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Französische Sprache
Die französische Sprache (Französisch) gehört zur
romanischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Sie wird gegenwärtig von ca. 77 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Zählt man Zweitsprachler hinzu, kommt man auf ca. 130 Millionen Sprecher
(Stand für beide Zahlen 1999).
Der Language Code ist fr bzw. fra oder
fre (nach ISO 639); für Altfranzösisch (842 bis
ca. 1400) ist der Code fro und für Mittelfranzösisch
(ca. 1400 bis 1600) ist der code frm.
Geschichte der französischen Sprache
Die französische Sprache entwickelte sich nach dem Zerfall des Römischen Reiches aus dem Vulgärlatein der gallo-römischen Bevölkerung in der Nordhälfte des heutigen Frankreichs. Allerdings färbte die keltische Bevölkerung die neu entstehende Volkssprache vorwiegend im Klangbild. Einen stärkeren Einfluss übten die Germanen, insbesondere die Franken, aus. Sie eroberten das Gebiet in der Spätantike und prägten den französischen Wortschatz entscheidend mit. Dabei bildeten sich verschiedene Dialekte heraus, die als Langues d'oïl zusammengefasst werden. Die ersten Dokumente, die der französischen Sprache zugeordnet werden, sind die Straßburger Eide, die 842 sowohl auf Altfranzösisch als auch auf Althochdeutsch verfasst wurden.
Unter den Kapetingern kristallisiert sich Paris allmählich als politisches Zentrum Frankreichs heraus, wodurch der dortige Dialekt, das Franzische, zur Hochsprache reift. Aufgrund der zunehmend zentralistischen Politik werden die anderen Dialekte stark zurückgedrängt.
Nachdem 1066 Wilhelm der Eroberer den englischen Thron besteigt, wird das normannische Französisch für zwei Jahrhunderte die Sprache des englischen Adels. In dieser Zeit wurde die englische Sprache sehr stark vom Französischen beeinflusst.
Mit den Albigenserkreuzzügen erreicht Frankreich seine heutige Ausdehnung. Dabei werden die Langues d'oc (siehe unten) zugedrängt und unterdrückt.
Durch den Edikt von Villers-Cotterêts wird 1539 die Französische Sprache als Landessprache Frankreichs festgelegt.
Im Jahre 1634 gründete Kardinal Richelieu die Académie Française, die sich mit der "Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache" beschäftigt.
Ab dem 17. Jahrhundert wird Französisch die lingua franca des europäischen Adels, zunächst in Mitteleuropa, im 18. und 19. Jahrhundert auch in Osteuropa (Polen, Russland, Rumänien). In dieser Zeit entwickelte sich Frankreich zu einer Kolonialmacht und legte damit den Grundstein für die heutige Verbreitung der französischen Sprache außerhalb Europas und der französischen Kreolsprachen. Das 1830 unabhängig gewordene Belgien erobert ebenfalls Kolonien, wo die französische Sprache eingeführt wird.
Im 18. Jahrhundert übernimmt das Französische als Sprache des Adels die Domäne der internationalen Beziehungen und der Diplomatie (zuvor: Latein). Als Großbritannien im 19. Jahrhundert zur herrschenden Kolonialmacht, und die USA im 20. Jahrhundert zur Weltmacht wurden, ändert sich die Sprachsituation zu Gunsten der englischen Sprache.
Mit der Dezentralisierung in den 1980er Jahren wird den Regionalsprachen sowie den Dialekten in Frankreich mehr Freiraum eingeräumt, wodurch sie eine Renaissance erfahren. 1994 wird in Frankreich das Loi Toubon erlassen, ein Gesetz, das den Schutz der französischen Sprache sichern soll.
Aussprache
Siehe: Aussprache der französischen Sprache
Verbreitung
Amtssprache
Französisch ist allein oder zusammen mit anderen Sprachen Amtssprache in folgenden Staaten (in Klammern die Anzahl der Muttersprachler)
Außerdem ist Französisch eine der Amtssprachen der Europäischen, der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten sowie der Vereinten Nationen.
Sonstige Verwendung
Französisch ist darüber hinaus Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Algerien
- Andorra
- Dominica
- Kanalinseln (unter britischer Krone)
- Libanon
- Louisiana (USA)
- Marokko
- Mauretanien
- Tunesien
Zudem bildet Französisch die Grundlage verschiedener Terminologien, z.B. in der gastronomischen Fachsprache und im Ballett.
Sprachvarianten der französischen Sprache
Französisch ist eine indoeuropäische Sprache und gehört zu den galloromanischen Sprachen, die in zwei Gruppen geteilt werden: langues d'oïl im nördlichen Frankreich und Belgien und langues d'oc im Süden Frankreichs. Hierbei ist der Status, was dabei Dialekt und was eigenständige Sprachen ist, umstritten. Meistens spricht man von zwei Sprachen und deren jeweiligen Patois, den französischen Dialekten. Das Französische wird den langues d'oïl zugeordnet und geht auf eine Mundart aus dem Raum Ile de France zurück.
Sie grenzen sich von den langues d'oc ab, die südlich des Flusses Loire verbreitet sind und eine eigene Sprache darstellen. Die Unterscheidung bezieht sich auf die Verwendung des Wortes Ja - Oc im Süden und Oïl im Norden. Zudem ist bei den Langues d'oc, die zusammenfassend auch als Okzitanisch bezeichnet werden, der romanische Charakter stärker ausgeprägt.
Daneben gibt es das Franko-Provenzalische, was mitunter keiner der beiden anderen gallo-romanischen Sprachen zugeordnet wird. Da es allerdings keine Hochsprache entwickelt hat, wird es von manchen als Dialekt der langues d'oc angesehen.
Gallo-romanische Sprachen:
- langues d'oïl (Französisch)
- Gallo, Wallonisch, Picardisch
- Franko-Provenzalisch
- langues d'oc (Okzitanisch)
- Provenzalisch, Languedokisch, Gaskognisch
Aufgrund der internationalen Verbreitung gibt es auch landestypische Eigenheiten der französischen Sprache:
- Belgisches Französisch
- Schweizer Französisch
- Französisch in den USA
- Cajun
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Französisch in Kanada
- Kanadisches oder Quebecer Französisch
- Akadisches Französisch
- Neufundländisches Französisch
- Michif
- Jèrriais
- Französisch geprägte Kreolsprachen
Alle wichtigen Dinge zur Konjugation finden sich unter französische Konjugation
Objekt
Objektpronomen
Welches Objektpronomen ersetzt welches Objekt?
Dieses "de" kann auch ein Teilungsartikel sein.
Welches Objektpronomen steht in welcher Reihenfolge im Satz?
wobei
- [se] für ein eventuelles Reflexivpronomen steht,
Wo stehen die Objektpronomen im Satz?
- Objektpronomen stehen immer vor dem konjugierten Verb.
- Ausnahme bei Infinitivkonstruktionen: Objektpronomen stehen dann vor dem handlungstragenden Infinitiv
Beispiele
Modus Indicatif :
Modus Subjonctif :
Dieses Modus existiert nicht im Deutschen. Er ist mit Konstruktionen mit "que" zu verwenden.
Modus Conditionnel :
Dieses Modus drückt die Bedingung aus.
Außerdem hat die französische Sprache das Modus Impératif, das in Présent und Passé geteilt ist. Diese Teilung gilt auch für die Moden Participe und Infinitif.
Konnektoren
cause (Ursache)
conjonctions:
parce que
puisque,
pour la simple et bonne raison que,
comme,
étant donné que,
du fait que,
attendu que,
considérant que,
vu que,
soit parce que,
sous prétexte que,
ce n'est pas parce que,
car,
en effet,
tellement,
tant,
d'autant plus que,
d'autant moins que,
d'autant mieux que,
surtout que,
à présent que,
maintenant que,
dès l'instant où,
dès lors que,
du moment que
prépositions:
à cause de,
grâce à,
avec,
étant donné,
du fait,
à la lumière de,
attendu que,
eu égard à,
vu,
à la suite de,
par suite de,
sous,
à,
pour,
par,
de,
à force de,
faute de,
par manque de,
à defaut de,
sous prétexte que,
sous couleur de,
sous couvert de
conséquence (Folge)
conjonctions:
si bien que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
en sorte que,
tel +Nomen +que,
verbe +tellement,
verbe +tant,
si +Adj. +que,
au point que,
tant et si bien que,
tant et tant que,
à telle enseigne que,
pour que,
il s'en faut de ... que,
sans que,
donc,
partant,
par conséquant,
en conséquence,
c'est pourquoi,
voilà pourquoi,
de ce fait,
c'est pour cela que,
alors,
depuis lors,
dès lors,
de cette manière,
ainsi,
aussi,
du coup,
d'où,
de là
but (Ziel)
conjonctions:
pour,
afin de,
pour que,
afin que,
si...c'est pour que,
de manière à,
de façon à,
de manière que,
de façon que,
de sorte que,
de manière à ce que,
de façon à ce que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
pour ne pas,
afin de ne pas,
de peur de,
de crainte de,
il faut que,
il suffit de
prépositions:
dans le but de,
en vue de,
à dessein de,
histoire de,
question de,
affaire de,
dans/avec l'intention de,
dans la perspective de,
dans le souci de,
avec l'idée de,
dans/avec l'espoir de,
avec l'arrière-pensée de,
dans le seul but de,
à seule fin de,
en vue de,
en perspective de,
dans un souci de
condition (Bedingung)
conjonctions:
à condition que,
à la seule condition que,
à une seule contition, c'est que...,
sous la condition que,
pourvu que,
pour peu que,
si tant est que,
pour autant que,
dans la mesure où
prépositions:
à,
à condition de,
faute de,
à defaut de,
à moins de,
quitte à,
au risque de,
avec,
en das de,
sans,
en l'absence de,
sauf,
sous réserve de
hypothèse (Annahme)
conjonctions:
à supposer que,
en supposant que,
supposé,
une supposition,
en admettant que,
au cas où,
dans le cas où,
pour le cas où,
dans l'hypothèse où,
des fois que,
suivant que,
selon que,
soit que,
...,autrement,
...,sans cela/quoi,
...,faute de quoi,
à moins que
opposition (Gegensatz)
adverbes:
au contraire,
à l'opposé,
inversement,
en revanche,
par contre,
à la place
prépositions:
contrairement à,
au contraire de,
contre,
à l'encontre de,
à/au rebours de,
à l'opposé de,
à l'inverse de,
au détriment de,
face à,
en face de,
à côté de,
auprès de,
au lieu de,
à la place de,
loin de
conjonctions:
et,
alors que,
tandis que,
alors même que,
pendant que,
tandis que,
cependant que,
là où,
autant...autant...,
au lieu que
concession (Einschränkung)
adverbes:
pourtant,
cependant,
nonobstant,
néanmoins,
toutefois,
seulement,
malheureusement,
quand même,
tout de même,
malgré tout
coordonnants:
mais,
or,
et
prépositions:
malgré,
sans,
en dépit de,
au mépris de,
nonobstant,
avec,
pour,
sans,
au risque de,
quitte à
conjonctions:
bien que,
quoique,
sans que,
encore que,
même si,
quand bien même,
tout/pour/si/aussi/quelque +Adj. +que +Subj.,
quoi que ce soit,
quoi qu'il arrive/advienne,
où que,
quel que soit
comparaison (Vergleich)
conjonctions:
comme,
comme pour,
comme quand,
comme lorsque,
aussi +Adj./Adv. +que...,
autant +de +Nominalgruppe +que...,
rien ne...tant que,
ainsi que,
au même titre que,
de même que,
tel que,
tel...,tel...,
autant...,autant...,
plus...que,
rien de plus +Adj...que de +Inf.,
davantage,
meilleur que,
mieux que,
pire que,
pis que,
plutôt que,
à mesure que,
au fur et à mesure que,
tant que,
plus...,plus...,
moins...,moins...,
d'autant plus/moins/mieux...que...
prépositions:
comme,
de,
en
Französische Wendungen im deutschen Sprachgebrauch
- à - je, zu (je), für (je); vor Preisangaben von Waren.
- à bas [a'ba] - "nieder mit".
- a condition - bedingungsweise (Lieferung).
- à deux mains - mit beiden Händen
- à discretion - nach Belieben.
- à fonds perdu - auf Verlustkonto, nichtrückzahlbar.
- à jour - "bis zu dem Tage", auf dem laufenden.
- à la ... - nach Art von ...
- à la bonne heure - ["zur guten Stunde"], sehr gut!, bravo!, ausgezeichnet!
- à la carte [-'kart] - nach der (Speise-)Karte, nach Wahl
- à la mode - nach der Mode, modisch
- à la suite[-'syit] - im Gefolge
- à propos - nebenher bemerkt
- à quatre - zu vieren
- à tout prix - um jeden Preis
- comme il faut - wie es sich gehört
- déjà-vu
- jour-fix
- peut-à-peut
- vis-à-vis
Sprachregulierung
Die Französische Sprache wird reguliert durch:
- Académie française
- Loi Toubon - Gesetz zum Schutz der französischen Sprache
Siehe auch
- Frankophonie
- Sprachen in Frankreich
- Französische Rechtschreibreform
- Französischunterricht
- Argot
- Verlan
- Gérondif
- Gallizismus
Weblinks
- [http://www.academie-francaise.fr/ L'académie française]
- [http://sf.gidoo.de/de/service/rectifications-orthographiques.html Informationen zu den orthografischen Korrekturen (rectifications orthographiques)]
- [http://www.russki-mat.net/frz/Argot.htm Wörterbuch der französischen Umgangssprache]
- [http://www.sprachurlaub.de/service/franzoesisch-lernen.htm Vollständige franzöische Grammatik - sehr anschaulich]
- [http://www.verben.info/ Französische Verben online üben]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Romanische Sprache
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Schweizer Sprache
als:Französische Sprache
ja:フランス語
ko:프랑스어
simple:French language
th:ภาษาฝรั่งเศส
zh-min-nan:Hoat-gí
Romanische SprachenDie romanischen Sprachen sind ein Zweig der indoeuropäischen bzw. indogermanischen Sprachen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Sprachgruppen ist die "Ursprache" des Romanischen gut bezeugt: es handelt sich um das gesprochene Latein (Volkslatein oder Vulgärlatein). Das Lateinische selbst gilt nicht als romanische Sprache, sondern wird zu den italischen Sprachen gezählt, die aber heute alle außer den "Nachkommen" des Lateinischen als gesprochene Sprachen ausgestorben sind.
Heutige Standardsprachen
Die heutigen romanischen Standardsprachen sind:
Romanische Sprachen nach Untergruppen
Die romanischen Sprachen lassen sich nach teilweise systemlinguistischen, teilweise geographische Kriterien in mehrere Untergruppen einteilen. Bei der folgenden Liste der romanischen Sprachen ist zu beachten, dass bei vielen romanischen Idiomen die Aufzählung schwierig ist, da sie je nach Quelle mal als eigenständige Sprachen, mal als Dialekte geführt werden. Das hängt damit zusammen, dass sie nicht über eine einheitliche Standardsprache verfügen, sondern überwiegend neben einer anderen Standardsprache vor allem in informellen Kontexten verwendet werden (Diglossie).
Mit Ausnahme des Sephardischen und des Anglonormannischen handelt es sich bei den hier aufgezählten um Sprachformen, die sich direkt und in ungebrochener zeitlicher Kontinuität aus dem gesprochenen Latein entwickelt haben. Sie bilden in Europa mit Ausnahme des Rumänischen auch ein räumliches Kontinuum. Man spricht aufgrund der zeitlichen und räumlichen Kontinuität auch von Romania continua.
Iberoromanische Sprachen
Zum Iberoromanischen gehören die spanische, die portugiesische, die galicische und die katalanische Standardsprache (die letztere einschließlich des Valencianischen). Das Katalanische nimmt dabei eine Übergangsstellung zwischen dem Iberoromanischen und dem Galloromanischen ein. Außerdem gehören zu den iberoromanischen Sprachen:
- Aragonesisch im Norden der Region Aragón in Spanien
- Asturisch in der Region Asturien und der Provinz León in Spanien. Eng mit diesem verwandt ist das Mirandesische (Mirandês) im Nordosten Portugals, das dort lokale Amtssprache ist.
- Sephardisch, die Sprache der nach 1492 aus Spanien vertriebenen jüdischen Sepharden, wird noch heute in der Türkei, in Israel und in New York gesprochen.
Galloromanische Sprachen
Die galloromanischen Sprachen sind alle romanischen Sprachen, die sich aus dem Vulgärlatein der gallischen Bevölkerung im Römischen Reich entwickelte, die auch als Gallo-Römer bezeichnet werden.
Auf fast dem gesamten Gebiet der galloromanischen Sprachen wird heute die französische Standardsprache verwendet. Nach sytemlinguistischen Kriterien kann man die galloromanischen Sprachen zu drei Gruppen zusammenfassen:
- Langues d'oïl. Zu diesen gehören neben dem Französischen mehrere enger mit diesem verwandte Dialekte, die von manchen auch als eigene Sprachen angesehen werden:
- Gallo im östlichen Teil der Bretagne
- Picardisch in Nordostfrankreich und Belgien
- Wallonisch in Nordostfrankreich und Belgien
- Anglonormannisch, die Sprache der normannischen Oberschicht im mittelalterlichen England nach 1066
- Jèrriais auf der Insel Jersey
- Franko-Provenzalisch. Unter diesem Begriff werden von Linguisten die Dialekte des mittleren Rhônetales, des größten Teiles der französischsprachigen Schweiz (Romandie), Savoyens und des Aostatales zusammengefasst. Eine Standardsprache oder ein eigenständiges Sprachbewusstsein existiert jedoch nicht, als Schriftsprache wird hier von Alters her das Französische verwendet.
- Langues d'oc oder Okzitanisch in Südfrankreich (Okzitanien), den Alpen Nordwestitaliens und der Val d'Aran in Katalonien. Dieses muss aufgrund des Systemabstandes auf alle Fälle als eigenständige romanische Sprache klassifiziert werden, besitzt jedoch keine allgemein anerkannte Standardvarietät. Mehrere Dialekte des Okzitanischen werden gelegentlich auch als eigene Sprachen betrachtet:
- Auvergnatisch in der Auvergne
- Gascognisch in Südwestfrankreich zwischen der Garonne und den Pyrenäen sowie in der Val d'Aran; in der Val d'Aran ist die lokale Varietät, das Aranesische, lokale Amtssprache.
- Languedokisch im Languedoc
- Limousinisch im Limousin
- Nissart im Gebiet um Nizza (wird oft auch zum Provenzalischen gezählt)
- Provenzalisch in der Provence (die Bezeichnung Provenzalisch wurde früher auch für das Okzitanische als Ganzes verwendet)
Die Abgrenzung des Galloromanischen zum Iberoromanischen und zum Italoromanischen innerhalb des romanischen Dialektkontinuums ist nicht eindeutig. Das Katalanische nimmt eine Übergangsstellung zwischen Galloromanisch und Iberoromanisch ein, die galloitalienischen Varietäten haben rein systemlinguistisch betrachtet mehr mit dem Galloromanischen gemeinsam als mit dem übrigen Italoromanischen, zu dem sie aus geographischen und kulturgeschichtlichen Gründen meist gezählt werden.
Rätoromanische Sprachen
Unter der Bezeichnung rätoromanische Sprachen werden das Furlanische, das Bündnerromanische und das Ladinische zusammengefasst.
Italoromanische Sprachen
Die einzige italoromanische Standardsprache ist das Italienische. Die übrigen italoromanische Sprachen gehören mit Ausnahme des Korsischen und des Monegassischen alle zum Geltungsbereich der italienischen Standardsprache und werden deshalb oft auch als italienische Dialekte klassifiziert. Sie lassen sich in drei Untergruppen einteilen, zwischen denen große Unterschiede bestehen:
- Die Varietäten der nördlichen Gruppe, die von manchen zusammenfassend auch als Padanisch bezeichnet werden, nehmen eine Übergangsstellung zum Galloromanischen ein. Während das Venetische größere Gemeinsamkeiten mit dem übrigen Italoromanischen aufweist, haben die übrigen norditalienischen Varietäten, die zusammenfassend auch als Galloitalienisch bezeichnet werden, auf dem Gebiet der Lautentwicklung und der Morphologie mehr mit dem Galloromanischen gemeinsam als mit dem übrigen Italoromanischen. Zur nördlichen Gruppe gehören:
- Emilianisch in der Emilia-Romagna
- Ligurisch in Ligurien; eine ligurische Varietät ist auch das Monegassische in Monaco
- Lombardisch in der Lombardei
- Piemontesisch im Piemont
- Venezianisch oder Venetisch in der Region Venetien in Nordostitalien
- Mittelitalienische Varietäten werden in den Regionen Toskana und Umbrien und im größten Teil von Latium und Marken gesprochen. Die Grenze zu den norditalienischen Varietäten folgt ungefähr der Linie La Spezia-Rimini, die Grenze zu den süditalienischen Varietäten der Linie Rom-Ancona. Sie bilden die Grundlage der italienischen Standardsprache. Das Korsisch auf Korsika, das dort neben dem Französischen auch in begrenztem Maße offizielle Anerkennung erlangt hat, gehört systemlinguistisch betrachtet auch zu den mittelitalienischen Varietäten, hat jedoch aus geographischen und kulturgeschichtlichen Gründen eine Sonderstellung.
- Die süditalienischen Varietäten werden in der südlichen Hälfte der Apenninhalbinsel und auf Sizilien gesprochen. Am bekanntesten sind das das Napolitanische in Neapel und der Region Kampanien und das Sizilianisch auf Sizilien.
Sardisch
Das Sardische auf Sardinien lässt sich keiner der Untergruppen zuordnen. Sie besitzt derzeit keine einheitliche Standardsprache, muss jedoch aufgrund ihres Systemabstandes zu den übrigen romanischen Sprachen auf alle Fälle als eigenständige Sprache klassifiziert werden.
Balkanromanische Sprachen
Die einzige balkanromanische Standardsprache ist das Rumänische. Außerdem gehören zu dieser Gruppe mehrere in Südosteuropa gesprochene Kleinsprachen, die früher auch oft als rumänische Dialekte betrachtet wurden:
- Aromunisch (auch: Mazedorumänisch) in Nordgriechenland, Mazedonien, Albanien
- Istrorumänisch im Nordosten Istriens (Kroatien)
- Meglenorumänisch in der Meglen-Ebene an der Grenze zwischen Griechenland und der Republik Mazedonien.
Ausgestorbene romanische Sprachen
Heute ausgestorbene romanische Sprachen (Romania submersa, untergegangene Romania) sind:
- Dalmatisch an der östlichen Adriaküste (mit den Varianten Vegliotisch auf der Insel Krk (italienisch: Veglia), Ragusäisch um Dubrovnik (italienisch: Ragusa)
- Mozarabisch (in Andalusien)
- nordafrikanisches Romanisch
- Moselromanische Sprache (romanische Sprachinsel im Moseltal)
Kreolsprachen auf romanischer Grundlage
Manche Linguisten rechnen auch die romanisch-basierten Pidgins und Kreolsprachen zu den romanischen Sprachen.
Diese "neuromanischen Sprachen" (Romania nova) lassen sich einteilen in:
- Lingua Franca (Pidgin)
- französisch-basierte Kreolsprachen
- spanisch-portugiesisch-basierte Kreolsprachen
Siehe auch: Liste der Kreolsprachen
Plansprachen auf teilweise romanischer Grundlage
Unter romanischem Einfluss sind verschiedene sogenannte „Konstruierte Sprachen“ entwickelt worden, z.B. Esperanto oder Interlingua.
Literatur
- Alwin Kuhn: Die romanischen Sprachen, Bern (Francke) 1951.
- Rainer Schlösser: Die romanischen Sprachen, München (Beck) 2001. ISBN: 3406447678
- Carlo Tagliavini: Einführung in die romanische Philologie, München (Beck) 1973.
Siehe auch
- Panromanismus
- Quantitätenkollaps
Kategorie:Sprachfamilie
!
als:Romanische Sprachen
ja:ロマンス語
simple:Romance languages
zh-min-nan:Romance gí-giân
Indogermanische Sprachfamilie
Die indogermanische Sprachfamilie, von der nicht deutschsprachigen Philologie eher als indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie auf der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.
Der Begriff „indogermanisch“
Bei der Bildung der Bezeichnung Indogermanisch im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen im Osten und im Westen der germanischen Gruppe (mitsamt des Isländischen).
Die keltischen Sprachen wurden damals aufgrund grammatikalischer Besonderheiten noch nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich wurde erst 1890 entdeckt.
Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten.
In anderen Sprachen wird hingegen die Bezeichnung Indoeuropäisch (IE) verwendet. Der amerikanische Linguist Merritt Ruhlen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine vorgebliche Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen zu betonen. Ein solcher Stammbaum wird jedoch (zumindest in der weitreichenden Form) von den meisten anderen Forschern abgelehnt. Heute nehmen viele Forscher aber an, dass sich die anatolischen Sprachen tatsächlich als erste von der Ursprache abgespalten haben.
Ursprung und Entwicklung
Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt. Dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande kam, kann ausgeschlossen werden.
Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen dem Sanskrit und einigen europäischen Sprachen wie Litauisch, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel gibt.
Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als Entdecker des Indogermanischen.
Diese indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen.
Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben.
Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der sog. indogermanischen Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“.
Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Sprachrekonstruktion in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen.
Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden.
Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht.
Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen.
Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert.
Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei.
Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen.
Kritisiert an dieser Methodik wird v. a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet.
Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten.
Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten.
Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen (z. B. Balten und Hindi) und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen.
Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt.
Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht.
Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für „hundert", der erschlossenen Urform - kmtom, siehe Kentumsprachen.
Untergruppen
Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen lebender und ausgestorbener (†) Sprachen:
- Indogermanische Ursprache †
- Albanisch
- Anatolische Sprachen †
- Armenisch
- Baltische Sprachen
- Ostbaltische Sprachen
- Westbaltische Sprachen (Altpreußisch) †
- Germanische Sprachen
- Nordgermanische Sprachen
- Ostgermanische Sprachen †
- Westgermanische Sprachen
- Griechisch
- Illyrisch †
- Indoiranische Sprachen
- Indoarische Sprachen
- Iranische Sprachen
- Italische Sprachen
- Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen Sprachen)
- Oskisch-umbrische Sprachen †
- Keltische Sprachen
- Festlandkeltische Sprachen †
- Inselkeltische Sprachen
- Phrygisch †
- Slawische Sprachen
- Ostslawische Sprachen
- Westslawische Sprachen
- Südslawische Sprachen
- Thrakisch †
- Tocharisch †
- Venetisch †
Verwandtschaftsverhältnisse
Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z. B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d. h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.
Siehe auch
- Indogermanische Wortwurzeln
- Indogermanische Ursprache
Literatur
- Robert S. P. Beekes: Comparative Indo-European Linguistics. An Introduction, Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 1-55619-505-2
- Frederik Bodmer: Die Sprachen der Welt, Parkland-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-88059-880-0 (Schlechte Populärwissenschaft mit zahllosen sehr ärgerlichen Fehlern bei allen behandelten Themen (nicht nur der Indogermanistik), im Großen ebenso wie im Détail. Untauglich.)
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, dtv, München 2001, ISBN 3-423-33061-9
- Cowgill, Waren 1986 Indogermanische Grammatik, I: Einleitung; II: Lautlehre; begr. v. Jerzy Kuryłowicz, hrsg. v. Manfred Mayrhofer, (=Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr- und Handbücher), Heidelberg: Winter.
- Delbrück, Bertold 1919 Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung, (=Bibliothek indogermanischer Grammatiken, IV). 6. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel - Beste Darstellung der Wissenschaftsgeschichte mit allen Details im frühen 19. Jh.
- Thomas W. Gamkrelidse, Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 50-57, ISSN 09477934
- Marija Gimbutas: The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles Form 1952 to 1993, Institute for the Study of Man, Washington 1997, ISBN 0-941694-56-9
- Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, In: Archeolingua, Budapest 1994 (series minor, 6)
- Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache, 14. Auflage, dtv, München 2004, ISBN 3-423-03025-9
- James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth, Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-27616-1
- James P. Mallory, D. Q. Adams (Hrsg.): Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn, London 1997, ISBN 1-884964-98-2
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, 8. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017243-7 (Ursprünglich von Hans Krahe. Gegenwärtig die umfassendste Darstellung, mit vorzüglicher Bibliographie zu sämtlichen Einzelthemen)
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 40-48, ISSN 09477934
- Colin Renfrew: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-38675-6
- August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, Böhlau, Weimar 1861/62, Nachdruck: Olms, Hildesheim 1974, ISBN 3-487-05382-9
- Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0
- Szemerényi, Oswald: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, wb Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1989, ISSN 0724-5009, ISBN 3-534-04216-6. Sehr gute und umfangreiche wissenschaftliche Darstellung von Entwicklung und Verwandtschaftsverhältnissen der einzelnen indogermanischen Sprachen, referiert u. a. über die Entwicklung der Kasus, der Genus, der unterschiedlichen Konjugationen, des Lautsystems etc. Anfängern ist es allerdings nicht zu empfehlen.
- Eva Tichy: Indogermanistisches Grundwissen, Hempen Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934106-14-5 (Augenblicklich beste Einführung, nicht nur für Studierende. Im Gegensatz zu Meier-Brügger kein Abschnitt zur Syntax, aber ausführliche Diskussion der Entstehung des Systems der drei grammatischen Geschlechter, insbesondere des Femininums, im Indogermanischen. - Reiche weiterführende Literaturangaben. Als Leitfaden fürs (Selbst-)Studium bestens geeignet.)
Weblinks
- http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/texte/ie.html - Indogermanisch oder Indoeuropäisch?
- http://www.zeit.de/archiv/2001/51/200151_sprachgen.xml - Wie Gene die Lippen spitzen
- http://www.civisdigitalis.de/em/info/archive_article.asp?article=121003 - Das große Rätsel der indoeuropäischen Sprache – neuer Disput um Alter und Herkunft
- http://static.unilang.org/resources/other/languagefamily_ie.jpg - Stammbaum der indogermanischen Sprachfamilie
- http://www.dabis.at/Anwender.htm/Alscher/contents.htm - The Ergativic Stage of Early Proto-Indoeuropean - Written by Hans-Joachim Alscher
Kategorie:Sprachfamilie
ja:インド・ヨーロッパ語族
zh-cn:印欧语系
Zweitsprache
Eine Zweitsprache (L2) ist eine Sprache, die ein Mensch neben der Muttersprache (L1) sprechen kann. Zweitsprache ist vom Begriff der Fremdsprache (ebenfalls L2) zu trennen. Man spricht von Zweitsprache, wenn die L2 zum täglichen Gebrauch überlebensnotwendig ist. Ist sie dies nicht, bezeichnet man die L2 als Fremdsprache.
Die Notwendigkeit zum Erwerb der Zweitsprache zeigt sich besonders bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, da in der Herkunftsfamilie sehr häufig nur die Muttersprache, die Landessprache des Gastlands hingegen nicht, oder nur rudimentär gesprochen wird. Wenn beide Sprachen nur unzureichend beherrscht werden, bezeichnet man dies als doppelte Halbsprachigkeit.
In Deutschland stellt sich die Situation so dar, dass im Rahmen des am 1._Januar 2005 in Kraft getretenen Zuwanderungsgesetzes die Integration der Migranten verbessert werden soll. Integrationskurse sollen neben anderen Inhalten auch Kenntnisse der deutschen Sprache im Sinne einer Zweitsprache vermitteln.
Literatur
- [http://stattweb.de/cgi-bin/baseportal.pl?htx=/stattweb.de/ArchivDetail&db=Archiv&Id=176 Anonym (sp): Staat, "Nation" und Sprache. Vierteilige Artikelreihe zur Sprachpolitik in Nationalstaaten und in der Europäischen Union. In: Stattzeitung für Südbaden, Ausgaben 56-59 (2004).]
Kategorie:Sprache
ISO 639ISO 639 ist ein internationaler Standard, der Sprachen Sprachkennungen zuordnet. Die Buchstabenkürzel werden in kleinen Buchstaben geschrieben (siehe dazu auch das Kapitel Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 1766).
Struktur
Gemäß der ISO-Website sind bislang zwei Teile von ISO 639 veröffentlicht:
- ISO 639-1:2002 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 1: Alpha-2 code (Kurzbezeichnung aus jeweils zwei Buchstaben)
- ISO 639-2:1998 -- Codes for the representation of names of languages -- Part 2: Alpha-3 code (Kurzbezeichnung aus jeweils drei Buchstaben)
Weitere Teile befinden sich derzeit noch in Entwicklung:
- ISO 639-3:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 3: Alpha-3 code for comprehensive coverage of languages ([http://xml.coverpages.org/Nx74Clews-part3.pdf Draft technical report: Language codes part 3] (PDF))
- ISO 639-4:2007? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 4: Implementation guidelines and general principles for language coding
- ISO 639-5:2006? -- Codes for the representation of names of languages -- Part 5: Alpha-3 code for language families and groups
Beispiele
Eine (englischsprachige) Liste der Kürzel in beiden Varianten ist im englischen Artikel zur ISO 639 enthalten. Die deutschen Entsprechungen sind im Wiktionary auf der Seite Wiktionary:Sprachen verzeichnet.
- Für heutiges Deutsch gibt es drei Kürzel: ger (bibliographischer Code), deu (terminologischer Code) und de.
- Mittelhochdeutsch (ca. 1050 - 1500) ist gmh (German, Middle High),
- Althochdeutsch (ca. 750 - 1050) goh (German, Old High) und
- Platt nds (Low Saxon).
Es werden auch Kunstsprachen (z. B. Klingonisch unter tlh) in die ISO-Listen aufgenommen.
Language Code nach ISO 639 (Liste/Auswahl)
Klingonisch
Klingonisch
(Liste bestehend nur aus Sprachen mit Codes nach ISO 639-1 und ISO 639-2!)
Abgrenzung zu ISO 3166 und RFC 3066
Während ISO 639 die sprachliche Einteilung definiert, beschreibt ISO 3166 die geografische Einteilung. ISO 639-1 und ISO 3166 verwenden dabei beide 2-buchstabige Kürzel, aber während diese im ISO 639-1 aus Kleinbuchstaben bestehen, verlangt die ISO 3166 Großbuchstaben. Abweichend vom Standard wird die Sprachkodierung aber oft in Großbuchstaben angegeben. Dies kann zur Verwechslung mit der Geografiekodierung führen, da einige Länder die selben Kürzel für ihre geografische und sprachliche Einteilung haben während andererseits das selbe Kürzel für völlig verschiedene Geografien bzw. Sprachen stehen kann.
Beispielsweise stehen DE/de für Deutschland/deutsch, FR/fr stehen für Frankreich/französisch, aber BE/be stehen für Belgien/belorussisch.
Andererseits lautet die geografische Einteilung für Griechenland GR, während die sprachliche Einteilung für die griechische Sprache el lautet.
Es existieren viele weitere Beispiele. Das Kürzel EU/eu steht einerseits für die geografische Einteilung Europäische Union, andererseits für die sprachliche Einteilung baskische Sprache. Das Kürzel AF/af steht einerseits für die geografische Einteilung Afghanistan, andererseits für die sprachliche Einteilung Afrikaans. Sämtliche Homographen finden sich auf :meta:Language codes/Conflicts (engl.).
Die Einteilung in Geografie und Sprache ist jedoch sinnvoll: beispielsweise gilt, dass Deutsch nicht nur in Deutschland und Französisch nicht nur in Frankreich gesprochen wird.
In Kombination mit den Geografiecodes nach ISO 3166 für Länder erklärt der RFC 3066 (früher RFC 1766) die Angabe von Sprachenkürzeln wie man sie für Locales benutzt, z.B. en_US (englische Sprache im Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika; amerikanisch) im Gegensatz zu en_GB (englische Sprache im Gebiet des Vereinigten Königreichs; britisch). Die Sprachkürzel werden hier durch Kleinbuchstaben symbolisiert, die Länder durch Großbuchstaben. Neben dem Unterstrich (engl. underscore) kommt als Trennzeichen auch oft der Bindestrich zum Einsatz. Locales definieren aber nicht nur eine Landessprache bzw. Regionalsprache, sondern werden auch zur Lokalisierung herangezogen.
Weblinks
- [http://lcweb.loc.gov/standards/iso639-2/codechanges.html ISO 639-2/RA Änderungsangaben] der Library of Congress
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/langcodes.html Komplette Codeliste] (alphabetisch sortiert)
- [http://www.loc.gov/standards/iso639-2/normtext.html Details] at Library of Congress website
- RFC 3066, Tags for the Identification of Languages, Best Current Practice, Januar 2001
- [http://www.ethnologue.com/iso639/ ISO 639 and the Ethnologue]
- [http://fara.cs.uni-potsdam.de/~georgk/639.xml XML version] of the official ISO 639 HTML data at the Library of Congress
- Künftige [http://www.sil.org/iso639-3/codes.asp ISO 639-3-Codes bei der SIL] (Online-Version)
Kategorie:Sprache
Kategorie:ISO-Standard
ja:ISO 639
ko:ISO 639
th:ISO 639
zh-min-nan:ISO 639
AltfranzösischAltfranzösisch bezieht sich auf die langues d'oïl als Sammelbezeichnung der Varietäten romanischer Sprachen, die in der nördlichen Hälfte Frankreichs, sowie in Teilen Belgiens und der Schweiz vom neunten bis etwa zum Ende des 14. Jahrhunderts gesprochen wurden. Das Altfranzösische wurde durch das Mittelfranzösische abgelöst.
Erste Texte in Altfranzösisch
Ein erster Hinweis auf die Verwendung einer romanischen Volkssprache in Frankreich findet sich im Jahre 813 in folgendem Beschluss des Konzils von Tours: Ut easdem homilias quisque aperte transferre studeat in rusticam romanam linguam aut theotiscam, quo facilius cuncti possint intelligere quae dicuntur, d.h. für die Predigt wird die Verwendung der Volkssprache (in Abgrenzung zum liturgischen Latein) empfohlen. Das erste altfranzösische Sprachdokument sind die Straßburger Eide aus dem Jahr 842 in einer Mischung aus Vulgärlatein und Romanisch: Pro Deo amur et pro christian poblo et nostro comun salvament, d’ist di en avant, in quant Deus savir et podir me dunat, si salvarai eo cist meon fradre Karlo, et in aiudha et in cadhuna cosa…. Hier wird deutlich, dass bereits in karolingischer Zeit im westlichen Frankenreich (Francia occidentalis) eine romanische Volkssprache gesprochen wurde. Damit ist die altfranzösische Sprache die erste dokumentierte romanische Sprache überhaupt. Die erste altfranzösische Dichtung ist die Eulalia-Sequenz (ca. 884), die Merkmale des pikardischen Dialekts aufzeigt, ihr folgen weitere Heiligenlegenden und Bibelübersetzungen (Jonas-Fragment). Mit Beginn der kapetingischen Dynastie 987 verbreitet sich die vom franzischen Dialekt geprägte Sprache allmählich in Frankreich, es entstehen die Hauptwerke der altfranzösoschen Literatur in einem vom franzischen Dialekt geprägten Altfranzösischen (Romans de geste), im okzitanischen Sprachraum konnte sich das Französische allerdings erst nach den Albigenserkreuzzügen allmählich durchsetzen.
Wortschatz
Der altfranzösische Wortschatz geht auf das Latein zurück, das sich in Gallien nach der Eroberung durch Julius Cäsar im Jahr 51 n. Chr. durchgesetzt hatte. Der südfranzösische Sprachraum war jedoch schon ab 120 v. Chr. latinisiert, vereinzelt hatten sich auch griechische Sprachkolonien (Nizza, Marseille) gebildet. Etwa seit dem 3. Jahrhundert hatte sich das Latein soweit verändert, dass man diese Sprachform lingua latina rustica bezeichnete in Abgrenzung zum schriftsprachlichen sermo urbanus; in der sprachwissenschaftlichen Terminologie setzten sich später die Bezeichnungen Sprechlatein oder Vulgärlatein durch. Im Laufe der Sprachgeschichte wurde das Latein durch eine chronologisch frühere Sprachschicht, das Substrat und eine im Laufe der Völkerwanderung hinzugekommene Sprachschicht, das Superstrat beeinflusst. Im Süden Galliens bildete sich die Langues d'oc, auch als okzitanische oder provenzalische Sprache bezeichnet, heraus, während im Norden die Langues d'oïl entstand. Die Sprachgrenze bildet ungefähr die Loire, genauer eine Linie, die von Grenoble bis nach La Rochelle führt. Durch die phonetische Entwicklung, die häufig zur Entstehung von Homonymen führte (so ergab lat. AVEM ‚Vogel’ und APEM ‚Biene’ (jeweils angegeben im Akkusativ) im Altfranzösischen beide /e/), kam es zur Notwendigkeit der Entlehnung aus anderen Sprachen (in diesem Fall oiseau aus dem lateinischen Diminutiv AVICELLUS und abeille aus dem provenzalischen abelha aus der lateinischen Form APICULA).
Substratsprachen
Das Latein in Gallien wurde zunächst beeinflusst durch die keltische Sprache, die vor der römischen Eroberung gesprochen wurde und als untergegangene Sprachform auch als Substratsprache bezeichnet wird.
Gallische Substrate sind im Altfranzösischen relativ selten, man findet sie vor allem in Ortsnamen. Ansonsten finden sich keltische Substratwörter z.B. in den Bezeichnungen zum Brauwesen wie cervoise, brasser und brasserie. Darüber hinaus hatte das keltische Substrat in Gallien wohl Einfluss auf die phonetische Entwicklung wie die Palatalisierung, die Entwicklung des lateinischen /u/ zum französischen /ü/ oder die Vokalisierung des /l/.
Superstratsprachen
Das Fränkische hatte als Sprache der Eroberer entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der altfranzösischen Sprache. Fränkische Elemente im Französischen sind u.a. Eigennamen wie Gérard < Gerhard, Louis < Hlodwig, Charles < Karl und Begriffe wie beffroi < - bergfried, hache < - hapja, haubert < - halsberg, gant < - want, hareng < - haring, jardin < - gard- etc. Erkennbar sind die fränkischen Entlehnungen in der graphischen Umsetzung des germanischen /w/ am Wortanfang, das ein gesprochenes /g/ in der Grahie /gu/ ergeben hat (frk. werra > frz. guerre). Weitere Superstratsprachen wie das Gotische hatten dagegen nur einen geringen Einfluss.
Erbwörter und Buchwörter
Im Altfranzösischen entwickeln sich aus einem lateinischen Etymon mitunter zwei verschiedene Lexeme. Diejenigen, die eine erbwörtliche Entwicklung mitmachen (die also in ihrer Form nach den Lautgesetzen verändert wurden), nennt man Erbwort, diejenigen, die (vor allem zur Zeit des Humanismus) direkt aus dem Lateinischen entlehnt wurden, nennt man Buchwort. Beispiele sind: cause und chose (lat. CAUSA), tôle und table (lat. TABULA), entier und intègre (INTEGER), droit und direct (DIRECTUS), mâcher und mastiquer (lat. MASTICARE), sûreté und sécurité (lat. SECURITAS), nuisible und nocif (lat. NOCIBILIS).
Grammatik und Phonologie
Zweikasussystem
Das morphologische System des Lateinischen verfügte über fünf verschiedene Deklinationsklassen und ein Kasussystem. Dennoch gab es bereits im Lateinischen einige Schwachstellen des Systems, so konnte die Form rosae den Genitiv Singular, den Dativ Singular und den Nominativ Plural bezeichnen. Der Wegfall der Endkonsonanten, insbesondere von –M und –S, führte schließlich zum Zusammenbruch des Systems, es ergaben sich folgende Phänomene:
- eine stärkere Fixierung der Syntax
- die Entwicklung der Artikel, die im klassischen Latein noch unbekannt waren
- der Gebrauch von Präpositionen für alle Objektfälle
Das Altfranzösische verfügte über ein auf zwei Kausus reduziertes System, das eine Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt ermöglichte:
Der Wegfall des Zweikasussystems im 14. Jahrhundert durch das vollständige Verstummen der Endkonsonanten markiert den Übergang vom Altfranzösischen zum Mittelfranzösischen.
Prä- und Postdetermination
Im Lateinischen wird
- bei Verben Person, Numerus, Tempus bzw. Modus
- bei Substantiven Numerus, Genus und Kasus
- bei gesteigerten Adjektiven Steigerungsgrad
durch die Endung festgelegt. Durch Verstummen der Endkonsonanten (insbesondere -S und -T) wird der Gebrauch der Pronomen im Altfranzösischen ungefähr seit dem 11. Jahrhundert obligatorisch. Die morphologische Markierung wird also von Wortende an den Wortanfang verschoben.
Vokalsystem
Das altfranzösische Vokalsystem geht zunächst auf die nach dem Quantitätenkollaps im 3. Jahrhundert eingetretene Ablösung der lateinischen Vokallängen durch Qualitäten.
In der Folge wurden vor allem Vokale in freier Stellung (d.h. am Silbenende) diphtongiert, d.h. aus einfachen Vokalen entstanden Doppelvokale, sehr früh entsteht z. B. der Dipthong /ou/ aus /o/ (in louer, cour), ebenso entsteht die Nasalisierung von /an/ und /on/, ebenso konnten Diphtonge nasal gesprochen werden wie /aim/, /ain/.
Konsonanten
Fast alle Konsonanten (und i) vor Vokal wurden im Altfranzösisischen palatalisiert, d.h. die Aussprache verschob sich zum Palatum (Vordergaumen) hin. Das aus dem intervokalischen /t/ entstandene /d/ wird im Altfranzösischen zu einem „englischen“ /th/, bevor dieser Laut vollständig aus der französischen Sprache verschwindet (z.B. lat. VITA > vida > vitha > frz. vie).
Verbalmorphologie
Das Lateinische kannte vor allem die synthetische Markierung von Tempus und Modus im Wortinnern. Bereits im Vulgärlatein lässt sich eine Tendenz zur analytischen Bildung feststellen, morphologisch wird Tempus und Modus also durch ein angefügtes Hilfsverb angegeben. Hieraus entstanden im Altfranzösischen z.B. die Formen des Futurs und des Konditional, so wird z.B. das altfranzösische Futur aus CANTARE + HABEO (wörtlich: ich habe zu singen) zu chanterai. Andere Zeiten wie das Imperfekt entwickelten sich lautgesetzlich aus dem Lateinischen: lat. CANTABAM > vlat. cantava > afrz. cantoe > frz. chantais.
Graphie
In altfranzösischen Texten unterscheidet sich (wie im Neufranzösischen) die Graphie erheblich von der Aussprache, d.h. es wird teils etymologisierend, teils phonetische geschrieben. Die tatsächliche Aussprache läßt sich im konkreten Fall rekonstrieren aus Reimen wie forest : plaist; fais : apres oder durch die Untersuchung der Wortentehnungen in andere Sprachen, z.B. forest mhd. foreht; afrz. chastel mhdt. tschastel oder auch engl. change, chapel, chief. In der Schreibung nicht unterschieden wurden im Altfranzösischen das als /ts/ palatalisierte c vor e und i und das weiterhin als /k/ realisierte c vor a, o und u, die Cedille zur Markierung der palatalisierten Aussprache von c vor a, o und u wurde erst im 16. Jahrhundert durch den Buchdruck eingeführt.
Varietäten
Da das Franzische als Dialekt der Île de France und Grundlage des heutigen Französisch sich erst ab dem 13. Jahrhundert in Frankreich als Nationalsprache durchsetzen konnte, existierten lange Zeit relativ eigenständige Dialekte:
- das Burgundische in Burgund, das lange Zeit ein unabhängiges und kuturell hochstehendes Herzogtum war;
- das Pikardische in der Pikardie, mit einer stark ausgeprägten Klostertradition, einige der ältesten altfranzösischen Texte sind im pikardischen Dialekt verfasst (etwa die Eulalie-Sequenz), auch die zur 'matière de France gehörenden Chansons de geste sind vermutlich in der Pikardie entstanden.
- das Wallonische in der Wallonie im heutigen Belgien mit dem Zentrum Namur;
- das Champagnische in der Champagne, mit einer starken literarischen Tradition, die Epen von Chrétien de Troyes sind im champagnischen Dialekte verfasst;
- das Normannische, das zunächst im Bereich der heutigen Normandie von den Normannen verwendet wurde und nach der Eroberung Englands auf den britischen Inseln gesprochen wurde. Hier spricht man auch vom Anglo-Normannischen, das einen starken Einfluss auf die Entwicklung der heutigen englischen Sprache ausüben konnte. Bekannt wurden vor allem die Dichtungen der Marie de France im anglonormannischen Dialekt;
- das Lothringische in der Grenzregion zum deutschen Sprachraum und einer weitgehenden politischen Eigenständigkeit bis ins 17. Jahrhundert
Jedoch lassen sich anhand der überlieferten (literarischen) Texte häufig keine eindeutigen Dialektzuordnungen anstellen, da die Werke der altfranzösischen Zeit in der Regel nur durch spätere Abschriften überliefert sind.
Nicht zur langues d'oïl gezählt wird das Frankoprovenzalische in der Region von Lyon bis in die französischsprachige Schweiz und die Dialekte der langues d'oc in Südfrankreich. Umstritten ist der Status der Dialekte in dem als Croissant bezeichneten Dialektgrenzgebiet in der Auvergne.
Altfranzösische Literatur
Literatur
Einführungen und Sprachgeschichten
- Batany, J., Français médiéval, Paris, Bordas, 1978.
- Bruneau, Charles, Petite histoire de la langue française, 2 voll., Paris, 1969/70.
- Brunot, Ferdinand, Histoire de la langue française des origines à nos jours, 13 voll., Paris, 1966-.
- Hasenohr, Geneviève, Introduction à l’ancien français, Paris, 21993.
- Kesselring, Wilhelm, Die französische Sprache im Mittelalter, Tübingen, 1973.
- Voretzsch, Carl, Einführung in das Studium der altfranzösischen Sprache, Halle, 1932.
- Wartburg, Walther von, Evolution et structure de la langue française, Tübingen, Francke, 1993 [= Kultur- und Sprachgeschichte Frankreichs].
- Wolf, Heinz Jürgen, Französische Sprachgeschichte, Heidelberg / Wiesbaden, UTB, 1991.
- Zink, Gaston, L'ancien français, Paris, PUF, 1997 (= Que sais-je).
Wörterbücher
- DEAF = Baldinger, Kurt, Dictionnaire étymologique de l'ancien français, Tübingen, 1974-.
- Godefroy, Frédéric, Dictionnaire de l'ancienne langue française et de tous ses dialectes du IXe au XVe siècle, 10 voll., Paris, Vieweg / Bouillon, 1880-1902.
- Greimas, Algirdas Julien, Dictionnaire de l’ancien français, Paris, Larousse, 1979.
- TL = Tobler, A. / Lommatzsch, E., Altfranzösisches Wörterbuch, Berlin / Wiesbaden, 1924 - 1991 (A-V).
Grammatiken
- Anglade, Joseph, Grammaire elémentaire de l'ancien français, Paris, Colin, 1965.
- Meyer-Lübke, Wilhelm, Historische Grammatik der französischen Sprache, 2 voll., Heidelberg, 1966.
- Regula, Moritz, Historische Grammatik des Französischen, 3 voll., Heidelberg, 1955-1966.
- Rheinfelder, Hans, Altfranzösische Grammatik, 2 voll., München, Hueber, 1975.
Siehe auch: Gallische Sprache, Französische Sprache
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Sprachstufe
Kategorie:Französische Geschichte
842
Politik und Weltgeschehen
- Liutbert wird Erzbischof von Köln; noch im selben Jahr folgt ihm Hilduin
- Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle schwören die Straßburger Eide
-
- 15. Juli - Saga (Kaiser), 52. Kaiser von Japan ( - 786)
- al-Mutasim, Kalif der Abbasiden seit 833 ( - 794)
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1600
Politik und Weltgeschehen
- April: William Adams betritt als erster Engländer den Boden Japans
- 8. Oktober: San Marino nimmt seine geschriebene Verfassung an
- 21. Oktober: Schlacht von Sekigahara
- William Gilbert erkennt als erster die elektrischen Phänomene
Kultur
- 7. Oktober: Uraufführung der Oper Il rapimento di Cefalo von Giulio Caccini im Palazzo Vecchio in Florenz, zur Hochzeit König Heinrichs IV. von Frankreich mit Maria von Medici
- 1. Januar: Heinrich von Brockdorff, Soldat und Politiker
- 17. Januar: Pedro Calderón de la Barca, spanischer Dramatiker († 1681)
- 28. Januar: Giulio Rospigliosi, unter dem Namen Clemens IX. Papst von 1667 bis 1669 († 1669)
- 5. Februar: Dr. Johan Picardt, deutsch-niederländischer Arzt, Pastor und Schriftsteller († 1670)
- 4. März: Hans Christoph Graf von Königsmarck, schwedischer Feldmarschall im Dreißigjährigen Krieg († (1663)
- 2. April: Johann Heinrich Waser, Bürgermeister von Zürich († 1689)
- 19. September: Johann Friedrich von Sachsen-Weimar, († 1628)
- 4. Oktober: Gian Paolo Oliva, 11. General der Societas Jesu († 1681)
- 19. November: Karl I. (Charles I.), König von England († 1649, geköpft)
- 20. Dezember: Nicolas Sanson, französischer Kartograph († 1667)
- Dezember: Marie de Rohan-Montbazon, französische Adelige, Gegenspielerin von Kardinal Richelieu und Kardinal Mazarin
- 17. Februar: Giordano Bruno, italienischer Philosoph (öffentlich in Rom verbrannt) ( - 1548)
- 28. März: Salomon Alberti, Mediziner ( - 1540)
- 18. Juni: Eduard Fortunat von Baden, Markgraf von Baden ( - 1565)
- 22. Juni: Samuel Fischer (Pfarrer), deutscher Theologe ( - 1547)
- 22. Juli: Laurentius Fabritius, Weihbischof in Köln ( - um 1535)
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VulgärlateinMit Vulgärlatein wird das gesprochene Latein bezeichnet. Die Bezeichnung geht auf das lateinische Adjektiv vulgaris ('zum Volke gehörig') zurück (z. B. in sermo vulgaris 'Volkssprache'). Da man auf Deutsch meist an vulgär denkt, ist es wahrscheinlich besser, von Volkslatein oder genauer von gesprochenem Latein zu sprechen. Das Vulgärlatein ist keinesfalls mit spätem Latein zu verwechseln, da es schon in den frühen Komödien des Plautus und des Terentius sichtbar wird.
Terentius, war die Sprache des Volkes im Römischen Reich, die sich vom Klassischen Latein der Literatur unterschied.]]
Da es aus alter Zeit naturgemäß keine Sprachaufnahmen geben kann, muss das gesprochene Latein erschlossen werden; dazu dienen folgende Quellen:
- die heutigen romanischen Sprachen, aus denen man durch Rekonstruktion erschließen kann, wie Lateinisch gesprochen wurde,
- Angaben lateinischer Autoren zum gesprochenen Latein (z.B. in Ciceros De oratore 'Über den Redner') oder (spätere) Angaben bei lateinischen Grammatikern (z.B. Appendix Probi),
- Schreibfehler in Inschriften oder Graffiti (z.B. in Pompeji) sowie auf (zumindest fragmentarisch) original erhaltenen Papyri, z.B. "HEC PVGNABET CONTRA ORSOM ..." statt "HIC PVGNABIT CONTRA VRSVM ..." (Hier wird ... gegen einen Bären kämpfen)
- Glossen,
- Normabweichungen in erhaltener Privatkorrespondenz (z. B. Ciceros Atticus-Briefe),
- Entlehnungen aus dem gesprochenen Latein in andere Sprachen oder Transkriptionen in einem anderen Alphabet, ("Kikero[n]" in griechisch für Cicero)
- literarische Werke, in denen das gesprochene Latein dargestellt werden soll (außer den genannten Komödien z.B. der Schelmenroman Satyricon des Gaius Petronius Arbiter).
- christliche Texte
- falsche Deklinationszuordnung und Verdrängung des Neutrums - z.B. "vinus" statt "vinum"
- Verlust des Kasus (wird unten erklärt)
- Vermischung von Aktiv und Passiv (besonders bei Deponentien)
- Ausfallen (Synkopierung) unbetonter Vokale z.B. "calda" statt "calida" , "merlo" statt "merula" .
- Der veränderte Aussprache der Buchstaben : z.B Buchstabe "B" wird in den italischen Dialekten bzw. Sprachen zu "V" : laborare -> lavorare ; (h)abere -> avere , "S" und "L" zu "I" : Biblia -> Bibbia ; nos -> noi ; post -> poi ; placere -> piacere .
- Quantitätenkollaps: Zusammenfall des klassischen - 10 Vokalphoneme umfassenden - Vokalsystems mit Quantitätenoppositionen (Länge und Kürze der Vokale) zu einem Vokalsystem, das durch Qualitätenopposition (offene und geschlossene Vokale) gekennzeichnet ist.
- Starkes Benutzen des Ablativs bei den italischen Nomen : vox -> voce ; imperator -> imperatore ; amicus -> amico etc.
- Starkes Benutzen des Dativs bei Pronomen z.B qui , quae , quod -> cui , cui , cui
- Im Italienischen wird die Verbindung von z.B pt oder ct zu tt. Beispiele : notte , imperfetto ; sette.
Was war Vulgärlatein?
Gaius Petronius Arbiter
Der Name "vulgär" bedeutet einfach "gemeinsam": er kommt vom lateinischen Wort vulgaris, das "gemeinsam" oder "des Volkes" bedeutet. "Vulgärlatein" hat für Linguisten verschiedene Bedeutungen:
- Erstens bedeutet es das gesprochene Latein des Römischen Reiches.
- Zweitens ist es der hypothetische Urahne der Romanischen Sprachen.
- Drittens, in einem eingeschränkteren Sinne, wird der Name Vulgärlatein manchmal dem hypothetischen Proto-Romanisch der westlichen romanischen Sprachen gegeben: die Sprachen nördlich und westlich der La Spezia-Rimini-Linie, in Frankreich, und auf der Iberischen Halbinsel; und die kaum belegte romanische Sprache in Nordafrika.
- Viertens wird "Vulgärlatein" manchmal benutzt um die grammatischen Innovationen in spätlateinischen Texten zu beschreiben.
Spätestens im Jahr 842 hatte sich das in Frankreich gesprochene Vulgärlatein so weit vom ursprünglichen Latein entfernt, dass es bereits als Altfranzösisch anzusehen war. Die Straßburger Eide, die ein Abkommen zwischen zwei der Erben Karls des Großen festhalten, wurden in einer Sprache aufgezeichnet, die offensichtlich nicht Latein war:
Straßburger Eide
:Pro Deo amur et pro christian poblo et nostro commun salvament, d'ist di in avant, in quant Deus savir et podir me dunat, si salvarai eo cist meon fradre Karlo et in ajudha et in cadhuna cosa, si cum om per dreit son fradra salvar dift, in o quid il me altresi fazet, et ab Ludher nul plaid numquam prindrai, qui, meon vol, cist meon fradre Karle in damno sit.
:Für die Liebe Gottes und des christlichen Volkes und unser aller Erlösung, von diesem Tage an, soweit mir Gott Wissen und Können gibt, werde ich meinem Bruder Karl beistehen, sowohl in der Hilfeleistung als auch in jeder anderen Angelegenheit, so wie man seinem Bruder beistehen soll, auf dass er mir genauso tue, und ich werde niemals ein Abkommen mit Lothar treffen, das willentlich meinem Bruder Karl zum Schaden sei.
Phonologie
Vokale
Die Diphtonge AE und OE wurden beide zu /e/. AV veränderte sich von /aw/ zu /o/ nachdem das originale O sich bereits verändert hatte.
So verschwand die klassisch Lateinische Unterscheidung zwischen langen und kurzen Vokalen. Wegen dieser Veränderung wurde die Betonung auf betonten Silben viel ausgeprägter als im klassischen Latein. Deshalb schwand die Ähnlichkeit zwischen den unbetonten Silben.
Die Sprachen durchliefen diesen Prozess in unterschiedlicher Schwere. Das /e/ in ferrum, "Eisen", blieb im französischen fer und dem portugiesischen ferro erhalten, aber im spanischen hierro diphtongiert.
Vokabular
Einige dieser Wörter, die im Romanischen verloren wurden, wurden später als lateinische Fremdwörter wieder aufgenommen. Die Vokabularveränderungen betrafen sogar die wichtigsten grammatischen Partikel wie an, at, autem, donec, enim, ergo, etiam, haud, igitur, ita, nam, postquam, quidem, quin, quod, quoque, sed, utrum, und vel.
Hin und wieder findet man lateinische Fremdwörter in lateinischen Sprachen, die mit ihren natürlich weiterentwickelten Formen koexistieren. Beispielsweise wurde das vulgärlateinische "fungus" auf spanisch zu hongo, mit dem für Spanisch üblichen F > H-Wandel. Aber zusätzlich gibt es noch fungo, das im Mittelalter neu aus dem Lateinischen übernommen wurde.
Grammatik
Der Verlust der Fälle
Die Lautveränderungen im Vulgärlatein führten zu Missverständnissen, was die Fälle anging. Daher wurde Vulgärlatein von einer synthetischen Sprache zu einer analytischen Sprache, wobei der Satzbau ein notwendiges Element der Syntax ist, da eine vulgärlateinische Deklination nicht zu verstehen war (siehe Tabelle).
Auch die Pluralbildung veränderte sich. Auf Portugiesisch, Spanisch, Sardisch und Französisch wurde der Singular vom Plural mit einem -s am Schluss unterschieden, wie im Plural des Akkusativs auf klassischem Latein. Auf italienisch und Rumänisch wurde die lateinische Pluralbildung beibehalten: -i maskulin, -e feminin, -a neutrum.
Verlust des Neutrums
Linguisten streiten sich darüber, ob es auf Italienisch noch ein Neutrum gibt.
Formen wie l'uovo fresco (das frische Ei) / le uova fresche (die frischen Eier) werden normalerweise mit der Behauptung wegeklärt "uovo" sei maskulin, habe aber einen unregelmäßigen Plural. Stattdessen ist "uovo" aber ein regelmäßiges Substantiv im Neutrum. (< ovum, Plural ova)
Außer im Rumänischen gibt es in anderen großen romanischen Sprachen keine Substantive im Neutrum mehr, aber alle haben noch Pronomen im Neutrum. Französisch: celui-ci, celle-ci, ceci; Spanisch: éste, ésta, esto ("dieses"); Italienisch: gli, le, ci ("ihm", "ihr", "ihm"); Katalanisch: el, la, ho ("ihn", "sie", "es"); Portugiesisch: todo, toda, tudo ("alles" m., "alles" f., "alles" n.).
Adverbien
Das klasssche Latein hatte verschiedene Suffixe um Adverbien aus Adjektiven zu bilden: carus, "lieb, teuer", wurde zu care; acriter, "scharf", aus acer; crebro, "oft", aus creber. Alle diese Formen wurden im Vulgärlateinischen verloren und durch einen Ablativ und die Form mente, den Ablativ von mens, und bedeutete "mit einem _____ Geist". So wurde velox ("schnell") statt zu velociter zu veloce mente ("schnellen Geistes", "schnellgeistig")
Diese Veränderung fand schon im ersten Jahrhundert vor Christus statt, und findet sich beispielsweise bei Catullus:
:Nunc iam illa non vult; tu, quoque, impotens, noli
:Nec quae fugit sectare, nec miser vive,
:Sed obstinata mente perfer, obdura.
:("Nun will sie dich nicht mehr, du solltest sie auch nicht wollen und ihr nicht folgen, als sie flieht, noch vergrämt leben, statt dessen mache hartnäckig [hartnäckigen Geistes] weiter: komme darüber hinweg!")
Verben
Entwicklung
Einige Tochtersprachen wie altfranzösisch, entwickelten durch die Lautverschiebungen neue grammatikalische Unterscheidungen. Beispielsweise gab es auf Latein ámo, amámus, (Ich liebe, wir lieben); weil ein betontes A auf altfranzösisch zu einem Diphthong wurde, konjugierte man j'aime ("Ich liebe") aber nous amons ("wir lieben") (Neufranzösisch: nous aimons). Viele dieser "starken" Verben haben heute vereinheitlichte Formen, doch manche behielten die Diphtongierung: je viens ("Ich komme") aber nous venons ("wir kommen").
Das Futur wurde in den romanischen Sprachen ursprünglich über Hilfsverben ausgedrückt. Das war daher der Fall, weil /b/ zwischen Vokalen zu /v/ wurde, das Futur "amabit" war so vom Perfekt "amavit" nicht mehr unterscheidbar. Ein neues Futur wurde entwickelt, ursprünglich mit dem Hilfsverb habere: - amare habeo, wörtlich "ich habe zu lieben". Wie aus folgenden Beispielen ersichtlich, wurde aus habeo ein Futursuffix:
- Französisch: j'aimerai (je + aimer + ai) < aimer ["lieben"] + J'ai ["Ich habe"].
- Portugiesisch: eu amarei (eu + amar + [h]ei) < amar ["lieben"] + eu hei ["Ich habe"].
- Spanisch: amaré (amar + [h]e) < amar ["lieben"] + yo he ["Ich habe"].
- Italienisch: amerò (amar + [h]o) < amare ["lieben"] + io ho ["Ich habe"].
Das Futur in der Sardischen Sprache wird weiterhin mit app'a(appo a ) ( lat.habeo) + Infinitiv gebildet .
Konjugation
Ein Vergleich von klassischem Latein, Vulgärlatein und zweier romanischer Sprachen in der Konjugation des Verbs "amare":
Konjugationsvergleich für Zeitformen des Indikativs zwischen
Latein, Vulgärlatein (keine ausreichenden Kenntnisse, wer kann, nach Möglichkeit bitte ergänzen), Spanisch wie Italienisch:
Lat. Vulgärlat. Span. Ital.
IND
Präsens
amo ? amo amo
amas ? amas ami
amat ? ama ama
amamos ? amamos amiamo
amatis ? amáis amate
amant ? aman amano
Imperfekt
amabam ? amaba amavo
amabas ? amabas amavi
amabat ? amaba amava
amabamus ? amábamos amavamo
amabatis ? amabais amavate
amabant ? amaban amavano
Perfekt
(Bitte beachten: In den romanischen Sprachen entfällt die Bezeichnung Perfekt [perfecto / passato prossimo (perfetto)] auf das Kompositum aus Vergangenheitspartizip mit vorangestellter finiter Form von „haben“ bzw. „sein“ [wie auch im Deutschen]. Wohl klarer scheint da der französische Name „passé composé“, dt: zusammengesetzte Vergangenheit. Die hier unter Span. bzw. Ital. zuerst aufgeführte Form ist quasi der „Urahne“ des lat. „Perfectum“, Bezeichnung im Span. als „pretérito“ [dt: Präteritum], im Ital. als „passato remoto“.)
amavi ? amé / he amado amai / ho amato
amavisti ? amaste / has amado amasti / hai amato
amavit ? amó / ha amado amò / ha amato
amavimus ? amamos / hemos amado amammo / abbiamo amato
amavistis ? amasteis / habéis amado amaste / avete amato
amaverunt ? amaron / han amado amarono / hanno amato
Plusquamperfekt
(Für den Plusquamperfekt gilt Ähnliches wie oben Erwähntes. Hier aufgeführt im Span. „pretérito“ von „haber“ [zur Bildung des pretérito anterior] / „imperfecto“ von „haber“ [zur Bildung des pluscuamperfecto] sowie das „participio pasado“. Im Italienischen liegt dieselbe Struktur vor, „passato remoto“ von „avere“ [zur Bildung des trapassato prossimo] / „imperfetto“ von „avere“ [zur Bildung des trapassato remoto] sowie das prticipio passato.)
amaveram ? hube / había amado ebbi / avevo amato
amaveras ? hubiste / habías amado avesti / avevi amato
amaverat ? hubo / había amado ebbe / aveva amato
amaveramus ? hubimos / habíamos amado avemmo / avevamo amato
amaveratis ? hubisteis / habíais amado aveste / avevate amato
amaverant ? hubieron / habían amado ebbero / avevano amato
Futur I
(Wie in der Enzyklopedie bereits dargestellt, stellt das Futur auch in den romanischen Sprachen eine eigene Form dar, die sich allerdings durch Zusammenziehung des Infinitivs und einer folgend finiten Form von „haben“, span: „haber“, ital: „avere“ erst herauskristallisierte. Weist also eine divergierende Bildung im Vergleich zum Futur im Lateinischen auf)
amabo ? amaré amerò
amabis ? amarás amerai
amabit ? amará amerà
amabimus ? amaremos ameremo
amabitis ? amaréis amerete
amabunt ? amaréis ameranno
Futur II
(Wie schon die Vergangenheitsformen stellt auch das Futur anterieur [Futur II] in den romanischen Sprachen wie auch im Deutschen ein Kompositum dar. Hierzu bedienen sie sich der Zukunft des Verbs „haben“ und dem Vergangenheitspartizip [dt: geliebt haben werden])
amavero ? habré amado avrò amato
amaveris ? habrás amado avrai amato
amaverit ? habrá amado avrà amato
amaverimus ? habremos amado avremo amato
amaveritis ? habréis amado avrete amato
amaverint ? habrán amado avranno amato
Literatur
- Norberg, Dag, Manuel pratique de latin médiéval, Paris (Picard) 1968.
- Rohlfs, Gerhard, Vom Vulgärlatein zum Altfranzösischen, Tübingen (Niemeyer) 1968 (3. Auflage).
- Vossler, Karl, Einführung ins Vulgärlatein, München (Schmeck) 1953.
Siehe auch: Küchenlatein
Kategorie:Latein
Kategorie:Umgangssprache
ja:俗ラテン語
KeltenMit Kelten (lat. celtae, galli, griech. keltoi, galatai – die Tapferen, die Edlen) bezeichnete man schon in der Antike eine Gruppe von Völkern und Stämmen in Europa und Kleinasien, die sich durch kulturelle Gemeinsamkeiten und verwandte Sprachen auszeichneten. Auch die heutige Wissenschaft sieht in den keltischen Sprachen eine eigene indogermanische Sprachgruppe, während die Archäologie in den keltischen Stämmen in Mitteleuropa (vom Norden Spaniens bis nach Böhmen) kulturelle Gemeinsamkeiten während der jüngeren Eisenzeit (ca. 500 v. Chr.) sieht. Sie setzt im allgemeinen die Gruppe der antiken keltischen Stämme, sogenannte Zeit der „klassischen Kelten“, mit der La-Tène-Kultur gleich, die im 5.–1. Jahrhundert v. Chr. weite Teile Mitteleuropas prägte. Der Name La Tène bezieht sich auf einen Fundort in der Nähe des Neuenburgersees (Westschweiz), wo in der Mitte des 19. Jahrhunderts reiche Funde gemacht wurden. Die La-Tène-zeitliche Kultur umfasst aber nicht das gesamte Ausbreitungsgebiet keltischer Gruppen und Sprachen nach der Überlieferung der Antike.
Die Kelten haben wahrscheinlich die Seife erfunden und führten auch die exzessive Badekultur, die die Römer später pflegten, in Italien ein.
In ihrer weitesten Ausprägung reichte die keltische Kultur von Irland, Südostengland, Nordspanien und Frankreich im Westen bis Westungarn im Osten, von Oberitalien im Süden bis zum nördlichen Rand der Mittelgebirge. Außerdem gab es das Siedlungsgebiet der Galater in Anatolien (heutige Türkei). In Galatien lassen sich zwar einzelne Latène-Fibeln nachweisen, doch kann dort nicht von einer keltischen Kultur im Sinne der Latène-Kultur die Rede sein; ausschlaggebend ist hier vielmehr ein spätantiker Beleg, wonach dort ein Dialekt ähnlich wie in der Gegend um Trier gesprochen wurde und die von der Antike bezeugte Einwanderung keltischer und thrakischer Stämme nach Anatolien. Es manifestierte sich auch in der Gleichsetzung der Bezeichnung für die Gallier in Frankreich und die Galater in Kleinasien. Irland erreichte nur sprachliche Einflüsse des Keltischen in der Spätantike, bzw. in frühchristlicher Zeit.
Im Süden des keltisch geprägten Gebietes Mitteleuropas grenzte anfangs noch der etruskische, später der griechisch-römische Kulturkreis an, nördlich des keltischen Einflussgebietes waren germanische Stämme ansässig.
germanische/450 v. Chr.)
Orange: weiteste Ausbreitung La-Tène-Kultur bzw. der keltischen Sprache (3. Jh. v. Chr.)]]
Geschichte
3. Jh. v. Chr.
3. Jh. v. Chr.
Der Begriff Kelten geht auf griechische Überlieferungen aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. zurück, die die Keltoi zum einen an den Quellen der Donau und zum anderen im Hinterland von Massilia (Marseille) identifizierten. Ihr Auftreten fällt mit der eisenzeitlichen Späthallstattkultur in Mitteleuropa zusammen. Diese Kultur hatte sich seit etwa 750 v. Chr. in einer Region zwischen Ostfrankreich und der Schweiz über Süddeutschland und Österreich bis Slowenien aus den ansässigen spätbronzezeitlichen Kulturen entwickelt, wobei teilweise Kontakte zur südeuropäischen Antike nachgewiesen wurden. Sie ist berühmt für ihre reich ausgestatteten Fürstengräber aus Süddeutschland und der Bourgogne (z. B. in Hochdorf an der Enz und Vix). In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts gerieten die Gesellschaften am nördlichen und westlichen Rand der Hallstattkultur zunehmend unter ihren Einfluss, übernahmen einen Teil ihrer Sitten und wurden ins hallstättische Beziehungsnetz eingebunden, wobei die Hunsrück-Eifel- und die Champagne-Marne-Region im Westen sowie die Gegend um den Dürrnberg in Österreich bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle einnahmen.
Der Hallstattkultur folgt die als keltisch zu bezeichnende La-Tène-Kultur (ab ca. 480 v. Chr. bis 40/0 v. Chr., je nach Region), deren Kunststile durch mediterrane Vorbilder geprägt sind. Die La-Tène-Zeit stellt die Blüteperiode keltischer Kultur dar.
Erste Aufenthalte von Kelten im damals v. a. etruskisch geprägten Oberitalien sind ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. nachweisbar. Während der ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden Wanderungswellen wird die keltische Kultur in Nordspanien und Portugal fassbar, wobei hier kein Verdrängen ortsansässiger Kulturen nachgewiesen werden kann. Ein allmähliches Annehmen mitteleuropäischer Kulturelemente durch die ansässige Gesellschaft ist weit wahrscheinlicher. Die in Nordspanien und Portugal lebenden Menschen der späten Eisenzeit werden deshalb auch als Keltiberer bezeichnet. Keltische Gruppen ließen sich in Oberitalien und der Poebene nieder, von wo aus sie zu Beginn des 4. Jahrhunderts v. Chr. u. a. Rom angriffen. Die Belagerung Roms unter dem keltischen Heerführer Brennus (wahrscheinlich 387/386 v. Chr.) hinterließ bei der späteren Weltmacht ein lang anhaltendes Trauma.
Andere Stämme drangen über Südosteuropa und den Balkan nach Griechenland und Kleinasien vor, begegneten Alexander dem Großen und plünderten Delphi. Ein Stammesteil ließ sich schließlich in Zentralanatolien nieder und wurde als Galater noch Jahrhunderte später im Neuen Testament erwähnt.
Ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. wurden vom Osten ausgehend Oppida, d. h. Städte gegründet. Die keltische Oppidakultur erlebt ab Ende des 2. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. ihre Blüte, wobei sie aufgrund ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Differenzierung, hochentwickelter Handwerks- und Kunstfertigkeit sowie Fernhandel die Stufe zur Hochkultur erreichte. Lediglich das Fehlen einer allgemeinen Schriftlichkeit steht dieser Bezeichnung entgegen. Man darf aber von einer exakten Weitergabe mündlichen Wissens im Bereich der keltischen Stämme ausgehen.
Die größte Ausbreitung erreichten die Kelten um 200 v. Chr.. Im Osten ihrer Siedlungsgebiete, d. h. im weitesten Sinn „rechtsrheinisch“, verschwand die keltische Kultur in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. weitgehend, was vielleicht mit dem Vorrücken germanischer Stämme nach Süden zusammenhängen könnte. Dagegen überlebte die keltische Lebensart in Gallien und südlich der Donau in Rätien – sowie u. a. auch im heutigen Rheinland-Pfalz, Saarland und Bayern – nach Eroberung durch die Römer unter Caesar noch einige Jahrzehnte und ging mit zunehmender Romanisierung etwa seit der Zeitenwende in der relativ eigenständigen gallo-römischen Kultur auf.
Der Ursprung der Kelten auf den britischen Inseln ist umstritten. Spuren einer Einwanderung sind für den Großteil der Inseln unbekannt und bis auf den Südosten Englands auch wenig wahrscheinlich; eventuell waren die britischen Inseln jedoch darüber hinaus sprachlich mit dem keltischen Festland verbunden. Dennoch besteht auf den britischen Inseln eine keltisch geprägte Kultur, wobei die Zuordnung hier insbesondere aufgrund linguistischer Annahmen erfolgt. Nur in Südost-England sind für das 1. Jahrhundert v. Chr. auch archäologische Zeugnisse der „klassischen“ kontinentalen keltischen Kultur nachzuweisen. Dieses Inselkeltentum blieb in den Randzonen Wales und Cornwall noch bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. eigenständig und wandelte sich erst im Zuge der folgenden Christianisierung. Die frühe Christianisierung erfolgte aber vorwiegend durch keltisch geprägte Mönche, die keltische Sprache und kulturelle Einflüsse auch nach Irland trugen.
Wissenschaftliche Kontroverse
Je nach Fachgebiet oder Sichtweise werden mit dem Begriff Kelten entweder Stämme mit einer ähnlichen materiellen Kultur (archäologische Definition) oder eine mittel- und westeuropäische Sprachengemeinschaft der Eisenzeit (sprachwissenschaftliche Definition) bezeichnet.
In der Forschungspraxis werden die beiden Definitionen häufig nicht deutlich genug geschieden. Grundsätzlich ist es fraglich, ob die Kelten eine Ethnie, d. h. ein geschlossenes Volk bildeten. (s. a. Volk, Ethnie, Ethnogenese).
Iren, Schotten, Waliser und Bretonen definieren sich in neuerer Zeit vor allem aus einer Abgrenzung gegen Engländer oder Franzosen als Kelten. Dabei diente die frühe sprachwissenschaftliche Definition des 18. Jahrhunderts al | | |