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V-2]
Das A4 (Aggregat 4), bekannter als die "V2" (Vergeltungswaffe 2), war die erste funktionierende Groß-Rakete. Sie wurde vom NS-Regime als Artillerie-Rakete großer Reichweite konzipiert und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in großer Zahl entsprechend als 'Wunderwaffe' eingesetzt.
Entwicklung
Entwickelt wurde die V2 durch ein Team von Wissenschaftlern und Ingenieuren um Wernher von Braun, dem Leiter der Raketenabteilung in der Heeresversuchsanstalt_Peenemünde. Ihre Vorgängermodelle waren nur teilweise erfolgreich: A1 (bei Brennversuch in Kumersdorf explodiert), A2 (1934 zwei erfolgreiche Starts auf Borkum), und A3 (vier Fehlstarts im Dezember 1937), erst als A5 1938 erfolgreich. Die V2 (A4) wurde erstmals im März 1942 getestet. Aber erst am 3. Oktober gelang ein erfolgreicher Start. Bei diesem Testflug erreichte sie mit einer Spitzengeschwindigkeit von Mach 4 eine Gipfelhöhe von 84,5 km.
Nach dem ersten Luftangriff auf Peenemünde am 17. August 1943 wurden aus Tarngründen viele Versuchsstarts der V2, insbesondere zur Ausbildung der Raketeneinheiten, in Blizna und auf der Tucheler Heide durchgeführt.
Allerdings ging auch in Peenemünde (einschließlich der Greifswalder Oie) der Start von Versuchsraketen bis zum 21. Februar 1945 weiter.
Aufbau
1945
Die A4 war 14 m hoch und hatte eine Masse von 13,5 Tonnen. Sie bestand aus Spanten und Stringern, die mit dünnem Stahlblech beplankt waren. Die Rakete bestand aus 4 Baugruppen: Dem Segment mit dem Raketenmotor, der Schubdüse und den Lenk- und Stabilisierungsflossen, der Treibstoffzelle, welche die beiden Kraftstofftanks aufnahm, dem Geräteträger, der die Steuerung beherbergte und dem nicht abtrennbaren Gefechtskopf an der Spitze.
Steuerung
Vier Strahlruder aus Graphit direkt im Gasstrom und die vier Leitwerke sorgten für die Stabilisierung des Flugs. Sie wurden über Servomotoren bewegt, welche ihre Steuerinformationen von den zwei Kreiseln in der Raketenmitte erhielten. Ein Kreisel war für die Pitch-Achse und der andere für die Roll- und Yaw-Achse zuständig. Wenn die Rakete aus der eingestellten Route hinausflog, wurde das von den Gyroskopen registriert und die Servomotoren der Strahlruder und Leitwerke zur Korrektur des Kurses angesteuert.
Die beim Start eingestellte Zeitschaltuhr sorgte dafür, dass der Neigungswinkel über dem Ziel verändert wurde, also die Rakete auf das Ziel kippte.
Bild:V2-Ein_Kreisel_der_Steuerung.jpg|Einer der zwei Kreisel (Gyroskope) in einer A4, die für die Kurskorrekturen sorgten.
Bild:V2-Zeitschaltuhr.jpg|Die Zeitschaltuhr in einer A4
Bild:V2-Servomotor.jpg|Einer der vier Servomotoren für das Leitwerk
Bild:V2-Pumpe.jpg|Die Treibstoffpumpe einer A4 (teilweise aufgesägt, Sauerstoff (rot), Alkohol (gelb))
Antrieb
Das Aggregat 4 war eine Flüssigkeitsrakete und wurde mit Alkohol und Sauerstoff angetrieben. Die Rakete erreichte nach einer Brenndauer des Raketentriebwerks von ca. 60 Sek. ihre Höchstgeschwindigkeit von ca. 5.500 km/h (etwa Mach 5). Da der gesamte Flug bei einer Reichweite von 250-300 km nur 5 Minuten dauerte, gab es keine Abwehrmöglichkeit gegen die Rakete.
Sprengstoff
Die 1.000 kg Sprengstoff waren in der Raketenspitze untergebracht. Es handelte sich dabei um eine Amatol-Mischung. Da die Raketenspitze während des Zielanflugs durch die Reibungshitze sich merklich aufheizte, konnten nur Sprengstoffmischungen verwendet werden, deren Zündtemperatur über 200 Grad Celsius liegen. (Quelle: Roger Ford: Die deutschen Geheimwaffen im 2. WK).
Fertigung
Amatol
Gefertigt wurde die Raketenwaffe ab 1944 in einem unterirdischen Industriekomplex im Dora-Mittelbau in Nordhausen. Hier wurden während des Zweiten Weltkrieges 5.975 Raketen [http://volkerradke.looplab.org/peenemuende.html] von den Häftlingen gebaut. Neben den unmenschlichen Bedingungen für die Häftlinge, der schlechten Bekleidung für die kalten Stollensysteme und der miserablen Verpflegung wurden bei Sabotage, aber auch bei jedem Blindgänger unter den Raketen die Insassen schwer bestraft. Beim Bau der V2-Rakete sind ca. 10.000 Zwangsarbeiter ums Leben gekommen. Dem stehen ca. 8000 Opfer durch den Einsatz der Waffe gegenüber.
Startliste der Versuchsstarts in Peenemünde
Für den Zeitraum zwischen Juli 1943 und Februar 1945 liegen keine kompletten Startlisten vor. Bei einem Versuchsstart am 13. Juni 1944 zur Erprobung von Komponenten der Flugabwehrrakete Wasserfall stürzte eine von Peenemünde aus gestartete A4-Rakete in Südschweden ab.
Einsatz
Mit Sprengköpfen bestückt, wurden mit ihr ab 6. September 1944 englische und belgische Städte bombardiert, vor allem London und Antwerpen von mobilen Startrampen aus. Zwar war die Treffergenauigkeit gering, aber die plötzlichen Einschläge ohne Vorwarnung hatten vor allem psychologische Wirkung auf die Zivilbevölkerung, wenn wohl auch weniger als die der V1. Während es bei Angriffen der V1 noch Fliegeralarm gab und jeder wusste, dass die Rakete sehr schwer abzufangen war, gab es bei der V2 eine plötzliche Explosion. Insgesamt kamen etwa 3.200 Raketen zum Einsatz, die sich wie folgt verteilten:
- V2 Angriffe auf England
- London 1.358
- Norwich/Ipswich 44
- V2 Angriffe auf Frankreich
- Lille 25
- Paris 22
- Tourcoing 19
- Arras 6
- Cambrai 4
- V2 Angriffe auf Belgien
- Antwerpen 1.610
- Liege 27
- Hasselt 13
- Tournai 9
- Mons 3
- Diest 2
- V2 Angriffe auf die Niederlande
- Maastricht 19
- V2 Angriffe auf Ziele in Deutschland
- Remagen 11 (nachdem die Brücke von Remagen von den Alliierten eingenommen war)
Die letzte Rakete wurde am 27. März 1945 von den Deutschen gestartet.
Insgesamt forderte der Einsatz der A4-Rakten mehr als 8.000 Menschenleben, in der Hauptsache Zivilisten.
Weiterentwicklung
1945 von Cape Canaveral]]
1945
Wernher von Braun hat von den Militärs den Auftrag erhalten, eine Waffe zu bauen mit der Reichweite von 300 km und einer Sprengkraft von ca. 1 Tonne. Und nur dafür hat er Geld und Menschen vom Militär und später von der SS bekommen. So trat er auch in die NSDAP ein und wurde Mitglied der SS.
Am 24. Januar 1945 wurde in Peenemünde eine geflügelte Version der A4-Rakete, die A4b, erstmals erfolgreich gestartet. Sie sollte die doppelte Reichweite der A4 erreichen, stürzte allerdings wegen eines Flügelbruchs vorzeitig ab. Es kam zu keinem weiteren Start dieses Flugkörpers mehr.
Nach dem Krieg
Am 2. Mai 1945 stellte sich von Braun der US-Army und wurde zusammen mit anderen Wissenschaftlern aus seinem Team in die USA geschickt.
Die Briten ließen im Oktober 1945 die V2 in der Nähe von Cuxhaven starten, um Vertretern der alliierten Besatzungsmächte die "Wunderwaffe" V2 beim Start zu demonstrieren (Operation "Backfire").
Etwa 100 Beuteexemplare der V2 wurden noch vor dem Einmarsch der Roten Armee von den Amerikanern in Nordhausen demontiert und in die USA verfrachtet. Sie bildeten die Basis der Raumfahrtentwicklungen in den USA. Eines dieser Exemplare kann im National Air and Space Museum in Washington DC begutachtet werden, ein weiteres kam anläßlich von Filmarbeiten Ende der fünfziger Jahre wieder nach Deutschland zurück und landete schließlich im Deutschen Museum in München. Die Übersiedlung der führenden Raketentechniker ab Sommer 1945 in die USA lief im Rahmen der geheimen Operation Overcast.
Teststarts mit erbeuteten V2-Raketen in den USA erfolgten von White Sands in New Mexico. Die Modifizierung der V2 mit einer WAC Corporal-Rakete als 2. Stufe nennt man Bumper. Die ersten Raketenstarts von Cape Canaveral in Florida wurden 1950 mit Bumper-Raketen durchgeführt.
In Huntsville, Alabama wurde ein neues Raketenzentrum gegründet, und zusammen mit den deutschen Wissenschaftlern wurden hier auf dem Testgelände insgesamt 67 V2 Raketen abgefeuert. Sie bildeten den Grundstock für die späteren Redstone-Raketen und für diverse Weiterentwicklungen ähnlicher Kriegswaffen, letztlich aber auch für die Saturn V-Mondraketen.
Ebenso wurde von der UdSSR eine große Anzahl von deutschen Wissenschaftlern und die Reste der Raketentechnik in die Sowjetunion gebracht, um dort ebenfalls den Grundstock für spätere Entwicklungen zu bilden. Die sowjetische R-1 Rakete war der direkte Nachbau der V2. Sie wurde erstmals 1947 vom Testgelände Kapustin Jar gestartet.
Die Firma Canadian Arrow ([http://www.canadianarrow.com www.canadianarrow.com]) baute im Rahmen des Ansari X-Prize eine (um 2 m verlängerte) V2-Rakete nach, die Touristen ins All bringen sollte.
Siehe auch
- Waffe
- Geschichte der Raumfahrt
Modellbau
A5 (Rakete)
Flugfähige Modelle der A4-Rakete können von NORIS als Bausatz in 3 Größen bezogen werden. Allerdings kann die größte Ausführung nur von Inhabern eines T2-Scheins in Deutschland geflogen werden. Dies gilt auch für die meisten ausländischen Modelle.
Literatur
- Gerhard Reisig: Raketenforschung in Deutschland. Wie die Menschen das All eroberten. Agentur Klaus Lenser, Münster, 1997, ISBN 3-89019-500-8
- Michael J. Neufeld: Die Rakete und das Reich. Wernher von Braun, Peenemünde und der Beginn des Raketenzeitalters. Henschel Verlag, Berlin, 1999, ISBN 3-89487-325-6
- Rainer Eisfeld: Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei, rororo 2000
- Tracy Dungan: V-2: A Combat History of the First Ballistic Missile. Westholme Publishing ([http://www.westholmepublishing.com/id19.html]) 2005, ISBN 1594160120
Weblinks
- http://www.peterhall.de/srbm/v2/v21.html
- http://www.V2Werk-Oberraderach.de/
- http://www.v2rocket.com/
- http://www.raumfahrtgeschichte.de/space1/peenemuende1.htm (Wernher von Braun; A1 bis A9)
- http://users.pandora.be/v2raket/
- http://www.bernd-leitenberger.de/a4.html
Kategorie:Kurzstreckenrakete
Kategorie:Raketentyp
ja:V2ロケット
Rakete
Eine Rakete (vom italienischen rocchetta = Spindel) ist ein Flugkörper mit Rückstoßantrieb (Raketenantrieb), der von der Umgebung unabhängig ist und daher auch im luftleeren Raum beschleunigt werden kann.
Im Gegensatz zu Geschossen haben Raketen eine lange Beschleunigungsphase. Wegen der dadurch deutlich geringeren Belastungen kann die Struktur der Rakete sehr leicht gehalten werden.
Bei Raketen reichen die Größenordnungen von den allbekannten Feuerwerksraketen der Silvesternacht über militärische Raketen bis hin zu der riesigen Energija oder der Saturn V, die im Apollo-Projekt - dem bemannten Flug zum Mond - eingesetzt wurde.
Geschichte
Der erste überlieferte Raketenstart fand 1232 im Kaiserreich China statt. Im Krieg gegen die Mongolen setzten die Chinesen in der Schlacht von Kai-Keng eine Art Rakete ein: Dabei schossen sie eine Vielzahl simpler, von Schwarzpulver angetriebener Geschosse auf die Angreifer ab.
In Europa fand der erste dokumentierte Start einer Rakete 1555 im rumänischen Hermannstadt statt.
Der Flugkörper verfügte bereits über ein Drei-Stufen-Antriebssystem.
Aufbau
Jede Rakete besteht aus den folgenden Baugruppen:
- Triebwerk (Raketentriebwerk bestehend aus Brennkammer, Düse (z.B. Aerospike-Düse), Pumpensystem und Kühlung)
- Stabilisierungs- und/oder Steuereinheit
- Nutzlast (Sprengkopf, Satellit, Mannschaft, Rückkehrmodul usw.)
Die Baugruppen werden durch die Hülle zusammengehalten. Dabei können einzelne Baugruppen auch mehrfach vorkommen (Mehrstufenrakete).
Triebwerk
Für eigenstartfähige Flugkörper werden wegen des hohen Beschleunigungsbedarfs chemische Raketentriebwerke verwendet. Bereits erprobte Kernenergie-Raketentriebwerke wurden aus Sicherheits- und Umweltschutzgründen nicht eigesetzt. Elektrische Raketentriebwerke funktionieren nur im Vakuum und werden nur für bereits gestartete Raumsonden und Satelliten verwendet (Ionenantrieb).
Steuer und Lenkeinrichtungen
Ungelenkte Raketen
Ungelenkte Raketen werden durch den Abschusswinkel ausgerichtet und während des Fluges lediglich aerodynamisch stabilisiert. Dies erfolgt durch Drall oder Leitwerke, wobei auch Leitwerke Drall erzeugen können. Die Leitwerke befinden sich dabei stets am hinteren Ende der Rakete, hinter dem Schwerpunkt.
Für Hobbybastler von Bedeutung sind Modellraketen.
Gelenkte Raketen
Gelenkte Raketen unterliegen während des Fluges einer Kursüberwachung und haben die Möglichkeit, den Kurs zu korrigieren. Dabei kann die Kurskorrektur autonom oder durch eine wie auch immer geartete Leitstation erfolgen.
Die Kurskorrektur wird meist durch ein die Raumlage überwachendes Kreiselsystem eingeleitet. Dies kann durch folgende Steuerglieder erfolgen:
- Leitwerke wirken auf die umgebende Luft und können damit bei Flügen in der Atmosphäre auch nach Brennschluß genutzt werden
- Strahlruder wirken direkt im ausgestoßenen Gasstrom
- schwenkbare Expansionsdüse(n)
- Steuertriebwerke
Im militärischen Bereich werden gelenkte Raketen als Flugkörper bezeichnet.
Hülle
Die Hülle von Raketen muss zu Gunsten des Treibstoffes und der Nutzlast möglichst leicht sein. Um nach Abbrand einer gewissen Treibstoffmenge möglichst wenig Totlast mitzuführen, werden größere Raketen mehrstufig ausgelegt. D.h. nach Brennschluss einer Stufe wird diese abgetrennt und die nächste Stufe zündet, dabei kann die Abtrennung (meist Absprengen) auch durch Zündung der nachfolgenden Stufe erfolgen.
Die Auslegung der Hülle hängt sehr stark vom Anwendungsbereich der Rakete ab. Für Flüge in der Atmosphäre muss die Hülle aerodynamisch günstig ausgelegt werden, weiterhin wirken bei hoher Geschwindigkeit erhebliche aerodynamische Kräfte auf die Hülle ein und es kann zu erheblichen thermischen Belastungen durch Reibung kommen.
Anwendungen
- als Waffe (von der Raketenpistole zur Interkontinentalrakete), dann gegen die Menschenrechte verstoßend
- Raumfahrt
- Höhenforschung
- Technische Experimente
- Seerettung
- Leitungsbau (zum Schießen von Vorseilen über Täler)
- Feuerwerk
- Notsignale
- zur Simulation von Druckkräften auf die Spitze hoher Bauwerke (als 1957 die Freileitungsmaste der Leitung über die Straße von Messina fertiggestellt wurden, wurde die Eigenschwingdauer dieser Konstruktionen ermittelt, indem man an ihrer Spitze Raketen befestigte und diese zündete, Quelle Turmbauwerke, Bauverlag GmbH, Wiesbaden (Deutschland), 1966)
Trägerraketen, Höhenforschungsraketen und militärische Raketen
Für mehr Informationen zu Trägerraketen siehe den Hauptartikel Trägerrakete
(Auswahl, siehe auch Liste der Raketentypen)
- USA: Aerobee, Vanguard, Thor, Atlas, Redstone, Saturn, Scout, Titan, Delta, Pegasus, Space Shuttle, Booster von Trägerraketen
- Russland/Sowjetunion/GUS: MMR06, R-7, Sojus, N1, Zyklon, Zenit, Kosmos, Proton, Energija, Angara, Volna
- Deutschland: Rheinbote (1943), A4 (1942), Rheintochter, Schmetterling, Wasserfall, Enzian
- Frankreich Diamant
- Großbritannien Blue Streak, Black Knight, Black Arrow, Skylark
- Europa: Ariane 1-3, Ariane 4, Ariane 5, Cirrus, Meteor, Europa, Vega, Monica, Zenit (Schweizer Höhenforschungsrakete)
- Volksrepublik China: Chang Zheng (Langer Marsch), Feng Bao
- Nordkorea: Taepodong
- Japan: My - Serie, N-Serie,Kappa oder J - Serie, H-1, H-2
- Indien: SLV, ASLV, PSLV, GSLV
- Pakistan: Hatf V (Ghauri)
- Israel: Shavit
- Brasilien: VLS-1
Raketenunfälle
Hauptartikel: Katastrophen der Raumfahrt
Obwohl bei der Entwicklung und Erprobung von Raketen sich viele Explosionen ereigneten, gab es, da im Regelfall sehr strenge Sicherheitsmaßnahmen angewandt wurden, nur wenige Raketenunfälle mit Personenschaden.
Tödliche Raketenunfälle, bei denen Personen am Boden Opfer waren
Tödliche Raketenunfälle bei bemannten Raumfahrtmissionen
Literatur:
Geschichte
- Volkhard Bode, Gerhard Kaiser: Raketenspuren. Peenemünde 1936-1996 - Eine historische Reportage mit aktuellen Fotos. Christoph Links Verlag - LinksDruck GmbH, Berlin, 1996
ISBN 3-86153-112-7
- Gerhard Reisig: Raketenforschung in Deutschland. Wie die Menschen das All eroberten. Agentur Klaus Lenser, Münster, 1997, ISBN 3-89019-500-8
- Michael J. Neufeld: Die Rakete und das Reich. Wernher von Braun, Peenemünde und der Beginn des Raketenzeitalters. Henschel Verlag, Berlin, 1999, ISBN 3-89487-325-6
- Harald Lutz: Die vergessenen Raketenexperimente von Cuxhaven. Sterne und Weltraum 44(3), S. 40 - 45 (2005), ISSN 0039-1263
Siehe auch
- Liste der Raketentypen, Rakete (militärisch)
- Marschflugkörper, Raketengleichung, Raketenantrieb, Raketentreibstoff, Höhenforschungsrakete, Experimentalrakete, Amateurrakete, Treibsatz, Wasserrakete, Raketenstartplatz, Weltraumbahnhof, Raketengrundgleichung, Raketenkamera, Rettungsrakete, Pogoeffekt, Space Shuttle, ESA, NASA
- William Congreve (Erfinder), Wernher von Braun, Conrad Haas, Robert Goddard, Hermann Oberth, Sergej Koroljow, Konstantin Ziolkowski, Berthold Seliger, Abdul Kalam, Reinhold Tiling
- Mannheimer Rakete (Musik)
Weblinks
- [http://freenet.meome.de/app/fn/artcont_portal_news_article.jsp?catId=83781 Raketenstart 1555 in Europa]
Kategorie:Rakete
Rakete
ja:ロケット
ms:Roket
NS-RegimeDie Zeit des Nationalsozialismus, in einem historisch inkorrekten Sinn auch als „Drittes Reich“ bezeichnet, umfasst die Geschichte des Deutschen Reiches in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945, also die Regierungszeit der totalitären Diktatur der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) unter Adolf Hitler. Der Begriff meint hier nicht nur dessen Politik, sondern auch seine Ideologie, deren Geschichte und Wirkungen über die Regierungsdauer der Nationalsozialisten hinausgeht.
Nationalsozialismus
Die damals herrschende, staatlich verordnete totalitäre Ideologie des Nationalsozialismus gilt als Variante des ursprünglich in Italien geprägten Faschismus. Mit diesem verbinden ihn einige wesentliche Merkmale, zum Beispiel:
- antidemokratischer Führerkult,
- Militarismus,
- aggressiver Nationalismus
- der Anspruch einer aus dem Sozialismus entlehnten "Einheit von Volk und Staat".
In Italien war der originäre Faschismus unter dem so genannten "Duce" (= Führer) Benito Mussolini von 1922 bis 1943 an der Macht. Seit Beginn des 2. Weltkriegs war Italien zusammen mit dem Kaiserreich Japan der wichtigste politische und militärische Verbündete des Deutschen Reiches (vgl. Achsenmächte).
Zur Vorgeschichte des Nationalsozialismus gehört daneben vor allem der deutschvölkische Antisemitismus, der die faschistischen durch rassistische Elemente und weit aggressivere Vernichtungsziele ergänzte.
In Österreich begann die Zeit des Nationalsozialismus mit seinem "Anschluss" an das nunmehr "Großdeutsche Reich" im März 1938. Auch dort gab es eine längere Vorgeschichte, zu der auch ein österreichischer Ableger der NSDAP gehörte.
Die NS-Propaganda nannte das auf die Person Adolf Hitlers ausgerichtete Regime anfangs auch "Drittes Reich". Dieser historisch falsche Begriff hat sich bis heute im deutschen Sprachbereich, aber auch im englischen Sprachbereich als "Third Reich" als Synonym für die NS-Diktatur eingebürgert.
Welthistorische Wirkungen erlangte das NS-Regime besonders durch den von Hitler ausgelösten 2. Weltkrieg, der ca. 55 bis 60 Millionen Menschenleben forderte, und den Holocaust: einen bis heute beispiellosen, weil vor allem industriell betriebenen Völkermord, dem allein etwa 6 Millionen europäischer Juden zum Opfer fielen. Hinzu kamen weitere Massenmorde an verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die im NS-Jargon als "unerwünscht", "lebensunwert" oder "rassisch minderwertig" galten: zum Beispiel an Behinderten, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuellen, Slawen (vor allem Polen und Russen) sowie verschiedenen Regimegegnern.
Die Zeit des Nationalsozialismus wird oft in die Vorkriegszeit (1933 bis 1939) und die Zeit des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) unterteilt. Der Artikel berücksichtigt außerdem die Vorgeschichte.
Geschichtlicher Ablauf
Deutschland und der Nationalsozialismus vor der Machtübernahme
siehe auch: Deutsches Kaiserreich, Weimarer Republik, Geschichte der Parteien in Deutschland
Wurzeln und Bestandteile der NS-Ideologie
Die Ursprünge des Nationalsozialismus gehen vor allem auf antisemitische und nationalistische Stimmungen und Ziele zurück, die während des Kaiserreichs in der deutsch-völkischen Bewegung vertreten waren.
Daraus gingen gegen Ende des 19. Jahrhunderts unterschiedliche kleine Parteien und Gruppen
hervor, deren wichtigste Gemeinsamkeit der Antisemitismus und die Bereitschaft zu terroristischer Gewalt gegen Andersdenkende war. Eine davon war die Thule-Gesellschaft: Sie entstand in der Endphase des 1. Weltkriegs als eine Art Geheimbund. Viele seiner Mitglieder wechselten bald nach ihrer Gründung in die neue NSDAP über: darunter auch spätere NS-Größen und führende "Ideologen" wie Alfred Rosenberg, Rudolf Hess, Hans Frank oder Julius Streicher.
Die NSDAP verfügte jedoch zunächst nicht über eine einheitliche Programmatik. Partei-Ideologen griffen auf ein Konglomerat verschiedener philosophischer und pseudowissenschaftlicher Theoreme des 19. Jahrhunderts zurück, die unausgeglichen nebeneinander standen: Bruchstücke der Ideen Friedrich Nietzsches, genetische Begründungen des Rassismus unter Bezugnahme auf die Forschungen Charles Darwins (vgl. Sozialdarwinismus), antisemitische Verschwörungstheorien wie die "Protokolle der Weisen von Zion", esoterische Elemente und ein "völkischer" Antikapitalismus.
Das Symbol der Swastika (Hakenkreuz) übernahmen die Nationalsozialisten aus asiatischer und germanischer Mythologie. Als Heilsbringer aufgefasst, ersetzte es in gewisser Weise den mit dem christlichen Kreuzessymbol verbundenen Messianismus durch eine politische Heilserwartung. Ihre Flaggenfarben knüpften bewusst an das Schwarz-Weiß-Rot der Kaiserzeit an, wobei die Dominanz der Farbe Rot auch den Kommunismus beerben und dessen Anhänger beeindrucken sollte. Auch der Name "National-Sozialismus" appellierte an Wählerschichten der Rechten wie der Linken zugleich, um sie auf die eigene Seite zu ziehen.
Die Geschichtsauffassung des Marxismus, nach der die Geschichte eine Abfolge von Klassenkämpfen darstellt, wurde von den Nationalsozialisten, namentlich von Hitler, umgedeutet, und in seiner programmatischen Autobiographie „Mein Kampf“ definiert als eine Abfolge von "Rassenkämpfen" um „Lebensraum“, an deren Ende die "gesündeste" und "durchsetzungsfähigste" "Rasse" obsiege, nachdem sie "minderwertige Rassen" ausgerottet oder versklavt habe.
Laut Hitler war die "arische" Rasse, zu der er das „deutsche Volk“ zählte, zu diesem Sieg auserwählt. Als Hauptfeind in diesem "Menschheitskampf" - noch vor anderen "Rassen" -, bezeichnete Hitler dabei die Juden, die er nicht als Religionsgemeinschaft, sondern - entgegen jeglichem Augenschein - als "Rasse" definierte, deren besondere Gefahr darin bestehe, die verschiedenen "Rassen" vermischen zu wollen, und dabei auf Ideologien wie den Liberalismus, Internationalismus, Pazifismus oder den Marxismus zurück griffen. Dadurch würden sie an sich "gesunde Rassen" zersetzen. Wo die Nationalsozialisten nicht-arische "Rassen" "nur" als „Untermenschen“ betrachteten, wurden „die Juden“ im Sprachgebrauch Hitlers zu „Ungeziefer“ und „Krankheitserregern“.
Entstehungsbedingungen
Kriegsniederlage
siehe Hauptartikel: Erster Weltkrieg, Novemberrevolution
Die verbreitete Ablehnung der Republik wurde durch verschiedene Faktoren begünstigt. Dazu gehörten zunächst vor allem die Maßnahmen der kaiserlichen Obersten Heeresleitung (OHL) am Ende des Ersten Weltkriegs, die die Kriegsführung zu verantworten hatte. Im September 1918 mussten die Generäle Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg die Kriegsniederlage einräumen und stuften den Kampf als aussichtslos ein. Sie empfahlen dem Kaiser nun, die zuvor abgelehnten Waffenstillstandsbedingungen des US-Präsidenten Woodrow Wilson anzunehmen und die Regierungsverantwortung den liberalen und demokratischen Kräften anzuvertrauen, was in den Oktoberreformen geschah. Damit schoben sie zugleich die Verantwortung für ihr Versagen und dessen Folgen ab, so dass die Zustimmung zu den Kapitulationsbedingungen des 10. November 1918 und später zum Versailler Vertrag formell nicht mehr in ihre Zuständigkeit fiel.
Diese Situation ermöglichte die seit etwa 1920 verbreitete Propagandalüge der "Dolchstoßlegende". Hindenburg selbst stellte diese auf, indem er behauptete, das "...im Felde unbesiegte deutsche Heer" sei "von hinten...erdolcht..." worden. Der Vorwurf sollte die linken Kräfte treffen, deren Novemberrevolution das von den Generälen hinausgezögerte Kriegsende erzwungen hatte. Die Dolchstoßlegende wurde von zahlreichen Medien, vor allem des Hugenberg-Pressekonzerns, begeistert aufgegriffen und propagiert.
Revolution und Entstehung der Republik
siehe Hauptartikel: Novemberrevolution, Weimarer Republik
Die Novemberrevolution ermöglichte zwar die Gründung der Republik; doch in ihrem Verlauf sah die SPD-Führung um Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Gustav Noske vor allem eine Gefahr durch weitergehende Forderungen der Revolutionäre. Um dieser Gefahr zu begegnen wurde der Ebert-Groener-Pakt geschlossen: Die neue Regierung erhielt die Unterstützung rechtsextremer Gruppen wie den Freikorps und regulärer Truppen, im Gegenzug verzichtete sie auf demokratische Reformen bei der Reichswehr. So war schon die Entstehung der ersten Demokratie auf deutschem Boden von blutigen, bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen überschattet. Diese begünstigten auch bei Teilen der linken Wählerbasis eine republikfeindliche Einstellung.
Die Strukturen und das Personal der Kaiserzeit mit oft rechtsextremer Einstellung in weiten Teilen von Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Militär wurden in die Weimarer Republik übernommen. Die Weimarer Reichsverfassung schützte ausdrücklich einige Privilegien des kaiserlichen Beamtenapparats.
Die NSDAP war weder die einzige noch die erste rechtsextreme Partei, die die parlamentarisch-demokratische Weimarer Republik von Grund auf ablehnte und bekämpfte. Diese Haltung verband sie vielmehr mit einer Reihe von national-konservativen und nationalistischen Parteien, die sich um 1918/1919 neu gründeten, vor allem die DNVP. Sie vertrat die antidemokratische Grundhaltung von großen Teilen des konservativen, d.h. monarchistisch-kaisertreuen Bürgertums.
Seit 1919 begingen Rechtsextremisten relativ häufig politische Morde an bedeutenden Vertretern der Arbeiterbewegung (z.B. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Kurt Eisner). Die Münchner Räterepublik wurde durch die Freikorps brutal niedergeschlagen, und auch liberale und konservative sogenannte Erfüllungspolitiker (Walter Rathenau, Matthias Erzberger) wurden Opfer von Mordanschlägen. Rechtsextreme Täter entgingen häufig einer Strafverfolgung oder milde bestraft, gegen politisch motivierte Straftaten von Sozialisten und Kommunisten ging die Justiz mit äußerster Härte vor.
Diese Blindheit galt auch für die massenwirksame Propaganda, die nicht nur von den Rechtsextremen selbst ausging, sondern von einer Vielzahl "bürgerlicher" Medien geteilt und mitgetragen wurde. Die Demokraten in der Verwaltung der Weimarer Republik wurden zum Teil systematisch verunglimpft: so z.B. der Berliner Polizeipräsident Bernhard Weiß, der gegen Rechtsbrüche der SA vorging. Die Bildung solcher paramilitärischen Verbände wurde ebenfalls von den Behörden geduldet: Die SA begleitete die Versammlungen und Kundgebungen ihrer Partei und begann auch bei anderen Parteiversammlungen immer wieder Straßen- und Saalschlachten.
Ferner verhinderten institutionelle und verfassungsrechtliche Defizite der Weimarer Republik zeitweise eine tragfähige, demokratisch legitimierte Politik. Das geltende Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel verhalf auch kleinsten Splitterparteien zu Sitzen im Reichstag. Diese hatten weniger die Interessen der Gesamtbevölkerung als die ihrer Klientel im Auge. Dadurch wurden oft eindeutige Mehrheiten verhindert und heterogene Regierungskoalitionen erzwungen, die dann in Krisenzeiten auseinanderbrachen oder dazu führten, dass man die Arbeit durch ein Ermächtigungsgesetz der Regierung überließ. So wurden mehrfach Neuwahlen ausgerufen. Gerade dies führte am Ende der Republik zu einer Politik, die von Notverordnungen des mächtigen Reichspräsidenten geprägt war. All dies lähmte den demokratischen Willensbildungsprozess und verstärkte die Unzufriedenheit der Bürger mit den etablierten politischen Parteien in den Zeiten der Krise.
Weimarer Republik
siehe Hauptartikel: Weimarer Republik
1920-1925: Gründung, Verbot und Neuaufbau der NSDAP
Die NSDAP ging am 24. Februar 1920 in der noch jungen Weimarer Republik aus der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in München hervor. Sie vertrat in ihrem 25-Punkte-Programm von Anfang an entschieden antidemokratische, völkisch-nationalistische und rassistische, vor allem antisemitische Positionen. Ende des Jahres erwarb sie den Münchner Beobachter und macht ihn zum Völkischen Beobachter (VB), dem "Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands". Anfangs ermöglichte er es Hitler, die Menschen öfter, ab 8. Februar 1923 täglich zu erreichen. Nach der Machtübernahme hatten die Artikel des VB offiziellen Charakter.
Adolf Hitler war bis dahin ein in der Öffentlichkeit unbekannter, erfolgloser, 1913 nach Bayern umgezogener österreichischer Kunstmaler und im 1. Weltkrieg einfacher Soldat (Gefreiter) in einem bayrischen Regiment gewesen. Im Auftrag des Militärs besuchte er unter anderem Veranstaltungen der DAP und wurde zunächst von ihr als Redner angeworben. In dieser Funktion kam er zum Ruf eines "Trommlers" und "Einpeitschers" der Partei, der er in Bayern schnell einen gewissen Zulauf aus völkischen Kreisen verschaffen konnte. Hitler wurde 1921 zum Vorsitzenden der NSDAP, nachdem sein Redetalent für die Partei nahezu unverzichtbar geworden war. Der Organisation schlossen sich auch ehemals führende kaisertreue Militärs an, so zum Beispiel ex-General Erich Ludendorff, im 1. Weltkrieg Mitglied der Obersten Heeresleitung.
Die NSDAP-Mitglieder gehörten von Beginn an zu den entschiedensten Gegnern der Republik, obwohl auch sie in ihrem Rahmen Wähler zu gewinnen versuchten. Anfangs konnte die neue rechtsextreme Partei die antidemokratische Grundströmung nicht auf ihre Mühlen lenken. Aber sie nutzte die allgemeine Ablehnung des Versailler Vertrages, um die von ihr so bezeichneten "Novemberverbrecher" an den öffentlichen Pranger zu stellen. Wie allen Rechtsextremen galten ihr besonders die führenden SPD-Politiker, denen 1918 die Macht übergeben worden bzw. "zugefallen" war (Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann), als Erfüllungsgehilfen der alliierten Siegermächte des 1. Weltkriegs. Sie diffamierte die Demokratie als vorübergehende Erscheinung und nannte sie "Systemzeit". Eine große Hilfe waren die hohen Reparationsforderungen der Alliierten.
Der Kapp-Putsch vom März 1920 stellte die Republik auf eine erste Bewährungsprobe. Freikorps unter General von Lüttwitz besetzten das Berliner Regierungsviertel und ernannten den ehemaligen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die legale Regierung zog sich zunächst nach Dresden und anschließend nach Stuttgart zurück und rief von dort aus zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Der Putsch scheiterte rasch; entscheidend für die Niederlage war die Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten. Die Reichswehr hatte sich demgegenüber abwartend verhalten (Hans von Seeckt: „Truppe schießt nicht auf Truppe.“).
Die NSDAP gewann zunächst vor allem in München eine gewisse Anhängerschaft, spielte aber in Bayern während der ersten Jahre der Republik ansonsten kaum eine wichtige politische Rolle. Außerhalb Bayerns wurde Hitler Anfang der 1920er Jahre nicht wirklich ernst genommen.
Dennoch versuchten Hitler und Ludendorff mit einigen Parteigängern am 9. November 1923 beim so genannten Hitler-Ludendorff-Putsch, ausgehend von einer Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller, deren Führung Hitler an sich gerissen hatte, die Regierung in Bayern und im Reich abzusetzen. Die verschiedenen Krisen im Deutschen Reich, so etwa die große Inflation (vgl. Deutsche Inflation 1914 bis 1923) oder die französisch-belgische Ruhrbesetzung, beides Folgen der Niederlage im 1. Weltkrieg und dem Versailler Vertrag, den Hitler und die Seinen als "Verrat der Demokraten am im Felde unbesiegten deutschen Heer" betrachteten (vgl. Dolchstoßlegende), schienen ihm als günstige Voraussetzungen, den Putsch zu wagen. Viele Unzufriedene, wie entlassene Offiziere und Personen die durch die Inflation faktisch enteignet worden waren, sammelten sich in der NSDAP
Beim anschließenden Marsch auf die Feldherrnhalle wurde der Putschversuch jedoch schnell von der bayerischen Landespolizei niedergeschlagen. Kurz darauf wurde Hitler zur gesetzlichen Mindeststrafe von 5 Jahren Festungshaft in der Festung Landsberg verurteilt und die NSDAP zunächst verboten. Den Prozess konnte Hitler als Propagandaveranstaltung nutzen. In der Haft, während der Hitler viele Vergünstigungen genoss, entschloss sich Hitler, die Macht in Deutschland auf legalem Wege zu erringen. Er diktierte seinem damaligen Sekretär und späteren Stellvertreter Rudolf Hess seine programmatische Autobiografie "Mein Kampf", in der er seine Ziele und Vorhaben, die er nach 1933 umsetzen sollte, vorweg nahm.
Der Hitlerputsch war der vorläufige Höhepunkt der Rechstextremen gewesen, mit einem wirtschaftlichen Aufschwung fiel ihre Bedeutung. Auf dem Markt erschienen Neuheiten wie der für alle zugängliche Rundfunk oder erschwingbare Autos aus der Massenproduktion, die von den Nationalsozialisten früh und erfolgreich genutzt wurden.
Die nationalsozialistische Bewegung zerbrach in mehrere Parteien, von denen aber nur 2 eine gewisse Bedeutung erreichten und die auch insgesamt an Stimmen verloren. Eine der beiden bedeutenderen war die Großdeutsche Volksgemeinschaft unter dem von Hitler ausgewählten Alfred Rosenberg, der im Juli 1924 von Julius Streicher und Hermann Esser abgelöst wurde. Sie konkurrierte mit der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands mit Gregor Strasser und Erich Ludendorff.
Schon am 20. Dezember 1924 wurde er wieder aus der Haft entlassen.
1925-1929: Die NSDAP als Splitterpartei
Am 27. Februar wurde die NSDAP in München neu gegründet und die meisten nationalsozialistischen Gruppen und Parteien vereinigten sich in ihr unter der unumschränkten Führung Hitlers. Die Strukturen der Partei wurden in den folgenden Jahren geprüft und ihre Organisation verbessert.
Als 1924 dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert im Dolchstoßprozess vorgeworfen wurde, durch seine Beteiligung an den Streiks während des Weltkriegs habe er Landesverrat begangen, ließ er eine Blinddarmentzündung nicht rechtzeitig behandeln und starb 1925. Die folgende Wahl gewann der trotz gegenteiliger öffentlichen Bekundigungen noch immer seinem ehemaligen Kaiser treue parteilose Paul von Hindenburg, der von den meisten Rechtsparteien, ihnen voran der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) unterstützt wurde. Hindenburg hatte einen wesentlichen Anteil an der Dolchstoßlegende, die er im November 1919 vor einem Untersuchungsausschuss der Weimarer Nationalversammlung das erste Mal öffentlich dargelegt hatte. Für die Wahl hatte die NSDAP mit Erich Ludendorff ebenfalls einen Kandidaten aufgestellt, der aber mit 1,1% im ersten Wahlgang scheiterte. Hitler, der im selben Jahr seine österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt hatte und somit vorerst (bis 1932) als staatenlos firmierte, hatte jedoch zunächst in einigen deutschen Ländern noch öffentliches Redeverbot, das zuletzt 1928 in Preußen aufgehoben wurde, nachdem er nun bekundete die Machtübernahme auf legalem Weg erreichen zu wollen.
1926 konnte sich Hitler auf dem ersten Reichsparteitag der NSDAP in Weimar gegen die Brüder Gregor und Otto Strasser, die den "linken" Parteiflügel anführten, durchsetzen. Fortan setzte er seine Hoffnungen insbesondere in die Wählerschichten des Mittelstandes und der Landbevölkerung, die mit der herrschenden Politik aufgrund wirtschaftlicher Belastungen und entsprechenden Einbußen besonders unzufrieden waren.
Allerdings war die NSDAP bis zur Reichstagswahl von 1930 kaum mehr als eine Splitterpartei, und nur eine von vielen im Reichstag vertretenen völkischen Parteien am politischen rechten Rand. Die lange Zeit größte und einflussreichste unter ihnen, die den völkischen Block anführte, war die DNVP. Bei der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 verlor die NSDAP sogar zwei Mandate und kam mit 2,6 % der Wählerstimmen auf nur 12 Sitze im Reichstag.
Nachdem sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland, die seit 1924 relativ stabil geworden waren, ab Mitte 1929 innerhalb weniger Monate wieder dramatisch verschlechterten, änderte sich die politische Parteienlandschaft in kurzer Zeit zugunsten der ideologischen Pole am linken und rechten "Rand der Gesellschaft", was sich gerade auch auf die NSDAP begünstigend auswirkte.
1929-1933: Krise der Republik - der Weg der NSDAP zur Macht
1929 konnte die NSDAP und Hitler mit dem Volksentscheid über den Young-Plan zur Neureglung der Reparationszahlungen, dessen Initiator der Pressezar und DNVP-Angehörige Alfred Hugenberg war, wieder auf die politische Bühne zurückkehren. Der Volksentscheid scheiterte, die NSDAP aber hatte mit ihrer Propaganda neue Wählerkreise erreichen können.
In den folgenden Jahren gewann die NSDAP wieder mehr und mehr an Bedeutung. Grund war vor allem die Weltwirtschaftskrise, die auch durch die starken Finanzverflechtungen in Verbindung mit den Reparationszahlungen Deutschlands verstärkt wurde.
Im Kontext der Weltwirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit in Deutschland sprunghaft an. So verstärkte sich bei vielen Wählern nun der Ruf nach einem „starken Mann“. Vor diesem Hintergrund gewann die Propaganda der NSDAP innerhalb kurzer Zeit ungeahnte Überzeugungskraft: Hitlers Wahlkampfparole, sein Ziel sei es, die „politischen Parteien aus Deutschland hinweg zu fegen“, stieß nun bei vielen Unzufriedenen, besonders aus der Mittelschicht, auf offene Ohren. Sie trieb ihm viele Wähler zu, nicht nur aus dem völkisch-nationalen, sondern auch dem bürgerlich-konservativen Lager.
Die Nationalsozialisten verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen, und nutzten modernste Wahlkampfmittel, zum Beispiel die konsequente Emotionalisierung und die Nutzung von Flugzeugen. Hitlers Angriffe richteten sich gegen alles, was mit dem „Weimarer System“ in Verbindung gebracht wurde - vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien, bis hin zum eigentlichen demokratisch-parlamentarischen Prinzip.
Im März 1930 zerbrach die von dem Sozialdemokraten Hermann Müller geführte Große Koalition über der Frage einer geringfügigen Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung. Reichspräsident Hindenburg ernannte den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Kanzler. Mit dem Ernennungsrecht nach Art. 53 WRV war in Verbindung mit dem Notverordnungsrecht nach Art. 48 WRV und dem Parlamentsauflösungsrecht nach Art. 25 ein Präsidialkabinett möglich, also eine Minderheitsregierung, die nur auf das Vertrauen des Präsidenten und dessen Notstandsvollmachten gestützt war. Ein solches Präsidialkabinett wurde unter Brünings Führung etabliert. Zu dieser Entscheidung hatte das Fehlen einer arbeitsfähigen Regierung ebenso beigetragen wie die mangelnde Konsensfähigkeit der Parteien. Dass jedoch tatsächlich alle Verhandlungsspielräume erschöpft waren, wurde bezweifelt. Auch wurden nur die Minister der SPD ausgewechselt, so dass ein vom Präsidenten gewünschter und von den meisten Parteien unterstützter Schwenk nach rechts wahrscheinlich war.
Da das Parlament von dem Recht Gebrauch machen wollte, die Notverordnungen des Präsidenten aufzuheben, löste dieser am 18. Juli 1930 den Reichstag auf. Bei den Wahlen konnte die NSDAP die Zahl ihrer Abgeordneten von 12 auf 107 erhöhen und wurde damit zur zweitstärksten Partei. Jetzt gab es nicht einmal mehr eine Mehrheit für eine Große Koalition im Reichstag, der zunehmend zum Forum für die Agitation rechter und linker Gegner der Republik wurde. In einem Prozess gegen Offiziere der Reichswehr, denen die Verbreitung von nationalsozialistischer Propaganda vorgeworfen wurde, bezeugte Hitler in seinem öffentlichkeitswirksamen Legalitätseid, dass er die Macht „nicht mit illegalen Mitteln“ anstrebe, und trat damit Gerüchten über einen Putsch entgegen. Die NSDAP brauche „noch zwei bis drei Wahlen“, dann werde sie „in der Mehrheit sitzen“ und „den Staat so gestalten, wie wir ihn haben wollen“.
Aber nicht nur der rechte Flügel der Parteienlandschaft erstarkte, sondern auch der extrem linke. Die republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen weniger Stimmen, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament und auf der Straße. Denn längst hatte sich der Kampf, ausgehend von den Kampforganisationen der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Roter Frontkämpferbund), auf die Straße verlagert, wo sich teilweise bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten. Daran hatten selbst die republikanisch gesinnten Kräfte mit einem eigenen Kampfverband, dem sozialdemokratisch dominierten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Anteil. Auch diese chaotischen Gewaltszenen spielten letztlich – obwohl diese oft dafür verantwortlich waren – den Nationalsozialisten in die Hände, da Hitler immer häufiger als „letzte Karte“ ins Spiel gebracht wurde, der die geordneten Verhältnisse wiederherstellen würde.
Um eine weitere Stärkung der radikalen Flügelparteien zu verhindern, tolerierte die SPD im Reichstag weitgehend die auf Kürzung der Sozialausgaben basierende Deflationspolitik Brünings, welche aber die wirtschaftliche Krise kurzfristig noch verschärfte.
Am 11. Oktober 1931 vereinigte sich auf Initiative der DNVP unter Leitung des Medienzars Alfred Hugenberg die nationalistische Rechte zur Harzburger Front. Als Reaktion bildeten die republiktreuen Organisationen unter dem Fahnensymbol der drei Pfeile die Eiserne Front. Die NSDAP schaffte es, unter anderem mit finanzieller Unterstützung von Großindustriellen wie Fritz Thyssen von den Vereinigten Stahlwerken, Albert Vögler oder Emil Kirdorf vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, die Stimmung der Bevölkerung durch populäre Parolen gegen den Parlamentarismus aufzugreifen. Am 27. Januar 1932 hielt Hitler einen Vortrag im Düsseldorfer Industrieclub, wo er sowohl das auf Privateigentum gegründete freie Unternehmertum als auch das nationalsozialistische Führerprinzip auf das Leistungsprinzip zurückführte. Die NSDAP konnte so ihre Spendeneinnahmen von der Industrie noch einmal erhöhen. Die Kontakte zwischen NSDAP und Industrie sollten durch zwei Beraterstäbe gefördert werden, durch die vom ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht gegründete „Arbeitsstelle Dr. Schacht“ sowie den vom Chemie-Unternehmer Wilhelm Keppler geleiteten „Industrieausschuss für Wirtschaftsfragen“. Welche Rolle die Großindustrie bis zur Machtübernahme im Einzelnen spielte, ist umstritten. Nach der Machtübernahme versuchte sie, sich die Gunst Hitlers zu sichern.
Nachdem Hitler 1932 die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hatte, nahm er an der Reichspräsidentenwahl 1932 teil. Bezeichnend für die Situation der Republik war, dass keiner der Kandidaten Thälmann, Hitler und Hindenburg ein Demokrat war. Die Parteien der Mitte bis zur SPD unterstützten den Sieger Hindenburg, um einen Erfolg Hitlers zu verhindern. Brüning hatte sich mit seinem Verbot der SA und der Osthilfeverordnung, die von den ostpreußischen Grundbesitzern – zu denen auch Hindenburg gehörte – stark kritisiert wurde, beim Reichspräsidenten in Misskredit gebracht. Hindenburg nahm ihm zudem übel, dass er auf sein Betreiben auch von den Anhängern der SPD zum Reichspräsidenten gewählt worden war. Er entzog ihm sein Vertrauen, und Brüning, der aufgrund seiner Sparpolitik in der Bevölkerung ohnehin kaum Rückhalt besaß, musste zurücktreten. Der Kanzler wurde nach eigenem Bekunden „hundert Meter vor dem Ziel“ gestürzt, da seine Deflationspolitik noch keine Wirkung entfalten konnte. Auch sein Ziel der Gleichberechtigung Deutschlands und der endgültigen Aufhebung der Reparationen hatte er nicht erreicht.
Sein Nachfolger Franz von Papen ersuchte Hindenburg sofort um Auflösung des Parlaments. Er wollte die Unterstützung der Nationalsozialisten und hob dafür das Verbot der SA und der SS wieder auf. Hitler hatte die Wahl zum Reichspräsidenten verloren, aber einen großen Popularitätsanstieg erreicht. Bei der nächsten Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP 230 Mandate und war damit die stärkste Fraktion im Reichstag. Dies war das höchste Wahlergebnis der NSDAP bei demokratischen Wahlen. Hitler wollte von Hindenburg zum Kanzler ernannt werden, die angebotene Vizekanzlerschaft lehnte er ab. Da die Kommunisten 89 Mandate errungen hatten, hatten die beiden extremen Flügelparteien eine negative Mehrheit erreicht, die jede parlamentarische Arbeit unmöglich machte. Papen löste den gerade erst gewählten Reichstag nach einem mit großer Mehrheit gegen ihn gerichteten Misstrauensvotum durch eine vorbereitete Order Hindenburgs wieder auf. Bereits am 20. Juli hatte er die Regierung von Preußen abgesetzt, die letzte Bastion der Republik. Als Vorwand für den „Preußenschlag“, der häufig als Staatsstreich bezeichnet wurde, diente das angebliche Versagen der preußischen Polizei am „Altonaer Blutsonntag“, heftigen Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und der von Papen wieder erlaubten SA.
Die Neuwahlen vom November des Jahres brachten einen Rückgang der Stimmen für die NSDAP. Die meisten Beobachter interpretierten dies als Anfang vom Ende der NSDAP. Eine regierungsfähige Mehrheit existierte weiterhin nicht. Papen, der inzwischen Konjunkturprogramme gestartet hatte, trat zurück, nachdem ihm klar geworden war, dass er die Unterstützung der Reichswehr bei der Absicherung einer Diktaturregierung nicht besaß. Zudem hatte es der Reichstag aufgrund eines Verfahrensfehlers Papens geschafft, ihm rechtlich wirkungslos, aber öffentlichkeitswirksam das Misstrauen auszusprechen. Aufgrund der fehlenden Unterstützung durch Wehrminister General Kurt von Schleicher, die im Zuge einer militärischen Simulation eines möglichen Aufstandes (des „Planspiels Ott“) sichtbar geworden war, verweigerte Hindenburg die geforderte Auflösung des Reichstags ohne Festsetzung von Neuwahlen. Diese Ausschaltung des Parlaments, gestützt auf das Argument des Staatsnotstands, hätte einen offensichtlichen Verfassungsbruch dargestellt.
Planspiels Ott
Papens Nachfolger wurde Kurt von Schleicher, der bis dahin im Hintergrund die Fäden gezogen hatte und für Papens Sturz verantwortlich war. Doch auch sein Konzept, einen Ausweg aus der Krise zu finden, scheiterte. Er hatte eine breite „Querfront“ von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP um Gregor Strasser erstrebt, Strasser musste aber vor Hitler kapitulieren. Am 28. Januar 1933 musste auch Schleicher zurücktreten, nachdem er zuletzt selbst von Hindenburg erfolglos die Ausrufung des Staatsnotstands gefordert hatte. Schleicher selbst war kein Demokrat, seine Verhältnis zur NSDAP wandelte sich mehrmals, zuletzt empfahl er Hindenburg ein Kabinett unter Hitler (AdR, Dok. Nr. 72 vom 28.1.1933).
Schleicher konnte nicht wissen, dass ausgerechnet er, Meister der Intrigen, nun selbst Opfer einer Intrige geworden war: Schon am 4. Januar 1933 hatte sich sein ehemaliger Schützling Franz von Papen mit Hitler zu Geheimverhandlungen im Privathaus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder getroffen. Diesem Gespräch folgten weitere, zuletzt auch unter Anwesenheit des Staatssekretärs des Reichspräsidenten, Otto Meißner, und des Sohnes des Reichspräsidenten, Oskar von Hindenburg, beides einflussreiche Berater in der Kamarilla des greisen Paul von Hindenburg. Sie vereinbarten eine Koalitionsregierung aus Deutschnationalen und NSDAP, der außer Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten, nämlich Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister, angehören sollten. Papen selbst war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.
Reichspräsident von Hindenburg, der sich bis zuletzt gegen eine Kanzlerschaft des „böhmischen Gefreiten“ Hitler gesträubt hatte, konnte mit dem Hinweis, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmter“ NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute, beruhigt werden. Ein weiteres zentrales Argument für Hindenburg war die formale Verfassungskonformität der Lösung Hitler. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bedeutete faktisch das Ende der Weimarer Republik - auch wenn die Weimarer Verfassung formal nie außer Kraft gesetzt wurde.
Paul von Hindenburg war in diesen Wochen von allen einflussreichen Lobbyistenverbänden und den Beratern seiner Kamarilla bearbeitet worden (siehe dazu die Artikel zur: Industrielleneingabe (Rolle des Reichsverbandes der Industrie), zum Osthilfeskandal (Rolle des Reichslandbundes)). Inwieweit das seine Entscheidung wirklich beeinflusste, ist schwer zu sagen – Hindenburg hatte zu diesem Zeitpunkt das 86. Lebensjahr erreicht.
Deutschland unter der Herrschaft der NSDAP
Gründe für den Erfolg der NSDAP
Das Ende der Republik und der Erfolg der Nationalsozialisten hatten keine einzelne, sondern eine ganze Reihe von Ursachen, die im Zusammenspiel Hitler an die Macht brachten. Weder das Ende der Republik war von Anfang an unvermeidlich, noch war der Erfolg der NSDAP selbstverständlich, andere Gruppen und Personen, wie Franz von Papen hätten nach dem Ende der Republik gerne einen etwas anderen Weg eingeschlagen.
Die Gründe für das Ende der Weimarer Republik reichen von ihrem Anfang im verlorenen Ersten Weltkrieg bis zu Hitler und der NSDAP, die anders wie Papen es schafften, ihren Plan durchzusetzen. Gründe für den Erfolg der NSDAP waren
- ihr vordergründig überzeugendes Weltbild
- die Unterstützung durch einflußreiche und finanzkräftige Wirtschaftsgrößen
- ihr Entstehen in der Ordnungszelle Bayern wo sie gute Unterstützung fand
- ihr 25-Punkte-Programm und Symbolik, mit dem sie auch bisherige Sozialisten anzog
- ihre Fähigkeiten zur Propaganda und zur Agitation
- ihre hemmungslose Gewaltbereitschaft
- die Unterschätzung durch konservative Kreise
- ihre Struktur als sehr gut organisierte Kaderpartei
- nicht zuletzt die Person Adolf Hitlers.
Gleichschaltung
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler: Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus und wurde von den Nationalsozialisten als Machtergreifung gefeiert. Hindenburg löste den Reichstag auf und setzte Neuwahlen an.
Die Gleichschaltung, die Unterwerfung unter die und die Angleichung an die Nationalsozialisten, begann mit der Gleichschaltung der Länder, die alle hoheitlichen Aufgaben verloren, es folgten Parteien, Organistionen, Vereine, Verbände, Gewerkschaften, Medien, Künstler und Justiz.
Unterdrückung der eigenen Bevölkerung
In der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes am 4. Februar und nach dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 in der Reichstagsbrandverordnung schränkte Reichspräsident Hindenburg die Grundrechte ein. Die KPD wurde verboten und viele ihrer Mitglieder verhaftet. Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder. Andere gingen in den Untergrund oder flohen ins Ausland, als die Verhaftungswelle anlief. Das so genannte Ermächtigungsgesetz gab am 23. März der Regierung fast uneingeschränkte Gesetzgebungsbefugnisse.
Die „Machtergreifung“ 1933 bis 1935 lief mit einer Mischung von Unterdrückung des linken Parteienspektrums, Einschränkung zunächst der öffentlichen, bald dann auch der beruflich-wirtschaftlichen und sonstigen Betätigungsmöglichkeiten von Juden sowie der Nötigung liberaler und demokratischer Gruppierungen zur immer stärkeren Gleichschaltung fast aller öffentlichen Lebensbereiche zum Führerstaat ab. Sportvereine, die Arbeiterschaft, die Handwerkerschaft, auch Kirchenmitglieder und Geistliche wurden von der "Bewegung" erfasst. Die betroffenen Organisationen ordneten sich oft lieber unter als aufgelöst oder verboten zu werden. Die NSDAP erhielt einen erheblichen Mitgliederzulauf; die neuen Mitglieder wurden von den Altnazis spotthaft als "Märzgefallene" bezeichnet.
Innerhalb kurzer Zeit wurden alle politischen Parteien verboten, wenn sie sich nicht selbst auflösten. Bis 1934 wurden die bisherigen Länder, ebenso die Presse, die Gewerkschaften und die Justiz gleichgeschaltet.
Das erste Konzentrationslager (KZ) wurde - zunächst noch vor allem für politische Gegner - schon 1933 in Dachau eingerichtet. Dieses und viele weitere im ganzen Reichsgebiet wurdem unter dem Mantel einer Polizeimaßnahme nach außen gerechtfertigt. Anfangs gab es auch noch wilde Konzentrationslager, die später durch ständige KZs ersetzt wurden.
Im April 1933 begann der Boykott jüdischer Geschäfte, mit dem "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" die Entfernung jüdischer Beamter aus dem Staatsdienst sowie durch das Verbot jeder öffentlichen Betätigung von Juden deren konsequente Ausschaltung aus dem gesamten öffentlichen Leben. Auch jüdische Hochschullehrer, die als Teilnehmer am Ersten Weltkrieg - "Frontkämpfer" - zunächst nicht entlassen werden konnten, durften keine Vorlesungen mehr halten.
Im Juni/Juli 1933 wurden die evangelischen Landeskirchen in einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammengeschlossen. Vor allem die Deutschen Christen propagierten ein "judenreines" Evangelium und waren dem "Führer" ergeben. Dagegen bildete sich im September der Pfarrernotbund, aus dem im Juni 1934 die Bekennende Kirche hervorging. In ihr sammelten sich evangelische Christen, die Übergriffe des Staates auf die Kirche, oft aber nicht den Nationalsozialismus als solchen ablehnten. Nachdem die katholische Kirche die NSDAP entschieden abgelehnt hatte, erkannte sie diese als Regierungspartei an, und der Vatikan schloss mit Deutschland das Reichskonkordat, das die Stellung der katholischen Bischöfe in Deutschland sichern sollte, Hitler aber auch zu internationalem Ansehen verhalf.
Reichskonkordat wurden vertrieben.]]
In ihrem 25-Punkte-Programm hatte die NSDAP unter anderem die Forderung nach Enteigung und Verstaatlichung von Großbetrieben aufgestellt. Hitler ignorierte diese sozialistische Komponente jedoch, da er die Unterstützung der Großindustrie und der Reichswehr nicht verlieren wollte.
Innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung gab es jetzt Meinungsverschiedenheiten über das weitere Vorgehen. Die Sturmabteilung (SA) unter Hitlers Duzfreund Ernst Röhm wollte die Reichswehr übernehmen und trat für eine soziale Umgestaltung der Gesellschaft ein. Dies war mit Hitlers Plänen, für die er die Reichswehr und die Wirtschaft als Partner brauchte, nicht vereinbar. Der Machtkampf wurde 1934 entschieden. Unter Zuraten von Heinrich Himmler, Joseph Goebbels und Hermann Göring ließ Hitler wegen eines angeblichen durch Röhm geplanten Putsches zahlreiche politische Gegner innerhalb der NSDAP, auch Ernst Röhm, ermorden.
Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 übernahm Hitler nach einem Gesetz, das seine Regierung beschlossen hatte, das Amt des Reichspräsidenten und trug den Titel „Führer (anstelle eines Präsidenten) und Reichskanzler“; durch ein Plebiszit ließ er sein Vorgehen im Nachhinein bestätigen. Der Kriegsminister Werner von Blomberg, der im Konzept der Konservativen zur "Einrahmung" Hitlers eine wichtige Rolle gespielt hatte und von Hindenburg verfassungswidrig vor der Ernnenung Hitlers ernannt worden war, ließ die Reichswehr daraufhin auf Hitler persönlich vereidigen. Auch das Berufsbeamtentum musste einen „Führereid“ ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Ämter verloren.
In der folgenden Zeit wurde das gesamte gesellschaftliche Leben von NS-Organisationen wie Hitler-Jugend, Deutsche Arbeitsfront, Kraft durch Freude (KDF) und Bund Deutscher Mädel (BDM) durchdrungen.
1935-1939: Stabilisierung der Macht, Aufrüstung und Vergrößerung des Reiches
1935 wurde die Reichswehr mit Einführung der Wehrpflicht in die Wehrmacht umgewandelt und das Saarland wieder ins Deutsche Reich integriert. Der Wiedereingliederung des Saarlands ging dort eine Volksabstimmung voraus, die eine überwältigende Zustimmung zu dieser Wiedereingliederung und gegen einen Anschluss an Frankreich ergab.
Auf dem Reichsparteitag der NSDAP wurden die Nürnberger Rassengesetze beschlossen, die die schon 1933 begonnene Ausgrenzung und Isolierung der deutschen Juden begründeten und Rassismus und Antisemitismus als Staatsgesetze verankerten.
1936 marschierte die Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland ein und brach damit wie bei der Einführung der Wehrpflicht den Versailler Vertrag.
Im August fanden in Berlin die Olympischen Spiele statt, die Hitler als Propagandabühne für die Weltöffentlichkeit nutzte. Der Vierjahresplan von 1936 sollte das Deutsche Reich bis spätestens 1940 kriegsbereit machen. Das Regime unterstützte nun zusammen mit Mussolinis Italien den faschistischen General Franco im Spanischen Bürgerkrieg gegen die dortige Republik auch militärisch. Die Legion Condor der deutschen Luftwaffe zerstörte 1937 bei einem Flächenbombardement die baskische Stadt Guernica. Der spanische Bürgerkrieg bot Hitler die Gelegenheit, die Einsatzfähigkeit seines Militärs im Kriegsfall zu testen.
1938 erzwang Hitler im Münchner Abkommen den Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich. Zuvor hatte er Österreich an das Deutsche Reich angeschlossen und dabei große Zustimmung vieler Österreicher erhalten. Um sich den Rücken für seine Expansionsziele im Osten freizuhalten, schloss er mit der Sowjetunion im August 1939 den Hitler-Stalin-Pakt. In dessen geheimem Zusatzprotokoll wurde Polen, das für den Fall eines Krieges zwischen den beiden Staaten aufgeteilt.
Am 9. November inszenierten die Nationalsozialisten die Reichspogromnacht und legten in zahlreichen Synagogen Feuer. Zum Teil als Zivilpersonen auftretende ortsbekannte SA- und SS-Angehörige misshandelten und ermordeten viele deutsche Juden vor den Augen der Polizei, die meist nicht einschritt. Im März 1939 marschierten Hitlers Truppen auch in die so genannte Resttschechei und das Memelland ein.
1939-1942: erste Hälfte des 2. Weltkrieges
zum Kriegsabla
ArtillerieArtillerie bezeichnet den Sammelbegriff für großkalibrige Geschütze, in diesem Sinne werden Geschütztypen zusammengefasst, etwa Schiffsartillerie, Küstenartillerie oder die Truppengattung des Heeres.
Geschütz
Truppengattung
Die Artillerie ist eine Truppengattung des Heeres. Der Name "Artillerie" leitet sich entweder von den lat. Wörtern "ars" und "tollere" (oder auch "telorum" – Geschosse) ab und bedeutet daher soviel wie die "Kunst des Werfens." Andere Theorien besagen, dass das lat. Wort "arcus" – Bogen für den bogenförmigen Wurf eines Geschützes Grundlage für die Bezeichnung sei.
Man unterscheidet historisch zwischen:
- Wurfmaschinen, die von der Antike bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurden.
- Die Rohrartillerie wird seit dem 15. Jahrhundert benutzt. Sie ist mit Geschützen ausgestattet und bildete im Laufe der Geschichte verschiedene Untergruppen heraus:
- Festungs- und Belagerungsartillerie,
- Panzerartillerie
- Feldartillerie mit
- Fußartillerie (die Geschütze wurden natürlich von Pferden gezogen, die Artilleristen gingen zu Fuß)
- fahrender Artillerie und
- reitender Artillerie
- Raketenartillerie (In China entwickelt, in Indien gegen die Briten eingesetzt und von diesen übernommen, in moderner Form seit dem Zweiten Weltkrieg)
- Aufklärende Artillerie (seit dem Ersten Weltkrieg) die mittels Radar, Licht- oder Schallmesstechnik gegnerische Bewegungen und eigenes Feuer vermisst, mittels Drohnen kann die Aufklärung in die Tiefe des Raumes erfolgen, weiterhin verfügt die Artillerie über Ausrüstung zur Bestimmung von Wetterdaten. Vermessungsaufgaben werden ebenso von der Artillerie wahrgenommen, wobei in der Bundeswehr eine eigene Topographietruppe existiert, die seit 2002 jedoch nicht mehr der Artillerie angegliedert ist.
Jede Truppengattung hat ihren eigenen Schlachtruf – so auch die Artilleristen: "Zu-Gleich!" Er dient gleichzeitig zur Erkennung, Verbrüderung und Motivation. Er erklärt sich aus der – teilweise heute noch notwendigen – gemeinsamen Anstrengung der Geschützbesatzung bei dessen Bedienung.
Dabei geht es einerseits um das Ansetzen des Geschosses (manchmal immerhin bis über 50 Kg schwer), um es anschließend mit einem sog. "Ansetzer" in das Rohr zu drücken, und andererseits um das Reinigen des Rohres nach dem Schießen. Dazu wird vor allem im Feld eine Stange mit Bürstenkopf durch das Rohr gezogen. Dies ist nur unter der gemeinsamen und gleichzeitigen Anstrengung der Besatzung möglich. Ein weiteres Ziel mehrerer Haubitzen ist das möglichst gleichzeitige Abfeuern der Geschosse, so dass nur ein lauter Knall hörtbar wird. Der Ruf dient daher zur gemeinsamen Koordinierung.
Verwendete Munition
Je nach Ziel können unterschiedliche Munitionssorten bzw. Zünder verwendet werden:
- Sprenggeschoss, wirkt durch Spreng- und Splitterwirkung, je nach Zünder kann das Geschoss über dem Ziel, im Moment des Aufschlages oder mittels Verzögerung nach Eindringen in das Ziel zur Detonation gebracht werden. Bei geeigneten Fallwinkeln und Beschaffenheit des Bodens können bei Verzögerungszündern auch Abpraller entstehen.
- Panzerbrechendes Geschoss, ursprünglich als Vollkugel, hat heute einen massiven Kern mit weicher Spitze zum Durchschlagen von Panzerungen
Panzerbrechende oder Sprenggeschosse werden auch verwendet, um im Ausnahmefall gepanzerte Fahrzeuge unmittelbar zu bekämpfen (direktes Richten). Feld- und Panzerhaubitzen verfügen hierzu meist über ein separates Panzerzielfernrohr. Das Ziel wird nur durch einen direkten Treffer zerstört.
- Cargogeschosse:
- Schrapnell, mit Kugeln o. ä. gefülltes Geschoss, welches vor dem Ziel explodiert und dieses durch Splitterwirkung zerstört (gebräuchlich bis ca. 1916)
- Bombletgeschoss, stößt über dem Ziel eine Anzahl von einzelnen Hohlladungs-Sprengkörpern aus, die sich dadurch verteilen.
- SMArt (Suchzündermunition Artillerie) Munition, dient zur gezielten Bekämpfung einzelner, gepanzerter Fahrzeuge. Ein Geschoss enthält 2 Subgeschosse die autonom fungieren und getrennte Ziele bekämpfen können. Ein Probem liegt allerdings darin, dass
- nur bis zum Ausstoss der 1. Submunition die Ballistik genau bestimmt werden kann,
- der Ausstosspunkt der 2. Submunition nicht genau (!) bestimmt werden kann,
- die Windrichtung und Windgeschwindigkeit im Ziel (ggf. < 30 km entfernt)ziemlich genau bekannt sein muss. Diese Daten können der "Zielmeldung" beigefügt werden (siehe auch "System ADLER" [http://www.artillerie.de]) oder auch durch ein Wettermodell (z.B. "WeModArt" der Bundeswehr) errechnet werden und
- die Ziele sich nach dem Ausstoß der Submunition im "Footprint", der mit dem Sinken des an einer Art Fallschirm hängenden Gechosses immer kleiner wird (Radius ca 150 Meter), befinden müssen.
- Nukleargeschoss (Einsatz ist der deutschen Bundeswehr verboten, es war geplant, im Einsatzfall das Geschütz vorzubereiten und einzurichten danach sollten amerikanische Soldaten das Geschütz übernehmen und bedienen)
- Nebelgeschoss
- Leuchtgeschoss
- Spezielle Munition, die bspw. Flugblätter enthält
- Minen werden meist mittels Artillerieraketen verschossen.
- Für Ausbildungszwecke existieren Exerzier- und Üb-Geschosse.
Einsatzgrundsätze
Aufstellung
1916
Artilleriegeschütze wurden ursprünglich offen aufgestellt und direkt gerichtet (mit Sicht auf das Ziel) und feuerten in der Regel auf Kernschussweite. Mit fortschreitender Entwicklung der Geschütze, was zu höherer Reichweite und Zielgenauigkeit führte, wurden offene Artilleriestellungen einfache Ziele für die feindliche Artillerie. Deshalb wird die Rohrartillerie seit den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges ausschließlich in gedeckter Stellung eingesetzt, d.h. aus der Feuerstellung ist das Ziel nicht zu sehen. Trotz der zurück gezogenen Aufstellung kann der Standort der Arillerie geortet werden, z. B. durch Radarerfassung der Flugbahn der Geschosse oder durch akustische Triangulation. Daher müssen die Feuerstellungen oft gewechselt werden, so dass sich die Form der Selbstfahrlafette (Panzerhaubitze) durchgesetzt hat.
Durch die hohe Reichweite können mehrere Artilleriestellungen auf das gleiche Ziel schießen, und der Schwerpunkt des Feuerkampfes kann rasch verlegt werden. (Die Reichweite der modernen 155-mm -Panzerhaubitze 2000, dem modernsten Artilleriegeschütz der Welt, liegt – bei Verwendung von reichweitengesteigerter Munition – bei 40 km, ebenso wie die modernen Raketenwerfer.) Die Stellungen der Rohrartillerie der Bundeswehr werden nach dem Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Prinzip ausgekundschaftet. Damit sollten die Stellungsräume ein Drittel der mittleren Kampfentfernung hinter der FLOT liegen. Dadurch verbleiben zwei Drittel der mittleren Kampfentfernung für Feueraufträge.
Zielaufklärung
FLOT]
Durch den Übergang von der offenen Stellung in die verdeckte Stellung musste indirekt gerichtet werden, d. h. die Zielaufklärung erfolgt bei der Rohrartillerie meist durch vorgeschobene Beobachter (heute: Artilleriebeobachter), die die Position der Ziele ermitteln und das Schießergebnis korrigieren.
Diese Beobachter verfügen heutzutage meist über technische Mittel zur Entfernungs- und Richtungsmessung, teilweise können diese Geräte die Zielkoordinaten direkt an die Feuerleitrechner übertragen. Je nach Zielgröße wird das Feuer verschiedener Geschützzüge zusammengefasst, dabei kann das Feuer so koordiniert werden, dass die ersten Geschosse der verschiedenen Stellungen gleichzeitig im Ziel eintreffen.
Weiterhin erfolgt die Zielaufklärung auch durch die technischen Mittel der aufklärenden Artillerie oder durch Meldungen der Kampftruppe.
Wird nur nach Karte geschossen, so spricht man von Planschießen.
Durch die Verbesserung der technischen Aufklärung ist es teilweise möglich, ein Geschoss im Fluge zu vermessen und die Koordinaten der Feuerstellung zu errechnen.
Durch die dadurch auftretende höhere Gefährdung werden die Geschütze in den Feuerstellungen in großen Abständen aufgestellt und eine Feuerstellung wird nach Erfüllung eines Feuerauftrages rasch gewechselt.
Durch den Zwang zu hoher Beweglichkeit werden fast nur noch Geschütze auf Selbstfahrlafetten, nach Möglichkeit unter Panzerschutz (Panzerhaubitze) eingesetzt.
Aus Gewichtsgründen kommen aber in Spezialaufgaben noch leichte Feldgeschütze zum Einsatz. (Luftverlastbarkeit)
Leichte Mörser (Granatwerfer) sind organisatorisch meist direkt der Kampftruppe, insbesondere der Infanterie, zugeordnet.
Feuerleitung
Da die Geschütze keine unmittelbare Sicht zum Ziel haben, muss die Erhöhung und die Richtung des Geschützes/Werfers errechnet werden.
Dazu kommen heutzutage meist Feuerleitrechner zum Einsatz, es kann aber auch mittels Schusstafel manuell gerechnet werden.
Durch Anpassung der Rohrerhöhung und der Treibladung lassen sich Ziele hinter Deckungen bekämpfen, bzw. der Auftreffwinkel der Geschosse verändern.
Um sichere Schießgrundlagen für das indirekte Richten zu besitzen, muss das Geschütz/ der Werfer eine vermessene Stellung beziehen. Die Vermessung wird durch den Einsatz von GPS allerdings zunehmend abgelöst. Das eigentliche herkömmliche Zielen erfolgt mit Hilfe von Festlegepunkten. Hierbei werden die Festlegewerte (Grundrichtung und Nordrichtung) des Geschützes/Werfers beim Richten über die Festlegepunkte unterlegt und dienen somit als Basis der folgenden Feueraufträge.
basierend auf diesen Koordinaten und den Zielkoordinaten werden
- Teilring, die Richtung der Waffe (CH = Azimut)
- Erhöhung (CH = Elevation)
- Treibladung errechnet
In diese Berechnung werden innenballistische Einflüsse (nur Rohrartillerie)
- Pulvertemperatur
- individueller Korrekturfaktor eines jeden Rohres
und außenballistische Einflüsse
- Geschossgewicht
- Luftdruck
- Luftfeuchtigkeit
- Windrichtung und Stärke
- Erddrehung (Corioliskraft)
einbezogen.
Bei Gefechten mit sich bewegendem Geschütz und Ziel (zum Beispiel auf See) müssen noch Korrekturen für Kurs und Geschwindigkeit des eigenen und des Zielschiffes angebracht werden. Außerdem müssen noch die Schiffsbewegungen durch Wellengang ausgeglichen werden.
Stehen die obigen Daten nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung, so wird durch Einschießen ein entsprechender Korrekturfaktor ermittelt.
Die Feuerleitung der Artillerie hatte auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Informatik. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war die Berechnung von Flugbahnen ein enormes Problem. Die Feuerleitung wurde noch anhand von Tabellen vorgenommen. Um eine numerische Berechnung möglich zu machen, wurde unter John von Neumann der erste Großcomputer entwickelt und in Betrieb genommen, der ENIAC. Er konnte die Flugbahn eines Projektils in wenigen Minuten bestimmen.
Heute erfolgt die technische und taktische Feuerleitung in der deutschen Artillerie mit dem Führungs- und Waffeneinsatzsystm "ADLER" (Artillerie-, Daten-, Lage, Einsatz- und Rechnerverbund)[http://www.artillerie.de/prod01-adler.htm]. Die o.a. Daten werden dabei automatisch berechnet, wobei alle innen- und außenballistischen Einflüsse sowie die "Zieldaten" ebenfalls automatisch berücksichtigt werden.
Geschichte
ENIAC
Als eigenständige Truppengattung hat sich die Deutsche Artillerie unter Friedrich dem Großen von Preußen herausgebildet. Vorher war die Artillerie eine Sondertruppe, deren Personal, die Waffenmeister eine eigentümliche Mittelstellung zwischen Handwerkern, Alchimisten (Pulverzusammensetzung!) und Soldaten einnahmen. Sie waren meist Büchsenmacher, die aus dem Handwerk der Glockengießer stammten, da beides Bronze als Material benötigte.
"Höhepunkt" der Rohr-Artillerie war der erste Weltkrieg (1914-1918). Hier kamen alle Gattungen der Artillerie zum Einsatz. Dadurch änderte sich das Gesicht des Krieges nachhaltig: der jetzt besonders wirksame Einsatz von Granaten machte Bewegung in offenem Gelände sehr risikoreich und erzwang den Bau von Grabensystemen. Trotzdem gingen ca. 3/4 der Verluste der Kriegsparteien auf die Artillerie zurück, da auch neue Artillerie-Techniken und Taktiken, (etwa die "Feuerwalze"), sowie der verstärkte Einsatz von Sprenggeschossen erprobt und eingeführt wurden. Im Ersten Weltkrieg verschoss die Artillerie der Kriegsparteien zusammen etwa 850 Millionen Schuss. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch eine höhere Mobilität und Panzerung der Infanterie die Wirksamkeit der Artillerie beschränkt, und die mobile Kriegsführung wieder ermöglicht. Dementsprechend wurden auch die Mobilität und der Panzerschutz der Artillerie ständig erhöht.
Im Laufe des zweiten Weltkrieges wurde neben der bis dahin eingesetzten Rohrartillerie die Raketenartillerie weiter entwickelt. Bei den Verbänden des deutschen Heeres tauchte im Jahre 1940 erstmals der "Nebelwerfer" (sechs kreisförmig angeordnete Rohre, die auf einer Lafette montiert waren) auf. Ähnliche Entwicklungen fanden zeitgleich auch bei den japanischen Streitkräften und den Alliierten statt.
Im Laufe der Truppenreduzierung der 1990er Jahre war die Artillerie als Truppengattung, obwohl ihre aufklärende Komponente gerade in den Auslandseinsätzen wertvolle Dienste zur Informationsbeschaffung leistet, besonders stark betroffen.
Im "Neuen Heer" wird es in Zukunft noch drei Panzerartilleriebataillone (215, 295, 325) ein Beobachtungsartilleriebataillon (131), ein Raketenartilleriebataillon (132) und zwei Artillerieregimenter (100, 345)[http://http://www.artillerie.de/artillerie1_nh.htm] geben.
Schutzpatron
Die Heilige Barbara von Nikomedien, ist Schutzpatron der Artillerie.
Ihr Namenstag am 4.Dezember wird traditionell gefeiert, dabei übernimmt der jünste Offizier des Verbandes die Rolle der Barbara.
Siehe auch
Ballistik, Batterie (Militär), Haubitze, Raketenwerfer
Weblinks
[http://www.deutschesheer.de/C1256B6C002D670C/CurrentBaseLink/N25KUFT6487SBERDE Film über die Ausbildung an der Panzerhaubitze 2000 von www.deutschesheer.de]
[http://www.artillerie.de IT-Systeme in der deutschen Artillerie]
Kategorie:Truppengattung
ja:大砲
ko:대포
WunderwaffeBei dem Begriff Wunderwaffen handelt es sich um Kriegswaffen, die einer unterlegenen Partei in einem kriegerischen Konflikt doch noch einen Sieg ermöglichen sollen. Als Wunderwaffe werden im allgemeinen Sprachgebrauch auch jegliche Art von so genannten Allheilmitteln bezeichnet, die eine schnelle (wundersame) Lösung eines üblicherweie komplexen Problems versprechen – und nicht notwendigerweise halten.
Militär
Der Begriff wurde von den Machthabern in der Zeit des Nationalsozialismus während des 2. Weltkrieges geprägt. Man versuchte, durch technologische Überlegenheit die Kriegswende herbeizuführen:
- Neben den Raketen V1 und V2 wurden auch im Bereich Flugzeuge, Panzer und Unterwasser-Boot-Bau (Schnorchel-Technik, Schraubengeräuschdämmung) erhebliche Fortschritte gemacht.
- Um den Eindruck einer Wunderwaffe zu erwecken, wurde von Adolf Hitler der Maschinenkarabiner, den die Firmen Walther und Hänel entwickelt hatten, in der Serienfertigung Sturmgewehr 44 genannt. Der auf Adolf Hitler zurückgehende Propagandaname Sturmgewehr ist heute auch noch, wenn auch nicht mehr offiziell, gebräuchlich.
Raketen
- V1, wobei das V für Vergeltungswaffe steht. Ein unbemannter Flugkörper, der von einer Rampe aus in Richtung Feind (London und andere Städte der Alliierten) geschickt wurde. Die V1 war gleichzeitig der erste Marschflugkörper.
- V2, eine Rakete mit einem Sprengkopf. Die V2 war eine Flüssigtreibstoffrakete und brauchte keine große befestigte Rampe zum senkrechten Abschuss. Ziele waren vor allem London und Antwerpen. Sie war jedoch wegen mangelnder Zielgenauigkeit nicht kriegsentscheidend.
- V4, eine als Kamikaze-Waffe modifizierte V1 (siehe auch: deutsches Militärprojekt „Selbstopfer“).
Geschütze
- V3, eine Hochdruck-Kanone. Die Kanone wurde im besetzten Frankreich unterirdisch errichtet und sollte Projektile nach England abschießen (wurde kurz vor der Fertigstellung durch einen britischen Bombenangriff zerstört).
Flugzeuge
Einige Flugzeuge, die entwickelt wurden:
- Me 262 - erster einsatzfähiger Düsenjäger
- Me 163 - raketengetriebenes Jagdflugzeug
- Ar 234 - düsengetriebener Bomber und Aufklärer
Neben den Neuerungen im Bereich der Antriebstechnik (Erfindung des Staustrahltriebwerkes, prinzipiell überschallflugfähig, sowie des Düsentriebwerkes) gab es auch im Bereich der Luft-Luft-Raketen Neuerungen. Hier z.B. die R4Z, eine ungelenkte Luft-Luft-Rakete.
Unterseeboote
Bei den Unterseebooten können vor allem die Neuentwicklung des Typ XXI sowie des Typ XXIII durchaus als Wunderwaffen eingestuft werden, da diese Typen konsequent auf die Unterwasserfahrt ausgelegt wurden. Vor allem der Typ XXI (heute in Bremerhaven als „Wilhelm Bauer“ zu besichtigen) diente vielen nachfolgenden konventionellen U-Boot Entwürfen als Vorlage, u.a. den Booten der sowjetischen Whiskey-Klasse (zu besichtigen in Stockholm). Diese waren interessanterweise bis Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts im Einsatz.
Kategorie:Waffe
Wernher von Braun
Wernher Magnus Maximilian Freiherr von Braun ( - 23. März 1912 in Wirsitz (preußische Provinz Posen); † 16. Juni 1977 in Alexandria, Virginia (USA)), war Raketentechniker und Raumfahrtpionier.
Biographie
Wernher von Braun wurde in Wirsitz, Posen im heutigen Polen, als zweiter von drei Söhnen des Magnus von Braun, geboren. Aufgrund guter Leistungen konnte er mit 17 Jahren um Ostern 1930 die Abiturprüfung vorzeitig an der Hermann-Lietz-Schule in Spiekeroog ablegen. Schon als Jugendlicher hatte von Braun mit Raketen experimentiert und eine Abhandlung über Raumfahrt verfasst.
Ab 1929 arbeitete er gemeinsam mit Hermann Oberth, durch dessen Buch Die Rakete zu den Planetenräumen er maßgeblich beeinflusst worden war, in Berlin-Reinickendorf, ab 1932, gefördert durch Walter Dornberger vom Heereswaffenamt, in Kummersdorf bei Berlin.
Von Braun studierte ab 1930 Physik an der TH Berlin und an der ETH Zürich. 1934 promovierte von Braun in Physik an der TH Berlin über "Konstruktive, theoretische und experimentelle Beiträge zu dem Problem der Flüssigkeitsrakete".
Peenemünde
Von 1937 bis 1945 war von Braun der technische Direktor der Heeresversuchsanstalt Peenemünde auf der Insel Usedom. Hier leitete er unter anderem die Entwicklung des Aggregats 4, kurz A4 genannt, einer Großrakete mit Flüssigtreibstoff. Später wurde sie unter der Bezeichnung Vergeltungswaffe 2, kurz V2, in Serie gebaut. Die technische Neuerung bestand darin, schubstarke Flüssigkeitstriebwerke mit einem Kreiselsystem zu koppeln. So gelang es erstmals, die Flugbahn zu stabilisieren und Abweichungen durch Gegenbewegungen des Raketenmotors auszugleichen. Dieses Verfahren ist bis heute im Gebrauch.
Nach Brennschluss erreichte die A4 dreifache Schallgeschwindigkeit. Im Jahr 1942 überschritt ein Prototyp erstmals eine Gipfelhöhe von mehr als 80 km, 1945 wurden mehr als 120 km erreicht. Für die ständig verbesserte Leistung der Triebwerke sorgte insbesondere die Entwicklung geeigneter Turbopumpen, die große Mengen Treibstoff schnell genug in die Brennkammer preßten.
Zur Serienherstellung der V2 setzten die deutschen Behörden Häftlinge des Konzen | | |