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Illusorisch
Im Begriff Illusion steckt das ältere und heute ungebräuchliche Zeitwort "illudieren" (von lat.: ludere spielen): sein Spiel mit jemandem treiben, ihn verspotten, ein Gesetz umgehen.
Eine Illusion bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch eine mit technischen Mitteln herbeigeführte Sinnestäuschung. Illusionisten zeigen dem Menschen scheinbar Unmögliches, indem zum Beispiel ein Bild oder eine Grafik perspektivisch inkonsistent gezeichnet wird und damit ein geschlossenes System scheinbar offen ist. Berühmte Illusionisten sind David Copperfield (Zauberkunst) und Maurits Cornelis Escher (optische Täuschung).
Im Alltag spricht man von einer Illusion als einem "schönen Schein": "Jemand macht sich Illusionen", "jemand lebt in der Illusion"...
In der Psychiatrie ist Illusion synonym zu Verkennung (sogenannte illusionäre Verkennung). Damit meint man eine Sinnestäuschung, die (im Gegensatz zur Halluzination) mit einer gestörten Wahrnehmung realer Objekte einhergeht: hierbei werden Gegenstände umgedeutet (z.B. erscheint ein - realer - Hund als Werwolf oder Objektmerkmale erscheinen entfremdet).
Illusionen können als Symptom bei allen Arten der Psychose auftreten, v.a. aber bei organischen Psychosen (z.B. im Rahmen einer Alkoholvergiftung oder Hirnverletzung), aber auch bei Migräne, als epileptische Aura oder bei Übermüdung.
Zitat
- Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind Illusionen, wenn auch hartnäckige. - Albert Einstein (Korrespondenz mit Michele Besso 1903-1955)
Kategorie:Täuschung
ja:錯覚
IllusionistEin Illusionist ist ein bestimmte Form eines Magiers bzw. eines Zauberkünstlers, deren Arbeitsweise darin besteht, meist mit technischen Mitteln herbeigeführte Sinnestäuschungen des Publikums (Illusionen) zu erzeugen. Illusionisten arbeiten mit großen Trickapparaturen. Klassische Tricks in diesem Genre sind "Die zersägte Jungfrau", Levitationen und Zig-Zag.
Der Trick besteht darin, die Erwartungen des Publikums in eine bestimmte Richtung zu lenken, um dann ein völlig anderes, überraschendes Ergebnis zu präsentieren.
Berühmte Illusionisten
# Robert Harbin (1909 - 1978) (erfand 1965 die Zig-Zag-Illusion)
# Siegfried Fischbacher ( - 1939) und Roy Uwe Ludwig Horn ( - 1944) (Siegfried und Roy) (Großillusion)
# David Copperfield ( - 1956)
Kategorie:Zauberkunst
David CopperfieldDavid Copperfield ist der Name eines
- Romans von Charles Dickens, siehe David Copperfield (Roman)
- Magiers, siehe David Copperfield (Magier).
ko:데이비드 코퍼필드
Zauberkunst
Zaubern ist die Kunst, Illusionen entstehen zu lassen, die hauptsächlich durch Kommunikation mit dem Betrachter zustande kommen. Hierbei wird mit der Logik des Zuschauers gespielt, der sich dem unlogischen Handeln des Magiers ergibt.
Um eine solche Illusion zu erreichen, kommt eine Vielzahl verschiedener Technik zur Anwendung: Psychologisches und logisch-unlogisches Denken, sowie die Ausnutzung physikalischer und mathematischer Gesetze. Die oft als wichtiges Element angenommene Fingerfertigkeit spielt grundsätzlich nur eine untergeordnete Rolle.
Die Zauberkunst dient gewöhnlich zur Unterhaltung eines Publikums, das die benutzten Fertigkeiten nicht kennt. Die Zuschauer wissen in der Regel, dass die gezeigten Effekte durch Anwendungen der oben beschriebenen Techniken erreicht werden und setzen sich gern dem Reiz aus, sich so vom Zauberkünstler verzaubern zu lassen.
Die verwendeten Techniken werden in aller Regel nicht offenbart. Hierfür gibt es verschiedene Gründe:
- Durch eine Offenbarung der angewandten Methoden würde sich die Magie als Kunstform selbst das Wasser abgraben und in eine rein intellektuelle Herumrätselei umschlagen. Eine Person, der gegenüber der Trick offenbart wurde, kann die spätere Vorführung nicht mehr naiv genießen.
- Gewerbsmäßig auftretenden Zauberkünstlern könnte durch die Offenbarung der Tricks finanzieller Schaden entstehen.
Wenn die Darbietung jedoch als Theaterspiel verstanden wird, liegt der Reiz weniger in den Geheimnissen, als in der Inszenierung.
Mitgliedschaften in entsprechenden Vereinen sind gewöhnlich mit dem Ehrenkodex verbunden, Informationen über Tricks nicht an Laien weiterzugeben. Als zulässig wird angesehen, die Tricks denen gegenüber zu offenbaren, die selbst aktive Zauberkünstler werden möchten. Deshalb gibt es viele Bücher und Zeitschriften, in denen sich ernsthaft Interessierte informieren können. Der Interessenverband der Zauberer in Deutschland ist der Magische Zirkel von Deutschland e.V.
Magische Vorstellungen können grob in drei verschiedene Sparten eingeteilt werden:
- Tischzauberei im unmittelbaren Kontakt mit dem Zuschauer, der dem Zauberkünstler dabei direkt auf die Finger sehen kann (englisch: "Closeup magic"). Dafür werden in der Regel Alltagsgegenstände wie Spielkarten, Münzen usw. benutzt. Zu den bekannten Vertretern dieser Form gehört Paul Zenon.
- Salonmagie für kleinere Zuschauergruppen mit etwas räumlicher Distanz zum Zauberkünstler. Hier werden häufig kleinere transportable Zauberapparate eingesetzt.
- Bühnenmagie für ein großes Publikum im Zuschauerraum. Hier werden oft ausgeklügelte und fest eingebaute Trick-Apparaturen eingesetzt. Zu den berühmtesten Bühnenzauberern gehören David Copperfield, Siegfried und Roy und Penn und Teller. Amtierender Weltmeister ist Norbert Ferré - Bühne und Jason Latimer - Tischzauberei.
Einer der bekanntesten deutschen Zauberer der heutigen Zeit ist Fred Bossie, unter anderem Spezialist für Kinderzauberei, auch Gründer der ersten echten Zauberschule "Die Ulmer Zauberschule" in Deutschland (1983) und Autor zahlreicher Zauberbücher und Spiele.
Ein Hauptprinzip bei den meisten Zaubertricks ist, die Aufmerksamkeit des Zuschauers in die Irre zu führen, indem sie auf Nebensächlichkeiten gelenkt wird, so dass die eigentliche Trick-Manipulation unentdeckt bleibt. Beispielsweise könnte der Vorführende den Eindruck erwecken, dass er eine Münze von der linken in die rechte Hand gibt, während sie in Wirklichkeit in der linken Hand bleibt. Um den Zuschauer zu täuschen, werden die Finger der rechten Hand demonstrativ von oben um die Münze geschlossen (die man gleichzeitig unauffällig in die linke Handfläche zurückfallen lässt). Die geschlossene rechte Faust wird vorgezeigt, während die linke Hand mit der Münze locker nach unten hängt, als sei sie tatsächlich leer.
Zur Irreleitung der Aufmerksamkeit des Zuschauers werden viele verschiedene Techniken benutzt. Oft ist sehr viel Training erforderlich, um eine bestimmte Täuschung perfekt ausführen zu können. Eine Technik ist der Einsatz natürlicher und vertrauter Bewegungsabläufe, während gleichzeitig die unentdeckt bleibende Manipulation ausgeführt wird, wie beim erwähnten Münz-Trick. Eine weitere Technik ist, dass der Zauberkünstler das Publikum durch entsprechend wortreiche Erläuterungen in die Irre führt. In jedem Fall wird so erreicht, die Aufmerksamkeit der Zuschauer in eine gewünschte Richtung zu lenken.
Manche Zaubertricks lassen sich durch die verwendeten Manipulationstechniken bestimmten Kategorien zuordnen. Z.B. gehört zur Vorführung von Kartentricks eine ganze Reihe von Standard-Manipulationstechniken zum Mischen, zum Verbergen von Karten innerhalb der Handfläche ("palmieren") usw. Ähnliche Repertoires an Techniken gibt es für die Münzzauberei zum Verbergen und Weitergeben von Münzen.
Ein weiterer Zweig der Zauberei ist die Mentalmagie, die sich hautpsächlich mit drei Effekttypen beschäftigt: Gedankenlesen, Vorhersagen und Psychokinese. Bekanntester und zugleich umstrittener Vertreter dieses Genre ist Uri Geller. Gellers Behauptung, seine Künste beruhten auf übernatürlichen Kräften, wird überwiegend bezweifelt, auch von anderen Zauberern wie James Randi. Verschiedentlich ist Geller bereits nachgewiesen worden, übliche Tricks von Bühnenzauberern zu verwenden.
Zauberervereinigungen
- Magischer Zirkel von Deutschland e.V.
- Magischer Klub Wien
- FISM (Fédération Internationale des Sociétés Magiques)
- International Brotherhood of Magicians
Zauberfachzeitschriften
- Magie
- magischeWelt
- Zauberkunst - Dresden
Literatur
- Jürgen August Alt: Zauberkunst. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1995 (ISBN 3150093902)
- Wittus Witt: Taschenspieler-Tricks. Heinrich Hugendubel Verlag,München 1986 (ISBN3-88034-273-3
Kategorie:Zauberkunst
ja:奇術
ko:마술 (기술)
Optische TäuschungEine Optische Täuschung oder auch Visuelle Illusion ist eine Wahrnehmungstäuschung des Gesichtssinns.
Optische Täuschungen können nahezu alle Aspekte des Sehens betreffen. Es gibt Tiefenillusionen, Farbillusionen, geometrische Illusionen, Bewegungsillusionen und einige mehr. In all diesen Fällen scheint das Sehsystem falsche Annahmen über die Natur des Sehreizes zu treffen, wie sich unter Zuhilfenahme weiterer Sinne oder durch Entfernen der auslösenden Faktoren zeigen lässt.
Die ersten systematisch produzierten optischen Täuschungen gingen aus der sog. Gestaltpsychologie hervor.
Optische Täuschungen werden in der Wahrnehmungspsychologie untersucht, da aus ihnen Rückschlüsse über die Verarbeitung von Sinnesreizen im Gehirn gewonnen werden können. Optische Täuschungen nutzen dabei meist geschickt die Tatsache aus, dass die Wahrnehmung subjektiv ist und vom Gehirn beeinflusst wird.
Bekannt für ausgefeilte optische Täuschungen ist der Künstler M. C. Escher.
Beispiele
Relativität von "Gerade"
M. C. Escher
M. C. Escher
Das Quadrat links im Bild besteht aus 17 mal 17 abwechselnd dunklen und hellen Teilquadraten. In einigen der dunklen Teilquadrate sind die Ecken durch kleine helle Quadrate gestört. Es entsteht der Eindruck, als wären die nachweisbar geraden Trennlinien zwischen den Teilquadraten gekrümmt.
Das Beispiel rechts ist ähnlich, aber noch simpler. Der zweite und sechste Balken scheinen sich nach rechts zu verbreitern, der vierte Balken zu verjüngen. In Wahrheit sind alle waagerechten Linien exakt waagerecht und es verjüngt oder verbreitert sich nichts.
M. C. Escher
Im dritten Beispiel entsteht der Eindruck, dass die senkrechten Linien gekrümmt sind, durch die diagonale Durchkreuzung. Die senkrechten Linien sind jedoch exakt gerade und parallel.
Relativität von Farbe
M. C. Escher
Wenn man etwa eine halbe Minute lang auf das grüne Quadrat im Bild rechts starrt und anschließend auf die freie Fläche daneben sieht, so erscheint darauf ein rötliches Quadrat. Das rötliche Quadrat entsteht, weil wir ein Nachbild auf der Netzhaut sehen. Es hat die Komplementärfarbe zum grünen Quadrat.
Nicht jeder, der zum ersten Mal damit konfrontiert wird, nimmt diese Einfärbung wahr. Offenbar gibt es hier Korrekturmaßnahmen, die diesen Sinneseindruck unterdrücken. Es kann helfen, wenn man etwas länger starrt und die Augen dabei auf unendliche Sehweite einstellt.
Erklärungsansätze für das Entstehen eines Nachbildes finden sich in der Dreifarbentheorie und in der Gegenfarbtheorie.
Relativität von Helligkeit
Gegenfarbtheorie
Gegenfarbtheorie
Die Wahrnehmung von Helligkeitsunterschieden ist sehr subjektiv. Ein Farbton, den wir in der Dämmerung als hell wahrnehmen, erscheint bei Sonnenlicht dunkel. Physikalisch ist diese Interpretation korrekt. Unser Gehirn greift auch beim Betrachten des Beispiele links und rechts auf diese Erfahrung zurück. Links erscheint Grau bei dunkler Umgebung heller, in heller Umgebung dunkler, obwohl der graue Balken überall den gleichen Grauwert besitzt.
Das Quadrat B rechts im Bild liegt im Schatten. Dem Muster folgend muss es ein weißes Quadrat sein, viel heller als das dunkle Quadrat A. Absolut betrachtet sind beide Quadrate jedoch gleich hell.
Schalten wir die Interpretation der Helligkeitsabfolge als Schachbrettmuster aus, vereinfacht sich der objektive Helligkeitsvergleich beider Quadrate: :Bild:Optical_greysquares_proof.png
Überbetonung von Kontrasten
:Bild:Optical_greysquares_proof.png
Beim linken Gitternetz glaubt der Betrachter, im Schnittpunkt der weißen Zwischenräume graue Flecken zu sehen.
:Bild:Optical_greysquares_proof.png
Im rechten Gitternetz erscheinen an den Schnittpunkten der Linien helle Punkte.
Die Überbetonung der Kontraste rührt aus der Verschaltung der Rezeptoren im Auge her ( laterale Hemmung). Sie bewirkt eine verstärkte Wahrnehmung von Kanten und lässt Bilder schärfer erscheinen, siehe Machsche Streifen.
Relativität von Größe
Machsche Streifen
Das Bild rechts zeigt einen Säulengang und drei Schwesternpaare. Das Paar im Vordergrund erscheint kleiner als das mittlere Paar. Das hintere Paar erscheint am größten.
Ein Nachmessen beweist, dass alle drei Paare gleich groß sind. Unser Auge liefert das Bild auf der Netzhaut, seine Bedeutung erschließt sich jedoch erst durch die Verarbeitung der Bildinformationen im Gehirn. Obwohl das Bild zweidimensional ist, erkennen wir einen Weg, der von vorne nach hinten verläuft und den Eindruck räumlicher Tiefe vermittelt. Wir folgern, dass sich Gegenstände am unteren Rand in unserer Nähe befinden und Gegenstände in der Bildmitte weiter von uns entfernt sind.
Die Bildverarbeitung im Gehirn geht davon aus, dass Gegenstände mit zunehmender Entfernung kleiner werden. Daher wundern wir uns nicht darüber, dass die Frau hinten rechts im roten Mantel verglichen mit den Personen links im Bild extrem klein ist. Sie ist nur weiter entfernt als die Personen im Vordergrund.
Das Paar im Vordergrund wirkt sehr klein, denn die Entfernung wird als gering interpretiert. Wäre es in Wirklichkeit genauso groß wie das mittlere Paar, müsste es auf dem Bild größer erscheinen. Da es auf dem Bild aber exakt genauso groß wie das mittlere Paar ist, folgert das Gehirn, dass die Personen in Wirklichkeit kleiner sein müssen.
Das gleiche gilt für das hintere Paar. Eigentlich müsste seine Größe der der Frau im roten Mantel entsprechen. Statt dessen sehen wir es in mehr als doppelter Größe. Durch unseren Bildverarbeitungsprozess sind diese beiden Personen im Hintergrund folglich Riesen.
Siehe auch optisches Quadrat
Relativität des Blickwinkels
optisches Quadrat
Eine andere Art der optischen Täuschung entsteht durch den Blickwinkel des Betrachters. So lassen sich Objekte konstruieren, die aus einem bestimmten Blickwinkel völlig anders wahrgenommen werden. Im Bild ist rechts eine merkwürdige Anordnung von Objekten zu sehen. Schaut man links in den Spiegel, glaubt man, ein vollständiges Piano vor sich zu haben. Auf einem ähnlichen Effekt beruhen Modelle, die scheinbar "unmögliche Objekte" darstellen. Siehe auch: Blickwinkel Penrose-Dreieck.
Nicht vorhandene Objekte
Penrose-Dreieck
Penrose-Dreieck
Bei manchen Sinneseindrücken glaubt der Betrachter Objekte wahrzunehmen, die nicht vorhanden sind. Ein Beispiel dafür ist das nebenstehende Muster (links) aus durchbrochenen Linien. Der Betrachter glaubt an den Schnittstellen weiße Scheiben zu sehen.
Im Beispiel rechts sieht der Betrachter einen Würfel. Die Kanten, die auf dem Bild gar nicht vorhanden sind, werden bei der Bildverarbeitung im Gehirn ergänzt.
Ähnlich lassen sich auch die Marskanäle oder das Marsgesicht auf das Bestreben des Gehirns zurückführen, bei der Mustererkennung Bekanntes wieder zu entdecken.
Mehrfach wahrgenommene Objekte
Die multistabile Wahrnehmung ist ein Beispiel, wie die Erfahrung die Bildwahrnehmung beeinflusst.
Siehe dazu: multistabile Wahrnehmung
Kippfiguren
Bewegungsillusionen
Es gibt eine Reihe optischer Täuschungen, in denen der Betrachter meint, dass sich Teile des Bildes bewegen. Dabei muss manchmal der Kopf selbst bewegt werden und manchmal nicht. Letztere Variante funktioniert am besten mit peripherem Sehen, das heißt, die Bewegung ist an den Stellen zu erkennen, die gerade nicht fokussiert werden.
Eine Bewegungsillusion tritt auch auf, wenn man ein kleines Objekt vor einer Umgebung betrachtet, die keine Anhaltspunkte für die räumliche Lage gibt. Ein einsamer Stern am dunklen Himmel scheint sich zu bewegen.
Optische Täuschungen im Alltag
- Beim Film erzeugt das schnelle Hintereinander von statischen Einzelbildern die Illusion einer Bewegung.
- Unter bestimmten landschaftlichen Gegebenheiten scheinen Straßen, die in Wirklichkeit bergabwärts verlaufen, bergaufwärts zu führen und umgekehrt (z.B. der Electric Brae in Schottland).
- In der illusionistischen Malerei werden mittels Trompe-l'oeil Räume optisch vergrößert.
Siehe auch
- Pulfrich-Effekt
- Fata Morgana
- Vexierbild
- Anamorphose
- Mondtäuschung
- Machsche Streifen
- T-Figur-Illusion
- Op-Art
- Fehlendes-Quadrat-Puzzle
- Mueller-Lyer-Illusion
- Ponzo Illusion
- Optisches Quadrat
- Stürzende Linien und Sonnenstrahlen
- Raumwahrnehmung, Bewegungssehen
Weblinks
- http://www.schneider-andre.net - alles rund um optische Täuschungen
- http://www.ritsumei.ac.jp/~akitaoka/index-e.html - Akiyoshi's illusion pages
- http://www.michaelbach.de/ot - interaktive Animationen
- http://www.indianchild.com/3d%20mainpage.htm
- http://www.at-bristol.org.uk/Optical/default.htm
- http://www.ghshauseniw.de/projekte/projekte.htm
- http://ams.astro.univie.ac.at/~nendwich/Diverses/optischeT.html
- http://faculty.washington.edu/chudler/benham.html - Benham´s Color Disks
- [http://www.exploramuseum.de/ Explora Museum in Frankfurt/Main]
- [http://www.3d-museum.de/ 3D Museum in Dinkelsbühl]
- [http://www.ghshauseniw.de/projekte/optillu/opttäu30erk_animiert.htm Relative Helligkeit], animiertes Bild der GHS Hausen i. W.
- [http://www.echalk.co.uk/amusements/OpticalIllusions/colourPerception/colourPerception.html Colour Perception] Drei beeindruckende Beispiele, die beweisen, das die Farbwahrnehmung eines Objekts von seiner Umgebung abhängt. Das ganze ist interaktiv gemacht, man kann sich mit einer elektronischen Maske selbst von der Täuschung überzeugen.
- http://www.quarks.de/dyn/24217.phtml
Kategorie:Täuschung
KAtegorie:Sehen
Kategorie:Wahrnehmung
ja:錯視
SynonymSynonymie (aus dem Griechischen συνώνυμος synónymos für gleichnamig) ist eine Beziehung zwischen lexikalischen Zeichen. Ein Synonym ist ein lexikalisches Zeichen, das die gleiche Bedeutung hat wie ein anderes lexikalisches Zeichen.
Das Synonym für das Synonym ist das Ersatzwort.
Eine etwas davon abweichende Bedeutung von Synonym findet man bei Aristoteles (vgl. Kategorienschrift 1): Zwei Dinge sind synonym, wenn sie
- dieselbe Bezeichnung und
- dieselbe Definition
aufweisen.
Formen der Synonymie
Man unterscheidet strikte oder partielle Synonymie (Bedeutungsähnlichkeit).
Strikte Synonymie
Strikte Synonymie setzt nicht nur voraus, dass zwei lexikalische Zeichen die gleiche denotative Bedeutung haben, sondern auch, dass sie in allen Kontexten austauschbar sind und in allen Kontexten die gleiche Wirkung haben.
Beispiele für strikte Synonymenpaare im Deutschen sind nach allgemeiner Anschauung: Orange – Apfelsine; Streichholz – Zündholz.
Allerdings ist hier bereits einzuwenden, dass diese Art von Synonymie beim Paar Orange - Apfelsine nur für die Nordhälfte des deutschen Sprachgebiets gilt. In der Deutschschweiz etwa und in Österreich ist Apfelsine klar als Teutonismus markiert. Das Vorkommen dieses Ausdrucks in einem Text würde diesen klar als in Norddeutschland handelnd situieren, in Texten, die in der Schweiz oder Österreich spielen, würde das Wort befremdlich klingen. Auch dieses Beispiel kann demnach nur als Bedeutungsähnlichkeit gewertet werden. Auch in Bayern würde der Gebrauch des Wortes Apfelsine einen "Zugereisten" oder Urlauber kennzeichnen.
Partielle Synonymie
Ein Beispiel für ein nicht-striktes Synonymenpaar ist durcheinander – wirr, wie an den folgenden Beispielen deutlich wird:
:1. Er wirkt heute etwas durcheinander = Er wirkt heute etwas wirr.
:2. Seine Rede heute war etwas wirr ≠ Seine Rede heute war etwas durcheinander.
Partielle Synonyme werden auch Homoionyme genannt.
Folgende Aspekte der konnotativen Bedeutung bewirken, dass zwei lexikalische Zeichen bei gleicher denotativer Bedeutung nicht den strengen Anforderungen strikter Synonymie genügen:
- Regionale Differenzierung: Metzger – Fleischer; Brötchen – Schrippe
- Natives Wort vs. Fremdwort: Fahrstuhl/Aufzug – Lift
- Fachwort vs. Laienwort: Rechner – Computer
- Lateinischer Ursprung vs. germanischer Ursprung: vertikal – senkrecht
In den meisten alltäglichen Verwendungssituationen genügt das weniger strikte Kriterium der Ersetzbarkeit salva veritate in typischen Kontexten, um ein Paar lexikalischer Zeichen als Synonyme zu identifizieren:
:3. (a) Er sitzt schon wieder am Computer < > (b) Er sitzt schon wieder am Rechner.
Aus dem in Satz 3a beschriebenen Sachverhalt folgt notwendigerweise der in Satz 3b beschriebene Sachverhalt und umgekehrt.
Synonymie zwischen sprachlichen Zeichen verschiedenen Typs
Synonymie besteht nicht nur zwischen lexikalischen Zeichen des gleichen Typs:
- Ein einwortiges lexikalisches Zeichen kann mit einem mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (stören – dazwischenfunken – in die Quere kommen)
- Ein Wortbildungsmittel kann mit einem einwortigen oder mehrwortigen lexikalischen Zeichen synonym sein (Online- – im Netz)
- Eigennamen, vor allem Produktnamen, können sich zu generischen Termen und damit zu Synonymen für die Produktbezeichung entwickeln, zum Beispiel Tempo für Papiertaschentuch. Derartige Synonyme nennt man auch Begriffsmonopol.
Es gibt synonymische und nichtsynonymische Kontexte.
In synonymischen Kontexten können Wörter einer Synonymgruppe trotz inhaltlicher und stilistischer Nuancen gegeneinander ausgetauscht werden, zum Beispiel "lachen" gegen "wiehern" oder "fotografieren" gegen "aufnehmen/knipsen".
In synonymischen Kontexten werden die inhaltlichen Unterschiede nicht aktualisiert, sodass die Grundlage für eine Austauschbarkeit gegeben ist. Nur die Gemeinsamkeiten des Inhalts werden angesprochen. Aus den Spezialsemen (= besonderen Bedeutungsmerkmalen) ergibt sich eine Ähnlichkeit, die sowohl Gleichheit wie Unterschiedlichkeit einschließt. Zu bemerken ist, dass die konnotative (= die Nebenbedeutung, Begleitbedeutung betreffende) Differenz die Synonymitätsstiftung nicht beeinflussen kann, sofern sie die denotative Ähnlichkeit nicht überdeckt.
In nichtsynonymischen Kontexten sind die gleichen Wörter jedoch nicht austauschbar, weil ihre speziellen Inhalte aktualisiert, hervorgehoben werden. Man könnte sogar von "Augenblicksantonymen" sprechen, weil in diesem Kontext die unterscheidenden Merkmale Dominanzseme (Sem = Bedeutungsmerkmal)werden, sodass die eigentlichen Synonyme nicht austauschbar sind, sondern in Opposition stehen, zum Beispiel: Dann knipse ich mal. Sonst fotografiere ich ja/Das ist kein Kamm, das ist eine rostige Läuseharke/Ich habe keinen Laden, ich habe einen Salon.
Synonymwörterbücher
Synonymwörterbücher gehören zu den Wörterbüchern mit eingeschränktem Informationsprogramm. Zum jeweiligen Stichwort werden die sinn- und sachverwandten Wörter angegeben.
Da absolute Synonymie selten ist, geben die meisten Wörterbücher dieses Typs eher bedeutungsähnliche Wörter an. Benutzer dieser Wörterbücher müssen deshalb über einen hohen Grad von Sprachkompetenz verfügen, um für einen bestimmten Kontext das passende Synonym auswählen zu können.
Man unterscheidet zwei Arten von Synonymwörterbüchern:
- distinktive Synonymiken spezifizieren die Lesarten von polysemen Lexemen und ordnen die bedeutungsähnlichen Wörter der jeweiligen Lesart zu (Bsp.: durcheinander (Person) - verwirrt; durcheinander (Sachen) - chaotisch, vermischt, wie Kraut und Rüben); eine distinktive Synonymik des Deutschen ist Schülerduden. Die richtige Wortwahl.
- kumulative Synonymiken ordnen die einem Lexem ähnlichen lexikalischen Zeichen ohne Unterscheidung der Lesarten diesem Lexem zu; eine kumulative Synonymik ist Duden Band 8. Die sinn- und sachverwandten Wörter.
Synonymenwörterbücher werden häufig verwendet, um in einem Text zu häufige Wiederholungen eines Wortes zu vermeiden. Sie können auch für die systematische Wortschatzarbeit im Zweitsprachunterricht herangezogen werden.
Das Gegenteil der Synonymie ist die Antonymie.
Literatur
- D. Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge:CUP 1987
- Bulitta, Erich und Hildegard: Das große Lexikon der Synonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2005
- Bulitta, Erich und Hildegard: Wörterbuch der Synonyme und Antonyme. Taschenbuch. Frankfurt. Fischer Verlag, 2003
- Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart. Alfred Kröner Verlag, 2002
- Kurz, Michael: Das neue Wörterbuch der Synonyme. Taschenbuch. München. Econ-Ullstein-List-Verlag, 2001
- John Lyons: Linguistic Semantics. An Introduction. Cambridge:CUP 1995
- Der Große Duden. Band 8: Vergleichendes Synonymwörterbuch.Bearbeitet von Paul Grebe, Wolfgang Müller und weiteren Mitarbeitern der Dudenredaktion, 1964
- Schülerduden. Die richtige Wortwahl. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag, 1977
- Duden. Die sinn- und sachverwandten Wörter. Synonymwörterbuch der deutschen Sprache. Hg. von Wolfgang Müller. Mannheim:Dudenverlag 1997grgqe
Weblinks
- [http://wortschatz.uni-leipzig.de/ wortschatz.uni-leipzig.de/ - Datenbank mit Synonymen der Universität Leipzig]
- [http://www.woerterbuch.info/ www.woerterbuch.info - Deutsch-Englisch Wörterbuch mit 500.000 Übersetzungen und über 125.000 Synonymen]
- [http://dict.leo.org/?lang=de&lp=ende/ http://dict.leo.org - Deutsch-Englisch Wörterbuch]
- [http://www.xipolis.net/ www.xipolis.net - Brockhaus Duden Neue Medien GmbH - Online Bibliothek des Wissens]
- [http://www.duden.de/ www.duden.de - Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG]
- [http://www.ditext.com/quine/quine.html Willard Van Orman Quine, "Two Dogmas of Empiricism" (1951)]
Kategorie:Semantik
Kategorie:Rhetorischer Begriff
ja:類義語
simple:Synonym
HalluzinationUnter Halluzination versteht man eine Trugwahrnehmung eines Sinnesgebietes, ohne dass eine Reizgrundlage vorliegt. Das bedeutet zum Beispiel, dass nichtvorhandene Objekte gesehen, oder Stimmen gehört werden, ohne dass jemand spricht. Halluzinationen können alle Sinnesgebiete betreffen.
Bei einer Illusion hingegen wird ein real vorhandener Sachverhalt verändert wahrgenommen: Ein tatsächlich vorhandener feststehender Gegenstand scheint sich zu bewegen oder in irregulären Mustern werden scheinbar Gesichter erkennbar.
Eine Halluzination hat per Definitionem für den Halluzinierenden Realitätscharakter bzw. kann nicht von der Realität unterschieden werden. Im Gegensatz dazu merkt die Person bei einer Pseudohalluzination, dass es sich nicht um eine reale Wahrnehmung handelt. Pseudohalluzinationen können auch bei Übermüdung und im Halbschlaf vorkommen.
Ursachen von echten Halluzinationen können sein:
- psychische Störungen wie Psychosen, beispielsweise durch
- Entzug von Rauschmitteln, wie z. B. Alkohol hervorgerufen, wie das Delir
- andere krankhafte Veränderungen des Gehirns
- chemische Verbindungen (Halluzinogene wie z. B. LSD)
Arten von Halluzinationen
Bei optischen Halluzinationen kommt es zur Wahrnehmung von nicht vorhanden Objekten. Am häufigsten kleine und bewegliche Objekte, deren Wahrnehmung dann meist sehr angstvoll erlebt wird. Dies kommt beispielsweise im Rahmen eines Delirs vor. Teilweise werden auch ganze Szenen erlebt.
Bei akustischen Halluzinationen, die beispielsweise bei an Schizophrenie Erkrankten häufig sind, hören die Betroffenen oft Stimmen, die die Person beschimpfen, verspotten oder alles Getane kommentieren.
Olfaktorische (den Geruch betreffend) und gustatorische Halluzinationen (den Geschmack betreffend) werden häufig von Patienten mit wahnhaften Vergiftungsängsten z. Bsp. im Rahmen einer schizophrenen Psychose diagnostiziert.
Zönästhesien sind Sinnestäuschungen aus dem Bereich der Körperwahrnehmung, die in Abgrenzung zur Depersonalisation nicht als von außen gemacht wahrgenommen werden.
Unter Hypnagogen Halluzinationen versteht man optische und akustische Sinnestäuschungen im Halbschlaf , beim Einschlafen oder Aufwachen. Sie kommen auch bei psychisch Gesunden vor, wie überhaupt Halluzinationen in gewissen Grenzsituationen wie z. Bsp. Meditationen als normal anzusehen sind.
Halluzinogene rufen trotz ihrer Bezeichnung meist eher Pseudohalluzinationen (s.a. Modellpsychose) oder Illusionen hervor als echte Halluzinationen.
Halluzinationen bei Epilepsie
Im Zusammenhang mit Epilepsie kann es zu Halluzinationen kommen. Je nach Art der Halluzination und nach Erfahrung der Halluzinierenden werden diese als solche erkannt oder nicht.
Halluzinationen von Musik oder Stimmen können beispielsweise mit etwas Erfahrung als solche anhand der Reinheit des Klangs bzw. anhand des Fehlens von Störgeräuschen erkannt werden.
Bei derartigen Halluzinationen handelt es sich gewöhnlich um besonders prägnante Erinnerungen an Wahrnehmungen, die auf einer Reizgrundlage basierten.
In psychiatrischen Umfeldern besteht die Gefahr, durch Schilderungen von Halluzinationen – besonders wenn sie Freude bereitet haben und entsprechend positiv dargestellt werden – als schizophren bezeichnet zu werden.
Neben Halluzinationen, die auf Erinnerungen beruhen, gibt es Halluzinationen von Handlungen oder Vorgängen, zu denen es durch einen kurzfristigen Ausfall der Reizgrundlage kommen kann. Diese Halluzinationen extrapolieren Realität nach Ausfall der Reizgrundlage, indem sie die Realität für einige Sekunden ohne Reizgrundlage in ihrem mutmaßlichen Verlauf "errechnen". Sie verschwinden, sobald die Reizgrundlage wieder hergestellt ist. Auf diese Weise verhelfen die Halluzinationen den betreffenden Menschen dazu, eine gerade ausgeführte Tätigkeit – zum Beispiel Gehen auf einem Gehweg – ohne Unterbrechung fortzuführen. Dass eine Halluzination vorlag, lässt sich nachträglich im Allgemeinen nur negativ feststellen – wenn beispielsweise inzwischen auf dem Gehweg ein Hindernis auftauchte, das vor dem Ausfall der Reizgrundlage nicht wahrgenommen wurde oder zwar wahrgenommen, aber als Störgröße gedeutet und aus der Realitätsextrapolation "herausgerechnet" wurde.
Quellen
Psychiatrie und Psychotherapie von Hans-Jürgen Möller, Gerd Laux und Arno Deister (Thieme Verlag)
Kategorie:Psychiatrie
Kategorie:Psychopathologisches Symptom
Kategorie:Täuschung
Kategorie:Neurologie
ja:幻覚
WahrnehmungWahrnehmung bezeichnet im Allgemeinen den Prozess der bewussten Informationsaufnahme eines Lebewesens über seine Sinne. Auch die aufgenommenen und ausgewerteten Informationen selbst werden gelegentlich Wahrnehmung(en) genannt. Die Fähigkeit zur Sinneswahrnehmung kann bewusst durch die sog. Aufmerksamkeit gesteigert werden.
Im Speziellen unterscheidet man die folgenden drei wissenschaftlichen Definitionen des Prozesses Wahrnehmung:
- In der Psychologie und der Physiologie bezeichnet Wahrnehmung die Summe der Schritte Aufnahme, Interpretation, Auswahl und Organisation von sensorischen Informationen – und zwar nur jener Informationen, die zum Zwecke der Anpassung (Adaption) des Wahrnehmenden an die Umwelt oder deren Veränderung (Modifikation) aufgenommen werden. Gemäß dieser Definition sind also nicht alle Sinnesreize Wahrnehmungen, sondern nur diejenigen, die auch geistig verarbeitet werden.
- In der Biologie ist der Begriff Wahrnehmung enger gefasst und bezeichnet die Fähigkeit eines Organismus, mit seinen Sinnesorganen Informationen in Form von Reizen aufzunehmen und zu verarbeiten.
- In der Philosophie wird die Wahrnehmung streng von der Kognition (der gedanklichen Verarbeitung des Wahrgenommenen) unterschieden und bezeichnet das sinnliche Abbild der objektiven Realität im Zentralnervensystem von Lebewesen. Die Wahrnehmung in der Philosophie beinhaltet auch die Beziehungen der erfassten Objekte und wird im Artikel Wahrnehmung (Philosophie) ausführlicher behandelt.
Sinne, Sinneswahrnehmungen, Sinnesorgane
Ein Sinnesorgan (z.B. Auge) nimmt Reize bestimmter Sinnesqualitäten (beispielsweise visuell) als Sinneswahrnehmung (z.B. visuelle Wahrnehmung) auf und setzt damit einen Sinn (beispielsweise Sehen) um. Die Summe aller Sinneswahrnehmungen entspricht der Wahrnehmung als Ganzes. Dementsprechend unterscheidet man folgende Sinneswahrnehmungen des Menschen:
- Visuelle Wahrnehmung
::auch Gesichtssinn oder Sehen. Dient der Wahrnehmung von visuellen Reizen wie z.B. Helligkeit, Farben (siehe auch Farbwahrnehmung), Kontrast, Linien, Form & Gestalt, Bewegung und Räumlichkeit (siehe auch Raumwahrnehmung). Das zuständige Sinnesorgan ist das Auge. Besonders in künstlerischem Kontext bezeichnet man ein wahrgenommenes Bild oder eine Szene als Sehereignis.
- Auditive Wahrnehmung
::oder akustische Wahrnehmung, auch Gehörsinn, Gehör oder Hören. Dient der Wahrnehmung von Schall, insbesondere von Geräuschen, Tönen, Rhythmen und Klängen. Das zuständige Sinnesorgan ist das Ohr. Besonders im Kontext der Psychoakustik wird ein wahrgenommenes Schallereignis Hörereignis genannt, dessen Richtung und Entfernung durch Lokalisation (Richtungshören und Entfernungshören) bestimmt wird.
- Haptische Wahrnehmung
::auch Tastsinn, Gefühl oder Fühlen. Sie ist die Vereinigung von Taktiler Wahrnehmung und Kinästhetischer Wahrnehmung und dient damit der Wahrnehmung von (körperlichen) Gefühlen wie beispielsweise Berührungen, Härte oder Hitze. Zuständig für diese Sinneswahrnehmung ist die Gesamtheit aller Tast-, Wärme- und Kälterezeptoren, die in den folgenden Untersystemen angeordnet sind:
: - Kinästhetische Wahrnehmung
:::Dient der Wahrnehmung der Stellung der Körperglieder zueinander und damit der Körperhaltung. Anstatt eines einzelnen Organes ist eine Vielzahl von Rezeptoren in Gelenken, Muskeln und Sehnen für die Reizaufnahme zuständig, die meist unter dem Begriff Muskelsinn zusammengefasst werden. Zu diesem System gehört auch die propriozeptive Wahrnehmung (auch Eigen- bzw. Tiefenwahrnehmung), die u.a. für mit den inneren Organen verbundene Wahrnehmungen verantwortlich ist.
: - Taktile Wahrnehmung
:::Dient der Wahrnehmung von Druck, Berührung und Vibrationen sowie der Temperatur. Das zuständige Sinnesorgan ist die Haut und zwar sowohl deren Tast- als auch Wärme- und Kälterezeptoren. Man unterscheidet Untersysteme.
- Olfaktorische Wahrnehmung
::auch Geruch oder riechen. Dient der Wahrnehmung von Riech- und Duftstoffen. Das zuständige Sinnesorgan ist die Nase, genauer gesagt deren Riechschleimhaut. Geruchswahrnehmungen werden im Gedächtnis stark mit Emotionen assoziiert.
- Gustatorische Wahrnehmung
::auch Geschmack oder schmecken. Dient der Wahrnehmung von chemischen Qualitäten von Nahrung. Das zuständige Sinnesorgan ist die Zunge mit ihren Geschmacksknospen.
- Vestibuläre Wahrnehmung
::auch Gleichgewichtssinn. Dient der Wahrnehmung von Lageveränderungen im Verhältnis zu einem Schwerefeld zur Wahrung des Gleichgewichts und der Kontrolle von Bewegungen, zusammen mit Augen und Muskelsinn. Das zuständige Sinnesorgan ist das Gleichgewichtsorgan im Innenohr.
- Trigeminale Wahrnehmung
::Dient der taktilen Wahrnehmung im Gesicht (beispielsweise des Windes) und unterstützt die olfaktorische und die gustatorische Wahrnehmung. Für diese Sinneswahrnehmung ist der Nerv Trigeminus zuständig, dessen freie Nervenenden in der Gesichtshaut und den Schleimhäuten der Nase, der Mundhöhle und der Augen enden.
In der Tierwelt existieren weitere Sinneswahrnehmungen. Dieser Bereich der Wikipedia ist noch wenig ausgebaut und viele Informationen und Fachbezeichnungen sind daher vage oder (noch) unbekannt; sie sind hier kursiv markiert:
- Wahrnehmung von Druck auf Distanz
::auch Ferntastsinn, verbreitet bei Fischen. Eine Verbindung aus auditiver und taktiler Wahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von Veränderungen des Druckes unter Wasser und auf Distanz. Zuständiges Sinnesorgan ist das Seitenlinienorgan.
- Wahrnehmung elektrischer Felder
::Vertreten bei manchen Raubfischen (beispielsweise Hammerhaien). Nicht vergleichbar mit einer menschlichen Sinneswahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von elektrischen Feldern, wie sie von Lebewesen erzeugt werden.
- Wahrnehmung von Magnetfeldern
::auch Magnetsinn, verbreitet bei Zugvögeln, aber auch bei anderen Tieren und Bakterien. Dient der Wahrnehmung des Erdmagnetfeldes zur Navigation. Die zuständigen Sinnesorgane sind nicht eindeutig identifiziert und namentlich nicht bekannt; bei einigen Vogelarten scheint der Magnetsinn im Auge, bei anderen im Schnabel lokalisiert zu sein.
- Thermische Wahrnehmung
::sehr ausgeprägt z.B. bei Schlangen. Eine vergleichbare Sinneswahrnehmung ist beim Menschen Teil der taktilen Wahrnehmung. Dient der Wahrnehmung von Wärme, Kälte und Wärmeleitung. Das zuständige Sinnesorgan ist namentlich nicht bekannt.
- Vibratorische Wahrnehmung
::auch Wahrnehmung von Erschütterungen, sehr ausgeprägt bei Katzen, Insekten und Spinnen. Eine vergleichbare Sinneswahrnehmung existiert als Teil der taktilen Wahrnehmung in schwachem Ausmaß auch beim Menschen. Das zuständige Sinnesorgan ist namentlich nicht bekannt, liegt bei Schlangen aber an der Bauchseite, bei Spinnen in den Gliedmaßen.
Des weiteren gibt es die folgende Form der Wahrnehmung, die nicht als Sinneswahrnehmung, sondern als kognitive Wahrnehmung aufgefasst wird:
- Zeitwahrnehmung
::Die Zeit ist eine zwar abstrakte, aber reale Eigenschaft der Umwelt und die grundlegenden Informationen über sie werden über die Sinne aufgenommen (manche Philosophen bezweifeln die Realität der Zeit, siehe dazu Zeit). Deshalb bildet die Zeitwahrnehmung zwar eine echte Form der Wahrnehmung, es handelt sich aber nicht um eine Sinneswahrnehmung, denn die Zeitwahrnehmung entsteht erst durch kognitive Vorgänge. Beim Menschen unterscheidet man die beiden Formen Wahrnehmung der zeitlichen Folge (Sequenz) und die Wahrnehmung von Zeitintervallen.
Die Wahrnehmungskette
Zeitintervall
Das grundlegende Modell der Wahrnehmung bildet die Wahrnehmungskette. Sie besteht aus sechs Gliedern, die jeweils auf ihr Folgeglied Einfluss ausüben und an jeder Art von Wahrnehmung in genau dieser Reihenfolge beteiligt sind. Zudem ist sie in sich geschlossen, d.h. das sechste Glied beeinflusst wiederum das erste Glied der Kette:
#Umwelt. Umwelt ist hier all das, was außerhalb eines wahrnehmenden Lebewesens liegt. Ein Lebewesen nimmt seine Umwelt und die Aktivitäten darin wahr, um angemessen reagieren zu können. Demzufolge sind Objekte und Energien der Umwelt sowie das eigene Verhältnis dazu notwendiger Ausgangspunkt jeder Wahrnehmung. Diese nur scheinbar unnötig komplizierte Definition zollt der Tatsache Tribut, dass einige Sinneswahrnehmungen (insbes. die Kinästhetische Wahrnehmung) nach innen gerichtet sind, also nicht der Informationsaufnahme aus der Umwelt dienen.
#Medium. Ein Medium übermittelt Eigenschaften der Umwelt oder des eigenen Körpers an die Sinne. Medien sind i.A. physikalisch messbare Größe (z.B. Strahlung, Schall, Druck), Ausnahmen werden von der Parapsychologie unter dem Begriff Außersinnliche Wahrnehmung erforscht. Teile der Umwelt, die ihre Eigenschaften über tatsächlich wahrnehmbare Medien verbreiten, werden Distaler Reiz genannt. Eine Instanz (z.B. Geräusch) eines Mediums (z.B. Schall) wird auch als Signal bezeichnet.
#Rezeptoren. Sinneszellen (Rezeptoren) sind Zellen des Körpers, die sich auf die Interaktion mit bestimmten Medien spezialisiert haben. Es handelt sich hierbei um echte Interaktion, da ein Rezeptor durch den Empfang eines Signals seinen Zustand so verändern kann, dass nachfolgende gleichwertige Signale andere Reaktionen auslösen. Löst ein Signal in einem Rezeptor eines Sinnesorganes eine Reaktion (Aktionspotenzial) aus, bezeichnet man es als Reiz. Die Gesamtheit aller Reize eines einzelnen distalen Reizes, fasst man unter dem Begriff Proximaler Reiz zusammen. Rezeptoren sind meist in ausgeprägte biologische Strukturen eingebettet, die Sinnesorgane (Rezeptororgane, z.B. das Auge) genannt werden. Innerhalb eines Sinnesorganes findet bereits eine Vorverarbeitung der empfangenen Informationen statt.
#Sinnesnerven. Ein Sinnesnerv ist eine neuronale Struktur, die Reize von einem Sinnesorgan an die sensorischen Zentren des Gehirns weiterleitet. Hierbei kann eine weitere Verarbeitung, z.B. durch Zusammenführung der Reize verschiedener Sinnesorgane, erfolgen. Das im sensorischen Zentrum ankommende Ergebnis aller Vorverarbeitungsstufen ist das Perzept, die bloße Summe aller mit dem distalen Reiz verbundenen Wahrnehmungen eines Sinnesorgans ohne etwaige Erkenntnisse oder Interpretationen.
#Sensorische Zentren. Ein sensorisches Zentrum (auch sensorisches Rindenfeld oder Projektionsfeld genannt) ist der Bereich der Großhirnrinde, in den die Sinnesnerven eines Sinnesorgans einmünden. Diese Zentren sind direkt mit anderen Hirnarealen verbunden und bilden den Ausgangspunkt für die bewusste Verarbeitung des Perzepts (Kognition): Prozesse wie Erinnern, Kombinieren, Erkennen, Assoziieren und Urteilen führen zum Verständnis des Wahrgenommenen und bilden die Grundlage für Reaktionen auf den distalen Reiz. Dabei müssen diese Prozesse keineswegs zu einem klar umrissenen gedanklichen Bild führen, auch vagere Empfindungen wie Hunger, Schmerz oder Angst sind Ergebnis der Kognition.
#Reaktion. Letztendliches Ergebnis der Wahrnehmung ist die Reaktion auf die Umwelt. Die Reaktion mag zunächst nicht als Teil der Wahrnehmung einleuchten, muss aber zumindest teilweise definitiv hinzugerechnet werden. Der Grund ist, dass viele Reaktionen darauf abzielen, den nächsten Durchlauf der Wahrnehmungskette zu beeinflussen, indem neue Eigenschaften der Umwelt für die Wahrnehmung zugänglich gemacht werden (z.B. Augenbewegung, Abtasten einer Oberfläche).
Die Wahrnehmung arbeitet im Allgemeinen veridikal, d.h. zwischen einem Reiz und seiner Repräsentation im Gehirn besteht ein kausaler, nachvollziehbarer Zusammenhang. Ist ein Glied der Wahrnehmungskette gestört, so kann es zu Widersprüchen zwischen dem Reiz und der durch ihn ausgelösten Wahrnehmung kommen und man spricht von einer gestörten Wahrnehmung. Entspricht das Ergebnis des Wahrnehmungsprozesses nicht der Realität, obwohl die Wahrnehmungskette störungsfrei arbeitet, so spricht man von einer Wahrnehmungstäuschung. Diese Täuschungen werden in der Psychologie ausgiebig erforscht, denn sie liefern direkte Hinweise auf die Funktionsweise des Wahrnehmungsapparates.
Der Zusammenhang der wichtigsten Begriffe soll an folgendem konkreten Beispiel verdeutlicht werden:
:Ein Kaminfeuer übermittelt über die Medien Strahlung, Schall und chemische Stoffe (allesamt (physikalische Größen), für die wir Sinnesorgane besitzen, Eigenschaften; das Kaminfeuer ist also ein distaler Reiz. Da die ausgesandten Signale Rezeptoren, z.B. in der Netzhaut des Auges, zur Reaktion reizen, handelt es sich hierbei um die Reize Licht, Wärme, Geräusche und Gerüche. Die Gesamtheit dessen, was wir vom Kaminfeuer wahrnehmen, bildet den proximalen Reiz, der von unseren Sinnesnerven als Perzept wie "gelb bis rote Farben, flackernde Bewegung, mittlere Temperatur, Knistern, geruchswirksame Aromen x, y und z" an die sensorischen Zentren weitergeleitet wird. Obwohl die Umrisse des Kamins auf der Netzhaut gekrümmt sind, wird er veridikal als rechteckig wahrgenommen. Zum Abschluss wird das Perzept durch die Kognition mit den Erinnerungen "Feuer" und "Kamin" verbunden, zum "Feuer im Kamin" kombiniert, als "Kaminfeuer" erkannt, mit "November 1968" und "Lisa" assoziiert und als "sehr angenehm" beurteilt und bildet damit die Grundlage für unsere Reaktion: Wir schnurren behaglich und entkorken genüsslich den Bordeaux.
Kognition
Zeitwahrnehmung
Die Zeit ist eine zwar abstrakte aber reale Eigenschaft der Umwelt (siehe oben). Die grundlegenden Informationen über diese Eigenschaft werden über die Sinne gewonnen. Deshalb bildet die Zeitwahrnehmung eine echte Form der Wahrnehmung. Allerdings handelt es sich nicht um eine Sinneswahrnehmung, denn die Zeitwahrnehmung entsteht erst durch kognitive Vorgänge.
Erklärungsmodelle
Das Mentale Modell
Folgendes zeigt einen möglichen, sehr verkürzt dargestellten, Ansatz, wie der letzte Schritt der Wahrnehmung, also die Umsetzung des Reizes in einen Zusammenhang, psychologisch erklärt werden kann:
Zum Wahrnehmen und Verstehen von komplexen Vorgängen werden so genannte mentale Modelle vom Wahrnehmenden geschaffen.
Darunter versteht man unter Anderem logische Verknüpfungen, kurze Bilder und Filme aus Erinnerungen und Erfahrungen, die vor dem geistigen Auge des Wahrnehmenden aufgebaut werden, um so eine Repräsentation der für die Realität relevanten Aspekte und ihrer dynamischen Wechselwirkungen im Gehirn zu schaffen.
Die Wahrnehmung variiert dabei durch die individuellen Gedächtnisinhalte, Stimmungen und Denkprozesse des Wahrnehmenden, die zum Aufbau des mentalen Modells benutzt werden – daraus resultiert, dass jedes Wesen eine eigene Wahrnehmung hat. Diese Modelle werden benötigt um Informationen, die neu aufgenommen werden sollen, überhaupt erst in einen Kontext einzuordnen zu können und somit verstehen und bewerten zu können. Mit der Neuaufnahme von Informationen und Eindrücken werden dann die Möglichkeiten zur Abbildung der Realität in ein mentales Modell für zukünftige Wahrnehmungen konstant erweitert, es tritt also ein Lerneffekt ein.
Dabei sind nicht nur die Komponenten des mentalen Modells bei jedem Menschen unterschiedlich, sondern auch ihre Gewichtung zueinander.
Während einige Menschen eher bildhaft denken, orientieren sich andere eher an anderen Sinneseindrücken und Erfahrungen, wie beispielsweise Schmerz oder Glück.
Daher ist es schwierig den Wahrnehmungsprozess allgemeingültig zu beschreiben, da er von Mensch zu Mensch grundlegend verschieden sein kann; so haben auch zum Beispiel viele psychische Krankheiten ihre Ursachen in einer krankhaft gestörten Wahrnehmung.
Organisationsprinzipien der Wahrnehmung
Unter den Organisationsprinzipien der Wahrnehmung versteht man bestimmte Gesetzmäßigkeiten und Erfahrungswerte, nach denen der Strukturierungsprozess der Wahrnehmung die aufgenommenen Reize klassifiziert.
Die Organisationsprinzipien lassen sich besonders einfach dort nachweisen, wo der physikalische (objektiv gegebene) und der phänomenale (empfundene, wahrgenommene) Sachverhalt nicht übereinstimmen.
Durch diese Prinzipien wird deutlich, dass sowohl die Wahrnehmung als auch ihre stete Adaption an sich ändernde Reizverhältnisse beim Menschen nicht durch Abbildung, sondern durch einen konstruktiven, kognitiven Verarbeitungsprozess stattfindet.
Kontextabhängigkeit
psychische Krankheiten
Objekte werden immer im Kontext mit ihrer Umgebung wahrgenommen.
So erscheint in der Beispielgrafik der rechte blaue Ball größer als der linke, obwohl ihre Größe identisch ist.
Der Kontext kann dabei nicht nur die Größenwahrnehmung, sondern auch die Bedeutung oder Funktion des Wahrgenommen verändern.
Die Kontextabhängigkeit wird deutlich, wenn ein Objekt aus seinem gewohnten Kontext herausgelöst wird und in einen atypischen Kontext gesetzt wird.
BEISPIEL:
Ein Schiff im Wasser ist etwas Alltägliches, ein Schiff auf einer Wiese hingegen würde sofort unsere Wahrnehmung auf sich ziehen – um Aufmerksamkeit zu erregen; ein Effekt, den die Werbung gerne für sich nutzt.
Dabei gilt die Kontextabhängigkeit nicht nur für die optische Wahrnehmung. Studien haben gezeigt, dass auch bei der Wahrnehmung von Konsonanz bzw. Dissonanzen in der Musik eine Abhängigkeit zum Musikstück, dem Ort, dem Interpreten, usw. besteht.
Einfluss der Erfahrung
Müssen sich widersprechende Informationen verarbeitet werden, bevorzugt das Gehirn die wahrscheinlichste Interpretation durch Vergleich mit bereits abgespeicherten (erlernten) Erfahrungen. (Transaktionalismus)
Filtereffekte
Die Sinnesorgane nehmen nur einen Teil der möglichen Reize auf.
Bei der Weiterverarbeitung werden diese Informationen in kleinere Einheiten zerlegt, getrennt verarbeitet (verstärkt, abgeschwächt, bewertet) und in verschiedenen Gehirnarealen wieder zusammengeführt. Es lassen sich verschiedene kognitive Beurteilungsprogramme unterscheiden:
- Attributdominanz: Hierbei ist ein wahrgenommenes Merkmal ausschlaggebend für die Meinungsbildung;
- Irradiation: Hierbei wird von der Eigenschaft eines Merkmals auf die Qualität anderer Merkmale geschlossen. Beispielsweise wird von einer breiten Pkw-Bereifung auf eine starke Motorisierung geschlossen.
- Halo-Effekt: Demnach wird die Wahrnehmung einzelner Attribute durch ein bereits gebildetes Urteil bestimmt.
Bewertung
Jeder Sinneseindruck wird auch mit einem Gefühl oder einer Emotion(Angst, Freude, Hunger etc.) verknüpft. Diese Bewertung bestimmt dann die Lenkung der Aufmerksamkeit auf das spezifische Sinnesmaterial.
Veränderungen der Wahrnehmung
Die Wahrnehmung kann durch die folgenden Dinge beeinflusst, verändert oder erweitert werden:
- Drogen wie Alkohol oder Halluzinogene (LSD, DMT, Psilocin, Meskalin, Ecstasy, Cannabis etc., "bewusstseinserweiternde Drogen") beeinflussen den Wahrnehmungsprozess auf physiologischer Ebene. Während Alkohol zu einem starken Nachlassen der Leistungsfähigkeit der Wahrnehmung führt (z.B. "Tunnelblick"), führen Halluzinogene zu subtileren Veränderungen: Es kommt zu Halluzinationen und Reize werden falsch kombiniert oder an die falschen Verarbeitungszentren des Gehirns weitergeleitet (Synästhesien, z.B. "Farben riechen").
- Lernprozesse. Wahrnehmung ist zu großen Teilen erlernt und dadurch höchst anpassungsfähig. Einige Beispiele: Blinde können lernen, Hindernisse wie beim Sonar durch Reflexion von Schallwellen zu orten. Kamerabilder, die als Druck auf die Haut eines Blinden projiziert werden, können mit viel Übung zu räumlichen Wahrnehmungen führen. Amputierte Gliedmaßen können noch lange Zeit später als Phantomglied wahrgenommen werden; allmählich absterbende Gliedmaßen (z.B. durch Lepra) führen jedoch nicht zu solchen Fehlwahrnehmungen.
- Biofeedback ist eine Behandlungsmethode der Verhaltenstherapie. Mittels technischer Hilfsmittel bekommt der Patient dabei zusätzliche sensorische Informationen (Feedback) über Prozesse seines Körpers, die sich normalerweise unbewusst selbst regulieren (Homöostase, z.B. der Puls) oder aufgrund von Nervenschädigungen nicht mehr bewusst kontrollierbar sind (z.B. Lähmungen). Dieser neue, künstliche Sinn funktioniert ähnlich wie die Kinästhetische Wahrnehmung und ermöglicht unter gewissen Umständen eine bewusste Steuerung des dargestellten Prozesses.
- Technische Geräte können die Wahrnehmung auf viele Arten beeinflussen oder erweitern:
- Sehhilfen (Brille, Kontaktlinsen) und Hörgeräte oder Cochleaimplantate sollen Behinderungen ausgleichen und die normale Funktionsweise der Sinnesorgane so weit wie möglich wiederherstellen.
- Lupen, Ferngläser, Nachtsichtgeräte und Kompasse sollen die Fähigkeiten der Wahrnehmung erweitern oder verbessern. Prinzipiell kann jede Vorrichtung der technischen Sensorik (z.B. Radar, Sonar, Geigerzähler usw.) als Erweiterung der Wahrnehmung betrachtet werden.
- Erweiterte Realität beschreibt die Erweiterung der Wahrnehmung um computergestützte virtuelle Informationen. Ein Beispiel für eine Anwendung ist das Eyetap (bis zur Übersetzung wird hier auf den englische Artikel verwiesen: :en:Eyetap).
- Meditation. Meditationstechniken wie Yoga, Zazen oder Naikan zielen auf eine Schärfung der Wahrnehmung des eigenen Körpers ab. Durch die Konzentration auf einzelne Körperteile oder Prozesse (z.B. Atmung) sollen Anzeichen von Stress erkannt werden um diesem mit Entspannungstechniken entgegenzuwirken. Die physiologischen Vorgänge bleiben dabei zwar unverändert, aber durch erhöhte Aufmerksamkeit werden Reize wahrgenommen und in Verhalten umgesetzt, die sonst unbewusst oder unbeachtet bleiben.
Wahrnehmung in Wissenschaft und Technik
In den naturwissenschaftlichen Gebieten Physiologie und Psychologie ist die Wahrnehmung für folgende Disziplinen interessant:
- Physiologie
- Wahrnehmungsphysiologie, Sinnesphysiologie. Untersucht die biologischen Grundlagen der Sinneswahrnehmungen.
- Psychologie
- Wahrnehmungspsychologie. Untersucht alle psychologischen Fragestellungen der Wahrnehmung.
- Psychophysik. Untersucht den Zusammenhang zwischen objektiven physikalischen Reizen und den subjektiven psychologischen Empfindungen.
- Gestaltpsychologie. Untersucht die Gesetzmäßigkeiten der visuellen Wahrnehmung.
- Kognitionspsychologie. Untersucht u.a. die kognitive Verarbeitung der Wahrnehmung; überschneidet sich hier mit der Wahrnehmungspsychologie.
Die Untersuchung des Wahrnehmungsprozesses wird in der Forschung von zwei Seiten aus angegangen:
- Die Betrachtung "von unten nach oben" (Bottom-up) untersucht den Weg eines Reizes von seiner Aufnahme durch die Rezeptoren über die Verarbeitung bis hin zu einer bewussten Wahrnehmung.
- Im Umkehrschluss versucht die Untersuchung "von oben nach unten" (Top-down) aus einer bestimmten Wahrnehmung Rückschlüsse auf die erhaltenen Sinnesreize und ihre Verarbeitung zu erzielen.
Informationsverarbeitung und Sensorik
Von besonderer Bedeutung ist die Wahrnehmung auch immer wieder für die Informatik und die sensorischen Teilgebiete der Physik. Es lassen sich dabei drei Interessengebiete unterscheiden:
- Die Entwicklung von Sensoren und die mit ihnen verbundene Verarbeitung, die es Systemen ermöglicht, mit ihrer Umgebung zu interagieren. Beispiele sind:
- Robotik. Roboter sind auf ausgeklügelte sensorische Regelsysteme angewiesen, wenn es etwa darum geht, ein Glas aufzuheben ohne es zu zerbrechen oder den Inhalt zu verschütten.
- Context Awareness. Anwendungen, die sich ihrer Umgebung bewusst sein sollen, benötigen maßgeschneiderte sensorische Systeme um die notwendigen Daten zu ermitteln und auszuwerten. Ein sehr einfaches Beispiel ist ein Bildschirm eines tragbaren Gerätes, der sich automatisch an die Helligkeit der Umgebung anpasst.
- Die Entwicklung neuer Algorithmen und Anwendungen durch die Nachbildung biologischer Wahrnehmungssysteme. Beispiele sind:
- Texterkennung. Dient der maschinellen Erkennung von Schrift und Layout.
- Bildverstehen. Dient der Analyse von Bildern auf Inhalt und Aufteilung.
- Neuronales Netze bilden einen menschlichen Wahrnehmungsprozess mit anschließender Weiterverarbeitung der Informationen ab.
- Die Entwicklung und Verbesserung von Schnittstellen zwischen Mensch und Maschine, wie sie von der Mensch-Computer-Interaktion untersucht wird. Beispiele sind:
- Software-Ergonomie. Dieses Teilgebiet der Mensch-Computer-Interaktion untersucht Anwendungen auf ihre Benutzerfreundlichkeit. Die Software-Ergonomie beschäftigt sich daher ausführlich damit, wie und wie gut vom Computer bereitgestellte Informationen vom Benutzer wahrgenommen werden. Ein Beispiel ist die Frage, wie stark Verzögerungen (Delay) durch die Netzwerk-Transportschicht den Benutzer beim Spielen eines Computerspiels stören.
- Interfacedesign. In diesem Teilgebiet der Mensch-Computer-Interaktion werden neue Schnittstellen entwickelt. Von besonderer Bedeutung sind Neuentwicklungen für die Forschungsgebiete Mobile Computing, Portable Computing und Wearable Computing. Ein aktuelles Beispiel sind vibratotaktile Schnittstellen, die Entfernungsinformationen in Form von Vibrationen an ihren blinden Benutzer weitergeben.
Die Entwicklung der Wahrnehmung in der Ontogenie des Menschen
Tastsinn, Bewegung und Gleichgewichtssinn werden als „Basiswissen“ bezeichnet. Sie bilden die Grundlage für die Entwicklung der anderen Wahrnehmungsbereiche.
Der Geschmackssinn (gustatorisches System)
Im 3. Schwangerschaftsmonat beginnt die Entwicklung des Geschmackssinns. Dieser ist bei der Geburt voll ausgebildet.
Der Tastsinn (taktiles System)
Ab dem 2. Schwangerschaftsmonat entwickelt sich der Tastsinn.
Mit der Geburt empfindet das Kind Temperaturunterschiede, trockene Luft, Bewegung durch die Pflegeperson, etc.
Der Hörsinn (auditives System)
Im 7. Schwangerschaftsmonat und damit schon einige Zeit vor der Geburt funktioniert der Hörsinn.
- Die Stimme der Mutter wird bereits im Mutterleib wahrgenommen.
Insgesamt ist das Gehör bereits nach der Geburt äußerst leistungsfähig. Das Kind hört bereits sehr differenziert Töne und verschiedene Tonhöhen.
- Den Klang der Stimme seiner Mutter, ihre Lautstärke ernimmt das Kind lange bevor es den Sinn der Worte versteht.
Der Sehsinn (visuelles System)
Im 8. Schwangerschaftsmonat beginnt sich der Sehsinn zu entwickeln.
- Neugeborene unterscheiden bereits hell und dunkel und können im Abstand von 20-40 cm schon relativ scharf sehen.
Nach ca. 2 Monaten ist die Fähigkeit, die Augen auf unterschiedliche Entfernungen einzustellen entwickelt.
- Durch beidäugiges Sehen entwickelt sich sodann auch das räumliche Sehen und damit verbunden die Tiefenwahrnehmung.
- Ein Kind kann ca. mit 2 Jahren die Tiefen eines Raums wahrnehmen. Zuvor sind in seinem Verständnis Dinge so groß, wie sie wirklich sind, entfernte Dinge erscheinen ihm genauso klein wie sie aussehen. z.B. ein Baum aus der Nähe im Vergleich zu einem Baum in der Ferne. Erst allmählich begreift es, dass ein Gegenstand seine Größe beibehält, auch wenn er auf Grund unterschiedlicher Entfernung unterschiedlich groß erscheint.
- Ca. mit 4 Jahren kann das Kind ähnlich gut Tiefen und Entfernungen sehen wie ein Erwachsener.
- Perspektivisches Zeichnen ist ihm jedoch erst mit ca. 12 Jahren möglich.
Der Gleichgewichtssinn (vestibuläres System)
Im 3. bis 4. Schwangerschaftsmonat wird das Gleichgewichtssystem angelegt und ist ungefähr im 6. Schwangerschaftsmonat ausgereift.
- Dieser Sinn wird unmittelbar nach der Geburt „aktiv“
- Er ist die wichtigste Voraussetzung für die motorische Entwicklung.
- Im ersten Lebensjahr ermöglicht der Gleichgewichtssinn die Fähigkeit zum aufrechten Gehen und Stehen.
Der Bewegungssinn (kinästhetisches System)
Ab dem 3. Schwangerschaftsmonat entwickelt sich der Bewegungssinn.
Die Wahrnehmung der Zeit
- Im 1. Lebensjahr lebt ein Kind ausnahmslos in der Gegenwart.
- Mit ca. zwei Jahren kann es „zukünftiges“ Geschehen zumindest sprachlich fassen z.B. „Morgen kommt Oma“
- Die Vergangenheit begreift es schließlich erst mit 3 Jahren z.B. „gestern waren wir im Zoo“
- Mit ca. 5 Jahren kennt das Kind Wochentage, mit 7 Jahren die Monate und Jahreszeiten.
- In der späten Kindheit erst, ca. mit 10-12 Jahren, kann es die Begriffe nahe und ferne Vergangenheit, nahe und ferne Zukunft unterscheiden und mit geschichtlichen Zeiträumen umgehen.
Siehe auch
- Wahrnehmungspsychologie, Wahrnehmungsphysiologie
- Sinnesphysiologie
- Multistabile Wahrnehmung
- Aufmerksamkeit
- Außersinnliche Wahrnehmung
- Kino im Kopf
- Wahrnehmungstäuschungen
- binokulare Rivalität
Literatur
- Bruce Goldstein: Wahrnehmungspsychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, 2002
- Karl R. Gegenfurtner: Gehirn & Wahrnehmung. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag, 2003 (2. Aufl. 2004) ISBN 3-596-15564-9
Weblinks
- http://www.bruehlmeier.info/wahrnehmung.htm "Psychologie der Wahrnehmung", Lehrtext des Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier über Gestaltpsychologie
- http://kulturkritik.net/systematik/kultur/k1011.html#1 Systematik der Wahrnehmung in einer kulturkritischen Psychologie
- http://kulturkritik.net/begriffe/wah.html#wahrnehmung Begriff der Wahrnehmung im Kulturkritischen Lexikon
- http://www.eberhard-eckerle.de/theo_im.html Philosophischer Vortrag über die Wahrnehmung
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/254499.html www.wissenschaft.de: Das Halle-Berry-Neuron] - Für die Erkennung bekannter Personen, Tiere oder Objekte ist jeweils eine Nervenzelle im Gehirn zuständig
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/259045.html www.wissenschaft.de: Gute Sportler sehen Bälle größer] - Wie der Erfolg im Sport die Wahrnehmung beeinflusst
Kategorie:Kybernetik
Kategorie:Verhaltensbiologie
Kategorie:Wahrnehmung
Kategorie:Kognitionswissenschaft
ja:知覚
Werwolf
Ein Werwolf (von Germanisch: wer „Mann“), althochdeutsch auch Mannwolf genannt, ist in Mythologie, Sage und Dichtung ein blutdürstiger Mensch, der sich in einen Wolf verwandeln kann (Lykanthrop).
Kurze Zusammenfassung
Der Begriff Werwolf bezeichnet das Mysterium, dass sich ein Mensch unter besonderen Umständen nachts in ein Tier verwandeln kann und bei Tagesanbruch wieder seine menschliche Gestalt annimmt. Die meisten Sagen berichten von Männern, die aufgrund ihres familiären Erbgutes oder infolge einer Verletzung, die sie durch eine solche Kreatur erhalten haben, in bestimmten Nächten zu einem Tier (meist zu einem Wolf) mutieren. Das Wesen, in welches sie übergehen wird als unheilvoll und raubtierhaft beschrieben.
Sogar Familienmitglieder werden von ihm angegriffen, da das Wesen offenbar keine Erinnerung an seine jeweils andere Existenz besitzt. So kann sich der Betroffene, sobald er seine menschliche Gestalt wieder besitzt, nicht mehr an seine nächtliche Jagd erinnern. Die Erinnerung kann in Form von Traumbildern zurückkehren, das scheint aber eher selten der Fall zu sein. Je länger der Mensch von diesem Phänomen befallen ist, desto geringer werden die Abstände zwischen den Gestaltwandlungen, bis er schließlich ganz von der Gestalt des Tieres übernommen wird.
Ursprung
Verwandlungen zwischen Mensch und Tier sind in der Geschichte sehr weit zurückzuverfolgen. Bereits Zwitterwesen aus Höhlenmalereien lassen sich entsprechend interpretieren. Die ältesten schriftlichen Zeugnisse sind das Gilgamesch-Epos, in dem die Göttin Ishtar einen Schäfer in einen Wolf verwandelt (Tafel 6 Vers 58–61). Aus der griechischen Literatur kennen wir beispielsweise Lykaon, der von Zeus in einen Wolf verwandelt wurde.
Der Ursprung der Werwolf-Sagen ist in kultischen Festen der Skythen zu suchen, bei deren Feierlichkeiten man sich mit einem wolfsgestaltigen Gott vereinte, indem man sich mit einem Wolfsfell bekleidete. Herodot berichtet (IV, 105), dass
: … die Skythen und die im Skythenland wohnenden Hellenen behaupten, jährlich einmal verwandle sich jeder der Neuren für wenige Tage in einen Wolf und trete dann wieder in den menschlichen Zustand zurück.
Von den Skythen gelangte dieser Kult zu den germanischen Völkern, später, als der Ursprung vergessen wurde, nur als Sage in Verbreitung.
Eine weitere Ursprungstheorie besagt, dass der Begriff Menschen beschrieb, die an einer extremen Form des Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) litten, der so genannten Wolfskrankheit. Die aufgrund eines genetischen Defekts Erkrankten wurden vor allem im frühen Mittelalter vom abergläubischen Volk gefürchtet.
Ebenso wurden Tollwutkranke für Werwölfe gehalten, da hier die Erkrankung durch den Biss eines Tieres erfolgt. Die Symptome dieser Krankheit passen zur Beschreibung von Werwölfen: Anfälle, bei denen der Erkrankte wild um sich zu beißen beginnt; Angst vor Wasser, aber gleichzeitig starker Durst, was zu spastischen Schluckkrämpfen führt etc. Die Menschen im Mittelalter sahen darin eine Verwandlung des Gebissenen in eben jenes Tier, von dem er gebissen wurde.
Moderne Werwolfdarstellungen
Das heutige Bild des Werwolfes wurde vor allem durch Filme geprägt. So führte Drehbuchautor Curt Siodmak erst in 1941 in dem Film 'The Wolf Man' die Idee ein, dass Menschen, die von einem Wolf gebissen werden, bei Vollmond zu einem Werwolf mutieren und das Silber das einzige Mittel ist einen Werwolf zu töten. Andere Versionen sagen hingegen, dass bei einer Mondfinsternis alle Werwölfe sterben, die sie sehen. Auch wird Werwölfen oft die Fähigkeit zugesprochen, sich sehr schnell von Verletzungen erholen zu können.
Nach einigen Romanen und Filmen sind Werwölfe die erklärten Erzfeinde von Vampiren.
In neuen Werken wird das Thema oft ironisch behandelt, z.B. bei Christian Morgenstern, der ihn lyrisch in seinen "Galgenliedern" dekliniert ("des Weswolfs" usw.) und bei Terry Pratchett, bei dem die Werwölfin Angua als Vertreterin einer ethnischen Minderheit in die "Wache" (The Watch) aufgenommen wird.
In dem Rollenspiel Werwolf: Die Apokalypse von White Wolf spielen Werwölfe die Rolle tragischer Helden, die halb Mensch, halb Wolf für die Rettung der Welt kämpfen.
Eine neuartige Behandlung erfährt das Thema in J.K. Rowlings Harry Potter Serie mit dem Lehrer Remus Lupin. Dieser Werwolf ist ein Sympathieträger, der sich durch seine Lykanthropie unberechtigten Ängsten und Vorurteilen ausgesetzt sieht. Das mythische Phänomen Werwolf wird so zur modernen Metapher für chronische Krankheiten und Behinderungen in der nichtmagischen Welt.
Siehe auch
- Bestie von Gévaudan
- Charles De Coster (in dessen Ulenspiegel)
- Fabelwesen
- Wrukolakas (Griechenland)
- Hypertrichose
- Der Werwolf von Washington
Weblinks
- [http://www.elmar-lorey.de/Prozesse.htm Chronologische Übersicht über die Werwolfprozesse in der Frühen Neuzeit; mit ausführlicher Bibliographie]
- [http://www.elmar-lorey.de/werwolf/genesetext.htm Aufsatz von Elmar M. Lorey: Wie der Werwolf unter die Hexen kam. Zur Genese des Werwolfpozesses]
- [http://www.transformationlist.com/ Englischsprachige Webseite mit ausführlicher Listung und teilweiser Bewertung unzähliger Bücher und Romane zum Thema]
Kategorie:Fabelwesen
Kategorie:Stoffe und Motive
ja:狼男
PsychoseDer Begriff Psychose bezeichnet eine Gruppe schwerer psychischer Störungen, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergehen. Auffällige Symptome sind oft Wahn und Halluzinationen.
In den Klassifikationssystemen ICD-10 und DSM-IV wurde der Begriff Psychose quasi abgeschafft. In der offiziellen Nomenklatur dieser Systeme kommt nur noch das Adjektiv psychotisch vor; statt Psychose heißt es nurmehr psychotische Störung. Die Begründung für das Vorhaben, den Begriff Psychose zu meiden (wenngleich es nicht völlig konsequent durchgeführt ist), liegt in der unzulänglichen Abgrenzbarkeit zur Neurose sowie der Theoriegebundenheit der beiden Begriffe: Letztlich beruht die Unterscheidung auf umstrittenen Annahmen der Psychoanalyse. In weiten Kreisen der deutschsprachigen Ärzte und Psychotherapeuten ist das traditionelle Begriffspaar Neurose/Psychose jedoch nach wie vor üblich.
Die Bezeichnung "psychotisch" als Zustandsbeschreibung drückt aus, dass sich jemand in der Akutphase einer Psychose befindet.
Die Psychosen können in die Untergruppen Organische Psychosen, Psychosen des schizophrenen Formenkreises und affektive Psychosen eingeteilt werden.
Organische Psychosen
Im Gegensatz zu den anderen Psychosen ist hier eine organische Ursache sicher auszumachen: Diese Psychosen bilden sich entweder auf der Grundlage einer Erkrankung des ZNS (Zentrales Nervensystem), zum Beispiel degenerativen Prozessen wie Demenzen, bösartigen Neubildungen, wie Tumoren oder auf der Grundlage anderweitiger körperlicher Erkrankungen, wie Durchblutungs- und Stoffwechselstörungen oder auf der Grundlage von außen einwirkender Schädigungen wie durch manche Medikamente, Drogen oder andere die Hirnfunktion beeinträchtigende Substanzen. Auch im Zusammenhang mit chirurgischen Eingriffen oder einem Klinikaufenthalt als zeitlich begrenztes Durchgangssyndrom.
Symptome: Wahnvorstellungen, Halluzinationen (häufig optisch von einzelnen Lichtblitzen bis hin zur Wahrnehmung von Gegenständen und filmartigen Szenen).
Behandlung, soweit möglich, durch Behandlung der Grunderkrankung (zum Beispiel weglassen Psychose auslösender Medikamente und Drogen), sonst durch Neuroleptika (wie zum Beispiel Haloperidol - Handelsname Haldol - oder Pipamperon - Handelsname Dipiperon). Einige der modernen, atypischen Neuroleptika, wie zum Beispiel Risperidon (Handelsname Risperdal) und Olanzapin (Handelsname Zyprexa) haben sich zumindest bei älteren Patienten als ungünstig erwiesen, da sie bei diesen offensichtlich die Gefahr von Schlaganfällen erhöhen
Schizophrene Psychosen
Der Begriff Psychose wird oft unkorrekt mit Schizophrenie gleichgesetzt. So wenig die Ursache dieser Störungen bis heute bekannt ist, so heftig wurde in der Vergangenheit kontrovers diskutiert, ob es sich um eine organisch ausgelöste, zum Beispiel genetisch bedingte Krankheit handelt, oder aber um eine auf Probleme zurückzuführende Störung, deren Wurzeln schon in frühester Kindheit zu suchen seien. Aktuell wird üblicherweise davon ausgegangen, dass bei bestehender Anfälligkeit psychodynamische Stressfaktoren (familiäre oder sonstige zwischenmenschliche Probleme, Trennungen, Verlust) zum Ausbruch der Krankheit führen können. Auch bei diesem "Vulnerabilitäts-Stress-Modell" handelt es sich lediglich um eine Arbeitshypothese, die aber beim gegenwärtigen Wissensstand brauchbar erscheint. Eine Sondergruppe bilden drogeninduzierte Psychosen, die über den Wegfall der ursprünglich auslösenden Drogen hinweg andauern und vom Erscheinungsbild eher den schizophrenen als den organischen Psychosen entsprechen.
Symptome: Wahnvorstellungen, Halluzinationen (üblicherweise akustische Halluzinationen in Form von miteinander sprechenden, Befehle erteilenden oder die Handlungen des Erkrankten kommentierenden Stimmen, seltener Körperhalluzinationen (die auch als "leibnahe" oder "coenesthetische" Halluzinationen bezeichnet werden) oder Geschmacks-/Geruchshalluzinationen ("olfaktorische Halluzinationen"). Ich-Störungen bezeichnen eine Gruppe von Symptomen, die mit einem Verlust der Ich-Grenzen einhergehen. Beispielsweise ist der Kranke davon überzeugt, dass eigene Gedanken laut werden und von anderen gehört werden können, oder er vertritt die Vorstellung, fremde Gedanken lesen zu können. Häufig werden zufällige Ereignisse, zum Beispiel bedeutungslose Gesten zufällig getroffener Personen oder normale Radiomeldungen mit einer Bedeutung für die eigene Person versehen. In diesen Gesten und Meldungen werden dann zum Beispiel verschlüsselte Botschaften gesehen (zum Beispiel von Geheimdiensten), durch die einem etwas mitgeteilt werden soll. Man bezeichnet sie als Wahnwahrnehmungen. Der Wahn selbst ist durch eine objektive Falschheit, die subjektive Gewissheit und die Unverrückbarkeit gekennzeichnet. Das heißt, der Kranke ist keinerlei Argumenten zugänglich und wird unter keinen Umständen von seiner Vorstellungswelt abrücken, und sei sie von außen betrachtet auch noch so offensichtlich falsch (ver-rückte Sicht der Welt).
Einteilung: Eine erste Systematik erfolgte durch Kurt Schneider, der das Vorhandensein mehrerer der genannten Symptome forderte, um von einer Schizophrenie sprechen zu können, wobei er Symptome ersten und zweiten Ranges unterschied, von denen jeweils eine unterschiedliche Zahl vorhanden sein musste. Heutige Diagnosemanuale (DSM - in den Angelsächsischen Ländern gebräuchlich oder ICD 10 von der WHO) gehen ähnlich vor. Von der geschilderten Symptomatik, die oft als produktive oder positive Symptomatik bezeichnet wird, werden Negativsymptome unterschieden, die sich in Antriebs- und Kommunikationsarmut und teilweise kognitiven Defiziten äußern. Negativsymptome schließen sich häufig an eine akute psychotische Phase an und sind schlechter behandelbar als produktive Symptome.
Häufigkeit: Weltweit erleiden rund 1 % der Menschen eine Psychose. Dabei scheint es zwischen verschiedenen Kulturen keine oder nur geringe Unterschiede in der Häufigkeit zu geben. Die Ausformung der Symptome scheint dagegen häufig durch äußere Faktoren beeinflusst. Schizophrene (und möglicherweise auch andere psychische) Störungen in der Familie steigern die Wahrscheinlichkeit, selber eine schizophrene Psychose zu erleiden. Wenn ein Zwilling betroffen ist, beträgt die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung ca. 50 Prozent.
Verlauf: In rund 25 % bleibt es bei einer einmaligen psychotischen Episode. In allen anderen Fällen tendieren Psychosen ohne Behandlung zu einem phasischen Verlauf mit wiederkehrenden erneuten Ausbrüchen oder zu einer dauerhaften Störung.
Behandlung: Medikamentös stehen Neuroleptika zur Verfügung (zum Beispiel Haloperidol, Clozapin, Olanzapin), zur Behandlung von akuten Ängsten eventuell auch Benzodiazepine, deren Anwendung wegen der Suchtgefahr jedoch auf kurze Zeit, möglichst unter stationären Behandlungsbedingungen beschränkt sein sollte. Außerhalb akuter Phasen können dauerhaft gegebene Neuroleptika erneute Phasen verhindern. Die moderne Psychiatrie geht davon aus, dass neben der medikamentösen Behandlung soziotherapeutische Maßnahmen (Erhaltung des Arbeitsplatzes, beschützter Arbeitsplatz, betreutes Wohnen usw.), ergotherapeutische Maßnahmen (Aufbau von im Rahmen der Erkrankung verlorengegangenen Arbeitsfähigkeiten, Aufbau von Tagesstruktur, Durchführung einer Belastungserprobung) und Psychotherapie erforderlich sind. Bei falsch angewandten psychotherapeutischen Vorgehensweisen ist eine Labilisierung nicht auszuschließen.
Aufgrund von bildgebenden Untersuchungsmethoden, die auf hirnorganische, eventuell bleibende Veränderungen hinzuweisen scheinen, die mit einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis einhergehen, gibt es im Moment Überlegungen, eine Psychosegefährdung bereits vor dem eigentlichen Auftreten zu erkennen und entsprechend zu behandeln, um die möglichen hirnorganischen Veränderungen zu verhindern.
Affektive Psychosen
Hier geht es um Störungen der Stimmung entweder in Form einer Hochstimmung (Manie) oder in Form einer Depression oder aber in Form eines ständigen Wechsels zwischen beiden (bipolare Störung). Bei den Depressionen zählen nur die schweren Depressionen zu den psychotischen Störungen. Dies entspricht und hat seinen Grund in dem heute weitgehend verlassenen Begriff der endogenen Depression (in Abgrenzung zu leichter verlaufenden, lebensgeschichtlich begründbaren, neurotischen Depressionen und zu reaktiven, auf aktuelle Ereignisse folgenden Depressionen). Im angelsächsischen Raum wird von „major depression“ gesprochen. Dieser Begriff ignoriert die dem Begriff „endogen“ zugrunde liegende Annahme einer organischen Ursache und beschränkt sich auf die Beschreibung des Schweregrades. Beide Bezeichnungen werden, wie auch die Trennung in psychotische und neurotische Depressionen dem Umstand nicht gerecht, dass sich in der Praxis ein fließender Übergang von leichten zu schweren Depressionen beobachten lässt.
Eine klarere Abgrenzung gelingt bei Manien und beim Wechsel zwischen Manien und Depressionen.
Symptome einer Depression sind die Unfähigkeit, Gefühle wahrzunehmen (nicht nur Freude, auch Traurigkeit oder Wut werden nicht mehr empfunden), Antriebsarmut bis hin zu völligen Lähmung jeglicher Aktivitäten und bei den hier beschriebenen schweren Depressionen auch Wahngedanken (zum Beispiel Verarmungswahn).
Bei Manien zeigen sich dagegen Größenideen, die bis ins Wahnhafte reichen, Hyperaktivität, Ideenflucht, ein Redefluss, völlige Überschätzung der eigenen Möglichkeiten, zum Beispiel Kaufrausch, der gelegentlich massive Schulden hinterlassen kann usw., teilweise auch Streitsucht und schamloses Verhalten.
Behandlung: Akute Manien werden medikamentös mit Neuroleptika (s.o.) behandelt. Eine Phasenprophylaxe lässt sich mit Lithium und bestimmten Antiepileptika erreichen, eventuell auch mit manchen neueren atypischen Neuroleptika. Gegen Depressionen können Antidepressiva (herkömmlich zum Beispiel Amitryptilin, moderner zum Beispiel Citalopram) eingesetzt werden. Daneben sollte aber in jedem Falle eine Psychotherapie stattfinden (zum Beispiel tiefenpsychologisch oder verhaltenstherapeutisch). Gegebenenfalls sind bei Manien und schweren Depressionen die gleichen soziotherapeutischen Maßnahmen angebracht wie bei schizophrenen Psychosen. Kontrovers diskutiert und neuerdings wieder vermehrt angewandt wird die Elektrokrampftherapie bei schweren Depressionen.
Sogenannte "Frühkindliche Psychose"
Noch bis vor einiger Zeit wurde der Autismus Kanner als "frühkindliche Psychose" und als "Kinderschizophrenie" bezeichnet. Bis heute geht man davon aus, dass ein Autist unter Reizüberflutung leidet und sich dagegen wehren muss. Vermutlich aus diesem Grund schottet er sich gegen seine Umgebung ab. Die eigentlichen Ursachen für autistische Störungen sind nach wie vor unbekannt.
Differentialdiagnosen
Abzugrenzen sind Psychosen einerseits von geistigen Behinderungen: Psychosen sind psychische (seelische) Störungen und bedeuten keine Intelligenzminderung. Andererseits sind von den Psychosen zu unterscheiden: Neurosen (Zwanghafte Störungen, Angststörungen, leichtere Depressionen), Persönlichkeitsstörungen, Borderlinestörungen und Suchterkrankungen.
Drogenpsychose
Halluzinogene Substanzen wie z. B. LSD, psilocybinhaltige Pilze oder Meskalin, aber auch Cannabis können Psychosen auslösen, siehe auch Drogenpsychose.
Bereits abgeheilte Psychosen können durch Konsum von psychoaktiven Substanzen - hierzu zählt auch Alkohol - erneut ausbrechen. Deshalb sollten Personen, die psychotisch erkrankt sind bzw. waren, grundsätzlich alle bewußtseinsverändernden Substanzen meiden.
Siehe auch
psychische Störung, Umtriebigkeit, Psychoedukation, Liste psychischer Störungen, Modellpsychose
Weblinks
- [http://www.psychosenetz.com Psychose-Chat Österreich psychosenetz.com] mit laufend aktualisierten Beiträgen von Ärzten und Psychologen sowie allgemeinen Texten über Psychose
- [http://www.webpsychiater.de/Inhalt/Psychosen/psychosen.html Psychose und Schizophrenie: leicht verständliche Einführung, verfasst von einem Facharzt]
- http://www.psychosoziale-gesundheit.net/ Psychosoziale Gesundheit: informative Website von Prof. Dr. med. Volker Faust
- [http://home.arcor.de/rs1403/psychose.html Ein Versuch, Psychosen zu erklären und Psychoseerfahrungen zu verstehen]
- [http://home.arcor.de/rs1403/bericht.html Erfahrungsbericht - Chronologie einer Psychose]
- [http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=44608 Psychiatrische Genetik: Fortschritte in der Ursachenforschung affektiver und schizophrener Störungen]
- [http://home.tiscali.de/alex.sk/D_Bateson.html Gregory Bateson: Auf dem Wege zu einer Schizophrenie-Theorie]
- http://www.verrueckt.de
- [http://webring.parsimony.net/webring802/liste.htm Psychose-Webring: diverse Links, überwiegend Erfahrungsberichte von Betroffenen]
- [http://www.soteria.de Soteria Zwiefalten]: alternativer Behandlungsansatz, wo besonders versucht wird, eine persönliche Begleitung durch die Psychose anzubieten
- [http://www.soteria.ch Soteria Bern:] In Bern (Schweiz) wurde von Luc Ciompi die Soteria in Europa eingeführt
- [http://www.leuther.net/html/soteria.html Infos über Soteria Forschung und Qualität]
- http://www.psychiatrie.de/ Psychiatrienetz: gemeinsame Website der Aktion psychisch Kranke, des Dachverbands Gemeindepsychiatrie, der deutschen Gesellschaft für soziale Psychiatrie, der Familien-Selbsthilfe Psychiatrie und des Psychiatrieverlags (mit Foren)
- http://www.bpe-online.de/ Die offizielle Homepage des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener (BPE)
- http://www.irremenschlich.de/ Irre menschlich, Hamburg (Dr. Thomas Bock, Dorothea Buck u.a.) - Anti-Stigma-Kampagne von unten, Schulprojekt "Es ist normal, verschieden zu sein"
- http://www.irrsinnig-menschlich.de/ Irrsinnig menschlich e.V., Leipzig: Verein für Öffentlichkeitsarbeit in der Psychiatrie; Initiatoren eines bundesweiten Schulprojekts; Verleiher des Preises MUT
- http://www.lichtblick-newsletter.de/ Nachrichten aus Psychiatrie und Selbsthilfe (informativer Newsletter)
- http://www.psychiatrie-kabarett.de.vu/ Psychiatriekabarett (Annette Wilhelm)
- [http://www.google.de/search?hl=de&ie=ISO-8859-1&q=weglaufhaus&btnG=Google-%0D%0A%0D%0ASuche&meta=lr%3Dlang_de Alternative Weglaufhaus (aktuelle Google-Recherche)]
- http://www.psychose.de.tt/ Kiffen und Psychose (Persönlicher Erfahrungsbericht)
- http://www.psychose-chat.de/ Chat für Menschen, die an Psychosen leiden
Kategorie:Psychische Störung
Kategorie:Psychoanalyse
Kategorie: Psychiatrie
MigräneDie Migräne (von griech. ημικρανίον, hemikranion,hemikrania - halber Schädel) ist eine neurologische Erkrankung, die durch einen anfallsartigen, pulsierenden und meist halbseitigen Kopfschmerz gekennzeichnet ist, der oft von zusätzlichen Symptomen, wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) begleitet wird. Bei manchen Patienten geht einem Migräneanfall eine Aura mit meist optischen oder sensorischen Wahrnehmunsstörungen voraus.
Symptome
Während eines Migräneanfalls können verschiedene Phasen durchlaufen werden. Oft kündigt sich ein Anfall durch Prodromalsymptome, wie z. B. Heißhunger, Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen an (Prodromalphase). Dieser kann eine Phase mit Wahrnehmungsstörungen (Aura), die insbesondere das Sehen betreffen, folgen (Auraphase). Der eigentliche Migränekopfschmerz wird in der Kopfschmerzphase verspürt, der anschließend bis zur vollständigen Genesung des Patienten abnimmt (Rückbildungsphase).
Prodromalphase
Während dieser Phase ist der Migränepatient oft gereizt und reagiert mit Stimmungsschwankungen. Charakteristisch ist ebenfalls ein Heißhunger auf Schokolade.
Auraphase
Migräne geht in ca. 20% der Fälle mit einer Aura einher. Es treten Gesichtsfeldausfälle (Flimmerskotome), Sehstörungen, Störungen des Geruchsempfindens, Nervenkribbeln in den Armen oder andere neurologische Ausfälle auf. Charakteristisch ist die Dynamik des Prozesses, d.h. z.B. das "Wandern" des Flimmerskotoms im Gesichtsfeld oder Wandern des Kribbelgefühls im Arm oder durch die einzelnen Finger. Diese Dynamik zeigt sich auch bei Messungen im Gehirn in Form einer wandernden Störungsfront (Cortical spreading depression). Die Aura hat keinerlei schädigende Auswirkungen auf das Hirngewebe und dauert in der Regel bis zu 30 min.
Die Visionen der Hildegard von Bingen, die unter Migräne litt, werden heute als Migräne-Aura gedeutet.
Kopfschmerzphase
Der Kopfschmerz tritt meist halbseitig auf und kann sehr heftig sein. Er dauert wenige Stunden bis drei Tage. Bei körperlicher Betätigung nimmt der Schmerz zu. Migräne wird oft von zusätzlichen Symptomen begleitet:
Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Der Kranke ist blass und kann äußere Einflüsse schwer ertragen. Die Dauer der Kopfschmerzphase variiert zwischen 60 min bis 3 Tagen in Abhängigkeit von Patient und Migräneform.
Rückbildungsphase
In dieser Phase nehmen der Migränekopfschmerz und die Begleitsymptome bis zur vollständigen Erhohlung ab. Der Patient fühlt sich müde und abgespannt. Während dieser Phase können noch Einschränkungen der Sehfähigkeit und des Gleichgewichtssinnes bestehen. Diese Phase kann bis 24 Stunden dauern.
Formen
Einfache Migräne ohne Aura
Die Mehrzahl der Migräneanfälle findet ohne vorhergehende Aura statt. Allerdings kann es auch hier Vorboten wie Unruhe, Erregungszustände, Stimmungsveränderungen geben. Diese treten einige Stunden bis zwei Tage vor der eigentlichen Attacke auf. Der Kopfschmerz ist fast immer halbseitig und pulsierend und kann bisweilen mehrere Tage andauern. Begleitsyptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie) treten auf. Diese Form der Migräne wird oft im Zusammenhang mit dem weiblichen Menstruationszyklus beobachtet.
Klassische Migräne mit Aura
Bei der klassischen Migräne treten unmittelbar vor dem Migränekopfschmerz zusätzlich neurologische Symptome auf. Erst nach Abklingen der Auraerscheinungen, die meist zirca 10 - 30 Minuten dauern, kommt es dann zum Kopfschmerz, der langsam beginnt und zunehmend stärker wird. Die Kopfschmerzphase der klassischen Migräne dauert häufig nur wenige Stunden und ist damit kürzer als andere Migräneformen, aber deutlich heftiger.
Hemiplegische Migräne
Die hemiplegische Migräne ist eine Migräne mit prolongierter Aura und wird durch eine besonders ausgeprägte Auraphase gekennzeichnet, die bis zu 24 h andauern kann. Während dieser Auraphase können vorrübergehende Lähmungserscheinungen auftreten. Diese Form der Migräne kann familiär gehäuft und sporadisch auftreten. Als eine Ursache für die familäre hemiplegische Migräne konnte ein Gendefekt gefunden werden.
Basilare Migräne
Bei dieser Form der Migräne mit Aura sind meist beide Hirnhälften betroffen. Während der Aura können für die basilare Migräne charakteristische reversible Symptome, wie z.B. Doppelsehen (Diplopie), Sehstörungen auf beiden Augen, Ataxie, Bewusstseinsbeeintächtigungen uns Schwindel, beobachtet werden.
Migräneaura mit Nichtmigränekopfschmerz
Ähnlich der klassischen Migräne mit Aura kann nach einer Auraphase eine Kopfschmerzphase folgen. Den Kopfschmerzen fehlt jedoch der typische Migränecharakter und sind somit nicht pulsierend, halbseitig und nicht begleitet von zusätzlichen Symptomen.
Migräneaura ohne Kopfschmerz
Gelegentlich gibt es Migräneformen ohne Kopfschmerzen, d.h. es treten nur die beschriebenen neurologische Ausfälle auf, insbesondere Sehstörungen. Diese Form der Migräne wird von Ärzten häufig nicht erkannt.
Weitere Sonderformen
Weitere Sonderformen der Migräne sind die ophthalmoplegische Migräne (vorrübergehende Störung der Augenmuskulatur) und die retinale Migräne (visuelle Störungen).
Komplikationen
Leidet ein Patient an mehr als 15 Tagen im Monat unter einer Migräne, so spricht man von einer chronischen Migräne. Die chronische Migräne ist of eine Komplikation der Migräne ohne Aura. Sie kann jedoch auch durch Missbrauch von Medikamenten verursacht werden.
Bei einem Status migraenosus geht ein Migräneanfall unmittelbar in den nächsten über oder die Migränesymptone nehmen nach 72 h nicht ab. Dem Patienten bleibt kaum Erhohlungszeit. Auch diese Komplikation der Migräne kann eine Folge eines Medikamentenmissbrauchs sein.
Während eines migränösen Infarktes kann es zu einer Minderdurchblutung bestimmter Gehirnteile und zu dauerhaften Schäden kommen.
Prävalenz
Statistisch gesehen leiden Frauen (Prävalenz 18%) häufiger unter Migräne als Männer (Prävalenz 6%), wobei insbesondere Personen im Alter zwischen 25 und 45 Jahren betroffen sind. Es können jedoch auch Kinder unter Migräne leiden.
Diagnose
Die Diagnose einer Miräne erfolgt durch eine Befragung des Patienten und durch Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese). Spezielle Laboruntersuchungsmethoden stehen nicht zur Verfügung. Mit Hilfe der Elektroenzephalografie (EEG), der Cranialen Computertomographie (CCT), der Kernspintomographie und der Dopplersonographie können andere Krankheiten, wie z. B. Tumoren, Hirnblutungen und Entzündungen, ausgeschlossen werden. Weiterhin ist zwischen einer Migräne und anderen Kopfschmerzformen, wie Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz zu unterscheiden.
Pathophysiologie
Migräneanfall
Der Pathomechanismus des Migräneanfalls ist nicht völlig aufgeklärt. Mit Hilfe von verschiedenen sich überlappenden Hypothesen wird versucht, die Entstehung einer Migräne zu beschreiben. Der Neurotransmitter Serotonin scheint dabei eine wichtige Rolle einzunehmen.
Die neurologische Hypothese beruht auf der während eines Migräneanfalls beobachteten Freisetzung von Entzündungsmediatoren, wie z.B. Substanz P, Calcitonin Gene-Related Peptide und Stickstoffmonoxid (NO) aus Nervenendigungen des fünften Hirnnerven (Nervus trigeminus). Diese Mediatoren bewirken eine sogenannte Sterile Entzündung mit einer Aktivierung von Mastzellen und einer Vasodilatation. Antagonisten des Calcitonin Gene-Related Peptides sind migränewirksam. Die Wirksamkeit von Arzneistoffen, die die Freisetzung dieser Mediatoren hemmen (z.B. 5-HT1D- und 5-HT1F-Rezeptorantagonisten) wird derzeit untersucht.
Die vaskuläre Hypothese beruht auf der Beobachtung, dass kraniale Blutgefäße während eines Migräneanfalls dilatiert sind. In den Wänden dieser Blutgefäße befinden sich Schmerz- und Dehnungsrezeptoren (freie Nervenendigungen) des Nervus trigeminus. Insbesondere der pulsierende Charakter des Migränekopfschmerzes lässt sich mit dieser Hypothese erklären. Eine mechanische Kompression der kranialer (oder zuführender) Blutgefäße oder eine Behandlung mit Arzneimitteln, die diese Blutgefäße kontrahieren (z.B. Triptane) sind migränewirksam.
Eine Projektion der Reizung des Nervus trigeminus über Dehnungsrezeptoren oder Chemorezeptoren der Blutgefäße in den trigeminalen Nucleus caudalis und darüber hinaus in die Hirnrinde wird für das Schmerzempfinden verantwortlich gemacht. Für die beobachteten Begleitsymptome der Migräne, ist eine Projektion in den Hypothalamus (Photophobie, Phonophobie) und in die Chemorezeptoren-Triggerzone (Übelkeit, Erbrechen) verantwortlich.
Die Beobachtung, dass Patienten, die regelmäßig an Migräne leiden, eine erhöhte Erregbarkeit des occipitalen Cortex zeigen, führte zur Postulierung einer weiteren Hypothese (Übererregbarkeitshypothese). Diese Übererregbarkeit ist an eine Freisetzung von Kaliumionen in den Extrazellularraum gekoppelt. Kaliumionen führen zu einer Depolarisierung, die sich über einen Bereich der Hirnrinde ausbreitet (Cortical spreading depression). Eine Ausbreitung dieser Depolarisation in das Sehzentrum wird mit der Entstehung der Migräneaura in Verbindung gebracht. Der Migränekopfschmerz wird nach dieser Hypothese mit einer Projektion in den trigeminalen Nucleus caudalis erklärt.
Genetische Ursachen
Die Ursachen der Migräne sind bis heute nicht genau geklärt. Da Migräne familiär gehäuft auftritt, ist eine Vermutung, dass bei Migräne Gendefekte eine Rolle spielen können. Im Falle der familiären hemiplegischen Migräne wurde eine Fehlfunktion eines mutierten Kalziumkanals, der von einem auf dem Chromosom 19 liegenden Gen codiert wird, als Ursache gefunden.
Triggerfaktoren
Migräne kann bei empfindlichen Personen durch eine Vielzahl von Triggerfaktoren ausgelöst werden. Diese Faktoren können individuell sehr unterschiedlich sein. Als mögliche Ursachen kommen Stress, Unregelmäßiger Biorhythmus und Schlafmangel in Frage, wobei ein Migräneanfall oft erst in der Poststress-Entspannungsphase folgt ("Wochenendmigräne"). Als Stressfakoren gelten dabei ebenso Wetterschwankungen und übermäßige Hitze oder Kälte, besonders im Kopfbereich. Mögliche ernährungsbedingte Ursachen sind insbesondere der Konsum tyramin- und histaminreicher Nahrungsmittel (z.B. Rotwein, Hartkäse, Schokolade, Nüsse, Bananen, Tee), Alkoholabusus, Drogenkonsum aber auch Mineralmangel, Flüssigkeitsmangel und Unterzuckerung (Hypoglykämie). Auch einige Arzneimittel, insbesondere Vasodilatatoren, können einen Migräneanfall induzieren. Blitzlicht und flackernde Lichter (flackernder Computermonitor, hektische Computerspiele) können ebenfalls einen Migräneanfall bei empfindlichen Personen auslösen. Weitere mögliche Ursachen sind das Prämenstruelles Syndrom sowie mit dem weiblichen Zyklus einhergehende Hormonschwankungen, Muskelverspannungen im Kopf-, Hals- und Schulterbereich, durch welche Nerven gereizt werden (umstritten, evtl. sind Verspannungen "nur" Reaktion auf den Schmerz) und ein andauerndes Foramen ovale, eine Fehlbildung des Herzes.
Therapie und Prophylaxe
Die Migräne ist eine Erkrankung, die derzeit ursächlich nicht heilbar ist. Die Intensität der Migräneanfälle und die Anfallshäufigkeit kann durch geeignete Maßnahmen meist reduziert werden.
Akuttherapie
Zur Akutbehandlung des Migränekopfschmerzes können einerseits unspezifisch Schmerz- und Entzündungsprozesse hemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der Nichtopioid-Analgetika (z.B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Ibuprofen) und andererseits spezifische Migränetherapeutika aus den Gruppen der | | |