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Nationalsozialismus (Begriffsklärung)

Nationalsozialismus (Begriffsklärung)

Unter Nationalsozialismus versteht man
- die faschistische Ideologie des Nationalsozialismus in Deutschland
- die Zeit des Nationalsozialismus
- das von Trotzki kritisierte sowjetische Dogma der Errichtung des Sozialismus in jeweils nur einem Land
- seltener auch den von Honecker (auf diesem Dogma basierende, aber in Abgrenzug zu sowjetischen Reformen) propagierten Sozialismus mit nationalen Besonderheiten
- das Programm eines nationalen Sozialismus des libanesisch-syrischen Arabers Antun Saada

Nationalsozialismus

Nationalsozialismus bezeichnet die totalitäre Weltanschauung und Bewegung, die im Deutschland der 1920er und 30er Jahre politisch wirksam wurde und die ab 1933 zur Errichtung einer Diktatur in einem nach völkischen Kriterien ausgerichteten Staat führte. Ihre Entstehung gründet sich auf die Ablehnung des nach 1918 in Deutschland entstandenen demokratischen Staates, der Weimarer Republik, sowie des geistigen Führungsanspruchs der Kirche und des Kommunismus. Zu ihren Grundlagen zählten ferner der völkische Rassismus und Antisemitismus sowie die Forderung nach einer Revision der infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs erlittenen Sanktionen („Schmach von Versailles“). Die nationalsozialistische Weltanschauung lieferte die ideologische Begründung für den ab 1939 in Europa geführten deutschen Eroberungskrieg (Zweiter Weltkrieg) und die Verbrechen des Holocaust.

Begriff

„Nationalsozialismus“ war eine selbstgewählte, propagandistisch motivierte Bezeichnung, die später in der Bundesrepublik übernommen wurde; in der DDR wurde stattdessen (wie im Russischen) die Bezeichnung „Faschismus“ (speziell „Hitlerfaschismus“) verwendet. Die Bezeichnung „Nationalsozialismus“ rührt daher, dass in dem 1920 erschienen Programm der NSDAP tatsächlich eine sozialistische Gesellschaftsordnung gefordert wurde. Die Partei der deutschen Nationalsozialisten war die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Der Begriff Nazismus, in Deutschland eher selten verwendet, ist die wieder eingedeutschte Version des englischen Wortes nazism. In Deutschland wird häufig der negativ konnotierte Begriff Nazi für einen Anhänger des Nationalsozialismus verwendet.

Hauptmerkmale des Nationalsozialismus

Es ist strittig, inwieweit es eine geschlossene nationalsozialistische Ideologie gab. Überliefert ist dazu die Aussage Hans Franks aus den Nürnberger Prozessen, dass es „soviele Nationalsozialismen wie Nationalsozialisten“ gegeben habe. Die Frage muss aber letztlich offen bleiben, weil man lediglich vermuten kann, inwieweit der Nationalsozialismus als Ideologie seinen ‚Führer‘ überdauert hätte, um den herum, als dem absoluten, zentralen Mittelpunkt, das komplette politische System aufgebaut war. Es lassen sich aber einige Hauptmerkmale benennen:
- Rassismus, insbesondere Antisemitismus, der im Holocaust kulminierte sowie Verherrlichung der „arischen und germanischen Rasse“; siehe auch Nationalsozialistische Rassenideologie (vgl. Rassentheorie und Ariosophie)
- Euthanasie und Eugenik bzw. ‚Rassenhygiene‘ sowie der Glaube an die Möglichkeit einer ‚Höherzüchtung‘ einer Herrenrasse,
- Verwandtschaft zum Faschismus, die sich insbesondere in den Propaganda-Inszenierungen zeigte
- Antimarxismus, Antikommunismus, Antibolschewismus und Antikapitalismus
- Totalitarismus – Ablehnung von Demokratie; Zerschlagung politischer Parteien, Gewerkschaften und freier Presse;
- weitreichned Vollmachten für Geheimdienste und Spitzel; siehe auch Gestapo und Denunziantentum
- Führerprinzip – Konzentration aller Autorität in einer zentralen Führungspersönlichkeit, sowie Projektion dieses Prinzips auf die restlichen Hierarchie-Stufen
- Militarismus - Verteidigung von "Blut und Boden"
- Ideologie der Volksgemeinschaft
- Lebensraumpolitik, „Lebensraum im Osten“
- Berufung auf Preußische Tugenden bzw. die Philosophie des Deutschen Idealismus Ähnlich wie im Faschismus in Italien, den dessen Urheber Benito Mussolini als „Verschmelzung von Großkapital und Staat“ bezeichnete, wurden die Nationalsozialisten von einzelnen deutschen wie auch ausländischen Unternehmern als Bollwerk gegen den Bolschewismus finanziell unterstützt. Bolschewismus]] Der Antisemitismus speiste sich aus verschiedenen, teilweise widersprüchlichen Richtungen. So wurden Juden pauschal für Missstände wie Massenarbeitslosigkeit, Verstädterung, Abwanderung der Landbevölkerung in die Städte, Zersiedelung der Landschaft usw. verantwortlich gemacht. Sie wurden auch als Hintermänner von Marxismus und Kapitalismus dargestellt und als ‚zersetzend‘, einer „minderwertigen Rasse angehörend“ gebrandmarkt. Der Begriff der Rasse war ein zentraler Begriff nationalsozialistischer Weltanschauung. Es wurde die „Überlegenheit einer arischen Rasse“ über andere Rassen postuliert, wobei „Arier“ fälschlicherweise mit Indogermane gleichgesetzt wurde. Die arische Rasse sollte vor dem schädlichen Einfluss, den die Nationalsozialisten in der ‚Vermischung‘ mit anderen Rassen sahen, bewahrt werden. Die Erhaltung der sogenannten „Reinheit des Blutes“ rechtfertigte z.B. die in den Nürnberger Gesetzen erlassenen Heiratsverbote von Deutschen mit „überwiegend anderer Rasse zugehörigen“ Partnern. Die Sterilisierung von geistig Behinderten, psychisch Kranken und von Schwerverbrechern sollte verhindern, dass sich ‚krankes‘ Erbgut weitervererben konnte. Parallel wurde Aufrüstung betrieben, zunächst geheim, dann offen. Sobald die Wehrmacht stark genug sein würde, sahen Pläne Hitlers und anderer hoher Nationalsozialisten vor, gezielt Angriffskriege einzufädeln. Dabei sollte ein Land nach dem anderen isoliert und einzeln ‚niedergekämpft‘ werden. Das Endziel war die Eroberung des kontinentalen Festlands, der Sowjetunion bis zur Linie Archangelsk–Uralgebirge–Kaukasus sowie die Besiedelung dieser Gebiete durch die Deutschen. Die Herrschaft über die besetzten Gebiete sollte durch Vertreibung unerwünschter Bevölkerungsgruppen gestärkt werden.

Machtergreifung des Nationalsozialismus

In Deutschland verpasste Hitler mit der NSDAP bei den Reichstagswahlen Anfang 1933 nur knapp die absolute Mehrheit und schloss infolgedessen vorerst einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP. Hitler wurde als Vorsitzender der stärksten Partei des Reichstags am 30. Januar 1933 Reichskanzler. Obwohl die Nationalsozialisten diesen Tag als Tag der "Machtergreifung" propagierten, kam dieser Vorgang vorerst einem gewöhnlichen Regierungswechsel gleich. Der Brand des Reichstagsgebäudes in Berlin am 27. Februar 1933 veränderte jedoch diese Situation. Die Nationalsozialisten behaupteten, dass der Brandanschlag ein kommunistischer Umsturzversuch sei, beschuldigten mehrere Politiker und schufen sich mit der bereits am Tag darauf erlassenen Notverordnung des Reichspräsidenten Hindenburg nach §48 der Weimarer Verfassung die Möglichkeit, unter Aufhebung der durch die Verfassung garantierten Grundrechte gegen die Opposition, insbesondere die KPD, vorzugehen. Im späteren Reichstagsbrandprozess vom 12. August bis 23. Dezember 1933 wurde der am Tatort verhaftete Holländer M. van der Lubbe zum Tode verurteilt; die mit ihm angeklagten kommunistischen Politiker wurden freigesprochen. Bis heute konnte kein Nachweis erbracht werden, dass van der Lubbe von den Nationalsozialisten oder von den Kommunisten zu der Brandlegung angestiftet wurde. Die vollständige Machtergreifung gelang den Nationalsozialisten erst durch das Ermächtigungsgesetz, für das sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Abgeordneten benötigten, welche sie durch das Verbot der KPD und einen Pakt mit dem Zentrum und der DNVP auch erlangten. Durch dieses Gesetz wurde die Weimarer Reichsverfassung praktisch beseitigt: Der Reichstag entzog sich am 5. März 1933 selbst die Macht, indem er die Trennung von Exekutive und Legislative aufhob und sich damit selbst überflüssig machte.

Grundlagen und Weiterentwicklungen

Eine ideologische Grundlage des Nationalsozialismus ist die Anfechtung des allgemeinen menschlichen Grundwertes, nach welchem der Mensch seinen Wert als solcher besitzt, das heißt ohne alle Leistung. Die Grundwerte des NS waren darum weder neu noch auf eine bestimmte historische Zeit beschränkt. Sie sind die der Leistungsgesellschaft, nur eben radikal und total. Die Inszenierung der Arbeit, des Körpers, der Technik, das Absinken der Künste auf die Beschwörung des Willens ist genauso Ausdruck dieser Sicht des Menschen wie das System der Arbeitslager und die Vernichtung sogenannten „unwerten Lebens“. (Siehe auch Asoziale) Der Versailler Vertrag und die Folgen der Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre öffneten der Leistungsideologie und dem Gefühl, um die eigene Leistung betrogen zu sein, weit die Tore. Anders aber zeigt das Beispiel des Antisemitismus, gegründet auf dem Mythos, die jüdische Kultur lebe auf Kosten der deutschen, die geringe Bindung der Leistungswerte zur Wirklichkeit. Wesentliche Elemente der NS-Ideologie wurden von Adolf Hitler in seinem Buch Mein Kampf niedergeschrieben. Das Buch galt als Grundlage aller anderen Schriften des Nationalsozialismus. Als bedeutender Ideologe wird daneben Alfred Rosenberg angesehen, der mit seinem Buch "Mythus des zwanzigsten Jahrhunderts" eine sehr weite Verbreitung seiner Gedanken erreichen konnte. Der "Mythus" Rosenbergs wurde zusammen mit Hitlers "Mein Kampf" in den Grundstein der riesigen Kongresshalle in Nürnberg eingemauert, um die Grundlagen des Nationalsozialismus für die Zukunft zu bewahren. Gleichwohl wurde Rosenbergs Buch sogar von führenden NS-Politikern nicht sehr ernst genommen. Besonders Goebbels soll über Rosenberg immer wieder gespottet haben. Eine eigene Weiterentwicklung der nationalsozialistischen Ideologie nahm Heinrich Himmler vor. Die bereits bei Rosenberg vorhandenen Bezugspunkte zu Indien wurden in den SS-Einrichtungen wie den "Ordensburgen" (die Himmler als Elite des Systems verstand) ausgebaut. Esoterische Lehren mit deutlichen östlichen Einflüssen, die teilweise von der SS übernommen wurden, haben das Kriegsende überdauert und leben - meist als unpolitische religionsähnliche Lehren - bis heute fort. Himmler betrieb auch eine Europäisierung der Ideologie. Ein bekanntes Produkt dessen sind die Freiwilligen-Einheiten der "Europäischen SS" aus vielen Ländern; jedoch gab es auch Konzepte für einen europäischen Wirtschaftsraum. Häufig nahm der Nationalsozialismus religiöse Züge an. Auf den Reichsparteitagen wurde der Nationalsozialismus geradezu zelebriert, was durch den Film "Triumph des Willens" der Regisseurin Leni Riefenstahl besonders herausgearbeitet und verstärkt wurde. Das Verhältnis des Nationalsozialismus zur christlichen Religion war daher auch zwiespältig. Einerseits gab es den Versuch, mit einem "Deutschen Christentum" die Religion für den Nationalsozialismus einzuspannen. Andererseits aber gab es antichristliche Elemente bei Rosenberg und eine völlige Abwendung vom Christentum durch die Himmlersche Bezugnahme auf Buddha und vorbuddhistische indische Schriften. Die Haltung der Religionen und derer Vertreter während des NS-Regimes muss differenziert gesehen werden (siehe hierzu Religion während des Nationalsozialismus). Hinzu kam der "Blut-und-Boden-Mythos" und die Verherrlichung des Bauernstandes (der "Nährstand") sowie eine gewisse Nostalgie. Viele Nationalsozialisten lehnten die Verstädterung und die zunehmende Industrialisierung ab und sehnten sich nach einem Land, das wie eh und je von Bauern bestellt wurde. Auch Heinrich Himmler hatte solche Gedanken, als er vorschlug, die eroberten Gebiete der Sowjetunion mit Bauern zu besiedeln, die zugleich Soldaten ("Wehrbauern") waren. Russen, Ukrainer und Polen sollten die Landarbeiter, das Hauspersonal, die Bauarbeiter oder die Hilfsarbeiter stellen. Errichtung der NS- Diktatur: 30.1 .1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus 27.2.1933: Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst ) 28.2.1933: Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“: Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft ( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit) Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder. 5.3.1933:

Ebene 2 Überschrift

Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%. Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS 21.3.1933: Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen 23.3.1933: Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz: Inhalte: · Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen · Reichsregierung hat die ganze Macht · Reichskanzler verkündet Gesetze · Wahrung der Rechte des RP,RT,RR · Aufhebung der Gewaltenteilung Begründung Hitlers: · Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung · Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation · Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten · Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt 31.3.1933: Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit- 7.4.1933: Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP) 7.4.1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsoz. Staat eintreten 6.5.1933: Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt. Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt Sommer 1933: Beginn der Parteienauflösung: Verbot der SPD am 222. Juni Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers NSDAP verbleibt einzige Partei Dezember 1933: Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat 30.1.1934 Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung- 14.2.1934: Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben. April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder) 1.8.1942: Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches: Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über.

Wie wurde Hitler möglich?

1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten 2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate 3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie 4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten 5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung 6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse. 7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen

Zitat

:"Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie." ::Theodor W. Adorno (Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit? 1959)

Literatur


- Wolfgang Benz: Geschichte des Dritten Reiches, ISBN 3423308826
- Sebastian Haffner: Anmerkungen zu Hitler, Kindler Verlag, 1978, ISBN 3596234891
- Franz Neumann: Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933-1944 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/M., 1984
- Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945, herausgegeben und kommentiert von Walther Hofer, Fischer Taschenbuch Verlag, Reihe Bücher des Wissens, Erstausgabe 1957, ISBN 3-436-00183-X
- Michael Ruck, Bibliographie zum Nationalsozialismus, 2 Bde. m. CD-ROM, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2000, ISBN 3534149890
- Nicholas Goodrick-Clarke: Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus, Marixverlag, ISBN 3937715487
- Rüdiger Sünner: Schwarze Sonne, Herder Spektrum Verlag, Freiburg im Breisgau 1999, ISBN 3-451-05205-9,
- F.P. Heller/A. Maegerle: Thule. Vom völkischen Okkultismus bis zur neuen Rechten. Schmetterling-Verlag. Stuttgart, 1998.
- Reinhard Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten. Pahl-Rugenstein, Köln.
- Karin Neidhart: Nationalsozialistisches Gedankengut in der Schweiz. Eine vergleichende Studie schweizerischer und deutscher Schulbücher zwischen 1900 und 1945, Peter Lang Verlag : Bern u.a. 2004, ISBN 3-631-51892-7
- Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. Berlin: de Gruyter 2000, ISBN 311016888X.
- Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker: Geschichte der NSDAP, Köln 2002 ISBN 3894381345
- Vinnai, Gerhard: Hitler – Scheitern und Vernichtungswut. Zur Genese des faschistischen Täters. Psychosozial-Verlag. Gießen 2004. ISBN 3-89806-341-0 Errichtung der NS- Diktatur: 30.1 .1933: Reichspräsident Paul von Hindenburg ernennt Adolf Hitler zum Reichskanzler Dies markierte das Ende der Weimarer Republik und den Beginn der Diktatur des Nationalsozialismus 27.2.1933: Reichstagsbrand. Ein geistig verwirrter zündet den Reichstag an. ( Wahrscheinlich war es NSDAP selbst ) 28.2.1933: Reaktion auf den Reichstagsbrand: „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“: Sie setzt sämtliche Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft( Meinungs /Presse/Vereins/Versammlungsfreiheit) Der Reichstagsbrand lieferte die Begründung für die Gefangennahme vieler Parlamentsmitglieder. 5.3.1933: Festlegung von Neuwahlen: NSDAP erzielt Stimmenanteil von 44%. Im Vorfeld der Wahl kommt es zu Überfällen auf politische Gegner von SA und SS 21.3.1933: Tag von Potsdam: Gemeinsames Auftreten Hindenburgs und Hitlers am Grabe Friedrich des Großen 23.3.1933: Reichstag verabschiedet mit 94 Gegenstimmen der SPD das Ermächtigungsgesetz: Inhalte: · Reichsregierung kann alle Gesetze auch gegen die Verfassung beschließen · Reichsregierung hat die ganze Macht · Reichskanzler verkündet Gesetze · Wahrung der Rechte des RP,RT,RR · Aufhebung der Gewaltenteilung Begründung Hitlers: · Zustimmung des RT verschleppt Entscheidungen, schadet der Autorität und dem Ansehen der Regierung · Aufgrund der revolutionären Erregung wäre die Tagung des Reichstages eine Provokation · Mehr Stabilität durch klare Mehrheiten · Bestand der Länder, Kirchen, RR und RT wird nicht beseitigt 31.3.1933: Gleichschaltung der Länderparlamente durch Anpassung der Mandatsverteilung an die Reichstagswahlen vom 5.3.1933. D.h. sie haben das Wahlergebnis auf alle Parlamente übertragen und die NSDAP hatte somit die automatische Mehrheit- 7.4.1933: Auflösung der Landesregierungen und Einsetzung von Reichsstatthaltern, die für die Durchführung der Richtlinien des RK in den Ländern verantwortlich sind( alle von der NSDAP) 7.4.1933: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums: Beamte können jederzeit gekündigt werden, wenn sie nicht arischer Abstammung sind oder jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintreten 6.5.1933: Auflösung der Gewerkschaften: Wurden von SA und SS besetzt die Führer in Haft genommen und die Gewerkschaftsvermögen beschlagnahmt. Wurden durch die DAF ( Deutschearbeiterfront) ersetzt Sommer 1933: Beginn der Parteienauflösung: Verbot der SPD am 222. Juni Selbstauflösung der bürgerlichen Parteien Ende Juni auf Druck Hitlers NSDAP verbleibt einzige Partei Dezember 1933: Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat: NSDAP wird als beherrschende Staatspartei bestätigt. Das heißt: NSDAP= Staat 30.1.1934 Gesetz über den Neuaufbau des Landes: Volksvertretungen der Länder werden aufgehoben ihre Rechte gehen auf das Reich über. Landesregierungen unterstehen nun endgültig der Reichsregierung- 14.2.1934: Reichsrat als Verfassungsorgan wird aufgehoben. April 1942: Volksgerichtshof erhält Status eines Sondergerichtes.( Richter und NSDAP Mitglieder) 1.8.1942: Gesetz über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reiches: Das Amt des Reichspräsidenten wird mit dem des Reichskanzlers vereinigt. Die bisherigen Befugnisse des Reichspräsidenten gehen auf Adolf Hitler über. Wie wurde Hitler möglich? 1. Institutionelle Rahmenbedingungen: die verfassungsmäßigen Rechte und Möglichkeiten des Reichspräsidenten, zumal beim Fehlen klarer parlamentarischer Mehrheiten 2. Ökonomische Entwicklung: Hohe Inflationsrate/ Arbeitslosenrate 3. Politische Kultur: Republikferne/ Eliten waren gegen Demokratie 4. Soziale Umschichtungen: Umschichtungen im Mittelstand mit Konsequenzen für politische Orientierung und Wahlverhalten 5. Ideologische Faktoren: Extremer Nationalismus( verstärkt durch Kriegsniederlage). Hoffnung auf „starken Mann“/ Führerwahrung 6. Massenpsychologische Momente: Erfolgschancen der Propaganda infolge politischer Labilität der breiten Bevölkerungsmasse. 7. Rolle einzelner Persönlichkeiten: Hindenburg, Schleicher, Papen Phasen der Verfolgung: Die Entrechtung und Verfolgung der Juden begann direkt nach der „Machtergreifung“. Das erste Konzentrationslager wurde - zunächst noch vor allem für politische Gegner - schon 1933 in Dachau eingerichtet 1. Schritt: ab 1921 · Boykott-Aktionen gegen jüdische Geschäfte · Beginn der Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichem- und wirtschaftlichem Leben · Durch einen Arierparagraphen wurden „Nicht-Arier“ zuerst aus dem öffentlichen Dienst entfernt ( durften keine Beamte mehr sein) · dieser Paragraph wurde auf immer mehr Bereiche ausgedehnt und auch von Vereinen, Verbänden und anderen Gruppierungen übernommen · -Judenstern/Ghettos 2. Schritt: 10.Mai 1933 · Bücherverbrennung · „undeutsche Bücher“ wurden auf dem Opernplatz in Berlin öffentlich verbrannt. · z, B. Heinrich Heine oder Karl Marx 3. Schritt: 15.September 1935 Nürnberger Gesetze · sie erklären den Juden zu Staatsbürger minderen Rechts · Sie verlieren das aktive und passive Wahlrecht Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre · Eheschließungen und außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und ,,Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes" verboten, Zuwiderhandlungen galten als ,,Rassenschande"_ Gefängnis- oder Zuchthausstrafe · außerehelicher Verkehr zw. Juden und Dt. verboten Bedeutung: · stellten gesetzliche Grundlage zur Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung der Juden dar · Juden Menschen 2. Klasse, wehrlos, Rechte genommen · weiterer Schritt auf dem Weg zur vollständigen Pervertierung des Rechtsstaates · auf diesen Gesetzen bauten weitere Rassengesetzgebungen des NS-Staates auf Ziel: ,,politische und biologische Scheidung des jüdischen Volkes vom deutschen Volke · März 1936 Kinderreiche jüdische Familien keine Beihilfe mehr · Oktober 1936 Verbot Nichtjuden Privatunterricht von jüdischen Lehrern · April 1937 Juden an Uni kein Doktortitel mehr erwerben · April 1937 jüdische. Ärzte verlieren Krankenkassenzulassung · Juli 1938 dann auch die Erlaubnis der Berufsausübung 4. Schritt: 9/10. November 1938 · April 1938 Juden gezwungen Vermögen zu deklarieren, wenn über 5000 RM · Mai 1938 Juden von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen · November 1938 jüdischen Kindern der Besuch an dt. Schulen untersagt · „Reichskristallnacht“ der befohlene Pogrom (russ.: Unwetter, Verwüstung) · Es kommt zu Progromen gegen die jüdische Bevölkerung · 91 Juden werden ermordet, über 7000 Geschäfte verwüstet · Für die angerichteten Schäden mussten Juden t 1 Milliarde Reichsmark zahlen · Alles jüdische Eigentum wird beschlagnahmt · Bewegungsfreiheit wird eingeschränkt( Ausgehverbote, Einzug der Führerscheine) · 3000 Juden werden verhaftet · Bedeutung: · Endgültiger Ausschluss aus dem WIrtschaftsleben · Einleitung der endgültigen Ausgrenzung der dt. Juden aus sozialen und ökumenischen Bereichen :Dezember 1938 Autofahren verboten · 1939: Es kommt zu ersten Erschießungen polnischer Juden durch Einsatztruppen der Sicherheitspolizei- · Im Oktober finden bereits Deportationen von Juden im neu errichteten Polen statt · Noch im selben Monat wird die Euthanasie- Verordnung , die Ermordung von 120 000 geistig behinderter Menschen eingeleitet. 5. Schritt: ab 1941 · Ghettoisierung (Warschauer Ghetto) · Mit dem schnellen Vordringen der dt. Truppen in die Sowjetunion befinden sich millionen osteuropäischer Juden im deutschen Herrschaftsbereich. · Es beginnen Sonderkommandos auf dem eroberten Gebiet mit Erschießungen · Auswanderung wird ihnen untersagt, müssen Judenstern tragen Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurden von führenden Verwaltungsgrößen des NS-Regimes geheim die Weichen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ gestellt. · Mit den dort gefassten Beschlüssen wurde der direkt hinter der Front schon begonnene Völkermord an den europäischen Juden auf eine gemeinsame organisatorische Basis gestellt und die Ermordung auf industrieller Grundlage mit Hilfe von Massenvergasungen für die Nationalsozialisten „effizienter“ geregelt. · Die Verwertung des Eigentums der vernichteten Juden wurde bis ins Detail geregelt. · In Auschwitz wird noch im selben Monat mit der Ermordung der Juden in Gaskammern begonnen · 6. Endlösung · Mit der Ausdehnung der Endlösung auf alle Gebiete Europas, die unter dt. Herrschaft stehen, werden Juden vonüberallher in die Vernichtungslager deportiert. · Nur einige Länder wie Italien, Rumänien und Ungarn ( bis 1944) leisten Widerstand gegen die Deutschen · Bis zum Kriegsende werden in KZ über 5 Millionen Juden ermordet · Zu den Opfern zählen auch 500 000 Sinti und Roma, politische Gegner, „Assoziale“, Kriminelle. · Systematische und fabrikmäßige Ermordung von Juden in den Konzentrationslagern ( z.B. Auschwitz) · Vor dem Eintreffen alliierter Armeen werden viele KZ zerstört( Auschwitz 1944). · Die noch Überlebenden werden verlegt ( Todesmärsche) Endlösung der Judenfrage" oder auch kurz "Endlösung" ist die in der Zeit des Nationalsozialismus von den Machthabern benutzte Bezeichnung für die planmäßige Vertreibung und Ermordung der Juden in Deutschland und im deutschen Machtbereich in den Jahren 1941 bis 1945. Es handelt sich somit um die euphemistische Umschreibung für die Planung und Realisierung des Holocaust.

Weblinks


- [http://www.bpb.de/publikationen/01646950938424722470412600973617,0,0,Nationalsozialismus_II.html Nationalsozialismus II] Informationen zur politischen Bildung (Heft 266)
- [http://www.shoa.de/nationalsozialismus.html Nationalsozialismus] Ausführlicher Artikel beim Arbeitskreis Shoa.de
- [http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/ LEMO]
- [http://www.nationalsozialismus.at Nationalsozialismus in Österreich]
- [http://www.doew.at/thema/terror/chron.html Opfer des Terrors der NS-Bewegung in Österreich 1933-1938]
- [http://www.documentarchiv.de/ns.html Chronologische Abfolge wichtiger politischer Entscheidungen von 1933 - 1945 mit Gesetzestext]
- [http://www.ns-archiv.de Dokumente zum Nationalsozialismus]
- [http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html Das Programm der NSDAP] Nationalsozialismus Kategorie:Rassismus Kategorie:Rechtsextremismus ja:ナチズム simple:Nazism

Trotzki

Lew Dawidowitsch Trotzki (auch Leo Trotzki; russisch Лев Давидович Троцкий; gebürtig Lew Dawidowitsch Bronstein; russisch Лев Давидович Бронштейн ;
- 7. November 1879 (22. November 1879) in Janowka, Ukraine; † 21. August 1940 in Coyoacán im Süden von Mexiko-Stadt) war ein marxistischer Revolutionär und sowjetischer Politiker. Er war Volkskommissar (Minister) für Kriegswesen, Volkskommissar des Auswärtigen, für Ernährung, Transport, Verlagswesen. Er gilt ebenso als Gründer der Roten Armee wie des Trotzkismus.

1879–1897: Kindheit und Jugend

Trotzkismus Bronstein wurde als fünftes Kind jüdischer Kolonisten im ukrainischen Janowka, im Kreis Jelisawetgrad, Gebiet von Cherson, geboren und besuchte die Realschule der Kleinstadt Mykolajiw (Nikolajew). Sein Vater war Landwirt, der es zu bescheidenem Wohlstand gebracht hatte. Auch seine Schwester Olga schloss sich später den Revolutionären an. Sie heiratete Lew Borissowitsch Kamenew, einen einflussreichen Parteitheoretiker der Bolschewiki und eine der Hauptfiguren des thermidorianischen Triumvirates gegen die sogenannte Linksopposition der Zwanziger Jahre. Die Jahre im provinziellen Janowka erlebte der spätere Volkskommissar weder als unbeschwert noch als bedrückend. Er berichtete in seiner Autobiografie Mein Leben später von einer biederen Kleinbürgerkindheit, farblos in der Schattierung, beschränkt in der Moral, nicht von Kälte und Not, aber auch nicht von Liebe, Überfluss und Freiheit geprägt. 1886 besuchte Bronstein das deutsch-jüdische Cheder, eine religiös geprägte Grundschule, im Nachbarort Gromokley, wo er Russisch, Arithmetik und Bibel-Hebräisch erlernte. Ab 1888 absolvierte Trotzki die deutsch-lutherische „Realschule zum Heiligen Paulus“ in der Hafenstadt Odessa. Dort lernte er das ländliche, orthodoxe Judentum, wie es seine Familie praktizierte, aus der aufgeklärten Sicht des Bürgertums zu sehen und begann, sich für ein weltoffenes, assimiliertes Judentum einzusetzen. Neun Jahre später bestand er das Abitur in Mykolajiw als Bester seines Jahrgangs. Schon ein Jahr zuvor begann der 17-Jährige sich politisch von einem radikaldemokratischen Oppositionellen zum Volkstümler zu entwickeln. Das Volkstümlertum gehört mit dem Marxismus zu den beiden populärsten Denkweisen jener Tage. Er trat einem Diskussionszirkel junger Oppositioneller bei, in dem er die Positionen der Volkstümler vertrat. Seine Kontrahentin war die sieben Jahre ältere Alexandra Lwowna Sokoslowkaja, die er später heiratete. Als Bronstein sich politisch betätigte, stellten seine Eltern ihre Unterhaltszahlungen ein. Im Jahre 1897 war Bronstein nunmehr als Sozialist maßgeblich an der Gründung des sozialdemokratischen Südrussischen Arbeiterbundes beteiligt. Er fungierte in dieser Organisation als Propagandist und Verbindungsmann zwischen den Gruppen in Mikolajew und Odessa.

1898–1902: Erste Haft und Flucht

Alexandra Lwowna Sokoslowkaja Ein Jahr später nahm die zaristische Polizei Bronstein im Rahmen von Massenverhaftungen, deren Anlass der Verrat des Tischlers Nesterenko war, fest und ließ ihn in den Gefängnissen von Mykolajiw, Cherson und Odessa einsitzen. 1899 wurde er zur Verbannung nach Sibirien verurteilt, wo er seiner Fundamentalkritik am Sankt Petersburger Regime mit intensiven Studien des dialektischen und historischen Materialismus sowie der marxistischen Weltanschauung, ein theoretisches Fundament gab. Im Moskauer Überführungsgefängnis Butyrskaja heiratete der Revolutionär 1900 Alexandra, die seine politischen Ansichten teilte und ihn wenig später in die Verbannung nach Irkutsk begleitete. Noch im selben Jahr wurde ihre erste Tochter geboren. Im Jahre 1902 verließ er wegen seiner revolutionären Arbeit seine Frau und die beiden kleinen Töchter, (die Jüngste war nur vier Monate alt) und floh aus der Verbannung. Um die Flucht zu bewerkstelligen, legte er sich einen gefälschten Pass auf den Namen „Trotzki“ zu, womit er sich, seinem Hang zur Ironie folgend, nach dem Oberaufseher des Gefängnisses in Odessa benannte.

1902–1917: Vor dem Umsturz

Irkutsk Irkutsk Wenig später, im Herbst 1902, kam er, der Einladung von Wladímir Iljítsch Lenin folgend, nach London und wohnte mit ihm zusammen. In der Emigration übernahm Trotzki die Rolle des leitenden Redakteurs der sozialdemokratischen Zeitung Iskra (Der Funke), eine Tätigkeit, die ihm den Spitznamen Leninscher Knüppel einbrachte; nach dem Wendepunkt in der Geschichte der russischen Sozialdemokratie 1902 führte er diese Arbeit jedoch nicht mehr fort. Bald schon trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) Georgi Walentinowitsch Plechanows bei und vertrat auf dem in der britischen Hauptstadt durchgeführten II. Parteitag der SDAPR den sog. Sibirischen Bund. In dieser Zeit lernte Trotzki auch Alexander Parvus (eigentlich Israil Lasarewitsch Helphand, russisch: Израиль Лазаревич Гельфанд) kennen, der ebenfalls aus einem jüdischen Dorf in der Nähe von Odessa stammte, und in der deutschen SPD sein politisches Betätigungsfeld gefunden hatte. Der ältere Parvus prägte den jungen Trotzki sehr stark. Dessen „Theorie der permanenten Revolution“ basiert auf Ideen von Parvus. Auf dem zweiten Parteitag der SDAPR kam es zur Spaltung der Partei über die Frage, wer als Parteimitglied betrachtet werden könne. Opponenten bei dieser Auseinandersetzung waren einerseits Lenin, nach dessen Meinung nur Personen Parteimitglied sein konnten, die sich persönlich engagierten, und andererseits Trotzki, der lediglich die Unterstützung der Partei als Grundlage einer Parteimitgliedschaft ansah. Bei der folgenden Abstimmung siegten die Anhänger Lenins, die in der Folge Bolschewiki (russisch: russisch: Большевики, deutsch: Mehrheitler) genannt wurden; ihnen standen die Menschewiki (russisch: Меньшевики, deutsch: Minderheitler) entgegen. Trotzki versuchte einerseits, zwischen den Parteifraktionen zu vermitteln, andererseits schwenkte er stark in die Nähe der Menschewiki ein. Er verfasste Schriften, in welchen er Lenin Machtgier als Grundlage seiner Politik unterstellte und ihn einen „Diktatorenkandidaten“ oder auch „Maximilien de Lénine“ nannte. Das Verhältnis der beiden künftigen Revolutionsführer war durch diese Polemiken lange Zeit belastet. In späteren Schriften nahm Trotzki seine menschewistischen Positionen zurück. 1903 hielt sich Trotzki zeitweise in Paris auf, wo er die Kunstgeschichtsstudentin Natalija Sedowa kennenlernte. Sie blieb bis zu seinem Lebensende in Mexiko an seiner Seite. Im selben Jahr brach er endgültig mit den Menschewiki und postulierte mit der Theorie der permanenten Revolution, dass nicht das in seinen Augen vollkommen als zaristisch diskreditierte russische Bürgertum einen Umsturz nach dem Muster der Französischen Revolution durchführen werde. Vielmehr werde die Arbeiterklasse, die zwar noch sehr klein sei, eine bedeutende Rolle im Bündnis mit den ärmsten Schichten der Bauernschaft und den Landproletariern bei der Errichtung der Diktatur des Proletariats, gestützt auf den Bauernkrieg spielen. Dies habe Karl Marx bereits 1848 als Parole für das Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts formuliert. Von August 1904 an wohnte Trotzki für ein halbes Jahr in München. Nach dem St. Petersburger Aufstand im Oktober 1905 kehrte er nach Russland zurück, wo er zusammen mit Parvus Mitglied des St. Petersburger „Sowjets (Rat) der Arbeiterdeputierten“ wurde. Trotzki übernahm den Vorsitz des Rates. Nach seiner Verhaftung wurde Parvus sein Nachfolger. In der Verbannung verfasste Trotzki die Schrift Bilanz und Ausblick – Russland in der Revolution. 1906 wurde sein drittes Kind, ein Junge, geboren. Ein Jahr später folgte das vierte Kind, wiederum ein Sohn. Die von Trotzki beeinflusste Massenbewegung wurde zerschlagen. Trotzki, der inzwischen zum Vorsitzenden des Sowjets aufgestiegen war und der sich in den Dezemberaufständen engagiert hatte, wurde nach einem Schauprozess ein zweites Mal zu lebenslanger Verbannung verurteilt. Seine Strafe sollte er im Gouvernement Tobolsk antreten. Er floh bereits beim Transport und entkam, ebenso wie Parvus, in das habsburgische Wien. Auf dem Parteitag von 1907, abermals in London, schloss sich Trotzki weder den Bolschewiki noch den Menschewiki an, sondern stand einer von den Bolschewiki sogenannten zentristischen Fraktion vor. Zentrismus kennzeichnet im marxistischen Vokabular eine zwischen reaktionärem und revolutionärem Verhalten schwankende Position. Ab 1908 gab er zusammen mit Adolf Joffe die Zeitung Prawda (russisch: Пра́вд, deutsch Wahrheit) heraus, welche man nicht mit Lenins Prawda verwechseln sollte, die ab 1912 erschien. In jener Zeit versuchte vor allem Kamenjew, Trotzki von der Kommunistischen Partei und den Positionen Lenins zu überzeugen; Trotzki blieb allerdings Kritiker Lenins, ebenso wie Lenin die Positionen Trotzkis verurteilte. Trotzki führte nun das Leben eines rastlosen Emigranten; zeitweise arbeitete er als Kriegsberichterstatter auf dem Balkan, wo er erste militärische Erfahrungen sammelte. Es kam zum Bruch zwischen Trotzki und Parvus. Letzterer vertrat ein anderes Konzept der „Theorie der permanenten Revolution“ . Von 1910 bis 1914 schloss sich Parvus den Jungtürken an und beteiligte sich an der Revolution gegen das Osmanische Reich in Konstantinopel. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete er mit amtlichen deutschen Stellen zusammen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges reiste Trotzki in die Schweiz. Auf der dortigen Zimmerwalder Konferenz 1915 gehörte er mit Lenin, dem er sich stetig annäherte, zu den Unterzeichnern des von ihm verfassten Internationalen Sozialistischen Antikriegsmanifestes. Wenig später reiste er weiter nach Frankreich. Allerdings betrachteten die Behörden Trotzki als „gefährlichen Agitator“ und schoben ihn nach Spanien ab. Dort wurde er verhaftet und ausgewiesen.

1917–1918: Oktoberrevolution

Zimmerwalder Konferenz Zimmerwalder Konferenz] Ende 1916 zog Trotzki mit seiner Lebensgefährtin Natalija Sedowa in die USA, wo sie ein halbes Jahr später die Nachricht von der russischen Februarrevolution erreichte, durch welche die bürgerliche Provisorische Regierung unter dem Fürsten Lwow und seinem sozialdemokratischen Kriegsminister Kerenski an die Macht kam. Auf dem Weg nach Russland wurde Trotzki in Halifax festgenommen und in ein Internierungslager gebracht. Allerdings setzte der Petrograder Sowjet - 1914 wurde St. Petersburg in Petrograd umbenannt - die Provisorische Regierung unter Druck, sich für Trotzki einzusetzen. Nach seiner Freilassung kam er im Mai 1917 in Petrograd an. Dort schloss er sich erneut einer sogenannten zentristischen Arbeiterpartei an, diesmal der Überregionalen Organisation vereinigter Sozialdemokraten, die das Ziel hatte, die Bolschewiki und Menschewiki auszusöhnen. Nach einigen Auseinandersetzungen schloss sich die Überregionale Organisation zusammen mit Trotzki, den in der theoretischen Auseinandersetzung allein noch die Frage einer sozialdemokratischen Massenpartei von Lenin trennte, den Bolschewiki an. Im September 1917 wurde Trotzki abermals Vorsitzender des Petrograder Sowjets und organisierte in dieser Funktion die „Kampfverbände der Roten Garde“. Als am 10. Oktober 1917 das Zentralkomitee der Partei den Entschluss zu einem bewaffneten Aufstand gegen die schwache Regierung von Alexander Kerenski fasste, stimmte Trotzki mit der Mehrheit seiner Genossen dafür. Unter seiner Federführung wurde am 16. Oktober 1917 das Militärrevolutionäre Komitee des Petrograder Sowjets gegründet. Dieses Komitee setzte den Befehl der Provisorischen Regierung, zwei Drittel der Petrograder Stadtgarnison an die Front des Ersten Weltkriegs zu beordern, außer Kraft. Dies war der Beginn der Revolte des Militärrevolutionären Komitees im Smolny-Institut, wo Boten mit Nachrichten aus den verschiedenen Teilen der Stadt eintrafen, um über die Ereignisse und Erfolge der Aufständischen zu informieren. Nach der Übernahme von Bahnhöfen, Postämtern, Telegrafenamt, Ministerien und der Staatsbank sowie dem Sturm auf den Winterpalast, etablierte am 26. Oktober um 5 Uhr morgens der am Vortag einberufene II. Gesamtrussische Kongress der Arbeiter- und Sozialdeputierten eine Regierung des Sowjet der Volkskommissare. Gleich danach wurden die Dekrete Über den Frieden und Über den Grund und Boden verabschiedet. Die neue Regierung wurde ausschließlich von Vertretern der Bolschewiki gebildet. Indes betrachteten die etablierten Parteien der Duma den Umsturz als militärischen Putsch und verweigerten der selbsternannten neuen Sowjetregierung die Unterstützung. Auf den Straßen beteiligte sich die durch den Krieg hungernde Bevölkerung an Protestmärschen. Am 4. November traten nach erheblichen Differenzen einige Mitglieder der Bolschewiki aus dem Zentralkomitee der Partei und dem Sowjet der Volkskommissare aus. Sie verlangten die Schaffung einer Koalitionsregierung, der Vertreter aller Parteien angehören sollten. Nachdem die Bolschewiki die Macht erlangt hatten, wurde Trotzki zum Volkskommissar (russisch: народный комиссар, Narodnyj Komissar, kurz Narkom) für äußere Angelegenheiten ernannt. Seine Hauptaufgabe sah er darin, Frieden mit dem Deutschen Reich und dessen Verbündeten (wie Österreich-Ungarn) zu schließen. Er leitete die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk, die er der schwachen Position des revolutionären Russlands und der offen imperialistischen Position der Obersten Heeresleitung in der Frage der Sowjetukraine wegen solange wie möglich hinauszuzögern versuchte. Trotzkis Verhandlungspartner auf deutscher Seite war General Ludendorff. Am 18. Februar 1918 überschritten deutsche Truppen die russische Grenze. Daraufhin musste am 3. März Sowjetrussland den sehr nachteiligem Friedensvertrag von Brest-Litowsk schließen. Für sein Verhalten als Verhandlungsführer wurde Trotzki von der Mehrheit der Bolschewiki, darunter Lenin, getadelt und trat daraufhin von seinem Amt als Volkskommissar für Auswärtiges zurück.

1918–1922: Gründung der Roten Armee und Bürgerkrieg

3. März 3. März Nach dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk, den Trotzki als persönliche Niederlage betrachtete, setzte er sich für den Sieg der Bolschewiki im Russischen Bürgerkrieg ein, bei dem sich die sowjetischen „Roten“ und die zaristisch-demokratischen „Weißen“ gegenüberstanden. Trotzki wurde am 14. März 1918 zum Volkskommissar für das Kriegswesen ernannt und begann mit dem Aufbau der Roten Arbeiter- und Bauernarmee (russisch Рабоче-крестьянская красная армия, Rabotsche-Krestjanskaja Krasnaja Armija), kurz Rote Armee): Er organisierte die Umwandlung der bisherigen, zerstreuten Roten Garden in ein straff geführtes Territorialheer. Dies geschah unter großen Schwierigkeiten: das Kommandopersonal wurde bis dahin von den Soldaten gewählt. Dieser demokratische Ansatz behinderte die Umwandlung in eine neue zentral geführte Armee. Trotzki schaffte die demokratischen Strukturen teilweise ab, entließ das konservative Kosakentum aus der Kavallerie und verband die Verteidigung der neuen Regierung mit dem Freiheitskampf verschiedener unterdrückter Nationalitäten des ehemaligen Zarenreiches. Unter Exilrussen hieß es dazu, die Bolschewiki kämpften mit lettischen Stiefeln und chinesischem Opium. In Ermangelung eines eigenen qualifizierten Führungsstabes, stützte sich Trotzki auf ehemalige zaristische Offiziere als sogenannte Militärspezialisten. Gerade dieser Aspekt führte zu harscher Kritik innerhalb der Partei; besonders Josef Stalin, der in Zarízyn stationiert war, beklagte sich über die diktatorischen Maßnahmen des Kriegskommissars. Er und die übrigen Opponenten der herrschenden Militärorganisation fanden aufgrund der militärischen Erfolge Trotzkis kein Gehör. Am 6. April übernahm Trotzki noch zusätzlich das Ressort für Marineangelegenheiten. Die Regierung war von Petrograd nach Moskau umgezogen. 1919 benannten sich die Bolschewiken in Kommunistische Partei Russlands (KPR) um, die ab 1952 nach weiteren Umbenennungen endgültig Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) hieß. Unangefochtener Führer war Wladimir Iljitsch Lenin, der sich mit Trotzki weitgehend ausgesöhnt hatte. Das Territorium der Sowjets wurde zeitweise durch die Weiße Armee fast auf das Gebiet der alten Moskauer Fürstentümer reduziert. Die Versorgungslage der von den Kommunisten besetzten Städte war schlecht. Den Truppen der Roten Armee, deren nur schlecht ausgebildete Arbeitermilizen mit Freischärlermethoden kämpften, stand einem bestens geschulter und gerüsteter Gegner gegenüber. Zwar hatte die vielgliedrige, fraktionierte zaristische Armee aufgrund von Hunger und Krankheit ganze Bataillone durch Fahnenflucht verloren, jedoch musste die neue Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR) mit einer großangelegten Invasion kämpfen: So befanden sich zum Beispiel Truppen Polens, 70 000 Japaner, 2 500 Briten, 1 500 Franzosen, 1 500 Italiener und 8 000 US-Soldaten in Russland und ließen der Weißen Armee erhebliche finanzielle, materielle und personelle Unterstützung zukommen. Bis 1920 gelang es der Roten Armee in einem verlustreichen Kampf, die Weißen Truppen bis in den Osten des russischen Reiches zurückzudrängen. Im Februar desselben Jahres erlitt die Weiße Armee eine schwere Niederlage in Sibirien. Trotzki proklamierte den nationalen Krieg gegen Polen und seine Verbündeten, die in die Ukraine einmarschiert waren, und machte ihn zur Chefsache im Kriegskommissariat. Durch das sogenannte „polnische Wunder an der Weichsel“ Mitte August wurde die Rote Armee allerdings einmal empfindlich getroffen. Jedoch konnte sie sich erholen und eroberte Weißrussland und die Ukraine. Im Mai 1921 fiel die Krim, die letzte Festung der Weißen Armee. Bis zum Ende des russischen Bürgerkriegs 1922 eroberten die Roten Truppen Aserbaidschan, Armenien und Georgien. 1922 wurde die Sowjetunion (russisch: Советский Союз) gegründet. Für die blutige Niederschlagung von Bauernaufständen und des Matrosenaufstandes in der vor Petersburg liegenden Seefestung Kronstadt von 1921 wurde Trotzi als oberster Heeresführer verantwortlich gemacht. Die Kronstätter Matrosen waren einst eine Kerngruppe der Oktoberrevolution gewesen. Kritikern der brutalen Bekämpfung der Aufstände, die sich vor allem gegen die Lebensmittel-Konfiskationen und für Demokratisierung richteten, entgegnete Trotzki: Ich weiß nicht [...], ob es unschuldige Opfer (in Kronstadt) gab [...]. Ich bin bereit zuzugeben, dass ein Bürgerkrieg keine Schule für menschliches Verhalten ist. Idealisten und Pazifisten haben der Revolution immer Exzesse vorgeworfen. Die Schwierigkeit der Sache liegt darin, dass die Ausschreitungen der eigentlichen Natur der Revolution entspringen, die selbst ein Exzess der Geschichte ist. Mögen jene, die dazu Lust haben (in ihren armseligen journalistischen Artikeln), die Revolution aus diesem Grund verwerfen. Ich verwerfe sie nicht.

1922–1929: Machtkampf mit Stalin

Nach der Gründung der Sowjetunion, bzw. UdSSR begann Trotzki die entstehende Bürokratie, den Totalitarismus der Machthaber und den aufkommenden Nationalismus zu kritisieren. Damit stieß er sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung innerhalb der Partei, die mehrheitlich das von Lenin entwickelte Konzept der Diktatur des Proletariats vertrat . Ab 1924 richtete er seine Kritik gegen Josef Stalin. Trotzki, zur Zeit der Revolution und des Bürgerkriegs der zweite Mann der Sowjetmacht, verlor bereits ab 1921 an Einfluss. Lenin kritisierte Trotzkis „übertriebenes Selbstvertrauen“, und verurteilte Trotzkis Arroganz, die diesen von den nachgeordneten Parteiebenen isoliere. Im Oktober 1923 kritisierte Trotzki das bereits von Stalin dominierte Zentralkomitee, worauf eine heftige Gegenreaktion erfolgte. Nach dem Tode Lenins 1924 brach ein offener Machtkampf zwischen Trotzki und Stalin über die Zukunft der Sowjetunion und die theoretischen Grundlage für den angestrebten Kommunismus aus. Lenin bezeichnete in seinem sogenannten Testament Trotzki als den fähigsten Mann im Zentralkomitee und empfahl den Mitgliedern des Zentralkomitees Stalin loszuwerden. Nach dem Verlesen dieses Dokuments bot Stalin seinen Rücktritt an, doch der Rücktritt wurde abgelehnt. In der Folge begann Stalin gemeinsam mit Sinowjew und Kamenew Trotzki endgültig von der Macht zu verdrängen. Kamenew Stalin eröffnete als Chefredakteur der Prawda eine antisemitische Kampagne gegen Trotzki, die im Parteiapparat und an der -basis teilweise Erfolg hatte. Stalin begann den sogenannten „Sozialismus im eigenen Land“ mit Gewalt durchzusetzen, während Trotzki weder den Apparat noch die Bevölkerung mehrheitlich an sich binden konnte. Stalin festigte mit seinen bürokratischen und militärischen Machtinstrumenten die Diktatur in der Sowjetunionen. Trotzki vertrat das Erbe des Marxismus mit anderer Interpretation und berief sich auf den Imperativ der „Weltrevolution“ und die „Arbeiterdemokratie“ unter der Parole aus dem Kommunistischem Manifest Proletarier aller Länder, vereinigt euch!. Er versuchte sich gegen alle von ihm sogenannten „reaktionären Angriffe“ durch den Sowjetherrscher zu verteidigen. Sein Ziel war es, der internationalen Arbeiterschaft zum Sieg zu verhelfen. Er ging ähnlich wie Lenin davon aus, dass nur eine weltweite Revolution zum langfristigen Bestand des Sozialismus beitragen könne. Leo Trotzki entwickelte daraus die Theorie der permanenten Revolution. Demnach kann der Sozialismus als Übergangsgesellschaft zum Kommunismus nur auf internationaler Ebene funktionieren, weswegen die ganze Welt durch eine Revolution vom Kapitalismus befreit werden müsse. Nachdem Stalin immer mächtiger wurde, verlor Trotzki 1925 sein Amt als Kriegskommissar. Es folgte die Kennzeichnung von „Trotzkismus“ als „Abweichlertum“ und „Verrat“. Alle Schriften und Werke des „jüdischen Verschwörers“ und „Lakaien des Faschismus“ galten als Ketzerei. Stalin ließ aus offiziellen Dokumenten und Texten Trotzkis Namen und Fotos tilgen. 1926 wurde Trotzki aus dem Politbüro und 1927 aus der KPdSU ausgeschlossen, worauf eine Verbannung mit anderen Oppositionellen am 31. Januar 1929 nach Alma-Ata (im heutigen Kasachstan) folgte. Von dort wurde Trotzki in die Türkei ausgewiesen. In Konstantinopel begann er mit der Arbeit an seinen Autobiografien Geschichte der Russischen Revolution und Mein Leben. Versuch einer Autobiographie.

1929–1940: Exil

Konstantinopel Konstantinopel Konstantinopel 1933 oder 1934 wurde Trotzki die sowjetische Staatsbürgerschaft aberkannt, womit gleichzeitig die Verfolgung durch den sowjetischen Geheimdienst begann. Die französische Regierung Daladiers gewährte ihm Asyl in Frankreich. Er hielt sich zunächst in Royan, später in Barbizon auf. Für Paris erhielt er keine Zugangserlaubnis. Bereits 1935 wurde ihm signalisiert, dass sein Aufenthalt in Frankreich nicht länger erwünscht sei. Er nahm ein Angebot Norwegens auf Asyl an. Er lebte dort als Gast Konrad Knudsens nahe Oslo. Mit seiner regen publizistischen Tätigkeit griff er den Stalinismus mit den Moskauer Prozessen an, in denen er als Haupt einer großen Verschwörung gegen Stalin und sein System in Abwesenheit angeklagt worden war. Wegen seiner permanenten Agitation gegen Stalin wurde Trotzki von den norwegischen Behörden unter Hausarrest gesetzt. Nach Verhandlungen mit der norwegischen Regierung konnte er nach Mexiko unter der Auflage strenger Geheimhaltung auf einem Frachtschiff ausreisen. In seinem Exil agitierte er weiterhin gegen Stalin, deckte nach seinen Möglichkeiten die Verbrechen der GPU und der Gulags auf und veröffentlichte verschiedene kommunistische Schriften (zum Beispiel Die verratene Revolution, 1936). Noch im selben Jahr begann Stalin, die „Neue Ökonomische Politik“ zu revidieren, mit großer Grausamkeit die Kollektivierung der Landwirtschaft durchzusetzen und mit Arbeitsarmeen die Schwerindustrie der Sowjetunion zu errichten. Auch dies wurde von Trotzki und seinen Anhängern, der Untergrundpartei der Linken Opposition einer scharfen Kritik unterzogen. Trotzki hatte sich für eine umfassende Industrialisierung in einem langsameren Tempo und eine freiwillige Kollektivierung der Bauernschaft auf der Basis einer neu zu errichtenden Sowjetdemokratie ausgesprochen. 1938 gründete Trotzki die marxistische Organisation Vierte Internationale, um der inzwischen unter Stalins Dominanz stehenden Dritten Internationalen entgegenzuwirken.

1940: Ermordung

Am 24. Mai 1940 überlebte Trotzki einen Angriff auf das ihm von seiner zeitweiligen Geliebten Frida Kahlo geschenkte Haus in Coyoacán in der Avenida Río Churubusco 410. Die Attacke wurde von mehreren, von Stalin gesandten und als mexikanische Polizisten getarnten Agenten durchgeführt. Aus Angst vor weiteren Anschlägen ließ er danach das Haus zur Festung ausbauen: Die Mauern wurden erhöht, Holztüren durch Eisentüren ersetzt, Fenster teilweise zugemauert. Sieben bis acht Wachleute schützten das kleine Anwesen in der verkehrsreichen inneren Ringstraße im Süden von Mexiko-Stadt rund um die Uhr. Vier Monate später hatte ein von Stalin beauftragter Mordanschlag Erfolg. Ein Sowjetagent erschlich sich als Frank Jacson Trotzkis Vertrauen und gab sich als Anhänger aus. Am 20. August besuchte Jacson, der eigentlich Jaime Ramón Mercader del Río Hernández hieß, seinen Lehrer. Kurz nach 18:00 Uhr griff Mercader Trotzki in dessen Arbeitszimmer mit einem Eispickel an, wobei dieser schwer am Kopf verletzt wurde. Seine Leibwächter fanden ihn blutüberströmt, aber noch lebend. Einen Tag später starb Leo Trotzki an den Folgen des Mordanschlags.

Wirkung

Jaime Ramón Mercader del Río Hernández Jaime Ramón Mercader del Río Hernández Die Reaktionen auf Trotzkis Ableben fielen höchst unterschiedlich aus. Noch 1940 wurde Mercader von Stalin zum Helden der Sowjetunion ernannt. Nach Verbüßung der 20-jährigen Freiheitsstrafe wurde der Mörder Trotzkis nach Moskau eingeladen, wo er den Leninorden erhielt. In Mexiko dagegen trauerten viele um Trotzki. 300 000 Menschen begleiteten Trotzkis Leichenzug in Mexiko. Seine Leiche wurde eingeäschert und im Garten seines Hauses begraben. 32 Jahre später kam die Asche seiner in Paris gestorbenen Frau Natalja dazu. Diese Stelle markiert heute ein weißer, mit Hammer und Sichel gekennzeichneter Stein mit einer roten Fahne. Das Haus des Anschlags kann heute als „Museo León Trotsky“ besichtigt werden. Die KPdSU hat den Schöpfer der Revolution und Gründer der Roten Armee nie rehabilitiert, selbst Chruschtschow und der Reformer Gorbatschow versagten ihm jegliche posthume Würdigung. Noch 1989 äußerte sich das Politbüro-Mitglied Wladimir Jakowlew gegenüber dem deutschen Politiker Gregor Gysi: Trotzki war ein erbarmungsloser Mensch, dessen Hände über und über mit Blut befleckt sind. Im Jahr 2005 wurde der verschollen geglaubte Eispickel gefunden. Das Mordinstrument wurde nach Trotzkis Tod im Kriminologischen Museum in Mexiko-Stadt ausgestellt, dann aber wegen Diebstahlgefahr durch eine Kopie ersetzt. Ein mexikanischer Geheimdienstler, auch ein Mitbegründer des Museums, habe den Originalpickel an sich genommen und aufbewahrt, schrieb „La Jornada“ (linksgerichtete mexikanische Tageszeitung). Seine Tochter berichtete, dass ihr Vater viermal vergeblich versucht hatte, den Eispickel zurückzugeben. Doch niemand wollte das Original zurückhaben. Dann nahm diese Tochter den Eispickel an sich und präsentierte ihn in einer Radiosendung. Heute (2005) existieren in vielen Staaten kleine trotzkistische Vereinigungen. In Großbritannien, Frankreich und einigen Ländern Lateinamerikas, wie beispielsweise Mexiko, haben sich größere trotzkische Organisationen erhalten. Die Vierte Internationale ist inzwischen in vier Zusammenschlüsse gespalten, so dass dem Trotzkismus als weltumgreifende Bewegung keine große Bedeutung mehr zukommt.

Literatur

Primärliteratur

Eine neue deutschsprachige Ausgabe der Schriften Leo Trotzkis wurde 1988 in Hamburg beim Verlag Rasch und Röhring begonnen. Bis zum Jahr 2001 erschienen sieben Teilbände (der Band 3.3 im Neuen isp-Verlag Köln). Alle Texte wurden in neuer bzw. überarbeiteter Übersetzung vorgelegt; die Bände enthalten zahlreiche deutsche Erstveröffentlichungen. Es handelt sich um eine kommentierte Ausgabe mit einem umfangreichen kritischen Apparat, der bibliografische Angaben und Erläuterungen zu Menschen und Sachverhalten bietet, die heute nicht mehr allgemein geläufig sind. Herausgegeben von Helmut Dahmer u.a., zeichnen für die wissenschaftliche Bearbeitung verantwortlich Horst Lauscher, Reiner Tosstorff und Rolf Wörsdörfer. Schriften Bd. 1.1, Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur (1929-1936), 678 S., ISBN 3-89136-090-8 Schriften Bd. 1.2, Sowjetgesellschaft und stalinistische Diktatur (1936-1940), 729 S., ISBN 3-89136-091-6 Schriften Bd. 2.1, Über China (1924 – 1928), 548 S., ISBN 3-89136-216-1 Schriften Bd. 2.2, Über China (1928 – 1940), 559 S., ISBN 3-89136-390-7 Schriften Bd. 3.1, Linke Opposition und IV. Internationale (1923–1926), 687 S., ISBN 3-89136-217-X Schriften Bd. 3.2, Linke Opposition und IV. Internationale (1927–1928), 724 S., ISBN 3-89136-071-1 Schriften Bd. 3.3, Linke Opposition und IV. Internationale (1928–1934), 668 S., ISBN 3-89900-910-X
- Deutschland – Der Schlüssel zur internationalen Lage. 1931
- Die Balkankriege 1912–13. Sowjetischer Staatsverlag, 1926 ISBN 3-88634-058-9
- Die permanente Revolution. Berlin 1929 ISBN 3-88634-061-9
- Mein Leben. Versuch einer Autobiographie S. Fischer Verlag, Berlin 1929
- Neunzig Jahre Kommunistisches Manifest. 1937
- Verratene Revolution. Was ist die Sowjetunion und wohin treibt sie? Antwerpen-Zürich-Prag 1936 (Neuausgabe: Veritas-Verlag, Zürich, 1957) ISBN 3-88634-053-8 (sämtliche Schriften sind auch digital bei [http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/index.htm marxitst.org] zu finden)

Sekundärliteratur


- Isaac Deutscher: Trotzki. 1. Band: Der bewaffnete Prophet 1879-1921. 2. Band: Der unbewaffnete Prophet 1921-1929. 3. Band: Der verstossene Prophet 1929-1940. W. Kohlhammer Verlag. Stuttgart 1962
- Pierre Broué:
Trotzki. Eine politische Biographie. (2 Bände) Neuer ISP Verlag, Köln 2003 ISBN 3-929008-33-5
- Willy Huhn:
Trotzki – Der gescheiterte Stalin. Karin Kramer Verlag, Berlin 1973 ISBN 3-87956-017-X
- Hans Jürgen Mende (Hrsg.:)
L. Trotzki: Terrorismus und Kommunismus. Intarlit Verlag, 1920 ISBN 3-88191-009-3
- Joel Carmicheal:
Trotzki – Die Revolution frißt ihre Väter Heyne-Verlag, Garching Hochbrück 1989 ISBN 3453035275
- Ted Grant, Alan Woods:
Lenin and Trotzky Wellred Books, London 2000 ISBN 84-921832-6-8

Weblinks


- [http://www.marxists.org/deutsch/archiv/trotzki/index.htm marxists.org: Alls Schriften Trotzkis als html]
- [http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/TrotzkiLeo/ dhm.de: Biographische Zeittafel]
- [http://www.judentum-projekt.de/persoenlichkeiten/geschichte/leotrotzki/ judentum-projekt.de: Biografien, sozialpolitische Einstellung und Trotzkis Leben als Jude] Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch Trotzki, Lew Dawidowitsch ja:レフ・トロツキー simple:Leon Trotsky


Honecker

Personen mit dem Familiennamen Honecker:
- Erich Honecker, deutscher Politiker und langjähriger Staatsratsvorsitzender der DDR.
- Margot Honecker, Ministerin für Volksbildung der DDR und Frau von Erich Honecker.
- Martin Honecker, deutscher Philosoph Kategorie:Familienname

Zonker Harris

Zonker Harris (his full name is revealed in Doonesbury: A Musical Comedy to be Edgar Zonker Harris) is the stereotypical hippie character in Garry Trudeau's comic strip Doonesbury. He made his first appearance as a perennial pot-smoking pest plaguing B.D.'s football team in 1971. Moving with Mike, B.D., and the gang to a rural commune (named Walden in homage to Thoreau's 19th century idyll), he explored the depths of Walden Puddle and talked to plants (who talked back!). Untainted by a long-time relationship with Uncle Duke, he has retained his childlike innocence (and presumably his virginity) into the 21st century. After his graduation from Yale, Zonker eventually enrolled in "The Baby Doc College of Physicians" (which was run by Uncle Duke; an old family friend). However, he dropped out after winning $23 million from a lottery ticket. Shortly afterward, Zonker bought a British title (His Lordship the Viscount St. Austell-in-the-Moor Biggleswade-Brixham) and ended up as a live-in nanny for Mike and J.J. Doonesbury (who kicked him out in the early 90's). Currently he is a live-in babysitter for B.D. and Boopsie's child in Connecticut. Harris, Zonker Harris, Zonker

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Deze soort is voor het eerst beschreven door Charles de Geer, een geboren Zweed die opgroeide in Nederland waar ook zijn familie vandaan kwam. De wat opmerkelijke Nederlandse naam dankt deze vlieg aan de tekening; een gele basiskleur met een wat complexe, maar re
Embryowet
De Embryowet, voluit de Wet van 20 juni 2002, houdende regels inzake handelingen met geslachtscellen en embryo's, is een op 20 juni 2002 door de Nederlandse overheid aangenomen wet waarin uit ethische overwegingen wordt verboden om embryo's te gebruiken voor het klonen van mensen en het
President van Suriname

Presidenten van Suriname, van 1975 tot heden

Afk.: PNR= Partij Nationalistische Republiek - VHP= Vooruitstrevende Hervormingspartij (Hindoestaans) - NPS= Nationale Partij Suriname (Creools) - NF= Nieuw Front (coalitie Nieuw Front, VHP, NP
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