Griechische RevolutionBitte mit griechischer Unabhängigkeitskrieg kombinieren
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Der 25. März 1821 markiert den Beginn der griechischen Revolution. Der 25. März ist heute Nationalfeiertag der Griechen.
Voraussetzungen
Kirche
Mit der Eroberung des byzantinischen Konstantinopel durch die Osmanen im Jahre 1453 endete das griechische Gesellschaftsleben keineswegs. Die Osmanen installierten das Millet-System, das den im Reich lebenden Christen und Juden bestimmte Rechte zusicherte. Im Gegenzug wurde den Angehörigen dieser Religionsgemeinschaften, den "Schutzbefohlenen", das Tragen von Waffen untersagt und sie wurden dazu verpflichtet, die sogenannte "Kopfsteuer" zu zahlen.
Gegenüber den übrigen christlichen Völkern des Balkans genossen die Griechen im Rahmen dieser Regelung jedoch von vornherein einige Sonderrechte, die sie über die folgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte zu vermehren vermochten.
Natürlich galten diese Sonderrechte nicht den Griechen im Allgemeinen. Der einfachen griechischen Landbevölkerung ging es nicht anders als beispielsweise den Serben oder den damals noch christlichen Albanern. Allerdings war der griechisch-orthodoxe Klerus in der osmanischen Gesellschaft durchaus privilegiert. Er kontrollierte nämlich im Namen der Hohen Pforte die orthodoxe Religionsgemeinschaft. Dabei unterschieden die Türken nicht weiter zwischen griechischen und slawischen Christen, als sie dem griechischen Klerus sämtliche religiöse, erzieherische und administrative Macht über sie übertrugen.
Da der Patriarch weiter im heutigen Istanbuler Stadtteil Fanar, damals Phanari, residierte, blieb diese Stadt und vor allem dieser Stadtteil für die Griechen des Osmanischen Reiches weiterhin kulturelles und religiöses Zentrum, wie schon zu vorosmanischen Zeiten. Die vom Sultan privilegierten, hier lebenden Griechen nannte man Phanarioten.
Entsprechend war der orthodoxe Glaube, die Kultur und das Erziehungssystem stark griechisch dominiert. Der griechische Klerus profitierte also durch die Aufhebung der Autonomie der nichtgriechischen Kirchen.
Verwaltung
Nicht selten waren administrative Posten mit Griechen besetzt. Sogar an zentralen Stellen der osmanischen Verwaltung waren sie anzutreffen. Ebenso war das Büro des Dragoman (Dolmetscher) in griechischer Hand. Das hat seinen Grund darin, dass die hohen muslimischen Beamten zur damaligen Zeit nicht besonders daran interessiert waren, Fremdsprachen zu lernen. Daher wohnten Griechen in dieser Funktion oftmals diplomatischen Verhandlungen bei und hatten damit de facto Botschafterfunktion.
Auf einer verwaltungstechnisch niedrigeren Ebene waren die Phanarioten für die Steuereintreibung bei den Christen verantwortlich. Dieses Recht wurde häufig zur eigenen Bereicherung missbraucht, indem bei den christlichen Völkern der Provinz, Griechen wie Nichtgriechen, immer höhere Abgaben erhoben wurden. Nicht zuletzt auch diese Praxis führte zum Volksaufstand von 1821. Natürlich verfolgten nicht alle Phanarioten diese unmoralische Praxis. Es gab unter den späteren Freiheitskämpfern sogar etliche Phanarioten, die im Kampf für die Ideale eines unabhängigen demokratischen Nationalstaats eine tragende Rolle gespielt haben. Unter anderem gehört auch Alexandros Ipsilantis zu ihnen.
Dennoch waren es ironischerweise gerade weite Teile der gebildeten Schichten der Griechen, die der aufgeklärten Idee des eigenen Nationalstaates nach französischem Vorbild nicht viel abgewinnen konnten.
Revolutionäre Einflüsse aus Westeuropa
Für die beschriebenen, im Millet-System privilegierten Gruppen war die osmanische Fremdherrschaft also durchaus willkommen. Reiche Schiffseigner auf den Inseln, wohlhabende Kaufleute, der hohe Klerus der Orthodoxen Kirche, die Phanarioten usw. hatten durch eine nationale Revolution viel zu verlieren und kaum was zu gewinnen. Wie also lässt sich die Revolution von 1821 erklären?
Zunächst einmal hatte ein Großteil der Griechen nicht den geringsten Anteil an der Macht und dem Wohlstand der Kollaborateure. Die Landbevölkerung, die hierarchisch unbedeutenden Geistlichen der Provinz wie auch einfache Seeleute kannten all diese Annehmlichkeiten durch den osmanischen Status Quo nicht. Diese ungebildete Masse, die den Großteil des griechischen Volkes ausmachte, verfügte jedoch weder über eine vereinigende Ideologie, noch über finanzielle Stärke. Ohne Ideen und Führung entlud sich der Unmut dieser Masse von zu Zeit zu Zeit lediglich in einigen verstreuten Rebellionen, die aber von der osmanischen Ordnungsmacht genauso schnell wieder niedergeschlagen wurden. Im 17. Jahrhundert jedoch zeichnete sich langsam eine bedeutende kulturelle und geistige Entwicklung ab. Der Anstoß dazu kam zum größten Teil aus dem Ausland.
Der geistige Austausch der griechischen Zivilisation mit dem Rest Europas hatte nie vollständig aufgehört. Nach dem Fall Konstantinopels im Jahre 1453 waren viele Griechen, vor allem Gelehrte, Künstler und Kaufleute in den Westen geflohen, wo sie ihren Beitrag zur Renaissance leisteten. So war beispielsweise einer der größten Vertreter der Spanischen Schule ein Grieche aus Kreta, El Greco. Auch Handelskontakte unterstützten den Ideenaustausch. Zusätzlich zu den neuen Produktionstechniken, brachten griechische Händler auch neue Ideen ins Land, unter anderem das für sie sehr attraktive Konzept des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus.
Das Florieren der Handelsaktivitäten griechischer Kaufleute aus dem Ausland entfachte neue Kräfte im kulturellen Leben. Im Venedig des 16. Jahrhunderts gingen Druckpressen in Betrieb, wo man verstärkt griechischsprachige Bücher druckte, was bis dahin kaum gemacht worden war. Für Studenten, die sich ein Studium im Ausland nicht leisten konnten wurden entsprechende Einrichtungen zu hause gegründet. Das Interesse des Volkes an der griechischen Sprache, den Traditionen, an klassischer Mythologie, überlieferten Erzählungen und epischen Dichtungen über orthodoxe Märtyrer wie heroische Freiheitskämpfer erwachte wieder.
Eine führende Rolle in diesem Wiedererwachungsprozess spielten Adamantios Korais und Rigas Velestinlis.
Die Revolution
Der griechische Aufstand wurde zunächst vor allem aus taktischen Gründen von den Seemächten Frankreich und Großbritannien, sowie insbesondere von Russland (Gen. Fs. Alexandros Ypsilanti 1792 - 1828) gefördert. Die Griechen, mehr als fünfhundert Jahre lang osmanische Untertanen (seit dem Fall Konstantinopels 1453), erwiesen sich als zu schwach, so schnell aus eigener Kraft ihre neu errungene nationale Unabhängigkeit sicher zu verteidigen, und so wurde der Krieg im Wesentlichen zwischen den Großmächten und dem osmanischen Reich entschieden: Erst der siebte russische Türkenkrieg 1828 und die Vernichtung der türkisch-ägyptischen Flotte durch die Großmächte 1827 bei Navarino schafften die Voraussetzungen für den Frieden von Adrianopel 1829.
Der Ausbruch der Revolution (1821)
Im Gegensatz zur Serbischen Revolution des Jahres 1804, die als spontaner Gegenangriff auf entsprechende türkische Aktivitäten betrachtet werden kann, war die Griechische Revolution des Jahres 1821 bereits Jahre vorher von der Filiki Etairia geplant und durchdacht worden. Allerdings stand hinter diesen Plänen nicht das griechische Volk in seiner Gesamtheit sondern nur ausgewählte Teile. Die moderne Idee der Nationalität war vielen noch zu abstrakt geschweige denn, dass irgendjemand an den Erfolg des Unternehmens geglaubt hätte.
Die Filiki Etairia plante die Revolution am 25. März an drei verschiedenen Orten gleichzeitig zu entfachen, um bei den Osmanen auf diese Weise größere Verwirrung zu verursachen und um den Erfolg wahrscheinlicher zu machen. Einer dieser Orte war der Peloponnes, wo eine größere Gruppe von Banditen, die sogenannten Klephten, den Revolutionsplan unterstützten. Der zweite Ort war Konstantinopel, wo Unruhen innerhalb der Phanariotengemeinde geplant waren. Als dritte Aktion war der Einmarsch von griechischen Streitkräften in Moldawien und der Walachei (Rumänien) geplant. Diese sollten aus Odessa über die russische Grenze einrücken.
Die Planer der Revolution betrachteten diese rumänischen Provinzen fatalerweise als griechische Gebiete, wohl weil sie vorher ein Jahrhundert lang von griechischen Phanarioten verwaltet worden waren. Dabei ignorierte die Filiki Etairia vollkommen die Tatsache, dass es sich bei der einheimischen Bevölkerung, sowohl angesehene Persönlichkeiten als auch das einfache Volk betreffend, um Angehörige der rumänischen Nation handelte und keineswegs der griechischen. Es war geplant, dass Alexander Ypsilantis ein Freiwilligenbataillon aus Studenten und rumänischen Bauern in den Kampf gegen die Türken führen sollte. Er sollte dabei von Tudor Vladimirescu unterstützt werden, der eigentlich den Aufstand der rumänischen Bauern organisieren sollte. Es kam jedoch ganz anders.
Als Alexander Ypsilantis im März 1821 mit seinen 450 Mann, dem "Heiligen Bataillon" in Moldawien einmarschierte, griffen die Rumänen unter Vladimirescu nicht die Türken sondern die Häuser der verhassten griechischen Phanarioten an. Sie waren mehr daran interessiert, ihre Provinzen selbst zu verwalten, als sich mit der osmanischen Obrigkeit anzulegen. Somit endete der Einmarsch der Griechen in Rumänien in einem absoluten Fiasko. Ypsilantis zog sich nach Österreich zurück, wo er schließlich in Wien starb. Nach dem heutigen Verständnis des Nationalitätenbegriffs sind die Gründe für das Scheitern der Griechen in Rumänien nur zu offensichtlich. Die Planer der Filiki Etairia jedoch erlagen, vermutlich mehr aus Wunschdenken, dem fatalen Irrtum, in den Rumänen nach osmanischem Verständnis einfach nur nichtmuslimische Orthodoxe sehen zu können. Die Katastrophe von Moldawien belehrte sie eines besseren.
Zur gleichen Zeit wurde der Aufstand in Istanbul niedergeschlagen. Die Türken reagierten mit der Erhängung des griechisch-orthodoxen Patriarchen. Der neue Patriarch und andere, kollaborierende Phanarioten verurteilten darauf die Revolution.
Der einzige Erfolg war auf dem Peloponnes zu verzeichnen. Die Revolution entlud sich über der ganzen Halbinsel. Türkische Städte wurden eingenommen und die muslimische Bevölkerung wurde gewaltsam vertrieben. Die türkischen Streitkräfte verfuhren im Gegenzug nun genau so mit der griechischen Bevölkerung der Halbinsel, wie auf der Insel Chios. Die Revolution war in vollem Gange, der Peloponnes nach und nach befreit.
Die Frontlinien verharren (1821-1825)
Nach diesem ersten Erfolg von 1821 verhärteten sich die Fronten im Süden Griechenlands und die Situation blieb bis 1825 unverändert. Dafür gab es gleich mehrere Gründe. Zunächst einmal war keine der beiden Seiten stark genug für einen schnellen endgültigen Sieg. Die osmanischen Truppen mussten jeden Frühling aufs Neue von ihrer Basis im mittelgriechischen Thessalien losmarschieren. Da keine entsprechend große Flotte zur Verfügung stand, mussten sich die Türken ihren Weg entlang der Küste in Richtung Süden bahnen. Im Herbst marschierten sie wieder zurück, da auf dem unruhigen Peloponnes nicht an sichere Überwinterung zu denken war. Auf der anderen Seite hatten die Griechen den türkischen Truppen keine reguläre Armee entgegenzusetzen. Die griechischen Haufen die zum größten Teil aus Bergbanditen, Bauern und einigen Phanarioten bestanden, waren zu schwach um eine Offensive nach Norden einzuleiten. Sie vermochten nur den Peloponnes zu verteidigen.
Ein zweiter Grund für das Verharren der Fronten war ein Streit unter Griechen selbst um die Führung. Man teilte sich in zwei Lager, die die im Osmanischen Reich existierenden Klassenunterscheide auch in die Revolution hineintrugen: Die bewaffneten Landarbeiter und die früheren Klephten sahen in Theodoros Kolokotronis ihren Anführer (dessen Memoiren sehr lesenswert sind). Ihm gegenüber standen die Führer der Nationalversammlung, der Alexandros Mavrokordatos und Georgios Konduriotis angehörten. Mavrokordatos stammte aus einem alten Phanariotengeschlecht. Konduriotis war ein reicher Schiffseigner aus Hydra. Sie repräsentierten die Nationalversammlung, die im Grunde für die einflußreichen und wohlhabenden Persönlichkeiten sprach. Ab 1823 bekämpften sich diese beiden Gruppen.
Der dritte Grund für das Verharren der Fronten waren Interventionen von Briten, Frankreich und Russland. Alle drei Großmächte hatten finanzielle Interessen im Osmanischen Reich und wollten sichergehen, dass sie durch die Revolution auf dem Peloponnes nicht gefährdet sind. Die Briten waren trotz aller Sympathie den Griechen gegenüber (Philhellenismus) nicht gewillt, die Türkei so schwach werden zu lassen, dass sich die Russen einen Zugang zum Mittelmeer sichern konnten, wo sie eine Gefahr für die Handelsrouten wären. Der Zar dagegen befürchtete trotz seiner ebenso gehegten Sympathie für die griechischen Glaubensbrüder, dass der eventuell neu entstehende griechische Staat ein Bündnis mit England eingehen könnte. Außerdem behagte ihm die Idee der nationalen Revolution nicht besonders. Die Franzosen dagegen hatten strategische wie auch finanzielle Interessen in dieser Region zu wahren. Ihnen war der Erhalt des Status Quo eindeutig die liebste Lösung.
Aus Sicht der Großmächte bewies das jahrelange Verharren der Fronten im Süden Griechenlands, dass die Revolution nicht verebben würde. Aus diesem Grunde trafen sie entsprechende Vorbereitungen um letztlich ein Ergebnis dieser Revolution zu sichern, das ihre Interessen nicht verletzen würde.
Endphase der Revolution (1825-1830)
Die Endphase wurde durch das Eingreifen fremder Mächte auf beiden Seiten bestimmt. Nachdem der Sultan ihm die Herrschaft über die von ihm eroberten Gebiete zugesichert hatte, eilten die modernisierten ägyptischen Streitkräfte unter der Führung von Mehmet Ali den Türken zu Hilfe. Im Jahre 1825 landeten sie auf dem Peloponnes und eroberten den Hafen von Navarino. Die Revolution war damit im Prinzip gescheitert. Es war nun ein leichtes, den Peleponnes von den zerstrittenen Griechen zurück zu erobern.
Die europäischen Großmächte waren allerdings in keinem Fall dazu bereit, Mehmet Ali die Herrschaft sowohl über Ägypten, als auch über Griechenland zu überlassen. Man einigte sich die Kräfte zu vereinen und eine Drei-Mächte-Flotte nach Navarino zu senden. In der im Oktober 1827 stattgefundenen Schlacht von Navarino versenkte die europäische Flotte den Großteil der gegnerischen Schiffe. Damit hatte der Sultan den europäischen Großmächten auf dem Peloponnes militärisch nichts mehr entgegenzusetzen.
Den letzten Akt der Revolution bestimmte der Russisch-Türkische Krieg (1828-1830). Nach dem russischen Einmarsch in das Osmanische Reich und der Kapitulation des Sultans wurde im Rahmen des Londoner Protokolls im Jahre 1830 die Errichtung eines kleinen unabhängigen griechischen Königreiches beschlossen. Das neue Königreich sollte, so wurde beschlossen, von dem deutschen Prinz Otto von Bayern regiert werden. Dieser Prinz als König von Griechenland war für die drei Großmächte eine akzeptable Lösung.
Nach der Revolution
Stand die griechische Revolution zur Zeit ihrer Planung noch für fortschrittliche und aufgeklärte Ideale, so steht das Ergebnis hinter einem ganz anderen Vorzeichen. Es wurde eine Monarchie installiert, der König war nicht einmal Grieche sondern ein bayrischer Prinz, der bayrische Minister und Soldaten mitbrachte. Dies lag auch daran, dass der entscheidende Sieg über die Osmanen 1830 unter massiver Intervention der europäischen Großmächte erreicht wurde, die nun ebenso massiv in die Wiedergeburt des neuen griechischen Staates eingriffen.
Griechenland konnte vor allem in den Balkankriegen, anfang des 20. Jahrhunderts, gegenüber dem Osmanischen Reich Land gewinne verzeichnen. Dies geschah hauptsächlich durch die Eroberung griechisch besiedelter Gebiete des zerfallenden osmanischen Reiches (aber auch die von England beherrschten Ionischen Inseln im Jahre 1863/1864). Bis 1923 nahm Griechenland so allmählich seine heutige Gestalt an.
Rückwirkung in Europa
Gerade im Deutschland nach dem Wiener Kongress und den Karlsbader Beschlüssen war der griechische Freiheitskampf (man darf urteilen: stellvertretend) sehr populär, wie auch Schriftsteller, die das zeitgenössische Griechenland zum Thema nahmen, etwa Wilhelm Müller (Der kleine Hydriot) und Leopold Schefer.
Entscheidend für Gesamteuropa war allerdings das Wiederaufbrechen des Balkangegensatzes zwischen Wien und St. Petersburg. Dieser konnte bis 1914 nicht überbrückt werden.
Siehe auch
- Geschichte Griechenlands
- Philhellenen
- Griechisch-Türkischer Krieg
- Türkisch-Griechischer Krieg
- Türkischer Befreiungskrieg
Literatur
- "The Greek War of Independence", Peter H. Paroulakis
Weblinks
- [http://www.lib.msu.edu/sowards/balkan/lecture6.html The Greek Revolution and the Greek State]
Kategorie:Revolution
Revolution
Kategorie:Geschichte Moldawiens
Griechischer UnabhängigkeitskriegSiehe Doppeleintrag Griechische Revolution
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Der griechische Unabhängigkeitskrieg (1821-1829, doch eigentlich bis 1923 andauernd), zunächst v.a. aus taktischen Gründen von den Seemächten Frankreich und Großbritannien, sowie insbesondere von Russland (Gen. Fs. Alexandros Ypsilanti 1792 - 1828) gefördert, stellte einen ersten Erfolg des aufkommenden Nationalismus dar (siehe Megali Idea, Panturkismus, Panslawismus, aber auch z.B. kleindeutsche Lösung). Die Griechen, mehr als dreihundert Jahre lang osmanische Untertanen (seit dem Fall Konstantinopels 1453), erwiesen sich als zu schwach, so schnell aus eigener Kraft ihre neu errungene nationale Unabhängigkeit sicher zu verteidigen, und so wurde der Krieg im Wesentlichen zwischen den Großmächten und dem osmanischen Reich entschieden: Erst der siebte russische Türkenkrieg 1828 und die Vernichtung der türkisch-ägyptischen Flotte durch die Großmächte 1827 bei Navarino schafften die Voraussetzungen für den Frieden von Adrianopel 1829. Dieser sicherte Russland die Donaumündung, aber auch ein wachsendes freies Griechenland, welches bis 1923 weitere vornehmlich griechisch besiedelte Gebiete des zerfallenden osmanischen Reiches (aber auch die von England beherrschten Ionischen Inseln im Jahre 1863/1864) anschloss und so allmählich die heutige Gestalt annahm.
Entscheidend für Gesamteuropa war allerdings das Wiederaufbrechen des Balkangegensatzes zwischen Wien und St. Petersburg. Dieser konnte bis 1914 nicht überbrückt werden.
Siehe auch
- Geschichte Griechenlands
- Liste der Kriege
- Philhellenen
Weblinks
- http://www.regis-net.de/krieg/griechen.html
- http://www.zeit.de/2004/34/A-Griechenland Artikel in der Wochenzeitschrift DIE ZEIT zum Unabhängigkeitskrieg
Kategorie:Krieg
Unabhängigkeitskrieg
Kategorie:1821
Kategorie:1822
Kategorie:1823
Kategorie:1824
Kategorie:1825
Kategorie:1826
Kategorie:1827
Kategorie:1828
Kategorie:1829
ja:ギリシャ独立戦争
25. MärzDer 25. März ist der 84. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 85. in Schaltjahren) - somit verbleiben 281 Tage bis zum Jahresende.
Ereignisse
- 717 – Nach einem Putsch wird Leo III. in Konstantinopel zum byzantinischen Kaiser gekrönt.
- 1306 – Robert the Bruce wird in Scone als Robert I. zum König der Schotten gekrönt.
- 1821 – In Griechenland beginnt der seit Jahren geplante griechische Freiheitskampf gegen die Herrschaft der Osmanen.
- 1918 – Gründung der Weißrussischen Volksrepublik
- 1924 – In Athen wird von der griechischen Nationalversammlung die Republik proklamiert und in einem Referendum am 13. April bestätigt. Pavlos Konduriotis wird erster Staatspräsident.
- 1953 – Der Deutsche Bundestag verabschiedet das Vertriebenengesetz.
- 1957 – Brüssel wird Sitz der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG).
- 1996 – In Hamburg wird Multimillionär Jan Philipp Reemtsma entführt.
- 1998 – In Argentinien werden die Amnestiegesetze von 1987 aufgehoben. Da diese Entscheidung keine rückwirkende Geltung hat, ist sie als symbolischer Akt der Verurteilung von Menschenrechtsverletzungen während der Militärdiktatur zu sehen.
- 1998 – Kirgisistan. Kubanischbek Schumalijew wird neuer Regierungschef.
- 2001 – Das Schengener Abkommen tritt nun auch für Dänemark, Finnland und Schweden sowie die Nicht-EU-Staaten Island und Norwegen in Kraft und gewährleistet freien Waren- und Personenverkehr über die Grenzen hinweg.
- 2002 – Abdullah Tarmugi wird Parlamentspräsident in Singapur
Wirtschaft
- 1957 – Der Vertrag zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Vertrag zur Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft werden von der Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden in Rom unterzeichnet.
Wissenschaft und Technik
Kultur
- 1813 – Uraufführung der Oper Die Insulanerinnen von Conradin Kreutzer in Stuttgart.
- 1895 – Uraufführung der Oper Silvano von Pietro Mascagni am Teatro alla Scala di Milano in Mailand.
- 1911 – Uraufführung der Operette Grigri von Paul Lincke am Metropol Theater in Köln.
- 1937 – Uraufführung der Operette Roxy und ihr Wunderteam von Paul Abraham in Wien.
- 1988 – Das ZDF startet sein "Literarisches Quartett" mit Marcel Reich-Ranicki in der "Hauptrolle".
Religion
- 1253 – Das Kapitel des heiligen Veit beruft Heinrich Bretislav III. als Bischof nach Prag.
- 1634 – Caecilius Calvert, zweiter Baron Baltimore, gründet Maryland als eine katholische Kolonie.
- 1980 – Mit Erzbischof Robert Runcie wird in Canterbury erstmals ein Primas der Kirche von England nur von dieser und nicht auch vom Staat gewählt.
Katastrophen
- 1960 – Der L’Oros-Staudamm bei Fortaleza im Bundesstaat Ceará, Nordost-Brasilien bricht vor seiner Fertigstellung und verursachte eine Flutwelle, die rund 1000 Todesopfer fordert.
- 2002 – Afghanistan, Erdbeben der Stärke 5,9 in der Provinz Baghlan. Etwa 2.000 Tote und mindestens ebenso viele Verletzte. Ca. 150.000 Menschen werden obdachlos.
Sport
- Einträge im Bereich Formel 1 siehe Formel 1.
- Einträge von Leichtathletik-Weltrekorden s. u. der jeweiligen Disziplin unter Leichtathletik.
- 1966 – Die Eiger-Nordwand wird von 5 deutschen und britischen Alpinisten erstmals im Direktweg bezwungen.
Geboren
- 850 – Seiwa, 56. Kaiser von Japan
- 1252 – Konradin von Hohenstaufen, Herzog von Schwaben und letzter Staufer
- 1347 – Katharina von Siena, italienische Mystikerin und Kirchenlehrerin
- 1621 – Louis Moréri, französischer Enzyklopädist
- 1767 – Joachim Murat, König von Neapel, Schwager Napoléons und Marschall von Frankreich
- 1786 – Giovanni Battista Amici, italienischer Astronom
- 1795 – Jacques-Louis Randon, französischer General und Staatsmann, Marschall von Frankreich
- 1807 – James Howard Harris, 3. Earl of Malmesbury, dritter Graf von Malmesbury, britischer Staatsmann
- 1819 – V. U. Hammershaimb, färöischer Pfarrer und Philologe
- 1826 – Matilda Joslyn Gage, US-amerikanische Frauenrechtlerin
- 1839 – Marianne Hainisch, österreichische Frauenrechtlerin
- 1845 – Adolf von Groß, enger Freund der Familie Richard Wagners
- 1856 – Max Uhle, Begründer der Andenarchäologie
- 1860 – Friedrich Naumann, deutscher Politiker und Theologe
- 1863 – Adalbert Czerny, deutscher Kinderarzt
- 1864 – Alexej von Jawlensky, deutsch-russischer Künstler des Expressionismus
- 1864 – Marie Soldat-Roeger, österreichische Violinvirtuosin
- 1865 – Pierre Ernest Weiß, französischer Physiker
- 1867 – Arturo Toscanini, italienischer Dirigent
- 1867 – John Gutzon de la Mothe Borglum, US-amerikanischer Bildhauer
- 1868 – Agnes Karll, Reformerin der deutschen Krankenpflege
- 1871 – Hermann Abert, deutscher Musikgelehrter
- 1881 – Béla Bartók, ungarischer Komponist
- 1882 – Otto Neururer, katholischer Pfarrer
- 1884 – Georges Imbert, Chemiker und Erfinder
- 1885 – Siegfried Handloser, Sohn des Musikdirektors Konstantin
- 1886 – Athenagoras (Patriarch), Patriarch von Konstantinopel
- 1900 – Hans Luckey, baptistischer Theologe
- 1904 – Johann Baptist Gradl, deutscher CDU-Politiker
- 1905 – Adolf Hennecke, deutscher Bergmann
- 1905 – Albrecht Mertz von Quirnheim, deutscher Offizier und Widerstandskämpfer
- 1908 – David Lean, britischer Filmregisseur
- 1908 – Helmut Käutner, deutscher Regisseur
- 1913 - Josef Siedler, baden-württembergischer Politiker
- 1914 – Norman Borlaug, US-amerikanischer Agrarwissenschaftler und Nobelpreisträger
- 1920 – Arthur Wint, jamaikanischer Leichtathlet und Olympiasieger
- 1921 – Hans Guido Mutke, deutscher Jagdflieger und Luftfahrtmediziner
- 1921 – Simone Signoret, französische Filmdarstellerin
- 1923 – Reimar Lüst, deutscher Astrophysiker und Wissenschaftsmanager
- 1925 – Flannery O'Connor, US-amerikanische Schriftstellerin
- 1925 – Pierre Boulez, französischer Komponist und Dirigent
- 1928 – James A. Lovell, ehemaliger US-amerikanischer NASA-Astronaut
- 1930 – Erica Pedretti, Schweizer Schriftstellerin
- 1931 – Vytautas Barkauskas, litauischer Komponist
- 1934 – Johnny Burnette, US-amerikanischer Sänger
- 1938 – Daniel Buren, französischer Maler und Bildhauer
- 1938 – Dietrich Stobbe, deutscher SPD-Politiker, Regierender Bürgermeister von Berlin 1977-1981
- 1938 – Hoyt Axton, US-amerikanischer Sänger und Songschreiber
- 1940 – Anita Bryant, US-amerikanische Sängerin
- 1940 – Mina (Sängerin), vollständiger Name lautet Anna Maria Mazzini
- 1941 – Gerd Poppe, Bürgerrechtler und Minister ohne Geschäftsbereich der DDR
- 1941 – Mathias Gnädinger, Schweizer Schauspieler
- 1942 – Aretha Franklin, US-amerikanische Sängerin
- 1942 – Richard O'Brien, britischer Schauspieler, Autor und Komponist
- 1943 – Paul Michael Glaser, US-amerikanischer Schauspieler
- 1944 – Hans-Jürgen Walter, Begründer der Gestalttheoretischen Psychotherapie
- 1946 – Maurice Krafft, bedeutender Vulkanologe
- 1947 – Elton John, britischer Popmusiker
- 1947 – Jack Hall, US-amerikanischer Musiker
- 1947 – John Rowles, neuseeländischer Sänger
- 1951 – Maize Williams, deutsche Sängerin
- 1955 – Wolf Maahn, deutscher Musiker
- 1958 - Brenda Strong, US-amerikanische Schauspielerin
- 1960 – Peter Seisenbacher, Judoka und Olympiateilnehmer Österreichs
- 1960 – Steve Norman, britischer Musiker
- 1962 – Marcia Cross, US-amerikanische Serienschauspielerin
- 1964 – Alexej von Jawlensky, russischer Maler
- 1965 – Frank Ordenewitz, deutscher Fußballspieler
- 1965 – Sarah Jessica Parker, amerikanische Schauspielerin
- 1965 – Stefka Kostadinova, bulgarische Leichtathletin
- 1966 – Jeff Healey, kanadischer Bluesgitarrist
- 1971 – Stacy Dragila, US-amerikanische Leichtathletin und Olympiasiegerin
- 1973 – Michaela Dorfmeister, österreichische Skirennläuferin
- 1975 – Christoph Nuehlen, deutscher Filmemacher und Sänger
- 1976 – Wladimir Klitschko, ukrainischer Boxer
- 1979 – Muriel Hurtis, französische Leichtathletin
- 1982 – Michael Lammer, Schweizer Tennisspieler
Gestorben
- 1189 – Friedrich (Bedřich), Herzog von Böhmen
- 1223 – Alfons II.,
- 1570 – Johann Walter, deutscher Kantor
- 1623 – Henri de La Tour d'Auvergne, duc de Bouillon, französischer Heerführer, Diplomat und Politiker
- 1640 – Paul Fleming, deutscher Arzt und Schriftsteller
- 1732 – Lucia Filippini, Gründerin der Schwesternkongregation Maestre Pie Filippini
- 1738 – Turlough O'Carolan, irischer Komponist und Harfenspieler
- 1761 – Salomon Kleiner, Architekturzeichner und -stecher
- 1789 – Julie von Voß, Gräfin von Ingenheim
- 1801 – Novalis, deutscher Dichter
- 1818 – Henry Lee, US-amerikanischer Kavallerieoffizier, Generalmajor und Politiker
- 1835 – Friederike Brun, dänische Schriftstellerin
- 1864 – Ivar Fredrik Bredal, dänischer Komponist
- 1867 – Friedlieb Ferdinand Runge, deutscher Chemiker
- 1869 – Albert Methfessel, deutscher Komponist und Dirigent
- 1879 – Georg Friedrich Schömann, deutscher Altphilologe
- 1880 – Ludmilla Assing, deutsche Schriftstellerin
- 1907 – Ernst von Bergmann, Chirurg und Professor der Medizin
- 1914 – Frédéric Mistral, französischer Dichter und Linguist
- 1918 – Claude Debussy, französischer Komponist
- 1919 – Wilhelm Lehmbruck, deutscher Bildhauer
- 1921 – Karl Ernst Osthaus, deutscher Kunstmäzen
- 1925 – Flannery O'Connor, US-amerikanische Schriftstellerin
- 1929 – Bruno Möhring, deutscher Architekt
- 1940 – Edouard Branly, französischer Physiker und Pionier in der Anfangszeit der Funktechnik
- 1943 – Hans von Tschammer und Osten, Reichssportführer und -kommissar im Deutschen Reich
- 1949 – August Wilhelm von Preußen, preußischer Prinz
- 1951 – Bruno Leddin, deutscher Politiker
- 1951 – Wilhelm Altmann, deutscher Musikhistoriker und Bibliothekar
- 1951 – Zoltán Mechlovits, ungarischer Tischtennis-Weltmeister
- 1954 – Gertrud Bäumer, deutsche Schriftstellerin und Frauenrechtlerin
- 1954 - Leon Schiller, polnischer Theaterregisseur
- 1955 – Heinrich Hauser, deutscher Schriftsteller und Fotograf
- 1957 – Max Ophüls, deutscher Filmregisseur
- 1961 – Arthur Drewry, britischer Fußball-Funktionär, FIFA-Präsident
- 1973 – Edward Steichen, US-amerikanischer Fotograf
- 1975 – Ibn Abd Faisal Al-Aziz, von 1964 bis 1975 König von Saudi-Arabien
- 1975 – Pancho Barnes, US-amerikanische Stuntpilotin in dem Film „Hells Angels“
- 1976 – Duster Bennett, britischer Musiker
- 1976 – Josef Albers, deutscher Maler, Kunsttheoretiker und -pädagoge
- 1978 – Hanna Ralph, deutsche Schauspielerin
- 1979 – Anton Heiller , österreichischer Organist und Komponist
- 1980 – Milton Erickson, US-amerikanischer Psychiater und Psychotherapeut
- 1980 – Roland Barthes, französischer Literaturkritiker, Schriftsteller, Philosoph
- 1991 – Marcel Lefebvre, katholischer Geistlicher
- 1994 – Max Petitpierre, Schweizer Politiker
- 1995 – James Samuel Coleman, US-amerikanischer Soziologe
- 2003 – Herbert Zangs, deutscher Maler und Objektkünstler
Feier- und Gedenktage
- Kirchliche Gedenktage
- Fest der Verkündigung des Herrn, Mariä Verkündigung (katholisch, evangelisch, anglikanisch, orthodox)
- Nationalfeiertage
- Griechenland: "Tag des Aufrufs zum Aufstand gegen die Türken im Jahre 1821"
- Weißrussland: "Tag der Freiheit" (unter Aljaksandr Lukaschenka verboten und inoffiziell gefeiert)
Siehe auch
- 24. März – 26. März
- 25. Februar – 25. April
- Historische Jahrestage – Zeitskala
- Wikipedia:Glaskugel – Wikipedia:Formatvorlage Tag
0325
ja:3月25日
ko:3월 25일
simple:March 25
th:25 มีนาคม
RevolutionRevolution (v.frz.: révolution Umwälzung; aus lat.: revolvere zurückwälzen) wird in unterschiedlichen Wissenschaften behandelt.
Revolution (Soziologie)
Allgemein
Eine Revolution bezeichnet in der Soziologie immer einen radikalen und meist, jedoch nicht immer einen gewalttätigen Umsturz(-versuch) der bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, der von einer organisierten (nicht notwendig geheimen) Gruppierung von Neuerern getragen wird und die Unterstützung größerer Bevölkerungsteile findet (vergleiche: Elite, Masse (Soziologie), Massenbewegung). Doch auch „Friedliche Revolutionen“ sind möglich (siehe unten). Oft wird der Begriff der Emanzipation hinzu genommen, die Idee eines sozialen oder politischen Freiheitsgewinns für den Einzelnen. Der Stellenwert der einzelnen Kriterien für die Definition einer Revolution ist durchaus umstritten.
Wenn ohne radikalen sozialen Wandel nur eine Organisation oder ein eng verknüpftes soziales Netzwerk (gegebenenfalls mit relativ geringfügiger Massenbasis) die Revolution unternimmt, bezeichnet man dies als Staatsstreich oder, insbesondere unter Beteiligung des Militärs, als Putsch. Hier wird der »Revolutions«-Begriff oft anschließend als Rechtfertigung genutzt.
Der Begriff »Revolution« wird auch verwandt, wenn dem sozialen Wandel die Schnelligkeit (Rapidität) abgeht, etwa für die global mehrere tausend Jahre dauernde »Neolithische Revolution« (vgl. Steinzeit), für den Siegeszug des Kapitalismus oder für die Industrielle Revolution (s. a. Industrialisierung).
Soziologische Theoretiker/innen der »Revolution«
# Vilfredo Pareto (Revolution als eine besondere Form der Elitenablösung),
# Max Weber (in Europa / Nordamerika bedurfte der Kapitalismus anfangs einer radikalen nichtwirtschaftlichen – religiösen – Mentalitätsänderung, und zwar in Gestalt des Protestantismus),
# Eugen Rosenstock-Huessy (die europäischen Revolutionen als Abfolge von Ständerevolutionen, beginnend mit der »papalen Revolution« des Papsttums gegen das mittelalterliche Kaisertum und endend mit der »proletarischen Revolution«),
# Ralf Dahrendorf (»Revolution« als radikaler und rapider sozialer Wandel, bedingt durch intensive beziehungsweise gewaltsame soziale Konflikte),
# Theda Skocpol (nachhaltige Revolutionen sind vor allem Bauernrevolutionen)
Theoretisch innovativ argumentierende Revolutionäre und Revolutionärinnen
# Karl Marx (jede Gesellschaft, in der eine Form des »Besitzes an Produktionsmitteln« es erlaubt, sich menschliche Arbeit zu unterwerfen, endet zwangsläufig durch Revolution oder Untergang; zu unterscheiden sind »Revolutionen der Produktivkräfte« von den durch sie ausgelösten »Revolutionen der Produktionsverhältnisse«),
# Friedrich Engels (Arbeit und deren Beherrschung durch Eigentum löste die erste Revolution aus, die die »Wildheit« (menschliche Urzeit) beendete und die der Beginn der Geschichte war, und werden durch die letzte Revolution optimal disponiert werden, in der das Ende der Geschichte – das Ende »des Reiches der Notwendigkeit« – und der Beginn des »Reiches der Freiheit« möglich werden wird),
# Rosa Luxemburg (der Imperialismus ist dabei die letzte Verteidigungsmöglichkeit des Kapitalismus – im Bündnis mit dem Proletariat der Kolonialmächte – vor der abschließenden weltweiten proletarischen Revolution),
# Lenin (die letzte Revolution kann durch den Aufbau einer Kaderpartei der proletarischen Revolutionäre vorverlegt werden),
# Anton Pannekoek (Parteien und Gewerkschaften – einschließlich der leninistischen – sind untaugliche Formen für den Kampf der Arbeiterklasse um ihre Emanzipation, alles kommt auf die Selbstorganisation der Arbeiterinnen und Arbeiter an)
sowie Danton, Marat, Saint-Just, Robespierre, Símon Bolívar, Bakunin, Mahatma Gandhi, Leo Trotzki, Mao Zedong, Camilo Torres, Kwame Nkrumah, Ho Chi Minh, Che Guevara, Ali Schariati, Guy Debord und andere Revolutionäre des 18. bis 20. Jahrhunderts.
Praktiker der Revolution
Radikaler und rapider sozialer Wandel (»Revolutionen«) knüpfte sich auch an erfolgreiche politische, oft auch charismatische Persönlichkeiten, deren soziologische Urteilskraft sich eher nur implizit erschließt, deren soziale Wirkung jedoch bewusst und gewollt revolutionär war, wie bereits in der Antike zum Beispiel Solon oder Cäsar, im Mittelalter zum Beispiel Harald Schönhaar oder Otto der Große und in der Neuzeit zum Beispiel Pombal, Cromwell oder Atatürk.
Soziale Revolutionen im weiteren Sinne
Politische Revolutionen
- Der erste als »Revolution« bezeichnete Umsturz war 1688 die Glorious Revolution in England.
- Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 1775-1783 (Unabhängigkeitserklärung der USA 1776)1776
- Französische Revolution 1789
- Julirevolution (Frankreich 1830)
- Novemberaufstand in Polen 1831 und Folgejahre
- Februarrevolution und Juniaufstand (Frankreich 1848)
- Revolutionen in Ungarn, Italien, Deutschland (Märzrevolution) 1848
- Pariser Kommune
- Russische Revolution 1905
- Mexikanische Revolution 1910 und Folgejahre
- Russische Revolutionen 1917: (Februarrevolution und Oktoberrevolution)
- Novemberrevolution in Deutschland 1918/1919, einschließlich der Räterepubliken in Bayern (Münchner Räterepublik) und Bremen (Bremer Räterepublik)
- Kubanische Revolution 1956 - 1959
- Nelkenrevolution in Portugal 1974
- Revolution in Laos 1975 (vgl. auch Pathet Lao)
- Nicaraguanische Revolution 1979
- Islamische Revolution im Iran 1979
- Die spontane und gewaltlose Revolution in der DDR 1989/1990
- Die Samtene Revolution in Georgien 2003
- Die Orangene Revolution in der Ukraine 2004
Geistige Revolutionen
- Die »Kopernikanische Revolution« (Ersetzung des geozentrischen durch das heliozentrische Weltbild anfangs der Neuzeit – der Heliozentrismus selbst war bereits in der Antike von Aristarchos von Samos erfolgert worden)
- Die Darwinsche Revolution, in der der Mensch seine Sonderstellung in der Natur verlor (s. a. Darwinismus)
- Die »sexuelle Revolution«, oft mit der Entdeckung des Unbewussten durch Sigmund Freud gleichgesetzt
- Die »Kulturrevolution« 1967 und Folgejahre in China, Deutschland, aber auch in Frankreich, den USA und anderen westlichen Ländern
Inflationierte »Revolutions«-Begriffe im Feld der öffentlichen Meinung bezeichnen oft nur einen Stilwandel (Moderevolutionen).
Siehe auch: Paradigmenwechsel.
Technische Revolutionen (marxistisch: »Revolutionen der Produktivkräfte«)
- Neolithische Revolution (Übergang vom Wildbeutertum zu Ackerbau und Viehzucht ca. 15.000 v. Chr. – der Übergang zur Jungsteinzeit)
- Industrielle Revolution im 18./19. Jahrhundert (siehe auch Industrialisierung)
- Elektronische Revolution oder Digitale Revolution) ab etwa 1980
Siehe auch: Bürgerkrieg, Dialektik, Evolution, Katastrophe, Reform, Revolution (Jugendorganisation), Sozialer Wandel, Staatsstreich, Zweite industrielle Revolution, Kondratjew-Zyklus
Revolution (Politologie)
Beispiel eines Ansatzes: Die heutige Revolutionstheorie stellt fünf Hauptfaktoren besonders heraus, die wesentliche Voraussetzungen zur Entstehung einer Revolution darzustellen scheinen. Dabei ist vom Sonderfall der Entwicklungsländer abzusehen.
# eine plötzliche Rezession nach einer Zeit wirtschaftlicher Blüte, steigenden Wohlstands und steigender Erwartungen in die Zukunft.
# ein Bewusstsein, das die bestehenden Institutionen in Frage stellt.
# die Solidarisierung verschiedener Gruppen der Gesellschaft, die unterschiedliche Motive haben, mit dem bestehenden Zustand unzufrieden zu sein, und die sich zum Umsturz der alten Ordnung vorübergehend verbünden. Eine einzelne Gruppe, Schicht oder Klasse der Gesellschaft bringt keine Revolution zustande.
# eine Ideologie.
# Schwäche, Uneinigkeit und Ineffektivität auf Seiten der Gegenkräfte, des Staates.
Nach: E. Weis, Der Durchbruch des Bürgertums. 1776–1847. Propyläen Geschichte Europas, Bd. 4, Berlin 1978, 96f.
Siehe auch: Revolution (Politik)
Revolution (Astronomie)
In der Astronomie (veraltet) ist eine Revolution die Umlaufbewegung der Planeten um die Sonne – von hier wurde der Ausdruck Revolution generell übernommen.
Revolution (Spiel)
- beim Skatspiel die Variante »Null ouvert Hand«, bei dem die gegnerischen Spieler die Karten austauschen dürfen. Nur bei Hobbyrunden, nicht in den offiziellen Skatregeln (da es sowieso nur angesagt wird, wenn es nicht verloren werden kann).
- Alternative zu bekannten Quizsendungen: [http://www.wer-wird-revolutionaer.de/ Wer wird Revolutionär?]
Siehe auch
- :Kategorie:Revolution
- Anarchismus,Generalstreik, Klassenkampf, Marxismus, Politisches Theater, Rätekommunismus, Sabotage, Situationistische Internationale, Subversion, Sozialismus, Kommunismus
- Bürgerliche Revolution, Frühbürgerliche Revolution
- Différance
Literatur
- Hobsbawm, Eric: Europäische Revolutionen. 1789 bis 1848. Zürich, 1962
- Hannah Arendt: Über die Revolution, München, 1963
Weblinks
- [http://home.bawue.de/~mauss/revo.html So geht Revolution]
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ja:革命
ByzanzByzanz (griech. Βυζάντιο[ν], Byzantion)
- ist der antike griechische Name Konstantinopels, der einstigen Hauptstadt Ostroms und damit des späteren Byzantinischen Reiches. Seit 1927 trägt die Stadt den den Namen İstanbul.
- wird auch häufig als Synonym für das gesamte Byzantinische Reich verwendet.
Konstantinopel
Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις / Konstantinoupolis = "Stadt des Konstantin"), gegründet um 685 v. Chr. als Byzantion, war bis 1930 der Name des heutigen Istanbul. In der Spätantike und im Mittelalter war Konstantinopel die Hauptstadt des Oströmischen Reichs, das "Zweite Rom". Nach der osmanischen Eroberung 1453 dann die Hauptstadt des osmanischen Imperiums. Als Lebenszentrum zweier Weltreiche, an der Schnittstelle zweier Kontinente, besitzt Konstantinopel eine überragende historische und künstlerische Rolle. Über 1500 Jahre wurden von den Ufern des Bosporus die Geschicke der damaligen Menschheit gelenkt. Als Prototyp einer imperialen Stadt ist Konstantinopel vom 3 Jh. bis ins 18 Jh. länger Weltstadt gewesen als beispielsweise Rom (3. Jh. v. Chr.-4. Jh. n. Chr.), London (1588-1945), Paris (17. Jh.-1945) oder Washington (D.C.) (20. Jh.).
Spätantike und byzantinische Zeit
Konstantinopel und das Oströmische Reich
Wegen der wachsenden Bedeutung der Osthälfte des Römischen Reiches wurde Byzantion 324 vom römischen Kaiser Konstantin I. - an Stelle von Trier - als neue Hauptstadt, als "Neues Rom" (lat.: Nova Roma), geplant und sechs Jahre später, am 11. Mai 330 feierlich eingeweiht. Wenig später nach seinem Tode nannte man sie zu seinen Ehren Konstantinopel (griech.: Κωνσταντινούπολις "Stadt des Konstantin"). Die Stadt wurde auf das Fünffache der ursprünglichen Fläche vergrößert, und wie das Vorbild Rom auf sieben Hügeln errichtet. Auch die politischen und weltlichen Einrichtungen der alten Hauptstadt wurden bis ins Einzelne nachgeahmt. So erhielt Konstantinopel ein Kapitol, ein Hippodrom für 30.000 Zuschauer, ein Forum (Forum Constantini) und eine Hauptverkehrsachse in ost-westlicher Richtung. Trotz seiner Förderung des Christentums ließ der Kaiser auch heidnische Tempel errichten; sein Sohn Constantius II. gewährte dann dem Senat der Stadt dieselben Privilegien, wie sie der römische genoss.
Konstantinopel wurde in der Folge konsequent zum Mittelpunkt von Verwaltung, Wirtschaft und Kultur des Oströmischen Reiches ausgebaut und erfüllte diese Aufgabe (mit Unterbrechung) seit dem späten 4. Jahrhundert bis in die Neuzeit par excellence. Solange Byzanz/Konstantinopel stand, stand auch das (von der modernen Geschichtsschreibung so genannte) Byzantinische Reich. Fiel die Stadt, fiel das Reich ebenso. In Konsequenz der zentralen Stellung wurde Konstantinopel auch zum kirchlichen Mittelpunkt. Der Bischof der Stadt, der sein Amt auf den Apostel Andreas zurückführte, war ab 381 Patriarch und beanspruchte eine herausgehobene Stellung. Auch kulturell lebte die Stadt in der Spätantike auf: Die Hochschule war die jüngste, aber auch größte des Ostreiches und erreichte unter Theodosius I. eine erste Blütezeit, wobei auch die Bibliotheken ausgebaut wurden.
Die Erweiterung Konstantinopels konnte auf Grund der geografischen Lage nur nach Westen hin erfolgen. Bereits Theodosius I. baute die Stadt aus. Seit 412 wurde unter Theodosius II. etwa 500 m westlich der von Konstantin errichteten Stadtmauer eine neue, teilweise noch heute erhaltene Mauer errichtet und so das Areal der Stadt von sechs auf zwölf km² verdoppelt. Die Bevölkerung Konstantinopels wuchs rasch und ab einem gewissen Maß gegen den Willen der Herrscher, doch selbst Zuzugsbeschränkungen vermochten den Zuzug nicht zu verhindern. Die Versorgung der weit über 300.000 Einwohner (zur Zeit Justinians waren es vor Ausbruch der Pest in den 40er Jahren des 6. Jahrhunderts gar zwischen 500.000 und 600.000) stellte die Machthaber zeitweise vor Probleme, insbesondere im 7. Jahrhundert nach dem Verlust der "Kornkammer" Ägypten an die Araber, wodurch die Einwohnerzahl wieder zurückging. Bis etwa 600 gab es in der Stadt übrigens noch zahlreiche Einwohner mit Latein als Muttersprache, wie unter anderem durch Grabinschriften bezeugt wird, erst danach wurde Konstantinopel vollständig gräzisiert.
Um die Warenversorgung sicherzustellen, wurden früh Häfen an der Küste zum Goldenen Horn und zum Marmarameer aus- oder neugebaut. Für die Versorgung der riesigen Hauptstadt mit Trinkwasser wurden mehrere Aquädukte aus dem nordwestlich gelegenen Hügelland errichtet, deren Wasser in mehreren, insgesamt 130.000 m³ fassenden, unterirdischen Zisternen (bspw. der 532 unter Justinian I. fertiggestellten Yerebatan Sarnıçı) gespeichert wurde. Allgemein erfasste die oströmischen Kaiser im 4.-6. Jahrhundert eine auffällige Baulust, von der auch Chalcedon - obwohl es ständig im Schatten von Konstantinopel stand - profitierte. So wurde der Hafen erweitert, sowie Paläste und Kirchen gebaut. Nach den Zerstörungen während des Nika-Aufstandes 532 ließ Justinian I. zahlreiche Gebäude, darunter die Hagia Sophia neu errichten.
Militärisch galt Konstantinopel lange Zeit als uneinnehmbar und als die stärkste Festung der bekannten Welt; zahlreiche Angriffe und Belagerungen scheiterten an dem mehrfach gestaffelten Befestigungswerk der Stadt. Zu einer ersten Bewährungsprobe kam es 626 durch den Angriff der persischen Sassaniden und der mit ihnen verbündeten Awaren. Mit der islamischen Expansion, während der auch die Araber an der dreifachen Mauer der Stadt scheiterten, endete wenige Jahre später die spätantike Phase der Stadt.
Konstantinopel in mittelbyzantinischer Zeit
Die beiden abgewehrten Belagerungen durch die Araber in den Jahren 674-678 sowie 717/18 stoppten den Vormarsch der Muslime nach Europa und sind ebenso wie die Schlacht bei Tours und Poitiers durch die Franken von welthistorischer Bedeutung. Allerdings wirkte sich der endgültige Verlust der reichen römischen Orientprovinzen nach 636 auch auf die Hauptstadt aus; so entfielen nun die Getreidelieferungen aus Ägypten. Während die Araber im Laufe des 8. bis 10. Jahrhunderts teilweise zurückgedrängt werden konnten, wurden die Bulgaren zur neuen Bedrohung für die Stadt. Zu einer ersten (ebenfalls erfolglosen) Belagerung kam es 813. Die Serie der Angriffe riss auch im 9. und 10. Jahrhundert nicht ab, als Bulgaren und Rus, im Jahr 1090 die Petschenegen, mehrfach den Versuch einer Eroberung Konstantinopels unternahmen. In der Regel führten diese Belagerung zur Verwüstung des thrakischen Umlands der Stadt, und auch das leichter befestigte Chalcedon wurde mehrfach von Persern und Arabern eingenommen, geplündert und zerstört. Infolge dessen sind dort heute kaum noch Spuren der byzantinischen Baukunst zu finden.
Trotz wiederkehrender Stadtbrände, Seuchen und Erdbeben blieb Konstantinopel bis ins Mittelalter eine der wenigen "Weltstädte" (neben Bagdad, Kairo und Córdoba), und die mit Abstand größte und wichtigste christliche Metropole. Unter Justinian hatte sie sie im 6. Jahrhundert wie bereits beschrieben ihre erste und größte Blüte erreicht, die Einwohnerzahl durchbrach damals die 500.000er Marke. Doch bis Mitte des 8. Jahrhunderts ging die Einwohnerzahl nicht zuletzt auf Grund der Araber-Belagerungen zurück, um dann allerdings bis ins 12. Jahrhundert auf angeblich etwa 700.000 Einwohner anzusteigen.
Gebietsverluste infolge militärischer Niederlagen (u.a. in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071) zwangen die Byzantiner Ende des elften Jahrhunderts, Hilfe im christlichen Westen zu suchen. Dem Vordringen der Normannen über Süditalien bis auf das griechische Festland konnte nur dank der Venezianer Einhalt geboten werden, im Gegenzug wurden ihnen Handelsprivilegien, Zollnachlässe sowie eine Handelsniederlassung in Konstantinopel vertraglich zugesichert. Weitere Hilfsgesuche im Westen führten zum Ausruf des Ersten Kreuzzug durch Papst Urban II., infolgedessen ein Heer aus allen Teilen Westeuropas Richtung Konstantinopel zog, wo im April 1097 die letzten Abteilungen eintrafen. In der Metropole am Bospuros sahen die Kreuzfahrer eine fortschrittliche Infrastruktur, die sie aus keiner ihrer Städte auch nur annähernd kannten. Es gab Aquädukte, Bäder und Kanalisation, Kliniken mit Abteilungen für die unterschiedlichsten Krankheiten, eine große Universität, selbst Polizei und Feuerwehr. Händler aus aller Welt trafen sich auf den Basaren der Stadt, deren großer Reichtum auf dem Überseehandel beruhte. Kaiser Alexios I., der angesichts der barbarisch anmutenden Horden um seine Hauptstadt besorgt war, beeilte sich, das Kreuzfahrerheer auf die asiatische Seite des Bosporus zu befördern. Das gut 50.000 Mann starke Heer eroberte noch im gleichen Jahr die nahe gelegene Sultanats-Hauptstadt Nicäa und zog dann weiter Richtung Jerusalem. Dem dicht bedrängten Konstantinopel war wieder etwas Luft verschafft worden.
Das traditionell freundliche Verhältnis der Byzantiner mit Venedig schlug im 12. Jahrhundert unter Manuel I. Komnenos in Misstrauen, Verachtung und Hass um, nicht zuletzt durch die immer wieder auf byzantinischem Boden ausgetragenen Machtkämpfe der Dogenrepublik mit Pisa und Genua. Die Einheimischen empfanden das anmaßende Auftreten der sog. "Lateiner" als Provokation. Die explosive Stimmung entlud sich 1171 in den "Lateinerprogromen", als die byzantinische Regierung zuerst den Besitz tausender Venezianer konfiszierte und sie anschließlich einkerkerte. Angeblich wurde sogar der anschließend zu Verhandlungen angereiste Enrico Dandolo geblendet. Trotz eines 1177 beschlossenen Friedens beeinträchtigten das Ereignis der "Lateinerprogrome" die Beziehung zwischen Konstantinopel und Venedig nachhaltig. Und so ist es nicht verwunderlich, dass 1202 ein von Venedig ausgerüstetes und vom Dogen Dandolo geführtes Kreuzfahrerheer die Eroberung Konstantinopels in Angriff nahm, unter dem Vorwand, die dortigen Thronstreitigkeiten zu klären. Kaiser Alexios III. floh vor dem anrückenden Heer, und Isaak II. nahm (wieder) Platz auf dem Thron. Die Kreuzfahrer blieben trotz "getaner Arbeit" in der Stadt. Als sie eine Moschee entdeckten - es gab seit 718 infolge der Niederlassung arabischer Händler eine muslimische Gemeinde in Konstantinopel - und sie anzündeten, zerstörte der dadurch entstandene Flächenbrand ein ganzes Stadtviertel.
Nachdem Isaak II. sowie sein Sohn Alexios IV. (unter ungeklärten Umständen) starben und ihnen Alexios V. auf den Thron folgte, wurden die Kreuzfahrer aus der Stadt verwiesen. Diese bereiten daraufhin einen erneuten Angriff auf Konstantinopel vor. Am 13. April 1204 gelang es ihnen, die Stadt von der Seemauer am Goldenen Horn her zu stürmen. Die anschließende Plünderung der Stadt dauerte drei Tage. Viele Einwohner der kosmopolitischen Metropole wurden dabei getötet. Zahlreiche Monumente wurden zerstört, großartige Kunstwerke wurden vernichtet oder geraubt, etliche Bibliotheken niedergebrannt und eine große Anzahl der in Konstantinopel aufbewahrten Heiligenreliquien über ganz Europa zerstreut. So stammen beispielsweise die Skelette der Heiligen Drei Könige, die heute im Dreikönigsschrein im Kölner Dom ruhen, ursprünglich aus Konstantinopel. Von der Zerstörung und Plünderung durch die Venezianer und Kreuzfahrer hat sich Konstantinopel für den Rest des Mittelalters im Grunde nicht wieder erholt.
Die spätbyzantinische Zeit und das Vordringen der Türken
Kölner Dom
Die Kreuzfahrer zerstückelten das Byzantinische Heerschaftsgebiet und errichteten das sog. Lateinische Kaiserreich. Dieses hielt nur kurz bestand, bereits 1261 eroberte ein Söldnerheer des von geflohenen byzantinischen Familien getragenen Kaiserreiches Nikaia die Stadt im Handstreich zurück. Das Byzantinische Reich wurde in vergleichsweise bescheidenem Umfang wieder hergestellt, verlor aber in der Folge immer weitere Gebiete seines Territoriums. Um 1300 hatte Konstantinopel noch etwa 100.000 Einwohner. Seine Rolle als wichtigstes Handelszentrum des Mittelmeers hatte es an die italienischen Hafenstädte, insbesondere Venedig, verloren. Die Italiener unterhielten Handelsniederlassungen im Stadtteil Pera (heute Beyoğlu) auf der nördlichen, europäischen Seite des Goldenen Horns.
1326 begann mit der Eroberung Bursas durch Osman, einem Heerführer eines kleinen türkischen Stammes, der Siegeszug der Osmanen. In rascher Folge eroberten diese ganz Anatolien und Teile des europäischen Festlandes. Byzanz glich bald einer Insel im Osmanischen Reich. Im 15. Jahrhundert bestand es nur mehr aus dem eigentlichen Stadtgebiet und den umliegenden Dörfern, die Einwohnerzahl sank auf etwa 40.000 ab.
Mehrere Angriffe auf Konstantinopel blieben erfolglos, bis am 29. Mai 1453 die Stadt unter Mehmet dem Eroberer unter großen Verlusten eingenommen werden konnte (Siehe auch Belagerung von Konstantinopel (1453)). Die Zahl der Toten wird mit 50.000 angegeben. Die zahlenmäßig weit unterlegenen Verteidiger hielten knapp zwei Monate der Belagerung stand, warteten am Ende aber vergeblich auf Hilfe aus Venedig. Die Überlebenden wurden mit Ausnahme der Juden und Genuesen deportiert. Diese konnten dank ihrer umsichtigen Haltung während der Belagerung ihren Privatbesitz retten.
Viele Einwohner und Intellektuelle flohen nach Westeuropa und vor allem Norditalien, und nahmen dabei viele erhalten gebliebene Kopien antiker Schriftstücke mit. Diese verbreiteten sich durch die ungefähr gleichzeitig erfundene Buchdruck-Kunst schnell in Norditalien und lösten eine Welle der "Wiederentdeckung" antiker Denkmodelle und Vorstellungen aus. Diese Wiederentdeckung beschleunigte den vielschichtigen Prozess, der heute als Renaissance bezeichnet wird.
Inzwischen prägten die muslimischen Herrscher, die Konstantinopel zur Hauptstadt ihres Reiches machten, das Stadtbild neu. Unzählige Kirchen, deren bedeutendste die Hagia Sophia war, wurden um Minarette ergänzt und zu Moscheen umgebaut. Bald durften die vertriebenen Griechen und Armenier zurückkehren und prägten das multikulturelle Bild einer im europäischen Vergleich der damaligen Zeit toleranten Metropole bis zum Ende des Osmanischen Reiches.
Osmanische Zeit
Armenier
Nach der Eroberung nannten die Türken die Stadt im Alltagsgebrauch İstanbul, auch wenn der inoffizielle Name bis in die 1920er Jahre weiter Konstantinopel blieb; auch wird bis heute im griechischen Sprachbereich Konstandinúpoli gesagt. Der Name İstanbul (im deutschen Sprachraum früher auch Stambul) leitet sich aus dem griechischen εἰς τὴν πόλι(ν), in der Koine zu is tim boli(n) verschliffen, ab, was in die Stadt bedeutet. Es existieren eine vielzahl von Theorien über die Namensgebung. Jedoch besagt die Legende : Zu Zeiten Sultan 2. nach der Eroberung Konstantinopels flüchteten die Christen aus Angst vor Übergriffen aus der Stadt. Kurz darauf gebot Fatih Sultan Mehmet besonderen Schutz der Christen. Auf den Pferdewagen verbreitet sich dann der Slogan eis ten polin, "in die Stadt". Mit der Zeit wurde dies der Name der Stadt.
Die Stadt wurde Residenz der Sultane und Hauptstadt des Osmanischen Reiches. Sie behielt neben der politischen große wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung und ein internationales Gepräge. Selbst das Patriarchat blieb erhalten, bis 1821 spielten Griechen eine wichtige Rolle. Unter Süleyman dem Prächtigen (1520-1566) war İstanbul die Hauptstadt eines riesigen Reiches, das von Ungarn über Belgrad bis Bagdad und weit nach Nordafrika reichte. Das Osmanische Reich war am Gipfel seiner Macht, was sich in einer Vielzahl von Palästen und Moscheen des Architekten Sinan, des größten osmanischen Baumeister seiner Zeit, widerspiegelt. Bereits damals begann aber der Niedergang. Fehlende Reformen, korrupte Wesire, die Macht der Sultansfrauen sowie die Abschottung gegen moderne Tendenzen bewirkten, dass man trotz einer schönen Fassade im 19. Jahrhundert schließlich vom "kranken Mann am Bosporus" sprach, wenn man das Osmanische Reich meinte.
Ab dem 17. Jahrhundert kam es zu einem massiven Zuzug von Armeniern aus allen Gebieten des Osmanischen Reichs. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten bereits über 220.000 Armenier in Konstantinopel, fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung der Stadt. Es bildete sich eine kulturelle armenische Infrastruktur, die schließlich zu einem literarisch-kulturellen sowie politischen Aufbruch der westarmenischen Gemeinschaft führte. Doch mit dem Ersten Weltkrieg und dem Machtgewinn der "Jungtürken" begann die Verfolgung der Armenier. Am 24. April 1915 kommt es zu einer großangelegten Verhaftungswelle, Auftakt zum Völkermord an den Armeniern. Fast alle Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden festgenommen und anschließend deportiert oder gar hingerichtet.
Ein wichtiger Chronist dieser Zeit ist der deutsche Journalist und Schriftsteller Friedrich Schrader, der von 1891 bis 1918 in Konstantinopel lebte und arbeitete.
Imperiale Bauwerke
Als Kaiser Konstantin zwischen 324 und 330 ein neues Zentrum für das römische Reich am alten Byzanz gründetete, sollte dieses allmählich Rom als Hauptstadt ablösen. Um den Gedanken eines Nova Roma Nachdruck zu verleihen, mußte dieses dann auch architektonisch ausgebaut werden. Da Konstantinopel zudem von Anfang an christlich geprägt war und das Christentum Staatsreligion wurde, ohne das im Übrigen auf den Kaiserkult verzichtet wurde, bekam Konstantinopel ein durch Votiv- und Gedenksäulen, Foren, Palästen, dem Hippodrom und natürlich zahlreichen christlichen Kirchen geprägtes Aussehen.
Ältestes erhaltenens Baudenkmal Konstantinopels ist die Konstantinssäule. Die ehemals knapp 50 Meter hohe Porphyrsäule bekrönte ursprünglich eine Statue des Helios aus Ilion. Der Kopf des Sonnengottes war von sieben Strahlen umkränzt, in die man Passionsnägel einarbeitete, während das Innere der Statue einen Spliter vom Kreuz Christi barg. Im Jahr 1105 wurde die Statue bei einem Unwetter zerstört und durch ein Kreuz ersetzt. Die Säule wurde zum Symbol der Stadt, und die letzten byzantinischen Chronisten berichten, dass sich am Tag der Eroberung durch Sultan Mehmed II. die Stadtbewohner frühmorgens um sie versammelten, um auf den rettenden Engel des Herrn zu warten.
Neben der Konstantins-Säule bildete vor allem das Hippodrom den Mittelpunkt der Stadt und war Brennpunkt des öffentlichen Lebens. Hier begegneten sich Kaiser und Volk, hier demonstrierte der Kaiser seine Macht und dort finden sich daher auch einige repräsentative Objekte. Entlang der Spina, der Trennmauer zweischen den beiden Richtungsbahnen, um welche die Steitwagen kurvten, stellten Konstantin und seine Nachfolger Standbilder und Denkmäler auf. Darunter ein ägyptischer Obelisk vom Tempel in Karnak und die bronzene Schlangensäule aus dem 6. Jh. v. Chr.
Unter Kaiser Thedosius wurde entlang der Wegstrecke der kaiserlichen Triumphzüge drei Foren erreichtet. Auf dem Forum Tauri stand die Ehrensäule des Kaisers Theodosios, geschaffen nach dem Vorbild der Trajanssäule in Rom. Weitere Säulen sind die Arkadios-Säule, Markian-Säule sowie die Justinian-Säule. Diese jüngste der Säulen ist ebenso wie die Konstantins-Säule aufs engste mit der Geschichte Konstantinopels verbunden. Die 543 eingeweihte 35 m hohe Säule trug ein Reiterstandbild Justinians I. in drei bis vierfacher Lebensgröße. Als Mehmed II. Konstantinopel eroberte, bestanden eine seiner ersten Taten darin, die Statue zu vernichten.
Literatur
- Friedrich Schrader: Konstantinopel in Vergangenheit und Gegenwart, Tübingen 1917
- Wolfgang Müller-Wiener: Bildlexikon zur Topographie Istanbuls. Byzantion - Konstantinupolis - Istanbul bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts, Tübingen 1977. ISBN 3-8030-1022-5 (Standartwerk zu Stadtentwicklung und Bauten)
- John Freely; Hilary Sumner-Boyd: Istanbul : ein Führer, 3., durchges. Aufl., München 1986, ISBN 3-7913-0098-9
- Philip Mansel: Constantinople - City of the world's desire 1453-1924, London 1995. ISBN 0-14-026246-6
- Wolfgang Müller-Wiener: Die Häfen von Byzantion - Konstantinopolis - Istanbul, Tübingen, 1997, ISBN 3-8030-1042-X
- Dogan Kuban: Istanbul - an urban history : Byzantion, Constantinopolis, Istanbul, Istanbul 1996, ISBN 975-7306-20-7
- Stéphane Yerasimos: Konstantinopel, Istanbuls historisches Erbe, Köln 2000, ISBN 3-8290-1896-7
- Klaus Kreiser: Istanbul : ein historisch-literarischer Stadtführer, München 2001, ISBN 3-406-47191-9
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Kategorie:Byzantinische Geschichte
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OsmanenOsmanisches Reich (auch Ottomanisches Reich, amtliche türkische Bezeichnung 1907 Memalik-i Osmanije), ist die Bezeichnung für das Reich der Dynastie der Osmanen vom 14. Jahrhundert bis 1923. In Europa wurde das Land auch damals als "Türkei" bzw. "Türkisches Reich" bezeichnet. Es war für mehrere Jahrhunderte die entscheidende Macht in Kleinasien und auf dem Balkan, zeitweise auch in Nordafrika und auf der Krim. Im Laufe des 18. und vor allem 19. Jahrhunderts wurde es in der Auseinandersetzung mit den europäischen Mächten auf Kleinasien zurückgedrängt und fand in der Türkei seinen Nachfolgestaat.
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Nachfolgestaat
[http://ccat.sas.upenn.edu/~rs143/ottoma.jpg gute Karte, die die territoriale Entwicklung des O.R vom frühen 14. Jhd bis ins frühe 16. Jhd dokumentiert (englisch) ]
Frühgeschichte
Die Überlieferungen über die Anfangszeit der Osmanen (Osmanlı, Osmanisches Reich = Devlet-i Âliye, Osmanlı Devleti) sind nur spärlich, wohl weil es sich um ein kleines unter vielen Fürstentümern handelte, die es nach der Zerschlagung des Seldschuken-Reiches (Selçuklu Devleti) in Kleinasien gab. Der Namensgeber Osman I. war zu Anfang des 14. Jahrhunderts der Herrscher über einen nomadischen Stamm - den Klan der Kynyk vom Stamm der Kayi bei Söğüt im nordwestlichen Anatolien, der turkmenischer Herkunft und islamischen Glaubens war. Osman starb 1326 und hinterließ seinem Sohn Orhan ein Fürstentum, das fast halb so groß wie die heutige Schweiz war. Er eroberte die byzantinische Stadt Bursa, die bis zur Eroberung Konstantinopels (heute İstanbul) die Grablege der Oberhäupter der Osmanen blieb.
Das Byzantinische Reich wurde massiv bedrängt und befand sich zu dieser Zeit im Niedergang, sodass die Eroberung der europäischen Seite des Marmarameers (Marmara Denizi) nicht schwer fiel, angefangen mit Gallipoli (Gelibolu) 1354. Auch in Kleinasien gab es im gleichen Jahr mit Ankara (griech. Angora) Zugewinne. Bei Orhans Tod 1360 war das Reich mehr als dreimal so groß wie beim Tode seines Vaters. Im folgenden Jahr gelang die Einnahme Adrianopels (Edirne), der zweitgrößten byzantinischen Stadt, es folgte der Übergriff auf Mazedonien (1371). 1389 gelang Murad I. in der Schlacht auf dem Amselfeld ein Sieg über die verbündeten christlichen Fürsten aus Serbien und Bosnien.
Wenn auch gleichzeitig in Kleinasien sowohl durch Krieg als auch durch Heirat Zugewinne stattfanden, war inzwischen der europäische Teil des Reiches der wichtigere geworden. So wurde ab 1385 die militärische Führung einem "Beylerbey von Rumelien" (Rumelien bezeichnete den europäischen Teil) und einem "Beylerbey von Anatolien" überantwortet, wobei ersterer den Oberbefehl hatte. Viele der charakteristischen Merkmale des Osmanischen Reiches hatten sich zu dieser Zeit schon herausgebildet. Aus den eroberten Gebieten wurden den Kriegern Pfründen – Timar genannt – gegeben; im Gegenzug mussten sie als Sipahis in der Kavallerie des Heeres dienen. Dieses System ähnelte zunächst dem europäischen Lehnswesen des Mittelalters, allerdings gab es auch große Unterschiede, so entwickelte sich beispielsweise keine Leibeigenschaft. Als stehendes Heer wurde die wichtige Infanterie von den Janitscharen (türk. Yeniçeri) gestellt, die vor allem aus der sogenannten Knabenlese auf dem Balkan und dem Kaukasus gewonnen, zum Islam bekehrt wurden und eine Ausbildung erhielten, die sie zu fähigen Instrumenten der Machtpolitik des Reiches machte.
Sultan Murad I., der auf dem Amselfeld durch einen Attentäter getötet worden war, folgte Bayezid I. (manchmal auch Beyazıt oder Bayazıt geschrieben) nach, der sich bald daran machte, Konstantinopel (Byzanz) zu erobern, was allerdings zu dieser Zeit noch nicht gelang; Byzanz wurde aber zu Tributzahlungen verpflichtet. 1396 mussten sich die Osmanen einem Kreuzfahrerheer unter Kaiser Sigismund stellen, das in der Schlacht von Nikopolis vernichtend geschlagen wurde.
Eine erste Existenzkrise musste das Osmanische Reich durchstehen, nachdem sein Heer in der Schlacht bei Ankara gegen Timur Lenk 1402 vernichtend geschlagen wurde und Bayezid in Gefangenschaft geriet. Der Tatare hatte innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Reich von Nordindien über Georgien und Persien bis Anatolien erobert, das aber nach seinem Tod 1405 schnell zerfiel. Die Verwaltung der Gebiete des Osmanischen Reichs hatte er an die Söhne Bayezids, Süleyman (Rumelien), Mehmed (Zentralanatolien mit Amasya) und İsa (anatolischer Teil um Bursa) gegeben. Diese kämpften im Folgenden sowohl um die an Timur verloren gegangenen Gebiete als auch gegeneinander um die Vorherrschaft. In den Kämpfen zwischen den Brüdern wurde Süleyman von einem weiteren Bruder, Musa, 1410 geschlagen, dem wiederum Mehmed 1413 mit Unterstützung von Byzanz eine Niederlage beibrachte (siehe auch Osmanisches Interregnum). Mehmed stellte sich als Sultan des wiedervereinigten Reichs in den folgenden Jahren der Herausforderung, das Land zu konsolidieren und gleichzeitig die alte Größe wiederherzustellen.
Auch die Thronbesteigung Murads II. lief nicht reibungslos ab. Kurz vor Mehmeds Tod machte ein Mustafa als angeblicher Sohn Bayezids Ansprüche geltend. Wahrscheinlich war er ein echter Sohn, er wurde aber von Mehmed als "falscher Mustafa" diffamiert. Sowohl er als auch ein Bruder Murads (der auch als "kleiner Mustafa" (Küçük Mustafa) bezeichnet wird), der von Byzanz als Thronprätendent aufgebaut worden war, wurden hingerichtet. Bei dieser Gelegenheit musste wiederum ein Versuch der Belagerung Konstantinopels abgebrochen werden.
In Südosteuropa war Ungarn zum Hauptgegner geworden. 1440 konnte es die Einnahme der wichtigen Festung in Belgrad abwenden. Vor allem Johann Hunyadi gelangen immer wieder militärische Erfolge, obwohl seine und die Versuche des Papstes, ein Kreuzfahrerheer zur Vertreibung der Osmanen aus Europa zusammenzurufen, in West- und Mitteleuropa kaum Gehör fanden. Drei Jahre später konnte Hunyadi sogar nach Bulgarien vordringen. Auch die Albaner unter Skanderbeg führten einen Unabhängigkeitskampf gegen die Osmanen. Aufgrund der Situation schloss Murad 1444 in Szegedin einen zehnjährigen Friedensvertrag, der jedoch sogleich von Ungarn gebrochen wurde, um einen vom Papst initiierten Feldzug durchzuführen. Murad hatte gerade erst die Macht an seinen Sohn Mehmed abgegeben und sich zurückgezogen, trat nun aber wieder an die Spitze des Heers, das die Kreuzfahrer unter dem polnisch-ungarischen König Wladyslaw I. (Ungarn) in der Schlacht bei Warna vernichtend schlug. Abermals musste er 1446 die Macht für den unerfahrenen Nachfolger übernehmen, um einen Janitscharenaufstand niederzuschlagen, und fügte 1448 den Ungarn unter Hunyadi im Kosovo (nach 1389 die zweite Schlacht auf dem Amselfeld) eine schwere Niederlage zu.
Mehmed bestieg 1451 endgültig den Thron und bereitete sofort die Einnahme von Konstantinopel, dem "goldenen Apfel" (später trug Wien diese Bezeichnung), vor. Dieses Ereignis ist oft als Zäsur in der Geschichte verstanden worden, als Ende des Byzantinischen Reichs und Ende des Mittelalters. Tatsächlich hatte Byzanz jedoch zu dieser Zeit kaum noch Macht und beschränkte sich auf kaum mehr Gebiet als das der (wenn auch wichtigen) Stadt Konstantinopel. Byzanz war Mehmed aber auch ein Dorn im Auge, weil es mit Orhan einen osmanischen Thronprätendenten aufstellte. Im Fall des "falschen" Mustafa hatte ein ähnliches Verhalten zum Bürgerkrieg geführt. Konstantinopel fiel nach 54-tägiger Belagerung am 29. Mai 1453. Nach den für diese Zeit üblichen Plünderungen wurde die Stadt die neue Hauptstadt des osmanischen Reichs, und man versuchte, die alte Bevölkerung – wie Griechen und Juden – zum Bleiben zu bewegen und neue dort anzusiedeln. Die Hagia Sophia wurde zur Moschee Ayasofia. Als letztes Überbleibsel byzantinischer Staatlichkeit wurde 1460 das Kaiserreich Trapezunt unterworfen.
Auf dem Balkan taten die Osmanen sich schwerer. 1456 konnte Hunyadi die Eroberung Belgrads abwenden und sicherte die Unabhängigkeit Ungarns für die nächsten siebzig Jahre. Allerdings eroberte Mehmed bis 1459 die Peloponnes und den Rest Serbiens. 1470 kam Albanien, 1475 die Krim dazu.
1481 bestieg den Thron Bayezid II., unter dem sich der Expansionsdrang des Reichs abschwächte. Eine Rolle spielte dabei sein Bruder Cem, der vom Papst als Geisel gegen ihn eingesetzt wurde. Bayezid selbst wurde 1512 von seinem Sohn Selim abgesetzt und wohl vergiftet. Selim setzte vor allem im Osten die Eroberungsfeldzüge fort. 1514 gelang ein Sieg gegen die Safawiden in Persien, 1516 gegen Syrien. Schließlich wurde 1516/17 das Mameluken-Reich in Ägypten zerschlagen. Damit wurde das Osmanische Reich Hüter der heiligen Stätten des Islam und der in jeder Hinsicht wichtigste islamische Staat.
Süleyman der Prächtige
Die Ära von Süleyman I. (1520-1566) kann man als den Höhepunkt der Macht des Osmanischen Reichs betrachten. In der osmanischen und türkischen Geschichtsschreibung erhielt er wegen seines Gesetzbuches über die Landes- und Finanzverwaltung den Beinamen "Kanuni" (der Gesetzgebende), in Europa wird er "der Prächtige" genannt. Unter seiner Regentschaft fallen auch die architektonischen Meisterleistung von Mimar Sinan. Er gilt auch als einer der größten Kunstförderer unter den Osmansichen Herrschern. Durch viele Feldzüge erweiterte er das Reich Richtung Westen und Osten und Südosten.
1521 eroberte er innerhalb von nur 3 Wochen Belgrad. Die Festung galt damals als die stärkste auf dem Balkan. 1522 landete er mit seinen Truppen auf Rhodos und nahm die Festung im Dezember 1522 ein. Er lies die Verteidiger einfach aushungern, welche entkräftet aufgeben mussten. Vier Jahre später wurde in der Schlacht von Mohács, in der Ludwig II. getötet wurde, das Schicksal Ungarns besiegelt. Zwar zog das osmanische Heer noch vor Jahresende vorläufig ab, aber um die Thronnachfolge gab es einen Streit zwischen dem Habsburger Ferdinand I. und dem Ungarn Johann Zápolya, der die Osmanen um Hilfe ersuchte. Letztlich fiel das westliche Ungarn an Österreich, während Zápolya im Frieden von Großwardein als König Restungarns unter osmanischer Oberhoheit anerkannt wurde. Nach seinem Tod 1540 besetzte die Pforte das mittlere Drittel des einstigen Ungarns und ließ Zapolyas Sohn das Fürstentum Siebenbürgen.
Unterdessen nutzte Süleyman I. 1529 die Lage, um erstmals Wien zu bel |