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Westwall

Westwall

]] Der Westwall (bei den Alliierten auch unter dem Namen Siegfried-Linie bekannt) war ein über ca. 630 km verteiltes Verteidigungssystem, das aus über 18.000 Bunkern, Stollen sowie zahllosen Gräben und Panzersperren bestand. Er verlief von Kleve (an der niederländischen Grenze) in Richtung Süden, entlang der Westgrenze des ehemaligen Deutschen Reiches, bis nach Weil am Rhein (an der Schweizer Grenze). Adolf Hitler ließ die Anlage, die eher von propagandistischem als strategischem Wert war, ab 1936 planen und zwischen 1938 und 1940 errichten. Zuvor hatte das Deutsche Reich unter den Nationalsozialisten im Jahr 1936 entgegen den Auflagen aus dem Vertrag von Versailles die durch die Folgen des ersten Weltkriegs von Deutschland demilitarisierten Gebiete beiderseits des Rheins wieder besetzt.

Herkunft des Wortes „Westwall“

Rhein Vermutlich ist der Begriff Westwall ab Ende des Jahres 1938 mehr und mehr in Gebrauch gekommen, ohne dass zunächst die nationalsozialistische Propaganda den Begriff im besonderen Maße benutzt hat. Der Begriff Westwall stammt wahrscheinlich aus dem Kreis der am Westwall beteiligten Arbeiter. Im zweiten Halbjahr 1938 tauchten noch Begriffe wie "Schutzwall" oder "Todt-Linie" auf, Militärkreise wollten Namen wie "Führer-Linie" oder "Hitler-Linie" populär werden lassen. Der Name Westwall tauchte wahrscheinlich zum ersten Mal am 19. November 1938 in einem Artikel der "NSZ-Rheinfron" auf. Dieser Artikel war den "Männern vom Westwall" gewidmet. Hitler gebrauchte den Namen Westwall erstmals öffentlich während seiner Besichtigungsreise zu den Westgefestigungen vom 14. bis zum 19. Mai 1939. Ab Mitte 1939 ist der Name allgemein bekannt gewesen, denn Hitler erließ am 20. Mai 1939 einen Tagesbefehl an die Soldaten und Arbeiter des Westwalls. Der offizielle Sprachgebrauch orientierte sich zuvor mehr an den nachfolgend beschriebenen Programmen, wobei mit dem Limes-Programm ein Deckname gewählt wurde, der an den ehemaligen römischen Grenzwall in Germanien erinnern sollte.

Aufbauphase 1938 bis 1940

Zu unterscheiden waren die folgenden Ausbauprogramme des Westwalls:
- Grenzwacht-Programm (Pionier-Programm) für die vordersten Stellungen aus dem Jahre 1938,
- Limes-Programm ebenfalls aus dem Jahre 1938,
- Aachen-Saar-Programm aus dem darauf folgendem Jahr 1939,
- Die Geldern-Stellung Brüggen-Kleve von 1939 und 1940,
- Luftverteidigungszone West 1938 Alle diese Programme wurden unter höchster Priorität und der Nutzung aller verfügbaren Ressourcen vorangetrieben.

Beispielhafte Regelbauten

Zu Beginn der jeweiligen Programme wurden Regelbauten am Reißbrett konstruiert, von denen dann zum Teil viele Tausend gebaut wurden.

Pionierprogramm

Für das Pionierprogramm wurden in erster Linie kleine Bunker mit drei frontal ausgerichteten Scharten errichtet. Die Anlagen hatten nur eine Wandstärke von 0,3 m und waren nicht gegen Giftgas gesichert. Die dort stationierten Soldaten hatten keine eigenen Betten, sondern mussten sich mit Hängematten behelfen. An exponierten Stellen wurden ähnlich kleine Anlagen mit kleinen Panzerkuppeln aufgestellt. Alle diese Bauwerke galten schon während ihres Baus als veraltet und boten bestenfalls Schutz gegen Splitter aus Bomben und Granaten. Durchgeführt wurde das Programm von der Grenzwacht, einer kleinen militärischen Truppe, die unmittelbar nach der Besetzung des Rheinlandes dort ihre Tätigkeit aufnahm. Errichtet wurden die Anlagen in der Nähe der Grenze zum Ausland.

Limesprogramm

Granate Massiver waren dagegen die Anlagen des Limesprogramms von 1938. Die Anlage besaß eine Decke und Wände von 1,5 m Dicke, was sich allerdings schon während des Baus als völlig unzureichend herausstellte. Vom Regelbau 10 wurden beispielsweise insgesamt 3.471 Anlagen am gesamten Westwall gebaut. Die Anlage besaß einen Aufenthalts- und Schutzraum für 10 bis 12 Mann mit einem Eingang und nach rückwärts ausgerichteter Treppenscharte und einen 0,5 m höher angelegten Kampfraum mit jeweils einer flankierenden und frontalen Scharte für ein Maschinengewehr mit einem separaten Eingang. Weitere Scharten waren für Karabiner vorgesehen; die ganze Anlage war aus den Erfahrungen des ersten Weltkrieges heraus sicher gegen Giftgas ausgelegt. Der Bunker war mit einem gassicheren Ofen beheizbar, der nach außen führende Kamin mit einem massiven Gitter verschlossen. Jedem Soldat standen eine Schlafstelle und ein Hocker zu, der kommandierende Offizier erhielt einen Stuhl. Das Platzangebot war äußerst gering: Etwa 1 m² Fläche konnten einem Soldaten innerhalb der Bunker zur Verfügung gestellt werden, damit war eine drangvolle Enge in den Aufenthaltsräumen vorgezeichnet. Im Inneren der heute noch erhaltenen Bunker dieses Typs befinden sich noch die Aufschriften, mit denen die einrückenden Mannschaften auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden: „Achtung, Feind hört mit!“ oder auch: „Licht machen nur bei geschlossener Scharte!“. Das Limesprogramm hatte seine Ursache in einem Befehl von Adolf Hitler über die verstärkte Befestigung der deutschen Westgrenze.

Aachen-Saar-Programm

Ähnlich typische Bauwerke waren die Doppel-MG-Kasematte vom Typ 107 und der Regelbau Typ 106a (MG-Kasematten mit Gruppenunterstand) des Aachen-Saar-Programms mit Betonstärken zwischen 2 m und 3,5 m. Allerdings verzichtete man in diesen Bunkern meist auf frontal wirkende Scharten und ordnete sie in der Flanke der Bunker an. Frontalscharten wurden nur in Ausnahmefällen eingebaut und dann mit einem massiven Panzerschutz versehen. Das veränderte Konzept der Bunker trug den Erfahrungen aus den vorher errichteten Regelbauten Rechnung. Das Platzangebot pro Soldat wurde so von 1 m² auf 1,3 m² bis 1,4 m² erhöht. Der Platzmangel für Verpflegung und Munition in den Bunkern des Pionnier- und des Limesprogrammes wurde behoben, indem spezielle Räume für Lebensmittel und Munition angelegt wurden. Das am 09.10.1938 beschlossene und Anfang 1939 begonnene Programm schloss die beiden Städte Aachen und Saarbrücken wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung mit ein. Diese lagen zunächst westlich der Verteidigungslinie des Limesprogramms.

Luftverteidigungszone West

Im Jahr 1938 befasste man sich erstmals mit der Planung einer Zone, die den Namen "Luftschutzzone West" erhalten sollte. Diese sollte aus 60 leichten und schweren Flakbatterien bestehen und von Jülich bis Speyer verlaufen. Ein Schwerpunkt sollte auf dem Bereich Mosel-Rhein liegen. Mit den ersten Bauarbeiten wurde im Bereich des erwähnten Schwerpunktes begonnen. Am 12.11.1938 wurde per Verfügung die Erweiterung der nun Luftverteidigungszone West genannten Flakzone beschlossen. Als Termin für den Baubeginn dieser erweiterten Zone wurde in der Verfügung der 01.03.1939 festgehalten. Die Luftverteidigungszone West (LVZ-West)schloss sich parallel zu den bereits beschriebenen Linien in Richtung Osten an. Die Entfernung zwischen der LVZ-West und der Hauptlampflinie betrug rund 40 km. Die LVZ-West bestand im Wesentlichen aus betonierten Stellungen der Flak. Die dort eingesetzten Waffen sollten einen anfliegenden Gegner in eine größere Höhe zwingen, wodurch sie seinen Treibstoffverbrauch vergrößern und seinen Aktionsradius gleichzeitig verringern sollten. Zur Nahverteidigung besaßen diese Stellungen im Vollausbau Bunker aus dem Limes- und Aachen-Saar-Programm. Im beschränkten Ausbau wurden nur die Teile der Stellung aus Beton gefertigt. Die LVZ-West konnte zu keinem Zeitpinkt vollständig realisiert werden. Es war nicht möglich, eine Zone von mehr als 600 km Länge durchgehend mit Flak-Geschützen auszustatten. Bis zum 01.03.1940 wurden im Ausbaubereich der LVZ-West von Düren bis Basel 1544 Anlagen erbaut. Nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug wurde auch die LVZ-West in die Desarmierung der Westwallanlagen eingeschlossen. Bunker

Geldern-Stellung

Die Geldern-Stellung verlängerte den Westwall bis nach Kleve am Niederrhein und wurde erst nach Beginn des Zweiten Weltkrieges gebaut. Ursprünglich endete der Westwall im Norden in der Nähe von Brüggen im Kreis Viersen. Errichtet wurden in erster Linie unbewaffnete Unterstände in allerdings massivster Bauweise in Beton. Diese Regelbauten vom Typ 102V wurden aus Gründen der Tarnung gern in der Nähe von landwirtschaftlichen Gehöften errichtet. Die ebenfalls hier errichteten Doppel-MG-Kasematten des Regelbautyps 107 sind restlos beseitigt worden.

Panzersperren

Gehöft Außerdem wurden auf vielen Kilometern entlang des Westwalls Panzersperren gebaut. Diese Sperren wurden ihrer Form wegen auch Höckerlinie oder Drachenzähne genannt. Die Höcker aus Stahlbeton stehen in mehreren Reihen auf einem gemeinsamen Fundament. Regulär lassen sich zwei Hindernistypen nachweisen: Das Hindernis vom Typ 1938 mit vier von vorn nach hinten ansteigenden Zähnen und das Hindernis 1939 mit fünf dieser Zähne. Es wurden aber ebenfalls sehr viele unregelmäßige Höckerlinien gebaut. Sofern es die Geografie der Gegend zuließ, wurden anstatt der Panzersperren wassergefüllte Gräben ausgehoben. Derartige Anlagen finden sich beispielsweise nördlich von Aachen bei Geilenkirchen. Weiterhin befinden sich ebenfalls in der Nähe von Geilenkirchen die Überreste einer Panzersperre, die aus Beutematerial des Tschechoslowakischen Walles stammt. Es handelt sich hierbei um zwei durchgehende Schwellen aus Stahlbeton mit der Höhe von etwa einem Meter, denen im unregelmäßigen Abstand zwei gegeneinander gesetzte U-Profile aufgesetzt wurden. Der Zwischenraum der beiden etwa 2 Meter hohen Stahlträger wurde mit Beton ausgegossen. Beton Nach dem Krieg wurden die Stahlträger verschrottet, in dem man sie mit einem Schneidbrenner entfernte. Die Schwellen sind dagegen noch vorhanden.

Die Arbeitsbedingungen beim Bau

Die Bauleistungen des Pionier-Programms wurden größtenteils von Privatfirmen erbracht, dagegen war man innerhalb der privaten Wirtschaft nicht in der Lage, für die folgenden Programme die notwendigen Arbeitskräfte zu stellen. Diese Lücke füllte die Organisation Todt, benannt nach ihrem Gründer Fritz Todt. Mit Hilfe dieser Organisation waren zeitweise bis zu eine halbe Million Menschen am Westwall mit Bauarbeiten beschäftigt. Den Transport der Bauarbeiter aus ganz Deutschland und des notwendigen Materiales leistete die Deutsche Reichsbahn, die auf ein gut ausgebautes Netz von strategischen Eisenbahnen an der Westgrenze aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückgreifen konnte. Ersten Weltkrieg] Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen waren äußerst unfallträchtig, denn es mussten beispielsweise mit einfachen Mitteln Panzerteile mit bis zu 60 Tonnen Gewicht gehandhabt und montiert werden. Das Leben auf der Baustelle und in der Freizeit war eintönig, so dass viele Menschen vorzeitig in die Heimat zurückkehrten.

Panzerteile und Bewaffnung

Die notwendigen stählernen Panzerteile für die Aufstellung von Waffen in den Bunkern konnte die Industrie weder in der benötigten Menge noch in der notwendigen Qualität liefern, so dass der militärische Wert der Anlagen nicht sonderlich hoch war. Zu den Panzerteilen gehörten die Scharten und ihre Verschlüsse sowie Panzerkuppeln für die Rundumverteidigung. Hinsichtlich der Legierungsmetalle für die Herstellung dieser Panzerteile (in erster Linie Nickel und Molybdän) war man vom Ausland abhängig, so dass man entweder überhaupt keine Panzerteile einbaute oder diese aus minderwertigem Ersatzmaterial herstellte. Dieser Mangel war selbst auf offiziellen Fotografien zu erkennen. Weiterhin waren die Bunker auf Geschütze ausgelegt, die sich bereits in den ersten Kriegsjahren als unterdimensioniert herausstellten und deshalb wieder ausgebaut wurden. Die für eine wirksame Verteidigung notwendigen großkalibrigen Waffen ließen sich jedoch nicht in die vorhandenen Bunker einbauen.

Die Rolle des Westwalls zu Beginn des Krieges

Molybdän Trotz der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges erfolgten französischen Kriegserklärung an Deutschland kam es bis zum Beginn des Westfeldzuges zu keinen größeren Kämpfen am Westwall. Stattdessen verharrten beide Gegner im Sitzkrieg, wobei keine Seite die andere angreifen wollte und stattdessen in ihren sicheren Stellungen verharrte. Nach dem Abschluss des Frankreich-Feldzuges wurden alle beweglichen Waffen aus den Bunkern des Westwalls entfernt und an anderen Stellen verwendet. Die betonierten Teile ließ man in der Landschaft stehen, wodurch die Anlage innerhalb kürzester Zeit völlig unbrauchbar für die Verteidigung wurde. Stattdessen nutzte man die Bunker als Lagerräume, beispielsweise für landwirtschaftliche Geräte. Auch andere Einrichtungsgegenstände, wie z. B. die nicht mehr benötigten Betten, wurden aus den Bunkern entfernt und in die neu errichteten zivilen Luftschutzbunker eingebaut. Die Betten wurden aufgrund ihrer Herkunft oft als „Westwall-Betten“ bezeichnet.

Reaktivierung des Westwalls 1944

Eine neue Situation entstand mit der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944, als der Krieg auch im Westen wieder voll losbrach. Am 24. August 1944 erließ Adolf Hitler eine Führerweisung zum erneuten Ausbau des Westwalls. 20.000 Zwangsarbeiter und Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes (kurz RAD) versuchten mit improvisierten Mitteln die Verteidigungsbereitschaft wieder herzustellen, was aber wegen der alliierten Luftüberlegenheit nicht mehr gelang. Schon während dieser Arbeiten stellte sich heraus, dass die Bunker den weiterentwickelten panzerbrechenden Waffen in keiner Weise mehr gewachsen waren. Auch die ortsansässige Bevölkerung wurde für derartige Arbeiten herangezogen, meist zum Bau von Gräben zur Panzerabwehr. Parallel zur Reaktivierung des eigentlichen Westwalls wurden entlang der Grenzen zum besetzten Ausland kleine Ringstände in Beton errichtet, die man auch Tobrukstand nannte. Diese Stände waren im Wesentlichen kleine Schützenlöcher für einen einzelnen Soldaten.

Kampfhandlungen am Westwall

Schützenlöcher Schützenlöcher Im Herbst 1944 kam es dann zu den ersten Kriegshandlungen vor dem Westwall. Der daraufhin am stärksten umkämpfte Bereich des Westwalls war die Gegend des Hürtgenwaldes in der Nordeifel, ca. 20 km südöstlich von Aachen gelegen. In dem unübersichtlichen und waldreichen Gebiet starben 12.000 Deutsche und etwa ebensoviele US-Soldaten (näheres unter Allerseelenschlacht). Die als Denkmal ausgeführte Kirchentür der Pfarrkirche im Hürtgenwalder Ortsteil Vossenack und eine Kreuzigungsgruppe eines modernen Künstlers auf dem benachbarten Friedhof berichten eindrucksvoll von diesen Ereignissen. Die Operation Market Garden der Alliierten im Herbst 1944 ist ebenfalls im Zusammenhang mit dem Westwall zu sehen. Innerhalb dieser Operation versuchte das alliierte Oberkommando, die deutsche Sperrstellung nördlich durch die Niederlande zu umgehen; das Unternehmen scheiterte jedoch am verbissenen deutschen Widerstand. Im Anschluss an die Schlacht im Hürtgenwald begann südlich davon in der Gegend zwischen Monschau und dem luxemburgischen Echternach die deutsche Ardennenoffensive aus der Deckung des Westwalls heraus. Diese Offensive war eine letzte Kraftanstrengung von deutscher Seite, das Kriegsgeschehen noch zu wenden. Sie kostete vielen Menschen das Leben, und brachte außer einigen Anfangserfolgen nichts zustande. Auch an anderen Stellen wurde am Westwall schwer gekämpft. Die Besatzungen vieler Bunker verweigerten aus Angst vor den deutschen Standgerichten die kampflose Übergabe. Viele deutsche Soldaten haben diese Entscheidung mit dem Leben bezahlt, da vor allem die Gruppenunterstände keinerlei Schutz gegen die Waffen der Angreifer boten. Im Frühjahr 1945 fielen die letzten Westwallbunker an der Saar und im vorderen Hunsrück, siehe auch Osburg-Neuhaus.

Der propagandistische Wert des Westwalls

Anders lagen die Dinge beim propagandistischen Wert des Westwalls. Der Bau des Westwalls wurde von der deutschen Propaganda deutlich über die Notwendigkeit hinaus als unbezwingbares Bollwerk dargestellt, und zwar sowohl im Inland als auch im Ausland. Nach innen signalisierte sein Bau defensive Absichten des Regimes, während nach außen damit sowohl eine Bedrohung als auch eine Beschwichtigung der Nachbarn Deutschlands verbunden war. Diese Strategie erwies sich aus der Sicht der Nationalsozialisten zu Beginn wie zum Ende des Zweiten Weltkrieges als überaus erfolgreich. Zu Beginn des Krieges verblieben die gegnerischen Truppen hinter ihren eigenen Grenzbefestigungen, der Westwall stellte für sie nicht nur eine physische, sondern auch eine psychologische Grenze dar.

Nachkriegszeit

Zweiten Weltkrieges In der Nachkriegszeit wurden viele der Westwallanlagen durch Sprengungen geschleift. Bei diesen Arbeiten sowie bei der Beseitigung der vielen Minen verloren nochmals Menschen ihr Leben.

„Der Denkmalwert des Unerfreulichen“ (Zeitzeugen aus Beton)

In Nordrhein-Westfalen sind noch etwa 30 Bunker unzerstört vorhanden; der große Rest wurde entweder gesprengt oder mit Erde zugeschüttet. Von den Panzersperren sind allerdings noch große Teile an Ort und Stelle zu sehen; in der Eifel zum Beispiel auf vielen Kilometern Länge. Unter dem Stichwort: „Der Denkmalwert des Unerfreulichen“ wird heute versucht, die verbliebenen Reste des Westwalls unter Denkmalsschutz zu stellen, da nur so den nachfolgenden Generationen anschaulich Geschichte präsentiert werden kann. Allerdings werden immer noch öffentliche Gelder zu Beseitigung der Reste des Westwalls bereitgestellt. Da die Bunker aus den vergangenen Kriegen aber mittlerweile zum archäologischen Fundus gehören, werden beispielsweise in Nordrhein-Westfalen archäologische Notgrabungen durchgeführt, wenn einmal mehr ein Stück des Westwalls – beispielsweise für eine Straßenverbreiterung – beseitigt werden muss. Diese Notgrabungen können zwar nicht die vollständige Zerstörung des zugehörigen Abschnittes verhindern, bringen aber immer wieder neue wissenschaftliche Erkenntnisse und bislang unbekannte Details über das jeweilige Bauwerk zu Tage. In diesem Zusammenhang wird von manchen Menschen, ob Zeitzeuge oder nachfolgender Generation, die Frage nach der Rechtfertigung des Denkmalschutzes derartiger militärischer Bauwerke des Nationalsozialismus gestellt. Soll und will man diese Zeitzeugen aus Beton für die Nachwelt erhalten – ähnlich wie beispielsweise der römische Befestigungswall Limes? Anmerkung: Der abgebildete Bunker mit der ganzen Bunkergruppe wurde im Januar 2005 übererdet bzw. zerstört und entfernt. Der Teil der Umgebung Aachens ist heute "bunkerfrei". Dies trotz bestehendem Denkmalschutz.

Naturschutz am Westwall

Limes In dieser Auseinandersetzung haben sich auch die Naturschützer zu Wort gemeldet. Für sie sind die großen Reste des Westwalls wertvolle Biotopketten, in die sich selten gewordene Tier- und Pflanzenarten zurückgezogen haben. Sie sind hier ungestört, da die Betonruinen nicht land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden können.

Weiterführende Links


- Atlantikwall
- Ettlinger Riegel
- Fachbegriffe Festungsbau
- Festung im Allgemeinen
- Isteiner Klotz
- Liste der erhaltenen Bauten des Westwalles
- Neckar-Enz-Stellung
- Obergermanisch-Raetischer Limes
- Orscholzriegel
- Ostwall
- Spichern-Stellung
- Tschechoslowakischer Wall
- Wetterau-Main-Tauber-Stellung

Literatur


- Lippmann, Harry: DAWA Sonderband 13 - Panzersperren und andere Hindernisse (Hrsg: Deutsches Atlantikwall-Archiv): Die gebräuchlichsten Sperranlagen des West- und Atlantikwalls in Wort, Skizze und Bild
- Lippmann, Harry: DAWA-Sonderband 16 - Militärmuseen in Deutschland (Hrsg. Deutsches Atlantikwall-Archiv): mit vielen Begehungshinweisen für Westwall-Bunker sowie allen Westwallmuseen
- DAWA Nachrichten (Hrsg: Deutsches Atlantikwall-Archiv): halbjährlich erscheinende Zeitschrift mit verschiedenen Artikeln zum Festungsbau, darunter viele Begehungshinweise zum Westwall
- Rheinischen Landesamt für Bodendenkmalpflege (Hg.): Der Westwall, Vom Denkmalswert des Unerfreulichen, Führer zu den archäologischen Denkmälern im Rheinland, Text und Karten 1:50.000, 2. Ausgabe 1998, ISBN 3-79271-668-2 Eine ausführliche Beschreibung der Reste des Westwalls in Nordrhein-Westfalen mit Zusammenfassungen in englischer und französischer Sprache. Im Anhang 6 Topografische Karten im Maßstab 1:50.000.
- Manfred Groß: Der Westwall zwischen Niederrhein und Schnee-Eifel, 2. unveränd. Nachdr. – Köln : Rheinland-Verlag 1989, ISBN 3-7927-0644-X Ausführliche Beschreibung des Westwalls auf dem Gebiet von Nordrhein-Westfalen mit sehr vielen technischen Zeichnungen der einzelnen Anlagen sowie exaktem Kartenmaterial, in denen jeder einzelne Bunker eingezeichnet ist.
- Dieter Robert Bettinger, Hans-Josef Hansen, Daniel Lois: Der Westwall von Kleve bis Basel. Auf den Spuren deutscher Geschichte, Verlag Podzun – Pallas 2002, ISBN 3-79090-754-5 Ein Tourenplaner mit ausgiebigen Beschreibungen erhaltener Westwallbauwerke.
- Hans-Josef Hansen (Hrsg.): Auf den Spuren des Westwalls. Entdeckungen entlang einer fast vergessenen Wehranlage. 5. Auflage. Helios-Verlag Aachen 2005. ISBN 3-925087-76-1. Bildband über zahlreiche interessante/kuriose Entdeckungen entlang der ehemaligen Befestigungszone.

Weblinks


- http://www.westwall.info
- http://www.westwall-museum.de/
- [http://www.westwall.page.cx/ Westwallmuseum in einem intakten Bunker in Bad Bergzabern und Westwallrelikte in der Umgebung]
- http://www.neckar-enz-stellung.de/
- [http://www.westwallmuseum-irrel.de/ Panzerwerk Katzenkopf in Irrel]
- http://www.westwallmuseum-sinz.de/
- [http://www.7grad.org/ Infos über den Westwall in NRW, Region Aachen]
- http://www.jinxed.de/westwall/update.php3
- http://www.interfest.de
- [http://www.bund-pfalz.de/natur/Der%20Wirbel%20um%20den%20Westwall.htm Denkschrift des BUND zum ökologischen Wert des Westwalls]
- [http://www.projekt-westwall.de/ Der Westwall in Dillingen/Saar, Geschichtswerkstatt Dillingen/Saar]
- http://www.ivd.uni-stuttgart.de/kuhn/seite6.htm Kategorie:Festung Kategorie:Festung in Deutschland Kategorie:Festung in Rheinland-Pfalz ja:ジークフリート線

Bunker (Militär)

Bunker (engl. für bombensicherer Unterstand) werden vom Militär gebaut, um die eigenen Stellungen zu festigen und einen Angriff des Gegners zu erschweren. Sie können als Verteidigungsanlage, Unterstand für Kriegsgerät (U-Boot, Flugzeug) oder als Kommandozentrale dienen. Bunker sind aus Beton und Stahl erbaut. Sie sind so konstruiert, dass ein Eindringen schwer möglich, aber die Verteidigung einfach ist. Viele Bunker sind auch so gebaut (Kegelform), dass Bomben aus der Luft an ihnen abgleiten und so kein Volltreffer möglich ist.

Typen

Große Bunkerprojekte werden meist zur Verteidigung eines Landes gebaut. Im Deutschen Reich wurden der Ost- und der Westwall errichtet. Die Schweiz ist heute eines der Länder mit sehr vielen Bunkern in den Alpen, die für den Verteidigungsfall und Zivilschutz gedacht sind. Der Philosoph Paul Virilio erforschte Bunker und Befestigungsanlagen auf ihre Wirkung und Funktion hin (Bunkerarchäologie). In Albanien ließ Enver Hoxha ca. 600.000 Bunker an strategisch wichtigen Punkten bauen, um die Unabhängigkeit zu sichern, wofür gezielt die Betonindustrie angekurbelt und teurer Spezialstahl importiert wurden. Die gesamte Küste ist mit größeren Bunkern für Geschütze und kleineren für Personen durchzogen worden. Durch die massive Bauweise wäre eine Beseitigung sehr kostenintensiv, deshalb lässt man sie noch heute stehen. Atomschutzbunker sollen auch das Überleben bei einem atomaren Angriff ermöglichen. Größere Bunker sind durch eine eigene Strom- und Wasserversorgung autark. Sie besitzen große Vorräte an Lebensmitteln, so dass sie auch im Belagerungsfall längere Versorgungsengpässe überbrücken können. Neuerdings wurden Bunker brechende Bomben ("Bunker-Buster-Bomben") mit einem Gewicht von mehr als 2.100 Kilogramm entwickelt, um auch unterirdische Bunker zu zerstören.

Nichtmilitärische Bunkerbauten

Bunker im oben beschriebenen Sinne als massive explosionsgeschützte Bauwerke werden auch für nicht rein militärische Anwendungen errichtet, zum Beispiel für Sprengversuche, als Kontrollstand für den Start von Raketen (Kontrollbunker) und als Kontrollstand oder Ausführungsort für technische Versuche mit hohem Destruktionspotential. Auch die Sicherheitsbehälter von Kernkraftwerken stellen Bunkerbauten dar. Bunkerbauten werden generell für Bauten errichtet, in denen hochradioaktive Stoffe gelagert und verarbeitet werden.

Siehe auch


- Liste von Festungen
- Zivilbunker(CH=Zivilschutzbunker)
- Fachbegriffe Festungsbau
- Kontrollbunker
- U-Boot-Bunker
- Atomschutzbunker

Literatur


- Silke Wenk, Erinnerungsorte aus Beton. Bunker in Städten und Landschaften, ISBN 3-86153-254-9
- Michael Foedrowitz, Bunkerwelten. Luftschutzanlagen in Norddeutschland, ISBN 3-89555-062-0
- Sönke Neitzel: Die deutschen Ubootbunker und Bunkerwerften, Bernard & Graefe Verlag, ISBN 3-76375-823-2

Weblinks


- http://www.bunker-anlagen.de/
- http://www.bunkernetzwerk.de/ Bunkeranlagen in der DDR
- http://www.hidden-places.de/ ...entdecken, erforschen, erleben (Bunkeranlagen und mehr)
- http://www.lostplaces.de/ Interessengemeinschaft für historische Militär-, Industrie- und Festungsbauten
- http://www.ostwall.com/
- [http://www.luftschutz-bunker.de/ IGEL - Interessengemeinschaft zur Erforschung von Luftschutzbauten]
- [http://www.luftschutz-bunker.de/content/index.php?option=com_weblinks&Itemid=23 Linkdatenbank zu Bunkeranlagen] Kategorie:Befestigungsanlage ja:トーチカ

Kleve

Die Stadt Kleve liegt am unteren Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen und ist eine Mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Als Kurstadt und Herzogsstadt hatte Kleve lange Zeit eine überregionale Bedeutung. Heute ist sie nur noch Sitz des Kreises Kleve.

Geografie

Stadtgebiet

Räumlich ist das Stadtgebiet in folgende Ortsteile gegliedert:
- Bimmen
- Brienen [http://www.spoy.info (Informationen zu Brienen/Wardhausen)]
- Donsbrüggen
- Düffelward
- Griethausen
- Keeken [http://www.keeken.de.vu (Weitere Info auf Keeken-Online)]
- Kellen
- Materborn
- Reichswalde
- Rindern
- Salmorth
- Schenkenschanz [http://www.schanz2.de/ (Informationen zu Schenkenschanz)]
- Warbeyen
- Wardhausen [http://www.spoy.info (Informationen zu Brienen/Wardhausen)]

Nachbargemeinden/-städte

Die Stadt Kleve grenzt im Norden an die Gemeinde Rijnwaarden (Provinz Gelderland, NL) und die Stadt Emmerich am Rhein, im Osten an die Stadt Kalkar, im Süden an die Gemeinde Bedburg-Hau und im Westen an die Gemeinde Kranenburg.

Geschichte

Entstehung und Mittelalter

Kranenburg Kleve war Sitz der Grafen und Herzöge von Kleve. Der Name Kleve leitet sich ab von Kliff (Klippe), der Hang des Burgberges, Endmoräne aus der Eiszeit. Keimzelle der Stadt war die auf das 10. Jahrhundert zurück gehende Burg neben der eine Siedlung entstand. 1092 wird der Name „Cleve“ erstmalig urkundlich erwähnt. Der Burg gegenüber, auf dem Heideberg, gründete Graf Dietrich VI. die Stadt Kleve. Die Stadtrechte verleiht er Kleve am 25. April 1242. Das Recht zur Ratswahl erhält die Stadt gegen Ende des 13. Jahrhunderts. Im 14. Jahrhundert kommt es zu einer erheblichen Stadterweiterung, der Gründung der Neustadt, dem Hagschen Viertel. Große Brände verwüsten Kleve 1368 und 1528.

Renaissance

Erheblichen Aufschwung nahm die Stadt dank der (Heirats-) Politik der Grafen von Kleve. Es gelingt ihnen Kleve, Jülich, Mark, Berg und Ravensberg zu vereinigen. Nach dem Tod des kinderlosen Herzog Johann Wilhelm gehen Kleve und Mark an das Kurfürstentum Brandenburg und Pfalz-Neuburg. 1614 erhält Brandenburg Kleve zur Verwaltung. 1647 wird Johann Moritz von Nassau-Siegen als Statthalter eingesetzt. Dieser veranlasst den barocken Umbau der Schwanenburg. Johann Moritz von Nassau-Siegen Als Residenz des Statthalter wird der Prinzenhof errichtet, an den heute nur noch ein Straßenname erinnert. Die von ihm initiierten Parkanlagen und barocken Gärten rund um die Stadt haben solche Dimensionen, dass sie erheblichen Einfluss auf die europäische Gartengestaltung des 17. Jahrhundert erhalten. An die Zeit unter brandenburgischer Herrschaft erinnert heute noch eine Reiterstatue des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (16201688) auf dem Platz vor der Schwanenburg. 1741 wird die Mineralquelle am Springenberg entdeckt. Kleve wird Bad Cleve. Die Kuranlagen werden Mitte des 19. Jahrhunderts, der Blütezeit der Klever Kur erheblich ausgebaut. Nach dem 1. Weltkrieg wird der Betrieb eingestellt. Das ehemalige Kurhaus ist heute umgebaut zum Museum, dem Museum Kurhaus Kleve.

Neuzeit

1794 erobern französische Revolutionstruppen die Stadt. Von 1798 bis 1814 war sie Sitz einer Arrondissementverwaltung im Roerdepartement der Französischen Republik bzw. des Kaiserreichs Frankreich. Durch den Wiener Kongress fällt sie 1815 wieder an Preußen, das den Regierungsbezirk Kleve als einen von 28 Regierungsbezirken in Preußen aufgrund der „Preußischen Verordnung wegen verbesserter Einrichtung der Provinzialbehörden“ vom 30. April 1815 neugründet. Am 22. April 1816 nimmt die Verwaltung ihre Tätigkeit auf. Schon nach knapp sechs Jahren zum 22. Juni 1822 wird der Klever Bezirk aufgelöst und mit dem Düsseldorfer vereinigt. Am 23. April 1816 wird auch der Landkreis Kleve als einer von über 40 Landkreisen der Provinz Jülich-Kleve-Berg, der späteren Rheinprovinz gebildet. Im 2. Weltkrieg erleidet Kleve erhebliche Schäden. Die Schwanenburg wird fast vollständig zerstört.

Gebietsreform

Die Stadt Kleve entstand in der heutigen Form am 1. Juli 1969 beim 1. kommunalen Neugliederungsprogramm in Nordrhein-Westfalen. Die Gemeinde Materborn und die Gemeinden Donsbrüggen, Keeken, Rindern und Wardhausen des Amtes Rindern sowie die Gemeinden Brienen, Griethausen, Kellen, Salmorth und Warbeyen des Amtes Griethausen und die Gemeinde Reichswalde des Amtes Till wurden mit der Stadt Kleve zusamengeschlossen. Am 1. Januar 1975 wurde im Zuge des 2. Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen der Altkreis Kleve mit dem ehemaligen Kreis Geldern und Teilgebieten der Kreise Moers und Rees zum neuen niederrheinischen Großkreis Kleve zusammengefügt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Rees Die Stadt Kleve wird von der nach dem 2. Weltkrieg wieder errichteten Schwanenburg überragt. In ihr befindet sich ein geologisches Museum. Im Innenhof ist der Schwanenbrunnen des Bildhauers Alfred Sabisch aufgestellt. Weiterhin sehenswert sind die barocken Gartenanlagen mit Amphitheater an der Tiergartenstraße, die von Johann Moritz von Nassau-Siegen angelegt wurden. Hier befindet sich Stephan Balkenhols „Neuer Eiserner Mann“ ([http://www.kleve.de/Kommunen/kleve/www.nsf/0/ecc3ccaacebecdd6c1256a2b004e0511?OpenDocument Bilder]), ein Standbild, das an den Prinzen Johann Moritz von Nassau-Siegen erinnert und zu seinem 400. Geburtstag eingeweiht wurde. Vorläufer war ein gleichnamiges Standbild des 17. Jahrhunderts, das 1794 von französischen Revolutionstruppen zerstört wurde. Das neben der Anlage gelegene Museum Kurhaus Kleve - Ewald Mataré - Sammlung beherbergt eine Sammlung zeitgenössischer Kunst und veranstaltet regelmäßig Ausstellungen. Der Forstgarten an der Tiergartenstraße wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert mit 156 verschiedenen Baum- und Pflanzensorten angelegt und von Maximilian Friedrich Weyhe im Jahre 1822 im Stile englischer Parkanlagen gestaltet. Das B.C. Koekkoek-Haus ließ der niederländische Landschaftsmaler Barend Cornelis Koekkoek (1803–1862) 1847/1848 als Wohn- und Atelierhaus errichten. Heute beherbergt es eine Sammlung von Gemälden Koekkoeks und seinem Umfeld. Der Marstall gegenüber der Schwanenburg wurde 1467 erbaut. Sendeanlage des Westdeutschen Rundfunks: Kleve ist seit 1953 Standort eines Grundnetzsenders für UKW und TV des Westdeutschen Rundfunks. Als Antennenträger kommt ein 1994 errichteter 126,4 Meter hoher abgespannter Stahlrohrmast mit einem Durchmesser von 1,60 Meter zum Einsatz, der in 57 und 101,6 Meter Höhe abgespannt ist. Er ersetzte den alten Sendemast aus den 1960er Jahren, über den bis 1993 auch ein Programm des WDR im Mittelwellenbereich abgestrahlt wurde.

Infrastruktur und Wirtschaft

Verkehr

Flugverkehr

Die nächstgelegenen Flughäfen sind der Flughafen Niederrhein und der Flughafen Düsseldorf International.

Schienen- und Busverkehr

30px Der Bahnhof Kleve liegt an der Linksniederrheinischen Strecke (DB-Kursbuchstrecke 495), auf der täglich alle 60 Minuten und zusätzlich stündlich von montags bis freitags im Schienenpersonennahverkehr der Niers-Express (RE 10) im NRW-Takt von Kleve über Krefeld nach Düsseldorf verkehrt. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der DB Regio NRW, die Dieseltriebwagen „Talent“ der Firma Bombardier Transportation (DB-Baureihe 643) einsetzt. Die Strecke Kleve - Spyck wurde 1969 stillgelegt. Die Strecken Kleve - Xanten und Kleve - Kranenburg - Nijmegen sind seit 1990 bzw. 1991 außer Betrieb. 30px Im Kommunalen Personennahverkehr verkehren eine Reihe von Buslinien zur Erschließung der Region und des Stadtgebiets. Für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gilt der Tarif der Verkehrsgemeinschaft Niederrhein (VGN) und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif. Zwischen dem 1. Oktober 1911 und dem 31. März 1962 verkehrten in der Stadt die normalspurigen Straßenbahnen der Klever Straßenbahn GmbH. Diese hatten Anschluß an die Kleinbahn Wesel - Rees - Emmerich und die an die Straßenbahn Nijmegen.

Straßen

30px Im Fernstraßenbereich ist Kleve an die Bundesautobahn 57 (E 31) über die Bundesstraßen 9 und die Bundesautobahn 3 (E 35) über die 220 angebunden.

Wasserstraßen und Häfen

Per Schiff ist Kleve vom Rhein über die Schleuse Brienen und den Spoykanal erreichbar.

Sport

Im Jahr 2000 fusionierten die Vereine VfB Lohengrin 03 Kleve und der SC Kleve 63 zum 1. FC Kleve 63/03. Einer der Vorgängervereine, der VfB 03 Cleve, richtete 1910 das erste Fußballländerspiel auf deutschem Boden zwischen Deutschland und Holland aus.

Weblinks


- [http://www.kleve.de/ Website der Stadt Kleve]
- [http://www.heimat-kleve.de/ Informationen zur geschichtlichen Entwicklung von Stadt und Region]
- [http://forum-niederrhein.de/forum/cgi-bin/wps/index.cgi?action=gallerie Bilder von Kleve]
- [http://de.structurae.de/structures/data/index.cfm?ID=s0017588 Sendemast Kleve]
- [http://www.niederrhein-film.de/burg.htm Webcam Schwanenburg] Kategorie:Ort in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Rheinland Kategorie:Niederrhein

Niederlande

Die Niederlande (niederländisch Nederland) sind Teil des Königreichs der Niederlande in Westeuropa. Sie sind einer der am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Rund ein Viertel des Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels und ist mit rund 3.000 km Deichen geschützt. Im deutsch- und englischsprachigen Raum wie auch in den Niederlanden selbst wird anstelle der offiziellen und korrekten Bezeichnung Niederlande umgangssprachlich häufig der Name Holland für das gesamte Staatsgebiet verwendet. Diese Bezeichnung stammt von der alten Grafschaft Holland her und bezieht sich eigentlich nur auf die heutigen Provinzen Nord- und Südholland. - Siehe dazu auch die Rubrik "Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch" am Seitenende.

Geografie

Räumliche Lage

Das ganze Landes liegt weniger als einen Meter über, einige Gebiete sogar unterhalb des Meeresspiegels.
Der höchste Punkt des Landes, der Vaalserberg im Südosten, befindet sich 322 m über dem Amsterdamer Pegel, dort liegt auch gleichzeitig das Dreiländereck zu Deutschland und Belgien. Die flachen Gebiete werden in der Regel durch Deiche vor Sturmfluten geschützt.
Teile der Niederlande, wie zum Beispiel fast die gesamte Provinz Flevoland, wurden durch Landgewinnung dem Meer abgewonnen. Sie werden als Polder bezeichnet.
Ungefähr ein Fünftel (18,41 %) der Landesfläche ist mit Wasser bedeckt, wovon den größten Teil das IJsselmeer ausmacht, eine ehemalige Nordsee-Bucht, die 1932 durch einen 29 km langen Abschlussdeich eingepoldert wurde. Die wichtigsten Flüsse in den Niederlanden sind der Rhein, die Waal und die Maas. Maas Die Hauptwindrichtung in den Niederlanden ist Südwest, daraus resultiert ein gemäßigtes maritimes Klima mit kühlen Sommern und milden Wintern. Siehe auch: Niederländische Inseln, Westfriesische Inseln

Nachbarländer

Die Niederlande grenzen im Westen und Norden an die Nordsee, im Osten an Deutschland und im Süden an Belgien. Siehe auch: Städte in den Niederlanden

Bevölkerung

Die Niederlande sind mit etwa 480 Einwohnern pro Quadratkilometer Landfläche eines der am dichtesten besiedelten Länder der Welt (zum Vergleich: Deutschland 236, Monaco 16.435, Namibia 2). Niederländisch ist die Amtssprache im gesamten Staat; daneben werden niederdeutsche Mundarten gesprochen. Das Friesische ist Amtssprache in der Provinsje Fryslân und dort auch Rundfunk- und Verwaltungssprache. Im Nordosten werden niedersächsische Dialekte gesprochen, im Südosten hochdeutsche Mundarten. In den Niederlanden wohnen Einwanderer aus der ganzen Welt: Indonesien, Karibik, Südamerika, Afrika, Türkei, Polen etc. Die wichtigsten Religionen (Stand: 2002) sind der Katholizismus (31 %), der Protestantismus (21 %) und der Islam (5,5 %). Die meisten Protestanten gehören einer calvinistischen Kirche an. 40 % der Niederländer fühlen sich keiner Religionsgemeinschaft zugehörig. Die katholische Bevölkerung lebt vor allem im Süden, die protestantische vor allem im Norden des Landes.

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Niederlande Nach der Aufteilung des Frankenreiches gehörten die niederen Lande zum ostfränkischen Königreich (Regnum Teutonicae) und danach zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter Kaiser Karl V., der zugleich spanischer König war, war das Land in siebzehn Provinzen aufgeteilt und umfasste auch den Großteil des heutigen Belgiens. Nach der Unabhängigkeitserklärung der sieben nördlichen Provinzen (Allianz von Utrecht) vom 23. Januar 1579 und dem folgenden Achtzigjährigen Krieg gegen die spanischen Habsburger wurde die formelle Unabhängigkeit von Spanien im Westfälischen Frieden am 15. Mai 1648 besiegelt, der, gleichzeitig mit der Schweiz, zur Trennung vom mittelalterlichen deutschen Reich führte. Dieses Datum gilt als Geburtstag der heutigen Niederlande. In der Folge wuchsen die Niederlande (de nederen duitsche landen) als Republik der Vereinigten Niederlande, zu einer der größten See- und Wirtschaftsmächte des 17. Jahrhunderts. Während dieser Zeit wurden Kolonien und Handelsposten auf der ganzen Welt errichtet. Bekannt ist die Gründung von Nieuw Amsterdam, welches später in New York umbenannt wurde. In Asien schufen die Niederländer ihr Kolonialreich 'Nederlands-Indie', das heutige Indonesien, welches erst 1946 unabhängig wurde. Auch im nordöstlichen Südamerika (Surinam) und der Karibik entstanden Niederländische Kolonien (Aruba, Curaçao), (Bonaire), (Saba), (St. Eustatius) und (St. Maarten); diese Inseln sind heute stiller Teil der niederländischen Monarchie (Königreich). 1796 wurde mit französischer Unterstützung die Batavische Republik gegründet (benannt nach dem germanischen Stamm, der das Gebiet zwischen Rhein und Maas zuerst besiedelt hatte, den Batavern); 1806 machte Napoleon daraus das Königreich Holland. Nach der Einverleibung durch Frankreich unter Napoleon I. wurde 1815 das Königreich der Niederlande gegründet, das auch das heutige Belgien umfasste. Erster König wurde Wilhelm I. aus dem Haus Oranien-Nassau. Belgien und damit das die niederfränkischen Flandern erlangte nach der belgischen Revolution von 1830 seine Unabhängigkeit, die allerdings erst 1839 von Wilhelm I. anerkannt wurde. Der niederländische König war gleichzeitig Großherzog von Luxemburg, wo das Salische Gesetz kein weibliches Staatsoberhaupt zuließ. Als Wilhelm III. bei seinem Tod 1890 nur eine Tochter (Königin Wilhelmina) hinterließ, ging der Luxemburger Thron auf eine andere Erbfolgelinie im Haus Nassau über und Wilhelms Vetter Adolf von Nassau übernahm dort die Regierung. Die Niederlande blieben im Ersten Weltkrieg offiziell neutral und konnten sich auch erfolgreich aus dem Krieg halten. Sie hielten ihre Truppen aber dennoch bis zum Kriegsende mobilisiert und hatten überdies mit einer großen Flüchtlingswelle zu tun. Auch im Zweiten Weltkrieg versuchte die niederländische Regierung zunächst, sich aus dem Krieg herauszuhalten. Anderslautenden Warnungen glaubte sie nicht. Hitler jedoch befahl die Okkupation der Niederlande um so Frankreich unter Umgehung der "Maginot Linie" von Norden her einnehmen zu können. Nach dreitägigem Kampf zwangen die deutschen Truppen am Abend des 14.Mai 1940 die Niederlande mit dem Bombardement von Rotterdam zur Aufgabe. Die Innenstadt wurde durch Bomben und durch die anschließenden Brände weitgehend zerstört. Es war das erste Flächenbombardement im zweiten Weltkrieg. Die Niederlande waren von Mai 1940 bis Mai 1945 besetzt. Viele Niederländer arrangierten sich mit dem Regime und viele Mitläufer verinnerlichten auch die Ideologie eines großdeutschen bzw. großgermanischen Reiches. Die Judenverfolgung schlug in den Niederlanden besonders heftig zu: aus keinem anderen europäischen Land wurde ein so großer Bevölkerungsanteil abtransportiert. Noch immer ist die Rolle niederländischer Verwaltungsstellen und etwa der Niederländischen Eisenbahn beim Abstransport der Juden nicht restlos geklärt. Die Bevölkerung hatte aber mehrheitlich unter der Besatzung zu leiden und auch unter der Judenverfolgung (Anne Frank). Der südliche Teil der Niederlande wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 von den Alliierten befreit, der Norden des Landes erst durch das Kriegsende. 1949 kam die westdeutsche Stadt Elten (bei Kleve) mit Umgebung bis 1963 unter niederländische Verwaltung. Deren Bewohner blieben formal bundesdeutsche Staatsbürger, erhielten allerdings niederländische Pässe und wurden auch niederländischen Staatsbürgern rechtlich gleichgestellt. Forderungen nach Angliederung von Teilen des Münsterlandes und des grenznahen Rheinlandes an die Niederlande, deren Bürger niedersächsische und niederfränkische Dialekte - ebenso wie in den Niederlanden - sprachen, konnte sich in den Niederlanden letztlich jedoch nicht durchsetzen. Im Februar 1953 verheerte eine Sturmflut den Südwesten der Niederlande und forderte 1800 Tote. Die Niederlande sind Gründungsmitglied der Benelux-Wirtschaftsunion (seit 1944 geplant, am 3. Februar 1958 festgelegt und am 1. November 1960 in Kraft getreten). Sie waren ebenfalls Mitbegründer der NATO und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (und damit der Europäischen Union). In der jüngsten Vergangenheit stand das multikulturelle politische Toleranzmodell der Niederlande auf dem Prüfstand. Ihre liberale Politik machte den Weg auch für eingewanderte radikale Islamisten und so genannte Hassprediger frei: Am 2. November 2004 kam es zum Mord an dem Regisseur Theo van Gogh. Die Folge des Mordes waren Anschläge auf Moscheen und Hassbekundungen gegen muslimische Bürger. Große Bevölkerungsteile fordern seither eine rigorose Politik gegen gewalttätige Einwanderer und eine Änderung der zu liberalen Einwanderungspolitik. Zahlreiche Politiker können seither nur noch unter Polizeischutz arbeiten und werden weiterhin von Islamisten bedroht.

Politik

Seit dem Ende der französischen Revolution im Jahre 1815 sind die Niederlande eine konstitutionelle Monarchie mit dem Königshaus Oranien-Nassau an der Spitze. Es herrscht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren.

Staatsoberhaupt

Staatsoberhaupt seit 1980 ist Königin Beatrix von Oranien-Nassau. Gemäß der Verfassung ist sie Mitglied der Regierung und ernennt die Minister. In der Praxis lässt sie nach Wahlen einen informateur (meist ein hoher Beamter) die Parlamentsfraktionen befragen. Nach dessen Berichterstattung bestellt die Königin einen formateur, der das Kabinett zusammenstellt. Dabei kann es sich bereits um den künftigen Ministerpräsidenten handeln.

Parlament

Das Parlament (Staten-Generaal, Generalstände) besteht aus zwei Kammern. Die Wahl der 150 Mitglieder der Zweiten Kammer (Tweede Kamer) findet im Normalfall alle vier Jahre statt. Diese Kammer ist das Parlament im eigentlichen Sinne, als Volksvertretung und Kontrolle der Regierung. Die Erste Kammer (Eerste Kamer), inoffiziell auch Senat genannt, setzt sich aus 75 Vertretern der Provinzparlamente zusammen, die ebenfalls alle vier Jahre gewählt werden. Die Arbeit der Ersten Kammer besteht vor allem in der Begutachtung von Gesetzen, die die Zweite Kammer erarbeitet hat; unter Umständen kann die Erste Kammer ein Gesetz durch ein Veto blockieren. Der heutige Ministerpräsident Jan Peter Balkenende von den Christdemokraten ist seit 2002 im Amt.

Parteien


- Christlich-Demokratischer Apell/CDA (christlich-konservativ)
- Partei der Arbeit/PvdA (sozialdemokratisch)
- Volkspartei für Freiheit und Demokratie/VVD (liberal-konservativ)
- Sozialistische Partei/SP (links)
- Liste Pim Fortuyn/LPF (rechtspopulistisch)
- Grüne Linke/GL (ökologisch und sozialistisch)
- Democraten 66/D66 (sozial-liberal)
- Christen Union/CU (extrem christlich-konservativ)
- Staatskundig Reformierte Partei/SGP (extrem christlich-konservativ)
- Neue Kommunistische Partei der Niederlanden/NCPN (kommunistisch) Siehe auch: Liste der niederländischen Ministerpräsidenten

Gesellschaftspolitik

In den letzten Jahrzehnten wurden die Niederlande unter anderem für ihre liberale gesetzliche Reglementierung weicher Drogen (siehe Coffee Shop), der Prostitution (sie ist ein gesetzlich anerkanntes Gewerbe und Prostituierte sind daher sozialversichert), von Abtreibung und Sterbehilfe bekannt. Die Niederlande gehörten auch zu den ersten Staaten, die die Ehe für Homosexuelle ermöglichten. Mit Ausnahme der so genannten Randstad (Amsterdam, Rotterdam und Den Haag) hinken Offenheit und Toleranz in der Bevölkerung der eigenen liberalen Gesetzgebung jedoch noch Jahrzehnte hinterher und die Intoleranz wird hinter der vor allem in den Medien und der Politik demonstrativ vorgetragenen Political Correctness versteckt. So ist es in einigen Teilen des Landes um die Akzeptanz offen gelebter Homosexualität weit schlechter bestellt als in den meisten Teilen Deutschlands und oftmals finden verbale oder gar gewalttätige Übergriffe gegenüber Homosexuellen statt. Am 2. November 2004 wurde der islamkritische Filmregisseur Theo van Gogh in Amsterdam ermordet. In Folge kam es zu Brandanschlägen auf Moscheen und zu moslemischen Übergriffen auf Kirchen. Die Vorfälle lösten heftige Diskussionen über die Integration von Ausländern und über das Zusammenleben verschiedener Kulturen und Religionen aus.

Militär

Es besteht keine allgemeine Wehrpflicht. Die Streitkräfte umfassen insgesamt 53.130 Personen, davon entfallen auf das Heer 23.150, auf die Luftwaffe 11.050 und auf die Marine 12.130 Soldaten. Die Militärausgaben betragen 1,6 % des BIP (zum Vergleich, Deutschland: 1,5 %, USA: 3,4 %). Die Führung des niederländischen Heeres ("Koninklijke Landmacht") ist durch das 1. D/NL-Korps eng mit der Deutschen Bundeswehr verzahnt.

Provinzen

1579 mit sieben Provinzen begonnen, kamen später die sogenannten Generalitätslande (NL: generaliteitslanden) als Provinzen Nord-Brabant und Limburg hinzu. Drenthe wurde ebenfalls eine eigene Provinz, und die dominierende Provinz Holland wurde 1840 aufgespalten in Nord-Holland und Süd-Holland. Die jüngste Provinz ist Flevoland, das erst 1986 als Provinz gegründet wurde. Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in 12 Provinzen (NL: provincies). Die Provinzen wiederum gliedern sich in 483 Gemeinden (gemeenten).

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft der Niederlande Die Niederlande haben ein gut funktionierendes, offenes Wirtschaftssystem. Seit den 1980er Jahren hat die Regierung ihre ökonomischen Eingriffe weitgehend zurückgenommen. Beim produzierenden Gewerbe dominieren Nahrungsmittel- und chemische Industrie, Erdölraffinerien und die Herstellung von Elektrogeräten. Lange vor seinen europäischen Nachbarn sorgte das Land für einen ausgewogenen Staatshaushalt und bekämpfte erfolgreich die Stagnation im Arbeitsmarkt. Die moderne und hoch technologisierte Landwirtschaft ist außerordentlich produktiv: neben Getreide-, Gemüse-, Früchte- und Schnittblumenanbau - die Tulpenzüchtung beeinflusste sogar die Geschichte des Landes - gibt es noch Milchviehhaltung in großem Maßstab. Letztere liefert die Grundlage für den Holländer Käse als wichtiges Exportprodukt. Die niederländische Landwirtschaft beschäftigt knapp unter 4 % der Arbeitnehmer, trägt jedoch erheblich zum Export bei. Die Niederlande sind nach den USA und Frankreich der weltweit drittgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Als Mitbegründer der Euro-Zone wurde in den Niederlanden für Bankgeschäfte am 1. Januar 1999 die vorherige Währung, der Gulden, durch den Euro ergänzt. Drei Jahre später, am 1. Januar 2002, ersetzen die Euromünzen und -banknoten für die Konsumenten den Gulden als Zahlungsmittel.

Naturressourcen

Die Niederlande verfügen über Erdgaslager, aus denen nahe Groningen sowie in der südlichen Nordsee in großem Maßstab gefördert wird. 1996 wurden 75,8 Mrd. m³ (nach BP) gefördert. Damit stehen die Niederlande im Ländervergleich bei der Erdgasförderung auf Platz fünf, nach Russland (561,1 Mrd. m³), USA (546,9 Mrd. m³), Kanada (153,0 Mrd. m³) und Großbritannien (84,6 Mrd. m³). Weiterhin gibt es an der emsländischen Grenze kleinere Erdölreserven und größere Salzlagerstätten bei Delfzijl und Hengelo. Abgesehen von Torf (u. a. im Bourtanger Moor) verfügen die Niederlande über keine weiteren nennenswerten Bodenschätze.

Kultur

Feiertage

Malerei

Viele weltberühmte Maler waren Niederländer. Die Blütezeit der Republik im 17. Jahrhundert, das sogenannte Goldene Zeitalter brachte große Künstler wie Rembrandt van Rijn, Johannes Vermeer, Frans Hals, Carel Fabritius, Gerard Dou, Paulus Potter oder Jan Steen hervor. Berühmte Maler späterer Epochen waren Vincent van Gogh und Piet Mondriaan. M. C. Escher ist ein bekannter Grafiker.

Architektur

Niederländische Architekten gaben wichtige Impulse für die Architektur des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem Hendrik Petrus Berlage und die Architekten der De Stijl-Gruppe (Robert van't Hoff, J.J.P. Oud, Gerrit Rietveld). Johannes Duiker war ein Vertreter des Neuen Bauens. Die sogenannte Amsterdamer Schule (Michel de Klerk) leistete einen bemerkenswerten Beitrag zur expressionistischen Architektur. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg traten innovative niederländische Architekten hervor. Aldo van Eyck und Herman Hertzberger prägten die Architekturströmung Strukturalismus. Piet Blom wurde durch seine eigenwilligen Baumhäuser bekannt.

Wissenschaft

Aus den Niederlanden stammten Erasmus von Rotterdam, Baruch Spinoza und Christiaan Huygens. René Descartes verbrachte den Großteil seiner Schaffenszeit in den Niederlanden. Überhaupt fanden seit der frühen Neuzeit zahlreiche verfolgte Wissenschaftler in den Niederlanden Asyl und Wirkungsmöglichkeiten. Die moderne Soziologie verdankt ihrem niederländischen Begründer S. Rudolf Steinmetz bedeutende Anregungen.

Literatur

Im "Goldenen Zeitalter" (De Gouden Eeuw) der Niederlande blühte neben der Malerei auch die Literatur, als bekannteste Vertreter wären Joost van den Vondel und P. C. Hooft zu nennen. Wichtige Autoren im 20. Jahrhundert waren Harry Mulisch, Jan Wolkers und Simon Vestdijk. Und während der deutschen Besatzung verfasste Anne Frank in Amsterdam ihr weltbekanntes Tagebuch.

Musik

Das niederländische Musikleben war im Bereich der klassischen Musik lange Zeit nicht auf dem Niveau anderer europäischer Staaten organisiert. Erst Ende des 19. Jahrhunderts fand eine Professionalisierung statt und es bildeten sich zahlreiche Orchester und Kammerensembles. Wichtige Komponisten im 20. Jahrhundert sind Julius Röntgen, Willem Pijper, Mathijs Vermeulen, Louis Andriessen, Otto Ketting, Ton de Leeuw, Theo Loevendie, Misha Mengelberg, Tristan Keuris und Klaas de Vries (Liste niederländischer und flämischer Komponisten). Die wohl bekannteste niederländische Rockband Golden Earring hatte in den 1970er Jahren ihren größten Hit mit "Radar Love". Die Niederlande haben eine sehr lebendige Musik-Szene auf hohem Niveau. Es gibt zahlreiche Veranstaltungslokale und in den Medien wird den Künstlern viel Raum gegeben. Seit einigen Jahren ist "nederlandstalige muziek", Musik in der Landessprache sehr erfolgreich. Die berühmtesten Pop/Rockbands sind Blof, die meistgespielte Band im niederländischen Radio der vergangenen Jahre, und [http://www.acdaendemunnik.nl/ Acda en de Munnik], ein Duo, das mit Kleinkunstprogrammen bekannt geworden ist. Noch höhere Plattenverkaufszahlen erzielen Schlagerkünstler, wie Marco Borsato und [http://www.fransbauer.nl/ Frans Bauer]. Bekannte niederländische Rapper sind Ali B und Lange Frans & Baas B.

Natursehenswürdigkeiten


- De Hollandse Biesbosch, eine Fluss- und Sumpflandschaft
- Keukenhof
- die Nationalparks De Hoge Veluwe und Veluwezoon in der Veluwe
- die Naturschutzgebiete auf Texel
- Reeuwijkse Plassen bei Gouda
- Schiermonnikoog
- Die Deltawerke Schutzwehre gegen Sturmfluten. Gebaut nach der Sturmflut von 1953

Landesübliche Küche

Das inoffizielle Nationalgericht Stamppot ist zumeist eine passierte Mischung aus Kartoffeln und Gemüse. Häufig wird dabei Grünkohl (niederl. Boerenkool) verwendet. Teilweise werden auch angebratene Zwiebeln mit Schinkenspeck untergemengt. Eine regelrechte Snackbarkultur ist in den letzten Jahrzehnten entstanden. In diesen Fastfoodrestaurants erhält man Pommes Frites (niederl. Patat) mit Mayonnaise, Ketchup (auch gemischt mit Zwiebeln = special) oder Erdnusssoße (niederl. Pindasaus). Letztere hat sich durch die Einflüsse der Kolonialzeit etabliert. Überhaupt sind indonesische Einflüsse in der niederländischen Küche kaum zu übersehen, auch wenn die meisten Gerichte dem holländischen Geschmacksempfinden angepasst wurden. Neben den Pommes Frites werden in den Snackbars auch fritierte Fleisch- und Käsegerichte angeboten. Eine wirkliche Einzigartigkeit stellt der "Hollandse Nieuwe" dar. Dabei handelt es sich um rohe Heringsfilets, die am Schwanz gehalten über Kopf verzehrt werden, und über viele wertgebende Inhaltsstoffe verfügen sollen. International bekannt ist der niederländische Käse (niederl. Kaas), der sowohl als Brotbelag als auch in Stücke geschnitten verzehrt wird. Am weitesten verbreitet ist der Gouda, der seinen Ursprung in der gleichnamigen Stadt hat. Er ist in unterschiedliche Reifegrade eingeteilt. Jonger Kaas ist am kürzesten gelagert und schmeckt sahnig mild. Belegen ist die nächste Stufe mit einem würzigem Geschmack und einer festen Konsistenz. Oude Kaas ist die teuerste und aromatischste Lagerstufe. Besonders bekannt ist der "Oud Amsterdam". Das niederländische Frühstück ist eher spärlich und besteht meist aus einem Brot und einer Tasse Kaffee. Mittags gibt es ebenfalls belegte Brote dazu Milch oder Buttermilch. Die Hauptmahlzeit stellt das Abendbrot dar, welches aus warmen Speisen besteht und gegen fünf Uhr nachmittags eingenommen wird.

Die Niederlande im deutschen Sprachgebrauch

Der grammatikalisch richtige Gebrauch des Namens Niederlande ist vielen Sprechern nicht geläufig, was zu der fälschlichen Verwendung des Namens Holland beiträgt. Niederlande stellt eine Pluralform dar; vergleichbar mit den USA (die USA). Den Ländernamen gibt es im Singular nicht. Die Deklinationstabelle lautet wie folgt:
- Nominativ Plural: die Niederlande
- Genitiv Plural: der Niederlande
- Dativ Plural: den Niederlanden
- Akkusativ Plural: die Niederlande Beispielsätze
- Nominativ: Die Niederlande sind Mitglied der EU.
- Genitiv: Das Bruttosozialprodukt der Niederlande beträgt x Euro.
- Dativ: Deutschland hat den Niederlanden Hilfe versprochen.
- Akkusativ: Viele deutsche Touristen besuchen die Niederlande. Bei Satzkonstruktionen mit in ist zu beachten, dass in sowohl mit richtungsanzeigendem Akkusativ als auch mit ortsanzeigendem Dativ gebraucht werden kann:
- Ich fahre in die Niederlande. (richtungsanzeigender Akkusativ)
- Ich bin in den Niederlanden. (ortsanzeigender Dativ)

Weitere Themen


- Tourismus in den Niederlanden
- Nationalparks in den Niederlanden
- Liste der Bahnhöfe in den Niederlanden
- Niederländische Kolonien
- Niederländisch-Indien
- Liste der Königinnen und Könige der Niederlande
- Liste bekannter Niederländer
- Portal:Niederlande
- Portal:Benelux
- Niederlandistik Über Niederländische Sprache und Kultur

Weblinks


- [http://www.government.nl Offizielle Netzpräsenz der Regierung der Niederlande (englisch)]
- [http://www.koninklijkhuis.nl/ Offizielle Netzpräsenz des niederländischen Königshauses]
- [http://www.niederlandenet.de NiederlandeNet.de: Größtes Informationsportal über die Niederlande und die deutsch-niederländischen Beziehungen in deutscher Sprache]
- [http://www.niederlandeweb.de Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft und Generalkonsulate in Deutschland]
- [http://www.netherlands-embassy.at Offizielle Netzpräsenz der niederländischen Botschaft in Wien]
- [http://www.niederlande-im-unterricht.de Deutsches Unterrichtsmaterial über die Niederlande für diverse Fächer, ausgerichtet auf die Lehrpläne Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens]
- [http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?land_id=123 Länder- und Reiseinformationen] des Auswärtigen Amtes
- [http://www.datenmatrix.de/cgi-local/hdbg-karten/karten.cgi?action=detail&templ=01_01_karten_detail&id=29 Karte: Die Niederlande um 1620 : Historische Karten (Haus der Bayerischen Geschichte)]
Kategorie:Staat ! Kategorie:Monarchie Kategorie:Land in der EU als:Niederlande [[got:

Weil am Rhein

Weil am Rhein ist die südwestlichst gelegene Stadt der Bundesrepublik Deutschland unmittelbar im Dreiländereck Schweiz-Frankreich-Deutschland direkt angrenzend an Lörrach. Sie ist nach Lörrach und Rheinfelden (Baden) die drittgrößte Stadt des Landkreises Lörrach und bildet mit Lörrach ein Doppelzentrum, zu dessen Mittelbereich noch die Städte und Gemeinden Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen (Baden), Inzlingen, Kandern, Malsburg-Marzell, Rümmingen, Schallbach, Steinen (Baden) und Wittlingen gehören. Darüber hinaus gibt es grenzüberschreitende Verflechtungen mit den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft sowie mit dem Elsass. Die Einwohnerzahl der Stadt Weil am Rhein überschritt 1970 die 20.000-Grenze. Danach stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung vom 1. Januar 1972 beschloss.

Geografie

Weil am Rhein liegt am Rande des Tüllinger Berges in der Rheinebene und reicht im Westen bis an den Rhein. Die besondere Lage zwischen Rhein und den Ausläufern des Schwarzwaldes begünstigt ein außergewöhnlich südländisches Klima und bietet hervorragende Voraussetzungen für den Weinbau. Die Vogesen und die Alpen sind in Sichtweite.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Weil am Rhein. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:
Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Binzen und Lörrach (alle Landkreis Lörrach), Riehen und Basel (beide Kanton Basel-Stadt/Schweiz) sowie Huningue und Village-Neuf (Département Haut-Rhin in Frankreich).

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt, die sich von der Schweizer Grenze bei Riehen im Osten über Alt-Weil als lang gezogenes Gebilde entlang der Hauptstraße nach Westen über die Leopoldshöhe bis hinunter nach Friedlingen an den Rhein darstellt, sowie den südlich der Kernstadt gelegenen Stadtteil Otterbach und den erst bei der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten ehemaligen Gemeinden Haltingen, Ötlingen und Märkt, die sich alle nördlich der Kernstadt befinden, wobei Haltingen der größte Ortsteil ist. Im Bereich des Rathauses östlich des Bahnhofs Weil am Rhein versucht die Stadtverwaltung seit Jahren durch umfangreiche Gestaltungsmaßnahmen eine Art Zentrum zu schaffen. Die Stadtteile Haltingen, Märkt und Ötlingen sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt sie haben einen Ortschaftsrat, der bei jeder Kommunalwal von den Wahlberechtigten neu gewählt wird. Vorsitzender dieses Gremiums ist der Ortsvorsteher. Ferner gibt es in jeder Ortschaft eine Ortschaftsverwaltung, quasi ein Rathaus vor Ort. Zu einigen Stadtteilen gehören weitere Wohnplätze mit eigenem Namen, die aber meist sehr wenige Einwohner haben. Hierzu gehört zum Beispiel der Luisenhof in Ötlingen oder "Hupfer" in Haltingen.

Geschichte

Erstmals am 27. Februar 786 unter dem Namen Willa urkundlich erwähnt. Vermutlich ist der Name römischen Ursprungs. Die Klöster St. Blasien und Weitenau hatten Besitzungen. 1361 bzw. 1368 kam Weil an die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg und war Röttelner Lehen. Mit Rötteln kam der Ort 1503 an die Markgrafschaft Baden und war dem Amt Rötteln zugeordnet. Nach dessen Auflösung 1809 kam Weil zum Oberamt Lörrach, aus dem 1939 der Landkreis Lörrach hervorging. Lange Zeit von der Landwirtschaft, insbesondere dem Weinbau geprägt, entwickelte sich Weil seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Stadt, angetrieben durch die günstige Verkehrslage. Mit der Ansiedlung der Bahn und der Entstehung des Rangierbahnhofs Basel-Weil (1913) stieg die Bevölkerung an, und es entstanden neue Stadtteile. Zudem siedelten sich im Stadtteil Friedlingen Textilbetriebe aus der Schweiz an. Am 14. August 1929 wurde Weil mit seinen damaligen Ortsteilen Friedlingen, Leopoldshöhe und Otterbach zur Stadt erhoben und gleichzeitig in "Weil am Rhein" umbenannt. 1934 entstand der Rheinhafen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Bevölkerung in Weil erneut rasch an, da Heimatvertriebene und Flüchtlinge angesiedelt wurden. Damals gehörte die Stadt zum Landkreis Lörrach im Land (Süd-)Baden, ab 1952 zum Regierungsbezirk Südbaden innerhalb von Baden-Württemberg. 1971 wurde die Nachbargemeinde Ötlingen eingegliedert. Bereits 1970 hatte die Einwohnerzahl die 20.000-Grenze überschritten, so dass Weil am Rhein 1972 zur Großen Kreisstadt erhoben wurde. Seit der Kreisreform 1973 gehört Weil am Rhein mit dem Landkreis Lörrach zum Regierungsbezirk Freiburg und wurde Teil der gleichzeitig neu gegründeten Region Hochrhein-Bodensee. 1975 wurden noch die Gemeinden Haltingen und Märkt eingemeindet. Damit erreichte das Stadtgebiet seine heutige Ausdehnung. Haltingen Haltingen wurde 764 als "Haholtinga" erstmals erwähnt. Im 10./11. Jahrhundert kam der Ort an die Bischöfe von Basel, die ihren Besitz 1065 an das Kloster St. Blasien verschenkten. Die Herren von Rötteln hatten den Ort zu Lehen und so kam der Ort an die Markgarfschaft Hachberg-Sausenberg und somit 1503 an Baden. Ebenso wie Weil gehörte Haltingen zum Oberamt Rötteln und ab 1809 zum Oberamt Lörrach. Im 2. Weltkrieg wurde das Dorf fast vollständig zerstört. Märkt Märkt wurde 1169 als "Matro" erstmals erwähnt. Er gehörte als Lehen der Basler Bischöfe den Herren von Rötteln und kam über die Markgrafschaft Hachberg-Sausenberg an Baden. Auch Märkt gehörte zunächst zum Oberamt Rötteln und ab 1809 zum Oberamt Lörrach. Ötlingen Das Dorf Ötlingen liegt auf einem Seitenriegel des Tüllinger Berges (Rechberg oder auch Käferholzberg). Ötlingen wurde erstmals im Jahre 1064 als "Ottlichoven" urkundlich erwähnt. Die eng aneinander liegenden Häuser und Höfe zeigen deutlich die Anlage als ein Wehrdorf. Ötlingen war in der Hauptsache ein Freigut der Herren von Rötteln und ihrer Erben. Daneben gab es gab es noch Eigentum und Rechte kleiner Adeliger und verschiedener Klöster. 1971 wurde Ötlingen im Zuge der Gemeindereform nach Weil am Rhein eingemeindet. Auf der Süd- und Südwestseite ist Ötlingen von Weinbergen gesäumt. Nördlich und Östlich befinden sich Ackerland und Obstwiesen. Friedlingen und Otterbach Beide Orte gehörten wohl stets zur Gemeinde Weil am Rhein. Friedlingen hieß zunächst Ötlikon und wurde wohl 1280 erstmals erwähnt. Später hieß es Ötlingen am Rhein (im Gegensatz zu dem heute ebenfalls zu Weil gehörigen Ort Ötlingen am Berg, siehe oben). Im Ort gab es ein Wasserschloss, das im Besitz der Herren von Rötteln war, die es 1368 an die Markgraftschaft Hachberg-Sausenberg verkauften. Die neuen Herren gaben es verschiedenen Herrschaften zu Lehen. 1445 wurde es von den Schweizern angezündet. Der benachbarte Ort Ötlingen war der Vogtei unter Münch von Münchenstein unterstellt und wurde 1640 von den Markgrafen von Baden durch Tausch erworben. 1648 wurden Dorf und Wasserschloss Ötlingen in Friedlingen umbenannt. 1678 wurde das Schloss durch die Franzosen schwer beschädigt, 1702 in der Schlacht von Friedlingen total zerstört und danach abgerissen. Vom Dorf Friedlingen blieben ebenfalls nur wenige Häuser übrig. So verkaufte der Markgraf das Kammergut Friedlingen 1750 an Weiler Bauern und an die Gemeinde, die sich das Gebiet einverleibte. Danach verschwand der Name Friedlingen zunächst von der Landkarte, bis im 19. Jahrhundert durch Ansiedelung von Industrie der alte Gemeindename für den neu entstandenen Ortsteil wieder aktiviert wurde. Otterbach war ab 1488 ein Sumpfgebiet zwischen Weil und Kleinbasel, das 1640 teilweise an Kleinbasel gelangte. Auf dem bei Baden verbliebenen Teil stand das baslische Otterbachgut, das zu Friedlingen gehörte. In den 1930er Jahren entstand in Otterbach eine Arbeitersiedlung, die den alten Namen Otterbach erhielt.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinden wurden in die Stadt Weil am Rhein eingemeindet:
- 1. Januar 1971: Ötlingen
- 1. Januar 1975: Haltingen und Märkt

Einwohnerentwicklung

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). ¹ Volkszählungsergebnis

Religionen

Weil gehörte zunächst zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat Breisgau unterstellt. Im Jahr 1556 führte Markgraf Karl II. in Weil die Reformation ein. Danach war Weil eine überwiegend protestantische Gemeinde. Sie gehört zum Dekanat Lörrach der Evangelischen Landeskirche in Baden. Infolge des starken Wachstums der Gemeinde wurde 1937 die Pfarrei Weil geteilt. Es entstand die Westpfarrei, die bisherige Pfarrei heißt seither Alt-Weil. 1956 erhielt die Westpfarrei eine eigene Kirche (Johanneskirche) erhielt und wurde danach in Johannespfarrei umbenannt. 1957 wurde von dieser die Pfarrei Friedlingen abgetrennt, die nach dem Bau der Friedenskirche 1963 in Friedenspfarrei umbenannt wurde. Auch in den Stadtteilen Haltingen, Märkt und Ötlingen gibt es jeweils eine evangelische Kirchengemeinde und eine alte Kirche. Auch diese Gemeinden gehören zum Dekanat Lörrach. Im 19. Jahrhundert zogen wieder Katholiken nach Weil. Sie wurden zunächst von Stetten aus versorgt und erhielten 1904/05 eine eigene Kirche (Peter und Paul), die 1937 zur Pfarrei erhoben wurde. Die Kirche zum Guten Hirten in Friedlingen wurde 1964 zur Pfarrei erhoben. In Haltingen wurde 1964 eine Pfarrei errichtet, nachdem bereits 1936/38 nach dem Bau der Marienkirche eine Pfarrkuratie errichtet worden war. Zur Gemeinde gehören auch die Katholiken in Märkt und in Ötlingen. Die katholischen Gemeinden im Weiler Stadtgebiet gehören heute zum Dekanat Wiesental des Erzbistums Freiburg. Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Weil am Rhein auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter zwei Evangelisch-freikirchliche Gemeinden (Baptisten). Auch die Neuapostolische Kirche ist in Weil am Rhein vertreten.

Politik

Seit der Kommunalwahl vom 13. Juni 2004 setzt sich der Gemeinderat von Weil am Rhein aus 33 Gemeinderäten zusammen. Diese verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Parteien bzw. Fraktionen:
- CDU - 9 Sitze
- SPD/GRÜNE - 9 Sitze
- UFW - 8 Sitze
- Junges Forum - 4 Sitze
- FDP/Freie Bürger/NWS - 3 Sitze

Bürgermeister

An der Spitze der Gemeinde Weil stand zunächst der herrschaftliche Vogt, der durch einen Stabhalter, der von 1560 bis 1822 bezeugt ist, unterstützt wurde. Zur Vogtei Weil gehörten noch die Orte Friedlingen, Tüllingen und Klein-Hüningen. Ab 1715 gab es ferner vier bis sechs Beisitzer und vier Geschworene. Seit 1833 steht ein Bürgermeister an der Spitze der Gemeinde. Ihm steht seither der Gemeinderat zur Seite. Seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1972 trägt das Stadtoberhaupt die Amtsbezeichnung "Oberbürgermeister". Dieser wird heute von den Wahlberechtigten für eine Amtszeit von 8 Jahren direkt gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats. Sein allgemeiner Stellvertreter ist der 1. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung "Bürgermeister". Vögte, Bürgermeister und Oberbürgermeister seit 1804
- 1804-1814: Hans Georg Ziegler, Vogt
- 1814-1818: Lienin, Vogt
- 1818-1822: F. Ziegler, Vogt
- 1822-1833: Martin Reinert, Vogt
- 1833-1835: Georg Friedrich Ziegler, Bürgermeister
- 1835-1840: Johann Mehlin, Bürgermeister
- 1840-1841: Johann Sütterlin, Bürgermeister
- 1842-1847: Johann Jakob Glattacker, Bürgermeister
- 1847-1848: Fridlin Ziegler, Bürgermeister
- 1848-1849: Fridlin Frey, Bürgermeister
- 1849: Georg Friedrich Ziegler, Bürgermeister
- 1849-1856: Johann Jakob Glattacker, Bürgermeister
- 1856-1861: Max Hodel, Bürgermeister
- 1862-1864: Georg Friedrich Ziegler, Bürgermeister
- 1864-1870: Johann Jakob Fingerlin, Bürgermeister
- 1870-1876: Johann Hauser, Bürgermeister
- 1876-1904: Georg Friedrich Lienin, Bürgermeister
- 1904-1918: Philipp Johann Bertsch, Bürgermeister
- 1919-1933: Rudolf Kraus, Bürgermeister
- 1933-1936: Walter Hennes, Bürgermeister
- 1936-1945: Wilhelm Schellenberg, Bürgermeister
- 1945-1946: Rudolf Kraus, Bürgermeister
- 1946-1957: Peter Hartmann, Bürgermeister
- 1957-1965: Wilhelm Schellenberg, Bürgermeister
- 1965-1984: Otto Boll, Bürgermeister, ab 1972 Oberbürgermeister
- 1984-2000: Dr. Peter Willmann, Oberbürgermeister
- 2000-heute: Wolfgang Dietz, Oberbürgermeister

Wappen

Das Wappen von Weil am Rhein zeigt in Silber über einem erniedrigten blauen Wellenbalken eine stilisierte blaue Weintraube mit acht sichtbaren Beeren und grünem Blatt. Die Stadtflagge ist blau-weiß. Wappen und Flagge wurden vom Innenministerium Baden-Württemberg am 6. August 1962 verliehen. Bis ins 18. Jahrhundert trug die Gemeinde Weil ein Rebmesser und die Initiale "W" in ihren Siegeln. 1811 tritt anstelle des Rebmessers die Weintraube auf. Nach der Stadterhebung 1929 setzte man die Traube in einen Wappenschild. Ab 1952 bemühte man sich um eine amtliche Festlegung des Wappens, die dann 1962 zur Wappenverleihung führte. Neben dem Weinbausymbol wählte man den Wellenbalken als Hinweis auf den Rhein. Die Wappen der in den 1970er Jahren eingegliederten Gemeinden trugen auch Weinbausymbole oder Symbole im Bezug auf den Rhein und so stellt das 1962 verliehene Weiler Wappen auch eine Verbindung zu den heutigen Stadtteilen dar.

Städtepartnerschaften

Mit dem Baselbiet und dem Elsass verbinden die Stadt zahlreiche Institutionen grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Die so genannte Regio TriRhena verbindet gemeinsame Geschichte und der (Alemannische Dialekte) Dialekt, der in jeweiligen Varianten gesprochen wird. Die benachbarte Kreisstadt Lörrach ist zwar immer noch der traditionelle Konkurrent, aber auf vielen Ebenen gibt es seit neuerer Zeit sinnvolle Zusammenarbeit. Internationale Partnerstädte sind das benachbarte Huningue (Hüningen) in Frankreich (seit 1962), Bognor Regis (heute District Arun) in Großbritannien (seit 1987) und Trebbin in Brandenburg (seit 1990).

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Die Stadt ist mit der Bahnlinie S5 mit Lörrach und mit der Bahnlinie 702 mit Basel und Freiburg im Breisgau verbunden; darüber hinaus verfügt sie über einige lokale und regionale Busverbindungen. Sie gehört dem Regio Verkehrsverbund Lörrach an.

Behörden und ansässige Unternehmen

Weil am Rhein ist Sitz eines Bundesgrenzschutzamtes und eines Zollamtes. Die Plattenfirma Bros Music (u.a. Vanilla Ninja) hat in der Stadt ihren Sitz und ein Studio.

Medien

In Weil am Rhein erscheint als Tageszeitung die "Weiler Zeitung", die aus dem Verlagshaus Jaumann in Lörrach kommt. Diese bezieht den Mantel vom "Schwarzwälder Boten". Über das Lokalgeschehen berichtet auch die "Badische Zeitung" aus Freiburg im Breisgau.

Bildungseinrichtungen

In Weil am Rhein gibt es ein Gymnasium (Kant-Gymnasium), eine Realschule, eine Förderschule (Leopoldschule), vier Grundschulen (Hermann-Daur-Grundschule Ötlingen, Karl-Tschamber-Grundschule, Leopoldschule und Rheinschule), eine Grund- und Hauptschule (Hans-Thoma-Schule Haltingen) und eine Hauptschule (Markgrafen-Hauptschule). Der Landkreis Lörrach ist Träger des Schulkindergartens für Geistigbehinderte. Das private Abendgymnasium Weil am Rhein, die private Abendrealschule, der private Emma-Fackler-Schulkindergarten für Körperbehinderte und Sprachbehinderte sowie das [http://berufskolleg-weil.ak-sd.de private Berufskolleg] zur Erlangung der Fachhochschulreife runden das schulische Angebot Weils ab.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Das [http://www.laguna-badeland.de/laguna.html Laguna-Badeland] zählt zu den Top-Attraktionen der Stadt. Das [http://www.kulturzentrum-kesselhaus.de/ Kulturzentrum] mit seinen 20 Künstlerateliers wie z.B. [http://www.atelier4.org/ atelier4] bietet vielerlei Interessantes und auch jede Menge kultureller Veranstaltungen (Theater, Kino, Konzerte etc.).

Museen

Hauptschule Das Museum am Lindenplatz in einem klassizistischen Gebäude aus dem Jahre 1845 präsentiert wechselnde Ausstellungen zu kulturhistorischen Themen, unter anderem zu Stadtarchäologie, Kunstgewerbe, Literatur und Musik. Das Vitra Design Museum von Frank Gehry zählt zu den bedeutendsten Einrichtungen dieser Art in Europa.

Bauwerke

Eines der ältesten Gebäude der Stadt und eines ihrer Wahrzeichen ist das sogenannte "Stapflehus", ein wohl um die Mitte des 16. Jahrhunderts erbautes ehemaliges Herrenhaus mit Staffelzinnen, das Sitz eines Röttler Obervogtes war. Es diente aber auch als Amtssitz mit Empfangs- und Kanzleiräumen. Heute wird es als Städtische Galerie und für Empfänge genutzt. Das Rathaus wurde am 5. Juni 1964 eingeweiht. Es sollte den Beginn einer neuen Stadtmitte repräsentieren. Vor dem Rathaus wurde ein Uhrenturm errichtet, der die im Dreiländereck aneinander stoßenden Länder Deutschland, Frankreich und Schweiz symbolisiert. Die evangelische Kirche Alt-Weil wurde 1791 erbaut und erhielt 1906 einen höheren Turm. Doch gab es bereits dort vorher eine Kirche, die bereits 786 im Besitz des Klosters St. Gallen war. 1956 entstand im Westen Weils die Johanneskirche für die Leopoldshöhe und Otterbach. 1963 wurde die Friedenskirche in Friedlingen erbaut. Die katholische Peter-Pauls-Kirche wurde 1904/05 auf der Leopoldshöhe errichtet. 1957 entstand in Friedlingen die Kirche zum Guten Hirten, ein moderner Hallenbau mit freistehendem Turm. In Haltingen wurde die dortige alte evangelische Kirche (ehemals St. Georg) 1718 umgebaut, doch blieb der ältere Turm erhalten. Die Katholiken des Ortes erhielten 1936 die Marienkirche. Die Kirche in Märkt geht auf das 14. Jahrhundert zurück. Im Chor befinden sich Wandmalerein des 15. Jahrhunderts, die 1959 restauriert wurden. Die Ötlinger Kirche wurde 1410 bis 1420 erbaut, geht jedoch auf eine frühere Kirche zurück. Auch in dieser Kirche sind spätgotische Freskenbilder zu bewundern. Mit dem Gebäude der (inzwischen aufgelösten) Vitra Werksfeuerwehr von Zaha Hadid und dem Pavillon von Tadao Ando bietet die Stadt zwei weitere Anlaufpunkte für Architekturbegeisterte. Außerdem ist Weil am Rhein die "Stadt der Stühle" und lockt damit jährlich zahlreiche Besucher zu sich. Ausgestellt sind diese Stühle am Gelände des Vitra Design Museums und viele der Exemplare finden sich an etlichen Stellen in der Stadt selbst wieder.

Parks

Im Stadtteil Friedlingen befindet sich unmittelbar am Rhein der Rheinpark. Der Park mit umfasst große Rasenflächen mit Brunnen, einem Teich, Spielgeräten für die Kinder und zahlreichen Bäume und Ruhebänke. Im Rheinpark befanden sich vor 200 Jahren Teile des Brückenkopfes der Hüninger Festung.

Regelmäßige Veranstaltungen

Eine Besonderheit ist die Altweiler Bauernfastnacht, die traditionell eine Woche später stattfindet und das Altweiler Straßenfest (Altwiler Stroßefescht), das immer am zweiten Wochenende im September stattfindet. Außerdem findet jährlich am 31. Juli der Weiler Weinweg in Flammen statt. Hier werden entlang des Weiler Weinweges durch den gesamten Weinberg Schwedenfeuer entzündet. Eine Besonderheit sind die Winzerschnitten, die zu diesen Feierlichkeiten gereicht werden. Höhepunkt ist das Feuerwerk zum 1. August in Basel, das sich vom Tüllinger Berg gut beobachten lässt.

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Die Stadt Weil am Rhein hat folgenden Personen das Ehrenbürgerrecht verliehen (die Liste ist bislang noch sehr lückenhaft):
- 1982: Charles Müller, Bürgermeister der Partnerstadt Hunigue
- 1984: Otto Boll, Oberbürgermeister a.D.

Söhne und Töchter der Stadt


- 1950, 25. Mai, Enjott Schneider (eigentlich Norbert Jürgen Schneider), Komponist und Schriftsteller; schrieb unter anderem Musiken zu zahlreichen Filmen wie zum Beispiel "Schlafes Bruder", "Stalingrad", "Herbstmilch", "Rama Dama" (Bayerischer Filmpreis), "Wildfeuer" und "Leise Schatten". Für die beiden letztgenannten erhielt er das Bundesfilmband in Gold. Ferner schrieb Schneider auch Opern und Sinfonien.

Literatur


- Badisches Städtebuch; Band IV 2. Teilband aus "Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte - Im Auftrage der Arbeitsgemeinschaft der historischen Kommissionen und mit U