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Kyrillische Alphabet

Kyrillische Alphabet

Hinweise zur Schreibweise kyrillischer Namen in der Wikipedia finden sich in den Kyrillisch-Namenskonventionen. ---- Das kyrillische Alphabet (Asbuka, Azbuka) ist eine Buchstabenschrift, die für zahlreiche, vor allem slawische Sprachen in Europa und Asien verwendet wird. Sie ist nach Kyrill von Saloniki benannt. Kyrill von Saloniki]]

Geschichte

Kyrill von Saloniki (rot)]] Die Schriftzeichen wurden im 10. Jahrhundert am Hof des bulgarischen Zaren Simeon des Großen durch Clemens (Kliment) von Ohrid, einen Schüler Kyrills von Saloniki, entwickelt. Die meisten Buchstaben wurden aus dem griechischen Alphabet (in seiner byzantinischen Schriftform) übernommen oder abgeleitet. Für Laute, die im Griechischen nicht vorkamen, wurden Zeichen aus der glagolitischen Schrift (Glagolica) verwendet, die etwas früher vom griechischen Mönch Konstantin, der später den Namen Kyrill annahm, entwickelt worden war. Nach ihm wurde die kyrillische Schrift benannt, obwohl sie sich sehr von der glagolitischen Schrift unterscheidet. Funktionale Bedeutung hatte die kyrillische Schrift für den bulgarischen König, um in einfacher Weise slawische Sprachen abzubilden und Bibelübersetzungen anzufertigen, um die christliche Missionierung seines Vielvölkerstaates und umliegender Territorien voranzutreiben, zu dem größere Gebiete in der heutigen Ukraine, in Serbien, Kroatien, Rumänien, Moldawien und Russland gehörten. Dadurch verstand sich Bulgarien als neuer Zweig des orthodoxen Christentums in der Rivalität zu Byzanz und übte großen politischen Einfluss bis Ende des 14. Jahrhunderts aus. Auch heute ist der 24. Mai offizieller Feiertag in Bulgarien, er ist Kyrill und dem von ihm geschaffenen Alphabet gewidmet. Die ursprünglich einheitliche Schrift hat in den verschiedenen Sprachen, die das Kyrillische nutzen, teilweise unterschiedliche Entwicklungen genommen. Die der Ausgangsform am nächsten kommende Variante findet sich im Kirchenslawischen wieder. Mehrere Buchstaben der alten kyrillischen Schrift werden heute nicht mehr verwendet. Das heutige Buchstabeninventar der einzelnen Sprachen wird in den Artikeln zu den jeweiligen Sprachen behandelt. Um 1700 wurde die kyrillische Schrift im Russischen Reich im Zuge der Reformen Peters des Großen vereinfacht und optisch an die lateinische Schrift angepasst. Diese latinisierten Buchstabenformen, die zur Unterscheidung von der kirchenslawischen Schrift als Bürgerliche Schrift bezeichnet wurden, wurden zur Grundlage der normativen Orthographie des Russischen. In der Folge fanden sie unter russischem Einfluss auch in den außerhalb des Russischen Reiches gelegenen Regionen Verbreitung, in denen die kyrillische Schrift verwendet wurde. Im 19. Jahrhundert erhielten auch das Bulgarische und das Serbische eine normierte kyrillische Orthographie. Während die bulgarische Kyrilliza sich in der Form der Buchstaben weitgehend an die russische anlehnte und in der Orthographie zunächst zum großen Teil etymologischen Kriterien folgte, wurde die serbische Kyrilliza durch Vuk Karadžić radikal reformiert, um eine konsequent phonologische Schreibweise des Serbischen zu ermöglichen. Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde auch die kyrillische Orthographie des Ukrainischen und das Weißrussischen einheitlich normiert, wobei die Alphabete dieser Sprachen jeweils viele Gemeinsamkeiten, aber auch einige Abweichungen von dem des Russischen aufweisen. Während und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde schließlich in Jugoslawien ein eigenes, vorwiegend dem Vorbild des Serbischen folgendes kyrillisches Alphabet für das Mazedonische normiert. Für das Rumänische, eine romanische Sprache, die in einem Land überwiegend orthodoxen Glaubens gesprochen wird und seit dem 16. Jahrhundert kyrillisch geschrieben worden war, wurde hingegen 1865 das kyrillische Alphabet zugunsten des lateinischen abgeschafft. Durch die russische Rechtschreibreform von 1918 wurde die kyrillische Schreibweise des Russischen erneut reformiert, wobei einige infolge der Lautentwicklung nicht mehr notwendige Schriftzeichen abgeschafft wurden. Eine ähnliche Reform erfolgte nach dem Zweiten Weltkrieg für das Bulgarische. Die Schreibweise der übrigen kyrillisch geschriebenen slawischen Sprachen hat sich hingegen seit ihrer ersten modernen Normierung, die bereits zum großen Teil phonologischen Kriterien folgte, nicht mehr wesentlich verändert. Bereits zur Zeit des Zarenreiches wurde das kyrillische Alphabet zur erstmaligen Verschriftlichung einiger kleinerer Sprachen in den zu diesem gehörenden Gebieten Osteuropas und Sibiriens genutzt. Zu sowjetischer Zeit wurde in den 1920er und beginnenden 1930er Jahren zunächst das lateinische Alphabet als Mittel zur Verschriftlichung von Sprachen propagiert, die bisher schriftlos waren oder zuvor das von offizieller Seite als rückständig angesehene arabische oder das mongolische Alphabet vewendet hatten. Ende der 1930er Jahre wurde dann jedoch die Orthographie aller dieser Sprachen auf das kyrillische Alphabet umgestellt. Von der allgemeinen Einführung der Kyrilliza für die Sprachen der Sowjetunion ausgenommen blieben lediglich das Armenische und das Georgische, die ihre eigenen traditionellen Schriften beibehielten, sowie die Sprachen der baltischen Republiken und von Minderheitengruppen mittel- oder westeuropäischer Herkunft, die weiterhin in lateinischer Schrift geschrieben wurden. Nach dem Vorbild der Sowjetunion führte auch die Mongolische Volksrepublik die kyrillische Schrift ein. Zur Schreibung der nichtslawischen Sprachen der Sowjetunion wurde das kyrillische Alphabet in der für das Russische üblichen Form in den meisten Fällen um weitere, meist neugeschaffene Buchstaben erweitert, um alle Laute der jeweiligen Sprache wiedergeben zu können.

Heutige Verbreitung

Heute werden Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Bulgarisch, Serbisch, Mazedonisch und das moderne Kirchenslawisch sowie zahlreiche weitere Sprachen in Osteuropa, Sibirien, dem nördlichen Kaukasus und Zentralasien (unter anderem Kasachisch, Kirgisisch, Mongolisch und Tadschikisch) mit kyrillischen Zeichen geschrieben. Die Alphabete der einzelnen Sprachen sind im Wesentlichen gleich und unterscheiden sich nur durch einige wenige Zeichen. Manche Sprachen verwenden Sonderzeichen (ähnlich den Umlauten in der lateinischen Schrift). Allerdings werden in der kyrillischen Schrift im Gegensatz zur Lateinschrift nur selten beigefügte Akzente, Punkte, Cedillen oder ähnliches verwendet, sondern eher ganz neue Buchstabenformen eingeführt. Die kirchenslawische Schrift enthält eine ganze Reihe von Zeichen, die in den modernen Schriften nicht mehr üblich sind.

Kursive und nicht-kursive Formen

Eine Besonderheit des kyrillischen Alphabets besteht darin, dass sich die kursiven Formen der Kleinbuchstaben teilweise stark von den aufrechten Formen unterscheiden, etwa vergleichbar dem unterschiedlichen Erscheinungsbild der Majuskeln und Minuskeln des lateinischen Alphabets (wohingegen die kyrillischen Minuskeln meist wie kleinere Versionen der entsprechenden Majuskeln aussehen). Im Bulgarischen und Serbischen werden diese alternativen Formen oft auch für die aufrechte Schrift verwendet – was regelmäßig zur Ratlosigkeit von Touristen führt, da in Deutschland gedruckte Lexika fast immer nur die Standard-Druckschrift verwenden. Die folgende Tabelle gibt die Unterschiede zwischen kursiver und nicht-kursiver kyrillischer Druckschrift wieder. Zeichen, die erfahrungsgemäß dem unerfahrenen Leser Probleme bereiten können, sind hervorgehoben. Verwirrung ergibt sich typischerweise, weil der kursive Kleinbuchstabe völlig anders aussieht als der nichtkursive (z. B. г), und/oder weil der kursive Kleinbuchstabe dasselbe oder fast dasselbe Schriftbild aufweist wie ein lateinischer Kleinbuchstabe mit völlig anderem Lautwert (z. B. u, m, n, w). Hier eine alternative Abbildung, falls der Browser kursive kyrillische Schrift nicht korrekt unterstützt

Wiedergabe mit lateinischen Buchstaben

Für die graphische Wiedergabe der kyrillischen Schrift mit lateinischen Buchstaben gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: #die wissenschaftliche Transliteration, für die es eine internationale Norm gibt, die graphisch auf dem Tschechischen beruht. #die Transkription, für die jede Kombination von Ausgangs- und Zielsprache jeweils ihre eigene Norm hat. Bei der Transkription wird versucht, mit den in den einzelnen Zielsprachen vorhandenen Möglichkeiten zur graphischen Darstellung von Lauten möglichst nahe an die Aussprache in der Ausgangssprache (Russisch, Bulgarisch, Ukrainisch usw.) heranzukommen. #im Serbischen bietet sich außerdem die Verwendung der offiziellen lateinschriftlichen Schreibung an, da in dieser Sprache beide Schriften gleichberechtigt nebeneinander stehen. In der Literatur und der Tagespresse findet man oft falsche Transkriptionen, die aus Unkenntnis der russischen Sprache (oder einer anderen Sprache mit kyrillischen Buchstaben) entstanden sind. Da eine exakte Wiedergabe der Aussprache ohne Kenntnis der Originalsprache oft auch gar nicht möglich ist, sollte man beim Schreiben von Texten – je nach Zielgruppe – entweder die genau definierte wissenschaftliche Transliteration, die eine exakte Rückübertragung in kyrillische Buchstaben ermöglicht, oder die offizielle Transkription der jeweiligen Zielsprache (also Deutsch, Englisch usw.) verwenden. Eine Besonderheit bei der Transliteration und Transkription stellt das Serbische dar, da es offiziell in beiden Schriften, das heißt Lateinschrift und kyrillischer Schrift, geschrieben wird. Daher sollte man hier für die Umschreibung immer die offizielle lateinschriftliche Variante verwenden. Für das Mazedonische hat sich aufgrund der langen Zugehörigkeit des Landes zu Jugoslawien ebenfalls eine an die serbische und kroatische Lateinschrift angelehnte Transliteration und Transkription eingebürgert. In Weißrussland ist neben dem kyrillischen Alphabet auch eine lateinische Umschrift (Łacinka) verbreitet, die an das Polnische angelehnt ist. Diese hat jedoch derzeit keinen offiziellen Status und wird zur Transkription des Weißrussischen in fremdsprachigem Kontext nur selten verwendet

Beispiele für die Transliteration/Transkription von Namen

Rechts vom Schrägstrich: bei Deutsch DDR-Transkriptionen, bei Transliteration die strengere, neuere ISO, die jedem kyrillischen genau ein lateinisches Zeichen zuordnet.

Kirchenslawisches kyrillisches Alphabet

Die Buchstaben des alten kyrillischen Alphabets werden in Kirillica Nova wie folgt dargestellt:
AzuBukyWiediWiediDobroJestiSchivieteDseloSemliaIscheIKakoLiudijeMysliteNaschiOnuPokoiKoppaRiziSlowoTwridoUkuFrituChieruOtuZiTschriwiSchaSchtaJeruJeryJeriJatiJuJaJussu MaliJussu Mali JotirowaniJussu BolschiJussu Bolschi JotirowaniXiPsiFitaIschizaIschiza OkowiJeDierwTwrido OtuO

Erscheinungsformen in einzelnen modernen Sprachen

Bulgarisch

Hinweise:
1. Der Duden nennt sch als herkömmliche Transkription, da ein „stimmhafter Sch-Laut“ (wie in „Journal“) im Deutschen nicht eindeutig und verständlich mit Buchstaben ausgedrückt werden könne. Die als zweite Variante im Duden genannte und in der DDR übliche Transkription sh (als Unterscheidung zum stimmlosen sch) wird von einigen als Notbehelf angesehen, da sie nur von Menschen mit Kyrillisch-Kenntnissen verstanden und richtig ausgesprochen würde, andere argumentieren jedoch, eine Unterscheidung sei durchaus sinnvoll und solle auch in der Transkription wiedergegeben werden.
2. Falls die kyrillische Buchstabenverbindung кс aus einem griechischen oder lateinischen x hervorgegangen ist, wird oftmals bei der „Rücktranskription“ wieder ein x benutzt. Bei Namen wie Alexandra, die auch in lateinisch-schriftlichen Regionen als Aleksandra existieren, kann jedoch keine allgemein empfehlenswerte Transkription erfolgen.
3. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache gewöhnlich ss.
4. Gelegentlich wird auch H bzw. h verwendet.
5. Gelegentlich wird auch  (Â) bzw. â (â) verwendet. Man beachte, dass dieser Buchstabe im Bulgarischen ein normaler Vokalbuchstabe ist, nicht ein Härtezeichen wie im Russischen.
6. Früher war auch die Transkription mit u gebräuchlich.
7. Weichheitszeichen: Kommt nur vor den Vokalen и und о vor und wird am besten mit ji und jo transkribiert, statt einen Apostroph zu benutzen.
8. In Bulgarien wird regelmäßig mit В в -> V v latinisiert, da dies für die meisten Sprachen mit lateinischem Alphabet eindeutiger ist. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurde silbenauslautendes , vor allem in den Endungen -ов und -ев, oft als -ff transkribiert; diese Transkription ist heute nicht mehr üblich.

Kasachisch

Die mit
- gekennzeichneten Buchstaben kommen gewöhnlich nur in jüngeren Fremdwörtern russischer Herkunft vor.
1: Am Wortanfang und nach Vokal je, nach Konsonant e.
2: Am Wortende und vor folgendem Konsonanten I i, vor folgendem Vokal J j.
3: Zwischen Vokalen ss, sonst s.
4: U u nach vorangehendem Vokal, Û û nach vorangehendem Konsonanten.
5: Nur am Wortanfang oder nach Vokal.

Mazedonisch

Hinweise:
1. In den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens ist auch die am serbischen und kroatischen Lateinalphabet orientierte Transkription Đ (Đ) đ (đ) üblich …
2. … ebenso Ć (Ć) ć (ć).
3. In Unicode gibt es aus Kompatibilitätsgründen für die Digraphen eigene Codes, die aber nur in Ausnahmefällen verwendet werden sollten: DZ (DZ) oder Dz (Dz) dz (dz); LJ (LJ) oder Lj (Lj) lj (lj); NJ (NJ) oder Nj (Nj) nj (nj); DŽ (DŽ) oder Dž (Dž) dž (dž).

Mongolisch

Russisch

Hinweise:
1. Nach russ. Vokalen, am Wortanfang und nach ь sowie ъ wird mit je bzw. Je (engl. ye bzw. Ye) transkribiert, sonst mit e. Beispiel: Ельцин -> Jelzin. Wenn im Russischen für Е е auch Ё ё geschrieben werden kann, wird Е е wie Ё ё wiedergegeben.
2. Nach russ. Vokalen, am Wortanfang, nach den meisten Konsonanten und nach ь sowie ъ wird mit jo bzw. Jo transkribiert; nur nach ж (sch/sh), ч (tsch), ш (sch), und щ (schtsch/stsch) jedoch mit o. Beispiel: Горбачёв -> Gorbatschow
3. Der Duden nennt sch als herkömmliche Transkription, da ein „stimmhafter Sch-Laut“ (wie in „Journal“) im Deutschen nicht eindeutig und verständlich mit Buchstaben ausgedrückt werden könne. Die als zweite Variante im Duden genannte und in der DDR übliche Transkription sh (als Unterscheidung zum stimmlosen sch) wird von einigen als Notbehelf angesehen, da sie nur von Menschen mit Kyrillisch-Kenntnissen verstanden und richtig ausgesprochen würde, andere argumentieren jedoch, eine Unterscheidung sei durchaus sinnvoll und solle auch in der Transkription wiedergegeben werden. In der Wikipedia wird jedoch aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibung mit sch verwendet.
4. Der Duden schreibt: „й wird nach и und nach ы nicht wiedergegeben“ und „й = i am Wortende sowie zwischen russischem Vokalbuchstaben und russischem Konsonantenbuchstaben“. Beispiele: Горький -> Gorki, Андрей -> Andrei, Чуйков -> Tschuikow.
5. Der Duden schreibt vor, dass „in allen Fällen“ кс als x transkribiert werden soll. In der Wikipedia wenden wir diese Regel nur dann an, wenn es um Wörter griechischen oder lateinischen Ursprungs geht (Алексей -> Alexei), in echt russischen Wörtern wie etwa dem Ortsnamen Выкса wird die Schreibung mit ks verwendet (also Wyksa).
6. Härtezeichen: Hebt die Palatalisierung des voranstehenden Konsonanten auf. Wird i. A. nicht transkribiert. Siehe aber 1.
7. Weichheitszeichen: Palatisiert den vorangegangenen Konsonanten. Wird im Allgemeinen nicht transkribiert, da die Ausspracheunterschiede für Nicht-Sprachkundige kaum auffallen und ein Apostroph im Wort den Lesefluss nur erschwert. Beispiel: Gorki statt Gor'ki. Ausnahmen sind die Verbindungen ьи und ьо, die als ji bzw. jo transkribiert werden.
8. In der Genitivendung der Adjektive -ого/-его jedoch (im Einklang mit der Aussprache) w: -owo/-(j)ewo.
9. In der DDR war auch die Transkription stsch üblich.
10. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache gewöhnlich ss.
11. Siehe aber Ь ь und 7.

Serbisch und Bosnisch

Hinweise:
1. Kann bei typographischen Problemen auch durch Dj bzw. dj ersetzt werden.
2. Werden auch in lateinischer Schreibweise als jeweils nur ein Buchstabe betrachtet.

Tschetschenisch

Hinweise:
1. U am Silbenende nach е, э und o.
2. Je am Wortanfang, im Silbenanfang nach Vokal, nach й, ъ und nach ь.
3. O in russischen Lehnwörtern nach ж, ч, ш und щ.
4. Ji in russischen Lehnwörtern nach ь.
5. Zwischen Vokalen ss, sonst s.

Ukrainisch

Hinweise:
1. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache auch ss.
2. Weichheitszeichen, nur nach Konsonanten; ein Großbuchstabe existiert nicht; palatisiert den vorangehenden Konsonanten; in der Transliteration j vor o, sonst (im Auslaut und vor Konsonanten) „'“; in der Transkription j vor o, sonst nicht wiedergegeben.
3. nur zwischen labialem Konsonanten und j + Vokal; in der Transkription gewöhnlich nicht wiedergegeben.

Weißrussisch

Hinweise:
1. Nach weißruss. Vokalen, am Wortanfang und nach ь wird mit je bzw.Je transkribiert, sonst mit e. Beispiel: Ельцін -> Jelzin.
2. Im Englischen entsprechend mit ye bzw. Ye
3. Der Duden nennt sch als herkömmliche Transkription, da ein „stimmhafter Sch-Laut“ (wie in „Journal“) im Deutschen nicht eindeutig und verständlich mit Buchstaben ausgedrückt werden könne. Die als zweite Variante im Duden genannte und in der DDR übliche Transkription sh (als Unterscheidung zum stimmlosen sch) wird von einigen als Notbehelf angesehen, da sie nur von Menschen mit Kyrillisch-Kenntnissen verstanden und richtig ausgesprochen würde, andere argumentieren jedoch, eine Unterscheidung sei durchaus sinnvoll und solle auch in der Transkription wiedergegeben werden. In der Wikipedia wird jedoch aus Gründen der Einheitlichkeit die Schreibung mit sch verwendet.
4. Zwischen Vokalen zur Kennzeichnung der stimmlosen Aussprache gewöhnlich ss.
5. Weichheitszeichen: Palatalisiert den vorangegangenen Konsonanten. Wird im Allgemeinen nicht transkribiert, da die Ausspracheunterschiede für Nicht-Sprachkundige kaum auffallen und ein Apostroph im Wort den Lesefluss nur erschwert. Ausnahmen sind die Verbindungen ьі und ьо, die als ji bzw. jo transkribiert werden.
6. Am Wortanfang oder nach Vokal benutzt Łacinka ja, je, jo, ju für я, е, ё, ю, nach Vokal auch ji für і.
7. Nach Konsonant außer Л л (L l) benutzt Łacinka ia, ie, io, iu für я, е, ё, ю.
8. Nach Л л fällt in Łacinka j bzw. i von я, е, ё, ю weg: a, e, o, u.
9. In Łacinka werden die palatalisierte Konsonanten bezeichnenden Buchstaben mit Akutakzent versehen, wenn sie vor einem anderen Konsonanten oder am Wortende stehen: Дзь дзь = Dź dź; Зь зь = Ź ź; Нь нь = Ń ń; Сь сь = Ś ś; Ць ць = Ć ć. Das L hingegen erhält standardmäßig den Schrägstrich und verliert ihn, wenn in der Kyrilliza ein Weichheitszeichen oder einer der Vokalbuchstaben і, я, е, ё, ю folgt: Л л = Ł ł; Ль ль = L l.

Buchstabieralphabet

Zeichenkodierung

Kyrillisch ist in Unicode in den Bereichen U+0400-U+04FF (Cyrillic) und U+0500-U+052F (Cyrillic Extensions, zur Zeit nur belegt mit speziellen Schriftzeichen für Komi) alloziert. Der Bereich Cyrillic ist weiter unterteilt in
- U+0410-U+044F Basic Russian Alphabet
- U+0400-U+040F und U+0450-U+045F Cyrillic Extensions
- U+0460-U+0481 Historic Letters
- U+0482-U+0489 Historic Miscellaneous
- U+048C-U+04F9 Extended Cyrillic Die verbreitetesten 8-Bit-Kodierungen für Kyrillisch sind ISO 8859-5, Microsoft Codepage 1251, Apple MacCyrillic, KOI8-R und KOI8-U. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Kodierung kyrillischer Zeichen in Unicode, als numerische Zeichenreferenzen (HTML, SGML, XML) und in den 8-Bit-Kodierungen.

Tag der kyrillischen Schrift

Der Tag der kyrillischen Schrift ist der 24. Mai, in Bulgarien ist er offizieller Feiertag. An diesem Tag werden traditionell am Denkmal für Kyrill und Method vor der Bulgarischen Nationalbibliothek Blumen niedergelegt, auch in Moskau auf dem Slawjanskaja-Platz in der Nähe des Kreml, wo sich ebenfalls ein Denkmal befindet, in vielen Kirchen werden Gottesdienste abgehalten.

Weblinks


- [http://vonRauch.de/compslav/translit.html Transliterations- und Transkriptionstabelle sowie MS-Word-Makro zur Transliteration und Konvertierung]
- [http://transliteration.eki.ee/ Transliteration of Non-Roman Scripts] – Umfangreiche Sammlung von Transliterationsvorschriften für verschiedene Sprachen und Alphabete
- Unicode Code Charts: [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0400.pdf Cyrillic] (PDF), [http://www.unicode.org/charts/PDF/U0500.pdf Cyrillic Supplement] (PDF)
- [http://www.lorem-ipsum.info/_russian Typografischer Blindtext-Generator für Russisch]
- [http://tastatur.da.ru/ Russische Tastaturbelegung für deutsche Tastaturen]
- [http://vonRauch.de/kbd/kyrde.html Win2k/XP-Tastaturlayout für mehrere kyrillische Alphabete in Unicode] (auf der Grundlage der deutschen Standardtastatur)
- [http://ncnever.free.fr/translit/ Direkte Transliteration Lateinisch ↔ Russisch]
- [http://www.christianherta.de/kyrillisch.html Kyrillisch unter KDE-Linux - Perl-Skript zur Transliteration von Russisch in die deutsche Transliteration] Kategorie:Alphabet Kategorie:Slawische Sprache als:Kyrillisches Alphabet ja:キリル文字 ko:키릴 문자 th:อักษรซีริลลิก

Wikipedia:Namenskonventionen/Kyrillisch

Dieser Artikel gibt Empfehlungen für den Umgang mit kyrillischen Schriftzeichen in Zusammenhang mit Artikelnamen innerhalb der de-Wikipedia.

Formatierung

Idealerweise führt man beim ersten Auftreten eines Namens dessen Originalschreibweise in kyrillischen Zeichen auf. Ergänzend zur Formatvorlage Biografie hat es sich als üblich herausgestellt, einen Artikel folgendermaßen zu beginnen, um die kyrillische Schrift einzubinden: Hierbei sollte insbesondere darauf geachtet werden, die kyrillischen Zeichen mit dem Doppelapostroph kursiv zu setzen. Fälschlich wird dies vergessen, oder es werden stattdessen Anführungszeichen benutzt. Ein Doppelpunkt nach „russisch“ sollte nicht gesetzt werden.

Transkription

Die Transkription kyrillischer Zeichen richtet sich stets nach den im Artikel Kyrillisches Alphabet vorgegebenen Regeln, und zwar denen der deutschen Transkription (im Gegensatz zur wissenschaftlichen Transliteration, die in der Wikipedia nicht verwendet wird). Anmerkungen
- Die grauen mit
- markierten Felder geben an, dass es den betreffenden Buchstaben in der jeweiligen Sprache nicht gibt.
- Es gibt einige Sonderregeln, vor allem für das Weichheitszeichen (ь als Jot, Apostroph oder gar nicht), das kurze I (й als I, Jot oder gar nicht) sowie е und ё (mit oder ohne Jot vor E bzw. O). Siehe dazu unten oder die Fußnoten des jeweiligen Abschnittes in Kyrillisches Alphabet.
- Die vor allem in der DDR üblich gewesene Umschrift von ж als sh, um den im Deutschen nicht vorhandenen stimmhaften Sch-Laut anzuzeigen, und щ als stsch wird in der Wikipedia nicht verwendet.
- Zwischen Vokalen wird с als ss statt s transkribiert.
- Die Sprachen des ehemaligen Jugoslawien haben feste Zuordnungen zwischen lateinischer und kyrillischer Schreibung, weswegen auf eine eigene deutsche Transkription verzichtet wird.

Transkriptionsfehler

Fremde Transkriptionen

Laien verwechseln oft die deutsche mit einer anderen, meist der englischen, Transkription. Unter anderem kommt es dabei oft zu folgenden Fehlern:
- y statt j (fälschlich Yeltsin statt Jelzin)
- v statt w (fälschlich Antonov statt Antonow)
- ch statt tsch (fälschlich Ivanovich statt Iwanowitsch)
- kh statt ch (fälschlich Mikhail statt Michail)
- sh oder zh statt sch (ältere Transkription Shukow oder fälschlich Zhukov statt Schukow) Eine Weiterleitung mit der englischen Transkription sollte eingerichtet werden, da es hier immer wieder zu Verwechslungen kommt und dadurch das Mehrfachanlegen eines Artikels verhindert wird. Mehr dazu im Abschnitt über Sonderzeichen im Wikipedia-Umleitung-Artikel. Beachtet werden sollte aber, dass es in sehr seltenen Fällen auch sinnvoll sein kann, eine fremde, etwa die englische oder französische, Transkription zu verwenden. Diese ist meist dann üblich, wenn Personen aus Staaten mit kyrillischer Schrift ausgewandert sind, im Ausland zu Ruhm kamen, dort ihren Namen in der Landessprache transkribierten und diese Transkription auch im deutschen Sprachraum verwendeten. In solch seltenen Fällen sollte aber ebenfalls ein Artikel mit der deutschen Transkription angelegt werden, diesmal als Wikipedia-Umleitung.

Alte Transkriptionen

Früher übliche Transkriptionen führten zu Namen wie Antonoff. In der Wikipedia wird üblicherweise jedoch die Transkription an die moderne Transkriptionstabelle angepasst. So schreibt sich der Name heute Antonow. Dennoch sollte man auch hier auf Umleitungen nicht verzichten.

Umstellung des Alphabets

Darüber hinaus haben einige Staaten, die aus der Sowjetunion hervorgegangen sind, nach ihrer Unabhängigkeit das bis dahin gültige kyrillische Alphabet abgeschafft und die lateinische Schrift eingeführt. So geschehen in Moldawien, Aserbaidschan, Turkmenistan und Usbekistan. Deshalb werden Eigennamen in den Sprachen dieser Länder heute amtlich in lateinischer Schrift geschrieben. Diese Schreibweise sollte für die Artikelbezeichnung und im Text verwendet werden. Etwaige alte Transkriptionen aus dem Kyrillischen, die heute noch geläufig sind, sind gegebenenfalls im Einleitungssatz anzugeben und mit Weiterleitungen zu versehen.

Sonderregeln

Oft werden Sonderregeln der Transkription nicht beachtet. Dies führt insbesondere zu folgenden Fehlern:
- ij statt i (nach i entfällt j, also Kerenski, nicht Kerenskij),
- yj statt y (auch nach y entfällt j, also Grosny, nicht Grosnyj),
- in anderen Fällen aber steht ein j nach einem i (Lawr Georgijewitsch Kornilow)

Transkription des russischen й

Ein besonderes Problem stellt die Transkription des russischen Buchstabens й dar, da sich hier die Transkription in den letzten Jahrzehnten offenbar häufiger geändert hat. In der Wikipedia werden jedoch entsprechend der Tabelle in Kyrillisches Alphabet diese Zeichen je nach Kontext meist mit i statt mit j wiedergegeben. Dies führt zu Namen wie Andrei oder Sergei statt Andrej oder Sergej, aber zu Vatersnamen wie Andrejewitsch. Es empfiehlt sich, wegen der Unsicherheiten mit dem Zeichen immer auch eine Umleitung anzulegen.

Transkription des russischen кс

Die russische Buchstabenfolge кс wird nach Duden-Transkription immer mit x transkribiert. Dies hat sich in der Wikipedia jedoch nicht in allen Fällen als zweckmäßig erwiesen. In der Wikipedia hat sich deshalb die Regelung eingebürgert, кс nur in Fällen mit x zu transkribieren, in denen es sich im Russischen von lateinischen oder griechischen Namensformen mit diesem Zeichen ableitet. Abweichend von der Duden-Transkription wird in der Wikipedia in anderen Fällen stattdessen mit ks transkribiert.

Ausnahmen

Bei Namen, die aus dem Deutschen stammen, sollte wieder der Originalname verwendet werden. Beispielsweise schreibt man das russische Schiff Крузенштерн auf Deutsch Krusenstern, nicht Krusenschtern. Bei anderen Sprachen, die das lateinische Alphabet verwenden, verfährt man üblicherweise analog. Es hat sich in einigen wenigen Fällen auch eingebürgert, Vornamen, deren deutsche Entsprechung der russischen sehr ähnlich ist, mit dem deutschen Pendant wiederzugeben. Beispielsweise wird der Vorname Александр meist mit Alexander statt mit Alexandr oder Aleksandr wiedergegeben, wie es die Transkriptionstabelle nahelegen würde. Jedoch sollte dies nicht als Aufforderung missverstanden werden, Vornamen generell zu übersetzen. So sollte Pjotr und nicht Peter verwendet werden. Ob sich in solchen Fällen Umleitungen lohnen, sollte man von Fall zu Fall entscheiden.

Personennamen

Namen russischer Personen sollten grundsätzlich unter dem vollen Namen, also einschließlich Vatersnamen eingestellt werden (z. B. Iwan Iwanowitsch Iwanow statt Iwan Iwanow), da der Vatersname im Russischen eine bedeutende Rolle spielt und zudem ein zusätzliches Unterscheidungskriterium bei ansonsten gleichlautenden Namen ist. Den Vatersnamen findet man oft durch eine Suchmaschinenanfrage z. B. auf russischen Seiten (vgl. Abschnitt Weblinks unten). Da der Gebrauch des Vatersnamen jedoch im Leben der Russen zunehmend seine Bedeutung verliert, sollte er nur im Artikelnamen und der Einleitung verwendet werden. Im Artikel selbst kann und sollte er weggelassen werden. Hierzu lässt er sich gerade bei Links folgendermaßen verstecken: :Iwan Iwanow Auch in der Ukraine und Weißrussland werden teilweise Vatersnamen verwendet, doch bei weitem nicht so konsequent und offenkundig unter russischem Einfluss. Artikel über Personen aus diesen Ländern sollen ohne Vatersnamen eingestellt werden, doch sollte auch hier der Vatersname im Artikel erwähnt werden. Es sollte immer eine Wikipedia-Umleitung erstellt werden, die auf den Artikel zeigt und (bei Russen) den Vatersnamen weglässt bzw. (bei Ukrainern und Weißrussen) ihn enthält. Für beide Formen, mit oder ohne Vatersnamen, sollte auch eine Umleitung mit der englischen Transkription erstellt werden, um das Anlegen mehrerer Artikel zu verhindern und die Auffindbarkeit des Artikels zu verbessern.

Anmerkung zu Daten vor 1917

Aufpassen sollte man auch bei Geburts- und Todesdaten, da diese durch ein unterschiedliches Kalendersystem im Russischen Reich vor 1917 oft zu Verwechslungen führen (vgl. Umrechnung zwischen Julianischem und Gregorianischem Kalender). Zur Verdeutlichung können beide Daten mit Schrägstrich getrennt gesetzt werden (der julianische sollte nicht verlinkt werden), wie das in russischen/ukrainischen Texten oft der Fall ist, und an den Schluss des Artikels dieser Textbaustein gesetzt werden:

Siehe auch


- Wikipedia:Fremdwortformatierung

Weblinks


- [http://wikyrilliza.visuelya.de/ Wikyrilliza] – Automatische Transkription/Transliteration (derzeit für Russisch und Ukrainisch)
- [http://www.yandex.ru Yandex-Suche] – Bekannteste Suchmaschine im russischsprachigen Internet, berücksichtigt auch Konjugation und Deklination des Russischen und durchsucht auch die Große Sowjetenzyklopädie (БСЭ).

Buchstabenschrift

Als alphabetische Schrift oder Buchstabenschrift bezeichnet man ein Schriftsystem, dem die Phoneme (Laute) einer Sprache als diskrete Zeicheneinheiten zugrunde liegen. Diese Einheiten - meist handelt es sich um etwa 20 bis 40 verschiedene Zeichen - werden als Buchstaben bezeichnet. Sie haben keine semantische Bedeutung und lassen sich in ihrer Gesamtheit in einem Alphabet zusammenfassen. Jede alphabetische Schrift ist eine phonographische Schrift, deren Prinzip besonders streng von der Lautschrift vertreten wird: ein Zeichen bezeichnet einen Sprachlaut. Den Gegensatz dazu bilden die Silbenschriften, die auf visualisierten Silben (Lautkombinationen) basieren, und die logographischen Schriften, die Zeichen für semantische Einheiten (Begriffe, "Ideen") kennen. Um etwa 1500 v. Chr. entwickelten im östlichen Mittelmeerraum die Phönizier dasjenige Alphabet, von dem alle späteren Alphabetschriften und mithin alle modernen europäischen Alphabete, einschließlich des griechischen, lateinischen und des kyrillischen, abstammen.

Geschichte und Entwicklung

Die frühesten Einritzungen, hinter denen nach Gimbutas und Haarmann eine Schrift im eigentlichen Sinne zu vermuten sein könnte, stammen aus der alteuropäischen Vinca-Kultur im Raum des heutigen Serbien; Charakter und Interpretation dieser Funde aus dem 6. bis 5. Jahrtausend v. Chr. sind jedoch äußerst umstritten. Die ältesten nachweislichen Schriftfunde stammen aus den Tälern von Euphrat und Tigris (Mesopotamien); dabei handelt es sich zunächst um eine Bilderschrift (ab etwa 3500 v. Chr.) sowie eine Keilschrift, die auf Tontafeln festgehalten wurde: : „Die ältesten Texte enthalten jeweils nur als Zahlzeichen erkannte Symbole, auf die immer nur wenige Zeichen folgen. Diese zeigen noch einen stark bildhaften Charakter: Jedes Zeichen repräsentiert eine vereinfache Darstellung eines gegebenen Gegenstandes, wobei komplizierte Bilder, wie etwa Menschen in bestimmten Haltungen, bewußt vermieden werden“ (Burkhard Kienast). Etwas später, um 3200 v. Chr., entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift sowie um 1700 v. Chr. schließlich die phönizische Buchstabenschrift; hier wurden erstmals alle Einzelkonsonanten mit rund 30 Zeichen visualisiert. Die alphabetische Schrift wurde zwischen 1500 und 1200 v. Chr. von den Phöniziern aus der ägyptischen hieratischen Schrift entwickelt; dabei entstand zunächst eine reine Konsonantenschrift. Die Struktur der semitischen Sprachen (Wort-Radikale aus drei Konsonanten) dürfte diesen Vorgang begünstigt haben. Ab etwa 900 v. Chr. wurde die alphabetische Schrift von den Aramäern weiterentwickelt. Die Moabiter und palästinischen Phönizier fügten einige Vokalbuchstaben hinzu. Die Hebräer verfügten bereits über Pergament und Papyrus, daher konnten sie eine effizientere Schrift entwickeln (Innis). Spätestens um 800 v. Chr. übernahmen die Griechen das Alphabet von den Phöniziern. Sie fügten Buchstaben für alle Vokale hinzu, d. h. in Griechenland entstand das erste vollständige phonetische Alphabet, das alle Konsonanten und Vokale visualisierte: : „Die Griechen steuerten nicht die Vokale bei (ein verbreiteter Irrtum: Vokalzeichen waren bereits in Erscheinung getreten, etwa in der mesopotamischen Keilschrift und in der minoisch-mykenischen Linearschrift B, sondern erfanden den (reinen) Konsonanten. Und damit stellten sie der Menschheit zum ersten Mal eine visuelle Wiedergabe von Sprechgeräuschen zur Verfügung, die ebenso ökonomisch wie erschöpfend war: eine Elemententafel, deren Elemente sich zu unendlich vielfältigen Kombinationen gruppieren lassen, dass mit ziemlicher Genauigkeit jeder nur denkbare Sprachlaut repräsentiert werden kann“ (Als die Muse schreiben lernte). Um 700 v. Chr. wuchs auch die Verbreitung von Münzen: : „Die beiden größten Erfindungen des menschlichen Geistes sind die Schrift und das Geld – die Universalsprache des Verstandes und die des Eigennutzes“ (Mirabeau). Die Öffnung der ägyptischen Häfen für die Griechen im Jahre 670 v. Chr. und die Gründung Naukratis 650 v. Chr. hatten den Zugang für Papyrus erleichtert, was zu einem explosionsartigen Anstieg von lyrischer Dichtung führte (Innis); nach Havelock blieb die Produktion von Texten dagegen bis zum 5. Jahrhundert bescheiden (Als die Muse schreiben lernte). Zwischen 404 und 403 v. Chr. wurde in Athen das ionische Alphabet übernommen. Durch ein vereinfachtes, flexibles Alphabet und die Zunahme an Schreib- und Lesekundigen rückte logisches Denken und somit allgemeine Übereinkunft in den Vordergrund (Innis). Eric A. Havelock: : „Zweifellos hat unter allen Kommunikationssystemen des Menschen das griechische Alphabet eine beispiellose Effektivität bewiesen und eine einzigartige Ausbreitung erfahren“ (Als die Muse schreiben lernte). Goody merkt dazu an: : „Die Ursache für den Erfolg des Alphabets [...] hängt damit zusammen, dass seine graphischen Zeichen – und darin unterscheidet es sich von allen anderen Schriftsystemen – Repräsentationen des extremsten und universalsten Beispiels kultureller Selektion sind – des elementaren phonemischen Systems. Die menschlichen Sprechwerkzeuge können zwar eine riesige Zahl von Lauten erzeugen, doch beruhen fast alle Sprachen auf dem formalen Wiedererkennen von nur ungefähr vierzig dieser Laute durch die Mitglieder einer Gesellschaft. Der Erfolg des Alphabets (das gleiche gilt für einige seiner gelegentlichen Schwierigkeiten) gründet darin, dass sein System der graphischen Repräsentation sich diese in allen Sprachsystemen gesellschaftlich konventionalisierte Lautstruktur in allen Sprachsystemen zunutze macht, denn dadurch, daß das Alphabet diese ausgewählten phonemischen Elemente symbolisiert, wird es möglich, alles, worüber die Gesellschaft sprechen kann, ohne Mühe aufzuschreiben und die Schrift ohne Mehrdeutigkeiten zu lesen“.

Vorgeschichte

Die frühesten Zeugnisse einer Schrift werden allgemein den Sumerern (ca. 3500 v. Chr.) zugeschrieben. Sie benutzten logographische Zeichen und eine Keilschrift für Verwaltungszwecke. Bei den älteren Funden der Vinca-Zeichen handelt es sich wahrscheinlich nicht um eine Schrift. Etwas später, um 3200 v. Chr. entstanden die ägyptischen Hieroglyphen, dann um 2300 bis 2000 v. Chr. die akkadische Silbenschrift. Die Schwäche der bis um 1500 v. Chr. bekannten Schriftsysteme war ihre Kompliziertheit. Sie waren auf Grund der großen Zahl verschiedener Symbole schwer zu erlernen. Die Keilschrift umfasste bis zu 600 Zeichen, wovon die Hälfte als Silbenzeichen diente. Obwohl die Ägypter ebenfalls schon mit Silbenzeichen operierten, lösten sie sich nicht von den traditionellen Hieroglyphen, von denen zeitweise mehrere Tausend benutzt wurden. Sie verwendeten beides in Kombination.

Die Erfinder der Alphabetschrift

Von wem die erste rein alphabetische Schrift erfunden wurde, lässt sich nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen. Fakt ist, dass die meisten späteren Alphabetschriften auf die phönizische Schrift (1500 v. Chr.) zurückgehen. Es gilt auch als erwiesen, dass die Erfinder einer semitischen Sprache angehörten. Man spricht daher auch vom „nordsemitischen“ Alphabet. Die Erfinder kannten die damals gängigen Schriftsysteme, die ihnen als Inspiration gedient haben mögen. So lassen sich Bezüge zur ägyptischen hieratischen Schrift, aber am Beispiel der ugaritischen Schrift auch zu Keilschriften herstellen.

Das erste bekannte Alphabet

Das Neue an dieser Schrift war die Reduktion der Bedeutung der Schriftzeichen auf kleinste bedeutungsunterscheidende Einheiten. Dadurch kam man mit einem vergleichsweise kleinem Satz von nur 22 Zeichen aus. Es wurden zunächst nur Konsonanten geschrieben. (Siehe Phönizisches Alphabet). Die Formen der Zeichen stellten vereinfachte Abbildungen der mit den Buchstabennamen bezeichneten Gegenstände dar (nach dem Vorbild der Hieroglyphen). Einige Zeichen scheinen dieser These zu widersprechen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Formen möglicherweise Veränderungen erlitten haben und uns weder ihre anfängliche Gestalt noch ihre ursprünglichen Namen überliefert sind. Für einige Zeichen sind auch mehrere Namen belegt (z. B. Nun (Fisch) = Nachasch (Schlange)), was vermuten lässt, dass die Namen im Nachhinein, nach der Form der Zeichen vergeben wurden. Überhaupt darf man annehmen, dass bei der Entstehung eher Pragmatismus als Tradition bestimmend war.

Verwandtschaften

Spätere Alphabete lassen sich alle auf das nordsemitische zurückführen. Die Verwandtschaft offenbart sich dabei nicht so sehr durch die Formen der Zeichen – die können sogar sehr stark von einander abweichen. Denn man bedient sich aus praktischen Gründen der einfachsten Zeichen wie Strich, Kreis oder Punkt (oder man reduziert komplexere Zeichen auf diese). So sind zufällige Ähnlichkeiten zwischen Systemen verschiedener Kulturkreise und Epochen sehr wahrscheinlich. Besseren Aufschluss über die Verwandtschaft geben dagegen die Reihenfolge der Buchstaben in Aufzählungen und ihr Gebrauch in Schriftzeugnissen. Man geht allgemein davon aus, dass alle späteren Alphabete Modifikationen bzw. Nachahmungen des phönizischen Alphabetes sind. Vereinzelt anders lautende Meinungen konnten sich nicht durchsetzen (siehe z. B. Vinca-Schrift, Indus-Schrift).

Die Erfindung setzt sich durch

Semitische Alphabete

Von dem gemeinsamen Vorbild aus entwickelten sich mehrere „altsemitsiche“ Alphabete. Zum einen die eigentlich phönizische Schrift (Inschriften von Zypern, Malta, Carpentras und auf phönizischen Münzen, nur Konsonanten, mit oder ohne Worttrennung), davon die samaritanische und die altgriechische Schrift. Dann die phönizisch-ägyptische Schrift (auf Mumienbandagen, mit drei Vokalzeichen) und die jüdische Münzschrift. Zum anderen der aramäische Zweig, die Quadratschrift, die palmyrenische Schrift (ohne Vokale und Worttrennung, mit Ligaturen) die altsyrische Schrift Estrangelo und Kufisch, eine altarabische Schrift.

Verbreitung im Nahen Osten

Im 1. Jahrtausend v. Chr. verbreitete sich das aramäische Alphabet durch das Eindringen der aramäischen Sprache in Assyrien. Aramäische Wörter wurden ins Assyrische übernommen. Es gibt Belege für zweisprachige Texte mit jeweils einer akkadischen und einer aramäischen Fassung. Die Einfachheit des Systems gegenüber dem Silben- und Ganzwortsystem der Keilschrift verhalf dem aramäischen Alphabet zum Durchbruch. Aufgrund der stark gerundeten Zeichen war die neue Schrift nicht für Medien wie Ton geeignet. Deshalb schrieb man auf vergängliche Materialien, weshalb auch die meisten dieser Schriften verloren gegangen sind. Den Anteil gefundener Keilschrift-Dokumente aus dieser Zeit darf man deshalb auch nicht als repräsentativ betrachten (Lit.:Eva Cancik-Kirchbaum: Die Assyrer) Über Handelswege gelangte das aramäische Alphabet bis nach China, wo die Mongolen ihre Schrift aus der aramäischen entwickelten. Weitere Ableger sind die hebräische, indische, syrische und die arabische Schrift.

Vokale kommen dazu

Schon die ersten Alphabetschriften wurden mit Vokalzeichen ergänzt. Zunächst wurden Aleph, Waw und Jod neben ihrer konsonantischen Bedeutung auch als Zeichen für lange Vokale (a, u, i) gebraucht. Andere Vokale wurden den Konsonanten in Form von Punkten oder Strichen zugeordnet. Mit der Übernahme der semitischen Alphabete in andere Sprachen wurden diese durch Vokalbuchstaben ergänzt. Einige Systeme stellten die Vokale durch kleine Modifikationen an den Konsonanten dar, wodurch diese in gewissem Sinne wieder zu Silbenzeichen wurden (z. B. die äthiopische Schrift, die aber von einem griechischen Vorbild stammt). Siehe auch zum inhärenten Vokal in der indischen Schrift.

Alphabet der Griechen

Die Griechen übernahmen das nordsemitische Alphabet samt den semitischen Namen etwa 1100 v. Chr.. Sie erweiterten es um zwei Zeichen und deuteten einige Zeichen ihrer Sprache entsprechend um. Einige Zeichen wurden zu Vokalen. Während die Schreibrichtung zunächst nicht festgelegt war, setzte sich 500 v.u.Z. die Schreibrichtung von links nach rechts durch.

Ursprung der indischen Alphabete

Zwischen 800 und 600 v. Chr. entwickelte sich nach einem ostaramäischen Vorbild die Brahmi-Schrift, der Vorfahre der indischen Alphabetschriften oder Abugidas.

Europa

Aus dem griechischen Alphabet entwickelte sich das etruskische, aus diesem wiederum das oskische, umbrische und römische Alphabet. Durch die römischen Eroberungen und die Verbreitung der lateinischen Sprache setzte sich das römische Alphabet in Westeuropa durch, wozu es an die jeweiligen Sprachen angepasst wurde. Die seit dem 3. Jahrhundert belegte Runenschrift wird entweder auf die von italischen Stämmen in den Ostalpen verwendetete nordetruskische Schrift und das lateinischen Alphabet zurückgeführt oder als Schöpfung eines germanischen Volkes angesehen, das im heutigen Böhmen lebte. Bei letzterem wird wohl das Prinzip der Alphabetschrift vom lateinischen Alphabet her bekannt gewesen sein. Das kyrillische Alphabet stammt vom griechischen ab. Es wurde um 900 von griechischen Missionaren entworfen, die die Slawen zum Christentum bekehrten.

Systematik der Alphabetschriften

Hinsichtlich ihres Bezugs zur Phonologie lassen sich die alphabetischen Schriften nach ihrer Lauttreue wie folgt einteilen: Keine Kultur hat eine vollständige phonetische Schrift entwickelt; die einzigen funktionierenden phonetischen Schriftsysteme wurden künstlich entwickelt, beispielsweise das IPA. Ein Schriftsystem auf Basis des phonetischen Prinzips wäre als Gebrauchsorthographie unbrauchbar.

Literatur


- David Sacks: Letter Perfect: The Marvelous History of Our Alphabet From A to Z, ISBN 0767911733 (auf Englisch)
- David Sacks: The Alphabet, ISBN 0099436825
- Eric A. Havelock: The Muse Learns to Write: Reflections on Orality and Literacy from the Antiquity to the Present. New Haven (Conn.), 1986 (dt. Übers. Als die Muse schreiben lernte. Frankfurt 1992)
- Eric A. Havelock: The Literate Revolution in Greece and it's Cultural Consequences. Princeton N. J., 1982 (dt. Übers. Schriftlichkeit. Das griechische Alphabet als kulturelle Revolution. Weinheim 1990)
- Burkhard Kienast: Keilschrift und Keilschriftliteratur, in: Frühe Schriftzeugnisse der Menschheit, ISBN ?

Siehe auch


- Schrift
- Geschichte der Schrift
- Alphabetisches Monopol
- Oralität und Literalität
- Aufschreibesystem
- Medientheorie, Mediologie und Kulturwissenschaft
- Stenografie

Weblinks


- [http://www.typolexikon.de/s/schriftgeschichte.html Schriftgeschichte]
- [http://viadrina.euv-frankfurt-o.de/~sk/soemz03/schrift.html Schrift und Verschriftlichung] Kategorie:Alphabet Kategorie:Schrift

Slawische Sprachen

Die slawischen Sprachen sind ein Zweig der indogermanischen Sprachen.

Allgemeines

Nach der geltenden wissenschaftlichen Auffassung sind sie aus dem sog. Urslawischen entstanden, dem die älteste slawische Schriftsprache, das Altkirchenslawische (ab dem 9. Jahrhundert), noch sehr nahe stand. Aus dem Altkirchenslawischen entwickelten sich etwa dem 11. Jahrhundert verschiedene Varianten, die man traditionell als Kirchenslawisch bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen Bulgarisch-Kirchenslawisch (oft auch Mittelbulgarisch genannt), Russisch-Kirchenslawisch, Serbisch-Kirchenslawisch, Kroatisch-Kirchenslawisch und Tschechisch-Kirchenslawisch. Auch in Rumänien war bis in das 19. Jahrhundert eine spezielle Variante des Kirchenslawischen als Kirchensprache in Gebrauch. Am nächsten steht den slawischen Sprachen der baltische Sprachzweig, was auf die lange Nachbarschaft zurückzuführen ist und darauf, dass sich beide Sprachgruppen aus ähnlichen indogermanischen Dialekten entwickelt haben. Einige Sprachwissenschafter gehen sogar von einer baltisch-slawischen Spracheinheit aus, diese Meinung gilt jedoch als umstritten. Die folgende Übersicht enthält, gegliedert nach den drei geografischen Untergruppen Ostslawisch, Westslawisch und Südslawisch zunächst die slawischen Standardsprachen und danach die sog. Mikroliteratursprachen -- dieser Ausdruck ist in der Slawistik für Sprachformen üblich, in denen schriftliche Texte verfasst werden, die aber nicht alle Eigenschaften vollgültiger Standardsprachen aufweisen. Innerhalb jedes Abschnitts sind die Sprachen alphabetisch angeordnet.

Überblick über die slawischen Sprachen

KURZÜBERBLICK: Westslawische Sprachen:
- Sorbisch
  - Niedersorbisch
  - Obersorbisch
- Polabisch ausgestorben
- Polnisch
- Pomoranisch
  - Kaschubisch
  - Slowinzisch ausgestorben
- Tschechisch
  - Lachisch
- Slowakisch ostslawische Sprachen:
- Russisch
- Weißrussisch
- Ukrainisch
- Karpato-Russinisch
- Jugoslawo-Russinisch
- Westpolessisch südslawische Sprachen:
- Bosnisch
- Bulgarisch
- Kroatisch
- Mazedonisch
- Slowenisch
- Serbisch

Tabelle

In der Spalte Verbreitung sind Gebiete, in denen die betreffende Sprache Amtssprache ist, fett und Gebiete, in die die betreffende Sprache erst durch Auswanderungen in jüngerer Zeit gekommen ist, kursiv hervorgehoben.

Ausgestorbene slawische Sprachen

Im Zuge der deutschen Ostkolonisation wurde eine größere Zahl von westslawischen Völker assimiliert oder verdrängt, ihre Sprachen sind ausgestorben. Dies betrifft zunächst die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder und der Insel Rügen, die bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts ausgestorben sind, dann das sog. Polabische (auch Drawänopolabisch) im sog. Wendland bei Lüchow (Wendland) und Dannenberg (Elbe), das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestorben ist, und schließlich das bis kurz nach 1900 in Pommern gesprochene Slowinzische. Auch die Sprecherzahl der beiden sorbischen Sprachen geht seit Jahrhunderten stetig zurück, das Niedersorbische kann heute als akut bedroht gelten.

Andere slawische Sprachen und Dialekte

Auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel wird auf eine Liste von weiteren slawischen Sprachen verwiesen ([http://www.uni-klu.ac.at/eeo/abteilung1_neu.htm]), die sich unter im Internet findet. Zu diesen sei, soweit sie nicht oben schon aufgeführt sind, folgendes gesagt:
- Ägäis-Mazedonisch ist eine dem Mazedonischen und Bulgarischen verwandte Sprache in Nordgriechenland, um deren Verschriftung sich dortige Intellektuelle seit wenigen Jahren bemühen;
- Čakavisch ist ein kroatischer Dialekt, der in der Vergangenheit (bis Mitte des 19. Jahrhunderts) auch als Schriftsprache gedient hat;
- Kajkavisch ist ebenfalls ein kroatischer Dialekt, der in der Vergangenheit als Schriftsprache gedient hat;
- Lachisch ist ein in Nordmähren und im ehemaligen Österreichisch-Schlesien gesprochener Dialekt des Tschechischen, den der Schriftsteller Óndra Łysohorsky zur Schriftsprache erheben wollte;
- unter Mährisch versteht man unterschiedliche Versuche, auf der Grundlage der in Mähren gesprochenen tschechischen Dialekte eine eigene Standardsprache einzuführen;
- Masurisch ist ein stark vom Deutschen beeinflusster polnischer Dialekt auf dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußen, in dem zeitweise eine gewisse Menge von Literatur veröffentlicht wurde;
- Ostslowakisch bezeichnet den Versuch einer eigenen Schriftsprache auf der Grundlage ostslowakischer Dialekte, den slowakische Calvinisten ab dem 17. Jahrhunderts unternahmen;
- Podhalisch ist der polnische Dialekt des Podhale am Fuße der Karpaten, in dem eine gewisse Menge von Dialektliteratur veröffentlicht wurde;
- Pomakisch ist die Sprache einer slawischen Volksgruppe moslemischer Religion im Süden Bulgariens, die zeitweise in griechischer Schrift geschrieben wurde;
- Schlesisch ist ein Sammelbegriff für die polnischen Dialekte Schlesiens, deren Sprecher über ein klares Bewusstsein von der Eigenständigkeit ihrer Sprache überzeugt sind, die sich aber dennoch bisher zu keiner eigenen Schriftsprache entwickelt haben;
- Slawenoserbisch ist eine Form des Russisch-Kirchenslawischen, die im 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts in Serbien als Schriftsprache verwendet wurde.

Charakteristika der slawischen Sprachen

Die slawischen Sprachen gelten als für Westeuropäer und Sprecher des Deutschen schwer erlernbar. Diese Meinung beruht nicht nur auf Erfahrungen von Ausländern, die eine slawische Sprache lernen wollten, sondern auch auf dem Widerstand gegen das (z.B. nach 1945 in der DDR) oktroyierte Russische und auf Meinungen von Slawen über die schwere Erlernbarkeit ihrer Sprachen (auf die sie ausdrücklich stolz sind). Objektiv zu beschreiben sind die folgenden Faktoren, die sich jedoch nicht bei allen slawischen Sprachen in gleicher Weise auswirken:
- für manche slawischen Sprachen (vor allem Russisch, Polnisch, Bulgarisch) sind weiche bzw. palatalisierte Konsonanten charakteristisch, deren Aussprache Ausländern Schwierigkeiten bereitet
- als typisch slawisch gelten Konsonantengruppen, die aber vor allem in den Sprachen vorkommen, in denen r und/oder l an Stelle von Vokalen gebraucht werden können (Tschechisch, Slowakisch, Kroatisch, Serbisch, Bosnisch)
- man sagt den slawischen Sprachen, die zu den flektierenden Sprachen gehören, einen großen "Formenreichtum" nach; in der Tat haben die meisten slawischen Sprachen sechs oder sieben Kasus, Bulgarisch und Mazedonisch jedoch keine, manche ein reicheres Tempussystem (so die sorbischen Sprachen, das Kroatische, das Serbische, das Bulgarische und das Mazedonische) usw.
- als schwer erlernbar gilt der in allen slawischen Sprachen vorkommende Verbalaspekt.

Maschinelle Übersetzung zwischen slawischen Sprachen

Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Prager Karlsuniversität, der Universität des Saarlandes und der Universität in Kaunas (Litauen) ist ein System für maschinelle Übersetzung zwischen den slawischen Sprachen entwickelt worden, bisher gibt es sprachliche Ressourcen (Tagger, Grammatik, Wörterbuch) für die Sprachpaare Tschechisch-Slowakisch und Tschechisch-Polnisch. Die im Rahmen des Projektes entwickelte Technologie basiert auf der Verwandtschaft der slawischen Sprachen auf allen sprachlichen Beschreibungsebenen. Darüber hinaus ist kürzlich das Sprachpaar Tschechisch-Litauisch hinzugekommen, womit das System über die slawische Sprachfamilie hinaus erweitert wurde.

Wörter mit slawischem Ursprung


- Grenze
- Roboter
- Vampir
- Zobel

Literatur


- Trautmann, Reinhold: Die slavischen Völker und Sprachen. Eine Einführung in die Slavistik. Leipzig 1948 (alt, aber immer noch gut)
- Rehder, Peter (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen. Darmstadt 1998(3).
- Comrie, Bernard: The Slavonic languages. London 1993. Kategorie:Sprachfamilie Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Slawistik ! als:Slawische Sprachen ja:スラヴ語派 ko:슬라브어파

Asien

Asien ist der zentrale-südliche und östliche Teil Eurasiens.

Begriff

Das Wort Asien (Asia) stammt aus dem Assyrischen und bedeutet Sonnenaufgang. Es entspricht also dem lateinischen Wort Orient oder dem deutschen Morgenland. Der vor dem Zweiten Weltkrieg gebräuchliche Begriff Fernost wird heute selten verwendet, da er eine eurozentristische Weltsicht widerspiegelt. Das chinesische Zeichen 亞 (Kurzzeichen 亚, Pinyin yà) ist eine klangliche Adaption und bedeutet ursprünglich das Zweite, subordiniert.

Innereurasische Grenze

Aus historischen Gründen werden Europa und Asien in Europa (teilweise nicht jedoch in Asien!) als verschiedene Kontinente betrachtet. Das Ural-Gebirge, der Ural-Fluss, das Kaspische Meer, der Kaukasus, das Schwarze Meer sowie Bosporus, Marmarameer und Dardanellen bilden u.a. die Grenze von Europa und Asien (siehe Eurasien).

Lage und Küstengliederung

Eurasien Asien liegt mit seiner kontinentalen Landmasse bis auf die Tschuktschen-Halbinsel in Ostsibirien ganz in der östlichen Hemisphäre, nördlich des Äquators. Nur die südöstlichsten Inseln (Teile Indonesiens) befinden sich auf der Südhalbkugel der Erde. Der nördlichste Punkt der Landmasse ist das Kap Tscheljuskin auf der Taimyr-Halbinsel (Sibirien) 77° 40' n. Br., der südlichste Punkt der Landmasse ist die Spitze der Malaiischen Halbinsel (Kap Buru) 1° 16' n. Br. Westlichster Punkt ist das Kap Baba in Kleinasien 26° 4' westl. L., der östlichste Punkt ist auf Kap Deschnjow (an der Nordostspitze von Sibirien) 169° 44' westl. L. Die Küstenlänge Asiens beträgt etwa 82.300 km, davon entfallen auf den Arktischen Ozean 15.900 km, auf den Pazifischen Ozean 27.300 km, auf den Indischen Ozean 33.600 km und auf das Mittelmeer einschließlich Schwarzes Meer 5.500 km. Die Küsten verlaufen im Norden, Osten und Süden. Im Westen bildet das Mittelmeer nur teilweise die Landbegrenzung. Mit Afrika verbindet sich Asien nördlich des Roten Meeres über die Halbinsel Sinai (Landenge von Sues, 145 km breit) und mit Europa bildet die Strecke zwischen dem Karischen Golf und dem Kaspischen Meer eine 2.700 km lange Grenze. Ganz im Osten bildet die Beringstraße mit einer Breite von etwas mehr als 80 km eine Grenze zu Amerika. Im Südosten bildet die Inselwelt des Indonesischen Archipels eine Verbindung zu Australien. Der riesigen Landmasse sind zahlreiche größere Halbinseln vorgelagert. Im Westen Kleinasien (Anatolien) (früher wurde auch die Insel Zypern hinzugerechnet), im Süden die Arabische Halbinsel zwischen dem Roten Meer und dem Persischen Golf, Indien zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Bengalen (mit der vorgelagerten Insel Sri Lanka) und im Südosten Hinterindien zwischen dem Golf von Bengalen und dem Chinesischen Meer. An der Ostküste Asiens zeigen sich mehrere südwärts gerichtete Halbinseln mit vorgelagerten Inselreihen. Dies sind Korea und Kamtschatka mit den Kurilen, Sachalin und den Inseln Japans: Hokkaidō, Honshū, Shikoku und Kyūshū. Im Norden ist die sibirischen Küste mehr durch die Mündungen mächtiger Ströme geprägt.

Einwohner und Größe

Asien ist mit etwas mehr als 44 Mio. km² der flächenmäßig größte Erdteil, der von mehr als der Hälfte der Erdbevölkerung (etwa 3,5 Milliarden Menschen) bewohnt wird. In der [http://www.datenbank-asien.de Datenbank Asien] sind Informationen zu vielen Ländern Asiens zu finden.

Geschichte

Asien ist die Wiege zahlreicher Kulturen, beispielsweise in China, in Indien sowie Babylonien und Assyrien in Vorderasien. Alle großen Weltreligionen (auch das Christentum, das Judentum und der Islam) sind in Asien entstanden. Asien und Europa verbindet eine Lange Tradition an Kriegen (beispielsweise Alexander der Große, die Perserkriege, die Kreuzzüge, die Einfälle der Hunnen und der Türken) und an Entdeckungsreisen (beispielsweise Sven Hedin). Asien ist seit jeher von Großreichen geprägt und nicht so zersplittert wie Europa. Die chinesische Kultur hat in der Welt, vor allem jedoch in Ostasien, ihre Spuren hinterlassen (Papier, Buchdruck, Kompass, Seide, Porzellan uvm.). Aus Indien hat sich der Buddhismus verbreitet. Nordasien (insbesondere Sibirien) blieb lange Zeit nahezu unbesiedelt, erst als sich das Russische Reich weiter ausdehnte, wurden dort größere Städte gegründet. Zentralasien war traditionell die Heimat von Steppenvölkern (Reitervölker), (beispielsweise den Mongolen), die in früheren Zeiten eine Bedrohung für Europa darstellten. Der Nahe Osten ist seit dem 7. Jahrhundert vom Islam geprägt und hat einen stark prägenden Einfluss auf Nordafrika gehabt.

Politische Einteilung nach Regionen

Nordafrika

Zentralasien


- Afghanistan
- Kasachstan
- Kirgisistan
- Mongolei
- Tadschikistan
- Turkmenistan
- Usbekistan siehe auch: Turkstaaten

Nordasien


- Russland (Sibirien)

Ostasien


- Volksrepublik China
  - Hongkong (Sonderverwaltungszone)
  - Macao (Sonderverwaltungszone)
- Japan
- Korea
  - Nordkorea
  - Südkorea
- Taiwan (Republik China)

Südostasien


- Brunei
- Indonesien
- Kambodscha
- Laos
- Malaysia
- Myanmar (früher Burma)
- Philippinen
- Singapur
- Thailand (früher Siam)
- Timor-Leste
- Vietnam :Siehe auch: Tigerstaaten

Südasien


- Bangladesch
- Bhutan
- Indien
- Malediven
- Nepal
- Pakistan
- Sri Lanka (früher Ceylon)

Vorderasien


- Armenien
- Aserbaidschan
- Bahrain
- Georgien
- Irak
- Iran
- Israel
- Jemen
- Jordanien
- Katar
- Kuwait
- Libanon
- Oman
- Palästinensische Autonomiegebiete
- Saudi-Arabien
- Syrien
- Türkei
- Vereinigte Arabische Emirate
- Zypern

Regionale Organisationen


- ASEAN
- ASEM
- ADB - Asia Development Bank
- AHRC - [http://www.ahrchk.net Asiatische Menschenrechtskommission]

Siehe auch


- Portal Asien
- Kleinasien
- Naher Osten
- Liste asiatischer TV-Programme in Europa

Weblinks


- [http://www.inasien.de Magazin „in Asien!“]
- [http://www.Kultur-in-Asien.de Kultur in Asien: Kunst, Religion, Kult, Feste, Kalender, Architektur, Geschichte (von Dr. Bernhard Peter)] (ein breit angelegtes Informationsforum über verschiedene asiatische Länder, das Essays, Photogalerien und Reiseberichte vereint)
- [http://www.zmag.org/asiawatch/asiawatch.cfm ZNet's Resource on Asia (engl.)]
- [http://www.weltkarten-landkarten.de/landkarten/asien/d_default.asp Umfangreiche Landkartensammlung von Asien]
- [http://www.askasia.org/ a resource of the Asia Society (engl.)]
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Kyrill von Saloniki

Kyrill (
- ca. 826/827 in Thessaloniki; † 14. Februar 869 in Rom), auch Cyril, der jüngere und anfangs bedeutendere der beiden wichtigsten Missionare im slawischen Raum, Kyrill und Method, hieß eigentlich Konstantin bzw. Konstantinos und nahm den Namen Kyrill wahrscheinlich erst an, als er kurz vor seinem Tod in Rom in ein griechisches Kloster eintrat. Er ist nicht zu verwechseln mit Kyrill von Alexandria oder Kyrill von Jerusalem.

Leben

Frühes Leben

Kyrill und Method wurden im 9. Jahrhundert als Konstantin und Michael in Thessaloniki geboren. Ihr Vater war ein byzantinischer Drungarius (militärischer Offizier) namens Leontios (geboren in Thessaloniki, griechischer Herkunft), ihre Mutter (wahrscheinlich Maria) gehörte zu der slawischen Bevölkerungsgruppe, die damals in der Umgebung von Thessaloniki sowie in ganz Makedonien die Mehrheit der Bevölkerung stellten. Gemäß Vita Cyrilli, die die Zahl Sieben offenbar übertrieben oft verwendet, war Konstantin der jüngste von sieben Brüdern. Im Alter von sieben Jahren soll er einen Traum gehabt haben, in dem der städtische Stratege vor ihm sämtliche Frauen der Stadt versammelte und ihn ersuchte, eine auszuwählen. Konstantin wählte Sofia, die Weisheit, was seine Begeisterung fürs Wissen erklären soll. Im Alter von 14 Jahren (d h. 2 mal 7) verwaiste er. Seine Grundausbildung erhielt Konstantin in Thessaloniki. Etwa im Alter von 17 Jahren (842/843) begab er sich nach Konstantinopel, wo er etwa 842/3-847 Philosophie, Grammatik, Rhetorik, Musik, Arithmetik, Geografie und Astronomie an der kaiserlichen Universität von Konstantinopel studierte. Er lernte auch Griechisch, Latein (diese beiden Sprachen beherrschte er zusammen mit Slawisch wohl schon seit seiner Kindheit), sowie Syrisch und zum Teil Hebräisch. Zu seinen Lehrern zählte vor allem der Lektor Leon der Mathematiker und Professor (später Patriarch) Photius I.. Seine Patronen waren der Eunuch und Logothet (Staatssekretär am kaiserlichen Hof) Theoktistos (Theoctistes), der wahrscheinlich sein Verwandter war, ihn auch seinerzeit nach Konstantinopel brachte und ein Günstling der Kaiserinwitwe Theodora war, die 842 die byzantinische Regierung für den unmündigen Erben Michael III. übernahm. Laut Anastasius entstand später zwischen Konstantin und Photius eine freundschaftliche Beziehung, aber auch ein Konflikt hinsichtlich religiöser Fragen. Nach dem Abschluss seiner Studien und seiner Weihung zum Subdiakon und Diakon um 848, wurde er Chartophylax (Bibliothekar, Archivar und Sekretär) von Ignatius (847-857), dem Patriarchen von Konstantinopel. Ungefähr zwei Jahre später – nachdem er es abgelehnt hatte, eine reiche Braut zu heiraten, die ihm Theoktistos ausgewählt hatte – zog er sich insgeheim in das Kloster von Kleidion (Kljutsch, nordöstlich von Thessaloniki) auf dem Bosporus zurück. In diesem Kloster versteckte er sich sechs Monate lang. Als man ihn dort entdeckte, lud man ihn ein, an der Universität von Konstantinopel als Philosophieprofessor tätig zu werden (Ende 850 oder Anfang 851). Seitdem trägt er wahrscheinlich den Beinamen Philosoph. In dieser Zeit hatte er eine Kontroverse mit dem abgesetzten ikonoklastischen Patriarchen Johannes und Dispute auch mit anderen Ikonoklasten. Aus Konstantinopel wurde er jedoch sehr bald mit einer politischen und religiösen Mission (850-851) am arabischen Hofe des Kalifen Al-Mutawakkil in der Stadt Samarra wegen Eintreibung von Abgaben und Unterdrückung der Christen seitens der Araber betraut. Hier beteiligte er sich an einem intensiven theologischen Disput mit den mohammedanischen Gelehrten und Mönchen, so dass ihn die Araber sogar angeblich vergiften wollten. Im Disput ging es um den dreieinigen Gott, dessen Existenz die Sarazenen nicht anerkennen wollten, und Konstantin erwies sich als guter Kenner auch des Korans. Dies waren genau jene Jahre, in denen die Unterschiede zwischen dem Christentum und dem Islam größer wurden. Nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel legte er seine Professur nieder und ging in ein Kloster auf dem Berg Olymp in Kleinasien (bei Brussa ). In diesem Kloster begegnete er seinem Bruder Method, der hier schon länger wohnte. Auch dieser Klosteraufenthalt hatte einen politischen Hintergrund – 856 wurde die Kaiserin Theodora abgesetzt und ihr Günstling Theoktistos wurde ermordet.

Mission bei den Chasaren

Auf Einladung des Herrschers der Chasaren machte dann etwa 860 Kostantin eine Mission bei den Chasaren, einem nördlich des Kaukasus (nach manchen Quellen eher beim Asowschen Meer) sesshaften Volk, dessen jüdischer König ein friedliches Zusammenleben von Juden, Moslemen und Christen ermöglicht hatte. Vor dieser Reise wurde er wahrscheinlich zu einem ordentlichen Priester geweiht. Auf dem Weg zu den Chasaren ging er in die Stadt Cherson, in der er die hebräische, chasarische und gothische Sprache sowie den Dialekt und die Schrift der Samariter lernte. In Cherson fand er auch die sterblichen Überreste des um 101 verstorbenen heiligen Klemens (die er dann später nach Großmähren und 867 nach Rom mitbrachte, und die wohl zum herzlichen Empfang in Rom beitrugen). Konstantin verfasste über diese Entdeckung drei griechische Schriften (historica narratio, sermo declamatorius und hymnus, siehe Werke). Bei den Chasaren führte er dann erfolgreiche theologische Dispute mit jüdischen Gelehrten und Rabbinern. Zweihundert Chasaren ließen sich taufen. Statt der ihm seitens des Chasaren-Herrschers angebotenen Entlohnung soll Konstantin nur veranlasst haben, dass 200 griechische Sklaven entlassen werden. Der Chasaren-König schrieb später dem byzantinischen Kaiser einen Dankesbrief, in dem er die Mission lobte und er die Freundschaft seines Volkes zusicherte. Konstantin gelang es nicht nur. die Chasaren, sondern auch ein kleines Volk im fulischen Gebiet, das aus den restlichen Alanen und Gothen bestand, zum Christentum zu bekehren Die Behauptung, dass Konstantin bei der Mission zu den Chasaren von Method begleitet wurde, ist nach manchen Ansichten eher eine spätere Legende. 861 kehrte Konstantin nach Konstantinopel zurück und widmete sich der Sprachforschung.

Großmährische Mission

Nachdem sich der großmährische Fürst Rastislav zuerst erfolglos an den Papst in Rom gewandt hatte, bat er den byzantinischen Kaiser 862 um einen "Bischof und Lehrer", der die Leute in der Sprache des Volkes im christlichen Glauben unterweisen konnte. Mit den Worten Hörst du, Philosoph, diese Worte? Es gibt keinen anderen außer dir, der dies erledigen kann, so, nimm viele Geschenke und deinen Bruder Method mit, und geh! Weil ihr Saloniker seid, und alle Saloniker sprechen reines Slawisch (Quelle: Vita Methodii) bat Kaiser Michael III. Konstantin um die christliche Mission in Großmähren. Konstantin erklärte sich auf die Zureden von Kaiser Michael III. und Patriarch Photius I. dazu bereit. 863 oder 864 (laut Tradition am 5. Juli 863) kamen Konstantin und Method in Großmähren an. Sie brachten ihre ersten Übersetzungen mit, das Symbol des byzantinischen Doppelkreuzes (das heute im slowakischen Staatswappen steht) sowie die Reliquien eines der ersten Bischöfe von Rom, des heiligen Klemens, die Konstantin seinerzeit 860 in Cherson aufgefunden hatte. 863 gründete Konstantin die so genannte Großmährische Akademie, in der künftige slawische Priester und Verwaltungskräfte ausgebildet wurden, und die zum Zentrum der slawischen Literatur wurde. 885 hatte sie etwa 200 Absolventen. Ihre Lage ist leider unbekannt, aber archäologischen Funden zufolge gab es eine kirchliche Schule an der Burg Devín im heutigen Bratislava. Begleitet von seinem Bruder Method missionierte Konstantin mehrere Jahre lang in Großmähren. Von Anfang an hatten sie als Vertreter des östlichen, griechisch-byzantinischen Christentums gegen die Kritik der bayerischen Priester in Großmähren zu kämpfen, die als Vertreter des westlichen, lateinischen Christentums ihren Einfluss schrumpfen sahen und behaupteten, dass der Gottesdienst nur in den drei Sprachen abgehalten werden dürfe, die die Pilatus-Inschrift auf dem Kreuz von Jesus enthält (Latein, Griechisch, Hebräisch), Da Großmähren in den Einflussbereich Roms gehörte, gingen die beiden Brüder 867 mit der Zustimmung der großmährischen Herrscher Rastislav (heutiges Mähren) und Sventopluk (Neutraer Fürstentum (heutige Slowakei)) nach Rom, um die Zustimmung des Papstes zur Liturgiesprache Altkirchenslawisch zu erhalten. Sie nahmen dabei auch einige Schüler mit, die zu Priestern geweiht werden sollten. (Nach anderen Quellen wollten sie ursprünglich vom Hafen von Venedig aus nach Konstantinopel reisen, um die Zustimmung des Patriarchen zu erhalten). Auf dem Weg nach Rom machten sie im Sommer einen kurzen Halt im Plattensee-Fürstentum des Fürsten Kocel und unterrichteten auch dort einige Schüler. Im Herbst 867 kamen die Brüder und ihre Schüler in Venedig an, wo sie vor einer Versammlung von Priestern die Verwendung des Altkirchenslawischen als Liturgiesprache zu verteidigen hatten. In Venedig erhielt Konstantin die offizielle Einladung des Papstes Nikolaus I. nach Rom. Dies geschah wohl, weil er die oben erwähnten Reliquien von Klemens I. mit sich trug und weil er Freunde in Rom hatte (Bischof Arsenius). Im Winter 867 wurden sie vom (neuen) Papst Hadrian II. feierlich empfangen und ihre gesamte Mission in Großmähren wurde gebilligt. Zu Weihnachten wurden sogar die Bibelübersetzungen auf den Altar der Peterskirche in Rom und die Übersetzungen der liturgischen Texte auf den Hauptaltar der Basilika Santa Maria Maggiore feierlich gelegt, um so symbolisch deren Akzeptanz seitens Roms zu zeigen. Im Februar 868 wurden Method und drei Schüler (der aus der heutigen Slowakei stammende Gorazd und die Südslawen Kliment und Naum) in Rom zu Priestern bzw. zwei von ihnen zu Diakonen geweiht. Im März 868 wurde schließlich die slawische Liturgiesprache (Altkirchenslawisch) zugelassen, als vierte Sprache in der Westkirche. Dies war ein überaus bedeutendes Ereignis, da erst im 20. Jahrhundert (d. h. mehr als 1000 Jahre später) wieder eine Liturgiesprache außer Latein, Griechisch und Hebräisch von Rom zugelassen wurde. Kurz nach Methods Tod wurde die slawische Kirchensprache jedoch von Papst Stephan II. wieder verboten. Ende 868 erkrankte Konstantin in Rom, wurde Mönch in einem Kloster, wo er auch wahrscheinlich den Namen Kyrill (Kyrillos) annahm, und starb im Februar 869. Er wurde in der St. Klemens Basilika in Rom begraben. Umstritten bleibt die Behauptung des Dokumentes Translatio, dass Konstantin noch zum Bischof geweiht wurde.

Werke

Grundsätzliches

Konstantin entwickelte eigens für die großmährische Mission das erste slawische Alphabet, die Glagolitische Schrift (Hlaholica, Glagolica). Diese Schrift ist nicht identisch mit der heute nach ihm benannte kyrillische Schrift). Noch im Byzantinischen Reich übersetzten Konstantin und Method einige liturgische und biblische Texte ins Altkirchenslawische. Für seine Mission übersetzte Konstantin das Neue Testament in eine Sprache, die er - vermutlich aus dem ihm am nächsten stehenden slawischen Dialekt - auch erst konstruieren musste und die heute als Altkirchenslawisch bekannt ist. Ursprünglich war es ein in der Saloniki-Region verwendete slawische (makedonischer) Dialekt, aber während der großmährischen Mission nahm er viele Elemente der in diesem Gebiet gesprochenen westslawischen Dialekte an. So enthält auch die damalige Version der Glagolica einen Buchstaben (Laut dz), der damals nur in den Dialekten auf dem Gebiet der heutigen Slowakei verwendet wurde. Da die slawischen Sprachen damals noch sehr ähnlich waren, wählte Konstantin das so genannte Altkirchenslawische als die während seiner großmährischen Mission zu verwendende Sprache aus. Während der Mission in Großmähren übertrugen sie dann die ganze Bibel ins Altkirchenslawische, aber auch eine Gesetzessammlung und liturgische Texte. Sie gelten damit als Begründer der slawischen Literatur. Konstantins Übersetzungen sind schöpferisch geniale Leistungen und haben für das Slawische eine vergleichbare Bedeutung wie Luthers Bibelübersetzung für das Deutsche.

Übersetzungen


- Perikopen [beim Gottesdienst verlesene Evangelienauszüge] im Johannes-Evangelium: 862 noch im Byzantinischen Reich übersetzt, gefunden im Codex Assemanianus (Anfang des 11. Jh, Makedonien, glagolithisch) und im Savvina kniga (11. Jh, kyrillisch, Nordostbulgarien)
- alle vier Evangelien des Neuen Testaments (zusammen mit Method): wohl 862 noch im Byzantinischen Reich übersetzt, gefunden im Codex Zographensis (Anfang des 11. Jh., Makedonien, glagolithisch) sowie im Codex Marianus (Anfang des 11. Jh., Nordostmakedonien, glagolithisch)
- Trebnik [Liturgievorschriften nach dem byzantinische Ritus]: in Großmähren übersetzt, gefunden im Euchologium sinaiticum (11. Jh., glagolithisch)
- Brevier: in Großmähren übersetzt, Stundengebete für Priester, gefunden im Kroatisch-glogolithichen Breviar von Vrbnik (13. Jh. )
- Zakon sudnyj ljudem [Gerichtsgesetzbuch für Weltliche] (wohl zusammen mit Method): in Großmähren übersetzt, das Bürgerliche Gesetzbuch Großmährens, gefunden im Novgorodskij spisok (1280, Russland)
- Missale (zusammen mit Method): in Großmähren übersetzt, eine durch byzantinische Elemente ergänzte Liturgie des Hl. Peter (d. h. des westlichen Gottesdienstes), gefunden in den Kiewer Blättern (9. /Anfang des 10. Jh. Großmähren/Plattensee-Fürstentum/Bulgarien, glagolithisch)
- Psalterium (zusammen mit Method): in Großmähren übersetzt, gefunden im Psalterium Sinaiticum (11. Jh, glagolithisch)
- die Apostolischen Schriften des Neuen Testaments (zusammen mit Method): in Großmähren übersetzt, gefunden im Apostol Kristinopolski (13. Jh. )
- Oktoich (Osmiglasnik): in Großmähren übersetzt, Sammlung byzantinischer liturgischer Gesänge, gefunden im Strumicki oktoich (12. - 13. Jh.)

Eigene Werke


- Die Chersoner Legende (d. h. "Die einen historischen Bericht enthaltende Rede über die Übertragung der Überreste des ruhmreichen Klemens"), 2. Hälfte des 9. Jh., besteht aus der Rede und dem historischen Bericht, gefunden in einer schlecht erhaltenen kirchenslawischen Übersetzung (16. Jh.) des ursprünglichen griechischen Textes, der die drei Teile historica narratio(historischer Bericht), sermo declamatorius (gehaltene Rede) und hymnus (zu Ehren des Hl. Klemens) enthielt.
- Disput über den rechten Glauben mit den Juden, 2. Hälfte des 9. Jh., von Method aus Konstantin's griechischem Text übersetzt, gekürzt enthalten in der Vita Cyrilli (Leben des Konstantin; stammt aus der Zeit um 870, die älteste erhaltende Fassung aus dem 15. Jh.)
- Proglas, 863-867, Vorwort zur Evangeliumübersetzung, das erste slawische Gedicht, zu den Fundstellen siehe oben unter Übersetzung der vier Evangelien
- Lob zu Ehren des Hl. Gregors von Nazianz, 2. Hälfte des 9. Jh., Gedicht, gefunden in der Vita Cyrilli
- Kanon zu Ehren des Hl. Demetrios von Saloniki, 864-867, nach manchen Forschern von Method geschrieben, Gedicht, gefunden in ?
- Gebet vor dem Tod, 2. Hälfte des 9. Jh., rhythmisierte Prosa, enthalten in der Vita Cyrilli
- Vorwort zum Evangeliar, 2. Hälfte des 9. Jh., die erste slawische Abhandlung zu Problemen der Übersetzung und der Litearturtheorie, ein Bruchstück der altkirchenslawischen Übersetzung des griechischen Originals ist im Hilferdingschen Blatt aus dem 11./12. Jh. (Bulgarien) erhalten
- Geschriebenes über den rechten Glauben, 2. Hälfte des 9. Jh., Traktat, gefunden in ?
- Alphabetisches Gebet, 2. Hälfte des 9. Jh., Gedicht, wird manchmal Konstantin von Preslaw zugeschrieben
- Beichtordnung im Euchologium sinaiticum (vielleicht zusammen mit Method)
- zwei Gebete in Form von Gedichten in den drei Sinaier Blättern im Euchologium sinaiticum (die ersten Poesieversuche Konstantins)
- die Kiewer Blätter werden manchmal Konstantin zugeschrieben

Gedenktag

Der gemeinsame Gedenktag von Kyrill und Method ist der 14. Februar, sowohl in der katholischen wie der evangelischen und anglikanischen Kirche. Orthodoxer Gedenktag ist ebenfalls der 14. Februar (Kyrill alleine) und der 11. Mai (gemeinsam mit Method). In der katholischen Kirche ist der Tag ein Gebotener Gedenktag im Allgemeinen Römischen Kalender. Da Papst Johannes Paul II. Kyrill und Method 1980 zu Patronen Europas ernannt hat, wird er in den europäischen Regionalkalendern (z.B. im Regionalkalender für das deutsche Sprachgebiet) zum Fest aufgewertet. Am 5. Juli wird in Tschechien und der Slowakei der Tag ihres Eintreffens im Großmährischen Reich (863) als Nationalfeiertag begangen.

Weblinks


- [http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?BiographienC/Cyrillus_von_Saloniki.htm Ökumenisches Heiligenlexikon: Cyrillus von Saloniki] Kategorie:Mann Kategorie:Grieche Kategorie:Heiliger Kategorie:Missionar Kategorie:Mönch Kategorie:Orthodoxer Theologe (9. Jh.) Kategorie:Gestorben 869 ja:キュリロス (スラヴの(亜)使徒)

10. Jahrhundert

Das 10. Jahrhundert begann am 1. Januar 901 und endete am 31. Dezember 1000.
Es ist die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Herrschaft der Ottonen

Ereignisse/Entwicklungen


- Ständige Einfälle der Magyaren erschüttern das Ostfrankenreich. Herrscher werden an ihren Erfolgen in den Ungarnkriegen gemessen.
- Um 907 endet die der Tang-Dynastie im Kaiserreich China. Die Zeit der fünf Dynastien bricht an.
- Aus der Zeit der fünf Dynastien existiert das älteste chinesische Manuskript einer Himmelskarte.
- Waräger erobern 907 Konstantinopel.
- Gründung von Cluny (Abtei) am 11. September 910.
- Wikinger (Normannen) erhalten 911 das von ihnen seit der 2. Hälfte des 9. Jahrhunderts besiedelte Gebiet zum Lehen. Entstehung der Normandie.
- Beginn der Goryeo-Dynastie 918 in Korea.
- König Eduard I. von Wessex gliedert 922 Essex und East Anglia seinem Reich an und unterwirft die Kleinkönige von Wales und Cornwall.
- Fürst Tomislav von Kroatien eint 924 die Stämme Kroatiens und Dalmatiens und unterwirft die byzantinischen Küstenstädte. Er proklamiert sich zum König und wird von Papst Johannes X. anerkannt.
- Markgräfin Marozia von Camerino, Witwe Alberichs, lässt Papst Johannes X. im Jahre 928 in den Kerker werfen und erhebt sich zur Senatrix von Rom.
- Gründung des Kalifats von Córdoba durch Abd ar-Rahman III. im Jahr 929.
- Der dänische König Harald Blauzahn lässt sich 960 taufen. Die Dänen werden Christen.
- In China beginnt 960 die Song-Dynastie.
- Gründung der Al-Azhar-Universität 970 (Moschee) in Kairo.
- Mit Ludwig V. stirbt 987 der letzte französische König aus der Dynastie der Karolinger. Mit der Wahl Hugo Capets zum König beginnt die Herrs