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Frühe NeuzeitDer Begriff Frühe Neuzeit bezeichnet in der Geschichte Europas üblicherweise die Epoche zwischen dem Spätmittelalter und der Französischen Revolution.
Das Problem der Epocheneinteilung
Jede Periodisierung in der Geschichtswissenschaft ist ein nachträgliches Konstrukt, das dem wissenschaftlichen Interesse entspringt, einen Forschungsgegenstand einzugrenzen und zu klassifizieren. Sie kann daher nur eine Annäherung an die historische Wirklichkeit sein. Auch die Übergänge vom Mittelalter zur frühen Neuzeit einerseits und von dieser zur Moderne andererseits lassen sich nicht an einzelnen Jahreszahlen festmachen. Die Epochengrenzen sind vielmehr von Land zu Land und von Kulturkreis zu Kulturkreis fließend. Epochale Wandlungen sind stets Entwicklungen von langer Dauer - seien sie gesellschaftlicher, politischer oder wirtschaftlicher Natur.
Beginn der Frühen Neuzeit
Der geistig-kulturelle Aufbruch der Renaissance und des Humanismus, die Entdeckungsfahrten der Portugiesen und Spanier seit Anfang des 15. Jahrhunderts, die das Bild von der Erde für immer veränderten, und die Reformation, die nach 1517 die mittelalterliche Einheit der Kirche zerstörte - diese drei miteinander zusammenhängenden Entwicklungen markieren in der europäischen Geschichtswissenschaft für gewöhnlich den Beginn der frühen Neuzeit.
Im Allgemeinen gelten Renaissance und Humanismus, die Wiederentdeckung der Antike, ihrer Kunst und ihrer Philosophie als Anfang einer Zeitenwende. Mit ihr verbreitete sich ein neues Menschenbild in Europa, in dessen Mittelpunkt das selbstbestimmte Individuum und seine Fähigkeiten standen. In Philosophie, Literatur, Malerei, Bildhauerei, Baukunst und allen anderen kulturellen Bereichen orientierten sich die Menschen wieder an den Formen und Inhalten der Antike.
Am frühesten lässt sich diese Entwicklung in Italien feststellen, wo sie bereits im 14. Jahrhundert einsetzte, im 15. Jahrhundert in Florenz zu einer ersten kulturellen Hochblüte gelangte und von wo aus sie sich bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts in ganz Europa verbreitete. Seine Vorreiterrolle verdankte Italien nicht zuletzt der Aufnahme einer großen Zahl griechischer Gelehrter aus Konstantinopel, das 1453 von den Osmanen erobert worden war. Diese Gelehrten brachten längst verschollen geglaubtes Bildungsgut der Antike mit ins Abendland. Zur gleichen Zeit erfuhr die Verbreitung von Wissen eine ungeheure Beschleunigung durch Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern.
Die gleiche Erfindung wiederum verhalf einem Ereignis zum Durchbruch, das insbesondere in Deutschland mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Neuzeit gleichgesetzt wird: der Reformation. Martin Luther gründete seine 95 Thesen, die er 1517 veröffentlichte, auf ein genaues Quellenstudium der Heiligen Schrift in Griechisch und Hebräisch, also auf Kenntnissen, die auf den Vorarbeiten der Humanisten des vorherigen Jahrhunderts beruhten.
Luther verteidigte seine Thesen 1521 auf dem Wormser Reichstag vor Kaiser Karl V., der ein Reich regierte, „in dem die Sonne nicht unterging“. Denn zu diesem Reich gehörten auch die spanischen Besitzungen in der so genannten Neuen Welt, die Christoph Kolumbus 1492 entdeckt hatte, im selben Jahr, in dem mit der Eroberung Granadas die Reconquista zu Ende gegangen war. Der erste Anstoß zum Zeitalter der Entdeckungen war aus Portugal gekommen: Im Auftrag des Prinzen Heinrichs des Seefahrers wurden seit 1415 Expeditionen ausgesandt, um einen Seeweg nach Indien zu finden. Dies gelang Vasco da Gama 1498. Die Entdeckungen der Portugiesen und der Spanier erweiterten nicht nur das Weltbild des mittelalterlichen Menschen, sondern hatten auch die Europäische Expansion über die gesamte bekannte Erde zur Folge.
Ende der Frühen Neuzeit
Das Ende der Epoche und der Beginn der Moderne wird in der Geschichtswissenschaft weitgehend übereinstimmend mit der Französischen Revolution angesetzt, die 1789 begann. Auch sie war die Folge einer vorangegangenen, geistigen Bewegung, der Aufklärung, die schon die Amerikanische Unabhängigkeitsbewegung von 1776 beflügelt hatte. Aufgrund der Ereignise von 1789 brach das Ancien Regime zunächst in Frankreich und infolge der Revolutionskriege fast in ganz Europa zusammen.
In Deutschland endet die Frühe Neuzeit 1806 mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Auch wenn die alten Regime nach der Niederlage Napoléon Bonapartes 1814/15 noch einmal restauriert wurden, hatte sich Europa als Folge der Revolution in Frankreich grundlegend gewandelt.
Epochen innerhalb der Frühen Neuzeit
Je nach Betrachtungsweise unterteilt man die Frühen Neuzeit wiederum in folgende Zeitabschnitte:
- Anbruch der Renaissance (ca. 1350-1450)
- Zeitalter der Entdeckungen (1415-1531)
- Zeitalter der Reformation und der Glaubensspaltung (1517-1648) (Konfessionalisierung)
- Zeit des Absolutismus und der Aufklärung (ca. 1650-1789)
- Französische Revolution (1789-1815)
Erscheinungsformen
Allgemeine Politik
In politischer Hinsicht wirkt die Auseinandersetzung zwischen Protestantismus und Katholizismus für die Frühe Neuzeit prägend, die im dreißigjährigen Krieg mündet. Die politische Seite ist eine Wesentliche, die man unter dem Begriff Konfessionalisierung einordnet. Insgesamt ist das ein tief greifender Wandel, der alle Lebensbereiche der frühneuzeitlichen Gesellschaft umfasst. Man begreift das auch als einen Modernisierungsprozess. Wir haben einen neuen Typus eines Staates zumindest im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Der frühneuzeitliche Staat ist ein Territorialstaat mit einem Territorialherrn. Dieser unterscheidet sich von den mittelalterlichen Gebilden dadurch, dass der Grundherr sich ausschließlich als Lehnsherr oder Vasall des Monarchen sieht, während der Territorialherr als ein Souverain seines Landes auftritt. Insgesamt haben wir mit dem Prozess der Konfessionsbildung den der Modernisierung zu sehen. Die hierbei auftretenden Kämpfe bringen eine Neuordnung in Europa, die sowohl Altgläubigen wie auch Protestanten als gleichberechtigte Religionsgemeinschaften anerkennt. Die absolute Vormachtstellung des katholischen Spaniens wird schrittweise zurückgedrängt. Die prägende Staatsform der Frühen Neuzeit ist der Absolutismus, die auch mit dem Aufkommen einer neuen Wirtschaftsform, dem Merkantilismus einhergeht. Der Absolutismus äußert sich hauptsächlich im Selbstverständnis des Monarchen gegenüber seinen Untertanen. Dieses Selbstverständnis wandelt sich. König Ludwig XIV. von Frankreich, genannt auch der Sonnenkönig vertritt die Ansicht, "Der Staat bin ich." König Friedrich II. von Preußen als Vertreter des "aufgeklärten Absolutismus" versteht sich hingegen als den "obersten Diener des Staates." In die Frühe Neuzeit (und nicht etwa ins Mittelalter) fällt auch die Zeit der großen Hexenverfolgung. Zum Ende dieser Epoche kommen Prozesse der Demokratisierung der Gesellschaft zum Durchbruch. Das äußert sich am markantesten im Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg und in der Französischen Revolution, die beide zu demokratischen Neuordnungen der Gesellschaft führen. Das äußert sich an einem neuen Staatsaufbau, bei dem der Adel seine politische Führungsrolle verliert, wie auch einer auf einer demokratischen Verfassung basierenden Rechtsordnung.
Wirtschaftliche Entwicklung
Aus wirtschaftlicher Perspektive markierte dieses Zeitalter das Ende des Feudalismus, einer Wirtschaftsform, die auf dem Grundbesitz, besser gesagt der Grundherrschaft des Grundherrn als Lehnsherr oder Vasall des Monarchen und deren Besitz leibeigener Bauern beruhte. Weiterhin bedeutet es das Ende des bisherigen Zunft- und Ständewesens in den mittelalterlichen Städten. Die Expansion durch eine verstärkte Seefahrt und der damit verbundenen Entdeckungen führte zu neuen wirtschaftlichen Strukturen im Welthandel. Es wurde ersetzt von einem aufkeimenden Kolonialismus und Überseehandel durch die Großmächte Spanien, Portugal, Niederlande, Großbritannien und Frankreich und die Entwicklung der Manufaktur. Diese Entwicklungen legten das Fundament für Industrialisierung und Kapitalismus. Auch den Silberbergbau haben wir nicht zu vergessen. Die Entdeckungen der Silbervorkommen in der "Neuen Welt" führten zum Rückgang der traditionellen Zinn- und Silberförderung im sächsischen und böhmischen Erzgebirge bis zum schließlichen Abbruch dieser Förderung. Der Absolutismus brachte eine neue Wirtschaftform, die des Merkantilismus mit sich. Der auf dem Handel basierende Kapitalgewinn gibt diesem System seinen Namen, weil der absolutistische Staat in seinen Außenbeziehungen nach kaufmännischen Gesichtspunkten verfuhr. Es gibt hierfür auch die Bezeichnung Frühkapitalismus.
Eine wesentliche Veränderung hinsichtlich der Industrialisierung brachte die Erfindung der ersten voll funktionsfähigen Dampfmaschine durch James Watt im 18. Jahrhundert mit sich. Dem gingen die Dampfmaschinenkonstruktionen voraus, die bei weitem weniger effizient waren wie zum Beispiel die von Thomas Newcomen. Diese führte nicht nur zu einer Revolutionierung der Produktionsverhältnisse, insbesondere in der Eisenindustrie, sondern auch der Verkehrsinfrastruktur durch die Einführung der Eisenbahn durch George Stephenson, deren Beginn in England in das Jahr 1825 fällt. Dem gingen allerdings auch Versuche der Konstruktion einer Dampflokomotive durch Richard Trevithick im Jahre 1804 voran, die allerdings nicht an der Lokomotiventechnologie, sondern an dem Schienenmaterial scheiterten. In gewisser Weise läutet die Erfindung der Eisenbahn das Ende der Frühen Neuzeit ein.
Wissenschaft
Neben diesen Entwicklungen in der allgemeinen Politik haben wir die Fortschritte in der Wissenschaft zu sehen, welche unzweifelhaft einen wesentlichen Unterschied zu den vorangehenden Epochen markieren und somit ebenso für diese Epoche charakteristisch sind. Die Entdeckungen der spanischen und portugiesischen Seefahrer Christoph Kolumbus, Amerigo Vespucci, der dem Kontinent Amerika seinen Namen gab, Ferdinand Magellan, Vasco da Gama oder Bartolomëu Diaz erweiterten das seit der Antike bestehende Weltbild, das (von einzelnen, kaum rezipierten Entdeckungen wie denen der Wikinger in Amerika abgesehen) lediglich Europa, Afrika nördlich der Sahara und Teile Asiens umfasste. Die Folge war ein Aufschwung in der Kartographie u.a. durch Martin Behaim, der schon 1492 den ersten Erdglobus geschaffen hatte (natürlich noch ohne Amerika) und Gerhard Mercator. Nach ihm benannt wurde auch die Mercator-Projektion, eine winkeltreue Kartenprojektion.
Die Neuentdeckungen legten den Grundstein für den Aufbau des spanischen und portugiesischen Weltreiches und nach deren Niedergang im Laufe des 17. Jahrhunderts den für den Aufbau des englischen, niederländischen und französischen Kolonialsystems. Auch die Weltreisen von James Cook dürfen hier genannt werden. Auch sie haben uns wesentliche Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Erde gegeben. Zu Cooks Ehre gereicht es auch einen Weg gefunden zu haben, um einer damals gefürchteten Seefahrerkrankheit, dem Skorbut, wirksam zu begegnen.
In dieses Zeitalter, welches auch Zeitalter der Entdeckungen genannt wird, gehören die Astronomen Tycho Brahe, Nikolaus Kopernikus und Johannes Kepler, Galileo Galilei und Isaac Newton. Sie sorgten dafür, dass das geozentrische Weltbild oder Ptolemäische Weltbild durch ein heliozentrisches Weltbild abgelöst wurde. Dieses System wurde letzten Endes auch durch Newtons Gravitationstheorie abgestützt.
Auch die Medizin macht in dieser Zeit große Fortschritte. Zu den wichtigsten Vertretern gehörten zu ihrer Zeit Paracelsus, einem Vorläufer der Pharmazie bzw. Bartolomeo Eustachi, einer der Mitbegründer der Wissenschaft der Anatomie.
Philosophie
Zu den bedeutendsten Philosophen des 16. und 17. Jahrhundert zählen Spinoza, Michel Montaigne, René Descartes, John Locke, Francis Bacon und Thomas Hobbes. In die Zeit des 18. Jahrhunderts fällt die philosophische Auseinandersetzung der Aufklärung, die mit der großen Enzyklopädie letzten Endes die Revolution in Amerika und Frankreich vorbereitet. Entscheidend hierfür wird das aufklärerisch geprägte Menschenbild, das in der Losung der Französischen Revolution seinen prägnantesten Ausdruck findet Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Hinsichtlich der Frühaufklärung denkt man zunächst an Denis Diderot und Voltaire, Montesquieu, Jean Baptiste le Rond d'Alembert oder Jean Jacques Rousseau und damit eher an die Moralisten. Auch die Lehre vom Gesellschaftsvertrag von Rousseau ist eine Frucht dieser Philosophie. Schon hier beginnt sich Kritik am Absolutismus zu formieren. Auch denkt man sicher an die Vernunftphilosophie von Immanuel Kant. Die ersten, die eine Geschichtsphilosophie entwickeln, sind die Vertreter des deutschen Idealismus Johann Gottfried Herder und Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling. Ein weiterer wichtiger Vertreter des deutschen Idealismus ist Johann Gottlieb Fichte. Auch Fichte veröffentlicht zur Lehre vom Gesellschaftsvertrag. Unverkennbar ist Rousseau hierfür Vorbild, dessen Philosophie auf der Volkssouveränität und dem Naturrecht beruht. Fichte und Schelling vertreten auch eine Naturphilosophie. Nicht zu vergessen ist hierbei auch Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Dieser ist mit seiner Geschichtsphilosophie ebenfalls einer der Wegweiser des 19. Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert haben wir auch eine philosophische Ausrichtung zu einem Rationalismus zu verzeichnen, der besonders der englischen Nationalökonomie verpflichtet ist. Zu diesen Vertretern zählen David Hume, auf dem nicht wenig die Philosophie von Immanuel Kant beruht. Auch haben wir hier Adam Smith zu zählen als dem Begründer der Nationalökonomie.
Im 18. Jahrhundert haben wir erstmals eine wissenschaftlich fundierte Beschäftigung mit der Geschichte der Kunst des griechischen Altertums durch Johann Joachim Winckelmann. Auf ihn geht letztendlich die gesamte moderne Klassische Altertumswissenschaft zurück. Auch für das Menschenbild dieser Zeit, die man auch mit dem Stichwort "Neuhumanismus" umschreiben könnte, ist Winckelmann von Bedeutung. Es ist nicht von ungefähr auch an den so genannten Laokoonstreit zwischen Johann Gottfried Herder und Gotthold Ephraim Lessing zu denken.
In Ostasien war die Frühe Neuzeit geprägt durch erste Kontakte mit dem Westen, wenn wir von den früheren Reisen des berühmten Venetianers Marco Polo einmal absehen, deren Authentizität bis heute nicht völlig geklärt ist, einen Niedergang des Buddhismus und ein Wiedererstarken des Konfuzianismus.
Kunst
Die Kunst allgemein ist ein Spiegelbild des Zeitgeschmacks, des Menschenbildes, der allgemeinen Zustände in der Gesellschaft und des Staates und eines dementsprechenden Gesellschaftsverständnisses. Wie die oben stehenden Absätze erkennen lassen, sind diese Bedingungen auch in dieser Zeit Wandlungsprozessen unterworfen.
Die vorherrschenden Kunststile dieser Epoche vornehmlich in Europa sind Renaissance und in einer Spätform Manierismus, Barock und Rokoko. Diese sind im Wesentlichen in allen Kunstgattungen vertreten. Zu den bedeutendsten Künstlern dieser Zeit zählen Michelangelo, Tizian, der mehrfach Kaiser Karl V. porträtierte, Sandro Botticelli, Albrecht Dürer, Rembrandt und Peter Paul Rubens.
Nebst den Kunststilen dieser Epoche prägte sich in dieser Zeit verstärkt auch ein gewinnorientierter Kunstbetrieb aus. So hatte z. B. bereits Lucas Cranach eine Werkstatt, in der er keineswegs allein beschäftigt war. Hierbei hat man weiterhin zu unterscheiden zwischen Werkstätten, die vorrangig oder zumindest mit hohem Anteil Auftragsarbeiten von staatlichen (also Höfen) oder kirchlichen Institutionen oder Personen ausführten, und solchen Werkstätten, welche ausschließlich auf private Auftraggeber angewiesen waren.
Auch in dieser Zeit gab es eine außereuropäische Kunst. Dazu zählt die Kunst der indianischen Hochkulturen, die erst mit der Landung von Hernando Cortez und Francisco Pizarro unterging. Einige bedeutende Reste davon sind noch vorhanden. Das betrifft besonders die Kunst und Kultur der Inka, der Maya und der Azteken.
Literatur
Was für die Kunst gilt hinsichtlich des Zeitgeschmacks, des Menschenbildes, der allgemeinen Zustände in der Gesellschaft und des Staates und eines dementsprechenden Gesellschaftsverständnisses, trifft ebenso für die Literatur zu. Namentlich in der Aufklärungszeit gilt das ganz besonders, wo die Literatur enge Verbindungen zur Philosophie hat. Wichtige Vertreter der französischen Aufklärungsliteratur sind Voltaire oder Diderot. Zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Literatur gehören für das 18. und beginnende 19. Jahrhundert Georg Christoph Lichtenberg, Gotthold Ephraim Lessing, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Gottlieb Klopstock, Friedrich Schiller, Christoph Martin Wieland, Heinrich von Kleist, Novalis, Johann Gottfried Herder. Die Zeit von Goethe, Schiller und Herder bezeichnet man als den Sturm und Drang. Wenn hier von Lessing, Goethe und Schiller geredet wird, darf der Hinweis nicht fehlen, dass sie auch eine Reihe Theaterstücke schreiben. Sie nehmen auch aktiven Anteil am zeitgenössischen Theater selbst.
Auch die Reformationszeit und die Zeit der Glaubenskämpfe hat ihre typische Literatursprache. Sie erschöpft sich keineswegs nur mit Luther und seiner Bibelübersetzung. Fraglos hat Luther mit weiteren Werken hierzu einen wichtigen Beitrag beleistet. Gerade in dieser Zeit ist sie häufig sehr polemisch. So gibt es reformatorische und auch antilutherische Literatur. Häufig hat sie publizistischen Charakter und so kommen sie als kurze Stücke als Flugschriften vor. Man spricht auch von so genannter Flugschriftenliteratur. Zu wichtigen Vertretern dieser Zeit gehören unter anderem Hans Sachs oder auch Sebastian Brant. In die Zeit des Dreißigjährigen Krieges gehört Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen und sein Abenteuerlicher Simplicissimus.
Musik
Da die Musik eine Kunstgattung ist, trifft hinsichtlich der Auffassungen zum Menschenbild und dem der Gesellschaft dasselbe zu, was zur Kunst und Literatur bereits gesagt ist.
Wir wissen auch in der Reformationszeit von Kirchenliedern, die Martin Luther geschrieben hat. Die Noten sind erhalten geblieben. Die Zeit des Barocks, des Rokoko und der Aufklärung bringt Musiker und Komponisten hervor, die in der klassischen Musik nicht wegzudenken sind. Zu denen zählen Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Ludwig van Beethoven.
Gerade für die gesellschaftliche Kultur an den Höfen zur Zeit der Aufklärung ist die Musik ein wichtiger Bestandteil. Zumindest von Kaiser Leopold II. (HRR) und König Friedrich II. (Preußen) ist bekannt, dass sie selbst musizieren und zum Teil auch komponieren. In diesem Zusammenhang zu erwähnen sind höfische Gesellschaftstänze, für die entsprechende Musikstücke wie das Menuett komponiert werden. Dieses allerdings gibt es bereits seit dem 17. Jahrhundert. Gesellschaftstänze insgesamt gibt es seit dem 14. Jahrhundert.
Bekannte Musikinstrumente dieser Zeit sind unter anderem das Virginal, die Querflöte, die Violine, das Cembalo und das Spinett. Zu den bekanntesten Musikinstrumentenbauern dieser Zeit gehören Johann Gottfried Silbermann, Antonio Stradivari und Nicola Amati, der wiederum Stradivaris Lehrmeister ist.
Literatur
- Aretin, Karl Otmar von, Das Reich: Friedensgarantie u. europ. Gleichgewicht 1648–1806, Stuttgart 1986
- Blickle, Peter: Die Reformation im Reich, Stuttgart 1982
- Duchardt, Heinz: Das Zeitalter des Absolutismus, 3. überarb. Aufl., München 1998, ISBN 3-486-49743-X
- Dülmen, Richard van: Die Entdeckung des Individuums, Frankfurt am Main 1997
- Dülmen, Richard van: Die Gesellschaft der Aufklärer, Frankfurt am Main 1996
- Dülmen, Richard van: Gesellschaft der Frühen Neuzeit, Wien 1993
- Emich, Birgit, Territoriale Integration in der Frühen Neuzeit. Ferrara und der Kirchenstaat, Köln/Weimar/Wien : Böhlau 2005, 1178 S. ISBN 3-412-12705-1 (= Habilitation Freiburg 2002)
- Emich, Birgit, Geschichte der Frühen Neuzeit studieren, Konstanz 2006 (erscheint im Frühjahr 2006) ISBN 3-8252-2709-X
- Lutz, Heinrich, Reformation und Gegenreformation, durchgesehen und ergänzt von Alfred Kohler, 4. Aufl., München 1997
- Mieck, Ilja: Europäische Geschichte der frühen Neuzeit: eine Einführung, 5., verb. Aufl., Stuttgart [u.a.] 1994, ISBN 3-17-012630-X
- Oldenbourg Geschichte Lehrbuch: Frühe Neuzeit, hrsg. von Anette Völker-Rasor, mit einer Einleitung von Winfried Schulze, München 2000 ISBN 3-486-56426-9
- Press, Volker: Kriege und Krisen, Deutschland 1600–1715, München 1991
- Schilling, Heinz: Die neue Zeit: vom Christenheitseuropa zum Europa der Staaten, 1250 bis 1750, Berlin 1999
- Schilling, Heinz: Siedler Deutsche Geschichte [Abt. 1]: Das Reich und die Deutschen Teil [5]: Aufbruch und Krise: Deutschland 1517–1648, Berlin 1988
Siehe auch
- Portal:Frühe Neuzeit, Neuzeit, Frühkapitalismus
- CAMENA Corpus Automatum Multiplex Electorum Neolatinitatis Auctorum, eine Sammlung von Online-Lexika
Weblinks
- [http://www.fruehe-neuzeit.net/ Virtual Library Frühe Neuzeit]
- [http://www.uni-muenster.de/FNZ-Online/ Einführung in die Frühe Neuzeit, Uni. Münster]
- [http://www.webhistoriker.de/ www.webhistoriker.de] Termine von Ausstellungen, TV- und Radiotipps sowie News aus dem Zeitbereich "Frühe Neuzeit"
Kategorie:Neuzeit
Kategorie:Zeitalter
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Geschichte Europas
Die Griechen
Grabung
Am Ende der Bronzezeit brachen die älteren griechischen Königreiche zusammen und eine brillante neue Zivilisation erwuchs an ihrer Stelle. Die griechische Zivilisation war eine Ansammlung von Stadtstaaten (Poleis), die bedeutendsten davon waren Athen und Sparta. Unter den Stadtstaaten gab es viele verschiedene Regierungsformen und Kulturen, und sie brachten neue Formen der Regierung hervor und entwickelten Philosophie, Wissenschaft, Politik, Sport, Theater und Musik weiter. Die hellenischen Stadtstaaten gründeten viele Kolonien an den Mittelmeerküsten, vor allem im Gebiet der heutigen Türkei, auf Sizilien und in Süditalien. Aber im 4. Jahrhundert v. Chr. wurden diese Kolonien zu einer leichten Beute für König Philipp II. von Makedonien, weil die Stadtstaaten durch Kriege untereinander geschwächt waren. Die Feldzüge von Philipps Sohn, Alexander dem Großen, verbreiteten die griechische Kultur nach Persien, Ägypten und Indien, brachten die Griechen aber auch in Kontakt mit dem Wissen dieser Länder, wodurch eine neue Entwicklung, der Hellenismus, entstand.
Rom
Hellenismus
Rom übernahm viel vom Wissen der Griechen, als es sich von Italien her ausbreitete. Die Römer nutzten es zu ihrem Vorteil, dass ihre Gegner nicht in der Lage waren, sich gegen Rom zu vereinigen. Die einzige wirkliche Gefahr für Roms Aufstieg kam von der phönizischen Kolonie Karthago. Mit der Niederlage Karthagos am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. begann die Vormachtstellung Roms. Zunächst durch Könige regiert, wandelte sich Rom zu einer Republik, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. unter Augustus zum römischen Kaiserreich umgestaltet wurde.
Das Römische Reich hatte sein Zentrum am Mittelmeer und kontrollierte alle Länder, die ans Mittelmeer grenzten. Unter Kaiser Trajan im 2. Jahrhundert erreichte das Römische Reich seine größte Ausdehnung; England, Rumänien und Teile Mesopotamiens waren Teil des Reichs. Das Reich brachte Frieden, Zivilisation und eine effiziente Zentralregierung in die Territorien, bis es im 3. Jahrhundert durch Bürgerkriege geschwächt wurde. Im 4. Jahrhundert gelang es dem Kaiser Diokletian, den Niedergang Roms zu verlangsamen indem er die Verwaltung des Reichs einschneidend reformierte. Sein Nachfolger Konstantin I. machte das Christentum zur römischen Staatsreligion, wodurch die orthodoxe und die spätere katholische Kirche zu einer wichtigen Institution wurde.
Frühmittelalter
Die heutigen westeuropäischen Zivilisationen entstanden, als das Weströmische Reich durch wiederholte Invasionen germanischer Stammesverbände in der Endphase der Völkerwanderung im 5. Jahrhundert unterging und endgültig aufhörte als kulturelle Einheit zu existieren (siehe vor allem Spätantike). Von nun an bestimmten mehr oder weniger langlebige Neubildungen verschiedener Reiche die historische Landschaft im Westen des Kontinents.
Das hellenistisch geprägte oströmische Reich, nach seiner Hauptstadt Byzanz auch Byzantinisches Reich genannt, konnte sich hingegen noch ein weiteres Jahrtausend bis zur Eroberung seiner Hauptstadt 1453 halten. Im 7. Jahrhundert brachte die Ausbreitung der Mauren die islamische Kultur an die Mittelmeerküsten, von Kleinasien über Sizilien bis nach Spanien. Eine Invasion nördlich der Pyrenäen wurde durch Karl Martell genannt "der Hammer" niedergeschlagen.
Vieles vom alten Wissen der antiken Hochkulturen ging verloren, der Handel verkümmerte und die Leute kehrten in ihre ländlichen Gemeinschaften zurück. Der Feudalismus ersetzte die römische Zentralverwaltung. Die einzige Institution, die den Zusammenbruch des Reiches überlebte, war die Kirche, die einen Teil des römischen kulturellen Erbes bewahrte und bis zum 14. Jahrhundert außerhalb von Byzanz einen Schwerpunkt der Bildung und Wissenschaft bildete.
Byzanz
Die erste entgegengesetzte Entwicklung war eng mit der Krönung Karls des Großen durch Papst Leo III. zum (römischen!) Kaiser im Jahre 800 verbunden. Die neue Reichshauptstadt Aachen wurde zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den Anstoß zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter Rückbesinnung auf die Antike. Karl eroberte große Teile von Italien und anderen umliegenden Ländern und vergrößerte damit sein Reich. Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht länger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunächst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Lombarden und Sarazenen schützte, später aber wurden die Güter des Papstes ein unabhängiger Staat in Mittelitalien. Die Aufteilungen des Reiches (siehe Karte) unter seinen Nachkommen führte nach langwierigen Erbfolgekonflikten 962 zur Gründung des Heiligen Römischen Reiches durch Otto I., und zur Gründung des Westfränkischen Reiches. Während und auch nach den Erbfolgekriegen gewann das feudalistische System an Bedeutung.
Zur gleichen Zeit übernahmen Wikinger und Normannen einige fremde Gebiete Europas und drangen in die alten Herrscherdynastien ein.
Mittelalter
Ein weiteres Anzeichen der Wiedergeburt einer westeuropäischen Zivilisation nach der karolingischen Renaissance kann im 11. Jahrhundert beobachtet werden, als die ersten Universitäten in Italien gegründet wurden und der Handel bedeutender wurde, wodurch wirtschaftliches und kulturelles Wachstum der unabhängigen Stadtstaaten wie Venedig und Florenz begannen. Gleichzeitig formten sich neben dem Heiligen Römischen Reiche, Frankreich und dem Kirchenstaat, Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhängiger Städte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden.
Eine der größten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war die erste Epidemie von 1346-1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas ausgelöscht hat.
Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgültigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. (vgl. aber auch 1492 und 1517) Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner größten Ausdehnung den Nahen Ostens, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.
Reformation, 1510/11, Stanzen des Vatikans, Rom.]]
Im 15. Jahrhundert, am Ende des Mittelalters, waren mächtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte viel von ihrer Macht verloren durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die Ausbreitung der Kultur, die zur Verbesserung der Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Technologie im Renaissance-Zeitalter führte.
Die neuen Nationalstaaten waren im Kampf um die Vormachtstellung in Europa andauernd in einem Zustand politischer Veränderung und in Kriege verstrickt. Besonders mit dem Losbrechen der Reformation (1520 - nach gesamteuropäischer Betrachtung), die Martin Luther mit seiner Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 mitbedingte, verwüsteten politische Kriege und Religionskriege den Kontinent. Die Zweite Spaltung (Schisma) der Katholischen Kirche sollte große politische, soziale und kulturelle Auswirkungen auf Europa haben. Der Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus war besonders deutlich in England, wo König Heinrich VIII. mit Rom brach und sich selbst zum Oberhaupt der Kirche erklärte, und in Deutschland, wo die Reformation die verschiedenen protestantischen Fürsten gegen die katholischen Kaiser aus dem Hause Habsburg einte.
Koloniale Expansion
|Habsburg
Die zahlreichen Kriege hielten die neuen Staaten nicht von der Erforschung und Eroberung großer Teile der Welt ab, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frühen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung führend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in Südamerika sowie Handelsposten an den Küsten Afrikas und Asiens gründeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.
Spanien hatte die Kontrolle über große Teile Südamerikas und die Philippinen, Großbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und große Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an Großbritannien), Indochina und große Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien. Später erwarben auch andere Mächte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, die USA und Japan einige Kolonien.
Natürlich gab es bei der Kolonialisierung auch Rückschläge, insbesondere durch die Unabhängigkeitserklärungen der USA und der südamerikanischen Staaten.
18. Jahrhundert
Die religiösen und dynastischen Spannungen erreichten ihren Höhepunkt im Dreißigjährigen Krieg von 1618-1648, an dem nahezu der gesamte Kontinent beteiligt war. Er veränderte das Machtgefüge stark und hinterließ bleibenden Eindruck in Kultur und kollektivem Gedächtnis.
Die mittelalterliche Feudalordnung wurde weiter aufgelöst. Die Nationalstaaten wurden weiter gestärkt, der Absolutismus wurde zur typischen Regierungsform und der Merkantilismus als Wirtschaftsform kam auf.
Geistesgeschichtlich wurde die Renaissance durch die Philosophie der Aufklärung fortgesetzt, die die Stellung der Religion schwächte und die Grundlage für erste Demokratie-Bewegungen legte.
Die Naturwissenschaften erzielten große Fortschritte, mit Erfindungen wie der Dampfmaschine begann im späten 18. Jahrhundert die Industrielle Revolution, die Wirtschaft entwickelte sich zum frühen Kapitalismus.
Französische Revolution
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts führte die Weigerung von König Ludwig XVI. von Frankreich, unterstützt vom Adel und der Kirche, dem so genannten 3. Stand mehr Einfluss zu geben, zur Französischen Revolution von 1789. Es war ein maßgeblicher Versuch, einen neuen Staat nach den Prinzipien der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit (Liberté, Egalité, Fraternité) zu schaffen. Der König wurde hingerichtet, in Frankreich wurde die Republik ausgerufen und eine Art demokratischer Regierung wurde errichtet. In den darauf folgenden Wirren, die unter anderem durch die Kriegserklärungen der meisten europäischen Monarchien ausgelöst wurden, übernahm General Napoléon Bonaparte die Macht.
In den zahlreichen Kriegen des napoleonischen Zeitalters besiegte er mehrmals Österreich, dessen Kaiser den Titel Kaiser des heiligen römischen Reiches ablegen musste, sowie Russland, Großbritannien, Preußen und andere Mächte. Napoleon errichtete zeitweilig erneut das Königreich Polen, das im ausgehenden 18. Jahrhundert von Preußen, Österreich und Russland aufgeteilt worden war. 1804 ließ er sich zum französischen Kaiser ernennen und 1815 wurde er endgültig bei Waterloo geschlagen.
Nach der Niederlage Frankreichs versuchten die anderen europäischen Mächte nach dem Wiener Kongress von 1814/1815 unter Federführung des österreichischen Staatskanzlers Fürst von Metternich, in der Zeit des Vormärz zwischen 1815 und 1848 die Situation wiederherzustellen, wie sie vor 1789 gewesen war. Sie waren jedoch längerfristig nicht in der Lage, die Ausbreitung der revolutionären Bewegung aufzuhalten. Die Mittelschicht war stark von den demokratischen Idealen der Französischen Revolution beeinflusst. Außerdem brachte die Industrielle Revolution tief greifende wirtschaftliche und soziale Veränderungen, und die Arbeiterschicht wurde von sozialistischen, kommunistischen und anarchistischen Ideen zunehmend beeinflusst, besonders von den Theorien, die von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 zusammengefasst worden waren. Weitere Destabilisierung kam durch die Gründung nationalistischer Bewegungen unter anderem in Deutschland, Italien und Polen, die die nationale Einheit und/oder die Befreiung von Fremdherrschaft forderten. Als Folge all dessen gab es in der Zeit zwischen 1815 und 1871 eine stattliche Anzahl von Umsturzversuchen und Unabhängigkeitskriegen (siehe auch Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, Märzrevolution 1848/1849). Auch wenn die Revolutionäre oft besiegt wurden, waren 1871 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 gegen Dänemark, 1866 gegen Österreich und 1870/1871 gegen Frankreich) in Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt. Ähnlich wie in Deutschland wurde nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und Unabhängigkeitsbewegungen in den italienischen Fürstentümern der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer Führung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Österreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein Ministerpräsident Camillo Benso Graf von Cavour spielte für Sardinien und Italien eine ähnliche Rolle wie Bismarck für Preußen und das Deutsche Reich. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser Napoleon III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen Preußen und den norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik. Im Verlauf der Umwälzungen in Frankreich hatten sich 1871 die Pariser Bürger und Arbeiter gegen die preußenfreundliche Politik der jungen Republik erhoben und die Pariser Kommune gegründet. Sie gilt als der erste sozialistisch-kommunistische Revolutionsversuch, wurde aber schon nach wenigen Wochen blutig niedergeschlagen. Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der Großmächte Zentraleuropas, insbesondere des deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz führte unter anderem zu einer verstärkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem Rüstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Überhöhung des Nationalismus. Diese Entwicklungen führten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen Bündnissystems, das bis 1890 für eine gewisse zwischenstaatliche Stabilität gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum 1. Weltkrieg.
Nach der relativ friedlichen Belle Epoque explodierten 1914 die Rivalitäten der europäischen Mächte, als der Ersten Weltkrieg begann. Den Mittelmächten Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien stand die Entente gegenüber, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Nordirland und Russland, die 1915 durch Italien und 1917 durch die Vereinigten Staaten verstärkt wurden. Trotz der Niederlage Russlands 1917 siegte die Entente Ende 1918 doch. Der Krieg war eine der Hauptursachen für die Russische Revolution, die zur Gründung der kommunistischen Sowjetunion führte.
Im Friedensvertrag von Versailles erlegten die Sieger Deutschland harte Bedingungen auf und beschlossen, auf dem Gebiet des vormaligen österreichisch-ungarischen Reiches statt des Vielvölkerstaates eine Reihe neuer Nationalstaaten wie Polen, die Tschechoslowakei und Jugoslawien zu schaffen, mit dem Ziel, die nationale Selbstbestimmung zu fördern. In den folgenden Jahrzehnten führten die Angst vor dem Kommunismus und die wirtschaftliche Depression zur Wahl rechtsextremer Regierungen: Faschisten in Italien (1922), Nationalsozialisten in Deutschland (1933), Franquisten in Spanien (nach Ende des Bürgerkriegs 1939) und auch in anderen Ländern wie etwa in Ungarn.
Ungarn
Nach der Allianz der so genannten Achsenmächte, Deutschland, Italien und Japan und nachdem ein Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet war, lösten der deutsche "Führer" Adolf Hitler am 1. September 1939 und der sowjetische Machthaber Josef Stalin am 17. September 1939 mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Nach anfänglichen Erfolgen, hauptsächlich der Besetzung von Polen, Frankreich und dem Balkan bis 1940, übernahm sich Deutschland durch den Angriff auf die Sowjetunion und die Kriegserklärung an die USA zur Unterstützung Japans. Trotz anfänglicher Erfolge wurde die deutsche Wehrmacht im Dezember 1941 kurz vor Moskau aufgehalten und erlitt ein Jahr später eine entscheidende Niederlage beim Kampf um Stalingrad. Die alliierten Streitkräfte gewannen in Nordafrika und besetzten 1943 Italien und eroberten 1944 Frankreich zurück. Im Frühjahr 1945 wurde Deutschland von Osten von den sowjetischen Truppen und von Westen her von den US-amerikanischen und britischen Truppen besetzt. Den einrückenden alliierten Soldaten bot sich vielerorts ein Bild des Grauens: In den Konzentrationslagern (etwa 412) innerhalb Deutschlands und in den besetzten Gebieten waren Millionen Juden, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Kommunisten, Geistliche, Arbeitsunfähige, sowjetische Kriegsgefangene und polnische Zivilisten erschossen oder vergast worden, viele verhungerten oder starben an Krankheiten. Nach dem Suizid Hitlers kapitulierte Deutschland am 8. Mai 1945. Japan ergab sich im August 1945, nachdem zwei Atombomben die Städte Hiroschima und Nagasaki zerstört hatten.
Die beiden Weltkriege, besonders der zweite, beendeten die herausragende Rolle Westeuropas. Die Landkarte Europas musste neu gezeichnet werden, als Europa das Hauptspannungsfeld im Kalten Krieg wurde zwischen den neu entstandenen Supermächten, der kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion. Die USA beanspruchten Westeuropa für ihre Einflusssphäre und gründeten die NATO als Schutz vor einer möglichen sowjetischen Invasion. Die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, die DDR) und gründete den Warschauer Vertrag. Europa war durch den "Eisernen Vorhang" getrennt. Diese Situation hatte bis 1989 Bestand, als die Schwächung der Sowjetunion schließlich zum Ende der Teilung Europas führte. Die sowjetischen Satellitenstaaten konnten ihre kommunistischen Regierungen abschütteln und die beiden deutschen Staaten durften sich wieder vereinen. 1991 brach auch die Sowjetunion auseinander, wodurch eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien entstand.
1991
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg begann in Europa langsam ein Prozess politischer und wirtschaftlicher Integration durch den Wunsch, ein geeintes Europa zu schaffen und weitere Kriege zu verhindern. Der letzte Schritt dieser Entwicklung, die immer noch anhält, war die Einführung einer gemeinsamen Währung, des Euros, in den meisten Ländern der Europäischen Union sowie die Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern.
Geschichte einzelner Staaten und Gebiete
Ehemalige Staaten und andere Gebiete: DDR - Jugoslawien - Österreich-Ungarn - Römisches Reich - Sowjetunion - Tschechoslowakei
Literatur
- Blickle, Peter (Hg.): Handbuch der Geschichte Europas. Stuttgart
2000ff.
- Bullock, A.; Deakin, W. D. (Hrsg.): The Oxford History of Modern Europe (1789-1945). Oxford 1954ff.
- Davies, N.: Europe. A History. Oxford 1996.
- Elze, Reinhard/Repgen, Konrad (Hgg.): Studienbuch Geschichte. Eine europäische Weltgeschichte. 2 Bde. 5. Aufl. Stuttgart: Klett-Cotta, 1999–2000. zus. XXXVIII, 1589 S.
- Halecki, O.: Europa. Grenzen und Gliederung seiner Geschichte. Darmstadt 1957.
- James, H.: Geschichte Europas im 20. Jahrhundert. Fall und Aufstieg 1914-2001. München 2004.
- Pigott, Stuart: Vorgeschichte Europas. Vom Nomadentum zur Hochkultur. Zürich 1972, ISBN 3463136880
- Propyläen Geschichte Europas. 6 Bde. Berlin: Propyläen Verlag, 1999. zus. 3135 S. ISBN 3-549-05529-3
- Salewski, Michael: Geschichte Europas. Staaten und Nationen von der Antike bis zur Gegenwart. München: Beck, 2000 (Beck's Historische Bibliothek). 1146 S. ISBN 3-406-46168-9
- Seibt, Ferdinand: Die Begründung Europas. Ein Zwischenbericht über die letzten tausend Jahre. Frankfurt am Main: S. Fischer, ²2002, 416 S. ISBN 3-10-074421-7
- Schieder, Theodor (Hg.): Handbuch der europäischen Geschichte. 7 Bde. Stuttgart 1968-1987.
- Schmale, W.: Geschichte Europas. Wien 2001.
- Schulz, Gerhard: Europa und der Globus. Staaten und Imperien seit dem Altertum. Stuttgart/München: DVA, 2001. 520 S. ISBN 3-421-05349-9
- Szücs, J.: Die drei historischen Regionen Europas. Frankfurt am Main 1994.
- Reinhard, W.: Lebensformen Europas. Eine historische Kulturanthropologie. München: Beck, 2004. 718 S.
- Peter Forster, University of Cambridge: Drei Viertel unserer Gene stammen von den Urbasken. Spektrum der Wissenschaft Mai 2002.
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Eine Übersicht der historischen Beiträge in Wikipedia bietet das Portal:Geschichte.
ja:ヨーロッパ史
EpocheDer Begriff Epoche (v. griech.: epoch, epoché = Haltepunkt) wird in verschiedenem Zusammenhang verwendet:
#Eine Epoche ist ein längerer Zeitraum, der sich durch eine oder mehrere grundlegende Gemeinsamkeiten auszeichnet. Dies kann z.B. sein:
# - gemeinsame Stilelemente in Baukunst, Innenarchitektur und bildender Kunst - siehe Stilepoche
# - gemeinsame Stilelemente in der Musik - siehe Epochen der Musik
# - ein historischer Zeitabschnitt
# - ein literarischer Zeitabschnitt mit besonderen religiösen, intellektuellen und stilistischen Merkmalen
# - ein historischer bzw. technischer Zeitabschnitt in der Geschichte der Eisenbahn - siehe Epoche (Modelleisenbahn)
#In der Chronologie und Zeitrechnungen ist die Epoche der Ausgangspunkt einer Jahreszählung; in unserer Zeitrechnung z.B. das Jahr 1 n. Chr., im islamischen Kalender das Jahr 622 n. Chr.
#In der Astronomie ist Epoche jener mittlere Zeitpunkt, auf den veränderliche Größen reduziert, d.h. vereinheitlicht werden. Die aktuelle Epoche ist die Standard-Epoche 2000.0. Siehe Epoche (Astronomie).
#In der Geologie ist Epoche eine Unterteilung der Erdzeitalter des jüngsten Äons der Erdgeschichte. Siehe Geologische Zeitskala.
#In der Philosophie der antiken Skepsis wird mit Epoché eine Enthaltung im Urteil bezeichnet, die sich aus der Einsicht in die Ungewissheit allen Wissens herleitet. In der Moderne gewinnt der Begriff bei Edmund Husserl Bedeutung. Als Methode kennzeichnet "Epoché" bei Husserl die phänomenologische Reduktion, durch die der äußeren Welt die Geltung entzogen wird.
#In der Pädagogik von Rudolf Steiner wird mit Epoche eine besondere Unterrichtsform bezeichnet, der Epochenunterricht.
#In der Informatik bezeichnet es auch einen Taskzyklus in Multitasking-Betriebssystemen. Daneben steht es kurz für die Unix-Epoche, der „Sekunde Null“ der Echtzeituhren von Unix-Systemen.
#Als epochales Ereignis wird ein Ereignis bezeichnet, das in seiner Bedeutung oder aufgrund seiner Seltenheit herausragend ist und damit einen längeren Zeitraum charakterisiert - siehe auch Zeitenwende.
#Die Zeitschrift Epoche (Zeitschrift)
SpätmittelalterAls Spätmittelalter wird in der Mediävistik der Zeitraum von Mitte des 13. Jahrhunderts (Ende des Hochmittelalters) bis zum Ende des 15. beziehungsweise dem Beginn des 16. Jahrhunderts (Reformation) bezeichnet (also grob die Zeit von 1250-1500).
Während des Spätmittelalters herrschte zeitweise eine krisenhafte, teilweise gar apokalyptische Stimmung, die die Menschen beherrschte. Ursachen waren Missernten, Hungersnöte, Pestepidemien (Schwarzer Tod) und die Krise des Papsttums (siehe unten). Aufgrund dieser Krisenerscheinungen ergaben sich auch regionale Judenverfolgungen (besonders im Zusammenhang mit der Pestwelle) und Aufstände in Städten und unter den Bauern.
Das noch in der älteren Forschung vertretene Bild des Spätmittelalters als eine reine Verfallszeit, ist inzwischen jedoch aufgegeben worden. Es war vielmehr sowohl eine Herbst- als auch eine Frühlingszeit der Geschichte. Denn gleichzeitig war das Spätmittelalter eine Übergangszeit zur Moderne, die keineswegs nur negative Züge trug: Es entwickelte sich bereits in diesem Zeitraum die Vorläufer der modernen Staatlichkeit, mit Verwaltung und Ämterwesen. Der Nationalstaat rückt an die Stelle der alten Staatengebilde (außer in Deutschland, wo weiterhin konföderale Gebilde aus Kaisertum und den deutschen Kleinstaaten vorherrschend war).
Es entstanden vermehrt Universitäten, nun auch in Deutschland. In Italien begann die die kulturelle Blütezeit der Renaissance, während dem Bürgertum der endgültige Durchbruch gelang. Allerdings war es auch die Zeit des hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich, während im Heiligen Römischen Reich es zu einer Reihe von Umbrüchen kam (Goldene Bulle) und das Kaisertum seine Rolle als universale Institution rechtfertigen musste (wie in der Zeit Heinrichs VII. oder Ludwigs des Bayern). 1453 fiel derweil Konstantinopel, was den Untergang des byzantinischen Reiches und den endgültigen Einbruch der Türken nach Europa bedeutete.
In Norddeutschland entstand die Hanse, zunächst als Kaufmannsgilden, dann als Städtebund. Sie beherrscht bald den Handel zwischen Norwegen und Schweden im Norden und den deutschen Landen mit Flandern im Süden, zwischen England und Frankreich im Westen und den russischen Fürstentümern und dem Baltikum im Osten.
Die in Abschnitten, aber keineswegs insgesamt, herrschende gefühlgedrückte Stimmung führte vielfach zum Wunsch der direkten Erfahrung von Gott, wie generell in bestimmten Phasen des Mittelalters und der Neuzeit. Das Bibelstudium vermittelte den Menschen das Bild der einfachen Lebensweise von Jesus Christus und
den Aposteln, ein Vorbild, dem die existierende Kirche nicht gerecht wurde, gerade weil das Papsttum seit 1309 in Avignon (Avignonesisches Papsttum) residierte und sich immer mehr von den Menschen entfernte. Hinzu kam das abendländischen Schismas von 1378, welches erst durch den Konziliarismus beendet wurde (Konzil von Konstanz). So entstanden auch vermehrt Bettelorden und apostolische Gemeinden, die sich dem einfachen Leben widmen wollten. Viele davon wurden als Ketzerei verfolgt, so beispielsweise die Waldenser, Katharer oder die Brüder vom freien Geist.
Literatur
- Ulf Dirlmeier und andere: Europa im Spätmittelalter 1215-1378 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 8), München 2003. Die zur Zeit beste wissenschaftliche Einführung mit umfangreicher Bibliographie und Begriffserklärungen.
- Johan Huizinga: Herbst des Mittelalters, Stuttgart 1975.
- Malte Prietzel: Das Heilige Römische Reich im Spätmittelalter, (Geschichte kompakt), Darmstadt 2004. Grundsolide, wenn auch knappe Darstellung der Ereignisgeschichte, aber auch der politischen Strukturen.-.-
Weblinks
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/frauenknecht/repetitorium01/start.htm Repetitorium Spätmittelalter (Uni Tübingen)]
Siehe auch
- Deutschland im Spätmittelalter
Kategorie:Zeitalter
Kategorie:Mittelalter
PeriodisierungUnter Periodisierung versteht man gänzliche Unterteilung der Geschichte.
Dabei ist der Begriff „Periodisierung“ selbst nicht unproblematisch, stipuliert er doch etymologisch (griechisch periodos, Kreislauf) ein zyklisches Geschichtsbild. Der Begriff der „Geschichtsgliederung“ (nicht zu verwechseln mit Geschichtsklitterung) wäre wohl neutraler. Dieser hat sich dafür aber (noch) nicht allgemein durchgesetzt.
Etwa seit Ende des 17. Jahrhunderts hat sich in der Geschichtswissenschaft die Einteilung in drei große Epochen etabliert. Als Abgrenzung wird dabei zwischen die Geschichte der Antike und die der Neuzeit ein Zeitabschnitt gesetzt, der Mittelalter genannt wird. Dieses habe von ca. 500 n. Chr. bis ca. 1500 n. Chr. gedauert.
Nach dieser großen Dreiteilung der Geschichte werden dann weitere Unterteilungen getroffen, wie zum Beispiel: Alter Orient, Hellenismus, Römisches Altertum, dann Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter, sowie Frühe Neuzeit und Geschichte der Moderne. Manche Unterteilungen umfassen auch die Grenzbereiche der großen Epochen. So begann etwa die Renaissance noch im Mittelalter und setzte sich in der Neuzeit genannten Epoche fort. Daher wird die Renaissance auch nicht zu unrecht als die epochenmachende Zeit bezeichnet.
Diese Unterteilungen sind aber, ähnlich wie auch die geografischen Einteilungen, recht flexibel und subjektiv. Desweiteren werden sie regional oft verschieden angesetzt. Sie verschaffen jedoch näherungsweise einen Überblick über die Geschichte. Letztlich versuchen sie, durch die systematische Bündelungen der komplexen Vergangenheit, den Lernprozess zu vereinfachen.
Nur durch eine strukturierte Gliederung der Geschichte gelingt es, Prozesse, Strukturen etc. zu verstehen. Sie ist als „Lern- und Merkhilfe“ zu verwenden. Eine Gliederung der Geschichte erscheint unabdingbar: Diese benötigt allerdings Kategorien; und Kategorien bedürfen eines möglichst objektiven Geschichtsbildes (vgl. Imanuel Geiss „Geschichte griffbreit“, Bd. 6, Hamburg 1979, S. 25). Diese „Kategorisierung“ geht nicht ohne eine präzise Einteilung in verschiedene zeitliche Abschnitte.
Auch für die Zeitgeschichte werden Geschichtsgliederungen vorgenommen. So teilt das Glasnost, Berlin zum Beispiel die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in einem Artikel von 1994 aus politischer Perspektive folgendermaßen ein:
# Die Ära Adenauer (1949–1961) [obwohl Adenauer bis Oktober 1963 Kanzler war]
# Unruhe und Wandel - Die sechziger Jahre (1961–1969) [als ob 1960 nicht zu den sechziger Jahren gehöre]
# Die sozialliberale Ära (1969–1982)
# Die konservative Wende (seit 1982) [wobei eine "Wende" von 12 Jahren einen recht großen "Wendekreis" postuliert.]
Weblinks
- [http://www.martin-knust.de/?column=4&document=22&language=de&templateset=1&language=de&templateset=1 HistoriaPRO (Martin Knust): Periodisierung]
- [http://www.glasnost.de/hist/brd/brdchron.html Periodisierung der Geschichte der BR Deutschland (Glasnost-Archiv, Berlin)]
Kategorie:Geschichtswissenschaft
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Mittelalter]]
Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche in der europäischen Geschichte
zwischen der Antike und der Neuzeit, die christliche, antike und
keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt.
Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform ist der Feudalismus.
Grundzüge des Mittelalters sind die nach Ständen geordnete Gesellschaft, die gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Latein oder Griechisch als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches Weltbild.
Zeitliche Festlegung
Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis 1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale:
Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (375-568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe Spätantike.
Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam in den Vordergrund, kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450) oder auch die Reformation (1517).
Fokussiert man einzelne Länder, kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien sicher früher als etwa in Syrien. Und so war zum Beispiel um 1420 in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England mit gutem Grund noch vom Mittelalter spricht.
Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation - der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet.
Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter
Man kann das Mittelalter grob in 3 Phasen gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert)
- Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250)
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)
Frühmittelalter
In das Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der Völkerwanderung, wobei die Forschung aber mittlerweile dazu tendiert, diese aus dem Mittelalter herauszunehmen, sie als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter zu sehen und der Spätantike zuzurechnen.
Weitere einschneidende Entwicklungen sind die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, der Einfall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend.
Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist.
Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises.
Siehe auch Hauptartikel: Frühmittelalter.
Hochmittelalter
Das Hochmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Innerhalb der Scholastik wird Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität. Der Einfluss der Kirche zeigt sich vor allem an den Kreuzzügen gegen den Islam, denen auch Juden zum Opfer fallen. Im Zuge der Kreuzzüge entwickelt sich ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten profitieren. Die Geldwirtschaft gewinnt gegenüber der Naturalwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Im Hochmittelalter entsteht das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt.
Siehe auch Hauptartikel: Hochmittelalter.
Spätmittelalter
Hochmittelalter]]
Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa 1280 bis einige Jahrzehnte nach der "Großen Pest" (Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (Wüstung, Pest) führen, aber auch zu starken Veränderungen der Gesellschaftstruktur, die allmählich zur Neuzeit überleiten (siehe auch: Krise des 14. Jahrhunderts).
Siehe auch Hauptartikel: Spätmittelalter.
Ende des Mittelalters
Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, die Erfindung des Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln.
Auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453) wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, weil mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Überbleibsel der Antike unterging. Des Weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien hauptverantwortlich für den Beginn der Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, so dass westeuropäische Seefahrer neue Wege erkundeten. Dabei wurde unter anderem Amerika entdeckt – zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde.
Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quint-Oktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh (Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss); vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab ca. 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.
Der Begriff Mittelalter
Der Begriff Mittelalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten benutzt, hatte schon von Beginn an eine negative Bedeutung, weil sie das Mittelalter als „dunkle“ Epoche zwischen der Antike und ihrer Zeit ansahen, in der antike Traditionen wiedergeboren wurden. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde diese Einteilung endgültig vorgenommen. Demnach begann das Mittelalter mit dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahre 476 und endete mit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen.
Im Englischen spricht man für den Zeitraum nach Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also für die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten, aufgrund der mangelhaften schriftlichen Quellen von „The Dark Ages“.
Noch heute bezeichnen wir eine Denkweise als „mittelalterlich“, wenn wir sie als starr und veraltet kritisieren wollen. Auch die umgangssprachliche Wendung „Rückkehr ins Mittelalter“ ist negativ besetzt. In der Romantik wurde das Mittelalter allerdings auch wieder positiver gesehen, teilweise auch systematisch verklärt. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und die wenigstens teilweise vorhandene Kontinuität der antiken Kultur betont. Der bekannte und angesehene französische Mediävist Jacques Le Goff betonte erst jüngst die Geburt Europas im Mittelalter.
Sonstiges
In der japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke Dominanz des Buddhismus und des Feudalismus aus.
Siehe auch
- Portal:Mittelalter
Literatur
Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in der Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u.a. neben der Geschichtsschreibung auch Constitutionen und andere Aktenquellen sowie Regesten dar.
Eine hervorragende Bibliographie findet sich [http://www.histsem.uni-bonn.de/proseminar/lsma15.htm hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn)] sowie [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/tutorium/literatur/literatur.htm hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben)]. Ansonsten sei auf die Angaben im Lexikon des Mittelalters oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.
Nachschlagewerke
- The New Cambridge Medieval History, Cambridge 1995 ff. Noch im Entstehen begriffen, mit hervorragender Bibliographie.
- Lexikon des Mittelalters, 9 Bde., Ausgabe des dtv-Verlags, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980-1998). Grundlegendes Werk
Sekundärliteratur
- Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, mehrere Neuauflagen, München 2001. Wohl die beste strukturelle Einführung ins Mittelalter, mit guten bibliographischen Angaben.
- Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/M., Berlin 1988 ISBN 3-548-34004-0
- Arno Borst: Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters, München 1988 ISBN 3-492-03152-8
- Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit (4 Bände) ISBN 3596507324
- Horst Fuhrmann: Einladung ins Mittelalter, Verlag C. H. Beck, München 1987 ISBN 3-406-32052-X
- Horst Fuhrmann: Überall ist Mittelalter : von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, Verlag C. H. Beck, München 1996 ISBN 3-406-40518-5
- Friedrich Heer: Mittelalter. Von 1100 bis 1350, Zürich 1964
Weblinks
- [http://www.erlangerhistorikerseite.de/ma_resso.html Virtuelle Bibliothek – Geschichte / Mittelalterliche Geschichte (Internet-Ressourcen der Erlanger Historikerseite)]
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/indexstart.htm Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte (zahlreiche Links und Materialsammlungen)]
- [http://netzwerk.wisis.de/text/42.htm Mittelalter - SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Ausführliche Texte und zahlreiche Erklärungen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Ereignisgeschichte]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/ Genealogie Mittelalter] Mittelalterliche Genealogie im Deutschen Reich bis zum Ende der Staufer
- DER SPIEGEL: [http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,381627,00.html Wie die Erde zur Scheibe wurde] - das Bild vom rückständigen Mittelalter als moderner Mythos
!Mittelalter
Kategorie:Zeitalter
ja:中世
simple:Middle Ages
Moderne Allgemein
Der Begriff Moderne bezeichnet zunächst einen Umbruch in allen Bereichen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens gegenüber der Tradition. Heute wird dieser Umbruch überwiegend mit den Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts in Verbindung gebracht: Geistesgeschichtlich mit der Aufklärung, Politisch mit der Französischen Revolution, Ökonomisch mit der Industrialisierung. In der eher kunstgeschichtlich beeinflußten Geschichtsschreibung gilt insbesondere das frühe 20. Jahrhundert als die klassische Moderne.
Bernard von Chartres (gen. Sylvestris 1080? - 1167) gebraucht den Terminus „modern“ in einem historischen Gleichnis der „moderni“ als Zwerge: "Wir sind Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen. Wir können weiter sehen als unsere Ahnen und in dem Maß ist unser Wissen größer als das ihrige und doch wären wir nichts, würde uns die Summe ihres Wissens nicht den Weg weisen."
Lat. modernus (neu; neuzeitlich) stammt vom lateinischen Adverb modo (eben; eben erst). Später entlehnt aus dem Französischen (moderne und moderniser), erscheint es im Deutschen als Fremdwort seit 1727 in der Bedeutung von „neu“, als Gegensatz zu alt, antik usw. Modernité wird als Substantiv erstmals 1849 von Chateaubriand verwendet (in einem abwertenden Sinne) und 1859 maßgeblich von Baudelaire aufgegriffen. Im Deutschen verwendet erstmals Eugen Wolff 1887 den Ausdruck „die Moderne“ auf die Kunst bezogen.
Der Begriff der Moderne geht tendenziell weit über einen Epochenbegriff, wie etwa den des Mittelalters, hinaus. Das historische Einsetzen der Moderne ist dabei stets eine Frage theoretischer Interessen und Grundlagen. Bezeichnender Ausdruck dafür ist eine schwer eindämmbare Rückdatierung. Aus einer allerdings beschränkten eurozentristischen Sicht verschiebt sich das Einsetzen der Moderne mit jeweils guten Gründen rückwärts: Vom Zusammenbruch des Sozialismus und einem „Ende der Geschichte“ über die Erschütterungen durch den ersten Weltkrieg, die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts, die Neuzeit mit der Reformation und der Entdeckung Amerikas, über das Imperium Roms zurück bis zur attischen Demokratie und zur Bildung des Staatswesens überhaupt bzw. zum Zusammenbruch frühester Staatswesen.
Eric Hornung schreibt über den Zusammenbruch des Alten Reichs in Ägypten:
:Als Antwort auf die tiefen Erschütterungen der Ersten Zwischenzeit [2180 - 1987 v.Chr.] finden wir zunächst Klagedichtung. Sie entspringt dem Bemühen, eine wirre, aus den Fugen geratene Zeit durch stilisierte Klage zu bewältigen ... Von jetzt an werden die Formeln von Untergang und Neugestaltung zum festen Bestand der Literatur. … Die Folgen [des Umbruchs] werden aufrüttelnd bis ins Detail beschrieben, wobei man schon damals Überfremdung, Lärm, Baumsterben und Nahrungsmangel beklagt. Die einstmals Vornehmen sind im Elend, die Armen prunken in neuem Reichtum … und die ganze Menschheit ist (Zitat): Wie eine verirrte Herde, die keinen Hirten hat.
Die Reflexion auf die Erschütterung traditioneller Werte bildet aber weitgehend den Kern aller Theorien zur Moderne. Ausnahmen bilden etwa | | |