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Industrielle Revolution
Unter Industrielle Revolution versteht man die industrielle Umgestaltung der Arbeits- und Sozialordnung in Europa im 19. Jahrhundert. Der Begriff Industrielle Revolution wurde von Friedrich Engels und L. Blanqui geprägt.
Erscheinungsformen
Mit dem Übergang zur Dampfenergie als Grundlage der Energieerzeugung an Stelle von Wasser- und Windenergie wurde eine Periode tiefgreifender sozialer und technologischer Veränderungen eingeleitet. Im historischen Rückblick wird die Industrielle Revolution als "Revolution" daher oft mit der Neolithischen Revolution, dem Übergang zur Jungsteinzeit, verglichen, da diese eine vergleichbar drastische soziale Veränderung mit sich brachte. Wenn man hier überhaupt von einer "Revolution" sprechen darf,denn diese Umwälzung ist ein Prozess von Jahrzehnten gewesen und eine Revolution ist kein über 5 Jahre hinausgehendes Ereignis. Neben einer grandiosen Entwicklung der Produktivität und der Wissenschaften, erhoben sich entsprechend schwere soziale Fragen – wie zum Beispiel Massenarmut und Massenarbeitslosigkeit.
Die Industrielle Revolution begann in England und verbreitete sich von dort im 19. Jahrhundert nach Europa und die USA.
Während vorher alle mechanische Energie durch Wind- oder Wassermühlen, die Betakelung von Segelschiffen oder durch Einsatz von Muskelenergie von Tier (Zugvieh) bzw. Mensch (Schmelzöfen, Wasserbauten - vgl. die "hydraulischen Kulturen") erzeugt wurde, wurden durch Verbesserungen der Dampfmaschine von James Watt neue Möglichkeiten geschaffen. Mit der Umwandlung von Dampfkraft in mechanische Kraft wurde der Bau von Fabriken weit entfernt von Wasserläufen möglich. Handarbeit konnten mechanisiert werden; aus Manufakturen entwickelten sich Fabriken und damit eine neue Produktionsweise, die zuerst in der englischen Baumwollverarbeitung, dann in weiteren Industriezweigen Einzug hielt.
So beseitigte die Dampfmaschine beispielsweise die Abhängigkeit von witterungsbedingten saisonalen Schwankungen der Energiequellen. Wind- und wassergetriebene Mühlen oder Pumpen wurden durch Dampfgetriebe ersetzt.
Wichtige Bestandteile der Industriellen Revolution waren neben der Fortentwicklung der Dampfmaschine die Entwicklung maschinell betriebener Fahrzeuge wie der Dampflokomotive durch Richard Trevithick, Timothy Hackworth, John Blenkinsop und George Stephenson und des Dampfschiffs durch Robert Fulton zu Beginn des Jahrhunderts.
Diese Erfindungen zeitigten große soziale Umwälzungen. Die Energiekapazitäten der kleinen Mühlen und Manufakturen vermochten nicht mit der Dampfenergie zu konkurrieren. Mit Lokomotiven und Dampfern konnten Waren über Land und Meer sehr schnell und innerhalb einer berechenbaren Zeit transportiert werden, da die Dampfaggregate gleichbleibende Energie lieferten. Allgemein ließ sich eine starke Entwicklung neuer Erfindungen feststellen, diese waren insbesondere bei der neuartigen Nutzung nicht-menschlicher Energie und im Textilgewerbe auszumachen.
Dabei wurden vorhandene Prinzipien der Herstellung durch neue ersetzt (Landes, Wohlstand, S. 205):
: - "menschliche Fertigkeit und Anstrengung durch die - ebenso schnell wie gleichmäßig, präzise und unermüdlich arbeitende - Arbeits-Maschine";
: - "belebte durch unbelebte Kraftquellen, insbesondere durch die Erfindung von (Kraft-)Maschinen, die Wärme in Arbeit umwandeln und damit eine nahezu unerschöpfliche Energie eröffnen";
: - "Verwendung neuer Rohmaterialien in größeren Mengen, vor allem die Ersetzung pflanzlicher und tierischer Substanzen durch anorganische und schließlich synthetisch hergestellte Materialien".
Gründe der industriellen Revolution
Bis heute gibt es keine definitive Erklärung dafür, wiso es überhaupt zur Industriellen Revolution kam. Es steht lediglich fest, dass eine Vielzahl an miteinander verstrickten Ursachen wohl der Ursprung waren – welcher in England lag. Erst im 19. Jahrhundert breitete sie sich über West- und Mitteleuropa und den USA aus. Gegen Ende dieses Jahrhunderts wurden auch Russland und Japan erfasst. Manche Länder der „Dritten“ und „Vierten“ Welt durchschreiten erst heute (gegen Ende des 20. Jahrhunderts – Beginn des 21. Jahrhunderts) diesen Prozess.
Die Ursachen der Industriellen Revolution werden in den durch die Aufklärung bewirkten sozialen Veränderungen gesehen sowie der kolonialen Expansion des 17. Jahrhunderts.
Gründe für den Beginn der Industriellen Revolution in Europa
Warum trat die Industrielle Revolution gerade in Europa und nicht in dem technologisch weiter entwickelten China auf? Warum dann nicht schon in der Spätantike, in der Zeit der Diadochenreiche, im Bereich des östlichen Mittelmeers?
Benjamin Elman argumentiert, dass sich China in einer Gleichgewichtssituation auf hohem Niveau befand, in der die nichtindustriellen Methoden leistungsfähig genug waren, den Einzug von industriellen Methoden mit hohen Hauptkosten zu verhindern.
Anders argumentiert Kenneth Pommeranz, dass Europa und China 1700 schon bemerkenswert ähnlich waren, aber dass die entscheidende Ursache für die industrielle Revolution in Europa in den nahegelegenen Kohle- und Rohstoffvorräten der Industriegebiete zu suchen sei. Zudem erweiterten Importe von Kolonialwaren u.a. Europas industrielle Möglichkeiten in einem für China nicht vorstellbarem Maß.
Wolfgang König von der Technischen Universität Berlin behauptet, dass die vielen einzelnen Staaten in Europa zu einem gegenseitigen Wettbewerb führten und somit den technischen Fortschritt voran trieben. Das Kaiserreich China war dagegen ein zentral regiertes Riesenreich. Dieser Sachverhalt gilt als eine von mehreren Ursachen.
Fernand Braudel belegt durch eine Vielzahl von Quellen, dass sich seit Mitte des letzten Jahrtausends in verschiedenen Kulturen weltweit wichtige Entwicklungen, wie ein Ansteigen der Wachstumsrate der Bevölkerung und eine Ausweitung des Fernhandels, weitgehend unabhängig von Europa vollzogen haben. Die Besonderheit in der europäischen Entwicklung liegt demnach in der größeren politischen Dynamik, insbesondere der relativen Instabilität und der damit verbundenen größeren Freiheit des Einzelnen, und dem Reichtum durch die Ausbeutung der Kolonien.
Im Gegensatz zu Europa verfolgte China lange Zeit eine Politik der Isolation. Ziel war es, das eigene Land vor Barbaren zu schützen.
Besonders günstige Voraussetzungen für den Beginn der Industrielle Revolution in England:
Gründe für die Industrielle Revolution in England
- Wirtschaft
- : große Kapitalreserven durch Kolonial- und Sklavenhandel
- : im Gegensatz zu Kontinentaleuropa ein hochentwickelter Wirtschaftsliberalismus ohne Zunft- und Zollschranken
- : hohe Investitionsfreudigkeit, zunächst bei Adeligen aus landwirtschaftlichen Einkünften, danach auch im Bürgertum
- Gesellschaft und Arbeit
- : sinkende Sterberaten durch medizinische und hygienische Verbesserungen, deshalb genügend verfügbare Arbeitskräfte
- : die theologische Ausrichtung des Calvinismus förderte Tugenden wie Fleiß und Sparsamkeit
- : Übergang von der Manufaktur zur Manufaktur-Fertigung
- : landwirtschaftlicher Konzentrationsprozess unter Produktivitätssteigerung
- : hohes Maß an Rationalität und Naturberherrschung im europäischen Denken
- Politik
- : Parlamentarismus
- : Streben, wirtschaftliche Verluste durch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung auszugleichen
- : Rechtssystem mit Handels- und Patentrecht
- : politische Emanzipation des Bürgertums (auch durch die Verbürgerlichung der Aristokratie)
- Infrastruktur und Ressourcen
- : günstige Verkehrswege (Meer, Flüsse, Kanäle und Straßen) und deren effizienter Ausbau
- : natürliche Rohstoffressourcen (Kohle, Erze, Baumwolle)
- : das Empire als Rohstofflieferant und Markt
- : Vormachtstellung als Handels- und Kolonialmacht: England hatte sich im Dreißigjährigen, im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und den Kriegen zuvor diese Position erkämpft
- : Umstellung auf Steinkohle durch Mangel an Holz
- offene Gesellschaftsstruktur
- : Es herrschte keine strenge Ständeordnung vor
- : Adel und Bürgertum konnten Ehen schließen
- : auch der Adel arbeitete, denn Arbeit war "Gottes Wille"
Triebkräfte für die industrielle Revolution in England
England ist im 18. und 19. Jahrhundert die größte Kolonialmacht und kann kostengünstig Baumwolle aus Amerika importieren. Die Industrielle Revolution beginnt in England mit der Textilindustrie. Als erste Antriebskraft für die Industrialisierung muss man allerdings die Bevölkerungsexplosion ab Mitte des 18. Jahrhunderts bis spät ins 19. Jahrhundert betrachten. Bessere medizinische Praktiken und Erkenntnisse sowie Ausbleiben von Hungersnöten sind Hauptgrund dafür.
Erst reichte die ursprüngliche Weise der Landwirtschaft nicht aus, um die schnell wachsende Bevölkerung Englands zu ernähren, da diese noch auf der Dreifelderwirtschaft basierte. Folglich musste eine Agrarrevolution für mehr Nahrung sorgen. Die Dreifelderwirtschaft wurde durch die viel produktivere Fruchtwechselwirtschaft ersetzt.
Unternehmer begannen, sich mit der Agrarwirtschaft zu beschäftigen. Die vorher überwiegenden Bauern fingen an, in die Städte abzuwandern und dort Arbeit zu suchen. Diesen Vorgang nennt man Urbanisierung. Den Gesamtprozess der Agrarrevolution nennt man Enclosure Movement, was auch eine Modernisierung der Landwirtschaft bedeutet. (Intensivierung, Ertragssteigerung).
Parallel dazu ist der Wirtschaftsliberalismus eine wichtige Triebkraft. Der Wirtschaftsliberalismus wurde durch Adam Smith begründet und behandelt die Gewinnerzielung und den Wohlstand der Nation. Themen wie Investition und Rentabilität wurden wichtig für die Menschen und eine Unternehmerklasse bildete sich heraus. Durch die parallele Anhäufung von Arbeitskräften, verstärkte Nachfrage und der neuen Mentalität war die Anhäufung von Kapital (Akkumulation) möglich.
Der Wirtschaftsliberalismus führte auch zu einer Abwendung vom alten, Handel behindernden Merkantilismus. "Das freie Spiel der Kräfte" wurde zur erfolgreichen Wirtschaftstheorie. Der Staat zog sich aus der Wirtschaft zurück und freier Handel ohne teure Zölle war möglich.
Durch diese Einleitung der Industriellen Revolution kamen auch Erfinder auf immer neue Ideen. So erfand James Watt 1769 die Dampfmaschine. Sofort erkannten die Unternehmer die Effektivität dieser Dampfmaschine. Die Einführung der Dampfmaschine führte zu einer noch stärkeren Intensivierung der Industrie. So wurde z.B. die Textilindustrie von den vorher heimischen Kleinproduktionsstätten in große Fabriken umgelagert, wo dampfbetriebene Webstühle schnell und produktiv Stoffe herstellten. Die Textilindustrie ist in England am wichtigsten gewesen, deswegen bezeichnet man sie in diesem Falle als "Schrittmacherindustrie".
Folglich war eine höhere Nachfrage an Brennstoffen, was den Kohleabbau hervorbrachte, der natürlich auch durch weitere Erfindungen effektivisiert wurde. So wurde aus der Dampfmaschine die Eisenbahn erfunden. All das erzeugte eine hohe Nachfrage an Rohstoffen und Arbeitskräften.
Nacheinander baute jeder Industriezweig aufeinander auf und die Wirtschaft begann "sich selbst zu unterhalten".
Bevölkerungswachstum und Arbeitskräfteüberschuss
Während im 18. Jahrhundert die Sterberate etwa so hoch war wie die Geburtenrate, erhöhte sich die Zahl der Bevölkerung ggf. vor, jedenfalls während der industriellen Revolution explosionsartig. Handel und Handwerk wuchsen nicht mit (in Deutschland ergab sich das sog. Handwerksburschenelend, allgemein der "Pauperismus"), in den rasch wachsenden Städten entstanden neuartige Slums.
Gründe dafür waren:
: - die Fortschritte in der Medizin und besseren hygienischen Standards (=> Rückgang der Kindersterblichkeit)
: - der Rückgang der Epidemien,
: - die bessere Nahrungsversorgung (Umstellung auf Fruchtwechselwirtschaft),
: - Viehzucht (Milch der Kühe => vor allem Kinder waren gegen Krankheiten widerstandsfähiger)
Die Agrarrevolution
Schon in der frühen Neuzeit vergrößerten sich in England Großgrundbesitzer auf Kosten der Kleinbauern. Es wurden dazu die weit verstreuten Anbauflächen zusammengelegt und die Allmende (die gemeinsame Nutzfläche an Weide und Wald) aufgeteilt und, als Zeichen der Privatisierung, auch eingezäunt (besonders im 18. Jahrhundert wurden diese Einhegungen immer häufiger). Die Folge war, dass die Bauern immer weniger Holz und Weidefläche für ihr Vieh hatten. Die meisten verkauften nun ihren bescheiden Besitz, ließen sich bei den Großgrundbesitzern als Landarbeiter anstellen oder wanderten in die Städte ab, um als Lohnarbeiter eine neue Beschäftigung zu finden. Ebenso war der zunehmende Einsatz von Maschinen ein Grund für die Arbeitslosigkeit und Abwanderung der Bauern.
In den so vergrößerten Besitzungen wurde auch die landwirtschaftliche Produktion durch verschiedene neue Neuerungen gesteigert.
: - Fruchtwechselwirtschaft anstatt der Dreifelderwirtschaft
: - Verschiedene natürliche Düngemittel (Stalldung, Knochenmehl, Kohlenasche, städtischer Abfall, Sand) erhöhten die Erträge beträchtlich
: - Ausländische Rinder wurden importiert, um durch Kreuzungen möglichst fleischreiche Tiere züchten zu können.
: - Landwirtschaftliche Geräte (Dresch- und Sämaschinen) wurden ständig weiterentwickelt, 1785 wurde der erste gusseiserne Pflug patentiert
Um 1800 waren noch etwa 75% aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Die ständigen Neuerungen machten es möglich, auch die rasch zunehmende Stadtbevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. So wuchs der Markt, obwohl die Masse der Bevölkerung weiter in bitterer Armut lebte.
Der Calvinismus
Calvinisten leben im Glauben, dass ihr Dasein nach dem Tod von Gott vorherbestimmt ist. Gott ignoriert Taten die das Motiv haben, ihn in dieser Entscheidung zu beeinflussen. Aber es gibt eine Möglichkeit herrauszufinden, welches Schicksal einen erwartet. Wer erfolgreich ist, der kommt wahrscheinlich in den Himmel.Damit Kinder im Leben Erfolg haben, bekommen sie die bestmögliche Ausbildung und erben nicht das Vermögen ihrer Eltern. Calvinisten vererben ihr Vermögen meistens der Wohlfahrt.
Der Calvinismus war vor allem in England weit verbreitet. Sparsamkeit, Fleiß und jeglichen Luxus verbietende Askese waren die Leitmotive jener, die den wirtschaftlichen Liberalismus gegen jeden Versuch der staatlichen Bevormundung durchsetzten. Max Weber, deutscher Soziologe, interpretierte die calvinistische Ethik so:
- „[…] Verwerflich ist nämlich das Ausruhen auf dem Besitz, der Genuss des Reichtums mit seiner Konsequenz von Müßigkeit […]“
- „Zeitvergeudung ist […] die schwerste aller Sünden“
- „Wer nicht arbeitet, soll nicht essen“
Intepretation:
- Faulheit ist die größte Sünde
- man soll sich nicht auf dem erwirtschafteten Kapital ausruhen – man muss es vermehren
- Reichtum ist nichts verwerfliches
Es gibt/gab aber auch Gegner der Calvinismusthese – zum Beispiel der englische Philosoph Bertrand Russell:
- „[…] in der heutigen Welt [gibt es] sehr viel Unheil […] aus dem Glauben an den überragenden Wert der Arbeit an sich.“
- „[…] Klasse der Müßigen genoss Vorteile, die auf sozialer Ungerechtigkeit beruhten“
- „Wenn […] niemand mehr gezwungen wäre, mehr als vier Stunden täglich zu arbeiten, würde jeder Wissbegierige seinen wissenschaftlichen Neigungen nachgehen können […]“
Russel spricht sich gegen die calvinistische Wirtschaftsauffassung aus:
- viele Menschen würden zum Arbeiten gezwungen werden
- zu viel Arbeit wäre ein Hemmstein für die Wissenschaften
Triebkräfte für die Industrielle Revolution in Deutschland
Von einem Deutschland als geeinigten Staat kann erst ab 1871 mit Gründung des Deutschen Reiches eine Rede sein. Durch den Deutschen Zollverein von 1833/1834 wird in Deutschland erstmals eine spezielle Grundlage für die Industrielle Revolution geschaffen. Durch den Zollverein wurde eine einheitliche Wirtschaft politisch möglich, da es nun im Deutschen Bund keine Binnenzölle mehr gab. Im Geld und Bankenwesen gab es ebenfalls Veränderungen. Industrie und Wirtschaftsbanken entstanden, deren Hauptaufgabe bestand darin Kredite für industrielle Vorhaben zu beschaffen. In dieser Zeit entwickelte sich Frankfurt am Main zum deutschen Finanzzentrum. Mit der Verbesserung des Schulwesens, deren Vorläufer die preußische Bildungsreform von Humboldt war, entstanden ab 1825 aus Technischen Schulen die Hochschulen (z.B. München und Dresden). Auch auf die Verbindung von Theorie und Praxis wurde mit der Entwicklung von Fachschulen wert gelegt. Durch die Verbesserungen im Schulwesen gab es mehr qualifizierte Arbeiter. Durch die Veränderung und Neuentwicklung von Produktionstechniken konnte eine Erhöhung der Textilproduktion, die Steigerung des Kohleabbaus und eine Verbesserung des Verkehrswesens erreicht werden. Der größte Schritt wird mit dem Übergang vom Merkantilismus zum Wirtschaftsliberalismus gemacht, welcher ab 1860 in ganz Deutschland durchgesetzt wurde.
Der Wirtschaftsliberalismus
Änderungen im Bürgertum und Adel
Schon im 17. Jahrhundert lockerte sich das ständische Gesellschaftssystem in England: Kleinadel und besitzendes Bürgertum waren durch Heiraten miteinander verbunden – die entstandenen Eigentümer von Kapital und Großgrundbesitzen waren auch in der Politik – vor allem im Parlament, welche seit der Glorreichen Revolution entscheidend bei der Gesetzesgebung mitwirkte – bestimmend. Die Folge war, dass das Bürgertum und der Adel ihre persönlichen und politischen Freiheiten auch auf das Wirtschaftleben übertrugen. Es gab keine Wirtschaftsmonopole, keine wettbewerbsschädigenden Zunftschranken => der Staat überließ die Wirtschaft zunehmend dem Individuum. Der Grund besitzende Hochadel investierte ohne Standesdünkel sein Kapital ebenso in Produktion, Handel und Gewerbe wie die Unternehmer aus dem Groß- und Kleinbürgertum oder aus dem Bauernstand.
In Kontinentaleuropa hingegen herrschte nach wie vor der Absolutismus und der Merkantilismus (Wirtschaft war dem Staatsinteresse völlig untergeordnet).
Adam Smith – von der freien Wirtschaft
Der schottische Nationalökonom, der die liberale Wirtschaftsauffassung vertrat, forderte einen freien Markt und einen freien Wettbewerb (Konkurrenzprinzip), denn seiner Ansicht nach würde sich eine freie Wirtschaft (nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage) selbst regulieren – ähnlich der Natur. Eingriffe seitens des Staates würden die Initiative der Unternehmer und damit auch die Produktion, den Handel und den Wohlstand des Landes gefährden. Denn er vertrat die Meinung, dass wenn Kapitalisten ihre eigenen Ziele (Eigeninteresse) verfolgten sich auch das Allgemeinwohl steigere. (Adam Smith, Untersuchungen über Natur und Ursprung des Volkswohlstandes)
Kapitalanhäufungen, Wirtschaftswachstum
Smith unterteilte die Gesellschaft in verschiedene ökonomische Klassen. Er unterschied dabei zwischen Produzenten und Verbraucher. Für Smith ist Arbeit nur produktiv, wenn das Endprodukt etwas „Greifbares“ ist – Dienstleistungen und Grundbesitz zählten also nicht dazu. Für ihn war ebenso die Vermehrung des Wohlstandes im sparsamen Umgang der Unternehmer (Kapitalist), der seine finanziellen Mittel möglichst Gewinn bringend investierte, begründet. Denn der jährliche Ertrag aus Land und Arbeit konnte, seiner Meinung nach, nur durch die Zahl der Arbeitskräfte oder Produktivkraft der Arbeitenden erhöht werden – und für beide Fälle ist Kapital von Nöten (damit der Einsatz von Maschinen, Arbeitsteilung,…)(Adam Smith, Der Reichtum der Nationen).
Verlaufsformen der industriellen Revolution
Kapitalzufluss
Die neuen Industrieanlagen verlangten Kapital welches von verschiedenen Seiten kam:
Adelige investierten ihr Kapital aus Grundpacht und Landwirtschaft; Großkaufleute ihr Vermögen aus dem (Kolonial-)Handel; Handwerker ihren Produktionsgewinn. Es wurden außerdem Kapitalgesellschaften gegründet: Unternehmungswillige Freunde und Familien legten ihr Erspartes zusammen um in zukunftsträchtige Betriebe, risikoreiche Unternehmen oder in Spekulationsgeschäfte zu investieren. Nordenglische Grubenbesitzer verbanden sich mit Londoner Kohlenhändler; Brauereibesitzer mit Malzlieferanten und Erfinder mit Kapitalgebern. Es wurden auch kleine Fabriken gegründet: zum Beispiel zwischen Maschinenbauer und Spinner. Denn im 18. Jahrhundert war der Kapitalbedarf noch relativ gering, sodass auch einzelne Arbeiter oder kleine Angestellte mit eigenem und geborgtem Geld den sozialen Aufstieg zum Unternehmer schaffen. Jede technische Erfindung wurde genutzt und verbessert, die Arbeitsteilung vorangetrieben und die Betriebe vergrößert. Zudem nahm die Pro-Kopf-Erzeugung in der englischen Industrie stetig zu. Auch der Absatz der Massengüter war gesichert: In England, in den Kolonien und in Kontinentaleuropa (wo englische Produkte bis in das 19. Jahrhundert den Markt beherrschten).
Hochkapitalismus und Weltwirtschaft
Diese Wirtschaftsform des industriellen Kapitalismus hatte die ständige Steigerung des Kapitals und möglichst hohe Gewinne zum Ziel.
Voraussetzungen dafür waren:
: - gut ausgebaute Verkehrswege (vor allem zwischen Rohstoffbasen, Produktionsstätten und Verbrauchermärkten)
: - Abbau
: - Erhöhung der Schutzzölle (Schutz vor ausländischen Waren),
: - Ausbau der Monopole und
: - Errichtungen von autarken Wirtschaftseinheiten mit Hilfe der Kolonien
Zunahme der Erfindungen
right
Zahl der gültigen Patente 1750-1850 in England:
- 1750 - 102 Patente
- 1760 - 138 Patente
- 1770 - 268 Patente
- 1780 - 409 Patente
- 1790 - 645 Patente
- 1800 - 883 Patente
- 1810 - 1245 Patente
- 1820 - 1511 Patente
- 1830 - 1978 Patente
- 1840 - 3327 Patente
- 1850 - 6155 Patente
right
Patente nach Industriesektoren (England 1750-1851, Top 10)
- 1. Dampf - 984 Patente
- 2. Hydraulik - 750 Patente
- 3. Spinnmaschinen - 715 Patente
- 4. Energieträger - 984 Patente
- 5. Fahrzeuge - 586 Patente
- 6. Webmaschinen - 502 Patente
- 7. Bleiche (Textilindustrie) - 479 Patente
- 8. Metalle (nicht-eisenhaltig) - 474 Patente
- 9. Fortbewegung von Schiffen - 461 Patente
- 10. Säuren, Oxide - 434 Patente
Die „Spinning Jenny“ und der mechanische Webstuhl
Im 18. Jahrhundert waren zwei Kleidergarnituren ein Luxus => das bot den Textilproduzenten die Möglichkeit zur Absatzsteigerung bei preiswerteren Produkten. 1760 wurden in England 2,5 Millionen Pfund Baumwolle verarbeitet; 1860 waren es 366 Millionen Pfund => eine Steigerung um das 146-fache. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der größte Teil der aus den Kolonien importierten Baumwolle in Heimarbeit verarbeitet: die ganze Familie war beschäftigt. Doch die Weber konnten mehr Garn verarbeiten als vier Spinner(innen) in der selben Zeit händisch produzieren konnten. Die Nachfrage an Garn führte dazu, dass der Preis enorm anstieg und sogar Preise für Erfindungen ausgesetzt wurden, die Garnproduktion und Qualität steigern konnten.
James Hargreaves entwickelte 1764 eine Spinnmaschine, die nach seiner Tochter „Spinning Jenny“ genannt wurde. Welche dann auch schon mit Wasserkraft betrieben wurden. Durch diese Kombination konnte der Techniker Samuel Crompton 1779 noch viel feineres Garn herstellen. Die Produktion wurde nochmals enorm gesteigert als die Dampfmaschine die Wasserkraft ablöste. Das Ergebnis war, dass ein Spinner zu Beginn des 19. Jahrhunderts soviel Garn erzeugen konnte, wie 200 vor der Erfindung der „Jenny“. Das bedeutete aber gleichzeitig das Ende der Heimindustrie – sie konnte nicht mehr mit den größeren, dampfbetriebenen Maschinen Schritt halten. Anfang des 19. Jahrhunderts arbeiten etwa 100.000 in den entstandenen Spinnfabriken. Der Preis des Garns sank enorm. Ergebnis: Die billig gewordenen Baumwolltextilien ließen Absatz in England steigen und machten 1830 mehr als die Hälfte des Exports Englands aus.
Die Weberei blieb der Modernisierung in der Spinnerei lange zurück – bis der Londoner Pfarrer Edmund Cartwright 1784 den mechanischen Webstuhl erfand, aber er benötigte etwa 50 Jahre, bis er sich endgültig durchsetzen konnte. Der Grund war, dass gut 250.000 Handweber erbitterten und brutalen Widerstand leisteten und sogar Fabriken niederbrannten, aus Angst um ihren Berufsstand und der Modernisierung. Der Aufstand blieb aber erfolglos, denn die Idee der unbeschränkt freien Wirtschaft hatte sich durchgesetzt.
Vor der Industrialisierung waren die Menschen beim Produzieren auf die eigene Kraft und auf die von Wasser, Wind und Tieren angewiesen. Es gab aber schon Menschen, die sich mit dem Bau von Kraftmaschinen beschäftigten – es fehlte aber oft an technischen Möglichkeiten um ihre Ideen (
Erst James Watt verband Wissenschaft und Praxis:
Als Mechaniker sollte der gelernte Uhrmacher an der Universität Glasgow ein kleines Modell der Newcomenmaschine reparieren und wurde dabei auf die Schwächen dieser Dampfmaschine aufmerksam. Von da an testete er in jahrelangen Versuchsreihen die Eigenschaften des Dampfes und die Verwendbarkeit verschiedener Metalle. Trotzdem lag zwischen seiner neuen Dampfmaschine als Modell /1765) und einer kaufmännisch verwertbaren, wesentlich leistungsfähigeren Arbeitsmaschine mehr als ein Jahrzehnt.
Watt wollte schon aufgrund seiner Schulden aufgeben und des Bankrotts seines ersten Financiers, doch sein zweiter, der Fabrikant Matthew Boulton, war von seinem Erfolg überzeugt.
Diese Dampfmaschine wurde innerhalb kurzer Zeit zur wichtigsten Arbeitsmaschine in den verschiedensten Bereichen (Pumpen, Hämmer, Gebläse und Walzen wurden dadurch angetrieben). Ein Grund, wieso Boulton soviel Geld in dieses Projekt steckte war wohl der, dass Watt seine Erfindung hatte patentieren lassen – somit war jegliche Konkurrenz ausgeschaltet. Mit dem königlichen Patent durfte man schon seit dem 17. Jahrhundert Erfindungen auf begrenzte Zeit alleine nutzen. Das Patent wurde sogar vom Parlament verlängert.
Kohleabbau und Schwerindustrie
Seit dem 16. Jahrhundert wurde in England Kohle für den Hausbrand und herkömmliche Industrie verwendet. Um 1800 nahm der Bedarf noch zu, als Holzkohle durch das Roden der Wälder knapper und teurer wurde. Anfangs wurde nur im Tagbau abgebaut – aufgrund der fehlenden Pumpen für den Untertagbau (Wasserpumpen für das Schmutzwasser). Seit der Dampfmaschine (als Antrieb für Wasserpumpen) konnte Kohle aus immer größeren Tiefen abgebaut werden. Sie wurde auch zum Befördern von Menschen und Material in den Schächten genutzt., Sie wurde auch als Zugmaschine für beladene Karren auf Holz-, später dann Eisenschienen eingesetzt (gegen Ende des 18. Jahrhunderts).
Für die Eisenerzeugung wurde (bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts) Holzkohle verwendet – obwohl Abraham Darby schon 1709 aus Steinkohle Koks herstellte und damit Eisen zum Schmelzen brachte. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts konnte gutes Eisen billig und in großen Mengen erzeugt werden, welche anfänglich vor allem als Kriegsgerät verarbeitet werden sollten. Es wurden aber auch auf Gegenstände des Hausgebrauchs und für die Industrie hergestellt. Trotzdem brauchte man mehrere Tage um 10 Tonnen Stahl zu erzeugen. Henry Bessemer erfand 1855 die effizientere „Bessemerbirne“. Aber schon zuvor hatte Eisen Holz und Stein als Werkstoff abgeloest (kleine Gebäude, Brücken, Schiffe und aus Blei).
Verkehrsmittel
Dampfschifffahrt und Eisenbau nahmen einen stürmischen Aufschwung.
soziale Frage
Die Städte wuchsen und wuchsen
Das Bevölkerungswachstum wurde durch die industrielle Revolution noch zusätzlich zu der raschen Zunahme der Bevölkerung des 18. Jahrhunderts beschleunigt. Gründe waren neben Fortschritten in der Medizin und Hygiene die bessere Nahrungsmittelversorgung, die Bauernbefreiung und die Gewerbefreiheit (freie Wahl von Wohnsitz und Beruf, keine Erlaubnis um Heiraten zu dürfen). Viele Bauern verkauften ihr kleines, oft unrentables Stück Boden. Die vorwiegend ländlichen Heimarbeiten konnten mit der wachsenden und billigeren Konkurrenz der Fabrikerzeugnissen ebenso nicht mehr mithalten. => Hunger und wachsende Armut trieb ländliche Bevölkerung in die (neu gegründeten und) schnell wachsenden Industriestädte (Landflucht). Millionen von Menschen wanderten auch in die USA (generell nach „Übersee“) aus, weil sie keine Zukunft in den Städten sahen.
Der Übergang zur Industrialisierung verlief durchaus widersprüchlich, so kam es in England zur Erhebung der Maschinenstürmer ("Ludditen"). Arbeiter sahen ihren Lebensunterhalt bedroht und protestierten gegen diese Entwicklung teilweise mit Gewalt und Sabotage von Fabriken.
Die Industrialisierung führte zur Entstehung moderner Fabriken und bewirkte durch die Landflucht der Arbeiter das Wachstum großer Städte.
Die industrielle Reservearmee
Durch das Überangebot an Arbeitskräften (die „industrielle Reservearmee“) konnten Unternehmer die Löhne bis unter das Existenzminimum drücken. Der Grund der Unternehmer war auch die große Konkurrenz, der Preiskampf und Investition in technische Erneuerungen. Arbeiter die murrten oder arbeitsunfähig waren, wurden sofort durch andere ersetzt, die oft schon vor den Fabrikstore um Arbeit bettelten. In englischen Industriestädten betrug die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit etwa 15 Jahre. Das Durchschnittsalter der Industriearbeiter in Manchester lag bei nur 18 Jahren.
Es herrschte ebenso strenge Arbeitsdisziplin – zum Beispiel wurde Lohn um einen halben Tageslohn gekürzt bei zehnminütigem Zuspätkommens. Ebenso musste bei fehlerhafter Ware Strafe gezahlt werden. Es gab auch keine Altersversorgung, Unfallversicherung, Schutz gegen Willkür der Unternehmer. Die staatliche Obrigkeit griff in die „freie Wirtschaft“ sozialpolitisch nicht ein – und wenn, dann kamen Polizei und Militär nur dann zum Einsatz, wenn es Arbeiterunruhen und Hungerdemonstrationen niederzuschlagen galt.
Die Arbeitsbedingungen waren schwer: Verlängerung der täglichen Arbeitszeit (bis zu 18 Stunden), keine Sonntagsruhe, katastrophale hygienische Zustände, unzureichende oder fehlende Sicherheitsvorkehrungen (Transmissionsbänder der Dampfmaschinen waren eine große Gefahrenquelle).
Schuld an diesem Elend waren aus der Sicht der Arbeiter die neuen Maschinen, die vor allem in der Textilindustrie hunderttausende Arbeiter arbeitslos machten. Deshalb kam es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Aufständen, die von der Obrigkeit brutal niedergeschlagen worden sind. Die Folgen waren Tote, Verletzte und Inhaftierte und Hinrichtungen der Anführer
Auch Frauen müssen in die Fabrik
Die Arbeiter verdienten oftmals zu wenig um ihre Familie zu ernähren – es mussten auch Frauen und Kinder Lohnarbeiten annehmen. Vor allem in kinderreichen Familien war dies notwendig. Doch als Mutter von kleinen Kindern konnten Frauen nur schlecht bezahlte Heimarbeiten annehmen. Doch auch in Fabriken (Frauen arbeiteten überwiegend in der Textilindustrie) lag der Lohn weit unter dem der Männer, die die Frauen noch als zusätzliche Billigkonkurrentinnen am Arbeitsplatz ansahen. Viele Arbeiter wollten ihre Frauen auch viel lieber zu Hause haben. Auch viele Frauen waren dieser Ansicht, dennoch setzte sich in der proletarischen Frauenbewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine andere Auffassung durch. (Vgl. Clara Zetkin, Für die Befreiung der Frau.)
Die Ausbeutung der Kinder
Kinderarbeit war schon vorgeschichtlich, lange vor der industriellen Revolution, üblich – doch sie nahm schreckliche Ausmaße an.
Beispiele
- Kinder (die jüngsten waren vier Jahre alt) mussten in Kohlen- und Eisenbergwerken losgebrochenes Material (kriechend) nach außen transportieren, kleine Zugtüren öffnen und schließen.
- Die Arbeitszeit betrug in diesen dunklen und feuchten Bergwerken bis zu 14 Stunden und da oft doppelte Zeit gearbeitet wurde, waren mehr als 14 Stunden auch nicht selten.
- Kinder waren ihren Arbeitgebern schutzlos ausgeliefert und auch der Öffentlichkeit fehlte es dem Bewusstsein um das Leid der Kinder.
- 1837 wurde ein Arzt gefragt, ob es für Kinder von Nachteil sei, täglich 13 Stunden zu stehen. Seine Antwort war, dass er sich nicht trauen würde die Frage ohne vorangegangene Untersuchungen zu beantworten.
- Der Bürgermeister eines deutschen Industrieortes antwortete 1822 seinem Landrat zu Fragen der Kinderarbeit in Fabriken, dass die arbeitenden Kinder nicht betteln müssen und gesünder seien, wenn sie in „luftigen Gebäuden“ arbeiten würden – folglich sollen nicht arbeitende Kinder krank vom Elend und Betteln sein. Und deshalb würden keine Gesetze gegen Kinderarbeit erlassen werden.
- In einem deutschen Bericht von 1818 stand dagegen, dass die Kinder „bleiche Gesichter, matte, entzündete Augen, aufgeschwollene Leiber, aufgedunsene Backen, geschwollene Lippen und Nasenflügel, Drüsenschwellungen am Halse, böse Hautausschläge und asthmatische Anfälle hätten“ und ihrer Jugendzeit in Kummer und Elend verbringen müssten.
Kinderarbeitsverbote?
Einsichtige Politiker versuchten, die Kinderarbeit gesetzlich einzuschränken – gegen den Widerstand der Fabrikbesitzer, die sich als Wohltäter fühlten, wenn sie Kinder ab dem 5. Lebensjahr beschäftigten. 1833 wurde das erste Kindergesetz in England erlassen: Arbeitsverbot von Kinder unter 9 Jahren in Textilfabriken, Nachtarbeitsverbot und maximal 12-Stundentag für Jugendliche unter 18 Jahren. Fabrikinspektoren sollten die Einhaltung der Gesetze überwachen. Etwa zehn Jahre später folgte ein Verbot der Untertagarbeit für Kinder (Mindestalter: 10 Jahre) und Frauen. Ähnliche Gesetze wurden bald darauf in Deutschland und Österreich (Arbeitsverbot für Kinder unter 12) erlassen. Diese Regelungen verbesserten zwar die Situation der Kinder, trotzdem konnte die Kinderarbeit bis in das 20. Jahrhundert nicht beseitigt werden. Die erlassenen Kindergesetze wurden oft umgangen: Zum Beispiel wurde angegeben, dass kein förmliches Arbeitsverhältnis mit den Kindern bestand und bloß die Eltern die Kinder als eigene Aushilfe verwendeten.
In Fabriken mangelte es noch lange an wirksamer Kontrolle der Gesetze; in Handwerk, Gewerbe und vor allem in der Landwirtschaft gab es weiterhin keinen gesetzlichen Schutz für Kinder.
Die Wohnungssituation
Durch das Wachstum der Städte wuchs auch die Wohnungsnot. Es wurden in der Nähe der Fabriken oft Holzbaracken errichtet, in denen Arbeiter eng zusammengepfercht Unterschlupf fanden – sie mussten froh sein, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben – egal ob in alten, verfallen Häusern, Kellern oder Dachböden. Zum Beispiel sollte es laut einem Prediger in Ostlondon nicht ungewöhnlich gewesen sein, dass zu 10 Personen auf 14m² wohnten. Es fehlten in diesen Elendsquartieren auch an Wasser- und Abwasserleitungen (für mehr als hundert Menschen gab es nur ein Klo). Später wurden für die Arbeiter massiver gebaute, mehrgeschossige Zinskasernen errichten – zu hohen Mieten und mit schlechtem Komfort: Wasser und Klosett gab es für alle gemeinsam am Gang ; die feuchten Räume hatten nur kleine Fenster und selten eine Heizung, aber besaßen schon Gasbeleuchtungen. Die Wohnungsknappheit verursachte ein übermäßiges Ansteigen der Mietzinse, die bis zu ¾ des Lohns ausmachten. Deshalb wurden Betten oft mit einer zweiten Person geteilt – außerdem wurden diese mit anderen abwechselnd benutzt – wie in der Fabrik im Schichtbetrieb.
Erst um die Jahrhundertwende wurde das Wohnungselend von Politikern und Zeitungen öffentlich angeprangert.
Lösungsversuche zur Verbesserung der Lage der Industriearbeiter
- Selbsthilfe
- Hilfefonds für Bedürftige werden eingerichtet,
- Arbeiter treten verbündet auf (Knappschaften, Arbeitervereine, Gewerkschaften) organisieren sich,
- Streikformen (kollektive Arbeitsniederlegungen) entwickeln sich,
- Sabotage und Maschinensturm.
- Ideologien bilden sich aus:
- im Katholizismus und Protestantismus entstehen moderne Christliche Soziallehren,
- weltliche Reformbewegungen und revolutionäre Bewegungen entstehen, z.B. der Owenismus, Saintsimonismus, Marxismus.
Eine Arbeiterbewegung bildet sich heraus, mit den Zielen einer Teilnahme an der Gesetzgebung, soziale Verbesserungen und höhere Bildungschancen und gründet eigene politische Parteien (kommunistische Parteien; SPD; Labour, SP).
Siehe auch
Industrialisierung, Revolution; Urbanisierung, Kapitalismus; Automatisierung, Technischer Fortschritt
Literatur
- Braudel, Fernand (1985): Sozialgeschichte des 15. - 18. Jahrhunderts. Civilisation matérielle, économie et capitalisme, XVe - XVIIIe siècle. Bd. 1: Der Alltag. München: Kindler, 670 S., Ill., Kt.
- Braudel, Fernand (1986): Sozialgeschichte des 15. - 18. Jahrhunderts. Civilisation matérielle, économie et capitalisme, XVe - XVIIIe siècle. Bd. 2: Der Handel. München: Kindler, 736 S., Ill., Kt.
- Braudel, Fernand (1986): Sozialgeschichte des 15. - 18. Jahrhunderts. Civilisation matérielle, économie et capitalisme, XVe - XVIIIe siècle. Bd. 3: Aufbruch zur Weltwirtschaft. München: Kindler, 764 S., Ill., Kt.
- David Landes: Wohlstand und Armut der Nationen. Warum die einen reich und die anderen arm sind, Berlin (Siedler Verlag) 1999 - ISBN 3-88680-525-5
- Scheucher-Wald-Lein-Staudinger: „Zeitbilder – Geschichte und Sozialkunde“, Schulbuch – ISBN 3-215-10078-9
! Kategorie:Soziologie
Populärwissenschaftliche Literatur
- Johannes M. Waidfeld: Wachstum, der Irrtum; Wohlstand, eine gesellschaftliche Betrachtung, Fischer & Fischer Medien AG, Frankfurt 2005, ISBN 3-89950-076-8
ja:産業革命
ko:산업혁명
simple:Industrial Revolution
th:การปฏิวัติอุตสาหกรรม
IndustrialisierungDie Industrialisierung ist der Prozess des Übergangs von der Handarbeit zur Fabrikarbeit, der sich auf Maschinen stützte, sowie die Verbreitung dieser neuen Produktionsweise in allen Wirtschaftsbereichen.
Beginn
Die Industrialisierung begann zunächst in England während des 18. Jahrhunderts. Hier waren der Absolutismus und die Grundherrschaft früher als in anderen Ländern Europas gelockert, Zunftzwang gab es im Gegensatz zu deutschen Landen gar nicht. Somit waren die Voraussetzungen für die freiere Ausbreitung des Handels, der Kapitalbildung und der technischen Erneuerung gelegt. Meilensteine waren die Erfindung der Dampfmaschine 1712 durch Thomas Newcomen, sowie von Spinnmaschinen, mechanischem Webstuhl und des Puddelverfahrens bei der Eisengewinnung. Bedeutsam war auch die Erfindung der Dampflokomotive und der ersten öffentlichen Eisenbahnen. England wurde daher zum Mutterland der Industrialisierung unter privatwirtschaftlichen, kapitalistischen Bedingungen. Später verbreitete sie sich schrittweise in die anderen Länder Europas und Nordamerikas aus.
Der Begriff Industrielle Revolution steht dabei besonders für die erste Phase der Industrialisierung. Arnold Gehlen hat sie für die bedeutendste Revolution der Produktivkräfte seit der "neolithischen Revolution" erklärt, seit also dem Übergang vom Jagen, Sammeln und Fischen zu Landwirtschaft und Viehzucht in der Jungsteinzeit vor rd. 10.000 Jahren.
Folgt man der Sektoreneinteilung von Fourastié - "Primärer Sektor" der Rohstoffgewinnung (Ackerbau, Viehzucht, Förderung von Bodenschätzen), "Sekundärer Sektor" der Verarbeitung, "Tertiärer Sektor" der Dienstleistungen, auch schon: "Quartärer Sektor" der Freizeitwirtschaft, "Quintärer Sektor" der Abfallwirtschaft - so sind in allen Sektoren Industrialisierungsprozesse aufgetreten, historisch ausgehend vom Sekundären Sektor.
Rückgang
Seit die Anzahl der Industriearbeiter in vielen im 19. Jahrhundert industrialisierten Gesellschaften ("Dienstleistungsgesellschaften") relativ auffällig sinkt, wird in der Soziologie auch von De-Industrialisierung gesprochen. Ehemalige Industrieanlagen und Gebäude werden oft als Industriedenkmale erhalten.
Kategorie:Soziologie
ko:산업화
Europa
Europa ist das westliche Fünftel der eurasischen Landmasse und wird von Europäern üblicherweise als eigenständiger Kontinent betrachtet, obwohl es eigentlich ein Subkontinent ist. Insgesamt hat Europa eine Fläche von 8,327 Millionen Quadratkilometern, was Europa nach Australien zum zweitkleinsten Kontinent macht. Dennoch besitzt Europa mit rund 730 Millionen Einwohnern die drittgrößte Bevölkerung aller Kontinente. Die Ausdehnung erstreckt sich von der Nordsee und dem Atlantischen Ozean im Westen bis zum Ural im Osten.
Ural
Geographie
Europa hat eine Fläche von 8,327.000 km² und eine Küstenlänge von 37.200 km. Der nördlichste Punkt des Kontinents liegt bei ca. 71,2° n. Br. in Knivskjelodden, Norwegen, der südlichste Punkt in Tarifa im Süden Spaniens. Damit beträgt die Nord-Süd Ausdehnung ca. 3.800 Kilometer. Von Ost nach West erstreckt sich die Landmasse Europas vom Uralgebirge in Russland bis zur Atlantikküste Portugals, was ca. 6.000 Kilometer West-Ost Ausdehnung bedeutet.
Insgesamt ist Europa stark zergliedert. Es beinhaltet einige größere Halbinseln, wie die Iberische Halbinsel, die Apenninhalbinsel, die Skandinavische Halbinsel und die Balkanhalbinsel, sowie viele weitere, kleinere Halbinseln wie Bretagne und Jütland. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Inseln, die größten sind die Britischen Inseln, Island, Sardinien und Sizilien.
Sizilien
Im Norden grenzt Europa an einzelne Randmeere des Nordpolarmeeres wie die Barentssee und das Europäische Nordmeer. Obwohl sich die Nebenmeere Nord- und Ostsee streng genommen innerhalb des Kontinents befinden, wird die Nordsee auch als seewärtige Grenze angesehen. Im Südosten grenzt Europa an das Kaspische Meer, im Süden an das Schwarze Meer und an das Mittelmeer, und im Westen an den Atlantischen Ozean.
Der höchste Punkt des Kontinents liegt je nach Definition der "Grenzen" Europas entweder im nördlichen Kaukasus in Russland (Elbrus (5.642 Meter)) oder aber in den Alpen zwischen Frankreich und Italien (Montblanc (4.808 Meter)). Der niedrigste Punkt Europas liegt mit 28 Metern unter dem Meeresspiegel an der Nordküste des Kaspischen Meeres.
Siehe auch: Mittelpunkt Europas
Innereurasische Grenze
Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung nördlich des Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden unter anderem die Grenze zwischen Europa und Asien.
Siehe auch: Innereurasische Grenze
Untergliederung
- Nordeuropa
- Nordwesteuropa
- Nordosteuropa
- Mitteleuropa
- Ostmitteleuropa
- Osteuropa
- Südeuropa
- Südosteuropa
- Westeuropa
Flüsse
Westeuropa
Die längsten Flüsse Europas (über 1.000 km) sind:
#Wolga (3.531 km)
#Donau (2.850 km)
#Ural (2.428 km) (an der "innereurasischen" Grenze)
#Dnjepr (2.200 km)
#Don (1.870 km)
#Petschora (1.809 km)
#Kama (1.805 km)
#Oka (1.500 km)
#Belaja (1.430 km)
#Dnjestr (1.352 km)
#Rhein (1.320 km)
#Wjatka (1.314 km)
#Elbe (1.165 km)
#Desna (1.130 km)
#Weichsel (1.047 km)
#Düna (1.020 km)
#Loire (1.020 km)
#Choper (1.010 km)
#Tajo (1.007 km)
Siehe auch: Liste europäischer Flüsse, Die längsten Flüsse der Erde
Berge
Die höchsten Berge in Europa sind:
#Elbrus (5.642 m), Russland, Kaukasus (umstritten, weil innereurasische Grenze unterschiedlich festgelegt ist)
#Dykh Tau (5.203 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Rustaveli (5.201 m), Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Koshtan Tau (5.150 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Pushkin (5.100 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shkhara (5.068 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Kazbek (5.047 m), Russland/Georgien, Kaukasus (umstritten)
#Mizhirgi (5.025 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Katyn (4.974 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Shota Rustaveli (4.960 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Borovikovs topp (4.888 m), Russland, Kaukasus (umstritten)
#Mont Blanc (4.808 m; mit Eiskappe), Grenze Frankreich-Italien, Alpen
#Dufourspitze (4.634 m; Monte-Rosa-Massiv), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dom (4.545 m), Schweiz, Alpen
#Weisshorn (4.505 m), Schweiz, Alpen
#Lyskamm (4.480 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Matterhorn (4.478 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Dent Blanche (4.357 m), Schweiz, Alpen
#Finsteraarhorn (4.274 m), Schweiz, Alpen
#Zinalrothorn (4.221 m), Schweiz, Alpen
#Alphubel (4.206 m), Schweiz, Alpen
#Rimpfischhorn (4.199 m), Schweiz, Alpen
#Aletschhorn (4.192 m), Schweiz, Alpen
#Dent d'Hérens (4.171 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Breithorn (4.164 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Jungfrau (4.158 m), Schweiz, Alpen
#Mönch (4.107 m), Schweiz, Alpen
#Ecrins (4.101 m), Frankreich, Alpen
#Schreckhorn (4.078 m), Schweiz, Alpen
#Gran Paradiso (4.061 m), Italien, Alpen
#Großes Fiescherhorn (4.049 m), Schweiz, Alpen
#Piz Bernina (4.049 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Weissmies (4.023 m), Grenze Schweiz-Italien, Alpen
#Ortler (3.905), Italien, Alpen
Die bekanntesten Vulkane in Europa sind:
- Ätna (italien. Etna) (veränderlich um 3.370-3.400 m), Sizilien, Italien
- Hvannadalshnjúkur (2.119 m, unter dem Vatnajökull), höchster Berg auf Island
- Grímsvötn (1.725 m; unter dem Vatnajökull), Island
- Herðubreið (1.682 m, unter dem Vatnajökull), Island
- Vesuv(io) (ca. 1.200 m), Italien
- Stromboli (ca. 926 m), vulkanische Insel, Italien
- Santorini (Σαντορίνη) (575 m), vulkanische Insel, Griechenland
Klima
Der Kontinent liegt hauptsächlich in den gemäßigten Breiten. Das Klima ist in Europa im Vergleich mit Gebieten gleicher geographischer Breite in anderen Erdteilen wegen des Einflusses des relativ warmen Golfstroms milder. Die durchschnittliche Jahrestemperatur von Neapel beträgt beispielsweise 16 °C, während das auf nahezu gleicher Breite liegende New York 12 °C erreicht.
Schwankungen der Temperatur innerhalb eines Jahres sind in den größten Teilen des Erdteils relativ gering. Kühlen Winter stehen milde Sommer gegenüber. Nur in Gebieten, die weit vom Meer, also auch von dessen klimatisch ausgleichenden Einfluss entfernt liegen, sind die Temperaturunterschiede in verschiedenen Jahreszeiten stärker. In größten Teilen Osteuropas ist das Klima durch das Fehlen des Meeres in unmittelbarer Nähe vorwiegend kontinental geprägt. Kalte Winter und heiße Sommer sind in diesen Regionen vorherrschend.
Durch die Erdrotation und der damit verbundenen ablenkenden Kraft kommen Winde hauptsächlich aus westlicher Richtung. Da in den Küstengebieten Westeuropas deswegen Winde vornehmlich vom Atlantischen Ozean wehen, kommt es fast ganzjährig zu Regen. In Ost-und Mitteleuropa ist die Niederschlagsmenge dagegen vergleichsweise gering, da wiederum der Einfluss des Meeres auf diese Regionen zu gering ausfällt.
Hochgebirge können die Niederschlagsmenge ebenfalls stark beeinflussen. So ist der mittlere Jahresniederschlag nördlich der Alpen deutlich geringer als südlich. Die Alpen wirken in diesem Fall als Barriere, durch den es nur wenige Regenfronten schaffen durchzudringen.
In Gebieten nahe des Mittelmeers herrscht überwiegend mediterranes Klima, das heißt trockene und heiße Sommer, während es im Winter mild und feucht ist. Im Sommer gibt es vorwiegend Winde aus nördlicher Richtung, im Winter bringen westliche Winde aus Richtung des Atlantischen Ozeans dagegen häufigen Niederschlag mit.
Im Norden Europas herrscht arktisches Klima, im Südosten an der Wolga dagegen Kontinentalklima mit heißen Sommern und geringem Niederschlag.
Bevölkerung
Europa hat mit ca. 730 Millionen Einwohnern nach Asien und Afrika die drittgrößte Bevölkerungszahl aller Kontinente und gehört zu den dichter besiedelten Teilen der Erde. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 66/km². Vor allem in West-, Mittel- und Südeuropa ist die Bevölkerungsdichte relativ hoch, während sie weiter nach Norden und Osten stark abnimmt.
Sprachen
Mehr als 90 Prozent der Einwohner Europas sprechen indogermanische Sprachen.
Am weitesten verbreitet sind slawische, germanische und romanische Sprachen. Auch Griechisch, Albanisch, die baltischen und keltischen Sprachen, sowie das Romani zählen zu den indogermanischen Sprachen.
Die uralischen Sprachen stellen die zweitgrößte Sprachfamilie Europas dar.
Sie unterteilen sich weiter in die samojedischen Sprachen, die von einigen wenigen Tausend im Menschen im äußersten Nordosten Europas gesprochen werden, und in die finno-ugrischen Sprachen.
Hierzu zählen vor allem Finnisch, Ungarisch, Estnisch als Amtssprachen, ferner die in Lappland gesprochenen samischen Sprachen und einige Minderheitensprachen, vor allem in Russland.
Im europäischen Teil der Türkei ist mit Türkisch eine altaische Sprache Amts- und Titularsprache.
Andere Turksprachen sind als Minderheitensprachen in Ost- und Südosteuropa verbreitet, so etwa das Gagausische und das Tatarische.
Mit Kalmückisch wird am Ostrand des Kontinents auch eine Sprache des mongolischen Zweigs der Altaisprachen in Europa gesprochen.
Mit Maltesisch ist auf der Insel Malta zudem eine Sprache des semitischen Zweigs der afroasiatischen Sprachen Amtssprache.
Die in Spanien und Frankreich gesprochene baskische Sprache wird keiner größeren Sprachfamilie zugerechnet, ihr Ursprung konnte durch die moderne Sprachwissenschaft nicht rekonstruiert werden und ist nach wie vor unbekannt.
Darüber hinaus werden heute in Europa zahlreiche weitere Sprachen aus anderen Sprachfamilien gesprochen, die durch Einwanderer in jüngerer Zeit hierher gelangt sind.
Am gebräuchlichsten in Europa ist das lateinische Alphabet, gefolgt von dem kyrillischen Alphabet (in Russland, Weißrussland, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Mazedonien und Teilen Montenegros) und dem griechischen Alphabet.
Siehe auch: Liste von Sprachen in Europa, Minderheitensprachen in der Europäischen Union, Amtssprachen der Europäischen Union
Religionen
Ca. 75% der Europäer sind Christen (vor allem katholisch, protestantisch, orthodox). 7 % sind Muslime (vor allem in Südosteuropa sowie Einwanderer aus islamischen Ländern in England, Frankreich, Deutschland, Italien), außerdem gibt es Juden sowie eine größere Zahl von in jüngerer Zeit aus anderen Teilen der Welt nach Europa gekommener oder neu entstandenener Religionen.
Ca. 18 % der Europäer sind konfessionslos, besonders in den Städten und den ehemals kommunistischen Ländern im Osten, zum Teil aber auch in Deutschland.
Das Christentum erreichte Europa erstmals im 1. Jahrhundert nach Chr. Der Islam breitete sich im 8. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel, wurde aber im Zuge der "Reconquista" vom 13. bis zum 15. Jahrhundert wieder verdrängt. Europäer verbreiteten das Christentum durch Einwanderung und Mission in Amerika, Australien und in geringerem Maße auch auf anderen Kontinenten (Teile Südostasiens, Afrikas und Ozeaniens). Heute ist Europa weitgehend säkularisiert.
Städte und Metropolen
Ozeanien
Lissabon war eine der ersten kosmopolitischen Metropolen der Welt, da sie in Zeiten des Imperialismus Zentrum eines großen Kolonialreiches war. Noch 1950 befanden sich vier Städte der heutigen Europäischen Union unter den zwanzig größten der Welt, seitdem wachsen die europäischen Städte kaum noch, verlieren teilweise an Einwohnerzahlen. Diese vier größten EU-Städte waren London auf dem zweiten Platz hinter New York, Paris auf dem vierten Platz hinter Tokio, Mailand und Neapel belegten noch Platz 13 bzw. 19.
Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts holten die Städte der restlichen Welt, besonders die der Entwicklungsländer, z. B. Mexiko-Stadt, Manila oder São Paulo, bei den Einwohnerzahlen auf und führen jetzt die Tabelle der Welt an.
Problematisch beim Vergleich der Metropolen ist die in Deutschland übliche Abgrenzung anhand der Gemeindegrenzen, da andere Staaten dies in ihren Statistiken nicht tun (z.B. USA, Frankreich, Australien, Großbritannien). Daher fehlen in der unteren Auflistung der Metropolen polyzentrische Stadtregionen wie Rhein-Ruhr und Rhein-Main in Deutschland oder das oberschlesische Industriegebiet in Polen.
Die europäischen Hauptstädte finden sich in der Liste der Hauptstädte der Welt.
Entfernungen verschiedener europäischer Städte (Alle Messungen sind in Luftlinie angegeben):
- Amsterdam (NL) – Warschau (PL), ca. 1.100 km
- Helsinki (FIN) – Rom (I), ca. 2.200 km
- Belgrad (SCG) – Dublin (IRL), ca. 2.150 km
- Edinburgh (GB) – Hamburg (D), ca. 900 km
- Istanbul (TR) – Lissabon (P), ca. 3.200 km
- Sagres (P) – Ust Kara (RUS), ca. 5.580 km
- Wien (A) – Bratislava (SK), ca. 60 km
Kultur und Bildung
In allen Staaten Europas gibt es eine Schulpflicht oder mindestens eine Bildungspflicht, die oft vom 6. oder 7. bis zum 15. oder 16. Lebensjahr dauert. Die Grundschulzeit beträgt vier bis fünf Jahre in den meisten, sieben oder acht Jahre in den wenigsten Ländern. Danach folgt meist eine weiterführende Schule, die auch verschiedene Schultypen und -arten umfassen kann. Die Analphabetenrate ist in fast allen Ländern durch verschiedene Förderungen des Bildungssystems sehr niedrig. In vielen Ländern gibt es außerdem sehr renommierte Hochschulen und Universitäten, teilweise auch mit bestimmten fachlichen Schwerpunkten.
Bildhauerei, Malerei, Literatur, Architektur und Musik haben in Europa eine lange Tradition. Viele Städte, wie beispielsweise Paris, Rom, Berlin und Moskau werden heute als kulturelle Zentren betrachtet. Außerdem besitzen viele Städte wichtige Theater, Museen, Orchester und weitere bedeutende Einrichtungen.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Europas
Für den Menschen war Europa erst die dritte Wahl. Vor etwa 800.000 Jahren soll die Besiedlung durch den Homo antecessor begonnen haben, etwa eine halbe Million Jahre, nachdem Ostasien von Afrika aus besiedelt worden war. Während die Entwicklung des Homo sapiens in Afrika ablief, war Europa die Domäne von Homo heidelbergensis und Homo neanderthalensis. Trotz - oder vielleicht auch wegen - der widrigen Bedingungen durch die Eiszeit sollen diese Menschen vor etwa 100.000 Jahren angefangen haben, die Kultur der Altsteinzeit zu verfeinern. Mit der Jungsteinzeit und der Bronzezeit begann in Europa eine lange Geschichte großer kultureller und wirtschaftlicher Errungenschaften, zunächst im Mittelmeerraum, dann auch im Norden und Osten.
Besonders die griechische Kultur, das Römische Reich und das Christentum hinterließen ihre Spuren bis heute. In der späteren Antike vereinigte das Römische Reich erstmals das gesamte südliche Europa zusammen mit den anderen Küstenländern des Mittelmeeres in einem Großreich. Im Römischen Reich konnte sich die neue Religion des Christentums schnell ausbreiten. Trotz aller Verfolgungen wurde das Christentum unter Kaiser Konstantin I. Staatsreligion und wirkt bis heute fort.
Das Mittelalter war geprägt von der Konkurrenz zwischen dem neuen römischen Kaiser im Westen und dem alten römischen Kaiser in Byzanz, auf deren beiden Einflussspären die Spaltung in ein westliches und östliches Europa zurückgeht. Missionare verbreiteten das Christentum über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa christlich wurde. Im westlichen Europa gab es Auseinandersetzungen zwischen von Kaiser und Papst um die Vorherrschaft. Die Reformation im 16. Jahrhundert spaltete die Kirche in einen katholischen und evangelischen Teil. Religionskriege waren die Folge. 1618 bis 1648 verwüstete der Dreißigjährige Krieg weite Teile Mitteleuropas.
Seit dem 15. Jahrhundert bauten europäische Nationen (besonders Spanien, Portugal, Russland, die Niederlande, Frankreich und das Vereinigte Königreich) koloniale Imperien mit großen Besitztümern in Afrika, Amerika und Asien.
Europa ist der Kontinent, der die anderen Erdteile am meisten beeinflusst hat (zum Beispiel durch christliche Missionierung, Kolonien, Sklavenhandel, Warenaustausch und Kultur).
Im 18. Jahrhundert setzte die Bewegung der Aufklärung neue Akzente und forderte Toleranz, die Achtung der Menschenwürde, Gleichheit und Freiheit. 1789 kam durch die Französische Revolution zum ersten Mal das Bürgertum an die Macht. Im frühen 19. Jahrhundert musste sich halb Europa nach dem Willen des französischen Kaisers Napoleon richten, bis er 1812 in Russland ein Fiasko erlebte.
Die Industrialisierung begann in Teilen Europas im 18. Jahrhundert und veränderte rasant den Alltag breiter Bevölkerungsschichten. Als Folge der Verarmung der Arbeiter entstand im 19. Jahrhundert die Kommunistische Bewegung. Daneben war das 19. Jahrhundert stark bestimmt vom Gedanken der Demokratie, vom Reaktionismus und vom Imperialismus. Sowohl der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) als auch der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1945) brachen in Europa aus und richteten riesige Zerstörungen an.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg war Europa in zwei große politisch-ökonomische Blöcke geteilt: pseudo-sozialistische Nationen in Osteuropa und kapitalistische Nationen in Westeuropa. Man sprach auch vom Eisernen Vorhang, der die Staaten Europas voneinander trennte.
Erst Perestroika und Glasnost führten in der Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre zu einem politischen Kurswechsel. 1989 brach der Ostblock auf, die Berliner Mauer fiel, und die Sowjetunion und der Warschauer Pakt lösten sich auf.
Seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wachsen die Kulturen Europas verstärkt zusammen, was sich zum einen durch Institutionen wie die EU, aber auch durch die Bevölkerungs- und Wirtschaftsschwerpunkte zeigt (siehe auch Blaue Banane).
Siehe auch: Wiege Europas, Alteuropa
Politik
Europäische politische Organisationen
In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde als erste gemeinsame europäische Institution der Europarat gegründet, der nach Ende des Ost-West-Konfliktes 47 Staaten umfasst.
Ebenfalls von großer Bedeutung ist die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die 1975 als Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbei in Europa (KSZE) damals blockübergreifend gegründet wurde, und der neben europäischen Ländern auch die USA und Kanada angehören.
Wer im politischen Sinne von "Europa" spricht, meint aber meist die Europäische Union (EU) oder ihre Vorläufer: 1951 schlossen sich Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Deutschland, Italien und Frankreich zur Montanunion bzw. EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) zusammen. Der Versuch, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) sowie eine Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) zu gründen, scheiterte 1954 an der französischen Nationalversammlung. Daraufhin wurden 1957 mit den Römischen Verträgen die Europäische Atomgemeinschaft (Euratom) sowie die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) gegründet. Der Sammelbegriff Europäische Gemeinschaften (für EGKS, Euratom und EWG) wurde im alltäglichen Sprachgebrauch mehr und mehr durch den Singular Europäische Gemeinschaft verdrängt. Mit dem Maastrichter Vertrag wurde schließlich die die alten Gemeinschaften und Kooperationsformen überwölbende Europäische Union gegründet.
Ein Großteil der Mitgliedsländer der ebenfalls in den 50er Jahren gegründeten EFTA (European Free Trade Association) ist mittlerweile in die EG/EU übergetreten - die verbliebene EFTA ist ihr über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eng verbunden. Nach der Erweiterung der EU um Polen, Tschechien, Ungarn, die Slowakei, Estland, Lettland, Litauen, Slowenien, Malta und Zypern im Jahre 2004 zählt diese 25 Mitglieder.
Siehe auch: Europäisches Parlament, NATO, Europawahl, Politische Architektur Europas
Staaten in Europa
Politische Architektur Europas
- Albanien
- Andorra
- Belgien
- Bosnien und Herzegowina
- Bulgarien
- Dänemark (einschließlich der autonomen Färöer; das ebenfalls autonome Grönland ist geografisch Teil Nordamerikas)
- Deutschland
- Estland
- Finnland (mit den staatliche Besonderheiten aufweisenden Ålandinseln)
- Frankreich (mit Ausnahme der überseeischen Territorien in Nord- und Südamerika, Afrika, Ozeanien)
- Griechenland (einschließlich der souveränen Mönchsrepublik Athos)
- Großbritannien und Nordirland (einschließlich der direkt der Krone unterstehenden Insel Man und der Kanalinseln sowie des Überseegebietes Gibraltar)
- Irland
- Island (liegt geografisch auf dem mittelatlantischen Rücken)
- Italien
- Kroatien
- Lettland
- Liechtenstein
- Litauen
- Luxemburg
- Malta
- Mazedonien
- Moldawien
- Monaco
- Niederlande
- Norwegen
- Österreich
- Polen
- Portugal (mit Ausnahme des näher an Nordafrika liegenden Madeira und der auf dem mittelatlantischen Rücken liegenden Azoren)
- Rumänien
- Russland (ein Viertel der Landmasse in Europa, dies ist das historische Kernland Russlands mit 75 % seiner Bevölkerung)
- San Marino
- Schweden
- Schweiz
- Serbien und Montenegro (Staatenbund aus Serbien und Montenegro)
- Slowakei
- Slowenien
- Spanien (mit Ausnahme der spanischen Plazas de soberanía und der Kanarischen Inseln in Nordafrika)
- Tschechien
- Ukraine
- Ungarn
- Vatikanstadt
- Weißrussland
Siehe auch: Liste europäischer Nachbarstaaten
Folgende Staaten liegen mit weniger als 5% ihrer Landfläche in Europa
- Kasachstan (nur ein sehr kleiner Teil der Landfläche liegt in Europa, der Rest in Asien; bei Sportveranstaltungen wird Kasachstan gelegentlich Europa zugerechnet)
- Türkei (nur 3% der Fläche liegt geographisch in Europa, der Rest in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird die Türkei Europa zugeordnet (in allen internationalen Sportveranstaltungen, Eurovision Song Contest u.a.); sie ist Mitglied des Europarats und hat eine Zollunion mit der EU, ist Beitrittskandidat der EU und in allen anderen europäischen Gremien vertreten)
Weitere Staaten, die gelegentlich zu Europa gerechnet werden
Aus historischen, kulturellen oder politischen Gründen werden gelegentlich auch folgende Staaten zu Europa gerechnet:
- Armenien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung mit indogermanischer Sprache, Territorium liegt geographisch in Asien, Mitglied des Europarates)
- Aserbaidschan (liegt geographisch in Asien; bei Sportveranstaltungen wird es Europa zugerechnet; Mitglied des Europarates)
- Georgien (geschichtlich eng mit Europa verbunden, christliche Bevölkerung, Territorium liegt geographisch in Asien; Mitglied des Europarates)
- Israel (liegt geographisch in Asien; bei Kulturveranstaltungen wird Israel oft Europa zugeordnet (Fußball-Europameisterschaft, Eurovision Song Contest).)
- Zypern (Insel im östlichen Mittelmeer, die geographisch zu Asien gezählt wird; geschichtlich eng mit Europa verbunden, seit Mai 2004 Mitglied der EU)
Abhängige Gebiete in Europa
- Åland (autonome Inselgruppe und Provinz vor Finnland)
- Berg Athos (autonome Mönchsrepublik unter Oberhoheit Griechenlands)
- Färöer (autonome Region innerhalb Dänemarks)
- Gibraltar (Überseeterritorium des Vereinigten Königreiches)
- Isle of Man (untersteht direkt der britischen Krone)
- Oblast Kaliningrad (Teil Russlands, Exklave zwischen Polen und Litauen)
- Kanalinseln (unterstehen direkt der britischen Krone)
Von europäischen Staaten abhängige Gebiete auf anderen Kontinenten
- Alborán, vulkanische spanische Mittelmeerinsel, unbewohnt, unter Naturschutz, zwischen Andalusien und Nordafrika
- Anguilla, eine britische Insel in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Niederländischen Antillen (De Nederlandse Antillen: Bonaire, Curaçao, Saba, Sint Eustatius (Statia), Sint Maarten) gehört zu den Niederlanden, jedoch nicht zur EU, in der Karibik (Mittelamerika)
- Aruba, intern autonomer Landesteil der Niederlande in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Azoren, portugiesische Inselgruppe zwischen Europa und Nordamerika im Atlantik
- Bermuda, britisches Überseegebiet, Inselgruppe östlich North Carolinas im Atlantik
- Britisches Antarktis-Territorium (British Antarctic Territory) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols wird von Großbritannien beansprucht: die Antarktische Halbinsel, die Südlichen Orkneyinseln, die Südlichen Shetlandinseln, einen Festlandsektor bis zum Pol (Antarktis)
- Britische Jungferninseln (the British Virgin Islands) in der Karibik (Mittelamerika)
- Das Britische Territorium im Indischen Ozean (British Indian Ocean Territory) britisches Überseegebiet, die Kronkolonie Tschagos-Archipel (Flottenstützpunkt), sechs weitgehend unbewohnte Atolle im Indischen Ozean
- Ceuta, autonom verwaltete Exklave Spaniens, Nordmarokko, 21 km vor Gibraltar (Nordafrika)
- La Islas Chafarinas, unbewohnter spanischer Archipel, 4 km vor der Küste Ostmarokkos (Nordafrika)
- Clipperton-Insel oder Passionsinsel (Île Clipperton, Île de la Passion) unbewohntes französisches Atoll südwestlich von Mexiko (Pazifik)
- Îles éparses (Les Îles éparses de l'océan Indien) unselbständige und weitgehend unbewohnte zu Frankreich gehörige Inseln und Atolle um Madagaskar und im Indischen Ozean
- Falklandinseln, britisches Überseegebiet, östlich Feuerland im südlichen Atlantik (Südamerika)
- Guadeloupe, Überseedépartement Frankreichs, Inselgruppe in der Karibik (Mittelamerika)
- Französisch-Guayana (Guyane française) Überseedépartement Frankreichs in Südamerika
- Grönland (Grønland) autonomes Gebiet Dänemarks (jedoch nicht Teil der EU) in Nordamerika
- Die Kaimaninseln (Cayman Islands) britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Die Kanarischen Inseln gehören zu Spanien und liegen westlich von Nord-Afrika
- Madeira, autonome Provinz Portugals, Archipel aus mehreren bewohnten und unbewohnten kleinen und der Hauptinsel Madeira ca. 600 km westlich vor Marokkos im Atlantik
- Martinique, Überseedépartement Frankreichs in der Karibik (Mittelamerika)
- Mayotte, französisches Überseeterritorium am Rande der Komoren zwischen Madagaskar und Ostafrika
- Melilla, autonom verwaltete Exklave Spaniens in Ostmarokko (Nordafrika)
- Montserrat, britisches Überseegebiet in der Karibik (Mittelamerika)
- Neukaledonien (Nouvelle-Calédonie) französische Überseegemeinschaft mit besonderem Status, Inselgruppe nahe Vanuatu vor der Nordküste Australiens
- Isla Perejil, winzige zwischen Spanien und Marokko umstrittene Felseninsel 200 m vor der Mittelmeerküste Marokkos (Nordafrika)
- Pitcairninseln (Pitcairn Islands Group) britische Kronkolonie, weit verteilt und isoliert gelegene Gruppe von vier Inseln, davon eine bewohnt, im südöstlichen Pazifik
- Französisch-Polynesien (Polynésie Française) französisches Überseedépartement (Südlicher Pazifik)
- Réunion (La Île de la Réunion) gehört zu Frankreich, liegt im Indischen Ozean östlich vor Madagaskar
- St. Helena (the Crown Colony of Saint Helena and Dependencies) britische Kronkolonie, relativ zentral zwischen Afrika (Angola) und Südamerika im Südatlantik gelegen
- Saint-Martin (Sint Maarten) karibische Insel mit einem französischen Teil (Saint-Martin) und einen niederländischen Teil (Sint Maarten) (Mittelamerika)
- St. Pierre und Miquelon, mehrere kleine unselbständige französische Inseln östlich vom kanadischen Neufundland (Nordamerika)
- Südgeorgien und die Südlichen Sandwichinseln, britisches Überseegebiet, meist unbewohnte Inselgruppe im Südatlantik
- Französische Süd- und Antarktisgebiete (Terres australes et antarctiques françaises) ein völkerrechtlich nicht anerkannter Teil des Südpols und einige Inseln und Inselgruppen im Indischen Ozean südöstlich von Afrika
- Turks- und Caicosinseln, britisches Überseegebiet, Gruppe aus acht Inseln am westlichen Rande der Karibik zum Atlantik
- Peñón de Vélez de la Gomera, spanische Halbinsel an der marokkanischen Mittelmeerküste (Nordafrika)
- Wallis und Futuna (Territoire des Iles Wallis et Futuna) französisches Überseeterritorium nordöstlich von Fidschi (Südlicher Pazifik)
Wirtschaft
Im 19. Jahrhundert war Europa durch die in England beginnende und auf den ganzen Kontinent übergreifende Industrielle Revolution konkurrenzlos die führende Wirtschaftskraft. Später brachten verschiedene internationale Einrichtungen und Organisationen, wie die EFTA (Europäische Freihandelszone) und die Europäische Union einen Wachstumsschub, der in vielen Teilen Europas bis in die 70er und teilweise in die 80er anhielt. Die Versorgung der Bevölkerung Europas konnte durch die Verringerung von Handelsbeschränkungen ebenfalls weiter ausgebaut werden.
Seit dem 1. Januar 1999, gilt in 12 Staaten der EU der Maastricht-Vertrag, mit dem alle 12 Länder eine Währungsunion bilden und somit ihre jeweiligen Landeswährungen abschafften und den Euro, zunächst noch als bargeldloses Zahlmittel einführten.
Heute ist Europa ein wohlhabender Kontinent mit großen Industriemetropolen, gewinnbringender Landwirtschaft und einem boomenden
19. Jahrhundert
Das 19. Jahrhundert begann am 1. Januar 1801 und endete am 31. Dezember 1900. Es gehört zur Epoche der Neuzeit, die um die Jahrhundertwende zum 16. Jahrhundert begonnen hatte.
Neue Organisationsformen: Der Nationalstaat
Fragt man nach den Organisationsformen, danach in welchen Einheiten sich die Menschen wahrnahmen, dann dürfte dies die große Veränderung sein, die mit den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts eintrat: Der Nationalstaat wurde als neue politische Institution aufgebaut. Er forderte neue Themen, neue Bildungssysteme, neue wirtschaftliche Strukturen, eine neue Vorstellung seitens derer, die in ihm lebten: die Bereitschaft, sich als Bürger zu sehen und sich dementsprechend zu organisieren.
Herrschaft geht im 18. Jahrhundert noch von den Herrschaftshäusern und politischen Parteiungen aus, sowie von mächtigen Adeligen, die hinter den Parteiungen stehen. Kriege werden im 18. Jahrhundert dementsprechend wahrgenommen: Regenten wollen sie, und lassen "ihr" Geld in sie fließen. Militärische Niederlagen werden im 18. Jahrhundert nicht als nationale Demütigungen empfunden, sondern als Teil einer von Regenten gestalteten Machtpolitik. Hier entwickelt sich im 19. Jahrhundert eine ganz neue Wahrnehmung. Sie ist vor allem eine Folge der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege, die von einem ganz neuen Heer getragen werden - einem aus Staatsbürgern zusammengesetzten. Insbesondere Deutschland hat dem französischen Nationalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts wenig entgegenzustellen. Das Heilige Römische Reich ist in Einzelstaaten zersplittert, die von Napoleon gegeneinander ausgespielt werden. Der Reichsverband wird aufgelöst. Deutschlands Intellektuelle fordern in der Reaktion auf die Bedrohung einen Nationalstaat, der erst noch gegründet werden muss, der jedoch auf diesem Weg mit einem ganz neuen Bewusstsein von Staatsbürgerlichkeit ausgestattet wird. Ende des 19. Jahrhunderts sind militärische Niederlagen dann mit enormen nationalen Gesichtsverlusten verbunden. Ein deutsches Heer zieht 1870 durch Frankreich und erzwingt in Versailles, dem traditionelle Ort der von Frankreich ausgehenden Herrschaft ein Eingeständnis der Niederlage, das als nationale Schmach empfunden werden muss (und 1918 eine internationale Gegenantwort, eine verheerende Demütigung Deutschlands nach sich zieht).
Nationale Euphorien, wie sie in der Befreiung Griechenlands von den Türken in den 1820ern und im Einigungsprozess Italiens Mitte des 19. Jahrhunderts aufkommen, bleiben ohne Parallele im 18. Jahrhundert - weder die englische Glorious Revolution von 1688 noch die Französische Revolution waren von vergleichbaren nationalen Sentimenten der Vereinigung begleitet. Europas Intellektuelle wie der Romantiker Lord Byron, der bei einem militärischen Kommando in Griechenland stirbt, entwickeln eine romantische Identifikation mit den neuen nationalen Bewegungen, die vom Volk getragen werden müssen, um zu funktionieren. Authentischer als Politik des 18. Jahrhunderts, echter, den Wurzeln näher, erscheint der neue Nationalismus.
Das 19. Jahrhundert legte hier Grundsteine für Entwicklungen die im 20. neue Ausprägungen und globale Dimensionen gewinnen sollten. Der Faschismus und der Nationalsozialismus des 20. Jahrhunderts werden sich als national-völkischen Bewegungen manifestieren. Hochtechnisierte und hochgerüsteten Staaten werden sich hier in romantischen Rückbesinnungen auf Völkische Ursprünge definieren und Konflikte globaler Dimensionen austragen, die die Welt neu ordnen werden.
Die Nation als von ihrer Wirtschaft lebende Einheit
Entscheidende Bedeutung für die Ausbildung des Nationalstaates gewinnt im Verlauf des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung, die ein Ringen um wirtschaftliche Macht zwischen Europas Nationen auslöst. Im 18. Jahrhundert suchen die Regenten Europas nach Möglichkeiten, ihre Staatshaushalte zu sanieren - Staatshaushalte, die im wesentlichen ihre persönlichen familiären Haushalte sind. Geld leihen sie sich von privaten Finanziers, Steuereinnahmen erhöhen sie, soweit dies geht, im besonderen Fall ziehen sie Geld aus der kursierenden Münze. Es geht aus der Sicht der Haushalte des 17. und 18. Jahrhunderts darum, den Abfluss von Edelmetall ins Ausland verhindern. Infrastrukturmaßnahmen, wie die Ansiedlung von Manufakturen, bleiben im 18. Jahrhundert von den Regenten gesteuerte Maßnahmen. Der Kameralismus entwickelt sich als eigene Wissenschaft der wirtschaftlichen Sanierung eines Territoriums durch den Landesherrn.
Mit dem 19. Jahrhundert verändert sich die Sicht auf wirtschaftliche Entwicklungen. Großbritannien wurde als Kolonialmacht und als Land der hier früh einsetzenden Industrialisierung bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zum Wirtschaftsimperium. Amsterdam verlor seine Stellung als zentraler Handelsplatz. London, die Hauptstadt des Commonwealth übernahm diese Position. Die nationale Einigung Deutschlands geschieht am Ende im 19. Jahrhundert maßgeblich in einem Aufholprozess, der auf dem Gebiet des Nationalismus mit Frankreich konkurriert, wirtschaftlich und militärisch jedoch mit dem industrialisierten und hochgerüsteten Großbritannien. Ohne die Industrialisierung, wie sie England leistete, kann das aufstrebende Preußen, die Kernmacht des neuen deutschen Reichs, Großbritannien keine Flotte entgegenstellen, und ohne eine Flotte wird die neue Nation keine Chance haben, noch Kolonien zu akquirieren.
Europas Nationen müssen die Rahmenbedingungen für die Industrialisierung stellen, wollen sie einander gegenüber bestehen.
Der wirtschaftliche Konzentrationsprozess wird von neuen Debatten begleitet: Mit der Auseinandersetzung um den Liberalismus geht es im 19. Jahrhundert um die Kernfrage, ob dem Nationalstaat mehr mit einer staatlich gelenkten Wirtschaft gedient ist, oder damit, dass er seinen Bürgern und ihrer Initiative größte Freiheit lässt. Der | | |