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FootEin Fuß (engl. foot, Plural feet) ist ein Längenmaß. Es ist neben der Fingerbreite, der Handbreite, der Handspanne, der Elle und dem Schritt eine der ältesten Längeneinheiten. Diese Einheiten wurden wohl schon vor der Erfindung der Schrift benutzt. Ein Fuß beträgt ungefähr 30 cm, was der Schuhgröße 45 entspricht.
Vor- und Frühgeschichte
Der Fuß als Maß ist schon im vorgeschichtlichen Megalithischen Yard dokumentiert; dieses betrug etwa 82,9 cm. Der megalithische Fuß ist also 82,9 cm ÷ 3 ≈ 27,6 cm lang. Schon seit vor- und frühgeschichtlicher Zeit wurde der Fuß stets in 16 Fingerbreit geteilt. Die etwa 4500 Jahre alte, damals weit verbreitete sog. 30-Digiti-Nippur-Elle (nach einem kupfernen Maßstab des frühen 3. Jahrtausends, der im Tempel von Nippur gefunden wurde) verwendete genau die gleiche Fingerbreite wie das Megalithische Yard. So beträgt diese Elle 82,9 cm ÷ 48 · 30 ≈ 51,8 cm.
Einige Historiker vertreten die These, dass das Megalithische Yard konkrete Auswirkungen auf die Alltagskultur in vor- und frühgeschichtlicher Zeit hatte. So sollen bereits die Häuser der Bandkeramiker (Linienbandkeramik) nach dem Megalithischen Yard errichtet worden sein. Ein Beleg hierfür fand sich in einer bandkeramischen Brunnenverschalung aus Kückhoven, Kreis Erkelenz. Die dort ausgegrabenen, dendrochronologisch auf 5067 v. Chr. datierten Balken sind ebenso nach dem Megalithischen Yard bemessen wie die dort aufgedeckten Hausgrundrisse. Darüberhinaus konnte das Megalithische Yard von 829,1 +/- 0,9 mm an megalithischen Steinsetzungen (Gräbern und sogenannten Steinkreisen des 3. Jahrtausends) nachgewiesen werden.
Antike
Noch vor der IV. Pharaonen-Dynastie teilten äyptische Geometer die Nippur-Elle – weil sie aufgrund einer trigonometrischen Approximation (20√2 / 28 >= 1) eine 28-Digiti-Elle haben wollten – dann nur noch in 28 Teile. Dadurch wuchs der Fuß als Maß auf (51,8 cm ÷ 28 × 16 ~=) 29,6 cm. Genau diese Länge hatte das römische Fußmaß. Demnach unterhalten der megalithische bzw. Nippur-Fuß und der römische Fuß ein Verhältnis von genau 28 zu 30.
Ein Fuß (lat. pes ~ 29,6 cm) ist also vier Handbreit (lat. palmus ~ 7,4 cm) bzw. sechzehn Fingerbreit (lat. digitus ~ 1,85 cm). Das »Vier-Fuß-Maß« nannte man in der Spätantike auf Lateinisch ulna (Elle). Das »Maß von 1½ Fuß« ist die natürliche Elle (lat. cubitus). Das »Fünf-Fuß-Maß« ist der Doppelschritt (lat. passus). Das englische yard hat genau drei Fuß.
Im alten Griechenland zum Beispiel gab es neben dem hauptsächlich verwendeten, eigentlichen Fuß (griechisch pous) zu 16 Fingerbreit, auch eine sog. Pygme zu 18 Fingerbreit. Diese Pygme (Unterarm bis zum Handgelenk) wurde oft in Übersetzungen in Ermangelung eines geeigneten Wortes auch als »Fuß« bezeichnet. Dennoch kann festgehalten werden, dass über die gesamte Zivilisationgeschichte hinweg der Fuß stets 16 Fingerbreit beträgt. Wobei der »Finger« zu Recht als die eigentliche Grundeinheit angesehen werden kann.
Mittelalter und frühe Neuzeit
Erst im Mittelalter mit seiner Vorliebe für das Duodezimalsystem wurde dann der Fuß in zwölf Einheiten unterteilt. Dies ergab die Daumenbreite, das so genannte Zoll (lat. uncia, engl. inch, frz. pouce). Auch in anderen Kulturkreisen, z.B. in Japan oder China, sind Längenmaße in Größe des menschlichen Fußes bekannt.
Mit der Einführung des dezimalen Meters in Frankreich im Jahre 1800 brach man dann erstmals in der Menschheitsgeschichte mit der Verwendung aller konkret auf den Menschen bezogenen Grundmaße. In bestimmten Bereichen, etwa der Landvermessung und Schifffahrt, wurden allerdings schon zuvor verschiedene geografische Meilen (z.B. 1 Äquatorgrad lang) und davon abgeleitete Größen verwendet. Der Meter wurde rein abstrakt als zehnmillionster Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator definiert. In der Folge verschwand das klassische menschliche Fußmaß im Geltungsbereich des Meters.
Zur Vereinfachung und besseren Akzeptanz der Umstellung auf den Meter wurde im 19. Jahrhundert vereinzelt versucht, das alte Fußmaß auf runde Werte des neuen Systems zu bringen. So gab es im Großherzogtum Hessen-Darmstadt einen Fuß von 25 cm, im Herzogtum Nassau gar von 50 cm (Schuhgröße 75!) und im von Napoleon gegründeten Großherzogtum Baden galt ein Fuß von genau 30 cm. Dabei wurde dann der Fuß meist durch zehn geteilt. Andere Autoritäten beschränkten sich darauf, ihren Fuß und andere Maßeinheiten in Abhängigkeit zum metrischen Systems zu definieren.
Deutschsprachiger Raum
Die verschiedenen alten deutschen Fußmaße sind durch den Norddeutschen Bund und die Übernahme seiner Gesetze bei der Gründung des Deutschen Reiches (1871) sowie den darauf folgenden deutschen Beitritt zur internationalen Meterkonvention (1875) ganz aufgegeben worden.
Regional entsprach dem Fuß der Schuh.
Beispiele des dt. Fußmaßes in einigen Ländern:
- 25 cm in Hessen
- 28,325 cm (nach v. Alberti), zwischen 28,3 cm bis 46,6 cm, meist 32,48 cm in Sachsen
- 29,641 cm in Oldenburg
- 29,1859 cm in Bayern
- 30,385 cm in Meiningen-Hildburghausen
- 31,385 cm in Preußen
- 31,608 cm in Wien/Österreich
- 32,61 cm in Bad Homburg vor der Höhe
- 33 1/3 cm in der Pfalz
Gegenwart
Das internationale Einheitenzeichen ist heute ft. für engl. foot bzw. feet, oft auch abgekürzt mit einem einfachen geraden Anführungszeichen: ′ (ersatzweise: ').
Gemeint ist damit immer der internationale Fuß (»angelsächsischer Kompromissfuß«, 1959), der einem Drittel Yard oder zwölf internationalen Zoll à 2,54 cm entspricht, also exakt 30,48 cm misst:
; 1 ft = 1′ := 12 in. = 1/3 yd. = 30,48 cm = 0,3048 m
1 m = 3,2808 ft
In der US-Landvermessung hält sich daneben die frühere Definition bei der exakt 39,37 Zoll in einen Meter passen (statt 39 47/127 = ca. 39,370 078 740). Damit ist der international foot exakt 0,999 998 mal so groß wie der US survey foot, d.h. 0,0002% oder ein fünfhunderttausendstel kleiner.
; 1 survey foot := 12 survey inch = 12/39,37 m = ca. 0,304 800 609 m
In der Wissenschaft gilt international das dezimale metrische Maßsystem und selbst in den USA wird in diesem Bereich der foot nicht mehr verwendet.
In vielen technischen Bereichen gibt es Fuß und insbesondere Zoll aus Kompatibilitätsgründen zum wichtigen nordamerikanischen Markt weiterhin. Da in den meisten Ländern die Verwendung des metrischen Systems gesetzlich vorgeschrieben ist, tauchen diese Einheiten meist nur in Gattungsbezeichnungen (z.B. »17″-Monitor«) auf. Oder die eigentlichen Fuß- bzw. Inchmaße werden metrisch umgerechnet und dann auch oft gerundet. Direkt ist Fuß am häufigsten in der Luftfahrt anzutreffen. Während die Flughöhe unter 6.000 ft. direkt in Fuß angegeben wird, nennt man ab dieser Höhe international einheitlich die Flugfläche. Die Angabe entspricht dem Vielfachen von 100 ft., FL365 entspricht also 36.500 ft.. Nur wenige Staaten weichen davon ab, beispielsweise das Militär im ehemaligen Warschauer Pakt.
In manchen Sportarten sind Maße ursprünglich runde Fußwerte, werden inzwischen aber häufig in Metern spezifiziert und dabei nur manchmal auf glatte Werte gerundet. Der Basketballkorb beispielsweise hängt 10 ft. hoch (umgerechnet 3,048 m), das Fußballtor ist 2,44 m hoch und 7,32 m breit (ursprünglich 8 ft × 24 ft).
Siehe auch
Alte Maße und Gewichte, Geschichte von Maßen und Gewichten, Angloamerikanisches Maßsystem, Orgelregister
Kategorie:Alte Maße und Gewichte
Kategorie:Angloamerikanische Einheit
ja:フィート
Schuhgröße
Die Schuhgröße richtet sich nach der Länge und gegebenenfalls der Breite der Füße. International sind unterschiedliche Systeme von Schuhgrößen verbreitet.
In einigen Systemen decken sich bei gleicher Fußlänge die Größen für Frauen und für Männer nicht. Da aber auch viele Schuhe, wie etwa Sportschuhe, von beiderlei Geschlecht getragen werden, können Schuhgrößenangaben nicht "blind" angewendet werden.
Europäische Schuhgrößensysteme
In Europa herrschen zwei Systeme zur Berechnung der Schuhgröße vor:
- Das französische System, bei dem eine Schuhgröße 2/3 cm (ca. 0,6667 cm) entspricht (Pariser oder französische Stiche)
- das 'deutsche' System, bei dem eine Schuhgröße 1/4 Zoll (0,635 cm) entpricht.
Daraus resultieren auch die scheinbar so unterschiedlich 'ausfallenden' Schuhe, die je nach Herstellerland entweder nach dem einen oder anderen System produziert werden. Dänemark verwendet bsp. das französische System.
Beispiel: 28 cm Fußlänge ist nach 'deutschem' Maß Schuhgröße 44, nach französischem Maß jedoch nur Schuhgröße 42.
Schuhgröße 40 sind 40 x 1/4 Zoll = 10 Zoll, was 25,4 cm entspricht. Bei Damenschuhen weichen die Schuhgrößen-Angaben oberhalb der Schuhgröße 38 jedoch oft stark nach unten ab, um einen kleineren Fuß zu 'erzeugen'.
Die durchschnittliche Schuhgröße ist bei Männern 44, bei Frauen 40, wobei die Durchschnittsgröße selten auftaucht. Öfter taucht beispielsweise bei Männern entweder Schuhgröße 42 oder 45/46 auf, die Größen 43 und 44 sind etwas seltener.
US-amerikanisches Größensystem
Schuhgröße · 1/3 Zoll + 7 1/3 Zoll = Fußlänge
Japanisches Größensystem
Angabe der Fußlänge in cm.
Tabelle
siehe auch
- Mondopoint, ein neues Größensystem auf metrischer Grundlage, das auch die Fußbreite berücksichtigt
- Konfektionsgröße
- Schuh
- Fuß
- Foot
Kategorie:Kleidung
Nippur-ElleUnter Nippur-Elle versteht man zwei verschiedene Dinge, entweder einen dinglichen Maßstab oder eine Längeneinheit.
Der dinglicher Maßstab
Bei Ausgrabungen wurde im Tempel E in Nippur, Mesopotamien, ein Maßstab gefunden, der die stark vergrößerte Form eines Schreibergriffels hat. Er besteht aus einer bisher nicht analysierten Kupferlegierung (dem Aussehen nach recht reines Kupfer) und befindet sich heute im archäologischen Museum in Istambul. Auf ihm sind offensichtlich mit eingegossene Kerben angebracht. Die verwendete Technik bringt es mit sich, dass die Kerben nicht sehr genau sitzen. Der Maßstab wiegt rund 45,5 kg und wurde wohl wegen seines Gewichts bei der Plünderung des Tempels nicht weggeschafft. Seine genaue gesamte Länge beträgt 110,35 cm. Er ist (unter Berücksichtigung von 14C-Daten) in die erste Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. zu datieren.
Längeneinheit
E. Unger hat erkannt, dass die Kerben Marken eines Maßsystems sind. In seinen Publikationen erläutert er, wieso sich aus deren Abständen eine in 30 Teile (digiti) unterteilte Elle von 51,80 cm ergibt. Die Nippur-Elle ist daher der älteste uns überkommene Maßstab. Wenn man anhand der von Unger angegebenen Teilstrecken aus sechs Distanzen einen Mittelwert bildet, erhält man hierfür 518,6 mm. Im Verlaufe der jahrzehntelangen Forschung hat sich herausgestellt, dass sich aus dieser ältesten Längeneinheit alle anderen vormetrischen Längeneinheiten ableiten lassen. Die Umrechnungen sind bekannt.
Von der Projektgruppe 'Maße - Musik - Mathematik' (MMM) wurden weltweit 872 dingliche Maßstäbe (Skalen) gesammelt. Rechnet man aus ihnen auf die Nippur-Elle zurück, erhält man eine Länge von 518,30 mm +/- 0,87 mm bei einem Variationskoeffizienten von 0,168 %. Das statistitische Vertrauensintervall (Mutungsintervall) beträgt +/- 0,042 %. Diese Zahlen kannte die Antike natürlich nicht. Sie lassen sich heute errechnen, weil die historische Entwicklung der Nippur-Elle abgeschlossen ist und 872 Maßstäbe eine hinreichend große Stichprobe für alle vormetrischen Skalen darstellt.
Zu allen Zeiten ist der 'normale' Fuß 16 digiti lang gewesen. (Es gibt "Füße" zu 18 digiti. Das ist die so genannte Pygme, eigentlich die Unterarmlange bis zur Handwurzel, welche im deutschen aber oft auch "Fuß" genannt wird.) Die Länge eines digitus lässt sich aus obigen Angaben errechnen: 518,30 mm : 30 = 17,277 mm (Fünf zählende Stellen!). Somit ergibt sich die Länge des Fußes der Nippur-Elle zu 16 x 17,277 mm = 276,43 mm (Fünf zählende Stellen !). Teilt man die Gesamtlänge des Maßstabs von 1103,5 mm durch diese 276,43 mm, dann folgt 1103,5 mm : 276,43 mm = 3,992, gerundet 4. Mit anderen Worten: Die beabsichtigte Länge der dinglichen Nipur - Elle soll vier Fuß sein. Die Abweichung (der 'Fehler') beträgt 0,1995 %. (Allgemein weichen antike Maßstäbe um etwa +/- 0,2 % vom Soll ab.)
Auffälligerweise ist nirgendwo auf dem Maßstab eine Abstandskerbung von 16 digiti zu finden, obwohl der Maßstab dazu lang genug ist. Der Fuß setzt sich aus 12 und 4 digiti zusammen. Dagegen findet sich zweimal ein Abstand von 12 digiti. Daher sollte der 12-digiti-Abstand besonders wichtig sein. (Zur Römerzeit hieß er dodrans) Seine Länge beläuft sich auf 12 x 17,277 mm = 207,32 mm. Das Vierfache davon (Die Antike dachte in Verdoppelungsschritten) ist 4 x 207,32 mm = 829,30 mm. A. Thom fand für das Megalithische Yard als Mittelwert aus ca. 220 megalithischen Steinsetzungen 829,056 mm, Variationskoeffizient 0,110 %. Der Unterschied beträgt 0,029 % und ist ohne Bedeutung. Das Megalithische Yard (MY) ist daher das Vierfache des 12-digiti-Maßes der Nippur-Elle und es handelt sich um ein einziges Maßsystem. Zwar ist rein rechnerisch ein Drittel des MY genau gleich lang wie der Fuß der Nippur-Elle, aber nirgendwo findet sich ein Hinweis darauf, dass das MY gedrittelt worden wäre. Das MY ist eben 48 digiti lang und der Fuß 16 digiti, und daraus resultiert die Gleichheit. Auf der Nippur-Elle lässt sich aber der Abstand von 18 digiti, gebildet aus 14 und 4 digiti, abgreifen. Es war schon gesagt, dass es 18-digiti-Füße gibt, wie beispielsweise der Drusianische Fuß.
Das System der Nippur-Elle / MY war in allen vollneolithischen Kulturn bekannt, daher auch im praedynastischen und frühdynastischen Ägypten. Dort teilte man allerdings die Elle in nur 28 digiti, weil das einfacher mit dem Fuß von 16 digiti zu verrechnen geht: Der digitus ist dann 518,30 mm : 28 = 18,511 mm; 18,511 mm x 16 = 296,17 mm. Das ist der wohlbekannte römische Fuß (pes Romanus). Der Mittelwert aus 58 aufgefundenen Maßstäben mit römischer Skala ist 296,13 mm +/- 0,5 mm.
Zweimal ist auf der Nippur-Elle der 4-digiti-Abstand abgetragen. Das muss auch eine besondere Bedeutung haben. Dieser Abstand ist die palma (auch palmus). Zwölf palmae sind 4 x 12 digiti oder ein MY. Die Zwölf war im alten Mesopotamien eine besonders wichtige Zahl, denn sie gehörte dem Hexagesimalsystem an. Noch heute teilen wir den Tag in 12 Stunden, das Jahr in zwölf Monate und die Oktav in zwölf Halbtonschritte!
Seit einigen Jahren bevorzugen viele Spezialisten jetzt einen arbiträr festgelegten Definitionswert für das Nippur Ellenmaß: 518 616 µm. Dieser Wert hat den doppelten Vorzug, einerseits klar innerhalb des Vertrauensbereiches der hier beschiebenen Forschungsarbeiten zu liegen, andererseits ist dieser definierte Wert, zufälligerweise, das Produkt von nur drei einfachen Primzahlen: 7^4 x 3^3 x 2^3. Für die vielen anderen von der Nippurelle abgeleiteten antiken Maße (z.B. die Garde-Elle 15/14 NE, die arabische Nil-Elle 25/24 NE, den Pechys basilikos 36/35 NE, die ägyptische Königselle 50/49 NE, die Salamis-Elle 14/15 NE, sowie die römische Elle, die 6/7 Nippur-Ellen beträgt u.v.a. mehr) ergeben sich daraus auch einfache Werte. Für den römischen Fuß betägt dieser genau 296,352 mm.
Literatur
- Unger, E. Die Nippur-Elle, Publikationen der Kais. Osman. Museen, Konstantinopel 1916 ders. Eberts Reallexikon, Stichwort Nippur - Elle, Bd. VIII, S. 58, (1927)
- Beinhauer, K. W. und Rottländer, R. C.A. Die Sache mit Hand und Fuß, K. W. Beinhauer Hrsg., Ausstellungskatalog Mannheim 1994
- Thom, A. Megalithic sites in Britain, Oxford, Clarendon press 1967, p. 43
- Rottländer, R. C. A. Zum derzeitigen Stand der Historischen Metrologie, in: Ordo et mensura VIII (2004) S. 1 - 8, Fl. Huber und R. Rottländer Hrsg.
Web Link
[http://www.pe.tu-clausthal.de/agbalck/vorlesung/server/mess2001/ms-vor01/img_1311.htm Die Maße der Nippur Elle], die sich heute in einem Istambuler Museum befindet.
Kategorie:Alte Maße und Gewichte
Kategorie:Archäologie
Dendrochronologie
Die Dendrochronologie (griech. dendros = Baum, chronos = Zeit) ist eine Datierungsmethode der Archäologie und der Kunstwissenschaft.
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Bei der Dendrochronologie werden die Jahresringe von Bäumen gezählt. Jahresringe von Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind breiter als solche von Jahren mit schlechten Lebensbedingungen. Da für alle Bäume einer Art in einem bestimmten Gebiet die Lebensbedingungen annähernd gleich sind, weisen also alle Bäume einer Art dieser Region das gleiche charakteristische Muster von schmalen und breiten Jahresringen auf.
Ganz unproblematisch ist dies jedoch nicht, da noch andere Faktoren beim Zuwachs der Bäume eine Rolle spielen, wie z.B. die Nährstoffzufuhr, die Konkurrenz von Nachbarbäumen, Beschädigungen, Krankheiten und Schädlingsbefall.
Durchführung der Analysen
Durch Überlagerung der Ringmuster vieler Bäume (Crossdating-Methode) entsteht so eine gemittelte Baumringabfolge (Jahrringchronologie), die aufgrund der überlappenden Lebenszeiten der Bäume viele Jahrtausende abdecken kann. Bis zur Einführung der elektronischen Datenverarbeitung Mitte des 20. Jahrhunderts war die Ermittlung von zeitgleichen Wachstumsabschnitten verschiedener Bäume und die Erstellung der resultierenden Jahrringchronologien eine Zeit raubende Angelegenheit. Die Proben (Baumscheiben oder Bohrkerne) wurden geglättet und mit einem Kontrastmittel (z.B. Kreide) präpariert. Anschließend vermaß man jeden einzelnen Jahrring mit der Lupe. Die gesamten Messwerte wurden als Zeitreihe auf Transparentfolie gezeichnet. Die Zeitreihen aller gemessenen Bäume wurden schließlich auf dem Leuchttisch jahrweise gegeneinander verschoben und auf optische Übereinstimmung hin geprüft. Ein charakteristisches Maß der Übereinstimmung war der sog. Gleichläufigkeitswert (= Prozentsatz der Kurvenintervalle im Überlappungsbereich zweier Kurven, die synchron steigen oder fallen). In der resultierenden Jahrringchronologie treten die gemeinsamen Wachstumsmuster der Bäume stärker hervor, während die individuellen Muster unterdrückt werden. Intervalle, in denen ein hoher Prozentsatz der beteiligten Einzelbäume die gleiche Tendenz (Steigen oder Fallen) aufwies, wurden als sog. Weiserintervalle bezeichnet, denen bei weiteren Vergleichen eine hohe Bedeutung zukam.
Mit zunehmender Verfügbarkeit der elektronischen Datenverarbeitung wurden diese Vergleiche virtuell im Rechner durchgeführt, wobei inzwischen auch zahlreiche statistische Parameter der Zeitreihenanalyse, wie z.B. der Korrelationskoeffizient u.Ä. erhoben werden.
Derartige Jahrringchronologien dienen als Referenzmuster zur weiteren Datierung von Baumproben eines Gebiets.
Wenn eine Jahrringchronologie Lücken zur Gegenwart aufweist, dann ist nur eine relative Datierung möglich (z.B. Baum A wurde soundsoviele Jahre früher als Baum B gefällt). Reicht eine Jahrringchronologie jedoch von der Vergangenheit lückenlos bis in die Gegenwart, dann können die Jahresringe einer Baumprobe für diesen Zeitraum absolut und jahrgenau datiert werden. Eine Baumprobe ist undatierbar, wenn sie z.B. keinem Gebiet bzw. keiner Jahrringchronologie zugeordnet werden kann oder wenn sie aus zu wenigen Jahresringen (weniger als ca. 80) besteht.
In einigen Gebieten konnten so für einige Baumarten relativ lückenlose Jahresringtabellen für die letzten 10.000 Jahre erstellt werden (z.B. Die mitteleuropäische Eichenchronologie). Eine fehlerfreie Dendrochronologie erlaubt es, jedem Baumring das Jahr seiner Entstehung zuzuordnen.
Ausmaß der erstellten Kurven:
- Hohenheimer Kurve (2004) bis 10.461 v. Chr., jüngeres Dryas
- ostmediterrane Kurve (Aegean Dendrochronology Project, ADP) bis 1800 v. Chr., Bronzezeit (2003)
Geschichte der Methode
Der Begründer der Dendrochronologie als Wissenschaft war der amerikanische Astronom Andrew Ellicott Douglass. Dieser suchte nach einem Zusammenhang zwischen den Sonnenflecken und dem Klima, das sich im Baumwachstum widerspiegeln sollte. Dafür vermaß er die Dicke der Jahresringe von Borstenkiefern über einen Zeitraum von 585 Jahren und trug die Werte in ein Diagramm ein. Er erstellte eine Datensammlung, indem er die charakteristischen Abfolgen von extrem schmalen und breiten Jahrringen (sog. event years oder Ereignisjahren) auf einer Zeitskala zur Deckung brachte. Im Jahre 1929 gelang ihm die Datierung indianischer Wohnstätten, als er die Jahrringmuster der archäologischen Fundhölzer in den älteren Abschnitt seines Kalenders einhängen konnte. Der Nachweis der Wirkung der Sonnenaktivität auf das Jahrringmuster konnte jedoch nicht zweifelsfrei erbracht werden.
Anwendungsbeispiele der Dendrochronologie
Spektakuläre Erfolge erreichte die Dendrochronologie inzwischen bei Untersuchungen zur spätmittelalterlichen Tafelmalerei. Die Analysen der Eichentafeln, auf denen etwa Hieronymus Bosch zu malen pflegte, führten zu dem eindeutigen Ergebnis, dass eine ganze Reihe von bislang Bosch zugeschriebenen Werken aus dem Gesamtœuvre ausgeschieden werden mussten. Die Tafeln stammten von Bäumen, die zum Teil erst Jahrzehnte nach Boschs Tod gefällt worden waren.
Dendrochronologisch konnte auch für einen ca. zehnjährigen Zeitraum um das Jahr 540 n. Chr. eine Klimakatastrophe belegt werden (siehe auch Pest unter Justinian I., die sog. Justinianische Plage, und Michael der Syrer). Als Ursache dieser weltweiten atmosphärischen Trübung werden Kometeneinschläge oder Vulkanausbrüche vermutet.
Auch zur zeitlichen Einordnung des beim Bau von Musikinstrumenten (Streich-, Zupf- und Tasteninstrumenten) verwendeten Holzes wird die Dendrochronologie eingesetzt. Neben der Datierung kann die Methode hier Hinweise auf die Herkunft des Holzes und die Holzverwendung in verschiedenen Werkstätten, wie z.B. der des Geigenbaumeisters Jakobus Stainer, geben.
Literatur
zur Methode
- M. G. L. Baillie: A Slice through Time. Dendrochronology and precision Dating, London 1995, ISBN 0-7134-7654-0.
- Fritz H. Schweingruber: Der Jahrring. Standort, Methodik, Zeit und Klima in der Dendrochronologie, Bern und Stuttgart 1983, ISBN 3-258-03120-7.
Erweiterung der Kurven
- Sturt W. Manning, Bernd Kromer, Peter Ian Kuniholm & Maryanne W. Newton, Confirmation of near-absolute dating of east
Mediterranean Bronze-Iron Dendrochronology, Antiquity 77, 2003.
Anwendungsbeispiele
- Mike Baillie: Exodus to Arthur. Catastrophic Encounters with Comets, London 1999, ISBN 0-7134-8352-0.
- Peter Klein: Dendrochronological Analysis of Works by Hieronymus Bosch and his Followers. In: Jos Koldeweij/Bernard Vermet (Hrsg.): Hieronymus Bosch. New Insights Into His Life and Work, NAi Publishers, Rotterdam o.J. (2001), ISBN 90-5662-214-5.
- Micha Beuting: Holzkundliche und dendrochronologische Untersuchungen an Resonanzholz als Beitrag zur Organologie, Remagen-Oberwinter: Kessel-Verlag 2003, ISBN 39-3563-8485.
- Micha Beuting; Peter Klein: Dendrochronologische Untersuchungen an Streichinstrumenten von Jacob Stainer. In: Seipel, W. (Hrsg.): Jacob Stainer: ...kayserlicher diener und geigenmacher zu Absom. Ausstellungskatalog des Kunsthistorischen Museums Wien, Mailand: Skira, S. 167-171, ISBN 3-85497-060-9.
Weblinks
- [http://www.univie.ac.at/Projekte/Idea/dendro/dendro_d.html Dendrolabors der Wiener Universität]
- [http://www.dendrolabor.ch/index.htm Dendrolabor der Stadt Zürich]
- [http://www.dendro-delag.de/ Dendrochronologisches Labor in Göttingen]
- [http://www.dendrolabor.de/ Dendrolabor der Universität zu Köln]
- [http://www.uni-wuerzburg.de/mineralogie/palbot/teach/ringteach.html Linkverzeichnis zu Dendrochronologie und Holzanatomie (in Englisch)]
- http://web.utk.edu/~grissino/principles.htm Wunderbare Linkliste!
- [http://www.g-o.de/index.php?cmd=focus_detail&f_id=186&rang=1 GeoScience Artikel der Woche]
- http://www.arts.cornell.edu/dendro/) ADP
- http://antiquity.ac.uk/ProjGall/Manning/manning.html ADP
Siehe auch
Altersbestimmung, Klimageschichte, Probleme bei der Altersbestimmung
Kategorie:Botanisches Fachgebiet
Kategorie:Archäologische Forschungsmethode
Kategorie:Klimatologie
Kategorie:Kalender
DuodezimalsystemDas Duodezimalsystem (auch Zwölfersystem) ist ein Stellenwertsystem zur Darstellung von Zahlen. Es verwendet die Basis Zwölf, ist also das "12-adische Stellenwertsystem". Das bedeutet: Anders als beim üblichen Dezimalsystem (mit der Basis 10) gibt es 12 Ziffern, so dass erst für natürliche Zahlen ab 12 eine zweite Ziffer benötigt wird.
Verwendung und Geschichte
Die Zahl 12 hatte in vielen Kulturen eine wichtige Bedeutung. Ein Grund sind vermutlich die 12 Mond-Monate im Jahr. Beispiele der Verwendung der 12 sind die 12 Monate im Jahr, zweimal 12 Stunden pro Tag, 12 Tierkreiszeichen, 12 Zeichen in der chinesischen Astrologie.
In vielen europäischen Sprachen gibt es eigene Zahlennamen für 11 ("elf") und 12 ("zwölf") anstelle der regelmäßigen Zehnersystem-Namen (wie "zweizehn"). Dies weist, wie auch die Verwendung des Dutzend, auf eine breite Verwendung der Basis 12 hin.
Zusätzlich hat die 12 die Eigenschaft, durch relativ viele Zahlen teilbar zu sein (2, 3, 4, 6), was die Verwendung als Größeneinteilung (z. B. bei Zoll und Fuß) zur Folge hatte.
Ein kleiner Nachteil gegenüber dem Hexadezimalsystem, den das Duo- mit dem Dezimal und dem Oktalsystem teilt, ist, dass die Wurzel der Basis keine ganze Zahl ist.
Das Duodezimalsystem wird heute noch in einigen Zusammenhängen verwendet:
- 1 Dutzend = 12 Stück, 1 Schock = 5 Dutzend, 1 Gros = 12 Dutzend,
- bei verschiedenen Maßeinheiten, z. B. 1 Fuß = 12 Zoll,
- Einteilung des Tages in 2 · 12 Stunden.
Ansätze, das Dezimalsystem mit zwei zusätzlichen Ziffern zu ergänzen, um allgemein im Duodezimalsystem zu rechnen, konnten sich dagegen nicht durchsetzen.
Darstellung von Zahlen
Ziffern
Die Dozenal Society of America (gegr. 1944) schlug zusätzlich zu den Ziffern 0 bis 9 noch X für 10 und E für 11 vor, später dann # für 10. Die Zahl 278 würde dann z. B. als 1E2 (1 · 144 + 11 · 12 + 2 · 1) geschrieben. Die Nachteile davon liegen auf der Hand - weitere gängige Bedeutungen der Zeichenfolge 1E2 sind nämlich
- die Abkürzung der Exponentialschreibweise 1 - 10^2 und
- die Hexadezimalzahl 0x1E2 = 1 - 256 + 14 - 16 + 2.
Die Dozenal Society of Great Britain (gegr. 1959) bevorzugt stattdessen die auf den Kopf gestellten Ziffern 2 und 3.
In diesem Artikel verwenden wir die Ziffern # und E für Zehn und Elf.
Ganze und rationale Zahlen
Die Darstellung der Zahlen erfolgt ähnlich wie die Darstellung im gewöhnlich verwendeten Dezimalsystem, mit dem Unterschied, dass die Wertigkeit der Ziffern nicht durch die entsprechende Zehnerpotenz, sondern durch die passende Zwölferpotenz bestimmt wird.
Beispielsweise stellt die Ziffernfolge 234 nicht (wie im Dezimalsystem) die Zweihundertvierunddreißig dar, sondern die Dreihundertachtundzwanzig, denn im Duodezimalsystem berechnet sich der Wert durch:
:
Die Indices weisen dabei auf die verwendete Basis hin.
Duodezimale Brüche sind wie im Dezimalsystem entweder endlich, wie
:1/2 = 0,6(12)
:1/3 = 0,4(12)
:1/6 = 0,2(12)
:1/8 = 0,16(12)
:1/9 = 0,14(12)
oder periodisch, wie
:1/5 = 0,2497 2497 2497 ...(12)
:1/7 = 0,186#35 186#35 ...(12)
:1/10 = 1/#(12) = 0,1 2497 2497 ...(12)
Negative Zahlen schreibt man wie im Dezimalsystem mit einem vorangestellte Minuszeichen.
Grundrechenarten
Ganz analog zu den Zahlen im Dezimalsystem lassen sich mit Duodezimalzahlen die gängigen arithmetischen Grundoperation Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division durchführen.
Die benötigten Algorithmen sind prinzipiell dieselben, nur werden durch die größere Anzahl von Ziffern das kleine Einmaleins und die Additionstabelle größer.
Umrechnen in andere Stellenwertsysteme
Die ersten natürlichen Zahlen werden im Duodezimalsystem so dargestellt:
Vom Duodezimalsystem ins Dezimalsystem
Um aus einer Duodezimalzahl eine Dezimalzahl zu erhalten, zählt man die angegebenen Vielfachen der 12er-Potenzen zusammen, berechnet also den Wert der Zahl wie es die Definition des 12-adischen Stellenwertsystems vorgibt:
:234(12) = 2 · 122 + 3 · 121 + 4 · 120 = 288 + 36 + 4 = 328.
Vom Dezimalsystem ins Duodezimalsystem
Eine Möglichkeit, eine Dezimalzahl ins Duodezimalsystem umzuwandeln, ist die Betrachtung der Divisionsreste die entstehen, wenn die Zahl durch die Basis 12 geteilt wird.
Im Beispiel der 328(10) sähe das so aus:
328 : 12 = 27 Rest 4,
27 : 12 = 2 Rest 3,
2 : 12 = 0 Rest 2.
Der zu errechende Wert ist nun von unten nach oben an den Resten ablesbar: 234(12).
Weblinks
- [http://www.polar.sunynassau.edu/~dozenal/ Dozenal Society of America]
- [http://www.dsgb.orbix.co.uk Dozenal Society of Great Britain]
- [http://jpeg.homeip.net:8088/system.html?system=C&gross=ja Das große 1x1 im Zwölfersystem]
Kategorie:Zahlensystem
ja:十二進記数法
ko:십이진법
Japanische LängenmaßeShakkanhō (jap. 尺貫法 bzw. しゃっかんほう) ist ein altes japanisches Maßsystem für Längen, Volumen, Flächen, Gewichte und Geld, das in ganz Ostasien Verbreitung fand.
Zusammenhang mit Metermaß
Das japanische Eichsystemgesetz von 1891 legt folgendes fest:
Das Kurzwort Shaku (尺) steht normalerweise für Kanejaku. Das 25% größere Kujirajaku wird heutzutage fast gar nicht mehr gebraucht.
Länge
Die traditionellen japanischen Längenmaße werden noch heute in einigen dortigen Branchen regulär verwendet, obwohl Japan schon lange das metrische System eingeführt hat. Die Maße sind in Relation zum Meter definiert.
Ein Shaku entspricht in etwa dem früher in Europa und heute noch in den USA üblichen Fuß, ein Sun einem Zoll. Es gibt daneben ein weiteres Shaku, das Kujirajaku (鯨尺) von 25/66 Meter (0,3(78) m), das aber weniger verbreitet war; üblich ist das Kanejaku (曲尺).
Durch unterschiedliche Transkriptionen, finden sich vereinzelt, vor allem in älteren Texten, auch die Bezeichnungen Sung und Sonn für Sun sowie Sasi für Shaku und Jo für Chō.
Fläche
Chō ist tatsächlich sowohl Längen- als auch Flächeneinheit.
Volumen
Die traditionellen japanischen Volumenmaße haben teilweise noch heute Bedeutung (Reis, Sake), obwohl Japan schon lange das metrische System eingeführt hat.
Gewicht
Geld
!
Kategorie:Japanische Geschichte
ja:尺貫法
Alte Maße und Gewichte (China)
Das Einheitensystem des kaiserlichen Chinas (市制 Pinyin: Shìzhì, »Marktstandard") befindet sich parallel zum SI-Einheitensystem auch im modernen China noch in Gebrauch und ist verwandt mit dem japanischen Shakkanhô. Das Präfix 市 (shi4, »Stadt-«) wird benutzt, um Verwechslungen mit gleichnamigen SI-Einheiten, denen ggf. 公 (gong1, »Standard-«) vorangestellt werden kann.
Das System wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts in Abhängigkeit von den entsprechenden SI-Einheiten neu definiert und benutzt seither überwiegend dezimale Faktoren (vormals teilweise 16).
Anmerkung: Die kleinen Einheiten li (厘) und fen (分) haben denselben Namen für Länge, Fläche und Masse.
Länge
Die beiden lis werden nicht nur unterschiedlich geschrieben, sondern auch unterschiedlich gesprochen.
Fläche
Gewicht
Diese Einheiten waren besonders im Edelmetall- und Währungsbereich verbreitet.
Volumen
Verwendet als Trockenmaße für Getreide.
Zeit
Siehe auch: Alte Maße und Gewichte China Kategorie:Chinesische Geschichte
Kategorie:Kultur (China)
ja:市制 (単位系)
Meter
Das Meter (v. griech.: μέτρον/métron = Maß, -messer) – auch der Meter, in der Schweiz und Österreich immer der Meter – ist die SI-Basiseinheit der Länge. Das Einheitenzeichen des Meters lautet m und das Formelzeichen der Länge l.
Aktuelle Definition
Das Meter ist definiert als die Strecke, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt. Zur Umstellung von der Länge eines standardisierten Messstabes auf die zeitbasierte kam es, weil die Messung von Zeiten zwischenzeitlich wesentlich genauer erfolgt, als die Messung von Längen.
Alte Definitionen
Der Definition des Meters gingen einige Vorschläge voraus, eine universelle Längeneinheit zu definieren, die nicht – wie damals üblich – von den Abmessungen der Gliedmaßen des jeweiligen Herrschers abgeleitet war. So schlug der Abt Jean Picard zum Beispiel 1668 vor, als Längeneinheit die Länge eines Pendels zu verwenden, das eine halbe Periodendauer von einer Sekunde hatte (Sekundenpendel). Ein solches Pendel hat die Länge von 0,994 m und käme damit der heutigen Definition eines Meters ziemlich nahe. Der Begriff Meter für diese Längeneinheit wurde allerdings zum ersten Mal von Tito Livio Burattini im Jahr 1675 verwendet. Er bezeichnete die Länge des Sekundenpendels als Metro Cattolico (katholischer Meter).
1675
Im Jahr 1793 wurde der Meter dann als der 40-millionste Teil der Länge des Erdmeridians, auf dem Paris liegt, also auf den zehnmillionsten Teil der Entfernung vom Pol zum Äquator, festgelegt. Im Jahr 1795 wurde ein Prototyp dieses Meters in Messing, im Jahr 1799 schließlich als Urmeter in Platin gegossen. Zur Bestimmung der Länge des Urmeters dienten die Ergebnisse der von Jean-Baptiste Joseph Delambre und Pierre Méchain zwischen 1792 und 1799 vorgenommenen Vermessung des Meridianbogens zwischen Dünkirchen und Barcelona. Genauere Vermessungen der Erde kamen später allerdings zu dem Ergebnis, dass das Urmeter ein wenig zu kurz geraten war.
1889 wurde vom zwischenzeitlich gegründeten BIPM ein neuer Standard eingeführt. Dazu wurde der internationale Meterprototyp angefertigt, ein Stab mit kreuzförmigem Querschnitt aus einer Platin-Iridium-Legierung im Verhältnis 90:10 und ein Meter wurde festgelegt als der Abstand der Mittelstriche zweier Strichgruppen bei einer Temperatur von 0 °C. Damit richtete sich das Meter nicht mehr nach der Vermessung der Erde. Kopien dieses Meterprototyps wurden an die Eichinstitute in vielen Ländern vergeben.
Von 1960 bis 1983 war das Meter das 1.650.763,73-fache der Wellenlänge der sich im Vakuum ausbreitenden Strahlung, die von Atomen des Nuklids Krypton-86 beim Übergang vom Zustand 5d5 zum Zustand 2p10 ausgesandt wird.
Seit 1983 wird das Meter als die Strecke definiert, die das Licht im Vakuum in einer Zeit von 1/299.792.458 Sekunde zurücklegt. Der Grund für diese Neudefinition ist, dass mittlerweile die Zeit (mit Atomuhren) viel genauer messbar ist als Strecken. Dies hat auch zur Folge, dass die Lichtgeschwindigkeit nun nicht mehr gemessen werden kann, sondern als Konstante festgelegt ist mit 299.792.458 m/s.
Abgeleitete Maßeinheiten
Im folgenden werden einige Beispiele für verschiedene Längen beschrieben. Zu den Vorsilben siehe auch die Liste der Vorsilben für Maßeinheiten.
Bekannte
Kilometer
Ein Kilometer, abgekürzt km, entspricht 1.000 Metern: 1 km = 103 m.
Zentimeter
Ein Zentimeter (veraltet auch Centimeter), abgekürzt cm, entspricht dem Hundertstel eines Meters: 1 cm = 10-2 m oder 0,01 m.
Der Zentimeter ist die cgs-Einheit der Länge. Siehe auch: inch
Millimeter
Ein Millimeter, abgekürzt mm, entspricht dem Tausendstel eines Meters: 1 mm = 10-3 m oder 0,001 m.
Mikrometer
Ein Mikrometer (veraltet auch Mikron nach seiner alten Bezeichnung, oder My nach dem griechischen Buchstaben µ), abgekürzt µm, entspricht dem Millionstel eines Meters: 1 µm = 10-6 m = 0,000 001 m. Oder 1 µm = 10-3 mm, also ein eintausendstel Millimeter.
My bezeichnet darüber hinaus im umgangssprachlichen Gebrauch oft kleinste Längen, die gerade noch erkennbar sind, obwohl ein Mikrometer eigentlich nicht mit freiem Auge wahrgenommen werden kann.
Die Messschraube, ein Längenmessgerät, wird wegen ihrer Genauigkeit oft Mikrometerschraube oder kurz Mikrometer genannt.
Nanometer
Ein Nanometer, abgekürzt nm, entspricht dem Milliardstel eines Meters: 1 nm = 10-9 m. Oder 1 nm = 10-6 mm, also ein millionstel Millimeter.
Ein Nanometer entspricht in einen Stück Metall ungefähr einer Strecke von vier benachbarten Atomen. Die kleinsten mit einem Lichtmikroskop erkennbaren Strukturen sind etwa 500 nm groß. Zur Untersuchung von Strukturen unterhalb von 500 nm verwendet man Rasterelektronenmikroskope, Rastertunnelmikroskope oder Rasterkraftmikroskope.
siehe auch: Nanotechnologie
Pikometer
Ein Pikometer (veraltet auch Picometer), abgekürzt pm, entspricht dem Billionstel eines Meters: 1 pm = 10-12 m.
Der Pikometer ist geeignet für Messungen innerhalb der Atomhüllen. Ein Atom hat einen Durchmesser zwischen 50 und 600 pm. Der Durchmesser eines Atomkerns liegt um 0,01 pm. 100 pm = 1 Ångström.
Femtometer
Ångström
Ein Femtometer (Einheitenzeichen: fm), ist das Billiardstel eines Meter:und ein Billionstel von einen Millimeter 1 fm = 10-15 m.
Der Femtometer wurde früher in der Atom- und Kernphysik auch als Fermi bezeichnet; seine Verwendung führt zu übersichtlichen Zahlenwerten bei der Angabe von Atomkern-Durchmessern. Denn der Durchmesser eines Atomkerns beträgt etwa 10 fm. Protonen und Neutronen haben einen Durchmesser von etwa 1,6 fm . Die kleinsten Atomradien messen 51000 fm = 51 pm.
Weniger bekannte
- Ein Megameter, abgekürzt Mm, entspricht 1.000 Kilometern = 106 m.
- Ein Myriameter entspricht 10.000 m = 10 km = 104 m. Der Gebrauch der Vorsilbe myria ist jedoch seit 1960 nicht mehr zulässig.
- Ein Hektometer abgekürzt hm, entspricht 100 m = 102 m.
- Ein Dekameter abgekürzt dam, entspricht 10 m = 101 m.
- Ein Dezimeter, abgekürzt dm, entspricht dem Zehntel eines Meters: 1 dm = 10-1 m.
- Ein Attometer, abgekürzt am, entspricht dem Trillionstel eines Meters: 1 am = 10-18 m.
- Ein Zeptometer, abgekürzt zm, entspricht dem Trilliardstel eines Meters: 1 zm = 10-21 m.
- Ein Yoktometer, abgekürzt ym, entspricht dem Quadrillionstel eines Meters: 1 ym = 10-24 m.
Siehe auch
- SI-Einheiten
- -metrie
- -meter
- Metrik
- Meterstab
- Maßeinheiten
- Längenmaß
Weblinks
- [http://www.ptb.de/de/wegweiser/einheiten/_index.html Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt PTB als "Hüterin der Einheiten"]
Kategorie:SI-Einheit
ja:メートル
ko:미터
ms:Meter
simple:Metre
th:เมตร
1800
- 18. Januar: Die Bank von Frankreich wird durch Napoleon Bonaparte geschaffen
- 14. März: Giorgio Barnaba Luigi Chiaramonti wird zum Papst gewählt und nennt sich Pius VII.
- 17. März: Beim Untergang des britischen Linienschiffs HMS Queen Charlotte (100 Kanonen) nach einem Brand an Bord vor Livorno (Italien) sterben 673 Seeleute, nur 156 können gerettet werden
- 2. April: Beethovens 1. Sinfonie wird in Wien uraufgeführt
- 14. Juni: Die Schlacht bei Marengo bringt Napoleon den entscheidenden Sieg über die Österreicher
- 5. September: Die Engländer bringen nach einer Blockade Malta in ihren Besitz, das seit 1798 von napoleonischen Einheiten besetzt war
- 1. November: US-Präsident John Adams bezieht seinen neuen Amtssitz, das spätere Weiße Haus
- 3. Dezember: Schlacht von Hohenlinden
- Wilhelm Herschel entdeckt die Infrarotstrahlung
Kultur
- 16. Januar: Uraufführung der Oper Les Deux Journées, ou Le Porteur d'eau (Der Wasserträger) von Luigi Cherubini am Théâtre Feydeau in Paris
- 2. Juni: Uraufführung der Oper Cesare in Farmacusa von Antonio Salieri am Theater am Kärntnertor in Wien
- 16. Oktober: Uraufführung der Oper Tamerlan von Johann Friedrich Reichardt an der Hofoper Berlin
- In ganz Paris, der nach London zweitgrößten Stadt Europas, gab es um 1800 nur ca. 300 Badewannen
- 1. Januar: Filipina Brzezińska, polnische Komponistin († 1886)
- 1. Januar: Constantin Hering, gilt als Begründer der Homöopathie in Amerika († 1880)
- 1. Januar: Václav Emanuel Horák, tschechischer Komponist
- 2. Januar: Carl Friedrich Plattner, deutscher Hüttenkundler und Chemiker († 1858)
- 7. Januar: Millard Fillmore, 13. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika († 1874)
- 7. Januar: Moritz Daniel Oppenheim, deutscher Porträt- und Historienmaler († 1882)
- 11. Januar: Ányos Jedlik, Erfinder († 1895)
- 14. Januar: Ludwig von Köchel, österreichischer Musikwissenschaftler († 1877)
- 21. Januar: Theodor Fliedner, deutscher Pfarrer († 1864)
- 22. Januar: Christoph Merian, Großgrundbesitzer und Stiftungsgründer († 1858)
- 26. Januar: Johann Gerhard Oncken, Begründer der deutschen Baptistengemeinden († 1884)
- 28. Januar: Friedrich August Stüler, preußischer Baumeister († 1865)
- 7. Februar: Theodor von Zwehl, deutscher Staatsminister († 1875)
- 11. Februar: William Fox Talbot, englischer Photopionier († 1877)
- 12. Februar: John Edward Gray, Britischer Zoologe († 1875)
- 2. März: Jewgeni Baratynski, russischer Schriftsteller († 1844)
- 10. März: Victor Aimé Huber, deutscher Sozialreformer, Reiseschriftsteller und Literaturhistoriker († 1869)
- 16. März: Ninko, 120. Kaiser von Japan († 1846)
- 15. April: James Clarke Ross, englischer Entdecker und Seefahrer († 1862)
- 16. April: Jakob Heine, Mediziner und Entdecker der spinalen Kinderlähmung († 1879)
- 9. Mai: John Brown, US-amerikanischer radikaler Abolitionist († 1859)
- 17. Mai: Carl Friedrich Zöllner, deutscher Komponist († 1860)
- 17. Mai: Ernst von Bandel, Maler und Bildhauer († 1876)
- 19. Mai: Moritz Rathenau, Kaufmann und Unternehmer († 1871)
- 30. Mai: Karl Wilhelm Feuerbach, Mathematiklehrer und Mathematiker († 1834)
- 17. Juni: Ivar Fredrik Bredal, dänischer Komponist († 1864)
- 23. Juni: Charlotte Birch-Pfeiffer, deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin († 1868)
- 19. Juli: Juan José Flores, ecuadorianischer Staatspräsident († 1864)
- 22. Juli: Jakob Lorber, österreichischer Schriftsteller und Musiker († 1864)
- 24. Juli: Friedrich Georg Wieck, deutscher technologischer Schriftsteller und Industrieller († 1860)
- 25. Juli: Heinrich Göppert, deutscher Botaniker, Paläontologe und Professor († 1884)
- 31. Juli: Friedrich Wöhler, deutscher Chemiker († 1882)
- 20. August: Bernhard Heine, Mediziner († 1846)
- 28. August: Dietrich Wilhelm Landfermann, Pädagoge, Demokrat und Schulleiter in Duisburg († 1882)
- 12. September: Joseph Augenstein, deutscher Lokalpolitiker († 1861)
- 12. September: Pierre Charles Fournier Saint Amant, französischer Schachmeister († 1872)
- 12. September: Friedrich von Uechtritz, deutscher Dichter, Historiker und Genealoge († 1875)
- 15. September: Paul Friedrich, Großherzog von Mecklenburg-Schwerin († 1842)
- 1. Oktober: Lars Levi Laestadius, schwedischer Erweckungsprediger in Lappland († 1861)
- 2. Oktober: Felix Fürst zu Schwarzenberg, österreichischer Politiker und Diplomat († 1852)
- 2. Oktober: Nat Turner, US-amerikanischer Revolutionär († 1831)
- 12. Oktober: Eugen von Puttkamer, Deutscher Jurist († 1874)
- 18. Oktober: Sir Henry Taylor, englischer Dramatiker und Kolonialbeamter († 1886)
- 23. Oktober: Henri Milne-Edwards, französischer Naturforscher († 1885)
- 25. Oktober: Jacques Paul Migne, französischer Priester und veröffentliche theologische Werke († 1875)
- 25. Oktober: Thomas Babington Macaulay, englischer Historiker († 1859)
- 26. Oktober: Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke, preußischer Generalfeldmarschall († 1891)
- 6. November: Eduard Grell, deutscher Komponist und Organist († 1886)
- 18. November: John Nelson Darby, Mitbegründer der Brüdergemeinde († 1882)
- 26. November: Anton Martin Slomšek, slowenischer Geistlicher, Schriftsteller und Dichter († 1862)
- 30. November: Karl Heinrich Edmund von Berg, Forstmann und Lehrer († 1874)
- 1. Dezember: Mihály Vörösmarty, ungarischer Dichter, Redakteur und Übersetzer († 1855)
- 4. Dezember: Emil Aarestrup, dänischer Dichter († 1856)
- 22. Dezember: Julius Wilhelm Oelsner, Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung († 1862)
- 26. Dezember: Gustav Wilhelm Teschner, deutscher Komponist († 1883)
- 29. Dezember: Charles Goodyear, US-amerikanischer Chemiker († 1860)
- 4. Februar: Charlotte Sophie von Bentinck, adlige emanzipierte Frau des 18. Jahrhunderts ( - 1715)
- 25. April: Abel Seyler, deutscher Schauspieldirektor ( - 1730)
- 28. April: Jewstignei Ipatowitsch Fomin, russischer Komponist ( - 1761)
- 7. Mai: Niccolò Piccinni, italienischer Komponist klassischer Musik ( - 1728)
- 18. Mai: Alexander Wassiljewitsch Suworow, russischer Generalissimus ( - 1729)
- 24. Mai: Johann Christian Kestner, deutscher Jurist und Archivar, Ehemann von Charlotte Buff ( - 1741)
- 10. Juni: Johann Abraham Peter Schulz, deutscher Musiker und Komponist ( - 1747)
- 14. Juni: Jean-Baptiste Kléber, französischer General ( - 1753)
- 14. Juni: Louis-Charles-Antoine Desaix, französischer General ( - 1768)
- 20. Juni: Abraham Gotthelf Kästner, deutscher Mathematiker ( - 1719)
- 3. August: Friedrich Gilly, deutscher Architekt und Baumeister ( - 1772)
- 3. August: Carl Friedrich Christian Fasch, Musiker ( - 1736)
- 10. September: Johann Christoph von Wöllner, preussischer Staatsmann ( - 1732)
- 26. September: William Billings, US-amerikanischer Komponist ( - 1746)
- 8. Oktober: Salawat Julajew, baschkirischer Freiheitskämpfer und Dichter, Nationalheld von Baschkortostan ( - 1752)
- 28. Oktober: Artemas Ward, US-amerikanischer Generalmajor im Unabhängigkeitskrieg und Politiker ( - 1727)
- 14. November: François-Claude-Amour de Bouillé, französischer General ( - 1739)
- 28. November: Sebastian Mutschelle, deutscher Theologe ( - 1749)
ko:1800년
PolUnter einem Pol versteht man im Allgemeinen eines von zwei (äußersten) Enden. Ebenfalls im allgemeinen Sinn wird oft das eine Ende als das extreme Gegenteil des anderen Endes betrachtet. Gleichwohl können sich beide Enden auch gegenseitig bedingen, ähnlich wie sprichwörtlich die "Zwei Seiten einer Medaille".
Verschiedene Verwendungen des Begriffs Pol
- Geografischer Pol, siehe Pol (Geografie)
- Magnetischer Pol, siehe Erdmagnetfeld
- Geomagnetischer Pol, siehe Pol (Geomagnetismus)
- Elektrischer Pol, siehe Pol (Elektrizität)
- Himmelspol
- Beide Pole ("Manie" und "Depression") der "Bipolaren Störung" (auch manisch-depressive Erkrankungen)
- Schnittpunkt aller in einer Ebene liegenden Kugeltangenten (siehe Pol (Mathematik))
- Polstelle einer mathematischen Funktion
- Mechanischer Drehpunkt spezieller Messinstrumente, beispielsweise eines Planimeters
- Sogenannter Gefäßpol eines Blutgefäßes (siehe auch Nephron, Niere)
- Hauptpol im Polplan (Statik) = der Punkt, um den sich eine Scheibe absolut dreht
- Nebenpol im Polplan (Statik) = der Punkt, um den sich zwei oder mehr Scheiben relativ zueinander drehen.
Abkürzungen
- PoL oder POL für Problem orientiertes Lernen
- Pol. für Polizei
- pol. für politisch
- Pol. für polarisiertes Licht
- pol als Sprachcode für polnische Sprache (nach ISO 639)
- pol. für poliert
- Dr. rer. pol. für Doktor der Politikwissenschaften
Namen
- Pol Bury, siehe Kinetische Kunst
- Grafen von Saint-Pol, de Pol, Greiner-Pol, Jean-Pol usw.
- Fluss in England: siehe Pol (Fluss)
Äquator
Der Äquator (lat. "Gleichmacher") ist derjenige Großkreis einer Kugel oder eines Planeten, der von beiden Polen gleich weit entfernt ist. Es ist der einzige Breitenkreis, der gleichzeitig ein Großkreis ist, also die kürzeste Verbindung zwischen allen seiner Punkte darstellt. Ihm ist die geografische Breite 0° zugeordnet.
Der Äquator der Erde, Durchmesser 12756 km, durchquert Afrika, die Malediven und den Indischen Ozean, Indonesien, das zentralpazifische Mikronesien sowie Südamerika. Er trennt dabei die Nord- von der Südhalbkugel. Der Mittelpunkt des Äquatorkreises fällt mit dem der Kugel zusammen. Wegen der leichten periodischen Bewegungen der Erdachse kann der momentane Äquator an einem Ort bis zu ca. 10 Meter vom mittleren Äquator entfernt sein. Die Länge des Äquators beträgt 40076,6 km.
Der Äquator durchquert elf Staaten auf Landgebiet:
- Ecuador (hat seinen Namen auch vom Äquator)
- Kolumbien
- Brasilien
- São Tomé und Príncipe
- Gabun
- Republik Kongo
- Demokratische Republik Kongo
- Uganda
- Kenia
- Somalia
- Indonesien
Daneben durchquert er noch einige Inselgruppen jeweils zwischen den Inseln, läuft aber nicht über deren Landfläche. Dazu gehören die Malediven und mehrere Inselgruppen des Pazifiks.
Vier Hauptstädte liegen fast genau auf dem Äquator:
- Quito (20 km südlich des Äquators)
- Libreville (40 km nördlich des Äquators)
- São Tomé (35 km nördlich des Äquators)
- Kampala (35 km nördlich des Äquators)
Im Koordinatensystem der Erde (analog auch auf Mond- oder Himmels-Globen) zählt die geografische Breite vom Äquator nach Norden positiv, nach Süden negativ. Im englischen Sprachraum wird stattdessen auch N oder S angefügt - z.B. 52°N für Berlin, 52°S für die Falklandinseln. Deutschland ist vom Äquator 47,4 - 54,9° (etwa 5300 bis 6100 km) entfernt.
Entlang des Erdäquators und der Meridiane entspricht eine Bogenminute etwa einer Seemeile, abgekürzt sm (engl. nautical mile, NM). Ihr Wert von 1852 Meter ergibt sich aus dem mittleren Erdradius (6370 km). Auch die ursprüngliche Definition des Meter war an der Länge des Erdäquators bzw. der Meridiane (sollte 40.000.000 Meter entsprechen) ausgerichtet.
Neben dem hier beschriebenen geographischen Äquator gibt es auch den durch die Magnetpole bestimmten magnetischen Äquator.
Aquator
ja:赤道
ms:Garisan Khatulistiwa
th:เส้นศูนย์สูตร
zh-min-nan:Chhiah-tō
Großherzogtum Hessen-Darmstadt
Das Großherzogtum Hessen (auch Hessen-Darmstadt) war von 1871 bis 1919 ein Bundesstaat des Deutschen Reiches.
Flagge
Die Farben der Flagge waren von oben nach unten
# Ein Viertel Rot
# Ein Halb Weiß
# Ein Viertel Rot
Geschichte
Der Staat Hessen-Darmstadt geht auf die Teilung Hessens nach dem Tod Philipp I. im Jahre 1567 zurück. Von den vier Linien Hessen-Darmstadt, Hessen-Kassel, Hessen-Marburg und Hessen-Rheinfels starben die beiden letzten bis 1604 aus. Der Erb- und Konfessionsstreit um Hessen-Marburg brachte Hessen-Darmstadt und Hessen-Kassel in erbitterte, jahrzehntelange Gegnerschaft, die sich ab 1618 mit dem dreißigjährigen Krieg überlagerte. Als Reaktion auf den von Moritz dem Gelehrten (von Hessen-Kassel) an der gesamthessischen Universität Marburg erzwungenen Konfessionswechsel gründete Hessen-Darmstadt 1607 die lutherische Universität Gießen.
Im Jahr 1622 wurde durch Erbteilung Hessen-Homburg aus Hessen-Darmstadt ausgegliedert.
Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 konnte Hessen-Darmstadt einige Gebiete hinzu gewinnen und wurde schließlich 1806 im Zuge der Rheinbund-Gründung zum Großherzogtum erhoben. 1815/16 kamen weitere Gebiete hinzu, unter anderem Worms, Alzey, Bingen und Mainz, das als Rheinhessen bezeichnet wurde. 1815 trat das Großherzogtum Hessen-Darmstadt dem Deutschen Bund bei. Nach der Niederlage im Krieg von 1866 musste Hessen-Darmstadt einige kleinere Gebiete an Preußen abtreten, ebenso die Gebiete des Landgrafentums Hessen-Homburg, die erst zu Beginn des Jahres nach Erlöschen der dortigen Seitenlinie an das Großherzogtum gefallen waren. Für den nördlichen Teil (Oberhessen) wurde es 1866 Mitglied des Norddeutschen Bundes, 1871 wurde es Bundesstaat des neugegründeten Deutschen Reichs.
Während der Märzrevolution 1848 wurde der bekannte Liberale Heinrich von Gagern vorübergehend Ministerpräsident des Großherzogtums. Er vertrat die rheinhessischen Gebiete auch in der Nationalversammlung, deren Präsident er zeitweise war.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde aus dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt der republikanische Volksstaat Hessen.
Landgrafen
- 1518–1567 – Philipp I., der Großmütige
- 1568–1596 – Georg I.
- 1596–1626 – Ludwig V.
- 1626–1661 – Georg II.
- 1661–1678 – Ludwig VI.
- 1678 – Ludwig VII.
- 1678–1739 – Ernst Ludwig
- 1739–1768 – Ludwig VIII.
- 1768–6. April 1790 – Ludwig IX.
- 6. April 1790–6. April 1830 – Ludwig X. (ab 14. August 1806 als Großherzog Ludwig I.)
Großherzöge
- 6. April 1790–6. April 1830 – Großherzog Ludwig I.
- 6. April 1830–16. Juni 1848 – Großherzog Ludwig II.
- 16. Juni 1848–13. Juni 1877 – Großherzog Ludwig III.
- 13. Juni 1877–13. März 1892 – Großherzog Ludwig IV.
- 13. März 1892–Novemberrevolution 1918 – Großherzog Ernst Ludwig
1937 starben bei einem Flugzeugunglück nahe Oostende die Großherzogin Eleonore, Erbgroßherzog Georg Donatus, Erbgroßherzogin Caecilie und deren Kinder Ludwig und Alexander.
Verwaltungsgliederung
Das Großherzogtum besaß drei Provinzen:
- Starkenburg, Sitz: Darmstadt (Rechtsrheinische Gebiete südlich des Mains)
- Rheinhessen, Sitz: Mainz (Linksrheinische Gebiete)
- Oberhessen, Sitz: Gießen (Gebiete nördlich des Mains, vom übrigen Territorium durch das Gebiet der Stadt Frankfurt am Main getrennt)
Zur genaueren Verwaltungsgliederung Hessens siehe Volksstaat Hessen.
Weblinks
- [http://www.deutsche-schutzgebiete.de/grossherzogtum_hessen.htm Das Großherzogtum Hessen 1806–1918]
- [http://www.gonschior.de/weimar/Hessen/index.htm Der Volksstaat Hessen im Überblick]
- [http://www.crwflags.com/fotw/flags/de-he866.html Abbildung der Fahnen Hessen-Darmstadts]
- [http://www.hoeckmann.de/geschichte/darmstadt.htm Geschichte und Karte Hessen Darmstadt 1789]]
Hessen, Großherzogtum
Hessen, Grossherzogtum
Kategorie:Darmstadt
ko:헤센-다름슈타트
Herzogtum Nassau
Das Herzogtum Nassau wurde im Jahre 1806 gegründet und hatte eine wechselvolle Geschichte bis zur Auflösung im Jahre 1866.
Das Heilige Römische Reich deutscher Nation hatte zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach 900 Jahren ein Ende gefunden und neue politische Ordnungen bildeten sich. Die Geografie Europas wurde grundlegend verändert.
Am 17. Juli 1806 traten der Fürst Friedrich August von Nassau-Usingen und sein Vetter Fürst Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg dem Rheinbund bei. Im Gegenzug erhielt dafür Fürst Friedrich August, der Älteste des Hauses Nassau, die Herzogwürde. Beide Fürsten fällten sodann die Entscheidung, ihre beiden Fürstentümer zu einem Herzogtum zu vereinen. Dies wurde am 30. August 1806 vollzogen. Das Herzogtum Nassau wurde allein durch den Willen Kaiser Napoleons ins Leben gerufen, unterstützt und mitgetragen durch die Entscheidung der beiden Fürsten. Dies ohne jegliche Wahlen, Krönungen oder Einbezug der Untertanen. Aus mehr als 20 vorher selbstständigen Teilen und Territorien, säkularisierten und ehemals dem Reich unterstellten Gebieten samt unterschiedlichen Bekenntnissen, Interessen und Hoffnungen wuchs ein gemeinsames Land. Das prosperierende Herzogtum hatte knapp 300 000 Einwohner, zu jeweils gleichen Teilen Lutheraner und Katholiken. Wiesbaden war mit rund 4000 Einwohnern die größte Stadt des Herzogtums, gefolgt von Limburg mit 2700 Bewohnern. Die Untertanen waren zumeist Bauern, Winzer oder Handwerker.
Die Grenzen des neuen Herzogtums Nassau verliefen entlang der Flüsse Main und Rhein bis nördlich an die Lahn. Es umfasste im Wesentlichen das Gebiet zwischen Höchst vor den Toren Frankfurts, Biebrich, Rüdesheim bis zur Lahnmündung, große Teile des Westerwaldes mit den Städten Montabaur, Hachenburg und Marienberg, das Tal der Dill (Herborn, Dillenburg) und das Lahntal (Weilburg, Limburg a.d. Lahn und Diez).
Die neuen Herzöge erließen neue Gesetze wie zum Beispiel die Aufhebung der Leibeigenschaft (1806), die Einführung der Reise- und Niederlassungsfreiheit (1810) und eine grundlegende Steuerreform (1812). Entehrende Körperstrafen wurden aufgehoben und die Kulturverordnung förderte die eigenverantwortliche Verfügung über Grund und Boden.
Mit Gründung des Herzogtums 1806 gab es auch ein einheitliches nassauisches Heer. Es wurde von Napoleon, dem "Paten" des neuen Herzogtums, nach Belieben eingesetzt. Zunächst waren die Nassauer zum Beispiel Besatzungstruppen in Berlin (1806). Zwei Regimenter Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie mussten für Napoleon in Spanien mehr als fünf Jahre kämpfen - es kam nur die Hälfte der eingesetzten Nassauer zurück.
Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Nassau Mitgliedsstaat des Deutschen Bundes.
Nachdem sich das Herzogtum Nassau im Deutschen Krieg an die Seite Österreichs gestellt hatte, war es mit der Souveränität des Herzogtums Nassau vorbei. Es wurde 1866 von Preußen annektiert. Daran konnte auch der Sieg Nassaus über Preußen am 12. Juli 1866 vor den Toren Nastättens, in der Nähe von Wiesbaden, in der "Schlacht bei Zorn" nichts ändern, denn es handelte sich - für damalige Zeiten - nur um ein für den Kriegsverlauf unerhebliches Scharmützel.
Nassau wurde 1868 mit den ebenfalls von Preußen annektierten Bundesstaaten Freie Stadt Frankfurt und Kurfürstentum Hessen zur preußischen Provinz Hessen-Nassau zusammengefasst. Provinzhauptstadt wurde die bisherige kurhessische Residenzstadt Kassel. Nassau und Frankfurt bildeten den Regierungsbezirk Wiesbaden.
Das Haus Nassau regiert heute noch im Königreich der Niederlande (Oranien-Nassau) und im Großherzogtum Luxemburg (Nassau-Weilburg).
Siehe auch Nassauische Staatsbahn
Nassau
Kategorie:Wiesbaden
Nassau
Großherzogtum Baden
Das Land Baden war von 1806 bis 1945 ein deutscher Staat. Der Name Baden wird bis heute für die vom Land Baden eingenommene Region im Südwesten Deutschlands verwendet. Im Mittelalter herrschten hier verschiedene Adelsgeschlechter, deren Fürsten- und Herzogtümer zwar häufig "Baden" im Namen führten, jedoch unterschiedliche Regionen umfassten. Das in der Napoleonischen Zeit Anfang des 19. Jahrhunderts geformte Großherzogtum Baden wurde mit Gründung des Deutschen Reichs 1871 zum Bundesstaat, dessen Grenzen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestehen blieben.
Von 1947 bis 1952 bestand ebenfalls ein Land "Baden", das aber nur aus der Südhälfte des historischen Badens bestand. Siehe hierzu Baden (Südbaden).
Nordbaden war in dieser Zeit Teil von Württemberg-Baden.
1952 gingen Südbaden und Württemberg-Baden (Nordbaden) im neuen Bundesland Baden-Württemberg auf.
Geographische Lage
Baden liegt im Südwesten Deutschlands. Zentrale Landschaft Badens mit den meisten großen Städten ist die Oberrheinische Tiefebene. Im Westen und Süden vom Rhein und Bodensee begrenzt, erstreckt sich das Land rechtsrheinisch von Konstanz über Lörrach, Freiburg und Karlsruhe bis zur größten Stadt Mannheim, mit einer Fortsetzung bis an den Main bei Wertheim. Es grenzt an das französische (vor Ende des 17. Jhd. und 1871 bis 1918 deutsche) Elsass im Westen, an die Schweiz im Süden, die Pfalz im Nordwesten, Hessen und Bayern im Nordosten. Die östliche Grenze nach Württemberg verlief auf den Höhen des Schwarzwalds; von da bis zum Rhein war Baden in der Mitte teilweise nur 30 km breit.
Städte und Regionen
Karlsruhe, die Hauptstadt Badens, war ab 1715 Residenz, zunächst der Markgrafen von Baden-Durlach und später der Großherzöge von Baden, sowie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Hauptstadt des 1918 gegründeten Freistaats beziehungsweise der Demokratischen Republik Baden.
Großstädte auf badischem Gebiet sind (von Nord nach Süd): Mannheim, Heidelberg, Karlsruhe, Pforzheim und Freiburg im Breisgau.
Größere Mittelstädte in Baden sind (von Nord nach Süd): Rastatt, Baden-Baden, Offenburg, Villingen-Schwenningen (badisch jedoch nur der Stadtteil Villingen) und Konstanz.
Landschaften in Baden:
- Rheinebene
- Bodensee
- Hegau
- Hochrhein
- Kurpfalz
- Schwarzwald
- Baar
- Ortenau
- Breisgau
- Kaiserstuhl
- Markgräflerland
- Odenwald
- Bauland (Landschaft)
- Kraichgau
Geschichte
Kraichgau
Der Name stammt von den Markgrafen von Baden, einer im 12. Jahrhundert etablierten Seitenlinie der Herzöge von Zähringen. Hermann II. war der erste Zähringer, der sich, nach dem neuen Stammsitz, der Burg Hohenbaden hoch über den Thermalbädern der damaligen Stadt Baden (heute Baden-Baden), Markgraf von Baden nannte. Herrschaftsgebiete der badischen Markgrafschaften waren Baden-Durlach (bei Karlsruhe), Baden-Baden, Baden-Hachberg bei Emmendingen sowie Sausenburg-Rötteln bei Lörrach. Letztere Herrschaft bestand aus Besitzungen zwischen Lörrach bis südlich von Freiburg und ist heute als Markgräflerland bekannt.
Von 1535 bis 1771 war die Herrschaft in die Linien Baden-Durlach (evangelisch) und Baden-Baden (katholisch) geteilt.
Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, der so genannte "Türkenlouis" (1677 bis 1707), machte Rastatt zu seiner Residenz, Karl III. Wilhelm von Baden-Durlach das 1715 erbaute Karlsruhe. Karl Friedrich von Baden-Durlach erbte 1771 die Besitzungen der erloschenen Linie Baden-Baden.
Unter der Protektion Napoleons entstand in den Jahren 1803 (Karl Friedrich wird Kurfürst) und 1806 (Karl Friedrich wird Großherzog) aus vielen kleinen Fürstentümern, geistlichen Gebieten und Reichsstädten das neue badische Staatsgebiet, welches mindestens die fünffache Fläche des ursprünglichen hatte.
Hinzu kamen:
- große Teile von Vorderösterreich, namentlich der Breisgau (mit Freiburg im Breisgau), außerdem die Stadt Konstanz, Teile des Hochrheins und die Gebiete um Stockach am Bodensee
- die rechtsrheinische Kurpfalz (mit Mannheim und Heidelberg)
- das kurz zuvor errichtete Fürstentum Leiningen
- der rechtsrheinischen Besitz der Bistümer Konstanz, Basel, Straßburg und Speyer
- Das fürstenbergische Territorium
- die Reichsstädte der Ortenau (Offenburg, Gengenbach, Zell am Harmersbach) und Überlingen
- die württembergischen Exklaven im Mittleren Schwarzwald.
- die Landgrafschaft Klettgau
Auf diesem Weg kam Baden, das bis dahin keine eigene höhere Bildungsstätte verfügte, auch in den Besitz der beiden Universitäten in Freiburg im Breisgau und Heidelberg.
Heidelberg
Im 19. Jahrhundert konnten sich in Baden Demokratie und Parlamentarismus freier entwickeln als anderswo. 1818 erhielt das Großherzogtum auch eine liberale Verfassung.
1845 gab es einen Hofskandal um die Geschichte von Kaspar Hauser.
In den Jahren 1848 und 1849 kam es neben anderen Staaten des Deutschen Bundes auch in Baden zur Badischen Revolution (Märzrevolution).
Von 1851 bis 1871 gab das Land Baden eigene Briefmarken aus (siehe: Badner Postgeschichte).
1871 trat Baden dem Deutschen Reich bei, war eine Hochburg der Liberalen und der Zentrumspartei und wurde 1918 nach der erzwungenen gewaltfreien Abdankung des letzten Großherzogs Republik. Es blieb in seinen Grenzen, trotz württembergischer Versuche im Dritten Reich die Vereinigung herbeizuführen, bis zum Ende des 2. Weltkriegs unverändert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Baden durch eine Besatzungsgrenze geteilt.
- Nordbaden (mit dem Landkreis Karlsruhe als südlichstem Gebiet) bildete mit Nordwürttemberg das Land Württemberg-Baden (Hauptstadt Stuttgart) in der US-amerikanischen Zone.
- Südbaden (mit dem Landkreis Rastatt als nördlichstem Gebiet) bildete das Land Baden mit der Hauptstadt Freiburg im Breisgau und war Teil der französischen Besatzungszone. Ministerpräsident dieses Landes war Leo Wohleb.
1952 schlossen sich die Länder Württemberg-Baden und Baden mit dem Land Württemberg-Hohenzollern zum heutigen Bundesland Baden-Württemberg zusammen. In Mittel- und Südbaden gab es viele Gegner des Zusammenschlusses. Diese plädierten für ein eigenständiges Bundesland Baden auf dem Vorkriegsterritorium. "Vom See bis an den Maines Strand die Stimme dir mein Badnerland", war auf den Wahlplakaten von 1951 zu lesen. Jedoch unterlagen die Befürworter des selbstständigen Badens bei der Volksabstimmung. Zwar votierten 53% aller Stimmberechtigten im Vorkriegsbaden für die Wiederherstellung des Landes Baden; entscheidend war jedoch das Abstimmungsverhalten des bevölkerungsreichen Nordbadens, wo 57% für den Südweststaat votierten. Für die Vereinigung stimmte auch die Bevölkerung im Landesbezirk (Nord-)Württemberg und in Württemberg-Hohenzollern. Durch die Mehrheiten in drei von vier Teilgebieten wurde die Vereinigung zum "Südweststaat" beschlossen.
Kritiker dieser Volksabstimmung weisen darauf hin, dass das Abstimmungsverhalten der Nordbadener nicht nur politisch motiviert war: Ein Bundesland Baden wäre in jedem Fall vollständig französische Besatzungszone geworden; Nordbaden empfand die amerikanische Besatzung jedoch als weit aus angenehmer als Südbaden die französische, von der aus häufig von Vergewaltigungen berichtet wurde und der die Franzosen unmittelbar nach Kriegsende sogar einen Großteil der Ernte entzogen hatten. Von den Befürwortern des Zusammenschlusses unter den badischen Politikern wurde mit den wirtschaftlichen Vorteilen, die eine Vereinigung bringen würde, argumentiert; Baden war seit 1918 durch seine Grenzlage in Deutschland und seine verkehrsungünstigen Grenzen wirtschaftlich sehr geschwächt worden, der Handel mit Württemberg sollte gesteigert und vereinfacht werden. Das 1951 neu gegründete Bundesverfassungsgericht, das seinen Sitz in der ehemaligen badischen Residenzstadt Karlsruhe hat, konnte sich bei Stimmengleichheit nicht auf eine Haltung gegen die Modalitäten der Volksabstimmung (Mehrheit in drei von vier Abstimmungsbezirken) festlegen. 1956 entschied es aber aufgrund einer Klage des Heimatbund Baden, dass die badische Bevölkerung nochmals abstimmen dürfe, denn ihr Wille bei Abstimmung in 1951 sei durch die Trennung des Landes Baden nach 1945 "überspielt" worden.
Erst 1970 kam es aufgrund jener Klage nochmals zu einer Volksabstimmung, an der sich diesmal die Württemberger nicht beteiligen durften. Den Zeitläufen entsprechend waren wenige für die Wiederherstellung eines historisches Land zu begeistern, die überwältigende Mehrheit (82%) der Bevölkerung von Baden stimmte für den Verbleib in Baden-Württemberg. Damit wurde das Faktische abgesegnet, allerdings war die Verzögerung der Abstimmung bewusst gewählt worden, um die Badener durch wirtschaftliche Erfolge vom Sinn des Zusammenschlusses zu überzeugen.
Die 1952 gebildeten Regierungsbezirke Nordbaden und Südbaden griffen die Grenzen des alten Landes Baden wieder auf: Im Norden an Bayern grenzend, im Süden am Bodensee nur 30km entfernt von Bayern und in der Mitte teilweise nur 30 km schmal, fasste die Ostgrenze des Landes das Territorium von Württemberg sichelartig ein. Mit der Kreisreform, die zum 1. Januar 1973 vollzogen wurde, wurden die historischen Grenzen der Regierungsbezirke aufgehoben und und Namen der Landesteile verschwanden. Die Gebiete aller vier Regierungsbezirke: Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen wurden hauptsächlich nach geografischer Zweckmäßigkeit abgegrenzt. Dabei verschwanden die alten Grenzen auf Verwaltungsebene endgültig: der ehedem württembergische Teil des Schwarzwalds gehört seitdem zu den Regierungsbezirken in Karlsruhe beziehungsweise Freiburg, und ehemals badische Kreise zu Stuttgart bzw. Tübingen.
Doch spiegeln sich die alten Grenzen des Landes Baden heute noch darin wieder, dass es einen eigenständigen Badischen Sportbund und eine eigenständige Evangelische Landeskirche in Baden gibt. Auch in der Organisation der Justiz haben sich die alten Grenzen erhalten. Manche Medien orientieren sich noch immer an den alten Grenzen von Baden und Württemberg: Zum Beispiel veranstaltet der SWR Hörfunk Regionalprogramme wie "Baden Radio" oder "Radio Südbaden" und der Südkurier erscheint im Landkreis Tuttlingen nur für die badischen Städte und Gemeinden.
Ungebrochen ist das besonders im Süden vorherrschende Bewusstsein, mit dem sich die Menschen als Badener bezeichnen - oft schon allein, um sich von der Landesregierung im württembergischen Stuttgart abzugrenzen. Dazu eignet sich zum Beispiel das Badnerlied hervorragend.
Bis heute sieht man gerade in Südbaden viele badische Flaggen, und auch der badische Wein trägt die Identität des Landes fort.
Die mit einer Identitätsbildung einhergehende Abgrenzung erfolgt bevorzugt gegenüber Schwaben und Pfälzern. Von diesen werden die Bewohner der Region manchmal auch als Badenser bezeichnet. Diese Bezeichnung wird, obwohl sie gemäß Duden eine zulässige Bezeichnung der badischen Bevölkerung ist, heutzutage eher abwertend empfunden.
Verwaltungsgliederung
Siehe Verwaltungsgliederung Badens
Politik
Staatsoberhäupter
Die Staatsoberhäupter (Markgrafen, Kurfürsten und Großherzöge) von Baden von 1738 bis zum Ende des ersten Weltkriegs 1918 waren:
- 12. Mai 1738 - 10. Juni 1811: Karl Friedrich ( - 1728 - † 1811) Markgraf, ab 5. Mai 1803 Kurfürst, ab 5. Mai 1806 Großherzog
- 10. Juni 1811 - 8. Dezember 1818: Carl Ludwig Friedrich ( - 1786 - † 1818), Großherzog
- 8. Dezember 1818 - 30. März 1830: Ludwig I. ( - 1763 - † 1830), Großherzog
- 30. März 1830 - 24. April 1852: Leopold ( - 1790 - † 1852), Großherzog
- 5. September 1858 - 28. September 1907: Friedrich I. ( - 1826 - † 1907), Großherzog (seit 1852 bereits Regent)
- 28. September 1907 - 14. November 1918: Friedrich II. ( - 1857 - † 1928), Großherzog
Regierungschefs
Regierungschefs beziehungsweise Staatsminister des Großherzogtums waren:
- 1820 bis 1831: Wilhelm Ludwig Leopold Reinhard Freiherr von Berstett ( - 1769 - † 1837)
- 1832 bis 1842: Sigismund Freiherr von Reitzenstein ( - 1766 - † 1847)
- 1844 bis 1846: Christian Friedrich von Boeckh ( - 1777 - † 1855)
- Amt zwischen 1846 - 1861 aufgehoben
- 1861 bis 1866: Anton von Stabel ( - 1806 - † 1880)
- 1866 bis 1868: Karl Mathy ( - 1807 - † 1868)
- 1868 bis 1876: Julius Jolly ( - 1823 - † 1891)
- 1876 bis 1893: Ludwig Karl Friedrich Turban ( - < | | |