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Nordische Runen
Runen sind die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie waren vor allem zwischen dem 2. und dem 12. Jahrhundert für geritzte und gravierte Inschriften auf Gegenständen und Steindenkmälern in Gebrauch. Ihre Verbreitung zeigt von Anfang an einen deutlichen Schwerpunkt in Südskandinavien. In allen anderen Siedlungsräumen germanischsprachiger Völker ist nur eine dünne Streuüberlieferung zu finden, die außerdem mit dem jeweiligen Einzug des Christentums zu ihrem Ende kommt. Die nominelle Christianisierung Nordeuropas hatte grundsätzlich den Wechsel zur lateinischen Schrift zur Folge. Die Verwendung von Runen endete mithin in Mitteleuropa vor 700 n. Chr. und in England im 10. Jahrhundert. Nur in Skandinavien hielt sich der Gebrauch der Runenschrift deutlich länger, in einzelnen Regionen bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Der weitaus größte Teil der etwa 6.500 erhaltenen Runeninschriften stammt aus dem Skandinavien der Wikingerzeit.
Die ältesten Inschriften datieren aus dem 2. Jahrhundert und stammen aus Moorfunden in Südschweden und Dänemark (Jütland). Als älteste Runeninschrift gilt derzeit der Name harja auf dem Kamm von Vimose, der in die Zeit 150–200 n. Chr. datiert wird. Älter ist zwar die Fibel von Meldorf (Schleswig-Holstein) von etwa 50–100 n. Chr., doch ist die Inschrift nicht sicher runisch (lateinisch?). Etwas jünger ist die auf einer eisernen Speerspitze eingeritzte Beschwörung raunijaR („Herausforderer“). Die Spitze wurde in einem Grab aus der Zeit um 200 in Øvre Stabu (Oppland) Norwegen gefunden.
Der Literalitätsgrad der Kulturen, die Runen gebrauchten, muss als sehr niedrig eingeschätzt werden. Die Runenschrift entwickelte sich nie zu einer Buch- und Urkundenschrift und erfasste niemals so weite Bereiche des kollektiven Gedächtnisses und der Alltagskommunikation wie die lateinische Schrift in Antike und Mittelalter: Literatur, Liturgie, Geschichtsüberlieferung, Recht blieben mündlich. Der hauptsächliche Anwendungsbereich von Runen waren Inschriften zum Gedenken an Verstorbene oder an besondere Ereignisse, zur Weihe oder Verschenkung von Gegenständen, als Besitzerangaben und als Münzinschriften.
Runen wurden meist rechtsläufig (von links nach rechts) geschrieben, aber es gab auch Ausnahmen, besonders im nordgermanischen Raum.
nordgermanischen), 9. Jh.]]
Bezeichnungsherkunft
Der Bezeichnung „Rune“ ist von einer Wurzel rūn- (gotisch runa) mit der Bedeutung „Geheimnis“ abzuleiten. Verwandt damit sind auch die deutschen Wörter „raunen“ und „Geraune“. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, der Name Runen sei neuzeitlichen Ursprungs, gibt es aus dem 6. Jahrhundert mehrere Nennungen von runa auf beritzten Gegenständen (z. B. Runenstab von Neudingen). Und Venantius Fortunatus, der im fränkischen Merowingerreich mit Runen in Berührung gekommen sein könnte, dichtete um 565: Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis / quodque papyrus agit virgula plana valet. (Die Rune der Barbaren mag man auf eschene Tafeln zeichnen; was der Papyrus vermag, dazu taugt auch das flache Holzstäbchen. Carmina VII, 18). Von den Buchen-Stäben, auf die die Runen geritzt wurden, leitet sich das Wort Buchstabe ab.
Ursprung
Die Runen sind von den Germanen nicht als fertiges Schriftsystem übernommen, sondern weitgehend eigenständig nach Vorbildern südeuropäischer Schriften entwickelt worden. Vor allem die lateinische Schrift, aber auch die zahlreichen vom Lateinischen verdrängten und untergegangenen Schriften des keltisch-alpin-italischen Raums kommen als "Initialzünder" in Betracht. Die Runen gehen damit - sowohl in ihrem Prinzip einer Buchstabenschrift als auch in der Form vieler Lautzeichen - letztlich auf die große phönizisch-aramäische Familie von Alphabeten zurück, die im 1. Jahrtausend v. Chr. im Gebiet des Libanon und Syriens entstanden sind und zu denen auch alle heutigen europäischen Schriften gezählt werden.
Der Ursprung der Runenschrift ist zeitlich und räumlich kaum zu erhellen, weil die ältesten Belege bereits einen etablierten Satz von Zeichen präsentieren. Das erste gesicherte Auftreten von Runen fällt in die zweite Hälfte des 2. Jahrhunderts (Gegenstände wie z. B. Waffen aus Mooropferplätzen in Jütland wie Vimose, Illerup, Nydam, Thorsberg). Vorstufen der Schrift, an denen ihre Entstehung nachzuvollziehen wäre, konnten nicht unzweifelhaft identifiziert werden. Das äußerliche Charakteristikum der Runen ist die Vermeidung waagrechter und gebogener Linien, was früher immer wieder die Vermutung aufkommen ließ, dass es sich um eine Buchstabenumformung handelt, die dazu geeignet sein sollte, vor allem in hölzernes Material geritzt zu werden. Man nahm folglich an, dass Vorstufen der Runen nur deshalb nicht bewahrt sind, weil ihr mutmaßlicher Träger, Holz, sich schlechter als Metall erhalten hat. Neuere Funde (z. B. Moorfunde von Illerup, Dänemark) zeigen jedoch auch gerundete Formen (z. B. bei der Odal-Rune) auf metallenen Waffenteilen.
Es werden drei Thesen zur Entstehung der Runenschrift vertreten:
Italisch-etruskische These
Das Vorbild der Runen soll ein nordetruskisches Alphabet sein bzw. aus dem Kreis der zahlreichen verschiedenen Alphabete Norditaliens und des Alpenraums (4. bis 1. Jahrhundert v. Chr.) genommen sein. Alle diese Alphabete sind, wie auch die lateinische Schrift, ihrerseits Abkömmlinge des westgriechischen Alphabets (griechischer Kultureinfluss durch Händler und Kolonien in Italien ab dem 7. Jahrhundert v. Chr.).
Besonders der Helm von Negau ([http://titus.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runealph.htm Abb.]) wurde zur Unterstützung dieser These herangezogen. Der Helm mit einer teils frühgermanischen Namensinschrift (harigasti...) in einem norditalischen Alphabet soll den Ursprung einiger Runenzeichen aus den norditalischen Varianten der griechischen Schrift belegen. Die Deutung der Inschrift bleibt jedoch umstritten, zumal der Helm aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammt und die Inschrift selbst erst später (3./2. Jahrhundert v. Chr.?) angebracht wurde.
Das stärkste Argument für die italisch-etruskische These sind die Buchstabenformen, der Schreibduktus und das Verfahren der Worttrennung durch Punkte. In keiner anderen Schrift finden sich so viele Übereinstimmungen für einzelne Zeichen. Von kulturgeschichtlicher Seite ist diese These jedoch schwer zu untermauern, denn sie impliziert, dass die Runenschrift sich im norditalienischen, westalpinen oder norischen Raum im 1. Jahrhundert v. Chr. oder im 1. Jahrhundert n. Chr. herausgebildet haben müsste (wo es jedoch keine Spuren von ihr gibt) und dann bis gegen 200 n. Chr. bis in den Norden Germaniens verbreitet worden wäre, wo sie zuerst ins Licht der Geschichte tritt.
Latein-These
Die lateinische Schrift ist eine Schwesterschrift der italischen Alphabete und weist daher einige übereinstimmende Buchstabenformen auf. Im Gegensatz zu den Regionalschriften setzte sie sich mit der Großmacht Rom überregional durch und wurde als Verwaltungsschrift bis in alle Winkel des römischen Imperiums verbreitet. Somit war es möglich, dass germanische Stämme selbst im abgelegenen südskandinavischen Raum durch Kontakte mit der römischen Kultur (über Händler, Geiseln, Söldner, Besucher etc.) die lateinische Capitalis Monumentalis der Kaiserzeit kennen lernen und davon angeregt eine eigene Schrift entwickeln konnten. Für diese These sprechen einzelne Übereinstimmungen von Zeichenformen (unzweifelhaft sind F, R und B). Viele Runologen gehen heute von der Latein-These aus.
Griechische These
Nur mehr wissenschaftsgeschichtlich relevant sind mehrere Versuche, die Entstehung der Runen den Goten im Schwarzmeergebiet (heutige Ukraine) zuzuschreiben. Vorbild soll hier entweder im 2./3. Jahrhundert n. Chr. eine ostgriechische Minuskelschrift oder ein archaisches griechisches Alphabet des 6. Jahrhunderts v. Chr. (!) gewesen sein. Diese Thesen sind weitestgehend aufgegeben worden, denn die ältesten skandinavischen Runendenkmäler sind nach archäologischer Datierung bereits entstanden, bevor die Goten in Kontakt mit dem römischen Weltreich kamen. Auch aus sprachhistorischen (linguistischen) Gründen scheidet diese Auffassung aus: die älteste Runenreihe reflektiert eindeutig nordgermanische bzw. noch gemeingermanische und keine bereits ausdifferenzierten ostgermanischen Lautverhältnisse.
Runenreihen
Die älteste Runenreihe
Die älteste überlieferte Runenreihe (nach den ersten sechs Buchstaben futhark genannt) bestand aus 24 Zeichen, die in drei Abschnitte (später im Altnordischen als aettir bezeichnet) eingeteilt waren. Sie war anfangs nur bei nordgermanischen Stämmen, in der Völkerwanderungszeit vereinzelt auch bei Ostgermanen (vor allem Goten, ab 3. Jh.?) und Westgermanen (ab 5. Jh.) in Benutzung. Etwa 350 Inschriften in dieser ältesten Runenreihe wurden bislang entdeckt. Alle jüngeren Runenreihen ab etwa 700 leiten sich vom älteren Futhark ab.
Jedes Graphem (Buchstabe) entspricht einem Phonem (Laut). Für das ältere Futhark besteht vor ca. 550 bis 650 eine bemerkenswert gute Übereinstimmung zwischen dem Zeicheninventar und dem Phoneminventar der damit geschriebenen gemeingermanischen bzw. runennordischen Sprache oder Sprachen. Nur die Verdoppelung der I-Rune (Eis und Eibe) muss ein Relikt einer früheren Sprachstufe sein und ist wohl ein Beweis dafür, dass das 24-buchstabige Futhark bereits eine Zeit lang vor den ersten überlieferten Inschriften entstand.
Hinweis zur Tabelle: Namen sind in gemeingermanischem, so nirgends belegtem Lautstand rekonstruiert. Vokale mit Balken bezeichnen lange Vokale, alle anderen Vokale sind kurz.
Balken
Ein Charakteristikum der germanischen Runenschrift ist, dass jede Rune einen Namen trägt, gewöhnlich ein bedeutungsvolles Wort, das mit dem jeweiligen Laut beginnt; so hieß die Rune für f Fehu, das heißt "Vieh, beweglicher Besitz, Reichtum". Für das älteste Futhark sind diese Runennamen nicht überliefert. Sie können erschlossen werden, weil die Namen sich weitgehend übereinstimmend bei allen jüngeren Runenreihen der germanischen Stämme finden; Wulfila übertrug sie möglicherweise sogar auf die gotische Schrift, die keine Runenschrift war. Im 9. und 10. Jahrhundert, als Runen außerhalb Skandinaviens überhaupt nicht mehr im Gebrauch waren, zeichneten klösterliche Gelehrte sowohl in England wie auf dem Kontinent mehrfach die verschiedenen Runenreihen mit Namen ([http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runennam.htm Übersicht]) oder in Form von Runenmerkversen auf. Aus diesen Quellen werden die Runennamen des ältesten Futhark rekonstruiert; nicht alle Formen sind jedoch unumstritten.
Bis zum 7. Jahrhundert hatten sich die Lautsysteme in den germanischen Einzelsprachen deutlich verändert. Zuvor unterschiedene Laute fielen zusammen, neue Vokale bildeten sich. Dies führte zwangsläufig dazu, dass die Laut-Buchstaben-Zuordnung des älteren Futhark nicht mehr stimmig war. So entwickelten die einzelnen Sprachen und Dialekte jeweils eigene Runenreihen.
gotische Schrift
Die angelsächsische Runenreihe
gotische Schrift
Die Angelsachsen erweiterten das Futhark aufgrund der reichen Entwicklung des Vokalismus im Altenglischen schrittweise auf 33 Zeichen (davon sind nebenstehend nur die wirklich auch verwendeten abgebildet). Das 33-buchstabige Futhork war in dieser Form im 9. Jahrhundert ausgebildet. Es wurde außer in handschriftlichen Aufzeichnungen auch in northumbrischen Inschriften verwendet.
Das längere Nebeneinander von Runen und Lateinschrift im 7. bis 10. Jahrhundert führte in England dazu, dass für Laute der angelsächsischen Sprache, die im lateinischen Alphabet keine Entsprechung hatten, die entsprechenden Runen quasi weiterverwendet wurden. Auf diese Weise gelangten die thorn-Rune als Schreibung für /th/ und die wen- oder wynn-Rune (Ƿ ƿ) für das bilabiale /w/ in die lateinische Schrift.
Die altnordische Runenreihe
angelsächsischen Sprache
angelsächsischen Sprache
Auch in Skandinavien war das Futhark Veränderungen unterzogen: Es wurde im 7. bis 8. Jahrhundert auf 16 Runen (f u th o r k : h n i a s : t b l m R) reduziert. Dabei mussten dann einzelne Runen zahlreiche verschiedene Lautwerte bezeichnen: die u-Rune etwa u, y, o, ö und w. Diesen Verlust an Zeichen glich man am Ende des 10. Jahrhunderts mit der Einführung von Punktierungen aus; später gab es auch noch andere Systeme, die sogar für Laute wie Q eine Rune einführten. Im hohen Mittelalter entsteht so, von Norwegen ausgehend, eine punktierte Runenreihe in alphabetischer Reihenfolge, bei der jeder lateinische Buchstabe eine Entsprechung hat. Das erste datierte Zeugnis für die Verwendung des vollständig punktierten Runenalphabets findet sich auf der kleineren Kirchenglocke von Saleby (Westgötland), deren Inschrift das Jahr 1228 angibt.
Vielleicht aufgrund der größeren Wertschätzung für die alte vorchristliche Mythologie und Überlieferung (man denke an die Edda) blieben die Runen in Skandinavien neben der lateinischen Schrift in Gebrauch. Erst im 19. Jahrhundert wurden sie endgültig verdrängt, während dieser Prozess in den anderen germanischen Gebieten teils schon im 7., teils im 11. Jahrhundert abgeschlossen war.
"Antiquarische" Runenalphabete des frühen Mittelalters
Edda
Schon sehr früh, nachdem sie außer Gebrauch kamen, wurden Runenreihen von lateinkundigen Kirchenmännern als enzyklopädische Kuriositäten und vermeintliche Geheimschriften gesammelt - man stellte die Runen dem griechischen, hebräischen und "chaldäischen" Alphabet an die Seite, den Tironischen Noten und dem Phantasiealphabet des Aethicus Ister. Besonders das Kloster Fulda mit seiner starken insularen Tradition pflegte im 9. Jahrhundert, wie es scheint, einen Forschungs- und Sammelschwerpunkt 'Runica'.
In einigen Handschriften aus dem 8./9. Jahrhundert vorwiegend aus Süddeutschland ist in einer Abhandlung "Über die Erfindung der Buchstaben" (De inventione litterarum) ein merkwürdiges Runenalphabet in der Reihenfolge der lateinischen Buchstaben überliefert. Es stellt eine Mischung aus Zeichen des älteren Futhark mit angelsächsischen Zeichen dar und soll auf Hrabanus Maurus, den Abt von Fulda und Alkuin-Schüler, zurückgehen. Da diese Reihe (die früher irreführend als „Markomannische Runen“ bezeichnet wurde) nur in einigen Handschriften, aber nirgends inschriftlich vorkommt, dürfte sie wohl nur ein Versuch der Mönche gewesen sein, allen Buchstaben der lateinischen Schrift Runenzeichen zuzuordnen.
Beginn des
[http://wikisource.org/wiki/Rune_poems#The_Abecedarium_Nordmannicum Abecedarium Nordmannicum]
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feu forman
ur after
thuris thritten stabu
os is th(em)o oboro ...
Vieh zuerst,
Ur danach,
Thurse als dritten Stab,
Ans ist rechts davon ...
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In derselben Alkuin-Handschrift, in der sich ein gotisches Alphabet und gotische Textbeispiele aufgezeichnet finden (Wien, Ms. 795, spätes 8. Jh.?), ist auch ein 28-buchstabiges angelsächsisches Futhork mit Runennamen überliefert.
Daneben existiert eine Reihe von Gedichten, in denen die Reihenfolge, die Namen und die Bedeutung der Runen in eine memorierbare Form gebracht waren: Das sogenannte Abecedarium Nordmannicum (9. Jh., Handschrift Walahfrid Strabos) in einem Gemisch von Niederdeutsch, Hochdeutsch, Angelsächsisch und Nordisch, das angelsächsische Runengedicht in 94 Stabreimversen, ein norwegisches und ein isländisches Runengedicht (13. und 15. Jh.), sowie in der Edda die Rúnatal ("Runenrede") in der Sigrdrífomál und die Rúnatals Þáttr Óðins ("Odins Runenmagie") in den Hávamál.
Verwendungen der Runen
Runen als Begriffszeichen
Der "Name" der einzelnen Runenzeichen konnte auch als eine Art Symbolbedeutung verwendet werden. Das Einzelzeichen o konnte also für "Erbbesitz" stehen. Man spricht in diesem Fall von Begriffsrunen. Diese Technik findet sich unsystematisch fortgesetzt in der Praxis mittelalterlicher Schreiber, besonders in altenglischen und altisländischen Handschriften. Dort können bestimmte Einzelrunen inmitten des lateinschriftlichen Texts wie Logogramme gebraucht werden: die M-Rune kann für altengl. man, mon ("Mensch, Mann") oder für altisl. maðr ("Mensch, Mann") stehen.
Runen als magische Zeichen
Schriftgebrauch wurde in allen archaischen Kulturen (auch) als Medium magischer Macht und Aura angesehen. Viele der alten Kulturen hielten ihre Schrift (selten aber ihre Sprache!) für die Erfindung oder das Geschenk eines Gottes. Zweifellos waren auch die Runen, zumal in ältester Zeit, mit sakralen und religiösen Zwecken verbunden (Grabinschriften, Opfer an Götter, glückbringende Waffen'taufen', Amulette etc.). Eine magische Funktion der Runen wird schon nahegelegt durch die zahlreichen Inschriften, die die Runenreihe (f u th a r k ..., oft ergänzt durch die Runenmeister-Signatur) enthalten. Einen Mitteilungswert besitzt diese Zeichenfolge nicht - sie muss als Schriftmagie und/oder als Ausdruck eines Bewusstseins, dass Schrift an sich einen Eigenwert habe, gelten. Auch der Name der Runen, der "Geheimnis" bedeutet, bezeugt diese Aura.
Ob es allerdings zulässig ist, Runen mit Orakelbräuchen in Verbindung zu bringen, ist unsicher. Ein frühes Zeugnis über das germanische Losorakel ist im 10. Kapitel der Germania des Tacitus erhalten. Man streute mit "gewissen Zeichen" (notis quibusdam) bezeichnete hölzerne Stäbchen auf ein weißes Tuch. Darauf wurden auf gut Glück drei dieser Stäbchen aufgehoben und gedeutet. Dies wurde nacheinander dreimal durchgeführt. Ob es sich bei diesen Zeichen (1. Jahrhundert) aber schon um Vorläufer der Runenschrift oder sogar schon um eigentliche Runen handelte, ist kaum bestimmbar.
1. Jahrhundert als göttlicher Heiler]]
Die Verwendung der Runen zu magischen Zwecken ist besonders im Norden bezeugt. Als Begriffsrunen bedeuteten z. B. Vieh, (gutes) Jahr, Gabe, Ritt einen entsprechenden Segenswunsch, umgekehrt sollten Not, Geschwür eine Befürchtung bannen oder einen Fluch aussprechen. Viele frühe Inschriften bestehen aus einem einzigen Wort wie alu, laukaz, laþu, was man meist als magische Formeln („Heil“, „Gedeihen“) versteht. In den jüngeren skandinavischen Denkmälern werden Zauberrunen für bestimmte Zwecke erwähnt, so Siegrunen, Bierrunen, Bergerunen (zur Geburtshilfe), Seerunen (zum Schutz der Schiffe), Rederunen (um klug zu sprechen), Löserunen (bei Gefangenschaft), Runen zum Besprechen (Stumpfmachen) der Schwerter und dergleichen.
Der Gott des Runenwissens und der Runenmagie ist Odin. Ein Götterlied der Lieder-Edda erzählt, wie Odin sich selbst opferte und neun Tage kopfüber in einem Baum (der Weltesche Yggdrasil) hing, bevor er Kenntnis von der Macht der Runen gewann und sich befreien konnte. Im weiteren Verlauf des Liedes werden magische Kräfte der Runen beschrieben und schließlich 18 Zaubersprüche genannt. Ein anderes Lied der Edda, Skirnirs Fahrt, kulminiert in der eindrucksvollen (angedrohten) Verfluchung einer sich verweigernden Frau. Dazu ritzt Skirnir, Diener des Gottes Freyr, während er den Fluch spricht, einen Thursen (d.h. die th-Rune) und der Runen drei: Argheit und Unrast und Irresein. Erstaunlicherweise handelt es sich dabei um einen Fluch zum Zwecke sexueller Nötigung: Skirnir droht dem Opfer, falls es sich nicht mit Freyr einlasse.
Fluch-Sage]]
Runen als Schrift
Zu zusammenhängender Schrift sind die Runen von den Germanen des Kontinents nur in geringem Umfang gebraucht worden. Runensteine gibt es in Mitteleuropa nicht. Die einzigen dort erhaltenen Runenritzungen finden sich auf Schmuck, Waffen und (seltener) auf Gebrauchsgegenständen. Auch in England war die Verwendung von Runen zu diesem Zweck nicht häufig: Das umfangreichste Denkmal, die Inschrift auf dem Kreuz von Ruthwell, stammt bereits aus christlicher Zeit.
Die Runenschnitzerei auf dem Walbeinkästchen von Auzon (auch Franks Casket) gibt altenglische Stabreimverse wieder, die frühesten überhaupt überlieferten. Dieses in Nordengland um 650 entstandene Stück gehört zu den eindrucksvollsten kunsthandwerklichen Schöpfungen der germanischen Zeit.
Die Runen in Mitteleuropa
In Mitteleuropa tauchen die ersten Runen erst zu Beginn des 6. Jahrhunderts, dann jedoch regional und zeitlich stark gehäuft, auf. Vor allem bei den Alemannen und am Mittelrhein (heutiges Südwestdeutschland) finden sich relativ viele Runenritzungen. Charakteristisch ist, dass Runen nur dort vorkommen, wo germanisch sprechende Menschen lebten (im Westen bis Charnay, Burgund, vgl. Burgunden). Auch die Inschriften, soweit sie deut- und lesbar sind, sind immer in germanischer Sprache gehalten. Bisher kennt man ca. 80 Inschriften, die fast ausschließlich von Gegenständen aus Gräbern stammen. Zumeist handelt es sich dabei um Schmuck der Frauen (Fibeln, „Sicherheitsnadeln“, ursprünglich zum Verschließen von Gewändern) oder, weit seltener, Gürtel- und Waffenteile bei den Männern. Daneben gibt es jedoch auch sehr selten organische Gegenstände aus Holz und Knochen. Da fast sämtliche Runenfunde aus Gräbern stammen und sich dort Metallgegenstände weit besser erhalten als z. B. Holz, darf man daraus nicht unbedingt schließen, dass bevorzugt Metallgegenstände zum Runenritzen benutzt wurden. Auch die deutliche Überzahl von Frauengräbern mit Runengegenständen dürfte auf den Umstand zurückzuführen sein, dass sich Ritzungen besonders gut bei Edel- und Buntmetallschmuckstücken erhalten und entdecken lassen, besser als dies bei den viel stärker korrodierten eisernen Waffen- und Gürtelteilen der Männer der Fall ist.
Der Gebrauch der Runen war in Mitteleuropa aber nur von kurzer Dauer, denn spätestens nach der Mitte des 7. Jahrhunderts finden sich keine Runen mehr. Besonders zahlreich treten Runenritzungen zwischen 550 und 600 n. Chr. auf.
Inhalte
Die Inschriften sind kurz, häufig nur ein Wort, manchmal nur eine einzelne Rune. Die längsten Inschriften (Neudingen, Pforzen) sind gerade einmal ein bis zwei Sätze lang. Häufig sind die Inschriften nicht deutlich erkennbar oder lesbar. Neben den Einzelrunen gibt es „falsch“ geschriebene Runen und Pseudorunen (ein Versuch zu schreiben, ohne es wirklich zu können?).
Selbst wenn die Inschrift gut zu erkennen und länger ist, gibt es unter den Wissenschaftlern oft kaum eine einhellige Meinung zu einer Übersetzung des Inhaltes. Deutlicher ist z. B. der Holzstab (Teil eines Webstuhls) aus Neudingen (Baden-Württemberg): „lbi (ergänzt zu leub/liubi) : imuba : hamale : blithguth uraitruna“ (Liebes der Imuba: (von) Hamale: Blithgund ritzte/schrieb die Runen) oder die Fibel von Bad Krozingen (Baden-Württemberg) „Boba leub Agerike“ (Boba liebt den Agerich).
Magisches
Anders als bei den skandinavischen Funden lässt sich im mitteleuropäischen Raum kaum eine Inschrift als magisch oder Zauberformel deuten. Es handelt sich meist um eher profane private Vermerke, Liebesbezeugungen oder Schenkungswidmungen. Nicht wenige der Ritzungen tragen die Signatur einer Frau.
Auf den Brakteaten von Hüfingen (Baden-Württemberg) finden sich die Formelwörter „alu“ (Ale/Bier = Gesundheit/Schutz?) und „ota“ (Schrecken/Abwehr?), die auch aus dem Norden bekannt sind. Möglicherweise handelt es sich hierbei um magische Formelwörter, die Unheil abwehren und Gedeihen herbeiwünschen sollen.
Auf der Fibel von Beuchte (Niedersachsen, 6. Jh.) finden sich zwei Inschriften (1. Buirso, wohl der Name des Runenmeisters, 2. die Futhark-Reihe von f bis r, erweitert um z und j), wobei die eine im Gegensatz zur Fibel keine Abnutzungsspuren aufweist und womöglich erst nach dem Tode der Trägerin eingeritzt worden war (die Futhark-Reihe, also die ersten acht Zeichen, als „Alphabet“-Zauber, die quasi als magische „Formel“ gilt?). Dies könnte darauf hindeuten, dass die Inschrift zur Abwehr eines „Wiedergängers“ gedacht war.
Religiöses
Auf der Fibel von Nordendorf bei Augsburg (Anf. 7. Jh.) wird eine Göttertrias genannt:
„Logathore, Wodan, Wigi-Thonar“ (Wigi-Thonar = Weihe-Donar/Thor).
Es würde sich um die aus späteren Quellen bekannten germanischen Götter Donar/Thor und Wodan/Odin handeln. Logathore könnte ein dritter, lokaler Gott gewesen sein (Loki?).
K. Düwel liest logathore jedoch als „Ränkeschmiede/Zauberer“ und deutet die Inschrift als „Ränkeschmiede/Zauberer (sind) Weihe-Donar und Wodan“. Dies wäre dann eine Verdammung der alten Götter und ein Hinweis auf den neuen christlichen Glauben der Trägerin. U. Schwab hingegen liest „Zauberer/zauberhaft (im positiven Sinne) (sind) Weihe-Donar und Wodan“, womit dann wieder eine Deutung als Anhängerin des alten Glaubens gegeben wäre.
In einigen Fällen sind Formeln bezeugt, die als die Abwendung von heidnischen Gottheiten gelesen werden können. Auf der Scheibenfibel von Osthofen ist mit der Inschrift "Gott mit dir, Theophilus (=Gott-Freund)" die Wendung zum Christentum deutlich vollzogen.
In einem Kirchengrab in Arlon (Belgien) fand sich eine (christliche/Kreuzdarstellung) Amulettkapsel mit Runen, die recht eindeutig die dort bestattete Tote als Christin ausweist.
Ende der Runenritzungen
Warum der Brauch, Runen zu ritzen, in Mitteleuropa im 7. Jahrhundert ausstarb, ist nicht geklärt. Wenig wahrscheinlich ist ein Verbot durch die Kirche bzw. wegen der durchgreifenden Christianisierung dieser Gebiete, da zum einen kein solches Verbot überliefert ist und einige Bestattete mit Runengegenständen anscheinend schon Christen waren (Arlon, Kirchheim). Zudem arrangierte sich die Kirche in England und Skandinavien recht zwanglos mit Runen als Schrift.
Da die Runen nur für einen recht kurzen Zeitraum in Gebrauch waren (ca. zwei bis drei Generationen) und die Inschriften oftmals eine unsichere Hand (Schreiben nicht richtig erlernt oder verlernt) verraten, war die Kenntnis vermutlich nie fest verwurzelt. Statt dessen wechselte man, wohl unter dem Einfluss der Kirchen und Klöster, auf die gebräuchlichere und „internationalere“ lateinische Schrift über.
Interessanter ist die Frage, warum die Germanen Mitteleuropas überhaupt erst fast 400 Jahre, nachdem die ersten Runen in Skandinavien benutzt wurden, dieses Schriftsystem übernahmen und nicht gleich (oder früher) die lateinische Schrift der benachbarten römischen Gebiete.
Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang der Umstand, dass die Runen hier erstmals auftauchen, als die Gebiete in das Frankenreich eingegliedert wurden (Alemannen 496/506/535, Thüringer 529/532). Eine These lautet, dass nach dem Fall des Thüringerreichs 531 die 'romanisch' geprägten Franken und Alemannen zu direkten Nachbarn der Sachsen wurden und der Austausch zwischen Nord und Süd sich intensivierte.
Vielleicht erklärt sich auch die Übernahme der Runen durch die sogenannte "Nordische" Modewelle mit der viele Elemente und Formen (Fibelformen, Brakteaten, Verzierungen im Tierstil I und II) verstärkt ab ca. 530 n. Chr. von Skandinavien nach Mitteleuropa gelangten bzw. dort kopiert wurden und zu eigenen Formen anregte (kontinentaler Tierstil II)(man bedenke auch die Formelwörter alu und ota auf den Hüfinger Brakteaten, die häufig in Skandinavien vorkommen). Warum diese Elemente nach Mitteleuropa gelangten, ist noch nicht hinreichend erklärt. Es könnte sich um intensiviertere Handelsbeziehungen handeln und engere soziale Kontakte (Heiratsbeziehungen, Einwanderung, Wanderhandwerker, Krieger die sich neue Gefolgschaftsherren auf dem Festland anschlossen). Eine weitere These lautet, dass diese "nordischen" Elemente gezielt von einigen germanischen Gruppen übernommen wurde, um sich eine eigene Identität zu geben und diese nach aussen (eventl. gegen die eher romanisierten Gebiete/Gruppen und die Einflüsse aus dem Mittelmeerraum)zu demonstrieren und sich dadurch abzugrenzen.
Die Runen in Skandinavien
Im skandinavischen Norden, wohin die lateinische Schrift erst im Mittelalter im Zuge der Christianisierung gelangte, haben die Runen dagegen sehr ausgedehnte Verwendung gefunden, besonders bei Grabinschriften oder zum Andenken an Familienangehörige auf Runensteinen. Aus der Zeit des älteren Futharks hat die Inschrift auf dem kleineren der Goldhörner von Gallehus große Berühmtheit erlangt.
Goldhörner von Gallehus]
Die Inschriften im kürzeren Futhark beginnen etwa um 800; Beispiele dafür sind die Steine von Helnäs und Flemlöse auf Fünen. Ganz sicher datierbar sind jedoch erst die zweifellos jüngeren Iällingesteine aus dem 10. Jahrhundert. Sie sind in Schweden besonders zahlreich und reichen bis in spätere Zeit hinauf, auf Gotland bis ins 16. Jahrhundert; einige (beispielsweise der Karlevistein auf Öland und der Rökstein in Östergötland) enthalten stabreimende Verse. Diese jüngeren Inschriften aus der Wikingerzeit machen mit über 5000 den Hauptanteil aller erhaltenen Runendenkmäler aus. Allein im schwedischen Uppland finden sich 1200 Runensteine. Der Gebrauch der Runen zu literarischen Zwecken, also in Handschriften, ist dagegen selten und wohl nur als eine gelehrte Spielerei zu betrachten. Das umfangreichste Denkmal war der sogenannte Codex runicus mit dem schonischen Recht aus dem 14. Jahrhundert. Besonders lange wurden Runen auf Kalenderstäben gebraucht.
Da Mythen, Sagen und epische Lieder mündlich überliefert wurden und die isländischen Prosa-Sagas von Anfang an eine (latein)schriftliche Textgattung waren, spielten Runen als Medium literarischer Überlieferung kaum eine Rolle. Aber nicht nur die große Verbreitung von Inschriften macht es wahrscheinlich, dass zumindest in der wohlhabenden Oberschicht Skandinaviens ein recht großer Teil der Menschen Runen lesen und schreiben konnte. Runen dienten oft auch profanen Zwecken. Dazu zählen Besitzmarken, mit denen Handelswaren und anderes Eigentum gekennzeichnet wurden, geschäftliche Mitteilungen, aber auch Gelegenheitsinschriften in Form von kurzen privaten Botschaften, wie zum Beispiel die Aufforderung „kysmik“ (küss mich), die im Oslo des 11. Jahrhunderts auf einen Knochen geritzt wurde. In Byzanz hinterließen mehrere nordische Reisende, möglicherweise Krieger der kaiserlichen Warägergarde, Runengraffitos auf Galerien der Hagia Sophia.
Das isländische Alphabet enthält bis heute ein Zeichen, das ursprünglich aus der Runenschrift stammt: Þ steht für den stimmlosen th-Laut (wie beispielsweise im englischen Wort „thing“).
Runen in der Neuzeit
Þ
Beginn der wissenschaftlichen Erforschung
Die Runen gerieten nie in völlige Vergessenheit. Die wissenschaftliche Befassung mit Runendenkmälern und der Runenschrift hielt sich das ganze Mittelalter hindurch, bis zum Humanismus auf denselben Gleisen wie die enzyklopädische und geschichtswissenschaftliche Beschäftigung mit anderen Altertümern. Humanisten wie der Schweizer Melchior Goldast fahnden in mittelalterlichen Manuskripten nach der Geschichtsüberlieferung des eigenen 'Stammes', wenn sie althochdeutsche Texte ebenso abdrucken wie die klösterlichen Runentraktate des 9. Jahrhunderts (s. Abb.). Im Norden konnte sich die Aufmerksamkeit auf die inschriftlichen Denkmäler selbst richten. Seit dem 16. Jahrhundert wurden gelehrte Sammlungen und Studien veröffentlicht, allerdings erscheinen die Herleitungen der Schrift z.B. aus der Zeit der Sintflut (Johan Magnus, 1554) oder von der hebräischen Schrift (Ole Worm, 1639) doch eher kurios. Johan Göranssons Bautil von 1750 ist mit seinen Abbildungen von 1200 schwedischen Runensteinen noch immer von Bedeutung, auch wenn er die These vertrat, die Runen seien um 2000 v.Chr. von einem Bruder Magogs in den Norden gebracht worden. Das verlorengegangene Goldhorn von Gallehus ist nur noch durch Stiche des 18. Jahrhunderts fassbar.
Heute ist die Runenkunde (Runologie) kein eigenständiges akademisches Fach, aber ein etabliertes Forschungsgebiet im Berührungsfeld von vergleichender Sprachwissenschaft, Nordistik, Geschichtswissenschaft und Archäologie.
Ideologische Vereinnahmungen
Als scheinbar autochthone, rein germanische Leistung waren die Runen anfällig für den Missbrauch für ideologische und politische Zwecke im Zeitalter des Nationalgedankens. Schon im 17. Jahrhundert entwickelten Dänemark und Schweden einen ahistorischen Stolz auf "ihre" Runen. Einer kulturkritischen Strömung am Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts, die sich in neuheidnischen und antisemitischen Tendenzen äußerte, kamen vorchristliche, „nordische“ Traditionen nur gelegen. Die Vereinnahmung der Rune für s (wie auch der nordischen Mythologie) durch die SS im deutschen 'Dritten Reich' und der Rune für o durch die Neonazis (siehe Rechtsextreme Symbole und Zeichen) ist dabei nur die bekannteste Form dieser ideologischen Indienstnahme.
Runen in der Esoterik-Szene
Noch zu ergänzen.
Literatur
- Klaus Düwel: Runenkunde. 3. vollst. erw. u. neu bearb. Aufl. Stuttgart: Metzler 2001. ISBN 347613072X
- Artikel "Runen", "R.dichtung", "R.fälschungen", "R.gedichte", "R.inschriften", "R.meister", "R.münzen", "R.namen", "R.reihen", "R.schrift", "R.steine". In: Reallexikon der germanischen Altertumskunde, Bd. 25 (2003), S. 499-596. ISBN 3-11-017733-1 (Beiträge von K. Düwel, H.-P. Naumann, A. Bauer, F.-X. Dillmann, R. I. Page, M. L. Nielsen, R. Nedoma, K. Fjellhammer Seim)
- René Derolez: Runica Manuscripta. The English Tradition. Brügge 1954 (Standardwerk über die 'Buchrunen')
- Heinz Klingenberg: Runenschrift – Schriftdenken – Runeninschriften. [Mit 78 Textfiguren und 63 Abbildungen auf 32 Kunstdrucktafeln.] Heidelberg: Carl Winter, 1973. ISBN 3533021815
- Robert Nedoma: Personennamen in südgermanischen Runeninschriften. Heidelberg: Winter 2004. ISBN 3825316467
- Alfred Becker: Franks Casket, Zu den Bildern und Inschriften des Runenkästchens von Auzon. Regensburger Arbeiten zur Anglistik und Amerikanistik, Bd. 5; Regensburg 1973. ISBN 3-418-0025-6
Siehe auch
- Ältere Skandinavistik
- Ungarische Runen, Orchon-Runen, Runenstein von Kensington
Weblinks
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- [http://www.runenprojekt.uni-kiel.de/beschreibung/1/default.htm Umfangreiche Runendatei mit weiterführender Literatur zu den einzelnen Inschriften] (Runenprojekt Uni Kiel)
- [http://ariadne.uio.no/runenews/ Nytt om runer - Jährliche Bibliographie sowie Neufunde mit Beschreibung und Abb. seit 1995] (Die führende Fachzeitschrift, Univ. Oslo)
- [http://www.omniglot.com/writing/runic.htm Beispiele germanischer Runen] (engl.)
- [http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runentab.htm Beispiele von Inschriften mit Runenreihen] [http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/germ/runinsc.htm Weitere Inschriften] (Titus, Uni Frankfurt)
- [http://www.thror.de Runen in den Werken von J.R.R Tolkien]
- [http://www.geocities.com/TimesSquare/Alley/1557/fonts1.htm Download von Runenfonts]
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Germanen
Als Germanen werden eine Anzahl von Völkern mit ähnlicher Sprache, Kultur, Abstammung und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die seit dem 2. Jahrtausend vor Christus bis bald nach der Zeitenwende in Nord- und Mitteleuropa lebten. Die germanischen Völker selbst bezeichneten sich zunächst nicht als Germanen und hatten wahrscheinlich im dünn besiedelten Mitteleuropa während der längsten Zeit ihrer Geschichte auch kein nationales Zusammengehörigkeitsgefühl. Von den Römern wurden sie oft als große Menschen mit blondem oder rotem Haar bezeichnet.
Ursprünge
Mitteleuropa
Die historischen Überlieferungen über die Germanen beginnen mit den Berichten antiker Schriftsteller im 2. und 1. Jahrhundert vor Christus.
Schrift und Sprache
:Hauptartikel: Germanische Sprachen
Erste eigene schriftliche Überlieferungen der Germanen setzen um 200 nach Christus mit den ältesten urnordischen Runeninschriften ein. Für die Zeit davor geben nur Archäologie und die vergleichende Sprachwissenschaft, Auskunft über die germanischen Völker.
Die Sprachwissenschaft konnte durch sorgfältigen Vergleich der germanischen Einzelsprachen untereinander (vor allem Gotisch, Althochdeutsch, Altenglisch und Altnordisch) und deren Vergleich mit anderen indoeuropäischen Sprachen die germanische Sprache (auch "Protogermanisch" oder "Gemeingermanisch") weitgehend rekonstruieren. Zu den wichtigsten Ergebnissen dieses doppelten Vergleichs gehört:
- In früheren Ansätzen der Sprachforschung wurde zwischen westlich-indoeuropäischen Kentum-Sprachen und östlich-indoeuropäischen Satem-Sprachen unterschieden. Im Rahmen dieser Unterscheidung wurde das Germanische mit dem Keltischen und dem Italischen zur Gruppe der Kentum-Sprachen geschlagen. Doch erwies sich der Ansatz einer älteren Sprachgemeinschaft (also einer gemeinsamen "Alteuropäischen Sprache") als nicht haltbar.
- Inzwischen werden Verzweigungsmodelle verwendet, die auch Einflüsse berücksichtigen, die sich durch räumliche Nähe und folgendem Kontakt von Sprechern minder verwandter Sprachen ergeben. Hierbei bildet das Protogermanische mit den Vorläufern der baltischen und slawischen Sprachen eine Dialektgruppe innerhalb der indoeuropäischen Sprachen.
- Das Protogermanische löst sich dann aus dieser Gruppe, wobei sich vermutlich starke Einflüsse einer uralischen Sprache - unter anderem gerundete Vokale (ä, ö, ü) - abzeichnen. Zudem weist das Protogermanische eine auffallend eigenwillige Verwendung (Slang) von Worten indoeuropäischen Ursprungs auf (Beispiel: sehen = [mit den Augen] folgen, vgl. Lateinisch sequi).
- Der protogermanische Wortschatz enthält viele Lehnworte nicht-indoeuropäischen Ursprungs, obwohl Schätzungen dieses Anteils von ehemals ein Drittel nach unten korrigiert wurden. Häufungen von Lehnworten gibt es besonders in den Bereichen sozialer Organisation sowie Navigation und Schifffahrt. Dies kann eine Entstehung als Substrat oder Einwanderersprache nahelegen.
- Nach der Herausbildung der protogermanischen Sprache bestanden Beziehungen insbesondere mit den keltischen Sprachen, was Lehnworte belegen. Auch das Finnische hat bereits früh mehrere germanische Worte entlehnt und in nahezu unveränderter Form bis heute bewahrt, so die Worte kuningas (König) - Germanisch: kuningaz - und rengas (Ring) - Germanisch: hrengaz; in beiden Worten steht z für stimmhaftes s.
Begriffsbildung
Finnische
Die Verwendung des Begriffs "Germanen" ist erstmals vom griechischen Geschichtsschreiber Poseidonios um das Jahr 80 v. Chr. überliefert. Bedeutung und Herkunft des Wortes "Germane(n)" sind immer noch umstritten. Es bieten sich folgende Interpretationen an:
- Es handelt sich ursprünglich um den Namen eines einzelnen, nicht näher bekannten Stammes. So könnte der Name eines kleinen Volksstammes letztlich auf eine ganze Völkerfamilie übertragen worden sein.
- Historisch gesichert ist, dass Gaius Julius Caesar in seinem Buch De bello gallico („Der Gallische Krieg“, 51 v. Chr.) den Namen dokumentarisch festgeschrieben und damit auch weiter verbreitet hat. Damit wurde der Begriff auf alle rechtsrheinischen Völker angewendet. Bis dahin wurden die in Mitteleuropa ansässigen Völker durch die Griechen in Kelten (Westeuropa), und Skythen (Osteuropa) eingeteilt. Erst mit Caesar erkannten auch die Römer, dass es sich bei den Germanen nicht um einen Teil der Kelten handelte, sondern um eine eigene Völkerfamilie.
- Die Etymologie ger-mann - zu ger "Wurfspieß, Speer" - ist weit verbreitet, aber nicht haltbar.
- Eine mögliche gemeingermanische Wortbedeutung von "Ger" ist bisher weder überliefert noch erschlossen. Somit wäre unwahrscheinlich, dass der Begriff aus einer (germanischen) Selbstbezeichnung abgeleitet wurde. Der römischen Historiker Tacitus schreibt dagegen in seinem Buch De origine et situ Germanorum („Über den Ursprung und den Lebensraum der Germanen“, Jahr ca. 98; 2. Kapitel), dass der Name „Germanen“ noch relativ neu sei. Man habe den Namen zunächst für die Tungrer benutzt und anschließend auf alle germanischen Stämme übertragen; Tacitus zufolge seien alle rechtsrheinischen Stämme zuerst von den Galliern als Germanen im umfassenden Sinn bezeichnet worden, was auf eine keltische Herkunft des Wortes hindeutet. Diesen Namen hätten die Volksstämme später auch für sich selber verwendet. In seinem Buch findet sich auch die einzige detaillierte Beschreibung des Germaniens jener Zeit, wo die einzelnen Stämme und Völker zwischen Rhein und Weichsel sowie Donau und Nord- bzw. Ostsee aufgeführt sind.
Gallier
Neueste Theorien vermuten aufgrund der Namensgebung von Flüssen und Ortschaften, dass der Entstehungsort der germanischen Kultur im Raum nördlich der deutschen Mittelgebirge gelegen haben könnte. Die Mehrheit der Wissenschaftler teilt diese Theorie jedoch nicht.
Von Germanen kann im archäologischen Sinne erst zu der Zeit ganz sicher gesprochen werden, in denen sie in den schriftlichen Quellen erscheinen. Ein "Rückrechnen" und die Suche nach sogenannten "Ur-Germanen" der Stein- und Bronzezeit war in der archäologischen Forschung früher lange Zeit üblich. Diese mit dem Namen von Gustaf Kossinna verbundene Methode wurde nach dem Zweiten Weltkrieg völlig verworfen.
Germanische Lautverschiebung
Gustaf Kossinna
Jahrzehntelang wurde angenommen, die gemeinsame germanische Sprache (Urgermanisch, Protogermanisch), aus der später die einzelnen germanischen Sprachen entstanden, habe sich um 500 v. Chr. durch die germanische Lautverschiebung aus einem west-indogermanischen Dialekt gebildet. In dieser Lautverschiebung wandelte sich beispielsweise anlautendes k über ch (wie im Wort ach) zu h, ebenso p zu f und t zu th (gesprochen wie im Englischen). Ein anderes Merkmal, das alle germanischen Sprachen verbindet und sie von den italischen und keltischen Sprachen unterscheidet, ist die Veränderung des häufigen Kurzvokals o zu a und des Langvokals ā zu ō. Diese Veränderungen können nur stattgefunden haben, solange alle späteren Einzelstämme der Germanen noch in engem Austausch standen.
In der neueren und neuesten Forschung wird diese Lautverschiebung jedoch deutlich später angesetzt, nämlich im ersten Jahrhundert vor Christus. Hauptbeleg dafür ist der Stammesname der Kimbern, die im späten 2. Jahrhundert zusammen mit den Teutonen das Römische Reich von Norden her bedrohten (siehe unten). Beide Völker stammen aus dem Gebiet des heutigen Dänemark. Da der Name Kimbern in lateinischen Texten durchgehend cimbri geschrieben wird, nie chimbri oder gar himbri, während in späteren lateinischen Texten sonst ebenso konsequent beispielsweise chatti (Chatten, daraus Hessen), chauci, cherusci usw. geschrieben wird, wird heute mehrheitlich angenommen, dass die germanische ("erste") Lautverschiebung im späten 2. Jahrhundert vor Christus noch nicht stattgefunden hat, zumindest aber noch nicht abgeschlossen war. Dieser Befund wird durch einige früh überlieferte Ortsnamen gestützt.
Diese Einschätzung hat für die Historische Linguistik recht weitreichende Folgen, etwa für die Datierung des Vernerschen Gesetzes. Die bislang in der Literatur als "Germanisch" bzw. "Gemeingermanisch" bezeichnete Sprache (mit bereits durchgeführter erster Lautverschiebung) bezeichnet demnach nur den - in zügigem Umbruch befindlichen - Sprachzustand kurz vor dem Ende der germanischen Spracheinheit um bzw. kurz vor der Zeitenwende. In den Jahrhunderten davor wurde von den früheren Germanen dagegen ein dem Indoeuropäischen weit ähnlicheres Idiom gesprochen, das nicht überliefert ist, aber in seinen Grundzügen ebenfalls erschlossen werden kann.
Geschichte
Älteste historische Berichte über die Germanen stammen von Begegnungen mit den Griechen und dem Römischen Reich.
Bereits der griechische Reisende Pytheas aus Marseille berichtete um 330 v. Chr. über die Länder um die Nordsee und die dort lebenden Völker.
Die ostgermanischen Bastarnen drangen ab ca. 200 v. Chr. nach Südosten in das heutige Ostrumänien vor und wurden ab 179 v. Chr. in Kämpfe der Makedonen und anderer Völker auf dem Balkan verwickelt.
Der Marsch der Kimbern, Teutonen und Ambronen
Um 120 v. Chr. brachen Kimbern, Teutonen und Ambronen in Richtung Süden auf. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt: Die historischen Quellen berichten von einer Sturmflut in Jütland, aufgrund derer die Einwohner ihre Heimat verließen. Allerdings vermutet man heute, dass vielmehr Hungersnöte aufgrund klimatischer Veränderungen dafür verantwortlich waren.
Um 113 v. Chr. trafen die Germanenstämme auf die Römer. Bei der folgenden Schlacht (auch als Schlacht von Noreia bezeichnet) entgingen die Römer der völligen Vernichtung ihrer Truppen nur durch ein plötzlich einsetzendes Gewitter, welches die Germanen als ein warnendes Omen (Grollen) ihres Wettergottes Donar interpretierten.
Um 109 v. Chr., 107 v. Chr. und 105 v. Chr. kam es noch weitere Male zu Kämpfen zwischen den Römern und den Germanen, bei denen die Römer jedes Mal eine Niederlage erlitten. Erst nachdem sich die germanischen Stämme in zwei Gruppen aufgeteilt hatten, gelang es den Römern 102 v. Chr., die Teutonen und Ambronen zu besiegen, 101 v. Chr. die Kimbern.
Ausführlicher Beschreibung siehe auch Artikel Kimbern
Kimbern
Ariovist und Caesar
Der Durchbruch der Kimbern und Teutonen durch das damals noch keltische Mittelgebirge führte zur Erschütterung der keltischen Macht in Mittel- und Süddeutschland, so dass später auch andere Germanen, insbesondere Suebische Stämme, in Hessen und das Maingebiet eindringen konnten. Unter ihrem Führer Ariovist drangen sie u.a. in Gallien ein, wurden jedoch durch Gaius Julius Caesar 58 v. Chr. geschlagen und hinter den Rhein zurückgeworfen.
Im 1. vorchristlichen Jahrhundert machte die römische Eroberung Galliens durch Caesar die Germanen zu direkten Nachbarn des Römischen Reiches. Dieser Kontakt führte in der darauffolgenden Zeit zu ständigen Konflikten: Immer wieder kam es zu Übergriffen der Germanen auf die Römer. Im Gegenzug führte Caesar in den Jahren 55 und 53 v. Chr. Strafexpeditionen gegen die Germanen durch. Allerdings erkannte Caesar den Rhein als Grenzlinie zwischen Germanen und Römern an.
Vorstoß des Augustus bis zur Elbe
Auch in der Folgezeit kam die Rheingrenze nicht zur Ruhe. Der römische Kaiser Augustus beschloß deshalb die Verlagerung von Truppen an den Rhein, die bisher in Gallien stationiert waren.
Die Rheingrenze blieb dennoch unsicher, woraufhin Augustus seine Taktik änderte: Er beabsichtigte, das Römische Reich bis an die Elbe auszudehnen. Zwischen 12 und 9 v. Chr. führte Drusus, Stiefsohn von Augustus, mehrere Feldzüge gegen die Germanen durch und unterwarf die Friesen, Chauken, Brukterer, Marsen und Chatten. Trotz der Feldzüge des Drusus gerieten aber die wenigsten Germanenstämme wirklich in dauerhafte römische Abhängigkeit. Nachdem Drusus beim Rückzug bei einem Sturz von seinem Pferd gestorben war, setzte sein Bruder Tiberius 8 v. Chr. die Feldzüge fort. Im Jahre 4 n. Chr. gelang es ihm, die bis dahin aufständischen Cherusker zu unterwerfen. Nun galt Germanien bis zur Elbe als unterworfen, es wurden repräsentative römische Städte östlich des späteren Limes gegründet, beispielsweise im heutigen Waldgirmes in Hessen. Der lateinische Name dieser Siedlung ist sowenig bekannt wie etwa die lateinischen Namen der Kastelle in Haltern, Anreppen oder Marktbreit am Main.
Ein letzter großer Feldzug im Jahre 6 n. Chr. sollte das Reich des Markomannenkönigs Marbod in Böhmen zerschlagen. Er war kein Gegner Roms, legte jedoch Wert auf seine Unabhängigkeit. Eine Zerschlagung seines Reiches wäre wahrscheinlich der Schlussstein der römischen Unterwerfung der Germanen gewesen. Von Mainz mainaufwärts und dem Raum Wien Richtung Nordwesten bewegten sich zwei große römische Marschsäulen. Doch die Operation musste wegen eines überraschenden, großen Aufstandes in Pannonien, dem heutigen Ungarn, abgebrochen werden. Dennoch galt Germanien bis zur Elbe weiterhin als römische Provinz.
Die Varusschlacht
Pannonien
Nachdem der Widerstand der Germanen gebrochen schien, wurde Publius Quinctilius Varus damit beauftragt, in den Gebieten rechts des Rheins römisches Recht einzuführen und Steuern zu erheben. Als Statthalter war er gleichzeitig Oberbefehlshaber über die rheinischen Legionen. Varus, der sich zuvor in der römischen Provinz Syrien den Ruf eines brutalen und korrupten Verwaltungsfachmanns erworben hatte, brachte die Germanen bald gegen sich auf. Gegner der Besatzung ließ er mit aller Härte des römischen Rechts bestrafen. Die von ihm eingeführten Steuern wurden von den Germanen zudem als zutiefst ungerecht empfunden, da sie eine solche Abgabe nur für Unfreie kannten.
Unter diesen Umständen gelang es dem Cheruskerfürst Arminius, der die römischen Bürgerrechte und Ritterwürden besaß, mehrere germanische Stämme zu einen. Arminius nutzte das Vertrauen, das ihm Varus entgegenbrachte aus und lockte diesen in einen Hinterhalt. In der darauffolgenden Schlacht ("Varusschlacht" oder "Schlacht im Teutoburger Wald" genannt) verloren die Römer drei Legionen (etwa 15.000 Soldaten). Laut den Überlieferungen des Sueton soll Augustus daraufhin ausgerufen haben: "Quinctili Varus, legiones redde!" ("Quintilius Varus, gib mir die Legionen zurück!"). Der römische Eroberungsversuch scheiterte damit im Jahre 9 n. Chr. Germanien blieb danach bis zur Völkerwanderung von der römischen Kultur wenig beeinflusst.
Die Römisch-Germanischen Beziehungen nach der Varusschlacht
Unter Germanicus unternahmen die Römer zwischen 14 und 16 n. Chr. weitere Vorstöße über die Rheingrenze hinweg. Ob es sich dabei um Strafexpeditionen oder die Fortsetzung der römischen Expansionspläne handelte, ist umstritten.
In den Folgejahren kam es immer wieder zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Germanen und Römern: Im Jahr 29 schlugen die Römer einen Aufstand der bis dahin römerfreundlichen Friesen nieder. Im Jahr 69 mussten sogar Truppen aus Spanien und Britannien für Verstärkung herangezogen werden, um die Revolte der Bataver (Bataveraufstand) unter Führung des Iulius Civilis niederzuschlagen.
Im Jahre 83 entschloss sich Kaiser Domitian, die römische Grenze zwischen Rhein und Donau weiter gegen Norden zu verschieben. Nach Beendigung der Chattenkriege begannen die Römer mit dem Bau des Limes, der im Süden durch die so genannte Sybillenspur, den Lautertal-Limes, mit dem Alblimes verbunden war, um die Grenzen zwischen Germanien und dem römischen Reich zu sichern. Im selben Zeitraum entstanden die Provinzen Germania Superior (Obergermanien) und Germania Inferior (Untergermanien).
Neueste Forschungen (ab etwa 1995) deuten allerdings darauf hin, dass der Neckar-Odenwald-Limes nicht schon um 83/85 unter Domitian, sondern erst um das Jahr 98 unter Kaiser Trajan angelegt wurde. Vor allem fehlt bis heute auch nach über hundertjähriger Forschung ein zuverlässig datierter römischer Fund von der Neckar-Odenwald-Linie vor dem Jahre 98, sei es eine Inschrift, ein Militärdiplom oder ein dendrochronologisch datierbarer Holzfund. Außerdem passt der Neckar-Odenwald-Limes militärtechnisch zu anderen Anlagen aus der Zeit Kaiser Trajans, während für die Zeit Domitians ähnlich Parallelen fehlen.
Um das Jahr 122 wurde die römisch-germanische Grenze unter Kaiser Hadrian zwischen dem mittleren Neckar und der Donau bei Eining um etwa 20 bis 40 Kilometer nach Norden verschoben. Die letzte römische Expansion in Germanien, die Verschiebung des Neckar-Odenwald-Limes um rund 25 Kilometer nach Osten unter Kaiser Antoninus Pius, ist inzwischen recht sicher auf das Jahr 159 datierbar.
Die Markomannenkriege
Im 2. Jahrhundert n. Chr. fanden zwei entscheidende Veränderungen rechts des Rheins statt: Zum einen schlossen sich die zerstrittenen germanischen Stämme zu Großstämmen zusammen, zum anderen drückten die Germanen immer stärker gegen die römischen Grenzen.
167 fielen die Markomannen, Quaden, Langobarden, Vandalen, Jazygen und weitere Stämme in die römische Provinz Pannonien ein und lösten damit die Markomannenkriege (167 bis 180) aus. In insgesamt vier Feldzügen schlug der römische Kaiser Marc Aurel die Germanen vernichtend. Man vermutet, dass die Römer planten, zwei neue Provinzen einzurichten. Nach dem Tod Marc Aurels 180 kehrte sein Sohn Commodus jedoch wieder zur Defensivpolitik zurück und schloss Friedensverträge mit den Germanen.
Viele Historiker sehen die Markomannenkriege als die Vorboten der großen Völkerwanderung. Ausgelöst wurde der zunehmende Bevölkerungsdruck auf die römischen Grenzen durch die Wanderungen der Goten zum Schwarzen Meer und der Vandalen in Richtung Donau. Die Ursachen für diese aufkommende Wanderbewegung germanischer Stämme konnten bisher nicht geklärt werden, denkbar wären z.B. Hungersnöte.
Die germanischen Stämme
Versuche, die Germanenstämme, die zu dieser Zeit in Norddeutschland und Südskandinavien lebten, zu klassifizieren, führten zu Einteilungen in Nord-, West- und Ostgermanen oder auch Elb-, Wesergermanen.
Nordgermanen
Zu den Nordgermanen zählen die skandinavischen Stämme. Aus ihnen gingen später die Dänen, die Schweden, die Norweger und die Isländer hervor (siehe auch: Skandinavier). Archäologisch werden die Nordgermanen in die Ost- und Westnordische Gruppe aufgeteilt.
Westgermanen
Zu den Westgermanen zählen die:
- elbgermanischen Stämme (Sueben): Markomannen, Quaden, Hermunduren, Semnonen und Langobarden
- nordseegermanischen Stämme (bei Tacitus Ingaevonen): Chauken, Angeln, Warnen, Friesen, und Sachsen
- rheinwesergermanischen Stämme: Cherusker, Bataver, Brukterer, Chamaven, Chattuarier, Chatten, Ubier, Usipeter, Sigambrer, Angrivarier und Tenkterer (siehe auch Nordwestblock)
Ostgermanen
Zu den Ostgermanen südlich der Ostsee zählen ursprünglich die Goten, Vandalen, Burgunder, Heruler, Skiren, Bastarnen, Rugier, Gepiden und andere. Archäologisch werden die Ostgermanen in die folgenden Kulturgruppen eingeteilt: Przeworskkultur (im südlichen Polen), Wielbarkkultur (Willenbergkultur) oder Weichsel(mündungs)germanen(Weichselmündung) und die Odermündungsgruppe.
Durch den Einfall der Hunnen aus den Steppen Asiens und die verstärkte Ausbreitung der slawischen Völker aus der osteuropäischen Tiefebene wurden die Ostgermanen zunehmend gen Süden und Westen gedrängt, wo sie in Konflikt mit den dort ansässigen Stämmen gerieten.
Die Goten
Nach ihrem Herkunftsmythos entstammen die Goten der Insel Scandza im nördlichen Eismeer.
Um das Ende des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts verließen die Goten ihre Heimat in Südschweden, in Vester- und Östergotland und auf der Insel Gotland. Sie zogen über das Meer und ließen sich auf dem Gebiet des heutigen Polen nieder. Später, man weiß heute nicht mehr genau wann, dehnten sie sich entlang Weichsel und Dnister bis zum Schwarzmeer aus und errichteten dort, unter der Königdynastie der Amaler, zwischen Donau und Don das mächtige Reich der Ostgoten, welches bis zur Ostsee reichte.
Die staatliche Organisation der Goten gilt als straffer als die der übrigen Germanenstämme.
Die Goten lagen häufig mit den Römern im Konflikt, wurden jedoch nie unterworfen und besiegten 252 n. Chr. sogar ein ganzes römisches Heer.
Durch den Einfall der Hunnen aus den asiatischen Steppen um 375 n.Chr. wurde das Reich der Ostgoten zerstört bzw. fiel an die Hunnen. Die Ostgoten zogen nach Westen und siedelten im Raum des heutigen Ungarn. Fortan standen sie unter Waffengefolgschaft der Hunnen und zogen 451 n. Chr. bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern gegen die Westgoten (u.a. Burgunder) zu Felde, was auch im Nibelungenlied erzählt wird.
488 n.Chr. zog der ostgotische Kaiser Theoderich mit den Ostgoten nach Italien und besiegte den dortigen germanischen Herrscher Odoaker. Theoderich gründete daraufhin ein neues ostgotisches Reich in Italien.
Die Gefolgschaft Theoderichs bezeichnete sich als "theodisce" oder, nach dem Lied der Nibelungen, als "diete lit", was möglicherweise der sprachliche Ursprung unseres heutigen "deutsche" ist.
Wirtschaft
Die Germanen waren hauptsächlich sesshafte Bauern und gingen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Vorstellung, nur selten zur Jagd. Sie lebten hauptsächlich von der Eigenproduktion, aber neben der Landwirtschaft gab es auch Handwerker wie Schmiede, Töpfer und Tischler. Das Rad war bereits seit indoeuropäischer Zeit bekannt, es gab im Germanischen sogar zwei Worte dafür. Geld kannten die Germanen nicht, ihr Handel beschränkte sich auf reine Naturalienwirtschaft. Hauptwertgegenstand war wie bei den Römern das Vieh. Davon zeugt bis heute die Bedeutung des englischen Wortes fee = Gebühr (ursprünglich eben: Vieh!).
Nach neusten Erkenntnissen soll sich in der Nähe des heutigen Berlins bereits eine Art Hütten"industrie" entwickelt haben. Der dort produzierte Stahl soll von hoher Qualität gewesen sein und soll vor allem in das Römische Reich exportiert worden sein.
Gezüchtet wurden hauptsächlich Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen sowie Pferde. Außerdem war den Germanen die Bienenzucht ebenso wie die Webkunst bekannt. Ebenfalls wussten die Germanen, wie Käse zubereitet wird. Die germanische Sprache kannte ein eigenes Wort für Weichkäse, das in den skandinavischen Sprachen im Wort "Ust" bzw. "Ost" (= Käse) fortlebt. Für Hartkäse entlehnten sie das lateinische Wort caseus (= Käse).
Obwohl der Pflug bereits seit etwa Christi Geburt bekannt war, setze er sich bei den Germanen nur langsam durch. Für die Ernährung war besonders die Gerste von großer Bedeutung. Die Äcker ließen sie regelmäßig brach liegen und sie wussten um den Nutzen der Düngung. Getreide wurde hauptsächlich in Form von Brei gegessen, Brot konnte sich bis ins Mittelalter nur die Oberschicht leisten.
Die Produktivität war wesentlich geringer als bei den Römern. Tacitus etwa berichtet: "Vieh gibt es reichlich, doch zumeist ist es unansehnlich. Selbst den Rindern fehlt die gewöhnliche Stattlichkeit und der Stirnschmuck" (Kapitel 5). Deshalb kam es oft zu Hungersnöten und viele Germanen litten an Unternährung, was zu einer deutlich verringerten Lebenserwartung führte. Es wird vermutet, dass dies eine der Hauptursachen der germanischen Wanderbewegungen ist (wie etwa der Zug der Kimbern und Teutonen), die schließlich mit der großen Völkerwanderung ihren Höhepunkt erreichte.
Mythologie
Siehe Artikel Germanische Mythologie.
Lebensweise der Germanen
Die Germanen wohnten in relativ kleinen Siedlungen. Aus den Bestattungsplätzen der Germanen schließen Archäologen, dass die Größe von Siedlungen bei etwa zweihundert Menschen lag. Die Siedlungen entwickelten sich selten planmäßig: Dort wo bereits ein Germane siedelte, kamen bald weitere hinzu. Ein Erbe dieser Siedlungsweise sind bis heute die so genannten Haufendörfer in Deutschland und anderen Ländern der germanischen Kulturkreises. Häufig wurden die Dörfer von einer Art Zaun, selten durch eine richtige Palisade umgeben. Nur in den Grenzregionen zum Römischen Reich wurden mit Beginn der Feindseligkeiten und gegenseitigen Übergriffe die Dörfer mit Wällen oder Palisaden geschützt und bewacht.
Aus Ausgrabungen ist bekannt, dass die Germanen in Holzhäusern in Skelettbauweise wohnten. Da im Gegensatz zu Steinhäusern das Holz mit der Zeit verrottet, geben lediglich die archäologisch nachweisbaren Pfostenlöcher einen Aufschluss über den genauen Aufbau der Häuser. Die verbreitetste Art war das germanische Langhaus, das aufgrund seines Verhältnisses von Länge und Breite so bezeichnet wird. Unter seinem Dach beherbergte es sowohl die Familie als auch alle Halbfreien und Sklaven sowie die Tiere, die lediglich durch eine Wand getrennt waren. Dies hatte vor allem den Vorteil, dass die Tiere dazu beitrugen, das Haus in den kalten Wintermonaten mitzuheizen. Der Wohnraum besaß keine weiteren Trennwände, in seiner Mitte befand sich eine Feuerstelle. Der Rauch konnte über eine Öffnung im Dach abziehen. Fenster besaßen die germanischen Häuser nicht.
Staat und Gesellschaft
Die Germanen kannten kein Verwaltungsstaatswesen im römischen oder heutigen Sinne.
Die Reiche der germanischen Stämme waren ähnlich dem Personenverbandsstaat organisiert. Die Staatsangehörigen schworen ihrem König Treue und waren damit an das Reich gebunden. Der Staat wurde nicht über eine räumliche Ausdehnung definiert, sondern über seine Menschen und deren Stellung zum Herrscher. Desshalb waren die Reiche stark mit dem jeweiligen König verbunden, und der Tod des Königs bedeutete oft auch den Untergang des Reiches.
Das Reich war, laut römischer Schilderung, in Gaue (mehrere Siedlungen) untergliedert, denen die Gaufürsten vorstanden, wobei es auch losere Staatsgebilde ohne König gab, die von einer Versammlung der Gaufürsten regiert wurden.
Zu bestimmten Terminen fanden die Versammlungen der freien Männer (Volksthing) statt, bei denen wichtige Entscheidungen besprochen und getroffen wurden, so z.B. die Wahl des Königs. König und Gaufürsten hatten beim Volksthing nur das Vorschlagsrecht.
Die Gesellschaft war patriarchalisch organisiert und das Haus hatte eine besondere Stellung in ihr. Die Macht des Königs reichte nur bis zum Hausherrn, aber alle im Haus lebenden unterstanden diesem, wobei die Aufsicht der Sippe einen Schutz vor Willkür bot.
Das Volk war in die Stände Freie, Halbfreie (Knechte) und rechtlose (Kriegsgefangene, Sklaven) gegliedert.
Darstellende Kunst
Schrift
Die Schrift wurde den Germanen erst relativ spät bekannt. Das einzig zusammenhängende schriftlich erhaltene Werk vor dem Ende der Völkerwanderung ist die Wulfilabibel aus dem 4. Jahrhundert. Da die Goten keine eigene Schrift besaßen, entwickelte Wulfila ein Alphabet, das sich aus griechischen, lateinischen und runischen Schriftzeichen zusammensetze.
Die Runen, die ab dem 2. Jahrhundert aufkamen, wurden hauptsächlich als magische Zeichen benutzt. Längere Schriften sind selten, häufig wurden Runen in Waffen (Lanzenspitzen, Schwerter) oder Fibeln geritzt.
Die schriftlichen Quellen über die Germanen gehen hauptsächlich auf römischen und griechischen Ursprung zurück, insbesondere auf Tacitus.
Mythen und Wahrheit
Tacitus
Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Germanen im deutschsprachigen Raum immer wieder als Übermenschen dargestellt und ihr idealisiertes Bild zu nationalistischen Zwecken missbraucht. Insbesondere der Nationalsozialismus bediente sich dieser Idealisierung der Germanen und erhob ihre Nachkommen zur arischen "Herrenrasse" (Arier).
Die Darstellung der Germanen geht hauptsächlich auf antike Autoren wie Tacitus und Caesar zurück. Sie beschrieben die Germanen als blonde, blauäugige Riesen, die über fast übermenschliche Kräfte verfügten.
Durch Skelett- und Moorfunde lässt sich belegen, dass die Germanen tatsächlich größer als die Römer waren.
Allerdings übertrieben die antiken Quelle teilweise: So zeigen die gefundenen Skelette, dass die Germanen zwar größer als die Römer waren, diese aber durchschnittlich nur um ungefähr einen Kopf überragten. Auch kräftemäßig waren sie den Römern offenbar überlegen.
Der Gesundheitszustand der Germanen war oft schlecht, Gelenkerkrankungen und Bandscheibenschäden waren verbreitet.
Die antiken Autoren sind sich einig, dass sich die Germanen häufig dem Alkoholgenuss hingaben. Die verbreitetsten Getränke waren Met und Bier. Hohe Festtage begingen die Germanen häufig mit einem Gelage. Selbst die Götter, so glaubten sie, würden sich dem Alkoholgenuss hingeben. So bemerkt schon Tacitus in seiner Germania:
:Als Getränk dient ein Saft aus Gerste oder Weizen, der durch Gärung eine gewisse Ähnlichkeit mit Wein erhält...
und bezogen auf den hohen Alkoholkonsum:
:Wollte man ihnen, ihrer Trunksucht nachgehend, verschaffen, soviel sie wollen, so könnte man sie leichter durch ihr Laster als mit Waffen besiegen.
Reichsgründungen
In der Zeit der Völkerwanderung gründeten unterschiedliche Germanenstämme Reiche in Nordafrika (Vandalenreich, wurde durch Byzanz vernichtet)Frankreich, Italien und Spanien und wanderten auch nach Britannien.
Auf dem europäischen Festland ging aus diesen Reichen später das Frankenreich hervor. Aus diesem entstand das erste Reich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands, das Ostfrankenreich und später das Heilige Römische Reich, dessen ostwärtige Expansion die Westbewegung der Völkerwanderungszeit umkehrte.
Literatur
- Publius Cornelius Tacitus Germania (De origine et situ Germanorum liber), Stutgart: RECLAM, 2000, Lateinisch/Deutsch ISBN 3-15-009391-0; RECLAMS UNIVERSA-BIBLIOTHEK Nr. 9391 [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Deutsche Übersetzung] Eine Deutsche Übersetzung von Germania (De origine et situ Germanorum liber), jedoch fehlt das nachwort von RECLAM BUCH
- Heinrich Beck/Dieter Geuenich/Heiko Steuer/Dietrich Hakelberg (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung "germanisch-deutsch". Sprache und Namen, Geschichte und Institutionen. Ergänzungsbände zum Reallexikon der germanischen Altertumskunde 34, Berlin u.a., 2004. ISBN 3110175363. [http://www.degruyter.de/rs/bookSingle.cfm?id=IS-3110175363-1&l=D Inhaltsverzeichnis], Rezension von [http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2004-3-059 Gregor Hufenreuter in H-Soz-u-Kult, 22.07.2004].
- Hepp, Armin E.: Licht von Mitternacht - Auf den Spuren deutscher Vergangenheit"; Tübingen: Grabert; 1979
- Döbler, Hannsferdinand: Die Germanen. Legende und Wirklichkeit von A–Z. Lexikon zur europäischen Frühgeschichte, München: Orbis, 2000. ISBN 3-572-01157-4 (Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage des Buches von 1975. Das Buch entspricht in vielen Fällen nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand.)
- Rudolf Simek: Götter und Kulte der Germanen. Beck'sche Reihe 2335, München, 2004.
- Frühe Völker Europas. Thraker, Illyrer, Kelten, Germanen, Etrusker, Italiker, Griechen, Stuttgart, 2003. ISBN 3806217580.
- Maureen Carroll-Spillecke: Römer, Kelten und Germanen. Leben in den germanischen Provinzen Roms, Darmstadt, 2003. ISBN 3534174267.
- Uta von Freeden / Siegmar von Schnurbein (Hrsg.): Spuren der Jahrtausende. Archäologie und Geschichte in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3-8062-1337-2
- Wilfried Menghin / Dieter Planck (Hrsg.): Menschen, Zeiten, Räume. Archäologie in Deutschland, Stuttgart, 2002. ISBN 3886094677.
- Walter Pohl: Die Germanen. Enzyklopädie deutscher Geschichte Bd. 57, München: Oldenbourg, 2000. ISBN 348655705X. ([http://www.oeaw.ac.at/gema/pub_WP.htm weitere Arbeiten des Autors zu diesem Thema])
- Allan A. Lund: Die ersten Germanen. Ethnizität und Ethnogenese, Heidelberg, 1998. ISBN 3825306852.
- Germanen, Germania, germanische Altertumskunde. Studienausgabe des Artikels aus dem Reallexikon der Germanischen Altertumskunde, Berlin/ New York, 1998. ISBN 3110163837.
- Krierer, Karl R.: Antike Germanenbilder, Archäologische Forschungen 11, Denkschr. phil.-hist. Kl. 318, Wien: Österreichische Akademie der Wissenschaften, 2004. ISBN 3-7001-3239-5. [http://hw.oeaw.ac.at/3239-5]
Weblinks
- [http://www.pinselpark.org/philosophie/t/tacitus/texte/germanica_1.html Tacitus: Germania - über die Herkunft und Lage der Germanen]
- [http://www.porta-praehistorica.de Porta praehistorica et antiqua] Diskussionsforum für Fragen zur Lebensweise, Kleidung, Ernährung und Kultur der Menschen in der Ur- und Frühgeschichte und der Antike.
- [http://weltderwunder.rtl2.de/archiv/2001/10/wdw/Mensch/Mythos/Germanen/index.html Germanen - Blonde Bestien oder nette Naturburschen?] Welt der Wunder Special zum Thema Germanen
- [http://www.novaesium.de/artikel/germanen.htm Germanen: Unterwegs zu höherer Zivilisation] von Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
- [http://kelten.piranho.at/pages/germanen.htm Umfangreiche Darstellung der Germanen]
- [http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,BADEC0D6C24A44CFE030DB95FBC306BC,,,,,,,,,,,,,,,.html Planet Wissen: Römer und Germanen Zusammenfassung der Sendung]
- [http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/5/0,1872,2006981,00.html ZDF Mediathek: Völkerwanderung - Sturm über Europa]
- http://www.oeaw.ac.at/gema/gb.htm - Germanen-Bibliographie
- [http://www.antikefan.de/kulturen/germanen.html Germanen - Die Erben Roms]
- [http://www.heidenmacht.de/php/include.php?path=content/articles.php&contentid=91 Die Germanen - eine Einführung] Umfangreicher, wissenschaftlich fundierter Artikel von heidenmacht.de
Siehe auch
Liste der germanischen Stämme, Germanische Religion, Thing
Kategorie:Europäische Ethnie
Kategorie:Deutsche Geschichte
ja:ゲルマン人
ko:게르만족
Skandinavien
Skandinavien ist ein Begriff für eine geographische Region. Es umfasst, Dänemark, Norwegen und Schweden, die sich durch ähnliche Sprachen von den benachbarten, durch die Geschichte verbundenen heutigen Staaten Nordeuropas unterscheiden, mit Ausnahme von Island und den Färöern. Deren Sprachen (Isländisch als Landes- wie Amtssprache, Färöisch als Landessprache, aber nicht als Amtssprache) werden ebenfalls zu den skandinavischen Sprachen gezählt.
Die Nordischen Länder umfassen darüberhinaus Finnland, Island, Grönland und die Färöer. In diesen Ländern wird neben den anderen Sprachen auch Schwedisch bzw. Dänisch (Schwedisch in Finnland als zweite Landes- wie Amtssprache und Dänisch in Grönland und auf Färöern als Amtssprache) gesprochen. Alle Nordischen Länder sind Mitglieder des Nordischen Rats.
Manchmal wird im deutschen Sprachgebrauch auch Finnland zu Skandinavien gezählt. Skandinavien und Finnland werden allerdings korrekterweise unter dem Begriff Fennoskandinavien zusammengefasst.
Finnland bildete jahrhundertelang die Osthälfte Schwedens (lat. Ostrobothnia, schwed. Österbotten). Auch gibt es in Finnland eine trotz kleinem Bevölkerungsanteil politisch nicht unbedeutende schwedische Minderheit, und Schwedisch (Finnlandschwedisch) ist zweite Landessprache in Finnland. Die finnische Sprache unterscheidet sich allerdings sehr vom Schwedischen und zählt nicht zu den germanischen, noch nicht einmal zu den indogermanischen Sprachen, sondern zur Familie der finnougrischen Sprachen, zu der auch Ungarisch zählt. Aufgrund der langen gemeinsamen Geschichte hören es manche Finnen nicht gerne, mit den Schweden begrifflich subsumiert zu werden. Genauso wenig wie manche Schweden mit Finnland in Verbindung gebracht werden wollen.
Im Norden Schleswig-Holsteins (Südschleswig) lebt zudem eine dänische Minderheit.
Zusammen mit den britischen Inseln, dem Baltikum und dem Nordwesten Russlands bilden die nordischen Länder Nordeuropa. Skandinavien war in der Antike als Scandza bekannt.
Bekannt für die skandinavischen Länder sind die Kreuzflaggen, die jeder heutige offizielle Staat Skandinaviens hat.
Der Begriff Skandinavien kommt von der latinisierten Form des altschwedischen Begriffes Skathinawjö. Hierbei bedeutet Skathin- "Gefahr" oder "Schaden" und -awjö "Insel" oder "Halbinsel". Der Name Skandinavien bedeutet also etwa die gefährliche Halbinsel, was sich wahrscheinlich auf gefährliche Meeresströme um die schonische Halbinsel bezieht. Der Begriff Skandinavien ist etymologisch verwandt mit Schonen, und Skanör. Andere sehen den Wortursprung bei der germanischen Göttin Skadi.
Weblinks
- [http://www.lysator.liu.se/nordic/ Nordic FAQ] (engl.)
- [http://www.norden.org/ Nordic Council] (engl.)
Kategorie:Europa
als:Skandinavien
ja:スカンディナヴィア
ko:스칸디나비아
simple:Scandinavia
zh-min-nan:Skandinavia
ChristianisierungChristianisierung (v. kirchenlat.: christianizare) bedeutet die Hinwendung ganzer Völker oder Kulturkreise zum oder ihre gewaltsame Unterwerfung unter das Christentum.
Zum Sprachgebrauch
Im Unterschied zur individuellen Bekehrung eines Einzelnen beschreibt Christianisierung den in historischer Dimension verlaufenden Prozess, bei dem ganze Völker oder Kulturkreise mehrheitlich den christlichen Glauben annehmen.
Mission und Christianisierung sind verwandte Begriffe, wobei Mission sich auf den theologischen Aspekt und Christianisierung sich auf den langfristigen kulturellen und historischen Aspekt bezieht. Christianisierung ist erfolgreiche Mission ganzer Völker im historischen Horizont betrachtet.
Christianisierung und Kultur
Viele der ersten Kirchen wurden auf ehemaligen heidnischen Kultstätten wie Hainen errichtet, da diese Örtlichkeiten bereits als heilig galten und die zu Missionierenden sich dort versammelten. Andere heidnische Orte, wie viele der Hünengräber in Norddeutschland, wurden zu Zwecken der Abschreckung mit unheimlichen Namen versehen (Teufelssteine, Teufelsbackofen etc), die sie teilweise bis heute tragen. Auch erhielten sich heidnische religiöse Bräuche nach der Christianisierung oft noch lange als Brauchtum.
Die Christianisierung war häufig auch eine Machtfrage, in Schlachten unterlegene Gruppen und Stämme des frühen Mittelalters etwa liessen sich als Zeichen der Unterwerfung taufen, oder wurden zwangsgetauft. Weltliche und göttliche Macht gingen, wie bei Karl dem Großen, Hand in Hand.
In vielen Fällen wurden bei der Christianisierung nicht nur die christliche Religion, sondern auch Elemente oder große Teile der Kultur der missionierenden christlichen Kultur übernommen - oft weil die Missionare aus ihrer Zeit heraus nicht in der Lage waren, zwischen ihrem kulturellen Kontext und dem Christentum zu unterscheiden.
In einigen Fällen entwickelten sich jedoch nicht nur neue Formen des Christentums im Kontext der lokalen Kultur, sondern die Völker wurden durch die Christianisierung überhaupt zu einer eigenständigen kulturellen Identität befähigt (z.B. die Slawische Christianisierung durch Kyrill und Method).
Mancherorts gingen christliche Mission und Kolonialisierung Hand in Hand, während anderenorts scharfe Gegensätze zwischen Missionaren und Kolonisatoren aufbrachen.
Missionierung geht auch oft Hand in Hand mit den Aufgaben der Entwicklungshilfe. Dabei werden neues Wissen, Verständnis und Fertigkeiten in eine Region hineingebracht. Dies können z.B. das Lesen, das Schreiben, biologische, handwerkliche und technische Kenntnisse sein. Weiterhin werden christliche Werte vermittelt und Infrastrukturen, wie etwa Schulen, Pflegeheime oder auch Krankenhäuser, errichtet. Zugleich werden auch Kirchen, Klöster und Gehöfte im Sinne der Missionare erbaut. Es erwachsen somit neue kulturelle Macht-Zentren, die in der Folge ganze Regionen dominieren können. Besonders in Süd- und Mittelamerika wurde den Eingeborenen immer wieder vermittelt, ihre eigene Religion stelle Aberglauben dar, und ihr gewohnter Lebensstil sei primitiv, sie wurden dazu gebracht, sich europäischen Normen (Sesshaftigkeit, Ackerbau, keine Nacktheit) anzugleichen, was Alexander von Humboldt in seinen Reiseberichten 1800 ff zu kritischen Bemerkungen veranlasste.
Erscheinungsweisen
Christianisierung ist auf viele Arten geschehen, und in den meisten Fällen spielten mehrere Faktoren zusammen.
Faktoren auf religiösem Gebiet:
- In vielen Fällen kam zuerst die Mission von einzelnen reisenden Missionaren (Paulus im Römischen Reich, Bonifatius in Deutschland, Patrick in Irland, Kyrill und Method unter den Slawen) oder Missionarinnen (Nino in Georgien), die in der Folge zu Gemeindegründungen führte (allerdings sind solche Versuche längst nicht immer gelungen)
- Einen großen Einfluss hatten auch freiwillige oder erzwungene Ortsveränderungen von Christen (Zerstörung von Jerusalem, Sklavenhandel und römische Armee in der Antike, Auswanderer und Siedler) die am neuen Ort ihren Glauben weiter pflegen und Einheimische dafür gewinnen.
- Dazu gibt es die klassische Mission, wo christliche Vorposten (Einsiedeleien, Klöster, Missionsstationen) durch Mission oder Diakonie für das Christentum werben.
Faktoren auf politischem Gebiet:
- Heiratspolitik (Burgunder)
- Kolonialisierung (Amerika)
- militärische Aktionen (Kreuzzüge) oder
- Eroberung (Baltikum, Reconquista, Buren in Südafrika)
Die Gewinnung des jeweiligen Herrschers für das Christentum war in manchen Fällen ein wesentlicher Faktor für die Christianisierung, in anderen kam sie erst nach ziemlich vollendeten Tatsachen (z.B. Eroberung durch das römische Reich) oder spielte überhaupt keine Rolle (z.B. Nordamerika). In Kulturen mit ausgeprägtem Gemeinschaftsbewusstsein konnte die Bekehrung des lokalen Oberhaupts auch fast selbstverständlich zur Bekehrung seiner Gefolgsleute führen, da die Gemeinschaft für alle wesentlicher war als die individuelle Entscheidung über die Religionszugehörigkeit.
In manchen Fällen führte die Christianisierung zur Eingliederung in die katholische Kirche, in anderen Fällen bildeten sich eigenständige lokale Kirchen (keltisches Christentum in Irland, Russland, Nordamerika, afrikanische Kirchen). An manchen Orten wurde das Christentum zur Staatsreligion erklärt, andere weitestgehend christianisierte Länder lehnen staatlichen Einfluss auf die Religion prinzipiell ab.
Geschichte
Die erste als Staat christianisierte Nation war Armenien: die ersten Missionare, die Apostel Thaddäus und Bartholomäus hatten dort schon in der Mitte des 1. Jahrhunderts gepredigt und es entstand eine Untergrundkirche. Um 301 kam es dann nach einigen dramatischen Ereignissen, an denen Christen aus der Untergrundkirche beteiligt waren, durch die Bekehrung des Königs Trdat III. zur Proklamation des Christentums als Staatsreligion.
Eine herausragende Rolle in der frühzeitlichen Missionierung von Mitteleuropa um das 6. Jahrhundert spielten iro-schottische Mönche, sowie die Einflüsse Roms. Sie wurde unter anderem vorangetrieben durch die Missionare Gallus, Columban, Bonifatius und Kilian, wobei diese Tätigkeit keinesfalls als ungefährlich zu gelten hatte. Karl der Große besiegte um 800 die Sachsen in Norddeutschland, und erließ in der Capitulatio de partibus Saxoniae Vorschriften wie z.B.:
- 21. Wer Gelübde nach heidnischem Brauch an Quellen, Bäumen oder Hainen darbringt oder nach heidnischem Brauch opfert und ein Gemeinschaftsmahl zu Ehren der Götzen veranstaltet, zahlt als Edeling 60, als Friling 30, als Late 15 sol. Und wenn er das Geld nicht hat, soll er es im Dienste der Kirche abarbeiten.
Um die tatsächliche Missionsgeschichte herum bildeten sich auch viele Legenden.
Weblinks
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/personen/schmitz/vl9798/quellcap.htm Die Capitulatio de partibus Saxoniae (782?) mit Übersetzung]
Siehe auch
- Zwangstaufe
- Soziale Schichten im Mittelalter
Kategorie:Christentum
Kategorie:Christentumsgeschichte
Kategorie:Transkulturation
2. Jahrhundert
Das 2. Jahrhundert begann am 1. Januar 101 und endete am 31. Dezember 200.
Es ist die Epoche der Antike.
Zeitalter/Epoche
- Das Römische Reich erreicht unter der Herrschaft der fünf Adoptivkaiser Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und Marcus Aurelius, die Blütezeit seiner Entwicklung: seine Ausdehnung reicht vom Persischen Golf bis zum Atlantik, das Straßennetz umfasst mit über 75.000 km nahezu das Doppelte des Erdumfangs. Es beherbergt nun rund 100 Millionen Einwohner, eine Zahl die später nie mehr erreicht werden wird.
- Im Kaiserreich China wird das Papier erfunden und damit die Voraussetzung Gedanken und Erfahrungen auf unkomplizierte Weise niederzulegen, weiterzugeben und aufzubewahren. Ein entscheidender Grundstein für die Weiterentwicklung der menschlichen Kultur ist gelegt.
Ereignisse/Entwicklungen
Politik & Gesellschaftsordnung
- der nach Kaiser Hadrian benannte Hadrianswall wird im 1. Viertel des 2. Jahrhunderts fertiggestellt; er dient zur Sicherung der römischen Besitztümer in Britannien
Kriege & Revolutionen
- der 2. Dakerkrieg (101 bis 106) findet statt
- Markomannen-Kriege (166 bis 180)
- drei Partherkriege
Kultur, Kunst, Wirtschaft & Soziales
- Hebammen werden im römischen Reich den Ärzten gleichgestellt (um 130)
Persönlichkeiten
- Hadrian, römischer Kaiser spanischer Herkunft. Sicherte das Reich auf friedliche Weise und gab fast alle Eroberungen Trajans wieder zurück; führte mit den Sklavenschutzgesetzen als erster Anfänge eines allgemeinen Menschenrechts ein
- Archigenes, römischer Arzt aus Syrien. Begründer der Zahnheilkunde
- Soranos, römischer Arzt aus Kleinasien. Begründer der wissenschaftlichen Frauenheilkunde und Geburtshilfe
- Antoninus Pius, römischer Kaiser aus Gallien. Wie Hadrian ein Verfechter der friedlichen Sicherung des Reiches. Verbot die Verfolgung von Menschen aus Glaubensgründen und erweiterte die Rechte der Sklaven
- Mark Aurel, römischer Kaiser. Erster Kaiser, der die Regierungsgewalt (mit seinem Bruder als Nebenkaiser) teilte
- Galen, griechischer Naturforscher und Leibarzt von Mark Aurel
- Herodes Atticus, griechisch-römischer Redner, Politiker und Mäzen.
- Marcus Cornelius Fronto, römischer Grammatiker, Redner und Anwalt.
- Ptolemäus, griechischer Mathematiker, Astronom und Geograph aus Ägypten. Setzte das von ihm aufgestellte rückschrittliche geozentrische Weltbild durch
- Julianus Salvius, römischer Rechtsgelehrter aus Nordafrika
- Septimius Severus, römischer Kaiser afrikanischer Herkunft
- Ardaschir, persischer König und Gründer des persischen Großreichs
- Montanus, Priester aus Kleinasien und selbsternannter Welterlöser
- Kalixt I., ehemaliger römischer Sklave und späterer Bischof Roms
- Caracalla, römischer Kaiser und Brudermörder wird geboren
- Hua To, der Erfinder der Narkose wird geboren
Einige der aufgelisteten Persönlichkeiten wurden schon gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts geboren und werden dennoch hier aufgeführt; andere wiederum wurden zwar in diesem Jahrhundert geboren werden aber erst im nächsten Jahrhundert aufgeführt. Dies rührt daher, dass es als Kriterium für die Aufnahme nicht entscheident war ob das Geburtsjahr in dieses Jahrhundert fällt, sondern ob das hauptsächliche Werk und Wirken der Person in diesem Jahrhundert stattfand. Freilich ist eine klare Abgrenzung dieser Art nicht immer möglich.
Wissenschaft, Forschung, Erfindungen & Entdeckungen
- Ptolemäus entwickelt das Ptolemäische Weltbild mit der Erde als Mittelpunkt des Weltalls
- der Chinese Cai Lun erfindet das Papier
- in Rom wird die Seife aus Fett, Pottasche und gebranntem Kalk entwickelt
- die Inder erkennen Zucker im Urin als Krankheitszeichen
- die wissenschaftliche Zahnheilkunde wird um 114 von Archigenes begründet
- im ausgehenden 2. Jahrhundert wird in Alexandria der Dampfkochtopf erfunden
- um 185 entdeckt Kleomedes, dass die Lufthülle der Erde die Sonnenstrahlen beugt
01-02
!
ja:2世紀
ko:2세기
th:คริสต์ศตวรรษที่ 2
JütlandJütland (dänisch Jylland) ist der kontinentale Festlandanteil Dänemarks, der die Kimbrische Halbinsel im Norden Schleswig-Holsteins fortsetzt. Im weiteren Sinne wird die gesamte Halbinsel einschließlich Schleswig-Holsteins so bezeichnet. Es ist 29.775 km² groß (das sind ca. 70 % der Gesamtfläche Dänemarks) hat aber nur 2,188 Mio. Einwohner (ca. 40 % der Gesamteinwohnerzahl).
Jütland hat seinen Namen von den Jüten, einem germanischen Volksstamm, der im 5. Jahrhundert mit den Angeln und Sachsen nach England (an den Medway) auswanderte, teilweise teilweise in den ebenfalls germanischen Dänen aufging, die ihre Heimat von den besiedelten.
Größte Stadt auf Jütland und zweitgrößte Stadt Dänemarks ist Århus, höchste Erhebung (und mit 171 m über NN auch die höchste Dänemarks) ist der Ejer Baunehøj (oder der nahegelegene Yding Skovhøj) bei Skanderborg, längster Fluss und auch längster Fluss Dänemarks ist die Gudenå mit 158 km Länge.
Landesgestalt
In Jütland setzt sich das schleswig-holsteinische Landschaftsbild nach Norden fort, mit Marschen an der Nordseeküste im Westen, einem Endmoränenrücken (Geest), der die Halbinsel in Nord-Süd-Richtung durchzieht, in der Mitte und lehmigem Hügelland, das aus den Grundmoränen der Eiszeit besteht, im Osten, insbesondere auf der Halbinsel Djursland fort, die zum Amt Århus gehört. Die heutige Topographie ist aber noch nicht alt, da sich Jütland entlang einer diagonal verlaufenden Kippachse im nordöstlichen Teil immer noch (10 mm/Jahr, ursprünglich 75 mm/Jahr) hebt und im Südwesten senkt. Die Halbinsel Djursland war z.B. bis in die jüngere Vergangenheit vom Kolindsund (einem Meeresarm) geteilt, der heute gänzlich verlandet, aber immer noch als flache, mitteldjursländische Ebene erkennbar ist. Nördlich von Esbjerg findet sich im Westen eine Ausgleichsküste mit hohen Sanddünen. Vom Limfjord wird Jütland in ost-westlicher Richtung durchschnitten. Mitten durch Jütland läuft, in Viborg beginnend und in Wedel bei Hamburg endend, der Ochsenweg oder dän. der Hærvejen (Heerweg). Historiker vermuten, das die Anfänge dieses Weges bis in die Steinzeit zurückreichen.
Verwaltungsgliederung
Steinzeit
Jütland umfasst die dänischen Verwaltungsbezirke (Amt)
gemäß Karte, und damit auch die Inseln Rømø und Fanø, sowie Alsen (Als), Læsø und Samsø;
Wirtschaft
fehlt noch -->
Bedeutende Städte
- Aabenraa (dt. Apenrade)
- Aalborg
- Århus
- Billund
- Brønderslev
- Ebeltoft
- Esbjerg
- Fredericia
- Frederikshavn
- Grenaa
- Herning
- Hirtshals
- Hjørring
- Holstebro
- Horsens
- Kolding
- Randers
- Ribe
- Ringkøbing
- Silkeborg
- Skanderborg
- Skagen
- Skive
- Sønderborg (dt. Sonderburg) (liegt größtensteils auf der Insel Alsen)
- Thisted
- Tønder (dt. Tondern)
- Vejle
- Viborg
Kategorie:Halbinsel
Kategorie:Geographie (Dänemark)
ja:ユトランド半島
ko:윌란 반도
Oppland
Oppland ist ein Fylke in Norwegen, der an die Fylker von Sør-Trøndelag, Møre og Romsdal, Sogn og Fjordane, Buskerud, Akershus, Oslo und Hedmark grenzt. Mitte 2005 betrug die Bevölkerung 183.103 Einwohner (4,0% der Gesamtbevölkerung Norwegens). Die Fläche des Fylke beträgt 25.191 km². Der Verwaltungssitz befindet sich in Lillehammer.
Oppland erstreckt sich über den See Mjøsa und den | | |