolonien des jungen Staatbunds 1788 an. Als Heimat von vielen so genannten Gründungsvätern, insbesondere Patrick Henry, Thomas Jefferson, James Madison, George Mason und George Washington, spielte der Staat eine herausragende Rolle. Denn vier der ersten fünf Präsidenten kamen aus Virginia. Im amerikanischen Bürgerkrieg bzw. Sezessionskrieg war Richmond die Hauptstadt der Südstaaten (vergleiche Konföderierten Staaten von Amerika), denen das Land von 1861-1865 angehörte. Als sich diverse Staaten zur Konföderation umbildeten, trennten sich einige Landkreise, die bei der Union bleiben wollten, vom virginischen Stammland und formierten sich zu West Virginia, was 1870 vom Verfassungsgericht gebilligt wurde. 1990 wählte man Douglas Wilder zum ersten afro-amerikanischen Gouverneur eines Bundesstaates

Statistische Daten


- Gouverneur: Mark R. Warner (bis Januar 2007)
- Senatoren: John Warner (Republikaner) (bis Januar 2009) und George Allen, (Republikaner) (bis Januar 2007)
- Bruttosozialprodukt/Kopf 2001: $ 32.338 Größte Städte (Einwohner 1. Juli 2004)
- Virginia Beach - 440.098
- Norfolk - 237.835
- Chesapeake - 214.725
- Richmond - 192.494
- Arlington - 186.117
- Newport News - 181.913
- Hampton - 145.951
- Alexandria - 128.206
- Portsmouth - 99.291
- Roanoke - 92.352
- Suffolk - 76.586
- Lynchburg - 64.932
- Danville - 46.371
- Harrisonburg - 41.066
- Blacksburg - 39.212
- Manassas - 37.615
- Charlottesville - 36.605
- Leesburg - 34.828
- Petersburg - 32.757

Geographie

Petersburg Virginia wird umgrenzt von West Virginia, Maryland, und dem District of Columbia über den Potomac River im Norden, der Chesapeake Bay und dem Atlantik im Osten, durch North Carolina und Tennessee im Süden, sowie von Kentucky im Westen. Virginia teilt sich mit Maryland jeweils knapp eine Hälfte des ausgedehnten städtischen Ballungsraumes um den Bundesdistrict Washington D.C. Dazu gehört neben dem Flughafen Dulles International auch Arlington County, wo sich eine Vielzahl amerikanischer Bundesbehörden, darunter das Pentagon befinden. Der westliche Teil des Landes, entlang der Grenzen zu West Virginia und Kentucky gehört zu den Appalachen, deren höchster Berg innerhalb von Virginia der 1746 Meter hohe Mount Rogers ist. In den Appalachen befindet sich auch der Shenandoah National Park, einer der am meisten besuchten National Parks der USA.
- Liste der Städte in Virginia
- Liste der Countys in Virginia
- Liste der Flüsse in Virginia

Wirtschaft

Bedeutendes Tabak-, Baumwoll-, Mais- und Weizengebiet; Viehzucht, Austernfischerei; reiche Bodenschätze: Kohle-, Eisen-, Holz-, Papier-, Glas-, Tabakverarbeitung; Schiffbau.

Berühmte Persönlichkeiten Virginias

Schiffbau
- Arthur Ashe, Tennisspieler, Richmond
- Pearl Bailey, Sängerin, Newport News
- Warren Beatty, Schauspieler, Richmond
- George Bingham, Maler, Augusta City
- Rita Mae Brown, Schriftstellerin, Charlottesville
- Richard E. Byrd, Polarforscher, Winchester
- William Clark, Entdecker, Caroline City
- John Colter, Entdecker
- Joseph Cotten, Schauspieler, Petersburg
- Missy Elliott, Rapperin, Portsmouth
- Ella Fitzgerald, Jazz-Sängerin, Newport News
- William Henry Harrison, Präsident der USA, Charles City County
- Bruce Hornsby, Pianist und Singer-Songwriter, Williamsburg
- Chad Hugo, Musiker und Musikproduzent, Portsmouth
- Allen Iverson, Basketballspieler, Hampton
- Thomas Jefferson, Präsident der USA, Shadwell
- Henry Lee, US-amerikanischer Kavallerieoffizier, Generalmajor und Politiker, Dumfries
- Robert E. Lee, General der Konföderation, Stratford
- Meriwether Lewis, Entdecker, Ambemarle Cty
- Shirley MacLaine, Schauspielerin, Richmond
- James Madison, Präsident der USA, Port Conway
- Moses Malone, Basketballspieler, Petersburg
- Cyrus Hall McCormick, Erfinder, Rockbridge Cty
- James Monroe, Präsident der USA, Westmoreland
- Alonzo Mourning, Basketballspieler, Chesapeake
- Opechancanough, Stammesführer der Powhatan
- John Payne, Schauspieler, Roanoke
- Bill "Bojangles" Robinson, Tänzer, Richmond
- George C. Scott, Schauspieler, Wise
- Jeb Stuart, Reiter-General der Konföderation, Patrick Cty
- Thomas Sumter, General, Hanover Cty
- Zachary Taylor, Präsident der USA, Orange Cty
- John Tyler, Präsident der USA, Charles City
- Michael Vick, American Football Profi, Newport News
- Booker T. Washington, Pädagoge, Franklin Cty
- George Washington, Präsident der USA, Westmoreland
- Pharrell Williams, Musiker und Musikproduzent, Virginia Beach
- Woodrow Wilson, Präsident der USA, Staunton
- Tom Wolfe, Journalist und Schriftsteller, Richmond
- Phil Vassar, Country Musik Star, Lynchberg
- Mike Barr, American Football Profi, Forest
- Liste der Gouverneure von Virginia

Sonstiges


- Motto: Sic semper tyrannis. (Auf der Nationalflagge mit niedergeworfenem Tyrannen zu sehen.) :Das Wappen wurde von George Wythe entworfen, der auch die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben hatte. Das 1776 bereits allgemein verwendete Nationalsymbol wandelte man 1930 leicht ab.
- Staatsvogel: Roter Kardinal
- Hymne: Ehemals „Carry Me Back to Old Virginny“. :Dem Lied wurde in den 90er Jahren der Status wegen rassistisch fragwürdigen Inhaltes aberkannt.

Literatur


- Rubin, L. D. jr.: Virginia. A history, New York 1977
- Bodine, A. A.: Face of Virginia, 2. Aufl. Baltimore 1972

Weblinks


- [http://www.virginia.gov/cmsportal/ Offizielle Homepage des Bundesstaates Virginia]
- [http://www.virginia.org Homepage des Fremdenverkehrsamtes des Staates Virginia]
- [http://www.usembassy.de/usa/virginia.htm Grundlegende zweisprachige Informationen der amerikanischen Botschaft zu Virginia]
- [http://www.germanna.org/ Germanna (deutsche Kolonie)]
- [http://www.lva.lib.va.us Library of Virginia]
- [http://www.civilwartrails.org Civil War]
- [http://www.history.org Colonial Williamsburg]
- [http://www.vahistorical.org Virginia Historical Society]
- [http://www.apva.org Association for the Preservation of Virginia Antiquties]
- [http://www.historyisfun.org Jamestown/Yorktown]
- [http://www.nps.gov National Park Service] Kategorie:US-Bundesstaat ja:バージニア州 ko:버지니아 주

US-Bundesstaat

Ein US-Bundesstaat ist einer der (derzeit) 50 Bundesstaaten, die mit dem District of Columbia die Vereinigten Staaten von Amerika bilden. Auf der Flagge der USA repräsentieren die 50 Sterne die heutigen Staaten, während die 13 Streifen für die Gründerstaaten stehen. Es gibt eine klare Trennung der Machtbefugnisse zwischen den einzelnen US-Bundesstaaten und dem Bund: Entsprechend der Verfassung der USA besitzt der Bund nur jene gesetzgeberischen Kompetenzen, die ihm durch die Verfassung eindeutig übertragen wurden, der Rest fällt in die Zuständigkeit der Einzelstaaten. Vier dieser Staaten - Kentucky, Massachusetts, Pennsylvania, und Virginia - tragen die formelle Bezeichnung Commonwealth, ohne dass daraus weitere Rechte oder Pflichten entstünden - im Gegensatz zu den US-Commonwealth Territories Puerto Rico und den Nördlichen Marianen. Karte der USA mit Namen der US-Bundesstaaten

Geschichte

Mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 von England bestanden die USA zunächst aus 13 Staaten (in Klammer die jeweiligen Unterzeichner der Deklaration):
- New Hampshire, (Josiah Bartlett, William Whipple, Matthew Thornton)
- Massachusetts, (John Hancock, Samuel Adams, John Adams, Robert Treat Paine, Elbridge Gerry)
- Rhode Island, (Stephen Hopkins, William Ellery)
- Connecticut, (Roger Sherman, Samuel Huntington, William Williams, Oliver Wolcott)
- New York, (William Floyd, Philip Livingston, Francis Lewis, Lewis Morris)
- New Jersey, (Richard Stockton, John Witherspoon, Francis Hopkinson, John Hart, Abraham Clark)
- Pennsylvania, (Robert Morris, Benjamin Rush, Benjamin Franklin, John Morton, George Clymer, James Smith, George Taylor, James Wilson, George Ross)
- Delaware, (Caesar Rodney, George Read, Thomas McKean)
- Maryland, (Samuel Chase, William Paca, Thomas Stone, Charles Carroll of Carrollton)
- Virginia, (George Wythe, Richard Henry Lee, Thomas Jefferson, Benjamin Harrison, Thomas Nelson, Jr., Francis Lightfoot Lee, Carter Braxton)
- North Carolina, (William Hooper, Joseph Hewes, John Penn)
- South Carolina, (Edward Rutledge, Thomas Heyward, Jr., Thomas Lynch, Jr., Arthur Middleton)
- Georgia, (Button Gwinnett, Lyman Hall, George Walton) Die dreizehn Staaten bildeten zunächst nur einen lockeren Staatenbund, zusammengehalten durch die Konföderationsartikel. Ein Bundesstaat entstand erst mit Inkrafttreten der US-Verfassung am 4. März 1789. Mit diesem Jahr sind 12 der Gründungsstaaten in der Tabelle verzeichnet. Rhode Island ratifizierte die Verfassung erst 1790. Mit der Annahme der Verfassung traten die 13 Staaten die vorher unter ihnen aufgeteilten Landgewinne zwischen Appalachen und Mississippi an die Union ab, so dass dort nach und nach neue Staaten gebildet werden konnten. Schon 1791 wurde aus einem vorher zwischen New York, New Hampshire und Massachusetts strittigen Gebiet der vierzehnte Staat, nämlich Vermont, gebildet. 1792 wurde mit Kentucky der erste Staat westlich der Appalachen gebildet, also jenseits der in Kolonialzeiten gültigen Siedlungsgrenze für Weiße. Von 1796 bis 1819 wurden in den 1783 eroberten Gebieten die Staaten Tennessee, Ohio, Indiana, Mississippi, Illinois und Alabama gebildet. Louisiana wurde schon 1812 rund um die 1803 von Frankreich gekaufte Stadt New Orleans gebildet. Damit und mit der 1821 erfolgenden Gründung von Missouri, dem ersten Staat, der komplett westlich des Mississippi liegt, verschob sich das Gewicht zugunsten der sklavenhaltenden Staaten. Deshalb wurde 1820 aus der nordöstlichen Landreserve von Massachusetts der Bundesstaat Maine als freier Staat gebildet. Arkansas und Michigan als sklavenhaltender beziehungsweise freier Staat wurden kurz nacheinander aufgenommen. 1845 wurde das 1819 von Spanien gekaufte Florida Bundesstaat, ebenso Texas, das sich 1836 von Mexiko gelöst hatte (außer den 13 Gründungsstaaten der einzige, der nicht aus einem Territorium gebildet wurde, das vorher bereits den USA gehörte). Als Ausgleich für diese beiden Sklavenstaaten wurden 1846/48 Iowa und Wisconsin aufgenommen. Der Sieg über Mexiko in dem durch die Annexion Texas' ausgelösten Krieg drohte das Gleichgewicht aus der Waage zu bringen, wenn ganz Mexiko annektiert würde und auf seinem Territorium neue sklavenhaltende Staaten gebildet würden. Daher wurde „nur“ etwa die Hälfte des Landes annektiert. Nach den Goldfunden 1848 im neu erworbenen Kalifornien wuchs die Bevölkerung so schnell, dass es schon 1850 als erster Staat am Pazifik in die Union aufgenommen wurde. Mit Minnesota und Oregon wurden zwei weitere freie Staaten aufgenommen, Kansas wurde 1861 nach blutigen Kämpfen nur knapp als sklavenhaltender Staat Mitglied, einer der Auslöser für den Bürgerkrieg. 1861 traten elf Südstaaten aus der Union aus, was von Präsident Abraham Lincoln als nicht zulässig betrachtet wurde und zum Bürgerkrieg führte. Die Frage, ob individuelle Staaten ein Recht zur Sezession von der Union der Vereinigten Staaten hätten, wurde bis zum Ausbruch des Sezessionskrieges diskutiert. Der Gewinn des Krieges durch die unionstreuen Nordstaaten führte zur Überzeugung, dass sie dieses Recht nicht besitzen. 1863 wurde (nicht ganz verfassungskonform) aus dem in den Appalachen gelegenen Teil des abtrünnigen Virginia ein neuer Staat gebildet, West Virginia. Im Westen wurde der Mormonenstaat Nevada aufgenommen. Von 1867 bis 1890 wurde fast der ganze Westen in Staaten organisiert. Colorado wurde 1876, genau 100 Jahre nach Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung, ein eigener Bundesstaat und trägt daher den Spitznamen "Centennial State". Das Indianer-Territorium wurde 1907 als Oklahoma ebenfalls Staat, als letzte der 48 territorial zusammenhängenden Staaten wurden 1912 Arizona und New Mexico in die Union aufgenommen. 1959 wurden das 1867 von Russland gekaufte Alaska sowie das 1898 annektierte Hawaii (erster Staat außerhalb des Kontinents Amerika) als bisher letzte Staaten Mitglieder der Union. Nicht als Staat organisiert ist der District of Columbia, die Bundeshauptstadt Washington, D.C. Deren Einwohner nehmen nicht an den Wahlen zum Kongress teil, wählen aber den Präsidenten mit. Die nördlichen Marianen und Puerto Rico sind wie oben erwähnt Commonwealth-Territorien. Ihre Einwohner zählen als US-Bürger, sind aber zu den Bundesorganen nicht wahlberechtigt, solange sie nicht in einem der Staaten ihren Wohnsitz nehmen. Die Bevölkerung Puerto Ricos hat sich in Volksabstimmungen mehrfach gegen die Aufnahme in die Union als Staat ausgesprochen. US-Bundesstaaten in der Reihenfolge ihres Beitritts:

Die Adressierkürzel der amerikanischen Post

(United States Postal Service)
- Staaten: zweibuchstabige Kürzel (siehe die obige Tabelle)
- Bundesdistrikt: DC = District of Columbia
- Inselterritorien: AS = American Samoa, GU = Guam, MP = Northern Mariana Islands, PR = Puerto Rico, VI = U.S. Virgin Islands
- Freie assoziiierte Staaten: FM = Federated States of Micronesia, MH = Marshall Islands, PW = Palau
- Militärregionen: AE = Armed Forces Africa, AA = Armed Forces Americas (except Canada), AE = Armed Forces Canada, AE = Armed Forces Europe, AE = Armed Forces Middle East, AP = Armed Forces Pacific, APO = Army/Air Force Post Office, FPO = Fleet Post Office
- abgeschaffte Kürzel: CZ = Canal Zone, TT = Trust Territory of the Pacific Islands

Siehe auch


- Liste der US-Bundesstaaten, geordnet nach Einwohnerzahl
- Liste der US-Bundesstaaten, geordnet nach Fläche
- US-Bundesstaaten und der Postleitzahlen-Code ZIP Code

Weblinks


- [http://www.nationalatlas.gov/printable/images/pdf/outline/states_capitals.pdf Hochaufgelöste Karte der US-Bundesstaaten und der jeweiligen Hauptstädte. Quelle: nationalatlas.gov (PDF 1,1 MB)]
- [http://www.nationalatlas.gov/printable/images/pdf/territory/pagetacq3.pdf Hochaufgelöste Karte der historischen Entwicklung der USA. Quelle: nationalatlas.gov (PDF 1,9 MB)] Bundesstaat ! ja:アメリカ合衆国の地方行政区画 simple:List of U.S. states th:มลรัฐของสหรัฐอเมริกา

Appalachen

] Die Appalachen (engl. Appalachian Mountains) sind ein bewaldetes Mittelgebirge im Osten Nordamerikas. Sie entsprechen dem nordamerikanischen Teil einer Bergkette die erdgeschichtlich älter ist als der Atlantik und ihre europäische Fortsetzung in den Grampian Mountains in Schottland und an den Bergketten des nördlichen Skandinaviens findet.

Gliederung von Westen nach Osten


- "Ridge and Valley-Zone", mit Längstälern und Klusen
- "Great Valley", großes von mehreren Flussläufen durchzogenes Längstal von Alabama bis zum Hudson. Verkehrstechnisch von großer Bedeutung
- "Blue Ridge", Kristalline Hauptzone (m. Mount Mitchell, in North Carolina)
- Flusszone (Piedmont, 200-500 m ü. M.) Reich an Bodenschätzen (Kohle, Eisenerz), auf deren Basis sich dort die Schwerindustrie in Pittsburgh und Birmingham ansiedelte.

Höchste Berge


- Mount Mitchell, 2037 m (North Carolina)
- Clingman´s Dome, 2025 m (North Carolina, Tennessee)
- Mount Washington, 1931 m (New Hampshire)
- Mount Macy, 1629 m (New York)
- Mount Katahdin, 1606 m, (Maine)
- Mont-Jacques-Cartier, 1268 m, (Quebec)

Historische Bedeutung

Historisch gesehen waren die Appalachen für die ersten Einwanderer die ersten Hürde auf dem Weg nach Westen. 1763, am Ende des Siebenjährigen Krieges setzte Großbritannien den Hauptkamm der Appalachen als Grenze der weißen Besiedlung als Geste für die mit ihm verbündeten Indianervölker fest. Dies wurde jedoch schon in den 1770er- Jahren durch die Besiedelung Kentuckys unter der Leitung von Daniel Boone durchbrochen. Bei ihrer vermessungstechnischen Erschließung wirkte der spätere General und 1. Präsident der USA, George Washington, als Geometer mit.

Geographische Einordnung

Die Appalachen sind Teil eines noch größeren Systems von Bergketten, welches sich in Schottland (Kaledonien), Norwegen, und Grönland fortsetzt und durch das Aufbrechen des Nordatlantik aufgetrennt ist. Die Ausläufer der Appalachen ziehen sich von Florida bis nach Kanada (Neufundland's Long Range Mountains) an der Ostseite des nordamerikanischen Kontinent hin, sehr ähnlich wie dies die Rocky Mountains an der Westseite des Kontinents von Mexiko bis Alaska tun. Diese Konstellation führt dazu, dass die kalte Luft aus dem Norden, von der Hudson Bay kommend, im Süden über dem Golf von Mexiko auf warme Luft trifft und sich besonders im Mittleren Westen der USA die bekannten Tornados mit teilweise katastrophalen Auswirkungen bilden können. Siehe auch: Mount Washington - White Mountains (New Hampshire) - Green Mountains - Longfellow Mountains - Mount Mitchell - Appalachian Trail Kategorie:Gebirge ja:アパラチア山脈

Kentucky

Kentucky [] wird zu den Nordstaaten der USA gezählt und trat als 15. Bundesstaat der Union bei. Der Name des Staates Kentucky rührt vom indianischen Wort der Irokesen Ken-tah-ten, was sinngemäß "Land der Zukunft" bedeutet. Bekannt ist er als "Bluegrass State", womit die von März bis April blaugrün blühenden Grasweiden gemeint sind.

Einleitung

Kentucky und seine etwa 4 Millionen Einwohner sind am meisten bekannt für ihre Vollblutpferde, das berühmte Kentucky Derby und die hiesigen Whiskey-Brennereien. Die Bewohner wissen je nach Sachlage nicht genau, ob sie sich zu den Nord- oder Südstaaten zählen sollen. Und so wundert es nicht, dass zwei ihrer berühmtesten Söhne als Präsidenten während des Sezessionskriegs als politische Gegner auf verschiedenen Seiten standen: Abraham Lincoln als Präsident der Union und Jefferson Davis als der Präsident der Konföderation.

Geschichte

Allgemeines

Kentucky ist einer der vier Staaten, die sich selbst als Commonwealth bezeichnen. Ursprünglich war Kentucky ein County Virginias. Allein zehn der Verfassungskonvente fanden im Gerichtshaus von Danville, Kentucky, 1784-1792 statt.

Urgeschichte

Aus urgeschichtlicher Zeit des Tertiär und des Pleistozän stammen zahlreiche Knochenfunde von Mammuts oder Mastodons, die der französische Hauptmann Carles Lemoyne de Longueil als erster Europäer 1739 am "Big Bone Lick" im heutigen Boone County entdeckte. Im Umfeld einer Salz-Schwefel-Quelle waren offensichtlich hunderte von Großsäugern verendet und deren Knochen erhalten geblieben. Die dortigen Gewässer waren bis 1812 als Salinen geschätzt und zwischen 1815 bis 1830 sogar für ihre Kurwirkung bekannt. US-Präsident Thomas Jefferson schickte eigens eine Expedition an diesen Ort, um einige Knochen in seine Sammlung aufzunehmen.

Prähistorie

Expedition Seit etwa 20 Jahren wird die prähistorische Vergangenheit durch die Archäologie in sechs Unterabschnitte geteilt. Diese umfassen einen Zeitraum von 13.000 vor unserer Zeitrechnung bis 1650 n. Chr.: Die Paleo-Indianische Kultur, die Archaische Kultur, die "Woodland"-Kultur, die Adena-Kultur, die Mississippi-Kultur und die "Fort-Ancient"-Kultur. Von etwa 1650 bis zur Ankunft der ersten weißen Siedler kämpften unterschiedliche indianische Stammesgruppen um die Vorherrschaft über das Land der großen Weiden ("Great Meadow"). Die Stämme der Shawnee drangen vom Norden über den Ohio River in das Territorium, während die Cherokee und Chickasaw-Stämme vom Süden über den Cumberland River kamen. Aber auch Stämme der Delawaren und der Wyandot durchstreiften die Region, da dies auch der Weg der großen Büffelherden von den Salzsümpfen bis hin ins heutige Illinois war.

Neuzeit

18. Jahrhundert

Illinois Illinois Bezeichnenderweise betonen Politiker aus dem Raum Kentuckys stets, dass daher kein indianischer Stamm irgendeinen Besitzanspruch auf jene Landstriche ableiten könne. Sie vergessen offenbar, dass es bereits im Vokabular der meisten Indianersprachen zu diesem Zeitpunkt keine Begrifflichkeit von Landbesitz gab. Land bzw. Boden konnte man nicht "besitzen", dieser war lediglich geliehen. Christopher Gist und Thomas Walker leiteten die ersten Erkundungs-Expeditionen zwischen 1750/51, doch der Ausbruch des Krieges gegen Frankreich und die Indianer 1754 während des Siebenjährigen Krieges unterbrachen jeden Ansatz das heutige Staatsgebiet weiter zu erkunden. Jahrzehntelang hatte das Gebiet westlich der Allegheny Mountains für die amerikanischen Siedler nur als wildreiches Jagdgebiet gedient. Durch den mit den Indianern Handel treibenden John Finlay auf die Fruchtbarkeit jener Gegend aufmerksam gemacht, war es den Erkundungen Daniel Boones seit 1769 zu verdanken, der das Land mit mehreren "Jagdgesellschaften" bereiste und mit der Gründung von ersten Forts auch den Grundstein für spätere Städte legte, dass Kentucky für die Besiedlung erschlossen wurde. In der romantisch verklärten Tradition Kentuckys gilt daher Boone als der erste Kentuckier. Während des Unabhängigkeitskrieges orderte das britische Oberkommando von Detroit 1780 einen "Raid" tief ins Siedlungsgebiet des späteren Kentuckys hinein. Unter der Führung des Hauptmanns Henry Bird landeten 150-200 kanadische Ranger bei Falmouth im heutigen Pendleton County an. In ihrem Gefolge hatten sie 600-800 indianische Verbündete, die zu den Shawnee, Ottawa, Huronen, Anishinabe, Lenni Lenape und Mingo gehörten und als zum Teil ehemalige Bewohner dieser Regionen allen Grund zur Rache an den dortigen Siedlern hatten. In blutigen und erbitterten Kämpfen, die von den amerikanischen Historikern zu den schlimmsten Auseinandersetzungen mit indianischer Beteiligung gezählt wurden, bekämpften sie die Grenz-Forts des Staates. Ihr Weg wird heute noch als "Bird`s War Road" bezeichnet. Auf ihrem hastigen Rückzug verschleppten sie rund 460 Siedler aus den umliegenden Gegenden auf britisches Einflussgebiet. Die Gefangenen wurden dabei ohne Rücksicht auf den familiären Zusammenhalt aufgeteilt. Eine Minderheit deportierten die Engländer nach Detroit, die meisten starben in indianischer Gefangenschaft. 1790 akzeptierten die Deputierten Kentuckys die Bedingungen Virginias bezüglich des Austritts, so dass die Verfassung des Bundesstaats im April 1792 endlich ratifiziert werden konnte. Schließlich, am 1. Juni 1792, wurde Kentucky zum 15. Bundesstaat der Union und Isaac Shelby, ein Held des Unabhängigkeitskrieges, zum ersten Gouverneur des jungen Commonwealths. Schon 1798 erbauten findige Investoren nach britischen Vorbildern eine erste Pferderennbahn. Seit jener Zeit widmete man sich hier verstärkt der Zucht und dem Verkauf der berühmten Vollblüter.

19. Jahrhundert

Vollblüter Im Vorfeld der Bürgerkrieges hatte der Staat aufgrund seiner immensen offenen Grenze über 1126 km zum Süden hin eine bedeutende Rolle bei den Fluchthelferaktionen für schwarzafrikanische Sklaven der Anrainerstaaten. Zahlreiche unterirdische Verstecke der so genannten "Underground Railroad" sind bis heute erhalten. Am 20. Mai 1861 versuchte Kentucky durch eine Proklamation seine Neutralität im Sezessionskrieg zu wahren. Als jedoch am 3. September 1861 konföderierte Truppen in den Staat eindrangen und zahlreiche Städte brandschatzten, ergriff man Partei für die Union. Zur allgemeinen Propaganda gehörte auch das Bedrucken von Visitenkarten und der Post mit politischen Parolen. In einer auf einem Briefumschlag damals von Illinois aus verbreiteten Karikatur kniet der befrackte Wolf der Sezession vor Rotkäppchen, das ein Banner der Union schultert. Er bietet ihr an Kentucky aus der Union herauszuführen - oder jeden anderen Staat, dies wäre die entscheidende Frage. ("The Secession Wolf" offering to lead Kentucky, "Or any other State," out of the Union. "That's what's the matter.") Union Nach offizieller Sicht immer noch ein neutraler Bundesstaat sah die Realität anders aus: Oft kämpften nahe Verwandte auf beiden Seiten. So standen ca. 100.000 Kentuckier auf der Seite der Union, rund 40.000 Mann verfochten die Sache der Konföderation. Das strategische Potenzial Kentuckys hatten beide Armeen erkannt, sodass verschiedene blutige Scharmützel und zahlreiche Guerilla-Raids auf dem Staatsgebiet stattfanden. Die als heftigste Schlacht angesehene ereignete sich in der Nähe von Perryville, wo 7.600 Soldaten starben und 5.400 verwundet wurden, als es dem Nordstaaten-General Don Carlos Buell aufgrund eines "akustischen Schattens" nicht gelang, die zahlenmäßig unterlegenen Truppen Braxton Braggs zu stellen. Die Zivilbevölkerung Kentuckys sollte bis Ende des Krieges unter den Überfällen der Bushhawker-Banden aus dem Süden zu leiden haben. Dennoch stellte man sich später angesichts der aggressiven Unterdrückungspolitik der Nordstaaten während der Rekonstruktionsphase (1865-1877) demonstrativ auf die Seite des Südens. Insbesonder seit den 1880er-Jahren betrieb der Ku Klux Klan seine Einschüchterungspolitik gegenüber der farbigen und liberalen Bevölkerung. Nach dem Niedergang der Hanfindustrie, die zuvor die meisten Säcke in den Staaten produziert hatte, veränderte die Kultivierung des so genannten "Burley Tabaccos" die Agrarlandschaft Kentuckys entscheidend. Mit diesem hochwertigen Produkt konnten erfolgreich neue Absatzmärkte erschlossen werden. Burley Tabaccos Als die "Kentucky Railway Company" die Schienenstrecke im Powell County 1886 erschloss, expandierte gleichermaßer die Zedernholzindustrie des Landes. Die bereits sechs Jahre zuvor begründete "Red River Lumber Mills"-Gesellschaft galt als die größte dampfbetriebene Sägemühle des Staates. Um 1890 begann ein buchstäblicher "Run" auf Amerikas größte Zedern-Plantage in der Nähe von Clay City. Der Boom der Region nahm jedoch durch ein verheerendes Großfeuer der Mühlen und der Anpflanzungen 1906 ein unerwartetes Ende.

20. Jahrhundert

Im "Black Patch War" zwischen 1904 und 1909 drückte sich die Unzufriedenheit kleiner und mittelständischer Anbieter aus, die letztlich erfolgreich gegen das Tabakmonopol einiger weniger großer Anbieter ankämpften. Tabakmonopol Tabakmonopol Die größte Umwälzung Kentuckys vom 19. bis ins 20. Jahrhundert drückte sich im Wandel vom Agrar- in einen Industrie-Staat aus, der während des Zweiten Weltkriegs beinahe abgeschlossen war. Neben der Textilien produzierenden war es vor allem die Kohle fördernde und Tabak weiterverarbeitende Industrie, die den Weg für weitere Fertigungszweige vorebnete. Aufgrund der Weltwirtschaftskrise 1930 waren viele Farmer und Minenarbeiter gezwungen, sich um Arbeit in den Städten zu bemühen. Es sollte allerdings bis 1970 dauern, dass mehr Arbeiter in den Städten als auf dem Land beschäftigt waren. 1936 richtete man den US-Staatsschatz mit seinen Goldreserven in Fort Knox ein. In den Wintern 1936/1937 kam es in vielen Teilen des Staates zu katastrophalen Überschwemmungen, bei denen Tausende evakuiert werden mussten. In Louisville und Mayfield wurden ganze Straßenzüge unter Wasser gesetzt, als der Ohio River über die Ufer trat. Auch die beiden Weltkriege warfen ihre Schatten ins weit entfernte Kentucky. Als Angehöriger eines Bundesstaates, der stolz auf seine kämpferische Grenzertradition war, fiel mancher Kentuckier in Europa während des Ersten Weltkrieges. Das Godman Field bei Fort Knox als erster Flugplatz auf dem Boden des Staates erinnert mehr indirekt an jene Epoche. Hier war zunächst die 29. Aero Squadron stationiert, die mit dem 31. Ballonkorps von 1918 bis 1921 an diesen Ort verblieb. Nach der Einstellung dieses Anachronismus blieb der Stützpunkt verwaist, bis 1937 das 12. Aufklärergeschwader untergebracht wurde. Während des Zweiten Weltkrieges beherbergte der Stützpunkt diverse Bombergeschwader, die alle mit dem zweimotorigen Martin B-26 "Marauder"-Modell ausgerüstet waren, die man vorwiegend in Italien und im Pazifikkrieg einsetzte. Stellvertretend für viele Kentuckier, die ihr Leben in diesem Krieg ließen, mag das Schicksal Robert H. Brooks stehen. Als erster Afroamerikaner trat er in die zuvor ausschließlich "weiße" Nationalgarde bereits vor Kriegsbeginn ein. Bei einem Bombardement der Japaner auf den Philippinen wurde er aus offizieller Sicht als erster bewaffneter Soldat der amerikanischen Streitkräfte am 8. Dezember 1941 nach der japanischen Kriegserklärung getötet. Ihm zu Ehren benannte man den Paradeplatz in Fort Knox schon zwei Wochen später in "Brooks Field" um. Dieses ambivalente Signal gegenüber der Emanzipation der Farbigen im Süden beschränkte sich jedoch zunächst ausschließlich auf die Armee, in der ein sozialer Aufstieg zwar durchaus möglich, aber weiterhin mit Hindernissen verbunden war. Ein weiteres Relikt des Krieges findet sich in Camp Breckinridge, im Union County bei Morganfield, wo von 1943-46 auf dem Gelände des ursprünglichen Ausbildungslagers für Rekruten in zusätzlichen Baracken ein Kriegsgefangenenlager für rund 3.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht eingerichtet wurde. Wie überall in den Staaten waren die "PoWs" (Prisoners of war) als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und im Handwerk angesichts des Arbeitermangels bei rund 9.000 Gefallenen nach anfänglichem Misstrauen bald Bestandteil des Wirtschaftslebens, das auch ihnen in Anbetracht der Umstände ein erstaunlich gutes Auskommen sicherte. Zahlreiche Dokumente bezeugen das friedliche Nebeneinander von den Soldaten beider Nationen und den amerikanischen Zivilisten. Bereits fünf Jahre nach Kriegsende starben im Koreakrieg erneut Soldaten aus Kentucky, wobei der posthum hochdekorierte Feldkaplan Herman Felhoelter aufgrund seines selbstlosen Handelns sowohl für die katholische Kirche als auch für den Bundesstaat zum "Nationalhelden" erklärt wurde. Herman Felhoelter In den 1950er-Jahren änderte sich allmählich die Bildungslandschaft. Im Zuge der Integrationspolitik der Universität von Louisville gliederte man Teile des übrigen Campus als auch benachbarte Institutionen ein. Dadurch kam mit dem afroamerikanischen Professor Charles H. Parrish Jr. ein renommierter Soziologe und lebenlanger Verfechter der schwarzen Bürgerrechte vom Louisville Municipal College, wo zuvor ausschließlich Farbige immatrikuliert wurden, als erster scharzer Professor an eine "weiße" Hochschule des Südens. Dort saß er ab 1959 dem Lehrstuhl für Soziologie vor und pflegte offen seine Beziehungen zur Bürgerrechtsbewegung. Seit der "Rekonstruktionsphase" war Kentucky eine sichere Bank für die Demokraten, bis sich in den 1990er-Jahren das Blatt zugunsten der Republikaner wendete, da diese ein günstigeres Wirtschaftsklima versprachen. Im Verlauf dieser Dekade gelang es der Administration, die Steinkohleförderung zu drosseln, den Tourismus als bedeutenden Dienstleistungssektor durch die Einrichtung von Naturschutzparks zu etablieren, den Verlust von Arbeitsplätzen zu kompensieren und das Programm der sozialen Fürsorge zu erweitern. Gerade dieser "Punkt" wird allerdings in den letzten Jahren insbesondere durch Gouverneur Ernie Fletcher zurückgebaut, der dabei selbst vor dem Zusammenstreichen der Sozialversicherung der Regierungsangestellten nicht zurückschreckte. Bei den daraus resultierenden Demonstrationen der Angestellten protestierte der Bruder Fletchers als selbst davon betroffener Familienvater gegen die Einsparungspolitik.

Politik

Die Hauptstadt von Kentucky ist das eher ländliche Frankfort. Als Gouverneur amtiert zur Zeit Ernie Fletcher. Währenddessen wird Kentucky im Senat durch Jim Bunning und Mitch McConnell (beide Republikaner) vertreten. Die Administrationspolitik Bunnings kennzeichnet sich durch starke Kürzungen im Sozialhaushalt, die selbst vor den Regierungsangestellten nicht halt machte.

Geographie

Republikaner Republikaner Kentucky begrenzt den Mittleren Westen und den tiefen Süden der USA. Es liegt zwischen West Virginia, Tennessee, Missouri, Illinois, Indiana und Ohio. Im Norden wird es durch den Ohio River begrenzt. Es gibt fünf Hauptregionen zu verzeichnen: die Cumberland Mountains, das Cumberland Plateau im Südosten, im Norden die Bluegrass Region, im Süden und Westen das Pennyroyal Plateau, auch bezeichnet als Pennyrile, die Kohlereviere im Westen und das Jackson Purchase im äußersten Westen. Aus geographischer Sichtweise der US-Amerikaner sind manche der verschiedenartigsten Landschaftstypen innerhalb des Ostens der USA in Kentucky zu finden. Die "Eastern Coal Fields", eine raue, bergige Region, die stark bewaldet und von Flüssen durchschnitten wird, hat die höchsten Erhebungen aufzuzeichnen und liegt im sogenannten "River Valley". Der höchste Berg ist der "Black Mountain" im Harlan County mit 1292 m ü. d. M.. Der westliche Abschnitt der Region umfasst einen Großteil des Daniel Boone National Forest. Die "geschäftige" Zentrale Kentuckys, die "Bluegrass Region", liegt im Norden des Bundesstaates. Geologisch mit zum ältetsten Teil des Staates gehörend ist der kalkreiche Boden die perfekte Grundlage für einen wirkungsvollen Getreideanbau und Weideflächen. Davon nur durch eine Reihe von kleineren "Mittelgebirgshügeln", den "Knobs", getrennt, liegt das Mississippi Plateau. Die "Western Coal Fields", welche im Norden und Nordwesten vom Ohio River begrenzt werden, gehören bereits zum Illinois-Becken. Der südwestliche Teil des Staats ist eine tiefgelegene Ebene, die man das "Jackson Purchase" nennt. Hier liegt auch der tiefste Punkt Kentuckys im Fulton County im Verlauf des Mississippis, rund 78 m über dem Meeresspiegel. Benannt wurde es nach dem späteren US-Präsidenten, General Andrew Jackson, der 1818 den "Kauf" des Landes vom Stamme der Chickasaw als offiziell Bevöllmächtigter in die Wege geleitet hatte. Das hiesige Schwemmland bietet einen der ertragsreichsten Böden des Landes.

Städte

Die einwohnerstärksten Städte sind die Metropolen Lexington und Louisville, wobei letztere Stadt eine wesentlich größere innerstädtische Bevölkerung hat. Im nördlichen Kentucky gibt es eine größere Anzahl von Kleinstädten entlang des Ohios, die ebenfalls einen speziellen Ballungsraum ergeben. Größte Städte ¹ 2003 Zusammenschluss der Stadt Louisville mit dem County Jefferson
- Liste der Städte in Kentucky
- Liste der Countys in Kentucky

Flüsse und Seen

Große Flüsse wie der Ohio oder der Mississippi, die auch die Nachbarstaaten prägen, bestimmen das Landschaftsbild und die Grenzen Kentuckys. Weitere wichtige Flüsse sind der Red und Green River, der Tennessee River, der Cumberland und Rough River, der Big Sandy, der Licking und der Kentucky River. Alle größeren Seen des Staates schuf man zum Teil als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen während Franklin D. Roosevelts New Deal-Politik mittels Staudämmen, wie z.B. den nach US-Vizepräsident Alben W. Barkley benannten Lake Barkley am Cumberland River oder dem Dewey Lake am Big Sandy. Der Red River verdankt seinen Namen angeblich der großen Menge an Menschenleben, die während der heftigen Indianerkämpfe zum Ende des 18. Jahrhunderts auf beiden Seiten zu beklagen waren.

Bevölkerung

Nach den Angaben der letzten Volkszählung im Jahre 2000 verzeichnete Kentucky eine Gesamtbevölkerung von 4.041.769 Einwohnern. Dies verteilten sich auf 89,3% Weiße, 7,3% Afro-Amerikaner, 1,5% Mittel- bzw. Lateinamerikaner, 0,7% Asiaten, und lediglich 0,2% Indianer. Die Bevölkerung ist mit 76 Prozent überwiegend protestantischen Glaubens. Dazu gehören 43 % Baptisten und 7 % Methodisten. 13 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Katholiken, 2 Prozent gehören einer freikirchlichen Gemeinschaft an und neun Prozent gehören keiner dieser Religionsgemeinschaften an bzw. bezeichnen sich selbst als "nicht religiös".

Klima

In Kentucky erlebt man den Vorteil eines gemäßigten Klimas mit kühlen Wintern und warmen Sommern. Das Jahresmittel liegt bei rund 14 °C in einem Großteil des Landes. Die protokollierten Temperaturextreme schwanken zwischen -36,7 °C in Cynthiana im Jahre 1963 und +45,6 °C in Greensburg im Sommer 1930. Dagegen sind im Winter Schneedecken von mehr als 60 cm in den Ausläufern der Appalachen häufig anzutreffen.

Fauna und Flora

Appalachen Appalachen Bis zur Ankunft der weißen Siedler waren die Ebenen und Wälder Kentuckys Heimat von umherziehenden Großsäugetieren wie dem Bison, dem Wapiti oder Elch, den Boone auf seinen Jagdreisen noch erleben konnte. Heute findet man in der Regel lediglich kleinere Säugetiere, also Bisamratten, Füchse, Hörnchen, Hirsche, Kaninchen, Murmeltiere, Opossums und Waschbären. Bei den Vogelarten ist jedoch eine deutlich größere Bandbreite vorzufinden: Vom Seeadler bis zum Zaunkönig ist fast alles vorhanden. Typische Vögel sind der Rotkardinal, der so genannte "Staatsvogel", die Spottdrossel, der Saftlecker, der Eisvogel und diverse Spechtarten. Vom Westen des Bundesstaates hin zum Ohio River und Mississippi zieht sich einer der wichtigsten Zugvogelwege des Landes. Die Cumberlandberge als westliche Ausläufer der Appalachen im Grenzland zu Virginia gehören zu den artenreichsten mesophytischen Wäldern auf der temperierten Zone der nördlichen Erdhalbkugel. Dabei kommen rund 30 Arten in den bis zu 35 m hohen Baumschichten vor. Selbst heute bedecken Wälder rund 40 % des Gebiets von Kentucky. Überwiegend sind es Laubbäume wie beispielsweise Ahorn, Birke, Eiche, Rosskastanie und Walnuss. Doch auch Nadelgehölze wie Hemlocktannen, Kiefern, Zedern oder Zypressen sind häufig vertreten. Charakteristische Pflanzen der Umgebung sind Rhododendren, Lorbeerrose, Heidelbeere, Tulpenbaum, Goldrute und Minze. Auch die unteren Baumschichten sind sehr artenreich. Derartige Wälder (Cove Forests) in humiden Senken auf Konkavhängen sind von hohem Wuchs und durch gerade Stämme gekennzeichnet. . Die Kernregionen der mesophytischen Wälder werden als erstgeschichtlich wichtiges genetisches Reservoir für die Verbreitung vieler Waldarten betrachtet.

Wirtschaft

Minze Das Bruttosozialprodukt pro Kopf lag im Jahre 2000 bei $ 24.294. Die Agrarwirtschaft ist für ihre Pferdezucht berühmt, erwirtschaftet aber auch so profane Dinge wie Rinder, Molkereiprodukte, Tabak, Schweine, Sojabohnen, Getreide und Whiskey. Die Industrie produziert Automobilteile, chemische Produkte, Elektroartikel, Maschinen, Tabakprodukte und Kohle. Welchen Stellenwert hingegen die Vollblüter und ihre 381 Gestüte im kollektiven Bewusstsein des Staates einnehmen, kann man daraus ersehen, dass bei der "Beisetzung" von "Man o'War", einem berühmten Rennpferd, in Lexington 1947 allein 2.000 Trauergäste sich die letzte Ehre gaben. Selbst in der heutigen Zeit wird der Hintergrund offizieller Homepages von Pferdemotiven beherrscht. Einem anderen berühmten Galopper, Seabiscuit, setzt man sowohl ein literarisches wie filmisches Denkmal. Dabei sollte man nicht übersehen, dass kein US-Bundesstaat in den letzten Jahren mehr Vieh bzw. Viehprodukte exportierte als Kentucky. Nicht umsonst ist der Staat schon von jeher "Fleischtopf" des bevölkerungsreichen Chicagos und seiner Schlachthöfe gewesen, doch diese Rolle scheint er nun auch für die umliegenden Staaten zu spielen. Als einziger Agrarzweig steht er in der Wirtschaftsbilanz des Staates unter den zehn umsatzstärksten Sparten.

Kentucky-Whiskey

Als das neben den Pferden wohl bekannteste Produkt Kentuckys gilt der hier gebrannte Whiskey. Alleine 85 Prozent des in der Welt konsumierten Bourbon-Whiskeys stammt aus diesem Staat. Das besondere Verfahren des so genannten "Toastens" bei dem die Innenseiten der Hickoryfässer rund 45 Sekunden der offenen Flamme ausgesetzt werden, begünstigt das spezielle Aroma des Alkohols. Denn durch die Oxidation wird dem Holz Zucker entzogen, der nun in der Kohleschicht enthalten ist. Bei den großen Temperaturunterschieden Kentuckys dringt der Whiskey im Lauf des vierjährigen Reifeprozesses mehrmals durch die karamelisierte Holzkohleschicht, reichert sich somit mit Zucker an und bekommt auch die charakteristische Farbgebung. Die Wurzeln einer der bedeutendsten Firmen, der Forman-Brown-Corporation, reichen bis 1872 zurück, als zunächst nur ein gewisser Mr. Brown in Louisville eine Brennerei gründete. Erst zwei Jahre später stieß sein Kompagnon Forman hinzu. Im Laufe der Jahre vergrößerte sich der Konzern stetig, um sich während der Prohibitionszeit geschickt als einer der wenigen lizenzierten Produzenten von medizinischem Alkohol "über Wasser" zu halten. Darüber hinaus musste die Firma zur Herstellung von "fachfremden" Produkten wie z.B. Schießpulver zurückgreifen. Der Erwerb der "Early Times"-Brennerei 1935 und des bekannten Labels "Jack Daniels" waren weitere Meilensteine in der Geschichte des Unternehmens, das seine Produktpalette in den 1970er-Jahren mit dem Erwerb der Marken "Canadian Mist" und "Southern Comfort" abrundete. Eine Zusammenarbeit mit "Bacardi" sollte die Distributionsmöglichkeiten verbessern. Mit einem Gesamtumsatz von 2,213 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2004 gehört die Firma zu den erfolgreichsten Herstellern hochprozentiger Getränke, wenn auch alleine 75 Prozent des Umsatzes in den Vereinigten Staaten erzielt wird. Vor diesem Hintergrund sind bereits langjährige Spekulationen zu sehen, nach denen Brown-Forman sich als Sponsor in der Formel 1 engagieren könnte. Ausgerechnet nach dem Verbot der Tabakwerbung in den meisten europäischen Staaten ziehen sich zum Ende der Formel-1-Saison 2005 immer mehr Tabakhersteller zurück, sodass ein Sponsoring des Formel-1-Rennstalls McLaren-Mercedes sicher ist.

"Liquor Laws" - Alkoholverkaufsgesetze

McLaren-Mercedes Obwohl der meiste Bourbonwhiskey der Welt in Kentucky produziert wird, ist der Kauf alkoholischer Produkte in 61 von 120 Counties des Staates verboten. Die nebenstehende Karte veranschaulicht diese Gesetzgebung, die sich nur auf den Verkauf und nicht auf die Produktion erstreckt. In manchen Gemeinden darf Alkohol innerhalb der Stadtgrenzen veräußert werden - nicht aber im Zuständigkeitsbereich des jeweiligen Counties. Im Widerspruch dazu erlauben andere Kommunen den Erwerb von Spirituosen im County, nicht aber innerhalb der eigentlichen Stadtgrenzen. In 12 Counties ist hingegen lediglich die Menge des Ausschanks bzw. Verkaufs beschränkt, acht Verwaltungsbezirke erlauben einen liberalisierten Gebrauch auf Golfplätzen, und sechs Counties nehmen Weine von der Regelung aus. Insgesamt ist dies ein Paradebeispiel für die sehr unterschiedliche Gesetzgebung in einem US-Bundesstaat und eine Haltung, die Außenstehende eventuell als Anachronismus aus der Prohibitionszeit empfinden.

Automobilindustrie

Am 4. August 2004 bekräftigte der deutsch-amerikanische Reifenproduzent Continental im Zuge seines Umsatzberichts, dass er durch Umstrukturierungsmaßnahmen trotz der günstigen Prognosen die Reifenfertigung im US-Werk Mayfield in Kentucky zum Jahresende für unbestimmte Zeit einzustellen gedenkt. Im November 2004 ließ die Firma verlauten, dass sie ihre führende Marktposition in den USA bei elektronischen Stabilitätskontrollsystemen (ESP) für Autos weiter ausbauen konnte. Nachdem die großen Herstellerfirmen aus Detroit angekündigt hatten, fast alle neuen Modelle serienmäßig mit dieser Sicherheitsausrüstung auszustatten, kann Continental die Auslieferungen von ESP-Systemen in den USA 2005 nach eigenen Angaben voraussichtlich verdoppeln.

Sonstige Unternehmen

Das erste Kentucky Fried Chicken-Restaurant wurde 1930 von Harland D. Sanders in einer kleinen Tankstelle in Corbin, Kentucky begründet. Heute gibt es über 12.300 Fastfood-Restaurants dieser Franchise-Systemgastronomie in über 80 Ländern. Der Firmensitz liegt in Louisville.

Transport

Die öffentlichen Verkehrsmittel kann man in Kentucky wie in vielen anderen US-Bundesstaaten nur als unzureichend bezeichnen. Der Staat ist erstaunlicherweise in Bezug auf den Personenverkehr nicht an das Schienennetz angeschlossen. Am 18. Dezember 1999, zwanzig Jahre nach Einstellung des letzten Reisezuges, gab es einen Versuch, mit dem Kentucky Cardinal von Louisville nach Chicago den Schienenpersonenverkehr in Kentucky neu zu beleben. Dieser Versuch scheiterte jedoch mit der Wiedereinstellung am 6. Juli 2003. Die Greyhound-Busse fahren zwar die Interstates im Süden der großen Metropolen an, aber viele Ortschaften werden von ihnen vernachlässigt. Die Vielzahl der Mautstellen auf den Highways erforderten über lange Jahre hinweg für den Autofahrer zudem das ständige Bereithalten von Kleingeld. Nun sind etliche "Turnpikes" (Mautstraßen) besonders im Westen des Staates seit 10 bis 15 Jahren abbezahlt und deshalb kostenfrei zu benutzen. Wer in diesem Staat mit dem Flugzeug reisen möchte, wählt meist die "Drehscheibe" im nahen Illinois: Chicago. Der nächste Flughafen, der direkt von Deutschland aus zu erreichen ist, ist der "Cincinnati-Northern Kentucky International" Flughafen, der eigentlich in Kentucky selber liegt (Covington, KY; und deshalb auch das Kürzel "CVG" hat). Cincinnati befindet sich aber nördlich des Flusses in Ohio.

Verkehrsregeln in Kentucky

Ohio Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf mehrspurigen Interstate Highways außerhalb der Stadtgrenzen beträgt 65 Meilen in der Stunde (= 104 km/h). Auf den sonstigen Fern- und Landstraßen insbesondere der Naturschutzparks ("Parkways", ) gilt in der Regel eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 55 Meilen, also 88 Kilometer in der Stunde. Innerhalb der Städte gilt das Tempo von 25 oder 35 Meilen (40 oder 56 km/h) nicht zu überschreiten, da wie überall in den Staaten empfindliche Bußgelder drohen. In Kentucky existiert auch eine Ausnahmeregelung, die das Rechts- und sogar in einigen Ausnahmefällen das Linksabbiegen bei roten Ampeln erlaubt. Nur wo das Verkehrsschild "No Turn on Red" zu sehen ist, muss man in jedem Fall an einer Abzweigung bei Rot halten.

Bildungswesen

Verkehrsschild Um 1785 herum eröffneten Bürger in Kentucky die erste Privatschule. Erst 1838 richtete man ein regelrechtes staatliches Schulsystem ein. Wie alle vorwiegend agrarisch geprägten Regionen des 19. Jahrhunderts sah es mit der Durchsetzung des Schulunterrichts bzw. der späteren Schulpflicht dennoch etwas bescheiden aus: 1884 waren 22 Prozent der über zehnjährigen Weißen und rund 70 Prozent der afroamerikanischen Bevölkerung Analphabeten, da deren Eltern es bevorzugten, sie zur Erntearbeit anstatt in die Schule zu schicken. Heute kann Kentucky auf fast 60 höhere bzw. weiterführende Bildungseinrichtungen mit 650.000 "Studenten" an Colleges und Universitäten verweisen. Dazu gehören die Universität Kentucky und die Transylvania University (1780), mit Sitz in Lexington befinden; die Universität Louisville (1798); die Kentucky State University (1886) in Frankfort; die Eastern Kentucky University (1906) in Richmond sowie die Western Kentucky University (1906) in Bowling Green. Im allgemeinen Schulwesen verweist der Staat in seinen Regierungsberichten sehr stolz auf seine Schulreform von 1990 namens "KERA" (Kentucky Education Reform Act), die den Schulen weitgehende Selbstverwaltung bei gleichzeitig verstärkter staatlicher Unterstützung einräumte, sodass man seitdem in demographischen Vergleichen gegenüber anderen US-Bundesstaaten bessere Resultate erzielte.

Kultur

US-Bundesstaat US-Bundesstaat Wie in vielen anderen überwiegend ländlichen Regionen wird das kulturelle Leben von den "Traditionen" des amerikanischen Südens geprägt. Betrachtet man die Vielzahl der Countrymusiker und -Sängerinnen wie Billy Ray Cyrus oder Loretta Lynn, die in diesem Bundesstaat geboren worden sind, so muss man zumindest teilweise das Klischee revidieren, dass das benachbarte Tennessee die alleinige Wiege dieser Musikform sei. Aber auch einige renommierte Jazzmusiker wie Al Casey oder Lionel Hampton, stammen hierher und eine besondere Form, der um 1945 unter anderem von Earl Scruggs kreierte Bluegrass-Jazz ist sogar nach dem Spitznamen des Staates benannt worden. Manche bekannte Schauspieler stammen aus diesem Staat. Doch fanden sie hier nicht das eigentliche Sprungbrett für ihrer Karriere. Sie betrachteten die "kulturellen" Angebote der direkten Nachbarschaft als Anreiz, aus dem überwiegend ländlichen Umkreis auszubrechen. Bei George Clooney war es die überaus umtriebige Radiokultur Chicagos, in der sein Vater einer der "Platzhirsche" war, bei Irene Dunne hingegen die Showboat-Raddampfer des Mississippis und deren Attraktionen, die sie im Süden Kentuckys bei den Inspektionsreisen ihres Vaters vor Augen hatte. Das Kentucky Derby am ersten Samstag im Mai ist nicht nur ein sportliches und wirtschaftliches, sondern auch ein kulturelles Großereignis, das während der gesamten zwei Rennwochen sowohl auf der Ebene der Hochfinanz wie des einfachen Mannes seit jeher mit einem kulturellen Rahmenprogramm bis hin zu Oktoberfest-ähnlichen Umtrünken gefeiert wird. Während des 19. Jahrhunderts hatte Louisville sogar den Ruf, die kultivierteste Stadt nördlich von St. Louis zu sein, was sich gewissermaßen auch heute noch in der Konzentration der meisten kulturellen Einrichtungen ausdrückt, wie z.B. dem "J. B. Speed Art Museum", mit Exponaten aus der amerikanischen und europäischen Malerei sowie einer speziellen "Kentucky Collection", das neu formierte "Kentucky Museum of Natural History" und das "Kentucky Derby Museum" mit einer umfassenden Ausstellung zum Pferderennsport. Nach dem Ersten Weltkrieg gedachte man 1927 gleichsam eine kulturelle Gedenkstätte, das "War Memorial Auditorium" zum Gedenken an die Gefallenen der Stadt einzurichten, indem seither viele bedeutende Schriftsteller, Künstler und Musiker wie George Gershwin, Helen Hayes, Arthur Rubinstein, Michail Barischnikow oder gar die Peking Oper auftraten. Lexington beherbergt außerdem mit dem "Lexington Opera House" eine Opernspielstätte.

Sehenswürdigkeiten

Oper
- Kentucky Derby in Louisville;
- Cumberland Falls, ein Wasserfall, der unter Naturschutz steht;
- Mammoth Cave National Park (siehe Abb.), das weltweit größte Höhlensystem mit einer Gesamtlänge von über 300 km;
- Red River Gorge Geological Area, ein unter Naturschutz stehendes Canyon-System
- Besuch einer beliebigen Whiskey-Brennerei, wobei dort in der sogenannten "Dry Zone" bei Werksbesichtigungen kein Alkohol ausgeschenkt werden darf, sodass man nur Bourbon-Pralinen verteilt;
- Fort Knox, als Ort der Staatsreserven;
- Abraham Lincoln Birthplace National Historic Site in Hodgenville;
- Nationales Quiltmuseum in Paducah;
- J. B. Speed Art Museum in Louisville;
- War Memorial Auditorium.

Berühmte Persönlichkeiten

Nationales Quiltmuseum
- Muhammad Ali, Boxer, Olympiasieger und Schwergewichtsweltmeister, Louisville
- Alben W. Barkley, Vizepräsident, Graves County
- Thomas Best, Architekt
- John Cabell Breckinridge, US-General der Konföderation und Staatsmann, Lexington
- Daniel Boone, Erforscher Kentuckys, nicht in Kentucky geboren
- Marty Brown, Countrysänger, Maceo
- Tod Browning, Filmregisseur, Louisville
- Kit Carson, Scout und Pionier, Madison County
- Albert Aloysius 'Al' Casey, Jazzgitarist, Louisville
- George Clooney, Filmschauspieler, Lexington
- Rosemary Clooney, Sängerin, Maysville
- William Conrad, Schauspieler, Louisville
- Billy Ray Cyrus, Countrymusiker und Schauspieler, Flatwoods
- Jefferson Davis, Präsident der Konföderation, Fairview
- Skeeter Davis, Sängerin, Dry Ridge
- Johnny Depp, Filmschauspieler, Owensboro
- Irene Dunne, Schauspielerin, Louisville
- Larry Elmore, Rollenspielillustrator
- Herman Felhoelter, Franziskaner-Pater und hochdekorierter Militärkaplan, Louisville
- Clarence Gaines, College-Basketballtrainer, Paducah
- Tyson Gay, Leichtathlet, Lexington
- Rebecca Gayheart, Schauspielerin, Hazard
- Crystal Gayle, Countrysängerin, Paintsville
- David W. Griffith, Filmproduzent, Oldham County
- Tom T. Hall, Countrymusiker, Olive Hill
- Lionel Hampton, Jazzmusiker, Louisville
- John Bell Hood, US-General der Konföderation, Owingsville
- Abraham Lincoln, Präsident, Hodgenville
- Patty Loveless, Countrysängerin, Pikeville
- Loretta Lynn, Countrysängerin, Butcher Hollow (Johnson County)
- Bill Monroe, Country-Musiker, Rosine (Ohio County)
- Thomas Hunt Morgan, Nobelpreis für Medizin, Lexington
- John Michael Montgomery, Countrysänger, Danville
- Charles H. Parrish Jr., Soziologe und Bürgerrechtler, Louisville
- Charles H. Parrish Sr., Theologe und Bürgerrechtler, Lexington
- Gene Robinson, Bischof der Episcopal Church, Lexington
- Don Rosa, Comiczeichner und -Texter, Louisville
- Gus Van Sant, Filmregisseur, Louisville
- Harry Dean Stanton, Schauspieler, West Irvine
- Robert Penn Warren, Schriftsteller und Dichter, Guthrie, Todd County
- Dwight Yoakam, Countrysänger und Schauspieler, Pikeville
- Liste der Gouverneure von Kentucky

Sonstiges

Liste der Gouverneure von Kentucky
- Staatsvogel: Roter Kardinal.
- Staatsblume: Goldrute
- Staatsbaum: Tulpenbaum
- Staatspferd: Vollblut
- Staatsfisch: Kentucky Barsch
- Staats-Wildtier: Grauhörnchen
- Staats-"Edelstein": Süßwasserperlen
- Staats-Fossil: Brachiopode
- Hymne: "My Old Kentucky Home" von Stephen Collins Foster, lat. für „Penns Waldland“), offizieller Name "Commonwealth of Pennsylvania", ist ein nach William Penn benannter Bundesstaat im Osten der USA. Er grenzt im Osten an New Jersey, im Südosten an Delaware, im Süden an Maryland, im Südwesten an West Virginia, im Westen an Ohio und im Norden an New York und den Eriesee.

Geschichte

Eriesee Ursprünglich war Pennsylvania das Siedlungsgebiet der von Irokesen und europäischen Kolonisten ausgerotteten Susquehannock. 1643 ließen sich die ersten Siedler aus Schweden kommend nieder. Später gelangte es unter die Kontrolle von England. König Charles II. verlieh an William Penn eine Besitzurkunde für das Gebiet des heutigen Staates, dort siedelten sich Quäker an. Die Stadt Philadelphia wird als Wiege der Nation bezeichnet: die Amerikanische Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der USA wurden hier unterzeichnet. Seit dem ausgehenden 19.Jahrhundert, als bedeutende Ölvorkommen entdeckt wurden, wuchs die Schwerindustrie beständig. Für die Kohleförderung und die Stahlindustrie wurden viele Arbeiter benötigt, so dass der Staat viele Einwanderer aus Europa anzog. Seit dem Niedergang der Schwerindustrie unternimmt Pennsylvania große Anstrengungen, den nötigen Strukturwandel durchzuführen. Siehe auch Liste der Gouverneure von Pennsylvania

Bevölkerung

Pennsylvania ist mit 103 Einwohnern/km² einer der am dichtest besiedelten Bundesstaaten der USA. Circa 88 Prozent der Einwohner sind Weiße und 9 Prozent sind afroamerikanischer Herkunft. Der Bundesstaat wurde zu einem Zentrum deutschsprachiger Einwanderer, der Pennsylvania Dutch, unter ihnen Mennoniten und Amische. Diese ließen sich vor allem im Süden, besonders im Lancaster County, nieder. Berks County wurde im 18. Jahrhundert überwiegend von evangelischen Deutschen besiedelt.

Geografie

Der Hauptfluss durch das Land heißt Allegheny River. Ab Pittsburgh heißt der Fluss Ohio River. Pennsylvania ist geprägt durch Laubwälder und Hügelland. Im Osten des Landes findet man das Mittelgebirge der Appalachen. Im Süden des Bundesstaates liegt die archäologisch interessante Ausgrabungsstätte Meadowcroft.
- Liste der Countys in Pennsylvania

Größte Städte

Siehe auch Liste der Städte in Pennsylvania

Sport

Es gibt zwei bekannte Eishockey-Teams: In Pittsburgh die Pittsburgh Penguins und in Philadelphia die Philadelphia Flyers. Außerdem ist dort die Basketball-Mannschaft der Philadelphia 76ers, die Football-Mannschaft der Philadelphia Eagles und die Baseball-Mannschaft der Philadelphia Phillies beheimatet.

Weblinks


- [http://www.state.pa.us/ Website des Bundesstaates Pennsylvania]
- [http://www.visitpa.com/visitpa/home.pa VisitPA (Touristik-Auskunft)]
- [http://www.padutchcountry.com/ Pennsylvania Dutch Country / Land der Pennsylvania-Deutschen (Touristik-Auskunft)]
- [http://www.dpak.de/ Deutsch-Pennsylvanischer Arbeitskreis e.V.]
- [http://www.pennsylvania.de/ Wirtschaftsförderung von Pennsylvania in Deutschland]
- [http://www.dcnr.state.pa.us/ Umwelt- und Naturschutzbehörde]
- [http://www.dcnr.state.pa.us/rails/index.html Mit dem Fahrrad auf alten Eisenbahnstrecken]
Kategorie:US-Bundesstaat ja:ペンシルバニア州 ko:펜실베이니아 주 simple:Pennsylvania

West Virginia

West Virginia [] ist einer der Bundesstaaten der USA in der Region der Appalachen, allgemein bekannt als The Mountain State (Der Bergstaat). West Virginia trennte sich von Virginia im Sezessionskrieg ab. Es ist als Bergbauregion und Ort von Arbeiterkämpfen und Armut bekannt.

Geschichte

Sezessionskrieg West Virginias Genese ist einzigartig in der Geschichte der amerikanischen Staaten. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte es zu Virginia. Schon seit der Besiedlung dieses Landesteils gab es jedoch politische Differenzen zwischen den eher ärmeren Kleinbauern dieser Gebirgsregion und den Plantagenbesitzern in den Ebenen, die in der Politik des Staates dominant waren. Nach dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges und der Loslösung Virginias von der Union, trennten sich ihrerseits die westlichen Countys von ihrem Mutterstaat am 27. April 1861. Vertreter dieser Verwaltungsbezirke formten eine neue Regierung, die ihren Sitz in Alexandria Virginia einnahm. Durch eine Note Abraham Lincolns vom 31. Dezember 1862 waren sie dazu ermächtigt worden. Dabei bezeichnen die Bewohner West Virginias ihren Staat selbstironisch als Irland der USA. Denn die Umgebung ist ländlich und von ärmeren Verhältnissen geprägt. Über Generationen hinweg flossen die Gewinne aus den reichen Holz- und Kohlevorkommen in die Tresore monopolistischer Trusts, ohne dass ein Großteil der Einwohner einen auch nur bescheidenen Anteil daran genommen hätte. Als schließlich zum Ende des 19. Jahrhunderts auch hier die Eisenbahn vom Osten her bis in die Bergregionen vorgedrungen war, nutzte man diesen Transportvorteil zur extensiven Rodung der Wälder. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich bei den großen Kohlenbergbaufirmen im Süden des Staates das Prinzip der Company Town. Danach erhielten die Arbeiter zwar einen Lohn, mussten aber für Essen und Unterkunft in diesen Städten von den monopolistischen Handesstrukturen der Gesellschaft einen hohen Teil abführen. Dabei hatten die Unternehmer den Lohn immer wieder allmählich abgesenkt, so dass den Arbeitern ihre Ausbeutung und Verschuldung erst mit der Zeit bewusst wurde. Das unausweichliche Resultat waren die Mine Wars (Bergwerkskriege). Bei diesen Arbeitskämpfen wurden die Gewerkschaften, wie damals in den USA üblich, brutal mit Militärhilfe unterdrückt.

Wirtschaft

Die einst prächtigen Wälder waren für lange Zeit abgeholzt. Eine Aufforstung zeigt in den letzten Jahrzehnten Erfolge. Der Kohlebergbau spielt auch heute eine wichtige Rolle, aber bereits 50 Prozent der Staatseinnahmen werden durch den Tourismus bestritten.

Größte Städte


- Liste der Städte in West Virginia
- Liste der Countys in West Virginia

Sehenswürdigkeiten


- Allegheny Mountains : Diese sind noch nicht übermäßig touristisch erschlossen, obwohl sie nur ein paar Autostunden von den Metropolen der Ostküste entfernt liegen. Geeignet für Rafting, Mountainbike- und Klettertouren
- New River Gorge : Berühmte 300 m tiefe Schlucht, die nur über den Wasserweg (Rafting) zu erreichen ist, westlich der Ortschaft Lewisburg oder von der Eisenbahnbrücke des Amtrakzuges mit phantastischem Ausblick zu genießen. Viele Extremsportler reizt jedoch ein Absprung mit dem Gleitfallschirm mehr.

Berühmte Persönlichkeiten


- Pearl S. Buck, Schriftstellerin, Hillsboro
- Joanne Dru, Schauspielerin, Logan
- Hal Greer, Basketballspieler, Huntington
- Thomas Stonewall Jackson, General der Konföderation, Clarksburg
- Kathy Mattea, Countrysängerin, South Charleston
- Mary Lou Retton, Kunstturnerin, Fairmont
- Cyrus Vance, Staatssekretär, Clarksburg
- Jerry West, Basketballspieler, Chelyan
- Chuck Yeager, Testpilot, General der US-Airforce, Myra
- Liste der Gouverneure von West Virginia

Siehe auch

Liste der Countys in West Virginia

Weblinks


- [http://www.wv.gov/ Offizielle Homepage des Bundesstaates West Virginia]
- [http://www.callwva.com/ Tourismusbehörde West Virginias] Virginia, West ja:ウェストバージニア州 ko:웨스트버지니아 주

19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.

Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat

Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren. Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht). Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus. Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.

Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit

Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn. Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren. Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen. Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der Kommunismus gewinnt in der Auseinandersetzung zwischen deutschen Debatten und der Realität des englischen Wirtschaftssystems Mitte des 19. Jahrhunderts seine Programmatik. Er prognostiziert, dass mit der neuen wirtschaftliche Integration die Klasse der Arbeiter eigene Kontur gewinnt - eine Klasse, die am Ende das Ende der Nationalstaaten herbeiführen wird, eine Weltherrschaft der Arbeiterklasse, gestützt auf die Produktion, die letztlich von der Arbeiterklasse ausgehen muss. Der Sozialismus strebt Kompromisse mit dem Nationalstaat an, soziale Sicherungssysteme, die Massenarmut verhindern und den Staat stabilisieren.

Europas Nationen im Wettbewerb um Kolonien

Der Kolonialismus des 19. Jahrhunderts geht im wesentlichen bis in das 16. und 17. Jahrhundert zurück, er weist jedoch gänzlich neue Züge auf. Spanien und Portugal nutzten ihr Kolonien vordringlich, um Gold aus ihnen zu beziehen - das Edelmetall war von kurzem Profit, der Goldfluss führte zu einem Preisverfall, weniger jedoch zum Aufbau sich selbst erhaltender wirtschaftlicher Strukturen. Einen zweiten Entwicklungsschub leistete der niederländische Kolonialismus des 17. Jahrhunderts, der Amsterdam zum Weltfinanzort machte. Ihn prägte der Zusammenschluss Amsterdamer Kaufleute in Handelsgesellschaften, die die größere Erschließung von Wirtschaftsräumen zwischenfinanzierten. Importiert wurden aus den Kolonien Handelswaren. Der Reichtum der Niederlande resultierte aus dem Zwischenhandel und der Veredelung von Rohstoffen in Manufakturen des Landes. Was dem niederländischen Kolonialismus fehlte, war die staatliche Deckung, die er in Großbritannien entwickelte. Die Unterwerfung des Mogul-Reichs Mitte des 18. Jahrhunderts mit britischer Militärmacht bedeutet hier am Ende eine Weichenstellung in den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Private Kapitalgesellschaften bilden das Rückgrat des britischen Kolonialismus. Der Staat deckt sie durch den Aufbau der Nationalbank. In den Kolonien baut der erstarkende Staat Substrukturen seiner selbst auf: Eigene Bildungszentren, eine eigene ständige Armee als Ordnungsmacht, eigene staatliche Strukturen, aus denen im 20. Jahrhundert führende Nationen der Dritten Welt hervorgehen. Der Wettstreit der Nationen um Kolonien wird im 19. Jahrhundert zum zentralen Thema europäischer nationaler Selbstwahrnehmung. Große Projekte wie der Bau des Sueskanals werden zu Kristallisationspunkten des neuen Bewusstseins. Die eigene, europäische Überlegenheit gegenüber dem kolonialen Raum schafft einen Rassismus, der im 18. Jahrhundert nicht bestand, und ein eigenes Feld der Kulturtheorie, in dem es um die Frage geht, unter welcher Bedingung sich Kulturnationen entwickeln.

Rohstoffe, Energiereserven und Industrie

Innerhalb der einzelnen Länder wird die Industrialisierung und die Erschließung der Kohlevorkommen zum Gegenpol des Kolonialismus. Zu verarbeitende Güter werden importiert, Energiereserven müssen im Land für ihre Verarbeitung erschlossen werden. Die Kohlevorkommen Nord und West Englands, Lothringens und des Rheinlands werden der Reihe nach wirtschaftlich nutzbar gemacht. Großbritannien muss sich Ende des 19. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Konkurrenz des erstarkten europäischen Kontinents stellen, bevor die USA im 20. Jahrhundert mit einer eigenen Wirtschaftspolitik und Dank ihrer schieren Marktgröße Europas Nationen überholen. Die Erfindung der Dampfmaschine geht in das frühe 18. Jahrhundert zurück. Im Zusammenspiel mit der Erschließung neuer Energievorkommen und dem Rohstoffimport aus den Kolonien erlaubt sie den Aufbau des industrialisierten Europas. Europas Landkarte verändert sich im Prozess. Reich waren im 17. und 18. Jahrhundert vor allem die Herrschaftszentren. Mit der Erschließung von Rohstoffvorkommen werden Regionen, die bislang uninteressant waren, als Wirtschaftsstandorte attraktiv. Das Rheinland und der Raum um Lüttich machen hier Karrieren.