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Trekking

Trekking

Trekking bezeichnet eine besondere Form des Wanderns, das Zurücklegen einer längeren Strecke mit Gepäck, über einen längeren Zeitraum und unter weitestgehendem Verzicht auf eventuell vorhandene Infrastruktur. Hierbei unterscheidet es sich vom Weit- oder Fernwandern, bei welchem auf Infrastruktur zurückgegriffen wird (z.B. Jakobsweg). Die extremste, vorwiegend professionelle, Form des Trekkings sind Expeditionen. Jede dieser Formen verlangt neben mindestens durchschnittlicher Kondition auch mentale Stärke, sowie das Wissen um Verhalten im Notfall.

Etymologie

Von plattdeutsch und niederländisch trekken, etwas ziehen. Das englische übernahm es als einen der wenigen Begriffe aus dem Afrikaans, von welchem der Anglizismus Trekking ins Deutsche Eingang fand.

Motivation

Die Motivation liegt meist im intensiven Erlebnis unverfälschter Natur oder noch weitgehend ursprünglicher Kulturen abseits der Zivilisation. Teilweise suchen Trekker auch die sportliche und mentale Herausforderung angesichts körperlich anstrengender oder technisch schwierig zu begehender Strecken.

Ausrüstung

Die meist im Rucksack mitgeführte Ausrüstung besteht in der Regel aus Zelt bzw. Tarpaulin, Schlafsack, Isomatte, Kocher samt Brennstoff und Proviant, sowie der Jahreszeit und Umgebung angepaßte Kleidung. Je nach Dauer der Tour, Körpergröße, Klimaverhältnissen und technischen Anforderungen sind so pro Person Gewichte von 15 bis 20 kg zu tragen, in Extremfällen auch deutlich mehr. Je nach landesüblichen Gepflogenheiten und Größe (Teilnehmerzahl, Dauer) der Tour wird die Ausrüstung auch von menschlichen Trägern oder Tragtieren, manchmal auch von motorisierten (und dann geländegängigen) Begleitfahrzeugen mitgeführt. Das Ultraleichtwandern versucht das mitgeführte Gewicht maximal zu reduzieren. Unter Komfortverzicht sind so bei manchen Touren Gewichtsreduktionen auf etwa 10 kg möglich.

Regeln

Natürlich sind immer die örtlichen Ge- und Verbote in Bezug auf besonders ausgewiesene Gebiete (Naturschutzgebiet, militärisches Sperrgebiet, benötigtes Permit) zu beachten. Das Prinzip des Hinterlasse nichts außer deinen Fußspuren und nimm nichts mit außer deinen Eindrücken, das in vielen Staaten sogar in noch restriktiverer Form Gesetz ist, sollte immer beachtet werden. Es besteht, insbesondere in Mitteleuropa, immer das Risiko über in Privatbesitz befindliches Land zu kommen, was je nach Land sehr unterschiedlich toleriert wird.

Gebiete

Meist zeichnen sich Gebiete für Trekking-Touren durch Zivilisationsferne (nicht vorhandene bis spärliche Besiedlung) aus. Prinzipiell ist Trekking jedoch in jedem Gebiet der Erde möglich.
- Annapurna Circuit
- Sarek Nationalpark
- Hardangervidda
- Patagonien
- Bärenrunde

Siehe auch


- Camping
- Jedermannsrecht
- Right of way (engl.)
- Fernwanderweg

Weblinks


- [http://www.amelunxen.onlinehome.de/drofaq/ FAQ von de.rec.outdoors]

Wandern

Wandern ist eine Form des Gehens, eine Sportart oder Freizeitbeschäftigung, die in der Natur ausgeübt wird. Natur Natur] In der Forschung unterscheidet man generell zwischem "zweckfreiem" und "zweckgebundenem" Wandern. Zweckfreies Wandern unterscheidet sich vom zweckgebundenen Wandern dadurch, dass die Reise Selbstzweck ist und nicht primär aus anderen Gründen angetreten wird (Forschung, Arbeitssuche, Walz, Flucht, Handel...). Diese Unterscheidung ist besonders in der historischen Forschung sehr wichtig. Eine Fernwanderung, auch Weitwanderung, Trail oder Trekking genannt, führt über größere Strecken. Beliebte Fernwanderwege sind z.B. der Jakobsweg in Spanien, der Jurahöhenweg in der Schweiz, der Rennsteig im Thüringer Wald, die Europäischen Fernwanderwege oder die Walserwege, in Polen der Karpatenweg. Wandern ist besonders in den Ländern, die an die Alpen grenzen, sehr beliebt. Verschiedene Routen führen längs und quer über die Alpen, z.B. die Via Alpina, in der Schweiz die Alpenpassroute, der Trans Swiss Trail 1 von Norden nach Süden, der Trans Swiss Trail 2 von Osten nach Westen oder der Kulturweg der Alpen.

Geschichte

Entstehung

Als erster historisch dokumentierter "zweckfreier" Wanderer gilt der Italiener Francesco Petrarca, der 1336 mit seinem Bruder den Mount Ventoux (1900m) bestieg. Über viele Jahrhunderte nach ihm sind nur wenige weitere Wanderungen dieser Art dokumentiert. Erst mit der Aufklärung, namentlich mit Albrecht von Hallers Gedicht Die Alpen (1729) und Jean-Jacques Rousseaus Julie ou la Nouvelle Héloïse (1761), kam beim Bildungsbürgertum eine neue Naturbegeisterung auf. Die neue Art der Fortbewegung, das Wandern, wurde zum Symbol der aufklärerischen Emanzipation des Bürgertums vom Adel. Aufrecht im Gang blickte man nun in die Welt und beobachtete Volk und Natur ungetrübt von Kutschenfenstern. Unzählige aufklärerische Wanderer erkundeten im dritten Drittel des 18. Jahrhunderts Europa zu Fuß und schrieben ihre Erkenntnisse möglichst objektiv nieder. Dabei lag ein besonderes Augenmerk auf den sozialen und politischen Gegebenheiten der druchwanderten Gebiete. Als schillernstes Beispiel gilt oftmals der Leipziger Johann Gottfried Seume, der 1801 zu einer Fußreise nach Sizilien aufbrach und nach neun Monaten über Paris nach Leipzig zurückkehrte.

Romantik

Anschließend an die Aufklärung übernahmen die Romantiker das Wandern und prägten sein Bild bis heute. Im Unterschied zu den Aufklärern war ihr Blick nicht mehr auf die sozialen und politischen Gegebenheiten gerichtet, sondern primär auf das eigene Innere. Sie suchten die Einsamkeit, um in ihr den Kosmos in sich selber zu finden. Im 19. Jahrhundert wurden zunehmend weniger Städte erwandert, sondern man lies sich in Kutschen oder mit der Eisenbahn zu den Ausgangspunkten in der Natur bringen, wo man auf immer mehr vorgegebenen Strecken lief. Wurden die Aufklärer noch angefeindet oder schief angeschaut, so machten die Romantiker das Wandern salonfähig.

Institutionalisierung des Wanderns

Eisenbahn Ab Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu einer zunehmenden Institutionalisierung des Wanderns durch Wandervereine und Gebirgsvereine. Diese meist bürgerlichen und heimatverbundenen Vereine leisteten Pionierarbeit in der Erschließung der Natur durch Wanderwege, Wegweiser, Karten, Schutzhütten und Aussichtstürme. 1863 wurde mit dem Badischen Schwarzwaldverein der erste deutsche Mittelgebirgsverein gegründet.

Naturfreunde

Die 1895 in Wien gegründeten Naturfreunde ermöglichten erstmals das Wandern für eine proletarische Schicht. Mit starker sozialistischer Prägung eröffneten sie erste Naturfreundehäuser, in denen proletarische Wanderer billig übernachten konnten. Heute gibt es in Deutschland rund 450 Naturfreundehäuser - 1001 Nacht sind weltweit möglich.

Wandervogel

Zur gleichen Zeit kam die Jugendbewegung auf, die 1901 in die Wandervogelbewegung mündete. Die Wandervögel waren meist jugendliche Schüler und Studenten, die aus den Städten in die Natur flohen und durch eine neue Lebensweise gegen die wilhelminische Gesellschaft aufbegehrten.

Wandervariationen

Barfußwanderung

Die Deutsche Wanderjugend (DWJ) betont die gesundheitsfördernde Wirkung des Barfußwanderns. Zahlreiche Barfußparks in Deutschland, Österreich und der Schweiz ermöglichen eine erste Barfußwandererfahrung unter den gesicherten Bedingungen einer gepflegten und vielseitigen Freizeitanlage. Auch eine Wattwanderung eignet sich in idealer Weise zum Barfußlaufen.

Bergwandern

Das Wandern im bergigen Gelände wird als Bergwandern bezeichnet, wobei die Grenzen zwischen Wandern, Bergwandern und Bergsteigen nicht genau definiert sind. Im Allgemeinen grenzt sich das Bergwandern vom Bergsteigen durch den Klettereinsatz ab. Bergwandern wird zur Bergtour, wenn ein Gipfel bestiegen wird.

Fernwandern

Immer beliebter wird das Weitwandern von Ort zu Ort, während Tagen oder Wochen. Solche Weitwanderungen werden auch Trekking-Touren genannt.

Nachtwanderung

Nachtwanderungen sind Wanderungen, die überwiegend bei Dunkelheit durchgeführt werden. Diese können auch einen religiösen Hintergrund haben, z.B. der Aufstieg zum Sri Pada in Sri Lanka.

Nacktwanderung

Naturisten suchen auf Nacktwanderungen in klassischer FKK-Manier die "totale Freiheit und Naturverbundenheit". Um Missverständnisse zu vermeiden, bevorzugen sie dabei weniger frequentierte Strecken.

Nordic Wandern/Walking

Aus Finnland stammt das "Nordic Walking", das als weitere gesundheitsfördernde Wanderart zunehmend Anhänger findet. Nordic Wandern wurde dabei speziell auf die Wanderer abgestimmt und ist weit schonender als Nordic Walking selbst.

Sportwandern

Viele Vereine, die Volkswanderungen veranstalten, sind Mitglied eines Dachverbandes, in Deutschland z.B. der DVV (Deutscher Volkssportverband) oder der EVG (Europäische Volkssportgemeinschaft). Der DVV ist seinerseits Mitglied des IVV (Internationaler Volkssportverband). Alle Veranstaltungen des IVV werden für das internationale Volkssportabzeichen gewertet. Im Allgemeinen werden Wanderstrecken über 5, 10 und 20 km angeboten. Es werden aber auch längere Strecken, z.B. die Marathonstrecke (42 km) oder 50 km angeboten.

Volkswandern

Eine weitere Variante des Wanderns ist das Volkswandern. Bei einer Volkswanderveranstaltung werden verschieden lange Wanderstrecken angeboten, die man alleine oder in einer Gruppe durchwandern kann. Unterwegs gibt es i.d.R. mehrere Verpflegungs- und Kontrollposten, so daß man kein schweres Gepäck mitnehmen muss.

Literatur


- Manuel Andrack: Du musst wandern. Ohne Stock und Hut im deutschen Mittelgebirge, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2005, ISBN 3-462-03488-X
- David Coulin: Die schönsten Gratwanderungen der Schweiz, At-Verlag, Aarau/CH, ISBN 3-85502-936-9

Siehe auch


- Spaziergang, die Vorstufe zur Wanderung
- Weitwanderweg
- Weitwanderwege (Österreich)
- Siegel-Basis-Test - Zertifizierung von Wanderwegen mit dem Wandersiegel
- Leistungskilometer, ein Mass zum Vergleich von Routen mit unterschiedlichem Höhenprofil
- Weitere Formen des Wanderns:
  - Schneeschuhwandern
  - Wallfahrt

Weblinks


- [http://www.wanderverband.de/ Deutscher Wanderverband]
- [http://www.wanderbares-deutschland.de/ Portal "Wanderbares Deutschland"]
- [http://www.wandern.com/ Wandern und Naturerlebnis in Österreich]
- Kategorie:Fußverkehr ! Kategorie:Outdoor

Infrastruktur

Der Sammelbegriff Infrastruktur ist dem lateinischen infra (unten, unterhalb) abgeleitet. Infrastruktur und Suprastruktur sind Begriffe, die erstmals von der NATO verwendet wurden. Infrastruktur bezeichnete ursprünglich die im Boden befindlichen Leitungen wie Rohrleitungen und Kabel. Infrastruktur' (somit Unterbau) bezeichnet alle langlebigen Grundeinrichtungen personeller, materieller und institutioneller Art, die das Funktionieren einer arbeitsteiligen Volkswirtschaft garantieren. Meist wird sie Öffentliche Infrastruktur genannt. Die Planung, Erstellung und Instandhaltung einer Infrastruktur ist im Normalfall die Aufgabe des Staates oder ihm assoziierter Organe (öffentlich-rechtliche Einrichtungen, Staatsbetriebe). Im Zuge der Privatisierung von öffentlichen/staatlichen Betrieben und staatlichen Aufgaben werden insbesondere Erstellung und Instandhaltung der Infrastruktur vermehrt privaten bzw. privatrechtlich organisierten Firmen übertragen. Die Planungshoheit bleibt aber weiterhin beim Staat. Die Nutzung einer Infrastruktur ist jedem Bürger eines Staates möglich bzw. verpflichtend (z. B. Müllentsorgung). Nutzungsgebühren sind in der Regel durch den Nutzer zu entrichten. Die Erstellung einer (öffentlichen) Infrastruktur wird dagegen meist durch Steuergelder finanziert. Bei der Infrastruktur gibt es mitunter nationale Besonderheiten. So verfügen die Schweiz, Österreich und Deutschland über ein Bahnstromnetz, während in den anderen Ländern der elektrische Bahnbetrieb im Regelfall mit Strom des allgemeinen Elektrizitätsnetzes durchgeführt wird. Es gibt folgende Arten von öffentlichen Infrastrukturen:

Technische Infrastruktur


- Versorgung
  - Energieversorgung
    - Strom
    - Gas
    - Fernheizung
  - Wasserwirtschaft
- Entsorgung
  - Müllentsorgung
  - Abwasser
  - Wertstoffverwertung
- Kommunikation
  - Telefon
  - Rundfunk
  - Fernsehen
  - Internet
  - Sonstige Funkdienste (wie Zeitzeichensender)
- Verkehrsinfrastruktur
  - öffentlicher Verkehr
    - Binnengewässer
    - Seeschifffahrt
    - Eisenbahnen
    - Öffentlicher Personenverkehr
    - Luftverkehr
    - Flughäfen
    - Navigationsfunksender für Luft- und Seefahrzeuge
  - Individualverkehr
    - Straßen
    - Radwege
    - Gehwege

Infrastrukturrecht

Infrastrukturrecht ist das Recht, dass sich mit der staatlichen und kommunalen Infrastruktur und der Gewährleistung flächendeckender Angebote der Daseinsvorsorge beschäftigt (Wasser, Abwasser, Energie, Verkehr, Telekommunikation, Post). Dabei handelt es sich um ein Querschnittsrecht. D.h., es gibt keinen Gesetztext, in dem zentral Infrastrukturrecht geregelt wäre. Bestimmungen des Infrastrukturrechts finden sich daher in:
- Grundgesetz (GG),
- EG-Vertrag (EGV),
- EU-Verordnungen, EU-Richtlinien und EU-Entscheidungen,
- EG-Beihilfenrecht,
- EU-Wettbewerbsrecht, EU-Kartellrecht,
- Rechtsprechung des EuGH (europäischer Gerichtshof),
- Kartellrecht (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen - GWB),
- Wettbewerbsrecht (GWB, Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb – UWG),
- Freistellungsverordnungen,
- Vergaberecht (GWB, Vergabeverordnungen – VgV)
- Rechtsprechung der Vergabesenate und Kartellsenate des BGH und der Oberlandesgerichte,
- Entscheidungen der Kartellbehörden und der EU-Kommission
- Beschlüssen der Vergabenachprüfungsinstanzen. ---- Im Infrastrukturrecht sind insbesondere folgende Aspekte von Bedeutung:
- Offener und diskriminierungsfreier Netzzugang,
- Ausschreibungspflicht,
- Missbrauch marktbeherrschender Stellung,
- Durchleitungsentgelte,
- Gemeinsame Nutzung (ggf. Finanzierung) von Infrastruktureinrichtungen,
- Berechtigung zum Erhebungen von Maut und Gebühr (Beleihung),
- Gebührenhöhe, Mauthöhe,
- Erhebung von Erschließungsbeträgen / Erschließungsgebühren,
- Vermeidung von Doppelbelastungen für Nutzer / Bürger,
- Privatfinanzierung staatlicher und kommunaler Infrastruktur.
---- Die herausragende Bedeutung des Infrastrukturrechts beruht auf der großen Bedeutung staatlicher und kommunaler Infrastruktur.
Staatliche und kommunale Infrastruktur ist:

- Wasser (z.B. Wasserleitungen, Brunnen, Wasserwerke, Wasseraufbereitung)
- Abwasser (z.B. Kanalisation, Klärwerk, Vorfluter, Versickerungsanlage)
- Straßen (z.B. Straßen, Autobahn, Umgehungsstraße, Straßenbau, Straßenausbau, Autobahnbau, Autobahnausbau, Brücken, Tunnel, Pässe, Umgehungsstraßen)
- Immobilien (z.B. Verwaltungsgebäude, Rathaus, Schule, Turnhalle, Schwimmbad)
- Schienenverkehr (z.B. Schienennetze, Schienenstrecken, Hochgeschwindigkeitsstrecken, Streckenausbau, zweigleisiger Ausbau, Errichtung von Haltestellen und Bahnhöfen, Sanierung von Bahnhöfen)
- Nahverkehr (z.B. Ausbau von U-Bahn-Strecken, Errichtung von Ergastankstellen / Wasserstofftankstellen für den ÖPNV, Ausbau von Straßenbahnen, Haltepunkte, Park ans Ride Gelegenheiten)
- Abfall (z.B. Abfalleinsammlung, Abfallsammlung, Abfallbeseitung, Müllverbrennung, Mülldeponie)
- Strom (z.B. Stromnetz, Hausanschlüsse, Kraftwerke, Umspannwerke)
- Fernwärme (z.B. Leitungsnetz, Kraftwerke)
- Gas (z.B. Leitungen, Hausanschlüsse)
- Telekommunikation (z.B. Leitungen, Netzknoten, Hausanschlüsse) ---- Nähere Informationen zur Privatfinanzierung staatlicher und kommunaler Infrastruktur finden Sie auf den folgenden Seiten:[http://www.infrastruktur-recht.de/ infrastruktur-recht]

Rechtliche und Soziale Infrastruktur


- Rechtsordnung
- Verwaltung
- Dienstleistungen
  - Schulen und andere Bildungseinrichtungen
  - Kinderbetreuungs-Einrichtungen
  - Krankenhäuser und Pflegedienste
  - Polizei
  - Feuerwehr und Rettungsdienste
- Kulturelle Einrichtungen
  - Bibliotheken
  - Museen
  - Ausstellungsräume
  - Sehenswürdigkeiten

Siehe auch

Freie Informationsinfrastruktur Kategorie:Volkswirtschaftslehre Kategorie:Politik Kategorie:Öffentliches Recht Kategorie:Struktur Kategorie:IT-Management ja:インフラストラクチャー ms:Infrastruktur

Fernwandern

Als Fern- oder Weitwandern bezeichnet man eine Art des Wanderns. Sie unterscheidet sich insbesondere vom Trekking durch den Rückgriff auf im Wandergebiet vorhandene Infrastruktur, beispielsweise die Refugios am Jakobsweg oder die [http://www.sac-cas.ch SAC-Hütten] in den Schweizer Alpen. Allerdings hat sich der Begriff "Trekking" oder "Trek" unterdessen als Sammelbegriff für Wanderungen von Ort zu Ort durchgesetzt. Man ist mit Rucksack unterwegs, übernachtet in Hütten, Gasthäusern oder im Zelt, und zieht am nächsten Tag weiter, immer weiter, manchmal 3 Tage, manchmal Monate lang! Allein in der Schweiz gibt es über Hundert solcher Trekkingrouten - die [http://www.wandersite.ch/Trekkings.html www.wandersite.ch] sammelt sie alle. Siehe auch: Europäische Fernwanderwege, Fernwanderweg Kategorie:Wandern

Expedition

Mit Expedition (lat. expeditio = Erledigung, Feldzug) bezeichnet man in der Regel:
- Eine Forschungsreise, siehe Expedition (Forschungsreise)
- Ein militärisches Unternehmen, um eine andere Macht für ein vermeintliches Unrecht zur Verantwortung zu ziehen, siehe Strafexpedition
- Die Vermittlung von Anzeigen im 19. Jh. zwischen Zeitungen und Werbetreibenden, siehe Annoncen-Expedition
- Im 19. Jh. die Versandabteilung eines Unternehmens, die heute meist kurz als Expedit oder auf deutsch Versand betitelt wird.
- In der Diplomatik bzw. Aktenkunde die Gesamttätigkeit der Ausfertigung und des Transports eines Schriftstücks.
- Die Gesamtheit der Teilnehmer des Unternehmens.
- Ein Erkundungsvorhaben

Notfall

Als Notfall werden in der Ersten Hilfe Fälle benannt, bei denen es zu einer lebenbedrohlichen Störung der Vitalparameter Bewusstsein, Atmung und Kreislauf oder der Funktionskreisläufe Wasser-Elektrolyt-Haushalt, Säure-Basen-Haushalt, Temperaturhaushalt und Stoffwechsel kommt. In einem weiteren Sinn fasst man auch psychische Notsituationen wie beispielsweise Selbsttötungsabsichten oder Psychosen sowie Gewalt unter den Notfall-Begriff (siehe auch: Psychiatrische Krise). Notfälle sind alle Situationen, in denen Gefahr für Leib und Leben des Betroffenen, das heißt des Notfallpatienten, besteht. Im Mittelpunkt der Ersten Hilfe steht dabei die Sicherstellung der Vitalfunktionen (Bewusstsein, Atmung und Kreislauf). Wichtig ist in Notfällen die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten der Rettungskette, d.h. Ersthelfer, Rettungsdienst etc., um keine Zeit zu verlieren. Für den Notruf steht in alle Staaten der EU sowie der Schweiz die Notruf-Telefonnummer 112 zur Verfügung, über die man umgehend mit einer Leitstelle des Rettungsdienstes verbunden wird. +-----------+ | Notfall | +-----------+ / | \ / | \ S t ö r u n g v o n / | \ +-------------+ +--------+ +-----------+ | Bewusstsein | | Atmung | | Kreislauf | +-------------+ +--------+ +-----------+ \ | / \ | / \ | / +---------------------------+ |Gefahr der Unterversorgung | | des Gehirns | | mit Sauerstoff | +---------------------------+

Einfluss des sozialen und kulturellen Umfelds

Erste Hilfe zu leisten ist für jeden Menschen eine ethische Pflicht. Dies ergibt sich aus den Normen, Wertvorstellungen und moralisch-ethischen Prinzipien, die in unserer westlichen Kultur gelten und das Denken und Handeln eines Menschen beeinflussen. Demnach gelten das Leben und die Gesundheit als besonders wertvolles Gut und daher ist es zweifellos wünschenswert, sich für ihre Erhaltung einzusetzen. Erste Hilfe zu leisten heißt also, soziale Verantwortung zu übernehmen, weil man Teil einer Gemeinschaft ist, deren Regeln man akzeptiert und für die man eintritt. Bezüglich der sozialen Verpflichtung zur Ersten Hilfe spricht man auch vom Grundsatz der Gegenseitigkeit; denn wer erwartet, dass andere ihm in einer Notlage helfen, muss selbst bereit sein, diese Hilfe anderen zukommen zu lassen. Viele Religionen lehren die Fürsorge und Hilfe für den Nächsten, so zum Beispiel die Nächstenliebe im Christentum oder das Mitleid im Buddhismus. Neben den sozialen, ethischen und juristischen Motiven, die der potentielle Ersthelfer aus seinem Umfeld bezieht, wirken auch noch weitere Faktoren mit, die die Motivation zur Hilfeleistung jeweils steigern oder vermindern. Zum Beispiel:
- Merkmale des potentiellen Helfers (fachliche Fähigkeit, Kompetenzgefühl, Geschlecht und Alter des Helfers; Zeitpunkt, zu dem die Erste-Hilfe-Ausbildung erfolgt ist; bisherige Erfahrungen mit Notfällen, Persönlichkeit des Ersthelfers, religiöse und soziale Einstellung des Helfers)
- Wahrnehmung des Notfalls. Der Notfall muss als solcher erkannt werden. Dass man auf ein bestimmtes Ereignis aufmerksam wird und das Wahrgenommene als Situation erkennt, die für die Gesundheit des Betroffenen bedrohlich werden kann, ist eine unbedingte Voraussetzung für die Erste Hilfe. Vor allem Menschen in Großstädten, die gestresst sind, unter Zeitdruck stehen und hektisch von Termin zu Termin eilen, bemerken einen Notfall mitunter nicht. In ländlichen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit, dass Hilfe geleistet wird, größer. Unterschiedlich ist hier aber nicht die Hilfsbereitschaft der in Städten oder auf dem Land lebenden Menschen, sondern die Qualität der Wahrnehmung iherer Umgebung.
- Merkmale des Betroffenen. Kindern wird eher geholfen als Erwachsenen, weil sie hilfsbedürftiger erscheinen. Wenn dem Betroffenen eine gewisse Schuld an seiner Situation zugeschrieben werden kann, senkt dies die Hilfsbereitschaft. Im unbewussten Glauben an eine "gerechte Welt" wird die Notfallsituation als Bestrafung für ein Fehlverhalten angesehen, die der Verletzte oder Erkrankte geradezu "verdient" hat. Von Bedeutung sind außerdem Geschlecht und Aussehen sowie die Beziehung des potentiellen Helfers zum Betroffenen.
- Merkmale der Situation. In der Wohnung eines Freundes leistet man eher Hilfe als auf einer einsamen Landstraße; bei Unfällen am Arbeitsplatz wird eher geholfen als im Straßenverkehr. Wenn nur eine Person vom Notfallgeschehen betroffen ist, wird man sich die Hilfeleistung eher zutrauen als zum Beispiel bei einem Unfall mit z. B. fünf oder mehr Beteiligten. Eine wesentliche Rolle spielt auch die Gegenwart anderer Menschen: Wenn außer dem potentiellen Helfer und dem Betroffenen niemand am Notfallort ist, ist die Wahrscheinlichkeit, dass geholfen wird, ähnlich gering wie bei Anwesenheit einer Menge von Schaulustigen, deren Blicken und Kommentaren sich der Ersthelfer aussetzen müsste. Günstig wirkt sich dagegen eine Gruppe von sieben oder acht Personen aus (positive Gruppendynamik). Zudem ist die Tageszeit mitentscheidend dafür, ob geholfen wird oder nicht.
- Kosten-Nutzen-Analyse. Wenn eine Notfallsituation richtig erkannt wurde, fragt sich der potentielle Helfer unbewusst, ob er helfen will. Dies geschieht im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Analyse: Wie er sich dabei entscheidet, hängt von den genannten Einflüssen ab.

Rechtliches

Unterlassene Hilfeleistung

Nach Paragraph 323c (so genannter "Jedermanns-Paragraph") des Strafgesetzbuches (StGB) wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft, "wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer Pflichten möglich ist". Jeder Mensch ist also gesetzlich zur Hilfeleistung verpflichtet. Dies gilt jedoch nicht, wenn Hilfe bereits in ausreichender Form geleistet wird (beispielsweise durch einen am Unfallort anwesenden Arzt) und eigenes Eingreifen nicht mehr notwendig ist. Die gesetzliche Verpflichtung zur Ersten Hilfe wird überdies durch die Zumutbarkeit der Hilfeleistung eingeschränkt. Von einer Frau kann man beispielsweise nicht verlangen, dass sie nachts auf einer einsamen Straße aus ihrem Fahrzeug steigt, wenn sie den begründeten Verdacht hat, überfallen zu werden. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn eine Situation nicht eindeutig als Verkehrsunfall erkennbar ist. Man ist ebenfalls nicht verpflichtet, am Notfallort zu helfen, wenn man sich dadurch in Gefahr begeben würde. Zum Beispiel muss ein Nichtschwimmer nicht ins Wasser springen, wenn ein Ertrinkender gerettet werden muss. Niemand kann verlangen, dass man eine brennenden Wohnung betritt, um einen Bewusstlosen zu retten.

Rechtsansprüche gegen den Ersthelfer

Viele Menschen haben Angst, bei der Ersten Hilfe etwas falsch zu machen und dafür bestraft zu werden. Diese Sorge ist unbegründet: Sollten Erste-Hilfe-Maßnahmen zu Sachschäden (zum Beispiel an der Kleidung) oder zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Betroffenen führen, kann der Ersthelfer nicht strafrechtlich belangt werden, sofern er nach bestem Wissen und mit größtmöglicher Sorgfalt gehandelt hat. Haftbar gemacht wird der Helfer nur, wenn Vorsatz, das heißt absichtliches Fehlverhalten oder grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen werden können; in der Regel ist dies aber auszuschließen. Abgesehen davon sind Schäden durch unterlassene Hilfeleistung viel wahrscheinlicher und schwerwiegender als durch eine nicht ganz korrekte Hilfeleistung. Wenn ein Ersthelfer in guter Absicht den Rettungsdienst verständigt - sich aber jedoch herausstellt, dass dies nicht notwendig war, muss er die entstandenen Kosten nicht tragen. Der Ersthelfer haftet wiederum nur dann, wenn er den Rettungsdienst vorsätzlich falsch alarmiert. Begeht der Ersthelfer bei seiner Hilfeleistung eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat, ist dies möglicherweise gerechtfertigt (Juristen sprechen vom "rechtfertigenden Notstand") und deshalb nicht strafbar. Gibt es keine andere Möglichkeit zu telefonieren, darf der Ersthelfer zum Beispiel eine Fensterscheibe eines allein stehenden Hauses einschlagen, um vom dortigen Telefon den Notruf abzusetzen. Die Tatsache, dass durch die Benachrichtigung des Rettungsdienstes möglicherweise ein Menschenleben gerettet wird, wiegt eindeutig schwerer als die geschilderten Straftaten Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch.

Rechtsansprüche des Ersthelfers

Sollte bei der Ersten Hilfe ein Schaden am Eigentum des Helfers (zum Beispiel an der Kleidung oder am eigenen Fahrzeug) entstanden sein, haftet dafür entweder die Haftpflichtversicherung des Verletzten oder der gesetzliche Unfallversicherungsträger. Das Sozialgesetzbuch (SGB 7) regelt, dass jeder Ersthelfer beitragsfrei gegen alle Personen- und Sachschäden versichert ist, die ihm bei der Hilfeleistung möglicherweise widerfahren. Deshalb hat der Ersthelfer zum Beispiel auch Anspruch auf kostenlose Heilbehandlung, Berufshilfe und spätere Verletztenrente, wenn er selbst bei der Hilfeleistung gesundheitlichen Schaden erleidet.

Technisches

Definition eines Notfalls

Unfälle, akute Erkrankungen oder Vergiftungen können zu einem Notfall führen. Dabei ist die Gesundheit des Betroffenen akut bedroht. Wenn die lebenswichtigen Vitalfunktionen Bewusstsein, Atmung und Kreislauf durch Sauerstoffmangel beeinträchtigt sind, besteht unter Umständen Lebensgefahr. Auch Störungen einzelner Vitalfunktionen können diesen Sauerstoffmangel auslösen, denn Bewusstsein, Atmung und Kreislauf ergänzen sich wechselseitig und hängen von einander ab. Sind alle drei Vitalfunktionen durch Sauerstoffmangel ausgefallen, ist ein Mensch klinisch tot. Sauerstoff ist für den Menschen somit lebensnotwendig. Ohne eine ausreichende Versorgung mit diesem Gas ist kein Leben möglich. Bei den Erste-Hilfe-Maßnahmen muss deshalb immer dafür gesorgt werden, dass die Sauerstoffversorgung des Betroffenen möglichst optimal gesichert ist.

Merkmale einer Notsituation

Nicht nur die gesundheitliche Beeinträchtigung und die Gefahr der vitalen Bedrohung, der schnell entgegengewirkt werden muss, kennzeichnen eine Notsituation. Charakteristisch ist zudem, dass ein Mensch, der sich selbst nicht helfen kann, dringend Hilfe braucht. Der Betroffene ist auf andere angewiesen und sogar von ihnen abhängig. Außerdem ist das Auftreten eines Notfallgeschehens relativ unwahrscheinlich; ein Mensch erlebt nur selten, dass sich jemand in Lebensgefahr befindet. Natürlich ist das Auftreten kleinerer Verletzungen häufiger - aber auch das sind im Alltag grundsätzlich Ausnahmesituationen. Zudem treten Notfälle unerwartet und unvorhersehbar auf. Selbst wenn man sich der generellen Möglichkeit eines Notfalls ständig bewusst ist, sind die konkreten Notfallsituationen zu unterschiedlich, um sie gedanklich erschöpfend durchzuspielen.

Notfallarten

Die Notfallereignisse, bei denen Erste Hilfe erforderlich wird, sind nur selten so spektakulär, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Explosionsunglück, einem Großbrand oder einem schweren Verkehrsunfall Hilfe leisten zu müssen, ist viel geringer als bei Notfällen, die sich im direkten Umfeld des Helfers und im Alltag ereignen.
- 53% der Notfälle geschehen im Haus- und Freizeitbereich (ein Kind zieht sich zum Beispiel beim Spielen eine Wunde zu)
- 26% der Notfälle geschehen im Beruf (ein Arbeitskollege erleidet beispielsweise einen Krampfanfall)
- 15% der Notfälle geschehen in der Schule (ein Schüler quetscht sich zum Beispiel an der Tür einen Finger)
- 6% der Notfälle geschehen im Verkehr (ein Lastkraftwagen fährt beispielsweise auf einen Personenwagen auf) Die Menschen, denen geholfen werden muss, sind nur in wenigen Fällen Fremde - sondern meistens Verwandte oder Bekannte. Man wird auch seltener mit Blutungen oder Knochenbrüchen konfrontiert als mit einem Herzinfarkt, einem Asthmaanfall oder plötzlicher Bewusstlosigkeit.
- 48,58% der Notarzteinsätze entfallen auf Erkrankungen (zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall)
- 9,78% der Notarzteinsätze entfallen auf Vergiftungen (beispielsweise mit Tollkirschen, giftigen Pilzen, Alkohol oder Medikamenten)
- 11,55% der Notarzteinsätze entfallen auf Unfälle (zum Beispiel Verkehrsunfälle oder Unfälle im Haushalt)
- 16,78% der Notarzteinsätze entfallen auf Sonstiges (ein Obdachloser wird beispielsweise erfroren im Park aufgefunden)
- 13,31% der Notarzteinsätze sind Fehleinsätze (etwa weil bereits andere einen Rettungswagen zur Unglücksstelle gerufen haben)

Anforderungen an den Ersthelfer

Um Erste Hilfe schnell und richtig leisten zu können, muss der Ersthelfer bestimmte Fähigkeiten besitzen:
- Fachliche Qualifikation (zum Beispiel Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs sowie Auffrischung des Wissens)
- Improvisationsvermögen (Unfälle, Erkrankungen oder Vergiftungen entsprechen in der Realität häufig nicht den Beispielen aus einem Erste-Hilfe-Kurs. Notfälle sind sehr unterschiedlich, man kann daher nicht auf alle Situationen vorbereitet sein. Man geht in der Erste-Hilfe-Ausbildung davon aus, dass der Lehrgangsteilnehmer ausgehend von seinem im Kurs erworbenen Wissen und den dort entwickelten Fähigkeiten auch in ähnlichen Notfällen helfen kann, beispielsweise einen Knochenbruch mit Hilfe eines daruntergelegten Kleidungsstücks ruhig stellen.)
- Ruhe bewahren (Sinnvoll Erste Hilfe leisten heißt, besonnen und umsichtig das jeweils Richtige zu tun, und nicht hektisch in blinden Aktionismus zu verfallen.)
- Erkennen - Überlegen - Handeln (Der Ersthelfer muss zunächst erkennen, was geschehen ist: Handelt es sich um einen Verkehrsunfall oder um eine Erkrankung? Wie viele Verletzte gibt es? Welche Verletzungen oder Erkrankungen liegen vor? Wichtig ist es, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Danach sollte man sich einige Sekunden lang die Zeit nehmen, zu überlegen: Welche Gefahr droht dem oder den Betroffenen? Wer ist besonders schwer verletzt? Wem muss zuerst geholfen werden? Welche Maßnahmen sind sofort notwendig, welche erst später? Zu den ersten Überlegungen gehört auch, ob man sich möglicherweise selbst gefährden könnte. Treten an einer Unfallstelle giftige Substanzen aus? Besteht Explosionsgefahr? Wie kann man trotzdem helfen? Ist der Rettungsdienst schon benachrichtigt? Jetzt heißt es handeln, und zwar so, wie es notwendig ist: Einerseits so, wie die Situation es verlangt, andererseits wie sie es zulässt.
- Hilfsmittel für die Erste Hilfe (Alle lebensrettenden Maßnahmen sind ohne Hilfe durchführbar. Was der Ersthelfer jedoch benötigt, sind ein gesundes Selbstvertrauen und ein wenig Mut, um im entscheidenden Moment aktiv zu werden. Jeder Mensch kann an jedem Ort Hilfe leisten - sofern er geistig und körperlich dazu in der Lage ist. Ein zehnjähriges Kind wird zum Beispiel noch keine effektive Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen können, weil es ganz einfach noch nicht kräftig genug ist. Bei einigen Maßnahmen ist es natürlich sinnvoll, auf Hilfsmittel zurückzugreifen: So muss in jedem Kraftfahrzeug ein genormter Verbandkasten nach DIN 13164 und ein Warndreieck zur Absicherung von Unfallstellen mitgeführt werden. Bei Lastkraftwagen ist zusätzlich eine tragbare gelbe Warnblinkleuchte vorgeschrieben. Neben dieser Mindestausstattung empfiehlt sich folgende Sicherheitsausstattung: ein Feuerlöscher, ein so genannter Nothammer und eine Sicherheits-Warnweste mit Reflexstreifen.

Die Rettungskette

Die optimale Versorgung eines verletzten, erkrankten oder vergifteten Menschen lässt sich mit dem Schema der Rettungskette beschreiben, die aus fünf Gliedern besteht.
- Absichern und Eigenschutz (zum Beispiel Absichern der Unfallstelle, Retten aus der Gefahrenzone)
- Lebensrettende Sofortmaßnahmen (zum Beispiel Mund-zu-Nase-Beatmung, Herzdruckmassage, Stabile Seitenlage, Ausräumen des Mund-Rachen-Raumes, Stillung bedrohlicher Blutungen, Schockbekämpfung)
- Notruf absetzen! (Wo geschah der Notfall? Wie viele Leute sind betroffen? Wann ist es passiert? Welche Verletzung, Vergiftung oder Erkrankung? Auf Rückfragen warten!)
- Weitere Erste Hilfe leisten (zum Beispiel Wundversorgung, Betreuung des Betroffenen, fachgerechte Lagerung, Ruhigstellen von Knochenbrüchen)
- Der Rettungsdienst knüpft mit seinen Maßnahmen an die des Ersthelfers an und sorgt dafür, dass die Transportfähigkeit des Notfallpatienten hergestellt wird.
- Das letzte Glied der Rettungskette ist das Krankenhaus mit einer Rettungsstelle, in dem einem Notfallpatienten die komplette ärztliche und pflegerische Versorgung zur Verfügung steht. Im Idealfall wird der Betroffene schon hier bis zur völligen Genesung behandelt - möglicherweise folgt dem Krankenhausaufenthalt aber noch eine weitere Therapie in Rehabilitationskliniken. Kategorie:Erste Hilfe

Niederländische Sprache

Die Niederländische Sprache (Nederlandse taal), auch Niederländisch (ursprgl.: duits der nederen landen bzw. de duitse taal der nederen landen/ die deutsche Sprache der niederen Lande, auch: Nederduits/ Niederdeutsch), fälschlich Holländisch, nach der niederländischen Region Holland benannt, aus deren Dialekten sich die niederländische Schriftsprache (niederdeutsche Hochsprache) im Wesentlichen entwickelte, gehört wie das Hochdeutsche zum germanischen Zweig der indogermanischen Sprachen.

Herkunft

Das Niederländische ist eine westgermanische Sprache. Es leitet sich vom Niederfränkischen ab, einem Zweig des Niederdeutschen, der sich in den "niederen Landen des Frankenreichs" - nordwestlich der Benrather Linie - weiterentwickelt hat. Die indogermanische Sprachwissenschaft/Germanistik stellt das Niederländische als westlichen Zweig des Niederdeutschen neben den Niedersächsischen und den Ostniederdeutschen Zweig der deutschen Sprache. Wer niederdeutsche (plattdeutsche) Dialekte spricht oder versteht, kann in der Regel auch Niederländisch (größtenteils) verstehen. Ursprünglich und überwiegend wird Niederländisch in den Niederlanden, im flämischen Gebiet Belgiens, in Brüssel sowie in angrenzenden Regionen Frankreichs und Deutschlands gesprochen. An der Grenze zum Hochdeutschen gehen die Mundarten des Niederländischen beziehungsweise Niederfränkischen fließend ins Westmitteldeutsche über, das ebenfalls fränkischen Ursprungs ist. Das Niederländische beruht auf der Niederdeutschen Schriftsprache des 17. Jahrhunderts, die allmählich aus Mundartausdrücken der Provinzen Brabant und Holland angereichert wurde. Eine ältere Version war die überregionale Sprache der Hanse, die insbesondere in Antwerpen, Brügge und kurz darauf auch in Holland Verbreitung als Handels- und Gelehrtensprache fand. Lehnwörter kommen aus dem Französischen und in neuerer Zeit überwiegend aus dem Englischen. Was den Wortschatz betrifft, so bewahrt das Niederländische mehr als das moderne (Hoch-)Deutsche den altdeutschen Wortbestand. Sprachliche Weiterentwicklungen und Neuformungen der heutigen Deutschen Sprache fanden nie Eingang in das Niederländische, im (Hoch-)Deutschen bereits verschwundene Begriffe leben im Niederländischen fort (z.B. Oorlog, lenen, kiezen, verbazen). Anders als im Hochdeutschen sind die Wörter lautlich unverschoben = "platt", haben die hochdeutsche Lautverschiebung also nicht mitgemacht. Beispiele sind: genoot/Genosse, wetenschap/Wissenschaft, paard/Pferd, koopman/Kaufmann, verbeteren/verbessern, koninkrijk/Königreich. Daneben finden sich im Niederländischen sehr viele niederfränkische Mundartausdrücke, die allerdings schon jahrhundertelang zum Standardvokabular gehören. Die Sprachstruktur des Niederländischen geht insgesamt, trotz grammatischer Vereinfachungen, auf das Niederdeutsche der frühen Neuzeit zurück. Der Satzbau hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert. Die alten niederfränkischen Dialekte sind in den Niederlanden mittlerweile stark zurückgedrängt worden. Nur das Limburgische genießt heute den Rang einer Regionalsprache. Die in den Niederlanden ebenfalls verbreiteten friesischen und niedersächsischen Mundarten werden noch stärker gepflegt. Sie beeinflussten die niederländische Standardsprache jedoch kaum. Als "Niederfränkisch" bezeichnet man die Mehrzahl der in den Niederlanden gesprochenen niederdeutschen Dialekte. Sie sind fränkischen Ursprungs und substanziell eng mit mit den rheinischen und moselfränkischen Mundarten des deutschen Sprachraums verwandt. Gemeinsam mit dem Niedersächsischen (einschl. Westfälisch) bilden sie den westlichen (alten) Zweig des Niederdeutschen (das Ostmitteldeutsche entstand erst durch die Siedlungsbewegungen im 12./13. Jahrhundert). Das Niederfränkische geht auf die altfränkischen (salischen) Mundarten zurück, denen auch das Deutsche zugrunde liegt. Im Gefolge der Lautverschiebung entwickelten sie sich allmählich unter dem Einfluss anderer Stammesmundarten (Alemannisch, Bairisch) zum Althochdeutschen. Dessen Grundgepräge jedoch blieb fränkisch. Früh schon durchdrang das Fränkische auch das Altsächsische (das heutige Niedersächsische) und machte es dadurch zu einer deutschen Mundart. Gerade durch diese innige Verwobenheit standen sich Niederfränkisch und Niedersächsisch schon im frühen Mittelalter morphologisch sehr nahe, ungeachtet der Tatsache, dass beide dem deutschen Sprachverband angehörten. So kann es nicht verwundern, dass im späten Mittelalter eine einheitliche Schriftsprache entstand (Mittelniederdeutsch), deren Verfestigung durch den regen Schriftverkehr innerhalb des Hansebundes nach und nach gefördert wurde. Zudem fand zwischen dem Niederdeutschen und den hochdeutschen Kanzleisprachen ein ständiger Sprachaustausch statt; es gab einen gemeinsamen Wortschatz, sogar Sprichwörter und Redewendungen waren gleich. Trotz der lautlichen Besonderheiten war das Niederdeutsche stets Teil der deutschen Kultursprache. Dies erkennt man auch an den frappanten Übereinstimmungen des heutigen Niederländischen mit dem Frühneuhochdeutschen. Der ganz überwiegende Teil des niederländischen Wortschatzes stammt aus dem Mittelniederdeutschen, einer schriftsprachlichen Version des Niedersächsischen, die bis ins 17./18. Jahrhundert im gesamten norddeutschen Raum verbindliche Verkehrssprache war. Das Niederdeutsche verfügte auch über einen mundartlich bedingten Sonderwortschatz, der heute vollständig im Niederländischen erscheint (siehe weiter unten). Auch die niederländische Grammatik beruht auf der mittelniederdeutschen, wurde jedoch im Laufe der Zeit erheblich vereinfacht (stark eingeschränkte Beugung von Substantiv und Adjektiv). Das niederfränkische Element setzte sich, dem örtlichen Sprachgebrauch folgend, in der Aussprache durch (Phonetik). Zum Wortschatz lässt sich folgendes sagen: 1) Die breite Masse der Wörter wird ähnlich oder gleich geschrieben wie im Deutschen (unter Berücksichtigung der Lautverschiebung) und hat weitgehend die gleiche Bedeutung z.B.: recht, beledigen, gevaar, verwant, kaal, verbergen, ergernis (=Ärgernis), geduld, angst, brief, schuld, geld, jagen, kind, nacht, morgen, arbeid, aanvangen, begeleiden, burgemeester, handel, bericht, niemand, liefde (= Liebe), bescheiden, gerucht (Gerücht), bewegen, krijgsgevangen, verdrag, geheim, verraad, dienst ... 2) Einige Wörter werden ähnlich oder gleich geschrieben, haben jedoch eine im Deutschen veraltete Bedeutung: z.B.: aandacht - Aufmerksamkeit; aanleiding - Anlass; beloven - versprechen (= geloben); vuilnis - Abfall, Müll ("Fäulnis"); openbaar - öffentlich; 3) Viele Wörter sind niederdeutschen Ursprungs und existieren sonst nur im Plattdeutschen: z.B.: achter - hinter; maat - Kollege, Partner; dwars - quer; steunen - stützen; laag - niedrig; prettig - schön, angenehm; vaak - häufig, öfters; trekken - ziehen (auch mitteldeutsch); heel - ganz; klaar - fertig, bereit (deutsch halbmundartl. "startklar"); kwaad - schlimm, unangenehm, böse, spijten - bedauern; waarschuwen - warnen (norddt. "wahrschauen"); vergleiche auch krug = Gaststätte, Schenke (Dorfkrug) 4) Eine Anzahl von Wörtern ist im Deutschen weitgehend veraltet: z.B.: minne - Liebe; verbazen - sich wundern, erstaunt sein; kiezen - (er)wählen; oorlog - Krieg, "Orlog"; lenen - leihen, entlehnen; eeuw - Jahrhundert (Ära); oogst - Ernte, Erntemonat (August); lente - Lenz, Frühling; aanbevelen - empfehlen, eisen - fordern, verlangen (heischen, auch "eischen"); gedraag - das Benehmen, Betragen 5) Das Niederländische hat zahlreiche Wörter aus anderen Sprachen entlehnt; besonders bedeutend sind die Wörter, die seit dem frühen 18. Jahrhundert aus dem Französischen übernommen wurden; die angestammten Wörter blieben daneben in aller Regel gleichberechtigt erhalten (wir haben sie in unserer Auswahl nach dem Schrägstrich aufgeführt): kwestie / vraag - Frage; succes / (goed) gevolg - Erfolg; soelaas / troost - Trost, Linderung; kleur / verf - Farbe; vakantie / verlof - Urlaub (das Wort Urlaub leitet sich von "erlauben" ab; also der Erlaubnis, der Arbeit fernzubleiben und sich freizunehmen; eine ältere Variante von "Erlaubnis" ist das Wort "Verlaub", niederdt./niederländ. "verlof", vergl. veroorloven = erlauben) 6) Desweiteren wurde in neuerer Zeit, wie in den meisten anderen Sprachen auch, eine beachtliche Anzahl englischer Fremdwörter, insbesondere aus den Bereichen Technik, Wirtschaft, Computer und Kommunikation aufgenommen. Auch die Jugendsprache entlehnt fleißig aus dem Englischen; eine Aufzählung einzelner Begriffe wollen wir uns allerdings ersparen. Es sei nur darauf hingewiesen, dass das Niederländische bei der Schreibung häufig vom Original abweicht, da es sie flexibel an die Aussprache anpasst. 7) Nicht zuletzt findet sich im Niederländischen auch eine beachtliche Anzahl deutscher Entlehnungen. Angesichts der nahen Verwandtschaft beider Sprachen wurden oft ganze Phrasen ins Niederländische übertragen und an die lautlichen Gegebenheiten angepasst, z. B. aanstalten maken, tijdschrift (=Zeitschrift); bei der folgenden Auswahl beschränken wir uns auf direkt übernommene Wörter: kelner, ober(kelner), kotsen, schwung, uberhaupt, sowieso, streber, schwalbe (Fußball!), sehnsucht, schnitzel, schnaps, krimi, kitsch, krach, bühne, quatsch, putsch, schminken, umlaut, schlager... Die kleinen satztechnischen Funktionswörter sind ebenso niederdeutscher Herkunft: tot - (bis) zu; net - genau (wie); dus - also, doch; pas - erst, gerade; maar - aber; er - da, davon, dort / sehr, gar (steigernde Bedeutung)...es wird meist nicht übersetzt); Wörter wie golf (Welle) oder vastenavond (Karneval, "Fastenabend") sind rheinisch-niederfränkischen Ursprungs. Mittelhochdeutsche Wörter, die ins Mittelniederdeutsche gelangten, finden sich auch noch im heutigen Niederländischen. Außerdem verfügen Niederländisch und Niederdeutsch gegenüber dem Hochdeutschen über einige lautliche Eigenheiten, die meist, aber nicht ausschließlich mit der Lautverschiebung zusammenhängen: p am Wortanfang entspricht hochdeutsch pf ("poot"/"Pfote"); pim Wortinneren erscheint als f bzw. ff ("slapen"/"schlafen"; "peper"/"Pfeffer"), pp im Wortinneren als pf ("appel"/"Apfel"), p am Wortende als f ("dorp"/"Dorf") t am Wortanfang = z ("tellen"/"zählen"), t im Wortinneren und am Wortende = ss ("water"/"Wasser"), tt erscheint als tz ("zitten"/"sitzen"); nach Vokalen auch als z ("smart"/"Schmerz"; "barmhartig"/"barmherzig") k im Wortinneren und am Wortende = ch ("steken"/"stechen"; "kerk"/"Kirche") v und f im Wortinneren und am Wortende erscheinen im Hochdeutschen als b ("streven"/"streben"; "half"/"halb") Ansonsten ist v meist gleichzusetzen mit deutsch f ("vangen"/"fangen"; "veld"/"Feld") d bzw. dd erscheint nach oder zwischen Vokalen als t, tt oder dt ("raden"/"raten"; "bidden"/"bitten"; "stad"/"Stadt") s am Wortende und ss zwischen zwei Vokalen erscheinen entweder als sch ("vis"/"Fisch"; "wassen"/"waschen") oder als chs ("wassen"/"wachsen" = doppeldeutiges Wort! ; "vlas"/"Flachs") dw- bzw. tw- entsprechen hochdeutsch zw- ("dwingen"/"zwingen", "twijn"/"Zwirn") - heid entspricht dem deutschen -heit oder dem daraus hervorgegangenen -keit ("mensheid"/"Menschheit"; "vriendelijkheid"/"Freundlichkeit") ee entspricht eh ("eerlijk"/"ehrlich") oder ei ("een"/"ein") -schap entspricht -schaft ("gemeenschap"/"Gemeinschaft") cht erscheint im Hochdeutschen oft als ft ("kracht"/"Kraft"; "hechten"/"heften") Hinweis: Der Auslaut -cht ist (auch im Deutschen) immer niederdeutschen Ursprungs; es handelt sich um ein altes fränkisches Partizip: Macht, Pracht (prangen, "Gepränge"), sacht bzw. zacht (hochdeutsch "sanft"), Gracht (hergeleitet von graven; "das Gegrabene") usw. Niederländisch ou entspricht dem deutschen al ("houden"/"halten; "woud"/"Wald") f taucht fast nur am Wortende (s. oben) und im Wortinneren auf, dort meist als ff ("straffen"/"strafen") -kunft' entspricht -komst ("toekomst"/"Zukunft") Deutsch emp- entwickelte sich aus ent- und findet seine Entsprechung in ont- ("ontvangst"/"Empfang"; "ontwikkelen"/"entwickeln") -ing ist gleichbedeutend mit deutsch -ung ("behandeling"/"Behandlung") Das deutsche z erscheint im Niederländischen als ts ("flits"/"Blitz"; "spits"/"Spitze"); im Niederländischen hat z noch den alten Lautwert s ("gezellig"/"gesellig"; "zon"/"Sonne") Das alte Reflexiv-Präfix her- ist eine rückbezügliche Vorsilbe mit der Grundbedeutung "wieder, zurück". Es ist im Niederländischen noch recht häufig anzutreffen, im Deutschen jedoch selten geworden (wenn auch nicht selten im Gebrauch). Durch Reduktion entstand aus ihr im Hochdeutschen während der frühen Neuzeit die gleichbedeutende Vorsilbe er- (erlangen, erwarten etc.). Daneben blieb die alte Form in einigen Wörtern noch erhalten (Herkunft, herbei, herüber). Im Niederländischen ist die alte Form jedoch dominant: "herinnering"/"Erinnerung"; "herhalen"/"wiederholen". Durch den Sprachausgleich gelangten allerdings auch einige er- - Wörter ins heutige Niederländische: ervaren, erbarmen, erkennen. Weitere Präfixe sind op- = auf-, af- = ab-, om- = um-, in- = ein-, uit- = aus-, ter- = zer-, bij- = bei-, terugg- = zurück- und die von der Lautverschiebung nicht betroffenen, trennbaren Vorsilben be-, ver- und ge- Ein zentrales Ereignis in der niederländischen Sprachgeschichte war die Anfertigung der "Statenbijbel" (=Staatsbibel) zwischen 1618 und 1637. Ihr kommt eine ähnliche Bedeutung zu wie der deutschen Bibelübersetzung Martin Luthers. Die Übersetzung erfolgte auf Geheiß der Dordrechter Synode und orientierte sich an den authentischen griechischen Textquellen. Die Bibelübersetzung trug wesentlich zur Vereinheitlichung der Sprache bei. Weitere bedeutsame Veröffentlichungen, die die Entstehung der Einheitssprache beeinflussten, waren die erste niederländische Grammatikfibel Twe-sprack vande Nederduitsche letterkunst, die Hendrik Laurenszoon Spieghel mit anderen Mitgliedern der angesehenen Amsterdamer "Rederijkerskamer" um das Jahr 1584 erarbeitete und das Grundlagenwerk Aanleidinghe ter Nederduitsche Dichtkunste, verfasst von Joost van den Vondel im Jahre 1650. Als westgermanische Sprache ist das Niederländische ebenfalls mit dem Englischen (Angelsächsischen) und Friesischen verwandt. Die historisch jüngste westgermanische Sprache, das Afrikaans (früher "Kapholländisch"), das vor allem in Südafrika und Namibia gesprochen wird, ist ein unmittelbarer Spross des Niederländischen (siehe unten). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hieß das heutige Niederländisch "Nederduitsch" (Niederdeutsch) oder ”duitse taal der nederen landen (die deutsche Sprache der niederen Lande). Erst danach setzte sich allmählich die Bezeichnung "Nederlands" durch. Die Sprachgeschichte wird häufig in folgende Phasen unterteilt: Als Altniederländisch (ca. 800-1100) bezeichnet man die im heutigen niederländischen Sprachgebiet beheimateten istwäonischen (altfränkischen) Dialekte. Sie sind nur spärlich belegt. Unter Mittelniederländisch (ca. 1100-1500) versteht man die teils verschrifteten flämischen und brabantischen Mundarten des Niederfränkischen. Aus dieser Zeit sind bedeutende Werke der höfischen und ritterlichen Dichtung überliefert. Das Mittelniederländische wurde gemeinhin "Dietsch" oder "Dütsch" genannt. Das Neuniederländische (ab dem 16. Jahrhundert) hingegen beruht auf der überregionalen Niederdeutschen Schriftsprache (Nederdytsch; Nederduitsch, "Mittelniederdeutsch"). Ab dem 17. Jahrhundert und besonders stark Mitte des 20. Jhrhd. wurde das Niederdeutsche in Norddeutschland allmählich durch das Hochdeutsche verdrängt (insbesondere in den Städten) und existiert nur noch in regionalen Dialektversionen. In Flandern, Brabant und Holland jedoch entwickelte sich das Niederdeutsche zur modernen niederländischen Schriftsprache.

Verbreitung

Afrikaans Niederländisch ist heute Muttersprache von etwa 25 Millionen Menschen. Amtssprache ist es in folgenden Staaten (die Zahl gibt die ungefähre Zahl der Muttersprachler an):
- Niederlande: 16 Millionen
- Belgien: 6,2 Millionen (60% aller Belgier) (dort auch Flämisch genannt)
- Suriname: 0,4 Millionen
- Niederländische Antillen: 217.000. Ein "autonomer Staat" innerhalb des Königreichs der Niederlande. Die Niederländischen Antillen sind eine Inselgruppe in der Karibik und bestehen aus Bonaire, Curaçao (zusammen mit Aruba auch "ABC-Inseln" genannt), Saba, Sint Eustatius und Sint Maarten (der größere Teil von Sint Maarten heißt Saint-Martin und gehört zu Frankreich).
- Aruba: 95.000. Aruba trennte sich offiziell 1986 von den Niederländischen Antillen ab und wurde zu einem eigenen "autonomen Staat" innerhalb des Königreichs der Niederlande. Der Language Code ist nl beziehungsweise dut oder nla (nach ISO 639); dum ist der Code für Mittelniederländisch (etwa 1050-1350). Oft nennen auch Niederländer die niederländische Sprache Holländisch, obwohl der Holländische Dialekt eigentlich nur ein größerer Dialekt des Niederländischen ist. Das moderne Standard-Niederländische ist stark vom Dialekt des früher mächtigsten Bundesstaates Holland (heute die Provinzen Nord- und Südholland) geprägt. Von den Dialekten der anderen früheren Bundesstaaten, außer dem reichen und einflussreichen belgischen Brabant, findet man im modernen Niederländisch weniger wieder. Es gibt viele Niederländer, die - wie in Norddeutschland - als "Muttersprache" zu Hause niedersächsische Dialekte sprechen (Plattduits), die unmittelbar von der altsächsischen Sprache abstammen. Sie lernen Niederländisch als Zweitsprache in der Schule und nennen es Holländisch, die Sprache der holländischen Provinzen. Umgekehrt sind die ursprünglichen Mundarten des deutschen Niederrheins, des westlichen Ruhrgebiets, sowie Teile des Bergischen Landes niederfränkisch bzw. niederländisch (alle fränkischen Mundarten nördlich der Uerdinger Linie). Insbesondere die früher in Deutschland gesprochenen Kleverländischen Dialekte gelten unbestritten als niederländische Mundarten. In den meisten Schulen des heutigen bundesdeutschen Kreises Kleve war Niederländisch bzw. Kleverländisch bis ins 19. Jahrhundert Unterrichtssprache. In Belgien sprechen die Flamen, also die Bewohner des im nördlichen Teil Belgiens gelegenen Landesteils Flandern, die flämischen Dialekte des Niederländischen. Als Amts- und Schriftsprache wird jedoch in Flandern ebenso wie in den Niederlanden die niederländische Standardsprache verwendet. Die Niederlande und Belgien haben am 9. September 1980 die so genannte "Niederländische Sprachunion" (Nederlandse Taalunie) geschaffen. Diese soll gewährleisten, dass eine gemeinsame Rechtschreibung und Grammatik fortbesteht und die Sprache gepflegt wird. Seit dem 12. Dezember 2003 ist auch Suriname Mitglied der Nederlandse Taalunie. Selbstverständlich gibt es regionale Eigenarten zwischen der niederländischen und der belgisch-flämischen Variante der Standardsprache. Die flämischen Dialekte selbst werden untergliedert in Westflämisch, Ostflämisch und Seeländisch (Zeeuws). In der Provinz Nord-Pas de Calais im äußersten Nordwestzipfel von Frankreich, im Grenzgebiet zu Belgien, leben noch einige zehntausend Menschen, die mit der westflämischen Variante des Niederländischen aufwachsen. Ein Großteil der weißen Bevölkerung Südafrikas (die Buren) und ebenso zahlreiche südafrikanische Farbige sprechen mit Afrikaans eine aus dem Niederländischen entstammende Halbkreolsprache, neben Englisch und Zulu ist Afrikaans die meistverbreitete Sprache in der Republik Südafrika. Darüber hinaus ist Niederländisch in Indonesien und Neuguinea eine verbreitete Zweitsprache (in der älteren Generation vor Englisch). Für Studenten der Rechtswissenschaft in Indonesien ist Niederländisch Teil des Curriculums. Die Niederlande waren dort zwischen 1602 und 1945 Kolonialmacht.

Sprachverwandtschaften mit anderen Sprachen

Mit dem Niederländischen eng verwandt sind außer Afrikaans, der Sprache der Buren und der Farbigen in Südafrika, auch die verschiedenen Kreolsprachen in Suriname, Guayana und auf den Westindischen Inseln so wie das Niederfränkische am Niederrhein. Das Niederländische ist wie das Niederfränkische und das Niederdeutsche historisch mit dem Hochdeutschen verwandt. Allerdings bestehen zwischen dem Niederländischen und Niederdeutschen auf der einen Seite und den hochdeutschen Sprachformen auf der anderen Seite erhebliche phonologische, morphologische und lexikal-semantische Unterschiede, d.h. Unterschiede im Wortschatz, so heißt im Niederländischen verstopt versteckt, monster Probe und bellen klingeln. Das Niederländische machte die Entwicklung zur hochdeutschen Schriftsprache nicht mit und entwickelte sich aufgrund der Eigenständigkeit des Landes und der Entwicklung einer umfangreichen eigenen Literatur anders als etwa Bairisch oder Plattdeutsch zu einer eigenständigen Ausbausprache. Die politische Trennung führte überdies zu einer getrennten Sprachentwicklungskontinuität einschließlich einer unterschiedlichen Dynamik der äußeren Sprachbeeinflussung (Entlehnungen), im Niederländischen finden sich deutlich mehr aus dem Französischen übernommene Wörter als im Deutschen, z.B. pagina, douane, vel (von feuille), fier gegenüber Seite, Zoll, Blatt, stolz. Das Niederländische wird deshalb heute als eigene Sprache angesehen. Hier eine kleine Auswahl niederdeutscher / niederländischer Wörter, die kein direktes Pendant im Hochdeutschen haben: achter - hinter / smeken - inständig bitten, flehen / aarzelen - zögern, zaudern / bezig - beschäftigt, geschäftig / mooi - gut, toll, hübsch / wet - Gesetz / vaak - häufig, öfters / praten - reden, plaudern / plechtig - festlich, feierlich / fokken - züchten, aufziehen / buiten(=buten) - außen, außerhalb / veen - Sumpf, Moor / vandaag - heute / elk, elkaar - jeder, einander / jullie - Ihr (2. Person Mehrzahl) / noden, uitnodigen - einladen (altdeutsch: "zum Besuch nötigen bzw. überreden")

Dialekte des Niederländischen, Entwicklung der Schriftsprache

Hier sind nur die niederfrankischen Dialekten wiedergegeben
- Holländischer Dialekt (Niederlande)
- Seeländisch (Seeland, Goeree-Overflakkee, diese Dialektgruppe wird manchmal beim Westflämischen eingeteilt)
- Westflämisch (West-Flandern, Frankreich)
- Ostflämisch (Ost-Flandern)
- Stadtfriesisch
- Brabantisch (Brabant, Limburg) :
- Niederfränkisch (Geldern, Kleve, Nordrhein-Westfalen) :
- Limburgisch-Bergisch (Limburg, Nordrhein-Westfalen; oft als Einzelsprache bezeichnet) Schon vor Jahrhunderten bestand eine Kluft zwischen niederfränkischer "Volkssprache" (Holländisch, Brabantisch, Limburgisch, Vlaams) und Schriftsprache, die sich letztlich zur Standardsprache entwickelte ("Nederduitsch"). Diese Trennlinie markierte lange Zeit die Grenze zwischen Mundart und Hochsprache. Heute sind die Mundarten weitgehend bedeutungslos (Ausnahme: Mundarten in Belgien, Limburgische Sprache) und zu umgangssprachlichen Ablegern der Standardsprache geworden. Schon das Holländische des 19. Jahrhunderts war nur noch ein "Fassadendialekt". Durch das für damalige Zeiten hohe Bildungsniveau in der holländischen "Randstad" (Ballungszone) wurden die Mundarten ins bäuerliche Hinterland zurückgedrängt - in der Stadt sprach man die elegante "Nederduitsche Taal". Man kann die niederländische Sprache durchaus als unmittelbaren Nachfolger der mittelniederdeutschen Schriftsprache betrachten. Die in Norddeutschland ansässigen niedersächsischen Mundarten ("Plattdeutsch") beruhen ebenfalls auf dem Mittelniederdeutschen. Sie verfügen allerdings, im Gegensatz zum Niederländischen, über keine verbindliche Schreibung und weisen zahlreiche regionale Abweichungen in der Aussprache auf, was wiederum die Erstellung einer einheitlichen Orthographie (Schreibweise) erschwert. Diese Entwicklung ist dem Ansehensverlust geschuldet, den die Niederdeutsche Sprache gegenüber dem Hochdeutschen zu beklagen hat. Zu beklagen ist auch, das sich vor allen die jüngeren Deutsche und Niederländer sich in Englisch unterhalten, statt in Niederfränkisch, Deutsch oder Niederländisch. Es besteht auch in den Schulen von Nordrheinwestfalen kaum die Möglichkeit, Niederländisch zu lernen. Deutsche, die Niederländisch verstehen, empfinden es als arrogant, wenn Niederländer in Englisch antworten.

Rechtschreibung und Aussprache

Während man die deutsche Rechtschreibung als eine historische auffassen muss (Beispiel: lehren - leeren), richtet sich die niederländische Schreibung einheimischer Worte weitestgehend nach der Aussprache, ist also in dieser Hinsicht regelmäßiger als das Deutsche. Das Niederländische neigt auch dazu, Fremdworte so weit wie möglich der Aussprache anzugleichen : exclusief, fotografie, techniek, etnologie, muziek, recreatie. Von grundlegender Bedeutung ist im Niederländischen die Unterscheidung zwischen offenen und geschlossenen Silben (open/gesloten lettergrepen): #Offene Silben enden auf einen Vokal, wie beispielsweise die erste Silbe des Wortes geven (geben): ge-ven #Geschlossene Silben enden auf einen Konsonanten, wie beispielsweise das einsilbige Wort School (Schule): school Die langen Vokale werden in offenen Silben einfach, in geschlossenen Silben doppelt geschrieben:
- geven, lezen, geloven (geben, lesen, glauben), aber:
- gaan, loon, jaar (gehen, Lohn, Jahr). Kurze Vokale kommen lediglich in geschlossenen Silben vor:
- snel, pen, dag, boffen, opletten (schnell, Schreibfeder, Tag, Glück haben, aufpassen). Der Großteil der niederländischen Buchstaben werden wie im Deutschen ausgesprochen. Besondere Beachtung erfordern allerdings die folgenden Buchstaben und Buchstabenkombinationen:
- au/ou - etwa wie deutsches "au".
- eu [] - etwa wie langes ö.
- ie [], [] - etwa wie ein geschlossenes kurzes "i", geschlossener als im Deutschen, lang vor "r".
- ei/ij - etwa wie "ei". (Nicht wie deutsches "ei", sondern e + i), z. B.
klein, lijn. Das IJ nimmt dabei als Ligatur eine Sonderstellung ein.
- oe - etwa wie kurzes "u", aber lang vor "r".
- u - in geschlossenen Silben etwas geschlossener als in deutsch "Hölle", in offenen Silben etwa wie deutsch "ü" in "Übel".
- ui - etwa wie "ö" + "i".
- c [], [] - vor e, i und ij wie "z" in Zimmer oder wie im englisch: "city"; vor a, o, u und Konsonant wie "k" in Kasse.
- g [] - wie "ch" in ach.
- qu [], [] - wie deutsches "qu" oder wie "k".
- tie [] - wie "ßi" oder "zi".
- w [] - wie deutsches "w".
- v [] - anders als deutsches "w" ist dieser Laut ein echter Reibelaut, d.h. die Reibung muss deutlich zu hören sein. Es gibt also einen deutlichen Unterschied zwischen:
wier (Tang), vier (vier) und fier (stolz).
- z [] - wie deutsches "s" in "sehen". Die einzelnen Silben werden durchverbunden, so dass der Glottisschlag des Niederländischen, anders als in verschiedenen Varietäten des Standarddeutschen nicht durchgängig die Funktion als Grenzsignal vor Vokal im Anlaut betonter Silben übernimmt, sondern als Mittel der Emphase benutzt wird.
- Beispiel:
ndl.:Dat doe ik [] - hochdeutsch: Das mache ich [] Die Konsonanten werden durchgehend assimiliert, und zwar sowohl progressiv als auch regressiv.

Grammatik

Die Grammatik des Niederländischen hat sich vor allem in den letzten 100 Jahren, einem sprachgeschichtlich sehr kurzen Abschnitt, sehr stark vereinfacht. Die Fälle werden bei den Substantiven und Adjektiven nicht mehr angewendet, sie sind nur noch in den Objektpronomen erkennbar und treten in einigen feststehenden Redewendungen auf.

Groß- und Kleinschreibung

Die niederländische Sprache schreibt allgemein wie im Englischen alle Wortarten klein, nur das erste Wort eines Satzes wird großgeschrieben. Ausgenommen von dieser Regel sind Namen verschiedener Art. Dies sind vor allem:
- Namen von Personen
(z.B. Rembrandt van Rijn)
- Eigennamen aller Art
- geografische Bezeichnungen
(z.B. Amsterdam, Nederland, Vlaanderen)
- Adjektive als Herkunftsbezeichnungen von Orten
(z.B. Edammer (von Edam + -er, das extra M ist wegen der Aussprache eingefügt), Maasdammer)
- historische Bezeichnungen
(z.B. het Duitse Rijk)

Substantive und Artikel

Das Niederländische kennt drei verschiedene Arten des grammatischen Geschlechts: das männliche, das weibliche und das sächliche Geschlecht. Es existieren im Niederländischen zwei verschiedene bestimmte Artikel
(het bepaald lidwoord): de und het. Im Singular steht de vor den männlichen und weiblichen Substantiven, het dagegen vor sächlichen. Im Plural gibt es für alle drei grammatische Geschlechter den gleichen Artikel: de. Eine Flexion des bestimmten Artikels findet in der Niederländischen Sprache nicht statt. Lediglich in einigen Redewendungen und Sprichworten tauchen einige alte gebeugte Formen der Artikel auf: de eenvoud des harten = die Schlichtheit ("Einfalt") des Herzens, heden ten dage = heutzutage, Koninkrijk der Nederlanden = Königreich der Niederlande etc. Der unbestimmte Artikel (het onbepaald lidwoord) im Niederländischen lautet im Singular für alle Substantive een und hat keine Pluralform.

Maskulinum oder Femininum?

Obwohl das Niederländische nur eine Unterscheidung in de- und het-Wörter kennt, spielt bei den pronominalen Bezeichnungen (hij, zij, het - er, sie, es) die Bestimmung, welchem Geschlecht das Substantiv zuzuordnen ist, eine wichtige Rolle. Während in den nördlichen Provinzen der Niederlande das Sprachgefühl für eine klare Unterscheidung fast vollständig verloren gegangen ist, hat sich dieses Gefühl im südniederländischen Sprachgebiet, insbesondere in Flandern erhalten. So sind
de boter ("die Butter"'), de waarheid ("die Wahrheit") und de hoogte ("die Höhe") weiblich, de stoel ("der Stuhl") und de tafel ("der Tisch") männlich. Im Norden der Niederlände besteht jedoch die Tendenz, de-Wörter als maskulin einzustufen ("hij") oder ein anderes Pronomen (z. B. die, dt." diese(r)") zu benutzen. Im Vergleich zum Deutschen entspricht die Gruppe der de-Wörter meist den deutschen männlichen und weiblichen Substantiven, und die het-Wörter sind im Deutschen ebenfalls meist sächlich. Ausnahmen: het begin - der Beginn, het genot - der Genuss, het loon - der Lohn, het kanon - die Kanone etc.

Adjektive

Das Adjektiv
(het bijvoeglijk naamwoord) ist als Prädikat unveränderlich. Als Beifügung trägt es überwiegend die Endung -e. Kein Endungs-e erhalten Adjektive vor sächlichen Substantiven, wenn diese in der unbestimmten Form stehen. de grote man (der große Mann) de grote vrouw (die große Frau) het grote huis (das große Haus) aber: een grote man (ein großer Mann) een grote vrouw (eine große Frau) een groot huis (ein großes Haus)

Verb

Das Verb im Niederländischen endet in der Infinitivform, von einigen Ausnahmen abgesehen, auf
-en. Das Verb wird wie im Deutschen konjugiert, also der handelnden Person entsprechend durch Veränderung der Verbendung gebeugt.

Konjugation des Verbs im Präsens

Zur Konjugation im Präsens, der Gegenwartsform hat der Infinitiv also die Stammform eines jeden Verbs eine zentrale Bedeutung. Er bestimmt wie im Deutschen die Konjugation des Verbs. Der Infinitiv endet auf
-(e)n. Fast alle Verben die im Niederländischen stark sind, sind es auch im Deutschen, und umgekehrt. Hinsichtlich der Rechtschreibung müssen bei der Konjugation die Ausspracheregeln beachtet werden (z. B. Einfachschreibung der langen Vokale in offenen Silben, Doppelschreibung bei geschlossenen Silben): Beispiele:
- kopen
(kaufen)
- gaan
(gehen) Also:
- kopen (Einfachschreibung des langen Vokals in offener Silbe).
- ik koop = ich kaufe (Doppelschreibung des langen Vokals in geschlossener Silbe).
- gaan (Doppelschreibung des langen Vokals in geschlossener Silbe)
- ik ga = ich gehe (Einfachschreibung des langen Vokals in offener Silbe). Für
ik (ich) wird die Verbform durch den Wortstamm gebildet. Zu jij (du), hij (er), zij (sie), het (es) sowie für u als Höflichkeitsformen von Sie wird die Verbform durch den Stamm und der Endung -t gebildet. Bei wij (wir), jullie (ihr) und zij (sie) beugt man die Verbform, indem man den Infinitiv des Verbs nutzt. Ist ein -t am Ende der Stammform (wie bei eten im unten stehenden Beispiel), wird das -t bei jij, hij, zij, het und u nicht noch einmal angefügt. Beispiele:
- kopen
(kaufen)
- lopen
(laufen)
- eten
(essen)
- gaan
(gehen)

Konjugation der Hilfsverben hebben und zijn im Präsens

Wichtige unregelmäßige Verben im Niederländischen sind die Hilfsverben:
- hebben
(haben)
- zijn
(sein)

Weblinks


- [http://www.dbnl.org/ Riesige Auswahl an niederländischer Literatur aus allen Jahrhunderten; zeitgenössische, historische, belletristische und wissenschaftliche Texte sowie hochwertige Wörterbücher online!
- [http://en.wikibooks.org/wiki/Dutch Niederländisch für Englischsprechende] (von Wikibooks)
- http://www.taalunie.org/ (auf Niederländisch)
- [http://www.infos-fuer-alle.de/niederlaendisch/MinikursNiederlaendisch.html#MinikursNiederlaendisch MinikursNiederlaendisch]
- [http://www.uitmuntend.de/ uitmuntend.de - Deutsch <-> Niederländisch Wörterbuch mit über 155.000 Stichwörtern und Bildwörterbuch]
- [http://www.ned.univie.ac.at/non/welkom/ Online-Kurs mit Soundausgabe]
- [http://www.majstro.com/Web/Majstro/taleninfo/dut_de.php Niederländisch-Deutsch-Niederländisches Online-Wörterbuch]
- [http://www.vandale.nl/opzoeken/woordenboek/ Der gesamte niederländische Wortschatz mit Phrasen, Synonymen und Umschreibungen in niederländischer Sprache. Dank ausführlicher Wortdefinitionen auch für Deutschsprachige ohne Vorkenntnisse weitgehend nachvollziehbar]
- [http://www.snvt.hum.uva.nl/index.html?lang=de Deutschsprachige Infos der Universität von Amsterdam über Niederländischkurse an deutschen und niederländischen Universitäten]
- http://neon.niederlandistik.fu-berlin.de Neon ist ein Projekt der Niederlandistik der FU Berlin Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Niederlande Kategorie:Belgien ja:オランダ語 nb:Nederlandsk språk


Afrikaans

Afrikaans, früher auch Kapholländisch oder Kolonial-Niederländisch genannt, ist die Muttersprache der Buren und Teilen der "farbigen" Bevölkerungsgruppe in Südafrika. Es gehört zum Westgermanischen Zweig der indogermanischen Sprachen. Der Language Code ist af beziehungsweise afr (nach ISO 639).

Verbreitung

Afrikaans wird hauptsächlich in Südafrika gesprochen, außerdem von kleineren Gruppen in anderen Staaten wie Namibia, Simbabwe, Botswana, Lesotho, Malawi, und Sambia. In Südafrika ist Afrikaans die Muttersprache von 14,4% aller Bewohner (laut den amtlichen Volkszählungsdaten von 1996), damit liegt es unter den 11 offiziellen Landessprachen auf dem dritten Platz. Es gibt seit etwa Mitte der achtziger Jahre mehr "nichtweiße" als "weiße" Muttersprachler. Weltweit gibt es etwa 10 Millionen Menschen, die sich auf Afrikaans verständigen können.

Geschichte

Afrikaans ist eine durch die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Isolierung vom Ursprungsgebiet entstandene eigenständige Ausbausprache, die sich aus dem Niederländischen entwickelt hat. Sie zeichnet sich im Vergleich zum Niederländischen sowohl durch antiquierte Sprachformen als auch durch vielfältige Neuerungen aus - wie beispielsweise den Verlust des grammatischen Geschlechts, eine radikale Vereinfachung des Verbsystems und zahlreiche Entlehnungen -- unter anderem aus dem Deutschen, Malaiischen, Französischen, Portugiesischen und einheimischen Bantusprachen. 1875 gründete sich die Genootskap vir Regte Afrikaanders, eine Vereinigung, die auf die Anerkennung des Afrikaans als eigenständige Sprache hinarbeitete - bis dahin hatte es immer noch als Dialekt des Niederländischen gegolten. Sie gab eine Zeitschrift namens Die Patriot ("Der Patriot") sowie verschiedene Bücher auf Afrikaans heraus. 1925 wurde in Südafrika das Niederländische als Staatssprache abgeschafft und Afrikaans trat neben Deutsch und Englisch als Amtssprache in der Südafrikanischen Union. Südafrikanischen Union 1975 errichtete die südafrikanische Regierung in Paarl, dem Gründungsort der Genootskap etwa 50 km nördlich von Kapstadt, das Afrikaanse Taalmonument, ein Denkmal, das die Bedeutung der Sprache Afrikaans symbolisieren soll. (Taal ist das afrikaanse Wort für "Sprache"). Im Apartheidsstaat sollte 1976 Afrikaans auch für die schwarze Bevölkerung als Unterrichtssprache zwangsweise eingeführt werden. Zum einen war sie zu dieser Zeit ein Symbol der weißen Unterdrücker, zum anderen hätte diese Maßnahme die Chancen für einen erfolgreichen Schulabschluss vieler schwarzer Jugendlicher erheblich gemindert. Die Sprache der Weißen wurde von ihnen nur wenig und oft unzureichend gesprochen. Am 16. Juni 1976 kam es in Soweto zu massiven Schülerprotesten, zunächst durch Schulboykott. Die Polizei ging brutal gegen die unbewaffneten Jugendlichen vor. Weltberühmt ist das Foto des sterbenden 13-jährigen Hector Peterson in den Armen eines Mitschülers. Das Auflehnen kostete in wenigen Tagen zwischen 160 und 1000 Schwarzen das Leben. Unzählige wurden inhaftiert. Mit der Ablehnung der Sprache Afrikaans entstand der "Mythos Soweto" und damit ein Schwelbrand, der später als Zeitenwende im Widerstand gegen die Apartheid angesehen wurde. Das oben gesagte trifft nicht für die "Farbigen" zu, die zu etwa 90% Afrikaans als Muttersprache sprechen.

Sprachbeispiel

Mit etwas Mühe können Afrikaner und Niederländer die jeweils andere Sprache lesen und verstehen; die Verwandtschaft zum Deutschen hingegen ist nicht so ausgeprägt: Afrikaans: Nuwe navorsing toon, dat wêreldverwarming ´n impak op sandduine in Suid-Afrika kan hê. Dit sal beteken dat woestynagtige gebiede kan uitbrei en die bestaan van duisende mense kan benadeel. Volgens die tydskrif NATURE word voorspel, dat die duine kan skuif as gevolg van reënval wat daal en windsterkte wat gaan toeneem. Niederländisch: Recent onderzoek toont aan, dat de verwarming van de wereld invloed op zandduinen in Zuid-Afrika kan hebben. Dit zal betekenen dat woestijnachtige gebieden zich kunnen uitbreiden en het bestaan van duizenden mensen kan benadelen. Volgens het tijdschrift NATURE wordt voorspeld, dat de duinen kunnen verschuiven als gevolg van dalende regenval en toenemende windsterkte. Deutsch: Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass die Klimaerwärmung Einfluss auf Sanddünen in Südafrika haben kann. Dies wird bedeuten, dass sich wüstenartige Gebiete ausbreiten können und so das Leben tausender Menschen benachteiligt würde. Der Zeitschrift NATURE zufolge wird vorhergesagt, dass sich die Dünen als Folge sinkender Regenmengen und zunehmender Winde verschieben können.

Aussprache

In der Regel wird die erste Silbe betont. Ausnahmen sind Wörter mit den Vorsilben ver-, be-, ge-, ont-, her-. Eine Silbe ist lang, wenn der Vokal verdoppelt ist (aa, ee, oo, uu) oder der Vokal einzeln, und dafür die Silbe offen ist, d.h. bei einer gedachten Silbentrennung dem Vokal kein Konsonant folgt. Daher muss ein einzelner Vokal in einer offenen Silbe z.B. bei der Mehrzahlbildung verdoppelt werden (brood – brode). Umgekehrt ist ein einzelner Vokal in einer geschlossenen Silbe immer kurz, so dass bei der Pluralbildung der Konsonant verdoppelt werden muss (kop – koppen). Vokalkombinationen und Diphthonge wie oe, eu, ie, ei, ui, ou sind mittellang bis lang.

Vokale

Konsonanten

Die Konsonanten b, f, h, j, k, l, m, n, p, t werden wie im Deutschen ausgesprochen, p, t und k sind jedoch nicht aspiriert.

Grammatik

Hauptartikel: Grammatik des Afrikaans Die Grammatik in der afrikaansen Sprache ist sehr einfach gegliedert. Man unterscheidet nur zwischen drei Zeitformen: Perfekt, Präsens und Futur. Außerdem gibt es in dieser Sprache im Gegensatz zum Deutschen der, die, das, einzig und allein das die als bestimmten Artikel. Zum Einstieg, hier ein paar Beispiele: :die man, die vrou, die kind - der Mann, die Frau, das Kind Die Gegenwart wird in der Form Subjekt, Prädikat, Objekt konstruiert: :Die man eet 'n brood - Der Mann isst ein Brot Die Vergangenheit wird gebildet, indem man ein het entweder vor das Verb, oder, wenn vorhanden, vor das Substantiv setzt. Außerdem wird ein ge vor das Verb gesetzt: :Die man het 'n brood geëet - Der Mann hat ein Brot gegessen. In der Zukunft setzt man einfach ein sal vor das Prädikat und drückt damit aus, dass man etwas machen wird. Das Prädikat behält seine Ursprungsform. :Die man sal 'n brood eet - Der Mann wird ein Brot essen. Eine Merkmal, das soweit ersichtlich in anderen germanischen Sprachen nicht besteht, ist die Verdoppelung des Wortstamms zur Bildung des Partizip Präsens. Dies ist eigentlich typisch für Kreolsprachen. :Die skape is wei-wei op die veld - Die Schafe weiden auf dem Feld (wörtlich übersetzt: Die Schafe sind weidend auf dem Feld)

Rechtschreibung

Die Rechtschreibung ist in der afrikaansen Sprache ebenfalls sehr einfach gegliedert. In der afrikaansen Sprache wird Südafrika mit 's' geschrieben (Suid-Afrika) anstatt, wie im Niederländischen, mit 'z' (Zuid-Afrika). Für Südafrika gilt 'ZA' als Kraftfahrzeugkennzeichen und '.za' als Internet Top Level Domain. Die Verneinung im Afrikaans ist eine Eigenheit.Sie wird durch ein nie-nie ausgeführt. Beispiel: Ek will nie werk nie. (Ich will nicht arbeiten). Oder: Ek is nie getroud nie. (Ich bin nicht verheiratet).

Literatur


- Edith H. Raidt: Einführung in Geschichte und Struktur des Afrikaans. Darmstadt 1983
- Thomas Suelmann: Afrikaans Wort für Wort. Kauderwelsch Band 23. Bielefeld 1997
- Herman Vekeman; Andreas Ecke: "Geschichte der niederländischen Sprache". Bern u.a. 1993 Siehe auch: Afrikaaner

Weblinks


- [http://www.majstro.com/Web/Majstro/taleninfo/afr_de.php Afrikaans-Deutsches/Deutsch-Afrikaanses Online-Wörterbuch] Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Sprache in Südafrika ja:アフリカーンス語 ms:Bahasa Afrikaans simple:Afrikaans

Motivation

Motivation (lateinisch movere = bewegen; PPP = motum; motus = die Bewegung) bezeichnet in den Humanwissenschaften sowie in der Ethologie einen Zustand des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des Verhaltens ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint. Energetisierung bezeichnet die psychischen Kräfte, welche das Verhalten antreiben. Ein Synonym von "Motivation" ist "Verhaltensbereitschaft".

Ethologie

Der Motivationsbegriff der Ethologie wird im Artikel Handlungsbereitschaft behandelt.

Motive

Ein Motiv bezeichnet in der Psychologie eine relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft, die durch eine Vorliebe für bestimmte Arten von Zielen zum Ausdruck kommt. Synonym wird oft der Begriff Bedürfnis (engl. need) verwendet. Primäre Motive wie das Nahrungs- und das Kältevermeidungsmotiv, die auf physiologischen Vorgängen beruhen, werden von sekundären Motiven unterschieden, die stärker auf psychologische Prozesse zurückgehen. Die empirisch am besten erforschten sekundären Motive sind das Leistungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv. Das Leistungsmotiv ist definiert als Bedürfnis, sich mit einem Gütemaßstab auseinanderzusetzen, das Machtmotiv als ein Bedürfnis, Einfluss auf andere Menschen auszuüben, und das Anschlussmotiv als ein Bedürfnis nach positiven sozialen Beziehungen. Sekundäre Motive werden traditionell mit dem Thematischen Auffassungstest (TAT) gemessen. Nach traditioneller Auffassung wird das Motiv einer Person durch thematisch entsprechende Anreize in der Umwelt "angeregt". Das Leistungsmotiv wird etwa dann angeregt, wenn die Person die Aussicht hat, sich mit einem Gütemaßstab messen zu können. Dies führt zu einer Motivation, den Anreiz aufzusuchen oder zu meiden.

Empirische Psychologie

Die empirische Psychologie erklärt Unterschiede in der Wahl von Zielen, in der Ausdauer und in der Anstrengungsbereitschaft durch das Zusammenspiel von Persönlichkeitseigenschaften, aktuellen Zuständen des Organismus und Situationsmerkmalen. Als Methoden kommen vor allem psychologische Testverfahren und Experimente zum Einsatz. Nach lerntheoretischer Auffassung ist die Motivation abhängig vom Bedürfniszustand des Organismus in Verbindung mit entsprechenden inneren (intraorganismischen) oder äußeren Reizen. Die äußeren Reize können soziale (interorganismische; beim Menschen: interpersonelle) Signale, aber auch Merkmale unbelebter Objekte sein.

Zwei Gruppen von Motivationsmodellen

Inhaltsmodelle können von Prozessmodellen unterschieden werden. Während Inhaltsmodelle menschliches Verhalten allein aufgrund bestimmter psychischer Inhalte erklären, führen Prozessmodelle das Verhalten auch auf bestimmte psychische Vorgänge zurück.

Inhaltsmodelle

Diese Modelle beschäftigen sich mit Art, Inhalt und Wirkung von Motiven. Eine Taxonomie von Motiven wird geboten und bestimmt, nach welchen Gesetzmäßigkeiten welche Motive verhaltensbestimmend werden.
- Humanistische Psychologie:
  - Bedürfnispyramide von Abraham H. Maslow
  - Die ERG-Theorie von Clayton P. Alderfer (Existance Relatedness Growth)
- Allgemeine Psychologie:
  - Die Motivtheorie von David McClelland
  - Das Modell von Steven Reiss
- Arbeitspsychologie:
  - Die Theorie X und Theorie Y von Douglas McGregor
  - Die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg
  - Die Theorie von Mausner & Snyderman

Prozessmodelle

Diese Modelle versuchen zu erklären, wie Motivation formal und losgelöst von Bedürfnisinhalten entsteht und auf das Verhalten wirkt. Das Ziel des Verhaltens ist unbestimmt, aber das Individuum will den subjektiv erwarteten Nutzen maximieren.
- Gleichgewichtstheorien (z.B. das Zürcher Modell von Norbert Bischof)
- Lyman W. Porter und Edward E. Lawler
- Das Rubikonmodell der Handlungsphasen von Heinz Heckhausen und Peter M. Gollwitzer
- Das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell von Heinz Heckenhausen
- Die Equity-Theorie von John Stacey Adams (1965)
- Die Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie (auch Erwartungs-Valenz Theorie) von Victor H. Vroom

Einzelne Modelle im Detail

Rubikon-Modell

Ein einfaches eindimensionales Motivationsmodell bezeichnet eine "Schwellenmotivation" beim Überschreiten einer imaginären Grenze. Diese "Rubikon-Motivatonsstrategie" erhielt ihren Namen vom Angriff Gaius Julius Cäsars gegen Rom zu Zeiten des Bürgerkrieges. Als er mit seinem Heer den Fluss Rubikon überschritt (Alea iacta est!), gab es für sie kein Zurück mehr. Das war allen Soldaten klar und ging als "Motivationskonzept" in die Psychologie ein. Das entsprechende Rubikon-Modell der Handlungsphasen von Heinz Heckhausen teilt den Handlungsstrom in folgende vier Phasen ein: #Abwägen #Planen #Handeln und #Bewerten Besonderes Gewicht liegt auf der Unterscheidung der Phasen des Abwägens und des Planens, die durch die Intentionsbildung getrennt sind. Während vor der Intentionsbildung Informationen über Erwartung und Wert von Handlungsergebnissen und Handlungsfolgen unvoreingenommen berücksichtigt werden, ist die Informationsverarbeitung nach der Intentionsbildung parteiisch auf die Erhaltung und Realisierung der Intention ausgerichtet. Dies führt Heckhausen auf volitionale Prozesse zurück.

Motivklassifikation von Maslow

Bedürfnispyramide nach Maslow
Die Maslowsche Bedürfnispyramide ist ein vom US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow entwickeltes Modell, um Motivationen von Menschen zu beschreiben. Die menschlichen Bedürfnisse bilden die "Stufen" der Pyramide und bauen dieser eindimensionalen Theorie gemäß aufeinander auf. Der Mensch versucht demnach zuerst die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedigen, bevor die nächsten Stufen Bedeutung erlangen. Obwohl Maslows Klassifikation empirisch kaum belegt ist, ist sie bis heute sehr populär. Siehe auch: Maslowsche Bedürfnispyramide.

Intrinsische und extrinsische Motivation (Zwei-Faktoren-Modell)

Es wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation unterschieden. Das Konzept beschreibt unterschiedliche psychologische Anreizmodelle für das menschliche Verhalten. In der Pädagogik wird intrinsische Motivation auch als Primärmotivation, extrinsische als Sekundärmotivation bezeichnet.
- Intrinsische Motivation: Diese ergibt sich aus den Grundbedürfnissen der Menschen. Jeder Mensch hat Hunger und braucht Nahrung. Wenn ein Mensch friert, hat er das natürliche Bedürfnis nach Kleidung und Wärme. Primäre Motivation bezieht sich also auf jenen Bedarf von uns Menschen an Dingen, ohne die wir nicht überleben könnten (siehe auch Defizitbedürfnisse nach Maslow).
- Extrinsische Motivation: Sekundäre Motivation entwickelt sich aus unserem Umfeld, unseren Lebensumständen heraus. So sehnen wir uns nach sozialen Kontakten sowie Sicherheit und Anerkennung in unserer Gesellschaft (siehe auch Wachstumsbedürfnisse nach Maslow). Hieraus hat sich die etwas differenziertere Betrachtung intrinsischer und extrinsischer Motivation entwickelt: Nach Edward L. Deci und Richard M. Ryan Intrinsische und extrinsische Motivation schließen sich nicht grundsätzlich aus und können zugleich in derselben Tätigkeit wirken. Allerdings sind beide nicht einfach kumulierbar: Extrinische Motivation, die z.B. durch künstliche Anreize eine vorhandene intrinsische Motivation teilweise oder ganz verdrängt und die Wertigkeit der Handlungsfolgen durch den sog. Korrumpierungseffekt verschiebt, stellt häufig auf lange Sicht das dominate Antriebskonzept für die Psyche des Menschen dar. Die Ursache dafür liegt in den Strukturen unserer Leistungsgesellschaft, welche vorhandene intrinsische Motivation oft durch mitunter schädliche extrinsische Anreize nicht zur Geltung kommen lässt. Ein anderes Beispiel für eine spezifische Form intrinsischer Motivation ist die Neugiermotivation, welche gerade für die Entwicklungspsychologie eine besondere Rolle spielt. Gelingt es pädagogisch die angeborene Neugier des Menschen bis in das Erwachsenenalter zu halten, ist durch die hierdurch folgende hohe Eigenmotivation des Menschen ein besonderer Erfolg im Leben wahrscheinlich. Wenn immer möglich, sollte daher versucht werden die Primärmotivation zu fördern. Dies wird zum Beispiel durch gezieltes Nachfragen der inneren Visionen ermöglicht und durch Übertragung von Kompetenzen oder Vorbildern bzw. durch das Schaffen einer geeigneten Lernumgebung (Montessori-Pädagogik). In der Arbeitspsychologie gilt verkürzt: Der richtige Mann am richtigen Platz.

X- und Y-Theorie von Mc. Gregor

Nach Douglas McGregor sind Menschen entweder bestrebt Arbeitsaufwand zu vermeiden, grundsätzlich träge und faul und erwarten Belohnung bzw. Bestrafung (Theorie X) oder suchen Veranwortung, haben Interesse an einer sinnvollen Betätigung und Leistungswettbewerb (Theorie Y). Dabei werden den beiden Charaktären gegensätzliche Attribute zugeschrieben: X-Theorie: Passivität, Antiebsarmut, Desinteresse, Drückebergerei, braucht Kontrolle, Indianer bzw. re-aktiv. Dieser Modell-Typus braucht einen eher autoriäten Führungsstil. Y-Theorie: Engagiert, Fleissig, interessiert, sucht Verantwortung, setzt sich Ziele, Eigenmotiviert, Häuptling bzw. pro-aktiv. Dieser Modell-Typus wird durch ein positives Erleben in der Tätigkeit selber motiviert. Spaß, Freude oder Interesse an der Tätigkeit stehen im Vordergrund und nicht die Belohnung für eine Handlung oder die Vermeidung von Strafe. Er braucht einen kooperativen Führungsstil.

Reiss-Modell der Kausalattribution

Die Attributionstheorie hat gezeigt, dass die zugeschriebene Lokation und Stabilität von Erfolg und Misserfolg eigener Handlungen die affektiven Handlungsfolgen sowie die Erwartung zukünftigen Erfolgs beeinflusst. Wird Misserfolg etwa auf mangelnde Fähigkeit zurückgeführt, so sind negative Affekte und die Erwartung weiteren zukünftigen Misserfolgs die Folge. Neben diesen oben genannten 3 Motiven hatte William McDougall 1932 eine List