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Traktat

Traktat

Ein Traktat (lat. trahere, ziehen bzw. tractare, behandeln,untersuchen, erörtern) ist eine Abhandlung. Sowohl die Form der Traktat (= maskulinum) als auch das Traktat (= neutrum) sind gebräuchlich. Erste Nachweise des Gebrauchs des Wortes 'Traktat' im deutschen Sprachraum stammen bereits aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. (mhd. tractat m.) Traktate werden häufig zur Verbreitung religiöser oder politischer Ideen eingesetzt. Sie erheben in diesem Zusammenhang keinen wissenschaftlichen Anspruch, sondern zielen vielmehr darauf ab, die betreffenden Ideen allgemein verständlich und mit großer Überzeugungskraft darzustellen. Sie werden zu diesem Zweck in Form von Faltblättern oder kleinen Heftchen in großer Auflage gedruckt und meist kostenlos verteilt. Eine Sonderform von Traktaten findet sich im Talmud. Dieses umfangreiche jüdische Schriftwerk enthält Kommentare zu einzelnen Bestimmungen der Tora. Der Talmud besteht aus sechs Bänden, sogenannten Ordnungen, die ihrerseits in 63 "Traktate" aufgeteilt werden. Kategorie:Literaturgattung

Latein

Als Latein bzw. Lateinisch (lat. lingua Latina: „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner gesprochen wurde, der Bewohner von Latium mit Rom als Zentrum. Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen.

Entwicklung

romanischen Sprachen Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet (Latium) gesprochen, wurde Latein später an humanistischen Gymnasien unterrichtet. Neben Griechisch war Latein die Amtssprache des römischen Reiches. Wegen der kulturellen Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in Nordafrika und selbst in Rom seine Vorrangstellung. So war die Liturgiesprache der römischen Christen bis um 300 das Griechische. In dieser Zeit drangen viele griechische Lehnwörter ins Lateinische ein. Während der Spätantike begannen sich verschiedene Volkssprachen, aus denen im Mittelalter die romanischen Sprachen entstehen sollten, phonetisch und grammatikalisch von der lateinischen Hochsprache wegzuentwickeln. Doch noch im 6. Jahrhundert entstanden hochsprachliche lateinische Werke. Im Oströmischen Reich war Latein bis ins frühe 7. Jahrhundert neben Griechisch eine der beiden Amtssprachen. Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Administration bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der Völkerwanderung und der Christianisierung der (zunächst zumeist arianischen) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten die Sprache des Klerus (Kirchenlatein), der Rechtswissenschaft (Glossatoren) und der sich bildenden Hochschulen (studia generalia). Es bildete somit die Schriftsprache, vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen (Diplomatik) im frühen Europa. In völkerrechtlichen Verträgen (z. B. im Westfälischen Frieden von 1648) dominierte Latein bis in das 17. Jahrhundert hinein. Es bildet noch bis ins 20. Jahrhundert den Affixvorrat für die Fachterminologie in den Wissenschaften und verliert durch die fortschreitende Absorption in die englische und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird noch an vielen Schulen unterrichtet.

Antike

Antike Schreibweise

Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als scriptio continua, d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der Antike nicht verwendet. Auf Wachstafeln war nämlich wenig Platz zum Schreiben, und Papyrus war teuer. Die antiken lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen. Vergleiche folgendes Beispiel: Alte Schreibweise: AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES Heutige Schreibweise: Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo, sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat. poena metusque aberant nec verba minantia fixo aere legebantur, nec supplex turba timebat iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti. nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem, montibus in liquidas pinus descenderat undas, nullaque mortales praeter sua litora norant. nondum praecipites cingebant oppida fossae, non tuba directi, non aeris cornua flexi, non galeae, non ensis erant: sine militis usu mollia securae peragebant otia gentes. Auszug aus Ovids Metamorphosen: Die Schöpfung (Das goldene Zeitalter) Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel Lateinisches Alphabet. Siehe zu diesem Thema auch: Paläografie (dort Lateinische Paläografie), Capitalis, Versalschrift und Majuskel.

Antike Aussprache

Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache wird im Artikel Lateinische Aussprache eingegangen.

Literatur

Mit Antiker Literatur des Lateinischen beschäftigt sich u. a. der Artikel Lateinische Literatur.

Gegenwart

Auch heute ist Latein noch an vielen Gymnasien aller Fachrichtungen zu finden. Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte Fremdsprache. An humanistischen Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem Griechischen, noch eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was früher auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte. Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das Latinum oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen geisteswissenschaftlichen Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer Medizin und Jura weitestgehend abgeschafft, häufig aber nicht in Fächern wie Anglistik, Philosophie oder sogar Musikwissenschaften. Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von Fremdwörtern sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche Transfer-Effekte für die Denkschulung aufträten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von Grammatik, egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, und dass das Erlernen moderner romanischer Sprachen, welche im Gegensatz zu Latein noch gebraucht werden, mindestens ebenso gut dazu geeignet sei, die zahlreichen lateinischen Lehnwörter im Deutschen korrekt zu verwenden und andere romanische Sprachen zu erlernen. In der Tat sind viele gesamtromanische, also in allen romanischen Sprachen auftretende Wörter nicht im klassischen Latein vorhanden und müssen dann neu gelernt werden: guerra „Krieg“, testa „Kopf“, cavallo „Pferd“, mangiare/manger „essen“, andare
-
„gehen“ , boc(c)a/bouche „Mund“, blanco/blanc „weiß“, die Himmelsrichtungen etc. Viele dieser Wörter erklären sich nämlich aus dem umgangssprachlichen oder dem späten Latein oder stammen aus der Soldatensprache, also aus Varietäten, die nicht in der Schule gelehrt werden. Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante Korrelation besteht. Ein kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden – möglicherweise macht eine hohe sprachliche Begabung eines Kindes die Wahl des als schwierig geltenden Latein wahrscheinlicher. Da auch im modernen Lateinunterricht die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für Mathematik und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere Fremdsprachen, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.

Modernes Latein

Auch heute werden deutsch-lateinische Lexika aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom Vatikan herausgegebene „lexicon recentis latinitatis“, welches erst im Jahre 2004 eine Neubearbeitung erfuhr. Der finnische Rundfunksender YLE (Yleisradio) verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. Radio Bremen veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version. Seit April 2004 veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei Radio Vatikan Nachrichten auf Lateinisch. Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt übersetzt sie für die Redaktion ins Lateinische. Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der Asterix-Comics, die der deutsche Altphilologe Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Der Autor Nikolaus Groß, beruflich seit zehn Jahren Deutsch-Lektor in der südkoreanischen Hauptstadt, hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von Patrick Süskinds Das Parfum im Brüsseler Verlag der Fundatio Melissa, einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter Neuschöpfungen beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron Mynchusanus (Münchhausen). 2003 erschien bereits der erste Teil der Harry Potter-Bücher von J. K. Rowling auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Lateinische, so zum Beispiel Karl Mays Winnetou III, oder Der kleine Prinz (Regulus) von St. Exupéry. Durch das Internet ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von Popsongs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in lateinischer Sprache, etwa Cursum Perficio, gesungen von Enya, Liberatio, eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „Krypteria“, oder bei Gruppen der Dark Wave bzw. Gothic (Jugendkultur). Roma Ryan hat neben Cursum Perficio für Enya noch weitere Songs in lateinischer Sprache verfasst. In Internetforen wie Grex Latine Loquentium kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist Nicholas Lens auf seinem Werk Flamma Flamma ein lateinisches Libretto vertont, für sein Werk Terra Terra hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von Jan Novák. Carl Orff unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. Igor Strawinski ließ das nach Sophokles von Jean Cocteau in französischen Versen verfasste Libretto zu Ödipus Rex“ von Jean Daniélou ins Lateinische übersetzen. Das Lehrbuch Lingua Latina per se illustrata des dänischen Autors Hans H. Ørberg hat die bisher hauptsächlich für den Unterricht in modernen Sprachen eingesetzte einsprachige Lehrmethode auf den altsprachlichen Unterricht übertragen. Das Lehrbuch erfreut sich in verschiedenen Ländern einer steigenden Beliebtheit.

Latein in den Wissenschaften

In der Biologie erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der Medizin sind die anatomischen Fachbegriffe lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes Griechisch verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche Sprichwörter haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe (Latein im Recht). Auch in der Geschichtswissenschaft spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der Meteorologie werden lateinische Begriffe in der Wolkenklassifikation eingesetzt.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist neben Italienisch die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zum zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) war Latein die offizielle Gottesdienstsprache und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Siehe auch: Lateinische Kirche

Referenzlisten


- Lateinische Präpositionen
- Liste lateinischer Ortsnamen
- Liste lateinischer Präfixe
- Liste lateinischer Redewendungen
- Liste lateinischer Suffixe
- Liste von lateinischen Palindromen
- Lateinische Zahlwörter

Siehe auch


- Grammatik des Lateinischen
- Lateinische Aussprache
- Lateinische Sprichwörter
- Küchenlatein
- Vulgärlatein
- Mittellatein
- Lateinische Literatur
- Sprachen im Römischen Reich
- Jägerlatein
- Panlatinismus

Weblinks


- [http://www.commtec.de/wb/ Wörterbuch Latein-Deutsch-Latein auxilium online (mit Download-Möglichkeit)]
- [http://www.latein-pagina.de/iexplorer/stil.htm Lateinische Stilblüten]
- [http://www.thelatinlibrary.com/ The Latin Library – klassische Texte im Original]
- [http://www.albertmartin.de/latein/ Latein-Deutsch-, Deutsch-Latein-Wörterbuch mit hilfreichen Extras]
- [http://www.radiobremen.de/online/latein/ Nuntii latini bei Radio Bremen]
- [http://www.latein-pagina.de/ Latein-Pagina]
- [http://www.antikeundeuropa.de/Alte_Sprachen_heute/alte_sprachen_heute.html Alte Sprachen heute]
- [http://www.fh-augsburg.de/~harsch/a_chron.html Sammlung lateinischer Texte/bibliotheca Augustana]
- [http://www.music.indiana.edu/tml/ Lateinische Musiktraktate im Original]
- [http://www.lateinservice.de/index.htm Die deutsche Latein-Seite]
- [http://www.alcuinus.net/GLL/ Grex Latine Loquentium (Internetforum in lateinischer Sprache)]
- [http://www.kreienbuehl.ch/lat/ Latein und Altgriechisch Site]
- [http://www.latein24.de/ Übersetzungen vieler klassischer lateinischer Texte bei Latein24.de] Kategorie:Einzelsprache
-
als:Latein ja:ラテン語 ko:라틴어 simple:Latin language th:ภาษาละติน zh-min-nan:Latin-gí

8. Jahrhundert

Das 8. Jahrhundert begann am 1. Januar 701 und endete am 31. Dezember 800.
In Europa ist es die Epoche des Frühmittelalters.

Zeitalter/Epoche


- Islamische Expansion:
  - Eroberung des Westgoten-Reichs auf der iberischen Halbinsel (Schlacht am Guadalete, 711)
    - Asturien kann sich als "Widerstandsnest" behaupten (Schlacht von Covadonga, 722)
  - Endgültiges Ende der arabischen Expansion im Westen nach der Niederlage gegen die Franken (Schlacht bei Tours und Poitiers, 732)
  - Zweite Belagerung Konstantinopels scheitert (717/18)
  - Industal wird erobert; Zentralasien wird nach der Schlacht am Talas gehalten; die Zerstörung der indischen Hochkultur durch die islamischen Eroberer beginnt
- Als Reaktion auf die Einfälle islamischer Eroberer in Indien wird der indische Mahayana -und Vajrayana-Buddhismus in Tibet eingeführt, durch König Trisong Detsen, den tantrischen Meisters Padmasambhava und den indischen Abts Santarakshita. Aus dieser Zeit geht die Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus hervor.
- Tod des tibetischen Königs Ligmincha, Untergang der tibetischen Bön-Königsdynastie von Zhang Zhung
- Byzantinischer Bilderstreit: Theologische Auseinandersetzung über die Anbetung von Ikonen
- Fortschreitende Entmachtung der merowingischen Könige durch die karolingischen Hausmeier; Absetzung des letzten Merowingers 751 durch Pippin.
- Beginn der Wikinger-Raubzüge nach West- und Südeuropa; Überfall auf das Kloster Lindisfarne im Sommer 793

Ereignisse/Entwicklungen


- Der fränkische König Karl der Große wird am 24. Dezember 800 in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt.

Persönlichkeiten


- Beda Venerabilis (dt. Beda der Ehrwürdige) (
- um 673 bei Wearmouth in Northumbria; † 26. Mai 735 Kloster Jarrow), englischer Benediktinermönch, Theologe und Geschichtsschreiber
- Leo III. (
- um 680; † 741) byzantinischer Kaiser
- Karl Martell (Karl der Hammer) (
- um 689; † 22. Oktober 741 in Quierzy) war ein fränkischer Hausmeier aus dem nach ihm benannten Geschlecht der Karolinger
- Hischam (
- 691; † 741) Kalif der Umayyaden
- Du Fu (
- 712; † 770), einer der bedeutendsten Dichter der chinesischen Tang-Dynastie
- Alkuin von York (
- 732; † um 804), Bischof von Tours und Berater Karls des Großen
- Karl der Große (
- um 748; † 814), König der Franken, römischer Kaiser
- Hrabanus Maurus (
- um 750; † 856), Mainzer Gelehrter und Erzbischof
- Harun ar-Raschid (Harun der Rechtgeleitete) (
- um 768; † 809), Kalif aus dem Geschlecht der Abbasiden
- Einhard (
- 770; † um 840), fränkischer Geschichtsschreiber und Biograph Karls des Großen.
- Hadrian I. († 795) Papst der römisch-katholischen Kirche
- Guru Rinpoche (Geburts- und Sterbedaten unbekannt), Meister des tantrischen Buddhismus, er führte den Vajrayana-Buddhismus im 8. und 9. Jahrhundert in Tibet ein
  - König Trisong Detsen(† 858), regierender König von Tibet, auf dessen Wunsch die Übertragung des Buddhismus aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische erfolgte
  - Abt Santarakshita, Abt der indischen Klosteruniversität von Nalanda, führte die Übersetzung der buddhistischen Sutren aus und weihte die ersten sieben buddhistischen Mönche in Tibet
  - Vairocana, bedeutendste Übersetzter buddhistischer Lehren zur Zeit der ersten Übersetzungsphase buddhistischer Schriften aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische
- Vimalamitra, großer buddhistischer Gelehrter des 7./8. Jahrhunderts

Erfindungen und Entdeckungen


- Im Kaiserreich China wird von Bi Sheng die Technik des Setzens von Büchern mit beweglichen Lettern erfunden. Mit Hilfe von Wachs werden dabei einzeln hergestellte Druckstempel aus Keramik auf einer Eisenform angeordnet.
- In der Schlacht am Talas (östlich von Samarkand gelegen) geraten im Jahr 751 Chinesen in persische Kriegsgefangenschaft, mit denen die Kenntnis der Papierherstellung in den arabischen Raum gelangt sein soll.
- Die karolingische Minuskel setzt sich im Handschriftenwesen als Schrifttype durch. 01-08 ! ja:8世紀 ko:8세기 simple:8th century th:คริสต์ศตวรรษที่ 8

Auflage

Der Ausdruck Auflage bezeichnet
- allgemein eine besondere Bedingung, die jemand erfüllen muss, um die Erlaubnis für etwas Anderes zu erhalten, siehe Auflage (Bedingung) :
- im Jugendstrafrecht eine Sanktion, siehe Auflage (Jugendstrafrecht). :
- im Erbrecht eine Anordnung in einer letztwilligen Verfügung, siehe Auflage (Erbrecht). :
- im Verwaltungsrecht eine belastende Nebenbestimmung in einem Verwaltungsakt, siehe Auflage (Nebenbestimmung).
- im Buchwesen bzw. Verlagswesen die Gesamtzahl der gleichzeitig hergestellten Vervielfältigungsstücke, wie Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften siehe Auflage einer Publikation.
- in der Kunst das mit einer Matrize einer Gefäßform aufgedrückte Relief als ornamentale oder figürliche Verzierung. : siehe Auflagedruck, siehe Lage

Talmud

Der Talmud (hebräisch: תלמוד, Belehrung, Studium) ist nach dem Tanach das bedeutendste Schriftwerk des Judentums. Er ist sehr viel umfangreicher als die Bibel, vollständige Ausgaben kommen auf fast 10.000 Seiten in einem Dutzend Bänden. Es gibt verschiedene Traditionen des Talmud.

Entstehung und Bedeutung

Der Talmud liegt in zwei großen Ausgaben vor. Nach Umfang und inhaltlichem Gewicht ist der Talmud Bavli, der Babylonische Talmud, das bedeutendere Werk. Er entstand in den relativ großen, geschlossenen jüdischen Siedlungsgebieten, die nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im judenfreundlicheren Perserreich existierten, genauer gesagt im Gebiet des heutigen Irak. Als maßgebliche Autoren gelten die Rabbiner Abba Areka (genannt Raw), Samuel Jarchinai (Mar) sowie Rab Aschi. Daneben steht der erheblich kürzere, in seinen Bestimmungen oft weniger strenge und weniger wichtige Talmud Jeruschalmi, der in Palästina entstand und daher der Palästinische oder Jerusalemer Talmud genannt wird. Hier gilt nach jüdischer Tradition, die auf Maimonides zurückgeht, als wichtigster Autor Rabbi Jochanan. Wenn einfach vom Talmud gesprochen wird, ist in der Regel der Babylonische Talmud gemeint. Der erste Druck des Talmud stammt von Daniel Bomberg, einem aus Antwerpen gebürtigen Christen, der zwischen 1516 und 1549 in Venedig tätig war. Die von Bomberg eingeführte Folio-Zählung wird heute noch benutzt.

Aufbau und Inhalt

Es gibt verschiedene Methoden der Stoffgliederung im Talmud:

Überlieferungsschichten

Kernstück des Talmud ist die Mischna (hebräisch: משנה Wiederholung). Es handelt sich hierbei um jenen Teil der Tora (תורה), den Gott Moses am Berg Sinai mündlich geoffenbart hat und der in der Folgezeit auch zunächst nur mündlich weitergegeben, in den beiden ersten Jahrhunderten u.Z. schließlich aber doch kodifiziert wurde. Ihre endgültige Form gefunden hat die in Hebräisch abgefasste Mischna im 2. Jahrhundert u. Z. unter redaktioneller Federführung von Jehuda ha Nasi. Sie ist im babylonischen und im palästinischen Talmud identisch. Die zweite Schicht des Talmud ist die Gemara (aramäisch: גמרא Lehre, Wissenschaft), die aus Kommentaren und Analysen zur Mischna in Aramäischer Sprache besteht. Sie sind die Frucht umfangreicher Diskussionen unter jüdischen Gelehrten insbesondere in den Hochschulen Palästinas und Babyloniens. Ausgehend von den meist rein juristischen Fragestellungen wurden Verbindungen zu anderen Gebieten wie Medizin, Naturwissenschaft, Geschichte oder Pädagogik hergestellt. Auch wurde der eher sachliche Stil der Mischna mit diversen Fabeln, Sagen, Gleichnissen, Rätseln etc. angereichert. Die Gemara war zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert u.Z. abgeschlossen. Anders als die einheitliche Mischna weicht die Fassung der Gemara in der babylonischen und der palästinischen Talmudausgabe voneinander ab. Beim Babylonischen Talmud kommen schließlich als dritte Schicht die Kommentare aus späterer Zeit hinzu. Hervorzuheben sind insofern insbesondere jene von Rabbi Schlomo ben Jizchak (genannt „Raschi“), einem im 11. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland wirkenden Talmud-Gelehrten. Die ständige Fortentwicklung der Tradition durch Diskussionen, Kommentare und Analysen prägt den durchgängig dialektischen Stil des Talmud. Das bevorzugte Mittel der Darstellung ist der Dialog zwischen verschiedenen rabbinischen Lehrmeinungen, der am Ende zu einer Entscheidung führt und den maßgeblichen Stand der Tradition wiedergibt. Üblicherweise sind die einzelnen Textteile so angeordnet, dass sich die Mischna in der Mitte befindet. Links und unten wird sie L-förmig von der Gemara umrahmt. Der Textstreifen am oberen Innenrand einer Seite enthält die Kommentare Raschis, der am Außenrand und ggf. am unteren Rand schließlich etwaige weitere Kommentare.

Stilistische Einteilung

Quer zur bereits genannten Einteilung des Talmud in die drei Überlieferungsschichten steht die Einteilung in die gesetzliche Bestimmungen (Halacha, הלכה) und die erzählerischen oder erbaulichen Betrachtungen (Haggada, הגדה). Sie findet sich nur in den beiden Kommentarschichten, nicht aber in der ausschließlich aus Halacha bestehenden Mischna. In seinem Gedicht Jehuda Ben Halewy vergleicht Heinrich Heine die Halacha mit einer „Fechterschule, wo die besten dialektischen Athleten (…) ihre Kämpferspiele trieben.“. Die Haggada sein indes „ein Garten, hochphantastisch“, in dem es „schöne alte Sagen, Engelmärchen und Legenden“ gebe, „stille Märtyrerhistorien, Festgesänge, Weisheitssprüche (…).

Sachliche Einteilung

Eine dritte Gliederungssystematik schließlich fußt auf sachlichen Prinzipien. Beide Talmude sind, wie die ihnen zugrundeliegende Mischna, in 6 „Ordnungen“ (seder, סדר) eingeteilt, diese wiederum in 7-12 Traktate (masechet, מסכת). Die Traktate wiederum bestehen aus Abschnitten und letztlich aus einzelnen Mischnas. Die Titel der Ordnungen lauten:
- Zeraim (זרעים, “Aussaat“): Landwirtschaftliche Abgaben an Priester, soziale Bedürftige, Fremdlinge
- Moed (מועד, „Festzeiten“): Fest- und Fasttage
- Nashim (נשים, „Frauen“): Familienrecht
- Nezikin (נזיקין, „Schäden“): Straf- und Schadensersatzrecht
- Kodshim (קדשים, „Heiligtümer“): Opferkult u.a.
- Tohorot (טהרות, „Reinigungen“): Reinheit von Opferstätten u.a.

Sprache

Neben dem Hebräisch ist vor allem Aramäisch Sprache des Talmuds. Der Talmud wird gewöhnlich in den Originalsprachen studiert. Im Jüdischen Verlag erschien 1929 - 1936 die erste und bisher einzige vollständige und unzensierte deutsche Übersetzung des Babylonischen Talmud. Die Übersetzung stammt von Lazarus Goldschmidt. Diese Ausgabe umfasst 12 Bände. Im Seitenaufbau weicht sie von den gängigen Ausgaben ab. Die Mischna ist in Kapitälchen gesetzt. Darunter folgt die Gemara im normalen Satz. Sie wird jeweils mit dem in Großbuchstaben gesetzten Wort "Gemara" eingeleitet. Zusätzliche Anmerkungen zur Mischna oder Gemara sind als Fußnoten gesetzt. In der Originalausgabe und in den Nachdrucken gibt es nur ein Inhaltsverzeichnis pro Band, kein Gesamtverzeichnis für alle Bände. Auch die Einteilung in Sektionen geben diese Verzeichnisse nicht wieder.

Sogenannte "Talmud-Zitate" im Antisemitismus/Antijudaismus

In judenfeindlichen Publikationen werden seit dem Mittelalter Stellen aus dem Talmud zitiert, um die jüdische Tradition in Misskredit zu bringen. Teilweise handelt es sich bei den "Zitaten" um schlichte Fälschungen. Aber auch die echten Zitate sind in der Regel aus dem Zusammenhang gerissen und missachten die im Talmud vorherrschende Form der dialogischen Annäherung an ein Thema. Talmudische Diskussionen zwischen den Positionen einzelner Rabbinen und verschiedener Schulen spiegeln den Prozess der Verschriftlichung der mündlich überlieferten Tora. In solchen Auseinandersetzungen werden oft auch bewusst abstruse Thesen (etwa: "Nichtjuden sind keine Menschen") in die Diskussion geworfen, um sie daraufhin im Dialog zu widerlegen. Antijudaisten verwenden bevorzugt solche Thesen, verschweigen jedoch die folgenden Antithesen, sodass ein verfälschter Gesamteindruck zu den religiösen Leitlinien des Talmuds und damit auch der jüdischen Religion entsteht.

Talmud-Gelehrte

Die wichtigsten Talmud-Gelehrten des 20. Jahrhunderts:

Orthodox


- Rabbi Shlomo Zalman Auerbach
- Rabbi Yechiel Michel Epstein (Autor des halachischen Werkes Aruch HaShulchan).
- Rabbi Moshe Feinstein
- Rabbi Yosef Eliahu Henkin
- Rabbi Yisrael Meir Kagan (der Chofetz Chaim, Autor der Mishnah Berurah)
- Rabbi Avraham Yesha'yahu Karelitz (der sog. Chazon Ish)
- Rabbi leazar Menachem Shach
- Rabbi Joseph Soloveitchik
- Rabbi Adin Steinsaltz
- Rabbi Yehiel Yaakov Weinberg (Seridei Eish)

Konservativ


- Rabbi Louis Ginzberg
- Rabbi Saul Lieberman
- Dr. Judith Hauptman
- Rabbi David Weiss Halivni
- Rabbi Jacob Neusner

Ausgaben


- L. Goldschmidt (Übersetzer): Der Babylonische Talmud (12 Bde.). Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-633-54200-0
- The Schottenstein Edition Talmud Bavli English Edition. Mesorah Artscroll. New York
- The Safra Edition Talmud Bavli. Franzöische Übersetzung aus dem Mesorah Artscroll Verlag. New York

Literatur


- H.L. Strack, G. Stemberger: Einleitung in Talmud und Midrasch. München 1982, ISBN 3406082823
- Leo Prijis, Die Welt des Judentums, München 1982, ISBN 3406084613, S. 55ff.
- Barbara Beuys, Heimat und Hölle - Jüdisches Leben in Europa durch zwei Jahrtausende, Reinbek 1996, ISBN 3498005901, S. 114ff.
- Zadoq ben Ahron: [http://www.melzerverlag.de/product_info.php?manufacturers_id=23&products_id=49 Lexikon des Talmuds ]

Weblinks


- [http://www.talmud.de/Talmud.htm Talmud.de] (Übersicht mit einer Liste der einzelnen Traktate)
- [http://mdz1.bib-bvb.de/~talmud/ Babylonischer Talmud, Pergamenthandschrift, Frankreich (?) 1342, Signatur: Cod. hebr. 95] (Online-Dokumentation einer Talmud-Ausgabe, Bayerische Staatsbibliothek - Münchener Digitalisierungszentrum)
- [http://www.diss-duisburg.de/Internetbibliothek/Artikel/1%20ArtiikelFebruar2005.htm Dokumentation "Gefälschte Talmud-Zitate vor Gericht"] (Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung, DISS)
- http://www.juedisches-recht.de/

Siehe auch


- Judaismus, Tora, Mischna, Gemara, Traktat, Rabbiner, Jeschiwa, Klaus
- Portal:Religion, Portal:Bibel, Portal:Judentum ! Kategorie:Judentum Kategorie:Jüdische Theologie ja:タルムード

Judentum

Unter Judentum versteht man die Gesamtheit aus Kultur, Geschichte, Religion und Tradition des sich selbst als Volk Israel (he. am jisrael, bnei jisrael) bezeichnenden jüdischen Volkes. Mit dem Begriff können auch gezielt die jüdische Religion oder, als Gruppe, die sowohl ein Volk als auch eine Glaubensgemeinschaft darstellenden Juden (he. jehudim) angesprochen werden. Das Judentum zählt zu den Weltreligionen; Christentum und Islam haben viele ihrer Überlieferungen aus ihm übernommen.

Geschichte des jüdischen Volkes

Islam Nach der Tora, der jüdischen Bibel, beginnt die Geschichte des jüdischen Volkes mit dem Bund, den Gott mit Abraham schließt (1.Mose 12). Die jüdische Tradition sieht Abraham als den Begründer des monotheistischen Glaubens an einen einzigen, unsichtbaren Gott. Diesen Bund setzt Gott mit Abrahams Sohn Isaak und dessen Sohn Jakob fort, der seit dem Ringkampf am östlichen Ufer des Flusses Jabbok (1.Mose 32) Jisrael genannt wurde. Jakob hatte zwölf Söhne, die zu den Stammvätern der Zwölf Stämme Israels (Israeliten) wurden: Ruben, Simeon, (Levi), Juda, Issaschar, Sebulon, Benjamin, Dan, Naphtali, Gad, Asser und Joseph (mit seinen Söhnen Ephraim und Manasse). Diese ziehen von Kanaan, dem heutigen Palästina bzw. Israel nach Ägypten, wo ihre Nachfahren (die Hebräer) vom Pharao versklavt werden. Aus dieser Sklaverei werden die von Mosche (Moses) angeführten Hebräer durch Gott befreit, der ihnen am Berg Sinai die (schriftliche und mündliche) Tora offenbart. Nach 40jähriger Wüstenwanderschaft siedeln sich die zwölf Volksstämme in Kanaan an. Sie bildeten nach der Bibel in ihrer Gesamtheit das Volk Israel, das erwählte Volk Gottes. Die Erwählung bedeutet dabei die Aufgabe, durch Einhaltung der Mizwot (der in der Tora festgelegten Ge- und Verbote) der Menschheit ein Beispiel für ein ethisches Leben zu geben. Obwohl das jüdische Volk an dieser Aufgabe häufig scheitert, was die späteren Propheten immer wieder beklagen, bleibt der Bund mit Gott ungebrochen. Die Bezeichnung "Juden" bedeutete ursprünglich "Judäer" und geht auf das Königreich Juda zurück, das seinen Namen wiederum von den darin lebenden Angehörigen des Stammes Juda hatte. Der Name "Judentum" bezieht sich ursprünglich nur auf diesen einen von den Stämmen Gesamtisraels. Nach der so genannten babylonischen Gefangenschaft wurden alle Bewohner der Region von den umliegenden Völkern als "Judäer" bezeichnet und damit der Name "Juden" auf alle Israeliten ausgedehnt. In der Diaspora wurde der Name "Juden" dann zu ihrer Selbstbezeichnung. Bereits in hellenistischer Zeit fanden Auswanderungsbewegungen aus Palästina statt: Das so genannte Hellenistische Judentum entstand. Spätestens seit der Zerstörung des jüdischen Staates im 1. Jhd. nach Christus und der Zerstörung Jerusalems unter Hadrian (der Jerusalem in Aelia Capitolina umbenannte) zerstreuten sich die Juden als regional greifbares und geschlossenes Volk endgültig, wobei jedoch die große Mehrheit innerhalb des Römischen Reiches siedelte. In der Spätantike und dem frühen Mittelalter verschob sich der Schwerpunkt nach Babylonien, damals Teil des Reiches der Sassaniden. Die übrigen Anhänger des Judentums verteilten sich im Hochmittelalter auch in andere Teile Europas, im Spätmittelalter, im Zuge der Pestpogrome und der Ausweisung beispielsweise aus Frankreich, besonders nach Osteuropa, ferner in die islamische Welt und im Anschluss (Vertreibung aus Spanien 1492) wieder ins heutige Palästina sowie auch in die Neue Welt. Juden wurden oft verfolgt und ghettoisiert, konnten sich stellenweise aber auch unter Beibehaltung von Glaube und Tradition als integraler Bestandteil der lokalen Gesellschaften etablieren. Siehe auch: Geschichte des jüdischen Volkes

Jüdische Religion

Die jüdische Religion basiert auf den religiösen Überlieferungen des jüdischen Volkes. Diese Überlieferungen teilen sich auf in eine schriftliche (Thora) und eine mündliche Lehre (Mischna, Talmud, Schulchan Aruch usw.). Siehe: Jüdische Religion, Jüdischer Glaube

Aktueller Kontext

Der Begriff Jude bezeichnet nach dem jüdischen Recht des rabbinischen Judentums seit der modernen Zeitrechnung einen Menschen mit einer jüdischen Mutter und jene, die rechtmäßig zum jüdischen Glauben übergetreten sind (siehe Gijur). Das Judentum ist seit Jahrtausenden häufig religiösen, ideologischen und politischen Anfeindungen und dabei Pogromen und Verfolgungen ausgesetzt. Einmalig in der Geschichte ist dagegen der Versuch der planmäßigen und quasi-industriellen Ausrottung des jüdischen Volkes durch das nationalsozialistische Deutschland. Im Jahre 1934 wurden 17 Millionen jüdische Menschen auf der Welt gezählt. Sechs Millionen davon, mehr als ein Drittel, fielen dem Holocaust zum Opfer. Dies beschleunigte nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs die Umsetzung der zionistischen Bestrebungen und führte 1948 zur internationalen Anerkennung des Staates Israel als jüdische Heimstätte. Der heutige Staat Israel, eine Demokratie nach westlichem Vorbild, begründet seine territoriale Außen- und Innenpolitik staatlich-souverän, seine Innenpolitik ist jedoch in einigen Feldern auch stark religiös geprägt. So ist eine bürgerliche Heirat in Israel nach wie vor nicht möglich, da das Familienrecht den jeweiligen Religionsgruppen unterstellt ist. Dies kann zum Beispiel bei Scheidung zu Problemen für Frauen führen, wenn sich der Ehemann weigert, der Frau den Scheidungsbrief (Get) zu überreichen. Solche Scheidungsverweigerer können zwar vom Rabbinatsgericht in Erzwingungshaft gesteckt werden, doch ohne einen Get bleibt nach traditionellem jüdischen Recht die von ihrem Mann getrennte Frau "gebunden" und kann nicht wieder heiraten. Aufgrund der besonderen Geschichte und Tradition des Judentums ist das Verständnis einer jüdischen Identität ausgeprägt, die sich auf ein gemeinsames Schicksal bezieht und nicht notwendigerweise religiös begründet wird. Viele Juden betrachten sich gleichzeitig z.B. als Briten oder US-Amerikaner, bis 1933 auch als patriotische Deutsche, die im Ersten Weltkrieg ihr Leben für ihre europäische Heimat riskierten oder opferten.

Jüdische Gemeinden in der Welt

Heute gibt es etwa 14 Millionen Juden in der Welt, von denen die meisten in den USA und in Israel leben. Durch verschiedene Emigrations- und Imigragtionswellen hat sich die Verteilung der Juden in der Welt in den letzten Jahren sehr verändert. Vor 15 Jahren lebte noch ein Großteil der Juden in der ehemaligien Sowjetunion. Nach ihrer Auflösung wanderten viele Menschen nach Israel (siehe Alijah), in die USA und nach Deutschland aus. Heute leben die meisten Juden in:

Die religiösen Strömungen des Judentums der Gegenwart

In der Gegenwart können verschiedene kategorisierende Gruppierungen der Strömungen des religiösen Judentums vorgenommen werden. Dabei betreffen die Unterschiede nicht primär, aber auch die Gottesvorstellungen und den Glauben. Es werden orthodoxe und nicht-orthodoxe jüdische Strömungen unterschieden. Hierbei ist wichtig, dass für das Adjektiv nicht-orthodox synonym auch progressiv, reformiert oder liberal (wobei hier liberal nicht vom politischen Liberalismus abgeleitet ist, sondern den Schwerpunkt auf verstärkte Assimilation setzt) in einem weiteren Sinne genommen wird. Konservativ ist hingegen mit dem Begriff konservatives Judentum belegt, einer seit dem 19. Jahrhundert sich entwickelnden Strömung des Judentums, die eine Stellung zwischen Orthodoxie und dem liberalen Judentum einnimmt. Der grundlegende Unterschied zwischen orthodoxem Judentum und den nicht-orthodoxen Strömungen beginnt beim Verständnis der Offenbarung am Berg Sinai (Mosche empfängt die Tora). Das nicht-orthodoxe Judentum versteht diese Offenbarung nicht als absolut, sondern als einen progressiven (= fortschreitenden) Prozess des Dialoges Gottes mit seinem Volk, in der Zeit und in den Kulturen. Im Kontext dieser historisch-kritischen Auslegung der Offenbarung entstanden alle nicht-orthodoxen Strömungen des Judentums. Da sie alle die Entwicklung betonen, gehören diese alle zum progressiven Judentum im weitesten Sinne. Im engeren Sinne bestimmt der Begriff progressives Judentum jedoch alle Gruppen des Reform-Judentums, die sich im Verband Weltunion für progressives Judentum zusammengeschlossen haben. Zwei Drittel des religiös geprägten Judentums sind nicht zur Orthodoxie gehörend, ein Drittel zählt sich zum orthodoxen Judentum mit seinen verschiedenen Unterströmungen. Alle religiösen jüdischen Strömungen der Gegenwart haben ihren Ausgang in den Impulsen der Geistesgeschichte vor allem Deutschlands und Europas ab Ende des 18. Jahrhunderts. - Der Fokus der Entwicklung des Judentums liegt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. - Aus Deutschland sind die Beiträge zur Entwicklung jüdischen Denkens und Geistesleben nach der Shoa unbedeutend. Langsam entwickelt sich dieses aber zunehmend unter der Zuwanderung jüdischer Menschen aus der ehemaligen UdSSR, aus der Diaspora Osteuropas und Asiens. Hauptströmungen des Judentums der Gegenwart: : Orthodoxes Judentum : Liberales Judentum : Konservatives Judentum : Rekonstruktionismus Andere, kleinere religiöse Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Ultraorthodoxes Judentum : Neoorthodoxes Judentum : Jüdische Mystik (siehe: mittelalterliche Kabbala) : Chassidismus : Jewish Renewal, oder Neo-Chassidismus Andere laizistische Strömungen des Judentums der Gegenwart: : Säkulares Judentum : Humanistisches Judentum Siehe auch: Strömungen des Judentums, Säkularismus

Aufteilung in ethnische Gruppen

In der Geschichte wurden Juden in vier größere Gruppen eingeteilt:
- Die Aschkenasim, deren Vorfahren in Deutschland oder Frankreich lebten, bevor sie nach Osteuropa und teilweise später in die USA auswanderten,
- die Sephardim, deren Vorfahren auf der iberischen Halbinsel (Spanien, Portugal) lebten,
- die orientalischen Juden (Misrachim), die im Nahen Osten und in Nordafrika lebten, aber auch nach Mittel- und Südasien wanderten (orientalische Juden werden oft auch als sephardisch bezeichnet, da ihre Traditionen weitgehend übereinstimmen) und
- die jemenitischen Juden (Teimanim), die lange von den übrigen Juden isoliert waren und dadurch eigene Riten entwickelten, aber auch alte Traditionen länger bewahrten (Hebräische Sprache,Kabbalah). Die sephardischen Juden flohen 1492 vor der spanischen Inquisition, und siedelten sich überwiegend im Mittelmeerraum, teilweise aber auch in Mittel- und Westeuropa an (z.B. in Hamburg und Altona). Ihre gemeinsame Sprache ist das Ladino, das unterschiedliche regionale Ausprägungen hat. Kleinere Gruppen sind
- die äthiopischen Juden (Eigenbezeichnung Beita Israel, andere Bezeichnung Falascha,
- die Bene Israel aus Bombay in Indien,
- die Bnei Israel (auch Shinlung in Nordostindien und Burma, sie stammen angeblich vom jüdischen Stamm der Menaseh (Manasse) ab),
- die Romanioten, griechischsprechende Juden des Balkan,
- die Tat sprechenden Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan),
- die turksprachigen Krimtschaken auf der Krim und
- die Religionsgemeinschaft der Karaiten, die eine wesentliche Rolle bei der Bekehrung der Chasaren gehabt haben soll. Umstritten ist die Stellung
- einer afghanischen Gruppe, die auf den antiken Stamm Ephraim zurückgehen soll,
- der Lemba in Simbabwe, sowie
- der messianischen Juden (Eigenbezeichnung) oder modernen Judenchristen – zum Christentum, meist evangelikaler Prägung, konvertierte Juden, die an ihrer jüdischen Identität festhalten sowie ein paar jüdische Traditionen pflegen und hauptsächlich in den USA zu finden sind. "Messianische" Juden sind nach dem Verständnis aller anderen Strömungen des Judentums (orthodox, konservativ, liberal, reformiert) im religiösen Sinn keine Juden, da ihre Interpretation der Tradition christlich ist. Hier unterscheiden sich Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung. Die Samaritaner sind eine frühzeitige Abspaltung von den Juden im engeren Sinne, die dennoch gewollt oder ungewollt lange deren Schicksal teilten: Aufstände der Juden zogen oft auch die Samaritaner in das Geschehen ein, da die Römer Probleme hatten, diese zu unterscheiden. Wie es in Rom jüdische Synagogen gab, so gab es auch samaritanische. Heute gibt es nur noch sehr wenige Samaritaner.

Religiöse Führung

Jüdische Gemeinden werden geistlich und rechtlich von einem Rabbiner geleitet. Sephardische Juden sowie die Karäer bezeichnen ihren geistlichen Leiter auch als Chacham (Weiser). Im Jemen bei den Teimanin ist der Begriff Mori (mein Lehrer) gebräuchlich. Die Gottesdienste werden im allgemeinen von einem Kantor, Chasan, oder allgemeiner gesagt von einem Vorbeter geleitet; zu ihrer Durchführung wird ein Quorum bzw. (hebräisch) Minjan, d.h. die Versammlung zehn jüdischer Männer, benötigt. Die allgemeine, weltliche Leitung einer jüdischen Gemeinde hingegen liegt bei einem von den Gemeindemitgliedern zu wählenden Gemeindevorstand.

Historische jüdische Sekten

Fast alle Juden der Neuzeit folgen dem in Mischna und Talmud enthaltenen mündlich überlieferten Gesetz; sie werden als Rabbinisches Judentum bezeichnet. Innerhalb des rabbinischen Judentums gibt es verschiedene Richtungen, wie etwa das Orthodoxe oder das Reformjudentum.
- Die kleine Gruppe der Karäer stellt eine Abspaltung von der Mehrheit der Juden dar. Sie lehnt die in Mischna und Talmud enthaltenen Lehren ab.
- Die Samariter haben als heilige Schriften eine Version der Torah, die Memar Markah sowie eine eigene Liturgie, Gesetze und Auslegungsschriften. Ein Großteil des Tanach (jüdische Bibel) gilt ihnen nicht als inspiriert. Die Autorität von Mischna und Talmud lehnen sie ebenfalls ab. Es gibt nur noch wenige Anhänger der samaritischen Religion.

Jüdische Kultur

Die jüdische Kultur steht in starker Wechselwirkung zu den Kulturen, in denen die jeweilige jüdische Gemeinschaft ihr kulturelles Leben entfaltet, so dass sie kaum isoliert betrachtet werden kann. Dabei spielt die Religion eine unterschiedlich große Rolle. Durch die Aufsplittung des Europäischen Judentums in die Aschkenasim und Sephardim haben sich hier zwei auch durch die Sprache unterschiedene Kulturräume entwickelt. Siehe auch: Jüdisches Brauchtum, Jüdische Feste, Jüdischer Kalender, Jüdische Küche

Jüdischer Humanismus

Die Verarbeitung von Pogromerfahrungen geben den jüdischen Einflüssen in der Kultur nicht selten eine stark humanistische und egalitäre Prägung (bzw. wird hier der jüdische Einfluss am ehesten offensichtlich). Viele Künstler bekennen sich zum Judentum als Nation und begreifen sich gleichzeitig als Atheisten.

Sprache

Hebräisch ist die Sprache der ältesten jüdischen Schriften und war Umgangssprache der Juden in der antiken Periode ihrer Unabhängigkeit. Es wurde als Umgangssprache nach Jahrhunderten vom Aramäischen verdrängt, blieb aber bis in unsere Tage hinein Gottesdienstsprache, z.T. auch Gelehrtensprache. Das Aramäische ist eine zum Hebräischen sehr ähnliche Sprache, die auch das schriftliche Hebräisch späterer jüdischer Schriftwerke beeinflusst hat. Einige Passagen in den Schriften des Alten Testamentes wurden schon auf aramäisch verfasst. Jesus und seine jüdischen Landsleute sprachen aramäisch. In der Diaspora nahmen die Juden die Sprachen der Länder an, in denen sie lebten (siehe Jüdische Sprachen). Einige Sonderfälle sind Sprachen, die jüdische Gemeinschaften aus verschiedenen Gegenden der Welt übernommen haben und aufgrund der historischen Umstände zu selbständigen Sprachen (wenn man will, zu Dialekten) weiterentwickelt haben. Siehe dazu: Jiddisch (die Sprache der Aschkenasim), Ladino (oder Sephardisch) (die Sprache der Sephardim), Judeo-Berberisch (die Sprache jüdischer Berber in Marokko), Tat (auch: Judeo-Tat, die Sprache der Bergjuden des Kaukasus (Dagestan, Aserbaidschan)). Im Alltag sprechen Juden die Sprache des Landes, in dem sie leben. Das Iwrith, welches heute in Israel gesprochen wird, stellt eine gelungene Wiederbelebung des antiken Hebräisch dar, das um einen modernen Wortschatz erweitert wurde und auch in der Grammatik einige Anpassungen erfuhr. Es entwickelt sich heute im lebendigen Gebrauch weiter wie andere Sprachen auch.

Siehe auch


- Portal:Judentum
- Haskala, Haggada, Kabbalah, Schma Israel
- Israel, Israeliten, Zentralrat der Juden in Deutschland, Zionismus
- Jewish Encyclopedia,
- Kawwana, Tachles
- Proselyt, Judenmission
- Zarathustrismus, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Judenchristen
- Davidstern

Literatur


- Jonathan Magonet: Einführung ins Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2003, ISBN 3-934658-43-1
- Max Dinemann: Liberales Judentum, Jüdische Verlagsanstalt Berlin (JVB), 2000, ISBN 3-934658-13-X
- Jonathan A. Romain/Walter Homolka: Progressives Judentum, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-046-X
- Gilbet S. Rosenthal/Walter Homolka: Das Judentum hat viele Gesichter, Knesebeck, 1999, ISBN 3-89660-045-1
- Hans Küng: "Das Judentum", Piper Buchverlag, ISBN 3492228275
- Meyer, Hajo: Das Ende des Judentum, Neu-Isenburg 2005, ISBN 3-937389-58-X
- Paul Spiegel: "Was ist Koscher?", Ullstein 2003, ISBN 3-550-07575-8
- Arthur Herzberg: Wer ist Jude? Hanser 2000, ISBN 3-446-19760-5
- Jens J. Schreiner: Vom "Gelben Flicken" zum "Judenstern"? Genese und Applikation von Judenabzeichen im Islam und christlichen Europa (841-1941), Frankfurt am Main/Berlin/Bern u.a. : Peter Lang Verlag 2004, 169 S., 12 Tab., ISBN 3-631-52553-2
- Monika Grübel: Judentum. DuMont Buchverlag, Köln 1997, ISBN 3770134966
- Dominique Aubier Der Jüdische Fall Le Cas Juif, die ontologische Kraft der hebräischen Sprache, die jüdische spezifische Besonderheit, Verlag Mont Blanc, Genf"1970".
- Dominique Aubier Antwort auf Hitler, der jüdische Auftrag Erklärung der Shoa, Verlag Qorban, 1979. [http://www.dominique-aubier.org]

Weblinks


- aus jüdischer Sicht
  - [http://www.hagalil.com www.hagalil.com] - deutschsprachiges jüdisches Internetportal
  - [http://www.talmud.de www.talmud.de] - Jüdisches Leben in Deutschland -heute
  - [http://www.papdam.net www.papdam.net] - praktisches Judentum mit viel Hintergrundinfos, Zielgruppe: Juden
  - [http://www.jinfo.org Bedeutende jüdische Persönlichkeiten aus Naturwissenschaft, Philosophie, Musik etc.]
  - http://www.zadoq.com deutschsprachiges jüdisches Religionsportal
  - [http://www.synagoge.de/ jüdische Gemeinden in Deutschland]
  - [http://www.jewfaq.org Online-Lexikon Judaism 101 - englisch]
  - [http://www.juedisches-recht.de/ Quellen und Prinzipien des jüdischen Rechts]
- Über das Judentum aus nichtjüdischer Sicht
  - [http://www.buchklub.at/gorilla/hoffnungsreich/cybertour/judentum.htm Judentum - kurze Einführung]
  - [http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/juedische_kultur_und_geschichte.pdf Peter Ortag: Jüdische Kultur und Geschichte. Hrsg: Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung. 5. Auflage 2003] ja:ユダヤ教 ko:유대교 ms:Yahudi nb:Jødedom simple:Judaism th:ยูได zh-min-nan:Iu-thài-kàu

Tora

Tora (hebr. תורה; etymologisch hebr.: jarah = unterweisen, kausat.; andere Schreibweisen: Torah, Thora) bedeutet Lehre, Belehrung, Unterricht, Anweisung. Die Tora ist ein Teil des jüdischen Tanach (der weitestgehend dem Alten Testament der christlichen Bibel entspricht).

Die schriftliche Tora

Bibel Bibel Die Tora besteht aus fünf einzelnen Büchern (im Christentum die fünf Bücher Mose oder im Griechischen Pentateuch genannt), die im Hebräischen nach dem ersten Wort im Buch benannt sind:

Begriffsbestimmung

Das hebräische Wort hat mehrere, verschieden weite Bedeutungen. Die engste bezeichnet die fünf Bücher Mose, die das Volk Israel laut dessen Überlieferung am Berg Sinai erhielt (siehe auch Pentateuch). Juden reden nicht vom Alten Testament, da dies ein Neues Testament voraussetzte, das es im Judentum nicht gibt; es gibt im Judentum in diesem Sinne also nur ein Testament.

Die Schriftrolle

Im Zusammenhang damit ist mit „Tora“ oft die Torarolle gemeint. Dies ist eine große Rolle aus Pergament, auf der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben (ohne Vokale) von Hand aufgeschrieben sind. Torarollen werden im allgemeinen in der Synagoge aufbewahrt. In Gottesdiensten, vor allem am Shabbat, aber auch an Feiertagen, wird aus dieser Torarolle in der Synagoge „gelesen“. Im allgemeinen wird der Text dabei nicht gesprochen, sondern gesungen. Sinn dieser 2000jährigen Tradition ist, das jüdische Volk mit dem Text der Tora vertraut zu machen. Eine für den öffentlichen Gottesdienstgebrauch vorgesehene Tora wird grundsätzlich per Hand von einem Sofer, einem speziell dafür ausgebildeten Schreiber, geschrieben. Bei guter Aufbewahrung kann eine Torarolle mehrere hundert Jahre „leben“, das heißt unbeschädigt und damit rituell brauchbar bleiben. Die älteste existierende Torarolle stammt von etwa 900 n.Chr., das heißt 1500 Jahre, nachdem die Endfassung der Tora geschrieben worden war. Torarollen, die mechanisch oder durch Abnutzung oder hohes Alter beschädigt und somit unbrauchbar geworden sind, werden aus Respekt nicht weggeworfen, sondern in einer Genisa aufbewahrt oder auf einem jüdischen Friedhof begraben. Zum Toraschmuck gehören Mappa (Tuch), Me'il (Mantel), Tass (Schild), Jad (Stab) und Kether (Krone) oder je nach Anlass ein spezieller Aufsatz, Rimonim (Granatapfel) genannt.

Die mündliche Tora

Laut traditioneller jüdischer Überlieferung erhielt Israel über Mose jedoch nicht nur diese Schriften (die schriftliche Thora), sondern auch deren mündlich überlieferte Ausdeutung, die den Schlüssel für das Verständnis der schriftlichen Tora liefere. Diese wurde von den Propheten (Neviim) und den weiteren Lehrern des Volkes mündlich überliefert. Schließlich wurden sie von Rabbinern als Mischna und als Gemara, das heißt zusammen als Talmud niedergeschrieben. Die Mischna wurde um das Jahr 200 n.Chr. in schriftlicher Form fixiert, die Gemara bis zum 6. Jahrhundert. Während im Pentateuch neben den erzählenden Teilen 613 Ge- und Verbote aufgelistet werden, werden in der Mischna und der Gemara diese Vorschriften konkretisiert und teilweise faktisch verändert.

Die hebräische Bibel

Eine weitere Bedeutung bezeichnet die gesamte jüdische Bibel (Tanach), also die Tora im engeren Sinne, die Neviim (Prophetenbücher) und die Ketubim (Schriften).

Bedeutung der Tora

Die Tora ist seit mehr als 3500 Jahren mit seinem klaren Monotheismus, seiner Rechts- und Philosophiegeschichte, seiner Mystik und vor allem seinem hohen ethischen Gehalt ein wesentliches Element des Judentums. Mit dem Judentum in der Diaspora, aber vor allem mit dem Christentum und der Ekklesia (griechisch; deutsch: Kirche) wurde die Tora prägend für das westliche Abendland und prägte den Islam, durch das, was die Tora tatsächlich oder vermeintlich zu sagen hat, und in der Betrachtung, durch das, was man annahm, was sie zu sagen habe. Für das Judentum ist die Tora wichtiger Hintergrund für das Verständnis seiner Vergangenheit als Volk und als Zivilisation.

Fundamentalismus - wörtliches Bibelverständnis

Die orthodoxe und besonders die fundamentalistische Tradition innerhalb des Judentums betrachtet die Tora als Gotteswort, das Mosche am Berg Sinai von Gott selbst gegeben wurde. Es wird in einigen orthodoxen Kreisen durchaus eingeräumt, dass sich in der Tradierung des Gotteswortes hier und da einige Schreibfehler eingeschlichen haben könnten, das fechte die Tatsache, dass die Tora das Wort Gottes sei, jedoch nicht an. So ist dem orthodoxen bis fundamentalistischen Standpunkt ein Satz wie "Da erschuf Gott den Menschen in seinem Ebenbilde ..." (Gen 1,28) eine Tatsache, da das Wort Gottes per definitionem die Wahrheit selbst ist. Dies impliziert auch, dass jedes Wort der Tora einen Sinn haben muss, da kein Buchstabe Gottes Wortes überflüssig sein könne. Wo die modernen Wissenschaften mit dem Tanach in Widerspruch stünden, werde sich einmal zeigen, dass die modernen Wissenschaften irrten oder wir die Bibel nicht sachgemäß verstünden.

Progressives Bibelverständnis

Bereits von den jüdischen Weisen der Antike weiß man, dass sie die Tora nicht wörtlich nahmen, obschon sie die Tora als von Gott geschrieben ansahen. Die Weisen erkannten, dass der Tanach (die jüdische Bibel) und alles andere, was ihnen überliefert worden war, zahlreiche subtile Metaphern, Wortspiele und Anspielungen enthält, und dass er verschiedene literarische Mittel und Poesie benutzt, die einer eindimensionalen Herangehensweise entgegenstehen. Die Weisen sahen es als legitim an, der Tora zu widersprechen. Das grundlegend Unterscheidende zwischen orthodoxem Judentum und progressivem Judentum ist das Verständnis der Offenbarung. Das nicht-orthodoxe Judentum sieht die Offenbarung in der Tora nicht als absolut und unveränderbar, sondern als einen fortschreitenden Dialog des Volkes Gottes mit seinem Gott. Die jüdische progressive Zivilisation ist in der Zeit von Menschenrechten, demokratischen Entscheidungen und Naturwissenschaften vor allem um die Observanz (das bedeutet Einhaltung) der Moralgesetze bemüht. Sie glaubt nicht, dass der Tanach, die Tora das unabänderliche Wort Gottes ist, aber dass diese im Kern göttlich inspiriert sind. Die Offenbarung ist ein fortschreitender Prozess. Gott offenbart die Inhalte seines Willens und seiner Gebote jeder Generation neu. Diese Haltung macht es möglich, die tradierte jüdische Rechtspraxis dort zu ändern, wo sie nach progressiver Auffassung den ethischen Normen des Judentums nicht mehr entspricht. Dazu zählen bestimmte Regeln in Bezug auf Scheidung, Mamser (d.h. ein aus einer inzestuösen oder ehebrecherischen Beziehung stammendes Kind), Kohanim (Priester), Homosexuelle etc. und vor allem die volle religiöse Gleichberechtigung von Frauen. Im progressiven Judentum wird die Ausführung der Mitzwot angepasst und in die verantwortliche Entscheidung des Einzelnen gestellt. Das progressive Judentum bestimmt für sich jedoch Teile der Tradition, die immerwährende Bedeutung haben, getrennt von solchen, die einem, sich in der jüdischen Zivilisation wandelnden Weltbild folgend, zeitbedingt und relativ sind. Wertelemente der jüdischen Tradition und des Judentums von Dauer sind der Schabbat, das Streben nach Gerechtigkeit und die Heiligkeit des Lebens. Zeitbezügliche, relative Wertelemente sind zum Beispiel das Tempelopfer und die unbedingte Macht des Mannes über seine Frau (als juristische Sache). Heute wird die Tora von der Mehrheit der Juden in moderner Weise, mit Hilfe erkenntnistheoretischer Kriterien gedeutet. Das Gewissen, die Vernunft, ethische Überlegungen, Erkenntnisse der Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften beschränken die Bedeutung und die Auswirkung der Beispiele, Gebote und Verbote des Tanach, der Tora.

Die fünf Bücher Mose im Christentum

Das Alte Testament (AT) ist dreigegliedert, wie der Tanach. Der Pentateuch eröffnet die christliche Bibel, wie den Tanach. Dabei bildet die Tora jedoch keine eigene Einheit, sondern ist meist mit den vorderen Propheten (Josua, Richter, Samuel, Könige) und den Büchern Ruth, Chronik, Esra, Nehemia und Ester als Gruppe der Geschichtsbücher sortiert. Die katholische Kirche zählt zu den Geschichtsbüchern noch die Bücher Tobit und Judith, die nicht Teil der hebräischen Bibel sind. In anderer Reihenfolge bezüglich des Tanach folgen im AT die Schriften (Ketubim) und dann nur die hinteren Propheten (Nebiim). Mit der abweichenden Sortierung gehen im Christentum Abweichungen des Verständnisses des Pentateuch einher. Die fünf Bücher Mose werden nicht mehr als Lehre, Gesetz gelesen, sondern als Geschichtsbücher. Es stehen im Christentum nicht mehr die Lehren und Gesetze im Vordergrund, sondern die Verheißungen - besonders die Abraham-Verheißung - und die Erzählungen von Gottes geschichtlichem Handeln. Durch das Neue Testament, insbesondere der Bergpredigt, sind von den Lehren und Gesetzen der fünf Bücher Mose besonders die Zehn Gebote von großer Wichtigkeit.

Die schriftliche Tora im Islam

In seiner Grundhaltung und Weltanschauung verweist der Islam auf das Erbe der Propheten und auf den klaren Monotheismus Abrahams. Judentum und Christentum gelten dem Islam als Schwesterreligionen. Aus verschiedenen Suren des Korans (Sura 2,5 - Sura 5,45ff. - Sura 6,75-80 - Sura 21,52-69 - Sura 20,42ff. u.a.) ist den gläubigen Muslimen geläufig, das der Qur`an (Koran) Wurzeln in der Tora hat. Toleranz und Aufruf zur Verständigung gegenüber dem Judentum ist ebenso im Qur`an verpfropft: ("Sprich: Ihr Leute der Schrift, kommt her auf ein Wort, das gleich ist zwischen uns und euch, dass wir niemandem dienen außer Gott und Ihm nichts beigesellen, und dass nicht die einen von uns die anderen zu Herren nehmen an Gottes statt ..." Sura 3,65 - "... Gott ist unser Herr und euer Herr. Wir sind für unser Handeln verantwortlich, und ihr seid für euer Handeln verantwortlich. Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenführen, und zu Ihm ist die Heimkehr." Sura 42,14-16). - Anders ist dies im Neuen Testament, in dem der Antisemitismus bzw. der Antijudaismus geradezu angelegt zu sein scheint (verstockt). Insgesamt sind die Gemeinsamkeiten des Korans mit der Tora größer als die mit dem Neuen Testament der Christen. Obwohl die Tora wie auch das Evangelium im Koran oft positiv erwähnt werden, werden sie von Muslimen jedoch kaum studiert. Viele Muslime glauben, dass die Tora und das Evangelium, so wie sie heute existieren, gegenüber den im Koran gemeinten Originalen verfälscht sind und deshalb ihre Lektüre von Muslimen vermieden werden sollten. Die Aussage, dass der Koran Wurzeln in der Tora hat, ist eine nichtmuslimische Interpretation der Ähnlichkeiten zwischen Kur'an und Tora. Aus der Sicht eines Moslems ist der Grund für die Ähnlichkeiten, dass in der Tora trotz Veränderungen im Laufe der Zeit durch menschlichen Einfluss immer noch Elemente der ursprünglichen göttlichen Offenbarung enthalten und somit in der letzten Offenbarung Allahs (dem Qur'an) wiederzufinden sind.

Siehe auch


- Talmud, Tanach
- Portal:Religion, Portal:Bibel, Portal:Judentum

Literatur

Hanna Liss, in Zusammenarbeit mit Annette M. Böckler und Bruno Landthaler: TANACH - Lehrbuch der jüdischen Bibel. Heidelberg 2005.

Weblinks


- [http://jcrelations.net/de/?id=846 „Auge für Auge“] - nicht „Auge um Auge“ ! Kategorie:Judentum Kategorie:Literarisches Werk ja:モーセ五書 ms:Taurat

Kategorie:Literaturgattung

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