Hanja
Hanja (Han-Zeichen) ist die koreanische Bezeichnung für die Schriftzeichen der chinesischen Schrift, die in Südkorea zu einem geringen Teil noch neben der koreanischen Buchstabenschrift Hangeul verwendet werden. In Nordkorea sind sie seit 1949 für den offiziellen Gebrauch in Publikationen abgeschafft.
Eine andere Bezeichnung für Hanja ist der Begriff Hanmun (Hangeul 한문, Hanja 漢文), der nichts anderes bedeutet als Han-Schrift.
Hangeul
Verwendet werden Hanja in Namen, wie z.B. Personen- oder Ortsnamen, und zur Herstellung von Eindeutigkeit bei homophonen Wörtern. Dazu werden die Hanja des Wortes zusätzlich zur Hangeul-Schreibung in Klammern angegeben.
Erst seit den 1980ern werden auch Personennamen verwendet, die nicht auf Hanja basieren und auch so nicht als solche dargestellt werden können.
Der zahlenmäßig Gebraucht von Hanja in der koreanischen Schrift hat über die Zeit stark abgenommen.
So war ein entscheidender Impuls zum Zurückdrängen der Hanja nationalistische Motive während der japanischen Besatzungszeit. Denn nun wollten sich die Koreaner von den Japanern abgrenzen, die ebenfalls die chinesischen Schriftzeichen verwandten und außerdem die rein koreanische Schrift abschaffen wollten.
Geschichte
Nordkorea schaffte mit der Staatsgründung die chinesischen Schriftzeichen ab, revidierte diesen Schritt 1964 wieder und verlangt von seinen Schülern die Kenntnis von etwa 2000 Hanja. Der Mangel an Lesematerial in Hanja lässt jedoch die Vermutung zu, dass nur wenige jüngere Nordkoreaner tatsächlich Texte in Hanja lesen können.
Der südkoreanische Präsident Park Chung-hee ließ 1970 die chinesischen Schriftzeichen aus den Lehrbüchern der Schulen entfernen, da Hangeul leichter zu lernen sei und so der Alphabetisierungsgrad der Bevölkerung leichter anzuheben wäre. Doch 1975 änderte die Regierung ihre Bildungspolitik bereits wieder und das Erziehungsministerium veröffentlichte die Liste von 1800 Hanja, die für die Schüler verbindlich sein sollten.
1993 erlebten die Hanja einen großen Aufschwung als Südkorea diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik China aufnahm. Doch die Schriftzeichenreform der Chinesen in den 1950er Jahren erschwerte die Lage, da sich die chinesischen Kurzzeichen von den traditionell in Korea verwendeten Langzeichen unterschieden.
Die aktuelle Situation ist, dass nur wenige Koreaner wirklich Texte in Hanja lesen können. Hanjas sind meist auf Landkarten und die Schreibung von Personennamen beschänkt.
Heute (2001) beginnt der Unterricht mit Hanja in der siebten Klasse und endet mit der Abschlussklasse 12. Das Pensum an Hanja für die Schüler beträgt 1800 Schriftzeichen, etwa 100 Zeichen weniger als japanische Schüler (allerdings von der ersten bis zur neunten Klasse) zu lernen haben.
Aussprache
Es gibt meistens zwei Möglichkeiten, Hanja auszusprechen, entweder rein koreanisch (Hun 훈 bzw. 訓) oder sinokoreanisch (Eum 음 bzw. 音).
- Hun (훈 bzw. 訓) bedeutet Unterrichtung und bezieht sich auf die rein koreanische Aussprache eines Schriftzeichens.
- Eum (음 bzw. 音) bedeutet Laut. Gemeint ist der ursprüngliche chinesische Aussprache des jeweiligen Schriftzeichens.
Beispiel: Das Schriftzeichen 木 (= Baum; Radikal 75) wird koreanisch namu (나무) ausgesprochen. Die sinokoreanische Aussprache ist aber mok (목). Um Missverständnisse durch die Homophonie in der koreanischen Sprache zu vermeiden, kann das Schriftzeichen 木, wenn es isoliert steht, namu mok (나무 목) gelesen werden.
Verweise
Kanji - Hangeul - On-Lesung - Kun-Lesung
Kategorie:Koreanische Schrift
ja:韓国における漢字
ko:한국어의 한자
Han-Dynastie
Die Han-Dynastie () regierte das Kaiserreich China von 206 v. Chr. bis 220 n. Chr.. Man unterscheidet zwischen der Periode der Frühen Han (202 v. Chr. - 6/8 n. Chr.) und der Späten Han (23/25 - 220), unterbrochen durch die Herrschaft des Wang Mang.
Der Sturz der vorangegangenen Qin-Dynastie geschah durch mehrere gleichzeitige Bauernaufstände, die sich gegen die gnadenlose Unterdrückung richteten. (Anfangs sollte eine Gruppe von 900 Arbeitern hingerichtet werden, die aufgrund von starken Regenfällen zu spät zur Arbeit an der Großen Mauer kam. Die Betreffenden erhoben sich und hatten in wenigen Tagen eine Armee von 300 000 Mann... )
Unter den Anführern dieser Aufstände setzte sich der kleine Beamte Liu Bang durch. Sein Rivale war der kriegswütige Adlige Xiang Yu aus Tschu (232-202 v. Chr.) gegen den er seit 206 v. Chr. umsichtig und letztlich erfolgreich kämpfte. Als Xiang Yu fiel, wurde er Kaiser. Liu Bang (Kao-ti) ließ als Kaiser den Verwaltungsapparat der Qin-Dynastie weiterbestehen und hielt an der Mehrzahl ihrer Gesetze und Verordnungen fest, sogar dem Bücherverbot.
Die Bevölkerung wurde in 24 Rangstufen (jue) eingeordnet, man konnte gegen besondere Leistungen (Krieg, Steuer, Bestechung) befördert als auch bei Strafen degradiert werden. Die Leistungen an den Staat bestanden aus Kopfsteuer, Fronarbeit und Militärdienst. Es kam zu Bevölkerungsumsiedlungen, um die Grenze zu verteidigen, Land urbar zu machen und die Ballungsgebiete zu entlasten.
Der Verwaltungsapparat war wie zuvor dreigeteilt: zivile Angelegenheiten, militärische Angelegenheiten und Inspektion/Kontrolle. Das betraf sowohl die Hauptstadt, die Provinz (wo man in Kommandanturen jun und Präfekturen
xian unterschied) als auch die Lehen, die zunächst noch der kaiserl. Familie und verdienten Generälen überlassen wurden.
Zur Zeit der Qin- und der Han-Dynastie wurde im Kaiserreich China die Macht der Lehnsträger, d.h. des Adels beseitigt und das Lehnswesen (vgl. Lehen) abgeschafft. Das Reich wurde endgültig zentralisiert, in Provinzen gegliedert und durch einen Beamtenapparat verwaltet. Eine dagegen aufbegehrende Revolte der "Sieben Königreiche" d.h. alter Lehnsträger wurde 154 v. Chr. zerschlagen.
Dazu kam die Abwehr der Gefahr durch die Hsiung-nu unter Kaiser Wu-ti (119 v. Chr. verlust- und siegreicher Feldzug an den Orchon in der Mongolei). Ferner erweiterte sich China südwärts, d.h. durch Unterwerfung der Volksgruppen im Süden (111 v. Chr. Eroberung von Kanton), wodurch die Bevölkerung Chinas anwuchs. China war zu dieser Zeit durchaus auf Eroberungen konzentriert, was der verbreiteten Meinung vom "friedlichen" China widerspricht.
Kulturelle und wirtschaftliche Expansion
Die Han-Dynastie verzeichnet auch eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte. Die Lehren des Konfuzius wurden staatlich anerkannt, auch wenn zunächst der Daoismus dominierte. Ferner hielt der aus Indien stammende Buddhismus seinen Einzug in China. Um 65 v. Chr. bemühte man sich erfolgreich um die Wiederherstellung der 213 v. Chr. verbrannten und verlorengegangenen Literatur. Auch die chinesische Gartenkultur entwickelte sich maßgeblich weiter.
Die Wirtschaft erlebte einen Aufschwung, erkennbar durch explodierenden Seiden-, Lack- und Jadeexport und eine Vielzahl von Erfindungen (Stahlerzeugung, Fallschirm, Dezimalbruch, Schiffsruder, Handkurbel, Messschieber, Schubkarre, Kettenpumpe, Hängebrücke, Tiefenbohrung nach Erdgas, Rotationsworfelmaschine, Drillmaschine, Papier, Wassermühle, Seismograph u.a.). Der heimlich ausgeführte chinesische Stahl z.B. wurde sogar bei den Römern als serisches Eisen gelobt.
Die wichtigen Wirtschaftszweige Eisen und Salz waren gut ein Jahrhundert lang Staatsmonopole (seit 117 v. Chr.). Es gab allerdings auch private Unternehmen von reichen Kaufmannsfamilien, z.B. auf dem ebenso bedeutsamen Gebiet der Seidenproduktion. Die chin. Beamten bemühten sich ferner, die Anbauflächen zu vergrößern, intensiver zu bewirtschaften und die Nomadenstämme an den Grenzen zum Ackerbau zu überreden.
Die wachsende Wirtschaftskraft Han-Chinas und seine politisch-militärische Expansion begünstigten den Handelsverkehr zwischen den chinesischen Ländern und diversen Regionen Asiens. Konkret breitete sich Han-China im Rahmen des Krieges mit den Hsiung-nu und ihren Vasallen (102/101 v. Chr. und 73 - 94, letzteres unter General Pan Chao) entlang der Seidenstraße aus. Dem folgte eine Ansiedlung chinesischer Soldaten (die sich hier als Bauern in sogenannten Militärkolonien tuntian selbst versorgten) und ein Strom von Zwischenhändlern in diese Region. Die Loyalität der besiegten Nomaden erkaufte man sich mit umfangreichen Geschenken, die über 1/6-tel der Gesamteinkünfte Chinas (einschließlich der des Kaisers) ausmachten.
Eine ähnliche Expansion vollzog sich in den Tropen-Gebieten, wo man über Kanton und Nordvietnam die Anbindung an den indo-iranischen Seehandel schaffte. Es entstanden erste Kontakte Han-Chinas nach Persien und sogar zum Römischen Reich. So tauchten Gesandte der Römer (Land "Da Qin") erstmals zur Zeit von Marc Aurel in China auf (166, dann 226, 284). Indische Gesandtschaften erreichten zwischen 89 und 105 den Hof, für 132 erwähnte man offizielle Beziehungen nach Java.
Zwischenperiode der Wang
Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Erfolge wurden im Laufe der Zeit reiche Provinzfamilien immer einflussreicher, insbesondere wenn sie die Landwirtschaft mit industriellen Unternehmungen und Handel kombinieren konnten. Eine Familie namens Zhuo in Chengdu beschäftigte z.B. 800 Handwerkssklaven (Eisen, Lacke, Textilien), betrieb Salzhandel und besaß riesige Ländereien.
Unnötig zu erwähnen, dass dieser wirtschaftliche Erfolg über Darlehen und Wucherzinsen zur Enteignung der kleinen Bauern führte, was auch die hohe Zahl von "Sklaven" (u.a. Strafverurteilte und zahlungsunfähige Schuldner) erklärt. Kaufleute stellten ihren Reichtum offen zur Schau, so dass es zeitweise Verbote hagelte. Als das nichts half, erhob man Abgaben auf Schiffe und Wagen und führte o.g. Staatsmonopole ein. Trotzdem geriet das gesellschaftliche Gleichgewicht durcheinander, was sich zur Regierungszeit des Wang Mang (reg. 6-23) im Bürgerkrieg entlud.
Der Sturz der Frühen Han-Dynastie vollzog sich durch die Familie Wang, d.h. die einer Kaiserin. Deren Neffe Wang Mang riss mit ihrer Erlaubnis die Regierung an sich und ernannte sich im Jahr 6 schließlich selbst zum Kaiser. Er wurde durch den gleichzeitigen Bauernaufstand der "Roten Augenbrauen" und dreier Han-Prinzen 23 gestürzt. Von den Han-Prinzen bestieg Liu Xiu (Kaiser Guang Wu) in mehreren Kämpfen 25 den Thron und begründete die Späte Han-Dynastie.
Die Thronbesteigung der Späten Han löste die angesammelten Probleme nicht, sie vertagte sie nur. Im Prinzip waren es die Großgrundbesitzer, welche die Späten Han-Kaiser unterstützten, während die Frühen Han noch die Kleinbauern als Gegengewicht zu den Lehensträgern und reichen Familien benutzt hatten.
Zur Zeit der Späten Han kam es zu zunehmenden Bevölkerungsverschiebungen von Norden nach dem Roten Becken in Szechuan und dem Yangtse. Der Grund waren die Unruhen unter den ehemaligen Nomaden (Süd-Hsiung-nu, Proto-Tibeter) - um 107 erwog man schon einen allgemeinen Rückzug im Nordwesten. Die so entwurzelten Bauern und ehemaligen militärischen Siedler waren auf Landsuche, vermehrten die Arbeitskräfte im Süden und wurden von den reichen Großgrundbesitzern abhängig, die riesige Vermögen anhäuften und eigene Milizen aufstellten.
Der Untergang der Späten Han-Dynastie kam zur Regierungszeit von Kaiser Ling-ti (168-189) zunächst mit Unruhen und Banditentum. Dann brach 184 unter den Zhang-Brüdern der religiös-soziale Bauernaufstand der "Gelben Turbane" aus, deren Armee sofort 360 000 Mann umfasste. Er führte zum Machtzuwachs der Soldateska und somit 189 indirekt zum Staatsstreich. Dazu gesellte sich die sozial-religiöse Bewegung "Fünf-Reisscheffel" des Zhang Daoling, die ab 190 ebenfalls ein unabhängiges Territorium kontrollierte.
Unter dem letzten Han-Kaiser Xian-Di (190-220) herrschte bereits entsetzliche Anarchie, so dass sich General Cao Cao 196 der Person des Kaisers bemächtigte und das Reich durch ein Bündnis mit den Süd-Hsiung-nu zu retten versuchte, während sich andere Generäle für unabhängig erklärten und unter der Beratung von Zhuge Liang gegen Cao Cao antraten. Als Cao-Cao kurz vor seiner eigenen Thronbesteigung starb, dankte Xian-Di ab. Die Zeit der drei Reiche begann.
Verweise
- Kaiser der Han-Dynastie
- Gesellschaft zur Zeit der Han-Dynastie (Theorien über die Entstehung der Eigenart der chinesischen Gesellschaft)
- Zeittafel China
- Gartenkunst in China
- Westliche Han-Dynastie
- Östliche Han-Dynastie
Weblinks
- [http://www.sino-liedtke.de/Chin__Geschichte/Han_Dynastie/han_dynastie.html Texte über die Han-Dynastie]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/han.html Text über die frühen Han]
- [http://www.jaduland.de/asia/china/text/han1.html Text über Wang Mang und die späten Han]
- [http://www.uglychinese.org/han.htm Englisch geschriebene Ostasienseite]
Han
ja:漢
ko:한나라
Chinesische SchriftDie chinesische Schrift (Kurzzeichen 汉字, Langzeichen 漢字, chin. hanzi, kor. hanja, jap. kanji ) ist das in China genutzte Schriftsystem. Die chinesische Schrift besteht aus Logogrammen, das heißt, dass jedes Zeichen für ein Wort oder Bedeutungselement steht. Die Schrift wurde auch von anderen ostasiatischen Völkern übernommen.
Logogramm (rechts)]]
Geschichtliches
Historie bis zur Volksrepublik China
Logogramm
Die chinesische Schrift ist über 3.000 Jahre alt. Die ältesten bisher gefundenen chinesischen Schriftzeichen sind in Rinderknochen (vor allem in das Schulterblatt, sogenannte Orakelknochen) und Schildkrötenpanzer (zum Weissagen der Jagd etc.) eingeritzte [http://www.um.u-tokyo.ac.jp/DM_CD/DM_CONT/KOKOTSU/HOME.HTM Bildzeichen] aus der Zeit um 1400 v. Chr., die 1899 in Anyang entdeckt wurden. Man geht davon aus, dass zum damaligen Zeitpunkt bereits 5.000 verschiedene Zeichen existierten.
Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends entwickelte sich die Bilderschrift zu einer verkehrsfähigen Schrift, die in der Lage war, Syntax und Semantik einiger der damaligen Sprachen im Raum der heutigen Volksrepublik China vollständig abzubilden. Mit der chinesischen Reichseinigung unter dem ersten Kaiser Qin Shi Huangdi (秦始皇帝) ca. 200 v. Chr. fand eine große Schriftvereinheitlichung statt.
Im Zusammenspiel mit dem seit der Reichseinigung (Qin-Dynastie) 200 v. Chr. etablierten Beamtenstaat wurde die chinesische Schriftsprache durch ihre Verwendung im gesamten Einzugsbereich des chinesischen Kaiserreiches zur Lingua franca, die die verschiedenen chinesischen Sprachgemeinschaften miteinander verband und eine relative Geschlossenheit des chinesischen Kulturraums ermöglichte.
In China mussten Politiker und Beamte bis ins 20. Jahrhundert hinein gute Literaten sein, wenn sie Einfluss gewinnen wollten – und nicht, wie im Westen, gute Redner. An vielen Stellen wird beschrieben, wie groß die Enttäuschung bei vielen Chinesen war, als sie Politiker wie Mao Zedong oder Deng Xiaoping zum ersten Mal sprechen hörten.
Entwicklungsstufen
Schriftreform in der Volksrepublik China
Im Jahre 1955 fand in der Volksrepublik China eine umstrittene Schriftreform statt, in deren Verlauf die Schreibrichtung von links nach rechts (statt von oben nach unten) eingeführt wurde und eine starke Vereinfachung der am meisten gebrauchten Schriftzeichen vorgenommen wurde. Dabei wurde auch auf eine große Zahl von Schreibungen zurückgegriffen, die schon bei handschriftlich verfassten Texten verwendet wurden. Beispiele für diese Vereinfachungen sind 图 für 圖 (tu, Karte), 龙 für 龍 (long, Drache) und 单 für 單 (dan, einzeln). Methoden der Vereinfachung waren beispielsweise die Verbindung von Punkten zu Linien(馬 ma, Pferd, wurde zu 马), das Weglassen von Strichen bzw. Punkten (爲 bzw. 為 wei, tun, wurde zu 为) oder das Zusammenfassen von zwei oder drei Langzeichen zu einem Kurzzeichen (復 und 複 fù wurden zu dem vereinfachten Zeichen 复 zusammengefasst).
Parallel zu den reformierten Kurzzeichen werden die traditionellen Langzeichen jedoch bis heute teilweise verwendet und kehren seit den zunehmenden Lockerungen in der Volksrepublik immer mehr in den Alltag zurück. Dennoch ist es für einen durchschnittlich gebildeten Chinesen nicht möglich, die Langzeichen alter Texte, die nicht übertragen wurden, zu lesen.
In Taiwan, Hongkong und Macao wurde die Tradition des Schreibens mit Langzeichen bis heute beibehalten und ist auch bei Überseechinesen verbreitet. So blieb die symbolische Bedeutung der Zeichen und Radikale erkennbar. In handschriftlichen Texten sind jedoch traditionell eine ganze Reihe von Kurzschreibungen gängig, die zum Teil den Kurzzeichen der Volksrepublik China entsprechen.
Chinesische Schrift außerhalb Chinas
Im Rahmen des Kulturtransfers, der Eroberung und der Missionierung durch den Buddhismus gelangten die chinesischen Schriftzeichen im Laufe der Jahrhunderte z. B. auch nach Korea, Japan und Vietnam.
In Japan, wo auch heute noch chinesische Schriftzeichen, Kanji genannt, verwendet werden, z.T in japanischen vereinfachten Varianten der Langzeichen, wurden die chinesischen Zeichen, durch Eigenentwicklungen (sog. 国字 ) und die aus chinesischen Zeichen entstandenen Silbenschriften Hiragana und Katakana ergänzt.
In Korea wurde zunächst nur mit chinesischen Zeichen geschrieben. Im Jahr 1446 führte man parallel dazu die neu entwickelte, Phonem-basierte Schrift Hangeul ein. In Südkorea wird bis heute in manchen Druckwerken ein gemischtes System aus chinesischen Zeichen (dort Hanja genannt) und Hangeul verwendet, in Nordkorea wurden im Rahmen einer Schriftreform die chinesischen Zeichen wieder abgeschafft.
Auch in Vietnam verzichtete man ab dem Ende der französischen Kolonialherrschaft auf die chinesische Schrift; hier wurde sie durch eine um diverse diakritische Zeichen ergänzte Lateinschrift ersetzt. Siehe dazu: Vietnamesische Sprache.
Systematik
Vietnamesische Sprache
Das älteste Lexikon für chinesische Schriftzeichen ist das Shuowen Jiezi (说文解字/說文解字, dt. Erklärung der einfachen Zeichen und Erläuterung der zusammengesetzten Zeichen) aus dem Jahr 121 n. Chr.. Die Schriftzeichen sind dort nach einem System von Elementarzeichen, den sog. Radikalen, eingeteilt.
Diese Klassifizierung der Schriftzeichen nach Radikalen hat sich bis heute erhalten. Die Anzahl der Radikale, die im Shuowen jiezi noch 512 betrug, wurde jedoch immer weiter reduziert, so dass die heute am weitesten verbreitete Liste traditioneller Radikale 214 Klassenzeichen verwendet. Diese Einteilung wurde vor allem durch das Kangxi Zidian (康熙字典, Kangxi-Wörterbuch) aus dem Jahre 1716 unterstützt, das bereits ca. 49.000 Schriftzeichen enthält. Wörterbücher für vereinfachte Schriftzeichen verwenden eine andere Anzahl an Radikalen, oftmals sind es 227 Radikale.
Für eine systematische Anordnung der chinesischen Wörter in Telefonbüchern und allgemeinen Lexika (im Gegensatz zu speziellen Schriftzeichen-Lexika) wird heute meist die Anordnung entsprechend der Pinyin-Umschrift verwendet. (Im Koreanischen und Japanischen werden die Wörter dagegen entsprechend ihrer Umschrift in die Silbenalphabete angeordnet.)
Das [http://kanji-database.sourceforge.net/ Kanji-Database-Projekt] versucht gegenwärtig, die in Unicode 3.1 festgelegten 70.000 Zeichen mit den 90.000 Zeichen der [http://www.mojikyo.org/html/abroad/abroad_top.html Mojikyo-Fonts] zu vereinen.
Die Schrift im Einzelnen
Einteilung der Schriftzeichen
Schriftzeichen werden in China in sechs Kategorien (六书/六書 liùshū) eingeteilt:
#象形 (Xiàngxíng, dt. Bildzeichen) – Piktogramme, die das Bezeichnete entsprechend der Erscheinungsform wiedergeben (z. B. 山 für Berg).
#指事 (Zhǐshì, dt. auf Tatbestände deuten) – Symbole, Ideogramme.
#会意/會意 (Huìyì, dt. Vereinigung der Bedeutungen) – Zeichen, die aus zwei oder mehr Zeichen mit verschiedenen Bedeutungen zusammengesetzt sind und deren Inhalt mit dem neuen Gesamtinhalt zusammenhängt.
#形声/形聲 (Xíngshēng, dt. Form und Ton) – Zeichen, die aus einem laut- und einem bedeutungsandeutenden Zeichen zusammengesetzt sind (Phonogramme). Ein Beispiel dafür ist das Zeichen 媽 (mā, Mutter). Die rechte Komponente 馬 (mǎ, Pferd) gibt die Aussprache an, während die linke Komponente 女 (nü, Frau) den Hinweis auf die Bedeutung gibt. Die bedeutungstragende Komponente ist oft auch das Radikal, nach dem die Zeichen in Wörterbüchern angeordnet werden.
#转注/轉注 (Zhuǎnzhù, dt. wenden und gießen) – Synonyme.
#假借 (Jiǎjiè, dt. unter falschem Namen) – Zeichen, die wegen gleichen Lauts für eine andere Bedeutung verwendet werden.
Etwa 90% Prozent aller chinesischen Schriftzeichen fallen als Phonogramme in die Gruppe 4 (形聲 Xingsheng).
Bedeutung einzelner Schriftzeichen
In ihrer langen Entstehungsgeschichte haben die meisten Schriftzeichen eine ganze Reihe verschiedener Bedeutungen angenommen. Hierzu zwei Beispiele:
傳 (chuán, zhuàn):
- weitergeben, weiterschicken (chuán)
- lehren, unterrichten, beibringen (chuán)
- verbreiten, sich ausbreiten (chuán)
- übertragen, leiten (Elektrizität, Wärme) (chuán)
- rufen, vorladen (chuán)
- Kommentar zu klassischen Werken, Biografie, historischer Roman (zhuàn)
道 (dào):
- Weg, Straße
- Wahrheit, Doktrin, Lehre, Prinzip
- Taoismus
- Regierungsbezirk, politische Unterabteilung einer Präfektur
- Zähleinheitswort, z. B. 一道光 (yī dào guāng, dt. ein Lichtstrahl)
- führen, leiten
- sprechen, sagen, Wörter
- rein phonetische Verwendung (z. B. bei der Transkription der dt. Stadt Landau als Lang-dao)
Dies stellt eine der großen Schwierigkeiten bei der Lesung und Übersetzung von alten Texten dar.
Da die chinesische Sprache über sehr viele Homophone verfügt, sind in vielen Fällen die Zeichen bessere Hinweise auf die Bedeutung als eine rein phonetische Wiedergabe. Einen antiken Text im klassischen Schriftstil nur aufgrund einer phonetischen Wiedergabe zu verstehen, ist praktisch unmöglich, und war von den antiken Autoren auch gar nicht vorgesehen; der Schriftstil unterschied sich merklich von der damals gesprochenen Sprache.
Wörter
Chinesische Wörter setzen sich zumeist aus mehreren Zeichen zusammen. Ursprünglich bestanden im klassischen antiken Chinesisch, vor allem in der Schriftsprache, die meisten Wörter aus nur einem oder zwei Zeichen. Die zunehmende Verlängerung der Wörter hat sich im 20. Jahrhundert seit der Gründung der Republik jedoch immer mehr verstärkt.
Anzahl der Schriftzeichen
Ein durchschnittliches chinesisches Wörterbuch listet etwa 10.000 Zeichen auf, das bisher umfangreichste Wörterbuch Zhōnghuá Zìhǎi 中华字海 aus dem Jahr 1994 enthält rund 87.000 verschiedene Schriftzeichen und Varianten. Die Mehrzahl dieser Zeichen kommt nur in alter Literatur, in geographischen Bezeichnungen oder in Dialekten vor oder es handelt sich um Varianten. Das Zeichen 浬 li, Seemeile, beispielsweise wird heute meist durch 海里 haili ersetzt. Manche Schriftzeichen kommen nur in einem einzigen Kontext vor. Das Schriftzeichen 崁 kan z. B. wird nur für die Festung Chikanlou 赤崁樓 in Tainan auf Taiwan verwendet, das Zeichen 壢 lì nur im Namen der taiwanischen Stadt 中壢 Zhongli.
Die Liste der gebräuchlichen chinesischen Schriftzeichen des taiwanischen Erziehungsministeriums (常用國字標準字體表)
führt 4808 Zeichen auf.
Das Anspruchsniveau "Chinesischer Wortschatz und Chinesische Schriftzeichen" (汉语水平词汇与汉字等级大纲) für Chinesisch als Fremdsprache verzeichnet für Stufe A 800 Zeichen, für die Stufe B weitere 804 Zeichen, für die Stufe C weitere 601 und für die Stufe D weitere 700 Zeichen. Das macht in der Summe 2905 Zeichen.
Die Liste des japanischen Erziehungsministeriums umfasst 1945 gebräuchliche Kanji (常用漢字 jōyō kanji), die in der Grund- und Mittelschule unterrichtet werden. Daneben gibt es eine staatliche Liste der Zeichen für geographische Namen und Personennamen (jinmeiyō kanji 人名用漢字), die 2928 Zeichen umfasst.
Die Schüler an den Mittel- und Oberschulen in Korea lernen 1800-2000 chinesische Zeichen.
Schriftmedien
Die Chinesen verwenden Pinsel und schwarze und rote Tusche, um ihre Schriftzeichen auf Papier und Seide zu kalligrafieren. Siegelabdrücke waren schon lange vor dem 14. Jahrhundert bekannt. Die vier Schätze des traditionellen Gelehrtenzimmers waren Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier.
Im modernen Alltagsgebrauch wird mit den auch im Westen üblichen Schreibgeräten geschrieben; im Schreibunterricht in den Grundschulen Taiwans meist mit Bleistift in besonderen Schreibheften mit quadratischen Schreibfeldern.
In den Firmen werden heute chinesische Schriftzeichen meist auf dem Computer mit moderner Textverarbeitung unter Zuhilfenahme verschiedener Eingabesysteme geschrieben.
Drucksatz
Beim Druck chinesischer Texte werden alle Zeichen, einschließlich der Satzzeichen, in gleich große, ungefähr quadratisch gedachte Kästchen gesetzt. Verschieden breite Zeichen, wie etwa das lateinische m gegenüber dem i, gibt es somit nicht. Um auch die Details der kompliziertesten Zeichen mit 20 oder mehr Strichen noch erkennen zu können, darf die Schrifttype insgesamt nicht zu klein gewählt werden. Bei selteneren Zeichen wird oft daneben oder darüber sehr klein die Aussprache angegeben (durch Bopomofo, in der VR China bis 1956 und in Taiwan bis heute, oder durch Furigana, in Japan).
Leerzeichen zwischen Wörtern sind in der chinesischen Schrift unüblich. Dadurch gibt es keine klare Abgrenzung des Begriffs "Wort" in den Sprachen, die die chinesische Schrift verwenden. Oft sind sich sogar Muttersprachler nicht einig darüber, ob ein bestimmtes Element in einem Satz z. B. eine Endung oder ein eigenes Wort ist.
Eine Textzeile wird, sobald sie voll ist, an einer beliebigen Stelle umgebrochen; Trennungsregeln gibt es nicht. Nur unmittelbar vor einem Satzzeichen wird nicht getrennt, in diesem Fall wird ein Zeichen in die nächste Zeile "mitgenommen".
Schreibrichtung
Endung
Die Schreibrichtung der chinesischen Schrift war in der vormodernen Zeit in der Regel senkrecht von oben nach unten, und die daraus entstehenden Spalten waren von rechts nach links angeordnet.
Seit der Schriftreform wird in der VR China in Büchern meistens wie bei europäischen Büchern in Zeilen von links nach rechts und mit von oben nach unten angeordneten Zeilen geschrieben.
In Taiwan gedruckte Bücher literarischen Inhalts werden jedoch nach wie vor von oben nach unten gelesen. Für Zeitungen und Zeitschriften sowie Sachtexte und Fachbücher gilt das jedoch nur bedingt. In Anzeigen, und häufiger auch in der Werbung, wird, wenn im Text auch westliche (Marken-)namen auftauchen, die Schreibweise von links nach rechts verwendet. Bei Kalligraphie und Gedichten gibt es fast nur die Schreibrichtung von oben nach unten.
In Japan findet man beide Varianten, wobei literarische Texte eher in Spalten, Sachtexte eher in Zeilen gedruckt werden. In Zeitungen wird beides vermischt verwendet, wodurch sich mehr Möglichkeiten für ein ansprechendes Layout ohne extrem kurze Zeilen (bzw. Spalten) ergeben.
Von oben nach unten gedruckte Bücher, also in Taiwan gedruckte und die meisten japanischen, werden aus europäischer Sicht auf der "falschen" Seite, also "hinten" geöffnet. Blickt man auf die Titelseite, so ist der Buchrücken also rechts und nicht wie in Europa links. Bücher, bei denen die Schriftzeichen von links nach rechts angeordnet sind, haben die Titelseite auf der für uns gewohnten Seite und werden wie europäische Bücher geöffnet und gelesen.
Inschriften über Portalen und Türen sind in der VR China häufiger von rechts nach links geschrieben. In Japan sind Portalüberschriften eher - so wie in Europa - in Zeilen von links nach rechts, bei Tempeln und Schreinen allerdings fast ausschließlich traditionell von rechts nach links geschrieben. In Taiwan laufen die Inschriften über Tempeltoren und Altären von rechts nach links.
Interpunktion
Die Interpunktion (标点/標點 biāodiǎn) in ihrer heutigen Form wurde durch den Kontakt mit dem Westen erst nach und nach im 20. Jahrhundert eingeführt. Allerdings sind schon bei den frühgeschichtlichen Knocheninschriften eingeritzte Striche zu erkennen, die wahrscheinlich zur Abgrenzung semantischer Einheiten dienten. In antiken chinesischen Texten war Interpunktion unüblich, die Leser konnten die Pausen (读/讀 dòu) selbst in die Texte schreiben. Diese bestanden meistens aus einem kleinen Kreis " 。" (圈 quān) oder aus einem Punkt (点/點 diǎn). Der Vorgang des Hineinschreibens der Interpunktion in den Text wird seit der Han-Zeit als 句读/句讀 (jùdòu, dt. Satzzäsur) bezeichnet. Große Gelehrte konnte man an der souveränen Art ihrer Interpunktionssetzung erkennen. Noch heute findet man z. B. in taiwanesischen Buchhandlungen Ausgaben von Klassikern, in denen die Zeichensetzung berühmter Gelehrter notiert ist.
Seit September 1951 ist die Interpunktion in der Volksrepublik China amtlich geregelt. Nach dem Stand von 1990 gibt es 16 Interpunktionszeichen, die überwiegend den im Westen gebräuchlichen entsprechen und ähnlich verwendet werden.
Besonders sind der den Satz abschließende Punkt " 。" (句号/句號 jùhào, siehe auch den "Kreis" oben) sowie das Aufzählungen gliedernde "liegende" Komma " 、"(顿号/頓號 dùnhào).
Kalligrafie
Hauptartikel: Chinesische Kalligrafie
Chinesische Kalligrafie
Die Kalligrafie ist eine in China hochangesehene Kunst. Hierbei werden mit einem Pinsel die Zeichen schwungvoll zu Papier gebracht. Diese Schriftzüge gelten genauso als Kunstobjekte wie z. B. Malereien. Es ist in der chinesischen Malerei sogar üblich, Schriftzeichen in das Bild zu integrieren; buddhistische Mandalas werden im chinesischen Kulturraum, anders als in Südasien, eher mit Schriftzeichen als mit bildlichen Darstellungen gestaltet.
In Japan wurde im Gegensatz zu China nach dem Grundprinzip Wabi-Sabi oft ein nicht im klassischen Sinne schönes, sondern bewusst "rohes" und unfertiges Aussehen angestrebt.
Kalligrafische Kunstwerke zieren häufig als paarige senkrechte Schrifttafeln und waagerechte Namensschilder den typischen chinesischen Garten. Sie sind von den Gartenbauten fast nicht zu trennen und bilden wichtige Schmuckelemente im chinesischen Landschaftsgarten. Der Inhalt der Tafeln und Schilder ist im allgemeinen auf die Umgebung der Gebäude bezogen. Häufig handelt es sich um Zeilen aus berühmten Gedichten, in denen Besonderheiten der Szenerie angedeutet sind.
Ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte die Kalligrafie zusammen mit anderen Kunstformen in der Tang-Dynastie (618-907). Die Kunstwerke der damaligen berühmten Kalligrafen - etwa von Wang Xizhi, Yan Zhenqing, Ou Yangxun und Liu Zongyuan - werden bis heute als unbezahlbare Schätze betrachtet.
Der Wert des 'Schönschreibens' wird in China sehr hoch angesetzt. Das erkennt man etwa daran, dass die Republik China in Taiwan bei den offiziellen Biografien ihrer bisherigen Präsidenten kalligrafische Arbeiten von diesen mit angibt ([http://www.president.gov.tw/1_roc_intro/e_xpresident/e_sun_writting.html hier] z. B. für Sun Yat-sen).
Lautumschriften
Zur besseren Handhabung der chinesischen Schriftzeichen wurden mehrere Lautumschriften entwickelt. Neben einigen an der Sprache des jeweiligen Übersetzers orientierten Sonderformen (vor allem in den anderen ostasiatischen Sprachen) sind heute für Mandarin vor allem drei Systeme gebräuchlich: Die Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte lateinische Umschrift von Wade-Giles, die nichtlateinische Umschrift Zhuyin, die in Taiwan noch üblich ist, und das mit der Vereinfachung der Zeichen in der VR China eingeführte lateinbasierte Pinyin, das sich international zunehmend als Standard durchsetzt. Durch die vielfältigen Systeme kommt die teilweise vorhandene Uneinheitlichkeit der Lautumschrift zustande (z. B. Mao Zedong und Mao Tse-Tung oder Beijing und Peking).
Für andere chinesische Sprachen, wie beispielsweise Kantonesisch, werden ebenfalls Lautumschriften entwickelt, diese sind jedoch bisher weniger ausgereift als die Mandarin-Systeme.
Magie
Der chinesischen Schrift wird eine gewisse magische Kraft zugeschrieben. So werden bis heute in China , Korea und Japan magische Sprüche auf Papierstreifen geschrieben und diese dann als Amulette benutzt (z.B. Bujeok in Korea und Ofuda in Japan). Sie sollen beispielsweise Schutz vor Dämonen bewirken oder Glück bringen.
Oft sind diese Zeichen in einer speziellen "Geisterschrift" verfasst, die nur eine gewisse Ähnlichkeit mit chinesischen Schriftzeichen hat.
Referenzen
Literatur
- Eugen Feifel, Geschichte der chinesischen Literatur. Georg Olms Verlag, Hildesheim, Zürich, New York, 1982, ISBN 3-487-00094-6
- Endymion Wilkinson, Chinese History - A Manual. Harvard-Yenching Institute Monograph Series, 52, Harvard University Press, Cambrigde (Massachusetts) und London, 2000, ISBN 0-674-00247-4
- Li Leyi, Entwicklung der chinesischen Schrift am Beispiel von 500 Schriftzeichen. Verlag der Hochschule für Sprache und Kultur Beijing, Peking, 1993, ISBN 7-5619-0206-9
- Edoardo Fazzioli, Gemalte Wörter. 214 chinesische Schriftzeichen - Vom Bild zum Begriff. Marix Verlag, Wiesbaden, 2004, ISBN 3-937715-34-7
- Bernhard Karlgren, Schrift und Sprache der Chinesen. 2. Aufl., Springer 2001, ISBN 3-540-42138-6
- Wang Hongyuan, Vom Ursprung der chinesischen Schrift. Sinolingua, Beijing 1997, ISBN 7-80052-328-4
Weblinks
- [http://www.uni-mainz.de/~guder Deutschsprachige Site mit Daten und Links zur Erforschung der chinesischen Schrift (Sinographemik) und ihrer Didaktik für alphabetschriftliche Lerner]
- [http://www.chinaseite.de/Chinesische_Zeichen.463.0.html Artikel über chinesische Zeichen und die chinesische Schrift]
- [http://www.chinaknowledge.de/Literature/script.html Artikel auf Chinaknowledge] (englisch)
ja:漢字
ko:한자
BuchstabenschriftAls alphabetische Schrift oder Buchstabenschrift bezeichnet man ein Schriftsystem, dem die Phoneme (Laute) einer Sprache als diskrete Zeicheneinheiten zugrunde liegen. Diese Einheiten - meist handelt es sich um etwa 20 bis 40 verschiedene Zeichen - werden als Buchstaben bezeichnet. Sie haben keine semantische Bedeutung und lassen sich in ihrer Gesamtheit in einem Alphabet zusammenfassen.
Jede alphabetische Schrift ist eine phonographische Schrift, deren Prinzip besonders streng von der Lautschrift vertreten wird: ein Zeichen bezeichnet einen Sprachlaut. Den Gegensatz dazu bilden die Silbenschriften, die auf visualisierten Silben (Lautkombinationen) basieren, und die logographischen Schriften, die Zeichen für semantische Einheiten (Begriffe, "Ideen") kennen.
Um etwa 1500 v. Chr. entwickelten im östlichen Mittelmeerraum die Phönizier dasjenige Alphabet, von dem alle späteren Alphabetschriften und mithin alle modernen europäischen Alphabete, einschließlich des griechischen, lateinischen und des kyrillischen, abstammen.
Geschichte und Entwicklung
Die frühesten Einritzungen, hinter denen nach Gimbutas und Haarmann eine Schrift im eigentlichen Sinne zu vermuten sein könnte, stammen aus der alteuropäischen Vinca-Kultur im Raum des heutigen Serbien; Charakter und Interpretation dieser Funde aus dem 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr. sind jedoch äußerst umstritten. Die ältesten nachweislichen Schriftfunde stammen aus den Tälern von Euphrat und Tigris (Mesopotamien); dabei handelt es sich zunächst um eine Bilderschrift (ab etwa 3500 v. Chr.) sowie eine Keilschrift, die auf Tontafeln festgehalten wurde:
: „Die ältesten Texte enthalten jeweils nur als Zahlzeichen erkannte Symbole, auf die immer nur wenige Zeichen folgen. Diese zeigen noch einen stark bildhaften Charakter: Jedes Zeichen repräsentiert eine vereinfache Darstellung eines gegebenen Gegenstandes, wobei komplizierte Bilder, wie etwa Menschen in bestimmten Haltungen, bewußt vermieden werden“ (Burkhard Kienast).
Etwas später, um 3200 v. Chr., entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift sowie um 1700 v. Chr. schließlich die phönizische Buchstabenschrift; hier wurden erstmals alle Einzelkonsonanten mit rund 30 Zeichen visualisiert.
Die alphabetische Schrift wurde zwischen 1500 und 1200 v. Chr. von den Phöniziern aus der ägyptischen hieratischen Schrift entwickelt; dabei entstand zunächst eine reine Konsonantenschrift. Die Struktur der semitischen Sprachen (Wort-Radikale aus drei Konsonanten) dürfte diesen Vorgang begünstigt haben.
Ab etwa 900 v. Chr. wurde die alphabetische Schrift von den Aramäern weiterentwickelt. Die Moabiter und palästinischen Phönizier fügten einige Vokalbuchstaben hinzu. Die Hebräer verfügten bereits über Pergament und Papyrus, daher konnten sie eine effizientere Schrift entwickeln (Innis).
Spätestens um 800 v. Chr. übernahmen die Griechen das Alphabet von den Phöniziern. Sie fügten Buchstaben für alle Vokale hinzu, d. h. in Griechenland entstand das erste vollständige phonetische Alphabet, das alle Konsonanten und Vokale visualisierte:
: „Die Griechen steuerten nicht die Vokale bei (ein verbreiteter Irrtum: Vokalzeichen waren bereits in Erscheinung getreten, etwa in der mesopotamischen Keilschrift und in der minoisch-mykenischen Linearschrift B, sondern erfanden den (reinen) Konsonanten. Und damit stellten sie der Menschheit zum ersten Mal eine visuelle Wiedergabe von Sprechgeräuschen zur Verfügung, die ebenso ökonomisch wie erschöpfend war: eine Elemententafel, deren Elemente sich zu unendlich vielfältigen Kombinationen gruppieren lassen, dass mit ziemlicher Genauigkeit jeder nur denkbare Sprachlaut repräsentiert werden kann“ (Als die Muse schreiben lernte).
Um 700 v. Chr. wuchs auch die Verbreitung von Münzen:
: „Die beiden größten Erfindungen des menschlichen Geistes sind die Schrift und das Geld – die Universalsprache des Verstandes und die des Eigennutzes“ (Mirabeau).
Die Öffnung der ägyptischen Häfen für die Griechen im Jahre 670 v. Chr. und die Gründung Naukratis 650 v. Chr. hatten den Zugang für Papyrus erleichtert, was zu einem explosionsartigen Anstieg von lyrischer Dichtung führte (Innis); nach Havelock blieb die Produktion von Texten dagegen bis zum 5. Jahrhundert bescheiden (Als die Muse schreiben lernte).
Zwischen 404 und 403 v. Chr. wurde in Athen das ionische Alphabet übernommen. Durch ein vereinfachtes, flexibles Alphabet und die Zunahme an Schreib- und Lesekundigen rückte logisches Denken und somit allgemeine Übereinkunft in den Vordergrund (Innis).
Eric A. Havelock:
: „Zweifellos hat unter allen Kommunikationssystemen des Menschen das griechische Alphabet eine beispiellose Effektivität bewiesen und eine einzigartige Ausbreitung erfahren“ (Als die Muse schreiben lernte).
Goody merkt dazu an:
: „Die Ursache für den Erfolg des Alphabets [...] hängt damit zusammen, dass seine graphischen Zeichen – und darin unterscheidet es sich von allen anderen Schriftsystemen – Repräsentationen des extremsten und universalsten Beispiels kultureller Selektion sind – des elementaren phonemischen Systems. Die menschlichen Sprechwerkzeuge können zwar eine riesige Zahl von Lauten erzeugen, doch beruhen fast alle Sprachen auf dem formalen Wiedererkennen von nur ungefähr vierzig dieser Laute durch die Mitglieder einer Gesellschaft. Der Erfolg des Alphabets (das gleiche gilt für einige seiner gelegentlichen Schwierigkeiten) gründet darin, dass sein System der graphischen Repräsentation sich diese in allen Sprachsystemen gesellschaftlich konventionalisierte Lautstruktur in allen Sprachsystemen zunutze macht, denn dadurch, daß das Alphabet diese ausgewählten phonemischen Elemente symbolisiert, wird es möglich, alles, worüber die Gesellschaft sprechen kann, ohne Mühe aufzuschreiben und die Schrift ohne Mehrdeutigkeiten zu lesen“.
Vorgeschichte
Die frühesten Zeugnisse einer Schrift werden allgemein den Sumerern (ca. 3500 v. Chr.) zugeschrieben. Sie benutzten logographische Zeichen und eine Keilschrift für Verwaltungszwecke. Bei den älteren Funden der Vinca-Zeichen handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine Schrift. Etwas später, um 3200 v. Chr. entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift.
Die Schwäche der bis um 1500 v. Chr. bekannten Schriftsysteme war ihre Kompliziertheit. Sie waren auf Grund der großen Zahl verschiedener Symbole schwer zu erlernen. Die Keilschrift umfasste bis zu 600 Zeichen, wovon die Hälfte als Silbenzeichen diente. Obwohl die Ägypter ebenfalls schon mit Silbenzeichen operierten, lösten sie sich nicht von den traditionellen Hieroglyphen, von denen zeitweise mehrere Tausend benutzt wurden. Sie verwendeten beides in Kombination.
Die Erfinder der Alphabetschrift
Von wem die erste rein alphabetische Schrift erfunden wurde, lässt sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen. Fakt ist, dass die meisten späteren Alphabetschriften auf die phönizische Schrift (1500 v. Chr.) zurückgehen. Es gilt auch als erwiesen, dass die Erfinder einer semitischen Sprache angehörten. Man spricht daher auch vom „nordsemitischen“ Alphabet.
Die Erfinder kannten die damals gängigen Schriftsysteme, die ihnen als Inspiration gedient haben mögen. So lassen sich Bezüge zur ägyptischen hieratischen Schrift, aber am Beispiel der ugaritischen Schrift auch zu Keilschriften herstellen.
Das erste bekannte Alphabet
Das Neue an dieser Schrift war die Reduktion der Bedeutung der Schriftzeichen auf kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten. Dadurch kam man mit einem vergleichsweise kleinem Satz von nur 22 Zeichen aus. Es wurden zunächst nur Konsonanten geschrieben. (Siehe Phönizisches Alphabet).
Die Formen der Zeichen stellten vereinfachte Abbildungen der mit den Buchstabennamen bezeichneten Gegenstände dar (nach dem Vorbild der Hieroglyphen). Einige Zeichen scheinen dieser These zu widersprechen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Formen möglicherweise Veränderungen erlitten haben und uns weder ihre anfängliche Gestalt noch ihre ursprünglichen Namen überliefert sind. Für einige Zeichen sind auch mehrere Namen belegt (z. B. Nun (Fisch) = Nachasch (Schlange)), was vermuten lässt, dass die Namen im Nachhinein, nach der Form der Zeichen vergeben wurden. Überhaupt darf man annehmen, dass bei der Entstehung eher Pragmatismus als Tradition bestimmend war.
Verwandtschaften
Spätere Alphabete lassen sich alle auf das nordsemitische zurückführen. Die Verwandtschaft offenbart sich dabei nicht so sehr durch die Formen der Zeichen – die können sogar sehr stark von einander abweichen. Denn man bedient sich aus praktischen Gründen der einfachsten Zeichen wie Strich, Kreis oder Punkt (oder man reduziert komplexere Zeichen auf diese). So sind zufällige Ähnlichkeiten zwischen Systemen verschiedener Kulturkreise und Epochen sehr wahrscheinlich. Besseren Aufschluss über die Verwandtschaft geben dagegen die Reihenfolge der Buchstaben in Aufzählungen und ihr Gebrauch in Schriftzeugnissen. Man geht allgemein davon aus, dass alle späteren Alphabete Modifikationen bzw. Nachahmungen des phönizischen Alphabetes sind. Vereinzelt anders lautende Meinungen konnten sich nicht durchsetzen (siehe z. B. Vinca-Schrift, Indus-Schrift).
Die Erfindung setzt sich durch
Semitische Alphabete
Von dem gemeinsamen Vorbild aus entwickelten sich mehrere „altsemitsiche“ Alphabete.
Zum einen die eigentlich phönizische Schrift (Inschriften von Zypern, Malta, Carpentras und auf phönizischen Münzen, nur Konsonanten, mit oder ohne Worttrennung), davon die samaritanische und die altgriechische Schrift. Dann die phönizisch-ägyptische Schrift (auf Mumienbandagen, mit drei Vokalzeichen) und die jüdische Münzschrift.
Zum anderen der aramäische Zweig, die Quadratschrift, die palmyrenische Schrift (ohne Vokale und Worttrennung, mit Ligaturen) die altsyrische Schrift Estrangelo und Kufisch, eine altarabische Schrift.
Verbreitung im Nahen Osten
Im 1. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich das aramäische Alphabet durch das Eindringen der aramäischen Sprache in Assyrien. Aramäische Wörter wurden ins Assyrische übernommen. Es gibt Belege für zweisprachige Texte mit jeweils einer akkadischen und einer aramäischen Fassung. Die Einfachheit des Systems gegenüber dem Silben- und Ganzwortsystem der Keilschrift verhalf dem aramäischen Alphabet zum Durchbruch. Aufgrund der stark gerundeten Zeichen war die neue Schrift nicht für Medien wie Ton geeignet. Deshalb schrieb man auf vergängliche Materialien, weshalb auch die meisten dieser Schriften verloren gegangen sind. Den Anteil gefundener Keilschrift-Dokumente aus dieser Zeit darf man deshalb auch nicht als repräsentativ betrachten (Lit.:Eva Cancik-Kirchbaum: Die Assyrer)
Über Handelswege gelangte das aramäische Alphabet bis nach China, wo die Mongolen ihre Schrift aus der aramäischen entwickelten. Weitere Ableger sind die hebräische, indische, syrische und die arabische Schrift.
Vokale kommen dazu
Schon die ersten Alphabetschriften wurden mit Vokalzeichen ergänzt. Zunächst wurden Aleph, Waw und Jod neben ihrer konsonantischen Bedeutung auch als Zeichen für lange Vokale (a, u, i) gebraucht. Andere Vokale wurden den Konsonanten in Form von Punkten oder Strichen zugeordnet. Mit der Übernahme der semitischen Alphabete in andere Sprachen wurden diese durch Vokalbuchstaben ergänzt. Einige Systeme stellten die Vokale durch kleine Modifikationen an den Konsonanten dar, wodurch diese in gewissem Sinne wieder zu Silbenzeichen wurden (z. B. die äthiopische Schrift, die aber von einem griechischen Vorbild stammt). Siehe auch zum inhärenten Vokal in der indischen Schrift.
Alphabet der Griechen
Die Griechen übernahmen das nordsemitische Alphabet samt den semitischen Namen etwa 1100 v. Chr.. Sie erweiterten es um zwei Zeichen und deuteten einige Zeichen ihrer Sprache entsprechend um. Einige Zeichen wurden zu Vokalen. Während die Schreibrichtung zunächst nicht festgelegt war, setzte sich 500 v.u.Z. die Schreibrichtung von links nach rechts durch.
Ursprung der indischen Alphabete
Zwischen 800 und 600 v. Chr. entwickelte sich nach einem ostaramäischen Vorbild die Brahmi-Schrift, der Vorfahre der indischen Alphabetschriften oder Abugidas.
Europa
Aus dem griechischen Alphabet entwickelte sich das etruskische, aus diesem wiederum das oskische, umbrische und römische Alphabet.
Durch die römischen Eroberungen und die Verbreitung der lateinischen Sprache setzte sich das römische Alphabet in Westeuropa durch, wozu es an die jeweiligen Sprachen angepasst wurde.
Die seit dem 3. Jahrhundert belegte Runenschrift wird entweder auf die von italischen Stämmen in den Ostalpen verwendetete nordetruskische Schrift und das lateinischen Alphabet zurückgeführt oder als Schöpfung eines germanischen Volkes angesehen, das im heutigen Böhmen lebte. Bei letzterem wird wohl das Prinzip der Alphabetschrift vom lateinischen Alphabet her bekannt gewesen sein.
Das kyrillische Alphabet stammt vom griechischen ab. Es wurde um 900 von griechischen Missionaren entworfen, die die Slawen zum Christentum bekehrten.
Systematik der Alphabetschriften
Hinsichtlich ihres Bezugs zur Phonologie lassen sich die alphabetischen Schriften nach ihrer Lauttreue wie folgt einteilen:
Keine Kultur hat eine vollständige phonetische Schrift entwickelt; die einzigen funktionierenden phonetischen Schriftsysteme wurden künstlich entwickelt, beispielsweise das IPA. Ein Schriftsystem auf Basis des phonetischen Prinzips wäre als Gebrauchsorthographie unbrauchbar.
Literatur
- David Sacks: Letter Perfect: The Marvelous History of Our Alphabet From A to Z, ISBN 0767911733 (auf Englisch)
- David Sacks: The Alphabet, ISBN 0099436825
- Eric A. Havelock: The Muse Learns to Write: Reflections on Orality and Literacy from the Antiquity to the Present. New Haven (Conn.), 1986 (dt. Übers. Als die Muse schreiben lernte. Frankfurt 1992)
- Eric A. Havelock: The Literate Revolution in Greece and it's Cultural Consequences. Princeton N. J., 1982 (dt. Übers. Schriftlichkeit. Das griechische Alphabet als kulturelle Revolution. Weinheim 1990)
- Burkhard Kienast: Keilschrift und Keilschriftliteratur, in: Frühe Schriftzeugnisse der Menschheit, ISBN ?
Siehe auch
- Schrift
- Geschichte der Schrift
- Alphabetisches Monopol
- Oralität und Literalität
- Aufschreibesystem
- Medientheorie, Mediologie und Kulturwissenschaft
- Stenografie
Weblinks
- [http://www.typolexikon.de/s/schriftgeschichte.html Schriftgeschichte]
- [http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/soemz03/schrift.html Schrift und Verschriftlichung]
Kategorie:Alphabet
Kategorie:Schrift
Nordkorea
Das auf der asiatischen Halbinsel Korea gelegene Nordkorea (Hangeul: 북조선, Hanja: 北朝鮮 Pukjosŏn) wurde am 9. September 1948 unter Kim Il-sung gegründet. Der offizielle Name ist Demokratische Volksrepublik Korea (Hangeul: 조선민주주의인민공화국, Hanja: 朝鮮民主主義人民共和國 Chosŏn Minjujuŭi Inmin Konghwaguk). Im Norden grenzt es an China und Russland (8 km Grenze), im Süden an Südkorea. Nordkorea liegt mit seiner Westküste am Gelben Meer (koreanisch: Westmeer) und an der Bucht von Korea. Im Osten des Landes liegt das Japanische Meer (koreanisch: Ostmeer).
Geographie
Japanische Meer
Das Landesinnere ist wegen seines gebirgigen Charakters nur dünn besiedelt. Der höchste Berg ist der Paektu-san mit 2.744 m Höhe.
Die Bevölkerung konzentriert sich auf die Küstenregionen im Westen und Osten des Landes. Im Herbst ist das Land gelegentlich von Taifunen betroffen.
Die Hauptstadt Pjöngjang liegt im Westen des Landes und hat ca. 2,7 Mio. Einwohner.
Bevölkerung
Nordkorea hat 22,17 Mio. Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Männer beträgt 60 Jahre, die der Frauen 66 Jahre. Durch die immer wieder auftretenden Hungersnöte und die schlechte medizinische Versorgung hat sich die Lebenserwartung jedoch deutlich reduziert.
Nordkorea ist ethnisch homogen und weist den prozentual niedrigsten Ausländeranteil aller Staaten dieser Welt auf. Sieht man von einer kleinen chinesischen Minderheit im Norden des Landes ab, so leben fast ausschließlich Koreaner im Land. Gründe hierfür sind die nationalistische Politik der Regierung, gesellschaftliche Ächtung aller Nichtkoreaner und die geringe Attraktivität des Landes für Einwanderer. Es gilt als praktisch unmöglich, sich als Ausländer in Nordkorea niederzulassen.
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation, insbesondere der schlechten Nahrungsmittelversorgung, sind in den letzten Jahren viele Nordkoreaner nach China geflüchtet. Es wird vermutet, dass sich zwischen 50.000 und 300.000 nordkoreanische Flüchtlinge in China aufhalten.
China schiebt jedoch Flüchtlinge aus Nordkorea ab, sodass diese zurück nach Nordkorea müssen. Angaben von Amnesty International zufolge werden Flüchtlinge, die von der chinesischen Grenze zurück kommen, in Nordkorea als Landesverräter angesehen, gefoltert und hingerichtet.
Es wurde wiederholt berichtet, dass die Einwohner von der Regierung in die drei Klassen 1. „Genossen“, d. h. loyale Personen, 2. „schwankende Personen“, und 3. „feindlich gesinnte Personen“ eingeteilt sind. Die Klassenzugehörigkeit beeinflusst den Zugang zu Ausbildung, Beruf und auch zu von der Regierung verteilten Gütern wie z. B. Lebensmitteln. Man schätzt, dass etwa ein Viertel der Bevölkerung zu der Klasse der feindlich Gesinnten gehören.
Offiziell ist Nordkorea ein atheistischer Staat, die traditionellen Religionen sind überwiegend der Buddhismus und der Konfuzianismus.
Geschichte
Die Geschichte vor dem zweiten Weltkrieg ist unter Korea zu finden.
Nordkorea ist als Folge des Zweiten Weltkriegs und des Koreakriegs entstanden. Kurz vor Ende des Krieges in der Pazifikregion hatten die USA und die UdSSR das von den Japanern besetzte Korea am 38. Breitengrad in Besatzungszonen aufgeteilt. Im Ergebnis wurde die koreanische Halbinsel in einen von den USA unterstützten südlichen und in einen von der Volksrepublik China unterstützten nördlichen Staat geteilt. In Südkorea bildete sich unter Syngman Rhee am 15. August 1948 die Republik Korea. In Nordkorea errichtete die Kommunistische Partei unter ihrem Parteivorsitzenden Kim Il-sung eine Volksrepublik nach realsozialistischem Muster, die am 9. September 1948 ausgerufen wurde. Der Ostblock, unter anderem auch die DDR, unterstützte Nordkorea mit Entwicklungshilfe. Unter Kim Il-sung, getauft und christlich erzogen, wurden 260 Kirchen niedergewalzt und 2.300 christliche Gemeinden ausgelöscht, die Ausübung des christlichen Glaubens verboten. Nordkoreanische Truppen überschritten am 25. Juni 1950 den 38. Breitengrad und griffen den Süden an. Damit begann der bis 1953 währende Koreakrieg.
Kim Il-sung blieb unumschränkter Herrscher bis zu seinem Tod 1994.
Die südkoreanische Initiative zur Annäherung der beiden koreanischen Staaten führte im Jahr 2000 zu einem ersten Gipfeltreffen der beiden Staatsführer. Im Anschluss waren kurzfristig Besuche von seit Jahrzehnten durch die koreanische Teilung getrennt lebenden Familienangehörigen möglich. Eine grundlegende Wandlung in Richtung auf die Einheit Koreas hat sich dadurch jedoch noch nicht ergeben.
Bedingt durch das Wirtschaftssystem, den Zusammenbruch der wirtschaftlichen Beziehung zur früheren Sowjetunion und auch durch Naturkatastrophen kam es im Verlauf der 1990er Jahre zu einer Hungersnot. In dieser Zeit sind nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 220.000 Menschen verhungert. Andere Schätzungen gehen von 1 Mio. bis zu 3,5 Mio. Hungertoten aus.
Am 22. April 2004 kam es in der an der Grenze zur Volksrepublik China gelegenen Stadt Ryongchon zu einer großen Eisenbahn-Katastrophe. Nach ersten Berichten wurden bis zu 3.000 Menschen verletzt oder getötet. (Siehe auch: Zugkatastrophe von Ryongchon)
Politik
Politisches System
Zugkatastrophe von Ryongchon
Nordkorea ist ein altkommunistischer Staat mit deutlichen Zügen des Personenkultes in der Herrschaftsstruktur. Die offizielle Doktrin ist die so genannte „Chuch'e-Ideologie“, die die politische Abschottung und die wirtschaftliche Autarkie des Landes fordert (siehe auch: Autonomie, Isolationismus). Es gibt neben der kommunistischen koreanischen Arbeiterpartei, die den Regierungsapparat dominiert, kleinere politische Parteien, die aber nicht in Opposition zu ihr stehen. Wie in jedem totalitären Staat werden auch in Nordkorea politische Gegner zur Erhaltung der Stabilität der Machtverhältnisse des Landes verfolgt.
Es gibt zwar den Posten eines Regierungschefs, tatsächlich aber liegt die Macht bei Kim Jong-il, der zwar nominell nicht Präsident ist (dies bleibt seinem verstorbenen Vater Kim Il-sung vorbehalten, der 1998 zum „Ewigen Präsidenten“ erklärt wurde), aber Partei- und Armeechef. Er ist Träger verschiedener Spitzenämter im Machtapparat, wovon die wichtigsten der Posten des Generalsekretärs der koreanische Arbeiterpartei, der des Vorsitzenden der Nationalen Verteidigungskommission und der des Oberbefehlshabers der Koreanischen Volksarmee ist. Innerhalb des Landes wird er in der Öffentlichkeit mit „Geliebter Führer“ tituliert. In den deutschen Medien wird seine Position als „Machthaber“ (oder fälschlich als „Staatschef“) umschrieben.
Nordkoreas Verfassung von 1972 wurde 1992 und 1998 geändert. Dem Verfassungstext nach wird das Land theoretisch von einem Ministerpräsidenten und einem Zentralen Volkskomitee, das als wichtigstes Entscheidungsgremium firmiert, regiert.
Wie in realsozialistischen Staaten häufig der Fall gilt das Parlament, die Oberste Volksversammlung, offiziell als höchstes Staatsorgan, so dass dessen Vorsitzender, der auch für die Beglaubigung auswärtiger Gesandten zuständig ist, als de facto Staatschef angesehen wird.
Die 687 Mitglieder der Obersten Volksversammlung werden für vier Jahre durch das Volk gewählt. Da aber keine Gegenkandidaten vorgesehen sind, hat diese Wahl eher zeremoniellen Charakter. Das Parlament tritt zweimal jährlich für jeweils wenige Tage zusammen, es werden jedoch weitgehend lediglich vorher gefasste Beschlüsse der Arbeiterpartei ratifiziert. Für den Zeitraum zwischen den Sitzungstagen existiert ein Ausschuss mit legislativen Funktionen, der vom Parlament gewählt wird.
Die Bevölkerung leidet immer wieder an Hungersnöten, es mangelt an Konsumgütern, die Infrastruktur ist unzureichend und das Gesundheitssystem ungenügend. Die Staatsführung sei laufend bemüht, diese Probleme in den Griff zu bekommen, doch sind diese Bemühungen selten von Erfolg gekrönt, da der Fokus nordkoreanischer Politik auf die Wehrhaftigkeit gerichtet ist. Hauptsächlich arbeitet die Regierung daran, ihre Streitkräfte zur Kontrolle und zum Schutz des Volkes vor einer amerikanischen und südkoreanischen Bedrohung aufzurüsten. Die Bevölkerung wird auf Wehrhaftigkeit getrimmt, wozu ein propagandistisch geprägtes Bedrohungsszenario gegenüber der Bevölkerung aufrechterhalten wird, welches von der stets akuten Gefahr einer auswärtigen Aggression ausgeht. Die Streitkräfte dienen ebenfalls zur Unterdrückung des eigenen Volkes und zur Stabilisierung des diktatorischen Regimes.
Im Jahr 2000 zeichneten sich erste Entspannungserfolge zwischen Nord- und Südkorea ab. Im März 2000 kam es zu einem Staatsbesuch des damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung in Nordkorea. Vereinbart wurde damals die Öffnung einer Straße zwischen beiden Ländern, was im Februar 2003 umgesetzt wurde. Zudem wurden Besuche zwischen nord- und südkoreanischen Familien gestattet und Nordkorea durfte am Asean Regional Forum teilnehmen. Die Mannschaften Nord- und Südkoreas marschierten gemeinsam bei den XXVII. Olympischen Spielen in Sydney ein. Für die Olympischen Spiele 2008 in Peking ist geplant, dass Nord- und Südkorea mit einer gemeinsamen Mannschaft antreten, darauf verständigten sich die Olympischen Komitees beider Länder.
Atomwaffenkonflikt
1991 wurde erstmals ein Atomprogramm Nordkoreas vermutet. Im Zuge einer ohnehin geplanten Reorganisation amerikanischer Atomstreitkräfte zogen die USA ihre Waffen aus Südkorea ab, was die nordsüdkoreanische Denuklearisierungserklärung von 1992 ermöglichte.
Ein Jahr später begann Nordkorea mit der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstäben und erklärte seinen Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag. In drei Verhandlungsrunden konnten die USA das Einfrieren des nordkoreanischen Atomprogramms durch das Genfer-Rahmenabkommen erreichen, welches am 21. Oktober 1994 unterzeichnet wurde. Nordkorea wurde zur Stilllegung seines Atomwaffenprogramms verpflichtet und sollte im Gegenzug von den USA weniger atomwaffentaugliche Reaktoren, Energielieferungen, jährlich 500.000 t Erdöl, diplomatische Anerkennung und einen formalen Schutz vor Atomwaffenangriffen erhalten.
Die Internationale Atomenergiebehörde überwachte seit Oktober 1994 wieder die Abrüstung Nordkoreas.
Am 22. Januar 1995 lockerten die USA die Handelsbeschränkungen.
Am 18. April 1996 wurden die ersten „Vierer-Gespräche“, bestehend aus Nordkorea, Südkorea, USA und China, zelebriert. Aus diesen Gesprächen resultierte am 5. August 1997 die Anerkennung des Waffenstillstandsabkommens von 1953. Weitere Verhandlungen scheiterten.
Am 31. August 1998 überflog eine koreanische Mittelstreckenrakete vom Typ „Godong-1“ Japan.
1999 inspizierten die USA die Atomanlagen von Yongbyon. Die vermutete Eignung zur Herstellung atomwaffenfähigen Materials wurde nicht bestätigt.
Im Jahr 2000, noch zu Zeiten der Regierung Clintons, zeichneten sich erste Entspannungserfolge ab.
Nordkorea verurteilte die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA. Am 28. desselben Monats stimmte Nordkorea der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats zur Bekämpfung des Terrorismus zu.
Im Oktober 2001 provozierte US-Präsident George W. Bush Nordkorea, beschimpfte Kim Jong-il als „Pygmäen“ und äußerte die Absicht zum Sturz des Staatschefs. Bei der Rede zur Lage der Nation von US-Präsident George W. Bush im Januar 2002 landete Nordkorea auf der Liste der „Schurkenstaaten“, der „Achse des Bösen“. Hierauf sah sich das kleine Land durch die USA immens bedroht.
Im Oktober 2002 gab Nordkorea zu, an einem Atomwaffenprogramm zu arbeiten, und räumte damit eine ernstzunehmende Verletzung des mit den USA vereinbarten Abkommens ein, welches Nordkorea die Entwicklung und den Bau von Atomwaffen untersagt und im Gegenzug einen Angriff der USA verboten hatte. Allerdings hatte US-Präsident George W. Bush diesen Vertrag schon kurz nach seinem Amtsantritt für irrelevant erklärt, da Nordkorea das Abkommen schon vorher stets verletzt habe.
Nachdem die USA wiederholt Angriffsdrohungen ausgesprochen hatte, nahm Nordkorea 2002/2003 das Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch.
Im April 2003 fanden in Peking Gespräche zwischen den USA und Nordkorea statt, die einen Tag früher als geplant beendet wurden, nachdem die nordkoreanische Delegation offiziell erklärt haben soll, über Atomwaffen zu verfügen. ([http://www2.amnesty.de/internet/deall.nsf/51a43250d61caccfc1256aa1003d7d38/bfe919def0a16c93c1256e9b0038e2d5?OpenDocument])
Am 10. Februar 2005 erklärte Nordkorea erneut und diesmal öffentlich, funktionsfähige Atomwaffen zu besitzen. Gleichzeitig gab es seinen Rückzug aus den Sechs-Parteien-Gesprächen über die Beilegung des Atomstreites bekannt, an denen neben Nord- und Südkorea auch die Volksrepublik China, Russland, Japan und die USA teilgenommen hatten und drohte mit dem Ausbau seines Arsenals. Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas, KCNA, warf in der Verlautbarung den USA eine „Politik zur Isolierung und Erstickung“ vor und rechtfertigte den Atomwaffenbesitz als Mittel der Selbstverteidigung gegen die USA.
Die „Militär zuerst“-Politik Songun ist der vorherrschende Polit-Slogan Nordkoreas. Es ist eine Art Verteidigungsparole Nordkoreas gegen die Drohkulisse Washingtons.
„Der Schutz der revolutionären Führung um jeden Preis ist der höchste Patriotismus und die erste Priorität unseres Militärs und des Volkes“, hieß es nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in einem Leitartikel der offiziellen Zeitung Rodong Shinmun.
Nach neusten Meldungen des japanischen Geheimdienstes steht der erste Test einer nordkoreanischen Atomwaffe kurz bevor.
Menschenrechte
Nordkorea zählt zu jenen Ländern, in denen die Menschenrechte am wenigsten geachtet werden. Kritik an der Führung wird strengstens bestraft. Die Medien werden vollständig vom Staat kontrolliert, nicht genehmigte Versammlungen sind verboten. Es ist den Nordkoreanern nicht erlaubt, das Land zu verlassen. Auch der Aufenthaltsort im Land wird von den Behörden vorgeschrieben. Straftäter werden oft in der Öffentlichkeit hingerichtet.
Menschenrechtsgruppen berichten von mehreren Gefangenen- und Arbeitslagern im Land, in denen u.a. auch viele politische Gefangene inhaftiert sind. Selbst schwangere Frauen werden in diesen Lagern zu langer und harter Arbeit gezwungen. Die Inhaftierten sind der Willkür der Wärter ausgeliefert, zudem existieren Berichte über Folter. Inhaftierte starben infolge von Folter, Hunger, durch Nahrungsmittelentzug oder wurden aufgrund von geringen Vergehen hingerichtet. Westlichen Hilfsorganisationen zufolge sind rund 200.000 Menschen interniert (Stand 2005), von denen etwa 10 bis 20 % jährlich sterben oder exekutiert werden. Vereinzelte Zeugen, denen es gelungen ist, aus den Lagern und aus Nordkorea zu fliehen, berichten zudem über Menschenversuche. Demnach würden die Gefangenen in Laboren zum Testen von Gasen oder Viren herangezogen.
Nach China geflüchtete Nordkoreaner, die aus China zurück nach Nordkorea abgeschoben wurden, sollen hingerichtet worden sein, teilweise öffentlich, um Landsleute vor einer Flucht abzuschrecken. So sollen Anfang 2005 in nur einem Monat 70 Menschen auf diese Weise gestorben sein.
Die Verteilung von durch das Ausland gelieferten Nahrungsmitteln und anderer Hilfsgüter wurde bisher immer durch die Behörden durchgeführt. Die Regierung verschlimmerte so besonders während der Hungersnot der 1990er Jahre die Situation, da regierungsfreundliche Personen und insbesondere das Militär bevorzugt wurden. Da eine gerechte Verteilung der Hilfsgüter nicht gewährleistet werden konnte, zogen sich mehrere Hilfsorganisationen aus Nordkorea zurück (Ärzte ohne Grenzen im September 1998, Oxfam im Dezember 1999, CARE im Juni 2000).
Informationsfreiheit
Die öffentlichen Medien werden vollständig vom Staat kontrolliert. Die Bürger haben praktisch keinen Zugang zu unabhängigen und ausländischen Nachrichtenquellen. In der 2004 von „Reporter ohne Grenzen“ veröffentlichten Rangliste zur Pressefreiheit belegte Nordkorea den letzten Platz.
Im Juni 2004 – 18 Monate nachdem der erste Netzbetreiber seinen Dienst aufgenommen hatte – verfügte die Regierung Nordkoreas, dass alle Mobiltelefone eingezogen werden sollen und alle Mobilfunkbetreiber verboten werden. Es soll damit verhindert werden, dass unliebsame Informationen ins Land kommen oder dasselbe verlassen.
Die nordkoreanische Regierung ist bestrebt, freie Berichterstattung in Nordkorea zu unterbinden. Journalisten dürfen sich nur in Begleitung von Aufpassern im Land bewegen.
Schriftsteller aus dem Süden durften nordkoreanische Kollegen besuchen, redeten über "was hast Du gegessen?".
Verwaltungsgliederung
Nordkorea gliedert sich in zwei Städte unter zentraler Verwaltung der Regierung, drei besondere Verwaltungsregionen und neun Provinzen.
Städte unter zentraler Verwaltung der Regierung
- Pjöngjang (P'yŏng-yang Chik'alshi; 평양 직할시; 平壤直轄市)
- Rasŏn (Rajin-Sŏnbong) (Rasŏn Chik'alshi; 라 선 (라진-선봉) 직할시; 羅先 (羅津-先鋒) 直轄市)
Besondere Verwaltungsregionen
- Industrieregion Kaesŏng (Kaesŏng Kong-ŏp Chigu; 개성 공업 지구; 開城工業地區)
- Touristenregion Kŭmgang-san (Kŭmgang-san Kwanwang Chigu; 금강산 관광 지구; 金剛山觀光地區)
- Besondere Verwaltungsregion Sinŭiju (Sinŭiju T'ŭkbyŭl Haengjŏnggu; 신의주 특별 행정구; 新義州特別行政區)
Provinzen
- Chagang-do (자강도; 慈江道)
- Hamgyŏng-pukto (함경 북도; 咸鏡北道)
- Hamgyŏng-namdo (함경 남도; 咸鏡南道)
- Hwanghae-pukto (황해 북도; 黃海北道)
- Hwanghae-namdo (황해 남도; 黃海南道)
- Kangwŏn-do (강원도; 江原道)
- P'yŏngan-pukto (평안 북도; 平安北道)
- P'yŏngan-namdo (평안 남도; 平安南道)
- Ryanggang-do (량강도; 兩江道)
Ehemalige Städte unter zentraler Verwaltung der Regierung
Einige Städte waren früher selbständig und standen unter zentraler Verwaltung der Regierung. Sie gehören jetzt verschiedenen Provinzen an. Es handelt sich dabei um folgende Städte:
- Ch'ŏngjin (Ch'ŏngjin-shi; 청진시; 淸津市): war von 1960 bis 1967 und von 1977 bis 1985 selbständig, heute Teil von Hamgyŏng-pukto
- Hamhŭng (Hamhŭng-shi; 함흥시; 咸興市): war von 1960 bis 1967 selbständig, heute Teil von Hamgyŏng-namdo
- Kaesŏng (Kaesŏng-shi; 갢성시; 開城市): war von 1955 bis 2003 selbständig, heute Teil von Hwanghae-pukto
- Namp'o (Namp'o Tŭkkŭpshi; 남포 특급시; 南浦特級市): war von 1980 bis 2004 selbständig, heute Teil von P'yŏngan-namdo
Siehe auch: Liste der Städte in Nordkorea
Infrastruktur
Das Verkehrsnetz ist vor allem auf die Bedürfnisse des Militärs ausgerichtet. Hauptverkehrsträger ist die Eisenbahn. Von Pjöngjang führen Autobahnen nach Nordosten. Jedoch hat der Individualverkehr in Nordkorea keine Bedeutung. Bei Pjöngjang befindet sich ein internationaler Flughafen.
Wirtschaft
Nordkorea hat eine straff zentralisierte Planwirtschaft, die von anderen Ländern in strenger Isolation gehalten wird. Nordkorea zählt zu den wenigen bestehenden staatssozialistischen Volkswirtschaften. Die für das Überleben der Bevölkerung notwendige Landwirtschaft wird zugunsten weiterer Aufrüstung vernachlässigt, so dass Nordkorea von ausländischen Lebensmittellieferungen abhängig ist.
Die großen Anstrengungen im militärischen Bereich wirken sich äußerst negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung aus. Nordkorea verbraucht 33,9 % seines Bruttosozialprodukts für sein Militär und liegt damit an der Weltspitze, weit vor den USA (3,2 % BSP) und Südkorea (1,4 % BSP). Es besitzt ein stehendes Heer von 1,2 Millionen Soldaten, die als Arbeitskraft der Wirtschaft entzogen sind. Heute (2003) ist das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt Nordkoreas mit 1.083 Euro etwa so groß wie das des Tschad.
Seit über fünfzig Jahren leidet die nordkoreanische Wirtschaft unter dem Embargo der USA und anderer westlicher Staaten. Der Zusammenbruch der Sowjetunion, schlechte Politik und eine Serie von Naturkatastrophen führten zur Stagnation der Wirtschaft. Die Versorgungslage im Agrarbereich ist schlecht. Zusätzlich werden viele Ressourcen zu Lasten der Bürger von der überdimensionierten Armee verbraucht.
Trotz allem wurden seit Anfang des 21. Jahrhunderts zaghafte Versuche unternommen, die Wirtschaft ähnlich wie in der Volksrepublik China zu reformieren. So wurde es z.B. jeder Person freigestellt, in ihrer Freizeit privat Landwirtschaft zu betreiben, wodurch sich in manchen Städten auch kleine Märkte bilden konnten. Zur Zeit fehlen Nordkorea mehr als eine Million Tonnen Weizen im Jahr, um auch nur die Mindestversorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Nordkorea erhielt jahrelang Unterstützung in Form von Nahrung und Öl von den Vereinten Nationen und China. Diese wurde allerdings beendet, als Nordkorea die Einstellung seines Atomwaffenprogrammes verweigerte.
Der bilaterale Handel zwischen China und Nordkorea hat im Jahr 2005 ein Rekordvolumen von 1,15 Milliarden Euro erreicht, dies ist ein Anstieg um 35,4 % im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig gingen die Handelstransaktionen mit Südkorea und Japan zurück. Die Exporte stiegen um 48,1 % und erreichten einen Wert von 488 Millionen Euro. Hauptsächlicher Grund war die Handelszunahme von Fischereierzeugnissen, Eisen und Fettkohle. [http://emfis.com/Index.1+M580541619ff.0.html]
Nord- und Südkorea bauen ein gemeinsames Auto, das den Namen „Pfeifender Wind“ trägt.
Der amerikanische Senat wirft Nordkorea vor, etwa 420 Millionen Euro pro Jahr durch Drogenschmuggel zu verdienen, was laut den Vorwürfen etwa 70 % der Deviseneinnahmen des Landes sein sollen. Das Geld würde unter anderem für den Kauf von Massenvernichtungswaffen verwendet.
Zudem gibt es Berichte, nach denen das SEK Trickfilmstudio in Pjöngjang Trickfilme exportiert und Auftragsarbeiten für westliche Studios übernimmt. Es soll unter anderem an den Filmen Pocahontas, Der König der Löwen, Asterix-und-Obelix und Teenage Mutant Ninja Turtles mitgearbeitet haben.
Tourismus
Für den Tourismus nach Nordkorea ist die staatliche Tourismusorganisation zuständig, welche seit 1953 existiert. Jeder Touristengruppe, egal ob diese aus nur einem Tourist oder mehreren Menschen besteht, werden zwei Reiseleiter zugeteilt. Diese sprechen in der Regel die Muttersprache des jeweiligen Touristen. Das Reiseprogramm wird durch die beiden Reiseleiter straff bestimmt, weshalb Individualtourismus nicht möglich ist. In den letzten Jahren hat der Tourismus stark zugenommen, wenn auch Touristen aus westlichen Ländern noch relativ selten sind. So verbringen jährlich nur rund 100 Deutsche ihren Urlaub in Nordkorea. Die meisten Touristen kommen aus China und Japan. Für US-Bürger besteht in der Regel keine Möglichkeit, ein Touristenvisum für Nordkorea zu erlangen.
Im Kŭmgangsan-Gebirge gibt es einige touristische Anlagen, die vom Hyundai-Konzern gebaut wurden und betrieben werden. Reisen dorthin sind nur in organisierten Gruppen von Südkorea aus möglich.
Kultur
Siehe: Traditionelle koreanische Denkweisen und Ideologie, Südkoreanische Kultur
- Nationalfeiertag: 9. September
Kulturaustausch
2004 wurde ein Lesesaal des Goethe-Instituts [http://www.goethe.de/ins/prj/les/lae/kor/deindex.htm] im Chollima-Kulturhaus, Jonggwangstraße 8-33 in Pjöngjang eröffnet. Der Bestand ist vielseitig und umfasst neben deutscher Literatur vor allem praktische Fachbücher von Medizin bis Bauingenieurwesen. Deutsche Zeitschriften und Zeitungen wie ZEIT, Spiegel oder FAZ sind dort für jedermann frei zugänglich. Der Zugang ist im Prinzip nicht kontrolliert. Allerdings kollidieren die Öffnungszeiten mit dem normalen Tagesablauf der Bevölkerung: Studenten z. B. dürfen den Campus vor 17 Uhr nicht verlassen – eine Stunde nach Schließung des Lesesaals. Das Projekt hat jedoch vor allem Modellcharakter und soll zeigen, wie Bibliotheken aussehen können. Die Bibliothek wird von zwei Koreanern mit deutschen Sprachkenntnissen geleitet.
Bibliothekswesen
Goethe-InstitutEs soll 15.000 Bibliotheken in Nordkorea geben. Jede Kommune ist verpflichtet neben der alltäglichen Grundversorgung auch Bibliotheken einzurichten.
Allerdings gibt es keine bibliothekarische Ausbildung. Die Übernahme einer Bibliotheksleitung zumindest einer Hochschulbibliothek setzt ein Hochschulstudium voraus. Eine Initiative des Goethe-Instituts versucht seit Mai 2005, dem Land zu einer qualifizierten Ausbildungsstätte für Bibliothekare zu verhelfen.
Die Nationalbibliothek in Pjöngjang nennt sich „Große Studienhalle des Volkes“ und ist eine Mischung aus Bibliothek und Volkshochschule. Sie soll 30 Millionen Medieneinheiten beherbergen. Zu besichtigen sind in der Tat zahlreiche spezialisierte Lesesäle sowie Hörsäle, Sprachlabore und Einrichtungen für die Produktion von Fernlehrmaterialien.
Es gibt ein landesweites Intranet, an das 40 Sites angebunden sein sollen. Großes Handicap ist die absolute Abschottung zum globalen Internet. Als Bibliothekssystem scheint CDS/ISIS zum Einsatz zu kommen und als Katalogisierungsformate ein MARC-Derivat.
Weitere Themen
- Korea
- Koreakrieg
- Südkorea
Weblinks
Generelle Informationen
- [http://www.freenorthkorea.net/archives/freenorthkorea/wfp_access_dprk151203.html Karte von Nordkorea mit allen Provinzen, Bezirken und Landkreisen]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=86 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- http://www.zeit.de/2004/33/Pj_9angjang
- http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1415266,00.html
- http://www.bertelsmann-transformation-index.de/114.0.html
- http://www.ifdt.de/0303/Artikel/beck.htm
- [http://www.nordkoreareise.de.vu Reisebericht aus Nordkorea] privater Reisebericht
- http://www.taubenschlag.de/Reisen/berichte/remarque/korea_print.pdf Der gehörlose Schüler Robert Remarque von der Margarethe-von-Witzleben-Schule hat eine ungewöhnliche Reise gemacht - er ist nach Nordkorea geflogen. Erst nach großem bürokratischen Aufwand bekam Robert eine Reiseerlaubnis.
Pro-nordkoreanische Seiten
- [http://www.kcckp.net/de/ Naenara] - von Nordkorea gelenkte Informationsseite
- [http://www.kcna.co.jp/index-e.htm Nordkoreanische Nachrichtenagentur] - Korean central news Agency
- http://www.nordkorea-info.de Deutschen Sektion der "Korean friendship association" -KFA-
- http://www.kdvr.de Infoseite zur Koreanischen demokratischen Volksrepublik
- [http://www.korea-dpr.com/ DPRK - North Korea] - Offizielle Webseite Nordkorea (engl.)
Kritische Seiten
- [http://www.amnesty-muenchen.de/korea/index.php4?subcase=nkorea Amnesty International] - Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea
- [http://www.datenreise.de/de/censorship/nkorea.php Datenreise.de] - Internetzensur in Nordkorea
Literatur
- Hyondok Choe, Du-Yul Song, Rainer Werning(Hg.): Wohin steuert Nordkorea? Soziale Verhältnisse - Entwicklungstendenzen - Perspektiven, PapyRossa Verlag Köln 2004. ISBN 3-89438-309-7
- Hanns W. Maull und Ivo M. Maull: Im Brennpunkt: Korea. C.H. Beck Verlag München 2004. ISBN 3-406-50716-6
- Pierre Rigoulot: Nordkorea: Steinzeitkommunismus und Atomwaffen, Anatomie einer Krise. Kiepenheuer & Witsch Köln 2003. ISBN 3-462-03347-6
- Jens Tevres, Vimal Vichare: Hände weg von Nordkorea! Ahriman-Verlag 2003 (Ketzerbriefe, 115) ISBN 3-894-84233-4
- Bruce Cumings: Korea's Place in the Sun. A Modern History. W. W. Norton & Company 1998. ISBN 0-39331681-5
- Feffer, John: Nordkorea und die USA, die amerikanischen Interessen auf der koreanischen Halbinsel. Diederichs München 2004.
- Maierbrugger, Arno: Nordkorea-Handbuch: unterwegs in einem geheimnissvollen Land. Trescher Berlin 2004 (= Trescher-Reihe Reisen).
- Frank, Rüdiger: Nordkorea: Zwischen Stagnation und Veränderungsdruck, in: Derichs, Claudia/Heberer, Thomas (Hrsg.): Einführung in die politischen Systeme Ostasiens, Opladen 2003, S. 271-325.
- Rigoulot, Pierre: Verbrechen, Terror und Geheimnis in Nordkorea, in: Courtois, Stéphane/Werth, Nicolas u.a.: Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München/Zürich 1998 (original frz.: 1997), S. 609-629.
Film
- [http://www.astateofmind.co.uk A State of Mind - Dokumentarfilm über zwei Teenager im Training für die Massengymnastik - Very much so Production in Zusammenarbeit mit BBC, Arte u.a. - 2004]
- [http://www.koreaverband.de/aktuelles/filmTip.html Tagebuch aus Nordkorea - Zwischen Fremdenangst und Führerkult - Phoenix 19.06.2004]
- [http://www.radiobremen.de/online/nordkorea/arte_film.html Nordkorea - eine Wiederkehr franz.: "Coreé - Dans les souvenirs de mon père" Film von Britta Lübke - 30. Juni 2003 | Arte]
- [http://www.arte-tv.com/de/wissen-entdeckung/geo-360/Geo-Reportagen_20im_20September_20_202003/Mission_20Nordkorea/393846.html Mission Nordkorea 360° - Die GEO-Reportage Deutschland 2002, 26 min]
- [http://www.radiobremen.de/online/nordkorea/ard_film.html Jenseits der letzten Mauer Nordkorea - Reisereportage ARD]
- http://www.radiobremen.de/online/nordkorea/
- [http://www.foren.de/system/thread-hellmuthkarasekueberdad-jamesbond-269-86534.html „Stirb an einem anderen Tag“ James Bond Film] & [http://www.koreaheute.de/gesell/0203/Gesel11-10.htm Koreanische Filmkritik]
- [http://tvspielfilm.msn.de/news/detail?id=2849 "Amerikas Spagat zwischen Irak und Nordkorea". ZDF-Reportage vom 29. März 05 von Peter Scholl-Latour]
Kategorie:Staat
Nordkorea
ja:朝鮮民主主義人民共和国
ko:조선민주주의인민공화국
ms:Korea Utara
simple:North Korea
th:ประเทศเกาหลีเหนือ
zh-min-nan:Tiâu-sián
Hangeul
Hangeul (oft auch Hangul geschrieben; 한글) ist das heutzutage am meisten verwendete Alphabet in Korea. Im Gegensatz der chinesischen Schrift handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Alphabetschrift und gilt durch ihren logischen Aufbau als sehr einfach erlernbar. Sie umfasst heute 51 Zeichen – 14 Konsonanten, 10 Vokale sowie 27 aus den Grundzeichen zusammengesetzten Zeichen. Die Jamo genannten Buchstaben werden silbenweise zusammengefasst, so dass jede Silbe in einem unsichtbaren Quadrat steht (siehe Bild rechts). Auf diese Weise ist die Bildung mehrerer tausend orthographisch unterschiedlicher Silben möglich.
Image:Korean consonants.jpg|Konsonanten
Image:Korean vowels.jpg|Vokale
Namen
Die südkoreanische Bezeichnung Hangeul bedeutete ursprünglich große Schrift, der Begriff wurde 1912 von Ju Si-gyeong geprägt. Heute wird er auch oft als koreanische Schrift übersetzt, Südkoreaner nennen ihr Land Hanguk (한국, Han-Land) bzw. Namhan (남한, Süd-Han). Hangeul kann nicht mit Hanja geschrieben werden, nur für die Silbe Han mit der Bedeutung koreanisch existiert das Zeichen 韓.
In Nordkorea heißt die Schrift Chosŏn'gŭl (조선글), des leitet sich von der Eigenbezeichnung Chosŏn (Morgenstille) Nordkoreas ab.
Überblick
Hangeul knüpft insofern an die chinesische Schrift an, als dass jede Silbe in einem (quadratischen) Block dargestellt wird. Anders als dort setzt sich aber jeder dieser Blöcke aus Zeichen für Konsonanten und Vokale zusammen. Eine Silbe besteht mindestens aus einem initialen Konsonanten und einem Vokal, ein finaler Konsonant kann folgen. Eine besondere Rolle nimmt der Konsonant ieung (ㅇ) ein, welcher als Anlaut stumm ist. Mit ihm werden Worte geschrieben, die ausgesprochen mit einem Vokal beginnen. In seltenen Fällen gibt es auch zwei Auslaute. Folgt dann im selben Wort eine Silbe mit dem stummen Konsonanten, wird der erste Auslaut als Auslaut der aktuellen Silbe gesprochen und der zweite als Anlaut der nächsten. In anderen Fällen wird nach bestimmten Regeln nur der erste oder seltener auch nur der zweite Auslaut ausgesprochen.
Vokale dominieren als senkrechte (a, ya, eo, yeo, i) und waagerechte (o, yo, u, yu, eu) Linien die Darstellung. Sie werden durch kleinere anhängende, senkrecht zu ihnen stehende Striche differenziert. Der führende Konsonant ist zwingend erforderlich und wird davor oder darüber gesetzt. Ein abschließender Konsonant kommt gegebenenfalls unter die beiden vorhergehenden Zeichen.
Die Form der Konsonanten soll die jeweilige Stellung der Sprechwerkzeuge darstellen. So wird ein „N“ in Hangeul etwa wie das lateinische „L“ geschrieben (ㄴ) und symbolisiert die nach (links) oben zeigende Zunge, wie sie an die Zahnreihe anstößt. Komplementär dazu entspricht das Zeichen für „g/k“ dem Winkel, mit dem man das obige „L“ zu einem Quadrat ergänzen müsste (ㄱ). Hier stößt die nach oben gerundete Zunge mit ihrem Rücken gegen den Gaumen. Damit ist Hangeul ein seltenes Beispiel für eine landesweit benutzte Feature-basierte Schrift.
Heutzutage gelangen immer mehr amerikanische und sonstige westliche Ausdrücke in die koreanische Sprache und werden dann mit Hangeul umschrieben. Da dabei gewisse phonetische Regeln und Abkürzungsgewohnheiten der koreanischen Sprache berücksichtigt werden (müssen), ist eine deutliche lautmalerische Darstellung des Wortes nicht immer gegeben.
Geschichte
phonetisch]
Hangeul wurde neben anderen Reformen 1446 von König Sejong entwickelt. Ob er die Schrift selbst erschaffen hat oder ob Gelehrte dies in seinem Auftrag vollbracht haben, ist umstritten. König Sejong erkannte, dass eine annehmbare Alphabetisierung der einfachen Bevölkerung nicht mit den chinesischen Zeichen zu erreichen waren. Diese setzte oft jahrelange Studien voraus. Zwar wurden zu jener Zeit auch in Korea mehrere Schriftsysteme auf Basis der chinesischen Schrift entwickelt – Hyangchal (향찰/鄕札), Gukyeol (구결/口訣) und Idu (이두/吏讀) – doch anders als Hangeul konnte sich keine dieser Schriften durchsetzen. Die neue Schrift wurde am 9. Okober 1446 in einem Dokument, dem Hunmin Jeongeum, veröffentlicht. Dies wird in Südkorea heutzutage am 9. Oktober mit dem gesetzlichen Feiertag Hangeul-Tag gefeiert. In Nordkorea findet ein entsprechender Feiertag am 15. Januar statt.
Doch gerade das Potenzial zur Alphabetisierung der einfachen Bevölkerung führte dazu, dass Hangeul bei der Elite auf starken Widerstand stieß, die in den chinesischen Zeichen die einzig wahre Schrift sah. Hangeul galt als Schrift der Ungebildeten und seine Verwendung wurde zeitweise sogar verboten. Erst im 19. und 20. Jahrhundert erlebte es als Symbol eines sich gegen chinesische und vor allem japanische Einflussnahme richtenden koreanischen Nationalismus eine Aufwertung und wurde schließlich zum dominierenden Schriftsystem der koreanischen Sprache.
Die genaue Aussprache alter Hangeul-Schreibungen ist nicht mehr zweifelsfrei rekonstruierbar. Es ist aber anzunehmen, dass Konsonantencluster vorkamen – im Schriftbild sind sie vorhanden.
Legende
Hangeul-Tag
Der Legende zufolge kam König Sejong zu der Überzeugung, dass sein Land mächtig sein werde, wenn nur mehr seiner Untertanen lesen und schreiben könnten. Dazu war aber eine einfachere Schrift als die chinesische Schrift nötig. Sejong arbeitete eine solche Schrift aus, aber er wusste, dass er das Volk überzeugen musste, dass diese neue Schrift ein Geschenk des Himmels sei. So ging er mit einen Schreibpinsel und einen Topf voll Honig in den Palastgarten und malte auf die von den Platanenbäumen herabgefallenen Blätter mit Honig die neuen Zeichen.
Am nächsten Morgen lud Sejong seinen Wahrsager zu einem Spaziergang im Garten ein. Während der Nacht hatten Insekten die mit Honig bestrichenen Teile der Blätter weggefressen. Da lagen nun vierundzwanzig Blätter mit den neuen Buchstaben. Der Wahrsager bemerkte sie und hob sie auf und sagte zum König. „Vielleicht wollen uns die Götter etwas mitteilen.“ Er nahm die Blätter und grübelte einige Wochen darüber, bis er eines Tages in den Thronsaal stürzte und begeistert ausrief: „Die Götter haben uns eine Schrift gesandt, damit wir unsere Sprache schreiben können.“ König Sejong zeigte seine Bewunderung für den Scharfsinn und befahl, das Alphabet zu veröffentlichen. Und das Volk nahm diese einzigartige Schrift mit Begeisterung an.
Technische Entwicklung
Lange vor Hangeul wurde in Korea bereits mit beweglichen Buchstaben aus Metall gedruckt.
- 1900 baut I Won-ik (이원익) aus einer westlichen Schreibmaschine eine Hangeul-Schreibmaschine, die häufigen Gebrauch der Umstelltaste verlangt und mit der sich nur langsam tippen lässt.
- 1910 entwickelt I Won-ik in Hawaii eine neue Hangeul-Schreibmaschine.
- 1914 setzt der Pastor I Dae-wi (이대위) in San Francisco erstmals Hangeul in Linotype.
- Im November 1949 erfindet Gong Byeong-u (공병우) nach zweieinhalb Jahren Forschung eine effiziente Schreibmaschine, wobei er weniger auf das Aussehen der Schrift achtet als auf die Möglichkeit schnellen Tippens.
- Am 3. März 1950 ist seine 3[se]-beolsik-Schreibmaschine fertig.
- 1982 wird in Südkorea die bisherige Standard-Tastaturbelegung für Teletype 2[du]-beolsik auch zum Standard für Computertastaturen KS X 5003 sowie
- 1985 für Schreibmaschinen. Im selben Jahr automatisiert Gong Byeong-u in Philadelphia den 1980 von An Ma-tae (안마태) in Hollywood entwickelten, bis dahin von Hand betriebenen Lichtsatz.
Weitere Informationen zu koreanischen Tastaturen unter Jamo#Tastatur.
Lautsystem
Siehe auch: Jamo
Tabelle der Hangeul-Zeichen
Die Laute der koreanischen Sprache werden folgendermaßen unterschieden:
- 아음 ; 牙音 a-eum; „Backenzahnlaute“: Das Zeichen ㄱ zeigt die Zunge von der Seite, wie sie das Velum (den weichen Gaumen) berührt.
- 설음 ; 舌音 seol-eum; „Zungenlaute“: Die Zeichen ㄴ n, ㄷ d, ㅌ t, ㄹ l zeigen – ebenfalls von der Seite – wie die Zungenspitze den Alveolarrand berührt.
- 순음 ; 唇音 sun-eum; „Lippenlaute“: Die Zeichen ㅁ m, ㅂ b, ㅍ p geben den Umriss der Lippen von vorne wieder.
- 치음 ; 齒音 chieum; „Zahnlaute“: Das Zeichen ㅅ s, ㅈ j, ㅊ ch – ursprünglich geformt wie ein Keil /\ zeigt die seitliche Ansicht der Schneidezähne.
- 후음 ; 喉音 hueum; „Kehllaute“: Das runde Zeichen ㅇ, ㅎ h symbolisiert einen Querschnitt durch die Kehle.
Anlaute
Auslaute
Buchstabennamen
Andere Schriften in Korea
Die chinesischen Schriftzeichen, in Korea als Hanja (한자) bezeichnet, werden nur noch selten verwendet. Viele aus dem Chinesischen stammende Begriffe sind aber in ihrer Aussprache und damit in ihrer Schreibung in Hangeul identisch und können nur durch den Kontext unterschieden werden. Hanja haben hingegen eine einzige Bedeutung, daher werden selten die Hanja-Zeichen bei wichtigen Worten in Klammern hinter das jeweilige Wort in Hangeul gesetzt, oder der Text besteht aus einer Mischung aus Hangeul und Hanja. Auf Visitenkarten findet man fast immer den Namen in Hangeul und Hanja, um die Bedeutung des Names klar zustellen. Offiziell werden Hanja in Nordkorea nicht mehr verwendet, in der Praxis kommt es jedoch noch vor.
Die Unterscheidung von Hangeul und den Hanja bzw. der chinesischen Schrift ist auch ohne Kenntnisse der Sprache möglich, da Hangeul der beschriebenen, festen Form folgt, chinesische Zeichen aber aus Radikalen bestehen, die auch in der Zusammensetzung unterschiedlich sind.
Die Schrift kann mittels der Revidierten Romanisierung oder der McCune-Reischauer in die lateinische Schrift übertragen werden. Die Revidierte Romanisierung ist seit 2000 in Südkorea üblich, McCune-Reischauer ist außerhalb von Korea noch sehr verbreitet und wird in einer Variante in Nordkorea verwendet. Die McCune-Reischauer-Romanisierung verwendet einige Sonderzeichen und gilt als komplizierter. Die Umschriften geben die koreanische Sprache aber ungenauer wieder, außerdem werden koreanische Worte meist recht lang. Daher werden sie meist nur bei westlichen Bezeichnungen eingesetzt oder bei koreanischen Begriffen in westlichen Texten.
Die meisten Südkoreaner können Hangeul, eine große Zahl Hanja und lateinische Schrift fließend lesen und schreiben. Anders als beispielsweise in Japan, wo sich das Hepburn-System etablieren konnte, beherrschen nur wenige Koreaner eins der Systeme zur Romanisierung; sowohl Koreaner als auch Ausländer tendieren zu spontaner Romanisierung ohne ersichtliche Systematik; auch wird oft eine der wissenschaftlichen Romanisierungen zugrundegelegt, an der dann aber starke Änderungen vorgenommen werden, um sie den Bedürfnissen oder technischen Gegebenheiten des Benutzers anzupassen; siehe hierzu McCune-Reischauer#Sonderzeichen.
Siehe auch
- Tabelle der Hangeul-Zeichen
- Hunmin Jeongeum
- Jamo
Weblinks
- http://www.schrock.net/tim/hangul/computer/ – Hangeul unter Windows tippen
- http://www.korea.net/korea/kor_loca.asp?code=A020302 (englisch) – Artikel über Hangeul
- http://www.willi-stengel.de/hangul.htm Hangeul, der Schlüssel zur Kultur der Koreaner. Berichtet u. a. von der Unterdrückung der koreanischen Schrift unter japanischer Besatzung.
Kurse
- http://www.langintro.com/kintro/toc.htm – Ein guter Kurs (englisch)
- http://www.ganada.de/de/hangeul/index.htm – Ein Kurs auf deutsch
- [http://german.tour2korea.com/02Culture/KoreanLanguage/learn_korean_language.asp?konum=1&kosm=m2_7 |