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Reis
Reis (vom Lat. risus, Oryza sativa L.) ist eine Getreideart aus der Ordnung der Süßgräser (Poales) mit breiten Blättern und langen Rispen.
Wildform und Unterarten
Rispe]
Reis hat zwei Wildformen: Oryza rufipogon (einjährig, klassischer Wildreis) und Oryza nivara (ausdauernd). Beide können sich untereinander und mit domestiziertem Reis kreuzen, deshalb plädieren einige Forscher dafür, sie zu einer Art zusammenzufassen.
Wilder Reis kommt natürlich in Feuchtgebieten der subtropischem und tropischen Klimazonen Asiens vor, zum Beispiel in Burma, Thailand, Laos und Südchina . Wilder Reis findet sich auch im südlichen Korea, sowohl Oryza rufipogon als auch verwilderter domestizierter Kurzkornreis und Kreuzungen von Wildreis mit Langkorn- und Kurzkornreis. Die einfache und häufige Hybridisierung macht die Identifikation der Ursprungsgebiete schwierig.
Wilder Reis (Oryza rufipogon) kommt heute noch im nördlichen Jiangxi und Hunan vor und wurde inzwischen auch im Jangtze-Tal gefunden, was eine örtliche Kultivierung möglich macht (Crawford/Shen 1998, 858). Im frühen Neolithikum war das Klima jedoch wärmer und trockner als heute, damit war Wildreis wahrscheinlich nicht so weit nach Norden verbreitet wie heute. Man geht aber inzwischen trotzdem davon aus, daß Reis (Oryza japonica) im Jangtze-Tal selbst domestiziert wurde.
Die wichtigsten Unterarten von Oryza sativa sind:
- Oryza sativa japonica, Kurzkornreis, auch Klebreis
- Varietäten der gemäßigte Zone
- Varietäten der Tropen, Oryza sativa javanica
- Oryza sativa indica, Langkornreis
- Oryza glaberrima, afrikanischer Reis
- Oryza glutinosa L. wird zum Beispiel in China oder Thailand angebaut.
Der so genannte Wildreis Zizánia aquática gehört nicht zur Familie von Oryza sativa L.
Aussehen und Nährstoffgehalt
Der Kulturreis kann bis zu 30 Halme ausbilden. Diese sind 50 bis 160 cm hoch und tragen eine schmale überhängende Rispe mit einblütiger Ähre, die 80 bis 100 Körner enthalten kann. Aus einem Saatkorn können damit fast 3000 Reiskörner entstehen.
Reis besteht zu etwa 76 % aus Stärke und zu etwa 7–8 % aus Eiweiß. Er enthält 1,3 % Fett und 0,6% Spurenelemente, vor allem Phosphor, aber auch Eisen und Magnesium, aber wenig Natrium, Kalzium oder Kalium. Aufgrund seiner Armut an Natrium eignet sich Reis zur Entwässerung des Körpers bei Übergewicht und Bluthochdruck.
Reis enthält die Vitamine B1 und B2, die sich vor allem in der oberen Schicht des Korns befinden, die beim Polieren abgeschliffen wird. Deshalb kann es beim ausschließlichen Verzehr von geschältem Reis zu ernsthaften Mangelkrankheiten kommen (Beri-Beri), die bis zum Tode führen können. Die Vitamine A, B12, C und D fehlen im Reis völlig.
Geschichte der Kultivierung
Reis wurde anscheinend an mehreren Orten der Welt unabhängig voneinander domestiziert. Das wird auch von genetischen Untersuchungen gestützt.
Domestikationszentren:
- Oryza sativa japonica
- Südchina, in den Tälern des mittleren Yangtze und des Huai
- Südasien
- Hochländer Südwestchinas
- Oryza sativa indica
- Nordindien, vielleicht im Gangestal
- Südindien
Die Unterscheidung von Kurz- und Langkornreis ist bei verbrannten Körnern, die den Hauptteil der archäologischen Funde ausmachen, nicht immer sicher. Die Identifikation von Oryza sativa ist an die Größe der Körner gebunden und daher ebenfalls oft unsicher. Wildreis hat eine brüchige Ährchengabel (Rachis), lange und dichte Grannen, die Ährchengabel wird jedoch selten gefunden. Pollenanalytisch läßt sich Reis nicht von anderen Gräsern unterscheiden.
Oryza sativa indica wurde vermutlich unabhängig von Oryza sativa japonica in Südchina und Hinterindien domestiziert. Ob sein Vorfahre eine andere Unterart von Oryza rufipogon war als bei Oryza japonica ist noch umstritten, DNA-Analysen scheinen jedoch auf einen gemeinsamen Vorfahren hinzudeuten.
China
Als Zentrum der Reisdomestikation werden gewöhnlich die Täler des Yangtse und Huai angenommen. In China gibt es ca. 120 Fundstellen mit Reisresten. Die meisten sind jünger als 5000 BC, die Mehrzahl liegt am mittleren Jangtze (zwischen den Drei Schluchten und der Mündung des Poyang Hu), der Rest in Südchina, einige wenige in dem Tal des Gelben Flusses (Huanghe).
Nutzung von Wildreis
Wildreis wurde in der Höhle von Yuchan und in Xianrendong im Jangtze-Tal gefunden (Higham/Lu 1998, 869). Vermutlich zwang das zunehmend trockne und kalte Klima des ausgehenden Pleistozän die Jäger und Sammler des Jangtze-Tals zu einer verstärkten Nutzung von Wildgräsern, als Früchte und Nüsse spärlicher wurden. Zu dieser Zeit wurde auch schon Keramik genutzt. Aus Hemudu (Zhejiang) stammt ein Topf, der gekochten Reis enthielt und auf ca. 7000 BP datiert wird.
In der Höhle von Diaotonghuan am Jangtze (Jianxi-Provinz) wurde eine Stratigrafie ergraben, die das späte Pleistozän bis ins mittlere Holozän (Neolithikum) umfasst. wurden die Phytolithen von Reis bereits in Schichten des ausgehenden Pleistozäns gefunden. Wilder Reis wurde also vermutlich gesammelt. Ab 8000 v. Chr. taucht die erste, sehr grobe Keramik auf, die teilweise mit Schnurabdrücken verziert ist. Aus den entsprechenden Schichten stammen Phytoliten, die die Morphologie domestizierten Reises zeigen. Zuverlässige 14C-Daten fehlen jedoch.
Nach der Theorie von Zh. Zhao und Kollegen (1998) wurde bereits im späten Pleistozän Wildreis gesammelt. In einer späteren Phase war der Reis bereits teildomestiziert, ab 7500 gehen Zhao et al. von einem Vorherrschen von domestiziertem Reis in der Ernährung aus. Die Isotopenanalyse menschlicher Knochen aus Xianrendong und Diaotonghuan scheint die Reisnutzung im frühen Holozän zu belegen (MacNeish et al. 1997), allerdings wurde die Datierung der Knochen angezweifelt (Crawford/Shen 1998, 862).
Higham und Lu nehmen an, daß Reis im mittleren Jangtze-Tal seit dem Anfang des Holozäns angebaut wurde, weil die Wildvorkommen den Bedarf der örtlichen Jäger und Sammler nicht mehr decken konnten.
Domestizierter Reis
Die Datierung von domestiziertem Reis aus dem Jangtze-Gebiet auf 11500 BP (Spencer P.M. Harrington: [http://www.archaeology.org/online/news/rice.html Earliest Rice], Archaeological Institute of America.) wird in der Fachwelt überwiegend mit Mißtrauen betrachtet, da hier morphologische Untersuchungen der Korner bisher nicht vorgelegt wurden. Nicht immer ist der Zusammenhang der sehr kleinen Körner mit den Funden aus der Umgebung gesichtert. Am zuverlässigsten sind AMS-Daten der Getreidekörner selber. Bisher liegen aus China 14 Daten vor, von denen keines älter ist als 7000 v. Chr. Die ältesten direkten Daten liegen zwischen 6000-7000 v. Chr. und stammen aus Pengtoushan (7775+90 BP, OxA-2210, ein Reiskorn, das in Keramik eingebettet war) im Jangtze-Tal und Jiahu im Huai-Tal (Henan, Peiligang-Kultur)). In Pengtoushan wurde Reisstroh und Samenhülsen genutzt, um Keramik zu magern.
In der Feuchtbodensiedlung Bashidang, die zur Pengtoushan-Kultur gehört, wurden unverkohlte Reste von über 15.000 Reiskörnern gefunden, die sich unter Luftabschluss in feuchtem Sediment erhalten hatten. Angeblich handelt es sich um eine frühe Form des domestizierten Reises. Die entsprechenden Schichten datieren zwischen 8400-7700 BP. Hölzerne Stößel wurden vielleicht zum Enthülsen von Reis genutzt, außerdem wurden auch hölzerne Spaten gefunden, die vielleicht im Ackerbau eingesetzt wurden. Pfahlbauten, eingetiefte und ebenerdige Häuser zeigen vielleicht eine seßhafte Lebensweise an. Auch Keramik wurde hergestellt,
Vermutlich domestizierter Reis wurde in der Lijiacun-Kultur, 7000-6000 v. Chr.; in Hunan in der Yuchanyan-Kultur (9000-8000 v. Chr.) genutzt (Crawford/Shen 1998, 862).
In Jiahu wurden Reiskörner in der Keramik und Phytolithen gefunden. Eine Analyse der Menschenknochen zeigte ein Überwiegen von C3-Pflanzen, zu denen auch Reis gehört, in der Ernährung (Juzhong/Xiangkun 1998, 898).
Am Gelben Fluß (Lijiacun) ist domestizierter Reis ab 7000 BP nachgewiesen. Für Südchina ist domestizierter Reis wesentlich später belegt. Shixia in Guandong, der bislang älteste Nachweis, datiert auf 4850-4600 BP.
Korea
Gewöhnlich ging man davon aus, daß sich der kultivierte Reis erst ab der Bronzezeit nach Korea ausbreitete. Inzwischen sind aber aus Kawaji, Fundstelle 1 in Südkorea Reisreste bekannt, die mit der Radiokarbonmethode an das Ende des 2. Jahrtausends v. Chr. datiert werden (Crawford/Shen 1998, 862). Außerdem wurden Reis-Phytolithen gefunden.
Japan
Gewöhnlich nimmt man an, daß die Kenntnis des Reisanbaus um ca. 300 v. Chr. Japan erreichte, entweder über China oder über Korea. In Okinawa ist Reis aber erst ab 800 n. Chr. nachgewiesen, daher wird die Kenntnis des Reisanbaus kaum direkt aus China übernommen worden sein.
Reis-Phytolithen sind bereits aus Keramik der mittleren Jomon-Phase bekannt. Die ältesten AMS-Daten von Reiskörnern (1000-800 v. Chr.) stammen aber erst aus der späten Jomon-Kultur im nördlichen Honschu.
Thailand
Die Theorie einer lokalen Domestikation von Reis am Golf von Siam stützte sich auf die Datierung von Reis und menschlichen Knochen von der Fundstelle von Khok Phanom Di in das 7. Jahrtausend, die inzwischen zurückgenommen wurde (Higham/Lu 1998, 873). Auch die frühen Daten für Non Nok Tha und Bang Chiang konnten nicht bestätigt werden. Bislang sind damit von dem südostasiatischen Festland keine frühen Reisfunde bekannt, was eine lokale Domestikation natürlich nicht ausschließt.
Indien
Reis wurde in Indien bereits im Mesolithikum als Sammelpflanze genutzt.
Funde von domestiziertem Reis vom Vindhya-Plateau im nordwestlichen Mittelindien wurden zwischen 6000-5000 v. Chr. datiert, diese Daten werden aber nicht von allen Forschern anerkannt. Aus Chopanimando stammen Reisabdrücke auf keramischen Gefäßen. Reiskultivierung inTaradih und Khairadih ist seit dem 5. Jahrtausend nachgewiesen.
Im östlichen Indien ist Keramik, die mit Druschresten von Reis gemagert ist, aus Chirand bekannt. Sie datiert vermutlich ins 3. Jahrtausend.
Aus Rangpur und Lothal, Siedlungen der Harappa-Kultur, stammen Topfscherben, die angeblich mit Reisstroh gemagert sind. Das ist bisher der einzige und unsichere Nachweis für die Domestikation von Reis in der Harappa-Kultur. Sichere Nchweise von Reis-Körnern aus dem Industal stammen erst aus dem späten 2. Jahrtausend.
USA
Reis wird seit dem späten 17. Jahrhundert in Amerika angebaut und spielt seither in vielen typisch amerikanischen Gerichten eine wichtige Rolle. Um die Frage, wie der Reis in die USA kam, ranken sich ganz unterschiedliche Geschichten. Eine davon erzählt von einem holländischen Schiff, das 1694 auf dem Weg nach Madagaskar von einem Sturm so gebeutelt wurde, dass es im Hafen von Charleston in South Carolina Zuflucht suchen musste. Die Bewohner Charlestons nahmen die Besatzung herzlich auf und halfen bei der Reparatur des Schiffes. Vor der Weiterfahrt übergab der dankbare Kapitän ihnen als Dankeschön eine Probe seiner Fracht, bekannt als die "goldene Reissaat". Diese wertvollen Reissamen waren die Urkeime der mittlerweise berühmten Reissorte "Carolina Golde". South Carolina wurde so der erste amerikanische Bundesstaat, in dem Reis angebaut wurde. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg verlagerte sich der Reisanbau nach Arkansas, Kalifornien, Texas, Louisiana, Mississippi, Missouri und Florida. Heute sind die USA einer der größten Reis-Exporteure weltweit: 14 % des Reises auf dem Weltmarkt stammen aus den USA. Arkansas, Kalifornien und Louisiana machen dabei über 80 % der gesamten Reisanbauflächen der USA und der Gesamtproduktion von USA Reis aus.
Ausbreitung
Seit 400 v. Chr. wird Reis in Mesopotamien angebaut. Bereits die Römer kannten Reis, vermutlich wurde er aus Ägypten importiert. Die Mauren brachten den Reis nach Europa. Mit den Türken gelangte der Reis auf die Balkanhalbinsel.
Nach Amerika kam der Reis mit den Spaniern im späten 17., nach Australien im 19. Jahrhundert.
Heutige Anbaugebiete
Asien - und insbesondere China, Indien und Südostasien - sind das Hauptanbaugebiet für Reis, mehr als 90 % des Ertrages wird dort erbracht. Bedeutende Anbaugebiete liegen auch in den USA und in Norditalien (Poebene). Seit kurzem wird Reis auch in der Magadinoebene in der Schweiz angebaut.
Reisanbau
Reis kann in Abhängigkeit vom vorherrschenden Ökosystem auf vier verschiedene Arten angebaut werden:
- regenabhängiger Bergreisanbau
- regenabhängiger Niederungsreisanbau
- Tiefwasserreisanbau
- Nassreisanbau
Trockenreis
Trockenreis wird vor allem in Regionen mit wenig Niederschlag oder im Gebirge angebaut. Diese Art von Anbau ist aufwändig, weil der Unkrautwuchs nicht durch das Wasser gehemmt wird.
Streusaatverfahren
Im Streusaatverfahren wird nicht so viel Wasser benötigt, die Erträge sind jedoch wesentlich geringer als bei Wasserreis. In vielen asiatischen Ländern wird der Trockenreis trotz seines deutlich höheren Preises wegen des ausgeprägteren Aromas sehr geschätzt. Der Bergreis wird in Höhen bis zu 2000 m angebaut.
Nassreisanbau
80 % der Weltreisernte werden im Nassreisanbau erzeugt. Reis ist ursprünglich keine Wasserpflanze, sondern hat sich seit Jahrtausenden durch Zucht und natürliche Selektion an die Überflutung der Felder angepasst. Viele Unkräuter und bodenlebende Schädlinge werden durch die Flutung am Wachstum gehindert, was der hauptsächliche Grund für den Wassereinsatz beim Reisanbau ist. Pro Kilogramm Reis werden zwischen 3000 und 5000 Litern fließendes Wasser benötigt. Fließt das Wasser zu schnell, werden Bodenbestandteile und Nährstoffe abgeschwemmt, fließt das Wasser zu langsam, bilden sich Algen.
Im Tiefland kann Naßreisanbau mit Bewässerung über Brunnen zu sinkendem GrundwasserSpiegel führen. Die chinesische Regierung hat daher rund um Peking den Reisanbau verboten, da sich dort der Grundwasserspiegel um bis zu drei Meter abgesenkt hat, was die boomende Wirtschaft behindert.
Je nach Sorte, Anbauart und -gebiet sind pro Jahr zwischen ein und drei Ernten möglich.
Naßreisanbau ist sehr arbeitsintensiv, ermöglicht aber sehr viel höhere Erträge als das Streusaatverfahren. Die Arbeitsgänge sind:
- Aussaat in das relativ trockene Pflanzfeld (hier zeigt sich, dass der Reis keine echte Wasserpflanze ist; direkt ins Wasser gesät geht er nicht auf)
- Durchmischung des Bodens auf dem geplanten Reisfeld mit Wasser, meist mit Pflügen hinter Wasserbüffeln
- Umsetzen der Setzlinge vom Pflanzfeld in das Reisfeld per Hand
- Bewässern des Feldes während der Wachstums- und Reifezeit, weitere Pflege ist nicht nötig; Probleme entstehen, wenn der Wasserspiegel während der Regenzeit zu stark ansteigt oder wenn der Monsunregen zu gering ausfällt.
- In den Bewässerungsgräben der Reisfeldern gedeihen in einigen Weltregionen auch Kleinfische und Krustentiere, die oft die einzige Proteinquelle der einfachen Bauern darstellten. Durch Pestizideinsatz wurden diese inzwischen allerdings weitgehend ausgerottet.
- nach etwa vier bis sechs Monaten Trockenlegung der Felder und Ernte mit Hand-Sicheln oder Sichelringen, Bündelung der Pflanzen und Abtransport oder Dreschen vor Ort. Das Stroh wird inzwischen meist auf den Feldern verbrannt.
Man geht davon aus, dass der Nassreisanbau heute 17 % des Methans in der Erdatmosphäre erzeugt. Durch die starke Wässerung des Bodens entsteht ein fast sauerstofffreier Lebensraum für anaerobe, methanerzeugende Bakterien (Methanbildner). Der Methanausstoß kann reduziert werden, indem man den Boden zwischenzeitlich austrocknen läßt.
maschineller Anbau
In Süd-Europa und Amerika lohnt sich der Reisanbau nur durch Einsatz von Maschinen. In den USA wird der Reis mit Hilfe von Flugzeugen auf leicht geflutete Felder gesät und dann von den abgetrockneten Feldern mit Mähdreschern geerntet.
Verarbeitung
- Nach der Ernte wird der Reis getrocknet und gedroschen. Er heißt nun Paddyreis.
- In einer Reismühle werden die Spelzen entfernt, die etwa 20 % des ursprünglichen Gewichtes ausmachen. Das Korn ist dann nur noch von dem bräunlichen Silberhäutchen umgeben und heißt nun Cargoreis. In diesem Zustand wird der meiste nach Deutschland exportierte Reis angeliefert.
- Wird der Reis poliert, um das Silberhäutchen und den Keimling zu entfernen, so geht ein großer Teil der Mineralstoffe und Vitamine verloren. Ausschließlicher Verzehr von poliertem Reis führt zur Vitamin B1-Mangelkrankheit Beriberi.
- Um den Verlust an Vitaminen zu verhindern, wurde in den USA das Parboiled-Verfahren entwickelt: Mit hohem Dampfdruck werden die Vitamine vor dem Polieren in das Korn hineingepresst, sodass ein großer Teil der Vitamine erhalten bleibt.
Schädlinge
Bei der Lagerung kann der Reis von Reiskäfern (Sitophilus oryzae) befallen werden, die zur Familie der Rüsselkäfer gehören. Die Larven der Käfer wachsen in den Reiskörnern heran und fressen sie von innen aus auf. Die Käfer vermehren sich auch im verpackten Reis weiter.
Bei Rüsselkäferbefall befinden sich nicht nur die ausgewachsenen Käfer im Reis, sondern es gibt auch auch Reiskörner mit punktförmigen Fraßspuren und von innen ausgehöhlte Reiskörner. Da dadurch ein Befall mit anderen Schädlingen und Mikroben wahrscheinlich ist, wird beispielsweise in Japan empfohlen, den befallenen Reis aus hygienischen Gründen zu vernichten.
Sorten
Für den Handel unterscheidet man zwischen den beiden Extremen Langkornreis (auch Brühreis, Patna: trocken kochende indische oder javanesische Reissorten) und Rundkornreis (auch Milchreis: klebrig kochende japanische Reissorten). Langkornreis hat meist eine Länge von 6-8 mm. Das Verhältnis von Länge zu Dicke ist größer als 5:1. Mittelkornreis ist 5-6 mm lang mit einer Dicke von 1,5 bis 2,5 mm. Rundkornreis ist kürzer als 5 mm und oft ca. 2 mm dick.
Die chinesischen und südostasiatischen Sorten stehen meist zwischen diesen beiden Polen. Die Pflanzen des japanischen Reis sind weniger kälteempfindlich . So kann Reis in Japan sogar auf Hokkaidō, der vom sibirischen Klima beeinflussten nördlichsten Hauptinsel, angebaut werden.
Sowohl beim Langkornreis als auch beim Rundkornreis wird zwischen einer Art mit durchscheinendem Korn und einer mit trübem Korn unterschieden (die jedoch durch Polieren auch fast durchscheinend werden kann). Die Stärke im durchscheinenden Reis besteht zu 20 % aus Amylose und zu 80 % aus Amylopektin, im trüben Reis fast nur aus Amylopektin.
Feinschmecker unterscheiden zwischen einzelnen Reissorten und verwenden sie für unterschiedliche Gerichte. So wird für Risotto vorzugsweise Arborio verwendet und für indische Gerichte Basmati-Reis oder Duftreis. Als Spezialität gibt es aus dem so genannten biologischen Anbau seit neuerem auch den Roten Naturreis. Insgesamt gibt es weltweit mehr als hunderttausend Reissorten, von denen jedoch viele durch die moderne industrielle Landwirtschaft auszusterben drohen.
harter Reis/weicher Reis?
Arborio-Reis
Arborio (auch Avorio) ist eine Reissorte, die vor allem in der Po-Ebene Italiens angebaut wird. Sie zeichnet sich durch ein kurzes, gedrungenes, ovales Korn aus. Sie wird vorzugsweise in Risotto verwendet.
Dieser Reis kommt aus Südostasien und ist preiswerter als Java- oder Lombokreis. Die Körner ähneln diesen Sorten, lassen sich jedoch, da sie zur Gruppe der halbharten Sorten gehören, nicht so gut trocken kochen. Dämpft man jedoch diesen Reis, so kann er ebenfalls gut für die Reistafel gebraucht werden.
Lombok
Basmati (bedeutet auf Hindi "Duft"). Es handelt sich um einen besonders aromatischen, langkörnigen Reis, der ursprünglich aus Indien stammt. Er wird am Fuß des Himalaja angebaut .
Dieser Reis kommt aus Burma, hat fast die gleichen Eigenschaften wie der Basseinreis und gehört zu den halbharten Sorten.
Diese Sorten haben lange und sehr dünne Körner, kochen trocken und quellen sehr stark.
Der Patna-Reis ist wie Java- und Lombokreis von guter Qualität. Die Körner sind lang, dünn und durchsichtig. Er gehört zur "harten" Gruppe, ist also trocken kochend und für die Reistafel sehr gut zu verwenden.
Japan-Reis
Diese Sorte (Oryza sativa var. japonica) wird außer in Japan auch in Ägypten, Spanien und Italien angebaut. Sie ist weicher als Langkornreis, und wird im deutschsprachigen Raum vor allem für Reisbrei gebraucht; sie ist als "Milchreis" im Handel. Die Körner sind kurz und dick, beinahe rund.
In Japan selbst wird dieser Reis normalerweise ohne Salz in Wasser gekocht und mit Gemüse, Fisch und Fleisch gegessen. Dabei handelt es sich nicht um eine Beilage, da der Reis als zentraler Bestandteil der Mahlzeit angesehen wird.
Auf Grund der großen Nord-Süd-Ausdehnung des Landes und dsomit sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingungen werden viele verschiedene Reissorten angebaut. Die wohl bekanntesten sind Koshihikari und Sasanishiki. Der Reis wird sowohl poliert (hakumai: 白米 oder seimai: 精米) als auch unpoliert (genmai: 玄米) im Handel angeboten.
Neben dem "normalen" Reis gibt es Reisarten, die für besondere Zwecke angebaut werden. So ist Mochigome (餅米) die japanische Bezeichnung für den trüben Klebreis, der normalerweise gestampft wird, so dass eine zähe, klebrige Masse entsteht, die sowohl für traditioneller Süßigkeiten benutzt werden kann als auch als Suppeneinlage oder geröstet als Mahlzeit. Sakamai (酒米) ist eine besonders großkörnige und stärkehaltige Reisart, die zur Herstellung von Sake, japanischem Reiswein, gebraucht wird. Roter und schwarzer Naturreis sind in Japan unter dem Namen Kodaimai (古代米) auf dem Markt, sie werden jedoch wegen ihres hohen Preises üblicherweise dem normalen Reis nur beigemischt.
- Chigalon wird seit den 1960er Jahren in der Camargue in Frankreich angebaut. Diese Reissorte hat das für die Gruppe Oryza sativa japonica, charakteristisch runde Korn.
Bild:Reis_-_Cigalon_roh.jpg|Chigalon Rohreis
Bild:Reis_-_Cigalon_voll.jpg|Chigalon Vollkornreis
Bild:Reis_-_Cigalon_weiss.jpg|Chigalon weiß
- Inca hat lange und schmale Körner, die dem europäischen Standard für Langkornreis entsprechen.
Bild:Reis_-_Inka_roh.jpg|Inka Rohreis
Bild:Reis_-_Inka_voll.jpg|Inka Vollkornreis
Bild:Reis_-_Inka_weiss.jpg|Inka weiß
- Irat 285 hat ein langbärtiges Korn und ist so während der Kornbildung gegen Vögel geschützt.
Bild:Reis_-_Irat_285_roh.jpg|Irat 285 Rohreis
Bild:Reis_-_Irat_285_voll.jpg|Irat 285 Vollkornreis
- Khao Youak ist reich an Stärke und gehört damit zum klebrigen Reis, der in der japanischen Küche speziell für die Zubereitung von Sushi verwendet wird.
Bild:Reis_-_Khao_Youak_roh.jpg|Khao Youak Rohreis
Bild:Reis_-_Khao_Youak_voll.jpg|Khao Youak Vollkornreis
Bild:Reis_-_Khao_Youak_weiss.jpg|Khao Youak weiß
Süßer Reis, auch Mochi-Reis genannt, kommt ursprünglich aus Japan. Er eignet sich besonders für Süßspeisen.
- Sorte C gehört zur Gruppe Oryza globerrima. Das Blatt ist rot gestreift, und wird daher „rotgeflügelter Reis“ genannt. <<>>
Bild:Reis_-_Sorte_C_roh.jpg|Sorte C Rohreis
Bild:Reis_-_Sorte_C_voll.jpg|Sorte C Vollkornreis
Bild:Reis_-_Sorte_C_weiss.jpg|Sorte C weiß
Siam-Reis
Der Siam-Reis (auch Duftreis oder Jasminreis) hat eine ausgezeichnete Qualität. Siam-Reis wird hauptsächlich im Norden Thailands, aber auch in Vietnam und Italien angepflanzt. Man nennt ihn "Duftreis", weil er beim Kochen angenehm nach Jasmin riecht und, im Gegensatz zu vielen anderen Sorten, durch eine spezielle Anbaumethode ein wenig Eigengeschmack hat. Die Körner sind klein und für die Reistafel gut geeignet, da sie ebenfalls zu den "harten" Reissorten gehören. Bei dem Reis aus Thailand ist die "Golden" beziehungsweise "AAA" Qualität die beste und teuerste, der "Bruchreis" (broken rice) ist eine günstigere, wenngleich etwas schlechtere Qualität.
Seit kurzem wird in Europa dieser Reis in den Handel gebracht. Er ist von ausgezeichneter Qualität und kann gut trocken gekocht werden.
Qualitätsstufen
In Deutschland wird der Langkorn- und Rundkornreis in folgenden Qualitätsstufen in den Handel gebracht:
- Spitzen- (Premiumqualität): max. 5 % Bruchreis
- Standardqualität : max. 15 % Bruchreis
- Haushaltsqualität: max. 25 % Bruchreis
- Haushaltsqualität mit erhöhtem Bruchanteil: max. 40 % Bruchreis
Bruchreis sind die beim Absieben anfallenden Bruchstücke, daher ist er am billigsten. Meistens wird er zu Reismehl und Reisgrieß weiterverarbeitet.
Je mehr Bruchreis mitgekocht wird, desto mehr Stärke wird freigesetzt, was zu einem klebrigen Kochergebnis führt. Wenn körniger Reis gewünscht wird, sollte möglichst wenig Bruchreis enthalten sein.
Wirtschaftliche Bedeutung
Reis ist für mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung das wichtigste Hauptnahrungsmittel. In einzelnen Ländern Asiens stellt Reis etwa 80 %. der gesamten Nahrung. Reis wird heute in fast allen tropischen und subtropischen Regionen der Erde angebaut.
Reis wird hauptsächlich für die menschliche Ernährung verwendet (92 %), nur etwa 4% als Tierfutter, 3 % werden in der Industrie und 2 % als Saatgut wieder verwendet.
Die wichtigsten Reisproduzenten waren im Jahr 2004 die Volksrepublik China (187 Mio. t), Indien (124 Mio. t), Indonesien (53 Mio. t), Bangladesh (38 Mio. t) und Vietnam (35,5 Mio. t). Insgesamt wurden weltweit 608,5 Mio. t Reis geerntet (Statistik der FAO, Febr. 2005).
90 % des Ertrages werden praktisch ohne jede Mechanisierung von Aussaat und Ernte angebaut, 10 % hochmechanisiert, indem beispielsweise Aussaat, Düngung und Unkrautbekämpfung per Flugzeug erfolgen (USA).
Wichtigster Reis-Exporteur ist Thailand (mehr als 7 Mio. t). Reisverkauf ist dort Staatsmonopol. Die Regierung kauft Reis zu Festpreisen auf und lizenziert den Export. Die Exportabgaben finanzieren staatlich geförderten Bewässerungsprojekte und die Freilandversuche zur Verbesserung der Anbaumethoden, der Düngung und der Krankheitsverhütung.
Die kleinen Reisbauern bilden das Rückgrat der Produktion und sind meist auch Eigentümer des bebauten Landes. Die Feldarbeit wird innerhalb des Dorfes gemeinschaftlich durchgeführt.
EU
Nach einem Beschluss des Europarates vom Juli 2004 betragen die Einfuhrzölle für Cargoreis 65 €/t und für geschliffenen Reis 175 €/t. Diese Zölle, die bisher das Zwei- bis Dreifache betrugen, sollen nach Meinung der EU ausreichen, um die europäischen Reisbauern vor billigen asiatischen Importen zu schützen, gleichzeitig aber auch die WTO-Regeln einzuhalten.
Züchtung und Forschung
Einem von Wissenschaftlern aus zehn Ländern unter der Führung von Japan betriebenen Forschungsprojektes ("International Rice Genom Sequencing Project") gelang es, den Gencode des Reis zu entziffern. Danach besteht das Genom aus ca. 400 Millionen DNA-Bausteinen mit mehr als 37.500 Genen (mehr Gene, als der Mensch besitzt).
Damit könnte die Zucht von Reis ertragreicher gestaltet und die Pflanzen resistent gegen Schädlinge, Dürreperioden oder einen hohen Salzgehalt im Boden gemacht werden.
Um die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu gewährleisten, müsste die weltweite Reisproduktion in den nächsten 20 Jahren um 30 Prozent erhöht werden.
Reisgerichte
DNA
DNA, Japan]]
Jasminreis (Duftreis) wird gedämpft und ohne weitere Gewürze zu asiatischen Speisen gereicht oder zu Gerichten wie Nasi Goreng weiterverarbeitet. Da das Kochen von Reis ein gutes Timing erfordert, kann man sich dafür auch eines elektrischen Reiskochers bedienen.
Klebreis wird ein paar Stunden gewässert, danach gedämpft und zu kleinen Bällchen geformt und mit Gemüse, Salat und Fleisch mit den Fingern gegessen. Klebreis muß gedämpft werden, da er beim normalen Kochen vollkommen zu Schleim zerfällt.
Für Sushi wird der Reis mit Essig gesäuert und schnell gekühlt. Er wird mit rohem Fisch und Meeresfrüchten und geriebenem grünem Meerrettich (Wasabi) serviert.
In ost- und südostasiatischen Ländern ist die Reissuppe, für die der Reis mit viel Wasser und gemeinsam mit verschiedenen Zutaten gekocht wird, oft Teil des Frühstücks. Die thailändische Variante wird Kao Tom genannt und zum Frühstück oder als kleiner Imbiss vor dem Schlafengehen gegessen. Sie ist milder als es bei Speisen in der thailändischen Küche oft üblich ist und wird meist mit frischen Frühlingszwiebeln, manchmal auch geröstetem Knoblauch, garniert. Kao Tom Gai bezeichnet eine Reissuppe mit Hühnerfleisch, Kao Tom Gung jene mit Garnelen.
Risotto ist ein norditalienisches Reisgericht, das in vielen Variationen zubereitet wird. Rundkornreis wird mit Zwiebeln und Fett angedünstet und in Brühe gegart, bis das Gericht sämig, die Reiskörner aber noch bissfest sind. Langkornreis ist für Risotto kaum geeignet, wird jedoch für Riz Casimir gebraucht.
Paella ist ein spanisches Reisgericht, das in Deutschland (eher zu Unrecht) als spanisches Nationalgerichtes gilt. Es enthält Reis, Safran, verschiedene Gemüse und Wurst- oder Fleischstücke; Meeresfrüchte sind heute ebenfalls beliebt, gehören aber nicht in eine traditionelle Paella.
Getränke
Reiswein ist besonders in Japan als Sake beliebt. Daneben wird aus Reis auch Bier gebraut. In Japan wird Sake zu hochprozentigen Getränken wie Shochu verarbeitet. Arrak ist ein in Südindien, Sri Lanka und Südostasien, besonders in Java, hergestellter Branntwein aus vergorener Reismaische.
Auch Essig wird aus Reis hergestellt. Dabei ergibt polierter Reis einen hellen, nicht polierter Reis einen dunklen Essig. Reisessig enthält gewöhnlich weniger Säure als europäische Essigsorten.
Ähnlich der bekannteren Sojamilch wird aus Reis auch Reismilch hergestellt.
Sonstige Verwendung
In Japan, und noch häufiger in Korea, wird das Reismehl, das beim Polieren entsteht (nuka: 糠; eigentlich die besonders nährstoffreichen Randschichten) mit Salz und Chili versetzt und zum Einlegen von Gemüse benutzt. Durch die dabei entstehende Milchsäuregärung bekommt das Gemüse einen unverwechselbaren Geschmack.
Reismehl kann zu auch Reispapier verarbeitet werden, und wird als essbares Verpackungsmaterial von Lebensmitteln, insbesondere Süßigkeiten verwendet.
Reisstroh wird zur Fertigung von Schuhwerk, Packsätteln und Besen genutzt. Auch kann man es als einfaches Papier verwenden (beispielsweise für Zigaretten und exotische Lampen) sowie als Viehfutter einsetzen.
Reis und Kultur
Reis spielt eine zentrale Rolle in asiatischen Ländern und hat Eingang in die Religion und Sprache der jeweiligen Länder gefunden. In Thailand war es Sitte, beim Beginn des Essens vor dem Reis einen "Wai" (Gruß, Ehrenbezeugung) zu machen.
Die Sitte, das Brautpaar mit Reis zu bewerfen, stammt aus Indien und soll Fruchtbarkeit bewirken. In Europa wurde früher mit Weizen geworfen.
Bezeichnungen von Reis
In vielen asiatischen Sprachen gibt es nicht nur ein Wort für Reis, sondern verschiedene Bezeichnungen, je nach seiner Verarbeitungsstufe.
In Indonesien zum Beispiel heißt der gekochte Reis "nasi", der ungekochte, aber geschälte Reis "beras".
exotische
In Japan heißen die Reispflanzen ine (稲), sie wachsen auf einem Reisfeld (tanbo 田んぼ). Der noch nicht geschälte Reis heißt momi (籾), der geschälte Reis kome (米). Gekochter Reis ist gohan (ご飯 - oder etwas weniger vornehm meshi: 飯), was auch das allgemeine Wort für Mahlzeiten ist. Reissuppe, welche mit viel Wasser gekocht ist, heißt kayu (粥).
Literatur
- P. Anping, Notes on new advancements and revelations in the agricultural archaeology of early rice domestication in the Dongting Lake region. Antiquity 72, 1998, 878-885.
- Gary W. Crawford/Chen Shen, The origins of rice agriculture: recent progress in East Asia. Antiquity 72/4, 1998, 858-866.
- Dorian Fuller, An agricultural perspective on Dravidian historical linguistics: archaeological crop packages, livestock and Dravidian crop vocabulary. In: Peter Bellwood/Colin Renfrew, Examining the farming/language dispersal hypothesis (Cambridge 2002) 191-213.
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Siehe auch
- Wasserpflanzen, Sumpfpflanzen
Weblinks
- [http://apps.fao.org/faostat/collections?version=ext&hasbulk=0&subset=agriculture Statistik der FAO (engl.)]
- [http://www.oryza.de/reiskunde.html Reiskunde]
- [http://www.lebensmittellexikon.de/r0000150.php Lebensmittellexikon]
- [http://www.japan-guide.com/d/d2043.html Japanische Reiszubereitungen]
- [http://www.riceworld.org/ Webpräsenz des philippinischen Reismuseums]
- [http://rgp.dna.affrc.go.jp/IRGSP International Rice Genom Sequencing Project]
Reis
Reis
Reis
ja:米
ms:Padi
Samurai
Samurai (jap.
侍 oder seltener 士) ist die übliche Bezeichnung für ein Mitglied des Schwertadels im vorindustriellen Japan. Eine weitere Bezeichnung, die während der Edo-Periode gebräuchlich war, ist bushi (wörtlich: „Krieger“). Heute wird Samurai ausschließlich für den Kriegeradel verwendet und nicht beispielsweise für ashigaru (wörtlich: „leichte Füße“; gemeint sind leichtgerüstete Fußsoldaten). Ein herrenloser Samurai, der keinem Daimyō (Lehnsherren) diente, wurde Rōnin („Wellenmann“) genannt.
Etymologie
Der Ursprung des Wortes Samurai liegt im Japan der Vor-Heian-Periode. Es wurde saburai ausgesprochen und bedeutet „Diener“ oder „Begleiter“. Erst in der frühen Moderne, namentlich in der Azuchi-Momoyama-Periode und der frühen Edo-Periode des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, bürgerte sich das Wort samurai an Stelle von saburai ein. Die Bedeutung hatte sich allerdings bereits lange Zeit vorher gewandelt. Der Begriff Samurai wird aber auch vom japanischen Verb samuro abgeleitet, was ins Deutsche übersetzt dienen bedeutet. Samurai bedeutet also Dienender.
Die Waffen der Samurai
17. Jahrhundert, 19. Jahrhundert]]
17. Jahrhundert
Hauptwaffe der Samurai war ein Schwertpaar (Daishō), von denen es eines für den Frieden und eines für den Krieg gab. Das Schwertpaar für den Frieden bestand aus dem langen Katana und dem kurzen Wakizashi bzw Kotetsu, das Schwertpaar für den Krieg bestand aus dem langen Tachi und dem kurzen Tantō. Im Gegensatz zu den meist geraden Schwertern der europäischen Ritter war das japanische Schwert leicht gebogen und mehr wie ein Säbel für den Schnitt als für den Hieb ausgelegt. Es war rasierklingenscharf, Vorder- und Rückseite unterschiedlich gehärtet.
Dies erforderte eine besondere Handhabung im Kampf. Mit dem weicheren Rücken und den Seiten konnten Schläge pariert werden. Ein Treffer mit der Schneide verursachte tiefe, entscheidende Wunden. Wie auch beim europäischen Adel des Mittelalters wurde der Verzierung des Schwertes und der Schwertscheide große Bedeutung zugemessen.
Eine andere Waffe der Samurai war der Yumi (Bogen), insbesondere der Dai-kyū (Langbogen), welcher wegen seiner enormen Größe, seiner gewaltigen Reichweite und seiner großen Durchschlagskraft gefürchtet war. Ein geübter Schütze konnte aus etwa 150 Metern Entfernung ein bewegliches Objekt von der Größe eines Hundes sicher treffen, aber auch Reichweiten von etwa 300 Metern waren möglich. Seine asymmetrische Form machte es zudem möglich, ihn auch vom Pferderücken aus abzufeuern, was ihn als Reiterwaffe gefürchtet machte.
Auch zwei Lanzen gehörten zur Ausrüstung eines Samurai: Die Klinge der Schwertlanze Naginata war lang und leicht gebogen, der Yari hatte eine relativ lange dolchartige Spitze und war beidseitig geschliffen.
Die japanischen Waffen leiten sich von Vorbildern vom Festland ab, entwickelten sich aber relativ unabhängig: Die ersten, geraden Schwerter wurden allmählich einschneidig und gebogen, die Bögen asymmetrisch und sehr lang.
Bis in die Ashikaga-Zeit im 14. Jhdt. war der Bogen die Hauptwaffe. Selbst zu Beginn der Einführung von Handfeuerwaffen durch die Portugiesen Mitte des 16. Jhdts. war der Langbogen diesen in Anwendung, Zielsicherheit und sogar Reichweite überlegen.
Schwerter kamen erst zum Einsatz, nachdem alle Pfeile verschossen waren. Der Kampf lief als Duell ab, indem der Krieger seinen Namen laut rufend aus der Formation hervortrat, um sich einem ebenbürtigen Gegner zu stellen. Schlachten in geschlossenen Formationen mit massiver Verwendung der Lanze (yari-ashigaru) traten erst im Sengoku Jidai, dem Zeitalter der streitenden Reiche Ende des 15. bis Ende des 16. Jhdts., auf. Die Muskete drängte wie in Europa allmählich die Blankwaffen durch ihre Kostengünstigkeit und einfache Handhabung zurück.
Geschichte
Ursprung der Samurai
Die Armeen des Kaisers bestanden ursprünglich aus Wehrpflichtigen, die im Kriegs- oder Rebellionsfall den entsprechenden Provinzen Japans zugeordnet wurden. Sie waren nach dem Vorbild chinesischer Armeen aufgebaut und bestanden aus einem Drittel der kampffähigen erwachsenen männlichen Bevölkerung. Jeder Soldat musste für seine Waffen und Versorgung selbst aufkommen.
Mit den Taika-Reformen von 645 und dem Taihō-Kodex von 702, aufgrund deren eine Landreform durchgeführt und ein einheitliches Steuersystem eingeführt wurde, begann die Entwicklung mächtiger Clans und damit des Schwertadels. Zu den Steuern gehörten auch Fron- und Militärdienst. Kleinbauern, die sich ihrer Steuern und besonders des Wehrdienstes entledigen wollten, verschenkten ihr Land an Institutionen wie Klöster oder an Adlige und pachteten es von ihren neuen Herren wieder zurück. Eine symbiotische Gemeinschaft von Großbauern und Gefolgschaft, Herr und Diener (Shujū) entstand. Diese Methode wurde Kishin (Schenkung) genannt. Durch die Kishin-Methode (die seit der Nara-Zeit unter Strafe stand, was jedoch keinen Erfolg zeigte) brach das ohnehin schwer zu verwaltende und ineffektive System der Wehrpflicht jedoch zusammen.
Während der frühen Heian-Periode, also im späten 8. und frühen 9. Jahrhundert, strebte Kaiser Kammu (737-806) nach einer Konsolidierung und Expansion seines Reiches in der nördlichen Honshū-Region. Er sandte seine Armeen aus, um die im Norden noch nach den alten Traditionen der Yayoi-Zeit lebenden Emishi zu unterwerfen, und führte den Titel des Shōgun ein, wobei er sich bei der Unterwerfung der Emishi auf die starken regionalen Clans verließ.
Im Krieg gegen die Emishi ab 780 erwiesen sich die Wehrpflichtigen aber als schlechte Kämpfer – die stärksten militärischen Einheiten waren die berittenen Eliteoffiziere. Daraufhin wurde 792 die Wehrpflicht abgeschafft und die Armee auf ein Freiwilligenheer umgestellt. Dieses war jedoch nicht mehr in der Lage, die Sicherheit im ganzen Land aufrecht zu erhalten. Besonders in den entlegenen Provinzen verschlechterte sich die Situation, so dass die lokalen Großbauern dort letztlich selbst für ihre Verteidigung sorgen mussten. Sie waren dabei so erfolgreich, dass sich einige Familien im Laufe der Zeit darauf spezialisierten, militärische Aufträge vom Kaiserhaus durchzuführen – der Schwertadel (Buke) war geboren. Dabei spielten Prinzen, die ihr Glück in der Provinz suchten, eine besondere Rolle: Die Taira, Minamoto etc. haben alle kaiserliche Vorfahren.
Während der Heian-Zeit (794-1192) bezog sich saburai vor allem auf die Wachen des kaiserlichen Palastes und die Schwertträger. Diese Vorläufer der klassischen Samurai wurden vom Herrscher ausgestattet. Ihnen war vorgeschrieben, fortwährend ihre Beherrschung der Kampfkunst zu verbessern.
Da zu Beginn der größte Vorteil dieser militärischen Einheiten in ihrer Erfahrenheit im Gebirgskampf und vor allem im Bogenschießen lag, blieb für den größten Teil der folgenden Feudalperiode, der Ära der Samurai-Herrschaft, der Ausdruck Yumitori (Bogenschütze) der Ehrentitel eines ausgezeichneten Kriegers, selbst als der Schwertkampf die größere Wichtigkeit erlangt hatte.
Privilegien
Die Samurai genossen viele Privilegien. So wurden diesen Kriegern spezielle Rechte zugesprochen.
-Sie durften zwei Schwerter tragen - ein langes und ein kurzes. Gewöhnliche Bürger durften überhaupt keine Waffen tragen.
-Es gab sogar Zeiten, als ein Samurai das Recht hatte, einen gewöhnlichen Bürger zu enthaupten, wenn ihn dieser beleidigte.
Aufstieg der Samurai
Bogenschütze
Ursprünglich waren die Samurai also nur Soldaten im Dienste des Kaisers und der Adelsstämme. Im Laufe der Zeit sammelten sie jedoch genügend Einfluss, um die Macht des Kaisers an sich zu reißen und die erste Samurai-dominierte Regierung zu bilden.
Während die regionalen Daimyō sich zusammenschlossen und Arbeitskraft sowie Ressourcen sammelten, formten sie eine auf den tōryō (Anführer) ausgerichtete Hierarchie. Dieser tōryō war entweder ein entfernter Verwandter des Kaisers oder ein rangniedrigeres Mitglied einer der drei Adelsfamilien, der Fujiwara, der Minamoto oder der Taira. Obwohl die tōryō ursprünglich nur auf vier Jahre befristet als Magistraten in die Provinzen entsandt worden waren, entschlossen sie sich zu bleiben, wohl wissend dass sie nach ihrer Rückkehr nur Nebenrollen in der Regierung spielen würden. Ihre Söhne erbten ihre Positionen und führten von der Mitte bis zum Ende der Heian-Periode die regionalen Daimyō weiter beim Niederschlagen der Rebellionen in ganz Japan an.
Wegen ihrer militärischen und ökonomischen Stärke entwickelten sich die Daimyō zu einem neuen Machtfaktor in der Politik am Kaiserhof. Ihre Beteiligung an der Hōgen-Rebellion gegen Ende der Heian-Periode trug noch zur Konsolidierung ihrer Macht bei. Während der Heiji-Rebellion 1160 kam es zum Kampf der rivalisierenden Minamoto und Taira. Der siegreich aus der Rebellion hervorgehende Taira no Kiyomori (1118-1181) wurde als erster Krieger, der eine solche Position erreichte, kaiserlicher Berater und übernahm schließlich die Kontrolle über den Staat. Auf diese Weise bildete er die erste Samurai-dominierte Regierung und reduzierte den Kaiser auf eine bloße Symbolfigur.
Japan der Feudalzeit
Ein erneuter Zusammenstoß zwischen den Taira und den Minamoto 1180 führte zum Gempei-Krieg, der bis 1185 dauerte. Der siegreiche Minamoto no Yoritomo (1147-1199) ging 1190 nach Kyōto und wurde zum Seii-Tai-Shōgun ernannt (wie der Titel Shōgun in voller Länge heißt). Er begründete das Kamakura-Shōgunat (1192-1333).
Im Laufe der Zeit wurden mächtige Samurai-Daimyō zu Kriegsadeligen (buke), die nur nominal der Aristokratie des Hofes (Kuge) unterstanden. Während die Samurai höfische Sitten wie Kalligraphie, Dichtkunst und Musik übernahmen, wurden im Gegenzug von den kuge auch Samurai-Fähigkeiten übernommen. Trotz verschiedener Intrigen und kurzer Perioden unter der Herrschaft diverser Kaiser lag die wahre Macht in den Händen der Shōgune und Krieger.
Während der Sengoku Jidai („Periode der Krieg führenden Provinzen“, 1467-1568) war das japanische Kastensystem noch so flexibel, dass sich auch Männer aus niederen sozialen Klassen als Krieger einen Namen machen und Samurai oder Samurai zu Daimyō werden konnten (auch wenn ein formaler Bushidō-Status bei 150 gleichzeitig um Einfluss kämpfenden Kriegsherren kaum einen Wert besaß). Dies änderte sich, als Toyotomi Hideyoshi (1536-1598), selbst Sohn eines Fußsoldaten, nach einem furiosen Aufstieg Erster Minister (Kampaku) wurde. Er erließ 1586 ein Gesetz, das die Zugehörigkeit zum Samurai-Stand als permanent und erblich festschrieb und Nicht-Samurai verbot, Waffen zu tragen.
Stand
Während des Tokugawa-Shogunats beziehungsweise der Edo-Periode (1603-1867) wurden Samurai vermehrt Höflinge, Bürokraten und Administratoren anstelle von Kämpfern und Daishō. In dieser Zeit wurde vermutlich das erste Mal ein Europäer, nämlich William Adams zum Samurai ernannt.
Das Schwertpaar der Samurai (Katana und Wakizashi) wurde mehr ein symbolisches Emblem der Macht denn eine Waffe des täglichen Gebrauchs. Samurai besaßen weiterhin das Recht, jeden Bürger niederzuschlagen, der ihnen nicht den gebührenden Respekt erwies; in welchem Maße von diesem Recht Gebrauch gemacht wurde, ist aber nicht bekannt. Als die Regierung schließlich die Daimyō zwang, die Größe ihrer Armeen zu reduzieren, wurden arbeitslose Rōnin zu einem großen gesellschaftlichen Problem.
Schüler schrieben den Bushidō in seiner schlussendlichen Form während der Tokugawa-Periode fest. Aus dieser Periode stammt auch das berühmteste Buch des kenjutsu, Musashi Miyamotos Das Buch der Fünf Ringe (1643).
Die Ereignisse der 47 herrenlosen Samurai (Rōnin), die ihren alten Herrn rächen wollten, führten in der damaligen Gesellschaft zu einem Konflikt zwischen der Kriegerehre und dem durch das Tokugawa-Shogunat erzeugten Rechtssystem. Am Ende wurde den 47 Rōnin befohlen, Seppuku zu begehen (verfilmt in Shijushichinin no shikaku).
Meiji-Restauration
Die letzte Sternstunde der ursprünglichen Samurai kam 1867, als kaisertreue Samurai aus den Provinzen Chōshū und Satsuma die Streitkräfte des Shogunates bezwangen. Kaiser Meiji (eigentlich Mutsuhito, 1852-1912) hob den Samurai-Status jedoch zugunsten einer moderneren, westlich orientierten Armee auf und behielt lediglich das Katana für Offiziere bei. 1871 wurde den Samurai das Tragen ihrer traditionellen Tracht mit den zwei Schwertern in der Öffentlichkeit untersagt, ihnen die Privilegien entzogen. Die Samurai führten mehrere Kriege gegen den Kaiser an, die Samurai hielten aber den Krieg nicht als Krieg gegen den Kaiser, sondern als Krieg für den Kaiser. Die letzte Erhebung von mit der neuen Ordnung unzufriedenen Samurai wurde 1876/77 (Satsuma-Rebellion) von der neuen japanischen Wehrpflichtigen-Armee blutig unterdrückt. Der Film The Last Samurai greift dieses Motiv auf, nimmt sich aber große erzählerische Freiheiten.
Noch im Zweiten Weltkrieg beeinflußten einige Gedanken des Bushidō das Handeln der japanischen Soldaten. Viele Blutlinien der Samurai, wie das Haus Honda, haben in der japanischen Wirtschaft und Politik auch heute noch großen Einfluss.
Literatur
- Tsunetomo Yamamoto: Hagakure. Der Weg des Samurai. Kabel-Verlag 2003, ISBN 3-822-50644-3 Hagakure sind Aufzeichnungen der Aussagen eines ehemaligen Samurais, gemacht von einem jungen Samurai.
- Yukio Mishima: Zu einer Ethik der Tat. Einführung in das Hagakure, die Samurailehre des 18. Jahrhunderts . Hanser-Verlag, München 1996, ISBN 3-446-14516-8
- Wolfgang Schwentker: Die Samurai. Verlag C.H. Beck, 2003, ISBN 3-406-47988-X
- Inazo Nitobe: Bushido - Die Seele Japans. Angkor Verlag, Frankfurt 2003, ISBN 3-936-01816-2
Weblinks
- http://www.samurai-archives.com (englisch)
- http://www.tenshukaku.de (deutsch)
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Schlacht um Okinawa
und Lieutenant General Simon B. Buckner]]
Simon B. Buckner
Die Schlacht um Okinawa vom 1. April 1945 bis zum 30. Juni 1945 im Zweiten Weltkrieg war der letzte japanische Versuch, den US-amerikanischen Vormarsch in Richtung Mutterland zu stoppen und mit koordinierten Selbstmordattacken der US-Pazifikflotte einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Den Auftakt zu dieser Schlacht bildeten die Luftangriffe auf Kyūshū am 18. März.
Vorgeschichte
Okinawa, die größte Insel in der Riukiu-Gruppe, 250 Seemeilen von Japan entfernt, etwa 100 km lang und 10 bis 25 km breit, bildete für die Amerikaner das letzte Hindernis auf dem Wege nach Japan.
Ihre Strategie sah die Invasion des Mutterlandes für November 1945 vor.
Nach dem Verlust von Iwo Jima war Okinawa für die Japaner die letzte Bastion im Pazifik. Generalleutnant Mitsuru Ushijma und die unter seinem Kommando stehenden 120.000 Elitesoldaten erhielten den Befehl, die Insel bis zur letzten Patrone zu verteidigen.
Mitsuru Ushijma
130.000 japanische Soldaten standen im Frühjahr 1945 auf Okinawa, als nach dem vorangegangenen Inselspringen der Amerikaner im Pazifik auch über sie das Verhängnis hereinbrach. Zusammen mit rund 450.000 Zivilisten erlebten sie vom 23. März an verheerende Luftangriffe und schweren Artilleriebeschuss von See her, und am 1. April begann die Invasion der US-Streitkräfte.
Trotz Ihrer Tapferkeit gelang es Ihnen nicht der gegnerischen Übermacht standzuhalten.
Bis zum 21. Juni tobte der Kampf. Als der Widerstand zusammenbrach, waren mehr als zwei Drittel der Verteidiger gefallen, und auch die amerikanischen Verluste waren enorm.
Die Invasion
Am 1. April 1945 begann die 10. US-Armee unter Lieutenant General Buckner mit dem III. Amphibischen Korps (Geiger) und dem XXIV. Armeekorps (Hodge), insgesamt 183.000 Mann, den Sturm auf die Insel.
Nach einer leichten Landung und einem schnellen Vorstoß teilte Buckner seine Kräfte in zwei Keile, die nach Norden und Süden einschwenkten. Schon wenige Tage nach dem Invasionsbeginn waren große Teile der Insel besetzt. Die Japaner stellten sich erst in den Abwehrschwerpunkten zum Kampf: im Norden auf der Halbinsel Motobu, im Süden im Bereich der Hauptstadt Naha und in der mittelalterlichen Festung Shuri. Shuri wurde dabei zum blutigsten Abschnitt für die Amerikaner im Kampf um die Insel. Das Gelände (Dschungel und Gebirge), starke Regenfälle und die oftmals mit Todesverachtung kämpfenden Japanischen Truppen führten bei den Amerikanern während der Operation zu schweren Verlusten. Erst im Juni galt der Erfolg der Invasion als gesichert, doch der Guerillakrieg in den Bergen zog sich noch bis Juli hin.
In der Nacht vom 31. März zum 1. April bereite die US Navy die Invasion mit einem stundenlang andauernden Bombardement ihrer schweren und schwersten Schiffsgeschütze vor. Unterstützt von ständigen Wellen von Trägerflugzeugen, die ihre Bomben abwarfen. In der Morgendämmerung landeten die Amerikaner (die ersten Wellen bestanden hauptsächlich aus Marines) im südlichen Viertel der Insel nahe der Ortschaft Ishikawa, nicht weit entfernt von dem wichtigen Flugplatz Yontan.
Überraschend für die Landungstruppen kam, dass sie nicht wie bisher bei jeder Insellandung mit starkem Abwehrfeuer begrüßt wurden, auch bei ersten Erkundungstrupps ins Landesinnere waren keine japanischen Truppen zu sehen, abgesehen von vereinzelten Gruppen und ein paar der gefürchteten Baumschützen (Scharfschützen, die getarnt in Baumkronen postiert waren und dort tagelang ausharrten).
Schon am ersten Tag fiel der Flugplatz Yontan, der nur von Eingeborenen verteidigt wurde, die sich rasch ergaben. Die 1., 4. und 6. US-Marinedivisionen begaben sich nordwärts, wobei die 4. und 6. auf das Abwehrzentrum Motobu angesetzt wurden, während die 1. Marineivision den Nordteil der Insel besetzen sollte. Die Sicherung des Mittelteils übernahmen fortan Teile der 22. US-Infanteriedivision, wobei gleichzeitig mit dem Abrücken der Marinedivisionen die 77. US-Infanteriedivision ihre Landung auf Ie Shima, der kleinen nordwestlich vor der Küste Motobus liegenden Insel in Angriff nahm.
Am 6. April wurden die Japaner über der See aktiv. Mit 355 Maschinen griffen Kamikazeflieger den Vorpostenring der alliierten Flotte an, versenkten 3 Zerstörer, beschädigten 12 schwer und vernichteten 2 Munitionsschiffe und 10 kleinere Fahrzeuge, doch die beabsichtigte Vernichtung der Träger gelang wegen zu starker Abwehr nicht. Ein japanischer Flottenverband im Anmarsch auf Okinawa wurde von einem U-Boot gesichtet, und tags darauf versenkten amerikanische Trägermaschinen das Schlachtschiff HIJMS Yamato, den leichten Kreuzer HIJMS Yahagi sowie 4 Zerstörer. Der Verband drehte daraufhin wieder ab.
Am 8. April traten die 6. und 29. US-Division im Zentrum der Halbinsel Motobu zum Angriff gegen die befestigten Gebirgsstellungen der Japaner an, während die 4. Division an der Basis abriegelte und die 22. Division zusammen mit der 1. weiter nordwärts stieß, um das letzte Drittel der Insel zu besetzen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Invasionstruppen bereits Ziele erreicht, für die im Plan drei Wochen vorgesehen waren. Während im nördlichen Bereich der Vormarsch trotz Regen und Schlamm relativ gut vorankam, stagnierte er im Süden, und die Kämpfe im Vorfeld von Naha und Shuri entwickelten sich zusehends zum gnadenlosen Grabenkrieg.
Um den 10. April wurde für die Japaner das Stichwort "Sho Go" (Siegesoperation) ausgegeben, das General Yoshijiro Umezu aus dem kaiserlichen Hauptquartier auslöste und damit den Defensivplan für Okinawa in Gang setzte; Verteidigung aus der Tiefe, Halten befestigter Punkte (im Norden Motobu, im Süden Naha und Shuri), Vernichtung der alliierten Flotte durch Kamikazeflieger.
Am 12. und 13. April griffen 185 Flugzeuge die Flotte an, trafen jedoch nur kleine Einheiten. Weitere Angriffe von Opferfliegern am 15./16. und von kleinen Gruppen bis 22. Juni brachten nur geringe Erfolge. Nur Mitchers Flaggschiff, der Flugzeugträger USS Bunker Hill und der Träger USS Enterprise wurden beschädigt und ein paar kleine Einheiten versenkt. In 3 Monaten Kampf um Okinawa wurden insgesamt 1.900 Kamikaze geopfert, jedoch nur 26 Schiffe (das größte ein Zerstörer) versenkt.
USS Enterprise
USS Enterprise
Als Mitte April Teile der 29. US-Infanteriedivision den Ort Bise im Südwesten Motobus genommen hatten, gingen das 1. und 2. Bataillon der 4. US-Division auf Suga am Westufer vor und Teile der 22. US-Division stießen südwärts auf Arwa. Den Endstoß gegen die eingebettet in 1.500 m Höhe liegende Zentrale der Gebirgsfestung führte die 6. US-Marinedivision. Zu diesem Zeitpunkt waren die amerikanischen Streitkräfte über die Besatzung der Festung informiert: ca. 1.200 Elitesoldaten unter Oberst Udo, gegliedert in die 44. gemischte Brigade, 2 Infanteriebataillone und Arbeitsgruppen. Diese Informationen stammten von Gefangenen unter 300 Japanern, die sich ergeben hatten, ein bis dahin noch nicht vorgekommenes Ereignis, denn bisher hatte jeder Soldat bis zum Tod gekämpft und sich keiner ergeben. Selbst als Mitte April Motobu schrittweise erobert wurde, erlitten die Amerikaner große Verluste, als sich Teile der Fortifikationen selbst mitsamt der Besatzung in die Luft sprengten. Nach der Eroberung der Motobu-Festung begannen Tage und Nächte des Kleinkriegs in den Bergen. Die Geländesäuberung zog sich bis Ende April hin und kostete noch etliche US-Marines und Japaner das Leben.
Am 30. April, genau vier Wochen nach Invasionsbeginn, wurden die 1. und 6. US-Marinedivisionen im Nordabschnitt der Insel durch Infanteriekräfte abgelöst. Die Truppenverbände wurden aufgefrischt, verstärkt, umgruppiert und zum XXIV. Armeekorps nach Süden detachiert, das noch immer an den Gebirgsriegeln vor Naha und Shuri in verlustreiche Stellungskämpfe verwickelt war. Im Südabschnitt hielt die Phase 1 des Angriffsplans ohne sichtbare Erfolge noch immer an: kein Vorankommen, tiefes Verteidigungssystem, fanatischer Widerstand, starke japanische Artilleriekonzentration, Verluste für die Amerikaner.
fanatischer
fanatischer
Bis 11. April konnten die Amerikaner nur geringe Geländegewinne erzielen. Ein zerklüfteter, befestigter und von den Japanern zäh verteidigter Gebirgszug, der auch keinen Panzereinsatz erlaubte, sperrte die Südspitze von Okinawa im Westen von Naha bis Shuri im Osten. Die Angriffskräfte der 7. US-Infanteriedivision (links), der 96. (Mitte) und der 27. (rechts) lagen bis Ende des Monats in der Front und bluteten aus, weshalb der Kommandierende General Buckner umgruppierte, um endlich den entscheidenden Durchbruch zu erreichen.
Der amerikanische Angriffsplan sah folgendes vor: "Am 7.Mai schwenkt das XXIV. Korps ein, der von ihm bisher gedeckte gesamte Westsektor wird vom III. Amphibischen Korps übernommen, wobei die 6. Marinedivision den Abschnitt der 1. übernimmt. Die 1. Division verstärkt die 27.; die 77. wird von le Shima abgezogen und und der 96. zugeteilt. Angriffszeit: 10. Mai, 9:00 Uhr. Ab 7:00 Uhr erfolgt der Feuerschlag der Trägermaschinen, der Heeres- und Schiffsartillerie."
Eine der Schlüsselpositionen der Festung Shuri war das hart umkämpfte Dorf Wana Ridge. Seit dem 4. Mai unterstützte japanische Artillerie die Verteidiger, es gab Angriffe der japanischen Luftwaffe auf amerikanisch besetzte Flugplätze, dazu kamen Anlandungen von See her, die die japanischen Truppen von Shuri verstärkten.
Das Gelände erlaubte keinen Panzereinsatz und auch die Flugzeuge konnten keinen großen Schaden anrichten, womit die Hauptlast wieder bei der Infanterie lag. Geschichten berichten, dass altgediente amerikanische Soldaten diese Kämpfe mit der Blutmühle von Verdun verglichen.
Die Amerikaner hatten Wana Ridge zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens achtmal erobert, mussten es aber jedesmal wieder räumen. Erst der Angriff ab 7.Mai sollte das Dorf endgültig in Besitz der US-Truppen bringen, womit der Weg frei war zu einem Angriff von allen Seiten gegen den Hauptteil von Shuri.
Der Fall von Shuri
Blutmühle von Verdun
Bevor es zum Sturm auf das Innere von Shuri kam, mussten die Amerikaner zuerst einen Weg durch die starken Außenmauern finden. Zu diesem Zweck feuerte das Schlachtschiff USS Missouri mit seinen 40,6 cm Geschützen tagelang auf die Festung, ohne jedoch sichtbare Erfolge zu erzielen. Daraufhin wurde die USS Mississippi, die mit spezieller panzerbrechender Munition ausgerüstet war, auf die Festung angesetzt. Die Marines wetteten damals, bei welchem Schuss die Festungsmauer zerbersten würde, und im Allgemeinen rechnete niemand mit mehr als 100 Schüssen. Doch die Mauer hielt sehr viel mehr aus als die Amerikaner gedacht hatten, erst nach ca. 10 Stunden und rund 1.500 Granatvolltreffern zerbrach die Festung, doch noch immer standen einzelne Teile und die meisten Kasematten, wohin die Verteidiger sich zurückgezogen hatten.
Entlang des großen Festungsareals mit seinen Erdaufschüttungen, Vorwerken, Wehrtürmen und Wassergräben entbrannte ein heftiger Kampf mit Vorteilen für die Verteidiger. Bereits zu Anfang mussten die Stoßtrupps der Amerikaner empfindliche Verluste hinnehmen und manche Trupps blieben im Abwehrfeuer liegen.
Die Hoffnung der Amerikaner, in der Festung nur noch Trümmer und Tote, äußerstenfalls einen demoralisierten und kampfmüden Gegner anzutreffen, zerschlug sich schnell. Die Japaner bewiesen erneut ihre hohe Kampfmoral und Zähigkeit, als sie sich aus den Trümmern befreiten und erbitterten Widerstand leisteten.
Es gab aber auch Zersetzungserscheinungen auf japanischer Seite, Überläufer, die den Sinn des Todes für eine längst verlorene Sache nicht zu erkennen vermochten und sich gefangengaben. Das war in den Inselkämpfen bisher noch nicht vorgekommen. Doch die Überläufer starben oft durch Kugeln der Fanatiker aus den eigenen Reihen, wenn ihre Absicht erkennbar wurde, und nur relativ wenigen Japanern gelang es, zum Gegner zu gelangen.
Fanatiker
Selbst nach dem erfolgten endgültigen Einbruch in die Festung blieb der Kampf hart. Denn in Erwartung der Invasion hatten die Japaner zusätzliche Maßnahmen im Festungsbereich durchgeführt: Bunkerbau, Feuerstellungen, Grabensysteme. Die zum Teil zerstörten und verschütteten Anlagen wurden von den überlebenden japanischen Soldaten wieder funktionsfähig und einsatzbereit gemacht. Noch tagelang wütete ein gnadenloser Nahkampf um diese Trümmerbastionen, bei dem buchstäblich um jeden Fußbreit Boden gerungen wurde.
Beim letzten Ansturm der Amerikaner auf die Überreste der Festung, um die verbliebenen japanischen Truppen zu vernichten, kam ihnen der Zufall zu Hilfe: Sie hatten einen Abwehrplan der Festung in die Hände bekommen, auf dem viele der geheimen Gänge und Verstecke eingezeichnt waren. Trotzdem blieb der Kampf äußerst hart, denn die Japaner verschanzten sich in vielen Löchern und unterirdischen Verstecken. Trotz vollem amerikanischen Artillerieeinsatz kämpften sie verbissen, und viele sprengten sich lieber selbst in die Luft als sich zu ergeben.
Eine ganze Woche lang dauerte dieser mörderische Kleinkrieg im Festungsbereich, den die Amerikaner schrittweise vortrugen. Sie begruben auch viele Tote, was zusammen mit den gefallenen Japanern die Härte der Schlacht deutlich machte.
Endphase der Schlacht
Am 1. Juni 1945 fiel Naha, die Hauptstadt, nachdem wochenlange Kämpfe um die Gebirgszüge, Schluchten, Flüsse und Kanäle den japanischen Befestigungsgürtel aufgesprengt hatten. Die amerikanischen Säuberungen des Geländes und die zum Teil noch heftigen Guerillakämpfe zogen sich bis zum Juli hin. Am 25. Juni wurden die Reserven der beiden US-amerikanischen Korps auf die Sicherungslinie Naha-Yonabaru in Marsch gesetzt. Versprengte Japaner wurden durch Radioaufrufe zur Einstellung der Kämpfe angehalten; die Aktion verlief wider Erwarten erfolgreich. Beim III. Korps gaben sich bis zum 30. Juni 4.029 Japaner gefangen, beim XXIV. Korps 7.401; bis Mitte Juni waren es insgesamt nur 322 gewesen. Die Schlacht um Okinawa ging Ende des Monats in Plänkeleien mit Versprengten über, der größte Teil des Inselterritoriums war in der Hand der Amerikaner.
Plänkeleien
Doch die Kämpfe in den zerklüfteten Gebirgen dauerten noch Wochen. Noch als die Abwehrzentren auf Motobu, in Shuri und Naha längst zerstört waren, kämpften versprengte japanische Truppenteile fanatisch weiter. Sie verschanzten sich in unwegsamen Regionen und gaben nicht einmal auf, als sie keine Waffen mehr besaßen. Mit Knüppeln und bloßen Fäusten gingen sie die Amerikaner an und stürzten sich teils lieber massenweise von den Klippen ins Meer und in die Gebirgsschluchten, als dass sie sich gefangen gegeben hätten: Der Opfergang einer Elitetruppe, die nur auf Befehl und Gehorsam gedrillt war. Viele Amerikaner, die den mörderischen Kampf im Schlamm und Regen überstanden hatten, fielen in den schweren Wochen der Säuberungsaktion.
Die Folgen der Schlacht
Plänkeleien
Mit dem Fall von Okinawa verloren die Japaner ihre letzte Bastion im Pazifik. Der Preis für diesen amerikanischen Sieg war hoch. Die Amerikaner beklagten 7.283 Tote und 31.398 Verwundete bei den Landungstruppen sowie 5.000 Tote und 5.000 Verwundete bei der Marine, die Materialeinbußen beliefen sich auf 36 gesunkene Schiffe, 368 beschädigte Schiffe und 763 verlorene Flugzeuge.
Die Japaner verloren 113.000 Soldaten und 7.800 Flugzeuge (inkl. Kamikazes), ein Aderlaß an Mensch und Material, der nicht auszugleichen war.
Die Oberkommandierenden der Schlacht um Okinawa fanden in der Endphase dieses Krieges den Tod: General Buckner fiel durch Artillerietreffer am 18. Juni; General Ushijama starb durch Seppuku.
Okinawa, nur 250 Seemeilen von Japan entfernt, war genommen, und die Invasion des japanischen Mutterlandes, für November 1945 mit der Operation Downfall geplant, rückte in den Bereich des Möglichen. Das japanische Imperium mit rund 500 Millionen Menschen stellte sich auf den Endkampf einer ganzen Nation ein.
Doch die Geschichte vollzog eine radikale Wende, als Colonel Tibbets am 6. August 1945 die erste Atombombe auf Hiroshima abwarf. Eine Entscheidung, die nicht zuletzt wegen des erbitterterten japanischen Widerstands auf Okinawa getroffen worden war. Das Oberkommando der US Army und Präsident Truman befürchteten bis zu eine Millionen tote US-Soldaten bei einem Angriff auf die japanischen Kerninseln.
Siehe auch
- Pazifikkrieg/Chronologischer Kriegsverlauf
- Portal:Pazifikkrieg
Filme
Spielfilm
- DVD, Die Hölle von Okinawa, 1951, Regie: Lewis Milestone, Darsteller: Richard Widmark, Jack Palance, Robert Wagner, Karl Malden, 2004
Literatur
- Simon Bolivar Buckner, Seven Stars: The Okinawa Battle Diaries of Simon Bolivar Buckner, Jr., and Joseph Stilwell, Texas A&M University Press, 2004, ISBN 1585442941
- Bob Green, Okinawa Odyssey: The Battle for Okinawa by U.S. Forces of the Tenth Army in the Pacific Theatre Campaign of World War II, Bright Sky Press, 2004, ISBN 1931721394
- Gordon Rottman, Okinawa 1945 (Campaign), Osprey, 2002, ISBN 1855326078
- Roy E. Appleman, War in the Pacific: Okinawa - The Last Battle (United States Army in World War II), Konecky & Konecky Military Books, 1993, ISBN 156852000X
Weblinks
- [http://www.ibiblio.org/hyperwar/USA/USA-P-Okinawa/index.html Die Schlacht um Okinawa] (englisch)
- [http://www.army.mil/cmh-pg/books/wwii/okinawa/index.htm Online-Buch der US-Army über die Kämpfe auf Okinawa] (englisch)
Okinawa
Okinawa
Okinawa
Kategorie:1945
ja:沖縄戦
Shintō]
Shintō (jap. 神道, deutsch „Weg der Götter“) – auch Shintoismus – ist eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion. Genauer bezeichnet Shintō:
- Eine Vielzahl von religiösen Kulten und Glaubensformen, die sich an die einheimischen japanischen Gottheiten (kami) richten. Kami sind zahlenmäßig unbegrenzt und können die Form von Menschen, Tieren, Gegenständen oder abstrakten Wesen haben. Man spricht daher auch von Shintō als einer „animistischen“ Religion. Die Gebäude oder Verehrungstätten des Shintō bezeichnet man als „Schreine“ (神社 jinja). Trotz verschiedener äußerlicher Gemeinsamkeiten der Schreine können die Glaubensformen und Riten des Shintō lokal sehr unterschiedlich sein.
- Die Organisation von Schreinen und Institutionen, an deren Spitze der Ise-Schrein, der Schrein der Göttin Amaterasu (mythische Urahnin der japanischen Kaiser, Tennō), steht. Dem entsprechend gilt der Tennō auch als Oberhaupt des Shintō. Während diese Führungsrolle des Tennō heute nur noch nominelle Bedeutung besitzt, erreichte sie in der Ära des Nationalismus vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt. Dem Tennō wurde damals ein göttlicher Status zugeschrieben. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Staats-Shintō (国家 神道 kokka shintō).
Wortbedeutung
Das Wort shintō 神道 entstammt dem Chinesischen, wo es shendao ausgesprochen wird. Shen (jap. shin) bedeutet „Geist(er), Gott/Götter“, dao (jap. dō, tō oder michi) ist der „Weg“. Der Begriff findet sich unter anderem im Yijing.
Die Gottheiten des Shintō werden allgemein als kami 神 bezeichnet. Kami ist die ursprünglich-japanische Lesung des Zeichens 神, das auch Teil des Kompositums shintō ist. Shintō kann also auch als „Weg der kami“ übersetzt werden. Der Begriff kami kann sich aber auch auf Gottheiten anderer Religionen, z. B. den christlichen Gott beziehen.
Schon in der zweitältesten japanischen Reichsgeschichte, dem Nihonshoki (712), ist shintō erwähnt, allerdings nur insgesamt viermal. Auch ist bis heute strittig, auf welchen göttlichen Weg sich das Wort im damaligen Sprachgebrauch bezog. Als Bezeichnung für ein eigenständiges religiöses System im Sinne des heutigen Wortgebrauchs taucht shintō erst in Quellen des japanischen Mittelalters auf.
Geschichte
Prähistorie
Die Wurzeln des Shintō liegen wohl in einer agrarischen Naturreligion, die sich vor allem auf die Verehrung von Naturerscheinungen aber auch auf Nahrungsgottheiten bezog. Schon in vor-buddhistischer Zeit wurde in Japan eine Unzahl einheimischer Gottheiten (kami) verehrt, zumeist in Zusammenhang mit ehrfurcht-gebietenden Naturerscheinungen wie Bergen, Felsen oder Bäumen. Wie die ganze altjapanische Kultur war diese Religion wahrscheinlich mit den schamanistischen Kulten des sibirisch-mongolischen Festlandes verwandt, doch sind auch Einflüsse polynesischer Religionen festgestellt worden. Diese Frühformen des Shintō verfügten aber weder über ein einheitliches Glaubenssystem noch über einen allgemeinen Namen.
Altertum
mongolischen
Der frühe japanische Staat entstand aus einem Bündnis einzelner Klans, deren Anführer ihre Ahnen in Form von Klangottheiten verehrten. Als sich der Tenno-Klan innerhalb dieses Bündnisses als führende Dynastie durchsetzte, entstand eine Mythologie, die die Geschichten der einzelnen Klangottheiten zu einer einheitlichen mythologischen Erzählung verband. Die ersten schriftlichen Quellen dieser Mythologie stammen aus dem achten Jahrhundert und schildern die Weltentstehung und den Ursprung der Dynastie des Tenno: Ein Urgötterpaar (Izanagi und Izanami) kreiert die japanischen Inseln und alle übrigen Gottheiten. Amaterasu Omikami (Himmelsscheinende große Gottheit) ist die wichtigste ihrer Schöpfungen: Sie beherrscht die „himmlischen Gefilde“ (Takamanohara) und wird mit der Sonne gleichgesetzt. In ihrem Auftrag steigt ihr Enkel zur Erde herab, um hier die ewig andauernde Dynastie des Tenno-Geschlechts zu gründen. Diese mythologische Vorstellung von der Gründung Japans und der Errichtung der kaiserlichen Linie bildet eine zentrale Idee des Shintō.
Im 5. und 6. Jahrhundert entstand mit der Übernahme des chinesischen Staatswesens ein höfischer Kult, der die einheimischen Klan-Traditionen mit der Ahnenverehrung des chinesischen Konfuzianismus und der Kosmologie des Daoismus kombinierte. Sowohl im Mythos als auch im Ritus des frühen japanischen Staatswesens sind daher unverkennbar chinesische Traditionen enthalten.
Shintō-buddhistischer Synkretismus
Der im 6. und 7. Jh. neu eingeführte Buddhismus stieß zwar anfangs im Rahmen der einheimischen Götterverehrung auf Widerstand, fand aber rasch Wege, die kami in sein Weltbild zu integrieren und beeinflusste unter anderem die Bauwerke und später auch die Ikonografie der kami-Verehrung. Während der meisten Epochen der bekannten japanischen Religionsgeschichte herrschte daher zwischen Buddhismus und Shintō keine klare Trennung. Vor allem innerhalb der einflussreichen buddhistischen Richtungen Tendai und Shingon wurden Shintō-Gottheiten als Inkarnationen oder Manifestationen von Buddhas und Bodhisattvas aufgefasst. Buddha-Verehrung und kami-Verehrung diente somit – zumindest auf theoretischer Ebene – dem gleichen Zweck. Diese theologische Entwicklung begann in der Heian-Zeit und erreichte im japanischen Mittelalter (12.–16. Jh.) ihren Höhepunkt. Sie ist als Theorie von „Urform und herabgelassener Spur“ bekannt, wobei die „Urform“ (honji 本地) den Buddhas, die „herabgelassene Spur“ (suijaku 垂迹) den kami entspricht.
Die meisten Shintō-Schreine hatten übrigens keine eigenen Shintō-Priester, sondern wurden von buddhistischen Mönchen oder von Laien betreut. Nur die ganz großen shintōistischen Institutionen, allen voran der Ise Schrein waren in den Händen von erblichen Priester-Dynastien, die die ursprünglich dem kaiserlichen Hof, später aber ebenso einem buddhistischen Tempel unterstellt wurden. Nur einzelne Abkömmlinge dieser Priester-Dynastien befassten sich mit der Idee, die kami unabhängig vom Buddhismus zu verehren und schufen damit die Grundlagen des modernen Shintō.
Frühe Neuzeit
Im Laufe der Edo-Zeit kam es immer wieder zu anti-buddhistischen Tendenzen, die auch den Ideen einer eigenständigen einheimischen Shintō-Religion immer stärkeren Zulauf bescherten. Im 17. Jh. waren es vor allem konfuzianische Gelehrte, die nach Wegen suchten, die Lehren des chinesischen Neo-Konfuzianers Zhu Xi (auch Chu Hsi, 1130–1200) mit der Verehrung einheimischer Gottheiten zu kombinieren und so eine Alternative zum Buddhismus zu entwickeln. Im 18. und 19. Jahrhundert entstand schließlich eine Denkrichtung, die bemüht war, den Shintō von allen „fremden“, d. h. indischen und chinesischen Ideen zu reinigen und zu seiner „Urform“ zurückzufinden. Diese Schule heißt auf Japanisch Kokugaku (wörtlich Lehre des Landes) und gilt als Wegbereiterin des Staats-Shintō, wie er sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der Neuordnung des japanischen Staates herausbildete.
Moderne und Gegenwart
Die Meiji-Restauration 1868 beendete die feudale Herrschaft der Tokugawa-Shōgune und installierte an ihrer Stelle einen modernen Nationalstaat mit dem Tennō als oberste Instanz. Shintō wurde als nationale Religion definiert und als ideologisches Instrument zur Wiederbelebung der Macht des Tennō eingesetzt. Zu diesem Zweck wurde eigens ein Gesetz zur „Trennung von kami und Buddhas“ (shinbutsu bunri 神仏分離) erlassen, das den gemeinsamen Kult von buddhistischen und shintōistischen Institutionen verbot. Im Gegensatz zu den meist lokal begrenzten Schreintraditionen wurden Shintō-Schreine nun landesweit zu Verehrungsstätten des Tennō umgedeutet und jeder Japaner, ungeachtet seiner religiösen Überzeugung, war angehalten, dem Tennō in Form von Schreinbesuchen seine Reverenz zu erweisen. Aus Rücksicht auf die unter westlichem Einfluss verfassungsmäßig garantierte Religionsfreiheit wurde dieser Schreinkult aber nicht als religiöser Akt, sondern als patriotische Pflicht definiert.
Im aufkeimenden Militarismus der Shōwa-Zeit wurde Shintō dann weiter für nationalistische und kolonialistische Zwecke instrumentalisiert. Auch in den besetzten Gebieten Chinas und Koreas wurden Schreine errichtet, in denen die lokale Bevölkerung dem Tennō ihre Reverenz erweisen sollte. Nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg 1945 kam es zu einem offiziellen Verbot des Shintō als Staatsreligion, im Jahre 1946 verzichtete der Tennō auf jeden Anspruch auf Göttlichkeit. Einzelne Institutionen, denen eine politische Nähe zum Staats-Shintō nachgesagt wird, etwa der Yasukuni-Schrein in Tōkyō, existieren jedoch heute noch.
Religiöse Praxis
Yasukuni-Schrein
Die vieldeutige, polytheistische Natur der einheimischen Götter (kami) macht es schwer, einen gemeinsamen religiösen Kern im Shintō zu finden. Allerdings verfügen Schreine über einige allgemeine Erkennungsmerkmale, die sie deutlich von z. B. buddhistischen Bauwerken unterscheidet: An den Eingängen eines Schreinareals findet man das charakteristische torii (鳥居), ein Tor, das aus zwei Grundpfeilern und zwei Querbalken besteht. Heilige Gegenstände, oft auch Bäume oder Felsen, werden mit einem Strohseil (注連縄 shimenawa) gekennzeichnet. Shintō-Priester sind heute stets mit einer Amtsrobe bekleidet, die auf die Adelstracht der Heian-Zeit zurückgeht. Auf dem Gebiet des Ritus ist das Bemühen um Reinheit besonders auffällig. Die wichtigsten und häufigsten Shintō-Riten sind harae (祓え, wtl. Reinigung) und misogi (禊, Waschung), beides Formen der rituellen Purifikation. Rituelle Verunreinigung (穢れ kegare), vor der diese Riten schützen sollen, entsteht weniger aus moralischen Übertretungen als aus wissentlichem oder unwissentlichem, bzw. absichtlichem oder unabsichtlichem Übertreten von Tabu-Regeln, wozu auch die Berührung mit Kranken oder Toten gehört. Diese Logik der rituellen Reinheit/Unreinheit ist sehr alt und vielleicht die wichtigste Quelle, aus der bis heute immer wieder neue shintōistische Riten entstehen.
Tabu]
Höhepunkt des religiösen Lebens der Shintō-Schreine sind periodisch veranstaltete Matsuri, Volksfeste, die lokalen Traditionen folgen und daher von Region zu Region, ja von Dorf zu Dorf ganz unterschiedlich sein können. Viele Matsuri haben mit dem agrarischen Jahreszyklus zu tun und markieren wichtige Ereignisse wie Saat und Ernte (Fruchtbarkeitskulte), in anderen Matsuri zeigen sich Elemente der Dämonenbeschwörung und -abwehr. Viele Matsuri sind auch mit lokalen Mythen und Legenden verbunden. Ein typisches Element sind Schreinumzüge. Das Hauptheiligtum (shintai) des betreffenden Schreins wird dabei in einen tragbaren Schrein umgeladen, den sogenannten Mikoshi, der dann in einem lauten und fröhlichen Festumzug durch das Dorf/Stadtviertel getragen oder gezogen wird. Feuerwerke (花火 hanabi), Taiko-Trommeln und natürlich Sake begleiten zumeist diese Umzüge. Oft sind Matsuri auch mit quasi-sportlichen Wettkämpfen verbunden. Der moderne Sumō-Sport dürfte beispielsweise seinen Ursprung in derartigen Festen haben.
In der heutigen Praxis spielt der Tennō-Kult nur noch in wenigen Schreinen eine zentrale Rolle. Diese Schreine werden im allgemeinen als jingu (神宮) (im Gegensatz zu 神社 jinja) bezeichnet, der wichtigste ist der Ise-Schrein. Obwohl das „Gesetz zur Trennung von Buddhas und Shintō-Göttern“ einschneidende Veränderungen mit sich brachte, sind die Spuren der einstmaligen shintō-buddhistischen Vermischung noch heute in vielen religiösen Instititutionen zu bemerken. Es ist nichts Ungewöhnliches, auf dem Gelände eines buddhistischen Tempels einen kleinen Shintō-Schrein zu finden oder einen Baum, der mit einem „Götterseil“ als Wohnort eines kami markiert ist. Umgekehrt haben viele Shintō-Gottheiten indisch-buddhistische Wurzeln.
Im modernen Alltagsleben der Japaner spielen sowohl Shintō als auch Buddhismus eine gewisse Rolle, wobei die Mehrzahl keinen Widerspruch darin sieht, sich zu beiden Religionen zu bekennen. Allgemein tendiert man dazu, shintōistische Riten für freudige Anlässe (Neujahr, Hochzeit, Gebet um Alltagsdinge), buddhistische dagegen für traurige und ernste Anlässe (Todesfall, Gebet um Wohlergehen im Jenseits) heranzuziehen. In neuester Zeit kommt noch eine Art säkulares Christentum dazu, wenn etwa junge Japaner eine howaito weddingu (ホワイトウエディング), eine weiße Hochzeit im amerikanischen Stil feiern.
Wichtige Gottheiten und Schreine
Christentum am Jahrestag des Kriegsendes in Ostasien, dem 15. August]]
Die meisten Shintōschreine sind heute der Gottheit Hachiman geweiht, geschätzt etwa 40.000 landesweit. Hachiman war der erste einheimische Gott, der vom Buddhismus gefördert wurde, erhielt aber auch als Ahnengottheit mehrerer Shōgun-Dynastien einflussreiche Unterstützung durch den Kriegeradel (die Samurai). Auch die Gottheit Inari (Kami), eine Reisgottheit, deren Schreine meist von Füchsen (kitsune) bewacht wird, bringt es auf eine ähnliche Anzahl von meist sehr kleinen Schreinen. Die dritthäufigste Kategorie sind Tenjin-Schreine, in denen der Heian-zeitliche Gelehrte Sugawara no Michizane als Gott der Bildung verehrt wird. Amaterasu, die wichtigste Ahnengottheit des Tennō, besitzt hingegen außerhalb ihres Hauptheiligtums von Ise nur wenige Zweigschreine, was auch auf die meisten anderen in den alten Mythen erwähnten Gottheiten zutrifft. Andererseits sind zahlreiche Schreine ursprünglich buddhistischen Gottheiten geweiht, allen voran die Schreine der Sieben Glücksgötter. Die prächtigste Schreinanlage aus der Edo-Zeit, der Tōshōgū in Nikkō, ist ein Mausoleum des ersten Tokugawa-Shōguns Tokugawa Ieyasu, der populärste Schrein in Tōkyō, der Meiji-Schrein, birgt Kaiser Meiji und seine Gattin.
Ein umstrittenes Politikum ist der Yasukuni-Schrein in Tōkyō, in dem die Gefallenen aller japanischen Kriege verehrt werden.
Siehe auch: Japanische Götter
Weblinks
- [http://www.univie.ac.at/rel_jap/start/index.html Religion in Japan, ein Web-Handbuch] der Universität Wien, mit zahlreichen Shintō-relevanten Beiträgen.
- [http://eos.kokugakuin.ac.jp/modules/xwords/ Encyclopedia of Shinto] (eng.); derzeit (2005) noch unvollständiges online-Lexikon, herausgegeben von der Shintō-Universität Kokugaku-in in Tokyo.
Kategorie:Religion (Japan)
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SushiSushi (jap. 寿司, seltener auch 鮨 oder 鮓) ist ein japanisches Gericht, das hauptsächlich aus kaltem, gesäuertem Reis, überwiegend rohem Fisch und Nori (getrockneter und gerösteter Seetang) besteht und optisch ansprechend wirken soll.
Seetang
Weitere Zutaten sind, je nach Art des Sushi, Gemüse und Ei. Hin und wieder findet man auch Variationen mit Fleisch, diese gehören jedoch nicht zu den traditionellen Sushi.
Der gekochte Reis wird beim Auskühlen mit einer Würzmischung (Sushi-zu) aus Reisessig, Salz und Zucker versetzt (die Zugabe von Mirin ist möglich, wenn auch nicht üblich) und erhält damit einen sushi-typischen, leicht süß-sauren Geschmack und einen deutlichen Glanz. Neben dem Sushi-zu dienen noch Wasabi (sehr scharfe Paste aus grünem, japanischen Meerrettich) und Sojasauce als Würzmittel. Als Beilage wird Gari (süß-sauer eingelegter Ingwer (jap.: shōga)) gereicht. Der Ingwer wirkt verdauungsfördernd und neutralisiert den Geschmack zwischen den verschiedenen Sushi.
Das Nomen Sushi stammt von dem gleichlautenden Adjektiv sushi (modernes Japanisch: sui), was sauer, säuerlich bedeutet und einen essig-artigen Geschmack beschreibt.
Eng verwandt mit Sushi ist Sashimi, bei dem der Fisch nicht auf Reis serviert wird.
Passende Getränke zum Sushi sind grüner Tee, japanisches Bier (beispielsweise Asahi oder Kirin), allerdings gewöhnlich nicht Sake (Reiswein), der sich geschmacklich nicht mit dem essigsauren Reis verträgt.
Eine beliebte Speise zu Sushi ist die Misosuppe.
Sushi ist eine ausgewogene, kalorienarme und leicht bekömmliche Mahlzeit. Sushi ist fettarm, eiweißreich und wegen der verwendeten Meeresalgen besonders jodhaltig.
Restaurants, die auf den Verkauf von Sushi spezialisiert sind, werden als Sushi-ya (jap.: 寿司屋): bezeichnet.
Geschichte
Sushi entstand urprünglich als Konservierungsmethode für Fisch.
Der Fisch wurde gesalzen und in gekochtem Reis (als Schutzschicht) in Erdlöchern eingelegt, wo er fermentierte, was weitere Fäulnis verhindert. Der Reis wurde nachher weggeworfen. Der Fisch ähnelte danach vermutlich eher dem schwedischen Surströmming als dem heute für Sushi verwendeten Fisch.
In einem Land wie Japan, wo man immer auf Ökonomie und Sparsamkeit bedacht war, konnte man sich mit dieser Reis-Verschwendung nicht auf Dauer anfreunden und so entdeckte man in Zeiten des Mangels, dass auch der Reis durchaus noch genießbar und wohlschmeckend war; so entstand die Ur-Form von Sushi, die sog. Sushi-Torte.
Die heutige Form des Sushi entstand in Edo (dem heutigen Tokyo), wo sich etwa ab dem 18. Jahrhundert immer mehr Menschen auch teuren frischen Fisch leisten konnten. Abgeschlossen war die Entwicklung zum modernen Sushi erst im frühen 20. Jahrhundert und auch heute experimentieren japanische Köche noch mit immer neuen Varianten.
Sushi ist in qualitativ unterschiedlichen Ausprägungen erhältlich. Die Spanne reicht vom günstigem Imbiss bis zum hochpreisigen und exklusiven Abendessen. Zudem erhält man es, manchmal maschinell gefertigt, im Supermarkt oder in anspruchlosen Sushi-Bars, entweder als Tiefkühlprodukt oder als Take away.
Sushi-Formen
- Nigiri-Sushi (握り寿司 Nigiri-Zushi, dt. handgeformtes Sushi): Der Reis wird hierbei mit der Hand zu einer kleinen, zwei fingerbreiten Rolle gedrückt und mit Fisch oder Omelette belegt. Manchmal werden Nigiri noch mit einem Streifen Nori zusammengebunden.
20. Jahrhundert
20. Jahrhundert
20. Jahrhundert
- Maki-Sushi (巻き寿司 Maki-Zushi, dt. gerolltes Sushi) sind mit einer Bambusmatte (Makisu) gerollte Stücke. Maki-Sushi ist das bekannteste Sushi im Westen. Es wird für gewöhnlich in Nori eingepackt.
- Hoso-Maki (細巻き, dt. dünne Rolle) sind dünne, aus einem halben Nori-Blatt hergestellte Reisrollen, die mit Fisch oder Gemüse gefüllt werden. Die fertige Rolle wird in sechs gleich große Stücke geschnitten. Wichtig ist, dass für die Füllung nur eine Zutat verwendet wird.
- Futo-Maki (太巻き, dt. dicke Rolle) sind dicke, aus einem ganzen Nori-Blatt hergestellte Reisrollen, die mit einer Kombination aus Fisch und Gemüse gefüllt werden.
- Ura-Maki (裏巻き, dt. von innen gerollt), auch California Roll, sind Hoso- oder Futo-Maki, bei denen der Reis außen am Nori-Blatt angebracht und oft sehr dekorativ mit Sesamsamen oder kleinen Fischeiern verziert wird. Ura-Maki gehören nicht zu den traditionellen Maki und haben ihren Ursprung vermutlich unter japanischstämmigen Amerikanern an der Pazifikküste der USA.
- Temaki (手巻き, dt. handgerollt): hierbei wird das Nori zu einer Tüte gerollt und mit Reis und den Zutaten wie bei Maki-sushi gefüllt.
- Gunkanmaki-Sushi (軍艦巻き寿司 Gunkanmaki-Zushi, dt. Schlachtschiff-Rollen-Sushi) sind einzelne kleine, auf der Seite liegende Rollen aus Nori-Blättern mit einem Reisboden, auf dem die Füllung aufgetragen wird. Gunkanmaki werden beispielsweise für Fischeier verwendet, da diese wegen ihrer Druckempfindlichkeit nicht als Nigiri oder Hosomaki verarbeitet werden können.
- Chirashi-Sushi (散らし寿司 Chirashizushi, dt. gestreutes Sushi): hier werden der Reis und die Beilagen offen in einer Schale angeboten. Im häuslichen Bereich unterscheidet sich das Chirashi etwas. Hier ist es eine Schale mit Reis, in den allerlei Kleingeschnittenes, wie z.B. Pilze, Lotuswurzeln, Karotten und Shrimps zugegeben wird (chirasu - verstreuen).
- Oshi-Sushi (押し寿司 Oshi-Zushi, dt. gepresstes Sushi) Sushireis, marinierter Fisch und andere Zutaten wie etwa Shisoblätter, werden lagenweise in eine hölzerne Form gelegt und mit Gewichten belegt, für geraume Zeit gepresst. Der entstehende Laib wird vor dem Essen in mundgerechte Stücke geschnitten.
- Sashimi (刺身) wird in vielen Sushi-Kochbüchern erwähnt, ist aber eigentlich kein Sushi, sondern besteht nur aus ästhetisch zubereiteten Fisch und Meeresfrüchten ohne Reis, siehe auch japanische Küche.
Zutaten
- Sushi-Reis (Kome, auch Ketan oder Nikishi) bekommt man im Asialaden, als Ersatz geht notfalls auch Rundkorn-Reis. Nichtklebende Langkorn-Reissorten sind für Sushi nicht geeignet. Die Zubereitung des Reises ist die hohe Kunst des Sushi, weshalb bei der Ausbildung zum Sushi-Koch ein großer Teil der Zeit darauf verwendet wird.
- Sushi-zu: Eine Würzmischung aus Reisessig, Zucker und Salz, evtl. Mirin, mit der der Reis versetzt wird. Wer keinen Alkohol trinkt, kann den Mirin auch durch etwas mehr Zucker ersetzen.
- Nori-Blätter: industriell hergestellte quadratische Platten aus getrocknetem und gerösteten grünem Seetang.
- Fisch: Für Sushi eignet sich nur Meeresfisch bester Qualität. Der Fisch muss in einer Frische vorliegen, bei der er nahezu geruchlos ist. Wer vom Meer weiter entfernt lebt, fährt oft mit ganz frisch aufgetautem Tiefkühlfisch besser als mit ungefroren transportiertem. Noch leicht gefrorener Fisch lässt sich auch besser in gleichmäßig dünne Scheiben schneiden. Sehr beliebte und auch in Europa leicht erhältliche Fischsorten sind Lachs (Sake oder auch Shake, der in Japan allerdings nicht traditionell ist) und Thunfisch (Maguro) - der fettere aber auch teurere Thunfischbauch wird auch Toro genannt. Sehr beliebt sind auch der (junge) Gelbschwanz Thunfisch (Hamachi) sowie der Butterfisch. Schwieriger wird es bei Meerbrasse (Tai) und anderen Fischen, die das warme Wasser bevorzugen. Weitere Fisch - bzw. Meeresfrüchtesorten sind: Tintenfisch (Ika), Octopus (Tako), eingelegte Makrele (Saba), Tiefseegarnelen (Amaebi), Herzmuschel (Torigai), Krabbenfleisch bzw. Krebsfleisch (Kani), Garnele (Ebi), Jakobsmuschel (Hotategai), Wolfbarsch (Suzuki), Hornmuschel (Hokkigai), gegrillter Aal (Unagi), Seeaal (Anago), Venusmuschel (Akagai), rote japanische Venusmuschel (Aoyagi). Neben Fischen werden auch Rogen (Fischeier) vom Lachs oder Fliegenfisch, Muscheln, Garnelen, Seegurken, Seeigel, bestimmte Arten von Quallen und andere Meeresfrüchte verwendet. Nicht alle Fischarten können roh verzehrt werden. Insbesondere Süßwasserfisch wird wegen der Parasitengefahr auch gegrillt (gebraten), gekocht oder eingelegt serviert.
- Gemüse: Besonders Maki werden gerne mit Gemüse gefüllt. Geeignet sind hier unter anderem Gurke (Kappa), Karotte (Nijin), eingelegte Klettenwurzel (Gobo), eingelegter Rettich (Daikon), Avocado und eingelegter oder getrockneter Kürbis (Kampyo)
- Tamago: süßes Omelett, das mit Dashi, Sojasauce und Mirin gewürzt und schichtweise in einer Pfanne gebraten wurde. Die rechteckigen Scheiben werden als Nigiri-Sushi serviert.
- Wasabi: beißend scharfe Paste aus grünem, japanischen Meerrettich. Wasabi wird vom Sushikoch als Würzmittel verwendet. Ob und wie Wasabi vom Gast hinzugegeben wird, hängt sehr stark von der Exklusivität des Restaurants ab. Während in gewöhnlichen Sushi Bars der Wasabi vom Gast sowohl direkt auf die Sushi aufgetragen, als auch aufgelöst in der Sojasauce verwendet wird, so ist dieses Verhalten in qualitativ hochwertigeren Restaurants nicht angemessen. Billige Wasabiprodukte bestehen oft aus grün gefärbtem normalem Meerrettich oder sogar Senfpulver.
- Gari: süß-sauer und in feinsten Scheiben eingelegter Ingwer, der zwischen den einzelnen Sushi gegessen wird.
Gegessen wird mit Stäbchen oder auch Fingern, wobei man immer nur die Seite mit dem Belag und nicht mit dem Reis in die Sojasauce-Wasabi Mischung eindippt (damit sich dort keine abbrechenden Reiskrümel ansammeln), aber nicht mit Messer und Gabel. Üblicherweise besteht eine Mahlzeit (oder auch ein Snack) aus verschiedenen Sushi-Varianten, die in manchen Sushi-Bars auf einem gekühlten Laufband, meist paarweise, dem Kunden angeboten werden (Running Sushi; Kaiten-Sushi; die Teller behält man, damit wird am Ende abgerechnet), oder als Sushi-Box zum Mitnehmen verkauft werden.
Gesundheitliche Risiken des Sushi-Verzehrs
Da in den letzten Jahren das Angebot von Sushi-Produkten in Sushi-Bars, japanischen Spezialitätenrestaurants etc. zugenommen hat, kam zwangsläufig auch die Frage nach den gesundheitlichen Risiken dieser Lebensmittelgruppe auf, deren Hauptanteil roher Fisch ist. Von Veterinäruntersuchungsämtern wurden deshalb Sushi-Zubereitungen sensorisch, mikrobiologisch, chemisch-physikalisch und parasitologisch untersucht. Es ergab sich dabei, dass über 70 % der untersuchten Sushi-Erzeugnisse in einem erfreulichen Zustand vorlagen. Sensorisch zeigten sich bei der Überprüfung der Produkte vor der Zubereitung keine Besonderheiten. Rund 83 % der Sushi-Produkte wiesen unbedenkliche Gesamtkeimzahlen auf. Doch zeigten die Untersuchungen auch, dass die Keimzahlen während des Zubereitungsprozesses schnell ansteigen. Das staatliche Veterinäruntersuchungsamt Krefeld kam somit zu dem Ergebnis, dass Herstellung und Verzehr von Sushi aus frischem oder gefrorenem Fisch kein Problem darstellt, wenn optimale hygienische Bedingungen eingehalten werden. Der verwendete Wasabi wirkt zudem auf natürliche Weise desinfizierend< | | |