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Phönizische SpracheDie Sprachbezeichnung Phönizisch steht für die mittelkanaanäischen Dialekte, die in Mittelsyrien (u. a. Sidon, Tyros, Byblos) gesprochen werden.
Belegt ist die Sprache vom 11. Jahrhundert v. Chr. bis in die Spätantike.
Sprachformen
Phönizisch in engerem Sinn
Byblisch
Altbyblisch trägt deutlich archaische Züge, auch die jüngeren Texte weichen vom Standardphönizischen ab.
Standardphönizisch
Phönizische Texte wurden im gesamten Mittelmeerraum gefunden. In der Römerzeit gibt es keine phönizischen Inschriften aus dem Orient mehr.
Punisch
Als "punisch" werden Texte aus dem Mittelmeerraum seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bezeichnet. Charakteristisch ist das Schwinden der im Semitischen wichtigen Pharyngale (Laute, die in der Rachenhöhle gebildet werden).
Neopunisch
Als Neopunisch bezeichnet man die Texte aus der Zeit nach der Zerstörung Karthagos 146 v. Chr. Sie unterscheiden sich in Sprache und Schrift vom Punischen und stammen vorwiegend aus Afrika, vereinzelt aus Ägypten und dem Libanon. Es gibt Einflüsse des Lateinischen und des Berberischen auf das Neopunische.
(Neo-)Punisch war bis in die Spätantike von Bedeutung und erlosch wahrscheinlich erst mit dem Aufkommen des Arabischen.
Schrift
Phönizisch wurde in einer Alphabetschrift (Phönizische Schrift) geschrieben, von dem viele heute verwendete Alphabete abstammen.
Zuerst war sie eine reine Konsonantenschrift, im späteren Phönizisch und älteren Punisch wurden mit Konsonanten Vokale bezeichnet.
Im Neopunischen, das die alten Pharyngale weitgehend verloren hat, werden diese und die Halbvokale für die Bezeichnung der Vokale verwendet, es gibt allerdings kein einheitliches System.
Die neopunische Schrift wurde bis ins 1. Jahrhundert verwendet, danach wurde die lateinische Schrift mit Zusatzzeichen (latino-punisch) verwendet.
Überlieferung
Phönizisch-punisch ist fast nur in Inschriften überliefert, ein Sonderfall sind Textstellen im Poenulus des römischen Schriftstellers Plautus. Allerdings berichtet der römische Autor Plinius der Ältere, dass es in Karthago vor der Zerstörung der Stadt im Jahre 146 v. Chr. umfangreiche Bibliotheken gegeben habe. Ein Werk des Puniers Mago über die Landwirtschaft, das 28 Buchrollen umfasst habe, sei sogar ins Lateinische übersetzt worden.
Literatur
- J. Friedrich/W.Röllig, Phönizisch-punische Grammatik, 3. Auflage, neu bearbeitet v. M. G. Amadasi Guzzo, Rom 1999 (=Analecta Orientalia 55)
- S. Segert, A Grammar of Phoenician and Punic, München 1976. ISBN 3406007244
- J. Hoftijzer/K. Jongeling, Dictionary of North-West-Semitic Inscriptions, Leiden 1995
- H. Donner/W. Röllig, Kanaanäische und aramäische Inschriften, 2. Auflage 1966ff
- K. Jaros, Inschriften des Heiligen Landes aus vier Jahrtausenden, Mainz 2001 (CD mit Textsammlung zu Lernzwecken)
Weblinks
- http://www.unet.univie.ac.at/~a8201399/phoenikisch-punisch-homepage.htm
- Studentische Projektarbeit mit Einführung in die Sprache und weiterführenden Hinweisen
Kategorie:Semitische Sprache
Kategorie:Phönizier
Sprache
Sprache hat zwei eng mit einander verwandte Verwendungen, die Sprache (ohne Plural) oder eine Sprache/Sprachen.
Die Sprache bezeichnet die wichtigste Kommunikationsform des Menschen. Sie wird akustisch durch Schallwellen (Lautketten) oder visuell-räumlich durch Gebärden (vgl. Gebärdensprache) oder Schrift (vgl. Schriftsprache) realisiert. Die Wissenschaft von Sprache als System heißt Allgemeine Sprachwissenschaft.
Exemplarisch sei die Definition von Edward Sapir (1921) zitiert:
:"Sprache ist eine ausschließlich dem Menschen eigene, nicht im Instinkt wurzelnde Methode zur Übermittlung von Gedanken, Gefühlen und Wünschen mittels eines Systems von frei geschaffenen Symbolen." (zitiert nach John Lyons, 4. Auflage, 1992, S. 13)
Ferdinand de Saussure hat - einer Tradition folgend - Sprache als Zeichensystem konzipiert und das Sprachzeichen als Verbindung von Lautbild und Vorstellung, also als etwas Mentales gefasst. Karl Bühler sieht Sprache als "geformtes Gerät", als Medium des Verständigungshandelns mit den Grundfunktionen der Darstellung (Bezug auf die Wirklichkeit), des Ausdrucks (Befindlichkeit des Sprechers) und des Appells (Beeinflussung des Hörers). Damit wird die Auffassung von Sprache als Zeichensystem fraglich, denn nur symbolische Ausdrücke lassen sich als Zeichen im eigentlichen Sinn ("etwas steht für etwas") auffassen. Wofür steht der Artikel der, die Abtönungspartikel halt, das Zeigwort da, die Interjektion hm? Für die Pragmatik ist Sprache ein zweckorientiertes Handlungssystem, das mental verankert ist. Für manche Linguisten ist Sprache ein menschentypisches biologisches Organ (Noam Chomsky), für andere das Medium der Gedankenbildung schlechthin (W.v. Humboldt).
Eine Sprache ist jedes einzelne Kommunikationssystem, das der Verständigung dient, also menschliche Einzelsprachen (beispielsweise Deutsch), Fachsprachen (beispielsweise Mathematik und Rechtssprache), Computersprachen (beispielsweise Prolog) etc. (siehe nachstehende Unterkapitel). Die Wissenschaften einzelner Sprachen sind beispielsweise die Philologien (Anglistik, Germanistik). Die Linguistik dagegen beschäftigt sich mit einzelnen Sprachen lediglich als "Beleg" für Theorien über die Sprache im Allgemeinen, die universellen Eigenschaften menschlicher Sprache und die Haupttypen der Sprachen der Welt (Sprachtypologie).
Entwicklung von Sprache
Das Verstehen und das Bilden bedeutungsvoller Lautketten in Echtzeit stellt große Anforderungen an die Planung wie an die auditive beziehungsweise visuelle Verarbeitung im Gehirn. Bei Legasthenikern oder Polterern kann diese Planung gestört sein.
Linguistik
Die Linguistik untersucht die menschliche Sprache. Die vergleichende Sprachwissenschaft und die Sprachtypologie befassen sich mit der genetischen Verwandtschaft von Sprachen, die in Sprachfamilien geordnet werden können. Die meisten Sprachwissenschaftler behandeln Einzelsprachen oder Sprachfamilien.
So befasst sich beispielsweise die Indogermanistik mit der indogermanischen Sprachfamilie.
Annahmen über eine (Ursprache) der Menschheit sind vorwiegend spekulativ, hiermit befasst sich die Paläolinguistik.
Die Struktur und Verwendung von Sprachen wird in Grammatiken, der Wortschatz und Wortgebrauch in Wörterbüchern beschrieben. Die Etymologie ist eine Forschungsrichtung, die sich mit dem Ursprung und der Geschichte der Worte und Namen befasst.
Formale Sprachen sind mit Mitteln von Logik und Mengenlehre beschreibbar (aufzählbare Menge der Basisausdrücke, Regeln der Komposition, wohlgeformte Ausdrücke). Die Beschreibungsprinzipien der formalen Logik werden auch auf die natürliche Sprache angewendet; Pionierarbeit hat dazu der amerikanische Logiker Richard Montague geleistet. Eine vollständige Rekonstruktion ist allerdings nicht möglich. Denn auch die Logik ist aus der natürlichen Sprache abgeleitet. Letztlich müssen wir alles in der natürlichen Sprache austragen (Wittgenstein).
Zu den Disziplinen, die sich besonders intensiv mit Sprache auseinandersetzen, gehören auch die Rhetorik, die Literaturwissenschaft, die Sprachphilosophie und die Ethnologie.
Einzelsprache
Im speziellen Sinn bezeichnet Sprache eine bestimmte Einzelsprache wie Deutsch oder Japanisch. Die gesprochenen Sprachen der Menschheit werden in Sprachfamilien eingeteilt; anhand der Language Codes (nach ISO 639-1 beziehungsweise 639-2) können Sprachen international eindeutig identifiziert werden. Von den heute etwa 6500 auf der Welt gesprochenen Sprachen sind mehr als die Hälfte vom Aussterben bedroht, da sie kaum noch oder gar nicht mehr an Kinder weitergegeben werden. Von einigen Sprachen gibt es nur noch eine kleine Gruppe oft alter Muttersprachler. Dies wird höchstwahrscheinlich dazu führen, dass in den nächsten 100 Jahren Tausende von Sprachen verschwinden werden. Die Gesellschaft für bedrohte Sprachen unterstützt die Beschäftigung mit und die Dokumentation solcher Sprachen, die zum Erbe der Menschheit zählen und sich zum Teil durch ganz besondere Eigenschaften auszeichnen, die nur an ihnen zu studieren sind.
Eine Sprache ist etwas Lebendiges, das entsteht, sich dauernd verändert und wieder vergeht -
jedoch nicht im biologischen, sondern im übertragenen Sinne; Lebendigkeit steht hier für eine Vielfalt von Funktionen. Nicht mehr gebrauchte, auch tote Sprachen genannt, hinterlassen oftmals Spuren in Nachfolgesprachen; beispielsweise Latein in den romanischen Sprachen (Italienisch, Französisch etc.), aber auch in der englischen und deutschen Sprache sowie den anderen germanischen Sprachen.
Nichtmenschliche Sprachen
Sprachen bei Tieren, beispielsweise die Bienensprache, aber auch die Lautsprachen bei Vögeln, Delfinen oder Primaten unterscheiden sich grundsätzlich von denen des Menschen. Während in den Signalsystemen der Tiere jeder Laut eine feste Bedeutung hat, ist die Sprache des Menschen doppelt (beziehungsweise dreifach) gegliedert. Das heißt, Menschen können aus bedeutungsunterscheidenden, selbst nichts bedeutenden Lauten (erste Gliederungsebene) bedeutungstragende Einheiten (Morpheme, Wortformen) bilden (zweite Gliederungsebene). Aus Wortformen können Wortgruppen (Phrasen) und Sätze aufgebaut werden (dritte Ebene). Wenn ein Tier zwanzig Laute bilden kann, so kann es zwanzig Dinge ausdrücken. In der Sprache des Menschen gibt es durch die Ebenen unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten mit begrenzten Mitteln, so schon Wilhelm von Humboldt. Der Mensch kann verstehen, was er zuvor nie gehört hat.
Formale Sprachen
Auch in der Informatik wird von Sprachen gesprochen. Diese Sprachen, Formale Sprachen genannt, sind mathematische Modelle von Sprachen, die besonders in der theoretischen Informatik, insbesondere bei Berechenbarkeitstheorie und dem Compilerbau Anwendung finden.
Bestrebungen eine eindeutige und methodisch korrekte Sprache aufzubauen, haben zum Projekt der Orthosprache geführt.
Sprache als Medium
Viele Medientheorien – vor allem die technischen – fassen Sprache nicht als Medium, sondern als Kommunikationsinstrument auf, d.h. als neutrale Ermöglichungsbedingung für die eigentlichen Medien. Sprache dient solchen Auffassungen nach lediglich der Repräsentation oder auch Übermittlung mentaler Entitäten (Konzepte, Begriffe), wobei letztere als unabhängig von der Sprache gedacht werden. Man spricht deshalb von Repräsentationsmitteln. Die radikalste Form dieser „Sprachvergessenheit der Medientheorie“, wie Ludwig Jäger (2000) formuliert, findet sich im so genannten Diskurs über „postsymbolic communication“, der davon ausgeht, dass die menschliche Kognition und Kommunikation zukünftig nicht mehr auf Sprachzeichen angewiesen seien, weil diese aufgrund der technischen Entwicklungen im Bereich der Forschungen zur Künstlichen Intelligenz obsolet werden. Jäger (2000) zufolge bleiben Debatten über die Wirkungsmacht von „neuen Medien“, wie etwa Computer und Internet, jedoch leer, wenn Sprache nicht als entscheidendes Rahmenmedium erkannt wird. Er plädiert deshalb dafür, den nicht-technischen (anthropologischen) Medienbegriff stärker in den Diskurs über technische Medien einzubeziehen und so die schlichte Dichotomie zwischen „neuen Medien“ und „Sprache“ aufzuweichen.
Jäger (2000/2002) formuliert eine erkenntnistheoretische Medienauffassung, deren Kernaussage lautet, dass Mentalität erst durch die Medialität ermöglicht wird. Das heißt die menschliche Mentalität wird in ihrem heutigen Umfang erst durch Zeichenhandlungsprozesse, die sowohl ein Welt- als auch Ich-Bewusstsein konstituieren, ermöglicht. Die Sprache nimmt hierbei eine konstitutive Rolle ein. Wird also Sprache als Medium begriffen, ist schon die menschliche Mentalität medial geprägt. Es ist daher stets von der Sprache her zu beurteilen, wie sich neue Medien auf den Menschen auswirken können (vgl. Jäger 2000/2002).
Diese Konzeption kann durch die Überlegungen Sibylle Krämers (2000) unterstrichen werden. Krämer meint, dass eine Botschaft, die in einem Medium vermittelt wird, die Spur seiner formalen Konstitution bewahrt – in diesem Fall besitzt die Mentalität des Menschen die Spur seiner semiologischen Performanzen. D.h.: Wird eine Äußerung getätigt, findet keine Reinvermittlung mentaler Konzepte statt, da diese durch die jeweilige Einzelsprache geprägt sind. Weiter stellt Krämer (1998) Medien als Apparate zur künstlichen Erzeugung neuer Welten dar (d.h.: neue Formen der Erfahrung, Vorstellungen), die es ohne das entsprechende Medium nicht geben würde. Die Sprache ermöglicht dem homo sapiens sapiens so gesehen nichts Minderes als die komplexere Erfahrbarmachung der tatsächlichen Welt in der uns heute geläufigen Weise.
Sprache im weiteren Sinne
Manche Leute bezeichnen die Musik als universelle Sprache, da sie von Menschen unterschiedlichster Herkunft verstanden wird. Hierbei dient die Sprache vor allem als Kommunikationsmittel für Gefühle. So werden die meisten Filme mit Musik untermalt, weil dadurch unterschwellig die Gefühlslage der Situation bzw. der Figuren kommuniziert wird. In indischen Filmen geht das sogar soweit, dass die Handlung stehen bleibt und die Gefühle in Liedern ausgedrückt werden, was man bei uns nur aus dem Musical-Genre kennt.
Hier stößt auf eine weitere Ebene der Sprache: Filme, Theaterstücke, Operetten usw. bedienen sich ebenfalls einer bestimmten Sprache. Die hier eingesetzten sprachlichen Mittel findet man im übertragenen Sinne auch in den Laut- und Schriftsprachen wieder.
Siehe auch
Abstandsprache, Amtssprache, analytische Philosophie, Ausbausprache, Babysprache, Dachsprache, Dialekt, Dichtersprache, Etymologie, Europäisches Jahr der Sprachen, Fachsprache, falsche Freunde, Geheimsprache, Gruppensprache, Halsbandsittich in vielen Sprachen, Hochsprache, inklusive Sprache, Jargon, Konstruierte Sprache, Lautsprache, Liste von Sprachen, Liturgiesprache, Mathematik, Medien, Medientheorie, Muttersprache, Neusprech, Orthosprache, Plansprache, Programmiersprache, Seemannssprache, Semiotik, Signalsprachen, Soziolekt, Spiegelneuronen, Standardsprache, Terminologie, Umgangssprache, Universal-Grammatik, Verkehrssprache, Weltsprache, Zeichen, Zungenbrecher, Sprachreisen, Sprachbildung
Literatur
- Ludwig Börne, "Bemerkungen über Sprache und Stil.", 1826, Sämtliche Schriften, Bd. II, Düsseldorf 1964.
- Karl Bühler (1934), Sprachtheorie, Stuttgart: G. Fischer
- Geoffrey Sampson: "Schools of Linguistics." Hutchinson, London (1980), ISBN 0804710848
- David Crystal: "Die Cambridge Enzyklopädie der Sprache." Campus Verlag, Frankfurt/Main (1995), ISBN 3880599548
- Wilhelm von Humboldt: "Grundzüge des allgemeinen Sprachtypus", 2004, Berlin: Philo, ISBN 3-8257-0068-2
- John Lyons: "Die Sprache." C.H. Beck, München (1992; 4. Auflage) ISBN 3406094007
- Steven Pinker: "Words and Rules: The Ingredients of Language." (1999) (dt. Worte und Regeln: Die Natur der Sprache.), ISBN 3827402972)
- Ludger Hoffmann (Hg.)(2000/2) Sprachwissenschaft. Ein Reader. Berlin, New York: de Gruyter.
- Jäger, Ludwig (2000), „Die Sprachvergessenheit der Medientheorie. Ein Plädoyer für das Medium der Sprache.“ In: Kallmeyer, Werner (Hg.): Sprache und neue Medien. Berlin, New York: De Gruyter, 9-30
- Jäger, Ludwig (2002): Medialität und Mentalität. Die Sprache als Medium des Geistes. In: Krämer, Sybille, König, Ekkehard (Hgg.): Gibt es eine Sprache hinter dem Sprechen? Frankfurt am Main: Suhrkamp, 45-76
- Krämer, Sybille (²2000): „Das Medium als Spur und als Apparat.“ In: dies. (Hg.): Medien, Computer, Realität. Wirklichkeitsvorstellungen und neue Medien. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 9-26
Weblinks
- [http://www.rosettaproject.org/ Rosetta-Projekt: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.ethnologue.com/ Ethnologue: Informationen zu Sprachen der Welt] (englisch)
- [http://www.vistawide.com/ Sprachen und Kulturen der Welt] (englisch)
- [http://portal.unesco.org/ UNESCO-Projekt:] "Intangible Heritage - [http://portal.unesco.org/culture/admin/ev.php?URL_ID=8270&URL_DO=DO_TOPIC&URL_SECTION=201 Endangered Languages]"
- [http://www.tooyoo.l.u-tokyo.ac.jp/Redbook/index.html UNESCO Red Book of Endangered Languages]
- [http://www.georgetown.edu/faculty/ballc/animals/animals.html Tierlaute in verschiedenen Sprachen] (englisch)
- [http://www.netz-tipp.de/sprachen.html Statistik: Verbreitung der Sprachen im Internet]
- [http://home.edo.uni-dortmund.de/~hoffmann/Gruende/10Gruende.html 10 Gründe, Sprachwissenschaft zu studieren]
- [http://www.heim2.tu-clausthal.de/~kermit/wte/sprache.html Sprache als Gefängnis:] Vortrag im Rahmen der Reihe Wissenschaft, Technik und Ethik an der TU Clausthal
- [http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/771860 Es werde Wort - und zwar schnell!] Ein Bericht über die "rasante Entwicklung von Sprache"
- [http://www.bair-sprache-chiemgau.de/texte/pressetexte.htm#1 Etwa 90% aller Sprachen werden bis 2050 wahrscheinlich verschwunden sein] ([http://www.guardian.co.uk/uk_news/story/0,3604,721955,00.html Original auf Englisch])
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Kanaanäischkategorie:Semitische Sprache
Die Kanaanäischen Sprachen (auch Kanaanitisch) sind eine Untergruppe der Semitische Sprachen, die von den antiken Bewohnern Kanaans bzw. Palästinas gesprochen wurde. Die meisten kanaanäischen Sprachen starben schon zu Ende des 1. Jahrtausends v. Chr. aus, nur die Hebräische Sprache wurde durch die religiösen Schriften des Judentums überliefert und im 20. Jahrhundert wiederbelebt.
Kanaanäische Sprachen sind:
- Ammonitische Sprache (ausgestorben)
- Moabitische Sprache (ausgestorben)
- Edomitische Sprache (ausgestorben)
- Hebräische Sprache (Sakralsprache)
- Iwrith
- Phönizische Sprache (ausgestorben)
- Punische Sprache (ausgestorben)
- Samaritanische Sprache (ausgestorben)
Die wichtigsten Quellen zur Beschäftigung mit den Kanaanäischen Sprachen sind die hebräische Bibel und einige Inschriften, wie z.B.:
- auf Moabitisch: Mescha-Stele, El-Kerak-Stele
- auf Althebräisch: Gezer-Kalender
- auf Phönizisch: Ahiram-Inschrift, Sarkophag des Eshmunazar[http://www.proel.org/alfabetos/fenicio19.gif]
- auf (Neo-)Punisch: Poenulus von Plautus (Anfang des 5. Akts)
Die kanaanäischen Sprachen bilden zusammen mit dem Aramäischen die westsemitischen Sprachen. Merkmale der kanaanäischen Sprachen sind u.a.:
- Das als bestimmter Artikel benutzte Präfix h- (im aramäischen stattdessen das Suffix -a)
- Das Pronomen der 1. Person Singular ʾnk (אנכ - anok(i)) (dagegen Aramäisch ʾnʾ/ʾny) Die kanaanäische Form ist im Gegensatz zur entsprechenden aramäischen Form ʾnʾ/ʾny die alte Proto-Afro-Asiatische Form (vgl. Ägyptisch jnk)
Links
- [http://www.kchanson.com/ANCDOCS/westsem/westsem.html Einige Westsemitische Inschriften] (englisch)
Syrien
Die Arabische Republik Syrien ( al-Dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya) ist ein autoritär geführter Staat in Vorderasien. Sie grenzt an Israel, den Libanon, die Türkei, den Irak, Jordanien und das Mittelmeer. Syrien kommt von "sūrī" und heißt übersetzt etwa "Land der Rosen". Nach der syrischen Hauptstadt Damaskus ist auch die in der Parfümherstellung verwendete Damaszenerrose benannt. Eine andere Meinung zu der Namensableitung ist die nach dem alten Reich Assyrien, dessen Kern aber in Mesopotamien lag.
Geografie
Landschaft und Wüsten
Syrien erreicht auf etwa 150 Kilometer die Ostküste des Mittelmeeres, direkt nördlich des kleinen Staates Libanon.
Entlang dieser Küste erstreckt sich eine schmale Ebene. Parallel zu ihr verläuft - in etwa 20 km Abstand zur Küste - das Alawiten-Gebirge, dessen Ostabhang steil zur fruchtbaren Orontes-Ebene abfällt. Eine von Norden nach Süden verlaufende Gebirgskette trennt das Orontes-Tal von der syrischen Hochebene. Diese wird weiter südlich vom Antilibanon-Gebirge mit dem 2.814 Meter hohen, mit Schnee bedeckten Gipfel des Hermon (arab.: , Dschabal asch-Schaich) gegen Westen abgeschirmt. Hier entspringen kleinere Flüsse, die das ganze Jahr über Wasser führen und Oasenbildung ermöglichen; darunter der Barada, der die Damaskus umgebende Oase Ghuta bewässert.
Auf der Hochebene im Osten und Südosten Syriens dehnt sich die Syrische Wüste, die in ihrem Zentrum von kleineren Hügelketten unterbrochen wird und allmählich gegen die Euphratsenke abfällt. Im Nordosten Syriens durchschneidet der Euphrat die Nordausläufer der Wüste Shamiyah; an sie schließt sich eine fruchtbare Ebene, die Dschezire, an. Im Südosten erhebt sich das vulkanische Massiv des Hauran mit dem Dschabal ad-Druz (Jabal ad Duruz, 1.735 Meter) als Mittelpunkt und der westlich gelegenen Hauran-Ebene. Die bedeutendsten Flüsse Syriens sind der Euphrat (676 Kilometer) und der Orontes (325 Kilometer).
Klima
Das Klima ist subtropisch, trocken und warm. Im Osten herrscht heißes, trockenes kontinentales Steppen- und Wüstenklima mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag unter 150 Millimeter. Im Westen an der Küste ist Mittelmeerklima mit einem durchschnittlichen Jahresniederschlag von 600 bis 800 Millimeter.
Städte
Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Aleppo 2.139.714 Einwohner, Damaskus 1.576.797 Einwohner, Homs 735.871 Einwohner, Latakia 431.606 Einwohner und Hama 348.862 Einwohner.
- Siehe auch: Liste der Städte in Syrien
Tier- und Pflanzenwelt
Die Tier- und Pflanzenwelt Syriens ist durch die jahrtausendelange Besiedelung des Landes stark verarmt. Außer Nutztieren gibt es keine größeren Säugetiere mehr. Selbst Dromedare findet man heute kaum noch. Lediglich die Vogelwelt ist noch vielfältig. 354 Vogelarten wurden in Syrien dokumentiert. Syrien ist ein wichtiges Durchzugsland für Zugvögel. Bemerkenswert sind erst im Jahre 2002 in Syrien wiederentdeckte Waldrappen, die zu den gefährdetsten Vogelarten überhaupt zählen. Die natürliche Pflanzenwelt ist durch Abholzung und Überweidung schon seit dem Altertum stark degradiert. Wald findet man kaum noch im Lande. Die Aleppokiefer und die Libanonzeder kommen noch in Restbeständen vor. Dagegen sind Öl- und Feigenbäume häufig angepflanzt zu finden.
Bevölkerung
Feigenbäume
Die mehrheitsbevölkerung in syrien bilden araber , zweitgrößte volksgruppe bilden die kurden , laut angeblich syrischen geheimdokumenten , sollen bei der letzen volkszählung 1999 2,8 millioen in syrien gelebt haben , daneben leben noch armenier und assyrer im land
Etwa 89 % der Bevölkerung sind sunnitische Muslime; rund 3 % sind Alawiten, 2 % sind Drusen und gut 1 % sind schiitische Ismaeliten oder seltener Imamiten; etwa 6 % sind Christen verschiedener Konfessionen. Die meisten sind syrisch-orthodox, die Maroniten etwas über 2 %, nämlich rund 424.000. - [http://www.catholic-hierarchy.org/country/scsy1.html] Andere bekennen sich zur Armenische Apostolischen Kirche und der mit Rom unierten Syrisch-Katholische und Griechisch-Katholoischen Kirchen. Gläubige der alten apostolischen Kirche des Ostens und der Assyrischen Kirche des Ostens zählen um die 30.000 und leben Hauptsächlich um den Fluss Khabur im mesopotamischen Teil Syriens. Die wenigen Hundert noch in Syrien verbliebenen Juden leben überwiegend in den Städten, erwähnenswert ist auch die 12.000 starke yezidische gemeinde.
Daneben gibt es zahlreiche arabisch-sprachige Flüchtlinge: 482.000; davon 476.000 Palästinenser und 170.000 Binnenflüchtlinge (Ende 2002) sowie ca. 40.000 chaldo-asssyrische Flüchtlinge aus dem Irak.
Die Bevölkerung Syriens ist im Laufe des 20. Jahrhunderts sehr stark gewachsen. Nach dem 1. Weltkrieg betrug die Bevölkerung wohl nicht viel mehr als 1.500.000 Menschen. Um 1970 war sie dann auch auf rund 6.000.000, etwa das vierfache, angewachsen. Heute ist sie mit 18.000.000 etwa zwölf mal so groß wie nach dem 1. Weltkrieg.
Auffällig ist auch, dass es mehr als 15 Millionen Syrer außerhalb Syriens gibt. Dies ist zum Vergleich zu der Einwohnerzahl eine enorm hohe Zahl.
Geschichte
Hauptartikel: Geschichte Syriens
Von den Anfängen bis zur Unabhängigkeit 1946
Syrien wurde nacheinander von den Kanaanäern, Hurritern, Phöniziern, Hebräern, Aramäern, Assyrern, Babyloniern, Persern, Griechen und Nabatäern beherrscht, ehe es 64 v. Chr. römische Provinz wurde. 395 fiel es ans Byzantinische Reich.
Im 7. Jahrhundert wurde das Gebiet von den Arabern erobert (Eroberung Damaskus' im Jahre 635). Unter den Umayyaden war Damaskus von 661 bis 750 Sitz des Kalifen. Nach der Eroberung durch die Mamluken 1260 und den Kreuzzügen wurde es schließlich 1517 Teil des Osmanischen Reichs.
1920 errichtete König Faisal, der dritte Sohn des Scherifen von Mekka ein unabhängiges arabisches Königreich Syrien, dessen Grenzen größtenteils auf das Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zurückgingen. Bereits wenige Monate später wurde er von Frankreich gestürzt. Französische Truppen besetzten das Land, und der Völkerbund stellte Syrien und den Libanon gemäß der Konferenz von San Remo unter französisches Mandat.
Ursprünglich wollte Frankreich keinen geeinten syrischen Staat, sondern beabsichtigte eine Aufteilung in vier Staaten mit eigener Regierung, wobei religiöse und konfessionelle Gesichtspunkte eine Rolle spielen sollten.
Diese Absichten lösten Mitte 1925 einen Aufstand der Drusen aus, worauf Frankreich mit Bombardierungen reagierte. Der wachsende innere und auch äußere Druck (seitens Großbritanniens) führten schließlich dazu, dass zunächst die Gebiete um Damaskus und Aleppo zum Staat Syrien zusammengeschlossen wurden. Neben der Zulassung von politischen Parteien wurde auch eine Verfassung ausgearbeitet. 1937 kamen die Gebiete um Latakia und der Drusenstaat zum Staatsgebiet hinzu.
In Anlehnung an das Abkommen zwischen dem Irak und Großbritannien von 1922 wurde 1936 ein Vertrag mit Frankreich geschlossen, in dem die Unabhängigkeit Syriens in Aussicht gestellt wurde. Dieser Vertrag wurde von Frankreich allerdings nicht ratifiziert.
1939 trat Frankreich das Gebiet um Alexandrette an die Türkei ab - offenbar, um die Türkei als Verbündeten im Zweiten Weltkrieg zu gewinnen. Nachdem Paris von deutschen Truppen besetzt worden war und die französische Verwaltung sich auf die Seite des Vichy-Regimes unter Marschall Pétain geschlagen hatte, marschierten "freifranzösische" Truppen in Syrien ein. Im Auftrag Charles de Gaulles wurde das Mandat für beendet und Syrien 1944 für unabhängig erklärt. Es folgte später die Anerkennung durch die Sowjetunion, die Vereinigten Staaten und Großbritannien.
1945 wurde Syrien Gründungsmitglied der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga.
Frankreich war jedoch immer noch militärisch präsent, was zu antifranzösischen Demonstrationen führte und in der französischen Bombardierung von Damaskus gipfelte. Nachdem der britische Premierminister Winston Churchill mit der Entsendung von Truppen gedroht und die Vereinten Nationen Frankreich zum Rückzug aufgefordert hatten, lenkte Frankreich ein: bis zum 17. April 1946 hatten die letzten französischen Truppen das Land verlassen.
Die Syrische Arabische Republik
Am 17. April 1946 wird die Syrische Arabische Republik ( al-dschumhūriyya al-ʿarabiyya as-sūriyya) ausgerufen. Seither ist der 17. April syrischer Nationalfeiertag.
Die ersten Jahre der jungen Republik sind durch politische Instabilität und Regierungskrisen gekennzeichnet. Dazu trägt auch die Niederlage im ersten Palästinakrieg 1948 bei.
Der Aufstieg des Panarabisten Gamal Abdel Nassers in Ägypten nährt auch in Syrien Hoffnungen auf die Schaffung eines gemeinsamen arabischen Staats. Im Vorfeld des Sueskriegs bilden beide Länder ein gemeinsames Oberkommando; nach schweren Spannungen zwischen der Ba'ath-Partei und der Kommunistischen Partei wird aus Furcht einer kommunistischen Machtübernahme eine Delegation nach Ägypten entsendet, wo die Vereinigung der beiden Staaten beschlossen wird.
Am 1. Februar 1958 wird der Zusammenschluss Ägyptens und Syriens zur Vereinigten Arabischen Republik (VAR) bekanntgegeben.
Da von Anfang an die ägyptische Seite dominiert und die wichtigsten Politikbereiche bestimmt, wächst die Unzufriedenheit in Syrien. Hinzu treten wirtschaftliche Probleme. Ein Putsch syrischer Offiziere im September 1961 bedeutet schließlich das Ende der Vereinigten Arabischen Republik. Nach einem weiteren Putsch im Mai 1963 erlangt die Ba'ath-Partei zum ersten Mal die Macht in Syrien, die jedoch weiterhin zerstritten ist.
Nach dem verlorenen Sechs-Tage-Krieg gegen Israel im Juni 1967 und dem Verlust des Golans folgt eine Phase, die von allgemeiner Niedergeschlagenheit gekennzeichnet ist.
Hafiz al-Assad
Aus den jahrelangen Machtkämpfen innerhalb der Ba'ath-Partei tritt am 16. November 1970 schließlich Hafiz al-Assad als Sieger hervor. Assad, unter Salah Dschadid noch Verteidigungsminister, lässt den Altpräsidenten und einige seiner Anhänger verhaften, nachdem er selbst einst aus politischen Gründen einige Zeit im Gefängnis verbringen musste. 1971 lässt er sich mit 99,2 Prozent der Stimmen (ohne Gegenkandidaten) zum Staatspräsidenten wählen; im selben Jahr wird er Generalsekretär der Ba'ath-Partei.
1973 wird eine neue Verfassung verabschiedet, in der die Position des Staatspräsidenten weiter aufgewertet wird. Des weiteren soll die Schari'a fortan eine der Hauptgrundlagen der Gesetzgebung sein.
Außerdem wird festgelegt, dass der Staatspräsident Muslim sein muss, um die Sunniten zu beruhigen, denen die Alawiten, zu denen auch al-Assad gehört, zu mächtig geworden waren.
Im Oktoberkrieg von 1973 gelingt es der syrischen Armee, einen kleinen Teil der von Israel besetzten Golanhöhen zurückzuerobern.
Ein Kennzeichen von Assads Politik ist die Unterdrückung der islamistischen Opposition. Es kommt unter anderem zu Terroranschlägen, die auf das Konto der Muslimbrüder gehen. Nach einem weiteren Anschlag in der Militärakademie 1979, dem 50 alawitische Kadetten zum Opfer fallen, geht die Regierung verschärft gegen die Muslimbrüder vor.
Zu einem folgenschweren Aufstand, wiederum von Muslimbrüdern initiiert, kommt es im Februar 1982 in der mittelsyrischen Stadt Hama. Die Armee greift mit Panzern und Luftwaffe ein, es kommt zu heftigen Kämpfen, in deren Verlauf große Teile der Altstadt zerstört werden. Etwa 1.000 Soldaten und zwischen 10.000 und 30.000 Zivilisten verlieren ihr Leben (Siehe Demozid).
Der Niederschlagung des Aufstands folgt eine umfangreiche Verhaftungswelle, die der fundamentalistischen Opposition das Rückgrat bricht. In der Folge ist al-Asads Machtposition sehr stark und kaum gefährdet.
1994 kommt Assads ältester Sohn Basil, der sein Nachfolger werden sollte, bei einem Autounfall in der Nähe des Flughafens von Damaskus ums Leben.
Baschschār al-Assad
Nach dem Tod des syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad am 10. Juni 2000 wird am 10. Juli 2000 sein zweitjüngster Sohn Baschschār al-Assad mit einer Mehrheit von 97,29 % (offizielles Wahlergebnis) zum nächsten Präsidenten gewählt.
Baschschār gilt als liberaler als sein Vater, da er unter anderem in London studierte und auch dort heiratete. Erstes Anzeichen eines neuen politischen Kurses war die Freilassung von 600 politischen Gefangenen im November 2000.
Allgemein erhofft sich die Bevölkerung eine weitere Öffnung des Landes, wie sie von Hafiz al-Assad in den 1990er Jahren begonnen wurde. Unter Baschar wurde unter anderem die Benutzung des Internets erlaubt.
Allerdings kam es im September 2001 erneut zu einer Inhaftierungswelle gegen bekannte Oppositionelle. Im Frühjahr 2004 wurden nach Demonstrationen und Zusammenstößen mit den Sicherheitsdiensten hunderte syrischer Kurden, darunter auch Kinder, verhaftet.
Im Februar 2005 wurde in Beirut ein Autobombenanschlag auf Rafiq Hariri, den ehemaligen und langjährigen Regierungschef des Libanon verübt. Da es Hinweise auf Geheimdienst-Aktivitäten gab, wächst in jüngster Vergangenheit der Druck auf Syrien. Insbesondere die USA machen dessen Führung für das Attentat verantwortlich. Doch auch Frankreich fordert von Syrien die volle Souveränität Libanons zurück.
Im Mai 2005 gab Präsident Assad diesen Forderungen teilweise nach.
Neuere Politik
Verhältnis zu Israel
In Folge des Sechstagekrieges im Jahr 1967 besetzte Israel die Golan-Höhen, von wo immer wieder syrischer Beschuss erfolgt war. Seit damals herrscht zwischen den beiden Ländern lediglich ein Waffenstillstand, Syrien erkennt den israelischen Staat nicht an (zum Beispiel ist in seinen Atlanten nur von "Palästina" die Rede). Der Abschluss eines Friedensvertrags, der eine völkerrechtliche Anerkennung beinhalten könnte, ist für die syrische Seite eng an die Rückgabe der Golanhöhen geknüpft, die wiederum für Israel von immenser strategischer Wichtigkeit sind.
Anderseits beschuldigt Israel die syrische Regierung, Terroristen Unterschlupf zu gewähren. Im Oktober 2003 flog die israelische Luftwaffe einen Angriff gegen ein vermutetes Terroristen-Ausbildungslager südlich von Damaskus, der von vielen Staaten verurteilt wurde.
Verhältnis zu Libanon, USA und UNO
Syrien betrachtete sich lange als Schutzmacht des kleinen Nachbarstaates, der fast die gesamte Landgrenze mit Syrien gemeinsam hat. Die langjährige Besetzung größerer Teile des Libanon galt offiziell als Unterstützung gegen Israel und wurde von der pro-syrischen Regierung des Omar Karame bis zuletzt befürwortet. Die letzten Einheiten der syrischen Armee verließen den Libanon Ende April 2005, als es dort nach dem Mord an Expremier Rafik Hariri (14. Februar) schwere Vorwürfe an den syrischen Geheimdienst und tagelange Massenproteste gab. Sie führten auch zum Rücktritt der Regierung Karame.
Im April 2005 beauftragte die UNO ihren Spitzendiplomaten Detlev Mehlis, den bis dato ungeklärten Mord in Beirut an Ex-Premier Hariri zu untersuchen. Am 20. Oktober 2005 berichtete Mehlis dem Sicherheitsrat über eine klare Mittäterschaft syrischer Geheimdienstkreise an dem Anschlag in Beirut, bei dem außer Hariri 21 Menschen umkamen. Syrien hatte eine Verwicklung stets verneint und sprach von einem Komplott des Westens - insbesondere weil die USA auch Kontakte zu den Attentätern vom 11/9 vermuteten. Siehe [http://www.rundschau-online.de/kr/KrCachedContentServer?ksArtikel.id=1129873265707&openMenu=1039082845263&calledPageId=1039082845263 Chronik der Ereignisse].
Am 31. Oktober forderte der Sicherheitsrat in einer einstimmigen Resolution von Syrien volle Kooperation zur Aufklärung des Hariri-Mordes. Er verzichtete zwar auf die lange diskutierten Sanktionen, behielt sich aber weitere Schritte und eine Untersuchung von UNO-Ermittlern vor. Die Hauptforderung war, es müssten alle verdächtigen Personen vernommen werden, zu denen auch Bruder und Schwager des syrischen Präsidenten Assad gehören.
Laut UN-Chefermittler Mehlis (siehe 20.Oktober) habe Syrien "bisher den Daumen auf viele wichtige Informationen gehalten" und ihn an Befragungen gehindert. Die von USA, England und Frankreich eingebrachte Resolution wurde nach Abmilderung einstimmig beschlossen und verpflichtet alle Staaten, Verdächtigen die Einreise zu verweigern und ihre Bankguthaben einzufrieren. Während Syriens Außenminister al-Sharaa in New York einen Eklat verursachte und in Damaskus gegen die Resolution demonstriert wurde, stimmten ihr der Libanon und auch arabische Staaten zu. [http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=356&Alias=wzo&cob=205315 Weblink].
Die Abmilderung des vom Westen eingebrachten Resolutionsentwurfs war auf Druck Russlands und Chinas erfolgt. So wurde auf die offene Androhung von Sanktionen gegen Syrien verzichtet, doch behielt sich der Sicherheitsrat "weitere Maßnahmen" vor, falls sich Syrien nicht an die Vorgaben hält. Auch die Aufforderung an die syrische Führung, jede Unterstützung des Terrorismus zu beenden, wurde gestrichen.
Die heftige Protestwelle in Syrien gegen die UNO-Beschlüsse und die USA wurde vom Westen als gesteuert angesehen. Auch die Reden des syrischen Außenministers trugen zur weiteren Isolierung des Landes bei, von dem erst kurz zuvor strengere Grenzkontrollen zum Irak und gegen den Übertritt von Terroristen gefordert worden waren.
Verwaltungsgliederung
Syrien ist seit 1987 in 14 Gouvernorate (muhafazat, singular: muhafazah) unterteilt, die nach dem jeweiligen Hauptort benannt sind:
Anteile an der Syrischen Wüste haben die Regionen Nr. 2, 6 (jeweils Ostteil) und vor allem 13; weitere Wüstengebiete liegen in den Gouvernoraten Nr. 12 und 14.
Der Bezirk Qunaitra (Kuneitra) auf den Golanhöhen ist seit 1967 größtenteils von Israel besetzt. Die Region um Iskenderūn (Alexandrette), bis zur Eingliederung in die Türkei Sandschak Alexandrette genannt, gehört seit 1939 zur Türkei, wird allerdings ebenfalls von Syrien beansprucht.
Wirtschaft
Die Landwirtschaft kann unter günstigen Bedingungen bis zu einem Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen und ist für das Land extrem wichtig. Erdöl, Textilien und Nahrungsmittel sind Syriens Hauptexportgüter, welche Syrien eine positive Handelsbilanz bescheren.
Der Tourismus beschränkt sich hauptsächlich auf Kultur- und Sprachtouristen, obwohl es eine gewisse touristische Infrastruktur und fast 200 km Küste gibt. Wichtige Industriegebiete sind die Regionen um Aleppo, Damaskus und das Gebiet zwischen Homs und Hama.
Die syrische Wirtschaft ist stark vom Export von Erdöl abhängig. Sie machen 70 Prozent der Exporterlöse aus und aus ihnen speist sich die Hälfte des Budgets.
Da das Erdöl in Syrien vermutlich in einigen Jahren ausgehen will und die syrischen Machthaber eine breiter diversifizierte Wirtschaft errichten wollen, streben sie einen Strukturwandel und den Umbau zu einer funktionierenden Marktwirtschaft an. Dieser soll mit jährlichen Privatinvestitionen von bis zu fünf Mrd. Dollar, Zusatzeinnahmen aus dem Ölexport und Investitionen aus dem Ausland finanziert werden. Die Wirtschaftspolitiker sehen in den nächsten fünf bis zehn Jahren die beste Gelegenheit für Strukturänderungen. Zu den im neuen Fünfjahresplan festgeschriebenen weitrechenden Veränderungen gehört unter anderem eine umfassende Steuerreform, Privatisierung, der Abbau von Monopolen, Deregulierung wichtiger Sektoren und die Reduzierung des öffentlichen Sektors.
Der Internationale Währungsfond lobte die Bemühungen der syrischen Wirtschaftspolitiker bereits, vor allem die Anpassung des syrischen Pfunds an einen realistischen Wechselkurs.
Kultur
Sport
siehe Hauptartikel Syrischer Fußball
Feiertage
In Syrien gibt es wie in Deutschland sowohl staatliche als auch religiöse Feiertage. Grundlage für die staatlichen Feiertage ist dabei wie in mittlerweile fast allen arabischen Ländern die christliche Zeitrechnung, für die islamischen Feiertage die Hidschra-Zeitrechnung nach dem Mondkalender. Da das Mondjahr elf Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, „wandern“ die islamischen Feiertage jedes Jahr entsprechend „nach vorn“. Hier eine Übersicht über die Feiertage 2005, die veränderlichen Feiertage sind mit einem Stern ( - ) gekennzeichnet:
- Christliches Neujahr (ʿĪd ra's as-sana al-mīlādiyya): 1. Januar
- Opferfest (ʿĪd al-adhā): 21. Januar -
- Islamisches Neujahr (ʿĪd ra's as-sana al-hidschriyya), 1426: 10. Februar -
- Tag der Revolution (Thaurat ath-thāmin min ādār): 8. März
- Muttertag (ʿĪd al-umm): 21. März
- Katholische Ostern (ʿĪd al-fash): 27. März -
- Tag des Truppenabzugs (ʿĪd al-dschala'), Nationalfeiertag: 17. April
- Geburtstag des Propheten Muhammad (ʿĪd al-maulad an-nabawī asch-scharīf): 21. April -
- Tag der Arbeit (ʿĪd al-'ummāl al-'ālamī): 1. Mai
- Orthodoxe Ostern (ʿĪd al-fash): 1. Mai -
- Märtyrertag (Dhikrī asch-schuhadā'): 6. Mai
- Fest des Fastenbrechens (ʿĪd al-fitr), Ende des Ramadan: 3. November -
- Weihnachten (ʿĪd al-mīlād al-madschid): 25. Dezember
(Quelle: US-Botschaft in Damaskus, http://damascus.usembassy.gov/wwwhholi.html)
Bekannte Syrer
Weblinks
- [http://www.travel-images.com/syria.html Syrien - Bilder]
- [http://www.arte-tv.com/de/GALLERIE_20PHOTO_20_3A/184466,CmC=486468,CmPage=184466,CmPart=com.arte-tv.www,view=introduction.html Syrien auf dem Schachbrett des Nahen Ostens]
- [http://www.spirit-of-the-moment.com/compositions/Syrien/index.html Reisebilder sortiert nach Themen und Orten aus Syrien, Jordanien und dem Libanon]
Kategorie:Staat
Kategorie:Nahost
Kategorie:Mittelmeer
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Tyros (Stadt)Tyros war eine der wichtigsten Städte der Phönizier, damals gelegen auf einer Insel im östlichen Mittelmeer. In der heutigen Zeit liegt dort die Kleinstadt Sur (arab. الصور aṣ-Ṣūr) im Südlibanon. Vor der Stadt liegt das palästinensische Flüchtlingslager Al-Bass.
Geschichte
Bronzezeit
Der Aufstieg von Tyros begann Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. Seine große Zeit hatte Tyros als Handelsmetropole ab dem angeblichen Seevölkersturm im 12. Jh. v. Chr.
Der Handel von Tyros und anderen phönizischen Städten erfasste das gesamte Mittelmeerbecken. Ob auch die Gegenden jenseits der Säulen des Herkules, wie die Kanarischen Inseln und Britannien erreicht wurden, ist mehr und mehr umstritten.
Für ca. 988 v. Chr. ist die Entsendung von Männern und Material für den Bau von Salomons Tempel in Jerusalem überliefert. Weiterhin wird Hiram Abif als Delegierter von Hiram I., dem König von Tyros entsandt.
Der Handel wurde gestützt auf eine Vielzahl von Handelsfaktoreien an den Küsten. Dauerhafte Siedlungen und Kolonien wurden nur ausnahmsweise gegründet, vor allem in Nordwestafrika. Die bedeutendste Gründung war Karthago im Jahr 814 v. Chr. durch die tyrische Königstochter Elissa (Dido).
Tyros konnte seine politische Unabhängigkeit vor allem deshalb behaupten, weil die bisherigen Großmächte Ägypten und das Hethitische Reich geschwächt bzw. zerstört waren und zunächst keine andere Großmacht das resultierende Machtvakuum füllen konnte.
Assyrische/Babylonische Zeit
Mit dem Erstarken des Neuassyrischen Reiches wurde Tyros tributpflichtig und verlor zunehmend seine politische Eigenständigkeit, nicht jedoch seine Wirtschaftskraft. Die Seeherrschaft der Phönizier wurde allerdings seit dem 8. Jh. v. Chr. zunehmend von den aufstrebenden Griechen zurückgedrängt.
Der Vasallenvertrag zwischen Assurhaddon (681-669) und dem Stadtgott von Tyros enthält eine genaue Beschreibung des Herrrschaftsgebietes von Tyros und verschiedene Vorschriften:
- dem Befehl des assyrischen Statthalters zu gehorchen
- sich nicht an assyrischen Untertanen zu vergreifen
- gestrandete Schiffe an die Assyrer auszuliefern, doch ihre Besatzungen nicht anzutasten
Diese Vorschriften folgen die üblichen Selbstverfluchungen im Falle des Eidbruches:
- Ninlil von Niniveh möge ein flammendes Schwert gegen Tyrus ziehen
- die Ischtar von Arbela möge kein Erbarmen gewähren
- Gula möge Krankheiten schicken, daß die Bewohner von Tyros in ihrem Blute baden wie Wasser
- die Schebetu (Böse Sieben, Plejaden) mögen eine Niederlage bewirken
- Melkart und Eschmun mögen das Volk der Deportation preisgeben
- etc.
Es werden hier sowohl die obersten Götter des babylonischen Pantheons als auch assyrische und lokale Götter angerufen.
Tyros gehörte anschließend zum Neubabylonischen und Persischen Reich.
Nebukadnezar II. (604-562 v.Chr.) konnte die Stadt selbst nach 13jähriger Belagerung nicht erobern.
Hellenismus
Tyros war nur schwer zu erobern, da es auf einer der Küste vorgelagerten Insel lag.
Alexander der Große ließ deshalb in mehrmonatiger Arbeit zur besseren Eroberung einen Damm vom Festland aus bauen.
Er eroberte daraufhin Tyros 332 v. Chr. und die Stadt wurde zerstört.
Dies bewirkt den einsetzenden, langsamen Niedergang der Stadt.
Ihre politische Eigenständigkeit konnte nicht wieder hergestellt werden.
An dem Damm lagerte sich im Lauf der Zeit Schwemmland an, so dass aus der Insel eine Halbinsel wurde.
Römerzeit
In der Römerzeit kam es zur Errichtung mehrerer, größerer Bauwerke, die teilweise heute noch erhalten sind.
Mittelalter
Im Hochmittelalter erregte Tyros dadurch Aufmerksamkeit, dass in der Kathedrale zu Tyros die Knochen des während des 3. Kreuzzugs verstorbenen deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossa (+1190) beigesetzt wurden.
Die Stadt wurde bereits im ersten Kreuzzug (gestartet 1095) erobert und dem Königreich Jerusalem zugeschlagen. Sie wurde weiterhin Sitz eines Erzbischofs. Nach dem Fall Jerusalems an Saladin (1187) wurde der Thronsitz nach Akkon verlegt während die Beratungssitzungen in Tyros stattfanden. Später wurde Tyros in ein eingenes Fürstentum umgewandelt. Im Jahr 1291 eroberten die Mameluken die Stadt zurück.
Sehenswürdigkeiten
Heute sind vor allem noch Ruinen aus der Römerzeit erhalten, Reste eines gigantischen Hippodroms und der Friedhof vor den Toren der alten Stadt.
Siehe auch: Liste der Könige von Tyros
Literatur
- Michael Sommer, Die Phönizier – Handelsherren zwischen Orient und Okzident Kröner Verlag 2005 ISBN 3520454017
Kategorie:Ort im Libanon
Kategorie:Phönizier
Kategorie:Weltkulturerbe
Kategorie:Historische Stadt
Kategorie:Ort in der Bibel
ja:ティルス
11. Jahrhundert v. Chr.
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Das 11. Jahrhundert v. Chr. begann am 1. Januar 1100 v. Chr. und endete am 31. Dezember 1001 v. Chr..
Zeitalter/Epoche
Ereignisse/Entwicklungen
- ab ca. 1050/1025: Aufkommen der protogeometrischen Keramik in Griechenland, die die spät-mykenische ablöst. Damit Beginn der Geometrischen Zeit
- Beginn der "ionischen Kolonisation", dabei nach der Überlieferung 1053 Neugründung Milets.
- Träger der Urnenfelderkultur siedeln in Kitzbühel, um Kupfererz zu schürfen
- Phönizische Seefahrer besuchen Fuerteventura und Lanzarote
- Phönizier siedelten sich an der Südküste Spaniens (Cádiz) an.
Persönlichkeiten
- Der biblische Prophet Samuel lebte in dieser Zeit.
Erfindungen und Entdeckungen
- ca. 1100 - Frühester chinesischer Landkompass
- In der Shang-Dynastie in China (etwa 1600 bis 1045 v. Chr.) werden Schriftzeichen auf Knochen eingeritzt.
00-11
ja:紀元前11世紀
Spätantike, Türkei, (Baubeginn 325, Neubau unter Justinian I.). Die Minarette wurden erst nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken 1453 hinzugefügt]]
Spätantike ist eine moderne Bezeichnung für die Epoche der Mittelmeerwelt im Übergang von der Antike zum Mittelalter; der Begriff selbst wurde Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Kunsthistoriker Alois Riegl geschaffen. Auch wenn die zeitliche Abgrenzung der Spätantike in der Forschung umstritten ist, gilt als Beginn dieser Übergangsepoche meist der Regierungsantritt des römischen Kaisers Diokletian 284 n. Chr. Das Ende ist Gegenstand der wissenschaftlichen Diskussion. Als grober Rahmen kann gelten: Im Westen des römischen Reiches dauert die Spätantike mindestens bis zur Ablösung des letzten Kaisers Romulus Augustulus im Jahre 476, eher aber bis zum Einfall der Langobarden in Italien (568). Im Osten reicht die Epoche bis etwa zum Tod des oströmischen Kaisers Justinian I. 565 n. Chr. bzw. bis zur arabischen Expansion (ab 632).
Die Spätantike bildet einen relativ eigenständigen Zeitraum des Altertums, der zwar nicht mehr der klassischen Antike angehört, aber auch noch nicht dem Mittelalter zugerechnet werden kann. Sie ist durch ein Nebeneinander von antiken Traditionen und christlich-germanischer Überformung gekennzeichnet. Statt wie früher von einem Niedergang, sollte für die Jahre von ca. 300 bis 600 eher von einer Transformation des antiken Erbes gesprochen werden. Ein herausragendes Ereignis dieser Epoche stellt der Siegeszug des Christentums und damit verbunden der langsame Niedergang heidnischer Traditionen dar. Auch in der Kunst und der Literatur entsteht durch die Ablösung klassisch römischer durch christlich geprägte Formen und Themen ein eigener, charakteristischer Stil.
Die Spätantike steht außerdem unter den Zeichen der Reformierung von Heer und Verwaltung durch Diokletian und Konstantin den Großen, der Zementierung der sakralen Stellung des Kaisers, der Völkerwanderung und in deren Folge schließlich der Transformation des westlichen Teils des römischen Reiches in jene germanisch-romanische Welt, die das westliche Mittelalter prägen sollte.
Zeitliche Abgrenzung
Allgemeines
Die zeitliche Abgrenzung der Spätantike ist – wie Epocheneinschnitte allgemein – Gegenstand der geschichtswissenschaftlichen Diskussion und bis zu einem gewissen Grad willkürlich gesetzt. Die Jahrhunderte zwischen Diokletian und Mohammed stellen eine Übergangsepoche dar, bei der es schwerfällt, eindeutige Schnitte zu setzen. Nicht alle Forschungsrichtungen gewichten die verschiedenen politik-, kunst-, kultur- und religionshistorischen Faktoren des allmählichen Wandels gleich. Zudem gibt es erhebliche regionale Unterschiede, im östlichen Mittelmeerraum hielten sich antike Strukturen fraglos länger als etwa am Rhein oder in Britannien. Für den Beginn wird meist das Jahr 284 n. Chr. (Herrschaftsantritt Diokletians) angegeben, aber auch die Zeit Konstantins mit ihrer religiösen Neuorientierung kann als entscheidender Einschnitt gelten. Hingegen ist das Ende der Spätantike weitgehend offen, da je nach Lehrmeinung und Forschungsinteresse verschiedene Ansätze möglich sind.
Die Frage nach dem „Ende der Antike“
Früher wurde für das Ende der Spätantike oft ein Einschnitt mit dem Ende des römischen Reiches im Westen 476 n. Chr. gesetzt (so vor allem die ältere Lehrmeinung, beispielsweise Otto Seeck, anders dagegen bereits Ernst Kornemann und auch Adolf Lippold). Diese Vorstellung lässt sich in den Quellen, etwa bei Marcellinus Comes, aber erst gut 40 Jahre später fassen. Es erscheint heute als mehr als fraglich, ob die damaligen Menschen dieses Jahr ebenfalls als Zäsur begriffen haben: Es gab zwar in Ravenna keinen Kaiser mehr, aber dies bedeutete nur, dass die Herrschaftsrechte im Westen nun auf den oströmischen Kaiser übergingen - und noch Justinian I. hat diese Ansprüche dann auch tatsächlich verwirklichen wollen. In der neueren Forschung wird dem Jahr 476 daher nicht mehr so viel Gewicht beigemessen wie früher.
476
Sehr vereinzelt wird heute schon die Reichsteilung nach dem Tod des römischen Kaisers Theodosius I. im Jahre 395, meist aber erst das Ende der Regierung Justinians I. im Jahre 565 als entscheidende Zäsur gewählt. Justinian stand noch klar in der Tradition der antiken römischen Kaiser, was unter anderem in seiner universalen Herrschaftsauffassung deutlich wird; er betrieb gar eine Politik, die auf die Wiederherstellung des Reiches in seinen alten Grenzen abzielte (Restauratio imperii), was in Teilen sogar kurzfristig gelang. Der letzte große Zug der spätantiken Völkerwanderung, der Einfall der Langobarden in Italien, erfolgte 568, nur drei Jahre nach Justinians Tod, so dass die 560er Jahre für den ganzen Mittelmeerraum einen deutlichen Einschnitt markieren. Damit ergeben sich als die derzeit gängigste Begrenzung der Epoche also die Jahre 284 bis 565.
Nicht wenige Historiker setzen das Ende der Epoche aber deutlich später an, und zwar mit dem Einbruch der Araber in den Mittelmeerraum (siehe auch so genannte Pirenne-These). Dass die Kontakte zwischen Ostrom und dem Westen noch zu Beginn des siebenten Jahrhunderts recht eng waren, wird heute nicht mehr bestritten. Das letzte antike Monument auf dem Forum Romanum ist die Säule des oströmischen Kaisers Phokas (602-610).
Unabhängig davon, dass Pirennes Annahme, erst islamische Seeräuber hätten die antike "Einheit der Mittelmeerwelt" zerstört, heute als widerlegt gilt, stellt die arabische Expansion zumindest für das Oströmische Reich einen massiven Einschnitt dar, da das Imperium nun im wesentlichen auf Kleinasien und den Balkan beschränkt war und sich unter dem äußeren Druck auch im Innern vieler antiker Traditionen entledigte. Erst unter Kaiser Herakleios (610-641) endete damit die spätrömische Phase des Oströmischen Reiches, dessen Reste sich dann in das mittelalterliche Byzanz verwandelten.
Insgesamt herrscht im anglo-amerikanischen Raum die Tendenz vor, das Ende der Antike frühestens mit dem Ende der Herrschaft Justinians anzusetzen, so etwa Averil Cameron und John B. Bury (etwas eigenwillig Arnold Hugh Martin Jones 602 mit dem Tod des Kaisers Maurikios). Der letzte Band der neuen "Cambridge Ancient History" behandelt die Jahre 425 bis 600. Und auch im deutschsprachigen Raum ist man allgemein davon abgerückt, weiter am künstlichen Epochenjahr 476 festzuhalten (siehe etwa Alexander Demandt, Heinz Bellen, Jochen Martin oder Hartwin Brandt), und bevorzugt nun zumeist 565.
Doch eine Ausweitung der Epoche bis 632 erscheint sinnvoll und setzt sich zunehmend durch, da zumindest für Ostrom erst der Einfall der Araber (siehe dazu Islamische Expansion) den entscheidenden Einschnitt markierte. Die arabischen Truppen eroberten dabei nicht nur den römischen Orient, sondern vernichteten auch das Neupersische Reich der Sassaniden, das die gesamte Spätantike hindurch als zweite Großmacht neben Rom ein bedeutender Machtfaktor gewesen war und von manchen Althistorikern (so etwa Josef Wiesehöfer, Erich Kettenhofen, Zeev Rubin oder Michael Whitby) in die Erforschung der Epoche miteinbezogen wird.
Auch im Westen muss man die Zeit Theoderichs des Großen wohl eher zur Antike als zum Mittelalter zählen, sodass es fast unmöglich ist, ein exaktes Datum festzulegen. Bis zum Langobardeneinfall lässt sich antike Kultur in Italien nachweisen; der weströmische Senat verschwindet erst gegen Ende des sechsten Jahrhunderts aus den Quellen. In ähnlicher Weise knüpften auch die frühen Merowinger an das antike Erbe an; bereits Chlodwig legte Wert auf römische Ehrentitel. Man muss so von einer Übergangsphase sprechen, die je nach Region unterschiedlich lange andauerte, wenn man auch leicht der Versuchung erliegen kann, das Mittelalter sehr spät anzusetzen - in Gallien waren der Übergang der Franken zum Christentum unter Chlodwig und seinen Nachfolgern, in Italien der Einfall der Langobarden insgesamt betrachtet die Anfänge des Mittelalters in diesen Regionen. Das Problem lässt sich auch umkehren: So greifen auch viele Mediävisten, die sich mit dem Frühmittelalter beschäftigen (etwa Friedrich Prinz, Hans-Werner Goetz, Patrick Geary, Herwig Wolfram und andere) rückwärts auf die Spätantike zurück, um die Veränderungen im frühen Mittelalter zu erklären.
Die Problematik liegt letztlich darin begründet, dass die Spätantike eine Epoche des Um- und Aufbruchs war, wobei einerseits noch eine Kontinuität zur Antike gegeben war, und andererseits sich bereits die Welt des Mittelalters abzeichnete, die mit der Spätantike vor allem eines verband: die Verklammerung der Gesellschaft durch die christliche Kirche. Kulturell kann als wichtiger Unterschied zur späteren Zeit der in der Spätantike noch vorhandene Zugriff auf die klassischen Traditionen gelten. Noch im sechsten Jahrhundert blühte die spätantike, an klassischen Vorbildern orientierte Literatur (Boëthius, Cassiodor, Corippus, Prokopios von Caesarea, Agathias). Die mittelalterliche Welt mit ihrer weitaus geringeren Arbeitsteilung verfügte dann nicht mehr über die Kapazität, die klassische Bildung völlig zu bewahren - der größte Teil der antiken Literatur ging im Westen nach etwa 600 verloren.
Die Existenz von Byzanz in einer „intakten Spätantike“
Das oströmische bzw. byzantinische Reich existierte in einer relativ intakten 'Spätantike' bis zum Fall Konstantinopels 1453, da es im Osten zu keinem derart radikalen Bruch der antiken Tradition gekommen war wie im Westen. Die Byzantinistik bezeichnet daher etwa den gleichen Zeitraum, der auf dem Boden des weströmischen Reichs als Spätantike gilt, in Ostrom auch als "frühbyzantinisch". Für den Osten des Imperiums sind beide Begriffe mithin praktisch gleichbedeutend.
Allerdings sind auch in Ostrom die Unterschiede zwischen den Zuständen im vierten bis sechsten Jahrhundert und der folgenden mittel- und spätbyzantinischen Zeit erheblich. Im Ostreich ist dabei neben der arabischen Expansion auch die endgültige Verdrängung der lateinischen Amtssprache durch das Griechische unter Kaiser Herakleios als signifikanter Einschnitt zu betrachten.
Herakleios
Die Angriffe der Araber führten in Ostrom zudem zum Untergang der spätantiken senatorialen Aristokratie und zu einem erheblichen Rückgang an antiker Bildung; überdies brachte der weitgehende militärische und ökonomische Zusammenbruch des Reiches nach 636 auch das endgültige Ende der klassischen Städte (Poleis), die seit der Archaik den Mittelmeerraum geprägt hatten, mit sich. Die Entwicklung der byzantinischen Themenordnung schließlich bedeutete auch im administrativen Bereich einen deutlichen Bruch mit der spätantiken Tradition.
Quellensituation und Forschungsstand
Quellen
Die Quellenlage für die Spätantike ist wohl die beste des gesamten Altertums, vor allem aufgrund der recht reichhaltigen „monumentalen“ Quellen. Allerdings verfügen wir über keine durchgehende Historiografie; vor allem für das 5. Jahrhundert lassen uns die Quellen recht oft im Stich. Im Folgenden werden nur einige bekanntere Beispiele genannt; relativ detailliert geht A.H.M. Jones auf die Quellen ein, ansonsten sei auf die entsprechenden Quellenverzeichnisse der in der Bibliographie aufgeführten Werke hingewiesen.
Die wichtigste lateinische erzählende Quelle ist Ammianus Marcellinus (4. Jahrhundert), und auch die griechischen Werke des Prokopios von Caesarea (6. Jahrhundert) sind eine hervorragende Quelle für die ausgehende Antike. Dem folgen mit weitem Abstand der sehr subjektiv berichtende Heide Zosimos und mehrere Kirchengeschichten (wie die des Eusebius, des Evagrius Scholasticus, des Theodoret, des Socrates Scholasticus, des Sozomenos und anderer) sowie die Werke des Ambrosius und des Augustinus. Hinzu kommen unter anderem Jordanes, Agathias, Menander Protektor, Theophylakt Simokattes, Gregor von Tours und die Werke und Fragmente anderer Historiker, unter denen Priscus der wichtigste ist; daneben sind auch die (wenigen) Fragmente aus den Werken des Eunapios von Sardes und des Olympiodoros von Theben zu beachten.
In der Spätantike entstanden auch mehrere Chroniken, die zum Teil wichtige Informationen liefern (beispielsweise Marcellinus Comes, Johannes Malalas). Des Weiteren sind Reden wie die des Libanios, des Synesios von Kyrene, des Quintus Aurelius Symmachus und des Themistios sowie eine Fülle von Urkunden (der beste Bestand aus der Antike) von Bedeutung. Für die ausgehende Spätantike in Gallien sind die Briefe und Lobreden des Sidonius Apollinaris eine wichtige Quelle. Die Notitia dignitatum (eine Art Staatshandbuch) bietet zahlreiche Informationen über die spätantike (zivile wie militärische) Administration. Dazu kommen das berühmte Corpus iuris civilis (der Name ist allerdings nicht zeitgenössisch) aus dem sechsten Jahrhundert, Inschriften (die allerdings längst nicht mehr so zahlreich sind wie in der hohen Kaiserzeit), Münzfunde und Papyri, wie auch die Befunde der Archäologie.
Forschungsstand
Als problematisch galt die Erforschung der Spätantike lange, wie bereits angesprochen, schon aufgrund der relativ fließenden Grenze zum Mittelalter hin. In der älteren Forschung wurde die Auffassung vertreten, dass die Spätantike ein Zeitalter des moralischen und kulturellen Verfalls gewesen sei (Dekadenztheorie nach Edward Gibbon: Decline and Fall of the Roman Empire; auch Voltaire: Essai sur les moeurs et l'esprit des nations; Assoziation von spät mit Dahinwelken, Verfall). Diese Lehrmeinung war auch noch im 19. Jahrhundert vorherrschend, und noch Otto Seeck vertrat diesen Standpunkt in seinem berühmten Hauptwerk Geschichte des Untergangs der antiken Welt.
Diese negative Bewertung der Spätantike ist jedoch nach allgemeiner Ansicht inzwischen obsolet geworden und wird in neueren Darstellungen nicht mehr angeführt; sie ist in populären Darstellungen und im Film aber immer noch verbreitet. Die Studien von John B. Bury (siehe unter anderem sein Standardwerk History of the Later Roman Empire, 2 Bde., 1923) und anderen sorgten vielmehr für eine Neubewertung dieser Epoche, die nun nicht mehr als reine Verfallszeit begriffen wurde. Inwieweit der spätantike Staat ein "Zwangsstaat" gewesen ist, bleibt zwar weiter umstritten, auch wenn die "harte" Meinung der älteren Forschung so nicht mehr akzeptiert werden kann. In neuerer Zeit hat etwa Peter Robert Lamont Brown in seinen Arbeiten auf die Metamorphose der antiken Welt in dieser Zeit aufmerksam gemacht, wobei er sich vor allem den kulturellen und religiösen Veränderungen widmete; bald folgten diesem Ansatz auch Averil Cameron und andere. Insgesamt hat das Interesse der althistorischen Forschung an der Spätantike in den letzten Jahren stark zugenommen; vor allem im angelsächsischen Raum sind dabei viele früher selbstverständliche Annahmen und Urteile in Frage gestellt worden: Das Bild der Epoche, das sich noch immer in den meisten Schulbüchern findet, hat nur noch wenig mit dem gemein, was derzeit an den Hochschulen vertreten wird. Allerdings darf über die berechtigte Betonung von Kontinuitäten nicht vergessen werden, dass die Völkerwanderungszeit in vielerlei Hinsicht auch mit Gewalt, Zerstörung und ökonomischem Niedergang verbunden war; dies betonten jüngst erst Bryan Ward-Perkins und Peter J. Heather in ihren neuesten Darstellungen, welche sich teils wie ein Gegenentwurf zu den „Reformern“ um Peter Brown lesen. Beide - Ward-Perkins und Heather - räumen aber ein, dass die Antike im römischen Osten, der erst nach 600 einen ökonomischen Verfall erlebte, deutlich länger gedauert habe als im Westen, wo es im fünften Jahrhundert zu einem "Ende der Zivilisation" (Ward-Perkins) gekommen sei.
Die Forschungsliteratur hat dabei einen kaum noch zu bewältigenden Umfang erreicht, aber in vielen Punkten konnte bislang dennoch keine Einigkeit erzielt werden. Zu den besonders heftig diskutierten Fragen zählt unter anderem die nach den Prozessen, die im Westen zum Erlöschen des Kaisertums führten; und auch die Pirenne-These findet inzwischen wieder Anhänger - allerdings mit neuen Argumenten. Viele der alten Erklärungen sind inzwischen unhaltbar geworden, doch ist es oft noch nicht gelungen, sie durch überzeugende Alternativen zu ersetzen: Je näher man sich mit der Spätantike befasst, desto offensichtlicher wird die Unmöglichkeit von einfachen Antworten und allgemeingültigen Aussagen.
Geschichtlicher Grundriss
Diokletian - Stabilisierung und Reform
Pirenne-These
Mit dem Regierungsantritt des Kaisers Diokletian trat das Römische Reich in seine Spätphase ein. Die vorangegangene Krisenzeit der Soldatenkaiser (235-284/5; siehe auch Reichskrise des 3. Jahrhunderts) hatte das Reich destabilisiert. Von außen sah sich das Imperium mit der ständigen Bedrohung durch das Sassanidenreich, dem großen Gegner des Römischen Reiches im Osten, und die Germanen an Rhein und Donau konfrontiert. Im Inneren war es teilweise zu einer Handlungsunfähigkeit der Verwaltung gekommen sowie zur zeitweiligen Loslösung von Teilgebieten des Imperiums (siehe Gallisches Sonderreich und Palmyra), allerdings war es den Kaisern seit Aurelian langsam gelungen, der Krise Herr zu werden. Diokletian bemühte sich nun, den römischen Staat weiter zu stabilisieren und zu reformieren. Dabei griff er zahlreiche Ansätze auf, die bereits von seinen Vorgängern als Antwort auf die Krise entwickelt worden waren, und bemühte sich um eine Systematisierung.
So kam es zu einer grundlegenden Reform der Verwaltung, wie etwa zu einer stärkeren Zentralisierung und Bürokratisierung, was sich auch in einem restriktiveren Steuersystem bemerkbar machte. Der zivile Sektor wurde nun grundsätzlich vom militärischen getrennt; an diesem Prinzip wurde dann bis zum Ende der Epoche festgehalten. Auch wurde das Reich in Diözesen eingeteilt, um so eine bessere Verwaltung zu garantieren. Um dem Staat stetig fließende Steuereinnahmen zu sichern, wurde das Capitatio-Iugatio-System (im wesentlichen handelt es sich um eine Kombination von Kopf- und Grundsteuer, die regelmäßig geschätzt wurde) geschaffen, das die Berechnung der Abgaben erleichterte, und gleichzeitig eine Währungsreform in Angriff genommen, der jedoch wohl kein durchschlagender Erfolg beschieden war.
Zentrales Element der Heeresreform war die Aufteilung in ein Feldheer (Comitatenses) und ein Grenzheer (Limitanei), sodass Durchbrüche an der Grenze leichter mit dem Bewegungsheer abgefangen werden konnten. Diese Reformen sollten sich insgesamt bewähren und dem Chaos, das teils noch in der Zeit der Soldatenkaiser geherrscht hatte, ein Ende bereiten, sowie die Grenzverteidigung an Rhein und Donau stärken. Im Osten behauptete sich Rom nun auch gegen die Sassaniden, die 297/298 von Diokletians Caesar Galerius geschlagen wurden.
Weniger Erfolg hatte Diokletian allerdings mit dem von ihm erdachten Regierungssystem der Tetrarchie (Viererherrschaft), welches je zwei Seniorkaiser (Augusti) und zwei Juniorkaiser (Caesares) vorsah und zudem religiös durch die künstliche "Adoption" der Götter zementiert wurde. So nahm etwa Diokletian, der auch in diesem System weiterhin die bestimmende Figur war, den Beinamen Iovius an (etwa = Schützling und Abkömmling des Gottes Jupiter). Vermutlich war diese enge Bindung der Kaiser an die traditionellen Kulte ein Grund für die Durchführung der letzten großen Christenverfolgung, die in den letzten Regierungsjahren Diokletians begann.
Das System der Tetrarchie konnte sich gegen die dynastische Idee letztlich nicht durchsetzen, wie es die Ereignisse in den Jahren nach Diokletians freiwilligen Rücktritt 305 zeigen sollten.
Konstantin der Große und der Durchbruch des Christentums
305
Konstantin der Große, der Sohn des Tetrarchen Constantius Chlorus, setzte sich in dem Machtkampf durch, der kurz nach dem Rücktritt Diokletians 305 entbrannt war. 306 war er nach dem Tod seines Vaters von dessen Soldaten in York zum Kaiser ausgerufen worden, wurde von den anderen Tetrarchen aber nicht akzeptiert. Zuerst bekämpfte Konstantin Maxentius, den Sohn des Tetrarchen Maximian, der sich ebenfalls gegen die diokletianische Ordnung gestellt hatte. Im Zusammenhang des Machtkampfes zwischen Konstantin und Maxentius kam es 312 zur Schlacht bei der Milvischen Brücke und zur rätselhaften "Bekehrung" Konstantins zum Christentum, da ihm angeblich vor der Schlacht das Zeichen des Kreuzes erschienen war, und er anschließend im Zeichen des Kreuzes auch den Sieg errang. Damit hatte Konstantin den Westen des Imperiums für sich gewonnen.
Nach 324 war Konstantin Alleinherrscher des Reiches, nachdem er auch seinen letzten Konkurrenten Licinius, mit dem er sich 313 noch verständigt hatte, im Osten ausgeschaltet hatte. Konstantin baute anschließend die Reformen des Diokletian weiter aus, so in der Verwaltung (Schaffung neuer Hofämter, Umwandlung des Praefectus praetorio in den höchsten Zivilbeamten, Einführung zusätzlicher Steuern) und im Militär (Schaffung des Amtes des Magister militum). Unter seiner Herrschaft erfolgte auch der weitreichendste Schritt eines römischen Kaisers seit der Begründung des Prinzipats durch Augustus: die Förderung des nur Jahre zuvor noch verfolgten Christentums als eine staatlich anerkannte und privilegierte Religion, auch wenn Konstantins eigenes Verhältnis zum Christentum, welches keineswegs zur Staatsreligion erhoben wurde, weiterhin in der Forschung umstritten ist. Am ehesten kann man ihn wohl als "Anhänger des Christengottes" bezeichnen, ohne dass dies etwas über seine Beziehung zu den anderen Kulten aussagen muss; zumal Heiden weiterhin ihre Kulte ausüben durften, und ebenso Zugang zu hohen Staatsämtern hatten, wobei die Christen jedoch ebenfalls favorisiert wurden. Konstantin ließ seine Söhne im christlichen Glauben erziehen, machte der Kirche reiche Geschenke und stärkte die Macht der Bischöfe.
Ein weiteres wichtiges Ereignis in seiner Regierungszeit war die Errichtung einer neuen Hauptstadt: Konstantinopel, die "Stadt des Konstantin", das Neue Rom. Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des Reiches nach Osten, in die ökonomisch stärkere Hälfte des Imperiums. Kurz vor dem Beginn eines geplanten Feldzugs gegen den Sassanidenkönig Schapur II. verstarb Konstantin in der Nähe von Nikomedia, nachdem er sich, wie zur damaligen Zeit keineswegs unüblich, erst kurz vor seinem Tod hatte taufen lassen.
Das Ende der konstantinischen Dynastie
Nikomedia
Nach dem Tod Konstantins 337 entbrannte ein blutiger Machtkampf, der die konstantinische Dynastie dezimierte. Konstantins Sohn Constantius II. setzte sich schließlich 351 als Alleinherrscher durch, nachdem er den Usurpator Magnentius geschlagen hatte (Magnentius hatte 350 den Bruder des Constantius, Konstans, ermordet; der dritte überlebende Sohn Konstantins des Großen, Konstantin II., war bereits 340 im Kampf gegen Konstans gefallen).
Constantius II. förderte den Arianismus und war bei der Stabilisierung der Grenzen recht erfolgreich. Für die Zeit ab 353 bis 378 steht uns das letzte große in Latein abgefasste Geschichtswerk der Antike zur Verfügung, die Kaisergeschichte des römischen Offiziers Ammianus Marcellinus, wenn sein Werk auch nicht völlig frei ist von Parteinahme, vor allem für den Vetter des Constantius, Julian. Dieser war auch bei dem von ihm geführten gallischen Heer sehr beliebt, sodass es bald zu Spannungen zwischen ihm und dem Kaiser kam. Julian, der die Rheingrenze wenigstens vorläufig wieder gesichert hatte, wurde von den Truppen in Paris zum Kaiser ausgerufen und nur der bald darauf folgende Tod des Constantius bewahrte das Reich vor einem neuen Bürgerkrieg.
Den neuen Kaiser, der hochgebildet und auch literarisch aktiv war, kennt die Nachwelt unter dem Namen Julian Apostata ("Julian der Abtrünnige"), da er kurz nach seinem Regierungsantritt im Jahre 361 eine Renaissance des Heidentums einleitete. Diese hatte jedoch keinen nachhaltigen Erfolg, zumal Julians Versuch, aus den vielen Kulten eine vereinheitlichte heidnische Staatskirche zu schaffen, um so das Christentum zurückdrängen zu können, misslang. Nach dem Tod Kaiser Julians auf einem Feldzug gegen die Sassaniden im Jahr 363, welcher gleichzeitig eine der größten Militäroperationen der Spätantike darstellte, blieb das Christentum die beherrschende Religion.
Alle nachfolgenden Kaiser waren Christen, wie bereits der Julian nachfolgende und nur kurze Zeit regierende Jovian, der mit den Persern nach dem missglückten Feldzug Julians Frieden schließen musste, wobei die unter Galerius eroberten Gebiete um Nisibis wieder an die Sassaniden fielen. Der Osten wurde nun immer stärker christianisiert, aber auch der Westen, vor Konstantin weitgehend heidnisch, öffnete sich mehr und mehr dem Christentum, auch wenn es in der Folgezeit zu einer ganzen Reihe von schweren innerkirchlichen Krisen kam (Donatisten, Arianer, später im Osten die Monophysiten). Allerdings hielt sich das Heidentum noch lange Zeit, vor allem im Westen, und zwar besonders bei der Landbevölkerung (daher der Ausdruck paganus = Landbewohner), sowie in Teilen der Senatsaristokratie und in verschiedenen philosophischen Kreisen.
Außenpolitisch kam das Reich nicht mehr zur Ruhe. Am Rhein und entlang der Donau wurde es von Germanen und später von den Hunnen bedrängt, während im Osten die Gefahr durch die Sassaniden weiter bestand.
Von Valentinian I. bis zum Tod Theodosius' des Großen - Völkerwanderung und die Behauptung des Imperium Romanum
Sassaniden
Das Reich wurde seit Kaiser Valentinian I., der Jovian 364 nachfolgte, wieder von je zwei Kaisern regiert, da man sich ansonsten nicht in der Lage sah, der äußeren Bedrohung Herr werden zu können.
Valentinian setzte seinen Bruder Valens im Osten ein und widmete sich selbst intensiv der Grenzverteidigung. Es gelang ihm denn auch, die Rheingrenze nachhaltig zu stabilisieren. Währenddessen ereigneten sich im Osten umwälzende Veränderungen. In den 70er Jahren des 4. Jahrhunderts setzte die Völkerwanderung in Europa ein. Die vor den Hunnen über die Donau geflüchteten Goten, die zunächst vom Imperium aufgenommen wurden, dann aber aufgrund unzureichender Versorgung revoltierten, fügten dem Ostkaiser Valens 378 in der Schlacht von Adrianopel eine vernichtende Niederlage zu, in der auch Valens fiel.
Gratian, der älteste Sohn Valentinians I. und seit 375 Kaiser im Westen, setzte daher 379 den aus Hispanien stammenden Theodosius als Kaiser im Ostteil des Imperiums ein. Theodosius übernahm denn die schwierige Aufgabe, den Osten des Reiches wenigstens vorläufig wieder zu stabilisieren. 382 schloss er einen Vertrag mit den Goten, wonach sie im Reich bleiben konnten und als Soldaten (Foederati) dienen sollten, aber autonom blieben. Dieser Gotenvertrag ebnete den Weg für die Reichsbildungen der Germanen innerhalb des Imperiums, stabilisierte aber vorläufig die Lage, da Theodosius nun wieder über ausreichend Truppen verfügen konnte.
387 folgte ein Vertrag mit Persien in Bezug auf den alten Zankapfel Armenien, welches seit Jahrhunderten zwischen den beiden Großmächten umstritten war: Rom erhielt etwa ein Fünftel, Persien den Rest des Landes (das so genannte Persarmenien). Mit dieser Lösung waren beide Seiten offensichtlich zufrieden, denn abgesehen von zwei kurzen Konflikten herrschte bis 502 Frieden zwischen Römern und Sassaniden - die Ruhe an der Euphratfront sollte dann ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die östliche Reichshälfte das fünfte Jahrhundert überstehen konnte. Darüber hinaus betrieb Theodosius eine antiheidnische Kirchenpolitik, für die ihm von den Christen später der Beiname der Große gegeben wurde.
Sassaniden
Im Westen hatten sich währenddessen die Ereignisse überschlagen: Gratian, der einige erfolgreiche Feldzüge (wie gegen die Alamannen) geführt hatte, wurde 383 infolge eines Soldatenaufstandes in Britannien, der sich rasch auf das Festland ausgebreitet hatten, in Lyon ermordet. Theodosius hatte sich mit dem Usurpator Magnus Maximus zunächst noch einigen können, ihn schließlich 388 aber besiegt und hingerichtet. Daraufhin übergab er dem 17jährigen Valentinian II., dem jüngeren Bruder Gratians, die Herrschaft im Westen. Der faktischen Macht des Heermeisters des Westens, des Franken Arbogast, hatte der junge Kaiser aber nichts entgegenzusetzen. Er fand schon 392 ein gewaltsames Ende durch Mord oder Selbstmord. Anschließend ließ Arbogast den heidnisch gesinnten Rhetor Eugenius zum Kaiser erheben und betrieb mit ihm eine ausgeprägte Restauration der heidnischen Tradition. Diese Situation konnte Theodosius nicht akzeptieren, so dass er wieder nach Westen marschierte, wo er das Heer des Eugenius 394 in der Schlacht am Frigidus vernichtend schlagen konnte. Eugenius wurde hingerichtet, woraufhin Arbogast sich das Leben nahm. Das Heidentum, welches Theodosius bereits 380/81 in mehreren Gesetzen empfindlich beeinträchtigt und durch weitergehende Gesetz in Jahren 391 und 392 verboten hatte, erhielt damit den endgültigen politischen Todesstoß - auch wenn es faktisch noch mindestens 200 Jahre lang eine beachtliche (allerdings abnehmende) Zahl von Heiden im Reich geben sollte.
Theodosius einte das Reich noch einmal für eine kurze Zeit, bevor es nach seinem Tod unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten) 395 zur endgültigen Reichsteilung kam. Die Zeitgenossen nahmen diese Teilung, die nur "zufällig" die letzte in einer ganzen Reihe war, allerdings nicht als besondere Zäsur wahr. Und tatsächlich wurde die prinzipielle Reichseinheit auch weiterhin betont - so galten die Gesetze der Kaiser jeweils im ganzen Reich, und der Westkonsul wurde ebenso in Ostrom anerkannt wie umgekehrt der östliche im Westreich (dies sollte sich übrigens bis zum Erlöschen des Konsulats unter Justinian nicht ändern). Dennoch kam es seit 395 faktisch zu einer immer rascheren Auseinanderentwicklung der beiden Hälften, wobei der Westen offenbar bereits um 400 ökonomisch schlechter dastand als der Osten.
Von der Reichsteilung 395 bis zur Eroberung Roms 410
395
Im Osten begann eine Periode relativen Friedens, der nur von gelegentlichen Kämpfen an der Donaufront (Hunnen und Germanen) sowie 420-422 und 441 durch zwei kurze Kriege gegen die Sassaniden gestört wurde. Erst in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts musste sich auch das Ostreich wieder verstärkt der Verteidigung seiner Grenzen zuwenden. Der Osten war wirtschaftlich weiterhin der stärkere Reichsteil und konnte noch immer große Summen Geldes mobilisieren; zudem gelang es der oströmischen Diplomatie offenbar, mehrere Angriffswellen nach Westen "umzuleiten". Vor allem konnte der Einfluss der Heermeister, die oft barbarischer Abstammung waren, teils eingedämmt und schließlich zurückgedrängt werden. Arcadius und sein Sohn Theodosius II. waren zwar keine fähigen Herrscher, doch funktionierte die Verwaltung des Reiches weiterhin relativ reibungslos, auch wenn es zu Beginn der Regierungszeit des Arcadius zu einem Konflikt mit dem Westreich um den Besitz des Illyricum gekommen war.
Der erste Kaiser im Westen, Honorius, hatte eine Zeitlang, vom mächtigen Heermeister Stilicho gedrängt, vielleicht sogar erwogen, gegen das Ostreich militärisch vorzugehen, was aber unterblieben war, zumal die Reichsgrenze am Rhein zum Jahreswechsel 406/407 endgültig kollabierte, und sich eine wahre Flut von Germanen (so etwa Vandalen und Sueben, später auch Burgunden) und Alanen über das Westreich ergoss. 408 wurde auch Stilicho mit dem Wissen seines Schwiegersohnes Honorius umgebracht. Es zeigte sich wieder einmal, dass die Kaiser allzu mächtigen Militärs misstrauten - und dies nicht immer zu Unrecht.
Der Westen kam nicht mehr zur | | |