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Leitstelle

Leitstelle

Eine Leitstelle (oft auch Einsatzzentrale, Funkleitstelle) leitet den Einsatzbetrieb der zugeordneten Organisation, nimmt Informationen entgegen, wertet sie aus und koordiniert die angeschlossenen Dienste. Insbesondere im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge gibt es wichtige Leitstellen, die
- zur medizinischen und technischen Rettung von Menschenleben
- zur Erhaltung bzw. Rettung bedeutender Sachwerte
- zur Brandbekämpfung
- für den Katastrophenschutz
- in Belangen öffentlicher Sicherheit und Ordnung Notrufe entgegennehmen und Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und andere Notfalldienste einsetzen können. Sie sind rund um die Uhr erreichbar und stehen untereinander in Verbindung. In ganz Europa muss unter der Notrufnummer 112 ein Ansprechpartner erreichbar sein, der Hilfe aus den og. Bereichen vermittelt. Notruf

Arten von Leitstellen

Notfalldienste

Es gibt zahlreiche Dienste, die eine Leitstelle als zentralen Ansprechpartner betreiben:

Leitstellen von Behörden

Auch von Behörden sind Leitstellen eingerichtet, die auch international miteinander verknüpft sein können. Sie werden vor allem bei großräumigen Katastrophen Ansprechpartner diverser Organisationen. In Österreich gibt es dazu im Innenministerium die Bundeswarnzentrale und in allen Bundesländern je eine Landeswarnzentrale der Landesregierungen. In den Landeswarnzentralen laufen beispielsweise alle automatisch erfassten Messwerte der Umweltsonden oder Hochwasserpegel zusammen und lösen dementsprechende Alarme bei Erreichen entsprechender Stände aus. Weitere Leitstellen im Sicherheitsbereich:
- Ordnungsämter
- Werkfeuerwehren für das eigene Werk und ggf. auch für überörtliche Spezialhilfe (TUIS)
- SAR-Zentrale für Such- & Rettungseinsätze bei Seenot und Flugunfällen
- Lagezentren der Innenministerien

Andere Organisationen

Andere Organisationen mit überregionaler oder öffentlicher Bedeutung und eigenen Einsatzgruppen haben ebenfalls Einsatzleitstellen, z. B.:
- Bus- und Bahnbetriebe
- Elektrizitätswerke
- Gaswerke
- Wasserwerke
- Autofahrerclubs

Sonderformen


- Nachalarmierende Stelle (NASt): bei größeren Einsätzen oder einer Vielzahl von Einsätzen (z. B. Unwetterkatastrophe) ist es ggf. sinnvoll, zur Erfüllung der Aufgaben auf untergeordneter Ebene weitere Leitstellen einzurichten, um die zuständige Leitstelle zu entlasten. Gerade bei der Feuerwehr wird das praktiziert, indem ein vorbereiteter Funkraum durch eine Freiwillige Feuerwehr besetzt wird und regional Aufgaben zur Einsatzunterstützung wahrnehmen kann.
- Integrierte Leitstelle (ILSt, auch zentrale Leitstelle - z.Lst.): in einer ILSt wird Rettungsdienst und Feuerwehr gemeinsam disponiert (also eine Vereinigung von Rettungsleitstelle und Feuerwehreinsatzzentrale). Dies verringert den Personal- und Technikaufwand erheblich und soll unklare Sachlagen vermindern, indem Informationen direkt (sozusagen von Tisch zu Tisch) fließen können. Es bedeutet aber auch, dass die eingesetzten Disponenten / Einsatzsachbearbeiter eine sehr weitreichende Ausbildung in allen Sachgebieten benötigen. Integrierte Leitstellen stellen in einigen Bundesländern den Standard dar (z. B. Nordrhein-Westfalen, Hessen: Zentrale Leitstellen). Die Tendenz geht aber mittlerweile auch in anderen Bundesländern (z. B. Bayern) zu ILSt. Auch in Tirol strebt man mit der Gründung der ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol GmbH eine überregionale Koordinierung von Feuerwehr-, Rettungs- und Alpineinsätzen an.
- Integrierte Regionalleitstelle (IRLS): Auch Integrierte Rettungsleitstelle genannt. Mit Beginn des Jahres 2002 hat in Elmshorn bei Hamburg (Schleswig- Holstein) die bundesweit bisher erste Integrierte Regionalleitstelle ihren Dienstbetrieb aufgenommen. Das Tätigkeitsfeld dieser Leitstelle umfasst neben den klassischen Einsatzgebieten Rettungsdienst, Krankenbeförderung, Brandschutz und technische Hilfeleistung auch die Einsatzlenkung im Katastrophenschutz. Zuständig ist sie für die Kreise Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen, mit zusammen ca. 560.000 Menschen auf einer Fläche von 3.156 km². Das Besondere an einer Regionalleitstelle ist hier die überregionale Zusammenarbeit mehrerer Landkreise in mehreren Fachdiensten. Während die Polizei dem Land obliegt, ist der Rettungsdienst meist eine Einrichtung des Landkreises oder von Landkreisverbünden (Rettungszweckverband) und die Feuerwehr eine kommunale Einrichtung.
- Kombinierten Leitstellen: hier werden Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei gemeinsam disponiert. Sie entsprechen dem Typ der "Emergency Dispatch Center", wie er in den angelsächsischen Ländern üblich ist.
In Deutschland sind diese nicht gebräuchlich. Allerdings wird in einigen ländlichen Gebieten ohne ständig besetzte Feuerwehrleitstelle (v. a. in Bayern) die Feuerwehr über die Polizeieinsatzzentralen (PEZ) alarmiert. Dies wird besonders in Bayern in den nächsten Jahren auch der Vergangenheit angehören, da flächendeckend ILSt eingerichtet werden.
- Mobile Leitstelle (MLS): Es handelt sich um ein geräumiges Sondereinsatzfahrzeug, das die Kernfunktionen einer Leitstelle auf engstem Raum vereint und bei Freiluftveranstaltungen, Großschadenereignissen bzw. Katastrophen eingesetzt wird. Während eines solchen Einsatzes erfolgt die gesamte regionale Kommunikation über diese Einrichtung, welche dem Einsatzleiter untersteht. Der Vorteil besteht darin, dass die MLS unabhängig operiert und somit die regulären Leitstellen entlastet werden (siehe auch Einsatzleitwagen). Die Begriffe "Kombinierte Leitstellen" und "Integrierte Leitstellen" werden - obwohl von der Bedeutung her unterschiedlich - oft auch synonym verwendet.
- In Deutschland betreiben der Bund und die Länder das Gemeinsames Melde- und Lagezentrum, es leitet zwar keine Einsätze direkt, führt aber die überörtliche Lage.

Zuständigkeiten

Die einzelnen Leitstellen haben neben der organisatorischen auch klar getrennte örtliche Zuständigkeitsgebiete. Diese umfassen in Deutschland meist das Gebiet einer größeren Stadt oder eines oder mehrerer Landkreise. In Österreich sind für die Feuerwehren auch Bezirksalarmzentralen, Bereichsalarmzentralen oder Landeswarnzentralen auf Bezirks- oder Landesebene üblich. Im österreichischen Rettungsdienst werden die beteiligten Organisationen (z. B. Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund u. ä.) oft von organisationseigenen Leitstellen koordiniert.

Betreiber

Der Betrieb der Leitstellen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist örtlich unterschiedlich per Gesetz oder Verordnung geregelt. Es kommen dafür behördeneigene Leitstellen (Polizei, Berufsfeuerwehr), der Betrieb durch den zuständigen Landkreis bzw. die Stadt oder durch eine mit dem Betrieb beauftragte Hilfsorganisation in Frage. Es kann vorkommen, dass mit dem Leitstellenbetrieb ein Privatunternehmen beauftragt wird. In Niederösterreich wird z.B. die Leitstelle des Rettungsdienstes von einer Firma namens LEBIG betrieben, die von den betroffenen Rettungsorganisationen gemeinsam gegründet wurde.

Personal

Die Mitarbeiter von Leitstellen werden Disponenten oder Einsatzsachbearbeiter genannt. Sie sind je nach Rechtsverhältnis Angestellte oder Beamte des Leitstellenbetreibers. In den meisten Leitstellen sind mindestens je zwei Disponenten im Dienst, bei großen Leitstellen auch 10 oder 20. Je nach interner Organisation übernimmt ein Disponent die Abwicklung eines kompletten Auftrages von der Notrufannahme bis zum Einsatzende oder man teilt sich die dabei anfallenden Aufgaben unter mehreren Disponenten (Telefonist, Sprechfunker) auf. Die Disponenten in der Leitstelle haben in ihrem Bereich meist die Ausbildung, die auch für das Einsatzpersonal vor Ort notwendig ist, oft eine Führungsausbildung. Darüber hinaus haben sie noch eine spezielle Weiterbildung für die Arbeit in der Leitstelle. Sie müssen ortskundig sein und gute Kenntnisse über die Hilfsmöglichkeiten der eigenen und der benachbarten Organisationen haben. Einsatzsachbearbeiter der Zentralen Leitstellen und Leitfunkstellen in Hessen z.B. müssen Rettungssanitäter bzw. Rettungsassistent und Gruppenführer der Feuerwehr sein, bevor sie einen vierwöchigen Lehrgang für Einsatzsachbearbeiter an der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel absolvieren. Das Team einer Leitstelle muss ständig den Überblick über zum Teil mehrere gleichzeitig laufende Einsätze behalten und sich untereinander abstimmen. Daher ist neben dem Fachwissen auch Team-, Kommunikationsfähigkeit und Stressresistenz gefragt. Weitere Positionen in einer Leitstelle sind:
- Leitstellenleiter: Vorgesetzter der Mitarbeiter
- Systemadministrator: betreut den Einsatzleitrechner
- Techniker: z.B. für die Funkanlagen
- Verwaltungspersonal.

Aufgaben

Typische Aufgaben sind:
- Annahme eines eingehenden Notrufes oder der Alarmmeldung von einer Alarmanlage (z.B. Brandmeldeanlage)
- Abfrage und Erfassung mit dem Computer
- Priorisierung: liegt ein nichtdringlicher Einsatz, ein Notfall oder sogar ein größeres Ereignis von erheblicher Bedeutung vor?
- Entscheidung: Welche Mittel kommen dafür in Frage (Alarm- und Ausrückeordnung (AAO), zuständige Feuer- oder Rettungswache)? Wer muß noch verständigt werden (andere Leitstellen, besondere Organisationen und Personen)? Dabei muss die Hilfsfrist beachtet werden, die festlegt, wie schnell ein Rettungsmittel am Einsatzort sein muss.
- Alarmierung über Funk (Sprechfunk, Auslösung von Funkmeldeempfänger oder Sirene), hausinternem Lautsprechersystem, Telefon, Alarmfax oder andere geeignete Systeme (z.B. auch SMS oder Datenfunk, siehe Alarmierungssysteme der Feuerwehr)
- Übermittlung der Einsatzaufträge: nach dem Alarm melden sich die Einheiten bei der Leitstelle und erhalten Einsatzbefehle, ggf. auch Anfahrtshinweise oder besondere Anweisungen/Warnungen (z.B. vor gefährlichen Stoffen)
- Unterstützung und Koordination während des Einsatzes: Anfragen von Rettungsmitteln werden bearbeitet, aufgrund der Erkenntnisse der Einsatzkräfte vor Ort müssen ggf. weitere Mittel dorthin geschickt werden (z.B. Nachforderung eines Notarztes oder Rettungshubschraubers), spezielle Hilfsmittel müssen organisiert werden (z.B. Sonderlöschmittel), Krankenhäuser nach ihrer Aufnahmefähigkeit für bestimmte Patienten befragt werden etc.
- Sorge für die Sicherstellung der weiteren Einsatzfähigkeit: wenn viele der eigenen Einheiten unterwegs sind, muss dafür gesorgt werden, dass Reservekräfte das Einsatzgebiet abdecken, falls weitere Einsätze notwendig werden
- Warnung der Bevölkerung: in bestimmten Situationen sind Leitstellen auch für die Weitergabe von Informationen und Warnmeldungen an die Öffentlichkeit zuständig, z.B. mit Verkehrsmeldungen und Radiodurchsagen, die Fernschaltung von Verkehrszeichen, Auslösung von Sirenenalarm - es werden auch Versuche und Überlegungen angestellt, die Bevölkerung mittels SMS oder über Funkuhren zu warnen
- Dokumentation der Einsatzdaten: neben den Rahmendaten aus dem Notruf (Einsatzort, Einsatzursache) werden auch alle Zeiten und besonderen Ereignisse erfasst - Eingang des Notrufes, Alarmierung der Einheiten, Meldung und Abfahrt der Einheiten, Eintreffen am Einsatzort, Abfahrt vom Einsatzort, Ankunft am Krankenhaus oder wieder am Standort der Einheit

Ausrüstung

Leitstellen brauchen vor allem Kommunikationsgeräte:
- Telefon (interne Dienstnummern, Notrufleitungen, Alarmleitungen zu den Wachen) und Fax,
- Funkgeräte auf verschiedenen Frequenzen zur Verbindung mit den eigenen und anderen Kräften Frequenz Unterbrechungsfreie Stromversorgungen und Notstromaggregate sorgen für den reibungslosen Betrieb in Extremfällen. Weitere Hilfsmaterialien sind Alarmpläne, Kartenmaterial, Tonaufzeichnungsgeräte, etc. Bei ihrer Tätigkeit werden die Disponenten in der Regel von einem computergestützten Leitstellensystem unterstützt (Einsatzleitrechner). Dieses System sorgt für die Archivierung von Einsatzdaten, macht Alarmvorschläge, stellt Strassen-/Ortskarten und Einsatzpläne zur Verfügung, sorgt für die automatische Alarmierung von Einheiten auf Tastendruck, überträgt Einsatzdaten, verbindet die verschiedenen Arbeitplätze oder sogar verschiedene Leitstellen untereinander und hilft bei statistischen Auswertungen und Abrechnungen. Oft sind diese Systeme zur Sicherheit doppelt vorhanden. Die Erweiterung des Sprechfunks durch ein Funkmeldesystem erleichtert die Arbeit durch die Entlastung des Funkverkehrs und die direkte Verbindung zum Einsatzleitrechner (automatische Dokumentation der Abfahr- und Eintreffzeiten, Darstellung der freien und belegten Fahrzeuge). Die Abbildung zeigt einen kombinierten Funk- und Telefonarbeitsplatz der Rettungsleitstelle Rosenheim.

Weblinks


- https://www.bayern-ils.de Umfangreiche Informationen über die Integrierten Leitstellen in Bayern
- http://www.irls-elmshorn.de Die Bundesweit erste Integrierte Regionalleitstelle in Elmshorn bei Hamburg
- http://webansicht.lebig.at/ LEBIG-Einsatzleitsystem Niederösterreich mit Web-Ansicht
- http://www.leitstelle-tirol.at/ ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol

Siehe auch:

Portal:Feuerwehr, Portal:Erste Hilfe, Erste Hilfe, Rettungskette, LEBIG, ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol Kategorie:Alarmierung Kategorie:Führungs- und Einsatzmittel Kategorie:Feuerwehr Kategorie:Rettungswache & Leitstelle

Einsatzzentrale

Eine Leitstelle (oft auch Einsatzzentrale, Funkleitstelle) leitet den Einsatzbetrieb der zugeordneten Organisation, nimmt Informationen entgegen, wertet sie aus und koordiniert die angeschlossenen Dienste. Insbesondere im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge gibt es wichtige Leitstellen, die
- zur medizinischen und technischen Rettung von Menschenleben
- zur Erhaltung bzw. Rettung bedeutender Sachwerte
- zur Brandbekämpfung
- für den Katastrophenschutz
- in Belangen öffentlicher Sicherheit und Ordnung Notrufe entgegennehmen und Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei und andere Notfalldienste einsetzen können. Sie sind rund um die Uhr erreichbar und stehen untereinander in Verbindung. In ganz Europa muss unter der Notrufnummer 112 ein Ansprechpartner erreichbar sein, der Hilfe aus den og. Bereichen vermittelt. Notruf

Arten von Leitstellen

Notfalldienste

Es gibt zahlreiche Dienste, die eine Leitstelle als zentralen Ansprechpartner betreiben:

Leitstellen von Behörden

Auch von Behörden sind Leitstellen eingerichtet, die auch international miteinander verknüpft sein können. Sie werden vor allem bei großräumigen Katastrophen Ansprechpartner diverser Organisationen. In Österreich gibt es dazu im Innenministerium die Bundeswarnzentrale und in allen Bundesländern je eine Landeswarnzentrale der Landesregierungen. In den Landeswarnzentralen laufen beispielsweise alle automatisch erfassten Messwerte der Umweltsonden oder Hochwasserpegel zusammen und lösen dementsprechende Alarme bei Erreichen entsprechender Stände aus. Weitere Leitstellen im Sicherheitsbereich:
- Ordnungsämter
- Werkfeuerwehren für das eigene Werk und ggf. auch für überörtliche Spezialhilfe (TUIS)
- SAR-Zentrale für Such- & Rettungseinsätze bei Seenot und Flugunfällen
- Lagezentren der Innenministerien

Andere Organisationen

Andere Organisationen mit überregionaler oder öffentlicher Bedeutung und eigenen Einsatzgruppen haben ebenfalls Einsatzleitstellen, z. B.:
- Bus- und Bahnbetriebe
- Elektrizitätswerke
- Gaswerke
- Wasserwerke
- Autofahrerclubs

Sonderformen


- Nachalarmierende Stelle (NASt): bei größeren Einsätzen oder einer Vielzahl von Einsätzen (z. B. Unwetterkatastrophe) ist es ggf. sinnvoll, zur Erfüllung der Aufgaben auf untergeordneter Ebene weitere Leitstellen einzurichten, um die zuständige Leitstelle zu entlasten. Gerade bei der Feuerwehr wird das praktiziert, indem ein vorbereiteter Funkraum durch eine Freiwillige Feuerwehr besetzt wird und regional Aufgaben zur Einsatzunterstützung wahrnehmen kann.
- Integrierte Leitstelle (ILSt, auch zentrale Leitstelle - z.Lst.): in einer ILSt wird Rettungsdienst und Feuerwehr gemeinsam disponiert (also eine Vereinigung von Rettungsleitstelle und Feuerwehreinsatzzentrale). Dies verringert den Personal- und Technikaufwand erheblich und soll unklare Sachlagen vermindern, indem Informationen direkt (sozusagen von Tisch zu Tisch) fließen können. Es bedeutet aber auch, dass die eingesetzten Disponenten / Einsatzsachbearbeiter eine sehr weitreichende Ausbildung in allen Sachgebieten benötigen. Integrierte Leitstellen stellen in einigen Bundesländern den Standard dar (z. B. Nordrhein-Westfalen, Hessen: Zentrale Leitstellen). Die Tendenz geht aber mittlerweile auch in anderen Bundesländern (z. B. Bayern) zu ILSt. Auch in Tirol strebt man mit der Gründung der ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol GmbH eine überregionale Koordinierung von Feuerwehr-, Rettungs- und Alpineinsätzen an.
- Integrierte Regionalleitstelle (IRLS): Auch Integrierte Rettungsleitstelle genannt. Mit Beginn des Jahres 2002 hat in Elmshorn bei Hamburg (Schleswig- Holstein) die bundesweit bisher erste Integrierte Regionalleitstelle ihren Dienstbetrieb aufgenommen. Das Tätigkeitsfeld dieser Leitstelle umfasst neben den klassischen Einsatzgebieten Rettungsdienst, Krankenbeförderung, Brandschutz und technische Hilfeleistung auch die Einsatzlenkung im Katastrophenschutz. Zuständig ist sie für die Kreise Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen, mit zusammen ca. 560.000 Menschen auf einer Fläche von 3.156 km². Das Besondere an einer Regionalleitstelle ist hier die überregionale Zusammenarbeit mehrerer Landkreise in mehreren Fachdiensten. Während die Polizei dem Land obliegt, ist der Rettungsdienst meist eine Einrichtung des Landkreises oder von Landkreisverbünden (Rettungszweckverband) und die Feuerwehr eine kommunale Einrichtung.
- Kombinierten Leitstellen: hier werden Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei gemeinsam disponiert. Sie entsprechen dem Typ der "Emergency Dispatch Center", wie er in den angelsächsischen Ländern üblich ist.
In Deutschland sind diese nicht gebräuchlich. Allerdings wird in einigen ländlichen Gebieten ohne ständig besetzte Feuerwehrleitstelle (v. a. in Bayern) die Feuerwehr über die Polizeieinsatzzentralen (PEZ) alarmiert. Dies wird besonders in Bayern in den nächsten Jahren auch der Vergangenheit angehören, da flächendeckend ILSt eingerichtet werden.
- Mobile Leitstelle (MLS): Es handelt sich um ein geräumiges Sondereinsatzfahrzeug, das die Kernfunktionen einer Leitstelle auf engstem Raum vereint und bei Freiluftveranstaltungen, Großschadenereignissen bzw. Katastrophen eingesetzt wird. Während eines solchen Einsatzes erfolgt die gesamte regionale Kommunikation über diese Einrichtung, welche dem Einsatzleiter untersteht. Der Vorteil besteht darin, dass die MLS unabhängig operiert und somit die regulären Leitstellen entlastet werden (siehe auch Einsatzleitwagen). Die Begriffe "Kombinierte Leitstellen" und "Integrierte Leitstellen" werden - obwohl von der Bedeutung her unterschiedlich - oft auch synonym verwendet.
- In Deutschland betreiben der Bund und die Länder das Gemeinsames Melde- und Lagezentrum, es leitet zwar keine Einsätze direkt, führt aber die überörtliche Lage.

Zuständigkeiten

Die einzelnen Leitstellen haben neben der organisatorischen auch klar getrennte örtliche Zuständigkeitsgebiete. Diese umfassen in Deutschland meist das Gebiet einer größeren Stadt oder eines oder mehrerer Landkreise. In Österreich sind für die Feuerwehren auch Bezirksalarmzentralen, Bereichsalarmzentralen oder Landeswarnzentralen auf Bezirks- oder Landesebene üblich. Im österreichischen Rettungsdienst werden die beteiligten Organisationen (z. B. Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund u. ä.) oft von organisationseigenen Leitstellen koordiniert.

Betreiber

Der Betrieb der Leitstellen der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben ist örtlich unterschiedlich per Gesetz oder Verordnung geregelt. Es kommen dafür behördeneigene Leitstellen (Polizei, Berufsfeuerwehr), der Betrieb durch den zuständigen Landkreis bzw. die Stadt oder durch eine mit dem Betrieb beauftragte Hilfsorganisation in Frage. Es kann vorkommen, dass mit dem Leitstellenbetrieb ein Privatunternehmen beauftragt wird. In Niederösterreich wird z.B. die Leitstelle des Rettungsdienstes von einer Firma namens LEBIG betrieben, die von den betroffenen Rettungsorganisationen gemeinsam gegründet wurde.

Personal

Die Mitarbeiter von Leitstellen werden Disponenten oder Einsatzsachbearbeiter genannt. Sie sind je nach Rechtsverhältnis Angestellte oder Beamte des Leitstellenbetreibers. In den meisten Leitstellen sind mindestens je zwei Disponenten im Dienst, bei großen Leitstellen auch 10 oder 20. Je nach interner Organisation übernimmt ein Disponent die Abwicklung eines kompletten Auftrages von der Notrufannahme bis zum Einsatzende oder man teilt sich die dabei anfallenden Aufgaben unter mehreren Disponenten (Telefonist, Sprechfunker) auf. Die Disponenten in der Leitstelle haben in ihrem Bereich meist die Ausbildung, die auch für das Einsatzpersonal vor Ort notwendig ist, oft eine Führungsausbildung. Darüber hinaus haben sie noch eine spezielle Weiterbildung für die Arbeit in der Leitstelle. Sie müssen ortskundig sein und gute Kenntnisse über die Hilfsmöglichkeiten der eigenen und der benachbarten Organisationen haben. Einsatzsachbearbeiter der Zentralen Leitstellen und Leitfunkstellen in Hessen z.B. müssen Rettungssanitäter bzw. Rettungsassistent und Gruppenführer der Feuerwehr sein, bevor sie einen vierwöchigen Lehrgang für Einsatzsachbearbeiter an der Hessischen Landesfeuerwehrschule in Kassel absolvieren. Das Team einer Leitstelle muss ständig den Überblick über zum Teil mehrere gleichzeitig laufende Einsätze behalten und sich untereinander abstimmen. Daher ist neben dem Fachwissen auch Team-, Kommunikationsfähigkeit und Stressresistenz gefragt. Weitere Positionen in einer Leitstelle sind:
- Leitstellenleiter: Vorgesetzter der Mitarbeiter
- Systemadministrator: betreut den Einsatzleitrechner
- Techniker: z.B. für die Funkanlagen
- Verwaltungspersonal.

Aufgaben

Typische Aufgaben sind:
- Annahme eines eingehenden Notrufes oder der Alarmmeldung von einer Alarmanlage (z.B. Brandmeldeanlage)
- Abfrage und Erfassung mit dem Computer
- Priorisierung: liegt ein nichtdringlicher Einsatz, ein Notfall oder sogar ein größeres Ereignis von erheblicher Bedeutung vor?
- Entscheidung: Welche Mittel kommen dafür in Frage (Alarm- und Ausrückeordnung (AAO), zuständige Feuer- oder Rettungswache)? Wer muß noch verständigt werden (andere Leitstellen, besondere Organisationen und Personen)? Dabei muss die Hilfsfrist beachtet werden, die festlegt, wie schnell ein Rettungsmittel am Einsatzort sein muss.
- Alarmierung über Funk (Sprechfunk, Auslösung von Funkmeldeempfänger oder Sirene), hausinternem Lautsprechersystem, Telefon, Alarmfax oder andere geeignete Systeme (z.B. auch SMS oder Datenfunk, siehe Alarmierungssysteme der Feuerwehr)
- Übermittlung der Einsatzaufträge: nach dem Alarm melden sich die Einheiten bei der Leitstelle und erhalten Einsatzbefehle, ggf. auch Anfahrtshinweise oder besondere Anweisungen/Warnungen (z.B. vor gefährlichen Stoffen)
- Unterstützung und Koordination während des Einsatzes: Anfragen von Rettungsmitteln werden bearbeitet, aufgrund der Erkenntnisse der Einsatzkräfte vor Ort müssen ggf. weitere Mittel dorthin geschickt werden (z.B. Nachforderung eines Notarztes oder Rettungshubschraubers), spezielle Hilfsmittel müssen organisiert werden (z.B. Sonderlöschmittel), Krankenhäuser nach ihrer Aufnahmefähigkeit für bestimmte Patienten befragt werden etc.
- Sorge für die Sicherstellung der weiteren Einsatzfähigkeit: wenn viele der eigenen Einheiten unterwegs sind, muss dafür gesorgt werden, dass Reservekräfte das Einsatzgebiet abdecken, falls weitere Einsätze notwendig werden
- Warnung der Bevölkerung: in bestimmten Situationen sind Leitstellen auch für die Weitergabe von Informationen und Warnmeldungen an die Öffentlichkeit zuständig, z.B. mit Verkehrsmeldungen und Radiodurchsagen, die Fernschaltung von Verkehrszeichen, Auslösung von Sirenenalarm - es werden auch Versuche und Überlegungen angestellt, die Bevölkerung mittels SMS oder über Funkuhren zu warnen
- Dokumentation der Einsatzdaten: neben den Rahmendaten aus dem Notruf (Einsatzort, Einsatzursache) werden auch alle Zeiten und besonderen Ereignisse erfasst - Eingang des Notrufes, Alarmierung der Einheiten, Meldung und Abfahrt der Einheiten, Eintreffen am Einsatzort, Abfahrt vom Einsatzort, Ankunft am Krankenhaus oder wieder am Standort der Einheit

Ausrüstung

Leitstellen brauchen vor allem Kommunikationsgeräte:
- Telefon (interne Dienstnummern, Notrufleitungen, Alarmleitungen zu den Wachen) und Fax,
- Funkgeräte auf verschiedenen Frequenzen zur Verbindung mit den eigenen und anderen Kräften Frequenz Unterbrechungsfreie Stromversorgungen und Notstromaggregate sorgen für den reibungslosen Betrieb in Extremfällen. Weitere Hilfsmaterialien sind Alarmpläne, Kartenmaterial, Tonaufzeichnungsgeräte, etc. Bei ihrer Tätigkeit werden die Disponenten in der Regel von einem computergestützten Leitstellensystem unterstützt (Einsatzleitrechner). Dieses System sorgt für die Archivierung von Einsatzdaten, macht Alarmvorschläge, stellt Strassen-/Ortskarten und Einsatzpläne zur Verfügung, sorgt für die automatische Alarmierung von Einheiten auf Tastendruck, überträgt Einsatzdaten, verbindet die verschiedenen Arbeitplätze oder sogar verschiedene Leitstellen untereinander und hilft bei statistischen Auswertungen und Abrechnungen. Oft sind diese Systeme zur Sicherheit doppelt vorhanden. Die Erweiterung des Sprechfunks durch ein Funkmeldesystem erleichtert die Arbeit durch die Entlastung des Funkverkehrs und die direkte Verbindung zum Einsatzleitrechner (automatische Dokumentation der Abfahr- und Eintreffzeiten, Darstellung der freien und belegten Fahrzeuge). Die Abbildung zeigt einen kombinierten Funk- und Telefonarbeitsplatz der Rettungsleitstelle Rosenheim.

Weblinks


- https://www.bayern-ils.de Umfangreiche Informationen über die Integrierten Leitstellen in Bayern
- http://www.irls-elmshorn.de Die Bundesweit erste Integrierte Regionalleitstelle in Elmshorn bei Hamburg
- http://webansicht.lebig.at/ LEBIG-Einsatzleitsystem Niederösterreich mit Web-Ansicht
- http://www.leitstelle-tirol.at/ ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol

Siehe auch:

Portal:Feuerwehr, Portal:Erste Hilfe, Erste Hilfe, Rettungskette, LEBIG, ILL - Integrierte Landesleitstelle Tirol Kategorie:Alarmierung Kategorie:Führungs- und Einsatzmittel Kategorie:Feuerwehr Kategorie:Rettungswache & Leitstelle

Notruf

Der Notruf ist ein Signal, das übermittelt wird, um bei einem Notfall professionelle Hilfe wie Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei zu alarmieren. Ein Notruf kann über verschiedene Kommunikationskanäle abgesetzt werden, gewöhnlich über Telefon, aber auch über Rufsäulen, Funk und Seenotsignale. Neuerdings gehört in vielen Notrufannahmestellen auch das Schreibtelefon dazu. Man kann zwischen gezielten Notrufen, also dem direkten Anrufen bei einer Leitstelle und ungezielten Notrufen wie der Abgabe des alpinen Notsignales unterscheiden, mit dem man sich bei Menschen in der Umgebung bemerkbar macht, die dann gegebenenfalls ihrerseits die erforderlichen Hilfsdienste herbeirufen. Telefone, von denen aus gezielt Notrufe abgesetzt werden können, sind in öffentlichen Einrichtungen und größeren Gebäuden durch die Sicherheitszeichen Brandmeldetelefon oder Notruftelefon gekennzeichnet. Notrufe können auch automatisiert ausgelöst werden, beispielsweise wenn sich eine Person nicht mehr meldet, wie bei einer Totmanneinrichtung oder durch die Sicherheitsuhr bei einem Hausnotrufgerät. Auch das Auslösen einer Brandmeldeeinrichtung kann man als Notruf bezeichnen (siehe auch: TUS). Weit verbreitet haben sich auch Notrufsender für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Sie tragen einen Funksender bei sich, der bei Knopfdruck einen Impuls an ein Zusatzgerät am Telefon in der Wohnung sendet, welches dann automatisch an eine vorher definierte Leitstelle den Alarm weitergibt. Solche Systeme nennt man Hausnotruf. Mit der Weiterentwicklung des Mobiltelefones, sowie des GPS-Systems haben sich weitere Möglichkeiten eröffnet. So gibt es Notrufsender, die in Kraftfahrzeugen eingebaut sind und bei einem Unfall durch abnormale Lageveränderungen automatisch einen Notruf an die Leitstellen der Autofahrerclubs - wie ADAC oder ÖAMTC - absetzen.

Notruf per Telefon

Derjenige Notruf, der die meisten Menschen direkt im Unglücksfall betrifft, ist der Notruf, der mit dem Telefon getätigt wird. Dazu sollte man einige Dinge beachten, damit auch die richtige Hilfe kommt: Hinweis: Der Anrufer soll erst auflegen, wenn die angerufene Leitstelle keine Fragen mehr hat und das Gespräch beendet. Die Inhalte des Notrufs sind derzeit in den deutschsprachigen Ländern nicht einheitlich. Während in Österreich die Frage "Wer ruft an?" Bestandteil des Notrufes ist, beschränkt man sich in Deutschland auf 5 Ws und klärt die Frage nach dem Anrufer bei den Rückfragen. Das Nennen der Rückrufnummer ist von erheblicher Bedeutung, weil nur dadurch die Möglichkeit besteht, bei Rückfragen Kontakt mit dem Mitteiler aufzunehmen. Dies ist vor allem dann erforderlich, wenn die Rettungskräfte den Einsatzort nicht auffinden können. Leitstelle Darüber hinaus soll beim Notruf auch auf Besonderheiten aufmerksam gemacht werden, wie beispielsweise Feuer, Auslaufen von Flüssigkeiten oder eingeklemmten Personen. Bei Vergiftungen sollte man, falls möglich, auch die eingenommene Substanz (zum Beispiel Medikamente, Spülmittel oder Pflanzenteile) mitteilen. Bei Verkehrsunfällen mit Gefahrguttransporten sollte auf die orangefarbige Warntafeln und eventuell auf den Tafeln vorhandene Kennzahlen hingewiesen werden. Ein Notruf kann von jedem Telefon aus immer kostenlos erfolgen - Münzen oder Telefonkarten sind nicht erforderlich. Dies gilt auch für Mobiltelefone. Hier hat sich auch international im GSM-Standard die 112 als Notrufnummer durchgesetzt. Auch ohne Karte oder PIN kann man diese Nummer wählen und wird mit der Rettungsleitstelle verbunden, die für den momentanen Aufenthaltsort zuständig ist. In Deutschland ist zusätzlich auch die 110 als Notrufnummer möglich. Um den Euronotruf über ein Mobiltelefon besser zu erreichen, darf man die PIN nicht eintippen, dann wird er über das stärkste Netz abgesetzt, andernfalls wird er nur über den freigeschalteten Netzbetreiber gesendet. Wenn dieser allerdings dort keinen Empfang anbietet, ist auch der Euronotruf nicht erreichbar. Euronotruf Eine weitere Möglichkeit einen Notruf abzusetzen sind Notrufsäulen in Bahnhöfen, an Autobahnen und Bundesstraßen. Auf Autobahnen sollte immer die Fahrtrichtung und, falls bekannt, die Kilometerangabe mitgeteilt werden. Die Richtung zur nächstgelegenen Notrufsäule ist durch schwarze Pfeile an den Leitpfosten oder Leitschienen gekennzeichnet. Die Notrufsäulen sind immer paarweise gegenüber an der Autobahn angebracht, um niemanden zu verleiten, die Fahrbahn zu überqueren.

Die Notrufnummern

Ortung des Handy-Standorts

Wenn die Leitstelle den Anrufer in der Leitung hält, ist es möglich, mit Hilfe der Netzbetreiber den regionalen Standort eines Handys festzustellen. Geortet wird der Funkmast, über den das Handy die Verbindung in das Mobilfunknetz hergestellt hat. In Städten bedienen die Funkmasten eine Funkzelle mit einem Durchmesser zwischen 100 m und 1600 m, auf dem Land kann er allerdings bis zu 24 km groß sein.

Routing aus dem GSM-Netz

Wählt man im deutschen GSM-Netz die 112, so wird man automatisch zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle verbunden. Die Weitervermittlung kann regional und je nach Netzbetreiber unterschiedlich erfolgen. Für den Notrufenden ist das allerdings unerheblich: Die Informationen werden über interne Leitungen durchgereicht. Allerdings kann es verwirrend sein, wenn man die Feuerwehr rufen will und sich die Polizei meldet. Der Notruf 112 ist bei vielen Mobiltelefonen auch möglich, wenn die Tastensperre aktiv ist. Oftmals kann auch 112 + "Hörer abheben" anstelle der PIN (Geheimzahl) beim Einschalten des Gerätes verwendet werden oder es wird eine Funktionstaste direkt nach dem Einschalten mit der Funktion "SOS" bzw. "Notruf" belegt, bevor die PIN eingegeben wurde. Als Besonderheit ist weiterhin zu nennen, dass eventuell aufgrund der unterschiedlichen Ausbreitungsbedingungen des GSM-Funknetzes eine Weitervermittlung an eine andere, eigentlich nicht zuständige Leitstelle erfolgt. Beispielsweise in gebirgsnahen Gebieten kann durch Reflexionen und Abschattungen des Funks eine Fehlvermittlung stattfinden. Besonders wichtig ist daher immer die Angabe des genauen Ortes und nicht nur z. B. der Straße - denn diese kann es ja auch im Nachbarort geben.

Notruf per Fax

Für Menschen mit Hör- und/oder Sprachschädigung besteht oftmals ausschließlich die Möglichkeit, im Notfall Hilfe per Fax herbeizurufen, da nur wenige Leitstellen über Schreibtelefone verfügen. Leider sind die Rettungs- bzw. Feuerwehrleitstellen sehr unterschiedlich ausgestattet. Viele verfügen mittlerweile über ein Notruf-Faxgerät, welches rund um die Uhr überwacht wird. Erreichbar sind diese Notruf-Faxgeräte je nach Leitstelle über die "normale" Notruf-Nummer 112 oder aber über eine eigene Rufnummer. Die eingehenden Notruf-Faxe werden hier angenommen und meist vom Disponenten an den Absender rückbestätigt. Vereinzelt ist aber auf den Leitstellen noch lediglich ein Büro-Faxgerät vorhanden, welches eventuell sogar in einem Nebenraum steht und nicht permanent überwacht wird. Entsprechende Vereinigungen und Interessensgemeinschaften setzten sich seit Jahren für die einheitliche Einführung von Notfall-Faxgeräten über eine einheitliche Rufnummer ein, die Politik tut sich mit einer Entscheidung aber noch schwer. Diverse Organisationen bieten im Internet einen Vordruck für ein Notfall-Fax an, welcher ausgedruckt und mit den persönlichen Daten versehen am Faxgerät platziert werden kann. So muss im Notfall lediglich noch die Art der gewünschten Hilfe angekreuzt und das Fax abgesendet werden. Für den mobilen Einsatz eignen sich insbesondere Mobiltelefone wie der Nokia Communicator, über den Faxe versandt und empfangen werden können. Somit ist ein Faxnotruf für Gehörlose auch dann möglich, wenn sie unterwegs sind. Es gibt auch mobile Faxgeräte, die auf Papier drucken und Papier scannen können. Solche Geräte können zum Beispiel in einem kleinen Koffer oder Rucksack verstaut werden. Sie können wie ein Handy auch über das 12-Volt-Netz des Autos geladen werden. Weitere Informationen über den Fax-Notruf, Vordrucke und Übersichtslisten mit entsprechenden regional zugeordneten Fax-Notrufnummern gibt es im Internet u.a. hier:
- [http://www.schwerhoerigkeit.de/DSB/SERVICE/NOTRUFE/ Deutscher Schwerhörigenbund (DSB)]
- sowie auf vielen Internet-Seiten der örtlichen Hilfsorganisationen (z.B. Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz etc.) oder der Stadt-/Gemeinde- oder Kreisverwaltungen. In Österreich befindet sich der Notruf per Fax derzeit noch in den Kinderschuhen. Am weitesten ist er bisher in der Steiermark gediehen, wo der Gehörlosenverband mit der steiermärkischen Landesregierung zusammenarbeitet. Es gibt aber noch keine richtige Notrufnummer, die in die allgemeinen Schemata passen. Die Entgegennahme von Notrufen per Short Message Service (SMS) befindet sich ebenfalls noch sehr am Anfang.

Schifffahrt und Luftfahrt

In der Schifffahrt und der Luftfahrt werden Notrufe per Seenotsignal oder Funksignal abgesetzt, um auf gefährliche Situationen aufmerksam zu machen und Hilfeleistungen anzufordern. Der Funkverkehr kennt verschiedene Arten von Notrufen, die je nach Dringlichkeit des Notfalls zu verwenden sind. Sofern möglich, soll der Notruf Angaben enthalten zur Identifikation und Position des Absenders, zur Art und Umfang drohender oder eingetretener Schäden sowie zu notwendigen Hilfeleistungen. Notrufe/Notsignale können auch automatisch gesendet werden, zum Beispiel beim Kentern oder Sinken eines Schiffes mittels einer dafür konzipierten Boje. In diesem Fall wird über eine Satellitenverbindung in einer Seenotzentrale Alarm ausgelöst und von dort aus die Suche und die Rettung des Havaristen gesteuert. In der Seefahrt sind zudem pyrotechnische Seenotsignalmittel üblich. siehe auch: Mayday, SOS, Seenot

Notrufe in VoIP-Netzen

In den USA müssen auch VoIP-Anbieter ermöglichen, dass die Telefone ihrer Kunden unter der Notrufnummer 911 die örtliche Notrufleitstelle erreichen, und dass an diese die Information über den Standort des Telefons und seine Rufnummer automatisch übermittelt werden. In mehreren europäischen Ländern und nach Beschluss der EU möglicherweise auch in ganz Europa werden voraussichtlich ähnliche Bestimmungen erlassen, wenn die laufenden Anhörungsverfahren abgeschlossen sind.
Weblink: [http://www.ispa.at/downloads/0570ddf213e3_Konsultationsdokument_VoIP.pdf Vorläufige Voice via IP Dienste in Österreich] In Deutschland ist nach derzeit geltendem Recht jeder Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen für die Öffentlichkeit dazu verpflichtet, das Routing von Notrufen zu den jeweiligen Leitstellen zu gewährleisten. Die VoIP-Anbieter versuchen jedoch oft, durch einschränkende Klauseln in ihren AGBs, diese Anforderung zu umgehen. Spätestens mit der Veröffentlichung der Notrufverordnung wird auch für VoIP eine einheitliche Vorgehensweise für alle Anbieter Pflicht werden.

Sonstiges


- Weitere Bedeutungen
  - Notruf ist auch der Titel einer RTL-Fernsehsendung mit Hans Meiser, bei der spektakuläre Rettungsaktionen nachgestellt und gezeigt werden.
  - Notruf ist der Name zahlreicher kleinerer oder größerer Zeitungen verschiedener Einsatzorganisationen.
- Missbrauch :Das absichtliche oder wissentliche Absetzen eines unbegründeten Notrufes (auch ein einfacher Hilferuf) stellt in Deutschland den Tatbestand einer Straftat dar ([http://dejure.org/gesetze/StGB/145.html § 145 StGB]). Die Person muss ferner Schadenersatz an die beteiligten Organisationen u. a. leisten. Der Missbrauch wird auch in anderen Staaten ähnlich geahndet.

Siehe auch


- Alarmzentrale
- Portal:Erste Hilfe
- Notsignal
- Rettungskette
- Sofortmaßnahmen
- Portal:Hilfsorganisationen/Feuerwehr
- Rettungsdienst
- Hausnotruf
- Funkstille

Weblink


- http://www.sos112.info Notrufe in Europa
- http://www.notfond.de Handy als mobile Notrufsäule
- http://www.notruf-hamburg.de Beispiel einer Online-Notrufliste (Hansestadt Hamburg) Kategorie:Alarmierung Kategorie:Erste Hilfe Kategorie:Kommunikation Kategorie:Sicherheit


Feuerwehr

Notrufnummern Arten :Freiwillige Feuerwehr :Jugendfeuerwehr :Berufsfeuerwehr :Pflichtfeuerwehr :Betriebsfeuerwehr :Werkfeuerwehr :Militärische Feuerwehr :Flughafenfeuerwehr :
Flughafenfeuerwehr]] Statistik ;Gesamtanzahl Feuerwehren :Deutschland 25.513 :Luxemburg 211 :Österreich 4.876 :Schweiz 2.500 :Südtirol 305 :Liechtenstein 10 ;Gesamtanzahl Aktive :Deutschland 1.383.730 :Österreich 247.227 :Schweiz 125.000 :Südtirol 12.500 :Liechtenstein (Stand 2001) ;Gesamtzahl der Brände und Brandeinsätze :Deutschland 750.000 - 200.000 Einsätze (Stand 2003)
Hier finden Sie allgemein gültige Informationen zur Feuerwehr. Spezielle Informationen zu bestimmten Feuerwehren finden Sie in den jeweiligen Länderseiten. ---- Die Feuerwehr ist eine Hilfsorganisation, deren Aufgabe es ist, dem Einzelnen und der Allgemeinheit im Notfall und bei öffentlichen Notständen Hilfe zu leisten, Menschen zu retten, Tiere und Sachwerte zu bergen oder vor Schaden zu schützen, Brände zu bekämpfen und technische Hilfe zu leisten. Da sich in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Brände stark zurückentwickelt hat, übernimmt die Feuerwehr zunehmend Aufgaben, die über die traditionelle Brandbekämpfung hinausgehen, wie zum Beispiel Rettungseinsätze. Die Art der neu übernommenen Aufgaben und die Strukturen der Feuerwehren sind regional sehr unterschiedlich.

Organisationsformen

Eine Feuerwehr kann sein:
- eine Einrichtung der Kommune (Körperschaft des öffentlichen Rechtes).
- eine betriebliche Einrichtung (Werk- und Betriebsfeuerwehr).
- ein privates Unternehmen, das im Auftrag der Kommune oder des Betriebes die Aufgaben einer Feuerwehr wahrnimmt (beispielsweise Falck in Dänemark).

Gründe für Unterschiede in der Welt

Dänemark Der Aufbau einer Feuerwehr ist von den ihr gesetzlich übertragenen Aufgaben abhängig. Neben dem abwehrenden Brandschutz kann die Feuerwehr auch zuständig sein für den vorbeugenden Brandschutz, die technische und allgemeine Hilfeleistung, den Rettungsdienst, sowie den Umweltschutz und den Katastrophenschutz. Für die unterschiedlichen möglichen Einsatzarten muss die Feuerwehr entsprechend ausgestattet sein. Dies macht insbesondere eine Auswahl und Anpassung der Technik bezüglich der Topographie (z.B. Seen, Gebirge, Waldflächen) und der Bebauung (z.B. Hochhäuser, Gewerbegebiete) notwendig. Die Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr ist abhängig von der von ihr verwendeten Technik und vom Ausbildungsstand des Personals. Gerade Feuerwehren in Entwicklungsländern können ihre Aufgaben auf Grund fehlender Geldmittel oftmals nicht flächendeckend und nicht optimal erfüllen. Abhängig von der Bevölkerungsstruktur und -dichte sind auch die Strukturen der Feuerwehrorganisationen. Sind es im deutschsprachigen Raum die freiwilligen Feuerwehren, die den flächenmäßig größten Teil des Brandschutzes abdecken, haben andere Länder auf Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichem Personal gesetzt. Wieder andere setzen auf den Brandschutz durch militärische Strukturen. Hauptartikel:
- Feuerwehr in Deutschland
- Feuerwehr in Luxemburg
- Feuerwehr in Lettland
- Feuerwehr in Österreich
- Feuerwehr in der Schweiz
- Feuerwehr in Südtirol Feuerwehr in Südtirol

Aufgaben

Die Aufgabe der Feuerwehren ist die Gefahrenabwehr, der Auftrag wird in den Gesetzen der jeweiligen Staaten geregelt. International weit verbreitet, sind ihre Aufgaben in den vier Worten Retten, Löschen, Bergen und Schützen als Leitbild enthalten. In Deutschland sind die Aufgaben: Abwehrender Brandschutz, Vorbeugender Brandschutz und Technische Hilfeleistung. Nachfolgend werden Aufgaben, die für einen Großteil der Feuerwehren grundlegend sind, beschrieben.

Retten

Retten ist die Abwendung einer Lebensgefahr von Menschen durch Sofortmaßnahmen (Erste Hilfe), die der Erhaltung oder Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf oder Herztätigkeit dienen und/oder Befreien aus einer Zwangslage durch technische Rettungsmaßnahmen. Tätigkeitsfelder hierfür sind z.B. Feuer, Überschwemmungen oder Verkehrsunfälle.

Löschen

Verkehrsunfälle Das Löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr. Bei diesem so genannten abwehrenden Brandschutz werden unterschiedlichste Brände mit Hilfe der technischen Feuerwehrausrüstung bekämpft. Im Laufe der Zeit ist jedoch die Zahl der Brandbekämpfungen weltweit zurückgegangen. Aufgrund der zunehmenden Aufgabenvielfalt der Feuerwehr nehmen die Technischen Hilfeleistungen stark zu und die Feuerwehr entwickelt sich zur Hilfeleistungsorganisation.

Bergen

bekämpft Die Feuerwehr kann weiterhin für das Bergen von Sachgütern, Tieren oder Toten, zum Beispiel bei Hochwasser, technischen Hilfeleistungen wie das Auspumpen von Kellern, Hilfe bei Verkehrsunfällen und Unwettern verantwortlich sein.

Schützen

Zum vorbeugenden Brandschutz kann die Bereitstellung von Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen und die Kontrolle von Hydranten und Löscheinrichtungen gehören. Der vorbeugende Brandschutz ist eine wichtige Einrichtung, um Brände im Vorfeld zu vermeiden und die Bevölkerung schon im Kindesalter auf Gefahren aufmerksam zu machen und das richtige Verhalten in Notsituationen aufzuzeigen. So wird Brandschutzerziehung in Kindergärten und Grundschulen durchgeführt. Besonders in Industrienationen wird dem Betriebsbrandschutz immer mehr Augenmerk geschenkt, sei es durch eigene betriebliche oder auch durch öffentliche Feuerwehren. Grundschule Darüber hinaus wird die Feuerwehr im Rahmen behördlicher Baugenehmigungsverfahren größerer Bauvorhaben häufig hinzugezogen und um Stellungnahme gebeten (Stellungnahmeersuchen). Außerdem kann die Feuerwehr aktiven Umweltschutz betreiben, wie die Eindämmung von Ölunfällen, Beseitigung von Ölspuren auf Straßen und Eindämmung chemischer, biologischer und atomarer Gefahren (siehe Gefahrgut). Auch bei der Erstellung von Alarmplänen oder bei verschiedenen Genehmigungsverfahren kann es nötig sein, die Feuerwehr heranzuziehen. Weiterhin bringt die Feuerwehr bei der Erstellung von Standards in verschiedenen Fachgebieten ihre Erfahrung und Verbesserungsvorschläge ein.

Allgemein

Um einem alten Vorurteil gegenüber der Feuerwehr, das besagt Was das Feuer nicht kaputt machte, erledigte das Löschwasser entgegenzuwirken, musste auch die Feuerwehr ihre Arbeitsweise bei allen Einsatzarten ändern, um professioneller zu arbeiten. Es muss bei jeder Art von Einsätzen darauf geachtet werden, dass nicht nur die unmittelbare Gefahr gebannt wird, sondern auch die Folgeschäden (u. a. verursacht durch Rauch und Löschwasser), die oft wesentlich die Primärschäden übersteigen, möglichst gering zu halten. Dadurch wirkt ein Einsatz oft wesentlich unspektakulärer als früher, weil nicht mehr nur die Geschwindigkeit sondern auch ein überlegtes, manchmal langsamer erscheinendes Handeln zählt.

Geschichte

Standard]] Standard] Bereits die alten Ägypter hatten die ersten organisierten Feuerlöscheinheiten. Im Römischen Reich entstanden Millionenstädte wie Rom. Die Häuser waren meist mehrstöckig und standen sehr eng beieinander, auch die Gassen waren sehr eng. Vielfach wurden hölzerne An- und Vorbauten an den Häusern errichtet. Etliche Male vernichteten Feuersbrünste ganze Stadtteile von Rom. Im Jahr 21 v. Chr. wurde eine erste Feuerwehr mit 600 Sklaven gegründet. Siehe auch: Feuerwehren im Römischen Reich Schon im Mittelalter waren die Gemeinden verpflichtet, den Brandschutz aufzubauen. So wurden zuerst die Innungen und Zünfte dazu verpflichtet im Notfall einzugreifen. Da sehr viele Gebäude Fachwerkbauten aus Holz waren und oft innerhalb der Stadtmauern auf engstem Raum errichtet wurden, kamen Großbrände, bei denen ganze Stadtviertel abbrannten, sehr oft vor. Es wurden auch erstmals Feuerknechte in den Feuerlöschverordnungen verankert, so dass von den ersten Berufsfeuerwehren gesprochen werden kann, wie zum Beispiel in Wien 1685. Die feuerwehrtechnische Ausrüstung war in der vorindustriellen Zeit auf einfache Hilfsmittel wie Eimer, Leitern oder Einreißhaken beschränkt. Im 17. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus genähtem Leder angefertigt wurde; später wurde das Leder vernietet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch Handpumpen, sogenannte Feuerspritzen verwendet, die von Pferden oder der Löschmannschaft an die Einsatzstelle gezogen wurden. Mit der Erfindung des Verbrennungsmotors verbesserte sich auch die Ausrüstung der Feuerwehren erheblich: Motorspritzen und selbstfahrende Feuerwehrfahrzeuge erhöhten die Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches. In den USA wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten, privatwirtschaftlich organisierten, Berufsfeuerwehren gegründet. Teilweise wurden nur Häuser, die die Plakette eines solchen Unternehmens trugen, gelöscht. Hauptartikel: Geschichte der Feuerwehr und Feuerwehren im Römischen Reich

Ausrüstung

Feuerwehren im Römischen Reich] Feuerwehren im Römischen Reich] Zur Erfüllung der ihr übertragenen Aufgaben verfügt die Feuerwehr in der Neuzeit über eine Vielzahl von technischem Gerät, dies umfasst neben den Feuerwehrfahrzeugen auch deren Beladung und die persönliche Ausrüstung eines jeden Feuerwehrmannes, die in einer so genannten Feuerwache untergebracht sind. Darüber hinaus kommen bei der Feuerwehr auch Kommunikationssysteme, wie das BOS-Funksystem und Technik zur Alarmierung der Feuerwehrangehörigen zum Einsatz. In manchen Ländern gehören auch Rettungshunde zur Feuerwehr. Sie werden hauptsächlich im Katastrophenhilfsdienst nach Erdbeben oder anderen Katastrophen, aber auch bei der Suche nach einzelnen vermissten Personen eingesetzt. In einigen Ländern ist die Feuerwehr auch für den Rettungsdienst zuständig und hält somit entsprechende Fahrzeuge und Geräte vor. In Deutschland wird diese Aufgabe überwiegend im Bereich von Berufsfeuerwehren wahrgenommen.

Struktur

Die Feuerwehr muss nach bestimmten Kriterien in Einheiten strukturiert sein, damit die Mitglieder der Feuerwehr möglichst effizient zusammen arbeiten können. In einigen Ländern wurden die Strukturen vom dortigen Militär übernommen, in anderen Ländern wurden neue Strukturen geschaffen. Hauptartikel: Feuerwehreinheiten

Ausbildung und Dienst

Da die Feuerwehren einerseits effektiv und professionell arbeiten sollen, andererseits auch der Selbstschutz nicht zu kurz kommen darf, ist eine gute Ausbildung notwendig. Deshalb müssen Lehrgänge, Übungen und Dienste von den Feuerwehrleuten besucht werden. Der größte Teil der Ausbildung erfolgt in so genannten Feuerwehrschulen. Außerdem muss eine körperliche und geistige Eignung vorhanden sein. Diese kann je nach Gesetzeslage durch ärztliche Tests und Untersuchungen festgestellt werden. ärztliche Tests und Untersuchungen]] ärztliche Tests und Untersuchungen Durch die verstärkte Technisierung der gesamten Gesellschaft ist die Art der Einsätze wesentlich komplizierter geworden. So werden immer mehr Spezialisten benötigt. Aus diesem Grund bilden sich in manchen Feuerwehren Schwerpunkte heraus, wie zum Beispiel im Chemiebereich oder im Strahlenschutz. Diese Feuerwehren können andere mit Fachleuten unterstützen. Der aktive Dienst kann in einigen Ländern schon mit 16 Jahren beginnen, in anderen Ländern erst ab 18. Da der Dienst körperlich sehr viel abverlangt, gibt es auch bei Freiwilligen ein bestimmtes Höchstalter. Meist endet er mit dem Erreichen des 60. oder 65. Lebensjahres. Der Übungsbetrieb ist nicht leicht durchzuführen da die Übungssituationen möglichst realistisch sein sollen, und es nicht einfach möglich ist Übungsobjekte anzünden oder Fahrzeuge zu zerschneiden. Noch schwieriger wird es, wenn es um Menschenrettung geht. So bleibt jede Übung nur ein Trockentraining,das den Feuerwehrleuten in Fleisch und Blut übergehen muss, um im Ernstfall richtig entscheiden zu können. Nur in sehr wenigen Fällen können so genannte Heißübungen durchgeführt werden; diese sind jedoch sehr wichtig um Feuerwehrpersonal an den Umgang mit dem Feuer zu gewöhnen.
Da auch sehr viel theoretisches und rechtliches Wissen abverlangt wird, finden zusätzlich zu den zahlreichen praktischen Übungen auch theoretische Unterrichtseinheiten statt, in der Regel während der kalten Jahreszeit. Um in den einfachen Handgriffen sattelfest zu werden, werden regelmäßig Feuerwehrleistungsbewerbe durchgeführt, die schon nahe dem Leistungssport liegen. Sie werden bis zu Weltmeisterschaften durchgeführt.

Jugendarbeit

Weltmeisterschaften In vielen Ländern gibt es Abteilungen der Feuerwehr, die sich speziell um die Anwerbung von jungen Menschen kümmern. Damit können sie leichter Nachwuchs rekrutieren, andererseits fällt ihnen auch bei der Jugenderziehung eine verantwortungsvolle Tätigkeit zu. Hauptartikel: Jugendfeuerwehr

Kameradschaft

Jugendfeuerwehr] In der Öffentlichkeit ist die Feuerwehr auch durch ihre Kameradschaft bekannt. Da Feuerwehrleute sich während ihrer Einsatztätigkeit aufeinander verlassen müssen und unter Umständen einander ihr Leben gegenseitig anvertrauen, ist eine ausgeprägte Vertrauensbasis wichtig. Das soziale Miteinander und das oft starke Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Feuerwehrleuten wird als Kameradschaft bezeichnet. Vor allem bei den freiwilligen Feuerwehren hält diese Kameradschaft auch über den aktiven Dienst hinaus und manifestiert sich in gemeinsamer Freizeitgestaltung. Gerade in kleinen Orten ist die Feuerwehr häufig ein gesellschaftlicher Mittelpunkt. Der Prozentsatz, den die Feuerwehrkameraden an der Ortsbevölkerung stellt, ist in diesen Orten wesentlich höher als in städtischen Gebieten. Oft hat die Mitgliedschaft in der Feuerwehr Familientradition. Die meisten Feuerwehrleute verlassen nach Ende ihre aktiven Dienstzeit die Wehr nicht einfach, sondern wechseln in die Seniorengruppe, die - regional unterschiedlich - Alters-, Reserve- oder Ehrenabteilung genannt wird. Während die freiwilligen Feuerwehrangehörigen sich als Kameraden bezeichnen, wird bei Berufsfeuerwehrleuten meist, wie in jedem anderen Unternehmen auch, der Begriff "Kollegen" verwendet.

Probleme der Feuerwehr

Finanzielle Situation

Besonders in Zeiten fehlender Investitionen (vor allem Kapital) durch die Träger des Brandschutzes (Kommunen, Städte), ist es vielen freiwilligen Feuerwehren heutzutage nicht mehr möglich, all ihre Aufgaben wirkungsvoll und der Gesetzgebung entsprechend zu erfüllen. Unter Umständen kann dies Menschen in Not zusätzlich in Gefahr bringen bzw. ihre Notlage verschlimmern, wenn die Kameraden der Feuerwehr nicht schnellstmöglich am Einsatzort eintreffen können. Es kam schon vor, dass während eines Einsatzes die Feuerwehrleute ihr Fahrzeug zum Einsatzort schieben mußten. Eine Verschlechterung ihres Rufes in der Bevölkerung ist somit die Folge. Aber auch die Unversehrtheit von Leib und Leben der Feuerwehrkameraden, die letztendlich ihren Dienst uneigennützig für die Allgemeinheit versehen, ist in Gefahr, wenn schlechte und veraltete Technik genutzt werden muss. Viele Feuerwehren sind auch auf die finanzielle Mithilfe der Bevölkerung angewiesen, da die Feuerwehren vor allem in finanziell schwachen Gemeinden sonst nicht ausreichend unterhalten werden können. Berlin zum Beispiel hat heute weniger hauptberufliche Feuerwehrleute als der Ost- und der Westteil der Stadt vor der Wiedervereinigung jeweils alleine hatten. Hier wirkt sich besonders einschneidend aus, dass eine hauptamtliche Stelle jährlich z.T. so viel kostet wie eine ganze Freiwillige Feuerwehr. Wiedervereinigung So sind gerade Berufsfeuerwehren gezwungen, starke Etatkürzungen einsatztaktisch bestmöglich zu kompensieren. Die Sparzwänge erstrecken sich jedoch ebenso auf ehrenamtlich unterhaltene Feuerwehren: Bei der reinen Betrachtung der großen Anzahl freiwilliger Feuerwehren könnten Außenstehende die Notwendigkeit einzelner Wehren anzweifeln. Jedoch zeigen gerade Katastrophen wie das Jahrhunderthochwasser 2002 wie wichtig jede helfende Hand ist. Zum anderen muss beachtet werden, dass jeder einzelne Standort der Einhaltung der Hilfsfrist in seinem Einsatzbereich dient, d. h. das Eintreffen der Feuerwehr innerhalb einer vorgeschriebenen Zeitspanne ab der Alarmierung garantiert. In anderen Ländern, wo ein freiwilliges System nicht existiert, hört man dagegen den Ruf nach einem solchen System, da es in vielen Bereichen doch kostengünstiger als eine Berufsfeuerwehr ist. Ein freiwilliges System lässt sich aber kaum durch Gesetze verordnen, sondern muss langsam wachsen. So gibt es in Griechenland Sommercamps, von der ESEPA veranstaltet, mit freiwilligen Feuerwehrleuten aus anderen Ländern, die helfen, die zahlreichen Waldbrände zu bekämpfen.

Vereinbarkeit von Feuerwehr und Beruf im Ehrenamt

Waldbrände Auch durch die Arbeitsmarktssituation im 21. Jahrhundert wird die Einsatzfähigkeit von in vielen Ländern vorkommenden Freiwilligen Feuerwehren verringert. So wird manchen ehrenamtlichen Feuerwehrleuten von ihren Arbeitgebern untersagt, während ihrer Arbeitszeit die Arbeit wegen eines Feuerwehreinsatzes zu verlassen, obwohl dies in einigen Ländern eindeutigen gesetzlichen Regelungen widerspricht. Auch das vermehrte Auspendeln zu den Arbeitsplätzen vermindert vor allem die Tagesbereitschaften. Obwohl die Feuerwehr immer eine Männerdomäne war und es auch in Feuerwehrkreisen noch immer einige Vorurteile gibt, werden aus diesem Grund auch immer mehr Frauen bei den Feuerwehren aufgenommen. Allerdings gibt es auch etliche Unternehmen, die die Eigenschaften von Feuerwehrangehörigen schätzen und bevorzugt aufnehmen, da diese aus dem Feuerwehrdienst Kenntnisse mitbringen, die nicht unmittelbar als zur allgemeinen Berufsausbildung zählen. So sticht besonders die Teamfähigkeit von Feuerwehrleuten heraus (siehe oben: Kameradschaft in der Feuerwehr). In einigen Ländern, wie Deutschland, haben deren Führungsorganisationen angesichts der stetig zurückgehenden Zahl von freiwilligen Helfern die Notwendigkeit erkannt, durch groß angelegte Werbe- und Imagekampagnen neue Mitglieder hinzuzugewinnen. Ob sich dies wirklich auf Dauer auszahlt, wird sich zeigen. Das System des Brandschutzes, wie es in der Vergangenheit gab und bewährt hat, ist allerdings wohl in dieser Form nicht mehr aufrecht zu erhalten. Bessere Fahrzeugtechnik, bessere persönliche Ausrüstung die Umstellung auf Digitalfunk zwingen die Kommunen zum Spagat zwischen knappen Haushaltsmitteln und moderner Ausstattung. Technische ausgefeiltere und umfangreiche zu bedienende Gerätschaften erfordern gut ausgebildetes Personal, das sich ständig weiterbilden muss. Auch ein Problem von Freiwilligen, die im zivilen Berufsleben auch immer höheren Anforderungen gegenüberstehen. Ernsthaft betriebene Feuerwehrarbeit bedeutet immer mehr, einer massiven Doppelbelastung ausgesetzt zu sein.

Vorurteile gegen Feuerwehrmitglieder

Kameradschaft in der Feuerwehr Oftmals wird angenommen, dass besonders viele Brandstifter selber Mitglied in einer Feuerwehr seien. So haben Pyromanen aufgrund ihrer Krankheit sicher eine gesteigerte Motivation, in eine Feuerwehr einzutreten, doch wird versucht, dies durch eine geeignete soziale und strafrechtliche (Führungszeugnis) Mitgliederauswahl zu verhindern. Auch eine gegenseitige Kontrolle innerhalb der Feuerwehr kann dies verhindern. Jedoch ist dieses Problem keine Besonderheit der Feuerwehr – auch andere Gruppen können ähnliche Anziehungspunkte für nicht geeignete Mitglieder darstellen (vgl. Vorurteile: Schützenverein, Bundeswehr). Deshalb ist ein professioneller und differenzierter Umgang mit dem Thema notwendig. Der Großteil der Brandstiftungen geht auf ganz andere Motivationen als Pyromanie zurück, wie Vertuschung von anderen Verbrechen oder Grundstück- beziehungsweise Gebäudespekulationen. Diese Taten sind nicht krankhaft motiviert und die Tätergruppen sind gar nicht interessiert, beim Feuer zuzuschauen, haben daher keine besonderen Kontakte zur Feuerwehr. Allerdings gibt es das Problem, dass Feuerwehrleute aufgrund falscher Motivation Brände legen, um diese dann selbst zu löschen und so soziale Anerkennung (Heldenstatus) zu bekommen. Dieses Problem ist, im Gegensatz zu Pyromanen in der Feuerwehr, schon ein „eigenes“ Problem, welches nicht tabuisiert, aber auch nicht zu übertrieben gesehen werden darf, da es sich auch zahlenmäßig um eine Randerscheinung handelt (beispielsweise in Deutschland: Etwa 12 der 36.000 Brandstiftungen im Jahr gehen auf Feuerwehrleute zurück - zum Vergleich: 12.000 auf Kinder). Ein anderes Vorurteil ist, dass die Feuerwehrmitglieder besonders gerne den Durst löschen würden. Der Prozentsatz an Personen mit erhöhter Neigung zum Alkoholkonsum ist allerdings bei der Feuerwehr nicht größer als anderswo. Bei Berufsfeuerwehren herrscht wie in jedem gewerblichen Betrieb ein striktes Alkoholverbot; dies wird zunehmend auch von Freiwilligen Feuerwehren übernommen. Freiwillige Feuerwehren bilden neben der Bedeutung für die Gefahrenabwehr auch eine soziale Gruppe, also wie Vereine, in diesen ist natürlich ein gemeinsamer Genuss genau so vorhanden wie in jeder anderen Gruppe. Auch wenn zur Stärkung der Gemeinschaft interne Feste gefeiert werden, so fällt dort der Alkoholkonsum in keiner Weise höher aus als auf anderen Festlichkeiten oder Partys, eher wird sogar weniger Alkohol konsumiert. Es wird aber auf eine strenge Trennung zwischen Dienstlichem und Privatem geachtet. Als Faktor nicht zu unterschätzen ist, dass die Getränke nach Übungen etc. oftmals auf Feuerwehrkosten gehen und nur deshalb ein verstärkter Konsum zu verzeichnen ist. Trotz dieser Schwierigkeiten identifizieren sich viele Feuerwehrleute stark mit ihrer Tätigkeit. Auch an kleinen Äußerlichkeiten wie Aufklebern auf den Privatfahrzeugen mit Retten – Schützen – Löschen – Bergen oder ähnlichen Texten kann man einen gewissen Stolz erkennen. In der Bevölkerung rangiert der Beruf des Feuerwehrmannes im Ansehen unter den zehn meist geachteten Berufen. In der "Reader’s Digest European Trusted Brands 2005" Studie wurden Feuerwehrleute zu Deutschlands vertrauenswürdigstem Berufsstand gewählt. In Österreich wurde der "Beruf" des Feuerwehrmannes sogar von 100 % der Bevölkerung so beurteilt. So mancher Kindertraum ist es, ein Feuerwehrmann zu werden. Viele Feuerwehrmänner/Feuerwehrfrauen haben sich mit ihrem erstmaligen Beitritt zu ihrer Organisation einen Kindertraum erfüllt.

Leitsprüche

Alkohol Die Tätigkeit und Kameradschaft unter den Feuerwehrmitgliedern selbst wird auch oft durch Leitsprüche, die regional verschieden sind, ausgedrückt. An diesen Leitsprüchen sieht man auch ungefähr die Zeit wann sie entstanden sind. Neben ernsten Leitsprüchen haben sich gerade in neuerer Zeit auch humorvolle bis ironische Sprüche entwickelt. Hier sollen nur einige aus dem deutschsprachigen Raum zitiert werden:
- Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr
- Den Jungen zur Lehr, den Alten zur Ehr
- Einer für alle, alle für einen
- Retten-Löschen-Bergen-Schützen
- Freiwillig, und doch professionell
- Unsere Freizeit für ihre Sicherheit!
- Wo andere rausrennen, gehen wir rein (mehrere Variationen bekannt)
- Wir machen Hausbesuche
- Ohne uns wird's brenzlig
- Helfen in Not ist unser Gebot
- Stell' dir vor, wenn Feuer wär', und es gäb' keine Feuerwehr... Was DAS für ein Feuer wär'!
- Wir werden nachts aus den schönsten Träumen gerissen, um so manchen Albtraum zu erleben
- Freiwillig, stark und fair
- 24 Stunden Vor-Ort-Service
- Die Feuerwehr hilft, vorbeugen musst Du!
- Erst wenn das letzte Feuerwehrauto eingespart wurde und kein Freiwilliger mehr ein Ehrenamt ausübt, dann merken wir, dass Geld allein kein Feuer löschen kann!
- Feuerwehr ist nicht alles, aber ohne Feuerwehr ist Alles nichts!!!

Gruß

Zum Abschluss noch der Gruß, mit dem sich Feuerwehrkameraden im deutschsprachigen Raum begrüßen. Die Grüße sind regional unterschiedlich verbreitet.
-
Gut Wehr (Für offizielle Anlässe die richtige Wahl)
-
Gut Schlauch
-
Immer eine Handbreit Wasser im Tank
-
Gut Heil (Gruß der Feuerwehren in Kärnten und der Steiermark)

Siehe auch


- Portal:Hilfsorganisationen/Feuerwehr, Themenliste Feuerwehr, CTIF, THW, Brandmelder, Feuerspritze

Literatur


- Feuerwehrkatalog
Spezial-Literatur zu den Themen Feuerwehr und Rettungsdienst - (http://www.feuerwehrkatalog.de)
- Wolf-Dieter Prendke, Hermann Schröder:
Lexikon der Feuerwehr. Stuttgart 2001, ISBN 3-170-15767-1
- Rainer Crummenerl:
WAS IST WAS Band 114: Feuerwehr. München 2002, ISBN 3-788-61501-X
- Wolfgang Jendsch u.a., Weltrundschau-Verlag:
BRAND - Die Feuerwehren der Welt", Chroniken 1-8, Bände 2001-2004 (http://www.feuerwehrpresse.de/literatur.htm#Brand)
- Wolfgang Jendsch: Feuerwehrfahrzeuge in Europa. 1991, ISBN 3-88776-048-4
- Wolfgang Jendsch: Diverse Veröffentlichungen zum Thema Brandschutz/Rettungsdienst (pdf) - (http://www.feuerwehrpresse.de/Fachbeitraege-Downloads.html)
- Wolfgang Jendsch: Diverse Veröffentlichungen zum Thema Wald- und Flächenbrandbekämpfung (pdf) - (http://www.feuerwehrpresse.de/Fachbeitraege-Downloads.html#Waldbrand)
- Hamilton, Handbuch für den Feuerwehrmann, Boorberg-Verlag, ISBN 3-415-01705-2

Weblinks

Hier finden Sie nur Weblinks von internationalen Feuerwehrseiten, nationale finden sie unter den jeweiligen Länderseiten.
- [http://www.feuerwehr.net/ Feuerwehr-Links-Weltweit] Große Linksammlung von Feuerwehren weltweit
- [http://www.feuerwehr.de/wiki/ FeuerwehrWiki] ein Feuerwehr-Wiki
- [http://www.sbznet.de/?rubrik=magazin&thema=03-08-19-01 Berufsbild Feuerwehrmann: Als Retter auf die Karriereleiter]
- [http://www.feuerwehrpresse.de/Europa.html Feuerwehren in Europa] Informationsseite mit Überblick über Tätigkeitsbereiche im internationalen Brandschutz- und Rettungswesen
- [http://www.feuerwehrhistorik.de Feuerwehrgeschichte u.a.m.]
- [http://www.feuerwehr-land.de Feuerwehr-Land] Feuerwehr Portal Seite
- [http://www.faszination-feuerwehr.de.vu Faszination Feuerwehr] Infos rund um die Feuerwehr

Notruf

Der Notruf ist ein Signal, das übermittelt wird, um bei einem Notfall professionelle Hilfe wie Rettungsdienst, Feuerwehr oder Polizei zu alarmieren. Ein Notruf kann über verschiedene Kommunikationskanäle abgesetzt werden, gewöhnlich über Telefon, aber auch über Rufsäulen, Funk und Seenotsignale. Neuerdings gehört in vielen Notrufannahmestellen auch das Schreibtelefon dazu. Man kann zwischen gezielten Notrufen, also dem direkten Anrufen bei einer Leitstelle und ungezielten Notrufen wie der Abgabe des alpinen Notsignales unterscheiden, mit dem man sich bei Menschen in der Umgebung bemerkbar macht, die dann gegebenenfalls ihrerseits die erforderlichen Hilfsdienste herbeirufen. Telefone, von denen aus gezielt Notrufe abgesetzt werden können, sind in öffentlichen Einrichtungen und größeren Gebäuden durch die Sicherheitszeichen Brandmeldetelefon oder Notruftelefon gekennzeichnet. Notrufe können auch automatisiert ausgelöst werden, beispielsweise wenn sich eine Person nicht mehr meldet, wie bei einer Totmanneinrichtung oder durch die Sicherheitsuhr bei einem Hausnotrufgerät. Auch das Auslösen einer Brandmeldeeinrichtung kann man als Notruf bezeichnen (siehe auch: TUS). Weit verbreitet haben sich auch Notrufsender für Menschen, die in ihrer Bewegung eingeschränkt sind. Sie tragen einen Funksender bei sich, der bei Knopfdruck einen Impuls an ein Zusatzgerät am Telefon in der Wohnung sendet, welches dann automatisch an eine vorher definierte Leitstelle den Alarm weitergibt. Solche Systeme nennt man Hausnotruf. Mit der Weiterentwicklung des Mobiltelefones, sowie des GPS-Systems haben sich weitere Möglichkeiten eröffnet. So gibt es Notrufsender, die in Kraftfahrzeugen eingebaut sind und bei einem Unfall durch abnormale Lageveränderungen automatisch einen Notruf an die Leitstellen der Autofahrerclubs - wie ADAC oder ÖAMTC - absetzen.

Notruf per Telefon

Derjenige Notruf, der die meisten Menschen direkt im Unglücksfall betrifft, ist der Notruf, der mit dem Telefon getätigt wird. Dazu sollte man einige Dinge beachten, damit auch die richtige Hilfe kommt: Hinweis: Der Anrufer soll erst auflegen, wenn die angerufene Leitstelle keine Fragen mehr hat und das Gespräch beendet. Die Inhalte des Notrufs sind derzeit in den deutschsprachigen Ländern nicht einheitlich. Während in Österreich die Frage "Wer ruft an?" Bestandteil des Notrufes ist, beschränkt man sich in Deutschland auf 5 Ws und klärt die Frage nach dem Anrufer bei den Rückfragen. Das Nennen der Rückrufnummer ist von erheblicher Bedeutung, weil nur dadurch die Möglichkeit besteht, bei Rückfragen Kontakt mit dem Mitteiler aufzunehmen. Dies ist vor allem dann erforderlich, wenn die Rettungskräfte den Einsatzort nicht auffinden können. Leitstelle Darüber hinaus soll beim Notruf auch auf Besonderheiten aufmerksam gemacht werden, wie beispielsweise Feuer, Auslaufen von Flüssigkeiten oder eingeklemmten Personen. Bei Vergiftungen sollte man, falls möglich, auch die eingenommene Substanz (zum Beispiel Medikamente, Spülmittel oder Pflanzenteile) mitteilen. Bei Verkehrsunfällen mit Gefahrguttransporten sollte auf die orangefarbige Warntafeln und eventuell auf den Tafeln vorhandene Kennzahlen hingewiesen werden. Ein Notruf kann von jedem Telefon aus immer kostenlos erfolgen - Münzen oder Telefonkarten sind nicht erforderlich. Dies gilt auch für Mobiltelefone. Hier hat sich auch international im GSM-Standard die 112 als Notrufnummer durchgesetzt. Auch ohne Karte oder PIN kann man diese Nummer wählen und wird mit der Rettungsleitstelle verbunden, die für den momentanen Aufenthaltsort zuständig ist. In Deutschland ist zusätzlich auch die 110 als Notrufnummer möglich. Um den Euronotruf über ein Mobiltelefon besser zu erreichen, darf man die PIN nicht eintippen, dann wird er über das stärkste Netz abgesetzt, andernfalls wird er nur über den freigeschalteten Netzbetreiber gesendet. Wenn dieser allerdings dort keinen Empfang anbietet, ist auch der Euronotruf nicht erreichbar. Euronotruf Eine weitere Möglichkeit einen Notruf abzusetzen sind Notrufsäulen in Bahnhöfen, an Autobahnen und Bundesstraßen. Auf Autobahnen sollte immer die Fahrtrichtung und, falls bekannt, die Kilometerangabe mitgeteilt werden. Die Richtung zur nächstgelegenen Notrufsäule ist durch schwarze Pfeile an den Leitpfosten oder Leitschienen gekennzeichnet. Die Notrufsäulen sind immer paarweise gegenüber an der Autobahn angebracht, um niemanden zu verleiten, die Fahrbahn zu überqueren.

Die Notrufnummern

Ortung des Handy-Standorts

Wenn die Leitstelle den Anrufer in der Leitung hält, ist es möglich, mit Hilfe der Netzbetreiber den regionalen Standort eines Handys festzustellen. Geortet wird der Funkmast, über den das Handy die Verbindung in das Mobilfunknetz hergestellt hat. In Städten bedienen die Funkmasten eine Funkzelle mit einem Durchmesser zwischen 100 m und 1600 m, auf dem Land kann er allerdings bis zu 24 km groß sein.

Routing aus dem GSM-Netz

Wählt man im deutschen GSM-Netz die 112, so wird man automatisch zur nächstgelegenen Rettungsleitstelle verbunden. Die Weitervermittlung kann regional und je nach Netzbetreiber unterschiedlich erfolgen. Für den Notrufenden ist das allerdings unerheblich: Die Informationen werden über interne Leitungen durchgereicht. Allerdings kann es verwirrend sein, wenn man die Feuerwehr rufen will und sich die Polizei meldet. Der Notruf 112 ist bei vielen Mobiltelefonen auch möglich, wenn die Tastensperre aktiv ist. Oftmals kann auch 112 + "Hörer abheben" anstelle der PIN (Geheimzahl) beim Einschalten des Gerätes verwendet werden oder es wird eine Funktionstaste direkt nach dem Einschalten mit der Funktion "SOS" bzw. "Notruf" belegt, bevor die PIN eingegeben wurde. Als Besonderheit ist weiterhin zu nennen, dass eventuell aufgrund der unterschiedlichen Ausbreitungsbedingungen des GSM-Funknetzes eine Weitervermittlung an eine andere, eigentlich nicht zuständige Leitstelle erfolgt. Beispielsweise in gebirgsnahen Gebieten kann durch Reflexionen und Abschattungen des Funks eine Fehlvermittlung stattfinden. Besonders wichtig ist daher immer die Angabe des genauen Ortes und nicht nur z. B. der Straße - denn diese kann es ja auch im Nachbarort geben.

Notruf per Fax

Für Menschen mit Hör- und/oder Sprachschädigung besteht oftmals ausschließlich die Möglichkeit, im Notfall Hilfe per Fax herbeizurufen, da nur wenige Leitstellen über Schreibtelefone verfügen. Leider sind die Rettungs- bzw. Feuerwehrleitstellen sehr unterschiedlich ausgestattet. Viele verfügen mittlerweile über ein Notruf-Faxgerät, welches rund um die Uhr überwacht wird. Erreichbar sind diese Notruf-Faxgeräte je nach Leitstelle über die "normale" Notruf-Nummer 112 oder aber über eine eigene Rufnummer. Die eingehenden Notruf-Faxe werden hier angenommen und meist vom Disponenten an den Absender rückbestätigt. Vereinzelt ist aber auf den Leitstellen noch lediglich ein Büro-Faxgerät vorhanden, welches eventuell sogar in einem Nebenraum steht und nicht permanent überwacht wird. Entsprechende Vereinigungen und Interessensgemeinschaften setzten sich seit Jahren für die einheitliche Einführung von Notfall-Faxgeräten über eine einheitliche Rufnummer ein, die Politik tut sich mit einer Entscheidung aber noch schwer. Diverse Organisationen bieten im Internet einen Vordruck für ein Notfall-Fax an, welcher ausgedruckt und mit den persönlichen Daten versehen am Faxgerät platziert werden kann. So muss im Notfall lediglich noch die Art der gewünschten Hilfe angekreuzt und das Fax abgesendet werden. Für den mobilen Einsatz eignen sich insbesondere Mobiltelefone wie der Nokia Communicator, über den Faxe versandt und empfangen werden können. Somit ist ein Faxnotruf für Gehörlose auch dann möglich, wenn sie unterwegs sind. Es gibt auch mobile Faxgeräte, die auf Papier drucken und Papier scannen können. Solche Geräte können zum Beispiel in einem kleinen Koffer oder Rucksack verstaut werden. Sie können wie ein Handy auch über das 12-Volt-Netz des Autos geladen werden. Weitere Informationen über den Fax-Notruf, Vordrucke und Übersichtslisten mit entsprechenden regional zugeordneten Fax-Notrufnummern gibt es im Internet u.a. hier:
- [http://www.schwerhoerigkeit.de/DSB/SERVICE/NOTRUFE/ Deutscher Schwerhörigenbund (DSB)]
- sowie auf vielen Internet-Seiten der örtlichen Hilfsorganisationen (z.B. Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz etc.) oder der Stadt-/Gemeinde- oder Kreisverwaltungen. In Österreich befindet sich der Notruf per Fax derzeit noch in den Kinderschuhen. Am weitesten ist er bisher in der Steiermark gediehen, wo der Gehörlosenverband mit der steiermärkischen Landesregierung zusammenarbeitet. Es gibt aber noch keine richtige Notrufnummer, die in die allgemeinen Schemata passen. Die Entgegennahme von Notrufen per Short Message Service (SMS) befindet sich ebenfalls noch sehr am Anfang.

Schifffahrt und Luftfahrt

In der Schifffahrt und der Luftfahrt werden Notrufe per Seenotsignal oder Funksignal abgesetzt, um auf gefährliche Situationen aufmerksam zu machen und Hilfeleistungen anzufordern. Der Funkverkehr kennt verschiedene Arten von Notrufen, die je nach Dringlichkeit des Notfalls zu verwenden sind. Sofern möglich, soll der Notruf Angaben enthalten zur Identifikation und Position des Absenders, zur Art und Umfang drohender oder eingetretener Schäden sowie zu notwendigen Hilfeleistungen. Notrufe/Notsignale können auch automatisch gesendet werden, zum Beispiel beim Kentern oder Sinken eines Schiffes mittels einer dafür konzipierten Boje. In diesem Fall wird über eine Satellitenverbindung in einer Seenotzentrale Alarm ausgelöst und von dort aus die Suche und die Rettung des Havaristen gesteuert. In der Seefahrt sind zudem pyrotechnische Seenotsignalmittel üblich. siehe auch: Mayday, SOS, Seenot

Notrufe in VoIP-Netzen

In den USA müssen auch VoIP-Anbieter ermöglichen, dass die Telefone ihrer Kunden unter der Notrufnummer 911 die örtliche Notrufleitstelle erreichen, und dass an diese die Information über den Standort des Telefons und seine Rufnummer automatisch übermittelt werden. In mehreren europäischen Ländern und nach Beschluss der EU möglicherweise auch in ganz Europa werden voraussichtlich ähnliche Bestimmungen erlassen, wenn die laufenden Anhörungsverfahren abgeschlossen sind. Weblink: [http://www.ispa.at/downloads/0570ddf213e3_Konsultationsdokument_VoIP.pdf Vorläufige Voice via IP Dienste in Österreich] In Deutschland ist nach derzeit geltendem Recht jeder Anbieter von Telekommunikationsdienstleistungen für die Öffentlichkeit dazu verpflichtet, das Routing von Notrufen zu den jeweiligen Leitstellen zu gewährleisten. Die VoIP-Anbieter versuchen jedoch oft, durch einschränkende Klauseln in ihren AGBs, diese Anforderung zu umgehen. Spätestens mit der Veröffentlichung der Notrufverordnung wird auch für VoIP eine einheitliche Vorgehensweise für alle Anbieter Pflicht werden.

Sonstiges


- Weitere Bedeutungen
  - Notruf ist auch der Titel einer RTL-Fernsehsendung mit Hans Meiser, bei der spektakuläre Rettungsaktionen nachgestellt und gezeigt werden.
  - Notruf ist der Name zahlreicher kleinerer oder größerer Zeitungen verschiedener Einsatzorganisationen.
- Missbrauch :Das absichtliche oder wissentliche Absetzen eines unbegründeten Notrufes (auch ein einfacher Hilferuf) stellt in Deutschland den Tatbestand einer Straftat dar ([http://dejure.org/gesetze/StGB/145.html § 145 StGB]). Die Person muss ferner Schadenersatz an die beteiligten Organisationen u. a. leisten. Der Missbrauch wird auch in anderen Staaten ähnlich geahndet.

Siehe auch


- Alarmzentrale
- Portal:Erste Hilfe
- Notsignal
- Rettungskette
- Sofortmaßnahmen
- Portal:Hilfsorganisationen/Feuerwehr
- Rettungsdienst
- Hausnotruf
- Funkstille

Weblink


- http://www.sos112.info Notrufe in Europa
- http://www.notfond.de Handy als mobile Notrufsäule
- http://www.notruf-hamburg.de Beispiel einer Online-Notrufliste (Hansestadt Hamburg) Kategorie:Alarmierung Kategorie:Erste Hilfe Kategorie:Kommunikation Kategorie:Sicherheit


Bundesland (Österreich)

Bundesland ist die umgangssprachliche Bezeichnung für einen Gliedstaat und Verwaltungseinheit innerhalb der Republik Österreich. Die Bundesverfassung spricht von Ländern. Sie haben eine eigene Legislative (Landtag), die innerhalb des von der Verfassung vorgegebenen Rahmens selbsständig gesetzgebende Organ ist. Über den Bundesrat wirken sie auch an der Gesetzgebung des Bundes mit. Die Landesregierungen sind einerseits die unabhängige Exekutive der Länder und andererseits Teil der mittelbaren Bundesverwaltung. Es gibt folgende Bundesländer: ¹ Daten in der Spalte "Bevölkerung" aus Statistik Austria, Statistisches Jahrbuch 2005, Seite 40 beziehungsweise Abschnitt 02 (Bevölkerung), Absatz 2.02 (Bevölkerung 1527 bis 2003 nach Bundesländern), Jahr 2003; Quelle: http://www.statistik.at/jahrbuch_2005/pdf/k02.pdf.
² Daten aus der Spalte "Fläche in km²" aus Statistik Austria, Statistisches Jahrbuch 2005, Seite 37 beziehungsweise Abschnitt 01 (Geographische und meteorologische Übersichten, adminstrative Einteilungen), Absatz 1.13 (Fläche und Benützungsarten, Stand 1. Jänner 2004); Quelle: http://www.statistik.at/jahrbuch_2005/pdf/k01.pdf.
³ Anzahl Einwohner pro km² mittelbaren Bundesverwaltung

Siehe auch


- Portal:Österreich
- Städte in Österreich Kategorie:Verwaltung (Österreich) ja:オーストリアの地方行政区画 ms:Negeri di Austria

Hochwasser

Hochwasser wird der Zustand bei Gewässern genannt, bei dem der Wasserstand sich deutlich über dem normalen Pegelstand des Gewässers befindet. In Tidegewässern bezeichnet Hochwasser den Eintritt des höchsten Wasserstand einer Tide beim Übergang von der Flut zur Ebbe. Es wird zwischen regelmäßig wiederkehrenden Hochwassern (Gezeiten, Frühjahrshochwasser) und unregelmäßigen oder einmaligen Ereignissen (Tsunami, Sturmfluten, Jahrhundertflut an der Elbe und an der Donau) unterschieden. Länder mit geringen Reliefhöhen wie die Niederlande, Deutschland und Dänemark versuchen, sich durch massive Deichbaumaßnahmen und Sperrwerke (z.B. das Emssperrwerk bei Emden) vor (Meeres-)Hochwasser zu schützen. Wird kein intensiver Hochwasserschutz betrieben, kann es wie in Bangladesch am Mündungsdelta des Ganges häufiger zu humanitären Katastrophen und vielen tausend Toten kommen. In Kriegssituationen kann eine vorsätzliche Überflutung eine Verteidigungswaffe gegen Angreifer sein. Unter anderem den Niederlanden hat diese Strategie oft Erfolg gegen Feinde gebracht. Siehe: Achtzigjähriger Krieg, Alkmaar, Inundierung. Hochwasser-Situationen entstehen auch im Landinneren durch das Anschwellen der Flüsse und Seen sowie durch die Gefahren des Wildbaches. Ebenso können durch Eisstau Hochwassergefahren entstehen. Grundsätzlich sind Hochwasser Bestandteile des natürlichen Geschehens. Zur Katastrophe werden sie erst, wenn menschliche Werte betroffen sind. Im Zuge der fortschreitenden Landnutzung wurden immer größere Flächen, die Hochwassergefahren ausgesetzt sind, genutzt. Somit stieg die Bedrohung durch Hochwasser ständig. Zudem wirkt die menschliche Flächennutzung (Versiegelung der Landschaft) sowie der Ausbau der Gewässer (lineare Regulierung, Verminderung der Retentionsräume) verschärfend auf den Hochwasserabfluss. Weiters können bestehende Regulierungen durch mangelnde Instandhaltung (z.B. wegen Bewuchs, Anlandungen) ihre Leistung verlieren. Gewässer in Sachsen]] Extreme Hochwasserereignisse in mittleren und großen Einzugsgebieten sind auf extreme Niederschläge zurückzuführen. Bei diesen Extremereignissen sind die Auswirkungen menschlicher Eingriffe gering. Ebenso ist der Einfluss der Versiegelung der Landschaft gering, da wegen der Sättigung des Bodens durch den Regen der Abflussbeiwert auch in natürlichen Einzugsgebieten hoch ist. Besonders trifft dies auf Niederschlagsereignisse zu, die nach Vorregen folgen oder auf gefrorenen Boden treffen. Signifikante Änderungen des Abflussgeschehens durch die Bodenversiegelung sind vor allem in kleinen Einzugsgebieten zu erwarten. Der Beitrag des Klimawandels zum Hochwassergeschehen ist strittig und von den örtlichen Verhältnisse abhängig (Steigerung von Extremereignissen, Verschiebung von Schnee zum Regen etc.). In manchen Regionen ist mit einer Steigerung des Jahresniederschlages, in anderen mit einer Verminderung oder einer anderen Verteilung zu rechnen. Das Hochwasserrisiko lässt sich durch zwei Komponenten beschreiben:
- Die Verwundbarkeit, das heißt die Empfindlichkeit der betroffenen Einrichtung oder Nutzung gegenüber Überflutungen und
- Das Ausmaß und die Häufigkeit der Überflutung. Maßnahmen zum Hochwasserschutz können daher folgende Aspekte umfassen: Klimawandel
- Anpassung der Nutzung an die Hochwassergefährdung (Absiedelung, Änderung der landwirtschaftlichen Nutzung, sichere und schadensarme Gestaltung von Bauwerken)
- Schutz vor dem Hochwasser durch
  - Rückhalt des Niederschlagswassers in der Fläche oder durch Rückhaltebecken
  - Schutz betroffener Gebiete oder Objekte durch Deiche (in Österreich auch als Hochwasserschutzdämme bezeichnet)
  - Erhöhung der Abfuhrkapazität der Gewässer durch Querschnittserweiterung und Flutmulden
- Rechtzeitige Warnungen und Alarmierung durch automatische Pegelmessstationen. Zwischen den einzelnen Maßnahmen bestehen Abhängigkeiten. Z. B. können Regulierungen und Deichbaumaßnahmen zu einer Verschärfung der Hochwassergefahr für Unterlieger oder Anrainer führen. Die Errichtung von Hochwasserrückhaltebecken (Retentionsbecken) verringert das Risiko einer häufigen Überflutung zu Lasten eines seltenen, aber katastrophalen Dammbruchs durch ein Totalversagen des Rückhaltebeckens. Eine umfassende Strategie zur Verminderung der Folgen eines Hochwassers gibt das Hochwassermanagement.

Qualifikation von Hochwassern

Hochwasser werden zumeist als Ereignisse mit Wiederkehrsintervallen angegeben. Beispielhaft ist das 100jährliche Hochwasser (HQ100) ein Ereignis, das statistisch gesehen in 100 Jahren einmal auftritt. Das heißt nicht, dass nach einem Jahrhunderthochwasser hundert Jahre kein Ereignis dieser Größe folgt. Ein Ereignis kann durchaus einem anderen folgen. Zudem ist zu beachten, dass sich die Wahrscheinlichkeit, im Zuge der Nutzungsdauer eines Gebäudes von einem Ereignis getroffen zu werden, akkumuliert. Bei einer Nutzungsdauer von 30 Jahren beträgt die Wahrscheinlichkeit von einem HQ100 getroffen zu werden circa 24 Prozent und sollte somit nicht vernachlässigt werden.

Niederlande

Das Parlament der Niederlande hat nach der verheerenden Sturmflut von 1953, als große Teile des Landes unter Wasser standen, festgelegt, dass ein Schutz gegen ein 1.250-jährliches Hochwasser erreicht werden muss. Dieses Schutzniveau gilt sowohl für Flüsse als auch die Küste. Dem Beschluß folgten gründliche wissenschaftliche Untersuchungen und ein technisch und finanziell aufwendiges Sicherungsprogramm. Das festgelegte Schutzniveau wurde 30 Jahre später, mit dem Abschluss der großen Küstenbauwerke, überall erreicht. Zur Zeit prüfen die Niederlande, ob durch Klimawandel, nämlich Klimaerwärmung und/oder vermehrte Klimaextreme, die früheren Einschätzungen der Dimension der 1.250-jährlichen Hochwasser nach oben angepasst werden müssen. Dann soll der Schutz weiter verstärkt werden.

USA

In den USA wurde der Hochwasserschutz vom dafür zuständigen US Army Corps of Engineers (http://www.usace.army.mil/) auf das Niveau eines 230-jährlichen Hochwassers festgelegt. Dieses Niveau ist auch gewährleistet, jedoch hat die Überflutung von New Orleans zu der Erkenntnis geführt, dass dieses Schutzniveau nicht ausreicht.

Österreich

In Österreich werden folgende Schutzziele angestrebt: :HQ30 Untergeordnete Objekte :HQ100 Standardschutz :HQ150 Ausbaugrad Wildbach Darüber hinausgehende Schutzgrade werden bei besonderer Schutzerfordernis (z. B. für die Stadt Wien) angestrebt. Bei allen Hochwasserschutzmaßnahmen ist jedoch zu beachten, dass stets ein Restrisiko besteht (Anlageversagen, Überschreitung des Bemessungshochwassers).

Deutschland

Bemessungshochwasser In Deutschland schreibt das Wasserhaushaltsgesetz vor, Flächen, die statistisch gesehen ein mal in hundert Jahren überschwemmt werden können, als Überschwemmungsgebiete in amtlichen Karten auszuweisen und in die Bauleitplanung zu übernehmen. In solchen Überschwemmungsgebieten werden nach den Landesgesetzen oder Gemeindesatzungen weitere Vorschriften erlassen. So ist zum Beispiel bei Eingriffen die zuständige Wasserbehörde zu konsultieren. Die Bauleitplanung oder die Wasserbehörde kann Maßnahmen, wie eine Gebäudeerweiterung oder eine Aufforstung, auch auf privaten Grundstücken verbieten. Hochwassergefährdete Flächen (HQ > 100, z. B. Versagen eines Deiches) sind in Deutschland ebenfalls zu kennzeichnen. Die Kommune ist verpflichtet, die Bevölkerung auf diese Gefahren hinzuweisen, damit eine private Vorsorge ermöglicht wird. Gesetzliche Vorschriften über das Schutzniveau gibt es nicht. Es gibt lediglich ein Urteil des BGH, dass Hauseigentümer bei Flutschäden einen Amtshaftungsanspruch gegen den Träger des Hochwasserschutzes haben, wenn der Schutz nicht wenigsten gegen ein 50-jährliches Hochwasser gewährleistet ist. Dieser Mindestschutz ist (auch wegen dieser Rechtsprechung) weitgehend erreicht. Am Oberrhein bis Basel besteht ein Schutz gegen ein 1000-jährliches Hochwasser. Im Oberrheingraben bestand früher ein Schutz gegen ein 200-jährliches Hochwasser. Durch den Ausbau des Oberrheins durch Frankreich gingen aber riesige Auen entlang des früheren natürlichen Flußlaufes verloren. Außerdem benötigt eine Flutwelle von Basel bis Mannheim zur Mündung des Neckars statt ca. 72 nur ca. 36 Stunden, so dass die Überlagerung mit der Flutwelle aus dem Neckar bei großflächigen schweren Regenfällen möglich ist. Das Schutzniveau ist abgesunken auf ein 100-jährliches Hochwasser, das 1998 beinahe erreicht wurde. Es wurde daher beschlossen das Schutzniveau wieder durch Deicherhöhungen, Deichverstärkungen und Bau von Poldern auf ein 200-jährliches Hochwasser anzuheben. Das Prgramm soll bis 2015 abgeschlossen sein stockt aber teilweise aus rechtlichen, teilweise aus finanziellen Gründen. Zuständig für die Koordination der Forschung und Ort für die Absprachen der Rheinanlieger zum Hochwasserschutz ist die "Internationale Kommission zum Schutz des Rheins", die sich ursprünglich vor alle mit der Verwirklichung des Umweltschutzes am Rhein beschäftigte. Die IKSR hat auch einen Hochwasseratlas Rhein herausgegeben, der die wesentlichen Erkenntnisse enthält und bisher angestrebten Schutzziele definiert. Der Altas kennzeichnet alle Gebiete, die bei einen 200-jährlichen Hochwasser überflutet werden Vor dem Hintergrund der Klimaänderung und der veralteten Klimadaten (Berechnungsgrundlagen) wird auch z.B. in Sachsen inzwischen angestrebt, Durchflussmengen von „HQ 200“ schadlos ableiten zu können.

Organisation des Hochwasserschutzes

Für Österreich gilt: Die unmittelbare Hilfe und Abwehr im Hochwasserfall erfolgt durch die örtliche Feuerwehr. Langfristigere Hilfe erfolgt durch den Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehr und Assistenzeinsätze des Bundesheeres. Das meist benutzte Hilfsmittel beim Hochwasserschutz ist der Sandsack. Die Errichtung, Erhaltung und Betrieb von Hochwasserschutzmaßnahmen erfolgt durch die individuell Betroffenen, Wassergenossenschaften, Kommunen und Wasserverbände. Siehe auch: Portal:Hilfsorganisationen/Feuerwehr, Wiener Donauregulierung

Weblinks


- [http://www.bafg.de Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) Koblenz]
- [http://www.bwg.admin.ch/ Schweizerisches Bundesamt für Wasser und Geologie (BWG)]
- [http://www.noezsv.at/wastun/hochwasser/hochwasser.htm Hochwasser und Hochwass