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Waffen-SS

Waffen-SS

Die Waffen-SS war eine paramilitärische Organisation der SS. Sie ging aus den so genannten politischen Bereitschaften und den SS-Sonderkommandos hervor und hieß anfangs SS-Verfügungstruppe. Die Bezeichnung Waffen-SS kam erst im Winter 1939/40 auf. Sie wurde in der Hierarchie der Kampfverbände im Laufe des Krieges als militärische Elitetruppe des "Reichsführers" der SS Heinrich Himmler positioniert. Als solche erhielt sie im Krieg die beste und modernste Ausrüstung und wurde propagandistisch mit einem Nimbus der Unschlagbarkeit umgeben. Die Waffen-SS war führend an einer Vielzahl von kriegsverbrecherischen Einsätzen im Vernichtungskrieg der Nationalsozialisten beteiligt. Als verbrecherische Organisation gilt sie besonders wegen ihrer aktiven Rolle in der Shoa: Sie stellte die Wachmannschaften der Konzentrationslager, die die Vernichtung der mittel- und osteuropäischen Juden ausführten. Es waren Brigaden der Waffen-SS, die im Sommer 1941 als erste Einheiten mit der unterschiedslosen Ermordung der sowjetischen Juden begannen und dabei erstmals systematisch die jüdische Bevölkerung ganzer Gebiete ermordeten. Des weiteren brach die Waffen-SS mehrfach damals geltendes Kriegsrecht, indem sie Kriegsgefangene hinrichtete oder Zivilisten, Frauen und Kinder verschiedener Ethnien ermordete und den Vernichtungsfeldzug der Einsatzgruppen unterstützte.

Vorgeschichte der Waffen-SS

Die Wurzeln der Waffen-SS sind in der am 17. März 1933 aus 120 SS-Männern gegründeten Stabswache Berlin der Allgemeinen SS zu sehen. Auch in anderen Städten wurden „zuverlässige“ SS-Männer zu „SS-Sonderkommandos“ zusammengefasst und für pseudo-polizeiliche Aufgaben verwendet. Diese Sonderkommandos (jeweils 100–120 Mann stark), wurden später als „Kasernierte Hundertschaften“ und dann als „Politische Bereitschaften“ bezeichnet. Ursprüngliche Aufgabe der Bereitschaften waren der „Schutz höherer SS- und NSDAP-Führer“. Zusammen mit der SA kamen sie in den „Polizeidienst“ und waren offiziell als „Hilfspolizei“ im Straßendienst eingesetzt. Sie nahmen u. a. „wilde Verhaftungen“ politischer und interner Gegner vor und betrieben zum Teil eigene Kellergefängnisse. Teile der Politischen Bereitschaften wurden 1937 auch zu den berüchtigten „SS-Totenkopf-Standarten“ zusammengefasst und dienten nun ausschließlich zur Bewachung von Konzentrationslagern.

Geschichte der Waffen-SS

Konzentrationslager Die Politischen Bereitschaften bildeten den Grundstock der späteren „SS-Verfügungstruppe“, die 1935 aus der Leibstandarte Adolf Hitler mit 2.600 Mann und den SS-Standarten „Deutschland“ und „Germania“ mit 5.040 Mann bestand. Bis zum Überfall auf Polen achtete die Wehrmacht darauf, dass neben ihr keine zweite Armee entstand. Um die Wehrmachtsführung zu beruhigen, wurden die Totenkopf-Verbände und die Verfügungstruppe offiziell in den Polizeietat übernommen, wo sie bis 1942 verbleiben sollten. Adolf Hitler hatte sich damit eine Truppe zu seiner ganz persönlichen Verfügung entwickelt, die sich durch „unbedingte Treue“ ihm gegenüber auszeichnen sollte und für Sicherungsaufgaben vorgesehen war. Von diesen beiden Merkmalen blieben die weitere Entwicklung der SS und ihre rechtliche und tatsächliche Stellung im Dritten Reich bestimmt. Heinrich Himmler, Reichsführer der SS, hatte diesen beiden Merkmalen der SS den „Elitegedanken“ hinzu gefügt. Die SS sollte nicht nur im Einsatz für Hitler „politisch zuverlässig“ (NS-Sprachgebrauch) sein, sondern zu einer „rassischen“ und politischen Führerschicht im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie gebildet werden. Als eigentliche „Geburtsurkunde der Waffen-SS“ gilt eine Geheime Kommandosache Hitlers vom 17. August 1938, wo die Aufgabenverteilung der Verfügungstruppe und der Totenkopf-Verbände festgelegt wurden. Die Waffen-SS wurde schließlich zu Beginn des Zweiten Weltkriegs aus so heterogenen Teilen wie der Verfügungstruppe und den bis Ende 1941 in die Waffen-SS integrierten KZ-Wachmannschaften, den „SS-Totenkopf-Standarten“, geschaffen. Menschenversuche, z. B. im KZ Buchenwald, wurden von Ärzten der Waffen-SS geleitet, die auch den Raub von Zahngold abrechneten. Aber auch Mediziner, die nicht der SS, sondern vielfach der Luftwaffe angehörten, nutzen die einmaligen Möglichkeiten, an „frischem Menschenmaterial“ Versuche durchzuführen, die oftmals jeglicher wissenschaftlicher Grundlage und jeglichen moralischen Bedenkens entbehrten. Dennoch waren die „SS-Totenkopf-Standarten“ keine regulären kämpfenden Verbände der Waffen-SS. Der Begriff „Waffen-SS“ wurde Anfang November 1939 informell in den Sprachgebrauch der SS-Administration eingeführt und setzte sich etwa innerhalb eines Jahres gegenüber den alten Bezeichnungen „Verfügungstruppe“ und „Totenkopf-Verbände“ durch. Das früheste bekannte Dokument, das den Begriff „Waffen-SS“ verwendet, ist ein SS-Befehl vom 7. November 1939, in dem Angehörige der Allgemeinen-SS darauf hingewiesen werden, dass sie Reserveführer in der Waffen-SS werden könnten. Dabei erscheint "Waffen-SS" als Sammelbezeichung für die „bewaffneten Einheiten der SS und Polizei“ (Bundesarchiv: Slg. Schum./v. 432, Bd. 2). Bald darauf, nämlich mit Befehl des Reichsführer-SS vom 1. Dezember 1939, wurde der Umfang der Waffen-SS von diesem wie folgt festgelegt. Demnach gehörten zur Waffen-SS die Angehörigen folgender Verbände, Dienststellen und Ämter: #SS-V-Division #SS-Totenkopf-Division #SS-Polizei Division #SS-Junkerschulen #SS-Totenkopf-Standarten #Ergänzungsamt der Waffen-SS (SS-Erg.Amt) #Waffen- und Geräteamt der Waffen-SS (SS W. u. G.Amt) #Personalamt der Waffen-SS (SS-Pers.Amt) #Amt R. V. der Waffen-SS (Amt RV) #Fürsorge- und Versorgungsamt der Waffen-SS (SS-F. u. V.Amt) #Sanitätsamt der Waffen-SS (SS-San.Amt) #Verwaltungsamt der Waffen-SS (SS-V.Amt) #SS-Gericht (Verfügung des OKW vom 8. März 1940 betr. „Wehrdienstverhältnis und Wehrüberwachung der Angehörigen der Waffen-SS während des Krieges“ – NA: T-175/36/5973 ff.). Zwar erfolgte diese Zuordnung durch Himmler ohne rechtliche Grundlage, aber Hitler ließ ihn anstandslos gewähren. Es war in den Augen Hitlers Himmlers persönliche Sache, wie er die SS intern gliederte; insgesamt wurden 179 Dienststellen der Allgemeinen-SS der Waffen-SS zugeführt. Hitler begründete 1940 die Notwendigkeit der Waffen-SS: „Das Großdeutsche Reich in seiner endgültigen Gestalt wird mit seinen Grenzen nicht ausschließlich Volkskörper umspannen, die von vornherein dem Reich wohlwollend gegenüber stehen. Über den Kern des Reiches hinaus ist es daher notwendig, eine Staatstruppenpolizei zu schaffen, die in jeder Situation befähigt ist, die Autorität des Reiches im Innern zu vertreten und durchzusetzen.“ Der ungewöhnlich anmutende Vorgang einer „schleichenden“ Neubenennung stellt sich, rückblickend betrachtet, als ein äußerst geschickter, freilich eher psychologisch als machtpolitisch wirksamer Schachzug einer gleichermaßen auf Expansion wie Integration zielenden Politik dar. Denn die Einführung des Sammelnamens „Waffen-SS“ signalisierte ebenso den Willen zu einer möglichst wehrmachtunabhängigen SS-Armee wie den Anspruch auf Gleichwertigkeit aller SS-Truppenteile untereinander – nahm also die bislang vom Heer abgelehnte militärdienstliche Gleichbehandlung von Verfügungstruppen, Totenkopfverbänden und Junkerschulen begrifflich schon vorweg. Aber nicht nur das: Zu einem Zeitpunkt, als die SS 3 1/2 Divisionen fast gleichzeitig aufgestellt hatte, wurde deren gemeinsamer Name auch zu einer Chiffre für das von Himmler gewünschte, ihm aber noch nicht zugebilligte SS-Generalkommando. (Wegner, Bernd. Hitlers Politische Soldaten. Die Waffen-SS 1933-1945. 4. Auflage. Paderborn 1990.). Die Waffen-SS umfasste schließlich alle Einheiten der Schutzstaffel, die dem Führungshauptamt und innerhalb dieses Amtes dem Kommandoamt der Waffen-SS unterstellt waren. Dazu zählten sowohl die SS-Divisionen (taktisch dem Heer unterstellt) als auch die SS-Totenkopfwach-Sturmbanne, die organisatorisch ab 1940/1941 dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS zugeordnet waren, welches für Konzentrations- und die sog. Vernichtungslager zuständig war (siehe auch die gerichtliche Aufarbeitung: Prozess 1946ff). Truppendienstlich jedoch unterstanden diese Totenkopfeinheiten weiterhin dem Kommandoamt der Waffen-SS. Es fand auch Personalaustausch zwischen diesen Einheiten statt. 1942 wurde mit Mitteln der Waffen-SS unter dem Dach der Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe e. V. das Institut für wehrwissenschaftliche Forschung gegründet. Dieses Institut führte unter anderem in Konzentrationslagern tödliche Menschenversuche an Häftlingen durch. Diese Menschenversuche waren Gegenstand der Nürnberger Prozesse, besonders des Nürnberger Ärzteprozesses. Die beteiligten Wissenschaftler waren teilweise Mitglieder der Waffen-SS.

Militärischer Aufbau und Konzept der Waffen-SS

Beim Aufbau der SS-Verfügungstruppe taten sich vor allem der ehemalige Reichswehrgeneral und spätere SS-Oberstgruppenführer Paul Hausser und der aus der Wehrmacht ausgeschiedene Felix Steiner hervor. Beide gründeten SS-Junkerschulen zu Ausbildung der Führungskader der Truppe, wobei sie aber ein unterschiedliches Konzept verfolgten. Während Hausser die „alte Schule“ der Preußen-Militärs in die SS-VT übernehmen wollte, hatte Steiner sich nach Kriegserfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg für das damals revolutionäre Konzept der Kampfführung von kleinen Gruppen aus entschieden (vgl. Stoßtrupp). In eine ähnliche Richtung dachte auch Cassius Freiherr von Montigny, der Ende 1935 zu Steiner stieß und vorher im KL Dachau für die Ausbildung der SS-Totenkopf-Verbände zuständig war. Die Divisionen der Waffen-SS waren äußerlich denen der Wehrmacht ähnlich, besaßen jedoch einige Unterschiede und waren sehr oft von größerer Personal- und Ausrüstungsstärke und entsprechend wesentlich größerer Schlagkraft.
- SS Infanterie-Divisionen: :Diese enthielten im Gegensatz zur Wehrmacht zusätzlich ein FlaK- und ein Nachschub-Bataillon.
- SS Gebirgs-Divisionen: :Die Gebirgstruppen der Waffen-SS enthielten in einer Division auch eine Panzer- oder Sturmgeschütz-Kompanie, ebenso ein FlaK- und ein Nachschub-Bataillon.
- SS Panzer-Grenadier-Divisionen: :Diese Einheiten motorisierter Infanterie waren fast identisch zu denen der Wehrmacht, jedoch stärker mit 15 anstatt 14 Kompanien und einem Maschinengewehr-, FlaK- und Nachschub-Bataillon.
- SS Panzer-Divisionen: :Diese besaßen 15 anstatt 10 Panzergrenadier-Kompanien wie bei der Wehrmacht, die Panzer-Regimenter waren größer und beinhalteten zusätzlich ein Pionier-Bataillon, zwei Brückenleger-Kompanien, Flak-Bataillon, Nachschub-Bataillon und ein Mörser-Bataillon. Später, um 1944, auch oft zusätzlich ein Werfer-Bataillon (vorwiegend mit dem Raketenwerfer Typ „Nebelwerfer“ ausgerüstet, gezogen oder auf Halbkettenfahrzeugen montiert. Die innerhalb der Panzerdivisionen selbständigen „schweren Panzer-Abteilungen“ der Waffen-SS besaßen angesichts ihrer Organisation und der Ausstattung mit den berühmten Tiger und Königstiger über die schlagkräftigsten Panzereinheiten des Krieges.
- SS Kavallerie-Divisionen: :Bestand aus zwei motorisierten Kavallerie-Brigaden mit einer kleineren Artillerie-Einheit und einer Panzer-Bergungs- und Reparatureinheit. Daneben gab es die üblichen Unterstützungsbataillone und wiederum ein FlaK- und ein Nachschub-Bataillon.
- SS-Fallschirmjägerbataillon: :Luftlandetruppe der Waffen-SS. Am häufigsten zu Geheimoperationen herangezogen.
- SS-Sonderverbände/SS-Jagdverbände: :Diese Einheiten dienten für Aufklärungs-,Sabotage- und Geheimaktionen. Sie wurden im Oktober 1944 aus den ehemaligen SS-Jägerbataillonen und Einheiten der Division Brandenburg der Wehrmacht gebildet. Diese Spezialeinheiten gehörten zu denen die von Otto Skorzeny bei seinen geheimen Operationen befehligt wurden. Oftmals waren hier auch Elemente aus dem SS-Fallschirmjägerbataillon enthalten. Die entscheidenden Unterschiede zu den Divisionen der Wehrmacht können wie folgt zusammengefasst werden:
- Jede Feld-Division der Waffen-SS hatte ihre eigenen Flak- und Nachschubbataillone
- Jede Gebirgs-Division besaß entweder eine Panzer- oder Sturmgeschütz-Einheit
- Jede Panzer-Division verfügte über ihre eigene Werfer-Einheit
- Alle Divisionen besaßen zahlenmäßig mehr Infanterietruppen

Unterschiede zwischen den Uniformen der Waffen-SS und der Wehrmacht

Die Uniformen der Waffen-SS unterschieden sich unwesentlich von denen der Wehrmacht, da die deutschen Uniformen einen Einheitsschnitt besaßen und die Waffen-SS bzw. die Verfügungstruppe ihre ersten feldgrauen Uniformen aus Beständen der Wehrmacht erhalten hatten. Während der Heeressoldat einen dunkelgrünen Kragen trug, war bei der Waffen-SS ein feldgrauer vorgeschrieben, obwohl auch Fotos bekannt sind, auf denen Soldaten der Waffen-SS ebenfalls einen dunkelgrünen oder auch einen schwarzen Kragen aufwiesen. Anfänglich trugen die Soldaten der SS-Totenkopf-Division das Totenkopfabzeichen auf beiden Kragenseiten, während die Leibstandarte-SS Adolf Hitler die Sig-Runen beidseitig trug. Soldaten der SS-Verfügungs-Division hingegen entfernten die Kragenspiegel. Ab 1940 wurde endgültig für die Waffen-SS festgelegt, dass auf dem rechten Kragenspiegel für Soldaten der Leibstandarte und der Verfügungs-Division allein die Sig-Runen und auf dem linken ausschließlich die parteiamtlichen Dienstgradabzeichen der SS zu tragen sei; Ausnahme bildete nur die Totenkopf-Division, die anstelle der Sig-Runen weiterhin nur das Totenkopfabzeichen tragen durfte. Der Heeressoldat der Wehrmacht trug das „Hoheitszeichen des Deutschen Reiches“ auf der rechten Brustseite, während der Soldat der Waffen-SS dieses seit 1940 verbindlich auf dem linken Oberarm trug. Auf dem Koppelschloss des Wehrmachtssoldaten war das preußische Motto „Gott mit uns“ zu lesen, auf dem des Waffen-SS-Mannes stand „Meine Ehre heißt Treue“, dieses Motto wurde 1932 auf den Koppelschlössern der Allgemeinen-SS eingeführt und geht auf ein Zitat Adolf Hitlers zurück, der 1926 seinen SS-Männern auf einer Parteiverantstaltung „... SS-Mann, deine Ehre heißt Treue!“ zugerufen haben soll. Seit 1940 war es den Soldaten verboten, an den Uniformen die Waffenfarben des Heeres zu tragen; als einheitliche „Waffenfarbe der SS“ war durch Verfügung Heinrich Himmlers die Farbe Weiß bestimmt worden, die neben der „zweiten Waffenfarbe“ der Waffen-SS (Schwarz) getragen werden sollte. Damit wären die Farben der Allgemeinen-SS, Schwarz-Weiß, auch in den Uniformen der Waffen-SS wieder aufgetaucht. Aber diese Vorschrift wurde von den Angehörigen der Waffen-SS überwiegend nicht eingehalten, da sich diese vielmals Uniformateile der Wehrmacht anschaffen mussten, die dann durch Heeresschneider oder privaten Schneider für den „SS-Gebrauch“ dementsprechend abgeändert wurden. So trugen viele Soldaten der Waffen-SS den Brustadler der Wehrmacht als Ärmeladler, oder trugen an den Mützen Hoheitsabzeichen der SA oder anderer Organisationen der NSDAP, da die parteiamtliche „Reichszeugmeisterei der NSDAP“ für die Material-Versorgung seiner Mitglieder wie der SS-Kleiderkasse nicht in der Lage war. Gegen Ende des Krieges wurde die Infanterie der Waffen-SS dann mit Tarnuniformen ausgeruestet, die deutlich von denen des Heeres zu unterscheiden waren.

Dienstgrade der Waffen-SS

Die Waffen-SS-Dienstgrade mit den entsprechenden Dienstgraden der Wehrmacht. Die SS-Dienstgradbezeichnungen waren von der SA und der Allgemeinen SS übernommen worden. Die SS war ursprünglich eine Untergruppierungen der SA wie auch andere NS-Gruppen wie NSKK und NSFK. Eine Tabelle mit allen Dienstgraden der Organisationen der NSDAP siehe unter: Organisationsstruktur der SS.

Divisionen der Waffen-SS

Folgende Divisionen der Waffen-SS wurden bis Mai 1945 aufgestellt: Diese insgesamt 38 Divisionen waren im aktiven Kampf eingesetzt. Sie verteilten sich auf:
- 7 Panzer-Divisionen
- 8 Panzer-Grenadier-Divisionen
- 3 Kavallerie-Divisionen
- 5 Gebirgs-Divisionen
- 5 Grenadier-Divisionen
- 10 Waffen-Grenadier-Divisionen Die „Waffen-Grenadier-Divisionen“ und „Waffen-Gebirgs-Divisionen“ bestanden hauptsächlich aus ausländischen Freiwilligen, diese Bezeichnung wurde von Heinrich Himmler zur Unterscheidung von den aus deutschem Personal bestehenden Divisionen eingeführt. Die „Freiwilligen-Divisionen“ konnten sowohl aus Volksdeutschen als auch aus ausländischen Freiwilligen bestehen. Trotzdem kam es auch vereinzelt zu Überschneidungen d. h. nichtdeutsche Soldaten kamen schon mal in den Einheiten mit deutschem Personal vor. Die Verbände die vorwiegend aus nichtdeutschen bestanden wurden auch als „Legionen“ bezeichnet und ihre Angehörigen (häufig in ihren Heimatländern) oft als Legionäre oder SS-Legionäre. Vier Divisionen wurden vorzeitig aufgelöst bzw. im Kampf zerschlagen. Ihre Nummern wurden an neugebildete Divisionen weitervergeben. Die 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“ (kroatische Nr. 2) wurde aus Personalmangel vorzeitig aufgelöst. Die 29. Waffen-Grenadier-Division unter SS-Brigadeführer Bronislaw Kaminski, die aus der berüchtigten „Kaminski-Brigade“ hervorging, wurde wegen entsetzlicher Verbrechen, barbarischem Verhalten und wilden Plünderungen im November 1944 nach dem gescheiterten Warschauer Aufstand aufgelöst. Diese Division bestand nur drei Monate wobei nicht alle Elemente davon zur Niederschlagung des Warschauer Aufstands entsandt wurden. Kaminski wurde nach massiven Beschwerden wegen der Plünderungen angeklagt, verurteilt und hingerichtet. Die 30. Waffen-Grenadier-Division wurde wegen Unzuverlässigkeit des Personals früh wieder aufgelöst und unter der neuen 30. Waffen-Grenadier-Division (weißruthenische Nr. 1) sowie der Wlassow-Armee aufgeteilt. Es wurden noch sieben Divisionen zur Aufstellung vorgesehen und die Namen dafür zugeteilt jedoch konnten diese Einheiten aufgrund der sich überschlagenden Ereignisse bzw. der Kapitulation Anfang Mai 1945 letztlich nicht mehr aufgestellt werden:
- 39. SS-Gebirgsdivision „Andreas Hofer
- 40. SS-Freiwilligen-Panzerdivision „Feldherrnhalle“ (ex Pz.-Gr.-Div. FHH und ex 13. Pz.-Div. der Wehrmacht)
- 41. Waffen-Grenadier-Division der SS „Kalevala
- 42. SS-Division „Niedersachsen
- 43. SS-Division „Reichsmarschall
- 44. SS-Division „Wallenstein
- 45. SS-Division „Waräger

Ausländische Freiwillige der Waffen-SS

siehe Hauptartikel: Ausländische Freiwillige der Waffen-SS Daneben gab es noch einige kleinere Verbände der Waffen-SS die zum Einsatz kamen, jedoch keine Divisionsstärke hatten (nur etwa die obere Hälfte der Divisionen bis zur 20. hatten tatsächlich diese Größe):
- 101. und 102. SS-Freiwilligenkompanie (span.) [Bildeten eine kleine spanische Legion an der Ostfront]
- SS-Kosaken-Kavalleriekorps [bestehend aus 1. und 2. Kosaken-Kavallerie-Division der SS] (ex Wehrmacht)
- Osttürkischer Waffenverband SS [hauptsächlich Kalmücken – Einsatz gegen Partisanen]
- Kaukasischer Waffenverband SS [Einsatz gegen Partisanen]
- Serbisches SS Freiwilligenkorps
- Indische Freiwilligenlegion der SS [Wenige Einsätze am Atlantikwall und in der Normandie 1944]
- Waffen-Grenadierregiment SS (rumän. Nr. 1)
- Waffen-Grenadierregiment SS (rumän. Nr. 2)
- Waffen-Grenadierregiment SS (bulgar. Nr. 1)
- Freikorps SS Danmark (dän. Nr. 1)
- Norwegisches SS Ski-Jäger-Bataillon
- Finnisches Freiwilligen-Bataillon SS [kämpfte teilweise mit der Panzer-Division Wiking]
- British Freecorps SS [Einsatz an der Ostfront 1945]

Besonderheiten der ungarischen Waffen-SS

In Ungarn war die Waffen-SS eine reguläre Armee (Wehrdienst, Musterung).

Nichtkämpfende Einheiten der Waffen-SS

Neben den an der Front eingesetzten Einheiten und Verbänden gab es auch noch einige kleinere die der Waffen-SS unterstellt waren jedoch spezielle Aufgaben erfüllten und nicht kämpften:
- SS-Bahnschutz (Bahn-Polizei-Einheiten zum Schutz von Reichsbahn und allen Bahnanlagen)
- SS-Postschutz (Einheiten zum Schutz der Reichspost, meistens Postbeamte unter Waffen-SS-Oberaufsicht)
- SS-Begleitkommando (Hitlers persönliche Eskort-Bataillon)
- Begleitbataillon Reichsführer SS (Himmlers Eskort-Bataillon)
- SS-Flakabteilung B (SS-FlaK-Einheit zum Schutz von Hitlers Berghof in Berchtesgaden gegen Luftangriffe)
- SS-Standarte Kurt Eggers (Oberorganisation aller SS-Kriegsberichter-Einheiten die jeder Division zugeordnet waren)
- SS-Wehrgeologenbataillon (Militärgeologen die je nach Bedarf an die Einheiten angeschlossen wurden)
- SS-Röntgensturmbann (spezielles Bataillon dem alle Röntgen-Techniker unterstanden)

Besondere Problematik

Die Soldaten der Waffen-SS „Soldaten wie andere auch“ zu nennen, ist wegen der besonderen verfassungsmäßigen Stellung dieser Truppe, wegen ihrer nationalsozialistischen Programmatik und über die bloße Landesverteidigung hinaus weisende Gewaltfunktion unzutreffend. Zudem weisen die Biographien der in der Waffen-SS tätigen Führer diese nur allzu oft als „politische Kämpfer“ aus. Allerdings gab es auch Soldaten, die sich nicht freiwillig für den Dienst in der Truppe unter dem Totenkopf gemeldet hatten. Durch die hohen Verluste an der Front wurde das Prinzip der Freiwilligkeit schließlich ganz aufgegeben. Das SS-Führungshauptamt konnte sich gegen die Wehrmachtsführung durchsetzen und in bestimmten Gebieten Rekruten einziehen. Die akute Personalnot an ausgebildeten Fachleuten führten auch dazu, dass Generalstabsoffiziere oder Generäle des Heeres auf Generalstabsdienstposten in den SS-Divisionen versetzt wurden, um dort ihren Dienst zu verrichten. Vom Heerespersonalamt wurden sie weiterhin als Offiziere des Heeres geführt. Uniformen und Embleme der Waffen-SS üben eine besondere Faszination in der rechtextremen Szene aus. Die Bundesregierung verwies 2002 in ihrem Verbotsantrag für die NPD unter anderem auf deren Vorliebe für „Formensprache, Begriffe und Kennzeichen der NSDAP sowie ihrer Nebenorganisationen, insbesondere der Waffen-SS“.

Verbrechen der Waffen-SS

Die Waffen-SS hatte im Krieg den Ruf, rücksichtslos gegenüber Gefangenen und der Zivilbevölkerung zu sein. Insbesondere aus den Reihen von Freiwilligen- und Waffen-Divisionen wurden bei der Partisanenbekämpfung brutale Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung begangen. Dies war sicher auch durch die ideologische Ausrichtung der Führungsspitze und der verantwortlichen Truppenführer begründet. Einige Verbrechen die von Einheiten der SS begangen wurden:
- Im Mai 1940 eroberte das motorisierte SS-Infanterieregiment „Leibstandarte Adolf Hitler“ die Ortschaft Wormhoudt in Nordfrankreich. Mindestens 45 gefangene britische Soldaten wurden von Angehörigen der „Leibstandarte“ erschossen.
- Einen Tag nach der alliierten Landung in der Normandie, am 7. Juni 1944, erschossen Soldaten der SS-Panzerdivision „Hitler-Jugend“ etwa hundert kanadische Kriegsgefangene und fuhren mit Panzern über deren Leichen.
- Untrennbar mit der Waffen-SS verbunden ist das Massaker in Oradour-sur-Glane, wo eine Kompanie der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ am 10. Juni 1944 642 Menschen, darunter auch 245 Frauen und 207 Kinder, erschossen oder mit ihren Häusern bei lebendigem Leibe verbrannt hat.
- Bei Malmedy kam es 1944 zu einem weiteren Kriegsverbrechen, als Soldaten der Waffen-SS etwa 70 US-Soldaten erschossen, die sich bereits ergeben hatten.
- Am 20. April 2004 begann in La Spezia, Italien der Prozess gegen die Waffen-SS-Offiziere Gerhard Sommer, Ludwig Sonntag und Alfred Schönenberg wegen eines Massakers am 12. August 1944 in Sant'Anna di Stazzema bei Lucca in der Toskana, bei dem 560 Zivilisten ermordet wurden, darunter 142 Kinder. Im Juni 2005 wurden Sommer und neun Soldaten seiner Einheit in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt mit dem Ziel einer Anklage in Deutschland.
- Am 8. Juli 2004 begann in La Spezia, Italien der Prozess gegen Waffen-SS-Offizier Hermann Langer wegen eines Massakers in im toskanischen Kloster Farneta bei Lucca am 2. September 1944, bei dem 60 Zivilisten ermordet wurden. Er wurde jedoch aus Mangel an Beweisen 60 Jahre nach der Tat am 10. Dezember 2004 in Abwesenheit freigesprochen. Viele Verbrechen blieben bis heute ungesühnt, da die Anklageerhebung gegen die Verantwortlichen aus politischen Rücksichtnahmen auf den NATO-Partner Bundesrepublik Deutschland zum Teil jahrzehntelang verschleppt wurde. 2004 Darüber hinaus gab es auch zwischen den Feldeinheiten der SS-Divisionen und den SS-Einsatzgruppen, die hinter der Front in großem Maßstab Massaker an Juden begingen, sowie den ebenfalls zur Waffen-SS zählenden Wachmannschaften der Konzentrationslager Personalaustausch. Im Kiewer Vorort Babi Jar ermordeten Waffen-SS- und SS-Einsatzgruppen nach dem Einmarsch in Kiew am 29./30. September 1941 etwa 33.000 Menschen. In wenigen Fällen wurden Offiziere der Waffen-SS wegen ihrer Verbrechen verhaftet und auch verurteilt, so z. B. SS-Brigadeführer Bronislaw Kaminski der zusammen mit einigen seiner Offiziere der 29. Waffen-Grenadier-Division der SS „RONA“ (russische Nr. 1) wegen der brutalen Plünderungen in Warschau 1944 verurteilt und sofort danach durch Erschießen hingerichtet wurde. Andere Quellen sprechen davon, dass Kaminski wegen zu weitgehender Forderungen gegenüber der SS-Führung hingerichtet wurde. Für diese These spricht, dass der Führer der Waffen-Grenadier-Division der SS „Dirlewanger“, Dr. Oskar Dirlewanger für den gleichen Einsatz das Ritterkreuz erhielt. Beide Einheiten sind für ihr besonders harte und grausame Kriegsführung bekannt. Kämpfer der Waffen-SS haben in den letzten Kriegstagen eine Vielzahl von deutschen Soldaten und Zivilisten wegen angeblicher Wehrkraftzersetzung oder Desertion hingerichtet. In den Nürnberger Prozessen 1946 erklärte der Internationale Militärgerichtshof nicht nur die Allgemeine-SS, sondern ausdrücklich auch die Waffen-SS als untrennbaren Teil der Gesamt-SS wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur verbrecherischen Organisation.

Waffen-SS und Einsatzgruppen

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion wurden von sogenannten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD Massenmorde an Zivilisten und Kriegsgefangenen begangen. Die Einsatzgruppen A, B, C und D umfassten je zwischen 500 und 1.000 Mann. Die Einsatzgruppe A setzte sich aus 990 Mann, darunter 133 Mann der Ordnungspolizei und 340 Mann der Waffen-SS, zusammen. Allein am 29. August 1941 erschossen sie in Utena und Moletai 582 Männer, 1731 Frauen und 1469 Kinder jüdischer Herkunft. Bis November 1941 hatte diese Einsatzgruppe allein 136.421 Juden – Männer, Frauen und Kinder – erschossen.

Verluste

In der Literatur wurde schon zu Kriegszeiten der Mythos vom Opfergang der Waffen-SS gepflegt. In den ersten Kriegsjahren fehlten in den Großverbänden der Waffen-SS ausgebildete Generalstabsoffiziere, so dass oftmals ohne ausreichende Beurteilung der Lage und ohne Rücksicht auf Verluste angegriffen wurde. Zudem bestand nicht nur der Ehrgeiz, von der skeptischen Wehrmachtsführung als gleichwertige Kampftruppe anerkannt zu werden, sondern auch der, den eigenen Elite-Anspruch zu bestätigen. Die Waffen-SS errang teils sensationelle militärische Erfolge und erwarb sich den Ruf im Kampf unschlagbar zu sein. Das aber ging freilich mit teilweise recht hohen Verlusten einher und im weiteren Verlauf des Krieges wurde es zudem immer schwieriger die Verluste durch Soldaten von ebensolcher hoher Qualität zu ersetzen. Der Kriegsverlauf und die hohe Zahl der neuaufgestellten Verbände bedingten eine stetige Minderung des Kampfwertes. Zwar war die Zahl der gut ausgebildeten Stabsoffiziere höher und damit die Qualität der Führung taktisch gesehen besser und umsichtiger als zu Kriegsbeginn. Aber die Aufgabe der Freiwilligkeit, die Lockerung der Aufnahmekriterien und schließlich das legalisierte Einziehen von neuen Rekruten wirkten sich nachhaltig auf die Kampfmoral der Mannschaften und der Unterführer aus. Das auch heute noch geltende Prinzip der „Führung von vorn“ ließ die Verluste an Offizieren sprunghaft hochschnellen. Häufig wurde versucht, fehlende Erfahrung mit Tollkühnheit und Todesverachtung auszugleichen. Im Laufe des Krieges ging mit den hohen Verlusten an Führern auch eine Straffung der Offiziersausbildung einher, was sich wiederum negativ auf die Truppenführung auf Zug- und Kompanieebene auswirkte. Zudem erfolgte auf Himmlers Betreiben ein reger Führeraustausch zwischen Fronttruppe, SS-Ämtern, Ausbildungseinheiten und Konzentrationslagern. So kam es vor, dass gegen Kriegsende SS-Offiziere aus aufgelösten KZ in die Fronttruppe versetzt wurden (nachdem schon früher der Einsatz der KZ-Wachmannschaften wegen schlechter Kampfleistungen eingestellt wurde) und aufgrund der fehlenden Kampferfahrung als taktische Führer vollkommen versagten. Die deutsche Rüstungsindustrie konnte trotz enormer Produktivitätssteigerung den Bedarf der Fronttruppen nicht decken. Daher erfolgte eine Priorisierung hinsichtlich der Verlässlichkeit und Kampfmoral. Bevorzugt ausgerüstet wurden sämtliche Panzerdivisionen des Heeres, der Waffen-SS und der Luftwaffe (PzKorps HG), einige Panzergrenadier-Divisionen, wenige ausgesuchte Gebirgs- und Infantriedivisionen sowie gegen Kriegsende die Volksgrenadier-Divisionen. Diese bevorzugten Verbände standen dafür auch stets im Schwerpunkt der Kämpfe und hatten damit die Hauptlast und die größten Verluste zu ertragen. Mit dem Verlauf des Krieges verschlechterte sich die Materiallage jedoch derart, dass auch die besten Divisionen nicht mehr vollständig ausgerüstet werden konnten. Lediglich kurz vor der Ardennen-Offensive erreichten die beteiligten Verbände des Heeres und der Waffen-SS nochmals annähernd Sollbestand nach KStAn. Etwa 50 % der SS-Divisionen erreichten niemals das Personal- und Ausstattungs-Soll. Die Bewaffnung der Grenadier-, Gebirgs- und Panzergrenadier-Divisionen mit „hohen Hausnummern“ war oftmals unzureichend und/oder teilweise veraltet. Trotzdem sollten diese Verbände die gleichen Leistungen vollbringen können wie die reichsdeutschen SS-Panzerdivisionen. Daraus resultierte, dass auch solche SS-Verbände oftmals im Schwerpunkt eingesetzt wurden, hohe Verluste hatten und die Erwartungen der Korps- und Armee-Führer natürlich nicht erfüllen konnten. Als Beispiel sei hier der Einsatz der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division in Oberschlesien genannt. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Verluste der Waffen-SS über die Dauer des Krieges hoch waren. Sei es wegen fehlender Erfahrung oder später wegen immer kürzerer Ausbildung und unzureichender Ausrüstung, verbunden mit weiterhin sehr hohen Erwartungen seitens der höheren Führung. Eine schon vor Jahren vorgenommene Berechnung, die auf Angaben der Wehrmachtsauskunftsstelle beruhte, gelangte zu dem Ergebnis, dass die Kriegstotenzahl der Waffen-SS der des Heeres exakt entsprach – insgesamt gesehen. Dies schließt unverhältnismäßig hohe Verluste einzelner Einheiten oder Verbände nicht aus. Overmans belegt die Vergleichbarkeit der Verlustraten von Waffen-SS-Verbänden und entsprechend gegliederten Heeresdivisionen im gleichen Zeitraum und am gleichen Ort und gelangt zu der Feststellung, „dass die Verluste der Waffen-SS insgesamt nicht signifikant höher gewesen sind als diejenigen des Heeres.“

Übernahme von ehemaligen SS-Angehörigen in Bundeswehr und Nationale Volksarmee

Nach der Wiederbewaffnung blieb die neu gegründete Bundeswehr ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS allerdings nur oberhalb des Dienstranges des Hauptsturmführers (entspricht dem Rang eines Hauptmannes) verschlossen. 1961 waren durch den Personalgutachterausschuss 159 ehemalige Waffen-SS-Offiziere, 330 Unteroffiziere und 210 Mannschaften nach Prüfung in das Dienstverhältnis eines Berufssoldaten oder eines Soldaten auf Zeit berufen worden. Auch die Kasernierte Volkspolizei (KVP), aus der später die Nationale Volksarmee (NVA) der DDR hervorging, nahm einzelne Wehrmachts- und SS-Angehörige auf, jedoch wesentlich weniger Personen und an weniger einflussreichen Positionen als in Bundeswehr und westdeutschen Behörden.

Traditionsverbände der Waffen-SS nach 1945

Die Veteranen der Waffen-SS schlossen sich zu einem Traditionsverband, der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS (HIAG), zusammen, der bis in die 1970er Jahre erheblichen Einfluss im Netzwerk der Soldaten- und Traditionsverbände hatte, aber auch intensive Kontakte zu den Parteien der Bundesrepublik Deutschland pflegt. Erst in den 1980er Jahren erfolgte eine Distanzierung: CDU-Bundestagsabgeordnete beendeten ihre Mitarbeit, die SPD fällte einen Unvereinbarkeitsbeschluss. Der Bundesverband der HIAG, der wegen seiner Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes stand, löste sich Ende 1992 auf. Bis heute bestehen Verbände aber weiterhin auf Landesebene. Auch die Zeitung des HIAG „Der Freiwillige“, die im rechtsextremen Munin-Verlag erscheint, wird noch herausgegeben. Hauptinhalt dieser Publikation ist die Darstellung der Waffen-SS als normale kämpfende Truppe und Militärnostalgie, daneben finden sich auch geschichtsrevisionistische Artikel, die nicht allein die Geschichte der Waffen-SS betreffen. Neben der HIAG gilt in Österreich die „Kameradschaft IV“ als Interessen- und Traditionsverband der Waffen-SS. Diese Organisation richtet alljährlich das „Ulrichsberg-Treffen“ in Kärnten aus.

Bekannte Mitglieder der Waffen-SS

Siehe auch: Schutzstaffel, Organisationsstruktur der SS, Heinrich Himmler, SA

Zitate über die Waffen-SS

Konrad Adenauer: "Einer Anregung nachkommend teile ich mit, dass die von mir in meiner Rede vom 3. Dezember 1952 vor dem Deutschen Bundestag abgegebenen Ehrenerklärung für die Soldaten der früheren deutschen Wehrmacht auch die Angehörigen der Waffen-SS umfasst, soweit sie ausschließlich als Soldaten ehrenvoll für Deutschland gekämpft haben.“

Literatur


- H. Auerbach: Waffen-SS. In: W. Benz (Hrsg) Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, München 1992
- Boog/Förster/Hoffmann/Klink/Müller/Ueberschär: Der Angriff auf die Sowjetunion, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1991, ISBN 3-59611-008-4
- H.Boog/W.Rahn/R.Stumpf/B.Wegner: Die Welt im Krieg 1941-1943, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1992, ISBN 3-596-11699-6
- H. Buchheim: Anatomie des SS-Staates, Düsseldorf 1967.
- H. Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf - Die Geschichte der SS, Orbi Verlag, ISBN 3-57201-342-9
- Eugen Kogon: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager. 1946 (viele Neuauflagen)
- Militärgeschichtliche Zeitschrift, Hg. Militärgeschichtliches Forschungsamt 61 (2002) Heft 2 ISSN 0026-3826
- Militärgeschichtliche Mitteilungen, Hg. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Heft 2, 1980.
- Rüdiger Overmans: Deutsche militärische Verluste im Zweiten Weltkrieg, München 1999. ISBN 3-48656-332-7
- George H.Stein.: Geschichte der Waffen-SS, Athenäum Droste 1978. ISBN 3-7610-7215-5
- Bernd Wegner: Hitlers Politische Soldaten: Die Waffen-SS 1933-1945, 6. Aufl., Schöningh, Paderborn 1999. ISBN 3-50677-502-2
- Peter Klein: Die Einsatzgruppen in der besetzten Sowjetunion 1941/42: die Tätigkeits- und Lageberichte des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Ed. Hentrich, Berlin 1997
- Robert M. W. Kempner: SS im Kreuzverhör: die Elite, die Europa in Scherben schlug, Greno, Nördlingen, 1987
- Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS e.V.: Wenn alle Brüder schweigen, Munin-Verlag, Osnabrück 1971 und Coburg 2003, ISBN 3920677064

Weblinks


- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/30/0,1872,2022078,00.html Die Waffen-SS (ZDF)]
- [http://www.phoenix.de/dokus/15209/ Kaltblütiger Mord – Phoenix-Dokumentation]
- [http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/kriegsverlauf/waffenss/ DHM/lemo]
- [http://www.salvator.net/salmat/pw/pw1/2wk/burger.htm SS-Mitglieder im KZ Auschwitz-Birkenau]
- [http://www.bundesarchiv.de/bestaende_findmittel/findmittel_online/online_fm_abt_ma/index.html Bestände und Online-Findmittel zur Waffen-SS im Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv, Freiburg] Kategorie:SS Kategorie:Militärischer Verband (3. Reich) ja:武装親衛隊

Paramilitär

Als Paramilitär (Kunstwort; v. griech.: para „neben“ + lat.: milesKämpfer“, „Soldat“) werden inoffizielle nicht staatliche militärisch organisierte Gruppierungen bezeichnet, die sich polizeiliche oder militärische Kompetenzen anmaßen, um außergesetzlich eigene oder insgeheim staatliche innen- oder außenpolitische Ziele mit Gewalt durchzusetzen. Auch irreguläre Verbände, die im Auftrag fremder Staaten in anderen Staaten eingreifen, werden als Paramilitär bezeichnet. Häufig wird die Bezeichnung Paramilitär im Gegensatz zur Bezeichnung paramilitärisch tatsächlich nur auf solche Verbände angewandt, die mit Wissen, Duldung oder im geheimen Auftrag des Staates oder einzelner seiner Institutionen und Repräsentanten gegen dessen vermeintliche Feinde agieren. In diesem Sinne werden Verbände und Gruppen, die den Staat selbst organisiert mit Waffengewalt bekämpfen, meist nicht als Paramilitär bezeichnet, auch wenn sie ohne weiteres paramilitärisch im Sinne von "ähnlich wie Militär strukturiert" zu nennen sind. Als Rechtfertigung ihres Handelns dient den Paramilitärs oft die angebliche Schwäche des Staates oder seines Rechtssystems gegenüber der so genannten 'Subversion' oder äußeren Gefahren, sie berufen sich somit auf eine angebliche Notwehrsituation von Gesellschaft und Staat. Beispiele staatsnaher paramilitärischer Verbände oder Gruppen in Geschichte und Gegenwart:
- um 270 v. Chr. Mamertiner, Sizilien
Die 'Söhne des Mars' waren eine italische Söldnertruppe, die vom Syrakuser Tyrannen Agathokles angeworben wurde, nach seinem Tod die Stadt Messana eroberte und von dort aus das Land plünderte; die Römer, von den Mamertinern gegen die Karthager zu Hilfe gerufen, besetzten Messana und machten den Mamertinern ein Ende.
- 1919 bis 1923 Freikorps, Baltikum
Deutsche Söldner- und Freiwilligentruppen, die mit Duldung des Staates noch nach Beendigung des 1. Weltkriegs zunächst im Baltikum gegen die UdSSR und die Bolschewiki kämpften. Die Freikorps spielten auch eine wichtige Rolle während des Kapp-Putsches und bei den sich anschließenden Kämpfen im Ruhrgebiet.
- ca. 1920-1945 Schutzstaffel (SS), Deutschland
Diese Organisation wurde zunächst als Leibwächter für die Parteiführung der NSDAP gegründet. Nach der Machtergreifung Adolf Hitlers im Jahre 1933 wurde die SS zu einer Art Privat-Armee der NSDAP umgebaut. Die SS war als Terror-Organisation im Inland tätig. Nach Ausbruch des Krieges wurde zusätzlich die Waffen-SS geschaffen, die an der Seite der Wehrmacht im Feld kämpfte und dort häufig als "Feuerwehr" eingesetzt wurde. Den SS-Totenkopf Verbänden oblag dagegen die Organisation des Holocausts.
- 1933 Sturmabteilung (SA), Deutschland
Die halbmilitärische Privatarmee der Nationalsozialisten wurde 1933 staatlicherseits als Hilfspolizei gegen politische Gegner eingesetzt.
- 1970 Weisse Hand, Guatemala
Eine inoffizielle, geheime Gesellschaft, in der hohe Offiziere von Polizei und Militär sich als 'Todesschwadron' zu einem Mordkomplott gegen tausende von politischen Gegnern verschworen hatten.
- 1975 UNITA, Angola Von Südafrika finanzierte Banden, die vorwiegen die Zivilbevölkerung im sozialistischen Angola terrorisierten.
- 1980 Contras, Nicaragua
Von den USA aus Drogengeldern finanzierte Geheimarmee, die vom Norden aus in Nicaragua einfielen, um die nicaraguanische Revolution zu revidieren und die Sandinisten zu schwächen.
- 2004 Autodefensas Unidas de Colombia (AUC) Kolumbien
Eine rechtsgerichtete Privatarmee der Großgrundbesitzer, die teils mit Duldung oder vielleicht sogar Unterstützung des Staates und der Armee linke Guerillabewegungen bekämpft. Auch Schützenvereine haben manchmal eine lange Tradition die sich bis auf paramilitärische Verbände zurückführen lässt, wie die Gebirgsschützen oder Schützen. Vom obigen Gebrauch abweichend wird der Begriff 'Paramilitär' manchmal auch einfach auf offizielle militärähnlich ausgerüstete 'halbmilitärische' Polizeiformationen angewendet, deren Aufgaben weder rein militärischer noch ausschließlich polizeilicher Natur sind. Zusammen mit staatsnahen Verbänden können solche Polizeieinheiten im Falle eines bewaffneten Konflikts Teil der bewaffneten Macht und somit Kombattanten sein.

Siehe auch


- Privatarmee
- Bürgerkriegsarmee
- Miliz
- Terrorismus
- Gendarmerie
- Nationalgarde Kategorie:Allgemeine Truppenkunde

Schutzstaffel

Die Schutzstaffel (SS) war von 1934 bis 1945 eine eigenständige, paramilitärische Organisation innerhalb der NSDAP, deren Teil-Organisationen maßgeblich am Holocaust beteiligt waren. Ihr Leitspruch lautete „Unsere Ehre heißt Treue“ Holocaust

Vorläuferorganisationen der SS

Die Stabswache und der Stoßtrupp Adolf Hitler

Holocaust Im Mai 1923 bildete Adolf Hitler aus ausgewählten SA-Angehörigen die kurzlebige Stabswache. Nachdem sich Hermann Ehrhardt bereits Mitte 1923 mit Ernst Röhm und Hitler überworfen hatte, wurde aus 12 SA-Angehörigen der Stoßtrupp Adolf Hitler gebildet, der Hitler vor Übergriffen der parteieigenen Sturmabteilungen schützen sollte. Dem Stoßtrupp Adolf Hitler standen zwei ehemalige Angehörige der Stabswache vor, die zuvor der Brigade Ehrhardt angehört hatten: Julius Schreck und Joseph Berchtold. Die anderen Mitglieder waren: Ulrich Graf, Emil Maurice, Christian Weber, Josef Dietrich, Rudolf Heß, Jakob Grimminger und Walter Buch, Karl Fiehler, die ebenfalls Freikorpseinheiten angehört hatten. Karl Fiehler

Die Geschichte der SS

Gründung der Schutzstaffel

Im Mai 1925 bildete Julius Schreck, später erster Reichsführer-SS, im Auftrag Hitlers eine Einheit aus acht Angehörigen des Stoßtrupps, die den Kern der späteren SS bilden sollten, darunter Rudolf Hess, Hermann Göring und Josef „Sepp“ Dietrich. Den Namen Schutzstaffel schlug der damalige SA-Führer Hermann Göring in Anlehnung an eine Fliegerbegleitstaffel Manfred von Richthofens vor. Die Aufgaben der Organisation beschrieb Hitler in einem „Führer-Befehl“ vom 7. November 1930 wie folgt: „Die Aufgabe der SS ist zunächst die Ausübung des Polizeidienstes innerhalb der Partei.“

Konkurrenz zur SA

Mit einer Beschränkung der Sollstärke auf 10% der Sturmabteilung wollte die SA-Führung die SS kleinhalten. In den Reichsgauen durfte mit dem Aufbau einer Schutzstaffel erst begonnen werden, wenn der Aufbau eines vollständigen SA-Sturmes abgeschlossen war. Mit Ausnahme Berlins, wo die SS die doppelte Stärke haben sollte, wurde die Sollstärke auf höchstens zehn Männer und einen Führer festgelegt. Unzufrieden mit diesen Regelungen und darüber, dass die SA die ihr unterstellte SS niedrige Aufgaben erledigen ließ, trat der zweite Reichsführer-SS, Josef Berchtold, 1927 zurück. Berchtolds Nachfolger wurde Erhardt Heiden, der ein 27-jähriges Mitglied der Röhmschen Reichskriegsflagge zu seinem Stellvertreter ernannte: Heinrich Himmler. Heiden wurde von der SA und ihrer Führung nicht ernst genommen. Die SA bestand in den Augen der SS nur aus „Rabauken“, während die SA die SS als „feine Pinkel“ betrachtete. Am 5. Januar 1929 trat auch Heiden als Reichsführer SS zurück.

Die SS als eigenständige Organisation

1929 Zunächst der SA unterstellt, entwickelte sie sich zu einer Organisation mit „Polizeifunktionen“ innerhalb der NSDAP. Mit der Berufung Heinrich Himmlers zum Reichsführer-SS 1929 begann ein grundlegender Wandel der Organisation. Als bislang kleine Gruppierung von wenigen hundert Mann innerhalb der SA sollte sie nach Himmler zur Kampftruppe der NSDAP ausgebaut werden, „ein nationalsozialistischer, soldatischer Orden nordisch bestimmter Männer, von denen jeder bedingungslos jeden Befehl befolgt, der vom Führer kommt.“ Die SS wurde gleichzeitig zu einer Elite- und einer Massenorganisation. Schon 1932 war sie auf rund 52.000 und ein Jahr später auf gut 204.000 Mitglieder angewachsen. Der elitäre Charakter zeigte sich in den rassebiologischen und weltanschaulichen Kriterien, die erfüllt werden mussten, um der SS angehören zu können. Die SS sollte als „Sippengemeinschaft“ eine Verkörperung der nationalsozialistischen Herrenmenschenideologie darstellen und als „Bewahrer der Blutsreinheit“ zur Keimzelle der nordischen Rassendominanz werden. Die Auswahlkriterien beschränkten sich daher nicht auf die Bewerber selbst, auch Ehefrauen der SS-Mitglieder wurden hinsichtlich ihrer „Rassenreinheit“ überprüft. Die Ideologie der SS als Führungsorden manifestierte sich auch an der Anlehnung an Vorstellungen mittelalterlicher Rittergemeinschaften, mit der sie sich durch Rituale in Weihestätten oder Symbole wie den SS-Totenkopfring und die Verwendung verschiedener Runensymbole (heute umgangssprachlich als: "SS-Runen" bezeichnet) oder den Ehrendolch eine quasireligiöse Dimension zu geben versuchte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erhielt die SS mit SA und Stahlhelm polizeiliche Privilegien zur Verfolgung politischer Gegner. Im April 1933 befanden sich bereits über 25.000 Regimegegner in „Schutzhaft“. SA und SS begannen mit der Errichtung erster Konzentrationslager (KZ) in Dachau und Oranienburg (Sachsenhausen). Am 30. Juni und 1. Juli 1934 ermordeten die bewaffneten SS-Verbände Leibstandarte-SS Adolf Hitler und SS-Totenkopfverbände im Rahmen des Röhm-Putsches die Führung der SA sowie zahlreiche politische Gegner, darunter viele aus dem konservativen Lager. Am 20. Juli 1934 erklärte Hitler: „Im Hinblick auf die großen Verdienste der SS, besonders im Zusammenhang mit den Ereignissen vom 30. Juni 1934, erhebe ich dieselbe zu einer selbständigen Organisation im Rahmen der NSDAP.“ Die SS übernahm nun in alleiniger Verantwortung die Zuständigkeit für alle Konzentrationslager (KZ) im Reich, die bis dahin teilweise noch von der SA kontrolliert worden waren. Die SS-Totenkopf-Verbände wurden nun ausschließlich mit der Bewachung der Lager beauftragt. Im November 1934 wurde das Prinz-Albrecht-Palais in der Wilhelmstraße 102 in Berlin in den Komplex der Gebäude an der Prinz-Albrecht-Straße 8 miteinbezogen und zum Sitz des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS. Ab 1935 benannten sich die Verwaltungseinheiten der SS in Allgemeine-SS um. Sie wollten sich dadurch von ihren inzwischen bewaffneten Verbänden, der SS-Verfügungstruppe und den SS-Totenkopfverbänden unterscheiden, die später die Waffen-SS bildeten. Diese Allgemeine-SS, nun auch Heimat- oder Schwarze-SS genannt, unterstand nun dem neuen Kommandoamt der Allgemeinen-SS in Berlin. Damit kam es zur klassischen Dreiteilung der SS, die informell bis 1945 Bestand hatte: # Allgemeine-SS # SS-Totenkopf-Standarten # SS-Verfügungstruppe Der Begriff „SS“ bildete ab 1939/40 den „Dachverband“ für verschiedene Hauptämter und deren Unterabteilungen:
- Das Führungshauptamt (FHA) war die betriebliche Stabsstelle (Hauptquartier) der SS. Es leitete und verwaltete die Offiziers-Schulen, medizinische Versorgung, Transportvorgänge, Lohnzahlungen und Ausrüstungen.
- Rasse- und Siedlungshauptamt (RuSHA) hatte die Aufgabe, eine „rassisch wertvolle“ Führungselite herauszubilden
- Das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) war die zentrale Stelle zur Ausübung der polizeilichen Funktionen der SS.
- Das SD-Amt Reinhard Heydrichs diente als Geheimdienst zur Bekämpfung äußerer wie innerer Gegner und zur Bespitzelung der Bevölkerung.
- Die Sicherheitspolizei (Sipo) war für die Kriminal- und die Geheime Staatspolizei (Gestapo) zuständig.
- Militärischer Zweig der SS war die aus Verfügungstruppen und Totenkopf-Verbänden gebildete Waffen-SS
- Das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) steuerte die Konzentrationslager und deren Konstruktion und verwaltete die SS-eigenen Industrien, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetriebe.

Beteiligungen der SS an Kriegshandlungen

Am 13. März 1938 nahmen auch Truppenteile der SS-Verfügungstruppe am Einmarsch der Wehrmacht in Österreich teil, wo sie in Wien ein bewaffnetes SS-Regiment aufbauten: die SS-Standarte Der Führer. Im Oktober zog die SS-Verfügungstruppe ins tschechische Sudetenland ein. Wenig später zerbrach die Tschechoslowakei. Der tschechische Teil wurde zum „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ erklärt und die SS mit der Zerschlagung des Widerstandes beauftragt. Der Chef des Reichssicherheitshauptamtes Reinhard Heydrich wurde später Reichsprotektor des besetzten Gebietes. Wegen seiner Terrorpolitik wurde er bald „Schlächter von Prag“ genannt. Im Herbst 1939 wurden die Leibstandarte, die Verfügungstruppe und die Totenkopf-Verbände langsam zur Waffen-SS verschmolzen. Heinrich Himmler wollte als Reichsführer-SS seine Schutzstaffel zu einem umfassenden Staatsschutzkorps ausbauen, das an allen Fronten die inneren und äußeren Feinde des NS-Staates bekämpfen sollte. Trotz aller Differenzen innerhalb der verzweigten SS-Organisationsstruktur blieb die SS auf ein einheitliches ideologisches Ziel ausgerichtet. Dementsprechend gab es eine einheitliche Ausbildung der Führungskräfte in den beiden SS-Junkerschulen in Bad Tölz und Braunschweig. Die militärische und ideologische Schulung unterschied nicht, ob die Führungskräfte in der SS-Verwaltung, an der militärischen Front, im SD oder in den Konzentrationslagern eingesetzt werden sollten. Der erste Kampfeinsatz der SS erfolgte beim Überfall auf Polen. Die Wehrmacht befürchtete eine zunehmende Konkurrenz durch die SS-Verfügungstruppe, konnte aber die Zusammenlegung der bisherigen Regimenter Germania, Der Führer, Totenkopf und der Leibstandarte-SS Adolf Hitler zur SS-Verfügungs-Division nicht verhindern. Aber: Die kämpfenden SS-Verbände dieser SS-V-Division unterstanden weiterhin dem Oberkommando der Wehrmacht und wurden nun auf verschiedene Heeresteile verteilt, d.h. die SS-V-Division kämpfte nicht als einheitlicher Verband. Ab 1943 wurden auch wehrpflichtige Deutsche und Männer aus Nordwest-Europa in die SS-V-Division eingezogen, um an der Front neben den Wehrmachtsoldaten zu kämpfen, später wurde auch der Versuch unternommen, SS-Einheiten aus anderen Ländern wie z.B. Albanien aufzustellen. Diese Versuche hatten allerdings eher geringen Erfolg, so zerfiel die albanische SS-Division "Skanderberg" bereits vor ihrem ersten Kampfeinsatz. Weitere, vom Oberkommando unabhängige SS-Verbände (einige Totenkopf-Standarten und nichtmilitärische Verbände) kamen hinter der Front bei „Säuberungsaktionen“ zum Einsatz und begannen mit der systematischen Verfolgung und Ermordung von Juden und Angehörigen der polnischen Intelligenz. In einem Protestschreiben äußerte sich der Generaloberst der Wehrmacht Johannes Blaskowitz: „Die Einstellung der Truppe zur SS und Polizei schwankt zwischen Abscheu und Hass. Jeder Soldat fühlt sich angewidert und abgestoßen durch diese Verbrechen, die in Polen begangen werden.“ Da die Verbrechen ganz auf der Linie der SS- und NS-Führung im Reich lagen, ging der Ausbau der kämpfenden SS-Verbände rasch voran. Beim Angriff auf Frankreich verfügte die inzwischen gegründete Waffen-SS bereits über drei Divisionen (Das Reich, Totenkopf und die SS-Polizei-Division) und das motorisierte Regiment LAH. Die SS-Divisionen erlitten an der Front teilweise schwere Verluste. Als Freiwilligentruppe hochmotiviert, aber ohne fundierte militärische Ausbildung dienten sie ihren Führungsoffizieren als Kanonenfutter: „Verluste spielen keine Rolle.“ Im Frankreichfeldzug wurden von SS-Verbänden zahlreiche Kriegsverbrechen verübt. Massaker an hunderten sich ergebender Soldaten und an einer Vielzahl von Kriegsgefangenen sind dokumentiert.

Beteiligung der SS an Kriegsverbrechen und Holocaust

Auch im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs verübten Truppenteile der späteren Waffen-SS zahllose Kriegsverbrechen wie Ausschreitungen an Kriegsgefangenen, Massenexekutionen an Zivilisten in den besetzten Ländern und die Vertreibung zahlreicher Menschen aus den besetzten Gebieten in Osteuropa. Besondere Aufmerksamkeit verdient die vollständige Vernichtung der polnischen Stadt Karnikovska (rund 25.000 Einw.), die unter Führung der Waffen-SS im Jahr 1942 vernichtet worden ist. Hierbei kamen neben zwei SS-Verbänden auch Verbände der Wehrmacht zum Einsatz. Über das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt betrieb die SS die Verwaltung der Konzentrations- und Vernichtungslager, die von den so genannten SS-Totenkopf-Wachsturmbannen geleitet wurden. In den Nürnberger Prozessen wurde die SS als Gesamtorganisation der NSDAP (d.h., einschließlich der Waffen-SS, der SS-Totenkopfverbände und des SD) – mit Ausnahme der Reiter-SS – als Hauptinstrument des politischen Terrors zur „verbrecherischen Organisation“ erklärt.

Die Deutschen Wirtschaftsbetriebe

Die SS gründete zahlreiche Firmen, u.a. 1938 die Deutsche Erd- und Steinwerke GmbH (DEST) , die sie 1940 in den Deutschen Wirtschaftsbetrieben (DWB) zusammenfasste. Die DWB wurden von leitenden Mitarbeitern der SS-Verwaltung geführt. 1942 wurden sämtliche wirtschaftlichen Angelegenheiten im SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt konzentriert. Dieses betrieb über das Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft die Verwaltung der Konzentrations- und Vernichtungslager mit der wirtschaftlichen Ausbeutung der Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge. 1943/44 gehörten etwa 30 Unternehmen mit über 100 Betrieben, in denen mehr als 40.000 Konzentrationslagerhäftlinge arbeiten mussten, zum Wirtschaftsimperium der SS. Der Hauptsitz der DWB befand sich in Oranienburg bei Berlin.

Distanzierungen

Größtenteils Nationalkonservative und rechtsextreme Gruppierungen sowie ehemalige SS-Angehörige betonen, dass wohl nicht alle Angehörigen der SS bzw. Waffen-SS an Kriegsverbrechen und Holocaust beteiligt gewesen seien.

Siehe auch


- Organisationsstruktur der SS
- Heinrich Himmler
- Waffen-SS
- SA

Literatur


- Hans Buchheim, Martin Broszat, Hans-Adolf Jacobsen, Helmut Krausnick: Anatomie des SS-Staates, 7. Aufl., München 1999 ISBN 3-506-77502-2
- Heinz Höhne: Der Orden unter dem Totenkopf. Die Geschichte der SS, ISBN 3572013429
- Eugen Kogon: Der SS-Staat - Das System der deutschen Konzentrationslager; Kindler-Verlag, München 1974; Lizenzausgabe Heyne Sachbuch ISBN 3-453-02978-X (Die Erstauflage erschien 1946)
- Gordon Williamson: The SS: Hitler's Instrument of Terror
- Martin Pollack: Der Tote im Bunker, Paul Zsolnay Verlag, 2004, ISBN 3552053182
- Guido Knopp Die SS ISBN 3-570-00621-2 Bertelsmann Verlag 2002

Weblinks


- [http://www.shoa.de/ss_schutzstaffel.html Ausführlicher Artikel zur SS bei Shoa.de]
- http://www.axishistory.com/index.php?id=63
- [http://www.nationalsozialismus.de Nationalsozialismus.de] - Rechercheportal für Schule, Studium und Wissenschaft -
Weblinks, Bücher, Lexikon, Dokumente, Referate und Info-Material zum Nationalsozialismus
ja:親衛隊 (ナチス)

SS-Verfügungstruppe

Die SS-Verfügungstruppe (SSVT), kurz Verfügungstruppe genannt, war eine stehende, kasernierte und ständig bewaffnete paramilitärische Sondereinheit der SS.

Geschichte

Die Wurzeln der Verfügungstruppe (kurz VT) lag in den bewaffneten SS-Sonderkommandos und den Politischen Bereitschaften der SS, die kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Februar 1933 gegründet worden. Adolf Hitler verfügte, dass 15.000 Mann der SS bewaffnet und mit einer Armbinde mit der Aufschrift »Hilfspolizei« ausgestattet wurden. Erste Erwähnung findet die Verfügungstruppe am 24. September 1934, als Hitler den drei Wehrmachtszweigen die Aufstellung einer ständig bewaffneten SS-Einheit namens »SS-Verfügungstruppe« mitteilte. Diese solle aus den bestehenden Sonderkommandos und Politischen Bereitschaften gebildet werden und die Stärke von 3 Standarten (Regimentern) haben. Ferner sollte diese Truppe eine politische »Garde« der NS-Führung darstellen. Am selben Tag verfügte das Reichskriegsministerium: »Nach der grundsätzlichen Entscheidung des Führers und Reichskanzlers bildet die SS eine bewaffnete, stehende Verfügungstruppe in Stärke von drei Regimentern, einer Nachrichtenabteilung und einem Pionierbataillon. Die Verfügungstruppe untersteht dem Reichsführer der SS. Ein organisatorischer Zusammenhang mit der Wehrmacht besteht im Frieden nicht. Für den Kriegsfall wird bestimmt: Die SS Verfügungstruppe steht der Wehrmacht zur Verfügung. In welcher Form sie in diese einzugliedern ist, kann erst im A-Falle auf Grund der innerpolitischen Verhältnisse und der erreichten militärischen Verwendungsfähigkeit ihrer Regimenter und Bataillone entschieden werden. Die SS-Verfügungstruppe wird im Frieden nach den Weisungen des Reichskriegsministers auf ihre Kriegsaufgaben vorbereitet. Für die Vorbereitung dieser militärischen Verwendung untersteht die SS-Verfügungstruppe dem Reichskriegsminister.« Im Hinblick auf das Misstrauen der Wehrmachtsführung sollte die Verfügungstruppe jedoch im Wesentlichen als motorisierte Infanterieregimenter gebildet werden. Etattechnisch wurden sie und die Totenkopf-Verbände nun dem »Polizeiressort« des Reichsinnenministeriums unterstellt. Die militärische Ausbildung der Verfügungstruppe wurde also entsprechend den allgemeinen Heeresvorschriften durchgeführt. Daneben trat die politische Schulung der Verfügungstruppe in Gegensatz, der den Angehörigen zum strammen SS-Mann und ausgeprägten Nationalsozialisten machen sollte. Im März 1935 wurden dann die Sonderkommandos und die Politischen Bereitschaften tatsächlich aufgelöst. Deren Wachverbände wurden den Totenkopf-Verbänden angeschlossen, der Rest bildete nun die Verfügungstruppe. Die Mitglieder der Hitler-Jugend wurden nun ermuntert, der SS und ihrer Verfügungstruppe beizutreten. Am 16. März 1935 verkündete Adolf Hitler die Wiedereinführung der »allgemeinen Wehrpflicht«. Er erklärte: »Das Deutsche Heer umfaßt 36 Divisionen, darunter 1 Division SS-Verfügungstruppe.« Hitler unterstellt die Verfügungstruppe nun dem neugeschaffenen »Kommandoamt der SS-Verfügungstruppe«, die ihren Sitz in Berlin hatte. Die Herstellung der Wehrhoheit des Reiches war von Hitler von langer Hand geplant. Der englische Außenminister, Lord Simon, bereits Wochen vor der Verkündung im britischen Unterhaus: »Herrn Hitlers Rüstungswünsche belaufen sich auf 35 Divisionen und 1 Division militarisierter Polizei und SS.« Für die Ausbildung des späteren Offizierskorps der Verfügungstruppen wurde im Juni 1935 die »SS-Führerschule« in Braunschweig und etwas später die von Bad Tölz gegründet. Doch schnell wurden diese Führerschulen in »SS-Junkerschulen« umbenannt. Vorher fand die Ausbildung des SS-Führungskorps in einem der Konzentrationslager statt. Am 8. August 1935 war die Verfügungstruppe aufgestellt. Neben Mitgliedern des SS-Führerkorps traten nun verstärkt altgediente Reichswehr- und Wehrmachtsoffiziere und Angehörige des Polizeikorps hinzu. Für die Angehörigen der Verfügungstruppe galten nun dieselben Versorgungs- und Besoldungsbestimmungen wie den Angehörigen der Deutschen Wehrmacht. Die SS-Führer, die unmittelbar aus der Wehrmacht und den Polizeiverbänden in die Verfügungstruppe übernommen wurden, sind als sogenannte »SS-Rangführer« in ihrem erreichten Dienstgrad bei der Verfügungstruppe eingesetzt worden. Am 1. Oktober 1936 wurde das »Inspektorrat der SS-Verfügungstruppe« im Berliner SS-Führungshauptamt eingerichtet. Dessen Kommandant war der damalige SS-Brigadeführer Paul Hausser, der auch die Junkerschule Braunschweig leitete. Dieses Inspektorrat wurde schließlich in das »Kommandoamt der SS-Verfügungstruppe« umgewandelt. Die wichtigsten Ausbilder der SS-Junkerschulen waren Paul Hausser (Insp. SSVT), Felix Steiner (1. SS-Sta. »Deutschland«/VT) und Cassius Freiherr von Montigny (1. SS-Sta. »Oberbayern«/TV). Am 13. März 1938 nahmen Einheiten der SS-Regimenter »Deutschland« und »Germania« sowie des SS-Nachrichtensturmbannes (früher aus Berlin-Adlershof, dann Unna/Westfalen) an der Besetzung Österreichs teil. Dort wurde unverzüglich aus Angehörigen der Standarte »Deutschland« die neue SS-Standarte »Der Führer« gebildet. Dessen Kader stammte also nicht mehr von der Allgemeinen-SS, sondern von der Verfügungstruppe ab. Es wurden nun bis Juni 1938 drei Regimenter aufgestellt, die offiziell als »SS-Standarten der Verfügungstruppe« (SS-St./VT) genannt wurden.
- SS-Standarte 1 »Deutschland« in München (Kommandant: SS-Standartenführer Felix Steiner)
- SS-Standarte 2 »Germania« in Hamburg (Kommandant: SS-Standartenführer Carl-Maria Demmelhuber)
- SS-Standarte 3 »Der Führer« in Wien (Kommandant: SS-Oberführer Georg Keppler) 1938 umfasste die Verfügungstruppe 16.000 Mann, 1.500 SS-Unterführer (Unteroffiziere) und 500 SS-Führer (Offiziere). Im Laufe der Zeit ist jeder Angehörige der SS-Verfügungstruppe Unteroffizier und jeder Dritte Offizier der Waffen-SS geworden. Der 4jährige Dienst in der Verfügungstruppe wurde nun von der Wehrmacht auch als »Erfüllung der allgemeinen Wehrpflicht« anerkannt. Um die Wehrmachtsführung zu beruhigen, erließ Hitler am 17. August 1938 in einem »Geheimerlaß zur Abgrenzung der gemeinsamen Aufgaben der SS und der Wehrmacht«: »Die SS-Verfügungstruppe ist weder ein Teil der Wehrmacht noch der Polizei. Sie ist eine stehende bewaffnete Truppe zu meiner ausschließlichen Verfügung. Im Kriegsfalle soll sie im Rahmen des Heeres eingesetzt werden oder im Bedarfsfalle im Inneren nach meinen Weisungen. (…)« Bereits am 19. August verfügte Hitler in einem Befehl an das Oberkommando der Wehrmacht: »Die Truppenteile der SS-Verfügungstruppe werden mit sofortiger Wirkung dem Oberkommando der Wehrmacht unterstellt. Ihre Verwendung regelt der Oberbefehlshaber des Heeres nach den von mir gegeben Weisungen.« Dieser Befehl galt nun bis Kriegsende und bewirkte, dass die Truppenteile der Verfügungstruppe international als »4. Teilstreitkraft der Wehrmacht« angezeigt wurde. Politisch galt die SS-Verfügungstruppe - wie auch später die Waffen-SS - weiterhin als Teil der NSDAP und deren SS, war aber nun weitreichend dem Einfluss des Reichsführers Himmler entzogen worden. Dessen »Oberkommando« über die Einheiten der Verfügungstruppe war nur noch formal. Am 10. Oktober 1938 wurde SS-Verfügungstruppe bei der Besetzung des Sudetenlandes als »SS-Verfügungsdivision« im Rahmen der Wehrmacht eingesetzt. Die SS-Verfügungstruppe hatte im September 1939 rund 25.000 Mann aktiv unter Waffen stehen. Am 22. April 1940 erging der Tagesbefehl Nr. 1481 vom SS-Führungshauptamtes an alle Dienststellen der Verfügungstruppe: »Auf Befehl des RfSS sind alle unter den Waffen stehenden Einheiten der SS in der Waffen-SS zusammengeschlossen. (…) Die Bezeichnungen »SS-Verfügungstruppe« und »SS-Totenkopfverbände« sind nicht mehr anzuwenden.« Mit diesem Befehl ging die Verfügungstruppe in der Waffen-SS auf. Verfügungstruppe Verfügungstruppe

Heinrich Himmler

Heinrich Himmler (
- 7. Oktober 1900 in München; † 23. Mai 1945 in Lüneburg (Suizid)) war ein deutscher Politiker in der Zeit des Nationalsozialismus, zuvor Diplom-Landwirt und Geflügelzüchter. Als Leiter ("Reichsführer") der SS war er hauptverantwortlich für die Durchführung des Holocaust an den europäischen Juden und zahlreiche Kriegsverbrechen während des Zweiten Weltkrieges.

1900 - 1925

Heinrich Himmler wurde als Sohn des Oberstudiendirektors Gebhard Himmler geboren und wuchs in bürgerlichen katholischen Verhältnissen auf. Im Ersten Weltkrieg durchlief er die Offiziersausbildung, beendete diese jedoch nicht, sondern musste mit Kriegsende aus der Armee ausscheiden, ohne jemals an der Front eingesetzt gewesen zu sein. Nach dem Scheitern der Räterepublik in München, an deren Niederschlagung er sich als Angehöriger des Freikorps Lauterbach beteiligt hatte, studierte er an der TU München Landwirtschaft. In dieser Zeit trat er der schlagenden Studentenverbindung „Apollo“ (heute: Burschenschaft Franco-Bavaria München) im Rothenburger Verband Schwarzer Verbindungen (RVSV) bei.

NSDAP

Rothenburger Verband Schwarzer Verbindungen Über seine Mitgliedschaft bei den Artamanen kam Heinrich Himmler in Kontakt mit der NSDAP, der er im August 1923 beitrat. Am 9. November 1923 beteiligte sich Himmler als Parteimitglied und in seiner Eigenschaft als Mitglied der Röhmschen Reichskriegsflagge (Fahnenträger des Freikorps) am Hitler-Putsch.

Reichsführer-SS

Himmler wurde am 6. Januar 1929 an die Spitze der Schutzstaffel berufen. Er wurde durch Hitler zum Reichsführer ernannt. Seine SS-Mitgliedsnummer war 168.

Machtübernahme und Röhm-Putsch

1933, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, wurde Himmler zum Polizeipräsidenten von München ernannt. Am 30. Juni und 1. Juli 1934 hatten Heinrich Himmler und die SS den wesentlichen Anteil an der als "Röhm-Putsch" bezeichneten verdeckten Entmachtung und Ermordung der Führung der SA und anderer interner Gegner, wie dem ehemaligen Reichskanzler und Reichswehr-General Kurt von Schleicher und seiner Frau.

Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei

Kurt von Schleicher Der Erlass des Führers und Reichskanzlers vom 17. Juni 1936 war der wichtigste Schritt auf dem Wege der Umwandlung des Polizeiapparates in ein Instrument der absoluten Führergewalt. Von nun an war in der Person Himmlers das Parteiamt des Reichsführers-SS mit dem neu geschaffenen staatlichen Amt eines Chefs der Deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern institutionell miteinander verbunden. Der Erlass markierte das Ende der noch in Teilen bestehenden Polizeihoheit der Länder zugunsten der Zentralgewalt (Verreichlichung der Polizei). Zugleich wurde hierdurch der politisch gewünschte Prozess eingeleitet, durch die eingeleitete Verschmelzung mit der SS die zentralisierte Polizei aus dem Reichsministerium des Innern herauszulösen, sie dem nur Hitler unterstehenden Parteifunktionär Reichsführer-SS zu unterstellen und damit zu entstaatlichen. Dadurch, dass Himmler 1943 auch zum Reichsinnenminister ernannt wurde, wurden Innenpolitik und Polizei allerdings wieder vereint. Himmler unterstand damit der gesamte Polizeiapparat, bestehend aus den Ämtern der Ordnungspolizei, der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) und des Reichskriminalpolizeiamts. Als Reichsführer-SS unterstand ihm weiterhin der Sicherheitsdienst (SD) als parteiinterner Nachrichtendienst. Himmler wurde in seiner neuen Eigenschaft den Befehlshabern des Heeres und der Marine sowie den Reichsministern im Rang gleichgestellt und erhielt Kabinettsrang. Damit war er zu einem der mächtigsten Männer im nationalsozialistischen Deutschland geworden. Ab 1944 war Himmler Oberbefehlshaber des Ersatzheeres und Chef der Heeresrüstung. Nach dem Bekanntwerden seiner Kapitulationsverhandlungen mit den Alliierten am 23. April 1945 wurde er von Hitler am 29. April aller Ämter enthoben und aus der Partei ausgeschlossen. Himmler floh darauf in Verkleidung und wurde am 22. Mai (20. Mai laut dem Film Himmler-Projekt (2001) siehe unten) von britischen Einheiten in Meinstedt verhaftet. Laut Aussagen von C.S.M. Austin, einem der sechs Vernehmer, starb Himmler am 23. Mai 1945 im Verhörzimmer in der Uelzener Straße 31 in Lüneburg durch Suizid.

Die Judenvernichtung

Himmler war an der Ermordung der europäischen Juden maßgeblich beteiligt. Schon 1939 erhielt er in Polen als Kommisar für völkische Angelegenheiten Sondervollmachten, die polnische Intelligenz und die polnischen Juden zu bekämpfen. Im Klartext hieß dies Ermordung, Ghettoisierung und Aushungern. Im Vorfeld des Rußlandfeldzugs wurden diese Aufgaben und Vollmachten - mit Zustimmung der Wehrmacht - nochmals erheblich erweitert. Als Ergebnis ermordeten Einsatzgruppen unter dem Befehl der SS im ersten Kriegssommer fast 1 Millionen Menschen. Irgendwann im Jahre 1941 erhielt Himmler von Hitler den mündlichen Befehl, die Juden endgültig auszurotten. Seinem Masseur Kersten gestand er, darunter zu leiden. Seine größte Sorge war allerdings, wie die Moral seiner SS-Männer die Ermordung der Juden verkraften würde. Im Kreis der Gauleiter hielt er 1943 eine Rede, in welcher er die Ausrottung der Juden im Klartext beschrieb.

Zur Persönlichkeit

Rede 1928 heiratete Heinrich Himmler die acht Jahre ältere Margarethe Boden. Mit seiner Frau betrieb er danach in Waldtrudering (bei München) eine Geflügelzucht. Nachdem er hauptamtlich für die SS tätig war, führte seine Frau den Betrieb weiter. Heinrich und Marga Himmler hatten eine Tochter: Gudrun, genannt "Püppi". 1940 trennte sich Himmler von seiner Frau, ohne sich von ihr scheiden zu lassen. Zusammen mit seiner Sekretärin Hedwig Potthast hatte er zwei weitere Kinder und zwei Haushalte gleichzeitig zu versorgen. Dies brachte ihn zeitweise in finanzielle Bedrängnis, denn trotz seiner Machtfülle und Skrupellosigkeit bestand Himmler in einer eigentümlichen Art von Korrektheit darauf, sich persönlich nicht finanziell zu bereichern. Sein Gehalt als Reichsführer reichte nicht, um zwei Familien gleichzeitig zu unterhalten. Der Reichsleiter und "Sekretär des Führers" Martin Bormann half ihm darum auf Himmlers Bitte mit einem Darlehen der NSDAP aus der finanziellen Misere. Trotz seines unscheinbaren Äußeren und eines Hangs zu versponnenen, germanisch-mystischen Ideen (... im Jahre 1934 mietete er gemäß seines Hanges zu mystischen Aktivitäten die Wewelsburg. Sie sollte nach dem "Endsieg" zum "Zentrum der neuen Welt" und "artgemäßen Religion" werden. Hier zelebrierte der Geschichtsromantiker Himmler auch - die Artussage nachahmend - eine Tafelrunde mit seinen zwölf besten Gruppenführern ...) wurde Himmler eine der wichtigsten treibenden Kräfte in der NS-Hierarchie. Im Gegensatz zu Hitler hat Himmler immer wieder persönlich die Tatorte der nationalsozialistischen Greueltaten besucht und inspiziert, wobei er auch Zuschauer bei Massenvernichtungsaktionen wurde (Auschwitz-Birkenau, Sobibor, Einsatzgruppen, alle Konzentrationslager usw.). Dabei bestärkte Himmler die SS-Angehörigen in ihrem Tun. Gefangengenommen wurde der flüchtige Himmler 1945 in der Uniform eines Feldwebels der Geheimen Feldpolizei. Er hatte sich Papiere auf den Namen Heinrich Hitzinger beschafft. Bei einer Kontrolle durch britische Militärpolizisten fiel diesen der neu erscheinende Ausweis auf. Laut Aussagen von C.S.M. Austin, einem der sechs Vernehmer, starb Himmler am 23. Mai 1945 im Verhörzimmer in der Uelzener Straße 31 in Lüneburg durch Suizid.

Auszeichnungen


- Goldenes Parteiabzeichen der NSDAP
- Goldenes Hitler-Jugend Ehrenzeichen mit Eichenlaub
- Dienstauszeichnung der NSDAP für 10 Dienstjahre (Bronze)
- Dienstauszeichnung der NSDAP für 15 Dienstjahre (Silber)
- Dienstauszeichnung der SS
- Nürnberger Parteitagsabzeichen 1929
- Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938
- Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 mit Spange Prager Burg
- Medaille zur Erinnerung an die Heimkehrer des Memellandes
- Medaille zur Erinnerung an den 9. November 1923 („Blutorden“)
- Ehrenwinkel der Alten Kämpfer
- SS-Ehrenring
- Ehrendegen des Reichsführers-SS
- Flugzeugführer- und Beobachterabzeichen in Gold mit Brillanten (ehrenhalber)

Siehe auch


- Freundeskreis Reichsführer-SS
- Himmlers Posener Rede
- Hexenkartothek

Literatur


- Josef Ackermann: Heinrich Himmler als Ideologe. Musterschmidt, Göttingen 1970.
- Heinrich Fraenkel, Roger Manvell: Himmler. Kleinbürger und Massenmörder. Ullstein, Frankfurt am Main und Berlin 1965.
- Joachim C. Fest: Heinrich Himmler. Kleinbürger und Großinquisitor in ders.: Das Gesicht des Dritten Reiches. Profile einer totalitären Herrschaft (11. Auflage). Piper, München und Zürich 1993, ISBN 3-492-11842-9, S. 156-175
- Peter Padfield: Himmler. Reichsführer-SS. Cassel & Co, London 2001, ISBN 0304358398.
- Franz Wegener: Heinrich Himmler. Deutscher Spiritismus, französischer Okkultismus und der Reichsführer SS. KFVR, Gladbeck 2004, ISBN 3-93130-015-3.
- Peter Witte, Michael Wildt, Martina Voigt (Hrsg.): Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42. Hans Christians Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-76721329-X.
- Katrin Himmler: Die Brüder Himmler. Eine deutsche Familiengeschichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 3-100-33629-1.

Film


- Das Himmler-Projekt, Regie: Romuald Karmakar (Deutschland 2001)

Fernsehen


- Hexenforschung in Himmlers Auftrag, MDR-Fernsehen (2004) [http://mdr-online.de/exakt/1929851.html]

Weblinks


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- http://www.lexikon-der-wehrmacht.de/Personenregister/HimmlerH.htm
- http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/HimmlerHeinrich/
- [http://www.shoa.de/p_heinrich_himmler.html Biografie bei Shoa.de]
- http://www.fdk-berlin.de/forum2000/filme/himmler.html
- http://www.kueste.vvn-bda.de/grab.htm
- [http://www.dieterwunderlich.de/Heinrich_Himmler.htm Biografie Himmlers und weiterführende Links]
- Heinrich Himmler und die Schwarze Sonne [http://www.lohengrin-verlag.de/Artikel/Himmler.htm] Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich Himmler, Heinrich ja:ハインリヒ・ヒムラー

Nimbus

Der Begriff ist entlehnt vom spätlat. nimbus 'strahlender Glanz um die Köpfe der Heiligen, Heiligenschein' , lat. 'Nebelhülle, in der die Götter den Menschen erscheinen' und ist verwandt mit lat. nebula, nhd. Nebel. Der Ausdruck Nimbus bezeichnet:
- eine visuelle Auszeichnung meist christlicher Figuren z.B. in der Ikonographie (Heiligenschein).
- eine dem Charisma vergleichbare, womöglich nur Eingeweihten zugängliche Wirkung/Ausstrahlung von Gegenständen/Ideen Nimbus (Philosophie).
- zwei Wolkengattungen, die Nimbostratus und die Cumulonimbus
- eine Reihe von Erdbeobachtungssatelliten, siehe Nimbus (Satellit)
- eine Besenmarke in Harry Potter
- eine ehemalige dänische Motorradmarke Nimbus (Motorrad)
- ein Segelflugzeug von Schempp-Hirth Flugzeugbau
- i. w. S.: Ruhm, Ansehen
- das Raumschiff von Zapp Brannigan, dem unerschrockenen Weltraumkapitän aus der US-Cartoonserie Futurama
- eine Schweizer Firma, welche die Namens-Aktienregister für börsenkotierte Firmen in der Schweiz verwaltet

Shoa

Der säkulare hebräische Begriff Shoa (auch „Schoa“, „Shoah“ oder „Schoah“; hebr. השואה; deutsch: Zerstörung, große Katastrophe) bezeichnet den systematischen nationalsozialistischen Völkermord an etwa zwei Drittel (insgesamt ca. 6 Mio. Menschen) der jüdischen und jüdischstämmigen Bevölkerung Europas. Der Artikel beschreibt die Herkunft des Begriffs, seine Verwendung und die Debatte um die Singularität der Shoa, die in Deutschland vor allem seit dem Historikerstreit 1986 geführt wird. Die eigentliche Geschichte und Durchführung der Shoa beschreibt der Artikel Holocaust: Diese Bezeichnung für die Shoa hat sich in der Bundesrepublik seit 1979 überwiegend durchgesetzt.

Der Begriff

Das hebräische Wort „Shoa“ steht neben dem für dieselbe Bedeutung weiterhin verwendeten und synonym verstandenen Begriff des Holocaust. Er bürgerte sich in Westeuropa vor allem wegen des gleichnamigen, neunstündigen Dokumentarfilms von Claude Lanzmann von 1985 ein, der als „narrative Chronik des Holocaust“ bezeichnet wird. Unter den Juden und in Israel sind Begriff und Bedeutung von „Shoa“ im Zuge der langen Geschichte der Judenfeindlichkeit und der damit verbundenen Pogrome schon vor dem Holocaust geläufig gewesen. Der Ausdruck ging daher in die Unabhängigkeitserklärung Israels von 1948 ein. Seitdem wird er von Juden überwiegend für dieses Ereignis verwendet. Ein Grund dafür ist auch, dass das Wort Holocaust (griechisch: "vollständiges Brandopfer") nach Ansicht vieler Juden zu sehr die Opferrolle der Ermordeten betont und einen positiven religiösen Sinn des Geschehens impliziert. Der Begriff Shoa wird wiederum von manchen Vertretern nicht-jüdischer Opfergruppen des Holocaust abgelehnt, da er den Blick allein auf die ermordeten Juden einenge. Shoa wird seit 1979 auch von manchen Nichtjuden bevorzugt, weil sich mit dem Begriff Holocaust seit 1979 die Assoziation des Hollywood-Filmes verbindet, der damals als mehrteilige US-Fernsehserie unter dem Titel „Holocaust - Die Geschichte der Familie Weiß“ ausgestrahlt wurde. Der Film stieß auf Kritik, da seine „romantisierende“ und „reißerische“ oder gar „voyeuristische“ Umsetzung des Stoffes dem tatsächlichen Schrecken des Themas vielen nicht angemessen erschien. Gleichwohl hat sich die Bezeichnung Holocaust in Deutschland seit 1979 als Begriff für die Shoa durchgesetzt, wobei hier die Sicht der Nachfahren der "Täter" einen gewissen Vorrang hat. Die Geschichte der Shoa von der schrittweisen Entrechtung der Juden seit 1933 über ihre Enteignung, Deportation, Ghettoisierung (1938-1941) bis zu systematischen Massenerschießungen, Konzentration und Vergasungen in den Vernichtungslagern beschreibt daher der Artikel Holocaust.

Die Singularität der Shoa

Als Singularität bezeichnet man jene Bestandteile und Bedingungen der Shoa, für die es in der Geschichte sonst kein weiteres Beispiel gibt. Nach Ansicht der meisten deutschen Historiker ist die Vernichtung von ca. 6 Millionen Juden und die Art ihrer Durchführung auch im Vergleich mit anderen Völkermorden dieser Größenordnung ein bisher einmaliges Ereignis gewesen. Über diesen einzigartigen Charakter der Shoa wird in der Geschichtswissenschaft seit längerem diskutiert, vor allem seit dem von Ernst Nolte 1986 ausgelösten Historikerstreit. Als dessen Fazit kann man zusammenfassen:
- Der geplante Völkermord an den Juden war bisher einzigartig in der Geschichte.
- Er darf aber deswegen nicht der vergleichenden Forschung mit ähnlichen Vorfällen entzogen werden.
- Dabei darf die Frage der Schuld nicht so weit relativiert werden, dass die Deutschen eigentlich nichts anderes taten und zuließen als andere Nationen vorher und nachher auch.

Gründe dafür

Avi Primor ging in seinem Buch "...mit Ausnahme Deutschlands" auf die Problematik ein. Er erklärt dazu (siehe Weblinks): :Gab es in der Menschheitsgeschichte je ein ähnliches Verbrechen wie den Holocaust? [Beispiele: Stalin, Völkermord an den Armeniern, Inquisition, Dschingis Khan ] Alle diese schrecklichen Verbrechen aber sind mit denen der Nazis nicht zu vergleichen. Dort waren es rücksichtslos verfolgte Ziele gewesen, Eroberungspläne, Machtansprüche und Rachegelüste, die unzählige Opfer gefordert hatten, manchmal auch - wie im Falle Dschingis-Khans - blinde Zerstörungswut, die sich in der Hitze der Schlacht zu primitivem Blutrausch steigerte. Nirgendwann in der Geschichte aber war es zu Verbrechen größeren Ausmaßes gekommen, für die sich als Ursachen nicht materielle Interessen finden ließen. Kein Volk hat jemals ein anderes vernichten wollen, ohne dessen Feind und ohne von ihm in irgendeiner Weise bedroht zu sein. Morde geschahen um der Vorteile willen, die sich der Verbrecher daraus versprach... Tatsächlich hatte vor 1933 kein anderer Staat auf der Welt sogenannte Rassengesetze erlassen, welche die formale Rechtlosigkeit ganzer Bevölkerungsgruppen festschrieb und die Grundlage für die spätere Vernichtung selbiger bildete. Die Einzigartigkeit besteht daher, so verschiedene Historiker, dass die Verbrechen von einem Staat und seinen Institutionen (Exekutive, Legislative, Judikative) systematisch und mit "deutscher Gründlichkeit" geplant, legalisiert, verordnet und umgesetzt wurden. Mehr noch - in die überfallenen und mit Krieg überzogenen europäischen Staaten (u.a. Polen, Frankreich, Niederlande, Tschechoslowakei oder Russland) wurde sofort der Zugriff auf die jeweiligen jüdischen Bevölkerungsteile organisiert und die Vernichtung industriell betrieben. Als weiteres Kriterium der Singularität gilt, dass die Vernichtungslager und Konzentrationslager des Holocaust bei den Plänen und Maßnahmen des NS-Regimes absolute Priorität hatten. Da von der Wehrmacht dringend benötigtes Material zunächst an die Vernichtungslager geliefert wurde, wurde für die Shoa also sogar eine Verzögerung beim Nachschub für die Front in Kauf genommen. Der Zusammenhang zwischen Krieg, Massenvernichtung und Legalität wurde in den Nürnberger Nachfolgeprozess über die "Einsatzgruppen" ebenfalls hergestellt. Dort trat der bekannte Strafrechtler Professor Reinhart Maurach als Gutachter auf und qualifizierte die Massenverbrechen an den Juden als legale Notwehr in einem totalen Krieg. Somit wurde die Vernichtung der Juden durch die mobilen Tötungskommandos der SS als eine legale Handlung deklariert. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Singularität der Shoa in erster Linie in einer Instutionalisierung eines staatlich verordneten Rassismus besteht, der in der quasi industriellen Vernichtung mündete und ihre genozide Dimension nur erreichen konnte, weil diese rassistischen Ideen mittels eines Krieges auf ganz Europa übertragen wurden.

Einwände dagegen

Die Singularitätsthese erfuhr von rechtskonservativen bis rechtesextremen Meinungsführern aber auch von manchen Historikern Kritik. Ihre Einwände waren u.a.:
- Der Begriff der Singularität sei doppeldeutig: Zum einen würde er die Einzigartigkeit und Unwiederholbarkeit bezeichnen, die aber schlechterdings jedem historischen Ereignis innewohnt; in diesem Sinne von der Singularität der Shoa zu sprechen, wäre mithin trivial. Zum anderen würde Singularität eine besondere Qualität oder Quantität eines Ereignisses bezeichnen, die den Rahmen jeder Vergleichbarkeit sprengen würde. Rein zahlenmäßig würde das Grauen der Shoa aber von den Opferzahlen Stalins (mindestens 20 bis maximal 40 Millionen) und Mao Tse-Tungs (vermutlich bis zu hundert Millionen Tote) übertroffen werden. Um also die Unvergleichbarkeit der deutschen Verbrechen herauszuarbeiten, laufe man Gefahr, die der sowjetischen und chinesischen herabzumindern und zu relativieren. Wobei Kritiker dieser Einwände dazu bemerken, dass dieser Vergleich deswegen nicht plausibel ist, weil man die Verbrechen der Shoa völlig lösgelöst und getrennt vom Verbrechen betrachtet, einen Weltkrieg mit ca. 60 Millionen Toten angezettelt zu haben (davon alleine 20 Millionen in der Sowjetunion).
- Wie "der verschlungene Weg nach Auschwitz" (Karl A. Schleunes) zeige, verlief die Entscheidung zum Völkermord an den Juden keineswegs geradlinig, sondern war vielmehr das Ergebnis von Eskaltionsprozessen, Experimenten und Improvisationen, an deren Ende dann die physische Vernichtung als einzig realistisch erscheinende Option übrig blieb. Prioriät gegenüber den Notwendigkeiten der Kriegführung hat die Shoa auch erst in den letzten beiden Jahren der Naziherrschaft.
- Trotzdem stehe am Ende ein (fast) ermordetes Volk, unabhängig von den Motiven der Täter;
- mit der Singularitätsthese würden jüdische Opfer über andere Opfer systematischer Völkermorde erhoben;
- der Vergleich mit anderen ähnlichen Ereignissen werde dadurch erschwert;
- der Rassismus der Nationalsozialisten sei durchaus auch von materiellen (Bereicherungs-) Interessen mitbestimmt gewesen, wie insbesondere Götz Aly in seinem letzten Buch nachzuweisen vermag. So untersuchte Medardus Brehl, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der Ruhr-Universität Bochum, die zeitgenössische Rezeption des Völkermords an Nama und Herero 1904. Er zeigte, dass der damalige Rassismus die Vernichtung bestimmter Völker und Volksgruppen propagierte, um sie aus der Volksgemeinschaft auszugrenzen, damit diese am Ende homogen und geschlossen "äußeren Bedrohungen" gegenüberstehen konnte. Dies lasse sich neben den Aufständen in Deutsch-Südwestafrika auch im Völkermord an den Armeniern durch die Türkei und eben in der Shoa beobachten. Diese These steht in gewisser Spannung zu der oben beschriebenen Tatsache, dass die Nazis sogar Kriegsorganisation zu Gunsten der Shoa zurückstellten. Ob und wie der "Ausschluss" der Juden einer "Homogenität" des Volkes zu seiner besseren Selbstbehauptung nach außen diente, ist daher fraglich. Andere Historiker, etwa Joachim Fest, sehen die Prioritäten des NS-Regimes hier eher umgekehrt: Der Eroberung Osteuropas habe der Judenvernichtung gegolten und gedient.

Revisionistische Relativierung der Shoa

Von Geschichtsrevisionisten wird die Singularität der Shoa bestritten. Sie sehen darin ein Hindernis für ihr Interesse, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren, d.h. als nicht außergewöhnliches und nicht primär von deutschen historischen Faktoren bestimmtes Ereignis darzustellen. Die Thesen von Ernst Nolte, wonach die Arbeitslager Stalins die unmittelbaren Vorbilder für die Lager der Nazis und Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion eine Präventivmaßnahme gewesen seien, führte in Deutschland zum Historikerstreit. Im Ergebnis hielten die meisten Historiker daran fest, dass der Holocaust als Einzelereignis von der Größenordnung der Opferzahlen wie der Systematik seiner Durchführung her einzigartig war und sich nicht im obigen Sinn "relativieren" lasse. Das revisionistische Interesse an einer "Relativierung" der Shoa beruht auf dem Irrtum, dadurch ließe sich die Schuld und Verantwortung dafür mildern. Diese bleiben jedoch in jedem Fall gegeben. Die Frage nach der Schuld und der Verantwortung für die Folgen ist unabhängig von der historischen Frage nach den Ursachen und der Vergleichbarkeit der Shoa zu beantworten.

Die Singularitätsthese im Zusammenhang mit dem Porajmos an ziganischen Völkern

Die Vertreter ziganischer Völker wehren sich seit längerem dagegen, dass die Singularität des Holocaust bzw. der Shoa nur auf die jüdische Opfergruppe bezogen und begrenzt werde. Sie nehmen dieselbe Besonderheit auch für die Verfolgung und Ausrottung ihrer Vorfahren durch die Nazis - genannt das Porajmos - in Anspruch. Die Diskussion darüber ist belastet, weil das Leiden ziganischer Völker während des Holocaust bis heute noch unzureichend anerkannt wird. Bis 1979 wurde der versuchte Völkermord an ihnen in der Bundesrepublik geleugnet. Bayern führte die SS-Zigeunerzentrale als Landfahrerzentrale bis in die 70er-Jahre weiter. Erst seit 1982 dringt das Porajmos allmählich verstärkt in das öffentliche Bewusstsein. Im Historikerstreit 1986 war es jedoch noch kein Thema. Bis in die 90er-Jahre hinein mussten einige von dessen Überlebenden und ihre Angehörigen sich ihre Anerkennung gerichtlich erstreiten. Doch seitdem finden die ziganischen Gruppen in der Bundesrepublik zunehmend Akzeptanz für ihr Anliegen, das Porajmos ebenso wie die Shoa zu würdigen. Dies tat 1996 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Deutsche Historiker meinen jedoch mehrheitlich nach wie vor, der Mord an den ziganischen Völkern sei nicht mit dem Mord an den Juden zu vergleichen. Der Stuttgarter Professor Eberhard Jäckel spricht hier von "Legendenbildungen bezüglich der Zigeuner, die sich sehr geschickt den verfolgten Juden gleichstellen möchten". Der kulturpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Eckhardt Barthel erklärte: :Der Vorsitzende des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma Herr Romani Rose beharrt darauf, als Inschrift ein Zitat Roman Herzogs zu verwenden, das eine Gleichsetzung des Völkermordes an Sinti und Roma mit dem an den Juden nahe legt. Ohne die Nazi-Verbrechen an Sinti und Roma oder anderen Volksgruppen relativieren zu wollen, ist dies wissenschaftlich so nicht haltbar. Demgegenüber verweisen die Vertreter der Sinti und Roma darauf, dass die ziganischen Völker trotz der scheinbar niedrigeren Opferzahlen von 500