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Gibbon
Die Gibbons (Hylobatidae) bilden eine Familie baumbewohnender Primaten (Primates) aus Südostasien. Sie sind die Schwestergruppe der (Großen) Menschenaffen (Hominidae) und werden dementsprechend auch als "kleine Menschenaffen" bezeichnet. Beide Familien zusammen bilden die Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea).
Verbreitung
Gibbons kommen in Südostasien vor, ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Nordostindien, Myanmar und Südchina über Indochina und die Malaiische Halbinsel bis zu den indonesischen Inseln Borneo und Java. In früheren Zeiten waren Gibbons weiter verbreitet, noch in der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends fand man sie beispielsweise in einem Großteil Chinas.
Beschreibung
Gibbons sind schwanzlose Primaten, auffallend ist, dass die vorderen Gliedmaßen wesentlich länger als die hinteren sind; das ermöglicht ihnen die im Tierreich einmalige Fortbewegungsform des Schwinghangelns (Brachiation). Ihr Daumen wurzelt nahe dem Handgelenk und ermöglicht so einen sicheren Griff um die Äste. Ihr dichtes Fell ist schwarz, grau oder braun gefärbt; ihre Schnauzen sind kurz und die großen Augen nach vorn gerichtet. Die Zahnformel entspricht mit 2-1-2-3 der der Menschenaffen. Einige Arten haben einen Kehlsacke, der ihnen als Resonanzkörper beim Ausstoßen ihrer lauten Schreie dient. Gibbons erreichen eine Kopfrumpflänge von 45 bis 90 cm und ein Gewicht von 4 bis 13 kg, wobei der Siamang bei weitem die größte und schwerste Art darstellt.
Lebensweise
Siamang
Der Name Hylobates bedeutet Baumbewohner und Gibbons werden diesem Namen gerecht. Sie sind tagaktive Waldbewohner, die mit ihren langen Armen und den weit unten ansetzenden Daumen perfekt an die hangelnde Lebensweise angepasst sind. Sie schwingen durch die Bäume und können 3m mit einem einzigen Schwung zurücklegen. Auf dem Boden bewegen sie sich zweibeinig voran (Bipedie), wobei sie die Arme aus Balancegründen hoch in die Luft strecken. Ihr Verbreitungsgebiet sind in erster Linie Regenwälder, manchmal kommen sie auch in Gebirgswäldern bis 1800 m Höhe vor.
Gibbons leben monogam. Ein Paar und ihr Nachwuchs lebt in einem Revier, das sie gegen Eindringlinge verteidigen. Gelegentlich findet man auch Einzeltiere, meist junge Erwachsene, die ihre Familie verlassen mussten. Auf der Suche nach einem eigenen Partner verlassen Jungtiere ihre Eltern oder werden von diesen mit Gewalt verjagt. Die Suche nach einem geeigneten Partner kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Bei manchen Arten unterstützen die Eltern ihren Nachwuchs, indem sie ein freies Gebiet für sie "reservieren".
Gibbons sind streng territorial, das Revier eines Paares ist zwischen 25 und 50 ha groß. Es kommt selten zu Kämpfen mit Eindringlingen, vielmehr versuchen sie, ihr Territorium durch Schreie oder Drohgebärden (Hüpfen oder Abbrechen von Ästen) zu verteidigen. Sie kennen überhaupt ein großes Lautrepertoire, das von den Männchen, manchmal auch im Duett mit Weibchen vorgetragen wird, und verstärkt durch den Kehlsack zu einem eindrucksvollen Konzert wird.
Nahrung
Die Hauptnahrung der Gibbons besteht aus Blättern und Früchten, in geringem Ausmaß nehmen sie auch Blüten, Insekten und gelegentlich Vogeleier und kleine Wirbeltiere zu sich. Sie haben einen schwachen Kauapparat und einen einfach gebauten Magen (im Gegensatz etwa zu den Languren).
Fortpflanzung
Es dürfte bei den Gibbons keine feste Paarungssaison geben. Alle zwei bis drei Jahre bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillingsgeburten sind selten. Das Neugeborene klammert sich zunächst an den Bauch der Mutter, später beteiligt sich auch der Vater an dessen Aufzucht. Vollständig entwöhnt sind junge Gibbons erst mit eineinhalb bis zwei Jahren und die Geschlechtsreife tritt mit acht bis neun Jahren ein. Ihre Lebenserwartung in freier Wildbahn dürfte rund 25 Jahre betragen, das höchste bekannte Alter eines Tieres in menschlicher Obhut lag bei 34 Jahren.
Systematik
Die Gibbons bilden die Schwestergruppe der Menschenaffen (Hominidae) und werden in vier Gruppen unterteilt. Traditionell werden alle Arten in eine einzige Gattung (Hylobates) gestellt und die Gruppen als Untergattung angesehen. In jüngerer Zeit verbreitet sich die Ansicht, dass die vier Gruppen jeweils eigene Gattungen darstellen. Insgesamt werden elf Arten unterschieden:
- Gattung Gibbons (Hylobates)
- Untergattung Symphalangus
- Siamang (H. syndactylus)
- Untergattung Nomascus (Schopfgibbons)
- Schwarzer Schopfgibbon (H. concolor)
- Gelbwangen-Schopfgibbon (H. gabriellae)
- Weißwangen-Schopfgibbon (H. leucogenys)
- Untergattung Bunopithecus
- Weißbrauengibbon (H. hoolock)
- Untergattung Hylobates
- Kloss-Gibbon (H. klossii)
- Kappengibbon (H. pileatus)
- Grauer Gibbon (H. muelleri)
- Silbergibbon (H. moloch)
- Schwarzhandgibbon (H. agilis)
- Weißhandgibbon (H. lar)
Die Beziehung innerhalb der Familie kommen in folgendem Diagramm zum Ausdruck:
Gibbons (Hylobatidae)
|--Siamang (Untergattung Symphalangus)
|--N.N.
|--Schopfgibbons (Untergattung Nomascus)
|--N.N.
|--Weißbrauengibbon (Untergattung Bunopithecus)
|--Untergattung Hylobates
|--Kappengibbon (H. pileatus)
|--N.N.
|--N.N.
| |--Kloss-Gibbon (H. klossii)
| |--Silbergibbon (H. moloch)
|
|--Grauer Gibbon (H. muelleri)
|--N.N.
|--Schwarzhandgibbon (H. agilis)
|--Weißhandgibbon (H. lar)
Gibbons und Menschen
Etymologie
Das Wort "Gibbon" wurde Ende des 18. Jahrhunderts aus den französischen Kolonien in Südostasien nach Europa gebracht. Es soll aus einer dort gesprochenen Sprache stammen, bislang fand man aber kein entsprechendes Wort.
Gibbons in China
Bis in die erste Hälfte des 2. Jahrtausends waren Gibbons im damaligen Kaiserreich China weitverbreitet und haben dort auch Eingang in die Literatur und Malerei gefunden. Vor allem die Gesänge haben die Dichter beeindruckt:
"Traurig sind die Rufe der Gibbons in den drei Schluchten von Pa-tung. Nach drei Rufen in der Nacht netzen Tränen die Kleidung des Reisenden." (Yüan Sung, 4. Jhdt., zitiert nach Geissmann)
Es gibt zahlreiche naturalistische Zeichnung der Gibbons, nach taoistischen Vorstellungen konnten sie auch Menschengestalt annehmen.
Vor tausend Jahren kamen Gibbons noch im größten Teil Chinas vor (Nordgrenze war der Gelbe Fluss), im 17. Jahrhundert war die Nordgrenze ihres Verbreitungsgebietes der Jangtsekiang, heute leben sie nur mehr im äußersten Süden des Landes (Provinz Yunnan) und auf der Insel Hainan.
Bedrohung
In den letzten Jahrhunderten ist das Verbreitungsgebiet drastisch geschrumpft. Auch in ihrem übrigen Verbreitungsgebiet sind sie durch die Jagd und insbesondere durch den Verlust ihres Lebensraumes gefährdet. Besonders bedroht ist der Silbergibbon, der nur auf Java vorkommt, die IUCN listet alle elf Arten als gefährdet oder bedroht.
Literatur
Geissmann, Thomas: Vergleichende Primatologie, Springer-Verlag 2002, ISBN 3540436456
Weblinks
- [http://www.gibbons.de Linkseite zu umfangreichen Seiten über Gibbons]
- [http://www.gibbonconservation.org/ Gibbon Conservation Alliance für den Schutz der Gibbons als bedrohtesten aller Menschenaffen]
Kategorie:Primaten
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Eine Taxobox ist in einem Artikel über ein Taxon (= eine systematisch erfasste und benannte Tier- oder Pflanzengruppe bzw. Tier- oder Pflanzenart) eine Tabelle mit Informationen zur systematischen Einordnung und Unterteilung. Taxoboxen sollten nur für rezente, nicht aber für ausgestorbene Arten angelegt werden. (Arten, die erst in historischer Zeit ausgestorben sind, bilden eine Ausnahme von dieser Regel).
Wenn Du mehr über die Gestaltung eines Tier- oder Pflanzenartikels wissen möchtest, solltest Du auch Wikipedia:WikiProjekt Lebewesen und Wikipedia:Leitlinien Biologie lesen.
Eine Möglichkeit, Taxoboxen zu erzeugen, ist der [http://vs.aka-online.de/taxoboxomat/ Taxoboxomat].
Übergeordnete Taxa
Es sollen stets die fünf übergeordneten Taxa genannt werden. Bei einer Art könnten dies also die Gattung, die Tribus, die Unterfamilie, die Familie und die Überfamilie sein. Wenn eines dieser Taxa fehlt, rückt statt dessen ein anderes nach. Wenn also zum Beispiel die Tribus fehlt, wird zusätzlich noch die Unterordnung genannt.
Untergeordnete Taxa
Untergeordnete Taxa können, müssen aber nicht in der Taxobox stehen. Wenn sie genannt werden, müssen alle untergeordneten Taxa erwähnt sein und nicht bloß eine Auswahl. Sind es mehr als zehn untergeordnete Taxa, werden sie nicht in der Taxobox, sondern nur im Fließtext genannt. Allgemein ersetzt die Aufführung in der Taxobox nicht die Erwähnung im Fließtext.
Schreibweise der Taxa
Wissenschaftliche Taxonnamen werden nur für Gattung und Art kursiv dargestellt. Der Name einer Gattung wird immer großgeschrieben, der Artname besteht immer aus zwei Bestandteilen: Dem Gattungsnamen, der auch durch (großgeschriebene) Initiale abgekürzt werden kann und dem Artepithet, das immer kleingeschrieben wird.
Wissenschaftlicher Name
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Nähere Informationen hierzu findet man in den Leitlinien Biologie.
Keine Kommentare in der Taxobox
Alle Unklarheiten die Einordnung und Unterteilung betreffend sollen im Text stehen. Die Taxobox soll von Kommentaren freibleiben. Sie soll auch keine Synonyme, Basionyme und andere alternative Schreibweisen des wissenschaftlichen Namens enthalten.
Bild
Steht ein Bild zur Verfügung, wird es in die Taxobox integriert. In einer Taxobox steht nur ein Bild. Weitere Bilder können außerhalb der Taxobox in den Artikel eingebracht werden.
Unter dem Bild wird die Art mit eventuellen Besonderheiten (Weibchen, Winterfell, weiße Morphe etc.) genannt.
Weitere Informationen in der Taxobox
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Taxon-Kategorien im MediaWiki-Namensraum
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Beispielhaftes Aussehen einer Taxobox
Beispiel für eine Pflanzenart
Beispiel für eine Tierfamilie
Beispiel für einen Speisepilz
Siehe auch: Portal:Lebewesen/Artikel ohne Taxobox, Portal:Lebewesen/Artikel mit alter Taxobox
Taxoboxen
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Kategorie:WikiProjekt Lebewesen
Primaten
Die Primaten (Primates) oder Herrentiere sind eine zu der Überordnung der Euarchontoglires gehörige Ordnung innerhalb der Unterklasse der höheren Säugetiere. Ihre Erforschung ist Gegenstand der Primatologie. Der Ausdruck Affen, der bisweilen für diese Ordnung verwendet wird, ist insofern missverständlich, als die Affen oder Eigentlichen Affen eine traditionelle Unterordnung darstellten, die im Gegensatz zu den Halbaffen stand. Heute werden Primaten in die beiden Unterordnungen der Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini) und Trockennasenaffen (Haplorhini) eingeteilt, wobei letztere auch die Menschenaffen (Hominidae) inklusive des Menschen (Homo sapiens) mit einschließen.
Verbreitung
Mensch
Mit Ausnahme des Menschen, der eine weltweite Verbreitung erreicht hat, ist das Verbreitungsgebiet der Primaten größtenteils auf die Tropen und Subtropen Amerikas, Afrikas und Asiens beschränkt. Auf dem amerikanischen Kontinent reicht ihr heutiges Verbreitungsgebiet vom südlichen Mexiko bis ins nördliche Argentinien, schließt jedoch die Karibischen Inseln aus, auf denen sie außer vom Menschen eingeschleppte Tiere und der mysteriösen ausgestorbenen Gattung Xenothrix fehlen. In Afrika sind sie weit verbreitet, die größte Artendichte erreichen sie in den Regionen südlich der Sahara. Auf der Insel Madagaskar hat sich eine eigene Primatenfauna (ausschließlich Feuchtnasenaffen) entwickelt. In Asien umfasst ihr Verbreitungsgebiet die Arabische Halbinsel (der dort lebende Mantelpavian wurde jedoch möglicherweise vom Menschen eingeschleppt), den indischen Subkontinent, Volksrepublik China, Japan und Südostasien. Die östliche Grenze ihres Vorkommens bilden die Inseln Sulawesi und Timor. In Europa kommt frei lebend eine einzige Art vor, der Berberaffe in Gibraltar, doch ist auch diese Population wahrscheinlich vom Menschen eingeführt.
Nicht-menschliche Primaten fehlen in Nordamerika, dem größten Teil Europas, den nördlichen und zentralen Teilen Asiens, dem australisch-ozeanischen Raum sowie auf abgelegenen Inseln und den Polarregionen.
Anders als andere Säugetiergruppen sind Primaten nicht im großen Ausmaß vom Menschen in anderen Regionen sesshaft gemacht worden, außer den bereits erwähnten Mantelpavianen auf der Arabischen Halbinsel und den Berberaffen in Gibraltar betrifft das nur kleine Gruppen, beispielsweise einer Population der Grünen Meerkatze, die von afrikanischen Sklaven auf die Karibikinsel Saint Kitts mitgebracht wurde, oder einer Gruppe Rhesusaffen in Florida.
Merkmale
Obwohl die Primaten eine relativ klar definierte Säugetierordnung sind, gibt es relativ wenig Merkmale, die bei allen Tieren dieser Ordnung und sonst bei keinem anderen Säugetier zu finden sind.
Körpergröße
Die Körpergröße schwankt zwischen dem nur 12 bis 14 Zentimeter langen und 40 g schweren Mausmakis und dem bis zu 275 kg schweren Gorilla. Generell sind Feuchtnasenaffen (Durchschnittsgewicht 500 g) kleiner als Trockennasenaffen (Durchschnittsgewicht 5 kg), eine Tatsache, die auch auf den unterschiedlichen Aktivitätszeiten gründet (siehe unten). Einige Arten haben einen ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus, Männchen sind manchmal doppelt so schwer wie Weibchen und unterscheiden sich auch in der Fellfarbe (zum Beispiel der Mantelpavian).
Behaarung
Der Körper der meisten Primaten ist mit Fell bedeckt, dessen Färbung von weiß über grau bis zu braun und schwarz variieren kann. Die Handflächen und Fußsohlen sind meistens unbehaart, bei manchen Arten auch das Gesicht oder der ganze Kopf (zum Beispiel Uakaris). Am wenigsten behaart ist der Mensch.
Gesicht und Sinne
Mensch
Typisch für Primaten sind die relativ großen, nach vorne gerichteten Augen. Damit einhergehend ist ein gutentwickelter Gesichtssinn und ein im Verhältnis großes Gehirn. Die größten Augen aller Primaten haben die Koboldmakis. Bei den größtenteils nachtaktiven Feuchtnasenaffen ist zusätzlich eine lichtreflektierende Schicht hinter der Netzhaut, das Tapetum lucidum vorhanden.
Namensgebender Unterschied der beiden Unterordnungen ist der Nasenspiegel (Rhinarium), der bei den Feuchtnasenaffen feucht und drüsenreich ist und sich in einem gut entwickelten Geruchssinn widerspiegelt. Die Trockennasenaffen hingegen besitzen einfache, trockene Nüstern und ihr Geruchssinn ist weitgehend unterentwickelt.
Zähne
Die ältesten gefundenen fossilen Primaten besaßen eine Zahnformel von 2-1-4-3, das bedeutet pro Kieferhälfte zwei Schneidezähne, einen Eckzahn, vier Prämolaren und drei Molaren, insgesamt also 40 Zähne. Die maximale Zahnformel der rezenten Primaten lautet jedoch 2-1-3-3, die beispielsweise bei den Lemuren und Kapuzinerartigen auftritt. Manche Gattungen haben ernährungsbedingt weitere Zähne eingebüßt, so besitzen die Wieselmakis keine Schneidezähne im Oberkiefer. Die wenigsten Zähne aller lebenden Arten hat mit 18 das Fingertier, das keine Eckzähne und nur mehr einen Schneidezahn pro Kieferhälfte besitzt. Die Altweltaffen, einschließlich des Menschen haben die Zahnformel 2-1-2-3, also 32 Zähne.
Die Form insbesondere der Backenzähne gibt Aufschluss über die Ernährung. Vorwiegend fruchtfressende Arten haben abgerundete, insektenfressende Arten haben auffallend spitze Molaren. Bei Blätterfressern haben die Backenzähne scharfe Kanten, die zur Zerkleinerung der harten Blätter dienen.
Gliedmaßen
Mensch
Da die meisten Primatenarten Baumbewohner sind, sind ihre Gliedmaßen an die Lebensweise angepasst. Die Hinterbeine sind fast immer länger und stärker als die Vorderbeine (Ausnahmen sind die Gibbons und die nicht-menschlichen Menschenaffen) und tragen den größeren Anteil der Bewegung. Besonders ausgeprägt ist das bei den springenden Primaten und beim Menschen. Die Finger und Zehen sind an das Greifen angepasst. Merkmal aller Arten (mit Ausnahme des Menschen) ist die opponierbare (den anderen Zehen gegenüberstellbare) Großzehe. Auch der Daumen ist in den meisten Fällen opponierbar, bei Arten, die sich hangelnd durch die Äste bewegen, ist dieser jedoch zurückgebildet (beispielsweise bei den Klammeraffen und Stummelaffen). Die jeweils fünf Strahlen der Gliedmaßen (Finger und Zehen) tragen in den meisten Fällen Nägel statt Krallen. Feuchtnasenaffen haben an der zweiten Zehe eine Putz- oder Toilettenkralle, die der Fellpflege dient. Die Unterseite der Hände und Füße ist unbehaart und mit sensiblen Tastfeldern versehen.
Schwanz
Für viele baumbewohnende Säugetiere ist ein langer Schwanz ein wichtiges Gleichgewichts- und Balanceorgan, so auch bei den meisten Primaten. Jedoch kann der Schwanz rückgebildet sein oder ganz fehlen. Mit Ausnahme der Menschenartigen, die generell schwanzlos sind, ist die Schwanzlänge kein Verwandtschaftsmerkmal, da Stummelschwänze bei zahlreichen Arten unabhängig von der Entwicklung vorkommen. Sogar innerhalb einer Gattung, der Makaken, gibt es schwanzlose Arten (zum Beispiel der Berberaffe) und Arten, deren Schwanz länger als der Körper ist, zum Beispiel der Javaneraffe. Einen Greifschwanz haben nur einige Gattungen der Neuweltaffen ausgebildet, die Klammerschwanzaffen und die Brüllaffen. Dieser ist an der Unterseite unbehaart und mit sensiblen Nervenzellen ausgestattet.
Lebensweise
Lebensraum
Man vermutet, dass sich die Primaten aus baumbewohnenden Tieren entwickelt haben und noch heute sind viele Arten reine Baumbewohner, die kaum jemals auf den Boden kommen. Andere Arten sind zum Teil terrestrisch (auf dem Boden lebend), dazu zählen beispielsweise Paviane und Husarenaffen. Nur wenige Arten sind reine Bodenbewohner, darunter der Dschelada und natürlich der Mensch. Primaten finden sich in den verschiedensten Waldformen, darunter Regenwälder, Mangrovenwälder, aber auch Gebirgswälder bis über 3000 m Höhe. Obwohl man diesen Tieren generell nachsagt, wasserscheu zu sein, finden sich Arten, die gut und gerne schwimmen, darunter der Nasenaffe oder die Sumpfmeerkatze, die sogar kleine Schwimmhäute zwischen den Fingern entwickelt hat. Für einige hemerophile Arten (Kulturfolger) sind auch Städte und Dörfer Heimat geworden, zum Beispiel dem Rhesusaffen und den Hanuman-Langur.
Aktivitätszeiten
Vereinfacht gesagt sind Feuchtnasenaffen meist nachtaktiv (Ausnahmen: Indri, Sifakas und Varis), während Trockennasenaffen meist tagaktiv sind (Ausnahmen: Koboldmakis und Nachtaffen). Die unterschiedlichen Aktivitätszeiten haben sich auch im Körperbau niedergeschlagen, so sind in beiden Untergruppen nachtaktive Tiere durchschnittlich kleiner als tagaktive. Eine weitere Anpassung an die Nachtaktivität stellt der bessere Geruchssinn der Feuchtnasenaffen dar. Vergleichbar mit anderen Säugetieren ist die Tatsache, dass Arten, die sich vorwiegend von Blättern ernähren, längere Ruhezeiten einlegen, um den niedrigen Nährwert ihrer Nahrung zu kompensieren.
Fortbewegung
Nachtaffen
Primaten verwenden unterschiedliche Arten der Fortbewegung, die sich in verschiedenen Anpassungen im Körperbau widerspiegeln und auch vom Lebensraum abhängig sind. Es lassen sich folgende Formen unterscheiden:
- Vierbeiniges Gehen in den Bäumen: Bei dieser Form der Fortbewegung werden vorwiegend waagrechte Äste ausgenutzt.
- Senkrechtes Klettern und Springen: dazu werden vorwiegend die senkrechten Stämme ausgenutzt. Springfähige Primaten haben besonders starke hintere Gliedmaßen.
- Langsames Klettern: Diese Form haben insbesondere die Loris perfektioniert, die behäbig durch die Äste klettern, deren fester Klammergriff um die Äste aber kaum mit Gewalt gelöst werden kann.
- Vierbeiniges Gehen am Boden: Hände und Füße dienen der Fortbewegung am Boden, wobei sich die Details unterscheiden können: während Paviane alle drei Fingerglieder am Boden aufsetzen, stützen sich Gorillas und Schimpansen auf die zweiten Fingerglieder (so genannter Knöchelgang).
- Schwinghangeln: Bei dieser Methode schwingen sich die Tiere mit Hilfe ihrer kräftigen Arme durch das Geäst. Schwinghangeln lässt sich beispielsweise bei Spinnenaffen und Orang-Utans beobachten. Perfektioniert haben diese Methode die Gibbons (Brachiation).
- Bipedie: Den zweibeinigen, aufrechten Gang auf dem Boden praktizieren zeitweise mehrere Primatenarten, in Reinform kommt diese Methode nur bei den Menschen vor.
Sozialverhalten
Primaten haben in den meisten Fällen ein komplexes Sozialverhalten entwickelt. Reine Einzelgänger sind selten, auch bei Arten die vorwiegend einzeln leben (zum Beispiel der Orang-Utan), überlappen sich die Reviere von Männchen und Weibchen, und bei der Fortpflanzung werden Tiere aus solchen überlappenden Territorien bevorzugt. Andere Arten leben in langjährigen monogamen Beziehungen (zum Beispiel Indriartige oder Gibbons). Vielfach leben Primaten jedoch in Gruppen. Diese können entweder Harems- oder Einzelmännchengruppen sein, wo ein Männchen zahlreiche Weibchen um sich schart, oder gemischte Gruppen, in denen mehrere geschlechtsreife Männchen und Weibchen zusammenleben. In Gruppen etabliert sich oft eine Rangordnung, die durch Kämpfe, Alter, Verwandtschaft und andere Faktoren bestimmt ist.
Auch die Kommunikation und Interaktion spielt eine bedeutende Rolle. Etliche Arten haben eine Vielzahl von Lauten, die zur Markierung des Territoriums, zur Suche nach Gruppenmitgliedern, zur Drohung oder zur Warnung von Fressfeinden dienen kann. Besonders bekannt sind die Urwaldkonzerte der Brüllaffen und die Duettgesänge der Gibbonpärchen. Auch Körperhaltungen und Grimassen können eine Kommunikationsform darstellen, eine weitere wichtige Form der Interaktion ist die gegenseitige Fellpflege. Bei den Feuchtnasenaffen spielt der Geruchssinn eine bedeutendere Rolle, oft wird das Revier mit Duftdrüsen oder Urin markiert.
Ernährung
Gibbon
Vermutlich waren die Vorfahren der Primaten Insektenfresser, die Mehrzahl der Arten ist heute jedoch vorrangig Pflanzenfresser. Früchte stellen für viele Arten den Hauptbestandteil der Nahrung dar, ergänzt werden sie durch Blätter, Blüten, Knollen, Pilze, Samen, Nüsse, Baumsäfte und andere Pflanzenteile. Viele Arten sind jedoch Allesfresser, die neben pflanzlicher auch tierische Nahrung zu sich nehmen, insbesondere Insekten, Spinnen, Vogeleier und kleine Wirbeltiere. Zu den Gattungen, die gelegentlich Jagd auf größere Säugetiere (Hasen, kleine Primaten, junge Paarhufer) machen, gehören Paviane und Schimpansen.
Es gibt auch Arten, die vorwiegend Blätter verzehren. Um diese schwerverdauliche Nahrung zu verwerten, haben manche Tiere besondere Strategien entwickelt: so haben die Stummelaffen einen mehrkammerigen Magen, in welchem Mikroorganismen die Zellulose abbauen. Dieses Konzept ähnelt dem der Wiederkäuer oder mancher Känguruarten. Andere, wie die Brüllaffen oder der Gorilla, haben einen vergrößerten Dickdarm, der demselben Zweck dient.
Reine Fleischfresser sind selten unter den Primaten, dazu gehören beispielsweise die insektenfressenden Koboldmakis und Bärenmakis.
Fortpflanzung
Generell zeichnen sich Primaten durch eine lange Trächtigkeitsdauer, eine lange Entwicklungszeit der Jungen und eine eher hohe Lebenserwartung aus. Die Strategie dieser Tiere liegt darin, viel Zeit in die Aufzucht der Jungtiere zu investieren, dafür ist die Fortpflanzungsrate gering. Die kürzeste Tragzeit haben Katzenmakis mit rund 60 Tagen, bei den meisten Arten liegt sie zwischen vier und sieben Monaten. Die längste Trächtigkeitsdauer haben der Mensch und der Gorilla mit rund neun Monaten.
Bei den meisten Arten überwiegen Einzelgeburten, und auch bei den Arten, die üblicherweise Mehrfachgeburten aufweisen (darunter Katzenmakis, Galagos und Krallenaffen) liegt die Wurfgröße selten über zwei oder drei Neugeborenen.
Systematik und Stammesgeschichte
Systematik
Die Primaten gehören innerhalb der Plazentatiere zu den Euarchontoglires, einer aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen festgelegten Überordnung. Ihre nächsten Verwandten sind die Riesengleiter (Dermoptera). Die Spitzhörnchen (Scandentia), die früher manchmal den Primaten zugerechnet wurden, zeigen zwar im Schädelbau und im Verhalten Ähnlichkeiten, diese sind aber entweder generelle Merkmale der Säuger oder konvergente Entwicklungen, sodass sie heute in eine eigene Ordnung, Scandentia, gestellt werden. Das nachfolgende Diagramm gibt die vermuteten Entwicklungsverhältnisse innerhalb dieser Unterordnung wieder:
Euarchontoglires
|--Glires
| |--Nagetiere (Rodentia)
| |--Hasenartige (Lagomorpha)
|--Euarchonta
|--Spitzhörnchen (Scandentia)
|--N.N.
|--Riesengleiter (Dermoptera)
|--Primaten (Primates)
Riesengleiter
Man teilt die Primaten heute in zwei Unterordnungen, die Trockennasenaffen (Haplorrhini) und die Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini). Früher wurde zwischen Halbaffen (Prosimiae) und "Echten" Affen (Simiae) unterschieden, bis auf die Familie der Koboldmakis entsprechen die Feuchtnasen- den Halbaffen und die Trockennasen- den echten Affen. Die Feuchtnasenaffen teilen sich in die Lemuriformes (Lemurenartige), die ausschließlich auf Madagaskar leben und die Loriformes, zu denen Loris und Galagos gehören. Bei den Trockennasenaffen stehen die Koboldmakis den anderen Arten gegenüber, die manchmal als Eigentliche Affen (Anthropoidea) bezeichnet werden und sich wiederum in die Neuweltaffen und die Altweltaffen teilen.
Die folgende Systematik zeigt nur die rezenten Familien:
Primaten (Primates)
|-- Feuchtnasenaffen (Strepsirrhini)
| |--Lemuriformes (Lemurenartige)
| | |--Fingertiere (Daubentoniidae)
| | |
| | |--Lemuroidea
| | |--Katzenmakis (Cheirogaleidae)
| | |--Wieselmakis (Lepilemuridae)
| | |--N.N.
| | |--Indriartige (Indriidae)
| | |--Lemuren (Lemuridae)
| |
| |--Lorisiformes (Loriartige)
| |--Loris (Lorisidae)
| |--Galagos (Galagonidae)
|
|--Trockennasenaffen (Haplorhini)
|
|--Tarsiiformes (Koboldmakis)
|
|--Anthropoidea ("Eigentliche Affen")
|--Neuweltaffen oder Breitnasenaffen (Platyrrhini)
| |--Sakiaffen (Pitheciidae)
| |--N.N.
| |--Klammerschwanzaffen (Atelidae)
| |--N.N.
| |--Krallenaffen (Callitrichidae)
| |--N.N.
| |--Nachtaffen (Aotidae)
| |--Kapuzinerartige (Cebidae)
|
|--Altweltaffen oder Schmalnasenaffen (Catarrhini)
|--Geschwänzte Altweltaffen (Cercopithecoidea)
| |--Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae)
|
|--Menschenartige (Hominoidea)
|--Gibbons (Hylobatidae)
|--Menschenaffen (inkl. Mensch) (Hominidae)
Stammesgeschichte
Die ältesten zweifelsfrei den Primaten zuzuordnenden Fossilienfunde stammen aus dem frühen Eozän (vor rund 55 Millionen Jahren). Die Stellung der aus dem Paläozän bekannten Gattung Plesiadapis ist umstritten, sie wird aber heute meist nicht zu den Primaten gerechnet. Da die Funde aus dem Eozän bereits die Aufspaltung in die beiden Unterordnungen erkennen lassen, vermutet man, dass die ältesten Primaten in der Kreidezeit gelebt haben, vor rund 80 bis 90 Millionen Jahren.
Die Funde aus dem Eozän werden den Adapiformes, einer Teilordnung der Feuchtnasenaffen, und den Omomyidae, einer den Koboldmakis ähnlichen Familie zugeordnet und sind aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika bekannt. Während die Primaten in Nordamerika im Oligozän ausstarben, entwickelten sie sich auf den anderen Kontinenten weiter. Die heutigen Primaten Amerikas, die Neuweltaffen, sind seit rund 25 Millionen Jahren belegt, älteste bekannte Gattung ist Branisella. Aus dem Miozän sind Vorfahren der meisten heutigen Familie bekannt, eine Ausnahme bilden die Primaten Madagaskars, was aber wohl auf eine schlechte Fossilienfundrate zurückzuführen ist. In Europa starben die nichtmenschlichen Primaten - aus der Familie der Meerkatzenverwandten (Cercopithecidae) - im Pleistozän aus. Auf beispiellose Weise hat sich die Gattung Homo innerhalb der letzten 100.000 Jahre weltweit ausgebreitet, sodass heute in jedem Winkel der Erde Primaten zu finden sind.
Primaten und Menschen
Die folgenden Kapitel befassen sich mit dem Verhältnis zwischen Menschen und anderen Primaten, wobei der Mensch selbst weitestgehend unbeachtet bleibt.
Forschungsgeschichte
Homo
Zu den frühesten im Mittelmeerraum bekannten Primaten zählten der Berberaffe Nordafrikas und der Mantelpavian Ägyptens. Der karthagische Seefahrer Hanno († 440 v. Chr.) brachte von seiner Afrikareise die Felle von drei "wilden Frauen" mit, vermutlich Schimpansen. Aristoteles schreibt über Tiere, die sowohl Eigenschaften des Menschen als auch Eigenschaften der "Vierfüßer" teilen und unterteilt sie in (Menschen-)Affen, "Affen mit Schwanz" (vermutlich Meerkatzen oder Makaken) und Paviane. Den Pavianen attestierte er eine hundeähnliche Schnauze und Zähne und prägte so den Begriff der Hundsaffen, Im 2. Jahrhundert nach Christus sezierte Galenos von Pergamon Berberaffen und schlussfolgerte daraus die menschliche Anatomie, bis ins 16. Jahrhundert hinein waren seine Forschungen für die Medizin bestimmend. Die Vorstellungen der Primaten im Mittelalter waren überlagert mit Fabelwesen wie behaarten, geschwänzten Menschen und Halbwesen ähnlich dem Satyr. Pan, der Gattungsname der Schimpansen, abgeleitet vom bocksfüßigen Hirtengott Pan, geht auf solche Vorstellungen zurück. 1641 kam erstmals ein lebendiger Schimpanse nach Holland und wurde vom niederländischen Arzt Nicolaes Tulpius (1593-1674), der durch seine Verewigung in Rembrandts Gemälde "Die Anatomielektion des Dr. Tulp" berühmt wurde, untersucht und unter dem Titel "Indischer Satyr" veröffentlicht. Als Begründer der Primatologie gilt der englische Arzt und Zoologe Edward Tyson (1650-1708), der 1699 eine Reihe von Gemeinsamkeiten zwischen dem von ihm untersuchten "Orang-Outan oder Homo sylvestris" - in Wahrheit einem Schimpansen aus Angola - und dem Menschen feststellte. Carl von Linné schuf die grundsätzlich heute noch gültige Systematik der Tiere, er teilte in der zehnten Auflage seiner "Systema Naturae" (1758) die Primaten in vier Gattungen: Homo (Mensch), Simia (Menschenaffen und andere Affen), Lemur (Lemuren und andere "niedere" Affen) und Vespertilio (Fledermäuse) - in früheren Auflagen hatte er auch noch die Faultiere zu den Primaten gerechnet.
Faultiere
Ganz mochte man sich mit der Einordnung der Menschen unter die Primaten nicht abfinden, so teilte Johann Friedrich Blumenbach diese Gruppe in die "Bimana" (Zweihänder, also Menschen) und "Quadrumana" (Vierhänder, also nicht-menschliche Primaten). Diese Einteilung spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass Menschenaffen in jener Zeit oft mit einem Stock dargestellt wurden, da das zweifüßige Gehen ohne Hilfe dem Menschen vorbehalten war. Im 19. Jahrhundert wurde die Evolutionstheorie entwickelt und Thomas Henry Huxley band mit seinem Werk "Evidence as to Man's Place in Nature" (1863) den Menschen konsequent in die Evolutionsvorgänge ein, was noch jahrzehntelange Diskussionen anheizen sollte, ob der Mensch denn wirklich vom Affen abstamme. Der britische Zoologe St. George Mivart (1827-1900), ein konservativer Katholik und Autodidakt versuchte einerseits, Darwins und Huxleys Thesen zu widerlegen, unter anderem mit der Behauptung, die Erde existiere für die beschriebenen Evolutionsprozesse noch nicht lang genug, andererseits aber modifizierte er die Einteilung Linnés, indem er die Fledermäuse von den Primaten abtrennte und die bis vor kurzem gültige Einteilung in Halbaffen und (Eigentliche) Affen durchführte. Mivart etablierte auch eine Merkmalsliste der Primaten, in der er unter anderem ausgebildete Schlüsselbeine, einen Greiffuß mit gegenüberstellbarer Großzehe und einen freihängenden Penis mit dahinterliegendem Skrotum anführte.
Ab dem 20. Jahrhundert spaltete sich die Forschungsgeschichte in zahlreiche Bereiche auf, die hier nur stichwortartig wiedergegeben werden können:
- Paläontologie: Mit Hilfe von Fossilien wurde versucht, die genauen Abstammungsverhältnisse innerhalb der Primaten zu ermitteln. Besonders intensiv wurde versucht, die Beziehungen zwischen den Echten Menschen und ihren tierischen Verwandten zu erhellen und den lang gesuchten "Missing Link" zu finden.
- Systematik: Mit Hilfe von DNA-Vergleichen und anderer Vergleichsmethoden wurden die stammesgeschichtlichen Beziehungen der verschiedenen Primatengruppen genauer analysiert. Kladistische Systematiken wurden entwickelt, die dem früheren "Fortschrittsvorurteil" der klassischen Systematik gegenüberstehen. Zwei grundlegende Korrekturen in der Systematik sind dadurch entstanden: Die traditionelle Einteilung in Halbaffen und Affen wurde zugunsten der Gruppierung in Feuchtnasenaffen und Trockennasenaffen aufgegeben. Die zweite Änderung betrifft den Menschen, der früher - vielleicht als letztes Überbleibsel einer traditionell zugestandenen Sonderrolle - in einer eigenen Familie (Hominidae) den Menschenaffen (Pongidae) gegenüber gestellt wurde, heute allerdings zweifelsfrei als Mitglied der Menschenaffen (Hominidae) eingeordnet wird.
- Verhaltensforschung: Anstatt rein äußerlicher Beschreibungen rückte das Verhalten der Tiere in den Mittelpunkt. Verhaltensweisen, Werkzeuggebrauch und Sozialformen wurden exakter analysiert, viele Forscher verbrachten mehrere Jahre in der Nähe der Tiere, um genaue Freilandstudien durchführen zu können. Zu den bekanntesten Forscherinnen zählen Dian Fossey und Jane Goodall. In diesen Bereich gehört auch die Intelligenz- und Lernforschung. Anhand ihrer Fähigkeiten, Aufgabenstellungen zu lösen (zum Beispiele eine Frucht in einer durch Schnallen verschlossenen Schachtel) oder mittels Symbolkärtchen oder Gebärdensprache in eine Kommunikation mit Menschen zu treten, soll die Intelligenz und das Lernverhalten der Tiere ermittelt werden.
- Erhaltungsbiologie: Angesichts der zum Teil drastisch zurückgehenden natürlichen Lebensräume vieler Arten werden Fragen des Naturschutzes und der Errichtung geeigneter Schutzgebiete immer brennender.
Generell lässt sich in den letzten Jahrzehnten ein Rückgang der Forschung in anatomischen und physiologischen Fragestellung und ein Aufschwung in Freilandforschung und Erhaltensbiologie erkennen.
Kulturelle Bedeutung
physiologischen]
Die Menschenähnlichkeit im Körperbau und mehrere Angewohnheiten haben oft zu mythischen Vorstellungen beigetragen. Zu diesen Angewohnheiten zählen das morgendliche Aalen in der Sonne, das als religiöse Sonnenverehrung gedeutet wurde, die Schreie und Gesänge und die vermutete eheliche Treue mancher Arten.
In verschiedenen Religionen wurden manche Arten zu Heiligen Tieren erklärt. Der altägyptische Gott Thot wurde manchmal in Gestalt eines Pavians dargestellt. Im ägyptischen Totenbuch wird von den Pavianen berichtet, sie sitzen am Bug der Todesbarke und der Tote kann sich an sie wenden und um Gerechtigkeit im Totenreich bitten. Paviane genossen deshalb Schutz und wurden sogar mumifiziert. In Indien gelten der Rhesusaffe und der Hanuman-Langur als heilig. Im Ramayana, dem indischen Nationalepos, helfen Hanuman-Languren, die nach dem Affengott Hanuman benannt sind, dem Prinz Rama bei der Befreiung seiner Gattin aus den Fängen des Fürsten der Dämonen. Diese beiden Arten bevölkern indische Städte und Tempel in großer Zahl und dürfen unbehelligt Marktstände und Gärten plündern. In verschiedenen Regionen der Erde genossen gewisse Primaten aufgrund mythischer Vorstellungen Schutz vor der Bejagung, so zum Beispiel der Indri auf Madagaskar. In China wurden die Duettgesänge der Gibbons mit der angeblichen Melancholie dieser Tiere in Verbindung gebracht, was sich in Gedichten und Gemälden niedergeschlagen hat.
Primaten als Haustiere
Die ältesten Belege über Primaten als Haustiere stammen aus dem Alten Ägypten, wo Bilder zeigen, wie Paviane an der Leine geführt wurden und mit Kindern spielten. Aus dem alten China sind Gibbons als Haustiere bekannt. Über Jahrtausende hinweg wurden Primaten als Haustiere gehalten, auch heute ist dies noch mancherorts üblich. Gehalten werden vor allem Menschenaffen und kleinere Arten wie Totenkopfaffen - bekannt war der Schimpanse Michael Jacksons. Problematisch ist dabei, dass diese Tiere selten gezüchtet werden, sondern meistens als Jungtiere gefangen, was oft mit der Tötung der Mutter einhergeht. Aus dem Aspekt des Tierschutzes werden Primaten als Haustiere generell abgelehnt, da eine artgerechte Haltung kaum möglich ist und es auch zur Übertragung von Krankheiten - in beide Richtungen - kommen kann.
Primaten als Nutztiere
artgerechte Haltung
Unter den Primaten finden sich keine klassischen Nutztiere. Im Bereich der medizinischen Forschung und der Erprobung von Kosmetika werden Primaten vielfach für Tierversuche verwendet. Am bekanntesten ist wohl die Entdeckung des Rhesusfaktors, der 1940 am Rhesusaffen entdeckt wurde. Früher hat die Suche nach Versuchstieren die Populationen zum Teil drastisch dezimiert, heute stammen die Tiere für diese Zwecke meist aus eigener Züchtung. Der Sinn und Nutzen der Tierversuche ist heftig umstritten und die Diskussion darüber wird äußerst kontrovers geführt.
Ein weiterer Verwendungszweck von Primaten war die Raumfahrt. Der erste war 1958 "Gordo", ein Totenkopfaffe, der an Bord einer Redstone-Rakete ins All befördert wurde. Es folgten weitere Totenkopfaffen, Rhesusaffen und Schimpansen in den Raumfahrtsprogrammen der USA, Frankreichs und der Sowjetunion.
Bedrohung
Das größte Artensterben in jüngerer Vergangenheit hat auf Madagaskar stattgefunden. Die Insel, die erst vor rund 1500 Jahren von Menschen besiedelt wurde, ist Heimat zahlreicher endemischer Tierarten, darunter fünf Primatenfamilien. Mindestens acht Gattungen und fünfzehn Arten sind seither dort ausgestorben, höchstwahrscheinlich aufgrund der Bejagung, möglicherweise gekoppelt mit klimatischen Veränderungen. Zu den dort ausgerotteten Primaten zählen vorrangig größere, bodenlebende Arten, darunter die Riesenlemuren Megaladapis und der gorillagroße Archaeoindris sowie die Palaeopropithecidae („Faultierlemuren“) und Archaeolemuridae („Pavianlemuren“).
Global betrachtet ist die Situation vieler Primatenarten besorgniserregend. Als vorrangig waldbewohnende Tiere sind sie den Gefahren, die mit den großflächigen Abholzungen der Wälder einhergehen, drastisch ausgeliefert. Die Verbreitungsgebiete vieler Arten machen nur mehr einen Bruchteil ihres historischen Vorkommens aus. Die Jagd tut ein Übriges: Gründe für die Bejagung sind unter anderem ihr Fleisch, das verzehrt wird, und ihr Fell. Hinzu kommt die Tatsache, dass sie Plantagen und Felder verwüsten, sowie die - weitgehend illegale - Suche nach Haustieren. Dabei werden meist die Mütter erlegt, um halbwüchsige Tiere einfangen zu können. Obwohl die International Union for Conservation of Nature keine Primatenart als in den letzten 200 Jahren ausgestorben listet, gilt eine Reihe als stark gefährdet. Zu den bedrohtesten Primaten zählen beispielsweise der Spinnenaffe und die Löwenäffchen Südamerikas, der auf Java endemische Silbergibbon, mehrere Stumpfnasenarten und die sumatranische Unterart des Orang-Utan.
Weblinks
- [http://www.primatis.de/primaten/fakten.asp Datenbank mit Detailinformationen zu über 200 Primatenarten]
- [http://pin.primate.wisc.edu/ Primate Info Net (englisch)]
- [http://members.tripod.com/cacajao/index.html The Primata - Fakten und Links zu zahlreichen Arten (englisch)]
- [http://www.egbeck.de/skripten/13/bs13-37.htm Entwicklung der Primaten]
Literatur
- Bonis, Louis de: Vom Affen zum Menschen, Spektrum der Wissenschaft 2004, ISBN 3936278709
- Geissmann, Thomas: Vergleichende Primatologie, Spriger-Verlag 2002, ISBN 3540436456
- Groves, Colin: Primate Taxonomy, Smithsonian Inst Press 2001, ISBN 156098872X
- Paul, Andreas: Von Affen und Menschen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998, ISBN 3534138694
- Swindler, Daris: Introduction to the Primates, University of Washington Press 1998, ISBN 0295977043
Kategorie:Primaten
ja:サル目
ko:영장류
Südostasien
& Indochinesische Halbinsel) und Indonesischem Archipel]]
Südostasien ist ein Teil des asiatischen Kontinents und umfasst etwa die Hinterindische Halbinsel und den Indonesischen Archipel.
Religionen
In Südostasien leben etwa 600 Mio. Menschen.
Buddhismus (240 Mio.) und Islam (230 Mio.) sind die Hauptreligionen in diesem Teil Asiens.
Auch etwa 130 Mio. Christen leben in Südostasien. Die meisten davon auf den Philippinen (rund 80 Mio.), Indonesien (30 Mio.) und Vietnam (etwa 7-8 Mio.)
Der Islam spielt erst seit den religiös inspirierten Aufständen in den siebziger Jahren in Indonesien und den Philippinen politisch eine größere Rolle. Traditionell ist der Islam in Südostasien synkretistisch und gemäßigt; er wurde ab dem 13. Jahrhundert via Indien importiert. Aufgrund der globalen Islam-Renaissance sowie politischer und sozialer Repression gewannen Fundamentalisten in den letzten Jahren aber an Zulauf. Am berüchtigtsten ist die indonesische Jemaah Islamiah (JI), die mit Terror das Ziel eines südostasiatischen Kalifats verfolgt und über enge Kontakte zur al Kaida verfügen soll.
Geographie
Im Norden grenzt Südostasien, welches das Australasiatische Mittelmeer enthält, an China, im Osten an den Pazifischen Ozean (mit Polynesien und Melanesien), im Südosten an Australien und im Süden und Westen an den Indischer Ozean (mit der Andamanensee und dem Golf von Bengalen) und im Westen an Indien.
Teilgebiete & Abgrenzung
Südostasien besteht u.a. aus der Hinterindischen Halbinsel und Chinas Südküste, beides Bereiche des asiatischen Festlands, dem Indonesischen Archipel:
Hinterindische Halbinsel:
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
Meere
An Südostasien grenzen diese Meere:
alphabetisch sortiert
- Indischer Ozean
- Andamanensee
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Golf von Bengalen
- Malakkastraße
- Pazifischer Ozean
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Malakkastraße
Inselwelt
Siehe: Australasiatisches Mittelmeer
Geschichte
Unmittelbar nach ihrer Unabhängigkeit in den 1950er Jahren verfolgten die südostasiatischen Staaten einen nationalistisch inspirierten Alleingang. Wirtschaftspolitisch verfolgten sie mit Ausnahme Singapurs bis in die siebziger Jahre das Konzept der Importsubstitution. Äußere Einflüsse – die kommunistische Bedrohung durch China und die Sowjetunion, vor allem der Korea-Krieg 1950-53 und die Indochina-Krisen seit den 1960er Jahren – zeigten auf sicherheitspolitischem Gebiet die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der westlich orientierten Staaten auf. Erste Gehversuche regionaler Kooperation, vor allem die SEATO, scheiterten jedoch rasch. Der traditionelle bilaterale Ansatz Washingtons in Südostasien erschwerte die regionale Kooperation zusätzlich, die anfänglich ganz unter dem Motto stand, die bilateralen regionale Konflikte einzudämmen, um so einen von Einmischungen freien Entwicklungsweg verfolgen zu können. Regionale Kooperation als solche hatte keinen Wert an sich.
Die Politik hinkte daher der in den siebziger Jahren verstärkt einsetzenden Regionalisierung – vorangetrieben von den Marktkräften, namentlich japanischen Konzernen und auslandchinesischen Firmennetzwerken – lange Zeit hinterher. Erst Anfang der neunziger Jahre begannen die in der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) verbundenen Regierungen, den Integrationsprozess mit der Schaffung einer Freihandelszone (AFTA) aktiv zu steuern. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Mitglieder einen marktwirtschaftlichen, exportorientierten Pfad eingeschlagen. – Seit den 1990er Jahren versteht es ASEAN zudem, sicherheitspolitische und ökonomische Institutionen zu etablieren und damit Brücken zwischen Südost- und Ostasien zu schlagen, wobei auch die USA geschickt einbezogen wurde. Vor allem der nach der Asien-Krise 1997 entstandene Koordinationsmechanismus ASEAN+3, der ASEAN mit China, Japan und Südkorea verbindet, scheint ausbaufähig. Insgesamt gilt ASEAN, der mit Ausnahme Osttimors alle zehn südostasiatischen Nationen angehören, als das erfolgreichste Regionalbündnis nach der EU. Bis 2020 soll gar eine Asiatische Gemeinschaft mit einer ökonomischen, kulturellen und sicherheitspolitischen Säule entstehen; eine supranationale Zusammenarbeit ist indes nicht geplant. Am aktivsten vorangetrieben wird das Integrationsprojekt von Singapur und Thailand, wogegen die ökonomisch weniger entwickelten Staaten, speziell Vietnam, eher bremsen.
Staaten
alphabetisch sortiert
- Bangladesh - wohl nur der äußerste Südosten des Staats
- Brunei - kompletter Staat
- China - wohl nur der äußerste Süden des Staats
- Indonesien - kompletter Staat
- Indien - nur der äußerste Südosten des Nordostteils des Staats
- Andamanen und Nikobaren - komplette Inselgruppe
- Kambodscha - kompletter Staat
- Laos - kompletter Staat
- Malaysia - kompletter Staat
- Myanmar (früher Birma oder Burma) - kompletter Staat
- Osttimor (offiziell Timor-Leste) - kompletter Staat
- Philippinen - kompletter Staat
- Singapur - kompletter Staat
- Taiwan - komplettes Gebiet
- Thailand (früher Siam) - kompletter Staat
- Vietnam - kompletter Staat
Siehe auch
- ASEAN
- Asien
- Nordasien
- Ostasien
- Südasien
- Südostasien
- Hinterindische Halbinsel:
- Indochina
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
- Vorderasien
- Zentralasien
Ostindien-Kompanie
Literatur
- Reginald le May: Südostasien. Das Erbe Indiens. Zürich 1967
Kategorie:Asien
Kategorie:Südostasien
ja:東南アジア
ko:동남아시아
ms:Asia Tenggara
th:เอเชียตะวันออกเฉียงใต้
zh-min-nan:Tang-lâm-a
Menschenaffen
Die Menschenaffen (Hominidae) sind eine Primatenfamilie, zu der neben dem Orang-Utan, dem Gorilla und den Schimpansen auch der Mensch (Homo sapiens) gezählt wird. In Abgrenzung zu den Gibbons (Hylobatidae), die gelegentlich als kleine Menschenaffen bezeichnet werden, wird diese Familie auch große Menschenaffen genannt.
Systematik
Forschungsgeschichte
In früherer Zeit wurden Orang-Utan, Gorilla und Schimpanse in der Familie der Pongidae zusammengefasst, während der Mensch und seine Vorfahren in eine eigene Familie, Echte Menschen (Hominidae), gestellt wurde. Es ist schon lange bekannt, dass die Menschenaffen gemäß dieser Einteilung eine so genannte paraphyletische Gruppe bilden, das heißt, dass sie nicht alle Nachkommen ihres gemeinsamen Vorfahrens umfasst, da stammesgeschichtlich der Mensch der engste Verwandte der Schimpansen ist und umgekehrt. Gelegentlich wurden auch die Gibbons (Hylobatidae) lediglich als eine Unterfamilie dieser Gruppe aufgefasst. Der jüngste Forschungsstand trennt die Gibbons als eigene Familie ab und fasst den Menschen und die Menschenaffen zusammen. Beide Familien sind jedoch monophyletisch und werden in der Überfamilie der Menschenartigen (Hominoidea) zusammengefasst.
Der Versuch, den Menschen eine eigene Familie zuzuteilen, entspringt vorwiegend seinen geistigen und kulturellen Besonderheiten. Auch wenn er sich in diesen Dimensionen sehr weit von seinen Verwandten entfernt hat, ist er doch vom Körperbau nichts anderes als ein "nackter Affe".
Unterteilungen dieser Familie
Über die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der rezenten Arten herrscht weitgehend Klarheit. Sie sind im folgenden Stammbaum ersichtlich.
Hominidae
|--Orang-Utan (Pongo)
|--Homininae
|--Gorilla (Gorilla)
|--N.N.
|--Mensch (Homo)
|--Schimpansen (Pan)
|--Gemeiner Schimpanse (P. troglodytes)
|--Zwergschimpanse oder Bonobo (P. paniscus)
Weitaus größere Meinungsunterschiede bestehen darin, ausgestorbene, nur durch Fossilienfunde bekannte Gattungen einzuordnen und Unterfamilien zu erstellen. Zum einen sind Fossilfunde dürftig (so wurden beispielsweise von Gigantopithecus bislang nur Kieferteile und Zähne gefunden), zum anderen steht die kaum zu beantwortende Frage im Raum, wo die Grenze zwischen Tier und Mensch ("Missing Link") liegt.
Eine mögliche Aufteilung der Familie sieht folgendermaßen aus: Der Orang-Utan wird meist in eine eigene Unterfamilie Ponginae gestellt, während Gorilla, Schimpansen und Mensch eine zweite Unterfamilie mit Namen Homininae bilden. (Manchmal wird der Gorilla auch in eine eigene Unterfamilie, Gorillinae, gestellt). Die Schimpansen bilden den Tribus Panini, während der Mensch und seine Vorfahren, früher als Hominidae bezeichnet, den Tribus der Echten Menschen (Hominini) bilden. Diese teilen sich wiederum in zwei Subtriben: die ausgestorbenen Australopithecina mit den Gattungen Australopithecus, Paranthropus und Ardipithecus und Hominina mit der einzigen Gattung Homo. Die Stellung der Gattungen Sahelanthropus, Orrorin tugenensis und Kenyanthropus innerhalb der Echten Menschen ist noch ungeklärt.
Extremansätze gehen sogar soweit, den Schimpansen als "Homo troglodytes" in die gleiche Gattung wie den Menschen zu stellen.
Die Einordnung ausgestorbener, nicht den unmittelbaren Menschenvorfahren zuzurechnender Fossilien ist noch schwieriger und umstritten. Während Gigantopithecus und Sivapithecus meist als Verwandte des Orang-Utans gesehen werden, ist die Stellung von Ramapithecus, der manchmal als ident mit Sivapithecus betrachtet wird, ungeklärt. Die Gattungen Oreopithecus und Dryopithecus werden je nach Forscher ebenfalls den Menschenaffen zugerechnet oder in jeweils eigene Familien (Oreopithecidae bzw. Dryopithecidae) eingeordnet.
Der historisch erste Fund eines fossilen Menschenaffen glückte 1820 bei Eppelsheim in Rheinland-Pfalz. Damals wurde der etwa 28 Zentimeter lange Oberschenkelknochen des Menschenaffen Dryopithecus fontani entdeckt. Er lebte im Miozän vor etwa 12 Millionen Jahren am Urrhein und erreichte bei aufgerichteter Körperhaltung eine Höhe von etwa 1,20 Meter. Der aktuell älteste bekannte Menschenaffe ist der Pierolapithecus catalaunicus, ein etwa 13 Millionen Jahre altes Fossil aus Spanien.
Merkmale der heutigen Arten
Verbreitung
Mit Ausnahme des Menschen sind Menschenaffen auf das zentrale Afrika und Südostasien beschränkt. Auch Fossilfunde ausgestorbener Gattung sind nur aus Afrika und Asien bekannt, lediglich die Gattung Homo (Mensch) hat eine weltweite Verbreitung erreicht.
Körperbau
Menschenaffen sind die größten Primaten, es sind robust gebaute Wesen mit einem Gewicht von 30 bis 270 kg. Da sie zu den Schmalnasenaffen zählen, stehen ihre Nasenlöcher eng beisammen und weisen nach vorne oder unten. Der Daumen und die große Zehe können den anderen Fingern beziehungsweise Zehen gegenübergestellt werden (nur der Mensch hat diese Fähigkeit bei den Füßen verloren). Merkmale im Knochenbau (Hüfte, Wirbelsäule), weisen auf die zumindest teilweise aufrechte Körperhaltung hin, keine Art hat einen Schwanz. Allen gemeinsam ist die verhältnismäßig große Schädelhöhle, die ein großes Gehirn birgt, wodurch Menschenaffen als intelligente Tiere gelten.
Lebensweise
Menschenaffen sind hochgradig soziale Tiere, die mit Lauten und Körperhaltungen kommunizieren. Die nichtmenschlichen Gattungen sind vorwiegend Pflanzenfresser, die zu einem gewissen Grad auch Fleisch (am wenigsten der Gorilla) zu sich nehmen. Kennzeichnend ist für die Arten dieser Familie eine lange Tragzeit beziehungsweise Schwangerschaft und eine sehr lange Periode der Aufzucht des Nachwuchses.
Bedrohung
Alle nichtmenschlichen Gattungen sind von der Ausrottung bedroht. Die Gründe dafür liegen in erster Linie in der Zerstörung des Lebensraumes durch Rodung der Wälder und Umwandlung von Savannen in Weide- oder Ackerland. Die IUCN listet die vier Tiergattungen dieser Familie als bedroht.
Bekannte Menschenaffen-Forscher
- Jane Goodall (Schimpansen)
- Dian Fossey (Gorillas)
- Biruté Galdikas (Orang-Utans)
- Frans de Waal (Zwergschimpansen oder Bonobos)
- Christophe Boesch (Schimpansen)
- Roger Fouts, Schimpansen
- David Premack, Schimpansen
Weblinks
- http://www.janegoodall.org/
- http://www.gorillafund.org
- http://www.orangutan.org/home/home.php
- http://www.bonobo.org/
- http://cogweb.ucla.edu/Abstracts/Boesch_Tomasello_98.html
- [http://www.tgs-chemie.de/evolution_des_menschen.htm Vergleich von Menschenaffen und Menschen]
- http://www.saeugetierederurzeit.de.vu Säugetiere der Urzeit
Kategorie:Primaten
Südostasien
& Indochinesische Halbinsel) und Indonesischem Archipel]]
Südostasien ist ein Teil des asiatischen Kontinents und umfasst etwa die Hinterindische Halbinsel und den Indonesischen Archipel.
Religionen
In Südostasien leben etwa 600 Mio. Menschen.
Buddhismus (240 Mio.) und Islam (230 Mio.) sind die Hauptreligionen in diesem Teil Asiens.
Auch etwa 130 Mio. Christen leben in Südostasien. Die meisten davon auf den Philippinen (rund 80 Mio.), Indonesien (30 Mio.) und Vietnam (etwa 7-8 Mio.)
Der Islam spielt erst seit den religiös inspirierten Aufständen in den siebziger Jahren in Indonesien und den Philippinen politisch eine größere Rolle. Traditionell ist der Islam in Südostasien synkretistisch und gemäßigt; er wurde ab dem 13. Jahrhundert via Indien importiert. Aufgrund der globalen Islam-Renaissance sowie politischer und sozialer Repression gewannen Fundamentalisten in den letzten Jahren aber an Zulauf. Am berüchtigtsten ist die indonesische Jemaah Islamiah (JI), die mit Terror das Ziel eines südostasiatischen Kalifats verfolgt und über enge Kontakte zur al Kaida verfügen soll.
Geographie
Im Norden grenzt Südostasien, welches das Australasiatische Mittelmeer enthält, an China, im Osten an den Pazifischen Ozean (mit Polynesien und Melanesien), im Südosten an Australien und im Süden und Westen an den Indischer Ozean (mit der Andamanensee und dem Golf von Bengalen) und im Westen an Indien.
Teilgebiete & Abgrenzung
Südostasien besteht u.a. aus der Hinterindischen Halbinsel und Chinas Südküste, beides Bereiche des asiatischen Festlands, dem Indonesischen Archipel:
Hinterindische Halbinsel:
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
Meere
An Südostasien grenzen diese Meere:
alphabetisch sortiert
- Indischer Ozean
- Andamanensee
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Golf von Bengalen
- Malakkastraße
- Pazifischer Ozean
- Australasiatisches Mittelmeer (siehe dort)
- Malakkastraße
Inselwelt
Siehe: Australasiatisches Mittelmeer
Geschichte
Unmittelbar nach ihrer Unabhängigkeit in den 1950er Jahren verfolgten die südostasiatischen Staaten einen nationalistisch inspirierten Alleingang. Wirtschaftspolitisch verfolgten sie mit Ausnahme Singapurs bis in die siebziger Jahre das Konzept der Importsubstitution. Äußere Einflüsse – die kommunistische Bedrohung durch China und die Sowjetunion, vor allem der Korea-Krieg 1950-53 und die Indochina-Krisen seit den 1960er Jahren – zeigten auf sicherheitspolitischem Gebiet die Notwendigkeit einer engeren Zusammenarbeit der westlich orientierten Staaten auf. Erste Gehversuche regionaler Kooperation, vor allem die SEATO, scheiterten jedoch rasch. Der traditionelle bilaterale Ansatz Washingtons in Südostasien erschwerte die regionale Kooperation zusätzlich, die anfänglich ganz unter dem Motto stand, die bilateralen regionale Konflikte einzudämmen, um so einen von Einmischungen freien Entwicklungsweg verfolgen zu können. Regionale Kooperation als solche hatte keinen Wert an sich.
Die Politik hinkte daher der in den siebziger Jahren verstärkt einsetzenden Regionalisierung – vorangetrieben von den Marktkräften, namentlich japanischen Konzernen und auslandchinesischen Firmennetzwerken – lange Zeit hinterher. Erst Anfang der neunziger Jahre begannen die in der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) verbundenen Regierungen, den Integrationsprozess mit der Schaffung einer Freihandelszone (AFTA) aktiv zu steuern. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle Mitglieder einen marktwirtschaftlichen, exportorientierten Pfad eingeschlagen. – Seit den 1990er Jahren versteht es ASEAN zudem, sicherheitspolitische und ökonomische Institutionen zu etablieren und damit Brücken zwischen Südost- und Ostasien zu schlagen, wobei auch die USA geschickt einbezogen wurde. Vor allem der nach der Asien-Krise 1997 entstandene Koordinationsmechanismus ASEAN+3, der ASEAN mit China, Japan und Südkorea verbindet, scheint ausbaufähig. Insgesamt gilt ASEAN, der mit Ausnahme Osttimors alle zehn südostasiatischen Nationen angehören, als das erfolgreichste Regionalbündnis nach der EU. Bis 2020 soll gar eine Asiatische Gemeinschaft mit einer ökonomischen, kulturellen und sicherheitspolitischen Säule entstehen; eine supranationale Zusammenarbeit ist indes nicht geplant. Am aktivsten vorangetrieben wird das Integrationsprojekt von Singapur und Thailand, wogegen die ökonomisch weniger entwickelten Staaten, speziell Vietnam, eher bremsen.
Staaten
alphabetisch sortiert
- Bangladesh - wohl nur der äußerste Südosten des Staats
- Brunei - kompletter Staat
- China - wohl nur der äußerste Süden des Staats
- Indonesien - kompletter Staat
- Indien - nur der äußerste Südosten des Nordostteils des Staats
- Andamanen und Nikobaren - komplette Inselgruppe
- Kambodscha - kompletter Staat
- Laos - kompletter Staat
- Malaysia - kompletter Staat
- Myanmar (früher Birma oder Burma) - kompletter Staat
- Osttimor (offiziell Timor-Leste) - kompletter Staat
- Philippinen - kompletter Staat
- Singapur - kompletter Staat
- Taiwan - komplettes Gebiet
- Thailand (früher Siam) - kompletter Staat
- Vietnam - kompletter Staat
Siehe auch
- ASEAN
- Asien
- Nordasien
- Ostasien
- Südasien
- Südostasien
- Hinterindische Halbinsel:
- Indochina
- Indochinesische Halbinsel
- Malaiische Halbinsel
- Vorderasien
- Zentralasien
Ostindien-Kompanie
Literatur
- Reginald le May: Südostasien. Das Erbe Indiens. Zürich 1967
Kategorie:Asien
Kategorie:Südostasien
ja:東南アジア
ko:동남아시아
ms:Asia Tenggara
th:เอเชียตะวันออกเฉียงใต้
zh-min-nan:Tang-lâm-a
Myanmar
Myanmar – nach wie vor auch unter dem früheren Namen Birma bzw. dem englischen Namen Burma bekannt – ist ein Staat in Südostasien.
Neben der offiziellen Bezeichnung (siehe rechts) nennen die Einwohner den Staat auch kurz Myanma Naingngan (Staat Myanmar).
Er grenzt an Bangladesch, die indischen Bundesstaaten Mizoram, Manipur, Nagaland und Arunachal Pradesh, sowie an China, Laos, Thailand und den Indischen Ozean (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen). Das Andamanische Meer trennt Myanmar vom südwestlich gelegenen indischen Unionsterritorium Andamanen und Nikobaren.
Geographie
Myanmar befindet sich – mit Ausnahme des äußersten Nordens – im Einflussbereich des asiatischen Monsuns. Durch das Relief bedingt sind die Ausprägungen des Monsuns unterschiedlich in den einzelnen Landesteilen.
Im Wesentlichen lassen sich drei Jahreszeiten unterscheiden:
- Regenzeit von Ende Mai bis Mitte Oktober,
- Kühle Jahreszeit von Ende November bis Ende März und
- Heiße Jahreszeit in den Monaten April/Mai und Oktober/November.
Bevölkerung
- Einwohner: 70 % Birmanen (Bamar), 8,5 % Shan, 6,2 % Karen (Christen), 4,5 % Rohingya (Muslime), 2,4 % Mon, 2,2 % [http://en.wikipedia.org/wiki/Chin_State Chin](Tschin), 1,4 % Kachin und andere Ethnien; ferner 1-2 % Chinesen und 1 % Inder.
Die Palaung gehören zur Sprachgruppe der Mon-Khmer und umfassen ca. 150.000 Personen. Sie leben im südlichen Kachin- und im Shan-Staat. Der Geisterglaube ist noch weit verbreitet.
- Bevölkerungswachstum: 1,5 % (1998); 1,2 % (2002)
- Lebenserwartung: 57,2 Jahre (2002)
- Säuglingssterblichkeit: 77 pro Tausend (2002)
- Alphabetisierung: 85,3 % (2002)
- Sprachen: Birmanisch (70 %), Sprachen der Minderheiten, Englisch (Handelssprache)
- Religion: Buddhismus (89 %), Christentum (4 %), Islam (4 %), Stammesreligionen und andere (3 %)
- Hauptstadt: Yangon (Rangun) (4.477.782 Einw.) (2005)
Rangun]
- Weitere Städte: Mandalay, Mawlamyine, Bago, Pathein
Siehe auch: Liste der Städte in Myanmar
Religion
Die am weitesten verbreitete Religion in Myanmar ist der Buddhismus. Einige der berühmtesten buddhistischen Kunstwerke (Statuen) im asiatischen Raum befinden sich hier. Vorherrschend ist die frühbuddhistische Theravada-Schule, die im 20. Jahrhundert auch maßgeblichen Einfluss auf die Buddhismus-Rezeption im Westen hatte. So fußen viele der Standardwerke der Vipassana-Meditation (z. B. Nynaponika: "Geistestrainung durch Achtsamkeit") auf den Lehren birmanischer Dhamma-Meister wie Mahasi Sayadaw, Chanmyay Sayadaw U Janaka, Ledi Sayadaw oder Sayadaw U Pandita. Zu den wichtigsten Heiligtümern zählen vor allem die Shwedagon-Pagode in der Hauptstadt Yangon, der Goldene Fels in der Nähe von Bago und der Mount Popa in der Nähe von Bagan.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Myanmars
Im 11. Jahrhundert gründet König Anawratha das erste birmanische Reich. Im 19. Jahrhundert fällt Birma nach mehreren Kriegen unter britische Herrschaft. Der letzte König von Birma wird mit seiner Familie durch die britische Besatzung ins Exil nach Indien geschickt, wo er auch stirbt. Birma wird Teil von Britisch-Indien. Im 2. Weltkrieg wird es von Japan okkupiert, aber nach Kriegsende wieder von den Briten zurückerobert. 1948 wird Birma in die Unabhängigkeit entlassen. Nach einer kurzen demokratischen Phase wird Birma von verschiedenen Militärregimen kontrolliert.
Am 18. Oktober 1965 verabschiedet der Revolutionsrat ein Gesetz, nach dem alle Wirtschaftsunternehmen verstaatlicht werden. Wenig später werden alle christlichen Missionare zum Ende 1966 ausgewiesen. Am 8. August 1988 gipfeln monatelange Unruhen wegen der Wirtschaftspolitik des Militärs in der gewaltsamen Niederschlagung von Protesten in der Hauptstadt Rangun. Der Tag geht mit seinem symbolträchtigen Datum 8-8-88 in die Geschichte ein. 1989 wird das Land in Myanmar umbenannt. Als 1990 bei demokratischen Wahlen die oppositionelle Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen Erdrutschsieg erringt, werden die Wahlen vom Militärregime für ungültig erklärt und es kommt zu einer blutigen Niederschlagung von friedlichen Studentenprotesten. Das Regime bleibt an der Macht.
Bis zur Jahrtausendwende vereinbart General Khin Nyunt mit einigen der Minderheitenvölker Myanmars Waffenstillstandsabkommen. Die Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi steht weiter unter Hausarrest. Nach einer scheinbaren Öffnung des Regimes im Jahre 2003 gewinnen die Hardliner gegen Ende des Jahres 2004 wieder die Oberhand.
Nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 am 26. Dezember und der hierdurch ausgelösten Flutwelle verweigert das Regime internationalen Hilfskräften die Einreise und stellt Zahlen über die Opfer zur Verfügung, die von ausländischen Organisationen angezweifelt werden.
Politik
- Staatsform: Militärdiktatur; die letzte Verfassung der Sozialistischen Republik von 1974 ist seit dem 18. September 1988 außer Kraft gesetzt.
- Staatschef: General Than Shwe (seit April 1992)
- Regierungschef: General Soe Win (seit 19. Oktober 2004)
- Parlament: Volksversammlung mit 485 für vier Jahre gewählten Abgeordneten (Wahl von 1990 vom Militärregime nicht anerkannt)
- Politische Parteien: National League for Democracy (NLD), National Unity Party (NUP), Union Solidarity and Development Association (USDA), weitere acht Minoritäten-Parteien
Verwaltungsgliederung
Soe Win
Myanmar gliedert sich in sieben States und sieben Divisions. Die Landesteile, die überwiegend von der größten Volksgruppe Myanmars, den Bamar besiedelt sind, heißen Divisions, die Bereiche, die überwiegend von Minderheiten bewohnt werden, States.
Die Minderheiten-States bilden zum überwiegenden Teil die Außengrenzen Myanmars: im Uhrzeigersinn beginnend im Südwesten:
- (1) Rakhine (Arakan) (Hauptstadt: Akyab, Grenze zu Bangladesch, jedoch überwiegend am Golf von Bengalen gelegen)
- (2) Chin (Hauptstadt: Hakha, Grenzen zu Bangladesch und Indien)
- (3) Kachin (Hauptstadt: Myitkyina, Grenze zu China)
- (4) Shan (Hauptstadt: Taunggyi, Grenzen zu China, Laos und Thailand)
- (5) Kayah (Hauptstadt: Loi-kaw, Grenze zu Thailand)
- (6) Kayin oder Karen (Hauptstadt: Pa-an, Grenze zu Thailand)
- (7) Mon (Hauptstadt: Mawlamyine, keine Landgrenze, am Andamanischen Meer gelegen)
Von den sieben Divisions verfügen zwei über Außengrenzen auf dem Festland, die übrigen fünf liegen entweder im Binnenland oder am Meer:
- (8) Sagaing (Hauptstadt: Sagaing, Grenze zu Indien im Nordwesten)
- (9) Tenasserim (Hauptstadt: Tavoy (Dawei), Grenze zu Thailand im Südosten)
- (10) Irawadi (Hauptstadt: Pathein (Bassein), am Golf von Bengalen und dem Andamanischen Meer gelegen)
- (11) Yangon (Hauptstadt: Yangon, an der Andamanensee gelegen)
- (12) Bago (Pegu) (Hauptstadt: Bago, nördlich der Irawadi-Division)
- (13) Magwe (Hauptstadt: Magwe, nördlich der Bago-Division)
- (14) Mandalay (Hauptstadt: Mandalay, östlich der Magwe-Division)
States und Divisions sind weiter untergliedert in Distrikte und Gemeinden.
Wirtschaft
Mit einem Bruttosozialprodukt/Kopf von weniger als 622 Euro (2001) gehört Myanmar zu den ärmsten Ländern der Welt. 70 % der Beschäftigten arbeiten in der Landwirtschaft; in ihr werden 60 % des BIP erzeugt, während die Industrie 9 % und der Dienstleistungssektor 31 % beitragen.
In Myanmar herrscht eine starke Inflation, die einheimische Währung Kyat verlor im Zeitraum von 1990 bis 2001 durchschnittlich 34,6 % pro Jahr an Wert; in den Jahren 2002/03 beschleunigte sich die Inflationsrate auf durchschnittlich 46,9 %.
Die Handelsbilanz war im Zeitraum 2002/03 bei Importen im Wert von 2,391 Milliarden Euro und Exporten im Wert von 2,185 Milliarden Euro negativ. Wichtigste Exportgüter sind Erdgas sowie land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, während die Importe zu einem großen Teil aus Konsumgütern, Halbfertigwaren und Investitionsgütern bestehen.
Im Osten - an der Grenze zu Laos und Thailand - hat Myanmar Anteil am sogenannten Goldenen Dreieck; dort wird Schlafmohn angebaut und zu Heroin verarbeitet. Die Bedeutung Myanmars als Lieferant für den weltweiten Heroinmarkt ist durch das Wiedererstarken der Drogenproduktion in Afghanistan nach dem Absetzen der Taliban spürbar gesunken.
Weiterhin werden in Myanmar hochwertige Jade und Edelsteine gefördert. Berühmt sind die Schwalbenblut-Rubine aus den Minen in der Nähe der Stadt Mogok. Gold wird ebenfalls gewaschen, wobei eine beträchtliche Menge davon von Pilgern in Form von hauchdünnen Blättchen auf Zedis, Buddhas und den Goldenen Felsen geklebt wird.
Birma/Burma oder Myanmar?
Goldenen Felsen
Eigentlich handelt es sich bei 'Burma' und 'Myanmar' nicht um zwei unterschiedliche Bezeichnungen. Bama, von dem sich das englisch ausgesprochene 'Burma' (und hieraus vermutlich eingedeutscht 'Birma') offensichtlich herleitet, und Myanma sind seit jeher die Bezeichnungen für die größte Bevölkerungsgruppe der Bamar in ihrer eigenen Sprache und für ihr Land. Der Begriff Myanma soll bis auf das 6. Jahrhundert zurückgehen. Er entstammt der Schriftsprache und findet sich daher eher in historischen Dokumenten, während Bama umgangssprachlich verwendet wird. Seit den 1920er Jahren gab es Bestrebungen, einen einheitlichen Begriff für alle im jetzigen Myanmar beheimateten Volksgruppen zu finden. So wurde mehrmals Bama durch Myanma ersetzt und umgekehrt.
Die offizielle Umbenennung des Landes in Union of Myanmar (Pyidaungsu Thamada Myanmar Naing-Ngan-Daw) durch das Militär war daher in erster Linie ein Vorhaben mit Außenwirkung. Das Land sollte sich als der Kolonialzeit endgültig entgangen und als selbstbewusster Staat präsentieren. Kritiker wie auch Aung San Suu Kyi bemängeln, dass die Umbenennung durch die Willkür der Machthaber passierte, ohne eine Volksabstimmung hierüber durchführen zu lassen.
Die Umbenennung erfolgte aufgrund des Gesetzes Nr. 15/89, des Adaptation of Expressions Law, vom 18. Juni 1989, das die offizielle Schreibweise vieler Orte neudefinierte. Hierfür wurden die Namen in ihrer ursprünglichen Benennung, also unter Ausschluss der Veränderungen, die sie durch den kolonialen Einfluss erfahren hatten, nach ihrer aktuellen Aussprache ins lateinische Alphabet transkribiert.
Die Vereinten Nationen billigten den neuen Namen des Staats wenige Tage nach der Verkündung durch das Militär. Dem sind mittlerweile viele Staaten gefolgt, während die Vereinigten Staaten und Australien sowie weitere Staaten als Zeichen ihrer Missbilligung des Regimes am Namen Burma festhalten. Auch Aung San Suu Kyi hat sich 1996 für die Beibehaltung von Burma ausgesprochen, zum einen wegen der fehlenden Mitwirkung des Volkes, zum anderen, da Myanmar eben nicht die Vielfalt der Volksgruppen in Myanmar repräsentiert.
Im Birmanischen bedeutet die Silbe Myan 'schnell', die Silbe Mar 'stark'.
Zu dem Namenskonflikt gibt es viele Meinungen und Ansichten in der wissenschaftlichen Literatur. Eine Auswahl:
- Arthur Phayre, History of Burma, 1883, S. 2 (ISBN 9748299007)
- Christina Fink, Living Silence, 2001, S. 4ff, 70 (ISBN 1-85649-926-X)
- Uta Gärtner, Myanmar verstehen, 2001, S. XIII
Weitere Themen
- Sitkwin
Literatur
- Bertil Lintner: Burma in Revolt - Opium and Insurgency since 1948 (1988) (ISBN 9747100789).
- Roland Bless: Divide et impera? Britische Minderheitenpolitik in Burma 1917-1948 (1990) (ISBN 3515056548).
- Alan Clemens: Der Weg der Freiheit. Aung San Suu Kyi - Friedensnobelpreisträgerin. Gespräche (1997).
- Klemens Ludwig: Birma. Aktuelle Länderkunde (1997) (ISBN 3406398707).
- Shelby Tucker: Among Insurgents - Walking through Burma (2000) (ISBN 0007127057).
- Ma Thanegi: Pilgerreise in Myanmar (2002) (ISBN 3-293-20289-6).
- Rolf Opalka: Burma im Griff der Militärjunta in Blockierte Demokratien in der Dritten Welt Hrsg: Gunter Schubert, Reiner Tetzlaff (1998) (ISBN 3-8100-2011-7).
- Martin Smith: BURMA Insurgency And The Politics Of Ethicity (1991) (ISBN 0-86232-868-3).
- Amitav Ghosh: Der Glaspalast (2000) - Historischer Roman von der Kolonialzeit bis zur Gegenwart (ISBN 3442730368).
- George Orwell: Tage in Burma (2002 (Originalveröffentlichung 1926, Titel 'Burmese Days')) - Kolonialkritischer Roman Orwells, der als Polizeioffizier in Birma diente (ISBN 3-257-20308-X).
- Inge Sargent: Mein Leben als Sao Thusandi - Prinzessin der Shan (1997) - Autobiographischer Bericht einer Österreicherin, die bis 1962 in Birma lebte (ISBN 340461920X).
- Klaus R. Schröder: Myanmar/Burma - Reisen im Land der Pagoden
Weblinks
- [http://www.myanmar.com Offizielle Seite von Myanmar] (engl.)
- [http://www.freeburma.org freeburma.org] (engl.)
- [http://www.dassk.org Daw Aung San Su Kyi] (engl.)
- [http://www.nibbana.com Nibbana.com] (engl.)
- [http://www.chinforum.org The Chin Forum] (engl.)
- [http://www.kultur-in-asien.de/Birma/seite135.htm Webportal für Myanmar/Birma: Kunst, Kultur, Reiseberichte, Nat-Kult, diverse Reportagen, Photogalerien (von Dr.Bernhard Peter)]
- [http://english.dvb.no/index.php Democratic Voice of Burma] Nachrichten aus Myanmar (engl.)
- [http://www.inasien.de/service/reiseinformationen/birma/ Reiseinformationen Myanmar (Quelle: Reisemagazin "in Asien!")]
- Menschenrechte in Myanmar - [http://www.ahrchk.net Asiatische Menschenrechtskommission]
- [http://www.ev-ccg.de/dev/ Chin-Gemeinde Deutschland (Chin Community Germany)]
- [http://wikitravel.org/de/Myanmar Reiseinfos zu Myanmar] auf Wikitravel
- [http://www.burmaissues.org/En/info.html]Flüchtlinge in Thailand
- [http://www.opennetinitiative.net/burma/ONI_Burma_Country_Study.pdf Analyse der OpenNet Initiative zur Zensur in Myanmar]
- [http://www.helfenohnegrenzen.org/ Die vergessenen Flüchtlinge Burma's (Helfen ohne Grenzen)]Quelle:Helfen ohne Grenzen
- [http://www.oew.org/de/spendenartikel.php?id=418 Kindersoldaten in Birma] Quelle:OEW
Online-Zeitungen:
- [http://www.myanmardigest.com/eng_md/eindex.html The New Light of Myanmar] (regierungsabhängig und zensiert, englisch)
- [http://www.myanmar.gov.mm/myanmartimes/ Myanmar Times] (regierungsabhängig und zensiert, englisch)
- [http://www.irrawaddy.org The Irrawaddy] (unabhängig, mit Sitz in Thailand, englisch)
Kategorie:Staat
Kategorie:Südostasien
als:Myanmar
ja:ミャンマー
ko:미얀마
ms:Myanmar
th:ประเทศพม่า
zh-min-nan:Myanmar
Volksrepublik China
Die Volksrepublik China [] bzw. []; (vereinfacht 中华人民共和国, traditionell 中華人民共和國, Pinyin Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó ) ist der flächengrößte Staat in Ostasien. Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat mit 1,3 Milliarden Staatsbürgern mehr Einwohner als die Europäische Union und Afrika zusammen.
Seit ihrer Gründung 1949, als sich nach dem Bürgerkrieg die Kuomintang nach Taiwan zurückzog, wird die Volksrepublik von der Kommunistischen Partei Chinas regiert.
Die Bezeichnungen China und Sino- stammen wahrscheinlich von dem chinesischen Wort Qín. Im Chinesischen ist Qín der Name der Dynastie des Gründungskaisers des chinesischen Reiches. Über mehrere Stationen und Sprachen gelangten der Begriff entlang der Seidenstraße bis nach Europa. Das chinesische Äquivalent zu unserem Wort "China" ist Zhōngguó, das im Deutschen recht gut mit Reich der Mitte wiedergegeben ist.
Die Volksrepublik China ist flächenmäßig der drittgrößte Staat der Erde und umfasst das gesamte als China bekannte kulturell-geografische Gebiet Asiens, mit Ausnahme Taiwans und einiger kleiner Inseln vor der Küste Fujians. Der politische Status Taiwans ist nach wie vor umstritten; die mit 23 Millionen Einwohnern dichtbevölkerte Insel heißt offiziell Republik China. Weitere Bezeichnungen für die VR China sind der veraltete Begriff Rotchina und das vor allem im englischen Sprachraum verbreitete Festlandchina (mainland China). Beide Begriffe schließen die an der Küste gelegenen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao aus, die seit 1997 bzw. 1999 zum Staatsgebiet gehören.
Das Staatsgebiet gliedert sich in 22 Provinzen und 5 autonome Gebiete (siehe Administrative Gliederung der VR China). Davon machen die größten 3 Provinzen 45 Prozent der Staatsfläche aus: Xinjiang und Tibet im Westen sowie die Innere Mongolei im Norden. Allerdings sind diese Gebiete mit einem Anteil von 4% an der Bevölkerung der Volksrepublik sehr dünn besiedelt.
Die Volksrepublik China wurde bis in die 1990er Jahre als Entwicklungsland eingestuft, entwickelt sich aber seit seiner teilweisen Öffnung nach der "Kulturrevolution" zunehmend zu einer Großmacht. Sie vertritt international die "Ein-China-Politik", deren offizielle Anerkennung sie seit Anfang der 70er Jahre auch im Westen durchsetzt. Wirtschaftlich weist China derzeit eine hohe Dynamik auf, so dass der aktuelle Fünfjahrplan bereits eine Drosselung gegen eine allfällige Überhitzung vorsieht.
Um das rasche Bevölkerungswachstum einzudämmen, gilt die Ein-Kind-Politik, die allerdings in den letzten Jahren gemildert worden ist. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zunahme der Bevölkerung von über 3% auf 1-2% eingependelt.
Geografie
Lage und geografische Gliederung
Ein-Kind-Politik
Die Volksrepublik China grenzt an 14 Staaten, kein Staat hat mehr direkte Nachbarländer. Im Uhrzeigersinn sind dies: Indien, Pakistan, Afghanistan, Tadschikistan, Kirgisien, Kasachstan, Russland, Mongolei, Nordkorea, Vietnam, Laos, Myanmar, Bhutan und Nepal.
Festlandchina ist mit 9,5 Millionen Quadratkilometern etwa so groß wie die USA oder ganz Europa bis zum Ural. Die physische Oberfläche, die klimatischen Bedingungen und damit die Bewohnbarkeit der einzelnen Regionen des Landes unterscheiden sich sehr stark. China ist durch eine Reihe natürlicher Grenzen von seinen Nachbarn getrennt: im Osten und Südosten durch Meere (Gelbes Meer, Ostchinesisches Meer und Südchinesisches Meer), im Süden, Südwesten, Westen und Nordwesten durch hohe Bergmassive, im Norden durch Steppen und Wüsten und im Nordosten durch Flüsse (Amur und Ussuri).
Ussuri
Die Nord-Süd-Ausdehnung Chinas beträgt ca. 4.500 km; die Ost-West-Ausdehnung 4.200 km. Die Küstenlänge aller Seegrenzen Chinas beläuft sich auf 14.000 km. Der längste Fluss Chinas ist mit 6.300 km der Jangtse (Pinyin: Chángjiāng), der höchste Berg der Mount Everest mit 8.844 m und der größte See der Qinghai-See mit ca. 5.000 km².
Das Territorium kann man grob in drei Bereiche unterteilen:
- Der Osten Chinas ist von vier großen, dicht besiedelten Schwemmebenen geprägt. An den Küsten befinden sich die Deltas seiner größten Flüsse. Der südöstliche Küstenstreifen ist gebirgig, während der Süden eher hügelig ist. Das Gebiet hat eine Höhe von maximal 500 Meter über dem Meeresspiegel.
- Westlich an die Ebenen schließen sich zahlreiche Gebirge mit Hochebenen und großen Becken an: die Mongolische Hochebene, das Tarimbecken, das Sichuan-Becken, das Lössplateau oder das Yunnan-Guizhou-Hochland. Die Berge haben hier Höhen von etwa 1000 bis 2000 Metern.
- Westchina hat einen ausgesprochenen Hochgebirgscharakter mit dazwischen liegenden Hochebenen. Die größten Gebirge sind: Himalaya, Tianshan, Pamir und das Hochland von Tibet. Die Gesamtregion liegt durchschnittlich 4000 Meter über dem Meeresspiegel und gehört damit zu den höchstgelegenen Ebenen der Welt. Der Westen ist zusammen mit der Inneren Mongolei auch der trockenste Landesteil, für dessen ausgeprägtes Wüstenklima die Gobi und die Taklamakan stehen.
Taklamakan
Die zwei wichtigsten - und längsten - Flüsse sind der Jangtse und der Gelbe Fluss, gefolgt von Mekong, | | |