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Fahrendes VolkDer Begriff Fahrendes Volk ist heute im Umgangsdeutsch veraltet und spielt nur bei der Selbstbeschreibung der Fahrenden noch eine Rolle.
Als Fahrende bezeichnet man keine fest umrissene ethnische Gruppe, sondern solche Gruppen, die mehrheitlich einen "fahrenden" Lebensstil pflegen.
Definition im Wandel der Zeit
Früher wurden als "Fahrendes Volk" (auch Fahrende Leute oder Fahrende) zahlreiche, oft sehr unterschiedliche Gruppierungen bezeichnet. Dazu gehörten Wanderhändler und -höker (von Büchern: Kolporteure), "Fahrende Scholaren" (z.B. als Briefschreiber auf Märkten), Wanderprediger, Kirmesleute (wie Schausteller, Zirkusangehörige, Wanderschauspieler, Gaukler, Bärenführer, Possenreißer), Wanderprofessionen (Kesselflicker, Scherenschleifer, Korbflechter, Löffelschnitzer, Quacksalber, Dirnen, Tanzmeister, Kiepenkerle). Auch wandernde Bettler (so genannte Landstreicher) und Diebe (so genannte Beutelschneider auf Kirchfesten und Jahrmärkten) wurden dazu gezählt. Auch Jenische und Tinker zählen zu den Fahrenden. Ferner aber auch sog. "Zigeunerstämme" bzw. Roma (Sinti, Jerli, Lalleri, Manusch, Lowara, Roma, Kalderasch).
Etliche - nicht alle - von diesen wurden als "Vaganten" (vom lateinischen vagare = "herum streifen") beschrieben und beargwöhnt.
Nicht zum "Fahrenden Volk" gehörten ortsfeste Bettler und Obdachlose ("Berber"); Räuber und berufsmäßige Taschendiebe (die große Messen und Sportveranstaltungen aufsuchen, aber einen festen Wohnsitz, ggf. auch einen Tarnberuf haben); wandernde Gesellen des Handwerks ("auf der Walz"), Hausschneider ("auf Stöer"), unzünftige Handwerker ("Bönhasen"); Fernkaufleute; Seeleute.
Rechtliches (historisch)
Die rechtliche, kirchliche und soziale Geltung blieb bis Ende des Mittelalters sehr gering. Gesetzestexte wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel und auch die ältesten Stadtrechte schützten weder das Leben der Fahrenden, geschweige denn deren Unversehrtheit und Eigentum. Sie standen außerhalb der gesellschaftlichen Standesordnung. Gerade auch äußerlich unterschieden sie sich von der heimischen Bevölkerung und den herrschenden Ständen.
Bedeutung
Zu den Fahrenden stießen - besonders in Kriegs- und Notzeiten - immer wieder ruinierte oder entlaufene Angehörige aus anderen sozialen Gruppierungen, zumal aus dem Bauernstand, ferner z.B. Knechte oder Mägde, entlassene ("abgedankte") Landsknechte, entlaufene Mönche und Nonnen. Anderen gelang es, sesshaft zu werden. Die Unterstellung eines so genannten "Wandertriebes" wird von der Psychologie und Soziologie zurückgewiesen.
Um Nachstellungen und Willkür seitens der städtischen Gerichtsbarkeit zu entgehen, bildeten die Fahrenden oft selbst zunftmäßige Vereinigungen, die unter dem Schutz eines vornehmen Herrn standen (der natürlich zu bezahlen war) mit eigenen Rechten (z.B.: Pfeiferrecht). Im späteren Mittelalter wandten sich die Fahrenden, deren Anzahl nach den Kreuzzügen immer größer wurde, mit ihren Diensten und Darbietungen fast ausschließlich nur noch an das Volk. Hier zeigten sie ihre Künste als Musikanten, Kraftmenschen, Feuerfresser, Fechter, Schwertschlucker, Seiltänzer und Puppenspieler. Sie führten seltene Tiere und Behinderte als Missgeburten vor.
Die Reformation sowie die stärker werdenden Landesverwaltungen bedeuteten einen Rückgang des Fahrenden Volkes. Ende des 15. Jahrhunderts verschwindet auch langsam die Bezeichnung. Einige wenige wurden als Hofnarren und Fechtkünstler sesshaft. Allerdings traten nun neuere Typen auf. Jetzt sah man vermehrt Bänkelsänger, Alchimisten, Geisterbeschwörer, landfahrende Hausierer und Komödianten, denen das Schimpfwort Scharlatan angeheftet wurde.
Mit aller Vorsicht lässt sich sogar vertreten, dass die Fahrenden, zusammen mit Räubern, Verbannten u.ä., im 18. Jahrhundert mehr als 10% der Gesamtbevölkerung Deutschlands ausmachten.
Vaganten insbesondere
Der Begriff Vagant schließt Kriminalität (z.B. Diebstahl, Betrug) ein, auch ist die Grenze zum Landraub und zur Bandenbildung mit Schwerkriminalität (Raub, Raubmord, oft verbunden mit Brandstiftung) nicht klar zu ziehen.
So war das amtliche und allgemeine Misstrauen gegen sie groß. Der aufgegriffene Vagant erhielt keinen gültigen Pass im modernen Sinne, sondern eine Art Laufzettel, nach dem er auf dem kürzesten Wege seinen angegebenen Zielort oder seine Heimat aufsuchen musste. Bei mehrfacher Festnahme konnte er auch nicht mehr im erforderlichen Maße, sei es durch Bettel, Diebstahl oder gar Arbeit, für seinen Unterhalt sorgen und riskierte zudem als unverbesserlicher Landstreicher in ein Arbeitshaus gesteckt zu werden oder unter Umständen sogar einem Inquisitionsprozess, falls er sich irgend etwas hatte zuschulden kommen lassen.
Landstreicher insbesondere
Landstreicher ist ein veralteter Begriff für einen Nichtsesshaften. Unter dem Begriff versteht man eine Person, die ohne regelmäßige Arbeit unter ständigem Wechsel des Nachtquartiers umherzieht. Häufig verdienen Landstreicher ihren Lebensunterhalt durch Betteln um Almosen.
Vor einigen Jahrhunderten wurden Landstreicher teils verfolgt, teils mit milden Gaben unterstützt. In Deutschland wurden sie während der Zeit des Dritten Reiches zu den Asozialen gerechnet und in Konzentrationslagern inhaftiert und ermordet. "Zigeuner" waren hiervon besonders betroffen.
Noch vor einigen Jahrzehnten konnten Landstreicher in der Bundesrepublik Deutschland mit einer Geldbuße von bis zu 500 DM oder mit einer Haftstrafe von bis zu sechs Wochen bestraft werden (§ 361 Ziff. 3 StGB).
In Österreich war außerdem die Stellung unter Polizeiaufsicht zulässig (Gesetze vom 10. Mai 1873 und 24. Mai 1885; aufgehoben mit Wirkung vom 1. Jänner 1975).
In den Erklärungen zu Artikel II-66 (Titel II Artikel 6 - Erläuterung (1) e) ) des Vertrags über eine Verfassung für Europa wird Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtskonvention zitiert. Danach ist der Freiheitsentzug unter anderem auch für Landstreicher wieder erlaubt.
Bedeutung heute
Heute spricht man eher von nichtsesshaften Personen. Auch ist die oben erwähnte Negativassoziation mit dem Begriff nicht länger verbunden. Unter den Nichtsesshaften sind die größte Gruppe wohl die Roma, allerdings sind Viele dieser Volksgruppe längst sesshaft geworden. Daneben haben sich in Deutschland (v.a. im Alemannischen) das Rotwelsch, in Frankreich und in der Schweiz die Jenischen (jenische Sprache) und in Irland die Tinker entwickelt.
Die landwirtschaftlichen Wanderarbeiter der USA und anderer Länder könnten per definitionem auch dazu zählen, doch nicht einmal die saisonal wandernden landwirtschaftlichen Tagelöhner im Ost- und Mitteleuropa des 19. Jht. wurden dazu gerechnet. Auch Handelsvertreter (z. B. "Pharmareferenten") sind kein "Fahrendes Volk", sondern werden zu den "Reisenden" gezählt. Überhaupt sind zeitgenössische Formen horizontaler sozialer Mobilität nicht mehr darunter zu rechnen, trotz struktureller Ähnlichkeiten und der Ausbildung eigener Subkulturen), wie z.B. Fernfahrer, Ensembles von Wanderbühnen oder gewerbsmäßige Schlepper.
Belletristik
Figuren aus dem Fahrenden Volk erscheinen in zahlreichen Romanen, Erzählungen, Gedichten seit Grimmelshausen; einen guten Querschnitt durch die hoch unterschiedlichen Berufsgruppen im 19. Jahrhundert gibt Karl von Holteis Roman Die Vagabunden (vier Bände, 1852).
Literatur
Ernst Schubert: Fahrendes Volk im Mittelalter (Bielefeld 1995).
Siehe auch
- Artikel 5 der Europäischen Menschenrechtskonvention (bei wikisource)
- Peripatetiker
Kategorie:Ethnologie
Kategorie:Soziologie
Kategorie:Beruf
Volk
Der Ausdruck Volk bezeichnet sprachlich als Fügewort eine große Anzahl (schlecht abzählbarer) Individuen, die durch gemeinsame Merkmale verbunden sind. Der deutsche Begriff "Volk" ist nicht identisch mit dem lateinischen Begriff "Nation" im antiken Rom.
Die älteste Bedeutung "viele gleichartige Leute" ist noch in Worten wie "Fußvolk" präsent. Ohne weitere Bestimmung stand "Volk" sodann für ein Siedlungsvolk, in neuerer Zeit eher für Kulturvolk, Stammesvolk oder Staatsvolk verwendet.
Siedlungs-, National- und Kulturvolk
Ein Siedlungsvolk ist in einem Gebiet zusammenlebende große Gruppe von Menschen, dort oft in echter lokaler Gemeinschaft bzw. Verwandtschaft in Stämme bzw. Sippen gegliedert, die durch das Zusammenleben gemeinsame kulturelle Weisen und verwandtschaftliche Netzwerke ausgebildet haben, sich auch gerne von gemeinsamen (fiktiven) Ahnen herleiten. Diese Gemeinsamkeiten werden auf ein konstruiertes Kulturvolk oder Nationalvolk übertragen. Das römische Volk ist so ursprünglich die in Rom lebenden Menschen bezeichnend, zunehmend abstrahierend aber die römischen Staatsbürger und ausgewanderte Sippen mit Traditionen der römischen Kultur.
Der Begriff des Nationalvolks wurde Ende des 19. und Anfang 20. Jahrhundert stark überhöht gebraucht. Er fasste gleichzeitig staatliche, kulturelle und gemeinschaftliche (besonders verwandschaftliche) Eigenabgrenzung nach Aussen zusammen. Diese Sicht wurde später als unhaltbar dekonstruiert und postmoderne Denkrichtungen verweisen bei einer solchen Begriffsbildung auf die problematischen Folgewirkungen in der Gesellschaft.
In der heutigen Zeit spricht man fachlich genauer von Nation (staatlich), Ethnie (kulturell) und Stamm (gemeinschaftlich), die die anteiligen Charakterisierungen von Staatsvolk (staatlich), Kulturvolk (kulturell) und Stammesvolk (gemeinschaftlich) bezeichnen. Der einfache Begriff "Volk" verbleibt so als unscharfes und übertragbares Hilfswort, das in Fügungen vorkommen kann, etwa Bienenvolk, Gottesvolk oder Straßenvolk, wo es die Bedeutung einer unbestimmt hohen Anzahl ausdrückt, die miteinander in Beziehung stehen.
Verständnis
Die situative Verwendung als zuschreibendes Merkmal für Siedlungsvolk in bestimmender Form (jenes Menschen siedelnd in/ kommend aus) wird in der weiteren klassifizierenden Verwendung unscharf. So entstehen durch Wanderungsbewegungen in einem Siedlungsgebiet Mischungen von alteingesessenen und zugewanderten Volksgruppen, die sich zum Teil nur schwer mischen. Dagegen kann über verwandtschaftlichen Austausch hinaus in Grenzgebieten auch ein kultureller Austausch stattfinden, der ethnische Merkmale überträgt.
Die eigentlich zuschreibende Verwendung ging zunehmend in selbstzuschreibende Bezeichnung über. Hier drückt man die eigene Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen aus, aufgrund einer (oft nur angenommen) gemeinsamen Herkunft und Geschichte (Mythos), und verweist auf gemeinsame Traditionen und Bräuche. Häufig verbunden ist dies mit geregelter Heirat untereinander (Endogamie), die eine echte verwandtschaftliche Bedeutung ergibt, bis hin zum Mythos eines gemeinsamen Urahnen (Hellen, Abraham).
Eine besondere Form der Zuschreibung und Selbstzuschreibung ergibt sich bei nomadischen ('schweifenden') Völkern, deren Mitglieder sich mit sesshaften Völkern nicht mischen, jedoch untereinander in verwandtschaftlichem und kulturellen Kontakt bleiben. (Vgl. dazu den Mythos von Kain und Abel.)
In Europa sind die Volksgruppen der Zigeuner lange von der Sesshaftigkeit abgehalten worden, sie haben dann ein Muster für das sog. "Fahrende Volk" überhaupt abgegeben. Auch wo sie zwangsweise (Wohnwagenlager) oder freiwillig (oft in Schlichtbausiedlungen) sesshaft gemacht wurden, halten sie bis heute noch merkliche Distanz zu Anderen.
Die Nichtsesshaften sind dabei nicht selten staatenlos.
Durch die Verschiedenheit von gemeinsamer Sesshaftigkeit und kultureller Identität entstehen Vielvölkerstaaten bzw. multikulturelle Staaten. Wo die kulturellen und verwandtschaftlichen Grenzen nicht zu scharf sind, entstehen auch in der Zuweisung zu Volksgruppen fließende Abgrenzungen der Zusammenfügung als Volksstamm. Durch die kontinuierlichen Austauschprozesse genetischer, sprachlicher, religiöser und kultureller Art entwickelt und verändert sich jedes Volk im Lauf der Zeit sehr stark - aus dieser natürlichen Variabilität heraus gibt es z.B. nur wenig Identität zwischen Germanen und Deutschen.
Bedeutungen
Das Wort Volk (vgl. althochdt. folc "viele") bezeichnete Menschen, die durch ein Merkmal verbunden sind (z. B. "Fußvolk", "fahrendes Volk"), früh aber auch (11. Jahrhundert) eine durch gemeinsame Herrschaftsform, Sprache, Kultur und Geschichte verbundene große Gruppierung von Menschen.
Die Soziologie behandelt den Themenkreis vorzugsweise unter Gesellschaft (auch Gemeinschaft).
Auch die Begriffe der Völkerkunde und Volkskunde ("Europäischen Ethnologie") sind schärfer gefasst ("Volksstamm").
Die Politikwissenschaft behandelt das Thema meist unter Nation. Im Unterschied zum "Volk" schließt eine Nation die Menschen auf Grund politischer Aktionen zusammen. Nationalstaaten, die sich primär als Staat eines Volkes verstehen, also homogene Nationalstaaten sind, tragen ihre inneren Streitigkeiten seltener als ethnische Konflikte aus als inhomogene Vielvölkerstaaten, Beispiel: "Russland". Zur "Volksherrschaft" insgesamt siehe die "Demokratie".
Rechtlich können die Angehörigen eines Volkes Bürger unterschiedlicher Staaten sein (s. Staatsangehörigkeit), z. B. die Dänen, die die dänische, deutsche oder grönländische Staatsangehörigkeit haben mögen.
Der staatsrechtliche Begriff Staatsvolk bezieht sich dagegen nur auf das Volk im (gemeinsamen) Staate. (Beispiel: Türken mit türkischer Staatsangehörigkeit und Türken mit anderen Staatsangehörigkeiten gehören unterschiedlichen Staatsvölkern an, obwohl Letztere sich weiterhin zum türkischen Volk rechnen mögen.) Das Staatsvolk ist jeweils gemeint, wenn - wie in Deutschland - bei jedem Rechtsurteil als Anfangsformel "Im Namen des Volkes!" gesprochen wird.
Postmodern
In neuerer (poststrukturalistischer) Literatur (etwa Hardt/Negri: Empire) findet man den Hinweis darauf, dass "Volk" regelmäßig nur eine Begriffswelt bezeichnete, die die Gemeinschaft von Menschen dahingehend verändern sollte, dass sie – durch welche Prozesse auch immer – aneinander angeglichen werden und nach außen abgegrenzt werden. Als eigentlicher neutraler Begriff für die Ansammlung an Menschen und ihrer Charakteristika wird vorgeschlagen, auf den Grundbegriff der "Menge" (im engl. Original: "Multitude") zurückzugehen.
Literatur
- Henning Eichberg: The People of Democracy, Århus 2004, ISBN 87-7955-292-7 [http://www.klim.dk/bog.asp?TitelID=1312&nav=1,79,77]
- Alfred Schobert, Siegfried Jäger (Hg.) (2004). Mythos Identität. Fiktion mit Folgen. ISBN 3-89771-735-2 (international angelegter Überblick über Nationen- und Identitätenbildung)
- Kien Nghi Ha: Ethnizität und Migration Reloaded. Kulturelle Identität, Differenz und Hybridität im postkolonialen Diskurs. Überarb. und erw. Neuauflage, [Westfälisches Dampfboot/WVB] 1999/2004, ISBN 3-86573-009-4
- Michael Hardt und Antonio Negri (2000), Empire. Die neue Weltordnung, Frankfurt am Main / New York 2002, ISBN 3-593-36994-X (postmoderne Ansichten zum Begriff und Alternativvorschläge)
Siehe auch
- Menge
- Ethnogenese
- Volk (Nation), völkisch
- Einwanderung
- Individualismus
- zahlreiche Zusammensetzungen mit "Volk-", etwa Volksbühne, Volkslied, Volksmund, Volkswagen, Volksrepublik, Volkseigentum, Volksempfänger, Volksvertretung, Völkerball
- Leute
- Zivilisation
- Völkermord
Kategorie:Ethnologie Kategorie:Volkskunde
simple:People
Lebensstil
Der Begriff Lebensstil wird umgangssprachlich verwendet, ist aber auch ein Fachbegriff innerhalb der Soziologie und Medizin.
Umgangssprachlicher Lebensstilbegriff
Lebensstil erscheint hier als eine Bezeichnung für spezifisch wiedererkennbare Kombinationen von Freizeit-Präferenzen (z. B., welche Musik man hört), aber auch beruflich oder familiär für einen Stil, der die soziale Distanz zwischen den jeweiligen diesen Stil Pflegenden verringert (Vertrauen auf Reaktionen der Anderen erhöhrt)oder gegenüber Anderen vergrößert (die sog. 'unsichtbaren Schranken' errichtet). Das bezieht sich auf Merkmale wie Wohnstil, Kleidung, Sprachgestus, Aufenthaltsorte. Ein Beispiel eines ausgeprägten Lebensstil war z. B. der Dandy. Heute wird z.B. als neuer Lebensstiltyp der LOHAS angeführt.
Lebensstil-Begriff der Soziologie
Lebensstil ist mit diesen Elementen - meist mit Pointierung gewisser Züge und Vernachlässigung anderer - auch in die Soziologie übernommen worden.
Dort kann man ihn etwa als raum-zeitlich strukturierende Muster individueller Lebensführung auffassen, die von materiellen und kulturellen Möglichkeiten und den eigenen Werthaltungen abhängen (nach Kaltenborn 2000, Lüdtke 1995); sowie als Mittel der (sub)kulturellen Einbindung, als Form der Selbstpräsentation des Individuums. Je nach theoretischer Ausrichtung werden einzelne dieser Elemente betont.
Eng verwandt mit dem Lebensstilbegriff ist der Begriff des sozialen Milieus. Spezifische Lebensstile konstituieren spezifische Milieus bzw. werden als distinktives Charakteristikum eines spezifischen Milieus betrachtet.
Eine wichtige Trennlinie bei der soziologischen Behandlung von Lebensstil und Milieu verläuft zwischen Theorien, die Lebensstil als Ausfluss einer bestimmten sozialen Lage bzw. bestimmter sozialstruktureller Gegebenheiten ansehen, und Theorien, die stärker die Wahlelemente eines individuellen Lebensstils betonen.
Sozialstrukturelle Lebensstil-Theorien
Ein Beispiel für die erste Gruppe von Theorien sind Pierre Bourdieus Theorien zur sozialen Ungleichheit. Dort ist Lebensstil Bestandteil des "kulturellen Kapitals": Bedingt durch eine bestimmte Soziallage (Klassenlage) erzeugt der Habitus einen spezifischen Lebensstil, der sich in bestimmten kulturellen Praktiken äußert (nach Fuchs-Heinritz 1995).
Kulturell orientierte Lebensstil-Theorien
Examplarisch für eine eher an individueller Wahl eines Lebensstils orientierte Ausrichtung können neuere VertreterInnen der Cultural Studies genannt werden.
Gesundheitlicher Lebensstil
In der Vorbeugung und Behandlung von sogenannten Zivilisationserkrankungen erweist sich die Änderung des gesundheitlichen Lebensstiles immer mehr als wahrscheinlich wichtigste Maßnahme.
Zu einem gesundheitsbewußten Lebensstil gehört:
- eine an den tatsächlichen Verbrauch angepasste fett- und zuckerarme, ballaststoffreiche Ernährung.
- eine ausreichende körperliche Bewegung von mindestens 1 Stunde/ Tag an der frischen Luft
- das Rauchen sollte man sofort aufhören.
- Übergewicht sollte man langsam aber sicher los werden.
- Schlechten Stress wie zB lange Autofahrten sollte man meiden.
- den Alkoholkonsum sollte man auf geringe Mengen ( < 10 g reinen Alkohol/ Tag) begrenzen
- hat man eine Zuckerkrankheit , so braucht man eine gute Schulung und eine möglichst gute Blutzuckereinstellung.
Die Datenlage über die Wirksamkeit eines gesundheitsbewußten Lebensstiles ist schlechter als die Datenlage bei den rein medikamentösen Maßnahmen. Es besteht hier kein allzu großes Interesse von Seiten der Gesundheitsindustrie Klarheit zu schaffen, da mit einem gesundheitsbewußten Lebensstil wenig Geld zu verdienen ist.
Trotzdem gibt es aus epidemiologischer Sicht über die einfach meßbaren Einflußfaktoren wie beispielsweise Rauchen und Übergewicht auf die Lebenserwartung und die Krankheitshäufigkeit keinen Zweifel mehr.
siehe auch
Bourdieu und Unterartikel Raum der Lebensstile, Lebensstandard, Stil, Individualitätstheorem, Risikofaktor
Referenzen
Soziologie
- Otte, Gunnar (2004): Sozialstrukturanalyse mit Lebensstilen. VS Verlag.
- Richter, Rudolf (2005): Die Lebensstilgesellschaft. VS Verlag.
- Schwenk, Otto G. (Hrsg.) (1996): Lebensstil zwischen Sozialstrukturanalyse und Kulturwissenschaft. Opladen: Leske + Budrich.
Medizin
- The Diabetes Prevention Program Research Group: Impact of Intensive Lifestyle and Metformin Therapy on Cardiovascular Disease Risk Factors in the Diabetes Prevention Program. Diabetes Care 2005; 28: 888-894
- Knowler WC, Barrett-Connor E, Fowler SE et al.: Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med 2002; 346: 393-403
Links
- http://www.lean-and-healthy.de/kurzcheck/checklist.html
- Ernährungscheck
- http://www.lebensstilaenderung.de/publikationen/gesundheitsfoerderung.pdf
- Buch zum Thema Lebensstiländerung bei der Rehabilitation von Krankheiten als online pdf Datei
- http://www.diabetes.uni-duesseldorf.de/tools/print.html?TextID=2960
- Lebensstiländerung zur Behandlung des alimentären Diabetes
Kategorie:Soziologie
Soziale DifferenzierungDer Begriff der sozialen Differenzierung wurde 1890 von Georg Simmel in die Soziologie eingeführt (Über sociale Differenzierung) und bezeichnet als eine Form des sozialen Wandels die (meist: moderne) Zerfaltung und Zerlegung vormals einheitlicher sozialer Institutionen und Stile.
Zum Beispiel schreitet die Arbeitsteilung fort, zumal mit dem Ausbau der Fernhandelsnetze (siehe auch: Globalisierung) und im Zuge der Industrialisierung, Berufe spalten sich auf, Konsumstile werden - an den Essgewohnheiten erkennbar - disponibel, ständische und regionale Trachten machen raschem Modenwechsel Platz.
Diese Ausdifferenzierung in ganzen Kulturkreisen hat es bereits in der Geschichte des Altertums mehrfach gegeben (z.B. in Mesopotamien, im Kaiserreich China, im griechisch-römischen Hellenismus. Sie wird jedoch in der Soziologie als zentrale Erscheinung des Überganges vom Mittelalter zur Neuzeit angesehen (siehe auch Modernisierung). Oft auch wird sie als "funktionale Differenzierung" behandelt.
Im Zuge des Fortschrittsoptimismus wurde soziale Differenzierung oft als unrücknehmbar voraus gesetzt, jedoch ist Entdifferenzierung ebenso alltäglich wie gesellschaftsweit möglich, bis hin zur Barbarei.
Siehe auch:
- Sozialstruktur
- Portal:Soziologie
Kategorie:Soziologie
KolportageDer Ausdruck Kolportage (von französisch: porter à col auf den Schultern tragen) bezeichnet auch den Vertrieb von Büchern in Einzellieferungen durch Hausierer ("Kolporteure").
Geschichte
Im frühen 19. Jahrhundert minimierten die Verleger von besonders dicken Werken (auch des Brockhaus und von Meyers Konversationslexikon) ihr Risiko, indem sie diese in Lieferungen von 2 Bögen - also 32 Seiten - teilten und auf diese Weise von Hausierern vertreiben ließen. So mussten sie immer nur kleine Mengen produzieren und die nicht sehr wohlhabenden Kunden konnten die Lieferungen bezahlen. Hatte man auf diese Weise alle Lieferungen eines Bandes erhalten, ließ man sie beim Buchbinder binden.
Die Kolportage war im 19. Jahrhundert auch ein bedeutsames Instrument christlicher Mission. Bibeln, religiöse Traktate, gedruckte Predigtsammlungen (so etwa solche von Charles Haddon Spurgeon) und andere christliche Literatur wurden von Kolporteuren bis in die entlegendsten Gegenden gebracht. Bei solchen Reisen hielten die Kolporteure auch Hausgottesdienste und Bibelstunden ab. Dabei waren sie nicht selten das Opfer staatlicher und staatskirchlicher Repression. Geld- und Gefängnisstrafen waren die Regel. Einige Kolporteure bezahlten ihre Arbeit als christliche Literaturvertreiber auch mit dem Leben. Viele freikirchliche Gemeinden verdanken ihre Entstehung der Kolportage. Zu den bekanntesten Verlagen, die im freikirchlichen Bereich mit Kolporteuren arbeiteten, gehörte der heute noch existierende Oncken-Verlag.
Erfolgreicher Autor vieler Kolportageromane war Karl May.
Weitere Entwicklungen
Nach und nach wurde auf diese Art aber nur noch Trivialliteratur vertrieben und die seriösen Verlage zogen sich aus dem Kolportagegeschäft zurück.
Seither bezeichnete Kolportage nur noch Literatur, die auf niedrigem Niveau produziert wurde. Vergleichbar ist sie mit heutigen Groschenromanen.
Heutige Bedeutung
Heute bezeichnet das Verb "kolportieren" in Anlehnung daran abwertend das Verbreiten von Gerüchten und Gesellschaftsklatsch, von dem die Boulevardzeitungen und die Regenbogenpresse traditionell nicht zuletzt leben.
In Österreich werden Straßenverkäufer von Zeitungen bis heute „Kolporteure“ genannt.
Kolportage
Kolportage
Kolportage
Kolportage
SchaustellerSchausteller sind Angehörige einer vielgestaltigen Berufsgruppe, die ihre Künste ehedem im Umherziehen ("Fahrendes Volk"), auf dem Jahrmarkt oder im Tingeltangel ausübten, seit dem 20. Jahrhundert meist im Zirkus, Varieté oder Entertainment.
Dazu gehören im weiteren Sinne alle Vertreter zirzensischer Künste wie Seiltänzer, Artisten, Äquilibristen, Schlangenmenschen, Jongleure, Dompteure, Messerwerfer, Clowns, Kunstreiter, aber auch oft einzeln auftretende Wahrsager, Hungerkünstler, Taschenspieler ('Zauberer'), Schnellzeichner und Silhouettenschneider, Schnellläufer, Preisringer, Moritatensänger, Leierkastenleute, Akkordeonspieler, Murmeltier-Dresseure, sogar so genannte 'Missgeburten' wie etwa kleinwüchsige Menschen ("Zwerge"), Verwachsene (etwa Siamesische Zwillinge), Haarmenschen oder Riesendamen. Ferner rechnen dazu die Betreiber und Angestellten von Jahrmarktvergnügungen, das heißt von Karussells, Riesenrädern, Achterbahnen, Schießbuden, Autoscootern und Ähnlichem.
Die hohe Kunstfertigkeit, die gerade den artistisch geprägten schaustellerischen Berufen abverlangt wird und oft ein Training von Kindesbeinen an verlangt, führt trotz der Zugehörigkeit zur Unterschicht (vgl. auch Exklusion) zu professionellem Selbstbewusstsein und zu einer auffälligen Berufsvererbung innerhalb der Familien.
In der Bundesrepublik Deutschland sind sie, sofern nicht selbständig, gewerkschaftlich in der "Internationalen Artistenloge", einer Untergliederung von ver.di, organisiert. Nach dem Selbstverständnis vieler Selbständiger (d.h. der Unternehmer von mobil, in Vergnügungsparks auch stationär betriebenen Fahr-, Belustigungs-, Verkaufs-, Warenausspielungs- und Schaugeschäften oder von reisenden Gaststätten) sind einzig sie noch 'echte Schausteller'. In Deutschland sind sie zumeist im DSB (= Deutscher Schausteller Bund) organisiert.
Der Übergang zu anderen Wanderberufen (horizontal sehr mobilen Berufen), zum Beispiel in den Bereichen Bodybuilding und Schausport, Show, Mode, Musik (Volkssänger, Kurorchester/Freie Instrumentalisten, Bands, DJs), Tournee-Künstlern (Deklamatoren, Schauspielern) und so weiter ist fließend.
Auch zerfällt dies lange bestehende herkömmliche Milieu.
Weblinks
- http://www.dsbev.de/ Deutscher Schaustellerbund e.V.
- http://www.schausteller.de/ Portal für das Schaustellergewerbe
- http://www.schausteller-klaes.de/ Ein gutes Beispiel für einen kleinen Schaustellerbetrieb
- http://www.kirmes-journal.de/ Fachzeitschrift für Schausteller, Veranstalter und Platzmeister
Siehe auch: Schausteller in der Wikipedia, Artisten in der Wikipedia
Kategorie:Beruf
Kategorie:Volksfest
Kategorie:Zirkus
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Zirkus
Ein Zirkus (lat.: Kreis) ist ein Unterhaltungsunternehmen, das eine Vorstellung mit verschiedenen Darbietungen zeigt. Mittelpunkt eines jeden Zirkusses ist die Manege, ein 13 m im Durchmesser umfassendes Rund mit niedriger Bande. Von der Rundheit der Manege ist der Name "Zirkus" abgeleitet.
Manege
Zu den traditionellen Darbietungen gehören unter anderem Akrobaten, Artisten, Clowns, Jongleure, Zauberkünstler. Häufig werden auch Dressuren mit Tieren wie Elefanten, Löwen, Tigern, Pferden, Hunden gezeigt.
Die meisten Zirkusse haben ein Zirkuszelt und ziehen von Ort zu Ort. Andere haben meist für die Winterzeit eine feste Spielstätte. So gab es in Dresden das Gebäude des Zirkus Sarrasani, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, und noch heute gibt es in München den Circus Krone.
Auch in der heutigen Zeit mit ihrer Unterhaltungsindustrie üben Wanderzirkusse mit ihren jährlich wechselnden Attraktionen eine große Anziehungskraft auf die Menschen aus.
Die Schreibweise "Circus" benutzen die meisten Zirkusse wegen des lateinischen Ursprungs und des damit gezeigten Traditionsbewusstseins. Sie wird jedoch nur als Eigenwort wie zum Beispiel in "Circus Sarrasani" benutzt. Die amtliche Schreibweise in Deutschland ist Zirkus.
In den sozialistischen Ländern waren die Zirkusse hauptsächlich volkseigene Unternehmen mit angeschlossenen Artistenschulen. So rekrutierte zum Beispiel der Staatszirkus der DDR seinen Nachwuchs von der Fachschule für Artistik in Berlin, die noch heute vom Berliner Senat unterhalten wird.
Staatszirkus der DDR
Bekannte Zirkusse sind
- Die verschiedenen Unternehmen von P. T. Barnum
- Chinesischer Staatszirkus
- Cirque du Soleil
- Circus Flic Flac
- Circus Fliegenpilz
- Circus Knie
- Circus Krone
- Zirkus Probst
- Circus Renz
- Circus Roncalli
- Circus Oz
- Circus Busch
- Circus Althoff
- Circus Sarrasani
- Moskauer Staatszirkus
- Weltweihnachtszirkus
In Deutschland bekannte Kinderzirkusse sind beispielsweise der Kinderzirkus Lilalu, Kinderzirkus Giovanni oder einer der wenigen Kinderzirkusse mit gefährdeten Nutztieren, der Zirkus Pinxetti, in dem Kinder oder Schulen sogar Urlaub machen können.
Mit der soziokulturellen Welle ist 1984 der Zirkus Sapperlot in die Republik gespült worden. Frei nach Beuys "Jeder Mensch ist ein Artist" organisieren und führen Hobby- und junge Profi-Artisten jedes Jahr eine Zirkus-Tournee durch.
Siehe auch
Flohzirkus, Circus Maximus, Fahrendes Volk, Schausteller
Weblinks
- [http://www.zirkus-ohne-tiere.de Zirkus ohne Tiere]
- [http://www.circuses.com Circuses]
- [http://www.circus-museum.de Zirkusmuseum]
- [http://www.circusworld.de Circusworld - Welt des Circus]
- [http://www.circusinfo.de Circusinfo - kostenlose Artistendatenbank und Berichte]
- [http://www.circus-renz.de Circus Universal Renz]
- [http://www.corelli.de Circusschule Corelli]
- [http://www.circus-mignon.de Kinderzirkus Mignon]
- [http://www.kinder-zirkus.de Kinderzirkus-Plattform]
- [http://www.kinderzirkus-pinxetti.de Kinderzirkus Pinxetti]
- [http://www.kinderzirkus-lilalu.de Kinderzirkus Lilalu]
- [http://www.juxirkus.de Kinder- und Jugendzirkus Juxirkus]
- [http://www.circusprobst.de Zirkus Probst]
- [http://www.zambaioni.de Zirkus Zambaioni]
- [http://www.koerner-zs.de Zirkuszelte, Statik für Zirkuszelte]
- [http://www.zirkus-sapperlot.de Zirkus Sapperlot]
- [http://www.weltweihnachtszirkus.com Weltweihnachtszirkus]
- [http://www.gcdleipzig.deGCD Sektion Leipzig (gcdleipzig.de]
- [http://www.circusforum.deKinder- und Jugendcircus Forum]
- [http://www.circus-granada.page.ms/ Circus Granada]
- [http://www.circuslexikon.de.cx Circus - Lexikon]
- [http://www.waldoni.de Circusprojekte]
- [http://www.zirkus-san-pedro.de Kinder und Jugend Zirkus San Pedro Picollino]
- [http://www.animativa.org Verein zur Förderung der Zirkuskunst]
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ja:サーカス
Gaukler
Gaukler ist eine in früheren Jahrhunderten üblich gewesene allgemeine Bezeichnung für einen Unterhaltungskünstler. Heute wird der Begriff fast nur noch in historischen Kontexten verwendet.
Im weitesten Sinne war ein Gaukler ein Artist, der Kunststücke beherrschte und mit diesen die Menschen meistens auf offenen Plätzen wie der Straße unterhielt. Bei ihren Darbietungen handelte es sich zum Beispiel um Zauberkunststücke, aber auch um besondere Fertigkeiten sportlicher Art (zum Beispiel auf den Händen laufen, Einrad fahren, Jonglieren). Auch Komiker und Clowns - nur selten jedoch fahrende Musiker und Sänger - wurden als Gaukler bezeichnet. Für weibliche Unterhaltungskünstler, (Musikantinnen, Tänzerinnen, Artistinnen) wurde der mittelalterliche Begriff Jongleress benutzt. Reine Tänzerinnen wurden in mittelalterlichen Texten auch salatrix genannt (vergl. Rosengarten vv. 999ff, siehe auch Rosengarten zu Worms).
Zu den Gauklern gehörten auch „Beutelschneider“, Quacksalber, Possenreißer, Bärenführer, Zirkusangehörige und Wanderprediger. Sie traten auf Kirchfesten und Jahrmärkten auf und präsentierten ihre Kunststücke. Von ihren Taschenspielertricks leitet sich der heute noch gebräuchliche Begriff „vorgaukeln“ (falsche Tatsachen vorspielen) ab.
Etymologie
Der Begriff Gaukler war schon im Mittelalter gebräuchlich und stammt aus dem althochdeutschen gougolôn für "sinnlose oder spielerische Bewegungen machen" (vgl. auch lat. ioculator, franz. jongleur).
Sozialer Status
Im Gegensatz zum heutigen Begriff Unterhaltungskünstler, Artist oder Komiker war der Begriff Gaukler negativ besetzt, da mit ihm Fahrendes Volk verbunden wurde, das nur darauf aus war, den unbedarften Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gaukler standen deshalb außerhalb der gesellschaftlichen Standesordnung und hatten keine rechtliche, kirchliche oder soziale Geltung. Gesetzestexte wie Sachsenspiegel und Schwabenspiegel, aber auch Stadtrechte schützten weder das Leben der Fahrenden noch ihre Unversehrtheit oder ihr Eigentum.
Heutzutage wird mit dem Begriff unbefangener umgegangen, es kommt vor, dass einige Artisten sich sogar selbst als Gaukler bezeichnen.
Das Thema "Gaukler" in der Kunst
Gaukler sind immer wieder Gegenstand künstlerischer Verarbeitung geworden. So hat der Maler Hieronymus Bosch diesem Thema ein Bild gewidmet (siehe: Der Gaukler).
Zur literarischen Verarbeitung siehe:
- Der Gaukler von Harry Thürk
- Der Gaukler Pamphalon von Nikolai Leskow
Kategorie:Kulturgeschichte
Kategorie:Soziologie
Quacksalber
Im Volksmund wird der Begriff des Quacksalbers für Personen benutzt, die ohne einen festen Praxisraum der Heilkunde nachgehen und dafür eine Vergütung verlangen oder erhalten.
Der Begriff geht auf die niederländischen Wörter "kwakken" (wie eine Ente schnattern, prahlen) und "zalver" (Salbenverkäufer, salben) zurück.
Im Mittelalter gehörten Quacksalber zum fahrenden Volk und boten in prahlerischer Manier ihre Dienste an. Heute bezeichnet man damit auch Ärzte oder Heilkundige, die in laienhafter Art Kranke behandeln (auch Kurpfuscher genannt)
"Des Quacksalbers Praktik sei so gut, daß sie allen Siechtum heilen tut... Solch Narr kann dich in'n Abgrund stürzen, eh du's gemerkt, dein Leben kürzen!" Sebastian Brant
Beispiele
- Hugo Fried (1890-1938), mit seiner ungewöhnlichen Behandlungsmethode, die auf einer Art Hypnose oder "Magnetismus" mit Handauflegen beruhte, schien er Erfolg zu haben. In der Kurklinik Baden wurde ihm dafür sogar ein eigener Behandlungsraum eingerichtet. Da er jedoch keine ärztliche Approbation besaß, zog er einen befreundeten Mediziner zu seinen Behandlungen hinzu. Dennoch wurde ihm in den Jahren 1930 bis 1932 der Prozess wegen Kurpfuscherei gemacht, den er in erster Instanz verlor.
- Otto Gross (1877-1920), 1909 ermittelte die Münchener Polizei gegen Gross. Max Wertheimer hatte Anzeige wegen Verführung und Kurpfuscherei gegen G. erstattet.
- Sebastian Kneipp (1821-1897), 1854 wurde K. als Kaplan nach Augsburg versetzt. Dort wurde er der Kurpfuscherei verdächtigt und bekam vom Bischof seine erste Rüge wegen unerlaubter Ausübung der Heilkunde.
- Theodor Reik (1888-1969), 1925 wurde Reik wegen Kurpfuscherei angeklagt, weil er als Nichtarzt Psychoanalyse ausübte. Dies veranlaßte Freud 1926, seine berühmte Arbeit "Die Frage der Laienanalyse" zu verfassen.
Literatur
- Carsten Timmermann: Wer darf heilen und wer nicht? 'Kurpfuscherei' und die Krise der Medizin in der Weimarer Republik, in: Oliver Hochadel u. Ursula Kochel (Hrsg.): Lügen und Betrügen. Das Falsche in der Geschichte von der Antike zur Moderne Böhlau, Köln/Weimar/Wien, 2000, S. 133-149, ISBN 34-1206-900-0
Siehe auch
- Doktor Eisenbarth, Fahrendes Volk, Scharlatan
Kategorie:Allgemeinmedizin
Kategorie:Täuschung
Kategorie:Person
ja:偽医療
DirneEine Dirne war ursprünglich ein junges Mädchen, gelegentlich auch eine Magd. Mundartlich blieb diese Bezeichnung auch erhalten (vgl. niederdeutsch Deern).
Schon im 18. Jahrhundert wurde es zu einem Ausdruck für Hure, und wird heute fast ausschließlich, in veraltender Redeweise so benutzt. Siehe auch: Prostitution
Kategorie:Prostitution
Kiepenkerl
Kiepenkerle wurden umherziehende Händler im niederdeutschen Sprachgebiet zwischen Sauerland und Hamburg genannt, die zum Fahrenden Volk gehörten. Sie brachten Nahrungsmittel wie Eier, Milchprodukte und Geflügel in die Städte und versorgten im Gegenzug die ländlichen Gebiete mit Salz und anderen Waren.
Der Name leitet sich von der Kiepe ab, einer aus Holz und Korbgeflecht bestehenden Rückentrage, mit der die Kiepenkerle durch die Dörfer und Städte wanderten.
Zur traditionellen Tracht der Kiepenkerle in Westfalen gehören neben der Kiepe ein blaues Hemd und Holzschuhe.
Heute spielen die Kiepenkerle vor allem im Rahmen von Folklore und im Tourismus, beispielsweise als Stadt- oder Museumsführer eine Rolle. Dieser Brauch ist besonders im Münsterland verbreitet. Auch spielt traditionell ein Kiepenkerl die Rolle des Buern beim Singspiel O Buer, wat kost dien Hei?, das ein wichtiger Bestandteil des Lambertussingens ist.
Der Kiepenkerl ist eines der Symbole der Stadt Münster und des Umlandes. Im Kiepenkerlviertel in Münster wurde ihm ein Denkmal errichtet.
Weblinks
[http://gutenberg.spiegel.de/sagen/nieders/roel0267.htm Projekt Gutenberg: Der Kiepenkerl und der Teufel], Niedersächsische Sage
Kategorie:Ethnologie
Kategorie:Westfalen
Kategorie:Münsterland
Kategorie:Münster (Westfalen)
Bettler
Bettler sind Menschen, die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus Almosen, milden Gaben anderer bestreiten. Meistens wird um Geld gebettelt.
Die Ursachen des Bettelns sind vielfältig, besonders in wirtschaftlich unterentwickelten Ländern sind Bettler verbreitet. Arbeitslosigkeit, Unfälle, Alter, Faulheit oder die Verweigerung von Sozialhilfe werden als weitere Faktoren des Bettelns genannt.
Das Leben als Bettler konnte in früheren Zeiten auch selbst gewählt sein und hatte bisweilen eine eigene Würde, z.B. bei Bettelorden oder Einsiedlern.
In früheren Jahrhunderten, als es noch keine Sozialversicherungen gab, wuchsen die Bettler in den europäischen Städten zu Scharen an. Die Kirche und private Wohlfahrtseinrichtungen nahmen sich ihrer an.
Aus religiöser Sicht ist die Unterstützung, Verpflegung und Beherbergung von Armen und Kranken ein Werk der Barmherzigkeit.
Die Erforschung der Genealogie der Bettler, wie auch der Gauner, Räuber und anderer Randexistenzen ist ein schwieriges Spezialgebiet, das sich aber auf oft umfangreiche Gerichts- und Polizeiakten, Steckbriefe usw. stützen kann.
Bettler sind z.T. obdachlos. Manche Bettler schaffen sich einen Hund an, um bei Passanten Mitleid zu erregen und diese zu Gaben zu animieren.
Betteln unter Vortäuschung falscher Verhältnisse (z.B. "bin obdachlos", "Geldbörse gestohlen") kann einen Bettelbetrug darstellen; aufdringliches Betteln kann in Deutschland als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.
Bis in den 1980er Jahren wurde "Bettler" in den offiziellen indischen Statistiken als anerkannter Beruf geführt. Dort gibt es, wie in vielen armen asiatischen Ländern, "Bettelmafias". Dies sind geheime Untergrundorganisationen, die Kinder kaufen oder entführen und zum Betteln abrichten.
Weblinks
- http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/bettler/
Kategorie:Geld
Jenisch
Herkunft der Sprache
Das Jenische ([http://www.ethnologue.com/14/show_language.asp?code=YEC language code] YEC) ist eine im deutschsprachigen Raum und Frankreich entstandene, von Linguisten pejorativ "Geheim- oder Sondersprache" genannte Muttersprache für jenische Menschen. Es enthält Elemente des Deutschen, Hebräischen, Keltischen und wenige Lehnwörte aus dem Romani. Die irrige Annahme, es habe jiddische Worte entlehnt, ist nicht haltbar, da die hebräischen Elemente in der jenische Sprache schon viel früher dokumentiert sind als das West- oder Ostjiddische. Das Begriffsfeld "Rotwelsch" ist nicht deckungsgleich mit Jenisch, da mit Rotwelsch eine Anzahl miteinander verwandter Soziolekte bezeichnet wird. Das Jenische ist zwar entfernt verwandt mit diesen, hat aber einen viel höheren Anteil von direkt aus dem hebräischen entlehnten Wörtern (z.B. laufen - holeche, Weg - derech, Küche - Sicheri). Die hebräische Prägung des Jenischen bewegt sich lautlich und lexikalisch im gleichen zeitlichen und geographischen Raum wie die Entwicklungsgeschichte des Westjiddischen. Die beiden Sprachen haben einen gemeinsamen mehrheitlich synoptischen Lehnwortschatz, der eindeutig auf die gleiche Genese der Entlehnung aus dem Hebräischen schließen lässt. Das Jenische weist auch eine kleine Anzahl modifizierte romanischer Lexika auf (z.b. Strasse: Stradi - Strada, Hemd: Kamisli - Camisa). Gewisse Wörter aus dem Grundwortschatz lassen darauf schließen, dass es seinen Ursprung im Keltischen haben könnte (z.B. Hand - feme, Kopf - kibes, Milch - glis). Eigene jenische Wortschöpfungen haben oft einen hebräischem Hintergrund (Arbeit: Schinagel aus hebr. Schin-gole gebildet). Auch germanisch-romanische Hintergründe sind feststellbar (z.b. endlich: schlußement aus germ. schluss / rom.sufix -ment gebildet). Entgegen weit verbreiteter Meinungen ist das Jenische nicht nur kein Dialekt des Romani sondern enthält auch nur sehr wenige aus dem Romani adaptierte Wörter (z.B. flüchten: nasche - naschel). Die Syntax des Jenischen folgt heute hauptsächlich der deutschen. Das Jenische weist zudem Rudimente älterer Sprachsysteme sowie eigentümliche Wortstellungen auf. Bei in frankophonen Ländern lebenden Jenischen überwiegt eine Aussprache des Jenischen, die sich an das Französische anlehnt. Regionale Dialekte des Jenischen in Österreich, der Schweiz, Deutschland, den Benelux-Staaten und Frankreich lassen auf unterschiedlich enge Kontakte zwischen Jenischen und jüdischen Leuten oder Angehörigen der Sinti und Roma schließen.
Verwandte Sprachen und Idiome
Nicht zu Verwechseln ist das Jenische, mit dem Soziolekt der Schausteller und Zirkusleute, welcher sich vor allem aus Wörtern des Deutschen, Jenischen und Romani zusammensetzt. Die spanischen Quinqui, die mit den Jenischen ethnisch-soziologisch verwandt sind, habe Elemente in ihrer Sprache, dem sogenannten Germania Argot, die auf das Jenische zurück gehen.
Die Sprecher des Jenischen
Die Sprecher, die Jenischen, sind eine eigenständige Gruppe und anders als oft vermutet, keine Sinti oder Roma. Die Jenischen sind traditionell Hausierer, Kesselflicker, Scherenschleifer, Bürstenmacher, Schrotthändler, Schausteller und Artisten. Die vermuteten keltischen Wurzeln ihrer Sprache lassen zu, sie als Urnomaden Europas zu bezeichnen.
Da die Jenischen oft in ihrer Umgebung gut verwurzelt waren und Kontakte zu anderen Händlern pflegten, wurden Varianten des Jenischen im südwestlichen Deutschland bis vor einigen Jahren als Handelssprache von Viehhändlern und Metzgern benutzt. Einige ältere Händler und Metzger beherrschen diese Sprache heute noch.
Lokal (z.B. in Leinzell) wird Jenisch noch von jungen Menschen gelernt; sie nehmen einzelne Wörter der jenischen Sprache in die Jugendsprache auf.
Jenische SchriftstellerInnen
Jugendsprache
Obwohl das Jenische eigentlich bis heute keine Verschriftlichung kennt, wurde es schon seit langem in persönlichen Briefen, Nachrichten, usw. individuell verschriftlicht. Jenische SchriftstellerInnen bedienen sich üblicherweise in ihren Arbeiten nicht des Jenischen sondern der Sprache ihres Herkunftslandes.
In Deutschland veröffentlichte [http://www.luetzenhardt.de/1312/14794.html Engelbert Wittich] (1878 - 1937) verschiedene Bücher über die Sinti und die Jenischen, worin er auch jenisch geschriebene Gedichte und Lieder publizierte.
Der schweizerische Jenische [http://www.aemme-zytig.ch/index.php?menu=clientdata/news/28-07-05/w30_05_0009&lid=607&tcat=Burgdorf&re=mo&relid=607 Albert Minder] (1879-1965) publizierte 1948 die "Korber-Chronik", eine Art Sittengemälde der Jenischen in der Schweiz des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.
Die schweizerische Jenische Mariella Mehr ( - 1947) wurde durch ihre Schriften über ihre Vergangenheit als Opfer des Hilfswerks Kinder der Landstrasse international bekannt.
Der österreichische Jenische [http://www.thata.ch/professorromedmungenast.html Romed Mungenast] ( - 1953) publiziert ebenfalls in Deutsch und Jenisch.
Die österreichische Jenische [http://lithaus.uibk.ac.at/20015/lit/lit.html Simone Schönett] ( - 1972) verarbeitete in ihrem Roman "Im Moos" ihre Kindheit in Oesterreich.
Der schweizerische Jenische [http://home.balcab.ch/venanz.nobel/qwant/ppmoser1.htm Peter Paul Moser] (1926-2003) veröffentlichte im Eigenverlag eine 3bändige Autobiographie mit vielen Reprints von Dokumenten aus seiner Akte als Opfer des Hilswerks Kinder der Landstrasse
Der schweizerische Jenische [http://home.balcab.ch/venanz.nobel/ausstellung/fotobuchAuszug.htm Venanz Nobel] ( - 1956) publiziert in deutscher Sprache Zeitungsartikel und Buchbeiträge über die Geschichte der Jenischen und jenisches Leben heute.
Satzbeispiel
Beispiel des Satzbaues mit interlinearer Übersetzung (schweizerisches Jenisch):
- Am verholchten Schai isch mir de Laschischmadori muli tschant,
- Am gestrigen Tag ist mir die Kaffemaschine kaputt gegangen,
- Gestern ist mir die Kaffeemaschine kaputt gegangen,
- selber linstne ne zgwand zmenge,
- selber schaute ihn Ganz zu machen,
- ich versuchte ihn selber zu reparieren,
- isch me abe gehochlt lori,
- ist mir aber geglungen nicht,
- aber es gelang mir nicht
- drum delt ne mim olmische zem ne menge gwand
- Darum gab ihn zu meinem Vater zum ihn machen Ganz.
- darum brachte ich sie zu Meinem Vater um sie reparieren zu lassen.
Wortbeispiele der jenischen Sprache
Siehe auch
Lottegorisch (Carlsberg), Manisch, Masematte (Münster), Mattenenglisch, Rotwelsch, Sintitikes, Töddensprache
Weblinks
- http://home.balcab.ch/venanz.nobel/qwant/frswissenswert.htm
- http://www.minderheiten.org/roma/stichwortregister/stichworte/jenisch.htm
- http://www.luetzenhardt.de/1312/index.html
- http://www.thata.ch/jenische.htm
- http://www.schallerweb.de/jenisch.html
- http://www.helmut-krass.de/jeni.htm
- http://www.leinzell.de/kultur/jenisch.html
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Spezialsprache
PaveeDie Pavee, auch irische Traveller oder Itinerants genannt, sind eine nomadisch reisende ethnisch-soziale Gruppe irisch-keltischen Ursprungs, die vor allem in Irland (ca. 25.000), Großbritannien (ca. 15.000) und den USA (ca. 10.000) lebt. Darüber hinaus findet man sie in kleinerer Anzahl auch im sonstigen angelsächsischen Raum (z. B. in Australien, Kanada usw.). Ursprünglich waren die Pavee als so genanntes Fahrendes Volk zumeist Wanderarbeiter und Pferdehändler.
Bezeichnungen
Die sehr gebräuchliche Fremdbezeichnung Tinker enstand aus dem Kontext des englischen Ausdrucks Tin für Blech. Die Bezeichnung ähnelt dem deutschen Kesselflicker, eine Anspielung auf das reisende Gewerbe und der Reparatur und Herstellung von Kochgeschirr. Tinker about ist im Englischen bedeutungsgleich mit herumbasteln und to tinker with something mit an etwas herumpfuschen. Weitere Fremdbezeichnungen meist pejorativer bzw. abwertender Art, sind [http://en.wikipedia.org/wiki/Pikey Pikey], Knacker und auch Gypsies ("Zigeuner"), obwohl sie mit Roma-Gruppen ethnisch nicht verwandt sind. Die Ausdrücke Gyppo und Pikey (Schwein) sind besonders in Großbritannien weit verbreitet und eindeutig negativ belegt.
Die Iren verwenden auch den Begriff Itinerants (englisch: Umherziehende oder Wandernde) für die Traveller der Grünen Insel. In Australien benennt man sie mit der romantischen Umschreibung [http://en.wikipedia.org/wiki/Sundowner The Sundowners] – „wo die Sonne untergeht, schlagen sie ihr Lager auf“. Viele der Betroffenen legen heute jedoch Wert darauf, mit ihrer keltischen Eigenbezeichnung Pavee, (irisch: Händler) oder der weit verbreiteten und eher neutralen Fremdbezeichnung Travellers (englisch: Reisende) benannt zu werden.
Geschichte und Kultur
Die Pavee sind soziologisch mit den mitteleuropäischen Jenischen und spanischen Quinqui verwandt – alle diese Gruppen teilen einen keltischen Hintergrund und sind traditionelle Altwarensammler, Wanderhandwerker und Handelsnomaden. Außerdem ist ihnen das Streben nach wirtschaflicher und sozialer Autonomität gemein. Auch der Überbegriff Travellers bzw. Gens de Voyage findet für sie alle auf europapolitischer Ebene Anwendung.
Die Traveller sind eine erstaunliche Erscheinung in einer von sesshafter Kultur geprägten Umwelt, in der sie mit ihrer eigenen Sprache, Kultur und Wertesystem leben.Innerhalb der Gruppen zu heiraten, auch aus wirtschaftlichen Gründen (Mitgift etc.), spielt ein wichtige Rolle und untersteht internen Regeln.Ehen werden früh arrangiert und jung geschlossen.Da sie eine verordnete, formale und staatliche Bildung meist ablehnen und ihr Wissen kollektiv, organisch überliefert wird, sind sie oftmals einer Kulturüberheblichkeit und Diskriminierungen ausgesetzt – gelten doch Menschen ohne festen Wohnsitz in der westlichen Welt als suspekt.
Über die historische Herkunft der Pavee ist man sich nicht einig. Eine Theorie über ihre Herkunft zielt auf die Abstammung von einer anderen nomadischen Gruppe, den so genannten [http://encyclopedia.thefreedictionary.com/tarish Tarish] ab. Gesichert ist nur, dass die Pavee seit dem 13. Jahrhundert in Irland dokumentiert sind. Traditionell waren sie Wanderhandwerker (Blechschmiede, Kupferschmiede, Spengler, Scherenschleifer usw.) und passionierte Pferdehändler. Historisch spielten sie eine bedeutende Rolle in der Verbreitung von Musik, Geschichten und Neuigkeiten. In Zeiten ohne moderne Medien und mit eingeschränkter Mobilität waren Traveller in entlegenen Gegenden wesentliche Übermittler von Kultur und Information. So beeinflussten sie stilistisch auch seßhafte Musiker und trugen auf diese Weise maßgeblich zur Entwicklung des Irish Folk bei.
Sie treffen sich seit über hundert Jahren zum alljährlichen Pferdehandel auf dem [http://www.applebytowncouncil.fsnet.co.uk/HORSE%20FAIR.htm Pferde-Jahrmarkt von Appleby] im britischen Cumbria.
Großbritannien und Irland
Der nomadische Lebensstil und ihr Wunsch in Familien-Verbänden zu leben provoziert oft Konflikte zwischen den Pavee und der „Mainstream“-Gesellschaft, besonders in urbanen Zonen und aus raumplanerischen Gründen. Bewilligungen zum Erstellen von Wohnbaracken und Wohnwagen werden oftmals nicht eingeholt, da Travellers schon im Vorfeld davon ausgehen, dass diese nicht erteilt werden. Die Pavee berufen dann sich für die Legitimität ihrer Lager und Siedlungen auf Menschen-, Minderheiten-, Gewohnheits- und Grundrechte. Zwischenzeitlich hat man die Taktik der rückwirkenden Bewilligung verfolgt, die im britischen Wahlkampf 2005, durch Michael Howard von der konservativen Partei, nachteilig für die Traveller thematisiert wurde. So werden neuerdings verstärkt Traveller durch Zonenplanung und Bewilligungsverfahren an den Rand der Gesellschaft gedrängt, mit den entsprechenden negativen sozialen Folgen (Elendsquartiere etc.). Einer aktuellen Umfrage zufolge lehnen 75 % der englischen Bevölkerung ansässige Traveller in ihrer Nachbarschaft ab. Die Medien tun ihr Übriges, um das negative Bild der Traveller zu verankern, und die Boulevardpresse diskriminiert sie in der Öffentlichkeit, siehe: [http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk/4337281.stm The Sun].
Aktuell ist aber auch diese Verleumdung durch die Presse in den Medien zum öffentlichen Thema geworden, siehe: [http://news.bbc.co.uk/1/hi/uk/2368099.stm BBC].
Obwohl Traveller auch ein Synonym für Gauner ist, haben die Pavee keine signifikant höhere Kriminalitätsrate. Anders sieht es dagegen bei Übertretungen und Vergehen gegenüber Behörden und landschaftlichen Hoheitsrechten aus.
USA
Die Traveller in den USA gliedern sich in eine nördliche, südliche und westliche Gruppe auf, von denen jede wiederum ihre eigenen Untergruppen hat. Sie haben aber, im krassen Gegensatz zu den Pavee in Irland und Großbritannien, ein höheres Wohlstandsniveau als die Mehrheitsgesellschaft.
Man wohnt im Winter in Wohnwagen auf gekauften oder gemieteten Standplätzen und fährt im Sommer auf die Handelsschaft und Arbeit durch die Regionen. Man ist sich seiner Herkunft wohl bewusst, was man an der Religionszugehörigkeit unschwer ablesen kann. So sind die ehemals irischen Pavee Katholiken und die aus Großbritannien stammenden Anglikaner. Die Kirchenangehörigkeit hat einen nicht zu unterschätzenden, prägenden und formenden Einfluss auf die verschiedenen Gruppen und wird bei Eheschließungen entsprechend berücksichtigt
Tinkerpferde
Als Tinker bezeichnet man auch die Pferde der Tinker.
- [http://www.tinkerpage-jessy.de Deutsche Tinkerpferdeseite]
- [http://www.irish-tinker.at Webseite der Sektion Irish Tinker/Tinkerpony im Österreichischen Zuchtverband für Ponys, Kleinpferde und Spezialrassen (ÖZP)]
Politische Bewegungen
Organisationen wie das [http://www.itmtrav.com/frame1.html Irish Travellers' Movement] oder [http://www.paveepoint.ie/pav_home_a.html Pavee Point Travellers Centre] setzte sich in Irland und Großbritannienein für eine Anerkennung als gleichberechtigte ethnische Minderheit ein, die sie sowohl mit der Jahrhunderte alten Geschichte, mit Traditionen, Überlieferungen, eigener Sprache und Kultur als auch mit der wieder erstarkenden Diskriminierung und Ausgrenzung begründen. Sie senden auch Funktionäre zum, vom [http://www.coe.int/T/DG3/RomaTravellers/FERV/default_en.asp Europa Rat] finanzierten, [http://www.ertf.org/ European Roma and Traveller Forum] in Straßburg, das Interessen auf transnationaler und nationaler Ebene, koordiniert und vertritt. Auch werden sie in der [http://www.antiziganismus.de/ Antiziganismus Forschung] als Opfer anerkannt und einbezogen.
Idiom, Ethnolekt oder Gaunersprache?
Die Traveller haben eine eigene Sprache, das Shelta (vermutlich aus der Irischen Sprache "siúlta" - auf Wanderschaft), auch Gammon oder Cant genannt. Die Bezeichnung Shelta wird von den meisten Pavee eindeutig bevorzugt, da mit dem Begriff Cant auch die englische Gaunersprache, das Rotwelsch, also die Fachsprache der kriminellen Unterwelt bezeichnet wird.
Es handelt sich um eine Mischsprache, die Elemente irisch-gälischen und englischen Ursprungs sowie Merkmale weiterer Sprachen, vor allem des Romani, aufweist. Aufgrund seiner Stellung als Mischsprache zählt Cant, anders als das irische und das schottische Gälisch sowie Manx, nicht direkt zur Gruppe der goidelischen Sprachen. Das Vokabular entstammt hauptsächlich dem Irischen, während die Struktur mehr aus dem Englischen und dem Romani hervorgeht.
Der Sprachforscher Kuno Meyer (1858-1919) datiert den Ursprung der Sprache ins 13. Jahrhundert. Es wird heute von ca. 86.000 Travellern weltweit gesprochen. Sie sprechen auch Englisch, mit einem eindeutigem Akzent.
Der language code nach ISO 639-2 ist cel.
Weblinks
Politische Bewegungen
- [http://www.itmtrav.com/frame1.html Irish Traveller Movement (ITM)] (engl.)
- [http://www.paveepoint.ie/pav_home_a.html Pavee Point Travellers Centre] (engl.)
- [http://sca.lib.liv.ac.uk/collections/gypsy/travell.htm Infos zu den Travellers] (engl.)
Filme und Dokumentationen
- [http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B00005MOLC/028-0114045-7302916 Snatch],Brad Pitt als sterotypischer Traveller
- [http://imdb.com/title/tt0120366/ Traveller]
- [http://www.britishboxing.net/?page=news&id=763 The Francis Barrett Story]
- [http://home.sprintmail.com/~sknolle/mitchum/sundowners.html the Sundowners]mit Robert Mitchum
- [http://www.kinderfilm-online.de/abkidneu/filmabc/page/inhalt/page/buch-w/weispf.htm Das weiße Zauberpferd]
- [http://www.variety.com/review/VE1117928613?categoryid=31&cs=1 Pavee Lackeen:The Traveller Girl]
Kategorie:Europäische Ethnie
Roma
Roma (romanes: rom, "Mann", "Mensch") ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus Indien stammender Bevölkerungsgruppen, die ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa gelangten und in vielen europäischen Ländern eine ethnische Minderheit stellen. Die gemeinsame, in Dialekte aufgespaltene Sprache ist das Romanes/Romani. Folgende Bezeichnungen werden verwendet:
- „Sinti und Roma“ ist der vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma für die Verwendung im deutschen Sprachraum vorgeschlagene Sammelausdruck für die genannten Gruppen.
- „Roma“ ist die außerhalb des deutschen Sprachraums übliche Sammelbezeichnung. Im deutschen Sprachraum wird dieser Begriff auch als Ersatz für den belasteten Ausdruck „Zigeuner“ verwendet; wird er in diesem Sinn gebraucht, umfasst er laut Beschluss des 2. Welt-Kongresses der Romani-Union in Genf 1979 neben den ethnisch verwandten Gruppen wie Sinti und Kale auch nur soziologisch verwandte Gruppen wie die Jenischen und Tinkers.
- „Zigeuner“ (Zigan, Zigani) wird international ebenfalls als Überbegriff verwendet, im deutschen Sprachraum heute jedoch allgemein als abwertend empfunden und vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma abgelehnt. Im Gegensatz zum Zentralrat befürwortet die Sinti Allianz Deutschland dieses Wort.
Während ihrer gesamten Geschichte waren die Roma zahlreichen Diskriminierungen und Verfolgungen ausgesetzt. In der Zeit des Nationalsozialismus waren sie zusammen mit anderen Gruppen Opfer des nationalsozialistischen Holocausts.
Holocaust
Begriffe & Unterschiede
Zu den Unterschieden zwischen Sinti und Roma gibt es folgende Erklärungen:
- Der Doppel-Begriff Sinti und Roma (Pluralbegriff, der Singular ist entweder männl. Sinto oder Rom bzw. weibl. Sintitsa oder Romni), lässt vermuten, dass es sich um zwei verschiedene Volksgruppen handelt. Tatsächlich sind die Sinti jedoch eine Teilgruppe der unter der weltweit üblichen Selbstbezeichnung „Roma“ lebenden Volksgruppen. Andere Teilgruppen der Roma nennen sich zum Beispiel Kalé oder Kalderasch.
- Beide Volksgruppen sind zwar verwandt, unterscheiden sich aber in vielen kulturellen und sprachlichen Details. Die Vorfahren der Sinti sind bereits im späten Mittelalter nach Westeuropa eingewandert. In einer zweiten Migrationswelle im 19. Jahrhundert gelangte ein weiterer Teil der Roma vorwiegend aus Ungarn nach Österreich und Deutschland. Aufgrund dessen wird gerade im Deutschen die Bezeichnung Roma auch nur für diese zweite Gruppe, sowie für die noch heute im osteuropäischen Raum beheimateten Roma verwendet.
Als Sammelbezeichnung für alle im deutschsprachigen Raum lebenden Angehörigen des Volkes, unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Einwanderung, wird seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versucht, den Begriff Sinti und Roma zu etablieren, um die Bezeichnung Zigeuner zu ersetzen.
Die Roma sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen sowie den Tinkern in Irland und Großbritannien, die ethnisch anderer Herkunft sind. Der Begriff Fahrendes Volk ist ebenso kein Synonym.
Die hauptsächlich in Südosteuropa beheimateten Roma sind ihrerseits aufgespalten in eine größere Zahl von Stammesverbänden mit leicht unterschiedlichen Traditionen und vielfach einer traditionellen beruflichen Spezialisierung. Eine dieser Gruppen sind die Kalderasch.
In Teilen Norddeutschlands und skandinavischen Sprachen findet sich auch die Bezeichnung "Tatern" oder "Tattare", der eigentlich die Bedeutung "Tatar" hat. Möglicherweise hat hierzu die Vorstellung beigetragen, die Roma seien als Begleiter des tatarischen Vordringens z.B. unter Tamerlan (Timur Lenk) nach Europa gelangt.
Zu den Begriffen "Zigeuner" und "Gitanen" siehe den separaten Artikel Zigeuner.
Zigeuner
Population
Die Weltpopulation der Roma mit den zugehörigen Untergruppen beträgt heute etwa zwölf Millionen, davon acht Millionen in Europa. Die größten Gemeinschaften befinden sich in den südosteuropäischen Ländern. Für Spanien schätzt man zwischen 400.000 und 700.000 Angehörige, etwa 300.000 für Frankreich und etwa 90.000 für Großbritannien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge etwa 60.000 bis 70.000 Sinti und um die 40.000 Roma. Für den osteuropäischen Raum werden von bis zu 2,5 Millionen Roma vermutet. In Ungarn leben laut Volkszählung 1989 500.000 Roma, in der Tschechischen Republik und der Slowakei 300.000, in Bulgarien laut Volkszählung 2001 etwa 360.000 und in Rumänien laut Volkszählung 2002: 409.723. Auch die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, insbesondere Serbien, Montenegro und Mazedonien, sind Heimat starker derartiger Minderheiten; weitere Roma leben in Albanien, Polen, Griechenland, Türkei und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Offiziellen Angaben über Roma-Populationen sind meist ungenau und teilweise viel zu niedrig.
Herkunft
Allen Roma ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Ableitung ihrer Sprache von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache beweist.
Sie kamen vermutlich ab 1300 in kleineren Gruppen aus dem Nordwesten Indiens über den Nahen Osten, Griechenland, Balkan nach Mittel-, Ost-, West- und Nordeuropa. In vielen Teilen Westeuropas lebten sie bis in das 20. Jahrhundert hinein als Fahrende, in Südosteuropa dagegen meist als rechtlose Leibeigene oder Sklaven. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie aus der Abhängigkeit befreit. Den Roma verwandte oder ähnliche Volksgruppen leben auch in der Türkei und Ländern des Nahen Ostens, sowie in Nordafrika und Amerika..
Neuere Archäologische Funde lassen jedoch darauf schließen, dass einige wenige Roma bereits im 12. Jahrhundert bis nach England kamen.
Sprache
Die Sprache (Romani) leitet sich von einem nordwestlichen Dialekt der altindischen Volkssprache ab (und nicht, wie oftmals angenommen wird, vom Sanskrit, das eine Hochsprache der Brahmanen war). Viele Sinti und Roma sprechen aber auch die Sprache des Landes, in dem sie sich aufhalten oder früher aufgehalten haben.
Sesshaftigkeit
Im Europäischen Durchschnitt leben etwa 60% der Roma sesshaft, ca 20% nomadisch, weitere 20% führen eine halb-sesshafte Lebensweise, bei der sich feste Wohnungen und Umherziehen jahreszeitlich abwechseln. Nach Ländern betrachtet sieht die Situation anders aus: In Schweden, Dänemark, Spanien und Österreich sind fast alle Roma sesshaft, wohingegen in England, Irland, Frankreich und Belgien die Roma primär keine festen Wohnsitze unterhalten.
Die Entwicklung der Sesshaftigkeit der Roma im heutigen Burgenland (Österreich)
Die erste urkundliche Erwähnung von Roma in jenen Gebieten der westungarischen Komitate, die das heutige Burgenland bilden, stammt aus dem Jahr 1389.
Im Jahre 1612 erhob der Palatin Graf Georg Thurzo vor König Matthias Klage gegen einige Zigeuner, die im Grenzgebiet zwischen Ungarn und Österreich von Diebstahl und Raub lebten, worauf ihnen der weitere Aufenthalt verwehrt wurde.
Nur vier Jahre später stellte aber derselbe Graf Thurzo dem Zigeuner-Woiwoden Franciscus und seiner Sippe einen Schutzbrief aus, der ihnen nicht nur erlaubte, sich auf seinen Ländern niederzulassen und das Schmiedehandwerk auszuüben, sondern sie auch vor den Übergriffen der ansässigen Bevölkerung schützen sollte. Diese Urkunde macht deutlich, dass die Zigeunergruppen unterschiedlich behandelt wurden.
1674 erteilte Graf Christoph Batthyány, der in den Türkenkriegen auf Seite der Türken stand, dem Zigeuner-Woiwoden Martin Sarközi und seinen Leuten das Recht, sich auf seinen Besitzungen im Südburgenland anzusiedeln. Im Gegensatz dazu versuchten die kaisertreuen Eszterházy die Zigeuner von ihren Besitzungen im Nordburgenland zu vertreiben.
Die relativ günstige Situation im Süden des Landes änderte sich schlagartig, als 1688 große Teile Westungarns – darunter auch die Ländereien der Batthyány – von den Habsburgern zurückerobert wurden. Im Habsburgerreich galt immer noch der Beschluss des Reichstags von Augsburg aus dem Jahr 1498, wonach keiner, der einen Zigeuner schädige, eine Sünde begehe.
Karl VI verschärfte die restriktive Politik gegen die Zigeuner, indem er 1720 bestimmte, dass „die Zigeuner und jegliches liederliche Gesindel“ in Österreich ausgerottet werden sollten. 1725 befahl er, aufgegriffene Roma mit Brandmalen auf dem Rücken zu kennzeichnen und mit der Drohung, sie würden enthauptet, wenn sie zurückkämen, abzuschieben. In der Folgezeit kam es zum berüchtigten „Zigeunerjagen“.
Kaiserin Maria Theresia machte diesen Verfolgungen ein Ende. Anstatt die Zigeuner zu verfolgen, versuchte man aus ihnen „ordentliche“ und „nützliche“ Bürger zu machen. Durch insgesamt vier Verordnungen, zwischen 1758 und 1773 erlassen, wurden die Zigeuner gezwungen sich niederzulassen, ihre alte Lebensweise aufzugeben und ein Handwerk zu erlernen. Um sie am Weiterwandern zu hindern, wurde ihnen der Besitz von Pferden und Fuhrwerken verboten.1773 wurden den Zigeunern die Kinder weggenommen und christlichen Familien zur Umerziehung übergeben.Staatlich geförderte Mischehen sollten bei den Zigeunern die Annahme der Lebensgewohnheiten der Mehrheitsbevölkerung beschleunigen.
Joseph II. führte die Assimilationspolitik fort. Die Zigeuner wurden verpflichtet, Sprache und Kleidung der übrigen Dorfbewohner (Gadsche) zu übernehmen. Die Verwendung des Romanes wurde verboten. (Vgl.:"Die Roma von Oberwart", Helmut Samer, Verlag Lex Liszt, Erste Auflage 2001)
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zur Einwanderung der Roma-Gruppe der Lovara in Westungarn, der südlichen Slowakei sowie im Burgenland bis in den Wiener Raum. Die Lovara gehören zur Gruppe der Vlach-Roma, die jahrhundertelang in der Walachei (im heutigen Rumänien) als Leibeigene gehaltenen wurden und nach der Aufhebung der Leibeigenschaft hier eine neue Heimat suchten.
Nach der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich wurden die Lovara in Konzentrationslager deportiert, nur wenige kehrten zurück.
Ihre Sprache, das Lovara-Romani, wurde 1997-1999 im Rahmen des österreichischen Romani-Projekts kodifiziert, d.h. es wurde erstmals zur Schriftsprache. Ein Wörterbuch und zwei Textbände wurden erstellt, die Grammatik beschrieben. Leider wird diese Sprache nur mehr wenig gesprochen, vor allem von den alten Lovara.
Diskriminierung & Verfolgung
Siehe Zigeunerverfolgung
Gedenken und Information
Seit Beginn der 90er Jahre wird über die Errichtung eines Mahnmals diskutiert.2006 soll in Berlin ein Mahnmal für jene Menschen errichtet werden, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Zigeuner verfolgt und im Holocaust ermordet wurden. Der Entwurf stammt von dem israelischen Künstler Dani Karavan. Die Diskussion um das Mahnmal ist dadurch gekennzeichnet, dass die ursprünglich geplante Inschrift - ein Zitat von Roman Herzog - aufgrund der angeblich unberechtigten Gleichstellung mit dem Völkermord an den Juden von Frau Weiss abgelehnt wird.
Daneben besteht mit dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma zumindest in Deutschland eine gewisse Interessenvertretung, welche durch das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma mit verschiedenen Ausstellungen und Projekten unterstützt wird. Die Sinti Allianz Deutschland fühlt sich durch den Zentralrat allerdings nicht vertreten und hat sich selbst in die Diskussion eingeschaltet. Die Sinti Allianz existiert allerdings erst seit einigen Jahren.
Siehe auch: Porajmos und Gedenken und Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus
Bekannte Persönlichkeiten
Insbesondere als Musiker sind einige Sinte und Roma zu großer Popularität gelangt. Als wohl bekannteste Namen seien hier Django Reinhardt, Kussi Weiß und Martin Weiss, die zu den besten Musikern Deutschlands zählen, Manitas de Plata und Sándor Déki Lakatos aufgeführt, aber auch der Rumäne Nicolae Neacsu oder die deutsche Sängerin Marianne Rosenberg sind hier zu nennen. Auch Zoltan Farkas und Csaba Farkas von der ungarischen Metalband Ektomorf besitzen eine Roma-Herkunft, was man der Musik deutlich anhören kann. Des weiteren aus dem Balkan: Muharem Serbezovski und Esma Redzepova. Der kanadische Schriftsteller und Journalist Ronald Lee konnte mit seinem autobiographischen Roman "Verdammter Zigeuner" international Aufsehen erregen. In Österreich sind noch die beiden Gitarristen Karl Ratzer und Harri Stojka zu nennen, die sowohl für die heimische und internationalen Jazzszene außergewöhnliche Beiträge geliefert haben.
- Paco de Lucía
- Isabel Pantoja
- Lolita Flores
- Pastora Vega
- Rosario Flores
- Antonio Flores
- Camarón de la Isla
- José el Francés
- Farruquito
Aktuelle Entwicklungen
Im Februar 2004 kam es im Osten der Slowakei zu einer Revolte der Roma.
Weblinks
- [http://www.sozialfotografie.de/ Fotos von Roma in Osteuropa by Helge Lindau
- [http://www2.dias-online.org/direktorien/eu/050517_34 Geschichte und Situation der Roma in der Europäischen Union von Jessica Heun
- [http://www.jungewelt.ipn.de/2004/03-13/033.php Hungrige Roma im Schlamm. Wo die Revolte anfing: Erkundungen bei den Ausgestoßenen zwischen Kosice und Trebisov. Eine Fahrt durch die Ostslowakei]
Kategorie:Sinti und Roma
SintiSinte (Singular: Sinto; Etymologie unklar, eventuell Eigenbezeichnung Sindh nach der gleichnamigen pakistanischen Provinz) sind diejenige Untergruppe der Roma, die sich schon seit dem Ende des Mittelalters im westeuropäischen Raum aufhalten. Im deutschsprachigen Raum stellen sie damit einen Teil der Sinti und Roma.
Sichtbarkeit
Aufgrund der Geschichte (besonders der Nazi-Zeit) sind die Sinte eine über weite Strecken "unsichtbare" Minderheit.
Wo sie früher vielleicht noch durch ihr Aussehen aufgefallen wären, werden sie heute, aufgrund der vielfältigen Bevölkerung ausländischer Herkunft, kaum als eigenständige ethnische Gruppe wahrgenommen. Dazu trägt auch bei, dass sie normalerweise Fremden wenig Einblick in ihre Kultur gewähren.
Oftmals verheimlichen sie sogar ihre Gruppenzugehörigkeit.
Eigene Kultur
Die Sinte haben trotz ihres langen Aufenthalts in Deutschland eine beträchtliche kulturelle Eigenständigkeit bewahrt, darunter oft noch die eigene Sprache, das so genannte "Sintitikes;"Eigenbezeichnung ist Sintengheri Tschib oder Sintenghero Rakerpen!. Darüberhinaus gibt es viele Bräuche, die sogar noch auf ihre nordindische Heimat zurückgehen. Im Gegensatz zu weit verbreiteten Ansichten haben sie ein eigenes recht strenges Gesetz ("Tschatschepen"), an das sich jeder halten muss, der nicht von der Gemeinschaft abgeschnitten werden will ("paletschido"). Über dieses Gesetz wachen eigens dafür bestimmte Personen ("Tschatschepaskere").
Konflikte mit den eigenen Traditionen
Heute gibt es oft Konflikte zwischen den alten Gesetzen und dem modernen Leben. So war es ursprünglich nicht erlaubt, im Wagen ("Wurdon,Wurdin") zu gebären oder zu sterben. Geschah es doch, war der "verunreinigte" Wagen zu verbrennen oder durfte lediglich an nicht zur Sinti-Gemeinschaft Gehörende verkauft werden. Ebenso wurden die persönlichen Gegenstände des Verstorbenen verbrannt. Da heute viele Sinte ganz gewöhnlich in Häusern leben und sie ihre Angehörigen nicht anonym sterben lassen wollen, sondern im Kreise der oft nicht kleinen Familie, ist das nur zu Hause möglich. Ein Abbrennen des Hauses wäre jedoch auch für den traditionellsten Sinto nicht praktikabel.
Konflikte mit der Umwelt
Ebenso führen Beerdigungen regelmäßig zu großen Konflikten. Zum einen, weil die Trauergemeinde oft sehr groß ist (mehrere hundert Menschen, sonst in Deutschland nur noch in traditionellen Dörfern üblich), zum anderen, weil die traditionelle Beerdigung ein langes und teilweise lautes Ritual ist. Nach lauten Bekundungen der Trauer (kennt man auch aus dem Nahen Osten; auch in Deutschland gab es früher Klageweiber) wird die Stimmung dann immer aufgehellter, bis man irgendwann teilweise wörtlich auf dem Grabe tanzt. Das gleiche Phänomen gibt es in abgeschwächter Form auch bei dem allgemein bekannten "Leichenschmaus" in Anschluss an andere deutsche Beerdigungen, der oft, vor allem, wenn der Verstorbene alt war und undramatisch gestorben ist, recht "feucht-fröhlich" endet (zumindest bei den nicht ganz eng Verwandten).
Außerdem gibt es viele weitere Tabus und Regeln. So sollten Frauen sehr früh und jungfräulich in die Ehe gehen, und zwar nicht mit "Gadsche" (Nichtzigeunern). Auch werden viele Berufe, die mit Blut und ähnlichem zu tun haben, als unrein (marimè) betrachtet, zum Beispiel Ärzte und Krankenschwestern, während Heilberufe speziell mit Pflanzen, Früchten und deren Derivaten eine lange Tradition vorweisen(zum Beispiel blaue Himbeeren aus Gotland und der Schweiz werden in ganz Europa von Sinte-Heilern angewendet gegen Herz-, Kreislauf-, Lungen-, Prostata- und Leberleiden).
Siehe auch
- Sinti Allianz Deutschland
- Sinti und Roma
- Zigeunerfeindlichkeit
- Zigeuner
Literatur
- Katrin Reemtsma: Sinti und Roma. Geschichte, Kultur, Gegenwart. Verlag C.H. Beck, 1996, ISBN 3406392555
Weblinks
- [http://www.sintiallianz-deutschland.de/ Sinti Allianz Deutschland e.V.]
- [http://www.sozialfotografie.de/ Fotos von Roma in Osteuropa by Helge Lindau]
Kategorie:Sinti und Roma
JerliDie Jerli sind ein Stamm der Zigeuner, welcher vorwiegend in Belarus, Lettland, Estland, Nordlitauen, Moldawien, in der Ukraine und im äußersten Westen Russlands lebt. Früher lebten sie von Viehzucht, Schaustellungen (Akrobatik mit Mensch und Tier), Handel, Kessel- und Schirmflicken, Scheren schleifen, Löffel schnitzen, Schmieden, Korbflechten, Gelegentheitsarbeit und Betteln. Ab Ende des 19. Jahrhunderts betrieben sie manchmal Buden und Karussells. Häufig pflegen die Jerli noch heute eine nomadische Lebensweise. Sie sind meist arbeitslos und erhalten kaum Wohnraum. In vielen Ländern kam es im frühen 19. Jahrhundert zu Zigeunerverfolgungen. Zehntausende kamen dabei ums Leben. So liegt die Zahl der Jerli heute in den meisten Ländern unter 1 %.
Siehe auch: Sinti beziehungsweise Sinti und Roma
Kategorie:Ethnie
Kategorie:Moldawien
KalderaschKalderasch (auch Kalderash, Kalderascha, Kalderara) ist die Bezeichnung einer Untergruppe der Roma, die sich auf das Handwerk der Kupferschmiede spezialisierten und als solche ein besonderes Ansehen genossen. Darauf spielt auch der Name an, der vom rumänischen Wort für Eimer abgeleitet ist.
Ursprünglich in Südosteuropa (besonders Rumänien) beheimatet, haben sich die Kalderasch-Gruppen nach Westen gewandt und sind nach Frankreich, Spanien und Portugal gewandert.
Unter den französischen Kalderasch ist der Schriftsteller Matéo Maximoff zu einiger Bekanntheit gelangt.
Unter den schwedischen Kalderasch war Dimitri Taikon nicht nur Oberhaupt eines großen Familienverbandes, sondern ist auch durch seine Erzählkunst hervorgetreten. Es bestehen umfangreiche Aufzeichnungen seiner Interpretationen von Roma-Märchen sowie eigener Ausformungen von Märchen und Sagenstoffen seiner Gastländer.
Kategorie:Sinti und Roma
Berber (Nichtsesshafter)Unter Berbern versteht man in Deutschland sozial organisierte Gruppen nicht sesshafter Obdachloser. Die Berber entwickelten unter sich Kultur und Umgangssprache, und sind als Gemeinschaft darauf bedacht, sich als Obdachlose zu unterstützen und Berbern, die neu auf der Platte sind, die Wege in Institutionen zu weisen, durch deren Hilfe sie weiterhin bestehen können.
Berber selbst verstehen sich unter Obdachlosen als eine Art Elite. Die Rangordnung ist wie folgt: Berber, Obdachlose, Straßenratten, Ratten, Kanalratten.
Die meisten Berber lehnen Sozialhilfe von Seiten des Staates ab und leben von den Wohltaten anderer Menschen. Sie verstehen sich nicht als Bettler, sondern als Schnorrer, jedoch nicht im negativen Sinne. Berber als solche unterscheiden sich von gemeinen Obdachlosen dahin, dass sie sich meist freiwillig für ein Leben auf der Straße entscheiden.
Unter Berbern herrscht ein strenger Verhaltenskodex ungeschriebener Regeln, der sich grob mit Solidarität untereinander, Verbot des Diebstahls und unaufdringlichem Verhalten umreißen lässt.
Kategorie:Soziologie
GeselleDas Wort Geselle (v. althochdeutsch: gisell(i)o = Saalgenosse, Hausgenosse), im veralteten Umgangssdeutsch jemand, der mit einem zusammen aß ("Tischgesellschaft") oder reiste ("Reisegesellschaft").
Heute meint Geselle einen Handwerker nach erfolgreich bestandener Gesellenprüfung in einem Handwerksberuf. In fast allen Berufszweigen wird außer einer schriftlichen Prüfung ein "Gesellenstück" angefertigt, das vom Gesellenprüfungsausschuss einer Handwerkskammer begutachtet wird.
Dem Gesellen im Handwerk entspricht im industriellen Bereich der Facharbeiter, der seine Prüfung jedoch vor der Industrie- und Handelskammer ablegt.
Siehe auch: Gesellenfreisprechung, Auszubildender, Gesellschaft, Lehre, Lehrling, Meister
Kategorie:Berufliche Funktion
Kategorie:Handwerk
HandwerkAls Handwerk wird der Berufsstand und die gewerbliche Tätigkeit bezeichnet, bei der meist auf Bestellung ein Produkt oder eine Dienstleistung unmittelbar für den Verbraucher hergestellt wird. Es steht somit im Gegensatz zur industriellen Massenproduktion auf Vorrat. Wer Handwerker ist und wer ein sonstiges Gewerbe betreibt, ist in der Handwerksordnung festgelegt.
Geschichte
Handwerksordnung
Im ländlich orientierten frühen Mittelalter gab es nur wenige Berufe, die durch Handwerker verrichtet wurden. In geistlichen Grundherrschaften waren dies zumeist Mönche, die sich spezialisiert hatten, zum Beispiel im Kunsthandwerk oder der Glasherstellung. Das Bauhandwerk, Steinmetze und Maurer, waren zu dieser Zeit ebenfalls technisch weit fortgeschritten. Alle anderen Tätigkeiten wurden auf den Fronhöfen oder von den freien Bauern selbst erzeugt oder verarbeitet. Ausnahmen waren hierbei der Schmied und der Müller, da bei diesen Berufen eine umfangreiche Ausrüstung notwendig war.
Ab dem Hochmittelalter, mit dem Entstehen von Städten änderte sich die Situation des Handwerks. Immer mehr handwerklich begabte Menschen zogen in die Städte, da dort hohe Absatz- und Gewinnchancen lockten. Die hohe Nachfrage nach Produkten änderte das Arbeitsverhalten von Auftragsarbeit hin zur ständigen Produktion. Die hergestellten Waren wurden dann auf den regelmäßig stattfindenden Märkten verkauft oder in den bei den Werkstätten befindlichen Läden zum Verkauf ausgestellt.
Die verschiedenen Handwerksberufe schlossen sich zu Zünften zusammen.
Handwerker, die unabhängig und selbständig tätig waren, hatten es sehr schwer, da sie nur selten von einem Händler beliefert wurden. Letztere waren stark in die Zunft eingebunden und richteten sich maßgeblich nach ihren Vorgaben.
Unzünftige Handwerker wurden ordnungspolizeilich verfolgt. In der Stadt flüchteten sie dann (wenn die Häuser mit der Traufseite zur Straße standen) quer über die Hausböden von Giebeldurchschlupf zu Giebeldurchschlupf ganze Straßenzüge entlang, daher ihr (ursprünglich niederdeutscher) Name "Bönhasen".
In ländlichen Gegenden gab es lange Zeit wandernde Handwerker, manchmal als Stöer bezeichnet.
Organisationsstruktur
Das Handwerk ist in Deutschland sehr stark organisiert:
Jeder Handwerksbetrieb ist Pflichtmitglied in der für ihn zuständigen Handwerkskammer (vergleichbar der Industrie- und Handelskammer) und Berufsgenossenschaft. Diese Kammern bilden regionale Kammertage, die Mitglied im Zentralverband des deutschen Handwerks sind. Oberstes Organ der Handwerkskammern: Deutscher Handwerkskammertag
Darüber hinaus sind viele Handwerksbetriebe freiwillig in Innungen organisiert. Diese Innungen sind in der Regel regional in Kreishandwerkerschaften und fachlich in Landesfach- bzw. Landesinnungsverbänden organisiert, die auf Bundesebene Zentralfachverbände bilden. Als Juniorenorganisation vertreten die Junioren des Handwerks die Interessen der jungen Handwerksmeister/innen und Führungskräfte im Handwerk.
Die 54 Handwerkskammern und 43 Zentralfachverbände bilden mit weiteren bedeutenden Einrichtungen des Handwerks den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)
Siehe auch
- Kunsthandwerk (Kunstgewerbe), Berufe von A-Z
- Portal:Architektur und Bauwesen
Weblinks
- [http://www.zdh.de Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH)]
- [http://www.handwerk.de Portal des deutschen Handwerks]
- [http://www.buhev.de Handwerker für das Recht auf Selbstständigkeit ohne Meisterbrief]
- [http://www.handwerksfilme.de Filme über alte Handwerksberufe]
- [http://www.handwerksjunioren.de Junioren des Handwerks e.V.]
Kategorie:Handwerk
th:หัตถกรรม
Ster
Der Ster ist ein altes, aber durchaus noch gebräuchliches Maß für Schichtholz. Ein Ster Holz entspricht 1 m³ gestapeltem Holz, auch genannt Raummeter. Ein Ster Rundholz entspricht ca. 0,75 Festmetern. Je nach Gegend entsprachen 3 oder 4 Ster einem Klafter Holz.
In Frankreich war das Ster eine gesetzliche Volumeneinheit im Rahmen des 1919 eingeführten MTS-Systems.
Kategorie:Maßeinheit MégapixelLe mégapixel est une unité commune de mesure concernant le plus souvent la résolution exprimée en pixels d'un capteur d'imagerie numérique.
Le préfixe méga indique une valeur de 1024x1024, un mégapixel est donc équivalent à 1'048'576 pixels.
Il est à noter qu'en photographie numérique, un mégapixel affiché ne correspond pas à autant de pixels réels; dans la plupart des cas (appareils à matrice simple), les pixels exprimés correspondent à des unités monochromes (4 pixels sont partagés en 2 pixels verts, un rouge et un bleu); il n'y a ainsi d'information effective que pour 1/4 des pixels annoncés. Les appareils de prise de vue et caméras très évoluées disposent d'une matrice complète pour chaque couleur primaire (rouge, vert et bleu); ainsi ils offrent une résolution bien supérieure mais à un prix nettement moins accessible au grand public.
Catégorie:Unité de mesure informatique
Catégorie:Imagerie numérique
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