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Geschichte

Geschichte

Begriff Geschichte

Allgemein

Geschichte im allgemeinen Sinn meint die ständige Entwicklung und Anpassung gesellschaftlich organisierter Lebewesen an ihre Umwelt. Im engeren Sinn bezieht sie sich auf die Entwicklung des Menschen und der Menschheit. Auch bei der Erde, bei Natur und Universum sprechen wir von Geschichte, Erdgeschichte, Naturgeschichte. Doch nur ein kleines Teilgebiet dieser Gesamtgeschichte ist Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Bei genauer Betrachtung gibt es folgende vier Bereiche zu unterscheiden: # Die Entstehung des Universums: Sie wird von Astronomen, Astrophysikern, Mathematikern und Philosophen betrachtet. (Urknall, Kosmologie) # Damit ist die Geschichte der Menschen gemeint, denn hier setzt Entwicklung ein, die nicht nur genetisch und von Ähnlichem, sondern auch kulturell bedingt ist: Handeln u. Traditionen verändern. Der Mensch greift bewusst in die Veränderung seiner Umwelt ein, um diese seinen Bedürfnissen anzupassen. Diese Geschichte ist Gegenstand von Archäologie und Ethnologie. # Die Geschichte seit Erfindung von Schrift, von Zeichen mit Bedeutung, denn hier hat sich Bewusstsein manifestiert und braucht nicht mehr bloß erraten und erschlossen zu werden. Außerdem wird hier die Tradition überpersönlich, weil hier sekundäre Kommunikation einsetzt - sprich auf Schriftzeichen gegründete Überlieferung. - Denn es lässt sich auch über Bildsprache, die keine Bilderschrift ist, kommunizieren. Frühe Formen sind unter anderem die Höhlenmalerei, die Tätowierungen der Ureinwohner in der Südsee, die Keilschrift und die Hieroglyphen. # Die Geschichte, die sich selbst als Geschichte versteht, die der Mensch sich anverwandelt hat, erzählbare Geschichte. Im engeren Sinne ist nur Geschichte in diesem vierten engsten Bereich Gegenstand der Geschichtswissenschaft, doch haben sich Geschichtsschreiber und Historiker schon immer auch für Geschichte im weiteren Sinne interessiert. Auch wird in historischen Kompendien meist auch dieser weitere Bereich mit behandelt, obwohl Historiker bei der wissenschaftlichen Erschließung dieser Fragen mit ihrer Methode nichts beitragen können.

Geschichte als Begriff der Geschichtswissenschaft

Geschichte im Sinne der Geschichtswissenschaft meint das in menschlichen Kulturen Geschehene. Geschichte in diesem Sinn ist etwas dem Menschen Eigenes; der Begriff wird jedoch häufig auch erweitert verwendet, um die Zeit vor dem Auftreten des Menschen bzw. vor der Entwicklung des Geschichtsbewusstseins darzustellen, insbesondere also die Naturgeschichte, dabei speziell die Erdgeschichte, die Vorgeschichte und andere Forschungsgebiete. (vgl. dazu Geschichtlichkeit) Zu scheiden von diesem Begriff von Geschichte ist Geschichte als Überlieferung, Erforschung und Darstellung in ihrer zeitlichen oder sachlichen Aufeinanderfolge (vgl. Geschichtsschreibung). Die Geschichtserkenntnis gründet sich auf Überreste und Tradition. (vgl. Geschichtswissenschaft). Solche Erkenntnis ist allerdings nie objektiv, sondern abhängig von der historischen Situation, der Perspektive des Betrachtenden. Eine bestimmte Perspektive gegen andere Perspektiven durchzusetzen (aber auch der Versuch, Multiperspektivität zu ermöglichen) ist Sache der Geschichtspolitik. Dagegen hat sich Geschichtsdidaktik die Aufgabe gestellt, den Zugang zu den wichtigsten Bereichen von Geschichte zu erleichtern und ein mehrdimensionales Geschichtsbewusstsein zu ermöglichen. Der Geschichtsunterricht ist der Versuch der praktischen Umsetzung von Geschichtsdidaktik. Einen Zugriff auf Geschichte von den verschiedenen Geschichtsräumen und Nationalgeschichten aus ermöglicht das Portal:Geschichte. Einen Zugriff auf spezifische Sachbereiche der Geschichte ermöglichen die verschiedenen Disziplinen der Geschichtswissenschaft.

Definitionsversuche

Über Geschichte gibt es sowohl aus der Philosophie als auch der Geschichtswissenschaft eine Reihe von allgemeinen Definitionsversuchen. Beispielhaft nur diese: Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Geschichte ist „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ – „die Entfaltung der Natur Gottes in einem besonderen, bestimmten Element“ Wilhelm von Humboldt: „Das Ziel der Geschichte kann nur die Verwirklichung der durch die Menschheit darzustellenden Idee sein.“ Johann Gustav Droysen: „Was in ihr täglich geschieht, wird von keinem Verständigen als Geschichte getan oder gewollt. Erst eine gewisse Art, das Geschehene nachmals zu betrachten, macht aus Geschäften Geschichte". Karl Jaspers: „Wir sprechen zwar von Geschichte der Natur und von Geschichte der Menschen. Beiden gemeinsam ist ein unumkehrbarer Prozess der Zeit. Aber beide sind in Sinn und Wesen verschieden. Die Geschichte der Natur ist ihrer selbst nicht bewusst. Sie ist ein bloßes Geschehen, das sich nicht weiß, sondern von dem erst der Mensch weiß. Bewusstsein und Absicht ist nicht ein Faktor dieses Geschehens. Es ist daher eine Verführung unseres in Kategorien der Natur gewohnten Denkens, die Geschichte selber noch nach Analogie von Naturgeschehen zu betrachten.“ Golo Mann: „Immer hat Geschichte zwei Komponenten: das, was geschehen ist, und den, der das Geschehene von seinem Orte in der Zeit sieht und zu verstehen sucht. Nicht nur korrigieren neue sachliche Erkenntnisse die alten; der Erkennende selber wandelt sich. Die Vergangenheit lebt; sie schwankt im Lichte neuer Erfahrungen und Fragestellungen.“ Zur Aufgabe der Geschichtsschreibung: Leopold von Ranke: „Man hat der Historie das Amt, die Vergangenheit zu richten, die Mitwelt zum Nutzen zukünftiger Jahre zu belehren, beigemessen; so hoher Ämter unterwindet sich gegenwärtiger Versuch nicht: er will bloß sagen, wie es eigentlich gewesen.“ Davon ließen sich ungezählte weitere anführen. Hier offenbart sich das Problem einer allgemein verbindlichen Definition, was Geschichte denn sei. Sämtliche hier aufgeführten Definitionen von Geschichte deuten auf etwas Wesentliches hin. Sie sind jedoch alle von einer gewissen subjektiven Sicht derer durchdrungen, welche sie aufstellen. Das ist insoweit auch kaum anders denkbar, als diese Gelehrten jeweils von einer anderen Geschichtsperspektive aus urteilen. Außerdem muss sich bei der Frage nach der Definition der Geschichte unweigerlich die Frage nach den Aufgaben der Geschichtsschreibung anschließen. Sehr schnell offenbart sich dabei, dass die Geschichtsschreibung auch von der Politik und damit von politischen Interessen abhängt. Sehr deutlich tritt das an der Nationalgeschichte zutage. Da diese wiederum immer einem Wandel unterworfen war, ist und bleiben wird, ändern sich entsprechend die politischen Rahmenbedingungen hinsichtlich der Geschichtsschreibung. So stellt sich nämlich das Problem der historischen Wahrheit. Es gibt nicht eine historische Wahrheit, sondern nur Interpretation der Quellen aus der jeweiligen Perspektive (Ort, Zeit, Interesse, Freund/Feind …). (Im Jahr 5000 wird man - gleichen Quellenstand vorausgesetzt - ein anderes Bild von Geschichte haben als wir heute. Wir können nicht heute schon sagen, es sei falsch.)

wissenschaftliche Betrachtungsweisen


- Geschichte kann einerseits wissenschaftlich erforscht werden, andererseits ist die Darstellung der Ergebnisse und Zusammenhänge als eine künstlerische Tätigkeit zu betrachten: Der Historiker soll dem Leser auf eine nachvollziehbare, objektive und überzeugende Weise den Gang der Ereignisse sowie deren Ursachen und Wirkungen darlegen. Die Geschichtsphilosophie versucht, den Gang der Handlungen in einen übergeordneten Zusammenhang, ein Geschichtsbild, zu bringen. Dieses ist der Ansatz vorwiegend der von den Geisteswissenschaften.
- Die Erforschung der Geschichte der Natur oder die Erdgeschichte wird selbstverständlich auch von der Naturwissenschaft betrieben. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die Naturgeschichte beziehungsweise die Geschichte der Erde nachvollziehbar zu machen auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden.

künstlerische Betrachtungsweisen


- Indem die Darstellung der Geschichte auch als eine künstlerische Aufgabe betrachtet werden kann, kommt es umgekehrt zur künstlerischen bzw. literarischen Verarbeitung von geschichtlichen Themen, ohne dass vordergründig ein wissenschaftliches Erkenntnisinteresse besteht. Zum Beispiel das Drama Wallenstein von Friedrich von Schiller oder der Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe sind literarische Werke auf der Grundlage des historischen Stoffes, ohne zugleich als Geschichtswerke verstanden werden zu können.
- Neben den literarischen Betrachtungsweisen von Geschichte manifestieren diese sich auch in der Bildenden Kunst wie z.B. in der Malerei und Graphik. Diese Betrachtungsweisen setzen ein hohes Maß von individuellem Geschichtsbewusstsein des Künstlers voraus und eine ausgeprägte Fähigkeit, sich kritisch mit Geschichte auseinanderzusetzen.

Geschichtspolitik

Die Darstellung von Geschichte ist Gegenstand der Geschichtspolitik. Geschichtsschreibung steht stets auch unter der Verdacht der interessensgeleiteten Darstellung. Das gilt insbesondere dann, wenn ihr eine Geschichtsphilosophie zugrundeliegt. Geschichtspolitik dient also der Einflussnahme auf die allgemeine Meinungsbildung der Gesellschaft. Die Formen der Geschichtspolitik können sehr unterschiedlich sein. Verwandte Begriffe sind etwa: Geschichtlichkeit, Geschichtsbewusstsein, Geschichtsraum, Geschichtsperspektive, Historisierung, Erinnerungskultur, Glorifizierung beziehungsweise Geschichtsfälschung. Dem Geschichtsunterricht und der Geschichtsdidaktik kommt hierbei eine erhebliche Bedeutung zu. Die Reflexion über Geschichtlichkeit ist Aufgabe der Geschichtsphilosophie und der Geschichtsdidaktik.

Siehe auch


- Weltgeschichte, Universalgeschichte, Menschheitsgeschichte, Globalgeschichte, transnationale Geschichte
- Geschichtswissenschaft
- Periodisierung
- Chronologie

Zitate


- Jedesmal, wenn ein Mensch über Vergangenes berichtet, und sei er auch ein Geschichtsschreiber, haben wir in Betracht zu ziehen, was er unabsichtlich aus der Gegenwart oder aus dazwischenliegenden Zeiten in die Vergangenheit zurückversetzt, sodass er das Bild derselben fälscht. - Sigmund Freud
- Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (Wer die Geschichte nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.) George Santayana
- Die geschichtliche Wirklichkeit ist oft wie die Elster, die an einem Ort schreit und am anderen ihre Eier legt. - José Ortega y Gasset (Aufbau und Zerfall Spaniens)
- Geschichte ist Lüge, auf die man sich geeinigt hat. - Napoleon Bonaparte
- Keine Atempause - Geschichte wird gemacht - es geht voran - die Musikgruppe Fehlfarben 1982
- Eine Reihe zufälliger Ereignisse, die besser nicht stattgefunden hätten. - anonym

Literatur


- Marc Bloch: Apologie der Geschichte oder Vom Beruf des Historikers. München 1987 (1. Aufl. 1949)
- Jacob Burckhardt: Weltgeschichtliche Betrachtungen. Hrsg. v. Jacob Oeri, Berlin/Stuttgart 1905.
- Manfred Mai: Weltgeschichte. 2002. 240 S. ISBN 3-446-20191-2
- Neil Grant: Weltgeschichte. Young Oxford. 2000. 191 S. ISBN 3-407-75305-5
- Raphael, Lutz: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart. München 2003
- Weltgeschichte : 1. Die Anfänge der Menschheit und frühe Hochkulturen 2. Antike Welten. 3. Um Glaube und Herrschaft. 4. Wege in die Moderne. 5. Aufbruch der Massen. 6. Schrecken der Kriege.(= Brockhaus Die Bibliothek) 1997 - 1999. Je 704 S. ISBN 3-7653-7400-8
- Der große Ploetz - Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte; Daten, Fakten, Zusammenhänge, ersch. in diversen Sonderausgaben, u.a. bei zweitausendeins, ISBN 3-86150-412-X
- Erich Bayer und Frank Wende (Hrsg.): Wörterbuch der Geschichte. 5. Auflage, Stuttgart 1995.
- Jörg Baberowski: Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault. München 2005.
- Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt/M. 1987

Weblinks


- [http://www.geschichte.fb15.uni-dortmund.de/links/ Fachkatalog zur Geschichtswissenschaft]
- [http://lotse.uni-muenster.de/geschichte/index-de.php Lotse - Fachbereich Geschichte]
- http://www.vl-geschichte.de
- http://www.clio-online.de
- http://www.historiker.de/
- http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/
- http://www.historicum.net
- [http://netzwerk.wisis.de/text/41.htm SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Geschichte]
- [http://www.wcurrlin.de/pages/5.htm didaktisch aufbereitete Geschichtsdarstellung mit Links]
- [http://www.ralf-arndt.de/geschichte.html Ralf Arndt - kommentierte Links]
- [http://www.lo-net.de/home/fontane44/index.htm Epochenüberblicke mit Links] Kategorie:Geschichtswissenschaft Kategorie:Geisteswissenschaft Kategorie:Kulturwissenschaft ! fiu-vro:Aolugu ja:歴史 ko:역사 ms:Sejarah simple:History th:ประวัติศาสตร์ zh-min-nan:Le̍k-sú

Entwicklung

Unter Entwicklung versteht man im Allgemeinen einen Prozess der Entstehung, der Veränderung bzw. des Vergehens. Im Detail muss unterschieden werden zwischen:

A. Wissenschaft


- Wissenschaftliche Entwicklung
- 1. Biologie
  - Ontogenese - die körperliche Entwicklung / das Wachstum eines Lebewesens,
  - Entwicklungsbeschleunigung
  - Phylogenese - die Entwicklung einer Art
  - Entwicklungsanregung, Pathenogenese
  - Evolution, Darwin
  - Biologische Evolution, Evolutionstheorie
  - Entwicklungsbiologie
- 2. Chemie
  - chemischer Prozess
  - Evolution der unbelebten Materie, Chemische Evolution
- 3. Physik
  - physikalischer Versuch
- 4. Mathematik
  - Rechnen, Gleichung
- 5. Psychologie
  - die Entwicklung einer Persönlichkeit, siehe Entwicklungspsychologie
  - Entwicklungsjahre
  - Spiritualität,
  - Versuch und Irrtum
- 6. Soziologie
  - die Entwicklung einer Gruppe, einer Gesellschaft, siehe Entwicklungssoziologie, auch: Dependenztheorie
  - Sozialer Wandel
- 7. Ökonomie
  - die wirtschaftliche Entwicklung einer Firma
    - Managementprozess
    - Produktentwicklung
  - die gesamtwirtschaftliche Entwicklung eines Landes
    - Wirtschaftliche Entwicklung,
    - Nachhaltige Entwicklung
  - die weltwirtschaftliche Entwicklung
    - Entwicklungstheorien, Dependencia
    - Entwicklungsland, Dritte Welt
    - Entwicklungspolitik
    - Nachhaltige Entwicklung
    - Entwicklungshilfe
    - Fairer Handel
  - Bankenwesen
    - Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung
    - Afrikanische Entwicklungsbank
    - Asiatische Entwicklungsbank
    - Interamerikanische Entwicklungsbank
- 8. Ökologie
  - Ozonloch
  - Energieverbrauch
  - Ressourcen
- 9. Geschichte
  - Historische Entwicklung
- 10. Philosophie
  - „Vom Mythos zum Logos
- 11. Theologie
- 12. Religionswissenschaft
  - Religion
  - Mythen
  - Spiritualität
  - Glaube
- 13. Geographie
  - Entwicklungsachse (Infrastruktur / Verkehr / Siedlung)

B. Kulturelle Entwicklung


- Kulturgeschichte
- Geistesgeschichte
  - Kunst
    - Stilepochen
  - Literatur
    - Entwicklungsroman
  - Sport
    - Leistungssport
  - Spiel
    - Schach
  - Technische Entwicklung
    - Technik
    - Forschung
    - Fortschritt
    - Erfindungen
    - F&E

C. Weitere gebräuchliche Verwendungen des Begriffs Entwicklung


- 1. Fotografie: das Entwickeln eines belichteten Films oder eines (Papier-)Abzuges, siehe Entwicklung (Film)
- 2. Entwicklungsstrategie
- 3. Produktentwicklung
- 4. Softwareentwicklung
- 5. Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
- 6. Umentwicklung
- 7. Entwicklungsfähigkeit
- 8. Entwicklungsgang (Gang, Verlauf der Entwicklung, Werdegang)

Anpassung

Unter Anpassung versteht man
- in der Elektrotechnik entweder #Spannungsanpassung #Leistungsanpassung #Stromanpassung #:Entscheidend für den Typ der Anpassung ist das Verhältnis von Ausgangswiderstand Ri zu Eingangswiderstand Ra.
Ist Ri wesentlich kleiner als Ra, also Ri « Ra, dann redet man von Spannungsanpassung und beim umgekehrten Fall von Stromanpassung. Wenn Ri = Ra ist, so handelt es sich um Leistungsanpassung. Der Ausgangswiderstand ist der Innenwiderstand Ri oder der Quellwiderstand. Der Eingangswiderstand ist der Außenwiderstand Ra, der Lastwiderstand oder der Abschlusswiderstand. Welches Verhalten erwünscht ist, hängt von der jeweiligen Disziplin der Elektrotechnik ab. #Fehlanpassung
- in der Informatik: Anpassung von Informations-Systemen an Nutzerbedürfnisse, siehe Adaptivität
- in der Biologie: #Anpassung in Bau und Funktion bei Lebewesen, siehe Evolutionäre Anpassung #Anpassung des Auges an die Lichtintensität, siehe Adaptation (Auge) #Anpassung der Spermien an Verdünnungen oder Temperaturen, siehe Äquilibrierung
- in der Psychologie: Anpassung an äußere Gegebenheiten, siehe Anpassung (Psychologie); Jean Piaget unterscheidet zwischen Assimilation und Akkommodation.
- in der Soziologie ein Resultat der sozialen Wechselwirkung zwischen (kollektiven) Akteuren und ihrer sozialen Umgebung; zu seiner Formalisierung vgl. das AGIL-Schema

Menschheit

Die Menschheit ist die Gesamtheit aller Menschen. Man bezeichnet damit entweder in einem konkreteren Sinn die gesamte Weltbevölkerung oder in einem etwas abstrakteren Sinn die Einheit aller Menschen, zum Beispiel bei vermuteten oder tatsächlichen gemeinsamen Entscheidungen oder Interessen aller Menschen.

Siehe auch


- Hominisation Kategorie:Anthropologie

Natur

Der Begriff Natur (lat.: natura, von nasci „entstehen, geboren werden“) wird in verschiedenen Gesellschaften und oft auch innerhalb einer Gesellschaft unterschiedlich und teilweise widersprüchlich verwendet.

Natur als Gegenbegriff zur Kultur

Unter Natur wird heute in westlichen Kulturkreisen im Allgemeinen das bezeichnet, was nicht vom Menschen geschaffen wurde. Natur ist bei dieser vorherrschenden Auffassung das Gegenteil von Kultur. Objekte der Natur sind nach dieser Auffassung z.B. Steine, Pflanzen, Tiere, Landschaft - ob der Mensch selbst zur Natur gehört oder nicht, ist bereits nicht mehr gesellschaftlicher Konsens. Man unterscheidet dabei zwischen belebter Natur (z.B. Tier, Pflanze) und unbelebter Natur (z.B. Steine). Naturereignisse, Naturerscheinungen sind unter anderem Regen oder Gewitter, das Klima insgesamt. Dass auch diese natürlichen Phänomene längst nicht mehr von der Kultur des Menschen unbeeinflusst sind, passt nicht zu dieser tradierten Auffassung. Der menschliche Umgang mit der Natur wird immer häufiger zum Gegenstand einer Kritik an der Kultur, an Gesellschaftssystemen oder Regierungen. Heute stellen sich in dieser Hinsicht mehr denn je ethische Fragen: Umweltverschmutzung und ökologische Probleme, dazu die Knappheit der Rohstoffe sind die Folgen einer jahrelangen Ignoranz gegenüber natürlichen Werten. Ereignisse, die der Mensch nicht in den Griff bekommt, wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und ähnliches, sind im menschlichen Maßstab Naturkatastrophen. Die Forderung nach Eingriffen in das Naturgeschehen zum Schutz vor solchen Naturgefahren steht im Gegensatz zu der genannten Kulturkritik. Heute weiß man: Die Natur ist zerstörbar und kann sich aus eigener Kraft in manchen Bereichen nicht erneuern. In unserem Sprachgebrauch vorhandene Wendungen wie "natürlich" (selbstverständlich) oder "in der Natur der Sache" verweisen auf die elementare Bedeutung des Begriffs Natur. Bereits in der Romantik war ein grosses Interesse an der Natur - in Verbindung mit einer gesteigerten Hinwendung zu Innerlichkeit und Gefühlen - als Gegenbewegung zur Industrialisierung entstanden.

Natur als philosophischer Begriff

Der umgangssprachliche Gebrauch von "natürlich" oder "unnatürlich" und Ausdrücke wie "es liegt in der Natur der Sache" weisen auf eine erweiterte Bedeutung hin. Möglich sind hier Deutungen wie "von der Natur gegebenen", Bestimmung. Augustinus von Hippo unterscheidet zwischen einer "materialen" und einer "formalen" Definition der Natur. Für ihn ist Natur Wesen (essentia) und Substanz (substantia).

Probleme der Definition von "Natur"

Als philosophischer Begriff (vgl. Naturphilosophie) ist das, was natürlich (der Natur entstammend) und was nicht natürlich ist, vom Verhältnis der Menschen zu ihrer Umwelt geprägt. In diesem Zusammenhang steht "Umwelt" für das "Nicht-Ich", das außerhalb des Ego des Menschen ist. Der Begriff Natur ist nicht wertfrei, so wird auch von Naturkatastrophen, Naturgefahren oder Ähnlichem gesprochen. Natur wird zur menschlichen Existenz in Beziehung gesetzt. Dieses Verhältnis ist vor allem durch emotional, ästhetisch und religiös wertende, normative Einstellungen bestimmt (Oldemeyer 1983).

Natur als Nutzgegenstand

Nach bzw. neben dem anthropomorphen Naturverhältnis der Frühzeit, und dem biomorphen Verhältnis der Antike und des fernen Ostens, bildete sich durch die alttestamentliche Überlieferung im mittelalterlichen Europa das technomorphe Naturverhältnis. Es gab dem Menschen gleichzeitig Beherrschungs- und Bewahrungsauftrag. Die Natur außerhalb der Städte erzeugte eher Angst. In der Aufklärung wurde die Natur dann vollständig dem Menschen zu seinen Zwecken nutzbar untergeordnet. Diese technisch-utilitäre Einstellung wurde in der Romantik als Pervertierung des "Naturzustandes" aufgefasst und Natur sentimental gesehen, ohne jedoch die Trennung zwischen Mensch und "göttlicher Natur"(Hölderlin) zu überwinden. Es manifestierte sich ein Verständnis, das die "Natur als Gegenbegriff zur menschlichen Kultur und als einen sich selbst definierenden, untermenschlichen Gegenstand menschlicher Nutzung sah und teilweise noch sieht", und zwar als "Grundlage und Rechtfertigung für eine hemmungslose Ausbeutung ohne normative Beschränkungen" (Oldemeyer, 1983).

Integratives Naturverständnis

Erst gegen Ende des 19. Jh. wurde maßgeblich durch Ökologie und Kybernetik die Natur als selbst–regulatorisches System begriffen. Es entstand das "Wir-Welt-Verhältnis" (Oldemeyer, 1983). Mit der Popularisierung der Ökosystemforschung gewinnen seit den 80er Jahren des 20.Jh. mehr Menschen in den Industriestaaten die Einsicht, dass Natur nicht als Ganzes zu begreifen ist, sondern nur als ein offenes System, dessen Teil auch der Mensch mit seiner Kultur ist (integratives Verhältnis) (Oldemeyer, 1983). Dies wird z. B. auch in der Definition der Arbeit deutlich, die die Gesellschaft und die Natur im Systemzusammenhang nennt, wobei die Arbeitsprozesse vermittelnde Elemente und Abläufe sind, die die Menschen wegen ihrer divergierenden Ziele nur offen gestalten können. Abgeleitet davon wäre z.B. die Stadt, eine Kulturleistung des Menschen, als "zweite Natur" anzuerkennen. Die Stadt als Habitat (Lebensraum) des Menschen, die wir uns zunehmend lebensunwerter gestalten, erzeugt damit einen Bedarf nach einem diffusen Ideal von "wilder" oder "unberührter" Natur, nach Erholung. Dabei wird schlicht übersehen, dass auch vom Menschen stark überformte Bereiche (schützenswerte) Natur beinhalten. Diese integrative Naturauffassung schlägt sich aber in Fachkreisen, z.B. im Naturschutz, in der Ökologie, Stadtökologie etc., bereits nieder. Ludwig Klages bezeichnet als "zweite Natur" die rational durchformte bzw. geistdurchsetzte Landschaft.

Natur in der Wissenschaft

Als Natur im wissenschaftlichen Sinne bezeichnet man alles was existiert und sich der Beobachtung bzw. Wahrnehmung nicht entzieht.

Mundartliche und regionale Verwendung

Im Österreichischen wird Natur auch als Synonym für Sperma oder die Geschlechtsorgane verwendet.

Zitate

:
- Natur, adjective (formaliter) genommen, bedeutet den Zusammenhang der Bestimmungen eines Dinges nach einem innern Princip der Causalität. Dagegen versteht man unter Natur substantive (materialiter) den Inbegriff der Erscheinungen, so fern diese vermöge eines innern Princips der Causalität durchgängig zusammenhängen. Im ersteren Verstande spricht man von der Natur der flüssigen Materie, des Feuers etc. und bedient sich dieses Worts nur adjective; dagegen wenn man von den Dingen der Natur redet, so hat man ein bestehendes Ganzes in Gedanken. (Immanuel Kant) :
- Die Natur verhält sich seltsam. Sie lebt gefährlich. Aber sie tänzelt so geschickt herum, dass sie dem fatalen K.o.-Schlag eines logischen Paradoxons auszuweichen vermag. (Brian Greene) :
- Diese Gurke ist bitter. Nun so wirf sie weg. Hier sind Dornengesträuche am Weg. Weiche ihnen aus. Das ist alles. Frage nicht noch: Wozu gibt es solche Dinge in der Welt? Sonst würde dich ein Naturkundiger auslachen, gleichwie der Tischler und der Schuster dich auslachen würde, wenn du's ihnen zum Vorwurf machen wolltest, daß du in ihren Werkstätten Hobelspäne und Lederreste wahrnimmst. Und doch haben diese Leute noch einen Ort, wo sie dergleichen hinwerfen können. Die Allnatur aber hat außerhalb ihres eigenen Kreises nichts. Das ist gerade das Bewundernswerte an ihrer Kunstfertigkeit, daß sie in ihrer Selbstbegrenzung alles, was in ihr zu verderben, zu veralten und unbrauchbar zu werden droht, in ihr eigenes Wesen umwandelt und eben daraus wieder andere neue Gegenstände bildet. Sie bedarf zu dem Ende ebensowenig eines außer ihr befindlichen Stoffes, als sie eine Stätte nötig hat, um das Morsche dorthin zu werfen. Sie hat vielmehr an ihrem eigenen Raum, ihrem eigenen Stoff und an ihrer eigenen Kunstfertigkeit genug. (Marc Aurel) :
- Die Natur verbirgt ihr Geheimnis durch die Erhabenheit ihres Wesens, aber nicht durch List. (Albert Einstein)

Literatur


- Großklaus, Götz / Oldemeyer, Ernst (Hrsg.): Natur als Gegenwelt - Beiträge zur Kulturgeschichte der Natur. Loeper Verlag GmbH, Karlsruhe 1983.
- Wilson, Edward O.: Die Zukunft des Lebens. Berlin 2002 ISBN 3-88680-621-9
- Greene, Brian: Der Stoff, aus dem der Kosmos ist. München 2004 ISBN 388680738X

Weblinks


- http://www.madeasy.de/1/natur.htm Stoffsammlung zum Begriff Natur
- http://www.natur-lexikon.com Natur Lexikon Tiere / Pflanzen / Pilze / Mineralien
- [http://www.macro-photo.org Naturfotografie] Siehe auch: Leben, Evolution, Naturgeschichte, Naturgesetz, Naturwissenschaften, Outdoor, Gaia-Hypothese Kategorie:Natur Kategorie:Naturphilosophie ja:自然 ms:Alam Semulajadi simple:Nature zh-min-nan:Chū-jiân

Erdgeschichte

Die Erdgeschichte ist derjenige Bereich der Naturgeschichte, der sich mit der Entstehung und Entwicklung des Planeten Erde beschäftigt. Hierzu zählen verschiedene Forschungsgebiete: Die unbelebte Natur wird von der Geologie und ihren Teilgebieten abgedeckt, die Herkunft und Entwicklung der Erde als Ganzes ist Gegenstand der Kosmologie. Die Entwicklung der Erde im Rahmen des Sonnensystems und der Galaxis untersucht die Planetologie. Die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt auf der Erde untersucht die Paläontologie mit den Disziplinen Paläozoologie und Paläobotanik. Die Klimageschichte wird durch die Paläoklimatologie erforscht. Die Gliederung der Erdgeschichte folgt der Geologischen Zeitskala.

Siehe auch


- Entstehung der Erde
- Erdzeitalter
- Historische Geologie
- Geologische Zeitskala
- Geologische Zeitskala (Tabelle)

Literatur


- Peter Faupl: Historische Geologie, UTB für Wissenschaft, 2. Aufl. (2003), ISBN 3-8252-2149-0.

Weblinks


- [http://www.erdgeschichte.de.vu/ Perioden der Erdgeschichte] Kategorie:Geowissenschaft Kategorie:Historische Geologie

Geschichtswissenschaft

Die Geschichtswissenschaft ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit vergangenen Ereignissen und Entwicklungen von Menschen, Völkern, Gemeinschaften, Gesellschaften, Städten, Ländern, Staaten, Herrschern und Beherrschten. (vgl. Geschichte) Geschichtsdarstellung war in den Anfängen noch halb mythologisierend, dann erzählend (vgl. Geschichte der Geschichtsschreibung). Erst im 19. Jahrhundert begann man sich in Europa verstärkt nach wissenschaftlichen Kriterien (Heuristik, Quellenkritik, Textkritik, Objektivität) mit der Geschichte zu befassen (vgl. Geschichte der Geschichtswissenschaft). Aber letztlich bleibt die Geschichtswissenschaft auch heute noch immer durch die Werthaltungen der Gegenwart bzw. durch das Wertesystem des Wissenschaftlers beeinflusst. (vgl. Hermeneutik, Hermeneutischer Zirkel, Interpretation). Ein Teilgebiet der Geschichtswissenschaft, die sich mit den Grundlagen des Fachs Geschichte befaßt, ist die Historik.

Teilbereiche

Je nach Ausdehnung des betrachteten Geschichtsraumes spricht man von Weltgeschichte, Geschichte Europas, Amerikas, Asiens, Afrikas, Australiens von Nationalgeschichte, Regionalgeschichte und Lokalgeschichte. Andere Einteilungen beziehen sich weniger auf den geographisch-kulturellen Umfang als auf die Einteilung in bestimmte Epochen. Die Vor- und Frühgeschichte umfasst den Zeitraum zwischen dem ersten bewusst hergestellten Steingeräten vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis zu den ersten schriftlichen Aufzeichnungen. Erst bei Vorliegen von Schriftdokumenten spricht man von Geschichte im engeren Sinne. Das Ende der Vorgeschichte liegt daher in jeder Kultur zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt. Heutige steinzeitliche Kulturen befinden sich also noch in der Phase der Vorgeschichte. Schriftdokumente finden sich grundsätzlich erst in der Phase der Hochkulturen. Seit Cellarius (16381707) unterteilt man die Geschichte Europas und des Mittelmeerraums in die historisch datierbaren Zeiträume von Alter Geschichte, Mittelalterlicher Geschichte und Neuerer Geschichte. Diese europäische Periodisierung in Altertum, Mittelalter und Neuzeit lässt sich selbstverständlich nicht anwenden auf außereuropäische Hochkulturen - etwa in der chinesischen Geschichte oder in Japan, Indien oder Mittel- und Südamerika. Die marxistische Geschichtsschreibung erhebt den Anspruch, ein auf fast alle Kulturen anwendbares Periodisierungsschema aufgestellt zu haben und schlägt (1) die klassenlose Urgesellschaft, (2) die Sklavenhaltergesellschaft, (3) den Feudalismus, (4) den Kapitalismus, (5) den Sozialismus, (6) den Kommunismus und schließlich (7) die "Diktatur des Proletariats" als Unterscheidungsschema vor. - Allerdings sah schon Marx, dass diese Einteilung den Kulturen im asiatischen Raum nicht gerecht wird, weshalb er zusätzlich von der asiatischen Produktionsweise spricht.

Europas

Die Geschichtswissenschaft orientiert sich in Mitteleuropa an den drei großen Abschnitten
- Alte Geschichte (Ägypten, Griechenland, Römisches Reich) (bis ca. 500 n. Chr.),
- Mittelalterliche Geschichte (ca. 500 - ca. 1500 n. Chr.) und
- Neuere / Neueste Geschichte (ca. 1500 - 1918). Entsprechend spezialisiert sich auch die Geschichtswissenschaft. Dabei tritt freilich noch die
- Zeit- und Gegenwartsgeschichte (1918 bis jetzt) hinzu.

Teilgebiete der Geschichtswissenschaft

Sachbereiche:
- Alltagsgeschichte
- Fachgeschichte
- Frauengeschichte
- Geschlechtergeschichte
- Globalgeschichte
- Historiographie
- Kirchengeschichte
- Landesgeschichte
- Kulturgeschichte
- Personengeschichte
- Politische Geschichte
- Prosopografie
- Religionsgeschichte
- Sozialgeschichte
- Technikgeschichte
- Universalgeschichte
- Universitätsgeschichte
- Unternehmensgeschichte
- Virtuelle Geschichte
- Wirtschaftsgeschichte
- Wissenschaftsgeschichte Kulturen:
- Ägyptologie
- Altamerikanistik
- Altorientalistik
- Byzantinistik
- Japanologie
- Orientalistik
- Turkologie nach Betrachtungsweisen:
- Geschichtsphilosophie Historische Hilfswissenschaften:
- Archivkunde
- Chronologie
- Diplomatik
- Epigraphik
- Filigranologie (Wasserzeichenkunde, siehe Wasserzeichen)
- Genealogie
- Heraldik
- Numismatik
- Paläografie
- Papyrologie
- Sphragistik Verwandte Bereiche:
- Archäologie
- Kunstgeschichte
- Philologie

Literatur


- Boshof, Egon/Düwell, Kurt/Kloft, Hans: Grundlagen des Studiums der Geschichte. Eine Einführung. 5. Aufl. Köln/Weimar/Wien 1997 (Böhlau-Studien-Bücher). X, 337 S. ISBN 3-412-15296-X [Eine gute Einstiegsmöglichkeit, da die Verfasser jeweils Spezialisten für ihren Fachbereich sind und zahlreiche weiterführende Literaturangaben machen. Kein Gegenstand bleibt unerwähnt. Vom Seitenumfang und Textbild her etwas abschreckend kann man sich die Lektüre anderer Werke damit oft sparen.]
- Depkat, Volker / Müller, Matthias / Sommer, Andreas Urs (Hg.): Wozu Geschichte(n)? Geschichtswissenschaft und Geschichtsphilosophie im Widerstreit. 215 Seiten. Stuttgart: Franz Steiner Verlag, 2004, ISBN 3-51508419-3
- Eibach, Joachim/Lottes, Günther (Hg.): Kompass der Geschichtswissenschaft. Ein Handbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2002 (UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher, Bd. 2271). 400 S. ISBN 3-8252-2271-3
- Cornelißen, Christoph (Hg.): Geschichtswissenschaften. Eine Einführung. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, ²2000 (Fischer-Taschenbuch, Bd. 14566). 320 S. ISBN 3-596-14566-X
- Goertz, Hans-Jürgen (Hg.): Geschichte. Ein Grundkurs. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, ²2001 (Rowohlts Enzyklopädie; rororo, Bd. 55576). 795 S. ISBN 3-499-55576-X
- Giesebner, Andrea, Feministische Geschichtswissenschaft. Eine Einführung.Von der Frauen- zur Geschlechtergeschichte, Wien: Löcker 2004, ISBN 3-85409-410-8
- Gribbohm, Jan: Eine strukturale Methode für die Geschichtswissenschaft, Wien u.a. 1996, 246 S. ISBN 3-631-30057-3
- Peter Lambert (Hrg.), Phillip Schofield (Hrg.), Making History: An Introduction to the History and Practices of a Discipline, Routledge,2004, ISBN 041524255X
- Nolte, Paul: Wozu Geschichtswissenschaft? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 ISBN 359337336X
- Schieder, Theodor: Geschichte als Wissenschaft. Eine Einführung, 2. Aufl. München/Wien 1968.
- Pietro Rossi (Hg.): Theorie der modernen Geschichtsschreibung. Frankfurt/M. 1987

Siehe auch


- Narrativismus
- Historismus
- Historiker
- Determinismus, Geschichtsbild
- Freier Wille, LaPlacescher Dämon
- Geschichtsphilosophie, Geschichte der Geschichtswissenschaft
- Portal:Geschichte !

Betrachtung

Betrachtung
- bezeichnet einen Vorgang, bei dem ein Mensch etwas in Augenschein nimmt, siehe Betrachter
- ist auch der Titel eines Werkes von Franz Kafka, siehe Betrachtung (Buch).

Umwelt

Die Umwelt eines Lebewesens ist die nähere oder weiter entfernte Umgebung, die einen direkten oder indirekten Einfluss auf dieses Lebewesen und seine Lebensbedingungen ausübt. In Bezug auf den Menschen unterscheidet man unter anderem die
- soziale Umwelt,
- die kulturelle Umwelt und
- die natürliche Umwelt.

Soziale und kulturelle Umwelt

Die soziale und kulturelle Umwelt eines Individuums besteht einerseits aus den Menschen, mit denen es unmittelbar in Beziehungen steht, andererseits auch aus dem weiteren kulturellen Umfeld, das Einflüsse ausübt. Dazu gehören beispielsweise das politische und wirtschaftliche System, in dem es sich befindet usw. Stichworte: soziale Umwelt, Familie, soziales Milieu, soziale Schicht, Sozialisation, Soziologische Systemtheorie

Natürliche Umwelt

Die Umwelt ist ein Netzwerk von Orten, das einen großen Komplex von körperlichen, emotionalen, intellektuellen und spirituellen Interaktionen unterstützt. Im weiteren Sinn ist "Umwelt" alles zwischen der Atmosphäre (manche schließen nahe Himmelskörper ein) und der oberen Erdkruste. Im engeren Sinne bezieht sich Umwelt vor allem auf die Natur und die Wechselbeziehungen zwischen Wirtschaft, Technik und Naturwissenschaften. Diese Wortverwendung tritt vor allem im Sprachgebrauch von "Umweltschützern" und der Politik seit etwa den 1970ern auf. Man sieht daher das Wort nun vorwiegend im Zusammenhang mit Umweltschutz, Umweltverschmutzung und Umwelt-Gipfel - obwohl "Umwelt" im weiteren Sinn (siehe oben) etwa 20 bis 50 mal so viele Fachgebiete umfasst. Im Unterschied zum bloßen Naturbegriff bezieht man neuerdings auch die "städtische Umwelt" mit ein. Damit werden Gebiete wie Verkehrs- und Bauwesen, Geotechnik oder Wasserwirtschaft am Rand oder zentral einbezogen, aber auch Themen wie Abfallwirtschaft, Lärmschutz, Elektrosmog und ähnliche Problemfelder. Im klassischen Naturschutz wurden sie bisher kaum (oder nur dem Namen nach) behandelt.

Umwelt im ökologischen Sinne

Umwelt in der Ökologie bezeichnet die Gesamtheit aller auf die Natur einwirkenden Einflüsse sowie die Gesamtheit aller ökologischen Faktoren, die auf eine Art einwirken. Oft wird der Begriff Umwelt umgangssprachlich mit Natur gleichgesetzt. Siehe auch: Recycling, Kyoto-Protokoll, Abgas, Ökosystem, Biotop, Umweltfaktor, Umweltzerstörung, Umweltschutz, Umweltschutzorganisation, Umweltverschmutzung, Umweltbewusstsein, Umweltbundesamt, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft
- Portal:Umweltschutz
- Umweltpolitik
- Umweltprobleme
- Schadstoffe
- Emissionen, Immission
- Jakob Johann von Uexküll
- Rudolf Bahro
- Ökologische Plattform

Weblinks


- [http://www.umweltbundesamt.de www.umweltbundesamt.de] - Offizielle Seite des Umweltbundesamtes
- [http://europa.eu.int/comm/dgs/environment/index_de.htm www.europa.eu.int] - Generaldirektion Umwelt in der Europäischen Kommission
- [http://www.upi-institut.de www.upi-institut.de] - UPI - Umwelt- und Prognose-Institut e.V.
- [http://www.dbu.de www.dbu.de] - Deutsche Bundesstiftung Umwelt
- [http://www.gein.de www.gein.de] - Umweltinformationsnetz Deutschland (German Environmental Information Network)
- [http://www.udk-gein.de www.udk-gein.de] - Umweltdatenkatalog Deutschland
- [http://www.umweltdatenkatalog.de www.umweltdatenkatalog.de] - Umweltdatenkatalog des Bundes und der Länder
- [http://www.umweltdatenbank.de www.umweltdatenbank.de] - Umfangreiche Datenbank zum Umweltschutz und Umweltmanagement
- [http://www.umweltberatungluzern.ch www.umweltberatungluzern.ch] - öko-forum Umweltberatung Luzern
- [http://www.ogee.de www.ogee.de] - Portal für Umwelt und Entwicklung
- [http://www.na.unep.net/OnePlanetManyPeople/AtlasDownload.php www.na.unep.net] - Globaler Umwelt-Atlas Kategorie:Soziologie Kategorie:Umwelt- und Naturschutz ja:環境 ko:환경 simple:Environment

Ethnologie

Ethnologie (grch.: ethnos [fremdes] Volk), auch Völkerkunde erforscht als Wissenschaft die verschiedenen Ethnien bzw. Völker der Welt sowie ihre Kulturen. Manchmal wird die Ethnologie als vergleichende Völkerkunde von der Ethnographie, also der einfachen Beschreibung ethnischer Gruppen, abgegrenzt.

Begriff

Die klassische Völkerkunde wandte ihr Augenmerk vornehmlich der Kultur außereuropäischer, schriftloser Völker zu, die überwiegend in die Kategorie indigene Völker fallen, bzw. sich selbst als solche definieren. Im internationalen (und damit auch im deutschen) Bereich wird Ethnologie zunehmend als ein System vielfältiger miteinander verflochtener Disziplinen verstanden. Anthropologie und Geschichtswissenschaft gehören ebenso hinzu wie Sozialpsychologie, Kultursemiotik oder Ökonomie. Das Feld der ethnologischen Forschung wird vor allem im angelsächsischen Bereich unter den Begriffen cultural anthropology (USA) und social anthropology (UK) beschrieben. Der bedeutende französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss nannte sein Programm auch "strukturale Anthropologie". In Europa wird zusätzlich die Europäische Ethnologie betrieben (der klassische Name lautet Volkskunde), die als Selbstreflexion der europäischen Kultur das Andere in der eigenen Gesellschaft untersucht. Definition: Eriksen, Thomas H.: "Anthropologie ist das vergleichende Studium des kulturellen und sozialen Lebens. Ihre wichtigste Methode ist die teilnehmende Beobachtung, welche aus lange andauernder Feldforschung in einem besonderen sozialen Umfeld besteht." Geertz, Clifford: " Wenn wir entdecken wollen, was den Menschen ausmacht, können wir das nur finden, in dem, was die Menschen sind: und was die Menschen sind, ist höchst unterschiedlich. Indem wir die Verschiedenheiten verstehen- ihr Ausmaß, ihre Natur, ihre Basis und ihre Implikationen- können wir ein Konzept der menschlichen Natur erstellen, mehr ein statistischer Schatten als ein primitivistischer Traum, das beides beinhaltet: Substanz und Wahrheit." Ingold, Tim: " Anthropologie ist Philosophie mit den Menschen darinnen." Lévi-Strauss, Claude: " Die Anthropologie hat die Menschheit zum Subjekt ihrer Forschung, aber anders als andere Wissenschaften vom Menschen, versucht sie ihr Objekt mittels unterschiedlichster Manifestationen zu erfassen."

Gegenstand

Die Ethnologie untersucht die Struktur und Funktion von Gesellschaftssystemen und versucht sie in Modellen darzustellen. Dabei wendet sie sich der gesamten Breite gesellschaftlichen Lebens zu, wie ethnischen Gruppen in städtischen Gesellschaften, Geschlechterdifferenzen, sozialer Schichtung, internationalen Beziehungen und Spezialdisziplinen wie Medizin-, Wissenschafts-, oder Musikethnologie. Ihr Gebiet reicht von der Archäologie, dem Studium der Religionen mit ihrem Brauchtum bis hin zur Sozial- und Individualpsychologie. Biologische Faktoren finden ebenso Berücksichtigung (Genetik, Soziobiologie) wie maßgebliche philosophische Entwürfe (Strukturalismus). Methoden: Qualitative Methoden, Quantitative Methoden, Feldforschung Theorien: Funktionalismus, Strukturfunktionalismus, Strukturalismus, Neoevolutionismus, Kulturrelativismus, Kulturmaterialismus, Kognitive Ethnologie, Kulturökologie, Psychoanalyse Forschungsbereiche: Visuelle Anthropologie, Verwandtschaftsethnologie, Ethnosoziologie, Friedens- & Konfliktforschung, Action Anthropology, Wirtschaftsethnologie, Genderforschung, Rechtsethnologie, Religionsethnologie, Interkulturelle Kommunikation Bekannte Ethnologen: Bronislaw Malinowski, Alfred Radcliffe-Brown, Margaret Mead , Evans-Pritchard, Levi-Strauss, Victor Turner, Clifford Geertz, Stanley Tambiah etc.
(Liste von Ethnologen)

Geschichte

Ethnologie in einem weiteren Sinn (Ethnographie, d.h. die Beschreibung fremder Völker) wurde schon in der griechischen und römischen Antike betrieben. Im 5. Jahrhundert v. Chr. gab Herodot von Halikarnassos bereits eine ausführliche und empirisch gestützte Darstellung der Völker der damals bekannten Welt und ihrer Sitten. Beschreibungen anderer Kulturen finden sich auch bei Platon, Aristoteles und anderen. Für die Neuzeit hat zunächst die Epoche der großen Entdeckungsreisen zu neuen Kontakten mit fremden Völkern geführt, die sich vielfältig in Reiseliteratur und anderen Texten spiegeln (z.B. bei Montaigne (Über Kannibalen), bei Montesquieu und vielen anderen). Die Geburt der Ethnologie im heutigen Sinne ist im Schatten des Kolonialismus geschehen, und zwar seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Sie erscheint somit als eine Art verwissenschaftlichten "schlechten Gewissens" der Kolonialpolitik der europäischen Nationen. Daher erklärt sich, dass die Ethnologie eine westeuropäisch geprägte Disziplin ist und ihre wichtigsten Exponenten in einigen jener Nationen gefunden hat, die rund um die Welt Macht beansprucht haben, vor allem England, Frankreich und Deutschland. Von den anderen Kontinenten ausgehend, gibt es keine vergleichbare Wissenschaft des kulturell Fremden. Somit trägt sie exemplarisch den Vorwurf des Eurozentrismus aus. Aktuell sind es vor allem Fragen der Methode, die die Forschung beschäftigen und die auch auf die anderen Sozialwissenschaften ausstrahlen.

Antike bis Mittelalter

Herodot (490-425 v. Chr.) war ein Geschichtsschreiber, der Reisen in den anatolischen, syrisch- irakischen und arabischen Raum unternahm. Seine Schriften gelten als wichtige Quelle. Herodot schrieb im fünften Jahrhundert vor Christus in den Historiai über die "barbarischen" Stämme im Norden und Osten der griechischen Halbinsel, im Vergleich zu den Gewohnheiten und Vorstellungen der Athener. Cornelius Tacitus (ca. 56- ca. 120): De origine et situ Germanorum Marco Polo (1254-1324): Le divisament dou monde/ Il Milione Ibn Khaldun (1332-1406): Muqaddima José de Acosta (1540-1600): Auf der Grundlage einer umfassenden humanistischen Bildung schuf der Jesuit José de Acosta mit seiner Historia natural y mortal de las Indias ein herausragendes Werk, das unvoreingenommen über die "Neue Welt" und ihre Bewohner informiert und die amerikanischen Kulturen mit den europäischen vergleicht und in Beziehung setzt. 1537: Die Bulle des Papstes Paul III. bezeichnet die Entdeckten als "veri homines", als Menschen also, die für die Christenheit gewonnen, und missioniert werden können. Die absolute Stellung der Kirche, die alle Entdeckungen, sowie herrschaftliche Entscheidungen, für sich beansprucht, führt nach dem Investiturstreit zu einer Konfrontation der kirchlichen und weltlichen Macht. Zwei theologische Schulen prägten Universalideen, nämlich a. Die Augustinische Schule: Augustinus setzt alle Probleme des Lebens in Rückverbundenheit zu Gott in Beziehung. Die unmittelbare Macht der Kirche- " deus & anima"- schafft einen Weg zur theokratischen Gesellschaftsordnung. Aegidius Humanus denkt, dass jeder Ungläubige in Feindschaft mit Gott lebt. Dieses " Heidenproblem" spricht Ungläubigen jeden Besitz ab, weil alles "von Gott" sei. Papst Innozenz IV legitimiert Gewalt gegen "Heiden", erkennt Staatenbildung der Nicht- Christen ab, meint aber, dass der freie Wille ein Naturgesetz sei. Durch die Unterordnung unter die Gewalt des Papstes, sei den Menschen Wille und Menschsein zuerkannt. So verlasen die Entdecker entsprechende Texte, die für Indigene als Handlungsvorlage dienen sollten. Wenn die Entdeckten nicht nach christlichen Vorgaben handelten, war Gewalt legitim anzuwenden. b. Die Thomistische Schule: Thomas von Aquin erkannte Gott als Ursache der Welt, die Macht der Kirche als mittelbar. Gott existiere im aristotelischen Denken, das auf Erfahrung beruht, aufgrund der Existenz der Welt. Die Bewegung der Welt und die Rechtsordnung fußten in Erfahrung. Persönliche Freiheit, Eigentumsrecht und Eigenstaatlichkeit wurden als Naturrecht zuerkannt.

Phasen der deutschsprachigen Ethnologie

15. und 16. Jahrhundert Europa war eine religiöse, keine politische Einheit. Die Wertegemeinschaft Christentum stellt ihr christliches Erbe vor Politik, das als konstitutives Element fungierte, daher hat Glaube auch heute noch politische Relevanz. (EU: Ostverhandlungen, Verhandlungen mit der Türkei, baltischer Raum: " containment" von außen, um Stabilisierung zu schaffen.) Die spanische Inquisition propagiert das Christentum als den "rechten Glauben" und hoffte so das "Maurenproblem" zu lösen. 1492 wurde das letzte maurische Königreich zerstört, Amerika von Christoph Kolumbus wieder entdeckt, und 1610 erfolgten die letzten Vertreibungen von Mauren aus Spanien. Spanier und Portugiesen reisen nach Afrika, Indien, Mittel- und Südamerika um Rohstoffe, Gold und Reichtümer zu rauben. Menschen wurden nicht als Menschen wahrgenommen, das Christentum sollte verbreitet werden. Nach den Entdeckungen überwiegt eine eurozentristische Sichtweise, die bis ins zwanzigste Jahrhundert von Forschern und Kolonialisten nur wenig selbstreflexiv und kritisch hinterfragt wurde. Bernardino de Sahagún ( 1499- 1590): Histroia general de las cosas de Nueva Espagna. Sahagun thematisiert Bräuche, Praktiken, Promiskuität und Kannibalismus. Staden, Hans ( ca. 1525- ca. 1576) schrieb 1557 die "Wahrhaftige Historia" und legte das konfrontative Verhältnis gegen "Wilde" fest, die mit brutaler Härte als Nicht- Menschen interpretiert wurden. Staden stand auf Seiten der Kirche. Verzerrte Darstellungen aus dieser Zeit schildern Nacktheit, Kannibalismus und Promiskuität. Vermutungen und Phantasien bilden negative Darstellungen, zum Beispiel auch auf Stichen. Kannibalen in "Naturgesellschaften" seien nicht "missionierbar", "Wilde" nicht für das Christentum" aquirierbar". Die politisch- ideologische Botschaft verhinderte Respekt und nihilierte die Tötungshemmung. Thomas Hobbes´s (1588- 1679) Leviathan (1649/ 1651), Antonio de Oliveira de Cadornega (1610- 1690), Joseph-Francois Lafiteau (1681- 1746), Jean-Jacques Rousseau ueber den Contract Social (1762). 18. und 19. Jahrhundert "The rise of anthropological theory began during that hallowed epoch in Western culture known as the Enlightenment- the period roughly coincident with the one hundred years from the writing of John Locke´s An Essay Concerning Human understanding (1690) to the outbreak of the French Revolution." Im 19. Jahrhundert war die Ethnologie vom Evolutionismus bestimmt, dessen Anliegen der Entwurf einer kulturellen Abfolge war. Oftmals stützten sich die Theorien nicht auf eigene Forschungen, sondern auf Berichte von Missionaren ("Lehnstuhlethnologie"). 20. Jahrhundert Erst Bronislaw Malinowski begründet die Forschungsmethode der teilnehmenden Beobachtung, die auch heute noch für das Fach wesentlich ist.

Literatur


- Karl-Heinz Kohl: Ethnologie - die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. München : Beck 1993. ISBN 3-406-37733-5 (Hervorragende Einführung in den aktuellen Stand der Disziplin)
- Christoph Antweiler: Ethnologie lesen.Ein Führer durch den Bücher-Dschungel. Mit CD-ROM Bd. 1, LIT Verlag, 3. überarb. u. erg. Aufl. 2004, ISBN 3-8258-5608-9
- Werner Petermann: Die Geschichte der Ethnologie, Wuppertal 2004;
- Friedrich Ratzel: Völkerkunde (1885);
- Hans Fischer/Beer, Bettina (2003): Ethnologie. Einführung und Überblick. Reimer: Berlin. zu Geschichte:
- Barnard, Alan: History and Theory in Anthropology',' Cambridge University Press, 2000
- Barnard, Alan & Spencer, Jonathan:
Encyclopaedia of Social and Cultural Anthropology, London/ New York: Routledge, 2003
- Borofsky, Robert:
Assessing Cultural Anthropology, McGraw- Hill, Inc., 1994
- Eriksen, Thomas H.:
Small Places, Large Issues, London: Pluto Press, 2001
- Feest, Christian & Kohl, Karl- Heinz ( Hg.):
Hauptwerke der Ethnologie, Stuttgart, Alfred Kroener Verlag, 2001 .
- Gingrich, Andre:
Erkundungen, Wien, Boehlau Verlag, 1999
- Harris, Marvin:
The Rise of Anthropological Theory. A History of Theories of Culture. Updated Edition, USA: Alta Mira Press, 2001 ( 1968)
- Kuper, Adam:
Anthropology & Anthropologists, GB: Routledge, 2002

Populärwissenschaftliche Literatur


- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8

Weblinks


- http://www.evifa.de/ - EVIFA - Virtuelle Fachbibliothek der Ethnologie
- http://www.uni-duesseldorf.de/WWW/ulb/etn.html - Die Düsseldorfer Virtuelle Bibliothek: Ethnologie
- http://www.ethno.info - Portal für moderne Ethnologie
- http://www.antropologi.info/blog/ethnologie - Ethnologische Presseschau (mehrsprachiger Blog)
- http://sonner.antville.org - Ethnologisches Weblog (Newsseite), das von Studierenden der LMU München betrieben wird.
- http://journal-ethnologie.de - Virtuelles Ethnologie-Journal

Siehe auch

Portal:Ethnologie | Ethnobotanik | Liste der Museen für Völkerkunde | Ethnopsychoanalyse Theorie der interkulturellen Kommunikation ! Kategorie:Kulturwissenschaft ja:文化人類学


Schrift

Schrift dient der Kommunikation und der Konservierung von sprachlicher Information. Mit einem vereinbarten, festgelegten Zeichensystem werden Informationen auf einen Träger geschrieben und somit chiffriert und können von diesem wieder abgelesen, sprich dechiffriert werden. Schrift bedeutet umgangssprachlich auch eine Schriftart (gestalteter Zeichensatz, Typografie), eine Schriftdatei (Computertechnik), eine Handschrift (Schriftbild : »ich kann deine Schrift nicht lesen«), schriftliche Werke (»Goethes Schriften zur Farbenlehre«) und dient als Eigenname für religiöse Texte (»Heilige Schrift«) Siehe auch: Inschrift, Blindenschrift

Definition

Man unterscheidet:
- Alphabetschrift – die grundlegende Beziehung hier ist: ein Zeichen entspricht einem Laut (bzw. Phonem)
- Silbenschrift – hier entspricht weitgehend ein Zeichen einer Silbe
- Logogramme – ein Zeichen steht hier in der Regel für ein Wort bzw. für eine Aussage oder Anweisung Alphabet- und Silbenschriften sind mehr oder weniger phonologisch, also lautbasiert. Logogramm- oder Ideogramm-Schriften sind hingegen eher bedeutungsbasiert: das Schriftzeichen entspricht eher einer bestimmten Bedeutung als einem bestimmten Laut. Beispiele für eine solche Schrift sind die arabischen Ziffern (1,2,3 ...), mathematische Symbole, Verkehrszeichen, Piktogramme, Gefahrensymbole. Diese sind international, also über Sprachgrenzen hinweg, verständlich. Bei den Alphabetschriften unterscheidet man zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, bei denen nur die Konsonanten bezeichnet werden. Bei ersteren kann man noch zwischen solchen unterscheiden, in denen jeder Laut ein gleichberechtigtes Zeichen erhält, wie in der lateinischen Schrift, und solchen, in denen Vokale als obligatorische Hilfszeichen von Konsonanten auftauchen, wie in indischen Schriften. Diese sind also in gewisser Weise das Bindeglied zwischen Alphabetschriften im engeren Sinne und Konsonantenschriften, in gewisser Weise auch zu den Silbenschriften. Manche Sprachen nutzen gemischte Schriften, die Züge von zwei oder allen drei Schriftsystemen haben, oder mehrere Schriften nebeneinander. Eine Besonderheit bilden die Geheimschriften, die zur verschlüsselten Informationsübertragung verwendet werden.

Schriftfamilien

Entwicklung

Vor der Entwicklung der Schrift war Jahrtausende lang die mündliche Überlieferung von wesentlichen Inhalten üblich. Sie barg schon immer gewisse Risiken in sich. Eine mögliche Sinnentstellung des ursprünglichen Quelleninhaltes und das Weglassen oder Hinzufügen von Inhalten sind in der mündlichen Vermittlung des jeweils einzelnen Erzählers immanent enthalten. Psychologische, soziale und kulturelle Faktoren spielen bei der mündlichen Überlieferung eine wesentliche Rolle. Weltweit wurden seit jeher überlebenswichtige Informationen, aber auch geheimes Wissen, Rituale, Mythen, Legenden und Sagen mündlich weitergegeben (wie u.a. die Geschichte von der großen Sintflut), die einen ähnlichen Kern aufweisen, in ihren Details aber beträchtlich voneinander abweichen können. Auch heute noch existieren Kulturen, in denen die mündliche Überlieferung von Traditionen und Wissen üblich ist. Bei den Aborigines in Australien steht das mündliche Zeugnis sogar im Vordergrund, obwohl sie in engem Kontakt mit einer schreibenden Kultur stehen. Die wortwörtliche Wiedergabe an nachfolgende Generationen trägt dazu bei, eigene Kultur und Werte zu bewahren, und charakterisiert zugleich eine Besonderheit dieser Kultur. Gemeinsam mit der Fähigkeit des Lesens bilden Schreiben, Schrift und Rechnen die Grundlage von Tradition, Kultur und Bildung durch die mittelbare Weitergabe von Wissen. Die Erfindung der Schrift gilt als eine der wichtigsten Errungenschaften der Zivilisation, da sie die Überlieferung von Wissen und kulturellen Traditionen über Generationen hinweg erlaubt, und deren Erhaltung (je nach Qualität des beschrifteten Materials) über einen langen Zeitraum garantiert. Alle bekannten Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Indus-Kultur, Reich der Mitte, Amerika) werden mit der Verwendung der Schrift in Verbindung gebracht. Traditionell wird Sumer als die Kultur genannt, in der die Schrift erstmals verwendet wurde. Die wohl ältesten Schriftfunde stammen von dem Fundort Uruk aus Abfallschichten unter der sogenannten Uruk-III-Schicht. Sie werden somit ins 4. Jahrtausend vor Christus datiert. Es handelt sich dabei um Wirtschaftstexte. Die verwendete Schrift lässt allerdings keine Rückschlüsse auf die Sprache zu, es ist daher falsch, diese Schrift im strengen Sinne als sumerisch zu bezeichnen. Nur wenige Forscher glauben, daß es sich bei den spärlichen Symbolzeichen der Vinča-Kultur, die in das 5. Jahrtausend v. Chr. datiert werden, um eine tatsächliche Schrift handelt. Die ägyptischen Hieroglyphen werden oft als eine aus Vorderasien importierte Idee angesehen; neuere Funde von Günter Dreyer in Ägypten stellen diese Lehrmeinung allerdings in Frage, und er vermutet eine eigenständige Erfindung. In China und Mittelamerika (Maya) wurde die Schrift ebenfalls unabhängig entwickelt. Andere Ausprägungen der Schrift sind meistens direkte Übertragungen von einer Kultur zu einer anderen (etwa die Entwicklung des lateinischen aus dem griechischen Alphabet). In einigen Fällen hat die Beobachtung, dass eine fremde Kultur eine Schrift besitzt, die Entwicklung einer eigenen Schrift bewirkt (die Silbenschrift der Cherokee). Der uns heute bekannten Schrift gehen Felszeichnungen, z.B. in der Höhle von Lascaux, vor ca. 20 000 Jahren voraus. Seit Zehntausenden von Jahren benutzen Menschen Zeichen oder Bilder, um Botschaften zu hinterlassen. Von Schrift kann aber erst gesprochen werden, wenn ein festgelegtes Zeichensystem zum Ausdruck für verschiedene Informationen zur Verfügung steht. Bereits in der Jungsteinzeit (Neolithikum) wurden Steine mit geometrischen Linien hergestellt, von denen die Forschung mit einiger Gewissheit sagen kann, dass sie zum Zählen dienten. Diese Steine wurden entsprechend lateinisch calculi genannt, woraus sich das französische calcul (Rechnen, Rechnung) und das deutsche kalkulieren ableiten. Zur Entwicklung der Schreibschrift in Deutschland siehe Schreibschrift

Schriftklassifikation

In der westlichen Welt gibt es verschiedene Schriftklassifikationsmodelle, die voneinander teils erheblich abweichen. Davon sind in Deutschland insbesondere zwei Modelle gebräuchlich:

DIN 16518

Die Norm DIN 16518 aus dem Jahr 1964 teilt Bleisatzschriften in elf Gruppen ein:
- Venezianische Renaissance-Antiqua (Stichwort Antiqua)
- Französische Renaissance-Antiqua
- Barock-Antiqua
- Klassizistische Antiqua
- Serifenbetonte Linear-Antiqua (Egyptienne)
- Serifenlose Linear-Antiqua (Grotesk)
- Antiqua-Varianten
- Schreibschriften
- Handschriftliche Antiqua
- Gebrochene Schriften
- Fremde Schriften Die Schriftklassifikation entspricht dabei der historischen Entwicklung und berücksichtigt besonders detailliert die im deutschen und westeuropäischen Sprachbereich üblichen lateinischen Schriften. In anderen Ländern gibt es vergleichbare Einteilungen.

Matrix Beinert

Ein modernes Schriftklassifikationsmodell für das Electronic Publishing ist die Matrix Beinert, welche 2001 vom deutschen Typographen Wolfgang Beinert erarbeitet wurde. Sie ordnet westeuropäische Druck- und Bildschirmschriften sowie Bildzeichen in eine Matrix von neun Hauptgruppen.

Literatur

Eine besondere Herausforderung stellt die Entzifferung alter Schriften dar. Oft gelingt sie, wenn ein Text mit Übersetzungen gefunden wird, oder wenn man die Sprache oder einen Dialekt der Sprache kennt. Viele Schriften konnte man entziffern, eine Reihe geben aber noch Rätsel auf.

Bücher


- Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-520-45201-4
- Florian Coulmas: The Blackwell Encyclopedia of Writing Systems. Blackwell, New York, 1996, ISBN 0-631-21481-X
- Florian Coulmas: Writing Systems. An Introduction to their linguistic analysis. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 0-521-78737-8
- Werner Ekschmitt: Das Gedächtnis der Völker. Hieroglyphen, Schriften und Schriftfunde, Heyne, München 1980, ISBN 3-453-01058-2
- Ernst Doblhofer: Die Entzifferung alter Schriften und Sprachen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1993, ISBN 3-15-008854-2
- Carl Faulmann: Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und Völker. Weltbild, Freiburg 2003 (Reprint von 1898), ISBN 3-8289-0799-7
- Karoly Földes-Papp, Vom Felsbild zum Alphabet - die Geschichte der Schrift von ihren frühesten Vorstufen bis zur modernen lateinischen Schreibschrift. Chr. Belser Verlag, Stuttgart, 1966, ISBN 3-811-20007-0
- Harald Haarmann: Geschichte der Schrift. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47998-7
- Harald Haarmann: Universalgeschichte der Schrift. Campus Verlag, Frankfurt/Main; New York 1990, ISBN 3-593-34346-0
- Hans Jensen: Die Schrift in Vergangenheit und Gegenwart. 1987(Reprint). ISBN 3326002327
- Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache. Tafeln und Texte. München 1985, ISBN 3-423-03025-9
- Andrew Robinson: Die Geschichte der Schrift. 2004. ISBN 3491961297

Aufsätze


- Herbert E. Brekle: Vom Rinderkopf zum Abc. Spektrum der Wissenschaft, April 2005, S. 44 - 51 (2005),

Verweise

Schriftsprache, Medientheorie, Portal:Schrift, Alphabet, Analphabetismus, Buchdruck, Typografie, Manuskript, Orthografie, Schreiben, Schreibschrift, Schriftreform, Schriften der Welt, Sonderschrift, Geschichte der Schrift

Download von Schriften


- [http://www.omniglot.com/links/fonts.htm Omniglot]
- [http://www.vistawide.com/languages/foreign_language_fonts.htm Schriften für Fremdsprachen] - Zahlreiche Schriftarten für über 40 Sprachen kostenlos herunterladen

Weblinks


- [http://www.profil.at/index.html?/articles/0523/560/114219_s2.shtml Der Wiener Altorientalist und Archäologe Gebhard Selz über die Anfänge der Schrift]
- [http://www.typolis.de/version1/ www.typolis.de Typografie, Schrift und Gestaltung]
- http://www.schriftgrad.de/ - Alphabete, Typologie, Typografie, Schriftkunst, Glossar und vieles mehr
- http://www.schriften-lernen.de/ - Exotische Schriften lernen - leicht gemacht
- [http://www.holger-rada.de/themen/Schrift-%20und%20Druckgeschichte.pdf Schrift- und Druckgeschichte]
- [http://www.typolexikon.de/s/schriftklassifikation-bei.html Beinert, Wolfgang: Typolexikon.de, Das Lexikon der westeuropäischen Typographie, Die Schriftklassifikation Matirx Beinert]
- [http://www.designguide.at/typologie.html Typologie der Schrift] Kategorie:Schrift zh-min-nan:Bûn-jī hē-thóng

Höhlenmalerei

Als Höhlenmalerei, Höhlenzeichnung oder Höhlenkunst werden bildliche oder grafische Darstellungen an den Wänden von Höhlen aus prähistorischer Zeit, meist der Steinzeit, bezeichnet. Diesen Kunstwerken konnten wertvolle Hinweise über Kultur und Glauben der Steinzeitmenschen entnommen werden.

Altersbestimmung

Das Alter von Höhlenmalereien kann durch eine Variante der C-14-Methode, die Teilchenbeschleuniger-Massenspektrometrie sowie die Elektronenrastermikroskopie relativ präzise bestimmt werden. Diese neuen Methoden liefern exaktere Ergebnisse als ethnologische Ansätze wie die von André Leroi-Gourhan (1911-1986), die auf dem Grad der Entwicklung von Werkzeugen und Jagdwaffen beruhen. Leroi-Gourhans heute obsolet gewordene Epocheneinteilung unterscheidet folgende Kulturstufen:
- Aurignacien (etwa vor 29.000 Jahren und älter)
- Gravettien (etwa vor 27.000 bis 20.000 Jahren)
- Solutréen (etwa vor 20.000 bis 16.000 Jahren)
- Magdalénien (etwa vor 16.000 bis 10.000 Jahren)

Kenntnisse und Fähigkeiten

Die Kenntnisse und Fähigkeiten der Steinzeit-Menschen sind erstaunlich; die Menschen der ausgehenden Altsteinzeit konnten "schon perspektivisch zeichnen, kannten verschiedene Maltechniken und vermochten das Verhalten von Tieren naturgetreu wiederzugeben" (Clottes 203).

Farben und Bindemittel

Als Farben und Bindemittel wurden Ocker, Holzkohle, Mangan, diverse Gesteine und Erze und Feldspat sowie Wasser, Blut, Kalkstein, Pflanzenharz, Milch und Pflanzensäfte verwendet. Striche und Punkte wurden mit der gefärbten Fingerspitze oder mit Pinseln aus Tierhaar gezeichnet. Bei der Versprühtechnik zerrieb man das Pigment zu einem feinen Pulver, das mit dem Mund oder mit Hilfe eines Röhrchens auf die Wand gesprüht wurde. Hielt der Künstler eine Hand dazwischen, entstand durch diese Schablonentechnik Handnegative. In der Grotte Chauvet wurde auch die Verwischtechnik angewandt. Flachreliefe entstanden durch das Abmeiseln der umliegenden Fläche. Die wahre Meisterschaft der Höhlenkünstler bestand darin, dass sie die dreidimensionale Wirkung von Rissen und Vorsprüngen des Felsuntergrunds in das Bild mit einbezogen.

Bekannte Fundorte

Afrika


- Oase Charga

Algerien


- Tassili n'Ajjer - über 15.000 Felsbilder, die zwischen 12.000 und 8000 Jahre alt sind; Entdeckung ab 1850; das Hochplateau steht unter Landschaftsschutz und ist seit 1982 als Weltkulturerbe durch die UNESCO anerkannt
- Illizi bei Djanet - Darstellungen von Elefanten, Giraffen und Krokodilen
- Hoggar
- Sefar
- Tadrat
- Tamrit
- Oued de Lechou

Australien


- Ayers Rock
- Kakadu-Nationalpark

Brasilien


- Nationalpark Serra da Capivara

Frankreich


- Höhle von Lascaux, Lascaux, Montignac, Dordogne - Alter zwischen 17.000 und 10.000 Jahre, Entdeckung 1940
- Cussac, Dordogne - etwa 28.000 Jahre alt, Entdeckung 2000
- Cellier, Dordogne
- Castanet, Dordogne
- Höhle von Ariège, Niaux, Pyrenäen - etwa 13.000 bis 14.000 Jahre alt, Erforschung seit 1906
- La Marche
- Pech Merle - etwa 20.000 Jahre alt, Entdeckung 1922
- Gargas (Abris Gargas), Hautes-Pyrénées - etwa 25.000 Jahre alt, Entdeckung von Höhlengemälden 1902
- Pair-non-Pair
- La Mouthe
- Gabillou
- Höhle von Niaux
- Font-de-Gaume
- Arcy-sur-Cure, Yonne - Tierdarstellungen; Entdeckung der Höhlenmalereien 1990
- Höhle von Rouffignac
- Chauvet-Höhle bei Vallon-Pont d’Arc an der Ardèche - über 300 Wandbilder, die zwischen 33.000 und 30.000 Jahre alt, also die bisher ältesten bekannten der Welt, sind; Entdeckung 1994 durch Jean-Marie Chauvet; über 400 Tierdarstellungen
- Henry-Cosquer-Höhle bei Marseille - Alter zwischen 27.000 und 19.000 Jahre, Entdeckung 1994 durch Henry Cosquer; der Eingang liegt 37 Meter unter dem Meeresspiegel; Zeichnungen von Seehunden, Fischen und großen Meeresvögeln

Mexiko


- Sierra de San Francisco
- Baja California Sur

Portugal


- Tal von Côa - mehrere tausend Zeichnungen an den Uferhängen des Flusses Côa von Auerochsen, Pferden und Steinböcken aus der Altsteinzeit auf einer Länge von über 17 Kilometern; seit 1998 als Weltkulturerbe durch die UNESCO anerkannt. Außerdem sehr besichtigungswert, jedoch Felsritzungen und keine Höhlenmalereien.

Russland


- Höhle von Kapova und Höhle von Ignatievka, Ural - etwa 16.000 Jahre alt

Schweden


- Tanum (Felsritzungen)

Spanien


- Höhle von Altamira, Höhle von Santillana del Mar, Kantabrien - über 150 Wandbilder, die zwischen 14.000 und 16.000 Jahre alt sind; Entdeckung 1868
- Höhle von Ekain und Höhle von Altxerri bei San Sebastián

Siehe auch


- Felsritzung
- Felszeichnung
- Zeichnung
- Malerei
- Homo sapiens

Museen


- Thoth, Departement Dordogne, Frankreich
- Ariège, Frankreich
- Oviedo, Spanien
- Deutsches Museum, München - Nachbildung der Höhle von Altamira

Literatur


- Emmanuel Anati: Höhlenmalerei. Patmos 2002. ISBN 3491960606
- Michel Lorblanchet und Gerhard Bosinski: Höhlenmalerei. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2000. ISBN 3799590250
- Jean Clottes: Kunst im Morgenlicht der Menschheit. In: Spektrum der Wissenschaft Spezial: Moderne Archäologie 2003: 6-9

Weblinks


- http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/b_stein/hoehl00.htm
- http://www.opus-x.de/malerei/ - Aquarelle und Mischtechniken, inspiriert von prähistorischen Felszeichnungen und Höhlenmalereien aus Afrika und Europa
- http://www.markus-numberger.de/hobby/sahara_felsbilder.html - Felsbilder der Sahara
- http://www.quarks.de/urmenschen/10.htm - So lebten die Urmenschen: Höhlenmalerei (WDR Fernsehen)
- http://www.seilnacht.com/Lexikon/Hoehlen.htm Kategorie:Steinzeit Kategorie:Speläologie Kategorie:Stilrichtung in der Malerei Kategorie:Prähistorische Kunst

Südsee

Der Begriff Südsee wurde 1513 von Vasco Núñez de Balboa geprägt, als er die Landenge von Panama gequert hatte und das vor ihm liegende Meer (Pazifik) Mar del sur („Südmeer“, „Südsee“) nannte. Geografisch gehören zur Südsee alle Bereiche südlich des Breitengrades von Panama. Zentrale Inselgruppen sind die Gesellschaftsinseln (Französisch-Polynesien/Tahiti), der Samoa-Archipel und die Fidschi-Inseln. Der Begriff Südsee wird allerdings häufig als Synonym für Polynesien verwendet (Dreieck mit den Eckpunkten Hawaii, Neuseeland, Osterinsel). Kategorie:Australien und Ozeanien

Keilschrift

Als Keilschrift bezeichnet man ursprünglich eine sumerische Bilderschrift, deren Formen durch die keilartigen Eindrücke eines Schreibgriffels in den noch weichen Beschreibstoff Ton entstanden. Die Keilschrift diente zahlreichen Kulturvölkern des alten Orients (Sumerer, Akkader, Babylonier, Assyrer, u.a.) über einen Zeitraum von ca. 3000 v. Chr. bis 400 v. Chr. als bevorzugte Schriftform. Sie entwickelte sich von der anfänglichen Bilderschrift über eine Silbenschrift hin zu einer phonetischen Konsonantenschrift, der Ugaritischen Schrift, bis sie schließlich von anderen Schriftformen (z.B. Griechisch) verdrängt wurde und in Vergessenheit geriet.

Geschichte und Verbreitung

Die sumerische Keilschrift gilt allgemein als die älteste bekannte Schriftform. Sie entstand etwa um 3500 v. Chr. im Reich Sumer in Mesopotamien und konnte ihre Vormachtstellung bis ca. 1800 v. Chr. halten. Zunächst begann die sumerische Keilschrift als reine Bilderschrift, bestehend aus Piktogrammen und Ideogrammen, die in Stein und gebrannten Ton geritzt wurden. Die typische Keilschrift-Form erhielt diese Schriftart erst um das Jahr 2700 v. Chr. als die altsumerischen Machtzentren Uruk, Ur, Lagash enorm anwuchsen und deren zentrale Tempelbürokratien einen gesteigerten Schreibbedarf entwickelten, der nach einer Rationalisierung des Schreibprozesses verlangte. Geradezu revolutionär kann die neue Technik bezeichnet werden, bei der mit einem stumpfen Schreibgriffel Keile in den noch weichen Ton gedrückt wurden, der anschließend getrocknet oder auch gebrannt wurde. Wurde die neue Keilschrift zunächst nur von den Sumerern genutzt, gewann sie bei den übrigen Kulturvölkern des alten Orients schnell an Popularität. Um das Jahr 2350 v. Chr. drang das semitische Volk der Akkader nach Sumer vor, übernahm die Herrschaft über die sumerischen Stadtstaaten und damit auch Schrift und Kultur. Unter der akkadischen Herrscherdynastie Sargons von Akkad breitete sich deren Herrschaftsgebiet und damit auch Sprache, Kultur und Schrift weiter aus. Etwa zur selben Zeit gelangte die Kenntnis der Keilschrift bis nach Syrien in das Reich Ebla, wo sie mit der einheimischen semitischen Sprache, dem Eblaitischen, verwendet wird. Bereits ab 2500 v. Chr. löst die Keilschrift im benachbarten Königreich Elam (heutiger Iran) die dort geschriebene proto-elamitische Strichschrift ab, wo sie bis in das Jahr 331 v. Chr. Verwendung fand. Auch die Hethiter, deren indogermanische Sprache sich vom semitischstämmigen Akkadisch sehr unterscheidet, adaptierten die Keilschrift. Die Hethiter ersetzten zunächst ihre eigenen andersartigen Piktogramme durch die Keilschrift. Dabei verlief die Verbreitung der Keilschrift im Norden bis nach Armenien mit Urartäisch als Landessprache und im Süden bis nach Palästina mit Kanaanäisch als vorherrschende Sprache. Die weiterentwickelte Form der Keilschrift war so anpassungsfähig beim Gebrauch der Symbole als phonetische Zeichen, dass die Schrift in gleicher Weise für die Sprachen der Akkader, Babylonier und Assyrer verwendet werden konnte. Assyrer Als Hammurapi im Jahre 1750 v. Chr. den babylonischen Thron bestieg, bestand Mesopotamien lediglich aus einer Reihe rivalisierender Stadtstaaten. Ihm gelang es jedoch aufgrund seiner Feldzüge, das Herrschaftsgebiet Babylons auf ganz Mesopotamien auszudehnen und weit über die Landesgrenzen hinaus die Sprache und Kultur seines Reiches zu verbreiten. Mit dem Niedergang des babylonischen Reiches und dem Aufstieg des assyrischen verbreitete sich die Schrift und die Kultur des Zweistromlandes bis in das 7. Jh. v. Chr. von Babylonien und Assyrien über Palästina bis nach Ägypten. In dieser Epoche entwickelte sich die Keilschrift zu ihrer endgültigen Form weiter. Ab dem 8. Jh. v. Chr. drangen langsam neue Schriftsysteme, wie die phönizische oder <