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Hebräische Sprache

Hebräische Sprache

Hebräisch gehört zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und damit zur afro-asiatischen Sprachfamilie. Die heilige Schrift der Juden, die Torah, wurde vor Tausenden von Jahren in dieser Sprache kodifiziert und den folgenden Generationen weitergegeben. Nach der Zerstörung des Ersten Tempels zu Jerusalem durch Nebukadnezar II. im Jahre 586 v. Chr. und dem darauffolgenden babylonischen Exil kam die dortige Amtssprache Aramäisch unter den Juden in Umlauf; späte Teile der Bibel enthalten deshalb aramäische Bestandteile. Auch die Muttersprache von Jesus von Nazaret war möglicherweise Aramäisch. Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels zu Jerusalem im Jahre 70 verlagerte sich das Zentrum jüdischer Siedlung von Judäa nach Galiläa. Damit verbunden nahm auch das hebräischsprachige Element in der Bevölkerung ab. Etwa ab dem Jahre 200 hörte Hebräisch auf, als Muttersprache zu fungieren. Es blieb indessen eine Sakralsprache, wurde jedoch nie ausschließlich zu liturgischen Zwecken benutzt, sondern stets auch zur Abfassung von philosophischen, medizinischen, juristischen und poetischen Texten, so dass sich das Vokabular im Laufe der Jahrhunderte erweitern konnte. Es ist ebenfalls bezeugt, dass sich die verstreuten jüdischen Gemeinden zur Verständigung untereinander des Hebräischen bedienten. Die Erneuerung des Hebräischen als Muttersprache begann im späten 19. Jahrhundert. Trotz der jahrtausendelangen Entwicklung sind die Unterschiede zwischen Althebräisch und Neuhebräisch viel weniger bedeutend als zum Beispiel zwischen Altgriechisch und Neugriechisch (siehe griechische Sprache). In Israel wird gar nicht zwischen Alt- und Neuhebräisch unterschieden, in beiden Fällen ist von "Iwrit" die Rede. Von David Ben Gurion, dem ersten Ministerpräsidenten des neuzeitlichen Staates Israel, ist der Ausspruch überliefert: "Wenn Moses heute zurückkäme und um ein Stück Brot bitten würde, würde man ihn verstehen."

Geschichte

Man unterscheidet drei Entwicklungsstufen: Alt-, Mittel- und Neuhebräisch.

Frühgeschichte

Der Gezer-Kalender stammt aus dem Jahre 925 v. Chr., das heißt aus der Amtszeit des Königs Salomo, und gilt als die bisher älteste bekannte hebräische Inschrift. Es handelt sich um einen landwirtschaftlichen Kalender aus sieben horizontal geschriebenen Zeilen und einer achten vertikalen Zeile, in denen das phönizische Alphabet verwendet wird. Das berühmteste Werk in hebräischer Sprache ist die jüdische Bibel, der Tanach (im christlichen Sprachgebrauch Altes Testament genannt). Die genauen Daten ihrer Abfassung sind umstritten (siehe dazu Bibelkritik). Die ältesten Exemplare von biblischen Texten wurden 1947 in Qumran gefunden und stammen aus der Zeit zwischen dem 3. Jahrhundert v. Chr. und dem späten 1. Jahrhundert n. Chr.

Spätere Geschichte

Die Juden im Perserreich benutzten Aramäisch, das für die folgenden 700 Jahre zur Umgangssprache wurde und vor allem in der Bibelübersetzung Targum und in Teilen des Talmuds literarisch verwendet wurde. Aramäisch gehört ebenfalls zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen und ist somit dem Hebräischen sehr nahe verwandt. In der mittelhebräischen Phase wurden zahlreiche aramäische Ausdrücke und Redewendungen ins Hebräische übernommen, vor allem aber das aramäische Alphabet, das als Quadratschrift bis heute in Gebrauch ist. Während etwa zwei Jahrtausenden war Hebräisch keine gesprochene Sprache. In der traditionellen jüdischen Ausbildung, beginnend im Cheder und fortgesetzt in den Talmud-Hochschulen, wurde jedoch viel Zeit darauf verwendet, um Torah, Mischna, Gemara und rabbinische Kommentare im Original lesen zu können. Der wichtigste Beitrag zur Erhaltung des traditionellen Hebräisch stammt von den Masoreten, die vom 7. bis zum 10. nachchristlichen Jahrhundert zum ursprünglich rein konsonantischen Text Vokale, Akzente und so genannte Teamim hinzufügten, das heißt Angaben zum liturgischen Gesang im Gottesdienst. In der Biblia Hebraica Stuttgartensia ist der masoretische Text abgedruckt.

Hebräische Schrift

Siehe dazu den Artikel Hebräisches Alphabet sowie die Einträge unter den einzelnen Buchstaben, beginnend mit Aleph.

Grammatik

Hauptartikel: Hebräische Grammatik In der hebräischen Grammatik werden zur Unterscheidung von Subjekt und Objekt keine Fälle verwendet, sondern Präpositionen. Flexion spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Bildung und Ableitung von Verben, Substantiven, der Genitivkonstruktion Status constructus, der auf Hebräisch Smichut ("Stützung") genannt wird, und dem Besitzverhältnis. Beispiele für Smichut: báyit = Haus; lechem = Brot; béit lechem = Haus des Brotes (Bethlehem). In der Smichut steht der Artikel, im Gegensatz zu den Indogermanischen Sprachen, vor dem Objekt: aliyá = Einwanderung; nó`ar = Jugend; aliyát hanó`ar = die Einwanderung von Jugendlichen. Das Besitzverhältnis kann auf hebräisch durch eine Kurzform und eine längere Form wiedergegeben werden. Die Kurzform besteht in der Anhängung einer persönlichen Nachsilbe, die längere Form durch Ableitungen der Präposition schel ("von"). Beispiel: Sohn = ben mein Sohn = bni bzw. habén schelí (wörtlich "der Sohn von mir"). Dass die Hebräische Schrift eine Konsonantenschrift ist, kommt nicht von ungefähr: in der hebräischen Sprache besteht ein Wortstamm nur aus Konsonanten. Die verschiedenen abgeleiteten Formen entstehen durch Hinzufügung unterschiedlicher Vokale sowie mit Hilfe von Vor- und Nachsilben. Zum Beispiel: der Wortstamm G-N-W bezeichnet die Idee des Stehlens. Daraus werden unter anderem folgende Wörter abgeleitet: ganáw = Dieb; daraus abgeleitet das deutsche Wort "Ganove" (aní) gonéw = (ich) stehle gniwá = Diebstahl Zum Thema Wortstamm siehe außerdem den Abschnitt "Grammar" im englischen Artikel über die semitischen Sprachen, :en:Semitic languages. Die hebräische Sprache kennt zwei grammatikalische Geschlechter bzw. Genera: männlich und weiblich. Weibliche Substantive und Namen enden meistens mit a oder th, das entspricht jeweils den hebräischen Buchstaben "He" bzw. "Taw". Beispiel: Judith, `Ivrith. Es gibt jedoch auch einige Ausnahmen, beispielsweise endet das Wort "lájla" (Nacht) mit dem Buchstaben "He" und ist trotzdem männlich. Betont wird meistens die letzte Silbe, in einigen Fällen auch die vorletzte Silbe. Hebräische Substantive und Adjektive können mit dem bestimmten Artikel "ha" definiert werden. Unbestimmte Substantive bzw. Adjektive tragen gar keinen Artikel. Der bestimmte Artikel wird zusammen mit dem zugehörigen Wort geschrieben. Beispiel: no`ar = Jugend, hano`ar = die Jugend. Hebräische Verben verfügen heute über drei Zeitformen, Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Für die Gegenwart hat jedes Verb vier Formen, wobei zwischen männlicher Einzahl, weiblicher Einzahl, männlicher Mehrzahl und weiblicher Mehrzahl unterscheiden wird. Beispiel:
dient dem Zeilenumbruch, bitte nicht entfernen
Die Grundform zur Ableitung sämtlicher Konjugationsformen ist im Hebräischen die 3. Person Singular maskulin der Vergangenheit, Beispiel katáw: er schrieb. Des weiteren verfügen die meisten Verben, mit Ausnahme von einigen Passivformen und Modalverben, über Infinitiv- sowie Imperativformen. Hebräische Verben kennen weder eine Vorvergangenheit noch ein Futur II. Dieser Mangel an zeitlichen Ausdrucksformen wird jedoch dadurch ausgeglichen, dass die jahrtausendealten Wortstämme (siehe oben) durch die Ableitung von kausativen und reflexiven Formen neu belebt werden können. Beispiele:
- lichtów: schreiben, davon abgeleitet:
  - michtáw: Brief
- lëhachtíw: "zu schreiben geben", d.h. diktieren, vorschreiben, davon abgeleitet:
  - hachtawá: Diktat
- lëhitkatéw: "einander schreiben", d.h. korrespondieren, davon abgeleitet:
  - hitkatwút: Korrespondenz

Sprachen mit starken hebräischen Einflüssen

In den Jahrhunderten der Diaspora verwendeten die Juden zahlreiche Sprachen wie Jiddisch, Jenisch, Ladino bzw. Judezmo, Karaimisch, Judäo-Arabisch und andere, die zwar nicht direkt vom Hebräischen abstammen, jedoch zahlreiche hebräische Lehnwörter aufweisen und fast stets mit dem hebräischen Alphabet notiert wurden.

Einflüsse des Hebräischen auf das Deutsche und umgekehrt

Durch die Bibelübersetzung von Martin Luther sind zahlreiche Ausdrücke und Redewendungen mit biblischem Hintergrund in die deutsche Sprache aufgenommen worden. Beispiele: sicher wie in Abrahams Schoss, Jubeljahr, Kainsmal. Vornamen hebräischen Ursprungs sind so weit verbreitet wie das Christentum: Jakob, Joseph, Joachim, Joel, Johanna, Jonas, Jonathan, Maria, Miriam, Johann, Rebekka, Samuel, Achim und viele andere. Einige hebräische Worte sind über das Jiddische in die deutsche Sprache gelangt, z.B. Tachles aus hebr. tachlit = Zweck, Sinnvolles, malochen aus melacha = Arbeit, koscher aus kascher = rein, tauglich, dufte aus tov = gut, betucht aus batuach = sicher, Stuss aus schtut = Unsinn (aus: [alt]) Aus historischen Gründen befinden sich viele Begriffe des Geschäftslebens darunter. Da den Juden im christlichen Europa jahrhundertelang kaum andere Erwerbsquellen erlaubt wurden, waren viele von ihnen im Handel oder im Geldwesen tätig. Hierher gehören die Ausdrücke Kies im Sinne von (Taschen)geld aus kis = Tasche; Pleite aus peleta = Flucht, Entkommen; Reibach aus rewach = Gewinn. In die Kriminalität abgedrängte Juden steuerten einige Worte und Redewendungen der Gaunersprache bei, z.B. Ganoven (von hebräisch ganav = Dieb). Siehe dazu auch Hebraismus. Bei der Schaffung von Ivrith zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden aus den meisten europäischen Kultursprachen verschiedene Ausdrücke übernommen. Die modernen Monatsnamen in Israel entsprechen den deutschen Bezeichnungen: Januar, Februar, März usw. Die einzige Abwandlung ergibt sich beim Monat August, der Ogust ausgesprochen wird, da die Vokalverbindung au im Hebräischen ungewöhnlich ist. Die neuhebräische Bezeichnung für Zeitung: iton lässt den deutschen Einfluss nicht auf den ersten Blick erkennen. Das Wort ist jedoch eine Ableitung von et = Zeit, genau wie im Deutschen.

Siehe auch


- Protosemitisches Alphabet
- Phönizisches Alphabet
- Hebräische Buchstaben: Aleph, Beth, Gimel usw.
- Hebräische Ziffern
- Nikud
- :Kategorie:Hebräisch

Literatur


- Metzler Lexikon Sprache, 1993
- Wilhelm Gesenius, Geschichte der hebräischen Sprache und Schrift, Olms 1973
- Umberto Eco, Die Suche nach der vollkommenen Sprache, dtv 1993 (befasst sich nur nebenbei mit der hebräischen Sprache, ist aber trotz des häufigen Gebrauchs von Fremdwörtern sehr lesenswert)
- [alt] Hans Peter Althaus, Kleines Lexikon deutscher Wörter jiddischer Herkunft, C.H.Beck 2003 Grammatiken und Wörterbücher:
- Hans Peter Stähli, Hebräische Kurzgrammatik (pädagogisch gut gemacht, sehr plausibel)
- Wilhelm Gesenius, Hebräische Grammatik, 10. Aufl. 1831 (immer noch unschlagbar tiefschürfend)
- Gesenius/Kautsch/Bergsträsser, Hebräische Grammatik, Olms 1995 (die beste und teuerste)
- Jutta Körner, Hebräische Studiengrammatik, Langenscheid 1996 (ausführlich)
- Ernst Jenni, Lehrbuch der hebräischen Sprache des alten Testamentes, 1981 (Schulbuch für Gymnasien konzipiert)
- Thomas O. Lambdin, Lehrbuch Bibel-Hebräisch 1999 (aus dem Amerikanischen)
- Rudolf Meyer: Hebräische Grammatik, Berlin 1992
- Wilhelm Gesenius: Hebräisches Handwörterbuch, Berlin 1962
- Georg Fohrer, Hebräisches und aramäisches Wörterbuch zum Alten Testament, Berlin | New York 1997
- Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch I, Studiengrammatik, Münster 1997
- Frank Matheus, Einführung in das Biblische Hebräisch II, Studienbuch für das Gruppen- und Selbststudium, Münster 1997 Zur Sprachgeschichte: Feldhendler,Marie-Paule : Grammaire de l'hébreu israélien.Ellipses.France 2004.
- haUniversita haPetucha: Peraqim beToledot haLashon ha'Ivrit 1-11. Tel Aviv.
- Kutscher, Eduard Yechezkel: A History of the Hebrew Language. Jerusalem 1982.
- Sáenz-Badillos, Angel: A History of the Hebrew Language. Cambridge 1996.

Weblinks


- http://www.hebreu.org
- http://www.alanwood.net/unicode/hebrew.html (englisch)
- http://www.nirdagan.com/hebrew/ (englisch)
- http://www.hebraicum.de/
- http://www.faithofgod.net/davar/ DAVAR - hebrew dictionary (freeware,englisch)
- http://www.ivrit4u.org
- http://www.ivrit4u.com
- [http://www.kzu.ch/fach/as/aktuell/2000/03_schalttag/gezer_01.htm Kalender von Gezer]
- [http://www.etymologie.info/~e/_e/_e-wwdmon.html Website Etymologie]
- [http://www.archiv-vegelahn.de/nachschlagwerke_hebraeisch.html Bibliographie Nachschlagwerke hebräisch]
- [http://www.mikledet.com Mikledet.com]: Mit Mikledet können Sie Hebräischen E-Mails schicken ohne eine Hebräischen Tastatur zu haben. ! Kategorie:Einzelsprache ja:ヘブライ語 ko:히브리어 simple:Hebrew language th:ภาษาฮีบรู

Semitische Sprachen

Die Sprachfamilie der semitischen Sprachen ist Teil der Afro-Asiatischen Sprachen, die sich in Nordostafrika entwickelt haben. Sie werden heute von ca. 280 Millionen Menschen gesprochen. Den Alphabeten oder Abjaden der semitischen Sprachen (außer den semitischen Sprachen Äthiopiens, dem Mandäischen und dem Maltesischen) ist gemein, dass sie nur Konsonanten benennen, während die Vokale im geschriebenen Text meist nicht bezeichnet werden, des Weiteren in vielen Fällen die Schreibweise von rechts nach links. Typische Merkmale aller semitischen Sprachen sind:
- in der Phonologie: das Auftreten zahlreicher Kehl- und emphatischer Laute.
- in der Formenlehre:
  - die Verwendung einer aus drei Radikalen bzw. Konsonanten bestehenden Wortwurzel zur Bildung von Wörtern (Triradikalität).
  - die Verwendung eines bestimmten Artikels vor bzw. nach Substantiven.
  - die Verwendung des Status constructus zur Verbindung von zwei oder mehreren Substantiven (siehe hierzu hebräische Sprache). Substantive in semitischen Sprachen kennen zwei Nominalklassen bzw. Genera, die üblicherweise maskulin und feminin genannt werden. Neben Plural und Singular gibt es in vielen Fällen noch den Dual ("Zweizahl"). Das klassische Arabisch verwendet diese Form in sämtlichen Substantiven und Verben, im Hebräischen hingegen wird sie nur für in der Regel als Paar auftretende Gegenstände verwendet (Augen, Hände etc.). Verben in semitischen Sprachen unterscheiden ursprünglich nur die Aspekte vollendet (perfekt) oder unvollendet (imperfekt). Dafür drücken verbale Ableitungen semitischer Stammformen verschiedene Modifikationen aus, beispielsweise die Intensivierung (im Deutschen selten: stechen – sticheln, streichen – streicheln), die Veranlassung in kausativen Verben (im Deutschen z. B.: fallen – fällen oder trinken – tränken), oder die rückbezügliche Beziehung in reflexiven Verben. Ansonsten kennen semitische Sprachen Entsprechungen für Aktiv und Passiv, Imperativ, Verbalsubstantiv usw. wie andere Sprachen auch. Selbständige Personalpronomen kommen selten vor und dienen der Hervorhebung (ich persönlich, du da). Im Unterschied zum Deutschen können die Personalpronomen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen, verschmolzen werden. Dies hat nicht nur orthographische Konsequenzen, da sich das 'Anhängen' auf die gesamte Wortform verändernd auswirkt. (vergleiche biblisches Hebräisch: schamar = behüten, schamreni = behüte mich). Auch Artikel, die Konjunktion und sowie einige Präpositionen sind nicht selbständig, sondern verschmelzen mit dem Wort, auf das sie sich beziehen.

Einteilung

Die semitischen Sprachen werden gemeinhin in folgende Gruppen eingeteilt:
- Ostsemitisch
  - Akkadisch (ausgestorben)
    - Babylonisch (ausgestorben)
    - Assyrisch (ausgestorben)
- Nordwestsemitisch
  - Amoritisch (ausgestorben)
  - Eblaitisch (ausgestorben, Zuordnung umstritten)
  - Ugaritisch (ausgestorben)
  - Kanaanäisch (ausgestorben)
    - Phönizisch-Punisch (ausgestorben)
    - Moabitisch (ausgestorben)
    - Ammonitisch (ausgestorben)
    - Hebräisch
      - Neuhebräisch (heute wieder gesprochen)
  - Aramäisch (Aramäer, auch als Gelehrten-, Handels- und Sakralsprache)
    - Westaramäische Dialekte
      - Nabatäisch (ausgestorben)
      - Palmyrenisch (ausgestorben)
      - Jüdisch-Aramäisch (Sprache der Targume, des Palästinischen Talmuds und einiger Midraschim)
      - Samaritanisch (ausgestorben)
      - Christlich-Palästinisch
      - Neuwestaramäisch (in Ma'lula in Syrien heute noch gesprochen)
    - Ostaramäische Dialekte
      - Syrisch
      - Jüdisch-Babylonisch-Aramäisch (Sprache des Babylonischen Talmud)
      - Mandäisch
      - Neuostaramäisch auch Aramoyo genannt (heute noch gesprochen)
- Südsemitisch
  - Äthiopische Sprachen
    - Ge'ez (im Alltag ausgestorben – hat noch als Sakralsprache Bedeutung)
    - Amharisch
    - Tigrinya
    - Tigré
    - Gurage
    - Aderi (die Sprache der Stadt Harar)
  - Nordarabische Sprachen
    - Klassisches Arabisch (Literatur- und Sakralsprache)
    - moderne arabische Dialekte
    - Maltesisch (auf Malta gesprochen, mit modernen maghrebinischen Dialekten verwandt)
  - Südarabische Sprachen
    - Sabäisch (ausgestorben)
    - Minäisch (ausgestorben)
    - Suqutri (heute auf der Insel Sokotra gesprochen)
    - Mehri (heute im Jemen und Oman gesprochen)
    - Dschibbali (heute im Oman gesprochen) ! S ja:セム語派

Juden

Als Juden bezeichnet man die Angehörigen des jüdischen Volks bzw. der jüdischen Religion. Dabei ist jedoch der Begriff "jüdisches Volk" nicht als Nationalität anzusehen; vielmehr sehen sich die Juden nicht nur als Angehörige einer Glaubensgemeinschaft, sondern als das Volk in dem Sinne, dass sie sich mehrheitlich als Nachkommen ihres Stammvaters Ja'akob verstehen. Im historischen Sinne bezeichnet der Begriff nur die Angehörigen des Stammes Juda, einer der zwölf Stämme Israels. Das deutsche Wort "Jude" kommt vom hebräischen j'hudi, was soviel wie "Bewohner des Landes Juda" bedeutet. Aufgrund der Verwobenheit vom jüdischen Volk und Glauben sowie jüdischer Tradition und Geschichte greifen rein zivilisatorische, ethnische oder religiöse Ansatzpunkte zu kurz, um den Begriff genau zu umschreiben. Im Folgenden werden die heute am häufigsten benutzten Definitionen der Zugehörigkeit zum Judentum kurz aufgezeigt.

Entstehung des Judentums

Als Urvater der Juden gilt Abraham, der wahrscheinlich um 1800 v. Chr gelebt hat. Er war wohl der Führer eines westsemitischen Nomadenstammes, der irgendwo zwischen dem Mittelmeer und Mesopotamien lebte. Als Stifter der jüdischen Religion (man nannte sie bis ins ca. 5. Jahrhundert v. Chr „israelitische Religion“) gilt Moses (daher auch "mosaische Religion"). Um 1200 v. Chr. wurden die heutigen Grundaussagen festgelegt. Als eigentlicher Begründer des heutigen Judentums gilt Esra (um 6./5. Jahrhundert v. Chr.).

Begriff in der jüdischen Tradition

Innerhalb der Halacha, den jüdischen Gesetzen und Traditionen, gilt jeder Mensch als Jude, der eine jüdische Mutter hat, unabhängig davon, ob oder wie sehr er die jüdischen Glaubensvorschriften befolgt oder nicht. Dabei ist es Bedingung, dass die Mutter bei der Empfängnis Jüdin nach der Halacha sein muß. Wenn also eine nichtjüdische Frau vor der Geburt des Kindes zum Judentum konvertiert ist, sind die Kinder Juden. Wenn aber eine als Jüdin geborene Frau vor der Geburt der Kinder zu einer anderen Religion konvertiert oder konfessionslos wird, sind die Kinder keine Juden. Außerdem gilt als Jude, wer formell die Konversion zum Judentum (Gijur genannt) vollzogen hat. Einfacher Glaube an die jüdische Religion reicht nicht aus. Das Prinzip der Halacha wird im Talmud auf die Tora zurückgeführt, weswegen man davon ausgehen kann, dass es schon seit Entstehung des Judentums seine Gültigkeit hat. Dadurch entwickelte sich eine Kultur, die über lange Zeit stabil blieb und den Juden eine eigene Identität bewahrte, obwohl sie über fast zwei Jahrtausende hinweg keinen eigenen Staat, vor allem kein eigenes Staatsgebiet hatten. Ihre Heimat war und ist der ewige Bund Gottes mit Abraham und das an Moses und die anderen Propheten verkündete ewige Gesetz Gottes. Eine gleiche Phase der Diaspora (Zerstreuung) hatte das Volk Israel bereits in der babylonischen Verbannung überstanden. Heimgekehrt nach Jerusalem, begrenzten die Kinder Israels ihre völkische Einheit erneut auf die leiblichen Nachfahren Abrahams, Isaaks und Jakobs (Israels). Damals erreichte der Prophet Esra, dass Juden, die sich mit nichtjüdischen Frauen verbunden hatten, diese und die mit ihnen gezeugten Mischlingskinder verstoßen mussten.

Neubewertungen

Mit dem Aufkommen der Aufklärung kam es auch innerhalb des Judentums zur Diskussion über den Sinn mancher Gesetze der Tora. So genannte Reformjuden oder liberale Juden begannen, ältere Bräuche, unter anderem auch die Frage, wer Jude ist und wer nicht, in Frage zu stellen. So kam es - vor allem in West- und Mitteleuropa, wo die Assimilationsbestrebungen weitaus stärker waren als im Osten - zu einer allmählichen Lockerung der bislang so engen Definition von "Jude". Die meisten modernen jüdischen Gemeinden - z.B. in den USA oder Großbritannien - vertreten heute eine andere, weniger strenge Fassung des Begriffs "Jude". Im Reformjudentum in den USA und im liberalen Judentum Großbritanniens wird eine einfachere Konversion akzeptiert und es werden auch Kinder eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter als Juden angesehen, wenn diese Kinder jüdisch erzogen wurden. Diese Abweichung von der traditionellen Sichtweise hat zu Spannungen mit traditionellen (konservativen, orthodoxen) Juden geführt.

Im Staat Israel

Das Parlament des Staates Israel, die Knesset, hat in einer ersten Fassung des Heimkehrgesetzes 1950 zwar bestimmt: "Jeder Jude ist berechtigt, in das Land einzuwandern." Damit war aber nicht geregelt, wer als Jude gelten darf. Behördliche und gerichtliche Auseinandersetzungen zwangen die Knesset im Jahre 1970 jedoch dazu, des Heimkehrgesetz (die so genannte "Law of Return"), neu zu formulieren. Als Jude gilt seither in Israel derjenige, dessen Mutter oder Großmutter, Urgroßmutter oder Ururgroßmutter (jeweils mütterlicherseits) religiöse Jüdinnen waren, oder der, der nach den orthodoxen religiösen Regeln zum Judentum konvertiert ist. Diese Definition folgt der des Talmud, fügt aber das Ausschlussmerkmal "nicht einer anderen Religion angehörend" hinzu. Jude ist nach offiziellem israelischem Verständnis keine Bezeichnung einer Nationalität, weil alle Juden der Welt unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft zum jüdischen Volk gehörten. Israel ist nach zionistischem Verständnis der "Staat des jüdischen Volkes".

Literatur


- Landmann, Salcia: Wer sind die Juden?. München, 1982, ISBN 3-423-00913-6
- Eisak Schlomer / Peter Guttkuhn: Liebes, altes, jüd'sches Moisling. 3. Aufl. Lübeck 1988

Weblinks


- [http://www.juden.de/ Juden in Deutschland]
- [http://www.schechina.org/ Die Lehren der Juden]
- [http://www.jewish-forum.de/ jüdisches Diskussionsforum]
- [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
- [http://www.chabad.de/ Chabad Deutschland]
- [http://www.talmud.de/ jüdisches Leben in Deutschland]
- [http://www.hagalil.com/ Jüdisches Internetportal]
- [http://www.judentum-projekt.de/ Jüdische Geschichte und Kultur]
- [http://www.liberale-juden.de/ Progressives Judentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz]
- [http://www.chotzen.de/ Jüdisches Leben in Deutschland 1914-2005, Website der Bundeszentrale für politische Bildung und des Deutschen Historischen Museums (dt.&engl.)]

Siehe auch


- Portal:Judentum
- Judenfeindlichkeit
- Zionismus
- Holocaust
- Nürnberger Gesetze
- Religion während des Nationalsozialismus Kategorie:Judentum Kategorie:Ethnie ja:ユダヤ人 ko:유대인 simple:Jew th:ยิว

Jerusalem

Jerusalem (arabisch: al-Quds (asch-Scharif), القدس; hebräisch: Jeruschalajim, ירושלים) ist die Hauptstadt von Israel. Jerusalem ist eine der ältesten Städte der Welt und wahrscheinlich seit 5000 Jahren durchgehend bewohnt. Die Stadt war zwischen 1948 und 1967 geteilt in Westjerusalem, das von Israel annektiert wurde, und das mehrheitlich von Arabern bewohnte Ostjerusalem, das bis zum Sechstagekrieg von Jordanien annektiert war. Der Gegensatz zwischen Moderne und Antike ist in dieser Stadt mit ihrer multikulturellen und multiethnischen Bevölkerung besonders sichtbar. Die Altstadt ist von einer Mauer umgeben und hat vier Teile: das Jüdische Viertel, das Christliche Viertel, das Armenische Viertel und das Muslimische Viertel. Antike
- Fläche: 126,4 km²
- Einwohner: 704.900 (Stand: 1. Januar 2005)
- Bevölkerungsdichte: 5.577 Einwohner/km²
- Höhe: 606–826 m ü. NN
- Telefonvorwahl: 02
- Geografische Lage: 31°47' nördl. Breite, 35°13' östl. Länge
- Bürgermeister: Uri Lupolianski

Status als Hauptstadt Israels

Im Jahre 1980 verabschiedete die Knesset ein Gesetz, das Jerusalem zur „ewigen und unteilbaren Hauptstadt“ Israels erklärte. Dieses Gesetz wurde eines der Grundgesetze des Staates. Bis 2004 haben nur zwei Staaten, nämlich Costa Rica und El Salvador, ihre Botschaften in Jerusalem (dies seit 1984), aber es befinden sich Generalkonsulate der Staaten Griechenland, Großbritannien und USA dort. Alle Staatsgewalten haben ihren Sitz in Jerusalem. Der Sitz des Präsidenten ist hier genauso wie der der Legislative, Judikative und Exekutive.

Geografie

Geografische Lage

Jerusalem liegt auf 31° 46' 45" nördlicher Breite und 35° 13' 25" östlicher Länge auf dem Südausläufer eines Plateaus. Benachbarte Orte sind Betlehem und Bait Dschala im Süden, Abu Dis im Osten und, in einiger Entfernung, Ramallah im Norden.

Klima

In Jerusalem ist es im Sommer trocken und heiß und im Winter kühl und feucht. Im Jahresmittel fallen circa 500 Millimeter Niederschlag, die Durchschnittstemperatur beträgt im Januar 10 Grad Celsius und im August 24 Grad Celsius. Gelegentlich fällt im Winter auch Schnee (circa alle zwei bis drei Jahre). Im Frühling und Herbst tritt oft ein heißer Wüstenwind, der Sharav (hebr.) oder Chamsin (arab.) auf.

Geschichte

Frühgeschichte

Chamsin Die Existenz Jerusalems als kanaanäischen Stadtstaat ist durch ägyptische Quellen seit dem 18. Jahrhundert v. Chr. als „Uruschalim" belegt. Der Name Uruschalim/Jerusalem (nach der Bibel vor der Eroberung durch David Salem oder Jebus) bedeutet „Stadt des Schalim„ oder “Stadt des Friedens". Schalim war ein kanaanitischer Gott der Abenddämmerung. Shalom bedeutet im Hebräischen, Salam im Arabischen Frieden. Gegen Ende des 2. Jahrtausends v. Chr gehörte die Stadt nach dem biblischen Bericht den Jebusitern. Der jüdischen Bibel nach eroberte König David Jerusalem von diesen um das Jahr 997 v. Chr., er machte sie zur „Davidsstadt" und zum politischen und religiösen Mittelpunkt des Israelitenreiches. Für die jüdische Religion und Kultur ist Jerusalem seitdem Zentrum und Hauptstadt. Sein Sohn, König Salomo (um 969–930), erbaute einen Palast und einen ersten Tempel für Jahwe. Der Tempelberg ist heute der islamischen Waqf unterstellt, Ausgrabungen sind dort nicht möglich. Der Waqf erstellt illegalerweise eine neue Moschee in den sogenannten Ställen Salomos. Bei diesen Bauarbeiten werden unkontrolliert Überreste der beiden jüdischen Tempel zerstört. Jahwe Nach Salomos Tod 926 v. Chr. wurde Jerusalem die Hauptstadt des israelitischen Südreiches Juda. Königin Atalja (845–840) entweihte den Tempel und führte im Tempel den Baalskult ein, und unter König Ahas (741–725) wurden auch assyrische Götter verehrt. Erst Hiskija (725–697) reinigte den Tempel wieder und sicherte die Stadt durch Mauern und einen Tunnel zur Wasserversorgung. Joschija machte 628 v. Chr. Jerusalem zur alleinigen legitimen israelitischen Kultstätte. In verschiedenen Geschichtswerken wird – unter Benutzung babylonischer Quellen – angeführt, dass Nebukadnezar II. die Stadt im Jahre 586 v. Chr. eroberte und den Tempel zerstörte. Beachtet man allerdings die ausführliche Chronologie der Bibel, fällt diese Einnahme in das Jahr 607 v. Chr, vergleiche auch die Jerusalem-These Kamal Salibis. Nach der Rückkehr der jüdischen Oberschicht wurde der Tempel neu erbaut (Nehemia). Unter römischer Herrschaft wurde der von Herodes dem Großen erbaute zweite Tempel im Jahre 70 n. Chr. durch Titus zerstört. Konstantin erklärte Jerusalem schließlich zur christlichen Stadt.

Nach der römischen Herrschaft

Konstantin Nach einer kurzen Besetzung durch die Perser (614628) eroberte der oströmische Herrscher Heraclius die Stadt zurück. Im Jahre 637 eroberten Araber die Stadt. Die Stadt wurde freiwillig von christlichen Nonnen übergeben, sodass die Stadt kampflos übernommen wurde. Während der Kreuzzüge eroberten christliche Kreuzritter unter Gottfried von Bouillon 1099 Jerusalem und richteten dort ein Blutbad unter Muslimen und Juden an. Innerhalb von drei Tagen wurden bis zu 70.000 Bewohner getötet. Im Jahre 1187 gelang es Saladin (arabisch: „Salah ad-Din Yusuf ibn Ayub“), dem kurdischstämmigen Sultan von Ägypten, Jerusalem zu erobern. Ein kurzes Intermezzo bildete die Herrschaft von Kaiser Friedrich II. von 1229 bis 1244. Im Jahre 1244 besetzten die Mamluken, eine türkische Söldnerschicht, welche nach dem Tode Saladins die Herrschaft in Ägypten übernommen hatten, die Stadt. Von 1244 bis 1517 wechselten sich Tartaren, Mamluken, Mongolen und Ayybiden in der Herrschaft ab. Jerusalem hatte damals weniger als 10.000 Einwohner und keine politische Bedeutung. Vollgültige Bürger waren nur die Muslime. Christen und Juden mußten sich durch ihre Kleidung kenntlich machen. Sie durften ihre Religion als Anhänger einer Buch-Religion zwar im allgemeinen ausüben, wurden aber rechtlich in fast allen Lebensbereichen diskriminiert und ausgebeutet. Dennoch existierte immer ein christliches und ein jüdisches Viertel in der Stadt und ein ständiger, wenn auch kleiner Strom von christlichen und jüdischen Besuchern und Pilgern. Im Jahre 1516 wurden die Mamluken in Syrien von den osmanischen Türken besiegt. Sultan Selim I. (14651520) gewann Ägypten, Arabien und Syrien. Jerusalem wurde zum Verwaltungssitz eines osmanischen Sandschaks (Regierungsbezirk). Die ersten Jahrzehnte der türkischen Herrschaft brachten Jerusalem einen deutlichen Aufschwung. Arabien Nach 1535 ließ Sultan Süleyman I. (14961566) sogar die Befestigungen der Stadt in zum Teil veränderter Linie erneut errichten, so wie sie gegenwärtig zu sehen sind. Durch diese Mauern erhielt die Altstadt ihre heutige Struktur. Die viel zu großen neuen Mauern um den heiligen Symbolort sollten für die neue Herrschaft ein Zeichen setzen. Jerusalem gewann dennoch in der Folgezeit nicht an Bedeutung. Die korrupte türkische Verwaltung lokaler Herrschaft war sich uneinig in ihrer Haltung gegenüber den Juden und Christen und schwankte zwischen Gewaltherrschaft wie unter Ibn Faruk (16221626) und erkaufter Toleranz. Die verarmten Juden und Christen lebten überwiegend vom Pilgergewerbe. Der Besitz der Heiligtümer Jerusalems war wegen der damit verbundenen Almosen eine lebenswichtige Einnahmequelle. Dies erklärt auch die damals teilweise erbitterten, manchmal sogar gewaltsamen Konflikte unter den christlichen Kirchen um einzelne Besitzrechte. Ab 1860 kamen durch Alyah (Rückkehr) immer mehr Juden in die Stadt, und es wurden erste Wohngebiete außerhalb der Stadtmauern gegründet. Jerusalem blieb osmanische Stadt, bis sie 1917 von britischen Truppen besetzt wurde, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich kämpften.

Jüngere Entwicklungen und derzeitiger Status

Ersten Weltkrieg Ersten Weltkrieg Schon seit Beginn der Konflikte zwischen Juden und Muslimen war Jerusalem bzw. der Status der Stadt ein zentraler Streitpunkt. Die Vertreter beider Religionsgruppen beanspruchen die Stadt oder zumindest Teile davon als Hauptstadt von Israel bzw. von Palästina. Ein Versuch, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, stellte der Teilungsvorschlag der Vereinten Nationen des Jahres 1947 vor, der vorsah, auf dem Gebiet des heutigen Israels einen vorwiegend jüdischen und einen muslimischen Staat zu schaffen und Jerusalem unter internationale Verwaltung zu stellen. Obwohl der Plan als UN-Resolution 181 von über zwei Dritteln der UN-Vollversammlung angenommen wurde, betrachtete ihn die arabische Seite als einen unzumutbaren Verzicht auf einen Teil des „Dar al Islam“. Die Araber lehnten den Plan ab und griffen ein Tag nach dessen Gründung Israel an. Nach dem Israelischen Unabhängigkeitskrieg bzw. Palästinakrieg hatte die israelische Armee große Gebiete des Landes erobert; Jerusalem wurde geteilt. Die westlichen Stadtteile fielen an Israel, Ostjerusalem kam mit dem Westjordanland (Judäa und Samarien) unter jordanischer Besatzung. Die jüdische Bevölkerung Ostjerusalems wurde vertrieben, das jüdische Viertel in der Altstadt zerstört, und der Zugang zur Klagemauer als heiligster Ort des Judentums blieb Juden fortan versperrt. Israel erklärte 1950 Jerusalem zur Hauptstadt. Dies wurde von der internationalen Gemeinschaft mit wenigen Ausnahmen nicht anerkannt. Im Sechstagekrieg (1967) eroberten israelische Fallschirmjäger Ostjerusalem. Zur Schonung von Moscheen und Kirchen verzichtete man dabei auf den Einsatz schwerer Waffen und nahm dafür erhebliche Verluste in Kauf: Von insgesamt rund 800 israelischen Kriegstoten fielen 183 in Jerusalem. Erstmals seit der Staatsgründung konnten Juden dadurch überhaupt wieder an der Klagemauer beten. Anders als die arabische Seite 1949 den Juden verweigerte Israel aber den Moslems grundsätzlich nicht den Zugang zu den heiligen Stätten, sondern unterstellte den Tempelberg einer autonomen moslemischen Verwaltung (Waqf). Beide Stadtteile und einige Umlandgemeinden wurden am 30. Juli 1980 durch das Jerusalemgesetz zusammengefasst und die Stadt zur untrennbaren Hauptstadt Israels erklärt. Dies ist aus palästinensischer Sicht eines der Haupthindernisse auf dem Weg zum Frieden. Der UN-Sicherheitsrat erklärte die Annexion Ostjerusalems für nichtig (UN-Resolution 478), sie wird daher von der Staatengemeinschaft ganz überwiegend nicht anerkannt, so dass sich alle diplomatischen Vertretungen, mit Ausnahme von Costa Rica und El Salvador, in Tel Aviv befinden. Jerusalem ist der Sitz der israelischen Regierung, des israelischen Präsidenten, des israelischen Parlamentes – der Knesset, der 1918 gegründeten Hebräischen Universität und der Holocaustgedenkstätte Jad waSchem. 1979 lebten bereits wieder 50.000 Juden in Ost-Jerusalem, 1993 waren sogar schon 160.000. Der Großteil der inzwischen rund 200.000 Juden in und um Jerusalem versteht sich anders als z. B. in Gaza oder Hebron nicht als nationalreligiöse Siedler, sondern ist einfach aufgrund staatlicher Förderung (insbesondere Steuervorteile und infrastrukturelle Investitionen) in diese Gebiete gezogen. Das bekannteste Beispiel für den Siedlungsbau ist die Trabantenstadt Ma'ale Adumin, eine am Reißbrett entworfene Siedlung, die zur Zeit von 50.000 Menschen bewohnt wird. Nach Angaben der „Christian Peacemaker Teams" aus Chicago wurden zwischen 1967 und 1991 in Jerusalem 40.000 neue Häusereinheiten für israelische Juden gebaut, aber nur 555 für Palästinenser. Zudem wurden palästinensische Häuser von Israel zerstört, um Platz für den Sicherheitszaun zu schaffen. Die Palästinenser stellen zwar rund 30 Prozent der Einwohner von ganz Jerusalem, bewohnen aber nur mehr 14 Prozent von dessen Fläche. Siehe auch: Israelisch-palästinensischer Konflikt, Al-Aqsa-Intifada

Einwohnerentwicklung

Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Al-Aqsa-Intifada

Religion

Al-Aqsa-Intifada In Jerusalem findet sich eine große Anzahl von Religionen und religiösen Bewegungen. Mission ist in Israel und Jerusalem in jeglicher Form verboten. Die wichtigsten religiösen Gruppierungen in der Stadt sind die zum jüdischen Spektrum gehörenden Ultraorthodoxen, Orthodoxen, die Gemäßigten und die Reformer sowie die messianischen, das heißt christusgläubigen Juden. Zum muslimischen Spektrum gehören die Sunniten, Schiiten, Alawiten und Drusen. Zum christlichen Spektrum gehören die Griechisch-Orthodoxen, Griechisch-Katholischen, Römisch-Katholischen, die Lutheraner, Protestanten, Anglikaner, Armenier, die Russisch-Orthodoxen, Georgisch-Orthodoxen, die Äthiopier und die Altkatholiken.

Jerusalem als heilige Stadt

Jerusalem ist von großer Bedeutung in der Bibel und wird insgesamt über 800-mal erwähnt. Immer wieder steht die Stadt im Mittelpunkt der Heils- und Gerichtsankündigungen des biblischen Gottes, so vor allem bei den Propheten Daniel, Jeremia, Jesaja, Hesekiel, Sacharja und den Psalmen, aber auch in der Offenbarung. Beispiele:
- Hesekiel 5:5 „So spricht Gott der HERR: Das ist Jerusalem, das ich mitten unter die Heiden gesetzt habe und unter die Länder ringsumher!“
- Joel 4:17 "Und ihr sollt’s erfahren, dass ich, der HERR, euer Gott, zu Zion auf meinem heiligen Berge wohne."
- Psalm 137:5 „Vergesse ich dich, Jerusalem, so verdorre meine Rechte.“ Sowohl die Stadt Jerusalem als auch das Land und Volk Israels stellt die Bibel als Gottes Eigentum dar. Interessant ist diesbezüglich die literarische Darstellung Jerusalems als ein Findelkind, das von Gott aufgezogen wird in Hesekiel 16, ebenso wie die Zusagen Gottes an die Stadt in den Psalmen, die wie Eheversprechen formuliert sind.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater

Das bekannteste Theater in Jerusalem ist das Stadttheater.

Museen

Die bedeutendsten Museen in Jerusalem sind das Israel Museum mit dem Schrein des Buches", das Rockefeller Museum für Archäologie, die Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, das Naturhistorische Museum und das Bazabel-Museum für Volkskunst und Folklore.

Bauwerke

Bazabel-Museum] Die Altstadt von Jerusalem wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt. Sie ist seit dem Mittelalter in das armenische Viertel im Südwesten, das christliche im Nordwesten, das jüdische im Südosten und das muslimische Viertel im Nordosten unterteilt und wird von einer aus dem 16. Jahrhundert stammenden, fast vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben. Die Mauer umfasst mehrere Türme sowie acht Tore. Im christlichen Teil der Altstadt befindet sich das Neue Tor, an der Grenze zum armenischen Teil das Jaffator und zum muslimischen Teil das Damaskustor. In den muslimischen Teil führen das Herodestor und das Stephanstor. Im jüdischen Teil steht das Zionstor; südwestlich davon erhebt sich der Berg Zion mit dem mutmaßlichen Grab König Davids. Östlich der Altstadt liegt der Ölberg mit dem Garten Getsemani. Den Christen ist die Altstadt von Jerusalem heilig, da sie der Ort der Leidensgeschichte, Kreuzigung und Auferstehung von Jesus Christus ist. Für die Juden ist sie als Hauptstadt des ersten jüdischen Königreiches heilig, für die Muslime, weil sie mit der Himmelfahrt des Propheten Mohammed in Verbindung gebracht wird. Wichtige christliche Stätten sind die auf den Grundmauern einer Basilika aus dem 4. Jahrhundert erbaute Grabeskirche und die Via Dolorosa. Die circa 400 Meter lange, von den Juden „Westliche Mauer“ genannte Klagemauer ist ein Teil der Stützmauer des Plateaus, auf dem er große Tempel Herodes des Großen stand. Wichtige muslimische Bauwerke auf dem Tempelberg sind heute der Felsendom und die Al-Aqsa-Moschee. Weitere bedeutende Bauwerke der Stadt sind der Cardo (Säulengang), die Dormitio-Kirche, die Erlöserkirche, die Synagoge des Hadassa-Klinikums mit ihren Chagallfenstern und die Zitadelle. Im Norden, Westen und Süden der Altstadt breitet sich die Neustadt von Jerusalem aus, die sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt hat. Sie erstreckt sich über die umliegenden Hügel und weiter bis in das wüstenhafte Umland der Stadt. Die modernen Wohn- und Geschäftsgebäude und die breiten Straßen der Neustadt bilden einen starken Kontrast zu den ärmlichen Behausungen und engen Gassen der Altstadt. In der Neustadt befinden sich die Knesset (das israelische Parlament) und zahlreiche bedeutende staatliche Einrichtungen. Dazu gehören unter anderem das Finanzministerium, das Außenministerium, das Innenministerium und der Sitz des Premierministers.

Wirtschaft und Infrastruktur

Das wirtschaftliche Leben der Stadt Jerusalem basiert zum überwiegenden Teil auf ihrer religiösen und kulturellen Bedeutung sowie auf ihrer Funktion als Verwaltungszentrum. Der Dienstleistungssektor ist dementsprechend gut ausgebaut. Viele Bewohner von Jerusalem sind in der staatlichen und städtischen Verwaltung sowie im Bildungswesen beschäftigt. Eine eher untergeordnete Rolle spielt demgegenüber das produzierende Gewerbe. Die Industriebetriebe der Stadt stellen unter anderem Glas-, Metall- und Lederwaren, Druckerzeugnisse, Schuhe und Zigaretten her. Die Produktionsbetriebe sind vorwiegend in den äußeren Bezirken von Jerusalem angesiedelt. Der Tourismus ist jedoch der mit Abstand bedeutendste Wirtschaftsfaktor, da die Altstadt ein bedeutendes Ziel für Touristen ist.

Verkehr

Durch die Berglage liegt Jerusalem abseits der wichtigsten Verkehrsströme Israels, die vor allem in der Küstenebene und dem dahinterliegenden Landstreifen fließen. Innerhalb der Stadt muss sich die Straßenführung der hügeligen Landschaft anpassen. Die wichtigste Straßenverbindung Jerusalems ist die Autobahn nach Tel Aviv, in die anderen Richtungen bestehen Landstraßen. Besonders bemerkenswert ist die Straße an das Tote Meer, die auf ihrem Weg durch das Westjordanland 1200 Höhenmeter abfällt. Nördlich der Stadt befindet sich ein kleiner Flughafen, der nur Ziel von innerisraelischen Flugverbindungen ist. Von dort fliegt Israel Airlines Ltd. nach Tel Aviv, Elat und Rosh Pinna. Der internationale Flughafen für Jerusalem ist der Ben-Gurion-Flughafen Seit 7. April 2005 verkehren nach siebenjähriger Unterbrechung wieder Züge der Israel Railways zwischen Jerusalem und Tel Aviv; die Gebirgsstrecke über Bet Schemesch wurde seit Juli 1998 saniert. Eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Jerusalem und Tel Aviv soll 2008 fertiggestellt werden. Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln erfolgt in erster Linie über Busse der staatlichen Busgesellschaft Egged, die samstags ihren Dienst einstellt. 2007 ist geplant, Jerusalems neues Straßenbahnsystem zu eröffnen. Eine der bekanntesten und zugleich wichtigen innerstädtischen Straßen ist die Jaffastraße, die von der Altstadt in Richtung Tel Aviv führt. Sie ist eine wichtige Einkaufsstraße und war bereits mehrfach Schauplatz blutiger Attentate.

Bildung

Zu den bekannten Bildungseinrichtungen in der Stadt gehören die 1918 eröffnete Hebräische Universität von Jerusalem, die 1959 gegründete Israelische Akademie, das Planetarium, das Zionistische Zentralarchiv, die Gulbenkian-Bibliothek und die Jüdische Nationalbibliothek. In der Stadt befinden sich zahlreiche religiöse Lehr- und Forschungsinstitute. Dazu gehören unter anderem die 1890 eröffnete École Biblique et École Archéologique Française, das 1927 gegründete Päpstliche Bibelinstitut und das 1963 eröffnete Institut der Jüdischen Religion.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt


- Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, islamischer Geistlicher und palästinensischer arabischer Nationalist
- Flavius Josephus, jüdischer Feldherr und Geschichtsschreiber
- Eliahu Inbal, israelischer Dirigent
- Jigael Jadin, bedeutender israelischer Archäologe, Politiker und der zweite Generalstabschef der israelischen Armee, Zahal
- Abraham B. Jehoshua, israelischer Schriftsteller
- Kyrill von Jerusalem, Kirchenvater der Orthodoxie und Kirchenlehrer
- Isaak Luria, jüdischer Kabbalist
- Jutta Oesterle-Schwerin, deutsche Politikerin
- Natalie Portman, US-amerikanische Schauspielerin
- Rehabeam, erste König von Juda
- Ahmet Kutsi Tecer, türkischer Dichter und Politiker
- Theodor I. (Papst), Papst
- Wilhelm von Tyrus, Erzbischof von Tyros und Geschichtsschreiber des Mittelalters

Literatur


- Christoph Gerhard, Marco Polo Reiseführer Jerusalem, Stuttgart (Mairs Geographischer Verlag) 2001, ISBN 3895259284
- Hubel, Helmut/Seidensticker, Tilman (Hrsg.): Jerusalem im Widerstreit politischer und religiöser Interessen. Die „Heilige Stadt" aus interdisziplinärer Sicher, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-631-51057-8, 247 S.
- ein weiteres umfangreiches Verzeichnis wissenschaftlicher Literatur zu Israel/Jerusalem/Palästina, dem Salominischen Tempel zu Jerusalem, Templer allgemein, Papsturkunden, Kreuzzüge sowie der Ordensregel der Templer [http://www.osmth-landshut.de/Literatur.html]

Weblinks


- [http://www.igor-schestkow.de/de/fotos/index.html Igor Schestkow – Photos von Jerusalem]
- [http://www.goisrael.de Fremdenverkehrsamt Israel mit touristischen Informationen (dt.)]
- [http://www.jerusalem.muni.il Stadtverwaltung Jerusalem (engl.)]
- [http://news.bbc.co.uk/1/hi/in_depth/middle_east/2001/israel_and_the_palestinians/issues/1682594.stm BBC-Artikel über Jerusalem (engl.)]
- [http://www.geocities.com/martinkramerorg/TemplesinGerman.htm Die Tempel von Jerusalem im Islam] von [http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Kramer Martin Kramer]
- Alban Nikolai Herbst: [http://www.die-dschungel.de/ANH/download/download.php?URL=../txt/pdf/das_gelbe_licht_des_friedens.pdf/ Das Gelbe Licht des Friedens. Gänge durch das alte Jerusalem.] (DLF 2003).
- Portaal van de foto's van [http://www.jerusalemshots.com Jeruzalem] Kategorie:Ort in Israel Kategorie:Ort in Palästina Kategorie:Hauptstadt in Asien Kategorie:Weltkulturerbe Kategorie:Nahost Kategorie:Jerusalem Kategorie:Palästina Kategorie:Israel Kategorie:Ort in der Bibel ja:エルサレム ko:예루살렘 ms:Baitulmuqaddis simple:Jerusalem

586 v. Chr.


Zu diesem Jahrhundert v. Chr. existieren noch keine Wikipedia-Artikel zu den Jahrzehnten.
---- Das 6. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 600 v. Chr. und endete am 31. Dezember 501 v. Chr..

Zeitalter/Epoche

Beinahe gleichzeitig entstehen einige der bedeutendsten Weltreligionen und Philosophien: Buddha in Indien/Nepal, Konfuzius in China und Pythagoras in Griechenland sind Zeitgenossen, vermutlich auch Laotse in China und möglicherweise sogar Zarathustra im Iran. In der babylonischen Gefangenschaft der Juden bildet sich der reine Monotheismus aus. Perserkönig Kyros der Große deklariert erstmals die Menschenrechte. Das Orakel von Delphi des Apollon profiliert sich als bedeutendste Weissagungsstätte. Höhepunkt der (von Karl Jaspers so genannten) Achsenzeit. In weiten Teilen Europas herrschte die keltische Hallstattkultur (8.-6. Jahrhundert v. Chr.). Die Ausstattung der Fürstengräber und -sitze dieser Zeit belegen weitreichende Handelsbeziehungen. Die Kultur der Etrusker erlebte in der Toskana ihren Höhepunkt. Kyros II. begründet das persische Großreich, das von seinen Nachfolgern Kambyses und Darius I. ausgebaut wird. In China herrscht die kulturgeschichtlich wichtige Zhou-Dynastie (1066 - 256 v. Chr.).

Ereignisse/Entwicklungen


- 594 v. Chr. - Umfassende Verfassungsreform in Athen durch den Archon Solon mit der die Teilnahme des Volks an politischen Entscheindungen institutionalisiert wird.
- 587 / 586 v. Chr. -
- Nebukadnezar II. erobert Jerusalem und verschleppt das jüdische Volk in die babylonische Gefangenschaft.
- 560 v. Chr. - Der griechische Politiker Peisistratos stürmt mit einer Schar bewaffneter Anhänger die Akropolis und lässt sich zum Tyrannen ausrufen.
- 546 v. Chr. - Untergang des lydischen Großreichs unter Krösus; siehe: Schlacht bei Pteria
- 543 v. Chr. - Beginn der buddhistischen Zeitrechnung (orientiert sich am Eingang Buddhas in das Nirvana; das Jahr ist eine Festlegung singhalesischer Mönche und unabhängig von den historischen Ereignissen: Todesjahr Buddhas ist wohl 483 v. Chr.)
- 539 v. Chr. - Der persische König Kyros II. erobert das Reich Babylonien
- 525 v. Chr. ö- die Etrusker erweitern ihren Machtbereich bis nach Kampanien
- 520 v. Chr. - Der Prophet Haggai ruft in Jerusalem zur Wiederaufnahme der Arbeit am Tempel auf.
- 515 v. Chr. - Einweihung des zweiten Tempels in Jerusalem
- 514 v. Chr - Ermordung des athenischen Tyrannen Hipparch durch die Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton.
- 510 v. Chr. - Nach vorheriger Etrusker-Herrschaft wird Rom zur Republik.
- Solonische Reformen: Nach einer Krisenzeit im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. mit nicht durch Königstitel legitimierten Personen wird im Jahre 510 v. Chr. die Tyrannis in Athen gestürzt. Menschen wie Solon und Kleisthenes von Athen, dessen Reformen ins Jahr 508 v. Chr. fallen, begründen die Demokratie.
- 507 v. Chr. - Auf dem Kapitol in Rom wird der Jupitertempel geweiht.

Persönlichkeiten


- Solon, griechischer Staatsmann (
- 638 v. Chr., † 559 v. Chr.)
- Thales von Milet, griechischer Naturphilosoph (
- 624 v. Chr., † 546 v. Chr.)
- Anaximander, griechischer Naturphilosoph (
- 611 v. Chr., † 547 v. Chr.)
- Nebukadnezar II., König von Babylonien (
- 605 v. Chr., † 562 v. Chr.)
- Krösus, lydischer König (
- um 595 v. Chr., † um 546 v. Chr.)
- Anaximenes, griechischer Naturphilosoph (
- 585 v. Chr., † 525 v. Chr.)
- Anakreon, griechischer Dichter (
- um 580 v. Chr., † um 495 v. Chr.)
- Pythagoras von Samos, griechischer Philosoph und Wissenschaftler (
- um 580 v. Chr., † um 496 v. Chr.)
- Gautama Buddha (
- um 560 v. Chr., † 483 v. Chr.). Begründer des Buddhismus
- Konfuzius, chinesischer Philosoph (
- 551 v. Chr., † 479 v. Chr.)
- Epicharmos, griechischer Philosoph, Komödienschreiber und Arzt (
- um 540 v. Chr., † um 460 v. Chr.)
- Themistokles, griechischer Feldherr (
- um 525 v. Chr., † um 460 v. Chr.)
- Xerxes I., persischer König (
- um 519 v. Chr., † 465 v. Chr.)
- Kyros II., persischer König und Begründer des altpersischen Reiches († 529 v. Chr.)
- Darius I., persischer König und Neuorganisator des persischen Großreichs († 486 v. Chr.)
- Äsop, Begründer der Fabeln
- Sappho, griechische Dichterin
- Kleisthenes von Athen, griechischer Reformer und Begründer der Demokratie (
- um 570 v. Chr., † um 507 v. Chr.)
- Laotse (Lao Zi) Philosoph, Begründer des Daoismus
- Sun Zi Militärphilosoph, "Die Kunst des Krieges"
- Prophet Sacharja
- Polykrates

Erfindungen und Entdeckungen


- Dorischer Baustil
- Ionischer Baustil 00-06 ja:紀元前6世紀 ko:기원전 6세기

Babylon

, Berlin)]] Babylon (babyl. Bab-ilani – Tor Gottes; hebr. Babel בבל) war als Hauptstadt Babyloniens eine der wichtigsten Städte der Antike. Sie lag am Euphrat, etwa 90 km südlich von Bagdad im heutigen Irak. Die Ruinen der Stadt sind unter anderem von Robert Johann Koldewey Anfang des 20. Jahrhunderts teilweise ausgegraben worden.

Etymologie

Der Name Babylon leitet sich aus dem akkadischen Wort Bab-ili ab, was Tor Gottes bedeutet. Diese Form ist aber bereits von den Akkadern bzw. Babyloniern falsch verstanden worden und geht sehr wahrscheinlich auf eine heute nicht mehr verstehbare (nicht akkadische) Urform, möglicherweise babbillum zurück. In späterer Zeit wurde dann der akkadische Name bab-ilim graecisiert, wodurch dann das uns heute bekannte Babylon entstand.

Babylon historisch

akkadischen akkadischen akkadischen Erstmalige Erwähnung findet Babylon am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr.. Unter dem berühmten König Hammurabi (1792 - 1750 v. Chr.) erlangte die Stadt erstmals eine Vormachtstellung im Alten Orient. Unter den Herrschern der neubabylonischen oder chaldäischen Dynastie erlangte sie den Höhepunkt ihrer Macht. Nach dem Zerfall Sumers wurde Babylon im 18. Jahrhundert v. Chr. unter den Amoritern zu einem regionalen Machtzentrum. Die Stadt war Zentrum Babyloniens, und ist auch durch die Hängenden Gärten der Semiramis, eines der Sieben Weltwunder der Antike, bekannt. Babylon verlor mit dem Aufstieg Assyriens an Bedeutung, auch wenn es im 6. vorchristlichen Jahrhundert zu einer Erneuerung kam (Spätbabylonisches Reich). Der Perserkönig Cyrus II. eroberte 539 v. Chr. Babylon. Alexander der Große eroberte die Stadt nach dem Sieg bei Gaugamela und wurde als Befreier begrüsst. Alexander machte Babylon später auch zum Sitz seines Reiches, wo er dann auch am 10. Juni 323 v. Chr. verstarb. In der Zeit der Diadochen gehörte Babylon zum Seleukidenreich, verlor aber zu einem späteren, nicht genau feststellbaren Zeitpunkt an Bedeutung und ist allmählich unbewohnt geworden.

Babylon aktuell

Seleukiden Nach dem Irak-Krieg richteten US-amerikanische und polnische Truppen im April 2003 einen Stützpunkt um Babylon ein, um die antike Stadt vor Räubern und Vandalen zu schützen. Laut einem Bericht des Konservators des Britischen Museums John Curtis wurde die Ruinenstadt jedoch erheblich beschädigt. Unter anderem seien die Drachen des Ischtar-Tors bei dem Versuch eines Unbekannten, Steine herauszubrechen, in Mitleidenschaft gezogen worden.

Rezeption

Babylon im Alten Testament

Der hebräische Name für das antike Babylon ist Babel. Der Bau des pyramidenförmigen Tempelturms von Babylon (siehe auch Turmbau zu Babel) wird im Alten Testament der Bibel erwähnt. Zur Strafe für die Vermessenheit der Bauherren, den Himmel bzw. Gott erreichen zu wollen, habe Gott die Menschen verwirrt und ihnen verschiedene Sprachen gegeben. Davon kommt die Redensart 'babylonisches Sprachgewirr'. Der Turmbau zu Babel hat mit Babylon jedoch nichts zu tun. Der Name des dortigen Turmes war "Etemenanki". Die Herrscher von Babel führten Kriege gegen das Volk Israel und verschleppten große Teile des Volkes in die babylonische Gefangenschaft. Das Buch Daniel der Bibel berichtet darüber. Die Eroberung und endgültige Zerstörung Babylons wurde etwa 200 Jahre zuvor von Jesaja vorausgesagt.

Babylon im Christentum

Im Neuen Testament wird der Name 'Babylon' bzw. das Attribut 'babylonisch' zwölfmal erwähnt. Dies geschieht zum einen in Rückblicken auf die Geschichte Israels, zum anderen in den prophetischen Reden über die Zukunft der Welt. Babylon bezeichnet hier das irdische widerchristliche Machtzentrum im Gegensatz zur Stadt Gottes, dem 'himmlischen Jerusalem'. In der Offenbarung des Johannes wird ihre Zerstörung in den letzten Gerichten Gottes voraus gesagt. In 1. Petrus 5,13 grüßt der apostolische Schreiber seine Gemeinde aus Babylon. Manche Ausleger vermuten, dass hier Babylon als ein Pseudonym für Rom gebraucht wird. Andere hingegen verweisen auf den nicht genau feststellbaren Zeitpunkt des Verfalls der Stadt und nehmen die Bezeichnung "Babylon" wörtlich. Sie glauben, dass Paulus, als Apostel für die Nationen und nicht Petrus in Rom war. In der von der Offenbarung des Johannes geprägten christlichen Symbolik gilt Babylon als gottesfeindliche Macht und Hort von Sünde und Dekadenz. Martin Luther deutete das ihm verhasste Papsttum als Hure Babylons.

Musikalische Rezeption

Zumeist bauen Lieder, die mit Babylon zu tun haben, auf die Bedeutung der Stadt im Alten Testament als ein Ort des Exils und der Versklavung. Gelegentlich nehmen Lieder aber auch die neutestamentliche Bedeutung der Stadt als Zentrum des Bösen auf. Die Gefangenschaft und die spätere Rückkehr des Volkes Israel in seine Heimat wurde für die christlichen Sklaven in den USA des 19. Jahrhunderts zum Gleichnis ihrer Gefangenschaft und der Hoffnung auf Befreiung. Bekannt ist die Vertonung des Lieds By the waters of Babylon von Don McLean, eine Nachdichtung des 137. Psalms. Der Song By the Rivers of Babylon von Boney M. behandelt ebenfalls den Text des 137. Psalms. Die deutsche Vertonung "Die Legende von Babylon" von Bruce Low geht jedoch um den Turmbau zu Babel und hat nichts mit der Stadt Babylon zu tun.

Söhne und Töchter der Stadt


- Berossos, babylonischer Historiker
- Thamir Abbas Ghadban, irakischer Politiker
- Talib Schabib, irakischer Politiker

Siehe auch


- Babylonien, Turmbau zu Babel, Portal:Bibel.
- Assyrien

Literatur


- Joan Oates: Babylon. Stadt und Reich im Brennpunkt des Alten Orient, Gondrom-Verlag, Bindlach 1990. ISBN 3-8112-0727-X
- Nelson DeMille: An den Wassern von Babylon, Goldmann-Verlag 1990, ISBN 3-442-09647-2 Kategorie:Ort im Irak Kategorie:Mesopotamische Stadt Kategorie:Babylon Kategorie:Ort in der Bibel ja:バビロン

Aramäische Sprache

Die aramäische Sprache (Aramäisch) gehört zum nordwestlichen Zweig der semitischen Sprachen, die ein Zweig der afro-asiatischen Sprachfamilie sind. Das Aramäische ist mit dem Hebräischen eng verwandt. Der Sprachcode nach ISO 639-3 ist arc.

Sprachgeschichte

Die bisher bekannten ältesten Zeugnisse des Aramäischen stammen aus dem 10. oder 9. Jh. v. Chr. Bereits in assyrischer Zeit kam dem Aramäischen als internationaler Handels- und Diplomatiesprache große Bedeutung zu. Neuassyrische Reliefs zeigen nebeneinander Schreiber, die mit einem Griffel auf Tontafeln schreiben, sich also vermutlich der akkadischen Sprache bedienten, und Schreiber mit Schriftrollen, die aramäische Texte verfassen. Aramäische Inschriften des 7. Jh. sind zum Beispiel aus Zincirli und Nerab in Nordsyrien/Südostanatolien bekannt. Im mehrsprachigen Perserreich wurde Aramäisch unter den Achämeniden zur offiziellen Reichssprache („Reichsaramäisch“); es war von Kleinasien und Ägypten bis zum Indus verbreitet. Die immer größer werdende Bedeutung spiegelt sich auch im Alten Testament wider, wo einige Textpassagen in aramäischer Sprache verfasst sind. Da das Hebräische in der 2. Hälfte des 1. Jt. v. Chr. Zeit die Schriftzeichen des Aramäischen übernommen hat (sog. Quadratschrift), werden heute beide Sprachen in derselben Schrift mit 22 Konsonantenzeichen geschrieben. In Palästina hat das Aramäische das Hebräische zunehmend verdrängt. Zur Zeit von Jesus wurde dort überwiegend aramäisch gesprochen, und aramäische Wendungen innerhalb des griechischen Neuen Testaments zeigen, dass Aramäisch auch die Sprache Jesu war. Auch zahlreiche Texte, die in Qumran gefunden wurden, sind aramäisch verfasst. Da in der rabbinischen Literatur das Wort 'aramäisch' aber mit heidnisch gleichgesetzt war, bezeichnete man die Sprache lieber als "syrisch". Die palästinischen Targume (Bibelübersetzungen) und der palästinische bzw. Jerusalemer Talmud sind als Vertreter des palästinischen Aramäisch bzw. des West-Aramäischen anzusehen. Daneben gab es das Ost-Aramäische, in dem der babylonische Talmud verfasst wurde. Ein wichtiger weiterer aramäischer Sprachzweig ist das Syrische (Syrische Sprache), das z. B. in der Peschitta (aramäische Bibelübersetzung) und in Schriften der sog. Kirchenväter dokumentiert ist. Nahe verwandt sind auch das Samaritanische und das Mandäische. Aus Teima in Arabien sind aramäische Inschriften bekannt, die um 500 v. Chr. datieren. Auch im Gebiet der Nabatäer wurden zahlreiche aramäische Inschriften gefunden, wie auch auf dem Sinai. Aus parthischer Zeit stammen zahlreiche Ostraka in aramäischer Sprache aus Nisa in Turkmenistan. Dabei handelt es sich vor allem um Wirtschaftstexte, Bestellungen der Palastküche. Mit der Ausbreitung des Islam wurde das Aramäische zunehmend vom Arabischen zurückgedrängt; heute wird es in Form des Neu-Aramäischen in verschiedenen Dialekten nur noch in einigen Dörfern im Libanon, in Syrien und im Irak gesprochen. Sprachen, die aus dem Alt- und Mittel-Aramäischen hervorgegangen sind, werden heute von ca. 7 Millionen Menschen gesprochen, die vornehmlich in Australien, in den USA, in Kanada, in Brasilien, in Argentinien, in Mexiko, im Libanon, in Jordanien, in Syrien, im Irak und in Europa leben.

Literatur


- Klaus Beyer, Einleitung, in: ders., Die aramäischen Texte vom Toten Meer, Göttingen 1984, S. 20–153 (Abriß der Sprachgeschichte von der Antike bis zur Moderne, geschrieben von einem der führenden Semitisten der Gegenwart)

Weblinks


- [http://www.Peshitta.org Syrisch-aramäische Bibel]
- [http://www.yauno.com/modules.php?name=News&file=article&sid=213 Artikel über die Geschichte der Syrisch-Orthodoxen Kirche von Antiochien]
- [http://www.margabrielverein.de/mitteilung02/mitteilung7.htm Ist der Koran aramäischer Herkunft?] Siehe auch: Sprache Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Semitische Sprache ja:アラム語 ko:아람어

Jesus von Nazaret

] Jesus von Nazaret (
- vermutlich zwischen 7 und 4 v. Chr. in Nazaret, Kafarnaum oder Bethlehem; † 30 oder 33 in Jerusalem) war die historische Person, die hinter dem Jesus Christus des Neuen Testaments (NT) steht. Jesus war ein Jude aus Galiläa, der etwa seit 28 als Wanderprediger im Gebiet des heutigen Israel und im Westjordanland öffentlich auftrat und wenige Jahre später als angeblicher Aufrührer gegen die römische Besatzungsmacht gekreuzigt wurde. Er wollte nach dem NT keine neue Religion gründen, sondern das Judentum angesichts des erwarteten Gottesreichs zur Umkehr rufen. Aus den urchristlichen Quellen lassen sich nur bedingt gesicherte biografische Details zu Jesus erschließen, da sie ihn als den Christus (Messias, Sohn Gottes, Erlöser) verkündigen wollen. So sehen Christen ihn aufgrund der Auferstehungstexte im NT. Auch außerhalb des Christentums haben Jesu Lehre und persönliches Vorbild religiöse, kulturelle und aktuelle Bedeutung. Dieser Artikel stellt weithin als plausibel anerkannte Grundzüge seines Auftretens und seiner Verkündigung, aber auch umstrittene Thesen der heutigen Leben-Jesu-Forschung dar. Diese werden in der angegebenen Literatur näher ausgeführt; Bibelstellen werden wie üblich abgekürzt.

Grundlagen der Kenntnisse über den historischen Jesus

Jesus hat keine schriftlichen Werke hinterlassen. Fast alles Wissen über ihn stammt aus zeitgenössischen Quellen, die nach seinem Tod verfasst wurden, um ihn als den Christus zu verkünden. Nur wenige Daten dieser Glaubensdokumente werden durch außerchristliche Notizen gestützt. Ihre Prüfung und kritische Interpretation unternimmt die Leben-Jesu-Forschung.

Nichtchristliche Zeugnisse

Einige jüdische, römische und griechische Geschichtsschreiber überliefern kurze außerbiblische Notizen zu Jesus von Nazaret. Diese wurden frühestens 60 Jahre nach Jesu Tod verfasst und nennen fast nur seine Hinrichtung, nicht sein Wirken und seine Lehre. Sie sind zudem quellenkritisch umstritten, da sie zum Teil auf Gerüchten und Missverständnissen beruhen oder später von christlichen Kopisten eingefügt wurden. Das sogenannte Testimonium Flavianum ist das älteste außerchristliche Dokument, das Jesus erwähnt. Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet in seinen etwa 90 bis 94 verfassten Antiquitates Judaicae (Kap. 20,200) über die Hinrichtung des Jakobus, eines Bruders Jesu. Diese Notiz wird in der Regel als echt angesehen. Eine längere Notiz dagegen (Kap. 18,63f.), die Jesus als „Gesalbten“ (Messiasanwärter) bezeichnet, gilt als nachträglicher Einschub von Christen. Allenfalls die erwähnte Hinrichtung durch Pilatus wird als echter Kern vermutet. Tacitus berichtet um 117 in den „Annales“ (Buch XV, 44) von so genannten Chrestianern, denen Kaiser Nero die Schuld am Brand Roms im Jahr 64 zugeschoben habe. Er fährt fort: :Der Mann, von dem sich dieser Name herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden. Unklar bleibt, ob diese Nachricht sich auf unabhängige römische Quellen oder bereits auf christliche Überlieferung stützt. Sueton schreibt etwa um 120 in seiner Biographie des Kaisers Claudius (Kap. 25,4), dieser habe die Juden, welche, von einem gewissen Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten, aus Rom vertrieben (49). Ob „Chrestos“ sich auf Jesus Christus bezieht, ist ungewiss. Weitere Notizen stammen von Plinius dem Jüngeren, dem ansonsten unbekannten syrischen Stoiker Mara bar Sarapion sowie aus rabbinischen Quellen. Diese Autoren beziehen sich jedoch nur polemisch auf ihnen bekannte christliche Gebräuche und Überlieferungen.

Christliche Zeugnisse

Informationen über Jesus lassen sich primär aus der Analyse und Interpretation der vier Evangelien sowie dem apokryphen, nicht in das NT aufgenommenen Thomasevangelium gewinnen. Diese bilden eine eigene Literaturform von Christen meist jüdischer Herkunft, die von Jesu Auferstehung überzeugt waren (Mk 16,6) und ihn als den Messias für ihre Gegenwart erzählerisch verkündigen wollten. Sie enthalten fast keine exakten historischen Daten, da sie nicht deren nachprüfbare Feststellung, sondern die Glaubensentscheidung der Leser intendierten. Ihre historische Auswertbarkeit und Zuverlässigkeit ist daher seit Beginn der Leben-Jesu-Forschung stark umstritten. Nach heutigem Wissensstand wurden die drei synoptischen Evangelien nach Markus, Matthäus und Lukas frühestens 30 bis 40 Jahre nach Jesu Tod schriftlich fixiert, wahrscheinlich erst nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahr 70. Nur wenige Historiker vertreten ein früheres Entstehungsdatum einzelner Evangelien. Demnach hat wohl keiner ihrer Autoren Jesus persönlich gekannt. Jedoch lag den Evangelisten Matthäus und Lukas nach der im Kern weithin akzeptierten Zweiquellentheorie bereits das Markusevangelium vor. Von diesem übernahmen sie die Komposition und die meisten Texte, wobei sie diese ihren theologischen Aussageabsichten gemäß veränderten (Peter Stuhlmacher). Sie verarbeiteten außerdem wohl eine nur ihnen bekannte Logienquelle, in der Reden und Sprüche Jesu gesammelt waren. Ähnliche Jesusworte wurden eventuell zeitlich parallel auch von syrischen Gemeinden gesammelt und später im Thomasevangelium fixiert. Alle diese Stoffe wurden seit Jesu Tod jahrzehntelang mündlich von Angehörigen der ersten Christengeneration (Lk 1,2) überliefert. Ihre frühesten Bestandteile können direkt auf Jesus zurückgehen, da sie eventuell von Jüngern stammen, die ihn noch selbst erlebt haben. Der „Markus“ genannte Evangelienredaktor fügte seinerseits einen frühen Passionsbericht der ersten Christengemeinde in sein Evangelium ein, der die in den Paulusbriefen überlieferten Credoformeln erzählend ausführt (Ulrich Wilckens). Diese bilden die wahrscheinlich ältesten Kristallisationskerne der NT-Überlieferung. Der vormarkinische Passionsbericht legt den Schwerpunkt auf die Jerusalemer Ereignisse am Lebensende Jesu, auf die hin alle Evangelien verfasst wurden. Er begann wahrscheinlich mit dem Verrat des Judas (Mk 14,10) und endete mit der Entdeckung des leeren Grabes Jesu. Ihm wurden dann allmählich weitere Ereignisse vorangestellt. Dass alle Evangelien vom Einzug Jesu in Jerusalem an demselben festgefügten Ablauf folgen, gilt als starkes Indiz für Alter und Zuverlässigkeit der Passionsüberlieferung. Diese bildet ihren größten Anteil, so dass diese Literaturform seit Martin Kähler als „Passions- und Ostergeschichte mit ausführlicher Einleitung“ gilt. Das Johannesevangelium kann nach heutiger Forschermeinung trotz seiner späten Entstehung (um 130) durchaus unabhängige historische Stoffe enthalten, etwa von Jesu Verhältnis zu den Mandäern oder seinen Jerusalem-Besuchen. Da die Evangelisten ihre Quellen auf je eigene Weise theologisch gestalteten und in ihre Missions- und Lehrabsichten einordneten, lassen ihre Gemeinsamkeiten umso mehr auf einen realen, historischen Kern schließen.

Die Leben-Jesu-Forschung

Seit etwa 1750 entstand die universitäre Leben-Jesu-Forschung, die sich von kirchlicher Bevormundung zu lösen begann. Sie versuchte, historische Informationen von rein theologischen Aussagen des NT nach wissenschaftlichen Kriterien methodisch zuverlässig zu unterscheiden. Seitdem erwogen NT-Forscher jede denkbare Hypothese. Manche bezweifelten Jesu Existenz oder ergänzten spekulativ fehlendes Wissen. Viele der so entstandenen „Jesusbiografien“ gelten seit Albert Schweitzers Geschichte der Leben-Jesu-Forschung (1899) als überholt. Auch heute gibt es einige spekulative Theorien über Jesus von Nazaret, die die seriöse NT-Forschung verwirft. Seit dem frühen 20. Jahrhundert werden zunehmend außerbiblische Quellen herangezogen, um die historische Glaubwürdigkeit der NT-Überlieferung zu überprüfen. Aufgrund gewachsener Kenntnisse der Archäologie, Sozialgeschichte und Orientalistik und dank immer differenzierterer historisch-kritischer Textanalysen gehen heute auch nichtchristliche Historiker in der Regel davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat und sich relativ sicher ermitteln lässt, was er verkündete, wer er sein und was er tun wollte. So bieten u. a. die Schriftfunde von Qumran der Judaistik heute ein differenzierteres Bild des palästinischen Judentums zur Zeit Jesu. Danach haben sich manche, von theologischen Vorurteilen bestimmte Sichtweisen – etwa Jesu angebliche „Aufhebung“ der Tora und sein Gegensatz zu den Pharisäern – als unhaltbar erwiesen. Auch apokalyptische und weisheitliche Elemente seiner Predigten werden nicht mehr vom Judentum abgerückt. Andererseits hält man auch einen Messiasanspruch und die bewusste Leidensannahme heute eher für Bestandteile der Eigenverkündigung Jesu als nur für eine nachösterliche Deutung früher Christen.

Jesu Herkunft

Der Name


- Jesus ist die latinisierte Form des griechischen Ιησους und wird demgemäß lateinisch dekliniert (Genitiv „Jesu“). Es übersetzt den männlichen hebräischen Vornamen Jeschua, auch Jehoschua oder Josua. –- Hebräisch wurde in Palästina zur Zeit Jesu kaum noch gesprochen. Griechische, nicht jedoch hebräische oder aramäische Namen wurden damals in andere Sprachen übersetzt.
- Jehoschua verbindet „Je“ (Vorsilbe von JHWH, dem Gottesnamen der hebräischen Bibel) mit „Hoshea“ (Rettung, Heil, siehe Hosea). „Jesus“ bedeutet auf Hebräisch also „Gott-Retter“ oder „Gott-rettet“. Dieser Name war damals unter Juden verbreitet. Nach der Trennung des Christentums vom Judentum wurden Juden aber nur noch selten so genannt.
- Ben oder Bar Joseph hieß Jesus mit Nachnamen, falls man ihn wie üblich bei seiner Beschneidung nach seinem Vater nannte (Lk 2,21). Das NT belegt dies nicht: Lk 4,22 nennt „Josefs Sohn“ ohne Vornamen und betont so den Kontrast zur Jungfrauengeburt (Lk 3,23). Joh 1,45 betont mit „Jesus, Josefs Sohn aus Nazaret“ seine königliche Abstammung von David. Frühere Versionen nennen ihn dagegen „Sohn der Maria“ (Mk 6,3; Mt 13,55).
- Christus ist die lateinische Form des griechischen Χριστος. Dieses übersetzt das hebräische „Maschiach“, deutsch „der Gesalbte“. Das ist ein jüdischer Ehrentitel für Könige und Hohepriester, später für den erwarteten König der zukünftigen Heilszeit, den Messias.
- Jesus Christus verbindet den jüdischen Vornamen und griechischen Titel zu einem Nominalsatz, der das christliche Glaubensbekenntnis in Kurzform ausdrückt: Dieser Jesus ist der Messias.

Nazarener, Nazoräer oder Nasiräer?

Die Angabe von Nazaret (lat.: „Nazarenus“) bezeichnet im NT Jesu Herkunftsort in Galiläa (Mk 1,9). Doch dieser Zusatz wird mit „Nazoraios“ variiert: So nannten die Mandäer die Lehrer ihrer Taufriten. Auch Jesus (Joh 19,19) und die Christen (Apg 24,5) nannte man anfangs Nazoräer: eventuell weil er und einige seiner Jünger früher zu Johannes dem Täufer gehörten und auch tauften. Nach Mark Lidzbarski bezogen erst die Evangelien-Autoren den Ausdruck irrtümlich oder bewusst auf den Ort. So sagt Mt 2,23: :(Josef) kam und wohnte in der Stadt, die Nazaret heißt, damit erfüllt würde, was die Propheten gesagt haben: Er soll Nazarener heißen. Doch diese Verheißung kennt die Bibel nicht. Die Herleitung von „Nasiraios“ ist dagegen unwahrscheinlich: Ein Nasiräer war ein Asket, der – wie der Täufer – auf strenge kultische Reinheit bedacht war. Er legte einen Eid ab, keinen Alkohol zu trinken, sich die Haare nicht mehr zu scheren, sich keiner Leiche und keinem Grab zu nähern (Num 6,1–4). Doch Jesus tat all das im Verlauf seines Wirkens und lehnte jeden Eid ab (Mt 5,33ff).

Geburt und Lebensdauer

Historiker beurteilen die Geburts- und Jugendgeschichten des NT weitgehend als spät entstandene Legenden. Dies gilt auch für das apokryphe Kindheitsevangelium nach Thomas, das von Wundertaten des Knaben Jesus erzählt. Mt 1–2 und Lk 1–2 wollen Jesus als Messias verkünden und stellen seine Geburt dazu in den Rahmen biblischer Verheißungen. Der unbelegte Kindermord des Herodes (Mt 2,13) etwa erinnert an den Kindermord des ägyptischen Pharao vor Israels Exodus (Ex 1,22): Damit wird Jesus wie Moses als Befreier des Gottesvolks dargestellt. Auch der Stern, der orientalische Astrologen zu seinem Geburtsort geführt haben soll (Mt 2,2), verkündet Jesus als kosmischen Erlöser. Ob zum Zeitpunkt seiner Geburt ein besonderes stellares Phänomen zu beobachten war, ist umstritten. In Betlehem, einer Kleinstadt nahe Jerusalem, sollte nach biblischer Weissagung der Messias geboren werden (Mi 5,1). Damit bezeugen Mt 2,1.6 und Lk 2,4 Jesu Abstammung vom König David. Die meisten Historiker nehmen dagegen an, dass er in Nazaret, dem Wohnort seiner Familie, oder in Kafarnaum, dem Ort seines ersten und wiederholten Auftretens (Mk 1,21), geboren wurde. Geburtstag und -jahr Jesu waren schon den Urchristen unbekannt. Historische Bezüge im NT legen nahe, dass er nach dem ersten römischen Reichscensus unter dem Statthalter Syriens, Quirinius (7 v. Chr.; Lk 2,1–2) und vor dem Tod Herodes des Großen (4 v. Chr.; Mt 2,1) geboren wurde. Die abendländische Zeitrechnung, deren Nullpunkt das Geburtsjahr Jesu sein sollte, beruht auf einem Rechenfehler. Historisch gesehen ist aus Jesu Kindheit und Jugend fast nichts bekannt. Die Evangelien erzählen außer den Geburts- und Jugendlegenden nur von Jesu letzten drei bis vier Lebensjahren. Zu Beginn seines Auftretens soll er etwa 30 Jahre alt gewesen sein (Lk 3,23). Sein Todesdatum ist nicht überliefert. Da er aber nach allen Evangelien am Vortag eines Schabbat an einem Passahfest gekreuzigt wurde, bleiben nur 30 oder 33 n. Chr. als Todesjahr. Demnach wurde er 34 bis 40 Jahre alt.

Sprache

Als galiläischer Jude sprach Jesus im Alltag die westliche Variante des Aramäischen: die Reichssprache der Assyrer, die die Perser in Israel eingeführt hatten. Das bestätigen einige aramäische Jesuszitate im NT. Er sprach wohl auch das verwandte Hebräisch, in dem der Tanach – Israels Heilige Schrift – abgefasst war. Fraglich ist, ob er lesen und schreiben konnte und auch Griechisch beherrschte, die damalige Verkehrssprache im Osten des römischen Reichs. Die ins Griechische übersetzte Bibel, die Septuaginta, lasen wohl