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Zerstörer
Der Zerstörer ist ursprünglich ein kleines und schnelles Kriegsschiff, das heute noch verwendet wird. Inzwischen gehört es aber, durch Wegfall der Schlachtschiffe und der meisten Kreuzer, zu den größeren Einheiten.
Kreuzer]
Der Begriff Zerstörer ist eine wörtliche Übersetzung des englischen Wortes destroyer, da der Typ in Großbritannien als Reaktion auf die Entwicklung des Torpedos und des Torpedobootes entworfen wurde. Die damals führende britische Marine (Royal Navy) stützte sich auf große Linienschiffe, die mit ihren großen und schwerfälligen Geschützbatterien schnell herannahende Torpedoboote schlecht abwehren konnten. Zu deren Schutz wurden daher etwas größere und schnellere Torpedoboote gebaut, die mit ihrer stärkeren Bewaffnung mit Kanonen angreifende Torpedoboote bekämpfen sollten. Dieser Typ wurde Torpedoboot-Zerstörer genannt oder abgekürzt Zerstörer. Für einen Gegenangriff trugen sie ebenfalls eine Torpedo-Bewaffnung. Deshalb ist die Grenze zwischen Torpedoboot und Zerstörer fließend und es wurde später nicht immer genau unterschieden.
Im Zweiten Weltkrieg wurden Zerstörer sehr universell eingesetzt und entsprechend in großen Stückzahlen gebaut, in den USA über 600 Einheiten. Sie waren zu dieser Zeit typisch 2.000 t bis 4.000 t schwer und 120 m lang. Sie erreichten etwa 35 Knoten und waren mit 4 bis 10 Torpedorohren sowie etwa 5 Geschützen mit 12,7 cm Kaliber bewaffnet. Dazu kamen eine noch größere Zahl an kleineren Geleit-Zerstörern, die vor allem der U-Boot-Abwehr dienten und die Konvois begleiteten. Aus diesen Geleit-Zerstörern ist die moderne Fregatte entstanden.
Fregatte
Heute sind Zerstörer bis über 8.000 t groß und mit Flugkörpern, Rohr- und U-Jagdwaffen sowie Bordhubschraubern ausgerüstet. Abgesehen von den Flugzeugträgern zählen sie heute neben den Kreuzern zu den großen Schiffen der Marinen.
Moderne Zerstörer werden heute überwiegend in Stealth-Bauweise gebaut, was ihnen ein glattes, flächiges Aussehen verleiht. Durch die schräge Anordnung aller (Überwasser-)flächen wird die Radarrückstrahlung vermindert. Die Folge ist eine kleinere Radarsignatur: das Schiff wird schlechter und somit später durch das gegnerische Radar erkannt. Die USA sind heute führend im Zerstörerbau, sie bauen die Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse die der Flugabwehr ihrer Flugzeugträger dienen. Die meisten Nationen setzten heute jedoch auf die kostengünstigeren Fregatten.
Die ersten Zerstörer der Bundesmarine gehörten zur Fletcher Class, Baujahr 1943-1944. Sie wurden von den US-Streitkräften übernommen. Die Bundesmarine führte sie unter den Namen Z1 bis Z6. Die vier deutschen Neubauten der Hamburg-Klasse (D181 „Hamburg“, D182 „Schleswig-Holstein“, D183 „Bayern“ und D184 „Hessen“) wurden Anfang der 1990er Jahre durch Fregattenneubauten der Klasse F-123 ersetzt. Die letzten Zerstörer der deutschen Marine – drei Schiffe der modifizierten amerikanischen Charles F. Adams-Klasse – wurden in den Jahren 1999 (D187 „Rommel“) und 2003 (D186 „Mölders“ und D185 „Lütjens“) außer Dienst gestellt. Ausschlaggebend waren hohe Wartungs- und Betriebskosten, die zum Teil aus den nicht mehr zeitgemäßen Dampfkesselantriebsanlagen und den hohen Kosten für Ersatzteilbeschaffungen resultierten. Die Zerstörer werden durch den Zulauf der Fregatten der Sachsen-Klasse F124 ersetzt.
Siehe auch: Liste von Kriegsschiffen (Deutschland seit 1945)
Geschichtliche Entwicklung
Entwicklung der Kriegsschiffsklassen vor 1945
Vor 1945 waren die großen Überwasser-Kriegschiffe aller Seemächte klar in Zerstörer, leichte und schwere Kreuzer und Schlachtschiffe eingeteilt. Diese klare Einteilung hatte ihren Ursprung in den Flottenverträgen von Washington von 1922 und London 1930.
Laut diesem System war der "klassische" Flottenzerstörer des 2. Weltkrieges entstanden.
Durch die Erfahrungen im 2. Weltkrieg setzte jedoch ein radikales Umdenken ein hinsichtlich des Zweckes von Zerstörern ein. Die klassische Aufgabe der Zerstörer war der offensive und defensive Flottendienst, also der Angriff mit Torpedos auf gegnerische Verbände von Schlachtschiffen oder Kreuzern oder die Abwehr gegnerischer Zerstörer.
Kriegserfahrungen
Im 2. Weltkrieg jedoch war diese Aufgabe immer mehr ins Hintertreffen geraten gegenüber rein defensiven Aufgaben wie Ubootjagd und Abwehr von Luftangriffen. Zwar gab es durchaus vor allem zwischen Zerstörern durchaus noch Überwassergefechte Kriegschiff gegen Kriegschiff, doch blieben diese eher die Ausnahme als die Regel.
Schon während des Krieges zeigte sich diese Tendenz daran, daß die meisten Zerstörerklassen behelfsmäßig auf die neuen Aufgaben und Bedrohungen umgebaut wurden.
Die Flak- und Ubootjagdbewaffnung Wasserbombe wurde bei fast allen Vorkriegsbauten erheblich verstärkt. Um dieses Zusatzgewicht auszugleichen mußten Waffensysteme für den Überwasserkampf; Artillerie und Torpedorohrsätze entfernt werden.
Im Jahre 1945 hatten die meisten amerikanischen Zerstörer keine Torpedorohre mehr, die Flakbewaffnung dagegen war wegen der Bedrohung durch Kamikazeflugzeuge teilweise vervierfacht worden. Ein zusätzlicher Gewichtsfaktor waren neue Sensoren wie Radar, die immer mehr Platz beanspruchten.
Während des 2. Weltkrieges jedoch wurde dies nur als Notbehelf angesehen und neue, während des Krieges entworfene Zerstörertypen wie die britische Battle-Klasse oder die amerikanische Gearing-Klasse hatten nach wie vor Torpedorohre, allerdings war die Hauptartillerie nun immer sowohl gegen Flugzeuge wie Überwasser- und Landziele einsetzbar
Nach dem Krieg setzte ein radikales Umdenken ein: Der Zerstörer wurde nun primär zum Sicherungsschiff für den Flugzeugträger, der die Rolle des Schlachtschiffes als Kern der Flotte übernommen hatte. Trägerverbände waren primär durch gegnerische Flugzeuge und U-Boote bedroht.
1950er Jahre
Die Zerstörer der 50er Jahre trugen dieser neuen Rolle Rechnung und die Torpedorohre verschwanden nun völlig. Bei neuen Entwürfen spielte die Ubootjagd immer mehr die Hauptrolle, was zu einer Reduzierung der Artillerie führte, beispielsweise von 6x 127mm bei der Gearing-Klasse von 1944 zu 3 Geschützen bei der Forrest-Sherman Klasse aus den 50ern.
In der Flugabwehr spielte die Flugabwehrrakete eine immer größere Rolle. Jedoch konnten diese anfänglich sehr großen Waffen zuerst nur auf Kreuzern eingesetzt werden. Mitte der 50er Jahre kam der Lenkwaffenzerstörer auf, dessen Hauptaufgabe der Schutz von anderen Schiffen durch Lenkwaffen ist. Hier teilt sich nun der Entwicklungstrang aller Seemächte und es gibt folgende Unterschiede:
- USA
- Konventionelle Zerstörer zur Ubootjagd mit Bezeichnung DD
- Lenkwaffenzerstörer mit Bezeichnung DDG
- Besonders große Zerstörer mit Bezeichnung DLG, die beide Aufgaben durchführen konnten
- Großbritannien
- Zerstörer zur Flugabwehr mit gelenkten Raketen
- Schnelle, große Fregatten zur Ubootjagd, teilweise größer als Zerstörer
- Frankreich
- sowohl als Lenkwaffenschiff wie als Ubootjäger
- UdSSR
- die traditionelle Bezeichnung "Zerstörer" wurde komplett aufgegeben und die Schiffe nach ihrer Funktion als "großes Raketenschiff" oder "großes Ubootjagdschiff" bezeichnet.
Moderne Zerstörertypen
Der klassische Zerstörertyp, der sich aus dem Torpedoboot entwickelt hatte, hielt sich noch bis in die 70er Jahre. Auch wenn amerikanische und russische Lenkwaffenzerstörer damals eine andere Rolle hatten, waren sie konstruktionsmäßig immer noch eine Fortentwicklung des alten Typs, erkennbar am Festhalten am Dampfturbinen-Antrieb und dem sehr schlanken Rumpf.
Allmählich setzte sich die Erkenntnis durch, daß eine Geschwindigkeit um 30 Knoten für heutige Aufgaben ausreichend ist. Diese Geschwindigkeit konnte auch mit Gasturbinen, Diesel oder gemischtem Antrieb (CODOG) erreicht werden. Der Verzicht auf hohe Geschwindigkeit wiederum ermöglichte einen weniger schlanken Rumpf und damit eine endgültige Abkehr von der schlanken Zerstörerlinie.
Ein erster Entwurf dieser Art war die amerikanische Spruance-Klasse, ein Entwurf, der von vielen Traditionalisten als ungeheuer hässlich und zudem viel zu groß eingestuft wurde:
Diese Schiffe verdrängten über 6000 Tonnen und kamen damit schon in den Bereich eines Kreuzers, besaßen Gasturbinenantrieb und eine für ihre Größe relativ leichte Bewaffnung.
Aus Traditionsgründen gab man diesem neuen Ujagdschiff die Bezeichnung Destroyer, obwohl es im Prinzip einen völlig neuen Typ darstellte. Letzlich war diese Klasse aufgrund von niedrigem Geräuschpegel und großem "Wachstumspotential" so erfolgreich, daß sämtliche neueren amerikanischen Schiffe (und viele Entwürfe amerikanischer Verbündeter) auf ihr basieren. Diese werden entweder guided missile destroyer (Arleigh-Burke-Klasse) oder guided missile cruiser genannt, aber sind letztlich Varianten desselben Typs mit unterschiedlichen Rollen. Der letzte "klassische" Zerstörertyp der US-Navy war die Charles F. Adams-Klasse.
Letztlich sind die Bezeichnungen Kreuzer, Zerstörer und Fregatte heute nur noch Traditionsnamen, die keine Auskunft über Rolle und Größe geben.
Bei der deutschen Marine hält sich das Gerücht, dass die Fregatten des Typs F124 eigentlich aufgrund ihrer Größe und der Flugabwehrbewaffnung Zerstörer wären, aber aufgrund von Political Correctness in Fregatten umbenannt werden mussten. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die Niederländische (Zeven Provincien und Spanische Marine (Alvaro de Bazan), die fast baugleiche und sogar größere Schiffe ähnlichen Typs bauen und einsetzen, diese ebenfalls Fregatten nennen.
Literatur
- Mike J. Whitley: Zerstörer im Zweiten Weltkrieg. Technik - Klassen - Typen. Motorbuch Verlag Stuttgart, 325 Seiten, ISBN 3-61301-426-2
- Robert Jackson: Zerstörer, Fregatten und Korvetten. Gondrom Verlag, 320 Seiten, ISBN 3-81121-873-5
- Wolfgang Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute. Koehlers Verlagsges., 203 Seiten, ISBN 3-78220-816-1
- Alexander Kent: Die Zerstörer. Ullstein Taschenbuch, 271 Seiten, ISBN 3-54824-301-0
- Rolf Güth: Zerstörer Z 34. Ein Kriegstagebuch vom Alltag des Seekrieges 1943 bis 1945. Koehlers Verlagsges., 104 Seiten, ISBN 3-78220-567-7
- Gerhard Koop, Klaus-Peter Schmolke: Die deutschen Zerstörer 1935-1945. Bernard & Graefe, 272 Seiten, ISBN 3-76375-940-9
- Harald Fock: Z-vor. 2 Bände, Koehlers Verlagsgesellschaft, ISBN 3-78220-762-9
- Hans Mehl: Torpdeoboote und Zerstörer. Verlag für Verkehrswesen Berlin
Siehe auch: Liste von Schiffstypen
Kategorie:Militärschiffstyp
ja:駆逐艦
ms:Kapal pembinasa
Kriegsschiff]
Begriff Kriegsschiff
Der Begriff Kriegsschiff wird in Artikel 29 des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen vom 10. Dezember 1982 rechtsverbindlich wie folgt definiert:
Definition der Kriegsschiffe
"Im Sinne dieses Übereinkommens bedeutet »Kriegsschiff« ein zu den Streitkräften eines Staates gehörendes Schiff, das die äußeren Kennzeichen eines solchen Schiffes seiner Staatszugehörigkeit trägt; es muß unter dem Befehl eines Offiziers stehen, der sich im Dienst des jeweiligen Staates befindet und dessen Name in der entsprechenden Rangliste der Streitkräfte oder in einer gleichwertigen Liste enthalten ist; die Besatzung muß den Regeln der militärischen Disziplin unterliegen."
Der Status Kriegsschiff ist nicht abhängig von der Bewaffnung und Technik eines Schiffes. Das unbewaffnete Segelschulschiff Gorch Fock der Deutschen Marine ist zum Beispiel ein Kriegsschiff; die in der Vergangenheit sogar mit leichter Artillerie bewaffneten Patrouillenboote der Bundespolizei sind hingegen keine Kriegsschiffe, da ihre Besatzung nicht aus Soldaten sondern aus Polizeibeamten besteht.
Im Laufe der Geschichte und insbesondere im 20. Jahrhundert hat sich eine große Vielfalt von Kriegsschiffstypen gebildet. Überwasserkampfschiffe zeichnen sich zum Beispiel meist durch schlanke Rümpfe, hohe Geschwindigkeit, geringe Zuladung und starke Bewaffnung aus. Ein typisches Kriegsschiff ist das Schlachtschiff. Daneben gibt es so verschiedenartige Typen wie Flugzeugträger, Minensuchboote, Landungsschiffe, Versorgungsschiffe und U-Boote.
Hilfsschiffe
Neben den Kriegsschiffen verfügen viele Marinen über zivil besetzte Hilfsschiffe, die zum Teil auch leichte Waffen zur Selbstverteidigung führen. Sie haben nicht den oben definierten Status, sondern den eines Staatsschiffs. In der deutschen Marine gibt es zum Beispiel Tanker, die zwar zivil besetzt sind, durchaus aber mit Kriegsschiffen zusammen eingesetzt werden. Auch die US Navy und die britische Royal Navy verfügen über eine größere Zahl derartiger Fahrzeuge. Militärisch besetzte Unterstützungsfahrzeuge wie z.B. die Versorger der Berlin-Klasse werden zwar bisweilen als Hilfsschiffe bezeichnet, sind vom Status her aber Kriegsschiffe.
Antike
Die ersten typischen Kriegsschiffe wurden von den Griechen, Persern und Phöniziern gebaut.
Es waren Langschiffe, die später zu Galeeren mit Rammsporn weiterentwickelt wurden.
Um 250 v. Chr. besaßen die Karthager die größte und kampfkräftigste Flotte von Kriegsschiffen im Mittelmeer mit bis zu fünf Reihen von Riemen übereinander Quinquiremen.
Dies änderte sich im Ersten Punischen Krieg, als die Römer eine gestrandete karthagische Galeere nachbauten.
Die Römer fügten der karthagischen Konstruktion den Corvus, eine Enterbrücke, hinzu und bemannten die Schiffe mit Fußsoldaten.
Auf diese Weise entstand die erste Marineinfanterie.
Durch diesen Vorteil beim Entern übernahmen die Römer die Seeherrschaft im Mittelmeer.
Wikinger
In Nordeuropa wurde der Typ des Wikingerlangschiffes entwickelt, das besonders schnell und für Raubzüge geeignet war.
Es war die waffentechnische Basis für die Wikingerreiche in Russland, der Normandie, Sizilien und Großbritannien.
China
Im Kaiserreich China wurden immer größere Dschunken als Kriegsschiffe gebaut.
Der Höhepunkt dieser Entwicklung lag in der Ming-Dynastie um 1405 bis 1430, als China mit mehr als 400 Schiffen, die zum größten Teil in Nanking (Nanjing) gebaut wurden, die größte Kriegsflotte der damaligen Welt hatte. Maßgeblich war dafür der chinesische Admiral Ma San Bao, auch Cheng Ho genannt, der zur Bekämpfung von Piraten und zur Sicherstellung der Vormacht Chinas Reisen nach Südostasien, Indien, Afrika und in den Pazifik unternahm. Größter Schiffstyp waren die sog. Schatzschiffe, die bis zu 9 Masten hatten und über 150 Meter lang und 50 Meter breit waren. Sie blieben bis zum 19. Jahrhundert die größten Schiffe der Welt.
Hanse
Zur Hansezeit bestanden die Kriegsflotten im nördlichen Europa hauptsächlich aus stärker bewaffneten Hansekoggen und Kraweelen, die sich im Bau kaum von Handelsschiffen unterschieden.
Kraweel
15. und 16. Jahrhundert
Dies änderte sich im 15. und 16. Jahrhundert, als Feuerwaffen immer stärker die Kriegsführung bestimmten. Im Mittelmeer entstand aus den Galeeren die Galeasse.
Die Portugiesen und Spanier entwickelten den Schiffstyp der Kogge und der Kraweel zu Karavellen und Karacken weiter. Die Spanische Armada wurde zur größten Flotte der damaligen Welt.
Als reines Segelschiff wurde die Galeone entwickelt, die sowohl als Handels- als auch (in schlankerer Form) als Kriegsschiff eingesetzt wurde. Ein Beispiel dafür ist die Golden Hind von Sir Francis Drake.
Die Segelschiffe dominierten nun den Kriegsschiffbau, das Linienschiff mit schlankerem Rumpf als die Handelsschiffe dominierte ab dem 17. Jahrhundert die Meere.
Vorbild für die ersten Linienschiffe war die Henri Grâce á Dieu, die 1547 21 Kanonen bei 1000 Tonnen Wasserverdrängung aufwies. Die Schiffsgeschütze, die zunächst auf Deck waren und Kugeln aus Stein oder Eisen verschossen, wurden in besonderen Waffendecks hinter Stückpforten untergebracht.
Dadurch wurde der Schwerpunkt nach unten verlagert und es konnten mehr Kanonen transportiert werden, ohne die Kentergefahr zu steigern.
Bevorzugte Kampftechnik wurde nun die Breitseite, bei der aus allen Rohren einer Seite geschossen wurde. Motor dieser Entwicklung war John Hawkins, der unter Drake Kapitän war und 1578 in die Admiralität kam.
Sein Ziel waren schnelle Schiffe mit guten Segeleigenschaften und starker Bewaffnung.
Mit diesen Schiffen, der Änderung der Taktik (und einem kräftigen Sturm) besiegte und vernichtete die Englische Flotte die Spanische Armada 1588.
17. Jahrhundert
Die Prince Royal, gebaut 1610, war das erste Schiff mit drei Geschützreihen und für längere Zeit das größte Kriegsschiff der Welt.
Die HMS Naseby, 1660 umbenannt in HMS Royal Charles, wurde zum Prototyp des Kriegsschiffes für die nächsten 150 Jahre.
Sie hatte 1230 Tonnen Wasserverdrängung, 80 Kanonen und 600 Mann Besatzung bei einer Länge von 53 m und einer Breite von 14 m.
Neben die größeren Linienschiffe trat bald die Fregatte als kleineres, aber besonders schnelles Segelkriegsschiff mit ca. 20-40 Kanonen.
18. Jahrhundert
Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurden die Rümpfe noch schmaler und eleganter, Fregatten und Linienschiffe näherten sich der Bauweise der Klipper an. Berühmte Schiffe aus dieser Zeit sind:
- die HMS Victory, das Flaggschiff von Lord Nelson in der Schlacht bei Trafalgar. Sie wurde am 23. Juli 1759 auf Kiel gelegt, aber erst 1776 in Dienst gestellt. Ab 1778 diente sie verschiedenen Admirälen als Flaggschiff und ist heute das älteste noch in Dienst befindliche Kriegsschiff. Die Länge beträgt 69 m, die größte Breite 15,7 m, die Wasserverdrängung 3556 Tonnen. Sie trägt 114 Kanonen und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von 11 Knoten.
- die USS Constellation, die 1797 als erstes Schiff im Auftrag der US Navy gebaut wurde. Sie vereinigte die Feuerkraft einer Standard-Fregatte dieser Zeit mit der Geschwindigkeit eines Baltimore-Klippers. Die Wasserverdrängung beträgt 1278 Tonnen, die Länge 55 m, die Breite 13 m. Bewaffnet war sie mit 36 Kanonen. Die Geschwindigkeit betrug 14 Knoten, so dass sie den Spitznamen Yankee Racehorse (Yankee-Rennpferd) bekam.
19. Jahrhundert
Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert gab es einen Entwicklungsschub, der eine ganze Reihe von Erfindungen hervorbrachte: die Dampfmaschine, der Schaufelradantrieb, der Propeller, die Einführung von Granaten und Panzerung. Die Granaten waren zur Zeit der napoleonischen Kriege noch nicht ganz ausgereift, wirkten jedoch nach Beseitigung ihrer Probleme (ab ca. 1830) verheerend gegen ungepanzerte Holzschiffe.
Zunächst wurden deshalb die Holzschiffe mit Stahlplatten gepanzert. Dampfkriegsschiffe wurden zunächst als Raddampfer, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als Schraubendampfer gebaut, der Dampfantrieb ermöglichte eine höhere Geschwindigkeit und Manövrierbarkeit.
Nach dem Krimkrieg wurden zwei revolutionäre Schiffe gebaut, die ersten "Ironclad Warships" ,die auf einen Schlag alle anderen Schiffe wertlos machten:
- die französische Gloire 1858 und die ihr überlegene
- englische HMS Warrior 1859. Mit 15 Knoten Geschwindigkeit schneller, mit 114 mm Stahl auf Teakholz stärker gepanzert und mit 40 schwersten Geschützen war sie stärker bewaffnet als jedes andere Schiff. Ihre eigenen Geschütze konnten die Panzerung auf 360 Meter nicht mehr durchschlagen.
Aufgrund dieser Überlegenheit der Panzerung wurde die Taktik des Rammens für kurze Zeit populär. (Seeschlacht von Lissa 1866)
Drehbare Geschütztürme wurden zuerst an kleinen Küstenkriegschiffen (Monitor), ab ca. 1870 auch auf großen Kriegsschiffen eingesetzt, als die Masten und Segel, die für weltweiten Einsatz der Kriegschiffe noch benötigt wurden, verschwanden, so dass es gegen Ende des 19. Jahrhunderts praktisch nur noch Dampfschiffe gab. Aus dem Segelschiffsbau wurden jedoch viele Bezeichnungen für Schiffsklassen übernommen, so die Fregatte und Korvette. Als neuer Typ entstand der Panzerkreuzer, der im 20. Jahrhundert zum Schlachtschiff weiterentwickelt wurde.
Die gezogenen Hinterlader kamen auf See erst relativ spät in Gebrauch, da die Vorteile (bessere Zielgenauigkeit) bei den geringen Kampfentfernungen auf See von den Nachteilen (geringeres Kaliber, unzuverlässige Verschlüsse, Rohrkrepierer) aufgewogen wurden, dann aber konnten zwischen 1880 und 1890 große Kaliber mit langen Rohren und panzerbrechenden Langgeschossen die Panzerungen überwinden.
20. Jahrhundert
Nach der Seeschlacht bei Tsushima 1905 wurden die gewonnenen Erfahrungen konsequent umgesetzt: Eine wirkungsvolle Feuerleitung konnte nur durch Vereinheitlichung der Kaliber, eine große Schußentfernung nur durch großkalibrige Geschütze erreicht werden. Es entstand innerhalb eines Jahres die
- HMS Dreadnought, die mit zehn 30,4-cm-Geschützen ausgerüstet war, in jede beliebige Richtung mindestens sechs davon einsetzen und jeweils zweimal pro Minute abfeuern konnte. Wie die Warrior war auch dieses Schiff allen anderen bisherigen weit überlegen, aus dem Linienschiff auch Pre-Dreadnought wurde der Dreadnought, auch als Schlachtschiff bezeichnet.
Bei der Skagerrakschlacht wurde das Gefecht auf über 10.000 Metern Entfernung ausgetragen, was mit den bisherigen Schiffs- und Geschütztypen undenkbar war. Die Skagerrakschlacht blieb auch die letzte mit Schlachtschiffen ausgetragene Seeschlacht.
Nach dem 1. Weltkrieg erlaubte der Versailler Vertrag der deutschen Kriegsmarine nur einen eingeschränkten Ersatz der wenigen verbliebenen Schlachtschiffe (diese wurden unter dem alten Begriff Linienschiff geführt). Die taktische Entwicklung ging in den 20er und 30er Jahren (gezwungenermaßen) in Deutschland von der schweren Schlachtflotte weg, hin zu Kreuzern. Ein besonderer Meilenstein ist die Entwicklung des sogenannten „Westentaschen-Schlachtschiffs“ (Panzerschiff), deren erster Prototyp das Panzerschiff „Deutschland“ war. Hier wurden die Eigenschaften von hoher Geschwindigkeit, schwerer Bewaffnung und großer Reichweite miteinander vereinigt. Dies erfolgte durch die erstmalige Verwendung von Dieselmotoren und eine (im direkten Vergleich) massive Gewichtsreduzierung. Das strategische Konzept dahinter wurde als „Kreuzerkrieg in Übersee“ bezeichnet. Die Idee kennzeichnet sich in dem Satz: „Schneller als schwerer Bewaffnete und schwerer bewaffnet als Schnellere!“
Sowohl die „Deutschland“ (später zum Schweren Kreuzer „Lützow“ umklassifiziert) als auch ihre Schwesterschiffe „Admiral Scheer“ und „Admiral Graf Spee“ führten diesen Kreuzerkrieg im 2. Weltkrieg anfangs sehr erfolgreich, desgleichen die ursprünglich auch als Panzerschiffe begonnenen, später zu Schlachtschiffen umkonstruierten „Scharnhorst“ und „Gneisenau“.
Parallel zur Entwicklung der Schlachtschiffe wurden die U-Boote entwickelt, insbesondere in Deutschland. Technisch möglich waren diese erst durch den Verbrennungsmotor. Typische Waffe der U-Boote war und ist der Torpedo. Damit waren diese Schiffe im Ersten Weltkrieg in der Lage, weitgehend unerkannt andere Schiffe anzugreifen und zu versenken.
Außerdem entstanden die Torpedoboote, kleine, schnelle und vor allem preiswerte Boote, deren Hauptwaffe ebenfalls der Torpedo war, und die gegen die Schlachtschiffflotten eingesetzt wurden. Deren Geschütze waren zu langsam, um Torpedoboote effektiv abzuwehren. Zur Abwehr gegen die Torpedoboote entstand daher der Torpedoboot-Zerstörer, später kurz Zerstörer genannt.
Zweiter Weltkrieg
Hiermit war die Entwicklung des Schlachtschiffes praktisch beendet, denn die Schlachtschiffe des Zweiten Weltkrieges, wie z. B. das Schlachtschiff Bismarck, hatten aufgrund ihrer Größe zusätzlich zu der unveränderten Hauptbewaffnung eine Mittelartillerie von kleineren Geschützen und Flugabwehrkanonen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die militärische Wirksamkeit der U-Boote zunehmend durch die Überwachung mit Flugzeugen und Radar, sowie die Abwehrmaßnahmen von Zerstörern neutralisiert. Heute dienen U-Boote in erster Linie als selbständig operierende Raketenabschussbasen. Durch Kernreaktoren erhielten große U-Boote ab Mitte des 20. Jahrhunderts die Fähigkeit, sehr lange ohne Kontakt zu Stützpunkten auf See zu operieren.
Als weitere Entwicklung ist der Flugzeugträger zu nennen, deren Entwicklung im Ersten Weltkrieg begann und im Zweiten Weltkrieg forciert wurde. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor zeigte erstmals die Überlegenheit gegenüber konventionellen Kriegsschiffen und führte dazu, dass Flugzeugträger ein elementarer Bestandteil der großen Marinenationen wurden.
Heute
Pearl Harbor Heute sind in erster Linie Zerstörer, Fregatten und Korvetten im Einsatz, die häufig mit Lenkwaffen ausgerüstet sind und so - ähnlich wie U-Boote - als mobile Abschussbasen dienen können.
Für den Küstenschutz sind leicht bewaffnete aus Holz gebaute Minensucher im Einsatz, sowie Schnellboote, die es ermöglichen unerlaubt eindringende Schiffe frühzeitig abzufangen. Seit dem Zweiten Weltkrieg spielen auch amphibische Kriegsschiffe eine große Rolle. Dazu gehören große Landungsschiffe, die meist mit Hubschraubern und zum Teil mit einem Dockraum ausgestattet sind. Kleine, sehr flachgehende Landungsboote können Mannschaften, Fahrzeuge und Material an das Ufer bringen. Diese Boote sind meist nur leicht bewaffnet. Wichtig sind zudem die Flugzeugträger, mit bis zu 336 m Länge. Sie ermöglichen den Einsatz von Bombern und Jagdflugzeugen weit entfernt von landgestützten Basen und spielten im zweiten und dritten Golfkrieg eine wichtige Rolle.
Siehe auch
- Seeschlacht
- Römische Marine
- Liste von Kriegsschiffen
- Liste von Schiffstypen
- Geschichte der Flugzeugträger
- Kaperfahrt
- Kriegsführung
- Deutsche Marine
- Deutsche Kriegsschiffe nach 1945
- Rangeinteilung der Kriegsschiffe
Literatur
- Bernd Loose / Bernd Oesterle: Das große Buch der Kriegsschiffe (19. & 20. Jh.), Motorbuch Verlag, ISBN 3-613-01854-3
Kategorie:Militärtechnik Kategorie:Militärschiffstyp
ja:軍艦
ko:군함
Schlachtschiff
Als Schlachtschiffe bezeichnet man gepanzerte Großkampfschiffe des 19. und 20. Jahrhunderts. Diese Kriegsschiffe wurden zunächst auch als Linienschiffe bezeichnet, in Anlehnung an die Geschwaderlinienschiffe des Segelzeitalters, oder auch als Panzerschiffe. Speziell meint man aber die Großkampfschiffe des 20. Jahrhunderts mit ihrer Wasserverdrängung von bis zu 70.000 t. Schlachtschiffe waren stärker gepanzert und besser bewaffnet als alle anderen zeitgenössischen Schiffe.
Geschichte
Während des Ersten Weltkrieges waren diese schwimmenden Festungen mit ihren manchmal bis zu 2.500 Mann starken Mannschaften die Herrscherinnen der Meere. Diese Schiffe hoben sich von den Linienschiffen des ausgehenden 19. Jahrhunderts dadurch ab, dass die bisher übliche Zahl von vier Hauptgeschützen vom Kaliber 24-30,5 cm in zwei Türmen auf 10-14 Geschütze (28-34,3 cm) in bis zu sieben Türmen erhöht und die Kolbendampfmaschinen durch Dampfturbinen ersetzt wurden. Das erste Schiff mit einer solchen Konfiguration war HMS Dreadnought. Im Ersten Weltkrieg wurden die ersten Super Dreadnought wie die HMS Warspite mit weit stärkerer Panzerung und Geschützkalibern von 38,1 cm, gebaut. Ein beispielloses Wettrüsten setzte ein, dass in seinen Ausmaßen nur vom Kalten Krieg übertroffen wurde. Das größte Aufeinandertreffen von Schlachtschiffen war die Skagerrakschlacht (engl. Battle of Jutland) am 31. Mai 1916, als u. a. 21 deutsche gegen 37 britische Großkampfschiffe kämpften.
Doch bereits im Zweiten Weltkrieg zeigte sich der Schwachpunkt auch dieser taktischen Waffe: Schlachtschiffe waren in zunehmendem Maße nur noch unzureichend gegen Angriffe durch Flugzeuge geschützt. Durch die bahnbrechenden Entwicklungen im Luftsektor waren Schlachtschiffe veraltet. Die Verluste der deutschen Bismarck, der britischen Schiffe Prince of Wales und Repulse sowie die Verluste der US-Marine in Pearl Harbor zeigten dies deutlich. Die Versenkung der mit etwas über 70.000 Tonnen größten je gebauten Schlachtschiffe Yamato und Musashi (japanische Marine, Hauptbatterie mit neun 46 cm-Geschützen) schien dies endgültig zu beweisen. Es zeigte sich auch, dass Schlachtschiffe nur selten miteinander in Gefechte verwickelt wurden - bei der Jagd auf die Bismarck, der Versenkung der Scharnhorst durch die HMS Duke of York, der Seeschlacht bei Punta Stilo im Mittelmeer, der Seeschlacht um Guadalcanal und dem Gefecht in der Surigao-Straße in den Philippinen - und daher ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis aufwiesen. Schlachtschiffe bewährten sich zwar als "schwimmende Artillerie" bei Landungsunternehmen, diese Aufgaben konnten aber auch durch kleinere, billigere Schiffe und Kampfflugzeuge übernommen werden. So wurden Schlachtschiffe nach dem Zweiten Weltkrieg in den meisten Marinen der Welt ausgemustert. Die letzten in Dienst gestellten Einheiten waren die britische HMS Vanguard 1946 und die aufgrund vieler Verzögerungen erst 1949 in Dienst gestellte französische Jean Bart. Lediglich die USA unterhielten noch einige Jahrzehnte lang vier alte, allerdings zusätzlich bereits mit Marschflugkörpern nachgerüstete Schlachtschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg als Abschreckung gegen die schweren Kreuzer der Sowjetunion und zum Küstenbeschuss u.a. im Vietnamkrieg.
Nach dem Zweiten Golfkrieg wurde das letzte Schlachtschiff der USA, die USS New Jersey (BB-62), am 8. Februar 1991 ausgemustert. Damit war die Ära der Schlachtschiffe beendet. Heute dominieren kleine Fregatten, Kreuzer, große Flugzeugträger und Unterseeboote die Meere.
Literatur
- Howarth, David (Hrsg.): Die Schlachtschiffe, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-030-2
- John Jordan: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer, Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-79090-365-5
Siehe auch
- Seeschlacht
- Liste von Schiffstypen
- Liste der Schlachtschiffe der US-Marine
- Iowa-Klasse
Weblinks
- [http://www.schlachtschiff.com Deutsche Webseite mit Informationen zu verschiedenen Schlachtschiffen]
- http://www.deutsche-marinegeschichte.de/geschichte/KMWaffen/Schlachtschiff/Schlachtschiffentwicklung.htm
Kategorie:Militärschiffstyp
ja:戦艦
ko:전함
ms:Kapal perang
Kreuzer (Schiff)Der Begriff Kreuzer für Kriegsschiffe hat seinen Ursprung in der englischen Bezeichnung "cruising ship" aus der Zeit der Segelschiffe, woraus im Sprachgebrauch einfach "cruiser" (zu deutsch "Kreuzer") wurde. Gemeint waren damit Marinefahrzeuge, die unabhängig von einem Flottenverband operierten (wobei sie natürlich meistens einer Flotte zugeordnet waren). Ihre Aufgaben waren Handelsstörung, Operationen an feindlichen Küsten, Überwachung von Seewegen, Präsenz zeigen und auch das Aufspüren und Bekämpfen von gegnerischen "Kreuzern". In der Segelschiffsära führten solche Aufgaben überwiegend Fregatten durch, aber auch Korvetten (bzw. Sloops), seltener auch Linienschiffe, wenn etwa eine stärkere Einheit benötigt wurde, oder ein schwächere nicht verfügbar war.
Zum "Schiffstyp" wurde der Kreuzer etwa um 1860/70, als die Segelfregatte obsolet wurde und jene dampfbetriebenen Schiffe, die an deren Stelle treten sollten, nun "Kreuzer" genannt wurden. Diese ersten Kreuzer waren mit leichter bis mittlerer Artillerie bewaffnet und nur schwach gepanzert. Dafür hatten sie eine recht große Reichweite und waren typischerweise schnell. Ihre Eigenschaften bezüglich Panzerung, Antrieb und Bewaffnung folgten der Regel "stärker zu sein als alle schnelleren Einheiten und schneller zu sein als alle stärkeren Einheiten" ("to outgun every ship they could not outrun and to outrun every ship they could not outgun"). In den Hauptseegebieten (also im 19. Jh die europäischen Gewässer) sollten sie primär als Handelsstörer agieren oder die stärkeren Schlachtgeschwader als Aufklärer unterstützen. In entfernten Seegebieten waren sie dagegen bestens geeignet, als größte lokale Einheit (oftmals als Flaggschiff eines kleinen Geschwaders) Stärke zu demonstrieren. Diese Rollenverteilung behielten Kreuzer noch bis ins 20. Jh. hinein. Im Zweiten Weltkrieg waren sie auch zum Begleitschutz für wichtige Konvois abgeteilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zahlreiche nuklear getriebene Kreuzer, der erste war die USS Long Beach (CGN-9). Dieses Schiff war zugleich auch der letzte Kreuzer der US Navy, der die klassische Rumpfform (lang und schmal) hatte.
Der Begriff Kreuzer umfasst mehrere (teils historische) Kriegsschiffklassen:
- Armstrong-Rendel-Kreuzer
- Aufklärungskreuzer
- Auslandskreuzer
- Dynamitkanonenkreuzer
- Elswick-Kreuzer
- Flottenkreuzer
- Geschützter Kreuzer
- Großer Kreuzer
- Hilfskreuzer
- Kleiner Kreuzer
- Kolonialkreuzer
- Kreuzerfregatte
- Kreuzerkorvette
- Leichter Kreuzer
- Lenkwaffenkreuzer
- Flugabwehrkreuzer (Fla-Kreuzer / Flak-Kreuzer)
- Minenkreuzer
- Panzerdeckkreuzer
- Panzerkreuzer
- Rammkreuzer
- Schlachtkreuzer
- Schwerer Kreuzer
- Spähkreuzer
- Stationskreuzer
- Torpedokreuzer
- Ungeschützter Kreuzer (auch Ungeschützter kleiner Kreuzer bzw. Kreuzer 3. oder 4. Klasse)
- Unterseekreuzer (U-Kreuzer)
- Flugdeckkreuzer/Hubschrauberkreuzer
Siehe auch: Liste von Schiffstypen
Kategorie:Militärschiffstyp
ja:巡洋艦
ko:순양함
Großbritannien und Nordirland
Das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland (engl. United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland - meist verkürzt zu United Kingdom oder UK) ist eine konstitutionelle Monarchie im Nordwesten Europas. Der größte Inselstaat Europas besteht aus den Landesteilen England, Wales und Schottland auf der Insel Großbritannien und Nordirland auf der Insel Irland.
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Im deutschen Sprachraum wird der Name oft auf Vereinigtes Königreich, entsprechend den amtlichen Kurzformen verkürzt. Die Bezeichnung Großbritannien wird ugs. oft als Synonym verwendet, bezeichnet aber nur Teile der britischen Inseln, nämlich nur die Insel, auf der England, Wales und Schottland liegen, und nicht noch das benachbarte Nordirland. Die Bezeichnung England schränkt das Vereinigte Königreich noch mehr ein. Zwar ist England der größte und nach wie vor beherrschende Landesteil, aber eben nur ein Teil des Landes und der Insel. So würde sich ein Schotte oder Nordire selbst nicht als Engländer bezeichnen.
Woher das „Groß“ in „Großbritannien“ stammt, wird im Französischen klar: „Großbritannien“ ist die „Grande-Bretagne“, im Unterschied zu der auch im Deutschen so genannten „Bretagne“. Die Bezeichnung Britannia hingegen stammt aus der Spätantike, nämlich aus dem Wortschatz der Urengländer, dem keltischen Brith, was buntfarbig oder gefleckt bedeutet. Offenbar war es dort einst Sitte, sich zu bemalen.
Geographie
Bretagne
Der größte Teil Englands besteht aus flachen Ebenen. Eine imaginäre Linie zwischen den Flüssen Tees (bei Middlesbrough) und Exe (bei Exeter) unterteilt England in einen sehr flachen und in einen eher hügeligen Teil. Die wichtigsten Hügelzüge (Gebirgsketten) von Nord nach Süd sind die Cumbrian Mountains, die Pennines, der Peak District, die Cotswolds und die Chilterns. Die wichtigsten Flüsse sind Themse, Severn, Trent, Great Ouse und Humber. Die größten Städte sind London, Birmingham, Manchester, Sheffield, Liverpool, Leeds, Bristol und Newcastle-upon-Tyne.
Wales ist abgesehen von einer flachen Ebene im Süden äußerst hügelig. Der höchste Berg, der Snowdon, ist 1.085 Meter hoch. Nördlich des Festlandes liegt die Insel Anglesey. Die größte Stadt ist Cardiff an der Südküste.
Die Geographie Schottlands ist sehr unterschiedlich, mit den flachen Lowlands im Süden und Osten sowie den teils gebirgigen Highlands im Norden und Westen. Der Ben Nevis (1.344 Meter) ist der höchste Berg Großbritanniens. Es gibt zahlreiche lange und tiefe Meeresarme, Firths und Lochs. An der Nord- und Westküste gibt es eine stattliche Anzahl von Inseln, darunter die Hebriden, die Orkney- und die Shetlandinseln. Die größten Städte sind Edinburgh, Glasgow und Aberdeen.
Nordirland umfasst den nordöstlichen Teil der Insel Irland. Das Gelände ist hügelig. Ziemlich exakt in der Mitte des Territoriums liegt der Lough Neagh, der größte Binnensee der Britischen Inseln. Die wichtigsten Städte sind Belfast und Derry.
Siehe auch: Liste der Seen in Großbritannien, Liste der Berge in Großbritannien
Klima und Vegetation
Das Klima von Großbritannien und Nordirland variiert, ist jedoch gemäßigt. Es ist aufgrund des Golfstroms markant wärmer als in anderen Gebieten auf den gleichen Breitengraden (wie z. B. Polen). Allgemein ist das Klima im Süden wärmer und trockener als im Norden.
Der Wind bläst hauptsächlich von Südwesten, vom Atlantischen Ozean her. Während mehr als der Hälfte des Jahres ist der Himmel bewölkt. Das Land ist relativ selten von Naturkatastrophen betroffen, vor allem im Winter können jedoch starke Sturmwinde und Überschwemmungen auftreten.
Die Regenmenge beträgt im Norden durchschnittlich 1.000 mm pro Jahr, im Süden 700 mm. Die Grafschaft Essex ist die trockenste Gegend des Landes. Die jährliche Regenmenge beträgt hier nur 600 mm, obwohl an über 100 Tagen im Jahr Regen fällt. In manchen Jahren kann die Regenmenge nur 450 mm betragen, weniger als z. B. in Jerusalem oder Beirut.
Der früher weit verbreitete Laub- und Mischwald ist wegen Raubbau und Landwirtschaft auf 8 % zurückgedrängt worden. Jetzt versucht man die Wälder wieder aufzuforsten. Die Gebirge sind mit Mooren und Heiden bedeckt.
Bevölkerung
Das Vereinigte Königreich hatte bei der letzten Volkszählung im Jahre 2004 60.294.000 Einwohner.
Sie gliedert sich in Engländer (83,6 %), Schotten (8,6 %), Iren (2,9 %), Waliser (4,9 %) und Andere 7,9 %.
Sprachen
Das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland hat keine offizielle Amtssprache. Englisch ist jedoch de facto offizielle Sprache und wird von 95 % der Bevölkerung als einzige Sprache gesprochen. Als „Hochsprache“ gilt die so genannte Aussprachevariante der Received Pronunciation. Dieses Englisch wird auch in den meisten Schulen Deutschlands unterrichtet. Allerdings haben zwei Teilstaaten offizielle Sprachen: In Wales sind sowohl Englisch als auch Walisisch offizielle Sprachen. In Nordirland sind dies Englisch, Irisch und Ulster Scots. Zusätzlich wird in den Äußeren Hebriden die Schottisch-Gälische Sprache anerkannt. Daneben gibt es in Großbritannien diverse lokale Dialekte des Englischen, die aber keinen offiziellen Status haben und meist rein mündlicher Natur sind. Noch bis in die jüngste Vergangenheit hinein empfand man Dialekte und dialektal gefärbte Aussprache im klassenbewussten Königreich als sozialen Makel.
Die Minderheitensprachen sind durch die Europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen anerkannt und geschützt. Walisisch genießt in Wales Gleichberechtigung mit Englisch; in Schottland ist dies Scots, in Cornwall die Kornische Sprache, in Nordirland das Ulster Scots. Die Gehörlosen verwenden die British Sign Language.
Laut der Volkszählung von 2001 wird Walisisch von rund 20 % der Bevölkerung in Wales gesprochen (ca. 600.000 Menschen), schottisches Gälisch von rund 60.000 Menschen, Irisch von rund 20.000 Menschen (7 % der Bevölkerung Nordirlands) und Kornisch von 3.500 Menschen (etwa 0,6 % der Bevölkerung von Cornwall).
Schreibweise des Landesnamens in den offiziell anerkannten Sprachen:
- United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland (Englisch)
- Teyrnas Unedig Prydain Fawr a Gogledd Iwerddon (Walisisch)
- An Rìoghachd Aonaichte na Breatainn Mhòr agus Eirinn a Tuath (schottisches Gälisch)
- Ríocht Aontaithe na Breataine Móire agus Thuaisceart Éireann (Irisch)
- An Rywvaneth Unys a Vreten Veur hag Iwerdhon Glédh (Kornisch)
- Unitit Kinrick o Great Breetain an Northren Ireland (Scots)
Minderheiten
Es gibt mehrere ethnische Minderheiten im Vereinigten Königreich, die ca. 7,9 % der Bevölkerung ausmachen. Zu über 50 % sind ihre Angehörigen im Vereinigten Königreich selbst geboren worden. Der relativ große Anteil dieser Minderheiten erklärt sich aus der Einwanderung einer großen Anzahl von Bewohnern ehemaliger britischer Kolonien in der Karibik und des indischen Subkontinents, vor allem in den 1950ern und den 1960ern. Es gibt folgende Hauptminderheiten:
Karibischer oder afrikanischer Abstammung („Black Caribbean“ bzw. „Black African“ - über 1,1 Millionen)
Der Großteil der eingewanderten Westinder kam in den 1950ern, in der Hoffnung auf Arbeit und um der schlechten Lebensqualität in ihren Heimatländern zu entfliehen. Die meisten kamen aus Jamaika, Trinidad und Tobago und Dominica. Bei der letzten Volkszählung 2001 wurden 1.148.738 Menschen gezählt (davon 565.876 aus dem karibischen Raum und 485.277 aus Afrika), was etwa 2,1 % der Gesamtbevölkerung entspricht.
Inder (über 1 Million - 2001)
Die Inder stellen die größte Einwanderergruppe aus einem einzigen Land. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt 1,8 %. Bei der letzten Volkszählung (2001) wurden 1.053.411 Menschen gezählt. Obwohl sie als eine einzige Minderheitengruppe zusammengefasst werden, gibt es weitere Unterschiede innerhalb derselben. 45 % der britischen Inder sind Hindus, die Sikhs folgen mit 29 % und an dritter Stelle die indischen Moslems mit 13 %. Diverse Gründe haben die Inder dazu veranlasst, nach Großbritannien auszuwandern; neben wirtschaftlichen Gründen wie Armut, Arbeitssuche oder dem Wunsch nach einem höheren Lebensstandard spielt auch politische Verfolgung eine Rolle.
Pakistaner (747.285 - 2001)
Pakistaner sind die zweitgrößte südasiatische Minderheit in Großbritannien. Sie kamen mit Seefahrern nach Großbritannien und suchten dort für kurze Zeit Arbeit, um Geld für ihre Familien zu verdienen, und fuhren dann wieder zurück nach Pakistan. Viele von ihnen aber blieben in Großbritannien. Der größte Teil der Pakistaner sind Anhänger des Islam.
Bengalen (283.063 - 2001)
Die Bengalen gehören ebenso wie die Inder und Pakistaner zu den sogenannten „Asian or Asian British People“. Die Gründe für ihre Einwanderung waren der Bürgerkrieg und die Abspaltung Bangladeschs von Pakistan 1971 ebenso wie die der Suche nach Arbeit und die Hoffnung auf einen höheren Lebensstandard. Die meisten Bengalen sind ebenfalls Muslime.
Chinesen (247.403 - 2001)
Ein Großteil der chinesischen Einwanderer in Großbritannien wanderte nach dem Zweiten Weltkrieg ein, vor allem aufgrund des Preisverfalls von Reis in Hongkong. Im Jahre 2001 lebten 247.403 Chinesen in Großbritannien, was 0,4 % der Gesamtbevölkerung entspricht. Heutzutage gehören die Chinesen zu den bestverdienenden und bestausgebildeten Einwohnern Großbritanniens.
Sinti & Roma (ca. 120.000)
Unter dem englischen Begriff „Gypsy“ oder „Traveller“ versteht man eine Vielzahl ethnischer Minderheiten. Die Minderheit, die den traditionellen „Zigeunern“ in ihrer Lebensweise am nächsten kommt, sind die Roma, deren Ursprung in Nordindien liegt. Heutzutage werden aber auch Einwanderer aus Osteuropa, etwa aus Polen, Rumänien, Tschechien und der Slowakei dazugezählt. Die Hauptprobleme der Roma und auch der relativ wenigen britischen Sinti sind Diskriminierung, Armut und eine hohe Kindersterblichkeitsrate.
Nach Schätzungen der UNO leben in Großbritannien mehrere hunderttausend Menschen polnischer Herkunft.
Religion
Die Mehrzahl der Einwohner des Vereinigten Königreichs (ca. 74 %) versteht sich als Christen. Bei der letzten Volkszählung 2001 beantworteten 92 % der Einwohner die freiwillige Frage nach der Religion.
Wie in anderen Ländern auch ist die Kirchenmitgliedschaft nicht mit der Religionszugehörigkeit gleichzusetzen. Genaue Statistiken der Kirchenmitgliedschaft sind schwer zu erstellen, da man in Großbritannien gewöhnlich nur dann offiziell Mitglied einer Kirche wird, wenn man sich über den gelegentlichen Gottesdienstbesuch hinaus am Gemeindeleben beteiligen will. 1995 waren nur 14 % der Bevölkerung solche Mitglieder von Kirchen. Laut Umfragen aus dem Jahr 1995 fühlen sich noch ca. 27 Millionen (45 %) der anglikanischen Kirche zugehörig, 11 Millionen (19 %) anderen protestantischen Kirchen im weitesten Sinne und knapp 6 Millionen (10 %) der katholischen Kirche. Katholiken wurden früher oft als kuriose Minderheit empfunden (vgl. z. B. Evelyn Waughs Wiedersehen in Brideshead), sind heute aber etwas relativ normales geworden.
Zu den großen Kirchen (grob nach Größe und Einfluss geordnet) zählen in
- England die
- Church of England (Anglikanisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- Methodistische Kirche
- United Reformed Church (Reformiert)
- Schottland die
- Church of Scotland (Reformiert/Presbyterianisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- United Reformed Church (Reformiert) (in Schottland entstanden aus der Congregational Union bzw. Church und anderen reformierten Gemeinden)
- Methodistische Kirche
- Wales die
- Church in Wales (Anglikanisch)
- United Reformed Church (Reformiert)
- Römisch-Katholische Kirche
- Methodistische Kirche
- Nordirland die
- Church of Ireland (Anglikanisch)
- Römisch-Katholische Kirche
- Verschiedene Presbyterianische Kirchen
Über 9 Millionen Einwohner gehören keiner Religion an (Agnostiker, Atheisten und Heiden).
Daneben sind auch Islam, Hinduismus, Sikhismus und andere Religionen verbreitet:
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte der Britischen Inseln, Geschichte des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland
Geschichte des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland
In der Antike waren weite Teile der Insel Großbritannien, abgesehen vom Gebiet des heutigen Schottlands, für rund 350 Jahre von den Römern besetzt. Als diese sich zurückzogen, bildeten sich mehrere kleine Königreiche, die von den eingewanderten Angeln und Sachsen (Angelsachsen) und später auch von den Wikingern beherrscht wurden. Die keltische Urbevölkerung wurde in die westlichen Randgebiete verdrängt. Im 10. Jahrhundert entstanden die voneinander unabhängigen Königreiche Schottland und England. 1066 eroberten die Normannen, französisierte Wikinger aus der Normandie, die Insel und prägten sie für die folgenden Jahrhunderte.
Wales, das seit 1284 unter der Kontrolle Englands war, wurde mit der Act of Union 1536 Teil des Englischen Königreichs. Mit der Act of Union 1707 wurden die Königreiche Schottland und England zum Königreich Großbritannien vereinigt; beide Staaten hatten seit 1603 durch Personalunion denselben Monarchen. Die Act of Union 1800 vereinigte das Königreich Großbritannien mit dem Königreich Irland, das von 1169 bis 1603 mehr und mehr unter englische Kontrolle geraten war. Durch diese Verschmelzung entstand das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland. 1922 bildeten 26 irische Grafschaften den Irischen Freistaat (ab 1937 Éire, ab 1949 Republik Irland). Die restlichen 6 Grafschaften in der Provinz Ulster verblieben beim Vereinigten Königreich. Der heutige Staatsname Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland wird seit 1927 verwendet.
Das Vereinigte Königreich, die dominierende Industrie- und Seefahrtsnation im 19. Jahrhundert, spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der parlamentarischen Monarchie, bei Literatur und Wissenschaft. Unter dem außenpolitischen Prinzip der Balance of Power trat Großbritannien über viele Jahrhunderte für ein Mächtegleichgewicht auf dem europäischen Kontinent ein und schloss dafür wechselnde Bündnisse. Auf seinem Höhepunkt umfasste das Britische Imperium zwei Fünftel der Landfläche der Erde, die in vielen Kriegen erobert worden waren. Durch die beiden Weltkriege verlor das Land seine Weltmachtstellung, obwohl es beide Male auf der Siegerseite stand. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Imperium bis auf einige kleine Reste aufgelöst. Großbritannien war gezwungen, sich mehr Europa (Kontinentaleuropa) zuzuwenden, hält sich aber bis heute bei der Integration zurück. Das Land ist zwar Mitglied der Europäischen Union, hat aber den Euro wegen innenpolitischer Widerstände nicht eingeführt. Im Zuge einer Verfassungsreform erhielten Schottland, Wales und Nordirland im Jahre 1999 eigene Parlamente.
Siehe auch: Geschichte des Vereinigten Königreiches, Geschichte Englands, Geschichte Irlands, Geschichte Nordirlands, Geschichte Schottlands, Geschichte von Wales, Britisches Imperium, Commonwealth of Nations, Britische Unterhauswahlen 2005
Politik
Hauptartikel: Politisches System Großbritanniens und Nordirlands, Britische Monarchie
Das Vereinigte Königreich ist eine konstitutionelle Monarchie (Staatsoberhaupt ist Königin Elisabeth II.), Premierminister ist Tony Blair. Hort der Souveränität ist das Parlament, das aus Oberhaus (House of Lords: Adel, heute größtenteils nichterblicher Verdienstadel, und einige anglikanische Bischöfe) und Unterhaus (House of Commons: nach Mehrheitswahlrecht gewählte Abgeordnete) besteht. Der Landesteil England ist in Europa das Land mit der ältesten ununterbrochenen parlamentarischen Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht (Magna Charta). Eine geschriebene Verfassung gibt es nicht, es gibt allerdings Gesetze mit Verfassungsrang. Schottland und Wales haben seit den 1990er Jahren eigene Landesparlamente und -regierungen. In Schottland und Wales gilt schon die Europäische Menschenrechtserklärung, in England steht sie vor der Einführung.
Das Vereinigte Königreich ist eines der Gründungsmitglieder der NATO und des Commonwealth of the Nations. Es ist außerdem ständiges Mitglied des UNO-Sicherheitsrates sowie Teil der Europäischen Union.
Militär
Das Vereinigte Königreich hat die höchsten Rüstungsausgaben in Europa und ist dessen wichtigste Militärnation. Traditionell konzentriert sich das britische Militär mehr auf die Kriegsmarine, Royal Navy, und die Luftwaffe, Royal Air Force, als auf das Heer, die British Army. Das Vereinigte Königreich besitzt seit 1952 Atomwaffen, deren Bestand in den vergangenen Jahren zwar deutlich reduziert wurde, jedoch ständig modernisiert wird.
Das Vereinigte Königreich unterhält zudem etliche Militärbasen im Ausland. Hierzu gehören mehrere Basen in Deutschland mit insgesamt 27.000 Soldaten sowie zwei britische Hoheitsgebiete auf Zypern mit etwa 7.000 Soldaten. Außer den USA hat kein Staat mehr Soldaten im Ausland stationiert als Großbritannien. Aktuell sind 67.000 britische Soldaten im Ausland stationiert, darunter 8.900 im Irak.
Verwaltungsgliederung
Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Großbritanniens und Nordirlands
Das Vereinigte Königreich besteht aus den vier Landesteilen: England (Königreich), Wales (Fürstentum), Schottland (Königreich) und Nordirland (Provinz). Wales, Schottland und Nordirland besitzen seit den 1990er Jahren eigene Landesteilparlamente und -regierungen mit einem sog. Ersten Minister als Chef (vergleichbar einem Ministerpräsidenten in Deutschland oder einem Landeshauptmann in Österreich). England besitzt, mit Ausnahme Londons (noch) keine Landesverwaltung. Eine „Northern Assembly“ (Nordenglische Versammlung) ist gegenwärtig in der Diskussion. Die Aufgaben einer Staatsspitze Englands werden von Parlament und Regierung des Vereinigten Königreiches mit wahrgenommen. Dabei ist es inzwischen üblich geworden, dass sich im Parlament die Abgeordneten der anderen Landesteile enthalten, wenn eine Entscheidung nur England betrifft (siehe auch West-Lothian Question).
Die unteren Verwaltungsebenen sind seit dem späten 19. Jahrhundert mehrmals neu strukturiert worden, weitere Veränderungen sind in der Zukunft zu erwarten. Traditionell bestand England seit dem Mittelalter aus 39, Schottland aus 34, Wales aus 13 und Nordirland aus 6 Grafschaften (engl. counties).
Heute (2004) gibt es in England 35 Grafschaften, 40 so genannte „Unitary Authories“, 6 Metropolitan Counties sowie Greater London mit seinem Bürgermeister Ken Livingstone (siehe hierzu auch Verwaltungsgliederung Englands). Wales besteht aus 22, Schottland aus 32 Unitary Authorities. In Nordirland gibt es 26 Bezirke (District). Die Namen der alten Grafschaften werden aber im Alltagsgebrauch aller Landesteile oft weiterhin verwendet.
Abhängige Gebiete (offiziell Überseegebiete/Overseas territories of the United Kingdom):
- Anguilla
- Bermuda
- Britische Jungferninseln
- Britisches Antarktis-Territorium
- Britisches Territorium im Indischen Ozean
- Kaimaninseln
- Falklandinseln
- Gibraltar
- Montserrat
- Pitcairninseln
- St. Helena
- Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln
- Turks- und Caicosinseln
Gebiete, die nur der britischen Krone unterstehen und nicht dem Vereinigten Königreich (Crown dependencies):
- Kanalinseln
- Man
Beide haben eigene Legislativen und Rechtssysteme, werden jedoch im Bereich Verteidigung und internationale Beziehungen von der britischen Regierung vertreten.
Der britische Monarch ist Staatsoberhaupt nicht nur des Vereinigten Königreichs, sondern auch einer ganzen Reihe weiterer, unabhängiger Commonwealth-Staaten.
Siehe auch: Liste der Städte in Großbritannien und Nordirland, Kronkolonie
Infrastruktur
Der Verkehr orientiert sich in Nord-Süd-Richtung.
Im Straßenverkehr wird links gefahren, im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern. Kreisverkehre sind bei britischen Verkehrsplanern besonders beliebt, da es keine Rechts-vor-Links- oder Links-vor-Rechts-Regel gibt; an Kreuzungen ohne Kreisverkehr ist stets eine der Straßen als Vorfahrtsstraße markiert.
Von Bedeutung sind die Autobahnen (Motorways), die das Land (insbesondere England) sehr gut erschließen. Zudem begann man in den 1990er Jahren mit dem Bau mehrspuriger Überlandstraßen, um sowohl die Autobahnen wie auch die an kleineren Straßen gelegenen Orte zu entlasten. Die Inseln Großbritannien und Irland sind durch Fähren verbunden.
Das Vereinigte Königreich ist die wichtigste Drehscheibe des Weltluftverkehrs. Das gesamte Fluggastaufkommen ist mit rund 200 Mio. Passagieren pro Jahr (davon 125 Mio. auf den Londoner Flughäfen) das größte Europas. Insgesamt verfügt es über acht internationale und viele regionale Flughäfen. Heathrow im Westen Londons war mit 64 Millionen Passagieren 2003 der Flughafen mit dem größten internationalen Passagieraufkommen der Welt und zugleich auch der mit den meisten Flugbewegungen. Weitere wichtige Flughäfen sind Gatwick und Stansted bei London sowie Birmingham und Manchester.
Das dichte, 1994 privatisierte, älteste Eisenbahnnetz der Welt ist in den 1960er- und 1970er-Jahren aus Rentabilitätsgründen stark geschrumpft. Durch den Eurotunnel besteht Anschluss an das Eisenbahnnetz des europäischen Kontinents. Um diese Verbindung zu verbessern, wurde 2003 der erste Teil des Channel Tunnel Rail Link in Betrieb genommen. Diese erste Hochgeschwindigkeitsstrecke Großbritanniens soll die Reisezeit deutlich verkürzen.
Ende der 1990er-Jahre und zu Beginn des aktuellen Jahrzehnts kam es wiederholt zu schweren Eisenbahnunfällen, die von Fachleuten auch auf eine mangelhafte Organisation bei der Privatisierung des Schienennetzes zurückgeführt wurden. Dies war mit ein Grund dafür, dass die Schieneninfrastruktur 2002 wieder verstaatlicht wurde. Auch kommt es immer wieder zu erheblichen Verspätungen im Personenverkehr. Die offiziellen Erklärungen für die Verspätungen und Ausfälle sorgen auf der Insel immer wieder für Heiterkeit: Mal sind es „Blätter auf den Schienen“ (im Herbst), mal ist es „die falsche Sorte Schnee“ (im Winter), im Rest des Jahres sind es „Weichenprobleme“ oder „fehlende Lokführer“. Der Schienengüterverkehr in Nordirland wurde im Jahre 2004 eingestellt, während in Großbritannien in den letzten Jahren Zuwächse erzielt werden konnten.
Durch die Insellage des Vereinigten Königreiches, die räumliche Trennung Nordirlands vom restlichen Staatsgebiet und die vielen vorgelagerten Inseln besitzt die Seeschifffahrt traditionell eine große Bedeutung. Die wichtigsten Häfen sind Southampton, London und Belfast. Schon seit der Antike sind regelmäßige Schiffsverbindungen zwischen den Inseln und dem (Insel-)Festland bekannt. Es war einfacher, per Schiff von einem Ort zum anderen zu kommen als über das unwegsame bergige Land.
Siehe auch
- Kfz-Kennzeichen (UK)
- Straßensystem in Großbritannien
- Liste der Autobahnen in Großbritannien
- Liste von Eisenbahngesellschaften in Großbritannien und Nordirland
Wirtschaft
Das Vereinigte Königreich zählt zu den am stärksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt.
Die Wirtschaft des Vereinigten Königreiches ist dienstleistungsorientiert. Wichtigste Exportgüter sind Maschinen, Computer und vor allem die Bodenschätze der Nordsee, nämlich Erdöl und Erdgas.
In den vergangenen Jahren erlebten vor allem die Rüstungsindustrie und der Schiffbau einen großen Aufschwung. Auch in der Luftfahrtindustrie ist Großbritannien wieder verstärkt vertreten, u. a. im Airbus-Konsortium und durch zahlreiche Kooperationen mit Boeing und Lockheed-Martin.
Großbritannien stellt zudem mehrere der größten Konzerne der Welt, darunter British Aerospace, BP, Shell und HSBC.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im 1. Quartal 2004 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,4 %. Mit 23.080 Euro liegt das BIP pro Kopf im oberen europäischen Referenzrahmen. Die Arbeitslosenquote beträgt 3,7 % (2004).
Kultur
Höchste Bauwerke
- Belmont-Sendemast, 385 Meter - höchstes Bauwerk Großbritanniens und der EU
- VLF-Sendemast Skelton, 365 Meter
- (Wolkenkratzer London Bridge Tower (London), 310 Meter - höchstes Hochhaus Europas (in Planung))
- Wolkenkratzer 1 Canada Square (London), 235 Meter
- Wolkenkratzer 8 Canada Square (London), 210 Meter
- Wolkenkratzer 25 Canada Square (London), 210 Meter
Weitere Themen
- Portal:Großbritannien
- Anglozentrismus
Weblinks
Geschichte Großbritanniens
- http://www.schottlandgeschichte.de/ – Umfangreiche Zeittafel und Informationen zu Schottland (deutsch)
- http://www.britannia.com/ – UK Travel & British History (englisch)
- http://www.historic-uk.com/ – history and heritage accommodation guide (englisch)
- http://www.woodlands-junior.kent.sch.uk/geography/unionjack.html – Union Jack: die britische Flagge (englisch)
- http://www.royal.gov.uk – Monarchy Today: Vergangenheit und Gegenwart des englischen Köngigshauses (englisch)
- http://www.britishbattles.com/ – British Battles (englisch)
Landschaft und Natur
- http://www.beautifulbritain.co.uk/ – Beautiful Britain (englisch)
Politik
- http://www.politik.uni-koeln.de/jaeger/links/britauspol – Linksammlung zur Britischen Außenpolitik
- http://www.fco.gov.uk – Britisches Außenministerium
- http://www.parliament.uk – Britisches Parlament
- http://www.number-10.gov.uk – No. 10 Downing Street (Britische Regierung)
Institutionen
- http://www.statistics.gov.uk/products/p5703.asp – Britain 2004: Das offizielle Jahrbuch über Großbritannien
- http://www.agf.org.uk – Anglo-German Foundation (Deutsch-Britische Stiftung)
- http://www.gbf.com – Deutsch-Britisches Forum
- http://www.britischebotschaft.de/ – Britische Botschaft in Berlin
Reisen
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=189 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://www.nationalexpress.com – National Express: bekanntester britischer Reisebus-Service (englisch)
- http://www.schottlandportal.de/ – Schottland: Portal und Informationsseite zu Urlaub, Reisen, Land und Leute
- http://www.vereinigtes-königreich.de/ – Vereinigtes Königreich
Vermischtes
- http://www.spiegel.de/jahrbuch/0,1518,GBR,00.html – Spiegel online / Jahrbuch / Großbritannien
- http://www.career-contact.de/laenderinfos/grossbritannien/uebersicht.php – Jobs und Praktikum in Großbritannien - Das Infoportal
Kategorie:Monarchie
Kategorie:Staat
Kategorie:Land in der EU
als:Grossbritannien und Nordirland
ja:イギリス
ko:영국
ms:United Kingdom
simple:United Kingdom
th:สหราชอาณาจักร
zh-min-nan:Liân-ha̍p Ông-kok
Torpedo
Der moderne Torpedo ist eine zielsuchende Unterwasserwaffe mit eigenem Antrieb und einer Sprengladung.
Er zündet auf Kontakt, bzw. heute auf Annäherung an ein Ziel. Auch wenn Torpedos die Hauptbewaffnung von U-Booten sind, so können sie auch von Schiffen,Flugzeugen und Hubschraubern eingesetzt werden. Verwendung finden sie vor allem auf U-Booten, Torpedobooten sowie Torpedobombern. Aber auch Zerstörer und teilweise sogar Kreuzer und Schlachtschiffe wurden mit ihnen ausgerüstet. Es gibt auch Seeminen, die Torpedos verschießen.
Torpedos können Teile anderer Waffensysteme sein. Der MK-46 Torpedo der NATO ist der Gefechtskopf der ASROC-Rakete, die gegen U-Boote eingesetzt wird und wird auch von der Seemine Typ MK-60 CAPTOR verschossen. Der meistverwendete Torpedo, der nur von U-Booten abgefeuert werden kann ist der amerikanische Mark 48. Auf den neuen deutschen U-Booten der Klasse 212A kommt der DM2A4 zum Einsatz.
Wortherkunft
Das Wort Torpedo leitet sich von einer Fischgattung aus der Ordnung der Torpediniformes und der Familie der Torpenidae (Zitterrochen) ab. Diese Fische beziehen ihren Namen wiederum vom lateinischen Wort "torpere", das mit lähmen übersetzt werden kann. Dieser Name hat nichts mit der Form der Waffe zu tun, dafür aber damit dass die Rochen "Schläge" austeilen können.
Im Sprachgebrauch der Marine wurde der Begriff zuerst vom amerikanischen Ingenieur Robert Fulton benutzt, der ihn in Zusammenhang mit seinem U-Boot Nautilus um das Jahr 1800 anwandte.
Geschichte
Robert Fulton
Ursprünglich, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bezeichnete man mit dem Begriff Torpedo so ziemlich jede Sprengladung im Wasser, auch Seeminen.
Die erste Form des Torpedos war das Spierentorpedo. Während des amerikanischen Bürgerkriegs, als es schien, die Schiffspanzerung sei den Geschossen überlegen, sah man eine Möglichkeit die Panzerung zu überwinden, indem man eine große Sprengladung mittels einer Stange (Spiere) direkt an das feindliche Schiff brachte. Das Funktionsprinzip entsprach ungefähr dem der Petarde. Das erste Unterseeboot, das ein Spierentorpedo verwendete, war die H. L. Hunley, die damit die Housatonic der Unionstruppen versenkte. Es versank nach dem Angriff allerdings aus noch ungeklärten Ursachen selbst.
Die ersten Prototypen schraubengetriebener Torpedos wurden vom kroatischen Ingenieur Ivan Lupis-Vukic, der in der Österreich-Ungarnischen Marine diente, entwickelt und gebaut. Die Präsentation erfolgte 1860 in Rijeka.
Als Vorbild für Prinzip und Aufbau moderner Torpedos gilt der Whitehead-Torpedo, der nach seinem Erbauer, dem englischen Ingenieur Robert Whitehead, benannt wurde. Whitehead entwickelte den Torpedo für die österreichische Armee und führte ihn 1866 in Fiume erstmals vor. Dieser Torpedo trug eine 9 kg schwere Sprengladung in der Spitze, hatte eine Reichweite von 300 bis 400 Metern und erreichte eine Geschwindigkeit von 6 Knoten. Als Energiequelle für den Antrieb diente auf 40 kp/cm² verdichtete Luft, die in einem Druckbehälter mitgeführt wurde. Bei diesen frühen Bauformen wurden die Stabilisierungsflossen bis in den Bugbereich gezogen, um das Gegenmoment der Antriebsschraube auszugleichen. Wegen dieses charakteristischen Aussehens wurden diese Torpedos auch Fisch-Torpedo genannt. Da modernere Konstruktionen grundsätzlich von zwei gegenläufigen Schrauben angetrieben werden, deren Gegendrehmomente sich aufheben, kommen diese mit vergleichweise kleinen Steuerflächen aus.
Der erste erfolgreiche Einsatz eines Torpedos, bei dem ein Schiff versenkt wurde, fand am 26. Januar 1878 statt. Ein russisches Boot unter dem Kommando von Stepan Ossipowitsch Makarow traf dabei ein türkisches 2000-Tonnen Schiff aus 80 Metern Entfernung.
Die Entwicklung des Torpedos mit Eigenantrieb führte zu einer neuen Qualität im taktischen Denken. Ende des 19. Jahrhundert wurden schnelle Torpedoboote und Zerstörer entwickelt, die wiederum die Entwürfe und Taktiken der großen Kriegsschiffe stark beeinflussten.
Die ersten eingesetzten Torpedos hielten, einmal abgeschossen, einen geraden Kurs bei, bis sie ihr Ziel trafen oder ihr Treibstoff aufgebraucht war.
Antriebsarten
Frühe selbstlaufende Torpedos wurden von Druckluft angetrieben, die auf eine Kolbenkraftmaschine oder auf eine Turbine wirkte und so die Schraube antrieb. Darauf aufbauend wurde ab dem Ende des 19. Jahrhunderts der Dampfgastorpedo entwickelt, der nach seinem Antriebssystem benannt wurde. Der Dampfgasantrieb ist neben dem Elektroantrieb die verbreitetste Antriebsform für Torpedos und nutzt ebenfalls Druckluft als Antriebsmittel. Der Energiegehalt der Druckluft wird jedoch durch Erhitzen der Luft vor Eintritt in die Antriebsturbine erhöht. Als Energieträger dient hierbei ein mitgeführter Brennstoffsatz. Die Luft und die Abgase werden im Allgemeinen durch die Schraubenwelle ausgestoßen und erzeugen eine von der Wasseroberfläche aus deutlich sichtbare Blasenspur. Dieses System ist relativ leicht, einfach und zuverlässig. Die Blasenspur kann jedoch die Laufbahn des Torpedos und die Abschusstelle enttarnen, und wegen des Gegendrucks des Wassers sind solche Torpedos kaum zur U-Boot- Jagd geeignet. Daher entstanden in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg die ersten Elektrotorpedos, welche leiser laufen und keine Blasenspur erzeugen. Sie sind schwerer zu orten und auch in großen Tiefen einsetzbar. Die Antriebsenergie lieferten z. B. Blei- Akkumulatoren, deren relativ geringer Energiegehalt und hohes Gewicht aber nachteilig sind. Es werden darum auch andere Akkuvarianten wie Zink- Silber-Akkus eingesetzt. Moderne Torpedos mit Elektro- oder Dampfgasantrieb erreichen eine Geschindigkeit bis etwa 55 Knoten. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges begannen Forschungen zum reaktiven Antrieb von Torpedos, der heute bei einigen Torpedomodellen zum Einsatz kommt. Es werden sowohl Feststoff- als auch Flüssigkeitstriebwerke verwendet. Reaktiv angetriebene Torpedos sind verglichen mit den anderen Antriebsarten sehr schnell, haben aber meist eine geringere Reichweite. Moderne Superkavitationstorpedos (siehe unten) lassen sich nur mit reaktivem Antrieb technisch umsetzen, da Schraubenantriebe nicht die nötige Antriebsleistung erzeugen könnten und in der Dampfblase, die den Torpedo umgibt, auch wirkungslos wären. Bei den reaktiven Antrieben werden übliche Raketentreibstoffe verwendet, es gibt jedoch Forschungen, die den Einsatz metallischer Treibstoffe bei Superkavitationstorpedos zum Ziel haben. Denkbar wäre z. B. eine Kombination von Aluminiumpulver und Wasser oder Wasserdampf. Metallische Teibstoffe haben einen höheren Energiegehalt und erzeugen einen höheren spezifischen Impuls als auf Kohlenwasserstoffen oder Wasserstoff basierende Treibstoffe. Problematisch sind jedoch die hohen Verbrennungstemperaturen und die hohe Erosionsbelastung der Antriebsdüse durch die Verbrennungsprodukte.
Funktionsprinzip
19. Jahrhundert
Das Funktionsprinzip des Torpedos ist bis heute weitgehend gleich geblieben, auch wenn moderne Torpedos einige Komponenten mehr besitzen als damals. So besitzt der Torpedo auch heute noch eine Zigarrenform und schwimmt im Regelfall knapp unter der Wasseroberfläche, also da, wo Oberflächenschiffe am verwundbarsten sind. Alternativ versucht man Torpedos unter der Kiellinie des Zieles zu zünden. Das Schiff wird zunächst durch die Druckwelle getroffen, und durch die unter dem Schiff expandierende Gasblase verliert das Schiff an dieser Stelle den Auftrieb und bricht auseinander.
Eine Ausnahme besteht selbstverständlich beim Angriff auf ein getauchtes gegnerisches U-Boot. Moderne Torpedos sind in der Lage, bis in eine Tiefe von knapp 2.500 Metern zu tauchen. Um ein feindliches U-Boot, welches wesentlich agiler ist als Oberflächenschiffe und sich außerdem in allen drei Dimensionen bewegen kann, zu orten, besitzen heutige Torpedos aktive und passive Sonardetektoren an ihrer Spitze.
Die hier empfangenen Signale werden in die Mitte des Torpedos weitergeleitet und ausgewertet. Aufgrund des Analyseergebnisses erteilt ein Computer den Steuerflossen am Ende des Torpedos Befehle zur Richtungsänderung.
Die ersten selbststeuernden Torpedos kamen im Zweiten Weltkrieg auf. Der deutsche "Flächenabsuchtorpedo (kurz FAT)" war ein Torpedo, welcher fest vorgegebene Zick-Zack-Linien fuhr, um seine Trefferchancen bei Konvoiformationen zu erhöhen. Dazu kam der akustisch sein Ziel suchende „Zaunkönig“, das Gegenstück zu „Wandering Anne“ der Alliierten.
Alliierten
Diese Steuerflossen lassen sich heute auch aus dem abschießenden U-Boot beeinflussen. Zu diesem Zweck zieht der Torpedo einen dünnen Steuerdraht hinter sich her. Weiterhin lassen sich so Befehle wie Notabschaltung und vorzeitige Detonation an den Torpedo übermitteln. Ein extremer Vorteil, sollte der eigene Torpedo unerwartet drehen und das eigene Boot als Ziel auffassen.
Abgesehen von der Wasserbombe ist der Torpedo die einzige Waffe zur aktiven Bekämpfung von getauchten U-Booten - das macht ihn zu einer der wichtigsten Waffen im Seekrieg. Während sich Schiffsgeschütze über die Jahre kaum verändert haben, machte die Torpedotechnik vom Ersten Weltkrieg bis heute bemerkenswerte Fortschritte.
Schiffsgeschütz
Neben Torpedos mit konventionellem Sprengkopf werden seit dem Kalten Krieg auch Torpedos mit Atomsprengkopf gebaut. Diese wurden jedoch nie getestet.
Atomsprengkopf
Die neueste Entwicklung stellen Torpedos mit so genannter Superkavitationsblase und Raketenantrieb durch eine Feststoffrakete dar, die mindestens 200 Knoten schnell sind. Die Armee der Sowjetunion spielte hier eine Vorreiterrolle und stellte 1977 den ersten einsatzfähigen Superkavitationstorpedo (Schkwal) in Dienst. Diese Torpedos sollen eine abgeplattete Nase haben. Dahinter soll sich eine Kante befinden, hinter der sich die Kavitationsblase bildet. Mit Hilfe der Umleitung von Abgasen soll die Kavitationsblase zusätzlich erweitert werden. Die ersten Schkwal-Torpedos waren ungelenkt und für nukleare Sprengköpfe vorgesehen. Spätere Schkwal-Torpedos und das Exportmodell Schkwal E sind nicht zielsuchend, die Zieldaten müssen vor dem Abschuss in den Autopilot des Torpedos einprogrammiert werden. Sie besitzen konventionelle Sprengköpfe mit 210 kg TNT. Es wird von moderneren Schkwal-Torpedos berichtet, die sich zielsuchend bewegen.
Durch ein Unglück mit einem defekten Torpedo versenkte sich das russische Atom U-Boot Kursk am 12. August 2000 selbst.
2000
Literatur
- Manfrad Schiffner, Karl-Heinz Dohmen & Ronald Friedrich: Torpedobewaffnung, Militärverlag der DDR, ISBN 3327003319
Siehe auch
- Sea Lance
Kategorie:Explosionswaffe
ja:魚雷
ko:어뢰
Torpedoboot
Ein Torpedoboot ist ein schnelles und kleines Kriegsschiff, das von etwa 1880 bis 1945 gebräuchlich war. Es wurde Ende des 19. Jahrhunderts maßgeblich von dem Briten John Isaac Thornycroft entwickelt, um den neu erfundenen Torpedo einsetzen zu können. Dazu musste es die Torpedos relativ nahe an die gegnerische Schlachtlinie heranbringen und entsprechend schnell und wendig sein, außerdem eine geringe Silhouette besitzen, um spät erkannt zu werden und ein geringes Ziel abzugeben.
Das Torpedoboot erschien als das ideale Gegenmittel kleiner Mächte gegen die Linienschiffe der großen Seemächte, da ein unter Wasser treffender Torpedo eine verheerende Wirkung hatte und Torpedoboote bei weitem nicht so teuer und aufwendig in der Produktion waren wie grosse Schlachtschiffe.
Die britische Marine konzipierte deshalb den Torpedoboot-Zerstörer, einen Schiffstyp, der ähnliche Geschwindigkeiten wie ein Torpedoboot erreichte und ebenso wendig war aber vor allem mit leichten Geschützen bestückt war.
Die Grenzen zwischen Torpedoboot und Zerstörer verwischten allmählich, letztere zeichneten sich durch eine deutlich stärkere Bewaffnung mit Kanonen aus. Im Zweiten Weltkrieg erwiesen sich fast ausschließlich mit Torpedos bewaffnete Schiffe als wenig brauchbar, so dass das Torpedoboot verschwunden ist; ihre Rolle übernahmen noch kleinere Fahrzeuge, die Schnellboote.
SchnellbootTorpedoboote und auch deren Besatzung wurden oft als „Schwarze Gesellen“ bezeichnet, da sie durch Kohlenfeuerung recht verrußt oder verstaubt waren. Die Boote wurden zudem lange komplett schwarz angestrichen als vermeintliche Tarnfarbe für den Nachteinsatz.
Literatur
- Hans Mehl: Torpdeoboote und Zerstörer, Verlag für Verkehrswesen Berlin
- Siegfried Breyer: Deutsche Torpedoboote 1925-1945, Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-79090-616-6
- Siegfried Breyer: Die Deutsche Kriegsmarine 1935 - 1945 VII. Die Entwicklungsgeschichte der Zerstörer und Torpedoboote., Podzun-Pallas Verlag, ISBN 3-79090-425-2
Siehe auch: Liste von Schiffstypen
Kategorie:Militärschiffstyp
ja:水雷艇
Linienschiff
Ein Linienschiff war ein historischer Kriegsschifftyp. Der Name entstand dadurch, dass diese Schiffe im Einsatz hintereinander in Kiellinie segelten.
Auch Handelschiffe, die fahrplanmäßig auf festen Routen verkehren, werden zuweilen Liniendampfer oder Linienschiffe genannt. Hier bezieht sich der Name auf die Fahrt im Liniendienst oder Linienverkehr.
siehe dazu: Liniendampfer
Hölzerne Batterieschiffe mit Segeltakelung (vor 1860)
Liniendampfer' von 1628]]
Das Linienschiff war das vom 16. bis zum 19. Jahrhundert schwerste Kriegsschiff in Europa. Schwerfälliger als die Fregatte, besaß es die größte Tonnage und die durchschlagsstärksten Kanonen. Der Name leitet sich vom englischen Ship of the line her: Mit dem Einzug der Geschütze in den Seekampf begannen die Flottenbefehlshaber ihre Schiffe in Kiellinie zu manövrieren. Dadurch wurde es möglich, dass eine große Zahl von Schiffen gleichzeitig auf den Feind feuern konnte, ohne dass sie sich gegenseitig behinderten (Breitseitenfeuer). Für diese Taktik eigneten sich Linienschiffe aufgrund ihrer Feuerkraft und relativen Trefferunempfindlichkeit (wegen des schweren Schiffskörpers) am besten.
Taktik in Portsmouth, das Linienschiff diente Admiral Nelson 1805 bei der Schlacht von Trafalgar als Flaggschiff]]
Auf den Linienschiffen waren die 60 bis 130 Kanonen über mehrere Decks verteilt und zwar von zwei durchlaufenden Decks bis zu vier Decks. Man hat die Schiffe dann auch als Zweidecker, Dreidecker oder Vierdecker (etwa die spanische Santissima Trinidad) bezeichnet. Die schwersten Geschütze kamen auf das unterste Batteriedeck, es waren die 32-Pfünder bis 42-Pfünder, darüber im Mitteldeck und Oberdeck waren die 24-Pfünder und 12-Pfünder. Die Bezeichnung der Geschütze richtete sich nach dem Gewicht der von ihnen verschossenen Kanonenkugeln. Auf dem obersten Deck waren Geschütze nur vorn und hinten gesetzt (Bug- und Heckgeschütze).
Als erste Nationen setzten vor allem England und die Niederlande auf den Einsatz von Linienschiffen. In den Seeschlachten des 17. Jahrhunderts erstreckten sich die Flotten teilweise über mehrere Kilometer und feuerten tagelang Breitseiten aufeinander ab. Am St James's Day Fight vom 25. Juli 1666 kämpften 89 englische Linienschiffe auf einer Breite von 9 Meilen gegen 88 niederländische Linienschiffe. Dabei wurden insgesamt nur 3 Schiffe versenkt, was vor allem auf die Widerstandsfähigkeit der massiven Linienschiffe zurück zu führen ist.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich unterschiedliche Taktiken zur Führung einer Seeschlacht. Die starrste Schlachtordnung war der Versuch der strikten Einhaltung der Kielline von beiden Seiten (Passiergefecht), wie sie die britische Admiralität lange Zeit vorschrieb. Andere Varianten waren das Mêlèe, das Crossing the T und das Durchbrechen der feindlichen Linie.
Crossing the T
Den Höhepunkt seiner Bedeutung erreichte das Linienschiff in den napoleonischen Kriegen: 1805 besiegte Admiral Nelson mit seiner Linienschiffflotte die Franzosen und Spanier in der Schlacht von Trafalgar.
Berühmte Admirale dieser Epoche waren der niederländische Admiral Michiel de Ruyter (1607–1676) und der englische Admiral Horatio Nelson (1758–1805).
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Eine nur kurze Blüte erlebten die so genannten Schrauben-Linienschiffe, die zusätzlich mit Dampf angetrieben werden konnten. Zunächst rüstete man gegen 1845 bereits vorhandene Segel-Linienschiffe mit 300 bis 1000 PS starken Dampfmaschinen aus. Ab 1850 plante und baute man solche Schiffe aber auch von Beginn an mit Schraubenantrieb, bis diese dann nur 10 Jahre später bereits als überholt galten.
Gepanzerte Stahlschiffe mit Dampfantrieb (1860–1922)
Panzerlinienschiffe mit Hinterladern (1860–1890)
Mit der Einführung eiserner Schiffsrümpfe seit den späten 1850er Jahren, die in den Panzerschiffen verwendet wurden, führte die Entwicklung des Hauptkampfschiffs vom klassischen Segel-Linienschiff aus Holz hin zu dampfgetriebenen Schiffen mit anfangs schmiedeeisernen Panzerungen. Dabei entwickelten sich verschiedene – teilweise miteinander konkurrierende – Konzepte, die sich durch die Art, wie die Geschütze in und auf dem Schiff aufgestellt waren, unterschieden. Folgende Grundtypen lassen sich unterscheiden:
- Batterieschiff/Breitseitschiff
- Zentralbatterieschiff/Zitadellschiff
- Kasemattschiff
- Turmschiff
- Barbettschiff/Redouitschiff
Batterieschiff/Breitseitschiff
Die Bezeichnung Batterieschiff bezieht sich darauf, dass die Kanonen des Schiffes in einem oder mehreren Batteriedecks standen. Da sie durch Stückpforten im Rumpf nach den Seiten hin feuerten, spricht man auch vom Breitseitschiff. Diese Bauform lehnt sich noch sehr stark an der ihrer hölzernen Vorgänger an. Vor allem gab es noch keine gepanzerten Querschotten, die Schutz vor von hinten oder vorne einschlagenden Geschossen geboten hätten.
Zentralbatterieschiff/Zitadellschiff
Die Umstellung von Vorderladern auf Hinterlader brachte es mit sich, dass die Geschütze, die jetzt gezogene Läufe hatten und Granaten statt Kugeln verschossen, wesentlich größer und länger waren als die alten Kanonen aus Bronzeguß. Ihre Zahl musste deshalb drastisch reduziert werden. Um sie trotzdem effektiv einsetzen zu können, wurden sie in einem, in den Schiffskörper eingebauten, gepanzerten Kasten, der Zitadelle, zusammengefasst. Die Geschütze standen auf drehbaren Lafetten und schossen durch mitdrehende Schartenblenden. Vor und hinter der | | |