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| Journalismus |
JournalismusJournalismus bezeichnet die publizistische Arbeit bei der Presse (Zeitung und Zeitschrift) und im Rundfunk.
Aufgabe
Mit ihren Artikeln und Beiträgen ermöglichen Journalisten eine öffentliche Diskussion über aktuelle Themen, die Grundlage jedes demokratischen Zusammenlebens ist. Man spricht in diesem Zusammenhang oft vom Journalismus bzw. den Medien als vierte Gewalt im Staat, da sie die Aufgabe der Meinungsbildung übernehmen und so politische, gesellschaftliche und ökonomische Abläufe beeinflussen können.
Gleichzeitig steht der Journalismus in der Kritik, durch Sensationsgier und unsachliche, teilweise falsche Berichterstattung dem Auftrag, zur Wahrheitsfindung beizutragen, oft nur unzureichend zu entsprechen. Dies gilt vor allem für die Boulevardzeitungen, teilweise jedoch auch für gesamte Medienlandschaft.
Weiterhin wird die Bildung von „Meinungsmonopolen“ befürchtet, die Struktur und die Marktanteile einzelner Verlagskonzerne werden daher von Kontrollorganen wie dem Bundeskartellamt und der Europäischen Kommission reguliert.
Medien
Praktisch jede moderne Form der Nachrichtenübermittlung kann als Medium für den Journalismus dienen. Hierbei werden Print-, Agentur-, Hörfunk-, Fernseh- und Online-Journalismus unterschieden. Je nach Medium kommen Texte, Fotos, Infografiken, Originaltöne und bewegte Bilder zum Einsatz.
Ausprägungen
In der Praxis werden teilweise bereits vorbereitete Presseerklärungen (auch: „Originaltexte“) unverändert übernommen und weiterverbreitet. Häufiger ist die Verwendung von Agenturmeldungen, die bei Bedarf gekürzt oder geringfügig ausgeschmückt werden. Hierbei spricht man von informativem Journalismus.
Im interpretativen Journalismus wird eine Nachricht in ihrem Kontext dargestellt und häufig mit Hintergrundinformationen ergänzt, zum Beispiel in Form eines Berichts oder einer Reportage.
Häufig werden Nachrichten mit einer deutlichen Wertung oder Stellungnahme verbreitet, in Form eines Kommentars oder einer Glosse. Diese, meist deutlich von der neutralen Berichterstattung getrennte Form nennt man Meinungsjournalismus.
Weitere, differenziertere Arten des Journalismus bilden beispielsweise der investigative und der Fachjournalismus.
Geschichte
Übersicht
Der Journalismus hat sich im Laufe seiner mehr als 2000 Jahren währenden Geschichte jeweils der neuesten Technologien bedient. Meilensteine waren die Erfindung des Buchdrucks in der Renaissance, die Entwicklung der Informationsübertragung im 19. Jahrhunderts durch die Telegrafie sowie die Erfindung des Hörfunks (um 1920) und des Fernsehens (um 1950). Anfang der 1990er Jahre kam als neueste Ausprägungsform der Online-Journalismus im Internet dazu.
Die Anfänge
Die Ursprünge des Journalismus finden sich im Römischen Reich, in dem ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. das täglich erscheinende Informationsblatt Acta Diurna herausgegeben wurde. Die Redakteure dieses ersten grafischen Mediums wurden diurnarii genannt. Zur selben Zeit erschien mit dem Commentarius Rerum Novarum die erste Wochenzeitung, die bereits eine ähnliches Themenspektrum wie heutige Zeitungen - eine Mischung aus offiziellen Informationen, Nachrichten und Unterhaltung - aufwies und von etwa 300 professionellen Schreibern erstellt wurden.
Im Mittelalter wurden noch vor der Erfindung des Buchdrucks wirtschaftliche Informationen an den Handelsplätzen (insbesondere auf Häfen) auf Flugblättern verbreitet, die in Italien avvisi und in deutschsprachigen Ländern Zeitung genannt wurden. Dies kann man als Ursprung des Fachjournalismus ansehen, der sich mit spezifischen Themen befasst.
Der Buchdruck beschleunigte die Herstellung derartiger Informationsblätter, der Durchbruch des Journalismus ließ dennoch weitere Jahrhunderte auf sich warten, was vor allem an der damals noch langsamen Geschwindigkeit der Informationsübertragung auf dem Land- und Seeweg lag. Dieses Problem konnte erst im 19. Jahrhundert befriedigend gelöst werden.
Der Beginn des modernen Journalismus
1631 gab der Franzose Théophraste Renaudot die erste Zeitung im modernen Sinne, La Gazette heraus und meldete ein Patent auf diese Art der Informationsverbreitung an. Renaudot gilt als Visionär des modernen Journalismus und als Erfinder der meisten journalistischen Darstellungsformen wie Kommentar oder Bericht, die noch heute in den Printmedien verwendet werden. Ab Anfang des 18. Jahrhunderts wurden auch in den USA die ersten Zeitungen herausgegeben, die sich noch an die gebildete Elite richteten.
Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts konnten in der Druckechnologie entscheidende Durchbrüche erzielt werden, die Printmedien deutlich billiger machten. Zur gleichen Zeit konkretisierte sich das Berufsbild des Journalisten.
Zu dieser Zeit war die Berichterstattung in den meisten Medien noch sehr meinungsgefärbt. 1835 wurde mit dem New York Herald die erste Zeitung gegründet, die versuchte, objektiv und realistisch aktuelle Informationen zu liefern. Dieser informative Journalismus fand zwar rasch Nachahmer, zur dominanten Erscheinungsform wurde er jedoch erst nach 1900. Im selben Jahr wurde mit Havas die erste Presseagentur gegründet.
Beginn der Massenmedien
Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten Massenmedien in den USA. Einen großen Einfluss auf diese Entwicklung hatten die Fortschritte in der Bildung, die auch der gehobenen Mittelklasse das Erlernen von Lesen und Schreiben ermöglichte und sie damit zu Kunden für die Zeitungen machte. Aber auch die Fortschritte in der Technologie - die Automatisierung des Druckens sowie die Optimierung der Informationsübertragung durch Telegraph und Telefon - trugen zum Erfolg der Presse bei, da sie die das Herstellen eines Mediums immer billiger machten.
In die selbe Zeit fallen wichtige ökonomische Fortschritte, wie das gezielte Platzieren von Werbung in den Zeitungen.
In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts hatte sich der Journalismus endgültig als Machtmittel in der gesellschaftlichen Meinung etabliert. Er wurde deshalb Objekt von Versuchen, Interessen aller Art - insbesondere politischer und wirtschaftlicher Natur - zu verbreiten. Diese Versuche dauern bis heute an und sind einer der Hauptkritikpunkte, die an den Journalismus gerichtet werden.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Technologie der bewegten Bilder entwickelt. Sie wurde nach der Erfindung des Tonfilms in den 1920er-Jahren zu informativen Zwecken eingesetzt, besonders zu wöchentlichen Nachrichtenüberblicken (Wochenschauen).
Einen größeren Einfluss hatte jedoch zunächst das Aufkommen des Hörfunks in den 1920er-Jahren. Dieses neue Medium veränderte die Art, zu schreiben, rasant, da das Radio in Echtzeit über aktuelle Ereignisse berichten konnte und zudem mittels Musik Zugang zu den Emotionen der Hörer hatte. Es entstanden neue Unterkategorien des Berufs des Journalismus, wie der Kommentator und der Moderator, sowie neue Darstellungsformen.
Um gegen das Radio bestehen zu können, verlagerten sich die Journalisten in den Printmedien auf das Analysieren und Kommentieren der Nachrichten. In den USA entstand bereits kurz nach dem Ersten Weltkriegs der sogenannte interpretative Journalismus in speziellen Zeitschriften, die newsmagazines genannt wurden. Wichtig war nun nicht mehr, eine Nachrichten zu übermitteln, sondern, sie in ihren Kontext zu stellen und dem Leser begreiflicher zu machen. Besonders nach der Weltwirtschaftskrise 1929 wurden solche Hintergrundinformationen immer wichtiger, da viele ökonomisch interressierte Menschen sich über die Ursachen dieser Krise informieren wollten. Um 1950 hatte der interpretative Journalismus die dominante Rolle unter den Ausprägungsformen in seiner Disziplin errungen.
Das Fernsehen sorgte Ende der 1940er-Jahre für einen weiteren Quantensprung, da nun die Informationen live mitsamt Bildern übertragen werden konnten und die Nutzer die Möglichkeit hatten, einem Ereignis praktisch aus der Ferne beizuwohnen. Es hatte einen großen Einfluss auf den politischen Journalismus, da sich die Politiker nun live bei Interviews und Talkrunden zeigen konnten, wodurch die Berichterstattung und damit auch deren Aufnahme durch die Bevölkerung personenbezogener wurde.
Diese neuen Medien sorgten für eine Spezialisierung innerhalb des Berufes. Während Fernsehen und Radio zum Ort für informativen Journalismus wurden, auch weil lange Analysen und Kommentare dort störend sind, spezialisierten sich die Printmedien auf die Nischen des interpretativen und des Meinungsjournalismus. Die Art, die Texte zu schreiben, wurde für jedes Medium anders. Beispielsweise kommt es im Hörfunk vor allem auf eine kurze und knappe, aber vollständige Sprache an, während Printmedien längere und vollständigere Abhandlungen ermöglichen, weil der Konsument hier entscheiden kann, was er wann liest. Wenn der Rezipient im Text "hängenbleibt", kann er ihn auch mehrmals lesen. Einen Radiobeitrag dagegen muss er auf Anhieb verstehen. Im Fernsehen ist es wichtig, dass sich Bild und Text ergänzen. Sein Charakter als kombiniertes Text-, Ton- und Bildmedium gab dem Journalismus besonders kreative Gestaltungsmöglichkeiten, um Zugang zu der Aufmerksamkeit des Zuschauers zu erhalten. In Dokumentarfilmen etwa verzahnt sich der interpretative Journalismus mit der Kunst: Musik und visuelle Effekte werden eingesetzt, um die Informationen zu unterstreichen und so eine passende Stimmung zu erzeugen.
Der Meinungsjournalismus erlebte zur selben Zeit einen neuen Aufschwung mit Aufkommen des Boulevardjournalismus, der mit sensationsgieriger, teils erfundener Berichterstattung die Interessen der Massen zu befriedigen suchte. Bekanntestes Beispiel im deutschsprachigen Raum ist die Bild-Zeitung.
Ab den 1950er-Jahren erlebte die Form des investigativen Journalismus seine Blütezeit. Hierbei handelte es sich um gezielte Recherchen der Medien zu speziellen, insbesondere politischen Themen, die der Öffentlichkeit bisher verborgen geblieben waren. Die Journalisten konnten so mehrere Skandale aufdecken. Der bekannteste Fall war die sogenannte Watergate-Affäre Anfang der 1970er-Jahre, die zum Rücktritt des damaligen Präsidenten der USA, Richard Nixon, führte.
In den 1980er-Jahren erschien als neueste Darstellungsform des interpretativen Journalismus in den Printmedien und im Fernsehen die Infografik, die Text und Bild kombinierte und somit komplizierte Sachverhalte verständlich machen konnte. Dies ging einher mit einer immer größeren Bedeutung der Bilder in den Printmedien, die dadurch ihre Erscheinung attraktiver machen konnten. So wurde um 1990 die Einbindung von Farbbildern und vielfältigen Design-Elementen in den wichtigen Zeitungen zum Standard.
Journalismus heute
Heute befindet sich der Journalismus in einer weiteren Umbruchphase. Das Aufkommen des Online-Journalismus in den 1990er-Jahren sorgte für eine Revolution innerhalb der Disziplin, deren Konsequenzen noch nicht voll absehbar sind. Diese neue Ausprägungsform konnte die Vorteile der Printmedien mit denen des Hörfunks und des Fernsehens kombinieren: er ist in der Lage, in Echtzeit über aktuelle Ereignisse zu berichten, wegen seines Textcharakters eignet er sich jedoch auch für längere Abhandlungen, die der Leser in Ruhe konsumieren kann. Zudem bieten sie die Möglichkeit, multimediale Informationen einzubinden, etwa Videos oder Tondokumente.
Der einzige Nachteil der Online-Medien gegenüber den Printmedien ist der, dass der Leser sich bisher an einen Computer begeben muss, um ihn konsumieren zu können. Daher ist es für den Leser bequemer, lange Texte auf Papier zu lesen - ein Umstand, der zu einer weiteren Spezialisierung der Printmedien auf Analysen, Hintergrundinformationen und Kommentare geführt hat. Es ist jedoch zu erwarten, dass dieser Nachteil in naher Zukunft entfällt, sollten sich neue Entwicklungen wie E-Books oder insbesondere das seit mehreren Jahren in Entwicklung befindliche elektronische Papier durchsetzen. Die neuen Online-Medien wurden von den traditionellen Medien wegen dieser Vorteile schnell als Gefahr angesehen und heute oft für den Rückgang der Auflagezahlen vor allem von Zeitungen verantwortlich gemacht.
Der Internet-Boom führte zu einem weiteren Phänomen: Da nun auf einmal jeder Benutzer schnell durch das Schreiben einer eigenen Homepage Information in alle Welt verbreiten konnte, sorgte er für ein rasantes Ansteigen der Publikationen mit journalistischem Charakter. Die Grenzen zwischen professionellem Journalismus und der Aktivität von Amateuren verschwinden damit zusehends. Viele Online-Medien - und auch die Internetpräsenzen der traditionellen Medien - binden etwa Weblogs oder sogar Wiki-Elemente in ihre Angebote ein, andere lassen ihre Texte von den Lesern kommentieren oder besitzen Diskussionsforen. Einige Medien werden mittlerweile sogar von den Lesern selbst verfasst; bekannte Vertreter sind Indymedia, das koreanische Onlinemagazin Ohny News und das zur Wikimedia Foundation gehörende Wikinews. Diese Phänomene werden oft unter dem Schlagwort Graswurzel-Journalismus zusammengefasst.
Parallel zu dieser Entwicklung kam es zu einer Renaissance des Meinungsjournalismus, da jeder Internet-Nutzer per Website oder Blog zu beliebigen Themen ohne besondere Kosten Stellung nehmen konnte. In vielen Online-Magazinen findet man eine Mischung aus Meinungsjournalismus und interpretativem Journalismus, da es bei solchen Publikationen verführerisch ist, die eigene Sicht der Dinge darzustellen. Diese Entwicklung wird von Verfechtern des Journalismus als Hort der objektiven Berichterstattung mit Sorge beobachtet. Befürchtet wird - teilweise zu Recht - die Polemisierung des Journalismus besonders bei kritischen Themen, während die Recherche und das Darstellen verschiedener Standpunkte nebeneinander in den Hintergrund zu rücken droht.
Zusammenfassend kann man sagen, das das Aufkommen des Online-Journalismus zu einer steigenden "Informatisierung" der Gesellschaft geführt hat. Die Konsumenten sind heute dank der vielfältigen journalistischen Angebote viel umfassender über aktuelle Ereignisse informiert als noch vor 20 Jahren. Fast jedes noch so kleine Nischenthema wird mittlerweile von einem journalistischen Angebot besetzt. Zudem wurde das "Informationsmonopol" der traditionellen Medien von kleinen unabhängigen Angeboten attackiert, so dass es den Journalisten nicht mehr so einfach fällt, Leser zu manipulieren oder zu täuschen. Ein Beispiel ist das BILDblog, das Internetnutzer über Fehler und Falschinformationen in der Bild-Zeitung informiert. Doch diese Vielfalt von Standpunkten hat auch den Nachteil, dass die Information insgesamt unübersichtlicher wird und die Aufmerksamkeit oft auf Banalitäten gelenkt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang oft von Infomüll - unnötige Informationen, die den Blick aufs Wesentliche verstellen.
Ausblick in die Zukunft
Wie diese Entwicklungen die Welt des Journalismus verändern werden, ist noch unklar. Wahrscheinlich ist jedoch, dass die Umwälzungen mindestens so groß sein werden wie bei dem Aufkommen des Rundfunks. Einige Stimmen warnen derweil schon vor dem Aussterben der Printmedien, was aber bisher noch nicht bestätigt worden konnte; auch Hörfunk und Fernsehen bestehen weiterhin. Dennoch wächst die Konkurrenz durch Internet-Radios und den relativ neuen Internet-Fernsehsendern. Wahrscheinlich ist nach Meinung vieler, dass die bisherigen Medien bei einer weiteren Zunahme der Bandbreite des Internet zu einem einzigen Multimedium verschmelzen werden, was eine weitere Zunahme der journalistischen Darstellungsformen und Angebote bedeuten würde.
Gesetzlicher Rahmen
Die rechtliche Grundlage der journalistischen Tätigkeit ist im Grundgesetz durch die Pressefreiheit sowie in den jeweiligen Bundesländern die entsprechenden Landespressegesetze geregelt. Daneben muss der Journalist in seiner täglichen Arbeit entsprechende Gesetze, etwa Persönlichkeitsrechte und Urheberrechte, beachten.
Verletzt eine Veröffentlichung diesen Rahmen, so wird neben Schadenersatz oft auch das Recht auf Gegendarstellung eingeklagt.
selbstverpflichtender Rahmen
Darüber hinaus wurden der Deutsche, Österreichische und Schweizer Presserat als Kontrollinstanzen geschaffen. Sie überprüfen die Einhaltung der selbstgeschaffenen journalistischen Kodizes und rügen Verstöße.
Die Kodizes: Pressekodex, Ehrenkodex für die österreichische Presse, [http://www.presserat.ch/code_d.htm Erklärung der Pflichten und Rechte].
Siehe auch
Journalist, Journaille, Paparazzo, Journalismustheorien, Kreatives Schreiben, Medienjournalismus, Journalistenschule, Presseerklärung, Online-Journalismus, Fachjournalismus, Technikjournalismus, Presseausweis, Pressekonferenz
Weblinks
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=441 Journalismus und Unrecht - Einige Überlegungen zu den Aufgaben und Pflichten der Medien] Quelle:OEW
- [http://www.oew.org/de/aktuellesartikel.php?id=442 Kritischer Journalismus] Quelle:OEW
Literatur
- Lutz Hachmeister (Hrsg.): Die Herren Journalisten. Die Elite der deutschen Presse nach 1945. München: C.H. Beck, 2002. ISBN 3-406-47597-3
- Claudia Mast (Hrsg.): ABC des Journalismus. 10. Aufl. Konstanz: UVK, 2004. ISBN 3-89669-419-7
- Siegfried Weischenberg (Hrsg.): Handbuch Journalismus und Medien. Konstanz: UVK, 2005. ISBN 3-89669-429-4
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Kategorie:Kulturwissenschaft
fiu-vro:Aokirändüs
ja:報道
ko:언론
ZeitungDas Wort Zeitung war ursprünglich der Begriff für die beliebige Nachricht, veränderte sich jedoch während des 17. und 18. Jahrhunderts in seiner Bedeutung und wurde zu einem Nachrichtenblatt.
Geschichte der Zeitung
Ursprünge
Mit dem Druckmarkt waren im späten 15. Jahrhundert Einblattdrucke aufgekommen - mit Holzschnitten illustrierte, einseitig bedruckte Zettel (mehr dazu im Aufsatz Flugblatt). „Newe Zeitung von …“ – Neue Nachricht über … – verkündete regulär die Titelzeile, was im Handel mit Zeitungen den Eindruck davon, wofür das Wort stand, auf Dauer verschob: Zeitung, so die Wahrnehmung der Zeitungsleser des 17. und 18. Jahrhunderts, war das mit Nachrichten bedruckte Blatt, das seit dem 17. Jahrhundert in den meisten größeren Städten Westeuropas drei Mal wöchentlich Nachrichten aus aller Welt kolportierte.
Neben den Flugblättern sind ab dem 15. Jahrhundert sog. Flugschriften nachweisbar, die sich bereits stärker um Objektivität und fundierte Nachrichten bemühten (siehe auch hierzu mehr im Kapitel "Flugblatt").
Erste Zeitungen
Der Begriff „Zeitung“ tauchte als „zidunge“ mit der Bedeutung „Kunde“ oder „Nachricht“ im Raum Köln bereits am Anfang des 14. Jahrhunderts auf. Die Pressegeschichte im weiteren Sinne reicht zurück bis zu den Kaufmannsbriefen, die seit 1380 nachweisbar erschienen. Die erste gedruckte Ausgabe namens [http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/relation1609 Relation aller Fuernemmen und gedenckwuerdigen Historien] (häufig in der Forschung auch nur als "Relation bezeichnet) erscheint vermutlich Mitte des Jahres 1605 in Straßburg im Elsaß. Gegründet wurde sie von Johann Carolus und erschien wahrscheinlich wöchentlich.
Ein indirekter Hinweis dafür ist die auf den Oktober 1605 datierte Eingabe des Herausgebers an den Straßburger Stadtrat, in der er um Schutz vor skrupellosen Kopisten ersucht. Er schreibt, nachdem er jetzt das zwöhlffte Mahl Woche für Woche ein gedrucktes Blatt herausgebracht habe, benötige er Unterstützung bei der Abwehr der Raubdrucker. Rückgerechnet muß die erste Ausgabe also im Juli 1605 erschienen sein. Die älteste erhaltene Ausgabe dieser Zeitung stammt jedoch aus dem Jahre 1609.
Raubdruck vom 21. Mai 1799 zum Kampf von österreichischen und französischen Truppen in der Schweiz ]]
Im Jahr 1650 erscheint in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen zum ersten Mal eine Tageszeitung mit sechs Ausgaben pro Woche. Die älteste noch erscheinende Zeitung ist die seit 1645 in Schweden erscheinende Post-och Inrikes Tidningar.
Die Tageszeitung blieb eine Ausnahme, ihre interessanteste Funktion gewann sie vor dem 19. Jahrhundert mit der seit 1702 in London erscheinenden Daily Courant, dem Blatt, das die Funktionen des Veranstaltungskalenders der Großstadt übernahm (in kleineren Städten wurden die lokalen Veranstaltungen rascher durch den Ausruf vermeldet).
Wochenzeitungen ergänzen den von Tageszeitungen beherrschten Markt. Definitionskriterium der Zeitung ist dabei weniger ihr Erscheinungsrhythmus als ihr physisches Erscheinungsbild: Zeitungen pflegen auf speziellem minderwertigem Zeitungspapier in ineinandergelegter ungebunden bleibenden Bögen zu erscheinen – ein Kriterium, das mit neueren Projekten wie der [http://www.netzeitung.de Netzeitung] sich im Moment relativiert.
Die Inhalte werden mit journalistischen Stilmitteln präsentiert und sind vorwiegend unbegrenzt, meldungsaktuell und allgemein gesellschaftlich, jedoch nicht fachlich oder beruflich bestimmt.
Eine Zeitung ist im Gegensatz zur Zeitschrift ein dem Tagesgeschehen verpflichtetes Presseorgan und gliedert sich meist in mehrere inhaltliche Teile wie Politik, Lokales, Wirtschaft, Sport, Feuilleton und Immobilien. Die einzelnen Segmente einer Zeitung heißen Bücher.
Zeitungen bestehen inhaltlich aus dem so genannten redaktionellen Teil, der durch die Redaktion oder einzelne Autoren verantwortet wird, und dem Anzeigenteil. Anzeigen werden in ihrem Inhalt von demjenigen verantwortet, der die Anzeige „schaltet“, d.h. bei der Anzeigenredaktion aufliefert und für ihr Erscheinen bezahlt. Der Verlag kann bestimmte Anzeigen dagegen auch ablehnen. Die Anzeigenpreise richten sich vor allem nach der Auflagenhöhe der jeweiligen Zeitung.
Zeitungen in den 20er Jahren
Die große Zeit der Zeitungen war vor der Erfindung des Radios, als Verlagsobjekte aus den Berliner Mosse-, Scherl- und Ullstein-Verlagen teilweise viermal am Tag erschienen: Morgenausgabe, Mittagsausgabe, Abendausgabe, Nachtausgabe. Die weltweit schnellsten Zeitungs-Rotationspressen standen damals an der Spree.
Die reiche Zeitungskultur der Zwanziger Jahre wurde neben den Neuen Medien Radio und Fernsehen in Deutschland auch durch Konzentrationsprozesse (Hugenberg-Konzern) und so genannte Arisierungen (Amann-Verlag) während der Zeit des Dritten Reiches ab- und aufgelöst.
Konzentrationsprozesse und Zusammenschlüsse der Presse halten aus meist wirtschaftlichen Gründen bis heute an (Mantelzeitungen).
Seit Mitte der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts ergänzen viele Zeitungsverlage ihre gedruckten Ausgaben durch Internet-Präsenzen, andere nutzen die Neuen Medien mehr oder weniger geschickt zur Cross Promotion.
Heutige Einteilung
- Erscheinungsweise
- Tageszeitung
- Wochenzeitung
- Sonderausgabe
- Verbreitungsgebiet
- Stadtteilzeitung (meist von Bürgerinitiativen erstellt)
- Lokalblatt (häufig als Anzeigenblatt)
- Regionalzeitung
- überregionale Zeitung
- Vertriebsart
- Abonnementzeitung (durch Zusteller oder per Post)
- Boulevardzeitung (Straßenverkauf)
- Anzeigenblatt (wird kostenlos an alle Haushalte verteilt)
- Offertenblatt (wird über den Pressevertrieb vertrieben)
- Mitgliederzeitung (wird kostenlos oder gegen Kosten an Verbands-, Vereins- bzw. Parteimitglieder verteilt)
- Firmenzeitung (Herausgeber ist meist die PR-Abteilung des Unternehmens oder eine separate Abteilung für die unternehmensinterne Kommunikation)
- Betriebszeitung (DDR)
- Kiosk
- Pressevertrieb (Presse-Großhandel)
- Zeitungsantiquariat (Lieferung alter Zeitungen für Museen, Archive, als Filmrequisiten oder als Geschenke)
- Pendlerzeitung (kostenlose, durch Werbung finanzierte, Zeitungen die an Bahnhöfen, Tram- oder Bussstationen verteilt werden)
- Spezielle Zeitungsformen
- Schülerzeitung
- Abiturzeitung
- Studentenzeitung
- Parteizeitung
- Kirchenzeitung
- Hochzeitszeitung
- Amtsblatt
- Berufsgruppenzeitung
- Unternehmens- oder Beriebszeitung (Betriebs- oder Unternehmensinterne Zeitung)
Ausstellungen zum Jubiläumsjahr
- [http://www.400-jahre-zeitung.de/ 400 Jahre Zeitung], 10. Juli bis 30. Dezember 2005 im Gutenberg-Museum, Mainz
- [http://www.gutenberg-museum.de/index.php?eventid_te=4&aktion=anzeige_aktuelles&pagev=2/ Gutenberg-Museum], 10. Juli bis 30. Dezember 2005 im Gutenberg-Museum, Mitarbeiter, Termine etc. des Gutenberg-Museums, begleitend zur Ausstellung in Mainz
- [http://idw-online.de/pages/de/news114534 Das Neueste von gestern … 400 Jahre Zeitungsgeschichte in Bremen und Nordwestdeutschland], bis 23. Juni 2005 in der Bremer Bürgerschaft, danach in Oldenburg in Oldenburg und Hamburg
Siehe auch
- Chronologie deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften
- Liste deutscher Zeitungen, Liste von Zeitungen
- Chronologie englischsprachiger Medien
- Pressegeschichte, Antiquarische Zeitung, Fuggerzeitungen, Newe Zeytung
- Zeitungsformate
- Journalist, Journalistische Darstellungsformen
- Verlag, Verleger, Liste von Verlagen in Deutschland, Österreich und Schweiz
- Zeitschrift, Gazette, Magazin
- Zeitungsmuseum, Zeitungsantiquariat
Literatur
- Jürgen Heinrich: Medienökonomie, Bd.1, Mediensystem, Zeitung, Zeitschrift, Anzeigenblatt. 2001 (ISBN 3531326368)
- Stefan Hartwig: Deutschsprachige Medien im Ausland - fremdsprachige Medien in Deutschland. 2003. (ISBN 3825854191)
- Werner Faulstich: Grundwissen Medien. 2004
- Werner Faulstich: Medien zwischen Herrschaft und Revolte. Die Medienkultur der frühen Neuzeit (1400-1700), Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1998 (Die Geschichte der Medien, Bd. 3).
- Thomas Schröder: Die ersten Zeitungen. Textgestaltung und Nachrichtenauswahl. Tübingen: Gunter Narr 1995.
Weblinks
- [http://www.newspaperindex.com/de/ Deutsche und Internationale Zeitungen Übersicht]
- [http://anno.onb.ac.at/ ANNO AustriaN Newspapers Online]
- [http://www.compactmemory.de/ Compact Memory] Jüdische Zeitungen des 18.–20. Jahrhunderts.
- [http://www1.uni-bremen.de/~pressfor/ Institut für Deutsche Presseforschung an der Universität Bremen]
- [http://www.gutenberg-museum.de/index.php?id=126 Jubiläumsausstellung anlässlich des 400. Geburtstags der Zeitung im Gutenberg-Museum Mainz, 10.7-30.12.2005]
- [http://www.zeitungs-museum.de Stiftung Deutsches Zeitungsmuseum]
- [http://www.zeitungsforschung.de Institut für Zeitungsforschung, Dortmund]
!Zeitung
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Papierprodukt
ja:新聞
simple:Newspaper
Zeitschrift
Zeitschriften sind Printmedien oder Elektronische Publikationen (Elektronische Zeitschrift), die in (regelmäßigen oder unregelmäßigen) Abständen in gleicher Form erscheinen. Oft wird auch der Begriff "Magazin" verwendet.
Im Gegensatz zu Zeitungen sind sie weniger auf Nachrichten, sondern mehr auf Hintergrundberichterstattung zu aktuellen Themen ausgelegt. Meist konzentriert sich eine Zeitschrift auf einen bestimmten Themenbereich. Auflagenstärkste Zeitschrift in Deutschland ist die ADAC Motorwelt, die Mitgliederzeitschrift des ADAC.
Definition
An einer allgemeinen Definition des Begriffs "Zeitschrift" ist die Kommunikationswissenschaft/Medienwissenschaft bisher trotz vielfältiger Versuche gescheitert. Im Gegensatz zu der Tageszeitung, die sich durch die Merkmale Periodizität, Publizität, Disponibilität, Aktualität und Universalität auszeichnet, gelten für die Zeitschrift zwar die ersten drei Merkmale, von den beiden letzteren aber meist nur höchstens eines. Da eine präzise Definition damit aber nicht möglich ist, greift man meistens darauf zurück, die Zeitschrift als periodische Presse, die aber keine Tageszeitung ist, zu bezeichnen. Nach Karl Salzmann (1954) gelten als Zeitschriften alle periodisch erscheinenden Druckschriften eines meist fachlich oder in der Darbietungsform begrenzten Inhalts, der nicht durch Nachrichten über das Tagesgeschehen bestimmt wird, sondern - bei aller Verfasservielfalt - das Wirken einer selbstgestellten Aufgabe erkennen lässt.
Einer der wichtigsten Zeitschriftentheoretiker war Walter Hagemann.
Gattungssystematik
Von der Wissenschaft wurde schon oft versucht, eine Zeitschriftensystematik, die einen Überblick über das breite Spektrum der Zeitschriftengattungen leisten soll, aufzustellen - von den vielen unterschiedlichen Ansätzen konnte sich bisher keiner durchsetzen. Meist werden die
- Publikumszeitschriften (die auflagen- und umsatzstärkste Gattung) von den
- Fachzeitschriften (die titelreichste Gattung) abgegrenzt. Dazu zählen u.a.
- Wissenschaftszeitschriften
- Literaturzeitschrift: Liste
Bezüglich der weiteren Einteilung differieren die Meinungen.
Oft genannte weitere Gattungen sind die
- Mitgliederzeitschriften,
- Kundenzeitschriften,
- Alternativzeitschriften und die
- konfessionellen Zeitschriften, auch
- Amtsblätter- und
- Anzeigenblätter sowie
- Offertenblätter werden oft dazugezählt.
Zur größten Gattung der Publikumszeitschriften gehören wiederum z. B.:
- Illustrierte
- Nachrichtenmagazine
- Wirtschaftsmagazine
- Fernsehzeitschriften
- Klassische Frauenzeitschriften (Mode, Wellness, Hochglanzmagazine etc.)
- Unterhaltende Frauenzeitschriften ('Yellow Press')
- Klassische Männermagazine
- Kinderzeitschriften (wie Bummi)
- Jugendzeitschriften (Bravo, Popcorn etc.)
- Rätselzeitschriften
- populärwissenschaftliche Zeitschriften
- Schwulenmagazine
- Satiremagazine
- Kulturzeitschriften
- Theater heute
- Stadtmagazine
Geschichte und Herkunft
Genauso variationsreich wie das heutige Zeitschriftenspektrum waren auch die Anfänge der Zeitschrift. Sie entwickelte sich aus den unterschiedlichsten Vorläufern: den Flug- und Streitschriften, Relationen und Messrelationen, Avisen und Chroniken. Die ersten bekannten Zeitschriften sind das erstmals im Januar 1665 in Paris erschienene „Journal des Sçavans“ und das die Londoner „Philosophical Transactions of the Royal Society“ aus dem selben Jahr. Der 1674 erstmals verlegte "Götter-Both Mercurius" gilt als erste deutsche Zeitschrift.
Wissenschaftliche Zeitschriften spielen eine fundamentale Rolle für den Fachdiskurs in den Wissenschaften.
Siehe auch
- Verlag, Verleger, Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V., Pressegeschichte, Filmzeitschrift
- Listen: deutschsprachige Zeitschriften, Verlage in Deutschland, Österreich und Schweiz, Abkürzungen von Zeitschriftentiteln, Chronologie deutschsprachiger Zeitungen und Zeitschriften, Chronologie französischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften, Chronologie englischsprachiger Medien
Weblinks
- http://www.kaktusmagazin.ch | Kunstzeitschrift
- http://www1.ub.uni-siegen.de/buecher/zs00.htm Zeitschriften im Internet
Kategorie:Medien
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Kategorie:Journalismus
ja:雑誌
ko:잡지
th:นิตยสาร
BoulevardzeitungBoulevardzeitung, eine meist täglich erscheinende Kaufzeitung, die ausschließlich im Straßenhandel oder Einzelhandel vertrieben wird, durch reißerische Aufmachung (dicke Überschriften, großformatige Fotos) auf sich aufmerksam macht, sich mit reißerisch-trivialen Inhalten (z.B. "Daily Soaps") beschäftigt. Je nach Macht der Boulevardzeitung in der Presselandschaft bzw. Auflagenstärke wird sie auch in den höchsten politischen Kreisen wahrgenommen, was im Begriff Mediendemokratie zum Ausdruck kommt, da häufig der Verdacht geäußert wird, dass Regierungen durch diese Stimmungsmache zu Aktionismus bewegt werden.
Geschichtenfälschung
Um reißerische Themen zu generieren, bedienen sich Boulevardzeitungen auch der Geschichtenfälschung, also der Erfindung einer "berichtenswerten" Geschichte, die tatsächlich nicht wahr ist. Um diese zu untermauern, wird auch Bildfälschung verwandt.
Beispiele
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/19/19758/1.html tz (München)]
Beispiele für deutschsprachige Boulevardzeitungen
Nationale
- Bild (Deutschland)
- Blick (Schweiz)
- Kronen Zeitung (Österreich)
- Täglich Alles (Österreich)
Regionale
- B.Z. (Berlin)
- Kurier (Berlin)
- Express (Köln, Bonn, Düsseldorf)
- tz (München) (München)
- AZ (München)
Siehe auch
- Illustrierte - Massenmedien - Presse - Stimmungsdemokratie
Weblinks
- [http://www.uni-trier.de/uni/fb2/medien/veranstaltungen/lehrmaterialien/sommer2000/Boulevardzeitung_1/ Boulevardzeitungen - PowerPoint Präsentation, bei der man sich die Aussagen hinzudenken muss]
- [http://www.message-online.de/arch2_02/22_nawra.html Boulevardberichterstattung: Die Glas-Menagerie]
Kategorie:Zeitung
Kategorie:Trivialliteratur
ja:タブロイド
VerlagDer Verlag ist ein Medien-Unternehmen, das Werke der Literatur, Kunst, Musik oder Wissenschaft vervielfältigt und verbreitet. Der Verkauf kann über den Handel (Kunst-, Buchhandel etc.) oder durch den Verlag selbst erfolgen.
Der Verlag oder die Person des Verlegers erwirbt in der Regel das Nutzungsrecht am Manuskript eines Autors (Urheberrecht) auf Grund eines Vertrages und sorgt für Herstellung (Vorbereitung für den Druck) und eben den Druck des Werkes. Zweitens besorgt er die Werbung und den Vertrieb über die verschiedenen Vertriebswege, zum Beispiel über den Buchhandel oder den Pressegroßhandel. Die dritte Funktion liegt in der Vorfinanzierung, wie schon der Wortursprung deutlich macht, denn Verlegen kommt von Vorlegen.
Angestellte in einem Verlag üben den Beruf des Verlagskaufmanns aus oder sind in der Verlagsherstellung tätig.
Selbst- und Kleinverlag
Sofern ein Autor seine Bücher nicht über einen Verlag in den Handel bringt, sondern selbst für Druck und Vertrieb sorgt, spricht man von einem Selbstverlag. Der Selbstverlag ist zu unterscheiden von einem Kleinverlag, in dem ein Verleger als Gewerbetreibender fremde oder eigene Werke verlegt. Zahlenmäßig sind weitaus die meisten Verlage in der Kategorie, viele sind winzig. Privatvermögen fliesst hinein, sowie die eigene, geradezu unbezahlte Leistung. Meist ist man persönlich engagiert, bestimmte Inhalte zu verbreiten und hat Freude an dem Metier. Weil Autoren auch bei gewissem Erfolg immer noch wenig verdienen, sind sie meist darauf angewiesen, zu größeren Verlagen zu wechseln, wenn sie etwas Erfolg haben – was die Kleinverlage weiter klein hält.
Zuschussverlage
Eine Besonderheit sollen sog. Zuschussverlage bzw. genauer Druckkostenzuschussverlage darstellen. Insbesondere wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten wie Diplomarbeiten oder Dissertationen können die Druck- und Vertriebskosten des Verlegers kaum decken. Deshalb haben die Autoren einen Zuschuss zu den Druckkosten zu leisten. Solche Druckkostenzuschüsse sind bei renommierten, großen Verlagen völlig unüblich, sie honorieren ihre Autoren von Anfang an. Ein Reihe von Unternehmen haben sich auf das Geschäft mit Zuschussbüchern spezialisiert. Sie verlegen nicht allein wissenschaftliche Literatur sondern auch literarische Texte von Amateuren.
Von Zuschussverlagen im klassischen Sinne zu unterscheiden sind manche Book on demand-Verlage.
Der Begriff Zuschussverlag ist relativ neu. Bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts nahm diese Aufgabe der Kommissionsverlag wahr, der bis in die dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts kaum vom selbstfinanzierenden Verlag getrennt war. In Meyers Konversationslexikon von 1893 steht für den Verlag "Zuweilen trägt auch der Schriftsteller einen Teil der Kosten, oder er lässt sein Werk ganz auf eigene Kosten drucken ..." (Bd.3 S.627).
Selbstverständlich und doch schwer zu erringen sind Druckkostenzuschüsse (fester Begriff) für wissenschaftliche Arbeiten. Sie gehen an renommierte Verlage, der Definition kein richtiger Verlag zu sein, weil die Autoren selbst zahlen, fern. Druckkostenzuschüsse kommen meist von der grössten Unterstützerin der Wissenschaft hierzulande, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Verlagsarten
Verlage lassen sich nach ihren Hauptprodukten ordnen:
- Buchverlag (siehe auch Fachbuchverlag)
- Kunstverlag und Musikverlag,
- Zeitungsverlag,
- Zeitschriftenverlag,
- Spieleverlag,
- Kartenverlag
- Wissenschaftsverlag
- und Sondergebiete (z.B. Formularverlag).
Siehe auch
- Liste von Verlagen in Deutschland, Österreich und Schweiz
- Liste internationaler Verlage
- Copyright, Urheberrecht, Verlagsrecht
- Erstausgabe, Börsenverein des Deutschen Buchhandels
- Verlagsbranche, Verlagsnummer, backlist, Universitätsverlag
- Kommissionsverlag
- Verlagsystem (oder Verlag) als Organisationsform der Handwerksproduktion - z.B. Bierverlag
Literatur
- Reinhard Mundhenke, Marita Teuber: Der Verlagskaufmann. Berufsfachkunde für Kaufleute in Zeitungs-, Zeitschriften- und Buchverlagen. 9. völlig überarbeitete Auflage 2002, 696 Seiten, ISBN 3-7973-0792-6
- Kurt Tohermes, Eckhard Bremenfeld, Holger Knapp: Fachwissen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Leitfaden für Verlagsberufe und Quereinsteiger. Heidelberg 1999, ISBN 3-9806-28604
- Dietrich Kerlen: Lehrbuch der Buchverlagswirtschaft. Stuttgart 2003, ISBN 3-7762-1002-8
- Manfred Plinke: Mini-Verlag. Selbstverlag, Publishing on Demand, Verlagsgründung, Buchherstellung, Buchmerketing, Buchhandel, Direktvertrieb, 6. überarbeitete und erweiterte Auflage, Berlin: Autorenhaus Verlag, 2005
- Schiffrin, André: Verlage ohne Verleger : über die Zukunft der Bücher, Berlin : Wagenbach, 2000
Weblinks
- [http://www.verlagskaufleute.info Ausbildung und Beruf von Verlagskaufleuten]
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagde.html Liste von Verlagen in Deutschland] (Service des Hochschulbibliothekszentrums Nordrhein-Westfalen)
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagat.html Verlage in Österreich]
- [http://www.hbz-nrw.de/produkte_dienstl/toolbox/verlagch.html Verlage in der Schweiz].
!Verlag
Kategorie:Medienunternehmen
Kategorie:Medien
Kategorie:Bibliothekswesen
Kategorie:Buchhandel
ja:出版社
Europäische Kommission
Die Europäische Kommission ist im politischen System der Europäischen Union die Exekutive und als solche für das Vorschlagen von Gesetzen und die Überwachung von deren Einhaltung zuständig.
Die Kommission ist ein von den Mitgliedstaaten unabhängiges und somit tatsächlich supranationales Organ der Europäischen Union. Die Kommissare dienen alleine der Union als Ganzes, nicht ihren jeweiligen Herkunftsstaaten.
Organisation
Früher benannten die größten EU-Staaten jeweils zwei, die übrigen je einen Kommissar. Seit Inkrafttreten des Vertrages von Nizza stellt jeder Mitgliedstaat genau einen Kommissar. Die Kommissare sind alle gleichberechtigte Mitglieder des Kollegiums und vertreten die gefassten Entschlüsse nach dem Kollegialprinzip.
Aufgaben
Die Kommission ist der Motor des institutionellen Systems der Gemeinschaft:
- Sie hat das Initiativrecht und schlägt demnach Gesetzestexte vor, die dem Parlament und dem Rat unterbreitet werden.
- Als Exekutivorgan sorgt sie für die Ausführung der europäischen Gesetze (Richtlinien, Verordnungen, Entscheidungen) des Haushalts und der Programme, die vom Rat und vom Parlament angenommen werden.
- Als Hüterin der Verträge sorgt sie gemeinsam mit dem Europäischen Gerichtshof für die Befolgung des Gemeinschaftsrechts.
- Als Vertreterin der Gemeinschaft auf weltweiter Ebene handelt sie vor allem in den Bereichen Handel und Zusammenarbeit internationale Übereinkommen aus.
Rechtsgrundlage
Als Organ ist sie bislang in Art. Art. 211ff. EG-Vertrag, Art. 124ff. Euratom als Gemeinschaftsorgan verankert. In der zukünftigen Europäischen Verfassung hat sie ihre Rechtsgrundlage in den Art. 25, III-250 des Verfassungsentwurfs.
In der justiziellen Zusammenarbeit und in Strafsachen sowie in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der EU (also in der zweiten und dritten Säule) hat die Kommission bisher kaum Kompetenzen. Dies kann sich durch die Verfassung ändern, die der Europäische Konvent ausgearbeitet hat - vorausgesetzt, diese wird von allen 25 Mitgliedstaaten ratifiziert und kann somit in Kraft treten.
Geschichte der Kommission
- EWG-Kommission Hallstein I (1957–1962)
- EWG-Kommission Hallstein II (1962–1967)
- EG-Kommission Rey (1967–1970)
- EG-Kommission Malfatti (1970–1972)
- EG-Kommission Mansholt (1972–1973)
- EG-Kommission Ortoli (1973–1977)
- EG-Kommission Jenkins (1977–1981)
- EG-Kommission Thorn (1981–1985)
- EG-Kommission Delors I (1985–1989)
- EG-Kommission Delors II (1989–1993)
- EU-Kommission Delors III (1993–1995)
- EU-Kommission Santer (1995–1999)
- EU-Kommission Prodi (1999–2004)
- EU-Kommission Barroso (ab 2004)
Zukunft der Kommission
Der Vertrag über eine Verfassung für Europa sieht in Art. I-26 Abs. 5 und 6 vor, dass die Zahl ihrer Mitglieder langfristig auf 2/3 der Zahl der Mitgliedstaaten reduziert wird.
Nur die erste Kommission, die in Anwendung der Verfassung ernannt wird, besteht noch aus je einem Staatsangehörigen jedes Mitgliedstaats. Ab dem Ende dieser ersten Amtszeit besteht die Kommission,
einschließlich ihres Präsidenten und des Außenministers der Union, aus einer Anzahl von Mitgliedern,
die zwei Dritteln der Zahl der Mitgliedstaaten entspricht, sofern der Europäische Rat nicht
einstimmig eine Änderung dieser Anzahl beschließt.
Die Verkleinerung soll insgesamt der Effizienz beziehungsweise Handlungsfähigkeit der Kommission in einer erweiterten Union dienen.
Die Mitglieder der verkleinerten Kommission werden „in einem System der gleichberechtigten Rotation“ zwischen den Mitgliedstaaten ausgewählt. Dieses System muss aber vom Europäischen Rat noch einstimmig beschlossen werden.
Dem Verfassungsvertrag nach soll der Präsident der Kommission durch das Parlament, jedoch auf Vorschlag des Ministerrats gewählt werden, was die demokratische Legitimation der Kommission fördern und die Stellung des Präsidenten insgesamt gegenüber dem Europäischen Rat und dem Ministerrat stärken sollte.
Mitglieder der Kommission
Die Kommission wurde vom Europäischen Parlament am 18. November 2004 gewählt. Sie trat ihr Amt am 22. November 2004 für eine Amtszeit von fünf Jahren an.
Präsident und Vizepräsidenten:
- José Manuel Durão Barroso (Portugal), Präsident der Kommission
- Siim Kallas (Estland), Vizepräsident, Verwaltung, Audits und Betrugsbekämpfung
- Günter Verheugen (Deutschland), Vizepräsident, Unternehmen und Industrie
- Jacques Barrot (Frankreich), Vizepräsident, Verkehr
- Franco Frattini (Italien), Vizepräsident, Justiz, Freiheit und Sicherheit
- Margot Wallström (Schweden), Vizepräsidentin, Institutionen und Kommunikationsstrategie
Die übrigen Kommissare sind:
- Joaquín Almunia (Spanien), Wirtschaft und Währung
- László Kovács (Ungarn), Steuer und Zollunion
- Danuta Hübner (Polen), Regionalpolitik
- Charlie McCreevy (Irland), Binnenmarkt und Dienstleistungssektor
- Joseph Borg (Malta), Fischerei
- Janez Potočnik (Slowenien), Wissenschaft und Forschung
- Markos Kyprianou (Zypern), Gesundheits- und Verbraucherschutz
- Vladimír Špidla (Tschechische Republik), Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit
- Ján Figeľ (Slowakei), Ausbildung, Kultur und Sprachenvielfalt
- Mariann Fischer Boel (Dänemark), Landwirtschaft und Ernährung
- Dalia Grybauskaite (Litauen), Finanzen und Haushalt
- Andris Piebalgs (Lettland), Energie
- Peter Mandelson (Vereinigtes Königreich), Handel
- Olli Rehn (Finnland), Erweiterung
- Neelie Kroes (Niederlande), Wettbewerb
- Louis Michel (Belgien), Entwicklung und Humanitäre Hilfe
- Benita Ferrero-Waldner (Österreich), Außenbeziehungen und EU-Nachbarschaftspolitik
- Viviane Reding (Luxemburg), Informationsgesellschaft und Medien
- Stavros Dimas (Griechenland), Umwelt
Zum Verfahren der Berufung dieser Kommission, vgl. EU-Kommission Barroso.
Siehe auch
Liste ehemaliger Mitglieder der Europäischen Kommission
Weblinks
- [http://www.europa.eu.int/institutions/comm/index_de.htm Webseite der EU] (Institutionelle Informationen)
- [http://www.europa.eu.int/comm/index_de.htm Homepage der Kommission]
- [http://www.eiz-niedersachsen.de/ Europäisches Informations-Zentrum (EIZ) Niedersachsen - EU-Nachrichten und -Informationen]
- [http://europa.eu.int/austria/ Europäische Kommission - Vertretung Österreich]
- [http://www.eu-kommission.de/ Die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland]
- [http://www.europa.eu.int/comm/commissioners/newcomm_en.htm Das Portfolio der neuen Kommissare ab November 2004, derzeit nur auf Englisch verfügbar.]
Kategorie:Europäische Union
Kategorie:Karlspreis
Europaische Kommission
PrintmediumPrintmedien sind gedruckte Informationsquellen, die so genannten klassischen Medien, also Zeitschriften, Zeitungen, Bücher, Kataloge, geografische Karten und Pläne, aber auch Postkarten, Kalender, Poster, Plakate usw. Besonders zahlreich und fast unüberschaubar ist die Gruppe der Werbung und der Grauen Schriften, der Publikationen außerhalb des Buch- und Zeitschriftenmarktes, zum Beispiel die Hochschulschriften.
Definition
Printmedien werden meist auf Papier gedruckt, wobei die Drucktechnologie im schnellen Wandel ist und die digitale Drucktechnik immer mehr und öfter vorkommt – zum Beispiel beim Print on Demand bzw. den entsprechenden Books on Demand. Die meisten Printmedien werden zu Beginn des 3. Jahrtausends mit Druckfarben und auf Druckmaschinen hergestellt, heute meist im Offsetdruckverfahren. Im Bereich der oben genannten "Grauen Medien" ist jedoch nach wie vor die Xerokopie (so benannt nach der Firma Xerox, und heute meist als Fotokopie bezeichnet) von großer Bedeutung. Ältere Verfahren wie z.B. Siebdruck sind heute (2004) jedoch weitgehend bedeutungslos geworden.
Rechtliche Aspekte
Rechtlich ist jede öffentliche Darbietung bereits eine Veröffentlichung, also auch ein Prospekt, ein Plakat, ein Flugblatt oder ein einzelner Zettel am Schwarzen Brett in der Uni-Mensa, ein Konzert oder Theateraufführung, ein Vortrag oder gar ein Solo in der Fußgängerzone. Für jede Veröffentlichung in Druckform muss es daher einen Verantwortlichen geben; dies ist bei Zeitschriften und Zeitungen üblicherweise der Chefredakteur, bei Plakaten und Flugblättern (sog. Flyer) haftet derjenige, der als Verantwortlich im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.) gezeichnet hat. Sowohl Chefredakteure als auch V.i.S.d.P.s haften zivilrechtlich mit ihrem Privatvermögen und strafrechtlich persönlich, falls durch die Veröffentlichung eine Straftat begangen wird, und/oder die Schutzrechte anderer Personen verletzt werden. Unter Schutzrecht wurde hier bisher der Schutz der Person und der persönlichen Ehre (vgl. den Begriff der Menschenwürde im deutschen Grundgesetz verstanden; ob diese Regelung auch auf Copyright-Verletzungen zutrifft, ist derzeit (Okt. 2004) noch strittig (siehe auch Urheberrecht).
Abgrenzung
Im Unterschied zu den Printmedien werden die Neuen Medien gestellt, die heute überwiegend in der digitalisierteren Form vorliegen, also beispielsweise CD-ROMs, DVDs, digitale Bücher ("E-Book") oder Web-Publikationen. Durch ineinander überführbare Medienformate (vgl. PDF = portable document format, übertragbares Dokumentenformat) und deren zunehmend allgemeine Verwendung sind die Übergänge hier jedoch fließend geworden.
Die dritte Mediengruppe ist die Gruppe der flüchtigen, einmaligen Veröffentlichungen, entweder durch die so genannten Broadcast-Medien, Veröffentlichungen in Hörfunk und Fernsehen, auch lokal oder im Internet E-Zine oder Blogs, in einem Intranet, oder durch öffentliche Aufführung (Rede, Ausstellung, Vortrag, Theater, Konzert). Öffentlichkeit bedeutet hier, dass es sich nicht nur um eine definierte, in sich geschlossene Gruppe aus Familien-, Firmen-, Organisation- oder Gesellschaftsangehörigen handelt, die Grenzen sind jedoch auch hier unscharf.
Kategorie:Medien
Kategorie:Journalismus
Kategorie:druckerzeugnis
HörfunkDer Hörfunk, umgangssprachlich Radio war das erste elektronische Massenmedium, anfangs gleichbedeutend mit Rundfunk, dann in Abgrenzung zum Fernsehen von Technikern auch als Tonrundfunk bezeichnet. In Deutschland startete der regelmäßige Programmbetrieb im Oktober 1923. Hörfunk kann weltweit mit einem Radiogerät empfangen werden.
Programme
s. auch Hauptartikel Liste der Hörfunkprogramme
Hörfunk besteht in Deutschland aus den Radioprogrammen der
# öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf Länderebene (hr, RBB, WDR u.a.)
# öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt auf Bundesebene (DLR und DW)
# privaten Programmanbietern (Privatradios)
# Rundfunkprogrammen zur Versorgung der Angehörigen der alliierten Streitkräfte (AFN, BFBS)
# von Deutschland aus sendenden Auslandsdiensten der USA und Russlands (Voice of America, Stimme Russlands, Radio Free Europe/Radio Liberty)
# nichtkommerziellen und/oder freien Veranstalten (freie/alternative Radios/offene Kanäle/nichtkommerzieller Lokalfunk)
# nicht zugelassen (und somit illegalen) Piratensendern
Daneben können auf Langwelle, Mittelwelle und Kurzwelle sowie im grenznahen Gebiet auch auf Ultrakurzwelle Radioprogramme, die von ausländischen Sendestandorten aus abgestrahlt werden, empfangen werden.
Geschichte
siehe Hauptartikel Geschichte des Hörfunks
Übertragungswege
Hörfunk wird verbreitet:
- über Antenne, s. Terrestrische Übertragung
- analog
- digital, s. DVB-T (in Berlin seit 30. August 2005)
- über Kabelnetz
- über Nachrichtensatelliten, s. Satellitenradio (incl. DVB-S)
- über Internet
- als Live-Stream, s. Streaming Audio
- als Internetradio
Frequenzbereiche
Zur Verbreitung von terrestrischen Hörfunkübertragungen werden unterschiedliche Frequenzbereiche verwendet und verschiedene technische Spezifikationen benutzt:
Rundfunksender des Langwellen- und Mittelwellenbereichs belegen eine Breite von 9 kHz (auf dem amerikanischen Kontinent 10 kHz), die des Kurzwellenbereichs eine Breite von 10 kHz und die des UKW-Bereichs eine Breite von 300 kHz.
Im Kurzwellenbereich werden auch Rundfunkübertragungen nach dem Verfahren der Einseitenbandmodulation durchgeführt. Für ihren Empfang benötigt man einen Empfänger mit einem speziellen Demodulator. Es gibt auch AM-kompatible Einseitenbandmodulation. Sie wird aber nicht eingesetzt.
Für digitale Hörfunkübertragungen, speziell Digital Radio (DAB), werden unter anderem Frequenzbänder genutzt, die früher nur für Fernsehübertragung Verwendung fanden. Digital Radio wird heute bereits in vielen Teilen der Welt (u.a. auch in Deutschland, Österreich, Schweiz) parallel neben den bestehenden UKW-Aussendungen betrieben und ist diesen qualitativ überlegen.
Bei Digital Radio Mondiale (DRM) werden die Frequenzbereiche von LW, KW und MW (die bislang amplitudenmoduliert betrieben wurden) verwendet und bei DRM lediglich mit einem COFDM-modulierten digitalen Signal betrieben. Bisher analog betriebene Sender wechseln zum Teil für bestimmte Stunden des Tages auf die digitale Modulation von DRM, wodurch heute bereits weltweit diverse Programme empfangbar sind. DRM ist jedoch nicht für die Aussendung im Frequenzbereich von UKW spezifiziert oder lizenziert.
Siehe auch
Portal:Hörfunk
Weblinks
- [http://ch.dmoz.org/World/Deutsch/Medien/Radio/ Linksammlung] (dmoz)
- [http://www.shoutcast.com Online Internetradio streams (International)]
- [http://www.liveradio.de Online Internetradio streams (Deutsch)]
- [http://www.radio.ard.de/ ARD-Radio] & [http://www.freie-radios.de/ Freie Radios]
- [http://www.radionews.de/ Radionews]
- [http://www.radiovielfalt.de/ Radiovielfalt über Satellit (ADR, DVB, analog) unter anderem ]
- [http://www.ukwtv.de/sender-tabelle/index.html Senderliste UKW/MW/LW/DRM/DAB]
- [http://www.dra.de/ Deutsches Rundfunkarchiv]
- [http://www.drm-berlin.de/ Deutsches Rundfunkmuseum Berlin]
- [http://www.surfmusik.de Onlineportal für Freestreamradios]
- [http://www.radiopannen.de amüsante Radiopannen in Tonbeispielen]
!
Online-JournalismusOnline-Journalismus (auch Onlinejournalismus) bzw. Webjournalismus bezeichnet diejenige Form des Journalismus, welche im Internet betrieben wird. Im Wesentlichen werden die Dienste im World Wide Web angeboten, jedoch können auch solche Angebote dazu gezählt werden, welche auf anderen Wegen verbreitet werden (z.B. Newsletter per E-Mail)
Besonderheiten des Online-Journalismus
Viele Vorgänge im Online-Journalismus decken sich mit denjenigen im Offline-Journalismus: Selektion geeigneter Themen, Recherche, Produktion von Inhalten, Redigieren etc. Jedoch lassen sich wichtige Unterschiede finden: So besitzen Online-Medien keinen Redaktionsschluss, es sei denn er wird absichtlich gesetzt. Die Technik jedenfalls ermöglicht eine ständige Aktualisierung von Inhalten, einschließlich der Korrektur bereits publizierter Beiträge. Angebote des Online-Journalismus sind potenziell multimedial - zu jedem Thema kann die geeignete Darstellungsform (Bild, Ton, Film, Text) gewählt werden. Außerdem können prinzipiell beliebig viele Inhalte online gestellt werden (so viel eben produziert werden kann). Platz- bzw. Zeitbeschränkungen fallen, bis auf die Frage des Speicherplatzes und der Übertragungskapazität weg. Angebote des Online-Journalismus können als Hypertext abgelegt werden. Für den Nutzer der Angebote ergibt sich noch weniger als in klassischen Medien (z.B. Zeitung, Fernsehen) die Notwendigkeit der sequentiellen Nutzung - Film- und Tonbeiträge können nur in "einer Reihenfolge" genutzt werden; eine Zeitung oder Zeitschrift ermöglicht zumindest durch die Seitenfolge dem Nutzer, sich führen zu lassen. Online-Angebote dagegen sind in anderen Strukturen organisiert, z.B. hierarchisch oder netzförmig. Der Nutzer kann und muss selektiv auf die Inhalte zugreifen und sich einen eigenen Weg durch das Angebot suchen. Trotzdem bestehen innerhalb der Strukturen Möglichkeiten, Aufmerksamkeit des Nutzers zu lenken, etwa durch Platzierung auf besonders schnell zugänglichen Seiten.
Eine Sonderform, nämlich der partizipative Journalismus bzw. Graswurzel-Journalismus, bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit der Mitwirkung, womit der passive Rezipient in die aktive Rolle des Berichterstatters tritt. Hier wird oft unter Umgehung der Meinungsfilterung in den etablierten Medien direkt vom Ort des Geschehens berichtet und ermöglicht so tiefergehende Einblicke wie zum Beispiel bei der "Revolution in Orange" in der Ukraine.
Würdigung und Kritik des Online-Journalismus
Der Online-Journalismus bietet Chancen für publizistische Aktivitäten jenseits der etablierten Medien. Die Kosten der Erstellung einer Online-Publikation sind im Vergleich zu einem gedruckten Medium oder einem ausgestrahlten Rundfunkprogramm meist geringer. Damit besteht die Möglichkeit, Meinungen und Themen zu publizieren, welche in anderen Medien nicht aufgegriffen werden. Jedoch sind auch etablierte Medienunternehmen wie Zeitungs- und Zeitschriftenverlage und Rundfunkanbieter (öffentlich-rechtlich und privat) mit Online-Angeboten vertreten und verfolgen damit kommerzielle Zwecke. Auch eigens zum Betrieb journalistischer Online-Angebote gegründete Unternehmen verfolgen das Ziel der Erwirtschaftung von Gewinnen. Medienunternehmen aus der Offline-Welt streben also danach, ihr Publikum an ihr Online-Angebot zu binden, ihre (relative) publizistische und wirtschaftliche Macht auch online nutzbar zu machen. Erleichternd für ihren Markteintritt ist es, dass sie auf häufig auf größere, bezahlte Redaktionen zurückgreifen können. Oft können sie auch auf anderen Ressourcen zugreifen, etwa die Korrespondentennetze der Mutterhäuser, Recherchemöglichkeiten und nicht zuletzt ihren Ruf (z.B. als Qualitätszeitung). Unabhängige Anbieter versuchen sich als Gegenbewegung dazu zu etablieren oder Minderheiten mit speziellen Interessen zu bedienen, welche durch große kommerzielle Anbieter nicht versorgt werden. Die Themenvielfalt ist hierbei unüberschaubar.
Bei vielen onlinejournalistischen Angeboten wird kritisiert, dass die Möglichkeiten des Mediums (meist aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen) nicht vollständig ausgenutzt würden. So bestünde zu viele Angebote aus blankem Text bzw. aus Offline-Inhalten, welche nicht dem Ideal des Hypertext entsprächen. Auch die Möglichkeiten der Multimedialität, also die Wahl des jeweils geeigneten Kommunikationsmodus, werde unzureichend ausgeschöpft. Öfter wird jedoch die Hoffnung geäußert, dass breitbandige Internet-Zugänge Ton- und Filmdokumenten im Online-Journalismus entgegenkommen. Dagegen wird jedoch eingewandt, dass der erhöhte Aufwand beim Erstellen multimedialer Inhalte zugunsten der einfacheren Textform sprechen würden.
Eine andere Ebene der Kritik betrifft die Beschaffung der Inhalte. Hier wird der Begriff des "Copy and Paste"-Journalismus gebraucht, was bedeutet, dass zu oft Inhalte von Offline-Medien einfach in digitaler Form hinterlegt, dass Agenturmeldungen und Pressemeldungen (diese auch oft zu wenig geprüft) übernommen würden. In noch stärkerem Maße als bei Offline-Medien werden die Recherche vernachlässigt; insbesondere würden Internet-Quellen zu sehr überwiegen.
Bei allen neuen Möglichkeiten, die der Online-Journalismus bietet, muss jedoch bedacht werden, dass die Technik alleine noch keine sozialen Zwecke und auch nicht den gesellschaftlichen Platz eines Mediums definiert. Technik alleine ist immer nur ein Potential, ob diese in demokratischer, autoritärer oder repressiver Weise eingesetzt wird, wird nicht in der virtuellen Netzwelt, sondern durch die herrschenden Gesellschaftsstrukturen entschieden.
Schließlich wird bemängelt, dass journalistische Inhalte als "Füllmasse" für kommerzielle Internet-Portale diene, wo sie auf niedrigem Niveau, oft unter Vermischung mit kommerzieller Öffentlichkeitsarbeit, deren Attraktivität steigern oder einen Eindruck Seriosität erwecken sollen.
Siehe auch: Weblog, onlinejournalismus.de, Online-Redaktion, Online-Magazin
Weblinks
- [http://www.onlinejournalismus.de onlinejournalismus.de | das Magazin zum Thema]
- [http://www.onlinejournalismus.de/webwatch/index_10jahredossier.php Online-Journalismus: .dekade 1] Dossier von onlinejournalismus.de und politik-digital.de
- [http://www.oj.fh-darmstadt.de/ Studiengang Online-Journalismus an der FH Darmstadt]
- [http://www.online-redakteure.com/start/index.php Studiengang Online-Redakteur an der FH Köln]
- [http://www.ojr.org/ Online Journalism Review]
- [http://www.notebook-onlinejournalismus.de/ Notebook Onlinejournalismus]
- [http://www.cyberjournalist.net/ Cyberjournalist.net]
- [http://netzjournalist.twoday.net/ Netzjournalist]
Literatur
- Lind, Roland. Berufliches Selbstverständnis von Online-Redakteuren im Tagesjournalismus, Dipl.-Arb., Wien 2003
- Löffelholz, Martin/Quandt, Thorsten /Hanitzsch, Thomas/Altmeppen, Klaus-Dieter. Onlinejournalisten in Deutschland. Zentrale Befunde der ersten Repräsentativbefragung deutscher Onlinejournalisten. In: Media Perspektiven 10/2003, S. 477-486
- Neuberger, Christoph/Tonnemacher, Jan (Hg.). Online – Die Zukunft der Zeitung? Das Engagement deutscher Tageszeitungen im Internet. 2., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003
- Quandt, Thorsten. Journalisten im Netz. Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005
Kategorie:Journalismus
InfografikInfografik ist die Abkürzung für Informationsgrafik und bildet neben den beiden "klassischen" Disziplinen Text- und Bildjournalismus eine eigenständige journalistische Darstellungsform, die Informationen visuell aufbereitet. Die ausführenden Personen bilden die Berufsgruppe der Infografiker, die Infografiken erstellen.
Infografiken kommen ausschließlich in visuellen Medien zum Einsatz, vornehmlich in Printmedien wie Zeitungen, Illustrierten oder Magazine sowie im Fernsehen, sie spielen aber z. B. auch in Schul- und Lehrbüchern eine große Rolle. Inhalte sind immer klar abgrenzbare Sachinformationen wie Zahlenreihen, Größenverhältnisse, Ortslagen, Aufbau und Beteiligungen von Organisationen oder Konzernen, Entscheidungsabläufe, technische, biologische oder chemische Funktionsweisen, Anordnungen von Teilen oder Schichten u. ä. Die wichtigsten infografischen Elemente sind Säulen-, Balken-, Torten- oder Kurvendiagramme (z. B. Fieberkurve), geografische Karten bzw. Pläne aller Art (z. B. Straßenkarten oder Vogelfluglinien), Organigramme und Strukturgramme oder schematische Darstellungen (z. B. Querschnitte zur Veranschaulichung der
Funktionsweise eines Verbrennungsmotors oder zur Darstellung von Gesteinsschichten).
Infografik bemüht sich um eine möglichst objektive Vermittlung von Fakten und legt dabei großen Wert auf Klarheit, Genauigkeit und Anschaulichkeit. Geht es um die Weitergabe von Sachinformationen, sind Infografiken verständlicher und einprägsamer als andere Arten der Informationsvermittlung. Darin liegt die Stärke der Infografik und ihr Vorteil gegenüber den anderen journalistischen Disziplinen. Meinungen, Bewertungen, Einordnungen haben in einer Infografik keinen Platz. Sie gehören in einen Text ebenso wie das Beschreiben von Gefühlen. Das Aussehen von Gesichtern, Landschaften oder Kunstobjekten dagegen wird mit einer Fotografie am besten mitgeteilt.
Das Berufsbild eines Infografikers ist in Deutschland noch relativ jung. Infografiker kommen meist von Kunstuniversitäten oder Hochschulen für bildende Künste und haben dort ihren Abschluß gemacht. Auch Quereinsteiger haben bei entsprechender Kreativität eine Chance. Als Stammland der Infografik gelten gemeinhin die USA. Infografiken erlebten dort z. B. während des ersten Golfkriegs einen Boom. Da so gut wie keine Bilder zu bekommen waren, wurden Truppenbewegungen, Frontverläufe, Geländegewinne bzw. -verluste oder die Wirkungsweise von Waffen mittels Infografiken den amerikanischen Lesern und Fernsehzuschauern vermittelt. Als bekannter Infografiker gilt in Fachkreisen allerdings der Franzose Charles-Joseph Minard, der bereits im Jahre 1869 den Russlandfeldzug Napoleons 1812-1813 darstellte. Seine Infografik zeigt den schematischen Verlauf bis Moskau, die Abnahme der Truppenstärke sowie eine Abfolge der Temperaturen, denen die Soldaten während des Rückzugs im Winter ausgesetzt waren.
Infografiken werden meist auf Apple-Rechnern mit Vektorgrafikprogrammen wie z. B. Macromedia Freehand oder Adobe Illustrator erstellt. 3D-Computergrafik-Programme werden zunehmend eingesetzt. Diese haben aber das Manko, dass sie für tagesaktuelle Infografiken ungeeignet sind, da das Erstellen der Infografik erheblich zeitintensiver ist, als mit Vektorprogrammen. Dafür ist das optische Ergebnis dann aber auch entsprechend hochwertig. Pixel-Programme, wie z. B. Adobe Photoshop, werden innerhalb der Infografik meist nur als Zusatzinstrument benutzt, um die Infografik zusätzlich aufzuwerten.
Noch weitgehend unerforscht ist die Frage, inwieweit z. B. frühzeitliche Höhlenzeichnungen wie die im spanischen Altamira als Keimzelle der Infografik gelten könnten. So könnten dort nicht nur verschiedene Tierarten abgebildet worden sein, sondern auch Jagdtechniken, Jagdzeiten, Standorte bestimmter Herden etc.
Zeitungen, Illustrierte oder Magazine in Deutschland mit eigenem Infografik-Ressort sind z. B. Bild (Zeitung), Focus und Stern. Nachrichtenagenturen wie z. B. dpa haben ebenfalls eigene Infografiker.
Literatur
- Forster, Klaus; Stiemerling, Sabine; Knieper, Thomas: Wissensvermittlung durch animierte Infographiken: Ein Experiment. In: Thimm, Caja (Hg.): Netz-Bildung. Lehren und Lernen mit Onlinemedien in Wissenschaft und Wirtschaft. Frankfurt, New York: Peter Lang Verlag 2005, S. 75-100 (= Reihe Bonner Beiträge zur Medienwissenschaft, Bd. 4)
- Knieper, Thomas: Infographiken. Das visuelle Informationspotential der Tageszeitung. München: Verlag Reinhard Fischer 1995 (= Reihe Medien-Skripten; Bd. 23)
Kategorie:journalismus
PresseerklärungEine Presseerklärung ist eine für die Presse bestimmte schriftlich oder mündlich verbreitete Ankündigung oder Stellungnahme zu einem aktuellen Thema, z.B. eine Pressemitteilung oder ein Dementi.
Die Presseerklärung wird herausgegeben von der jeweiligen Institution, z.B. Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, politische Parteien und Gruppen, aber auch von PR- und Werbe-Agenturen oder Privatleuten. Die Nachrichtenagenturen sind Empfänger der Presseerklärung. Sie wird dann über die Kanäle der Massenmedien verbreitet und bei entsprechender Relevanz wird eine Nachricht daraus.
Siehe auch
Journalismus, Pressekonferenz, Pressesprecher
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Kommunikation
Kategorie:Öffentlichkeitsarbeit
Kategorie:presse
Interpretativer JournalismusAls Interpretativen Journalismus bezeichnet man eine Form des Journalismus, der durch Interpretation der aktuellen Ereignisse und Nachrichten sowie durch Erweiterung um Hintergrundinformationen dem Leser die Möglichkeit gibt, sich eine Meinung dazu zu bilden.
Im Unterschied zum Meinungsjournalismus, der zu den Themen selbst Stellung nimmt, versucht der interpretative Journalismus, objektiv zu berichten und daher mehrere Standpunkte zu zitieren. Der Journalist kann jedoch durch Auswahl und Ordnung dieser Standpunkte unterschwellig trotzdem eine bestimmte Meinung vertreten.
Geschichte
Der Interpretative Journalismus ist eine relativ neue Form des Journalismus. Er nahm seinen Anfang in den USA kurz nach dem Ersten Weltkrieg, als erste Zeitschriften erschienen, die tiefgründig über bestimmte Ereignisse zu berichten begannen. Populär wurden diese Magazine besonders nach der Weltwirtschaftskrise 1929, als viele Menschen über die Hintergründe dieser Krise informiert werden wollten. In den 1950er- und 1960er-Jahren etablierte er sich endgültig auch in Zeitungen, später auch im Radio und im Fernsehen. Heute ist er die dominierende und meistangesehene Form des Journalismus.
Ab den 1990er-Jahren vermischte sich der interpretative Journalismus insbesondere im World Wide Web mit dem Meinungsjournalismus, eine Tendenz, die auch die traditionellen Medien langsam erfasst.
Merkmale des Interpretativen Journalismus
Die Basis für den Interpretativen Journalismus bildet die Nachricht. Durch das Hinzufügen von erweiterten Informationen aus verschiedenen Quellen ergibt sich die Interpretation des Journalisten, die so objektiv wie möglich ist und dem Leser den Hintergrund des Ereignisses vermittelt.
Besonders wichtig im interpretativen Journalismus ist die Auswahl der Quellen. Ein hochwertiger interpretativer Artikel enthält Quellen diverser Art und vor allem von diversen Standpunkten. Eine wichtige Rolle spielen hier die Meinungen von in die Nachricht verwickelten Protagonisten, aber auch von Experten, die mit dem jeweiligen Thema vertraut sind.
Genres
Das Genre par excellance des interpretativen Journalismus in grafischen Medien - in Zeitungen und insbesondere in Zeitschriften - ist der Hintergrundbericht, auch background genannt. Er gibt einen chronologisch geordneten Überblick über die Entwicklung hin zu einem aktuellen Ereignis und zitiert dabei verschiedene Standpunkte, unter ihnen die von den Protagonisten des Ereignisses - z.B. Politikern - sowie von Experten und teilweise auch von anderen Journalisten. Abgerundet wird der Bericht durch Daten und Statistiken, sowie seit den 1980er-Jahren oft auch durch Grafiken, die die Ereignisse vereinfacht darstellen.
Die Reportage geht noch weiter als der Hintergrundbericht und bezieht persönliche Erfahrungen und Beobachtungen des Journalisten vor Ort mit ein. Damit bestehen Schnittpunkte zum Meinungsjournalismus. Sie beschreibt meist eher eine Situation als ein einzelnes Ereignis und ist daher deutlich komplexer.
Hintergrundberichte und - seltener - auch Reportagen werden oft von Kommentaren oder Kolumnen begleitet, die die Meinung der Journalisten oder von Experten zum Thema darstellen. Das audiovisuelle Pendant zu Hintergrundbericht und Reportage ist der Dokumentarfilm.
Das Interview ist die wichtigste Quelle für Hintergrundberichte und Reportagen. Im indirekten oder gemischten Stil bezieht es auch Hintergrundinformationen und persönliche Eindrücke des Journalisten mit ein. Der Unterschied zwischen beiden Formen ist, dass das Interview im indirekten Stil den Befragten nur durch Zitate zu Wort kommen lässt, während beim gemischten Stil der Journalist das für Interviews typische Frage-Antwort-Schema nur zeitweise durch weitere Informationen ergänzt.
Kategorie:Journalismus
KontextAls Kontext (lateinisch con-textus »Zusammenhang«, Plural: „Kontexte“) wird ein Zusammenhang oder Umfeld beispielsweise eines Wortes oder einer Handlung bezeichnet. Im Falle eines Wortes bezieht sich der Kontext auf das sprachliche Umfeld des Textes.
Im Rahmen der Diplomatik (Lehre der mittelalterlichen und frühzeitlichen Urkunden) wird als Kontext der Teil einer Urkunde bezeichnet, der zwischen den einleitenden und abschließenden Floskeln (Protokoll und Eschatokoll) eine allgemeine Einleitung (Arenga die Vorgeschichte der Urkunde (Narratio) und den eigentlichen Rechtssachverhalt (Dispositio) enthält sowie die Beglaubigungsmittel ankündigt (Corroboratio).
Kontext ist ein Fremdwort aus dem Lateinischen (contexo = zusammenweben, zusammensetzen; contextus = verflochten, fortlaufend).
Die Vorsilbe Kon heißt auf deutsch „zusammen“, das Wort text heißt so etwas wie Textur, auf deutsch übersetzt „das Gewebe“.
Siehe auch: Kontextualisierung, Szene, Umfeld, Sprache, Kultur, Konstruktivismus, Kontextmenü
Weblinks
- http://www.thomasgransow.de/Grundbegriffe/Kommunikation.htm
Kategorie:Literarischer Begriff
Kategorie:Historische Hilfswissenschaften
BerichtEin Bericht ist eine Form von Text, die einen Sachverhalt oder eine Handlung objektiv schildert. Der Bericht in seiner Reinform wird ohne Empfindungen und Meinungsäußerungen des Autors geschrieben.
Aufbau des Berichts
Damit der Bericht seinem Ziel, über ein Ereignis zu informieren, gerecht wird, müssen
die 7 so genannten "W-Fragen" beantwortet werden:
- Wer? Zum Beispiel Anton Müller
- Wo? Zum Beispiel in München
- Wann? Zum Beispiel um 15 Uhr
- Was? Zum Beispiel ein Autounfall geschah
- Wie? Zum Beispiel durch Missachtung der Verkehrsregeln
- Warum? Zum Beispiel durch Unaufmerksamkeit
- Welche Folgen? Zum Beispiel ein gebrochenes Bein
Die Reihenfolge, in der diese Fragen beantwortet werden müssen, ist beliebig. Jedoch müssen sie auf jeden Fall abgedeckt werden.
Die Zeitform des Berichts ist das Präteritum oder Imperfekt.
Der Bericht im Journalismus
Im Journalismus ist der Bericht ein sehr häufiges Genre mit vielfältigen Ausprägungen.
Live-Bericht
Im Fernsehen und Hörfunk ist der Live-Bericht die häufigste Form dieser Darstellungsform. Dabei wird von einem Ereignis aus zum selben Zeitpunkt berichtet, wie es geschieht. Verwandt ist der Live-Bericht mit dem Newsticker oder auch Live-Ticker im Online-Journalismus, auch wenn bei diesem eine zumindest minimale Zeitspanne zwischen Ereignis und Bericht vergeht. Dieser berichtet in sehr kurzen, meist nur einen Satz umfassenden Meldungen von einem wichtigen Ereignis und wird am häufigsten im Sportjournalismus verwendet, z.B. bei einem Fußballspiel.
Ereignisbericht
Der Ereignisbericht dokumentiert aktuelle Ereignisse aus Sicht eines anwesenden Journalisten (Reporter oder Korrespondent). Er ist eines der ältesten Genres des Journalismus überhaupt und hat seine Ursprünge in der Berichterstattung der Antike, in der wichtige Ereignisse, besonders Kriege, von Schreibern dokumentiert wurden.
Der Journalist hat in dieser Darstellungsform die Freiheit, das Ereignis aus seinem Sichtwinkel heraus zu beschreiben. Explizite Meinungsäußerungen und Stellungnahmen sind dagegen in diesem Genre nicht üblich (ausgenommen im Boulevardjournalismus und in der institutionellen Kommunikation, z.B. in Parteizeitschriften). Die Berichterstattung erfolgt in dieser Art des Berichts meist in chronologischer Reihenfolge, wobei das Thema je nach Bedarf kontextualisiert werden kann. Die Struktur dieser Art des Berichts ist frei, meist wird jedoch der Pyramidenaufbau verwendet.
Eine besondere Art des Ereignisberichts ist das Feature, ein Genre, bei dem ein bestimmter Themenkomplex anhand eines beispielhaften Ereignisses angesprochen wird. Features sind verwandt mit Reportagen, aber meist kürzer und auf das Beispielereignis beschränkt, während die Reportage die analysierte Situation anhand von mehreren Ereignissen beschreibt. Besonders häufig sind Features zu gesellschaftlich oder emotional interessanten Themen wie Armut, Katastrophen, Krankheiten etc. zu finden. Features sind vor allem im Fernsehen, aber auch im Radio (Radio-Feature) verbreitet, in Printmedien sind sie relativ selten.
Hintergrundbericht
Hintergrundberichte (background report) sind ein verbreitetes Genre, um nach interpretativer Art eine aktuelle Nachricht in ihren Kontext zu stellen und für den Leser, Hörer oder Zuschauer bekannter zu machen. Sie sind vor allem in den Printmedien und hier hauptsächlich in Zeitschriften (Nachrichtenmagazine) zu finden. Aber auch die meisten Zeitungen haben Hintergrundberichte mindestens für das Ereignis des Tages parat.
Der Hintergrundbericht hat folgende Elemente:
- Geschichte des Ereignisses oder des Themenkomplexes, in dem das Ereignis stattfand
- Daten, Statistiken und wichtige Dokumente
- neutrale Analysen des schreibenden Journalisten
- Zitate von beteiligten Personen, Experten und anderen Journalisten
Insofern ist der Hintergrundbericht mit dem Kommentar verwandt, im Gegensatz zu diesem zieht er jedoch keine Schlussfolgerungen und verfolgt nicht die Absicht, eine Meinung zu verbreiten, er ist also so neutral wie möglich gehalten. Wird eine Vorhersage für die Zukunft gemacht, so hält sich der Hintergrundbericht strikt an seine Quellen, besonders an die Zitate von Experten. Deswegen wird er im Gegensatz zum Kommentar auch nicht zum Meinungsjournalismus gezählt.
Typisch für Hintergrundberichte ist eine große Quellenvielfalt. Sie werden oft mit Interviews, Chroniken, Statistiken und Analyse-Kolumnen ergänzt.
Der Bericht in der Informatik
Ein Bericht in der Informatik ist etwas Ähnliches wie ein Serienbrief. Im Gegensatz zum Serienbrief, wo es meistens nur die Möglichkeit gibt einzelne Felder aus einer Tabelle oder Abfrage in ein Steuerdokument zu übernehmen, sind die Möglichkeiten in einem Bericht meistens weitreichender.
So können nicht nur Felder in den Detailbereich übernommen werden, sondern es gibt auch noch Möglichkeiten Detailbereiche zu gruppieren. Für den Detailbereich, die Gruppen und den gesamten Bericht aber auch für die Seiten können Kopf- und Fußbereiche festgelegt werden, in denen auch wieder Daten der Abfrage oder Tabelle und auch der Gruppierung eingefügt werden können.
Ein Beispiel für einen Bericht ist [http://de.wikipedia.org/w/wiki.phtml?title=Spezial:Recentchanges&printable=yes letzte Änderungen] in Wikipedia.
Die Erstellung von Berichten ist meistens mit Bordmitteln einer Datenbank (eines Datenbankmanagementsystems) möglich, es gibt aber auch spezielle Software zum Erstellen von Berichten die als Reportgenerator bezeichnet wird.
Siehe auch
- Augenzeugenbericht
- Berichtswesen (Controlling)
Kategorie:Journalismus
Kategorie:Angewandte_Informatik
Kategorie:Begriffsklärung
KommentarDas Wort Kommentar bezeichnet
- im Allgemeinen die schriftlich oder mündlich kundgetane Meinung zu einem Sachverhalt
- im Journalismus die persönliche, namentlich gekennzeichnete Meinung eines Autors. Obwohl es unter Experten kontroverse Meinungen zu Stil und Form des Kommentars gibt, kristallisiert sich heraus: Im ersten Satz hat der Kommentator glaskar zu sagen, was er kommentieren will, zu welcher "Sache" er sich zu Wort meldet. Danach sollte sofort die Meinung des Verfassers ebenso klar ausgedrückt werden. Im Folgenden sollten drei bis fünf stichhaltige Argumente für diese Meinung angeführt werden, die womöglich die Leserschaft überzeugen. Dann wird noch einmal die Meinung wiederholt und ein möglicher Ausblick gewagt.
Der Verfasser versucht den Leser mit Argumenten sowie logischer Beweisführung zu überzeugen. Im Kommentar wird ein Standpunkt vertreten und der Leser kann damit einverstanden sein oder nicht. Er kann verschiedene Meinungen nebeneinander stellen und die Sache von verschiedenen Seiten beleuchten und Hintergründe erläutern. Ein Kommentar soll
# das Ereignis erklären und deuten,
# dazu Stellung nehmen durch Zustimmung oder Ablehnung,
# mit vorangegangenem oder anderem Geschehen vergleichen,
# Verbesserungsvorschläge machen,
# Voraussagen wagen.
Sonderformen des Kommentars sind der Leitartikel und die Glosse.
- in der Rechtswissenschaft ein umfassendes schriftliches Werk zur Erläuterung von Gesetzestexten, siehe Gesetzeskommentar
- in der Programmierung ein Annotation innerhalb von Programmier- und Auszeichnungssprachen, siehe Kommentar (Programmierung)
- in der Unified Modeling Language eine Annotation für Modellelemente, siehe Kommentar (UML)
MeinungsjournalismusAls Meinungsjournalismus bezeichnet man eine Form des Journalismus, in dem klar Stellung zu bestimmten Themen bezogen wird. Er unterscheidet sich damit vom interpretativen Journalismus, der mehrere Standpunkte zitiert, um dem Leser zu ermöglichen, sich seine eigene Meinung zu bilden.
Der Meinungsjournalismus war die Ursprungsform des Journalismus und beherrschte bis zum Ersten Weltkrieg die Medienwelt. Heute hat er insbesondere nach dem Aufstieg des interpretativen Journalismus ab den 1950er Jahren etwas an Boden verloren, er nimmt jedoch weiterhin seinen Platz in den Medien ein.
Merkmale des Meinungsjournalismus
Der Meinungsjournalismus verwendet den argumentative Schreibweise, die auf klaren Argumenten basiert, mit denen der Journalist den Leser zu überzeugen versucht. Argumente können vielfältiger Natur sein: Daten, Entwicklungen, Zitate von Autoritäten (z.B. Experten), Statistiken oder eigene Beobachtungen. Sie werden benutzt, um die These des schreibenden Journalisten zu stützen und seine Schlussfolgerungen plausibler zu machen.
In der Regel stellt der Journalist in einem Meinungsartikel zunächst seine These auf, stützt sie dann mit Hilfe von Argumenten und kommt schließlich zu einer Schlussfolgerung, die die These erweitert und inhaltlich abschließt. Ausnahmen von dieser Regel sind freiere Genres wie Chronik und Kolumne (siehe unten).
Genres
Das häufigste Genre des Meinungsjournalismus ist der Kommentar. Er nimmt Stellung zu einem spezifischen, aktuellen Thema und begleitet eine Nachricht oder einen Bericht. Kommentare findet man sowohl in grafischen Medien (insbesondere in Zeitungen und Online-Medien, weniger in Zeitschriften), als auch im Radio und in etwas geringeren Maße im Fernsehen, wo er meist Teil von Magazin-Sendungen ist. Der Kommentar wird von einem spezifischen Journalisten firmiert, der sich in Text oder Bild klar zu erkennen gibt. Einen kurzen, in satirisch- | | |