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Geistig
Mit dem Begriff Geist bezeichnet die deutsche Sprache eine im Ansatz von körperlichen Funktionen zu unterscheidende Fähigkeit oder Eigenschaft von Menschen oder Menschengruppen, im weiteren Sinne auch anderer Lebewesen oder unbelebter Gegenstände.
Der Begriff des Geistes
Geist als menschliche Fähigkeit
Im Zusammenhang mit dem Menschen wird als Geist seine kognitive Existenz bezeichnet, also die Tatsache, dass er Verstand und Denkkraft besitzt, aber auch Ideen und Vorstellungen hat.
Der Begriff Geist umfasst alle mentalen (lateinisch mens = Geist) Fähigkeiten des Menschen: Verstand, Intellekt, Intelligenz, Urteilskraft, Erfahrung sowie die Fähigkeit Zusammenhänge aufzudecken. Geist hat vor allem aber auch kommunikative Aspekte, denn Geist will sich mitteilen, sucht Kontakte und entwickelt sich im kommunikativen Austausch mit anderen.
Die Tätigkeit des kognitiven Geistes wird durch das Gehirn vermittelt und in vieler Hinsicht ermöglicht. Der kognitive Geist steht im "Gegensatz" zum Körper, also zur materiellen, sozialen und körperlichen Existenz des Menschen. Aber auch kognitiver Geist und Seele können ein Gegensatzpaar bilden. Dann wird der kognitive Geist (lateinisch: mens) dem rationalen Verstand, der Vernunft, Intelligenz, der Kognition oder dem Bewusstsein seiner Selbst zugeordnet. Die Seele (lateinisch: anima) ist demgegenüber das belebende, gefühlsmäßige Prinzip. Die Seele bzw. der Geist überdauert nach Ansicht der meisten Religionen sowie vieler Philosophen den biologischen Tod, da sie nicht zusammengesetzt ist.
Geist als menschliche Eigenschaft
Der Begriff Geist kann eine menschliche Eigenschaft bezeichnen,wenn von jemandem gesagt wird, er habe Geist. Gemeint ist damit, dass ein Mensch seinen Verstand einsetzt oder intelligent ist. Geistreich ist ein Mensch, der mit seinem Denk- und Sprachvermögen brilliert.
Geist als Bewusstsein
Buddhismus
Insbesondere im Buddhismus wird Geist als Bewusstsein definiert, welches in seiner Essenz ewig besteht, dem unendlichen Raum gleicht und die menschliche Existenz überschreitet und überdauert. Das Individuum identifiziert den eigenen Geist, nach dieser Auffassung, lediglich fälschlich mit dem eigenen Körper und unterliegt der Fehleinschätzung, Geist sei Bewusstsein eines von anderen getrennten Individuums. Ein erleuchtetes Wesen (Buddha) lässt diese Eingrenzungen hinter sich, erkennt den Geist, das eigene Bewusstsein als nicht an Körper und Ich-Vorstellung gebunden und erfasst die Raumähnlichkeit des Geistes.
Man findet in buddhistischen Schriften (insbesondere bei Longchenpa) auch die Bezeichnung Grundlegender Raum der Phänomene zur Charakterisierung des Geistes. Nach diesem Ansatz erscheinen die Phänomene (Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Welt) als energetisches Spiel im Kontinuum des Geistes, ohne aber selbst Geist zu sein. Sie sind lediglich leere Erscheinungen ohne ein ihnen innewohnendes Sein (Sanskrit: Shunyata).
Alle fühlenden Wesen sind nach dieser Sichtweise mit Geist ausgestattet und letztlich miteinander verbunden. Im Buddhismus haben aber auch Wesen einen Geist, die sich ihrer Selbst nicht bewusst sind, noch kein rationales Denken entwickelt haben und verstandesmäßiger Prozesse nicht fähig sind (Tiere).
Geist als Grundidee
"Geist" kann auch die Quintessenz einer Idee, auch eines philosophischen Modells, eines Tuns oder einer Gruppe von Menschen bedeuten, die im gleichen Sinne denken oder handeln. Es kann sich hierbei um einen symbolischen Inbegriff gemeinsamer innerer Haltungen oder Überzeugungen von Menschen handeln, wie etwa im "Geist von Langemarck" oder (ironisch) im "Geist von Malente". In ähnlicher Bedeutung wird der Begriff "Geist" dann verwendet, wenn vom "Geist des Humanismus" oder vom "Geist des Christentums" gesprochen wird, vgl. Montesquieus Schrift Vom Geist der Gesetze.
vgl. auch die Redewendung: "Wes Geistes Kind...".
Auch für Epochen wird der Begriff übertragen benutzt, etwa in Max Webers Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus und Ferdinand Tönnies' Geist der Neuzeit.
Nur auf die Wortbedeutung als Grundidee zielt auch die Negation "Ungeist", von dem etwa verbrecherische Zeiten oder Menschen "beherrscht" werden.
Geist als Seele
Gelegentlich wird der Begriff des Geistes mit dem der Seele gleichgesetzt. In der abendländischen Philosophie ist die geistige Seele (auch Geistseele oder Geist-Seele genannt) gleichzeitig das Belebungsprinzip (vgl. anima und forma) und der substanzielle Grund für die Fähigkeit des Willens und der Vernunft. Während der Trialismus eine Dreiheit von Leib, Seele und Geist annimmt, argumentiert die klassische Philosophie für die substanzielle Einheit von Seele und Geist beim Menschen.
Im christlichen Glauben wird davon gesprochen, dass während der Schwangerschaft durch Gott Leben in den Embyro eingepflanzt wird.
Der Geist wird nicht nur von großen Teilen der abendländischen Philosophie, sondern auch von einigen Religionen als der oder ein unsterbliche Teil eines Menschen aufgefasst.
In Anlehnung an die Vorstellung der Unsterblichkeit des Geistes ist Geist auch ein anderes Wort für Gespenst, siehe dort.
Einordnung des Begriffs Geist in die naturwissenschaftlichen Grundkategorien
Wenn man die drei Basisbegriffe der heutigen Naturwissenschaften Stoff (= Materie), Strahlung (= Energie) und Struktur (= Information) betrachtet, kann man fragen, wo der Begriff Geist naturwissenschaftlich eingeordnet werden kann.
Die erste und wichtigste Unterteilung der Struktur ist die Unterscheidung zwischen Zufallsstruktur und nichtzufälliger Struktur ( beispielsweise eine Kristallstruktur) oder auch zwischen Zufallsinformation und nicht zufälliger Information. Reine Zufallsinformation hat kaum Informationsgehalt, ist geistlos. Geist gehört zur nichtzufälligen Information.
Dazu kommt dann der Basisbegriff des Lebewesens. In den Naturwissenschaften gesteht man Geist nur Lebewesen mit einem Nervensystem zu. Noch enger wird die Definition, wenn man Geist nur auf den Menschen bezieht. Man muss die Definition aber wieder ausweiten, weil auch die Produkte des menschlichen Geistes beispielsweise Bücher nach allgemeiner Vorstellung geistige Produkte sind.
Basisbegriffe der Natur- und Strukturwissenschaften
Materie ------------ Energie
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Information
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/ \
Zufalls- geordnete Information
Information \
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geordnete Strukturen in Lebewesen
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Informationsverarbeitung in Lebewesen
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Geist ist die Informationsverarbeitung im menschlichen Gehirn
(nervale Algorithmen und Inhalte )
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Geist steckt auch in den Produkten z. B. in Büchern
Die Erforschung des Geistes
Geist im Gehirn
Der Geist ist in der Hirnforschung der Teil, der sich durch Beschreibung von Nervenzellen und chemischen Vorgängen im Hirn nicht fassen lässt. Egal, ob man von Bewusstsein spricht oder von Geist, gemeint ist der Teil, der den Menschen zu einer Persönlichkeit macht. Die Neurologie des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts geht davon aus, dass das komplexe geistige Gebilde eines Individuums im Lauf der Entwicklung, die im Fötus im Mutterleib beginnt, über eine Reihe von Prägungen (Verstärkung und Verkümmerung bestimmter Nervenstränge und -gruppen im Gehirn) entsteht. Der menschliche Verstand besitzt ein Bewusstsein seiner selbst. Er kann über sich selbst nachdenken. Ohne Zweifel besitzen Tiere ein ebenfalls oft hochentwickeltes Gehirn, zuweilen sogar "Persönlichkeit". Es ist jedoch noch nicht erforscht, ob Tiere etwa Selbstbewusstsein haben (beispielsweise über den Tod, also das Ende ihrer Existenz nachdenken können). Man muss auch davon ausgehen, dass im Hirn von Tieren Denkvorgänge nicht an Sprache und deren Semantik und Grammatik gebunden sind. Wie auch immer der Geist von Tieren geartet sein mag, er gestattet es dem Menschen bislang nicht seinen Anspruch, sich mit einem Tier darüber zu verständigen zu befriedigen.
Geist ist, informationstheoretisch definiert, im menschlichen Gehirn auch das, was viele Informationen im Sinne einer groben Richtung zusammenfasst. Er ist die Art, wie ein Hirn Informationen verarbeitet, und das Ergebnis dieser Informationsverarbeitung. Er gibt der Vielfalt zufälliger Informationen, die auf das Gehirn einstürmen, Richtung und Sinn. Er ordnet. Wobei im Gehirn eine ordnende Instanz noch nicht nachgewiesen werden kann. Derzeit liegt es nahe zu vermuten, dass es sich beim Gehirn mit seinen neuronalen Netzen um ein nichtlineares System dicht am Chaos handelt, das sich immer wieder neu selbst organisiert und allmählich in eine Richtung entwickelt, die sich dabei selbst verstärkt. Diesen Prozess könnte man als Geist bezeichnen.
Künstliche neuronale Netze versuchen die vielfach vernetzten Lernprozesse des lebendigen Gehirns mit zunehmendem Erfolg nachzuahmen. Abgesehen davon, dass der Computer mit einem Bewusstsein seiner selbst immer wieder Gegenstand von Romanen und Filmen ist, stellt sich die Frage, ob in künstlichen neuronalen Netzen tatsächlich irgendwann ein Bewusstsein der Befindlichkeit des eigenen (künstlichen) Organs entsteht, ob ein künstliches neuronales Netz also wird mitteilen können, dass es sich zufrieden oder unzufrieden fühlt.
Ein Problem des Ansatzes, der versucht, den Geist über das Gehirn zu erklären ist, dass sogenannte Qualias bestehen. Oder kurz gesagt: der Geist unterscheidet zwischen Positivem und Negativem. Ginge der Geist nur aus einem Neuronennetzwerk hervor, so bestünde keine plausible Erklärung, wieso etwas als gut empfunden wird. Selbiges gilt auch für die Willensbildung, da der Wille und eine elektrochemisch ausgelöste Handlung grundlegend verschiedene Phänomene sind.
So wäre es also denkbar, dass Geist und Gehirn unabhängig voneinander sind und dass die Informationen im Gehirn lediglich von dem außen stehenden Geist genutzt werden, so wie er laut Ecclesscher Hypothese auch das Gehirn zur Steuerung seines Körpers verwendet. Während der Willensbildung ist eine erhöhte Aktivität in der äußeren Hirnrinde, in den Dendronen-Arealen, festellbar. Womöglich greift der Geist über diese auf das neuronale Netzwerk zu.
Für einen außerhalb des Gehirns bestehenden Geist spricht auch, dass im Gehirn kein Entscheidungszentrum nachgewiesen wurde. Von Reflexen abgesehen, erfolgt vor einer Handlung jedoch eine Überlegung, in der aus allen Informationen eine Grundlage für die Entscheidung geschaffen wird, welche zudem mit den Qualias übereinstimmen muss.
So wäre es also denkbar, dass der Geist das Entscheidungszentrum darstellt, das erfahrungsgemäß vorhanden ist.
Geist in Bild und Zahlen
Künstliche neuronale Netze
Im antiken Griechenland wurde dem "Geist" der Dodekaeder als einer der fünf platonischen Körper zugeordnet.
Mittlerweile kann man durch neuroradiologische Untersuchungsmethoden wie Kernspintomografie und Positronenemissionstomografie in grober Vereinfachung dem menschlichen oder tierischen Geist im Gehirn beim Denken zuschauen. Es ist also eine Bildgebung der die einzelnen geistigen Funktionen begleitenden Stoffwechselvorgänge - nicht der Denktätigkeit oder der Gedankeninhalte - möglich.
Die Funktion einzelner Nervenfasern am lebenden Menschen ist dabei schwer zu erfassen. Es gelingt, einzelne Gehirngebiete als aktiv oder inaktiv zu beschreiben; einzelne Gedanken kann man technisch bisher nicht aufschlüsseln und es ist fraglich, ob dies prinzipiell überhaupt möglich ist.
Einzelne Leistungen des Geistes lassen sich quantifizieren mittels psychologischer Tests.
Persönlichkeiten über den "Geist"
Buddha: Es ist der Geist selbst, der das Aufgebot der Myriaden von Wesen hervorruft, als auch die Welt, in der sie sich befinden. (Madhyamakavatara VI.89 aus Dalai Lama: Dzogchen - Die Herz-Essenz der Großen Vollkommenheit, Theseus Verlag 2001)
Aristoteles: Die Seele ist die Form (nicht im heutigen umgangssprachlichen Sinne) des Leibes. Anima forma corporis. Der Geist ist die einfache, immaterielle Substanz, die zum Denken und freien Wollen disponiert ist. Idee von den Nervenzellen: der Nervenursprung liege im Herzen, das Gehirn dient nur der Kühlung. In der Antike vermutete man auch in den Seitenventrikeln den Platz für unsere geistigen Zustände.
Galileo Galilei: Ich befand mich eines Tages im Hause eines in Venedig sehr angesehenen Arztes, wohin öfters Leute kamen, teils aus Neugier, um eine Leichensektion von der Hand eines ebenso wahrhaft gelehrten, wie sorgfältigen und geschickten Anatomen ausführen zu sehen. Diesen Tag nun geschah es, dass man den Ausgangspunkt der Nerven aufsuchte, welches eine berühmte Streitfrage zwischen den Ärzten aus der Schule des Galen und den Peripatetikern ist. Als nun der Anatom zeigte, wie der Hauptstamm der Nerven, vom Gehirn ausgehend, den Nacken entlang zieht, sich durch das Rückgrat erstreckt und durch den ganzen Körper verzweigt, und wie nur ein ganz feiner Faden von Zwirnsdicke zum Herzen gelangt, wendete er sich an einen Edelmann, der Ihm als Peripatetiker bekannt war und um dessentwillen er mit außerordentlicher Sorgfalt alles bloßgelegt und hatte, mit der Frage, ob er nun zufrieden sei und sich überzeugt habe, dass die Nerven im Gehirn ihren Ursprung nehmen und nicht im Herzen. Worauf unser Philosoph, nachdem er ein Weilchen in Gedanken dagestanden, erwiderte: Ihr habt mir das alles so klar, so augenfällig gezeigt - stünde nicht der Text des Aristoteles entgegen, der deutlich besagt, der Nervenursprung liege im Herzen, man sähe sich zu dem Zugeständnis gezwungen, dass Ihr Recht habt."
Für Descartes: waren die wichtigsten Eigenschaften des menschlichen Geistes die Erkenntnisfähigkeit und der Wille. Zur Lokalisierung meinte er die Schnittstelle zwischen Leib und Seele wäre in der Zirbeldrüse zu finden, dem einzigen unpaarigen Organ des Gehirns. Gegenthese: Entgegen der Vermutung Descartes', dass es irgendwo im Gehirn ein singuläres Zentrum geben müsse, in dem alle Informationen zusammenkommen und einer einheitlichen Interpretation zugeführt werden, - einen Ort an der Spitze der Verarbeitungspyramide, wo das innere Auge die Welt und sich selbst betrachtet, entgegen dieser plausiblen Annahme erbrachte die Hirnforschung den Beweis, dass ein solches Zentrum nicht existiert. Korbinian Brodmans Vermutung hat sich bestätigt. Er folgerte schon zu Beginn dieses Jahrhunderts aus seiner Entdeckung funktionell und anatomisch abgrenzbarer Hirnrindenareale, ich zitiere: "Wir müssen daher die Annahme, dass eine Verstandesleistung oder ein Gemütsvorgang ... in einem einzelnen umschriebenen Rindenteile zustande komme, mag man diesen nun "Assoziationszentren" oder "Denkorgan" oder ähnlich nennen, als eine ganz unmögliche psychologische Vorstellung ablehnen." Uns stellt sich heute das Gehirn als extrem distributiv organisiertes System dar, in dem zahllose Teilaspekte der einlaufenden Signale parzelliert und parallel abgearbeitet werden.
Geistwesen, Geister
Als Geist kann auch ein mit einer Eigenexistenz versehenes, nicht notwendig unkörperliches Wesen bezeichnet werden. Die Existenz solcher Geistwesen ist naturwissenschaftlich jedoch nicht nachweisbar. Die Vorstellungen von Geistwesen sind breit gefächert.
Der Heilige Geist
Die christliche Religion kennt den Heiligen Geist als dritte Person der Dreifaltigkeit neben Gottvater und Sohn. Nach der biblischen Überlieferung (Matthäus-Evangelium) wird die Jungfrau Maria schwanger "vom Heiligen Geist". Nach Jesu Himmelfahrt wird der Heilige Geist zu Pfingsten über die Apostel ausgegossen, die daraufhin mit verschiedenen Geistesgaben ausgestattet sind. Hiervon abgeleitet werden Pfarrer und andere kirchliche Amtsträger als Geistliche bezeichnet. Auch von Gottvater wird neutestamentlich ausgesagt, dass er Geist sei.
Geister in der Bibel
Sowohl das Alte als auch das Neue Testament weisen darüber hinaus zahlreiche Textstellen auf, in denen ausdrücklich von Geistern die Rede ist. Von Jesus wird ausdrücklich berichtet, dass er aus vielen Menschen unreine Geister austrieb. Die Geister sind in diesem Zusammenhang nicht metaphorisch, sondern konkret zu verstehen. Charakteristisch ist Lukas Lk 11,24-26.
Naturgeister, Totengeister
In vielen Kulturen spielen Naturgeister eine Rolle. Gemeint sind Wesen, die Pflanzen, Tiere oder tote Gegenstände, aber auch Landschaften bewohnen, aber oft keine Götter im engeren Sinne sind. Siehe Naturgeist.
In vielen Religionen hält man es für möglich, dass Menschen von Geistern besessen sein können. Dann verlieren sie die Kontrolle über ihr Tun. Ihr Verstand erscheint fremdgelenkt. Viele Geisteskrankheiten wurden bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein so erklärt. Siehe Besessenheit.
Ferner kennen zahlreiche Kulturen Totengeister als Relikt Verstorbener. Siehe Gespenst.
Zitate
- [...] orandum est ut sit mens sana in corpore sano (lat., Juvenal Satire 10: man muss beten, dass ein gesunder Geist im gesunden Körper wohnt.)
- Ausdehnung ist das wesentliche Merkmal alles körperlich Materialen, dem seelischen und Geistigen fehlt dieses Merkmal. Ein Gefühl und ein Gedanke haben keine räumliche Ausdehnung.
- Wenn der Geist in Frieden ist, leidet der Leib keine Qualen.
- Geist und Leben sind untrennbar miteinander verbunden.
- List, Klugheit, Mut, Trotz - alles Geist.
- Damasio: "Ich bin also der Ansicht, daß ein Organismus dann Geist besitzt, wenn er neuronale Repräsentationen bildet, die zu Vorstellungsbildern werden, sich in einem Prozeß, den wir Denken nennen, manipulieren lassen und schließlich das Verhalten beeinflussen [...]."
- Ist es das Blut, mit dem wir denken, oder die Luft, oder das Feuer? Oder ist es keines von diesen, sondern vielmehr das Gehirn, das die Tätigkeit des Hörens, Sehens und Riechens verleiht ? Und daraus entsteht dann Gedächtnis und Meinung, und aus Gedächtnis und Meinung .. das Wissen ... Solange das Gehirn unversehrt ist, solange hat auch der Mensch seinen Verstand .. Daher behaupte ich, daß das Gehirn es ist, das den Verstand sprechen läßt. Alkmaion lebte um 500 v. Chr.. Er war ein griechischer Arzt und Philosoph aus Kroton. Alkmaion war einer der ersten, der im Gehirn das zentrales Organ der menschlichen Wahrnehmung und die stoffliche Grundlage des Denkens vermutete. Von Alkmaion ist selbst nichts überliefert. Obiges Zitat wurde ihm von Platon und Hippokrates zugeschrieben. nach W.Capelle, Die Vorsokratiker, Kröner Verlag Stuttgart 1963, Seite 111
Siehe auch
- Portal:Geist und Gehirn
- Weltgeist, Zeitgeist,
- Idealismus, Georg Wilhelm Friedrich Hegel,
- Leib-Seele-Problem
- Philosophie des Geistes
- Portal:Philosophie, Portal:Bibel
Literatur
- Noam Chomsky: Sprache und Geist. Suhrkamp, 1967 (3 Vorlesungen)
- Peter Düweke: Kleine Geschichte der Hirnforschung: Von Descartes bis Eccles. Beck, München 2001, ISBN 3-406-45945-5
- Kenneth A. Klivington: Gehirn und Geist. Spektrum Akademischer Verlag
- Gilbert Ryle: Der Begriff des Geistes. Reclam UB
- Michael Schneider: Rätselhafte Welt – Mysterien und Rätsel unserer Zeit. BOD, Norderstedt 2004, ISBN 3833420588
- Varda Hasselmann, Frank Schmolke: Welten der Seele. München 1993, S. 31–45
- Bertrand Russell: Die Analyse des Geistes. Philosophische Bibliothek Bd. 527. 2000. VII, ISBN 3-7873-1527-6 (407 S., Buchleinen)
- Was charakterisiert den Geist im Gegensatz zur Materie? Wodurch unterscheidet sich die Psychologie von der Physik? Ich werde Sie im Verlaufe dieser Vorlesungen zu überzeugen versuchen, dass der Geist nicht so geistig und die Materie nicht so materiell ist, wie man für gewöhnlich glaubt. (Bertrand Russell; aus Vorlesungen entstanden)
Gerhard Roth:
- Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Suhrkamp (Taschenbuch, 383 Seiten)
- Schnittstelle Gehirn. Zwischen Geist und Welt.
- Neurowissenschaften und Philosophie. Eine Einführung. Mit Michael Pauen.
- Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert.
Weblinks
- [http://buecherei.philo.at/neuro.htm Kommentierte Linkliste zum Thema Geist]
- [http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2004/102/ Philosophische Dissertation, die u.a. ausführlich auf die Leib/Seele/Geist-Problematik eingeht]
- http://www.informatik.hu-berlin.de/~bach/Geist_und_KI/index.html
- http://www.madeasy.de/1/2geist.htm
- http://www.bewusstsein.ws/Wissen/Materie-Geist.htm
- [http://www.igpp.de Link zur seite des Instituts für Grenzgebiete der Psychologie un Psychohygiene (IGPP)]
Kategorie:Philosophie des Geistes
Kategorie:Ontologie
Kategorie:Kognitionswissenschaft
Kategorie:Philosophische Anthropologie
Kategorie:Wortexport
simple:Mind
Mensch
Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo.
Manchmal wird für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens gebraucht, die zum Ausdruck bringen soll, dass der Neanderthaler (dann Homo sapiens neanderthalensis) zur selben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute aber als sehr zweifelhaft, weswegen die moderne Bezeichnung schlicht Homo sapiens ist. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo:„Mensch“ und sapiens:„weise“ ab.
Die einzigartige Stellung des Menschen im Tierreich
Wie manche andere Tiere, weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In vermutlich zwei Eigenschaften, sicher aber hinsichtlich eines Kriteriums unterscheidet er sich deutlich von den heute bekannten übrigen Tierarten:
Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass beim Menschen die biologische zu Gunsten einer "kulturellen" Evolution in den Hintergrund getreten ist. Aufgrund seiner intellektuellen oder auch kulturellen "Fähigkeiten" ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Die Evolution hat sich beim Menschen auf die Verbesserung seiner Kulturfähigkeiten (Schrift, gedankliche Konstrukte wie Mathematik, Religion oder Recht, Ausdruck von Gefühlen und Gedanken durch Kunst) ausgeweitet; diese Kulturtechniken durchlaufen nunmehr selbst einen Evolutionsprozess. Andere Tierarten dagegen durchlaufen nach heutigem Wissen mitsamt ihrer Kultur die Evolution.
Kunst]]
In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden Generationen zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei zahlreichen sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist vermutlich viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, um "viele Ecken herum" planen (Kreativität) und somit teilweise eine Zukunft entwerfen, die er durch seine absichtlichen Handlungen schaffen sollte. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit bewusst zu gestalten, solange er sich seine Arbeit aussuchen kann und ihn keine sonstigen Hindernisse daran hindern.
Zum zweiten sind sich menschliche Individuen – vermutlich als einzige Lebewesen auf der Erde – sich selbst und ihrer eigenen Sterblichkeit bewusst. Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in der Philosophie und der Religion zentralständige Themen.
Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen, was man in einer sehr abgeschwächteren Form auch bei anderen Tieren wie zum Beispiel Wölfen oder Affen beobachten kann. Dies wird begünstigt durch die im Vergleich zu anderen Tieren komplexe Sprache des Menschen, die eine fortschreitende Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu den hoch entwickelten Kulturen führte, die die Menschheit heute besitzt.
Entwicklung
Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigt sich die Paläanthropologie, deren wichtigste Datenquellen die Archäologie liefert. Noch immer sind die Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, nicht endgültig aufgeklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt.
Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich, welche auf die Entwicklung der Sprache zurückzuführen ist, mit der es dem Menschen erst möglich wurde Ideen auszutauschen. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren müssen.
Typische Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:
- Das Gehirnvolumen von Homo sapiens ist etwas kleiner als das des Neandertalers.
- Die Stirn ist am steilsten von allen Hominiden ausgeprägt
- Ober- und Unterkiefer sind leicht reduziert
Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von Homo ergaster und Homo erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten.
Der wissenschaftliche Begriff Homo sapiens wird nicht selten in leicht humoristischer Anspielung als Vorlage für die Kreation neuer Begriffe benutzt, die Eigenschaften des Homo sapiens darstellen, beispielsweise
- Homo oeconomicus
- Homo reziprocans
- Homo faber (Roman von Max Frisch)
- Homo ludens
- Homo sociologicus
- Homo ötzi
Die Entwicklung des Menschen muss auch deutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung unseres Planeten, der Erde, gesehen werden. So zwangen die vielen Eiszeiten den Menschen, sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen. Der Mensch war also in der Lage, sich immer wieder anzupassen und er kam und kommt mit den verschiedensten Lebensbedingungen zurecht. Im Gegensatz dazu sind die meisten Tiere auf einen Lebensraum beschränkt.
Verbreitung des modernen Menschen über den Globus
Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, wie molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen RNA und mitochondrialen DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen Populationen. Die Populationen außerhalb Afrikas sind – mit Ausnahme einiger später aus Afrika ausgewanderter Gruppen – genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out of Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus.
Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben im eiszeitlichen Klima angepasst war. Im Nahen Osten, später auch in Europa, kamen beide gleichzeitig gemeinsam vor. Es ist unklar, ob sich beide Arten vermischt haben, die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Molekulargenetische DNA-Analysen sprechen gegen eine Vermischung beider Arten.
Die Menschheit kann auf genetischer Basis in zahlreiche Gruppen unterteilt werden. Diese konnten entstehen, da es früher aufgrund von geographischen Distanzen und kultureller Differenzen keinen kontinuierlichen Genfluss aller Populationen gab.
So können die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen den menschlichen Populationen relativ genau ermittelt werden. Das Genographic Project untersucht mit Hilfe moderner Methoden, wie sich die Menschheit als sie von Afrika den Rest der Welt besiedelte in immer mehr Gruppen aufspaltete. Dabei kann jeder an dem Projekt teilnehmen, indem er seine DNA Probe untersuchen lässt. Auf diese Weise kann man herausfinden, woher die eigenen Vorfahren stammen.
Zuerst teilten sich die Menschen vor etwa 65.000 Jahren in die folgenden drei heute noch lebenden Gruppen auf:
#Nicht-Afrikaner
#Afrikaner außer San
#San und Khoi Khoi
Die beiden Gruppen der Afrikaner blieben auf ihrem Heimatkontinent während die Nichtafrikaner nach Asien auswanderten. Die San und Khoi Khoi leben heute im südlichen Afrika, sie unterscheiden sich von allen anderen Afrikanern genetisch und durch ihre Sprache (Klicklaute).
Auch die Nichtafrikaner teilten sich nicht lange nach ihrer Auswanderung vor etwa 55.000 Jahren wieder in eine nördliche und eine südliche Gruppe auf.
Die südliche Gruppe spaltete sich wenige Jahrtausende später weiter in Australier (heutige Aborigines, Tasmanier und Papuas), Negritos (heute Andamaner, Aeta, Semang, Senoi) und Südasiaten (heute: Südchinesen, Thai, Khmer, Indonesier, Philipinos, Polynesier und andere Bewohner Ozeaniens) auf.
Die nördliche Gruppe teilte sich vor etwa 45.000 Jahren in "Weiße" (dunkelhäutige Inder, südwestasiatische Völker, Araber, Nordafrikaner, hellhäutige Menschen europäischer Abstammung) und Nordasiaten (heute: Mongolen, Tibetaner, Sibirische Bevölkerung, Nordchinesen, Japaner, Ainu, Koreaner, Inuit) auf. Von den Nordasiaten trennten sich zwischen 30.000 und 14.000 Jahren dann die Indianer (Nord- und Südamerika) ab.
In prähistorischen Zeiten haben sich die unterschiedlichen Populationen der Menschheit an den regionalen Grenzen ihres Verbreitungsgebietes immer wieder vermischt, wobei dieser Effekt lange Zeit nur gering war.
Heute ist der Mensch mit über 6 Milliarden Individuen bis auf einige Wüsten- und Bergregionen, einige Inseln und die Antarktis auf dem ganzen Globus anzutreffen. Durch die zunehmende Mobilität vermischen sich die unterschiedlichen genetischen Gruppen immer mehr, nachdem sie früher durch geographische Distanz oder kulturelle Unterschiede genetisch voneinander getrennt blieben. So bilden sich immer mehr neue Ethnien (z.B. Farbige in den USA). Andere Gruppen wie z.B. die San und Khoi Khoi sind dagegen dabei ganz zu verschwinden, da ihre Kultur immer mehr zerstört wird und sie in Städte wandern und sich dort vermischen.
Biologie
Anatomie
Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70% aus Wasser, etwa 20% Proteinen, 15% Fetten und 5% Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Die Anatomie des Körpers ist im Artikel Anatomie des Menschen detailliert beschrieben: Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane. Doch greift die Reduktion auf eine rein funktionale Betrachtung des Körpers zu kurz, der Körper des Menschen stellt als Grundbedingung für die Existenz des Menschen einen unabdingbaren Rahmen für seinen Geist und sein Erleben der Welt dar.
Genetische Verwandtschaft
Das menschliche Genom enthält sowohl kodierende als auch nicht-kodierende DNA-Sequenzen, die denjenigen anderer Lebewesen erkennbar homolog sind und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar völlig übereinstimmen. Anhand quantitativer Messungen der Ähnlichkeit dieser Basenpaarketten kann man umgekehrt auf die Verwandtschaftsverhältnisse zurückschließen. Dies bestätigt Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in dieser Reihenfolge als nächste menschliche Verwandte.
Soziologie
Die Soziologie beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine "Tiersoziologie", sogar eine "Pflanzensoziologie" zu etablieren.
Warum das biologisch erschlossene Tier "Mensch" besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten i. w. S. die Anthropologie, sodann die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen.
Der Versuch, schon einmal eine Soziologie für extraterrestrischer Lebewesen mit menschenähnlicher geistiger Entwicklung zu entwerfen, wie beispielsweise die 'Exosoziologie', sind so lange rein spekulativ, bis sie empirisch geprüft werden können.
Recht
Rechtlich gesehen ist der Mensch zumeist eine ("natürliche") Person, deren Status je nach Staat unterschiedlich festgelegt ist, jedenfalls ist er rechtsfähig. Im "Bürgerlichen Gesetzbuch" der Bundesrepublik Deutschland heißt es dementsprechend in § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung seiner Geburt. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als "Sachen" u. a.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde.
Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemein gültigen Menschenrechte. Insbesondere der Islam, die indische und die chinesische Kultur machen einen Unterschied zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" oder zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau.
Religion
Der Mensch handelt selbst sowohl als glaubendes, betendes, Riten ausübendes Subjekt, als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. Nicht in allen Religionen gilt er als direkte Schöpfung eines oder mehrerer Götter.
Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften, dann als Anbetung mehrerer Götter und schließlich als Monotheismus. Dies führte zu der philosophischen Frage, in wieweit die Religion zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre.
Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes. Für die großen christlichen Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem wissenschaftlich Bewiesenem und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln.
Aus Sicht christlicher Kreationisten, die vor allem in den USA ein umfangreiches Unterstützerfeld haben, wird die Vorstellung, der Mensch habe sich über Jahrmillionen aus tierischen Vorfahren entwickelt, in wörtlicher Auslegung der biblischen Schöpfungsgeschichte entschieden abgelehnt.
Verwandte Themen
- Anatomie des Menschen
- Anthropologie
- Menschheitsgeschichte
- Hominisation
- Humanismus
- Körpergröße
- Daten des menschlichen Körpers
- Kreativität
- Menschenbild
- Menschenrechte
- Philosophische Anthropologie
- Psychologie
- Schwanzmensch
- Soziologie
- Weltbevölkerung
Literatur
- Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002),
- Walfried Linden, Alfred Fleissner: Geist, Seele und Gehirn. Entwurf eines gemeinsamen Menschenbildes von Neurobiologen und Geisteswissenschaftlern, LIT-Verlag Münster 2004, ISBN 3825879739
Weblinks
- [http://www-users.med.cornell.edu/%7Espon/picu/calc/bsacalc.htm Body Surface Area Calculator] - Tool zur Berechnung der Körperoberfläche eines Menschen (engl.)
- [http://www.med-rz.uni-sb.de/med_fak/anatomie/bock/3dstart.htm 3D Anatomie]
- [http://caliban.mpiz-koeln.mpg.de/~stueber/darwin/werke05/index.html Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen] (in der ersten deutschen Übersetzung (1875) des englischen Originaltextes)
- [http://www.tgs-chemie.de/evolution_des_menschen.htm Vergleich von Menschenaffen und Menschen]
- [http://clv.dyndns.info/pdf/255649.pdf Faszination Mensch - Buch im PDF-Format] (stark religiös motiviert)
Kategorie:Primaten
Kategorie:Anthropologie
Kategorie:Menschenrechte
ko:사람
ms:Manusia
ja:人間
nb:Menneske
simple:Human
zh-min-nan:Lâng
VerstandDer Verstand ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu verstehen. Über dem Verstand wird die Vernunft angesiedelt. Der Begriff ist das Substantiv zu „verstehen“ von althochdeutsch „firstȃn“, im Sinne von „dicht davorstehen“, um zu erkennen und zu begreifen.
Verschiedene Begriffsklärungen
Umfassend ist die geradezu klassische Definition von Rudolf Eisler, der in seinem Wörterbuch der philosophischen Begriffe (2. Auflage 1904) schrieb:
:„Verstand (logos, epistêmê, intellectus, intelligentia, ratio, entendement, understanding) ist im weitern Sinn die Denkkraft, die Intelligenz gegenüber der Sinnlichkeit, im engeren, gegenüber der Vernunft (s. d.), die Einheit, Fähigkeit des geistigen Erfassens, des (richtigen) Begreifens (Abstrahierens) und Urteilens, kurz des beziehend-vergleichenden, analysierenden Denkens, sowie des »Verstehens«, d.h. des Wissens um die Bedeutung der Worte und Begriffe. »Gesunder Verstand« (»bon sens«) ist die natürliche (schon ohne besondere Ausbildung wirksame) Auffassungs- und Beurteilungskraft, das normale, aber unmethodische, daher auch leicht fehlgehende Denken.“
Nach Immanuel Kant bezieht sich Verstand auf das Erkenntnisvermögen. Er formuliert das so:
:„Der Verstand ist das Vermögen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln.“ Und anderer Stelle: Der Verstand begrenzt die Sinnlichkeit, ohne darum sein eigenes Feld zu erweitern.
Für Arthur Schopenhauer beschränkt sich der Verstand auf das Erkennen von Ursache und Wirkung:
:„Das subjektive Korrelat der Materie oder der Kausalität, denn beide sind eines, ist der Verstand, und er ist nichts außerdem. Kausalität erkennen ist seine einzige Funktion, seine alleinige Kraft.“
Klassisch geworden, wenngleich keine Begriffsbestimmung, ist auch der erste Satz in der Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen von René Descartes:
:„Der gesunde Verstand ist das, was in der Welt am besten verteilt ist; denn jedermann meint damit so gut versehen zu sein, dass selbst Personen, die in allen anderen Dingen schwer zu befriedigen sind, doch an Verstand nicht mehr, als sie haben, sich zu wünschen pflegen.“
Weblinks
Literatur
- René Descartes, Abhandlung über die Methode, richtig zu denken und Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen
- John Locke, Ein Versuch über den menschlichen Verstand
- David Hume, Untersuchung in Betreff des menschlichen Verstandes
- George Berkeley, Abhandlungen über die Principien der menschlichen Erkenntnis
- Gottfried Wilhelm Leibniz, Neue Abhandlungen über den menschlichen Verstand
- Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Phänomenologie des Geistes
- Arthur Schopenhauer, Die Welt als Wille und Vorstellung
Kategorie:Erkenntnistheorie
Kategorie: Psychologie
Vorstellung
Eine Vorstellung ist ein Bewusstseinsinhalt, der in verschiedenen Zusammenhängen vorkommen kann:
# vergangenheitsbezogen als 'innerliche' Imitation ehemals realer Wahrnehmungen, also als (deswegen so genannte) Erinnerungen. Diese sind meist visueller oder bildhafter Art und können dabei auch zeitlich strukturiert sein, wenn man sie etwa dem tatsächlichen Erleben analog wie vor einem "inneren Auge" ablaufen lässt (Kino im Kopf); in verschiedenem Ausmaß können sie aber auch andere sinnliche Qualitäten aufweisen, während abstrakte Gedanken oder Ideen (siehe 3.) demgegenüber sprachlich oder als geometrische Figuren u.ä. vorgestellt werden.
# zukunftsbezogen als Erwartung oder Befürchtung. Beispielsweise kann man gedanklich Situationen simulieren oder durchspielen und sich "ausmalen", die einem wichtig sind oder sich kritisch bis bedrohlich entwickeln könnten. Insbesondere sind Planspiele derartige Simulationen ebenso wie harmlosere "Gedankenspiele". In konkreter Anwendung als Mentales Training werden so im Sport komplexe Bewegungsabläufe antizipiert.
# ohne zeitlichen oder anderen Bezug zur Realität als abstrakte Idee, ein Begriff, der vom griechischen Ursprungswort 'eidos' für 'Bild' eigentlich eine bildhafte Vorstellung meint.
Die Quelle einer Vorstellung ist immer eine vorgängige sinnliche Erfahrung, die denkend bzw. "im Denken", "in der Vorstellung", "geistig" - oder wie die umgangsprachlichen Ausdrücke für das Gemeinte sonst noch so lauten -, als Erinnerung wiederholt oder in irgendeiner Hinsicht verändert wird.
Vorstellungen können in traditioneller Ausdrucksweise bezeichnet werden als bewusstseinsinterne Gegenstände des vorstellend zu Einsichten oder zur Erkenntnis von Zusammenhängen gelangenden Denkens. Real bildet der jeweils denkende Mensch aus seinem Erinnerungs- oder Vorstellungsmaterial sowohl einfache als auch komplexere, sprachlich mitteilbare Gedankenformen oder eben Gedanken, über die er jemanden anderen informieren kann, indem er ihm davon erzählt, so dass dieser wiederum seinerseits über das von jenem Gedachte informiert ist. (Eine Information stellt daher ein bestimmtes Wissen dar.)
In der Psychoanalyse wird die Vorstellung Repräsentanz genannt. Dabei wird dort besonders auf ihre assoziative Einbindung in einen affektiven Kontext geachtet, da dieser für weitere Assoziationen häufig entscheidend ist.
Siehe auch
Gedanke, Repräsentation, Erkenntnistheorie, Soziale Vorstellungen, Wahnvorstellungen, Affektbetrag
Zitate
- „Der Mensch wird durch die Vorstellung eines vergangenen oder zukünftigen Dinges mit dem gleichen Affekt der Lust und Unlust affiziert wie durch die Vorstellung eines gegenwärtigen Dinges.“ (Spinoza)
- „Durch den Verstand werden die Vorstellungen zur Einheit verknüpft.“ (Kant)
- „Die Welt ist meine Vorstellung.“ (Arthur Schopenhauer)
- „Ursprünglich Chaos der Vorstellungen. Die Vorstellungen, die sich miteinander vertrugen, blieben übrig, die größte Zahl ging zugrunde – und geht zugrunde.“ (Friedrich Nietzsche)
Literatur
- John Locke (1690): Versuch über den menschlichen Verstand
- Immanuel Kant (1781): Kritik der reinen Vernunft
- Arthur Schopenhauer (1819): Die Welt als Wille und Vorstellung
- Edmund Husserl (1901): Logische Untersuchungen
Kategorie:Erkenntnisprozess
Kategorie;Philosophie des Geistes
Kategorie:Allgemeine Psychologie
Kategorie:Psychoanalyse
KörperEin Körper (v. lat.: corpus = Leib, Masse) ist ein Objekt von räumlicher Ausdehnung. Man unterscheidet
- Körper (Biologie)
- speziell die Anatomie des Menschen und Daten des menschlichen Körpers
- Körper (Physik)
- speziell Festkörper, Starrer Körper
- Körper (Geometrie)
- Körper (Algebra)
- im Allgemeinen, der Hauptteil, die Hauptmasse, der - meist feste - Füllstoff (z.B. Glaskörper, Gipskörper), der Geschmack (Wein)
Zitat
„Körper ist alles, was unabhängig von unserem Denken mit irgend einem Teile des Raumes zusammenfällt oder sich mit ihm zusammen ausdehnt.“ – Thomas Hobbes (Vom Körper)
Siehe auch: Körperschaft, Stereometrie, Volumen, Volumenberechnung
Kategorie:Begriffsklärung
RationalDer Begriff Rational bezeichnet:
- das vernunftbegabte und somit rationale Handeln, siehe Rationalität
- eine Zahl, die sich als Bruch einer ganzen Zahl durch eine positive ganze Zahl darstellen lässt, siehe rationale Zahl
- eine zwischenzeitlich von IBM gekaufte Firma der Softwarebranche, siehe Rational Software
- ein Dokument, mit dem eine Firma Normenabweichungen verargumentiert
KognitionMit dem Begriff Kognition werden solche Prozesse und Produkte bezeichnet, die auf der Grundlage der Leistungsfähigkeit des Gehirns auf überwiegend intellektuelle, verstandesmäßige Wahrnehmungen und Erkenntnisse bezogen sind.
Obgleich ältere Definitionen (s. u.) eine zum Teil weitgehende Gleichstellung der Begriffe aufweisen, werden in zunehmendem Maße sowohl im allgemeinen als auch im fachlichen Sprachgebrauch kognitive Fähigkeiten mehr und mehr von geistigen Fähigkeiten abgegrenzt, um den qualitativen Unterschied zwischen Gehirn und Geist herauszustellen.
Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen zum Beispiel:
- Aufmerksamkeit
- Wahrnehmungsfähigkeit
- Erkenntnisfähigkeit
- Schlussfolgerung
- Urteilsfähigkeit
- Erinnerung / Merkfähigkeit
- Lernfähigkeit
- Abstraktionsvermögen
- Rationalität
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Kognition in der Psychologie
In der Psychologie bezeichnet Kognition die mentalen Prozesse eines Individuums wie Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche, Absichten. Kognitionen können auch als Informationsverarbeitungsprozesse verstanden werden, in dem Neues gelernt und Wissen verarbeitet wird, siehe Denken und Problemlösen.
Kognitionen beinhalten, was Individuen über sich selbst, ihre (soziale) Umwelt, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft denken. Kognitionen können Emotionen (Gefühle) beeinflussen und/oder durch sie beeinflusst werden.
Man kann demzufolge festhalten, dass Kognitionen all die internen Vorstellungen sind, die sich ein Individuum von der Welt (subjektive Realität) und sich selbst konstruieren kann (im Sinne des Radikalen Konstruktivismus).
Systemtheorie der Kognition (Santiago-Theorie)
Sie geht auf Humberto Maturana und Francisco Varela zurück, die in den 1960er Jahren Geist als den eigentlichen Prozess des Lebens definierten. Außenreize werden als Störeinflüsse gesehen, welchen ein Lebewesen entgegensteuert, um seinen Fortbestand zu ermöglichen. Ein Beobachter dieser Reaktion schreibt dem Lebewesen Kognition zu. Maturana fasste seine Theorie unter dem Schlagwort to live is to know zusammen.
Entstehung von Kognition im Lichte der Santiago-Theorie
Die kosmische Evolution unbelebter Materie brachte im Rahmen der Umgestaltung materieller Konfigurationen die Kognition hervor. Mit großer Wahrscheinlichkeit trat diese Innovation innerhalb des Seienden bei einer Zelle, das heißt bei einem System mit materiell ausgebildeten Systemgrenzen ein. Man muss es nicht unbedingt Kognition nennen, wenn bereits ein einzelliges Lebewesen, beispielsweise ein Bakterium, seine Nahrung erkennt, aber die Tatsache, dass es seine Nahrung erkennt, kann nicht bestritten werden.
Die Frage, wie das allererste zur Belebtheit geeignete System erstmalig seine Nahrung erkennen konnte, ist nicht nützlich, denn der richtige Denkansatz muss lauten: Falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass eine Gruppierung verschiedener benachbarter Stoffe
#zufällig eine materielle Systemgrenze so ausbildet, dass ein "Innen" und ein "Außen" definiert werden kann,
#dass durch diese Systemgrenze hindurch nachhaltig Energie transportiert wird
#diese Energie von diesem System nachhaltig für sich selbst genutzt wird,
dann ist dieses System gemäß üblicher Definition belebt. Dieses System ist mehr als die Summe seiner Teile, denn es besitzt die neue Eigenschaft der Kognition oder Erkennungsfähigkeit.
Erkenntnisfähigkeit begründet die Fähigkeit, Ordnung in Systemen zu vergrößern, d.h. ihre Entropie zu verkleinern. Dieser Vorgang überlagert sich dem allgemeinen Trend der unbelebten Materie, die Gesamtentropie gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik stetig zu vergrößern. Insofern ist Kognition auch für große, einer Zelle übergeordnete Systeme von Bedeutung. Vielzellige belebte Systeme erzeugen neue Qualitäten von Ordnung und können dadurch wiederum neue Kreationen (Gefühle, Bewusstsein) in der Evolution des Seienden hervorbringen.
Siehe auch: Kognitionswissenschaft, Kognitionspsychologie
Kognitiv als Adjektiv bedeutet: auf Erkenntnis beruhend.
Kognitive Lernziele beschreiben alles, was mit dem Verstand erfasst wird, sowohl Faktenwissen, als auch kreative Anwendung von Wissen und das Lösen von Problemen.
Siehe auch
- Kognitive Behinderung; Metakognition, Theory of mind
Kategorie:Kybernetik
Kategorie:Erkenntnisprozess
Kategorie:Kognitionswissenschaft
ja:認識
BewusstseinBewusstsein (lat. conscientia „Mitwissen“) bezeichnet die Fähigkeit, über mentale Zustände, also etwa Gedanken, Emotionen, Wahrnehmungen oder Erinnerungen, zu verfügen. Das Phänomen des Bewusstseins wird oft als eines der größten ungelösten Probleme von Philosophie und Naturwissenschaft angesehen. Selbst eine allgemein anerkannte präzise Definition von Bewusstsein liegt bisher nicht vor.
Definition
Bedeutung
Das Wort „Bewusstsein“ wurde von Christian Wolff als Lehnübersetzung des lateinischen conscientia geprägt. Das lateinische Wort hatte ursprünglich eher Gewissen bedeutet und war zuerst von René Descartes in einem allgemeineren Sinn gebraucht worden. Der Begriff „Bewusstsein“ hat im Sprachgebrauch eine sehr vielfältige Bedeutung, die sich teilweise mit den Bedeutungen von „Geist“ und „Seele“ überschneidet. Im Gegensatz zu diesen Begriffen ist „Bewusstsein“ jedoch weniger von theologischen und dualistisch-metaphysischen Gedanken bestimmt, weswegen er eher auch in den Naturwissenschaften verwendet wird.
Man kann bei der Rede von Bewusstsein verschiedene Aspekte und Entwicklungsstufen unterscheiden:
# Bei Bewusstsein sein: Hier ist der wachbewusste Zustand von Lebewesen gemeint, der sich unter anderem vom Schlafzustand oder von der Bewusstlosigkeit abgrenzt. In diesem Sinn lässt sich Bewusstsein empirisch und objektiv beschreiben und teilweise eingrenzen. Viele wissenschaftliche Forschungen setzten hier an; insbesondere mit der Fragestellung, inwieweit das Gehirn und das Bewusstsein zusammenhängen.
# Bewusstsein als phänomenales Bewusstsein: Ein Lebewesen, das phänomenales Bewusstsein besitzt, nimmt nicht nur Reize auf, sondern erlebt sie auch. In diesem Sinne hat man phänomenales Bewusstsein, wenn man etwa Schmerzen hat, sich freut, Farben wahrnimmt oder friert. Es wird allgemein anerkannt, dass Tiere mit hinreichend komplexer Gehirnarchitektur ein solches Bewusstsein haben. Phänomenales Bewusstsein ist als so genanntes Qualiaproblem eine Herausforderung für die naturwissenschaftliche Erklärung.
# Bewusstsein als gedankliches Bewusstsein: Ein Lebewesen, das gedankliches Bewusstsein besitzt, hat Gedanken. Wer also etwa denkt, sich erinnert, plant und erwartet, dass etwas der Fall ist, hat ein solches Bewusstsein. Es ist als Intentionalitätsproblem eine Herausforderung für die naturwissenschaftliche Erklärung.
# Bewusstsein des Selbst und seiner mentalen Zustände: Selbstbewusstsein in diesem Sinne haben Lebewesen, die nicht nur phänomenales und gedankliches Bewusstsein haben, sondern sich auch darüber im Klaren sind, dass sie ein solches Bewusstsein haben. Dieses Selbstbewusstsein ermöglicht somit ein Bewusstsein von sich selbst als Individuum. Man trifft es bei Menschen und allenfalls einigen Säugetieren an.
Bewusstsein als Rätsel
Der Philosoph Thomas Metzinger erklärt: „Das Problem des Bewusstseins bildet heute - vielleicht zusammen mit der Frage nach der Entstehung unseres Universums - die äußerste Grenze des menschlichen Strebens nach Erkenntnis.“ (Siehe Metzingertext unter „Weblinks“). Eine mögliche Formulierung des Rätsels des Bewusstseins besteht in der Frage, wie es prinzipiell möglich sein kann, dass aus einer bestimmten Anordnung und Dynamik von Materie Bewusstsein entsteht. Die Vertreter der These, dass das Bewusstsein rätselhaft sei, argumentieren, dass selbst eine lückenlose Aufklärung sämtlicher physiologischer Gehirnprozesse diese Frage nicht beantworten könne. Es schiene unklar, warum ein Mensch nicht einfach funktionieren könne, ohne dass er es bewusst erlebt. Die Vorstellbarkeit dieser Situation lege offen, dass das Phänomen des Bewusstseins aus naturwissenschaftlicher Sicht noch nicht verstanden sei. Und schließlich scheint es anders als bei anderen Problemen ungeklärt, anhand welcher Kriterien eine Lösung des Problems überhaupt als solche erkennbar sein könnte.
Bereits Gottfried Wilhelm Leibniz hat das Problem in aller Schärfe formuliert. In der Monadologie (§17) stellt er sich eine riesige, begehbare Nachbildung des Gehirns vor und erklärt:
:„[...] so wird man bei ihrer Besichtigung nichts als gewisse Stücke, deren eines an das andere stößt, niemals aber etwas antreffen, woraus man eine Perception oder Empfindung erklären könnte.“
Empfindung]
Bewusstsein in der Philosophie
In der Philosophie war das Rätsel des Bewusstseins schon lange bekannt. Es geriet aber in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter dem Einfluss des Behaviorismus und der Kritik von Edmund Husserl am Psychologismus weitgehend in Vergessenheit. Dies änderte sich nicht zuletzt durch Thomas Nagels 1974 veröffentlichten Aufsatz What is it like to be a bat? Nagel argumentierte, dass wir nie erfahren würden, wie es sich anfühlt, eine Fledermaus zu sein. Diese subjektiven Fakten seien aus der Außenperspektive der Naturwissenschaften nicht erforschbar. Heute teilen viele Philosophen die Rätselthese - etwa David Chalmers, Frank Jackson und Joseph Levine. Es gibt allerdings auch Philosophen, die hier kein Rätsel erkennen wollen - etwa Patricia Churchland, Paul Churchland und Daniel Dennett.
Die Rätselhaftigkeit des Bewusstseins als Phänomen äußert sich in zwei verschiedenen Aspekten: Zum einen haben Bewusstseinszustände einen Erlebnisgehalt und es ist nicht klar, wie das Gehirn Erleben produzieren kann. Dies ist das Qualiaproblem. Zum anderen können sich Gedanken auf empirische Sachverhalte beziehen und sind deshalb wahr oder falsch. Es ist aber auch nicht klar, wie das Gehirn Gedanken mit solchen Eigenschaften erzeugen kann. Das ist das Intentionalitätsproblem.
Das Qualiaproblem
Qualia sind als Erlebnisgehalte von mentalen Zuständen bestimmt. Man spricht auch von Qualia als dem „phänomenalen Bewusstsein“. Das Qualiaproblem besteht darin, dass es keine einsichtige Verbindung zwischen neuronalen Zuständen und Qualia gibt: Warum erleben wir überhaupt etwas, wenn bestimmte neuronale Prozesse im Gehirn ablaufen? Ein Beispiel: Wenn man sich die Finger verbrennt, werden Reize zum Gehirn geleitet, dort verarbeitet und schließlich wird ein Verhalten produziert. Nichts macht es zwingend, dass dabei ein Schmerzerlebnis entsteht.
Die fehlende Verbindung zwischen den neuronalen Prozessen und den Qualia scheint fatal für die naturwissenschaftliche Erklärbarkeit von Bewusstsein zu sein: Wir haben nämlich nur dann ein Phänomen naturwissenschaftlich erklärt, wenn wir auch seine Eigenschaften erklärt haben. Ein Beispiel: Wasser hat die Eigenschaften bei Raumtemperatur flüssig zu sein, bei 100°C zu kochen usw. Wenn man einfach nicht erklären könnte, warum Wasser normalerweise flüssig ist, so gäbe es ein „Rätsel des Wassers“. Analog dazu: Wir haben einen Bewusstseinszustand genau dann erklärt, wenn Folgendes gilt: Aus der wissenschaftlichen Beschreibung folgen all die Eigenschaften des Bewusstseinszustands - also auch die Qualia. Da die Qualia aber eben aus keiner naturwissenschaftlichen Beschreibung folgen, bleibt ein „Rätsel des Bewusstseins“.
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, mit dem Qualiaproblem umzugehen:
# Man kann sich auf einen Dualismus zurückziehen und behaupten: Die Naturwissenschaften können das Bewusstsein nicht erklären, weil das Bewusstsein nicht materiell ist.
# Man kann behaupten, dass mit den neuro- und kognitionswissenschaftlichen Beschreibungen schon alle Fragen geklärt seien.
# Man kann behaupten, dass das Problem für Menschen nicht lösbar ist, da es ihre kognitiven Fähigkeiten übersteigt.
# Man kann zugeben, dass das Qualiaproblem nicht gelöst ist, aber auf den wissenschaftlichen Fortschritt hoffen. Vielleicht bedarf es einer neuen wissenschaftlichen Revolution.
# Man kann einen radikalen Schritt versuchen und behaupten: In Wirklichkeit gibt es gar keine Qualia.
Das Intentionalitätsproblem
Wirklichkeit
Das Intentionalitätsproblem ist analog zum Qualiaproblem zu verstehen. Die grundlegende argumentative Struktur ist die gleiche. Auf Franz Brentano und seine Aktpsychologie geht die Einsicht zurück, dass die meisten Bewusstseinszustände nicht nur einen qualitativen Erlebnisgehalt haben, sondern auch intentional strukturiert sind. Das heißt, dass sie sich auf etwas beziehen. Ausnahmen sind Grundstimmungen wie Langeweile oder Grundhaltungen wie Optimismus. Der Gedanke, dass Herodot Historiker war, bezieht sich etwa auf Herodot und er ist aufgrund seines Bezugs wahr oder falsch. Können diese Eigenschaften durch die Wissenschaften erklärt werden? Es bleiben Zweifel: Wie soll sich eine neuronale Aktivität in meinem Gehirn auf Herodot beziehen? Und wie kann die Wahrheitswertfähigkeit der Gedanken erklärt werden? Neuronale Prozesse sind doch nicht wahr oder falsch - sie passieren einfach!
In Bezug auf das Intentionalitätsproblem kann man die gleichen Lösungsvorschläge vertreten, wie beim Qualiaproblem. Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten. Man kann nämlich auch versuchen, zu erklären, warum sich eine neuronale Aktivität auf etwas (etwa Herodot) bezieht. Die drei populärsten Vorschläge sind die folgenden:
# Jerry Fodor meint, dass sich ein neuronaler Prozess genau dann auf X bezieht, wenn er in einer bestimmten kausalen Relation zu X steht.
# Fred Dretske meint, dass sich ein neuronaler Prozess genau dann auf X bezieht, wenn er ein verlässlicher Indikator für X ist.
# Ruth Millikan meint, dass sich ein neuronaler Prozess genau dann auf X bezieht, wenn es die evolutionäre Funktion von dem Prozess ist, X anzuzeigen.
All diese Lösungsvorschläge sind mit schweren Einwänden konfrontiert und so halten viele Philosophen, etwa Hilary Putnam und John Searle, auch Intentionalität für nicht naturwissenschaftlich erklärbar.
Bewusstsein, Materialismus und Dualismus
Der Begriff des Geistes steht traditionell im Zusammenhang mit dem cartesischen Dualismus zwischen einer materiellen Welt und der immateriellen Welt des Geistes. Dies ist beim Begriff „Bewusstsein“ nicht der Fall, was allerdings nicht bedeutet, dass die Rede vom Bewusstsein zwingend mit einem Materialismus verbunden ist. Vielmehr wird die Existenz des Bewusstseins oft als das zentrale Problem jeder materialistischen Weltanschauung gesehen.
Die aufs Bewusstsein bezogenen, antimaterialistischen Argumente basieren meist auf den oben diskutierten Phänomenen Qualia und Intentionalität. Die grundlegende argumentative Struktur ist dabei sehr einfach: Wenn der Materialismus wahr ist, dann müssen Qualia und Intentionalität reduktiv erklärbar sein. Sie sind aber nicht reduktiv erklärbar. Also ist der Materialismus falsch. In der philosphischen Debatte werden die Argumente natürlich ungleich komplexer. Ein sehr bekanntes Argument ist etwa von Frank Jackson entwickelt worden. In einem Gedankenexperiment stellt er sich die Superwissenschaftlerin Mary vor, die in einem schwarz-weißen Labor aufwächst und lebt. Sie hat noch nie Farben gesehen und weiß daher nicht, wie Farben aussehen. Sie kennt aber alle physikalischen Fakten über Farbensehen. Da sie aber nicht alle Fakten über Farben kennt (sie weiß nicht, wie sie aussehen), gibt es nicht-physikalische Fakten. Also ist der Materialismus falsch.
Gegen derartige dualistische Argumente sind zahlreiche materialistische Repliken entwickelt worden. Sie beruhen auf den oben beschriebenen Möglichkeiten mit Qualia und Intentionalität umzugehen. Im Resultat existiert eine Vielzahl von materialistischen Vorstellungen vom Bewusstsein. Funktionalisten wie Jerry Fodor und der frühe Hilary Putnam wollen das Bewusstsein in Analogie zum Computer durch eine abstrakte, interne Systemstruktur erklären. Identitätstheoretiker wie Ullin Place und John Smart wollen Bewusstsein direkt auf Gehirnprozesse zurückführen, während eliminative Materialisten wie Patricia und Paul Churchland die Existenz des Bewusstseins gänzlich bestreiten. Detailliertere Beschreibungen finden sich im Artikel Philosophie des Geistes.
Bewusstsein in den Naturwissenschaften
Überblick
Angesichts der Rätsel des Bewusstseins mag man sich fragen, ob die Naturwissenschaften überhaupt etwas zum Thema beizutragen haben. Allerdings erleben wir ja nicht nur verschiedene mentale Zustände, sie haben auch messbare Ursachen und Wirkungen. Sie lösen Verhalten aus und verursachen andere mentale Zustände. Diese Wirkungen werden von der Psychologie beschrieben. Doch die mentalen Zustände sind auch aufs engste mit den neuronalen Zuständen verknüpft, diese Zusammenhänge werden von der Neurowissenschaft beschrieben. Schließlich kann die Funktionalität mentaler Zustände und neuronaler Prozesse auch so weit formalisiert werden, dass sie auf einem Computer simulierbar sind - das ist ein Arbeitsgebiet der künstlichen Intelligenz. Bei der Erforschung des Bewusstseins sind sehr viele Einzelwissenschaften beteiligt, da es eine große Anzahl von empirisch beschreibbaren Phänomenen gibt, die in Wechselwirkung mit ihm stehen.
Für die Naturwissenschaften bleibt also viel zu tun, auch wenn man der Meinung ist, dass einzelne Elemente des Bewusstseins (Qualia und Intentionalität) unerklärt bleiben. Allerdings gibt es in den einzelnen Naturwissenschaften auch oft den Anspruch, das Bewusstsein restlos mit empirischen Mitteln erklären zu wollen.
Neurowissenschaft
Anspruch
Ein zentrales Element der neurowissenschaftlichen Erforschung des Bewusstseins ist die Suche nach neuronalen Korrelaten von Bewusstsein. Man versucht bestimmten mentalen Zuständen ein neuronales „Substrat“ gegenüberzustellen. Dieser Suche nach Korrelaten kommt die Tatsache entgegen, dass das Gehirn teilweise funktional gegliedert ist. Einzelne Teile des Gehirns (Areale) sind für verschiedene Aufgaben zuständig. So weiß man etwa, dass das Broca-Zentrum (bzw. die Brodmann-Areale 44 und 45) im Wesentlichen für Sprachproduktion zuständig sind. Schädigungen dieser Region führen folglich auch zu einer Sprachproduktionsstörung, der sogenannten Broca-Aphasie. Aktivitätsmessungen während aktiver Sprachproduktion zeigen eine dementsprechend erhöhte Aktivität in dieser Region. Und die elektrische Reizung dieses Areals kann zu vorübergehenden Sprachproblemen führen. Allerdings sind Zuordnungen von mentalen Zuständen und Hirnregionen gewisse Grenzen gesetzt, da Reize immer in mehreren Hirnregionen gleichzeitig verarbeitet werden. Die Zuordnungen zu einzelnen Hirnregionen haben daher meist einen eher heuristischen Wert.
Die Unterscheidung von neuronalen Korrelaten des Bewusstseins von unbewusster Gehirnaktivität kommt der Frage gleich, weshalb manche neuronalen Prozesse zur Bewusstwerdung eines Sinnesreizes oder eines internen Zustandes führen und andere nicht. Während tiefen Schlafs, einer Narkose oder einigen Arten von Koma und Epilepsie, zum Beispiel, sind weite Teile des Gehirns aktiv, ohne von bewussten Zuständen begleitet zu werden. Ebenso scheint die neuronale Aktivität des Kleinhirns nur wenig zum bewussten Erleben beizutragen, obgleich die Anzahl der dort lokalisierten Neurone die des Großhirns noch übersteigt.
In den vergangenen Jahren nahm die Wahrnehmungsforschung eine dominierende Position innerhalb der neurobiologischen Grundlagenforschung des Bewusstseins ein. Einige visuelle Illusionen etwa erlauben es, zu untersuchen, wie das bewusste Erleben der Sinneswelt mit den physikalischen Vorgängen der Reizaufnahme und -verarbeitung zusammenhängt. Ein Paradebeispiel hierfür ist das Phänomen der binokularen Rivalität, bei dem ein Beobachter nur eines von zwei gleichzeitig präsentierten Bildern bewusst wahrnehmen kann. Die neurowissenschaftliche Erforschung dieses Phänomens hat ergeben, dass weite Teile des Gehirns von den nicht-wahrgenommenen, unbewussten Sehreizen aktiviert werden. Auch hier stellt sich die Frage, was die zur bewussten Wahrnehmung führende neuronale Erregung von unbewusster Gehirnaktivität und Reizverarbeitung unterscheidet.
Der Bestimmung bewusster Gehirnaktivität kommt zunehmend ethische und praktische Bedeutung zu. Mehrere medizinische Problemfelder wie etwa die Möglichkeit intraoperativer Wachheit während Vollnarkose, die Einordnung von und der Umgang mit Koma-Patienten sowie die Frage nach dem Hirntod sind hiervon direkt betroffen.
Psychologie
Die Psychologie beschreibt im Detail, welche Reize in welchen Kontexten welche Bewusstseinszustände auslösen. Sie beschreibt auch, in welchem Verhältnis die Bewusstseinszustände untereinander stehen und in welcher Weise diese Verhalten verursachen. So untersucht etwa die Wahrnehmungspsychologie, wie Sinnesreizungen Bewusstseins- bzw. Wahrnehmungszustände erzeugen. Typische Fragen sind hier: Was nimmt eine Person wahr, wenn sie gleichzeitig visuelle und auditive Reize präsentiert bekommt? Wie viele Reize werden an der Peripherie bewusst, wenn die Aufmerksamkeit an das Zentrum gebunden wird?
Dabei spielt in der Psychologie die Unterscheidung zwischen bewussten und unbewussten Zuständen eine besondere Rolle. Nicht alle Reize, die vom Gehirn verarbeitet werden, gelangen auch in das Bewusstsein. So kann man etwa durch Priming zeigen, dass Reize, die nicht ins Bewusstsein gelangt sind, dennoch das Verhalten des Probanden messbar beeinflussen. Eine weitere Evidenz bietet das Phänomen der Rindenblindheit bzw. des Blindsight. Hier handelt es sich um eine Störung, bei der visuelle Informationen zwar verarbeitet werden, jedoch nicht in das Bewusstsein gelangen. Während die Patienten also meinen, nichts zu sehen, kann man nachweisen, dass sie den visuellen Input durchaus verarbeitet haben. Dies geschieht, indem man sie Merkmale des Gesehenen "raten" lässt.
Während man sich in der Kognitionspsychologie oft auf wenig komplexe aber experimentell gut zugängliche unbewusstse Prozesse beschränkt, spielt Psychoanalyse die Gegenüberstellung von bewussten und unbewussten Prozessen eine zentrale Rolle. Im Anschluss an Sigmund Freud wird angenommen, dass es eine komplexe Struktur von handlungswirksamen Motiven gibt, die der jeweiligen Person nicht bewusst zugänglich sind. Zu einem Problem werden diese unbewussten Strukturen insbesondere dann, wenn sie krankhaftes Verhalten verursachen. Dies macht eine Bewusstwerdung der entsprechenden Motive im Prozess der psychoanalytischen Praxis notwendig. Auch wenn immer wieder methodologische Einwände gegen die psychoanalytische Theorie vorgebracht werden, wird Annahme einer komplexen unbewussten Ebene doch mittlerweile weitgehend akzeptiert. Eine Rolle spielen hier auch die neurowissenschaftlichen Untersuchungen von unbewussten Prozessen, die zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen Psychoanalytikern und Hirnforschern geführt haben.
Kognitionswissenschaft
Da viele Einzelwissenschaften an der Erforschung von Bewusstsein beteiligt sind, ist eine umfassende Erkenntnis nur durch einen interdisziplinären Austausch möglich. Die Wissenschaftsentwicklung hat dem mit der Entstehung der Kognitionswissenschaft mittlerweile Rechnung getragen, da diese in aller Regel als ein interdisziplinäres Unternehmen zwischen Informatik, Linguistik, Neurowissenschaft, Philosophie und Psychologie verstanden wird.
Ein besonderer Schwerpunkt aktueller kognitionswissenschaftlicher Forschung besteht dabei in der Zusammenführung von empirischen Ergebnissen der Lebenswissenschaften und den Methoden und Erkenntnissen der modernen Informatik. Zwei Beispiele:
- In kognitiven Architekturen werden psychologische Theorien und Ergebnisse - soweit sie formalisierbar sind - in komplexe Computermodelle integriert, die schließlich der Prognose und Erklärung menschlichen Verhaltens dienen sollen.
- Mit künstlichen neuronalen Netzen können kognitive Fähigkeiten mit einer Methode simuliert werden, die der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns recht ähnlich ist.
Selbstbewusstsein
Unter der Vielfalt der Bewusstseinsphänomene hat das Selbstbewusstsein in den philosophischen, empirischen und religiösen Diskussionen eine herausgehobene Stellung. Dabei wird „Selbstbewusstsein“ nicht im Sinne der Umgangssprache als positives Selbstwertgefühl verstanden, unter dem Begriff des Selbstbewusstseins werden vielmehr zwei andere Phänomene behandelt. Zum einen wird hierunter das Bewusstsein seiner selbst als ein Subjekt, Individuum oder Ich verstanden. Zum anderen bezeichnet „Selbstbewusstsein“ aber auch das Bewusstsein von den eigenen mentalen Zuständen. Ein Beispiel: Ein Lebewesen kann sich nicht nur der Angst bewusst sein, sondern auch sich dieses Zustandes selbst bewusst sein.
Selbstbewusstsein als Bewusstsein vom Selbst
Angst
Selbstbewusstsein im ersten Sinne ist insbesondere durch René Descartes ein zentrales Thema der Philosophie geworden. Descartes machte das Selbstbewusstsein durch seinen berühmten Satz "cogito, ergo sum" („ich denke, also bin ich“) zum Augangspunkt aller Gewissheit und damit auch zum Zentrum seiner Erkenntnistheorie. Descartes Konzeption blieb allerdings an seine dualistische Metaphysik gebunden, die das Selbst als ein immaterielles Ding postulierte. In Immanuel Kants transzendentalem Idealismus blieb die erkenntnistheoretische Priorität des Selbstbewusstseins bestehen, ohne dass damit Descartes Metaphysik übernommen wurde. Kant argumentierte, dass das Ich die „Bedingung, die alles Denken begleitet“ (KdrV A 398) sei, ohne dabei ein immaterielles Subjekt zu postulieren.
In der Philosophie der Gegenwart spielt die Frage nach dem Bewusstsein vom Selbst nicht mehr die gleiche zentrale Rolle, wie bei Descartes oder Kant. Dies liegt auch daran, dass das Selbst oft als ein kulturelles Konstrukt aufgefasst wird, dem kein reales Objekt entspreche. Vielmehr lernten Menschen im Laufe der ontogenetischen Entwicklung ihre Fähigkeiten, ihren Charakter und ihre Geschichte einzuschätzen und so ein Selbstbild zu entwickeln. Diese Überzeung hat zu verschiedenen philosophischen Reaktionen geführt. Während mache Philosophen, wie etwa Susan Blackmore, die Aufgabe der Konzeption vom Selbst fordern, halten andere das Selbst für eine wichtige und positiv zu bewertende Konstruktion. Prominente Beispiele sind hier Daniel Dennetts Konzeption vom Selbst als einem „Zentrum der narrativen Gravitation“ und Thomas Metzingers Theorie der Selbstmodelle.
Der konstruktivistische Blick auf das Selbst hat auch wichtige Einflüsse auf die empirische Foschung. Insbesondere die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie und wann wir zu den Vorstellungen von einem Selbst kommen. In diesem Kontext spielt auch die Frage nach Entwicklungsstörungen eine große Rolle. Wie kann es etwa dazu kommen, dass Personen eine multiple Persönlichkeit entwickeln und somit nicht ein Selbstbewusstsein haben, sondern mehrere?
Selbstbewusstsein als Bewusstsein von mentalen Zuständen
Mit „Selbstbewusstsein“ kann auch das Bewusstsein von mentalen Zuständen gemeint sein, also etwa das Bewusstsein der eigenen Gedanken oder Emotionen. In der künstlichen Intelligenz wird eine analoge Frage unter Bezug auf Metarepräsentationen beantwortet. Ein Roboter muss nicht nicht nur die Information repräsentieren, dass sich vor ihm etwa ein Objekt X befindet. Er sollte zudem „wissen“, dass er über diese Repräsentation verfügt. Erst dies ermöglicht ihm den Abgleich der Information mit anderen, eventuell widersprechenden, Informationen.
Es ist eine heiß umstrittene Frage, ob sich das menschliche Selbstbewusstsein in ähnlicher Weise als Metarepräsentation begreifen lässt. Gegen diese Konzeption wird argumentiert, dass bei einigen Selbstbewusstseinsphänomenen kein Irrtum möglich sei. Der Satz „Er glaubt, dass er London für die größte Stadt Englands hält, aber er irrt sich.“ scheint sinnlos zu sein. Wenn dies aber der Fall ist, kann man das Selbstbewusstsein nicht mittels grundsätzlich fehleranfälliger Repräsentationen erklären. Dieses Problem hat dazu geführt, dass das Selbstbewusstsein in der Philosophie des Geistes manchmal als das dritte große Rätsel des Bewusstseins – neben Qualia und Intentionalität – angesehen wird. Folglich gibt es auch viele Vorschläge einer Naturalisierung des Selbstbewusstseins. Bekannte Theorien kommen von Fred Dretske und Sydney Shoemaker.
Bewusstsein bei Tieren
Sydney Shoemaker herausgefunden]]
Ein Thema, das in den letzten Jahrzehnten rasant an Popularität gewonnen hat, ist die Frage nach dem Bewusstsein von Tieren. An dieser Frage arbeiten verschiedene Disziplinen: Ethologie, Neurowissenschaft, Kognitionswissenschaft, Linguistik, Philosophie und Psychologie.
Die Frage nach dem Bewusstsein von Tieren lässt sich nicht nach einem Alles-oder-Nichts-Prinzip beantworten: Hunde können sicherlich Schmerzen haben, aber nicht über eine Steuerrückzahlung nachdenken. Dies liegt vermutlich auch an der Rolle, die Sprache für das Bewusstsein hat. Um über Steuerrückzahlungen nachzudenken, muss man viele verschiedene Begriffe verstehen: „Steuern“, „Geld“, „Gesetze“, „Finanzamt“ usw. Da ein Hund zumindest keine so komplexe Sprache beherrscht, kann er auch nicht über Steuerrückzahlungen nachdenken. Bei Schmerzen sieht es anders aus, denn man muss nicht über den Begriff „Schmerzen“ verfügen, um Schmerzen zu haben. Daher scheint ein Gradualismus die plausibelste Position zu sein, der für jede Spezies von neuem prüft, welche Bewusstseinszustände sie haben kann.
Lange Zeit wurde vermutet, dass Selbstbewusstsein allein bei Menschen vorkomme. Mittlerweile wissen wir jedoch, dass sich etwa Delphine im Spiegel erkennen können. Ein Gradualismus in Bezug auf die Existenz von Bewusstsein steht jedoch vor dem Problem, zu klären, wo im Tierreich Bewusstsein anfängt: Hunde und Eichhörnchen haben wohl eine Form von Bewusstsein, Bakterien und Pantoffeltierchen nicht. Doch wie sieht es mit Spatzen, Mistkäfern oder Lurchen aus?
Bewusstsein in den Religionen
Im Christentum spielen die Begriffe „Geist“ und „Seele“ traditionell eine größere Rolle, als der Begriff „Bewusstsein“. Dies ergibt sich auch daraus, dass erstere Begriffe in ihrer Bedeutung näher an der Metaphysik klassischer christlicher Fundamentaltheologie und Philosophie sind: Sie legen nämlich die Existenz eines nichtmateriellen Trägers von Bewusstseinszuständen nahe. Dennoch spielt der Begriff des Bewusstseins auch in modernen christlichen Debatten eine Rolle. Dies geschieht etwa im Kontext von Gottesbeweisen. So wird argumentiert, dass die Interaktion zwischen immateriellen Bewusstseinszuständen und dem materiellen Körper nur durch Gott erklärbar sei, oder dass die interne Struktur und Ordnung des Bewusstseins im Sinne des teleologischen Gottesbeweises auf die Existenz Gottes schließen lasse.
Verschiedene buddhistische Traditionen und die hinduistischen Yoga-Schulen haben dagegen gemeinsam, dass in ihnen die direkte und ganzheitliche Erfahrung des Bewusstseins selbst im Mittelpunkt steht. Mit Hilfe der Meditation oder anderer Übungstechniken werden bestimmte Bewusstseinszuständen erfahren, indem die personalen und sozialen Identifikationen abgebaut werden. Einsichten in die „Natur“ des Bewusstseins sollen so über die eigene Erfahrung gewonnen werden, die über einen rein reflektierten und beschreibenden Zugang hinausgeht. Das Konzept der Trennung in Körper und Geist oder Gehirn und Bewusstsein wird als eine Konstruktion des Denkens erfahren. Generell wollen alle mystisch-esoterischen Richtungen in den Religionen (z.B. Gnostizismus, Kabbala, Sufismus, u.a.) eine Bewusstseinsveränderung des Menschen bewirken. Tatsächlich zeigen „neurotheologische“ Forschungen mit bildgebenden Verfahren, dass durch die Meditation sonst unzugängliche neuronale Verknüpfungsmuster ermöglicht werden.
Siehe auch
- Für verschiedene Links auf themennahe Gebiete, siehe Portal:Geist und Gehirn
- Für die interdisziplinäre Forschung zum Thema „Bewusstsein“ siehe: Kognitionswissenschaft
- Für die einzelnen Vorschläge, das Rätsel des Bewusstseins zu lösen, siehe: Philosophie des Geistes
- Für die Betrachtung verschiedener Erlebnisqualitäten des Bewusstseins, siehe: Bewusstseinszustand
Literatur
- Einführungstexte zum Rätsel des Bewusstseins
# Peter Bieri: Was macht das Bewusstsein zu einem Rätsel? In: Spektrum der Wissenschaft, 10, 1992, S. 48-56.
# Colin McGinn: Wie kommt der Geist in die Materie? Das Rätsel des Bewusstseins. Piper, München u.a. 2003, ISBN 3-492-23653-7
# Thomas Nagel Wie ist es eine Fledermaus zu sein? In: Peter Bieri (Hrsg.): Analytische Philosophie des Geistes. 3. Aufl. Beltz Athenäum, Weinheim 1997, ISBN 3-89547-117-8
- Philosophische Literatur
# Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes. 2. Aufl. De Gruyter, Berlin u.a. 2001, ISBN 3-11-017065-5
# David Chalmers: The conscious mind. In search of a fundamental theory. Oxford University Press, Oxford 1998, ISBN 0-19-511789-1
# Thomas Metzinger (Hrsg.): Bewusstsein. Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie. 5. Aufl. Mentis, Paderborn 2005, ISBN 3-89785-600-X
- (Populär-)Wissenschaftliche Literatur
# Gerhard Roth: Das Gehirn und seine Wirklichkeit. Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen. 6. Aufl. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2001 u.ö., ISBN 3-518-28875-X
# Antonio Damasio: Der Spinoza-Effekt. Wie Gefühle unser Leben bestimmen. List u.a., Berlin 2005, ISBN 3-548-60494-3
# Stephen Pinker: Wie das Denken im Kopf entsteht. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt a.M. u.a. 1999, ISBN 3-7632-4816-1
# Dietrich Dörner: Bauplan für eine Seele. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 3-499-61193-7
- Bewusstsein bei Tieren
# Dominik Perler, Markus Wild (Hrsg.): Der Geist der Tiere. Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2005, ISBN 3-518-29341-9
Weblinks
- [http://www.philosophie.uni-mainz.de/metzinger/publikationen/1995e.html „Das Problem des Bewusstseins“ Einleitung aus „Bewusstsein - Beiträge aus der Gegenwartsphilosophie“, von Ed. T. Metzinger, Paderborn: mentis, 1995]
- [http://www.uni-bielefeld.de/philosophie/personen/beckermann/xbiblio.html Sehr guter Einführungsartikel von Ansgar Beckermann: „Was macht Bewußtsein für Philosophen zum Problem?“]
- [http://www.lptw.de/vortraege2001/g_roth.html Gerhard Roth: Wie das Gehirn die Seele macht (aus Sicht der Neurobiologie)]
- [http://home.arcor.de/qualia/ Das Auge der Materie - Beiträge aus unterschiedlichen philosophischen Strömungen zum Thema Bewusstsein]
- [http://www.philosophie.uni-mainz.de/metzinger/publikationen/ConsciousnessBib.pdf Bibliographie (PDF)]
Multimedialinks
- [http://www.rumpelstilzchen.com/tv/dopetv/das-bewusstsein/das-bewusstsein-fernseher-gross.html RealVideo: „Das Bewusstsein - Bildstörung oder kosmischer Durchblick?“ - eine Dokumentation von 3sat]
- [http://home.arcor.de/qualia/music.htm Sammlung von Audio-Beiträgen zum Thema Bewusstsein]
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Seele
Etymologisches
Das Wort Seele (griech.: psychä, pneuma, lat.: anima, altnordisch: sál, litauisch:siela ) stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was "die zum See Gehörende" bedeutet. Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und der Verstorbenen Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser (Duden-Universalwörterbuch, Mannheim, 2003).
Im übertragenen Sinne wird mit Seele auch ein wichtiges Element eines Gegenstands, eines ideellen Objektes oder mehrerer Menschen bezeichnet.
Der englische Begriff soul deckt sich nicht völlig mit dem deutschen Begriff Seele. Der Begriff soul versteht sich praktisch nur als religiöse Vorstellung einer von Gott geschenkten und nach dem Tod weiterlebenden Seele. Im Deutschen hat der Begriff Seele ebenfalls einen religiösen Hintergrund und wird häufig auch durch den Begriff Psyche (aus dem Griechischen) oder Geist ersetzt.
Begriff - Systematisches
Der Begriff wird in unterschiedlichen Zusammenhängen mit verschiedenen Bedeutungen benutzt. Diese Bedeutung wird vor allem in der Philosophie, in der Religion und in der Psychologie verwendet.
Seelen-Begriffe in der Philosophie
Die klassischen Philosophen (insbesondere Platon, Descartes sowie Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Diese folgt aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, einfache, d. h. nicht zusammengesetzte Substanz ist. Weil sie nicht aus Teilen besteht, kann sie auch nicht zerstört werden bzw. vergehen. Die Gegenthese besagt, dass das Wesen der Seele der eines Computerprogrammes gleicht. Schaltet man den Computer aus, "verschwindet" das Programm und bleibt nicht erhalten (ist also nicht "unsterblich").
Seele bei Platon
Seele bei Platon wird in drei Teile geteilt:
- in die Vernunftseele (logistikon), das Denken und das Teilhaben durch Erkenntnis an den "Ideen": modern gesprochen an den "Naturgesetzen": den Strukturen (Logos), die die kosmische Welt, die soziale Welt und die psychische Welt aufbauen;
- in die Affektseele (thymoeides) [wie Vertrauen, Zuneigung, Liebe, Angst, Hass, Neid...]
- und die Triebseele (epithymätikon) [wie Nahrungs-, Sex-, Schlaftrieb.]
Für Platon ist nur der Vernunftseelen-Anteil der Seele (Psyche) unsterblich.
Seele bei Aristoteles
Für Aristoteles bedeutet Psychologie die Untersuchung der Seele. Seinem Grundsatz treu bleibend, dass Form und Stoff immer als Einheit existieren, definierte Aristoteles die Seele als "Funktionsweise eines Körpers, die so organisiert ist, dass sie Träger vitaler Funktionen sein kann". In seiner Annahme von der essenziellen Verbindung von Seele und Körper widerlegte er die Pythagoreische Lehre von der Seele als ein | | |