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Triumphkruzifix
Ein Triumphkreuz (lat. crux triumphalis) ist ein zur Innenausstattung großer christlicher Kirchen des Mittelalters gehörendes monumentales Kruzifix, das die Kreuzigung darstellt und den christlichen Glauben in seiner Übermacht aus der Raumhöhe des Kirchenschiffes symbolisiert. Es steht oft, aber nicht notwendigerweise, unter dem Triumphbogen und/oder in Zusammenhang mit dem Lettner. Bei einigen Triumphkreuzen kommen über die für die Darstellung der Kreuzigungsszene notwendigen Skulpturen noch weitere hinzu. Ähnlich einem bretonischen Kalvarienberg finden sich dann noch weitere Personendarstellungen, wie der Stifter.
Bekannte Triumphkreuze des Mittelalters
Stifter
in Deutschland
- Gerokreuz im Kölner Dom
- im Lübecker Dom aus der Werkstatt von Bernt Notke, 1477, Höhe 17 m
- in der Katharinenkirche (Lübeck), um 1450
- im Dom zu Halberstadt
- im Kloster Wechselburg - Basilika Hl. Kreuz
- im Naumburger Dom
- im Doberaner Münster
- im Schweriner Dom (aus der Wismarer Marienkirche)
- in Osnabrück in der St. Marienkirche und im Dom St. Peter
in Schweden
- Auf Gotland in den mittelalterlichen Kirchen von Alva, Bro, Fröjel, Hamra, Lye, Öja, Rute, Stenkumla
Literatur
- Manuela Beer: Triumphkreuze des Mittelalters. Ein Beitrag zu Typus und Genese im 12. und 13. Jahrhundert. Mit einem Katalog der erhaltenen Denkmäler. Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1755-4
Weblinks
Kategorie:Gotik
Kategorie:Skulptur
Kategorie:Kirchenbau
Kategorie:Christentum
Mittelalter]]
Das Mittelalter bezeichnet eine Epoche in der europäischen Geschichte
zwischen der Antike und der Neuzeit, die christliche, antike und
keltische, germanische und slawische Entwicklungen zusammenführt.
Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform ist der Feudalismus.
Grundzüge des Mittelalters sind die nach Ständen geordnete Gesellschaft, die gläubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft, Latein oder Griechisch als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache, die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem großen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) und ein recht einheitliches Weltbild.
Zeitliche Festlegung
Im Groben ordnet man das Mittelalter in die Zeit von 500 bzw. 600 n. Chr. bis 1500 n. Chr. ein. Wesentlich genauer sind jedoch folgende Merkmale:
Das Mittelalter erstreckt sich ungefähr vom Ende der Völkerwanderung (375-568) bzw. vom Untergang des weströmischen Kaisertums 476 bis zum Zeitalter der Renaissance seit der Mitte des 15. Jahrhunderts bzw. bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts. Bezüglich der Problematik der Datierung des Beginns des Mittelalters siehe Spätantike.
Die Datierungen sind nicht immer einheitlich, es kommt oft darauf an, welche Aspekte der Entwicklung bevorzugt werden und von welchem Land man ausgeht. Stellt man zum Beispiel den Einfluss des Islam in den Vordergrund, kann man Mohammeds Hidschra (622) oder den Beginn der arabischen Expansion ab 632 als Beginn sehen. Ebenso gibt es unterschiedliche Datierungsmöglichkeiten für das Ende des Mittelalters, beispielsweise die Erfindung des Buchdrucks (um 1450) oder auch die Reformation (1517).
Fokussiert man einzelne Länder, kann man auch zu verschiedenen Eckdaten kommen. So endete die Antike am Rhein oder in Britannien sicher früher als etwa in Syrien. Und so war zum Beispiel um 1420 in Italien bereits das Zeitalter der Renaissance angebrochen, während man zur gleichen Zeit in England mit gutem Grund noch vom Mittelalter spricht.
Mittelalter bezieht sich in erster Linie auf die Geschichte des christlichen Abendlands vor der Reformation - der Begriff wird kaum im Zusammenhang mit außereuropäischen Kulturen verwendet.
Die Einteilung in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter
Man kann das Mittelalter grob in 3 Phasen gliedern:
- Frühmittelalter (Mitte 6. Jahrhundert bis Anfang 11. Jahrhundert)
- Hochmittelalter (Anfang 11. Jahrhundert bis ca. 1250)
- Spätmittelalter (ca. 1250 bis ca. 1500)
Frühmittelalter
In das Frühmittelalter fällt unter anderem auch die Zeit der Völkerwanderung, wobei die Forschung aber mittlerweile dazu tendiert, diese aus dem Mittelalter herauszunehmen, sie als Bindeglied zwischen Antike und Mittelalter zu sehen und der Spätantike zuzurechnen.
Weitere einschneidende Entwicklungen sind die weitgehende Christianisierung Europas, der Aufstieg des Fränkischen Reiches, der Einfall der Wikinger, der Beginn des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und die Kämpfe zwischen Kaisertum und Papsttum. Außerdem wirkt der Aufstieg des Islam und sein schnelles Ausgreifen bis nach Europa prägend.
Wirtschaftlich stellt das Frühmittelalter eine Zeit der Naturalwirtschaft dar, wobei besonders das System der Grundherrschaft herauszustellen ist.
Wesentliche Kulturträger sind das Byzantinische Reich, die Klöster, insbesondere die des Benediktinerordens, sowie die Gelehrten des arabisch-muslimischen Kulturkreises.
Siehe auch Hauptartikel: Frühmittelalter.
Hochmittelalter
Das Hochmittelalter ist die Blütezeit des Rittertums und des römisch-deutschen Kaiserreichs, des Lehnswesens und des Minnesangs. Es ist auch die Epoche der Auseinandersetzung zwischen weltlicher und geistlicher Macht im Investiturstreit, welcher die Einsetzung mehrerer Gegenpäpste zur Folge hatte. Innerhalb der Scholastik wird Aristoteles zur wichtigsten nicht-christlichen Autorität. Der Einfluss der Kirche zeigt sich vor allem an den Kreuzzügen gegen den Islam, denen auch Juden zum Opfer fallen. Im Zuge der Kreuzzüge entwickelt sich ein Fernhandel mit der Levante, von dem insbesondere die italienischen Stadtstaaten profitieren. Die Geldwirtschaft gewinnt gegenüber der Naturalwirtschaft immer stärker an Bedeutung. Die wichtigsten Orden des Hochmittelalters sind neben den Zisterziensern die Bettelorden der Franziskaner und Dominikaner. Im Hochmittelalter entsteht das Zunftwesen, das die sozialen und wirtschaftlichen Vorgänge in den Städten stark prägt.
Siehe auch Hauptartikel: Hochmittelalter.
Spätmittelalter
Hochmittelalter]]
Das Spätmittelalter ist die Zeit des aufsteigenden Bürgertums der Städte und der Geldwirtschaft. In dieser Zeit steigt die Hanse zur Handelsmacht auf. Seit etwa 1280 bis einige Jahrzehnte nach der "Großen Pest" (Schwarzer Tod) in der Zeit von 1349 bis 1351 macht die europäische Geschichte einige krisenhafte Entwicklungen, die zu einem starken Bevölkerungsrückgang (Wüstung, Pest) führen, aber auch zu starken Veränderungen der Gesellschaftstruktur, die allmählich zur Neuzeit überleiten (siehe auch: Krise des 14. Jahrhunderts).
Siehe auch Hauptartikel: Spätmittelalter.
Ende des Mittelalters
Als wesentlich für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit betrachtet man im Allgemeinen die Zeit der Renaissance (je nach Land spätes 14. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert), die Entdeckung insbesondere der Neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1492, die Erfindung des Buchdrucks 1450 und die damit beschleunigte Verschriftlichung des Wissens, den Verlust des Einflusses der institutionalisierten katholischen Kirche und den Beginn der Reformation. Diese Ereignisse sind alle rund um die Schwelle vom 15. zum 16. Jahrhundert anzusiedeln.
Auch die Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen (1453) wird als ein Ereignis genannt, das das Ende des Mittelalters markiert. Dies ist nicht nur eine zeitlich passende Vereinfachung, sondern hat einige Berechtigung, weil mit dem Untergang des Byzantinischen Reiches das letzte lebendige Überbleibsel der Antike unterging. Des Weiteren war der dadurch ausgelöste Strom byzantinischer Flüchtlinge und Gelehrter nach Italien hauptverantwortlich für den Beginn der Renaissance. Darüber hinaus wurden die Handelsrouten nach Asien durch die Ausbreitung des Osmanischen Reiches blockiert, so dass westeuropäische Seefahrer neue Wege erkundeten. Dabei wurde unter anderem Amerika entdeckt – zumindest war es das erste Mal, dass die Existenz Amerikas innerhalb weniger Jahre in ganz Europa bekannt wurde.
Auf musikalischem Gebiet ist das Ende des Mittelalters am besten mit der Umstellung von Quint-Oktavklängen zu terzhaltigen Harmonien zu bestimmen. Die englischen Komponisten waren hier sehr früh (Anonymus 4 spricht bei dieser Entwicklung auf dem Kontinent sogar direkt von englischem Einfluss); vor allem Dunstable ist hier zu nennen. Ab ca. 1430 lässt sich dieser Wandel in Italien dingfest machen, wobei terzhaltige Klänge nicht sofort die reinen Intervalle als Ruhepole der Komposition ablösten und vor allem am Schluss einer Komposition das ganze 15. Jahrhundert hindurch noch der Klang ohne Terz bevorzugt wurde.
Der Begriff Mittelalter
Der Begriff Mittelalter, erstmals im 14. Jahrhundert von italienischen Humanisten benutzt, hatte schon von Beginn an eine negative Bedeutung, weil sie das Mittelalter als „dunkle“ Epoche zwischen der Antike und ihrer Zeit ansahen, in der antike Traditionen wiedergeboren wurden. Aber erst im 17. Jahrhundert wurde diese Einteilung endgültig vorgenommen. Demnach begann das Mittelalter mit dem Ende des Weströmischen Reiches im Jahre 476 und endete mit der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 durch die Osmanen.
Im Englischen spricht man für den Zeitraum nach Ende der römischen Besatzung bis etwa zur Zeit König Alfreds von Wessex, also für die Zeit der Einwanderung der Angeln, Sachsen und Jüten, aufgrund der mangelhaften schriftlichen Quellen von „The Dark Ages“.
Noch heute bezeichnen wir eine Denkweise als „mittelalterlich“, wenn wir sie als starr und veraltet kritisieren wollen. Auch die umgangssprachliche Wendung „Rückkehr ins Mittelalter“ ist negativ besetzt. In der Romantik wurde das Mittelalter allerdings auch wieder positiver gesehen, teilweise auch systematisch verklärt. In der modernen Forschung werden die originären Leistungen des Mittelalters und die wenigstens teilweise vorhandene Kontinuität der antiken Kultur betont. Der bekannte und angesehene französische Mediävist Jacques Le Goff betonte erst jüngst die Geburt Europas im Mittelalter.
Sonstiges
In der japanischen Geschichte wird die Zeit von ca. 1200 bis ca. 1600 als Mittelalter bezeichnet. Diese Epoche zeichnete sich durch eine starke Dominanz des Buddhismus und des Feudalismus aus.
Siehe auch
- Portal:Mittelalter
Literatur
Wichtige Quellen sind im großen Umfang gesammelt in der Monumenta Germaniae Historica. Siehe auch die dt.-latein. Ausgaben der Freiherr-vom-Stein Gedächtnisausgabe (FSGA). Wichtige Quellen stellen u.a. neben der Geschichtsschreibung auch Constitutionen und andere Aktenquellen sowie Regesten dar.
Eine hervorragende Bibliographie findet sich [http://www.histsem.uni-bonn.de/proseminar/lsma15.htm hier (erstellt vom Historischen Seminar der Uni. Bonn)] sowie [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/tutorium/literatur/literatur.htm hier (Uni. Tübingen; umfangreiche Liste mit Quellen- und Literaturangaben)]. Ansonsten sei auf die Angaben im Lexikon des Mittelalters oder den Bibliographien der unten aufgeführten Werke verwiesen.
Nachschlagewerke
- The New Cambridge Medieval History, Cambridge 1995 ff. Noch im Entstehen begriffen, mit hervorragender Bibliographie.
- Lexikon des Mittelalters, 9 Bde., Ausgabe des dtv-Verlags, München 2002 (in Hardcover München-Zürich 1980-1998). Grundlegendes Werk
Sekundärliteratur
- Hartmut Boockmann: Einführung in die Geschichte des Mittelalters, mehrere Neuauflagen, München 2001. Wohl die beste strukturelle Einführung ins Mittelalter, mit guten bibliographischen Angaben.
- Arno Borst: Lebensformen im Mittelalter, Frankfurt/M., Berlin 1988 ISBN 3-548-34004-0
- Arno Borst: Barbaren, Ketzer und Artisten: Welten des Mittelalters, München 1988 ISBN 3-492-03152-8
- Fischer Weltgeschichte, Mittelalter und frühe Neuzeit (4 Bände) ISBN 3596507324
- Horst Fuhrmann: Einladung ins Mittelalter, Verlag C. H. Beck, München 1987 ISBN 3-406-32052-X
- Horst Fuhrmann: Überall ist Mittelalter : von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, Verlag C. H. Beck, München 1996 ISBN 3-406-40518-5
- Friedrich Heer: Mittelalter. Von 1100 bis 1350, Zürich 1964
Weblinks
- [http://www.erlangerhistorikerseite.de/ma_resso.html Virtuelle Bibliothek – Geschichte / Mittelalterliche Geschichte (Internet-Ressourcen der Erlanger Historikerseite)]
- [http://www.uni-tuebingen.de/mittelalter/indexstart.htm Historisches Seminar der Universität Tübingen, Abteilung für Mittelalterliche Geschichte (zahlreiche Links und Materialsammlungen)]
- [http://netzwerk.wisis.de/text/42.htm Mittelalter - SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe - Ausführliche Texte und zahlreiche Erklärungen zu Wirtschaft, Gesellschaft und Ereignisgeschichte]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/ Genealogie Mittelalter] Mittelalterliche Genealogie im Deutschen Reich bis zum Ende der Staufer
- DER SPIEGEL: [http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltraum/0,1518,381627,00.html Wie die Erde zur Scheibe wurde] - das Bild vom rückständigen Mittelalter als moderner Mythos
!Mittelalter
Kategorie:Zeitalter
ja:中世
simple:Middle Ages
KreuzigungDie Kreuzigung war eine in der Antike verbreitete Hinrichtungsart. Sie wurde im Orient, besonders im Römischen Reich und zuletzt noch im Osmanischen Reich angewandt. Man verhängte sie vor allem gegen entlaufene oder aufständische Sklaven.
Geschichte
Das Kreuzigen hat sich aus dem Aufhängen entwickelt. Bekannt wurde es zuerst von den Phöniziern, einem syrischen See- und Handelsvolk im Mittelmeerraum. Dort fesselte man Verurteilte an einen Baum - bei den Römern später „arbor infelix“ (Unglücksbaum) genannt - und überließ sie dann den Elementen oder dem Verdursten. Daher dauerte der Todeskampf oft Tage.
Um 1000 v. Chr. erlebte diese Hinrichtungsmethode ihre erste Blütezeit. Durch die Handelskontakte der Phönizier gelangte sie ins Zweistromland zu den damals dort herrschenden Assyrern und nach Persien. Dort wurde ein Verurteilter nur festgebunden, aber noch nicht angenagelt.
Seit dem Makedonischen Großreich wurde auch das Annageln praktiziert. Nun schuf man auch besondere Richtplätze, meist auf einem Berg oder Hügel, für die Kreuzigung, und benutzte eigens dafür vorgesehene Pfähle. 332 v. Chr. ließ Alexander der Große bei der Eroberung von Tyros etwa 2.000 Menschen so hinrichten.
Von den Griechen und Karthagern übernahmen schließlich auch die Römer das Kreuzigen. Im Römischen Reich richtete man vorzugsweise Sklaven so hin, um andere Sklaven von der Flucht abzuschrecken. Nach der endgültigen Niederlage des aufständischen Sklavenheerführers Spartakus 71 v. Chr. wurden um die 6.000 seiner Anhänger entlang der Via Appia gekreuzigt.
Seit der römischen Kaiserzeit verbreitete sich die Kreuzigung als Strafe gegen Nichtrömer.
Römische Bürger wurden niemals gekreuzigt, sondern zumeist enthauptet oder der Möglichkeit des Freitodes ausgesetzt.
Zumeist wurde ein Querbalken an einem Baum als Kreuz benutzt. Manchmal, aber nicht immer, wurden kleine Holzstücke mit dem Tatvorwurf am Querbalken befestigt.
Entgegen den Darstellungen in Kirchen (Kreuzigungsszene) wurden die Beine des Delinquenten auf einen kleinen Querbalken gestellt, um zu erreichen, dass er nicht durch sein eigenes Gewicht zu sehr nach unten gezogen und ohnmächtig würde bzw. im Falle der Verwendung von Nägeln einen schnellen Blutverlust erlitte. Durch Arme und Beine wurden nicht immer Nägel getrieben, sondern die Extremitäten wurden durch Fesseln angebunden.
Die Kreuzigung stellte im römischen Reich keine schnelle Hinrichtungsmethode dar, sondern sollte den Deliquenten langsam töten. Er sollte als abschreckendes Beispiel dienen.
Zumeist wurde dem Gekreuzigten noch mittels eines Schwammes über mehrere Tage etwas Wasser verabreicht, um ihn über längere Zeit am Leben zu erhalten und somit seine Qualen zu verlängern.
Nach dem eingetretenen Tod wurde zumeist mittels einer Lanze (Pilum, wenn die Kreuzigung durch römisches Militär vorgenommen wurde) durch einen Stich in den Bauch (und nicht von der Seite durch die Rippen, der Speer würde durch die Rippen und den Brustkorb sonst abgelenkt) sicher gestellt, dass der Hingerichtete auch wirklich tot war.
Da die Hinrichtungsplätze üblicherweise nicht bewacht wurden oder umzäunt waren, besteht die theoretische Möglichkeit, dass der eine oder andere Gekreuzigte durch Verwandte oder Bekannte nachts vom Kreuz abgenommen wurde und überlebt haben könnte.
Es wurde üblich, die Verurteilten vor ihrer Hinrichtung völlig zu entkleiden und öffentlich zu geißeln. Dies bedeutete eine zusätzliche Qual und Erniedrigung.
Besonders grausam war das Aufhängen mit dem Kopf nach unten. Davon konnten Angehörige den Verurteilten jedoch freikaufen. Allerdings führte das Aufhängen mit dem Kopf nach unten dazu, dass der Verurteilte relativ schnell ohnmächtig wurde oder schneller starb, was die Dauer seiner Qualen verringerte.
Das Judentum übernahm nur das Aufhängen, nicht das Annageln, von den umgebenden Völkern und wandte es selber nur gegen Fremdherrscher (Josua 8, 29) oder bei extremen religiösen Vergehen wie Gotteslästerung an, denn ein Gehängter galt als von Gott verflucht. Man ließ den Verendeten nur bis zum Abend nach seinem Tod zur Abschreckung hängen und begrub ihn dann, um das Land nicht im religiösen Sinn zu "verunreinigen" (5. Buch Mose 21, 22-23). Das jüdische Königsgeschlecht der Hasmonäer jedoch, darunter der Herrscher Judäas zur Zeit Jesu, Herodes Antipas, waren vom Hellenismus beeinflusst und wandten daher auch die makedonisch-römische Kreuzigung an. Jesus von Nazaret wurde wie zehntausende anderer Juden auch in Judäa gekreuzigt.
Seit dem Aufstieg des Christentums zur römischen Staatsreligion wurde die Kreuzigung in ganz Europa bekannt. Da Jesus von Nazareth auf diese Weise hingerichtet worden war, wurde sie nun aber durch andere Hinrichtungsmethoden ersetzt. Zugleich begann ein religiöser Bilderkult um das Kreuz.
Im Osmanischen Reich wurde das Kreuzigen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts praktiziert.
Auch in Japan entstand als Reaktion auf europäisch-christliche Missionsbestrebungen im 16. Jahrhundert eine Variante der Kreuzigung. Dort wurden zunächst die Missionare selber gekreuzigt, später meist Männer und Frauen aus den niederen Schichten, an denen ein Exempel statuiert werden sollte. Die japanische Form der Kreuzesstrafe ging meist mit einer Zerstückelung des Leibes einher. Sie wurde noch bis ins 20. Jahrhundert ausgeübt.
Kreuzesformen
Anknüpfend an christliche Kruzifixe, prägt heute meist die Form eines kleinen t-Buchstabens unser Bild vom Kreuz. Anfangs benutzte man in Rom dazu jedoch häufig ein Balkendreieck, die sogenannte „Furca“ (Forke). Diese war eigentlich ein landwirtschaftliches Nutzgerät. Man hängte es dem Verurteilten um den Hals und band seine Arme an seinen Schenkeln fest. In dieser Haltung wurde er ausgepeitscht. Dann wurde die Furca an einen eingerammten Pfahl gehängt.
Später wurde sie durch einen einfachen Querbalken ersetzt, der am oberen Ende des Pfahls angebracht wurde. Damit ergab sich die Form eines großen T. Man konnte den Querbalken aber auch mit einem Strick am Pfahl aufhängen, so dass die bekannte Kreuzform entstand. Diese war aber eher selten.
Beide Balken waren meist roh oder nur grob, nicht fachmännisch behauen oder gar gehobelt.
Das "lateinische Kreuz" mit einem Längsbalken, der wesentlich länger ist als der Querbalken (†), ist eine „Erfindung“ von Künstlern späterer Epochen, die keine Kreuzigung mehr wirklich erlebt haben.
Die Methode
Die besondere Grausamkeit dieser Hinrichtungsmethode lag darin, dass ein gekreuzigter Delinquent nicht sofort starb, sondern lange und schwer leiden musste. Es konnte Stunden oder gar Tage dauern, bis sein Tod eintrat. Gerade dieses möglichst lange Überleben der zum Tode Verurteilten sollte Beobachter demütigen, einschüchtern und abschrecken.
Die römische Hinrichtungsprozedur bestand genau genommen aus vier nacheinander vollzogenen Teilschritten:
- der vollständigen Entkleidung des Verurteilten und dessen öffentlichen Folterung mit einer Geißel;
- dem erzwungenen Querbalken- Furkatragen zum Hinrichtungsplatz;
- dem Fesseln oder Annageln seines Körpers an eine Furca oder den Querbalken;
- dessen Befestigung an einem Baum oder auf dem vorbereiteten Pfahl. Dabei wurden Mensch und Querbalken hochgehoben und mit dem senkrechten Pfahl verbunden.
Die Geißelung mit einer Peitsche, oft zusätzlich mit Nägeln besetzt, wurde in der römischen Kaiserzeit üblich. Sie schwächte den Gepeinigten durch die Anstrengung und Verspannung des Körpers unter den Schlägen, Schmerzen und Blutverlust. Allein dies konnte bereits tödlich sein, weshalb die Zahl der Schläge meist begrenzt wurde.
Mit der Befestigung des Körpers auf der Furca oder am Querbalken begann die eigentliche Kreuzigung. Das Annageln geschah so, dass der Blutverlust gering gehalten wurde. Man trieb die Nägel nicht durch die Stellen am Handgelenk, wo sich die Pulsadern befinden, sondern weiter außen. Wurde nur genagelt, so musste der Nagel zwingend zwischen Elle und Speiche platziert werden, da eine Nagelung in der Handfläche – wiederum bei Jesusdarstellungen üblich – die Last des Körpers nicht ausgehalten hätte und ausgerissen wäre. Wurden die Handgelenke jedoch am Balken festgebunden, dann war eine zusätzliche Nagelung in der Handfläche durchaus vorstellbar, um weitere Schmerzen beim Bewegen der Hände zu verursachen.
Das Tragen der Furca oder des Querbalkens: Der Delinquent trug diesen aber nicht über der Schulter, wie man einen Pfosten trägt. Er zog auch kein fertiges Kreuz aus gehobelten Balken hinter sich her, wie es viele Darstellungen und Jesusfilme nahelegen. Sondern er musste – bereits am Querbalken befestigt – selbst den Weg vom Richtstuhl zur Richtstätte gehen.
Die Beine konnten mit einem Nagel durch die gekreuzten Fußschaufeln befestigt werden, wenn ein schräges Brettchen zusätzlichen Halt gab. Auch diese Version ist durch Jesusdarstellungen bekannt. Eine andere Version ist das Annageln durch die Fußwurzel hindurch, indem der Verurteilte je ein Bein rechts und links am senkrechten Pfahl anlegte. Diese Form der seitlichen Nagelung ist belegt durch einen Skelettfund, wo der Nagel noch in einem der Fußwurzelknochen steckte.
Um den Tod hinauszuzögern, befestigte man am senkrechten Kreuzbalken in Höhe des Gesäßes ein kleines Brettchen, Sedile genannt. Ebenso stützte teilweise ein Brettchen (Suppedaneum) die Füße. So konnte der Todeskandidat seine Arme, die am Querbalken befestigt waren, entlasten, was ihm wiederum das Atmen erleichterte. Dort, wo sich Kreuze mit Suppedaneum fest eingebürgert hatten, galt es als Begünstigung, dem Delinquenten nach einiger Zeit die Füße bzw Unterschenkel zu brechen. Da er sich dann nicht mehr abstützen konnte, verstarb er schneller durch Ersticken.
Damit der Gekreuzigte nicht vorzeitig verdurstete, reichte man ihm von Zeit zu Zeit ein Getränk: meist Wasser, zum Teil mit Essig versetzt (Pulsum), um so den Speichelfluss anzuregen. Auch wurden dem Wasser schmerzlindernde oder betäubende Extrakte von Heilkräutern beigefügt. Mit Wasser verdünnter Essig war außerdem bei den Römern ein beliebtes Erfrischungsgetränk.
Der Tod trat im Allgemeinen - bei nicht schon vorher geschwächten Menschen - nach einem Tag durch Ersticken oder durch Kreislaufkollaps ein. Diese folgten aus der fast völligen Bewegungsunfähigkeit des ans Kreuz gefesselten und/oder genagelten Menschen, besonders wegen der ausgebreiteten Arme. Dem Tod durch Herzversagen gingen Qualen wie Durst, Wundbrand und Verkrampfung der Atemmuskulatur voraus.
Die Kreuzigung in der Bibel
Eine Analyse der griechischen Texte des Neuen Testaments legt zusätzlich ein noch einfacheres Hinrichtungswerkzeug nahe; gemäß Johannes 19, 25 wurde Jesus an einen σταυρω (sprich: stauró; griechisch für Pfahl, Mast oder Kreuz) gehängt. Unter anderem in Apostelgeschichte 5,30 wird das Hinrichtungswerkzeug zudem mit ξύλου wiedergegeben (sprich xýlon; griechisch für Holz, Stab, Baum); xýlon hat nicht die Bedeutung von zwei Hölzern, weshalb einige Bibel-Übersetzungen es mit Pfahl oder Baum übersetzten.
Im Bibelbericht wird erwähnt, dass den zwei Verbrechern zu beiden Seiten Jesu die Beine gebrochen wurden, damit der Todeskampf nicht zu lange dauerte (Johannes 19, 31). Das Hängenlassen der Exekutierten über Nacht war nach jüdischem Gesetz verboten (Deuteronomium 21, 23). Jesus wurden laut den biblischen Berichten die Beine nicht gebrochen, womit sich die Prophezeiung aus Psalm 34,21 erfüllt habe.
Letztendlich wurde noch der titulus befestigt. Dabei handelt es sich um eine Tafel, auf der zur Abschreckung für alle, die an der Richtstätte vorbeikamen, der Name des Verbrechers und sein Vergehen (crimen) genannt wurden. Im Falle von Jesus war es das als Abkürzung berühmt gewordene INRI (Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum) - Jesus von Nazaret, König (Herrscher) der Juden. Wobei das Verbrechen aus römischer Sicht eben darin bestand, dass Jesus sich die Stellung als der (rechtmäßige) Herrscher der Juden angemaßt haben sollte. Von dieser Tafel sind Darstellung des Kreuzes mit zwei Querbalken abgeleitet, z. B. das Patriarchenkreuz und das Lothringer Kreuz.
Auf dem Turiner Grabtuch findet sich das Ganzkörperbildnis eines Gekreuzigten. Unabhängig von der Frage nach der Echtheit ist festzustellen, daß auch eine etwaige Fälschung immerhin eine genaue Kenntnis über den Ablauf und die Folgen einer Kreuzigung voraussetzt. Die Wunden der Nägel sind an den exakt richtigen Stellen zu sehen und auch die Geißelungen entprechen exakt den zu römischer Zeit charakteristischen Verletzungen, wie sie durch die Bleigewichte der Geißel gerissen wurden.
In den meisten Bibelübersetzungen steht nicht, daß Christus „an den Pfahl gebracht“, sondern daß er „gekreuzigt“ wurde. Man glaubt nämlich im allgemeinen, bei dem Marterwerkzeug, an das er gehängt wurde, habe es sich um ein „Kreuz“ gehandelt, bestehend aus zwei Holzstücken, und nicht um einen einfachen Stamm oder Pfahl. Nach der Überlieferung — nicht nach der Bibel — soll der Verurteilte nicht beide Teile des Kreuzes getragen haben, sondern nur den Querbalken, patibulum oder antenna genannt. Auf diese Weise suchen einige das Problem zu umgehen, daß die Last viel zu schwer gewesen wäre, als daß ein einzelner Mann sie nach Golgotha hätte tragen oder hinter sich herziehen können.
Doch wie lautet in dieser Hinsicht der Bericht der Bibelschreiber selbst? Sie verwandten das griechische Substantiv staurós 27mal und das Verb stauróo 46mal, synstauróo (auch: systauróo; das Präfix syn bedeutet „mit“) 5mal und anastauróo (das Präfix aná bedeutet „wieder“) einmal. Sie gebrauchten auch das griechische Wort xýlon, das Holz bedeutet, 5mal, um das Marterwerkzeug zu bezeichnen, an das Jesus genagelt wurde.
Das Wort staurós bedeutet weder im klassischen noch in Koine-Griechisch ein „Kreuz“, das aus zwei Balken besteht. Es hat lediglich die Bedeutung eines aufrecht stehenden Pfahles, Stammes, Spitzpfahles oder Pfostens, wie er für einen Zaun, ein Staket oder eine Palisade Verwendung finden könnte. In Reclams Bibellexikon (1978) heißt es auf Seite 285 unter „Kreuz“: „Das griech. Wort stauros bezeichnet . . . nicht einen Gegenstand oder eine Figur in K.-Form, sondern einen aufrecht stehenden, spitzen Pfahl, der als Palisade oder als Marterwerkzeug verwendet werden konnte.“
Die Tatsache, daß Lukas, Petrus und Paulus das Wort xýlon als Synonym für staurós gebrauchten, ist ein weiterer Beweis dafür, daß Jesus an einen aufrecht stehenden Pfahl ohne Querbalken geschlagen wurde, denn das ist in diesem speziellen Fall die Bedeutung von xýlon (Apg 5:30; 10:39; 13:29; Gal 3:13; 1Pe 2:24). Das Wort xýlon kommt auch in der Septuaginta vor, und zwar in Esra 6:11, wo von einem einfachen Balken oder Stamm die Rede ist, an den ein Gesetzesbrecher geschlagen werden sollte.
Daher ist die richtige Bedeutung des griechschen Wortes STAURÒS mit „Marterpfahl“ und des Verbs stauróo mit „an den Pfahl bringen“ oder ähnlich zu wiedergeben. Die Angabe in der Bibel, wonach ein einzelner Mann wie Simon von Kyrene in der Lage war, den Marterpfahl zu tragen, ist absolut vernünftig, denn wenn der Stamm einen Durchmesser von 15 cm hatte und 3,50 m lang war, wog er wahrscheinlich knapp über 45 kg (Mar 15:21).
Man beachte, was der Gräzist W. E. Vine zu diesem Thema zu sagen hat: „STAUROS bezeichnet in erster Linie einen aufrecht stehenden Pfahl oder Stamm. Übeltäter wurden zur Hinrichtung daran genagelt. Sowohl das Substantiv als auch das Verb stauroo, an einem Stamm oder Pfahl befestigen, sind ursprünglich von der kirchlichen Form eines aus zwei Balken bestehenden Kreuzes zu unterscheiden.“ Weiter führt Vine aus, das aus zwei Balken bestehende Kreuz sei chaldäischen Ursprungs; die Christenheit habe es im 3. Jahrhundert u. Z. von den Heiden übernommen und es zum Symbol der Hinrichtung Christi gemacht (Vine’s Expository Dictionary of Old and New Testament Words, 1981, Bd. 1, S. 256).
Bezeichnend ist der Kommentar in dem Buch The Cross in Ritual, Architecture, and Art: „Es mutet seltsam an, ist jedoch eine unbestreitbare Tatsache, daß das Kreuz Jahrhunderte vor der Geburt Christi als heiliges Symbol gedient hat und daß es in Ländern, die von den Lehren der Kirche unberührt geblieben sind, heute noch als heiliges Symbol dient. . . . Ein kreuzförmiges Zeichen war bei den Verehrern des griechischen Bacchus, des tyrischen Tammuz, des chaldäischen Bel und des nordgermanischen Odin das Sinnbild dieser Götter“ (von G. S. Tyack, London 1900, S. 1).
In dem Buch The Non-Christian Cross von J. D. Parsons (London 1896) heißt es außerdem: „Im griechischen Text der umfangreichen Schriften, die das Neue Testament bilden, ist kein einziger Satz zu finden, der auch nur andeutungsweise den Beweis liefern würde, daß es sich bei dem im Falle Jesu verwandten stauros um einen anderen als einen gewöhnlichen stauros handelte; von einer Andeutung, daß es sich dabei nicht um ein einziges Holzstück, sondern um zwei in einem Winkel übereinander angebrachte Holzstücke gehandelt hätte, ganz zu schweigen. . . . Es ist ziemlich irreführend, daß unsere Lehrer beim Übersetzen der in Griechisch verfaßten Schriften der Kirche in unsere Sprache das Wort stauros mit ‚Kreuz‘ wiedergeben und das dadurch stützen, daß sie in unseren Wörterbüchern die Bedeutung von stauros mit ‚Kreuz‘ angeben, ohne genau zu erklären, daß dies in keinem Fall der ursprünglichen Bedeutung des Wortes in den Tagen der Apostel entspricht und auch lange danach nicht zur Hauptbedeutung wurde, sondern diese Bedeutung bestenfalls erst dann erhielt, als man trotz mangelnder Beweise aus irgendeinem Grund vermutete, daß der besondere stauros, an dem Jesus hingerichtet wurde, diese spezielle Form hatte“ (S. 23, 24; siehe auch The Companion Bible, 1974, Anhang Nr. 162)
Darstellung der Kreuzigung Christi in der Kunst
Turiner Grabtuch
Turiner Grabtuch
Die altchristliche Kunst scheute sich, die Leidensgeschichte darzustellen. Wenn sie es dennoch tat, so geschah es in einer Weise, welche die rauhe Wirklichkeit verhüllte. Aus den ersten Jahrhunderten ist kein einziges Bild der Kreuzigung überliefert. Die Kreuzigung erscheint erst im 5. Jahrhundert deutlicher, so etwa in Rom am Portal der Basilika Santa Sabina auf dem Aventin (432 n. Chr.). Vor dieser Zeit wurde das Kreuz in den Katakomben äußerst selten dargestellt. Bis ~1100 wurde Christus als ferner Gott am Kreuz, frei von Schmerzen dargestellt. Zu einer Wende kam es um 1300, am Übergang der Romanik zur Gotik. Jesus am Kreuz wird zur Leidensfigur, mit der man mitfühlen soll. Eine Erweiterung des Bildes durch die zusammensinkende Maria umgeben mit den drei tröstenden Frauen scheint logische Folgerung zu sein. Ab dieser Zeit kommt es auch zur Entstehung des Typus des volkreichen Kalvarienbergs, einer Darstellungsform, die nicht nur die klassischen, neu testamentarisch begründeten Figuren mit einbezog, sondern darüberhinaus eine Masse an Zuschauern darstellte.
Die Darstellung der Kreuzigung erfolgte in der Romanik mit vier Nägeln, in der Gotik mit drei Nägeln, um dem Körper mehr künstlerische Bewegung und eine Stellung zu geben, die mehr geeignet schien, die Gläubigen zu rühren.
Siehe auch
- Sklavenkriege
- Pfählung
- Hinrichtung mit den Mulden
- Todesstrafe
- Kreuzerhöhung
- Portal:Bibel
Weblinks
- [http://www.Grabtuchvonturin.de Grabtuch von Turin]
- [http://www.elcappuccino.ch/kaffeesatz/bibel/KruxmitKrux.htm Die Krux mit dem Krux - drei Nägel für Jesus]
- [http://www.jesus.ch/index.php/D/print/157/22564/ Das Kreuz mit dem Kreuz]
- [http://www.theologie-systematisch.de/christologie/11passion.htm Aktuelle Literatur zur Kreuzigung Jesu Christi]
Kategorie:Todesstrafe
ja:磔
Kirchenschiff
Kirchen werden - insbesondere wenn es sich um Basiliken handelt - in verschiedene Schiffe aufgeteilt (Saalkirchen sind einschiffig, bei Hallenkirchen gibt es Seitenschiffe, die gleich hoch wie das Hauptschiff sind). Die Bezeichnung "Schiff" stammt vom griechischen Wort "naos", welches für den geschlossenen Tempelraum steht.
Kirchenschiff
Das Kirchenschiff ist der Überbegriff des Teils der Kirche, in dem heute zumeist die Sitzbänke für die Gottesdienstbesucher stehen.
Längsschiff
Das Längsschiff (auch Hauptschiff) ist die Bezeichnung für das mittlere Kirchenschiff im rechteckigen Grundriss, sofern die Kirche noch Seitenschiffe hat. Es liegt in west-östlicher Ausrichtung.
In der klassischen Basilika der Gotik hat das Hauptschiff einen drei-, oder vierteiligen vertikalen Aufbau.
- Arkade - die trennenden Bögen zu den niederen Seitenschiffen.
- Empore - ist vielfach weggefallen
- Triforium - ein Laufgang, der durch Maßwerk zum Hauptschiff getrennt ist
- Obergaden - die Fensterzone des Hauptschiffs
Hinter Empore und Triforium verbirgt sich das Pultdach der Seitenschiffe.
Mittelschiff
Das Mittelschiff ist das mittlere Kirchenschiff, wenn diesem noch durch Säulen und Bögen getrennte Seitenschiffe angebaut sind.
Seitenschiff
Obergaden
Das Seitenschiff ist die Bezeichnung für die kleineren Kirchenschiffe, die seitlich ans Haupt-, Mittel- oder Längsschiff angebaut sind.
Ein längsseitig des Hauptschiffs gelegenes Seitenschiff wird auch als Nebenschiff oder als Abseite bezeichnet.
Querschiff
Das Querschiff=Transept bezeichnet das in nord-südlicher Richtung verlaufende Schiff, welches in der östlichen Seite des Hauptschiffes liegt. Dadurch bekommt der Grundriss der Kirche eine Kreuzform.
Kategorie:Kirchenbau
Lettner]
Der Lettner (von lat.: lectorium Lesepult, Kanzel) ist eine steinerne oder hölzerne Barriere, die anstelle der Chorschranke in vielen alten Kathedralen, Kloster- und Stiftskirchen den Altarraum vom restlichen Kirchenschiff abtrennt. Im späten Mittelalter war der heutige Lettner als das Doxale bekannt.
Liturgiegeschichtlich spielen für das Entstehen von Lettnern zwei Entwicklungen eine Rolle:
- die Aufteilung der christlichen Gemeinde in Geistliche und Laien, die besonders im Vollzug des Gottesdienstes sichtbar wurde
- die Trennung von Weltkirche und klösterlicher Kirche
In manchen Kirchengebäuden sind Lettner und Kanzel miteinander verbunden. Andere Lettner sind als Bühne konstruiert und bieten Platz für eine Orgel beziehungsweise für einen Chor.
Wertvolle erhaltene Lettner befinden sich u.a.
- in der Basilika Hl. Kreuz in Wechselburg, 1235 (Kloster Wechselburg)
- im Naumburger Dom
- in der Kirche St. Maximin in Trier
- in der Klosterkirche Haina
- in der Elisabethkirche (Marburg)
- im Meißner Dom
- in der Oberweseler Liebfrauenkirche
- in der Ludgeri-Kirche (Norden)/ Ostfriesland. Hier dient der Lettner als Orgelboden für die berühmte Arp Schnitger-Orgel.
- in der Marienkirche in Gelnhausen
- in der Lübecker Aegidienkirche (Tönnies Evers d. J.)
- im Lübecker Dom (Bernt Notke, 1477)
- im Dom zu Halberstadt (1510)
Kategorie:Kirchenbau
Kategorie:Bauteil
Bretagne
Die Bretagne [] (bretonisch Breizh //) ist eine Region im Nordwesten Frankreichs. Sie umfasst die Départements Côtes d'Armor (bret. Aodoù-an-Arvor), Finistère (bret. Penn-ar-Bed), Ille-et-Vilaine (bret. Ilh-ha-Gwilen)und Morbihan (bret. Mor-bihan). Die Hauptstadt der Bretagne ist Rennes (bret. Roazhon). Die Gallier nannten ihr Land Aremorica (bret. Arvorig), was soviel bedeutet wie "Land vor dem Meer".
Geografie
Die Bretagne ist die größte Halbinsel Frankreichs und stellt den westlichsten Ausläufer des französischen Festlands dar. Ihre Nordküste grenzt an den Ärmelkanal, die Süd- und Westküste an den Atlantik. Armor, ist die bretonische Bezeichnung für Meer, doch damit ist nicht allein die Küste gemeint, sondern auch die Inseln, die amphibische Zone das Watts und der breite Küstenstreifen. Argoat nennt der Bretone das Waldland der Bretagne.
Die Landmasse der Bretagne ruht in weiten Teilen auf sehr altem und hartem Gestein. Die Bretagne besitzt eine sehr zerklüftete Küstenlinie, die – besonders im Westen – über weite Strecken als Steilküste ausgebildet ist. Am Cap Frehel, nahe der alten Festung Fort la Latte, ragen die Granitklippen über 70 Meter aus dem Atlantik heraus. Andernorts stellt sich die Landschaft eher als hügelig dar; besonders steile oder hohe Berge sucht man vergebens. Die höchste Erhebung ist der Roc'h Trévézel (384 Meter) im Höhenzug der Monts d'Arrée (bret. Menez Are).
Ursprünglich war die Bretagne überwiegend von Wald bedeckt (Überreste dieses riesigen Waldgebietes zwischen dem früheren Forêt de Scissy in der Nähe des heutigen Mont Saint Michel (bret. Menez Mikael) und der Brocéliande (bret. Brekilien) finden sich zum Beispiel westlich der Stadt Rennes (bret. Roazhon) im sogenannten Zauberwald von Paimpont). Ein weiteres bekanntes Waldgebiet befindet sich bei Huelgoat im Finistère. Doch das ursprüngliche Landschaftsbild im Innern ist seit den mittelalterlichen Rodungsperioden stark verändert worden. Es ist inzwischen weitgehend einer industrialisierten Landwirtschaft gewichen.
So finden sich im Inneren der Bretagne nur noch wenige größere Buchen- und Eichenwälder. Die Landschaft wird heute von Äckern und Grünland beherrscht, welches durch die unzähligen Hecken (bocage) und Steinmauern schachbrettartig aufgeteilt wird.
Geschichte
Finistère
Um 500 v. Chr. ließen sich die ersten Kelten – das Volk das „aus dem Dunkeln“ kam – auf der bretonischen Halbinsel nieder und nannten sie Aremorica bzw. Armorica, "Land am kleinen Meer" (womit offenbar der Golf von Saint-Malo gemeint ist).
Im 2. Jh. v. Chr. lebten auf der bretonischen Halbinsel fünf keltische Stämme: die Veneter im Süden, die Osimier im Nordwesten, die Redoner im Osten, die Coriosoliter im Norden und schließlich die Namneter im Südosten. Sie bildeten keine Einheit, sondern waren untereinander zerstritten. Der mächtigste Stamm unter ihnen waren die Veneter, die im 1. Jh. v. Chr. alle anderen Volksstämme beherrschten. Sie standen an der Spitze des Bundes aller keltisch-bretonischen Stämme, die den Römern ab 58 v. Chr. Widerstand leisteten.
Die Römer
Im Jahr 56 v. Chr. besiegte Cäsar mit seinen römischen Legionen nahezu die gesamte bretonische Armee in einer verheerenden Seeschlacht. Keltische Stämme zogen sich nach Britannien zurück und wichen auch dort vor der römischen Eroberung in die Randzonen aus. Die Romanisierung der Bretagne begann unmittelbar nach der Eroberung. Beendet war sie nach einem lange andauernden Prozess jedoch erst gegen Ende der Spätantike. Zu diesem Zeitpunkt war auch die keltische Sprache wohl fast vollständig verschwunden. Sie war nur noch auf dem Land zu hören und gar nicht mehr in Städten.
(Quelle - Cäsars „De Bello Gallico“)
Britannische Einwanderung
Zu Anfang des 5. Jahrhunderts, unter dem Kaiser Honorius, bildeten die aremorischen Häuptlinge und Städte zum Schutz gegen die Germanen einen Bund, der bis zur Eroberung des Landes durch den Frankenkönig Chlodwig I. um 500 bestand. Ab etwa 450 n. Chr., nach dem Niedergang des Römischen Reiches, wanderten die ersten christianisierten Kelten aus dem Südwesten Britanniens auf der bretonischen Halbinsel ein. Zeitgleich dehnten sich die Siedlungsgebiete der heidnischen Sachsen, Angeln und Jüten auf der britischen Hauptinsel immer weiter aus. So setzten etwa zwei Jahrhunderte lang in unregelmäßigen Abständen die sogenannten Inselkelten zur Bretagne über. Sie besiedelten und christianisierten Armorica und brachten ihre bretonische keltische Sprache in das bereits lange romanisierte ehemalige Gallien. Das Bretonische ist also nicht die Fortsetzung der zu Cäsars Zeiten gesprochenen keltischen Sprache (Gallisch). Im Zuge der Stärkung der keltischen Sprache und Kultur wurden die Gallorömer immer weiter zurückgedrängt, bis sie die Vorherrschaft um 580 endgültig verloren.
Königreich, Karolinger, Herzogtum Bretagne
Um 600 gründeten die Bretonen ein Königreich, das 200 Jahre Bestand hatte und erst 799 durch Karl den Großen zerschlagen wurde.
845 besiegt der Bretonnische Graf Nominoë den französischen König Karl den Kahlen in der Schlacht von Ballon und macht aus der Bretagne zu einem vom Papst anerkannten unabhängigen Königreich, dessen König er wird.
Aber es kam wie schon Jahrhunderte zuvor zu Streitigkeiten zwischen den einzelnen Gebieten. So endete die Zeit des Königtums in der Bretagne um die Jahrtausendwende, gefolgt von der Etablierung unzähliger kleinerer Herzogtümer, die ständig um das Land stritten.
Das Gebiet des bis ins 15. Jahrhundert eigenständigen Herzogtums Bretagne dehnte sich im Zuge von kriegerischen Auseinandersetzungen mit Normannen und Franzosen mal mehr, mal weniger weit aus. Zum Kerngebiet der historischen Bretagne zählen neben den obengenannten vier départements auch die Loire-Atlantique (bret. Liger-Atlantel) und das, seit 851.
- siehe auch: Herrscherliste Bretagne
Mittelalter und Französische Feudalzeit
Schließlich konnten die Herzogtümer den Bedrohungen ihrer Nachbarn nicht standhalten und riefen fremde Länder um Hilfe an. Diese waren Frankreich und England, die in folgenden Jahren ihre Herrschaftsansprüche auf die Bretagne geltend machen wollten und auch in den Bretonischen Erbfolgekrieg verwickelt waren, der Mitte des 14. Jh. für 20 Jahre tobte. Hierbei gelang es Englands Favoriten Jean de Montfort die Herrschaft zu erringen und sich als Herzog der Bretagne durchzusetzen. Es folgen Jahre der Blüte und des Wachstums, als Herzog Franz II. Ende des 15. Jh. zu einer Schlacht gegen die Franzosen zog und kläglich verlor.
Franz II.
Anne de Bretagne (1477-1514), die Tochter Herzog Franz II., war die letzte unabhängige Herrscherin der Bretagne. Sie heiratete nacheinander zwei französische Könige: Karl VIII. im Jahr 1490, und dessen Thronfolger Ludwig XII. 1499 (Ludwig XII. war nicht Sohn seines Amtsvorgängers). Um die Thronfolge zu gewährleisten und diesbezüglich keinerlei Streitigkeiten zu provozieren, gebar die noch junge Anne bereits in frühen Jahren ihre ersten Kinder (insgesamt 11), von denen jedoch nur drei älter als drei Jahre wurden. Ihre Tochter, Claude de France, heiratete Franz I. Dieser proklamierte auf einer Ständeversammlung in der südbretonischen Stadt Vannes 1532 die offizielle "Angliederung" an das französische Königreich. Bis heute fühlen sich viele Bretonen durch den französischen Staat 'besetzt', was sich z.B. in der Sprengung des Vereinigungsdenkmals in Rennes (bret. Roazhon) im Jahr 1932 manifestiert hat.
Die Neuzeit
Als Provinz Frankreichs bekam die Bretagne das Recht auf eine eigene Städteversammlung. Dieses Parlament, das in Rennes zusammentrat blieb bis zur Französischen Revolution bestehen.
Die Jahre nach der Annektierung waren von hohem Wohlstand und Blüte gekennzeichnet. Dieses traf vor allem auf die Küstenstädte zu, wogegen das Hinterland weiter von Armut und Rückständigkeit gekennzeichnet war. Ab etwa 1700 entwickelte sich allmählich das Neubretonische, was im Wesentlichen der wissenschaftlichen Erforschung der Sprache zu verdanken war. War es in vergangenen Zeiten der Fremdherrschaft schon schwierig gewesen, die bretonische Sprache und Kultur zu erhalten, so spitzte sich alles nach der Französischen Revolution zu. Hatten die Bretonen erst große Hoffnungen damit verbunden, zeigten sich die neuen Herrscher nun als erneute Unterdrücker, indem sie die bretonische Sprache und die freie Religionsausübung der dort lebenden Katholiken verboten. Doch die Sprache und Kultur blieb erhalten, getragen von der Mehrheit der Bevölkerung und Gruppen von Unabhängigkeitskämpfern.
Aus Furcht, das Französische könne schlechten Einfluss auf das Bretonische haben, wurde 1898 die „Union Régionaliste Bretonne“ gegründet, welche das Ziel hatte, den Gedanken einer unabhängigen Bretagne populär zu machen. Dazu kam die 1911 gegründete „Fédération Régionaliste de Bretagne“, welche sich für die Autonomie der Bretagne einsetzte und die Zeitung „Breiz Dishual“ (Freie Bretagne) herausbrachte. Beide Gesellschaften mussten jedoch ihre Aktivitäten in den Wirren des Ersten Weltkrieges einstellen.
Der Erste Weltkrieg
Im Verlauf des Ersten Weltkrieges mussten die Bretonen viel Blutzoll bezahlen. Etwa 10% der Gesamtbevölkerung, also 240.000 Soldaten ließen ihr Leben. Das war immerhin jeder vierte, der in den Krieg gezogen war. Im Vergleich dazu, wurde im Krieg nur jeder 8. Französische Soldat getötet. Einer der Gründe für die hohen Verluste seitens der Bretonen war, dass sie bei Angriffen und überhaupt oft in erster Linie eingesetzt wurden. Der französischen Sprache kaum mächtig, konnte es auch vorkommen, dass sie von ihren französischen Landsleuten erschossen wurden, da diese sie für Spione hielten.
Die Nachkriegszeit
Bedingt durch die hohen Verluste durch den Krieg wurden die Bretonen um so mehr angestachelt, auf ihre Unabhängigkeit zu drängen. Die rechten Intellektuellen gründeten die Zeitung „Breiz Atao“ (Bretagne für immer), die für eine freie Bretagne in einem Europa ohne Grenzen eintrat. Dicht gefolgt von der linksliberalen „Nationalistischen Bretonischen Partei“ (P. N. B.), welche die Untergrundorganisation „Gwen ha du“ (Weiß und Schwarz), benannt nach der bretonischen Flagge, ins Leben rief. Letztere versuchten ihre Bestrebungen mit Waffengewalt durchzusetzen.
Der Zweite Weltkrieg
Nach dem wirtschaftlichen Aufschwung der 30er Jahre brach der Zweite Weltkrieg aus. Nachdem die Bretagne fast kampflos an die deutschen Truppen gefallen war, bauten diese die Küsten zu wahren Festungen aus, die dann Ziel der Alliierten Bombardierungen wurden. Dabei wurden die meisten Küstenstädte weitgehend zerstört.
Trotz dieser Opfer des Krieges in der eigenen Bevölkerung sahen einige Bretonen in der Zusammenarbeit mit den faschistischen Deutschen den Weg zur Unabhängigkeit. Die radikalsten Nationalisten der „Nationalistischen Bretonischen Partei“ (P. N. B.) und deren Untergrundorganisation „Gwen ha du“ wirkten daran mit.
1941 wurde das Département Loire-Atlantique von der Vichy-Regierung (unter deutscher Besatzung) völlig willkürlich vom Rest der Bretagne abgetrennt. Dieser Entscheidung wurde bisher nie – weder durch einen demokratischen Volksentscheid noch durch eine Entscheidung von Volksvertretern – zugestimmt, wobei die letzten Umfragen klar einen Wiedervereinigungswillen der Bretonen von Loire-Atlantique widerspiegeln.
Nach 1945
Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchten die als Kollaborateure verhaßten Regionalisten unter und es kam durch die liberalen Kräfte zu einer Wiederbelebung der bretonischen Sprache und Kultur. Dieses verstärkte sich noch, als Präsident Charles de Gaulle 1951 ein Komitee zur Förderung der Interessen der Bretagne einsetzte und die Kultur und Sprache förderte. Durch diese Unterstützung seitens die Regierung erlebte die Region einen ungeahnten wirtschaftlichen Aufschwung und die weitere Abwanderung der Bretonen wurde verhindert. Durch diese Maßnahmen ist die Halbinsel zur bedeutendsten Agrarregion und, hinter der Côte d'Azur, zur zweitwichtigsten Fremdenverkehrregion geworden.
Bevölkerung, Sprache und Kultur
Volksvertreter
Volksvertreter
In der Bevölkerung der Bretagne mischen sich keltische Einwanderer aus Südwestengland mit von Norden und Osten vordrängenden Normannen und Franzosen.
Mit der Einführung der allg. Schulpflicht im Frankreich des späten 19. Jh. wurden alle Minderheitensprachen unterdrückt. An den Schulen war es streng verboten Bretonisch zu sprechen. Schüler, die gegen diese Vorschrift verstießen, mussten als Zeichen der Schande ein Hufeisen um den Hals tragen und durften es erst ablegen, wenn sie einen anderen Mitschüler verrieten, der das verbotene Bretonisch sprach. Nach einer kurzen Phase der (unter dem Eindruck der Schwäche des besetzten Frankreich erzwungenen) Duldung in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts und einer darauf folgenden Zeit erneuter Repression (unter Kollaborationsvorwurf) wird die bretonische Sprache mittlerweile vom französischen Staat geduldet, wenn auch nicht gefördert. Erst 1951 hob der Staat das Verbot der regionalen Sprachen auf, das Bretonische bleibt aber immer noch offiziell nicht anerkannt. Bis zur Einführung allgemeinen Unterrichts sollten aber noch Jahre vergehen. So wurde 1967 150.000 Unterschriften gesammelt, um für den Unterricht der bretonischen Sprache an Schulen zu demonstrieren. Seit den siebziger Jahren wird in den von einem Verein getragenen Diwan-Schulen Unterricht auf Bretonisch erteilt - mit Französisch als zweiter Schriftsprache ab dem zweiten Schuljahr. Nun besteht die Möglichkeit, Bretonisch im Abitur zu wählen, später auch in den unteren Klassen. Waren es am Anfang nur wenige Schüler, so lernen heute bereits ca. 3.000 Schüler Bretonisch durch Immersionsunterricht. In staatlichen Schulen (Elternverband Div Yezh) können einige tausend Schüler einem Teil ihres Unterrichts auf Bretonisch folgen. Kulturelle Gruppen und private Einrichtungen (Vereine Dihun und Diwan) fördern die Sprache. Daneben existiert noch an einzelnen Schulen die Möglichkeit, die Sprache als Freifach zu erlernen, was aber derzeit aufgrund von Einsparungen im Bildungssektor und vom schlechten Willen der französischen Regierung erschwert wird, da viele Posten nicht nachbesetzt werden.
Unter dem Eindruck des drohenden Aussterbens der Sprache hat der bretonische Regionalrat Ende 2004 beschlossen, das Bretonische zu fördern, soweit es mit seinen sehr begrenzten finanziellen und politischen Möglichkeiten machbar ist. An den Universitäten von Brest und Rennes wurden Lehrstühle für die bretonische und die keltischen Sprachen eingerichtet. Die Universitäten geben zudem noch vier Zeitschriften heraus: „Ar Vro“ (Das Land), „Hor Yezh“ (unsere Sprache), „Skol“ (Schule) und „Skrid“ (Essays).
Auch Bücher werden veröffentlicht; meistens in Auflagen von 1.500 bis 2.000 Stück. Wahre Bestseller sind hingegen das „Kan an Douar“ (Lieder der Erde) und das Bretonisch-Französische Wörterbuch, welche innerhalb von 10 Jahren 20.000 Mal verkauft worden sind. Mittlerweile gibt es bretonische Zeitungen, Radiostationen und Fernsehsendungen (aber in sehr geringer Zahl im Vergleich mit Ländern wie Wales).
Gesprochen wird Bretonisch nur noch von maximal 250.000 der 2,3 Mio. Bretonen und noch einmal so viele verstehen es. Im täglichen Gebrauch wird die Sprache von weitaus weniger Personen regelmäßig verwendet. Über zwei Drittel der Sprecher sind mittlerweile über 60 Jahre alt, der Anteil bei den Unter-15-Jährigen lag zum Zeitpunkt von F. Broudics Untersuchung 1992 deutlich unter 5%. Die Mehrzahl der Sprecher sind Muttersprachler, allerdings verschiebt sich das Gewicht immer mehr in Richtung der vielleicht 30.000 Sprachaktivisten, die das Bretonische erst in der Schule oder später erlernt haben.
Kulturell haben die vielfältigen Megalithmonumente nichts "keltisches" an sich, sondern stammen aus der Jungsteinzeit. Die Bezeichnungen für die verschiedenen Typen megalithischer Bauwerke im Deutschen sind pseudobretonisch (d. h. aus bretonischen Wurzeln auf nicht der bretonischen Grammatik entsprechende Weise zusammengesetzt): Dolmen etwa (aus bret. taol - Tisch, Tafel und maen - Stein). Die korrekte bretonische Bezeichnung lautet taol-vaen. Gleiches gilt für den Begriff Menhir (aus bret. maen - Stein und hir - lang), der im Bretonischen nicht existiert, wo stattdessen das Wort peulven verwendet wird.
Die bretonische Musikszene ist ausgesprochen lebendig. Wo in anderen Teilen der westlichen Welt Jugendliche in die Disco gehen, zieht es die jungen Bretonen noch heute zum Fest-noz ("Nachtfest"), wo mit sowohl traditionellen - beispielsweise binioù kozh (Dudelsack), bombard (Bombarde) oder treujenn gaol (Klarinette) - als auch modernen Instrumenten zu überlieferten Volkstänzen aufgespielt wird. Daneben gibt es eine Tradition rein vokaler Tanzmusik, die im Stil des Kan-ha-Diskan ("Gesang und Gegengesang") vorgetragen wird. In der bretonischen Vokalmusik ist außerdem das Genre der Gwerzioù (Klagelieder/Balladen/Moritaten) von großer Bedeutung. Bedeutende Interpreten sind u. a. Yann-Fañch Kemener, Annie Ebrel, Erik Marchand und Denez Prigent.
Kulturelle Gemeinsamkeiten mit den anderen keltischen Regionen zeigen sich außer in der Sprache auch auf anderen kulturellen Bereichen, etwa in der Literatur (worunter auch das große Feld der mündlichen Überlieferung fällt) und der Küche. In der mittelbretonischen Literatur haben sich Reste einer Versform namens kenganez erhalten, die dem walisischen cynghanedd stark ähneln und durch eine komplizierte Kombination von Stab-, Binnen- und Endreimen gekennzeichnet ist. Außerdem dürften die Motive der Artus-Literatur durch bretonische Vermittlung aus Großbritannien auf den europäischen Kontinent gelangt sein.
Klarinette
Die traditionelle bretonische Küche ist, so wie die der anderen keltischen Länder auch, trotz ihrer Vielfalt an Fisch und Meeresfrüchten primär das Produkt einer alten Viehzüchter- und Bauernkultur. Neben Fleisch spielten vor allem Milchprodukte wie gesalzene Butter und Buttermilch (die Käseproduktion blieb lange deutlich unterentwickelt), Getreidebreie (bret. yod), in Säckchen gekochter Sterz (bret. farz) und Crêpes (bret. krampouezh) Hauptrollen in der traditionellen Ernährung der ländlichen Bevölkerung.
Politik
Unter den Bretonen gibt es nicht erst seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wieder bedeutsame Autonomiebestrebungen, die sich vor allem in den 70er Jahren mitunter in Attentaten auf staatliche Einrichtungen manifestierten, die von der ARB (bret. ADB, Arme Dispac'hel Breizh) - Bretonische revolutonäre Armee - begangen wurden (Terroranschlag auf das Schloss Versailles...). Auch in den 90er Jahre wurde eine Reihe von Attentaten (in Cintegabelles, Stammsitz vom damaligen Premier Lionel Jospin sowie in Belfort, Stammsitz vom damaligen Innenminister Jean-Pierre Chevenement) geführt.
Wirtschaft
Wirtschaftlich gehört die Bretagne zu den strukturell schwächeren Landesteilen Frankreichs. Vorwiegend im Sommer profitiert sie stark vom Tourismus, der sich überwiegend an den Küsten abspielt. Die französische Regierung unternahm Ende des 20. Jahrhunderts verstärkte Anstrengungen, Industrieunternehmen die Ansiedlung in der Bretagne schmackhaft zu machen - was auch teilweise erfolgreich war. Dennoch ist die Landschaft - besonders im Binnenland - überwiegend agrarisch geprägt. Die Landschaft "Léon" (bret. Bro Leon) im nördlichen Finistère ist bekannt für Gemüseanbau (Artischocken, Blumenkohl, Frühkartoffeln), in den Côtes-d'Armor überwiegen Schweinezucht, Putenmast und Milchviehhaltung.
Doch wie steht es mit der wirtschaftlichen Lage der Bretagne? Lange Zeit galt sie als Armenhaus Frankreichs. In den 60er Jahren veranlasste die Unabhängigkeitsbestrebungen die Zentralregierung in Paris, in die Industrialisierung der Bretagne zu investieren. Durch diese hohen Investitionen konnten Tourismus, Fischerei, Landwirtschaft und Industrie zu einträglichen Industriezweigen werden.
Erschwerend kam allerdings die ungünstige Lage zu den großen Absatzmärkten hinzu, welches zusammen mit der niedrigen Kaufkraft der Region den Aufschwung erschwerte.
Als Küstenregion spielen auch der Fischfang und - speziell an der Nordküste - die Austernzucht für die Bretagne eine Rolle. In Cancale - Nordküste - werden die Austern auf 450 Hektar gezüchtet.
im Golfe von Morbihan - Südküste - auf 1500 Hektar. Dabei gelten gemeinhin diejenigen aus Cancale seit Jahrhunderten als die qualitativ und geschmacklich hochwertigsten Austern Frankreichs (überlieferte Transporte der Cancale-Auster bis nach Rom; Lieferprivileg für den französischen Königshof).
Energie
Côtes-d'Armor
An der Ärmelkanalküste zwischen Saint-Malo (bret. Sant Maloù) und dem Mont-Saint-Michel (bret. Menez Mikael) herrscht ein enormer Tidenhub von 9 - 15 m (abhängig vom Gezeitenkoeffizienten). Dieser Gezeitenunterschied wird in einem 1967 fertig gestellten Gezeitenkraftwerk in der Mündung der Rance, zwischen Dinard (Dinarzh) und St. Malo, zur Gewinnung von Strom genutzt. Dieses Kraftwerk besitzt ein Besucherzentrum, dass interessante Einblicke in die Technik zur Erzeugung von Strom durch Gezeitenkraft liefert, das allerdings derzeit aufgrund eines nach den Attentaten des 11. September aufgestellten Sicherheitsplans nach wie vor nicht besucht werden kann (Stand Oktober 2004).
Weiterhin bietet sich das küstennahe Land mit seinen fast ständig wehenden Winden aus nordwest- und westlichen Richtungen hervorragend zur Stromgewinnung durch Windenergie an. Erste Windparks an den Steilküsten produzierten 2002 bereits Strom, ein schneller weiterer Ausbau ist in Planung. In den letzten Jahren wurden auch auf den Hügeln im Landesinneren zahlreiche Windkraftwerke errichtet.
Ein atomarer Versuchsreaktor mit schwerem Wasser war von 1967 bis 1985 in Brennilis in Betrieb. Trotz der guten geografischen Voraussetzungen konnten die Bretonen jedoch durch vehemente Proteste den Bau von weiteren Atomkraftwerken in ihrer Region komplett verhindern. Der Reaktor von Brennilis, das älteste Atomkraftwerk Frankreichs, wird zur Zeit demontiert.
Quellen und Links
Berger, Marianne: Sprechkontakt in der Bretagne
Grashäuser, Jochen: Bretagne
Rother Almut: Bretagne
Stephens, Meic: Linguistic Minorities in Western Europe
- [http://www.ofis-bzh.org Ofis ar brezhoneg - Breton language office ]
- [http://www.gwalarn.org/ Gwalarn - Dorioù Breizh - Breton language & culture]
- [http://www.bretagne-infos.fr/ Keleier diwar-benn Breizh – News about Brittany]
- [http://www.antourtan.org/ An Tour Tan- Dorioù Breizh – Breton culture and traditions]
- [http://www.histoire-bretagne.com/ Skol uhel ar vro – High Institute of Brittany - Ti Istor Breizh – The house for the History of Brittany]
- [http://www.bagadoo.tm.fr/sites-antourtan.html/ Gouelioù Breizh - Breton events]
- [http://www.lexilogos.com/bretagne_drapeau.htm Banniel Breizh – Brittany’s flag & Geography]
- [http://www.frenchentree.com/france-brittany-culture-traditions/ FrenchEntree-Brittany - Breton culture and traditions in english]
- [http://www.chez.com/buan1/history_of_brittany.htm Istor Breizh e saozneg - History of Brittany in english]
- [http://www.breizh.net/identity/ Personelezh Breizh e saozneg - Breton identity in english ]
- [http://www.brittany-bretagne.com/pg/dates.htm Deizoù Istor Breizh e saozneg - Dates of Brittany' s History in english]
- [http://www.geobreizh.com/ Douaroniezh Breizh – Geography of Brittany]
- [http://www.artouest.com/ Arzh ha sevenadur e Breizh – Art and culture in Brittany]
- [http://www.portailbreton.net/ Dorioù Breizh - Breton culture]
- [http://www.antourtan.org/radio_fr.html Skingomz e Breizh – Breton broadcasting - e brezhoneg hag e galleg - in breton and french]
- [http://www.breizh.de/ www.breizh.de - Bretonische Kultur und Musik, das deutsche Online-Magazin]
- Liste der Präsidenten des Regionalrates der Bretagne seit 1986
Kategorie:Bretagne
Kategorie:Historisches Territorium
Kategorie:Historische Landschaft
Kategorie:Halbinsel
Kategorie:Geographie (Frankreich)
ja:ブルターニュ地域圏
Stifter
Als Stifter wird der Gründer oder Erbauer eines Bauwerks oder einer Kultstätte bezeichnet, später auch jemand, der den entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung stellte. Als sogenannte Stifterfiguren erscheinen Auftraggeber für ein kirchliches Bauwerk oder ein Ausstattungsstück in der kirchlichen Kunst seit frühchristlicher Zeit. Stifter von Kirchen sind häufig mit einem Kirchenmodell als Attribut ausgezeichnet. So ist beispielsweise die Kaiserin Kunigunde an der Adamspforte des Bamberger Doms dargestellt.
Auf kirchlichen Ausstattungsstücken erscheinen Stifter meist betend, im frühen Mittelalter sind sie häfuig verschwindend klein neben den Heiligen oder Christus dargestellt. Diese Darstellungsweise - als kleine, in einer der unteren Bildecken angeordneten Figuren - bleibt bis ins ausgehende Mittelalter erhalten.
Ab dem 15. Jahrhundert treten aber bereits Stifter in annähernd gleicher Größe mit den dargestellten Heiligen auf. Auf den protestantischen Altären der Renaissance werden Stifter häufig auf den Altarflügeln oder auf der Predella dargestellt.
Sonstiges
Gestiftet werden heute vorwiegend Institutionen mit gemeinnützigem Anliegen. Englische Bezeichnungen sind benefactor, founder und - als Stifter eines Treuhandvermögens - trustor.
Literatur
- Ulrich Brömmling: Die Kunst des Stiftens. 20 Perspektiven auf Stiftungen in Deutschland. Berlin: edition pro arte infantibus, 2005. ISBN 3-9805009-6-9
Siehe auch
Stiftung, Mäzen, Stift
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Gerokreuz
Das Gerokreuz (auch: Gerokruzifix) im Kölner Dom ist das älteste erhaltene Großkruzifix Nordeuropas. Das 2,88 m hohe Kreuz stammt aus der ottonischen Zeit zum Ende des 10. Jahrhunderts und gilt als eine der ersten Monumentalskulpturen des Mittelalters. In der Geschichte der abendländischen Ikonographie steht es als Beispiel für die Wende in der Darstellung des christliche Erlösers, der — zuvor meist heldenhaft und siegreich in aufrechter Position dargestellt — erstmals leidend und menschlich gezeigt wird. Die Skulptur gilt deshalb als ein Vorbild für viele folgende Christusdarstellungen des Mittelalters.
Geschichte
Entstehung
Mutmaßlicher Auftraggeber des Gerokreuzes ist der Kölner Erzbischof Gero. Gero reiste 971 im Auftrag des Kaisers Otto I. nach Konstantinopel (dem heutigen Istanbul), um eine Tochter des oströmischen Kaisers als Braut für den Kaisersohn Otto, den späteren Kaiser Otto II., zu vermitteln. Nach längeren Verhandlungen brachte er als Braut schließlich die 12-jährige Kaisernichte Theophanu mit ins Heilige Römische Reich. Theophanu hatte zahlreiche Künstler und Handwerker in ihrem Gefolge, die zu dem wachsenden Einfluss byzantinischer Kunst im Reich beitrugen — wobei auch Gero selbst während seines längeren Aufenthalts in Konstantinopel die dortige Kunst gut kennen gelernt haben und seinen Einfluss auf die Gestaltung des Kreuzes geltend gemacht haben könnte.
Das Kreuz wurde in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts von einem unbekannten Künstler angefertigt. Sicher ist aufgrund der Holzherkunft, dass es in Köln oder Umgebung hergestellt wurde. Das Kreuz wurde im Alten Dom, der Vorläuferkirche des heutigen Kölner Doms, in der Mitte des Langhauses am Sarkophag seines Stifters Gero aufgestellt.
Der Chronist Thietmar von Merseburg berichtete in seiner Chronik zu Beginn des 11. Jahrhunderts von dem Kreuz und einem damit zusammenhängenden Wunder des Gero, der einen Riss im Kopf der Skulptur durch Einlegen einer geweihten Hostie und eines Reliquiensplitters sowie inbrünstiges Beten zum Verschwinden gebracht haben soll:
:Den hölzernen Crucifixus, der jetzt mitten in der Kirche über seinem Grabe steht, ließ er [Gero] kunstfertig herstellen. Als er jedoch einen Riß in seinem Haupte bemerkte, heilte er ihn ohne eigenen Eingriff durch des höchsten Künstlers so viel heilbringendere Hilfe. Einen Teil vom Leibe des Herrn, unseres einzigen Trostes in allen Nöten, vereinigte er mit einem Teile des heilbringenden Kreuzes, legte ihn in den Spalt, warf sich nieder und rief den Namen des Herrn flehentlich an; als er sich wieder erhob, hatte er durch sein demütiges Lobpreisen die Heilung erwirkt. (Thietmar III., 2, zitiert nach der Übersetzung von Werner Trillmich)
Spätere Erwähnungen und Ereignisse
Nachdem im August 1248 der Grundstein für den neuen, gotischen Dom gelegt worden war, brannte der alte karolingische Dom bei den Abbrucharbeiten vollständig ab. Das Gerokreuz überstand den Brand und wurde seit 1270 im Kapellenkranz des neuen Kirchengebäudes, vermutlich über dem Altar der Stephanuskapelle, aufgestellt, wo sich noch heute der Sarkophag von Gero befindet.
Spätestens 1351 wurde das Kreuz an die Ostwand der Kreuzkapelle versetzt, wo es bis in die Gegenwart hängt. Dies ist durch eine Stiftungsurkunde belegt, in der die von der Schneiderzunft gegründete Heiligkreuzbruderschaft dem Dom einen Kerzenbalken („Schneiderbalken“) stiftete, der noch heute vor der Kreuzkapelle hängt; dabei ist die Rede von ante introitum chori versus altare s. crucis, einige Jahrzehnte später heißt es zu diesem Ereignis:
:Wilche broiderschaft haint sij gemacht ind gestift in die ere des almeichtigen goitz und des heiligen cruizes, bewilligt auch, dat sieh einen balken mit vunf kerzen bij des heiligen cruz altair setzden. [...] vur dem heiligen sacrament, dat da steit in dene houfde des heiligen crutz in deme Dome… zitiert aus Ludwig Kröger, Das Gero-Kreuz im Kölner Dom
In der Vita der Irmgard von Süchteln aus dem 14. Jahrhundert wird das Gerokreuz ebenfalls erwähnt; die Legende berichtet, dass während ihrer dritten Pilgerfahrt nach Rom ein Kreuz in einer dortigen Kirche zu ihr gesprochen und „Grüße“ an das Gerokreuz in Köln ausgerichtet habe. Auch hier ist von dem Kreuz …in ecclesia S. Petri prope sacristiam bzw. später in einer Übersetzung von …in St. Peterskirchen zu Collen vur der gherkammere, also von einem Standort vor der Sakristei die Rede; der Eingang zur Sakristei befindet sich an der Nordwand der Kreuzkapelle.
Der das Kreuz umgebende, nach römischem Vorbild gestaltete Barockaltar und der goldene Strahlenkranz (Mandorla) mit wechselnd geformten Strahlen wurden 1683 von dem Domherrn Heinrich Friedrich von Mering gestiftet, der für die Ausgestaltung des Domchores zuständig war. Der Altar erhielt eine lateinische Inschrift:
:Der menschlichen Natur unseres gekreuzigten Herrn Jesus Christus. Unser Verstand, den der Geist der Wahrheit erleuchtet, möge mit reinem und freiem Herzen empfangen den über Himmel und Erde strahlenden Ruhm des Kreuzes (Papst Leo). Der Du für uns gelitten hast durch Deine heiligen Wunden, den Preis für unser Heil, erbarme Dich unser, Herr, erbarme Dich unser. Sicher und gewiß ist die Erwartung der verheißenen Glückseligkeit, wo Teilhabe ist am Leiden des Herrn (Papst Leo). Heinrich Mering, Senior-Presbyter, Kanoniker und Kapitular, hat (diesen Altar) entworfen und errichtet. Übersetzung zitiert nach Max Imdahl, Das Gerokreuz im Kölner Dom
Zu diesem Zeitpunkt wurde das Keuz auch erstmals in einer Halterung befestigt, vorher stand es vermutlich frei mit einigen wenigen Befestigungen an die Altarwand gelehnt.
Die letzte umfassende Bearbeitung des Kreuzes wurde 1900 von Wilhelm Batzem durchgeführt; unter modernen restauratorischen Gesichtspunkten richtete sie einigen Schaden an.
Beschreibung und restauratorischer Zustand
Die Beschreibung orientiert sich u. a. an einem Untersuchungsbericht von Christa Schulze-Senger und Bernhard Matthäi aus dem Jahr 1976.
Korpus
Der Korpus (Crucifixus) ist vom Kopf bis zu den Füßen 1,87 Meter hoch, vom Suppedaneum bis zur Handoberkante genau zwei Meter. Die Spannbreite beträgt 1,66 Meter, und am Kopf erreicht die Skulptur ihre maximale Tiefe von 33 Zentimetern. Sie wurde aus einem Eichenholzstamm hoher Qualität gefertigt; vermutlich wurde das frische Holz grob vorgeformt und später, nach einer Trocknungs- und Lagerphase, in seine endgültige, fein ausgearbeitete Form geschnitzt, um Rissen vorzubeugen.
Die Holzfläche ist sehr sorgfältig geglättet, so dass an der Außenseite fast keine Bearbeitungs- bzw. Werkzeugspuren zu sehen sind. An Finger und Bart wurden offenbar später einige Konturen mit schärferem Werkzeug nachgearbeitet. Die Hautoberfläche enthält mindestens sieben Schichten (Inkarnate). Die letzte von 1900 ist fast verschwunden; die allerunterste — vermutlich originale — Schicht ist am besten erhalten. Die meisten Schäden an den früheren Inkarnaten stammen von der Batzem-Behandlung im Jahr 1900. Insgesamt sind die Farbschichten so dünn, dass die Skulptur nicht entstellt wird. Nur beim Lendenschurz dürfte die letzte, sehr dicke Goldschicht in grober Ausführung die ursprüngliche Textur verfälschen.
Der Korpus ist von hinten großvolumig ausgehöhlt und hat deshalb nur ein Gewicht von 36,5 Kilogramm. Möglicherweise war der Hohlraum früher mit einer Leinwand-Leim-Mischung ausgefüllt; er ist nur durch Abnehmen des Korpus vom Kreuz sichtbar und zeigt die groben, aber erstaunlich sauber gearbeiteten Schnitzspuren von einfachem Werkzeug.
Die Arme sind angesetzt und wurden mit Holzdübeln am Körper befestigt.
Die lebensgroße Christusfigur wird mit geschlossenen Augen, hervorgewölbtem Bauch, eingefallener Brust und an Armen und Beinen heraustretenden Sehnen dargestellt. Die Daumen an den von Nägeln durchbohrten Händen hängen herunter. Das dunkel- bis tiefbraune schulterlange Haar der Skulptur ist vorne sehr fein ziseliert und sehr großzügig quer angeordnet. Der Kopf enthält zwar hinten ein Bohrloch und einige Nägel ungeklärten Verwendungszwecks, jedoch nachweislich keinen Riss oder versteckten Hohlraum für Reliquien, wie es in der Literatur bis zu der Untersuchung von 1976 noch als sicher angenommen worden war (Haussherr, Imdahl u.a.).
Das Lendentuch ist außen vergoldet und an den Innenseiten rot gestrichen; darunterliegende Schichten wurden hier größtenteils abgewaschen. Es ist möglich, dass es im Original rot war, was im Zusammenspiel mit einem goldbeschlagenen Kreuz eine völlig andere Wirkung erzielt haben dürfte.
Die Füße stehen auf dem Suppedaneum und sind mit je einem Nagel an Kreuz geschlagen, was typisch für die so genannte Vierpunkt-Phase in der christlichen Ikonographie ist (bei der Dreipunkt-Phase werden beide Füße mit einem Nagel durchschlagen). Am linken Fuß fehlen durch Bruch und/oder Verwitterung zwei Zehen, am rechten Fuß der große Zeh. Die Fersen sind hinten stark verwittert. Ansonsten ist die Skulptur für ihr Alter überdurchschnittlich gut erhalten.
Kreuz
Die zwei das Kruzifix bildenden Eichenholzbretter sind im Schnitt etwa 40 cm breit und 4,3 bis 4,7 Zentimeter dick. Der Längsbalken misst 2,88 Meter, der Querbalken 1,98 Meter. Das obere Ende geht auf einer Höhe von 20 Zentimetern in den Titulus über, ein 49 Zentimeter breites Feld mit der Inschrift I·N·R·I in schwarzen gotischen Minuskeln. Am unteren Ende des Längsbalkens wurde (vermutlich um 1683) auf drei Zentimetern Höhe ein Schaft ausgeschnitten, um das Kreuz in eine Halterung zu setzen.
Quer- und Längsbalken sind im oberen Drittel des Längsbalkens überblattet; befestigt wurde der Querbalken zunächst mit fünf Holznägeln. Später kamen noch vier Eisennägel und acht – heute fast nicht mehr vorhandene – Metallklammern hinzu. Auf dem Querbalken befinden sich zwei Ringschrauben, die vermutlich der Verhüllung des Kreuzes während der Fastenzeit dienten.
Die Vorderseite des Kreuzes ist bei der letzten größeren Bearbeitung von Wilhelm Batzen im Jahr 1900 vergoldet worden. Zahlreiche kleine Nägel im Kreuz weisen auf eine früher eventuell vorhandene Goldblechbeschlagung hin. Die Rückseite ist braun gestrichen.
An der Schnittstelle von Längs- und Querbalken befindet sich ein vermutlich aus Nussbaumholz geschnitztes, rundes Relief mit einem Durchmesser von 50,5 cm, das den Heiligenschein (Nimbus) des Gekreuzigten darstellt. Das sechs Zentimeter dicke Relief wird von einem gleichschenkligen Kreuz in vier Felder unterteilt, die wiederum mit vier tropfenförmigen Mulden versehen sind. Am äußeren Rand des Reliefs und auf dem Kreuz sind abwechselnd rote und grüne Bergkristalle als Verzierung angebracht; der größte von ihnen befindet sich in der Mitte, er wurde vermutlich aus einem Knauf o. ä. hergestellt, was zusammen mit der fächerförmigen Gestaltung darauf schließen lässt, dass der Heiligenschein nicht zur Originalausstattung des Kreuzes gehörte. Er stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert.
Datierung
Kunstgeschichtliche Datierung
Nimbus
Kunstgeschichtlich war der Zusammenhang zwischen den Gero-Legenden und dem Kreuz im 19. Jahrhundert nicht mehr präsent; so übermalte etwa der Restaurator Wilhelm Batzen das Altargemälde in der Stephanuskapelle (s. Foto) dergestalt mit einem Mittelbogen, dass nicht mehr deutlich wurde, dass das Kreuz einst in der Mitte des Bildes vor der leeren roten Fläche gestanden hatte.
Erst 1924 und 1930 zog Richard Hamann Stilvergleiche mit verschiedenen ottonischen Plastiken, darunter die genau datierte Bernwardstür des Hildesheimer Doms von 1015, und brachte in zwei Arbeiten die Thietmar-Beschreibung erneut mit dem Kölner Kreuz in Zusammenhang. Hamanns Frühdatierung ins 10. Jahrhundert war ein Durchbruch für die Kunstgeschichte, die das Gerokreuz bis dahin dem 12. Jahrhundert zugeordnet hatte (u. a. bei Beenken).
Die hellblaue Hintergrundfläche des Altars stammt erst aus dem Jahr 1976; in älteren Quellen (Paul Clemen, Der Dom zu Köln, 1937) wurde die Wand rot beschrieben.
Dendrochronologische Datierung 1976
Im Jahr 1976 wurde das Kreuz wegen der Restaurierung des barocken Altars abgenommen; der Korpus wurde für eine umfassende Untersuchung und Konservierung vom Kreuz gelöst und konnte so auch erstmals von der Rückseite detailliert beschrieben werden. Entgegen anfänglicher Bedenken des Landeskonservators und anderer Fachleute, die eine Beschädigung des Kunstwerkes befürchteten, wurde bei dieser Gelegenheit nicht nur am Kreuz, sondern auch am Korpus eine dendrochronologische Untersuchung durchgeführt, die die Frühdatierung ans Ende des 10. Jahrhundert im Wesentlichen bestätigt.
Der Dendrochronologe Ernst Hollstein vom Rheinischen Landesmuseum Trier führte eine Untersuchung von Kreuz und Korpus durch, um eine genauere Datierung zu erzielen. Zu diesem Zweck konnte er an der oberen Kante des Kreuzes 209 aufeinanderfolgende Jahresringe sehr genau messen und beim Korpus anhand von Jahresringzählungen an verschiedenen Stellen Messungen und verwertbare Schätzungen vornehmen. Außerdem konnte er in einer Regionaldiagnose die Wuchsregion der verwendeten Eichen auf das Gebiet der Erzdiözese Köln eingrenzen — mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt das Holz aus der nördlichen Eifel, nicht ganz auszuschließen sei allerdings auch eine Herkunft aus der Gegend um Wiedenbrück.
Untersuchung des Kreuzes
Die Untersuchung des Kreuzes ergab, dass die Eiche bei ihrer Fällung etwa 250 Jahre alt war. Der Ausgangspunkt für die Datierung war die gesicherte Tatsache, dass das Kreuz spätestens 1683 existierte und die Annahme, dass es frühestens um 800 entstand. Eine signifikante Übereinstimmung der 209 Jahresringe mit der Westdeutschen Eichenchronologie wurde für die Jahre von 757 bis 965 gemessen. Hollstein ging nun aufgrund seiner Erfahrung davon aus, dass beim Anfertigen des Kreuzes nicht wesentlich mehr als das unbrauchbare Splintholz vom Eichenstamm entfernt wurde; die Fällung des Baums falle deshalb mit Sicherheit in die Zeit von 971 bis 1012. Dies war insofern ein signifikantes Ergebnis, als Kunsthistoriker das Kreuz bis dahin in eine deutlich spätere Periode datiert hatten.
Untersuchung des Korpus
Die Untersuchung der Skulptur gestaltete sich komplizierter, da man aus restauratorischen Gründen weder Proben entnehmen noch eine so hohe Anzahl zusammenhängender Jahresringe messen konnte wie beim Kreuz. Genaue Werte ergaben sich nur für die Jahresringe zwischen 647 bis 779, weitere Jahresringsequenzen wurden nach Fotos vermessen und abgeschätzt. Die Wachstumsphase der Eiche begann folglich um 570; der Baum wurde etwa 400 Jahre alt. Hollstein schätzte die am weitesten außenliegende Stelle des geschnitzten Korpus am Stirnscheitel aufgrund dieser Erkenntnisse auf das Jahr 940. Auch hier ging er mit hoher Wahrscheinlichkeit und aus Erfahrung davon aus, dass zur Herstellung nur die etwa 25 Jahre umfassenden äußeren Splintholzjahrringe entfernt wurden und nicht wesentlich mehr an hochwertigem Kernholz verschwendet wurde; daraus ergibt sich eine Fällungszeit um das Jahr 965. Aufgrund der genannten Einschränkungen bei der Untersuchung ist die Datierung der Skulptur zwar weniger gesichert als beim Kreuz, allerdings kann sie aus wissenschaftlicher Sicht als „wahrscheinlich“ gelten.
Kunstgeschichtliche und ikonographische Einordnung
Einflüsse
Nach der vergleichsweise spät erfolgten kunstgeschichtlichen Datierung des Gerokreuzes in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts ist immer wieder die Frage gestellt worden, unter welchen Einflüssen dieses Werk der ottonischen Kunst entstanden ist. Eine Herleitung von Typ und Stil zu zeitgenössischen einheimischen Traditionen galt mangels erhaltener Objekte als nicht möglich. Sakrale Monumentalskulpturen, vor allem Heiligenfiguren, aus der vorottonischen Zeit werden zwar in historischen Quellen beschrieben, so etwa die Goldene Maria von Essen, doch blieben sie nicht erhalten. Zu typologischen und stilistischen Vergleichen wurden deshalb meistens kleinere Skulpturen, beispielsweise karolingische Elfenbeinschnitzereien, herangezogen.
Einen Schwerpunkt in der kunstgeschichtlichen Rezeption bildet die genaue anatomische Darstellung der Christusfigur: Die Arme sind angespannt, das Gewicht des hängenden Körpers zieht sie nach unten und die Sehnen und Muskeln treten hervor. Beckenknochen zeichnen sich ab, die Brust ist eingedrückt und der Rippenkorb tritt hervor. Die Füße sind getrennt auf dem Suppedaneum festgenagelt. Durch den entstehenden Gegendruck von unten sackt der Oberkörper nach links, ebenso die Beine, an den Knien eingeknickt. Diese spannungsreiche kontrapostische Haltung (Haedeke) mit Stand- und Spielbein findet im Hüftbereich die größte seitliche Ausbiegung (Ponderation). Die Skulptur stellt Christus im Augenblick seines Todes mit „starken Effekten“ dar.
Vergleicht man diese Körperhaltung mit den vorhandenen karolingischen Kleinplastiken, so sind die beschriebenen Typelemente kaum nachzuweisen und nur angedeutet wiederzufinden. Vorottonische Kruzifixe stellen Christus als strahlenden Sieger dar – er steht oder „schwebt“ geradezu aufrecht und mit geöffneten Augen am Kreuz. Ein Beispiel hierzu ist etwa das 1006 entstandene Giselakreuz, das sich heute in der Schatzkammer der Münchner Residenz befindet. Durch diesen augenfälligen Unterschied der Körperhaltung der Christusfigur des Gerokreuzes zu bisherigen westlichen Kruzifixen wurde lange — zuerst von Albert Boeckler — ein starker byzantinischer Einfluss angenommen.
Beispiele für ähnliche, byzantinisch geprägte Werke waren etwa das Sakramentar aus St. Gereon (jetzt in der Französischen Nationalbibliothek Paris) oder das Aachener Lotharkreuz; diese stammen jedoch aus späterer Zeit.
Die stilistischen Unterschiede zwischen dem Gerokreuz und den wenigen erhaltenen byzantinischen Christusdarstellungen werden dennoch als zu deutlich beschrieben, um Byzanz als festes und einziges Vorbild anzunehmen. Im Detail sind Übereinstimmungen zu finden, so etwa in der asymmetrischen Anordnung des Lendenschurzes, die man auch bei einer byzantinischen Elfenbeinplastik aus dem 8. Jahrhundert findet (Metropolitan Museum New York). Ist jedoch beim Gerokreuz vor allem der schmerzverzerrte, leidende Mensch im Mittelpunkt, findet man bei byzantinischen Skulpturen eher auf einen Christus als stillen, edlen Dulder allen Leidens. In der Form sind diese Figuren außerdem sanfter und fließender und bilden einen ponderierten byzantinischen Typus (Haedeke).
Zusammenfassend werden dem Gerokreuz also verschiedene stilistische und theologische Einflüsse zugeschrieben, bis hin zur völligen Verneinung der byzantinischen Vorbilder (bei Kröger). Haedeke bereits ordnet die ikonographischen Details im einzelnen fünf verschiedenen Richtungen zu: der malerische Stil und der asymmetrische Lendenschurz sei typisch frühbyzantinisch, die Schärfe und Klarheit der Gewanddarstellung der Strenge der mittelbyzantinischen Romanos-Gruppe geschuldet, während die klassische Körperhaltung antike Vorbilder habe. „Spätantiker Illusionismus“ sei in der ziselierten Gestaltung des Haars zu finden. Aber auch diese Einordnung deutet die wichtigste Eigenart des Gerokreuzes als neu und abendländisch: die harte, asketische Ausdruckskraft, die Spannung und Zerrung der Arme, der körperliche Schmerz sei so auch in Byzanz nicht zu finden. Dort seien Christusfiguren entweder würdevoll repräsentativ oder in ihrem Leiden von „schönheitsvoller Schmerzlichkeit“ geprägt. Bei Haussherr werden außerdem stilistische Parallelen zu Kruzifixbildern in französisch-maasländischen Gebieten (z.B. Reims) aufgezeigt, wie sie noch in karolingischer Zeit vorkamen.
Andere Kruzifixe der Periode
Eine echte Kontinuität in der Darstellung des gekreuzigten Christus ist — wie beschrieben — vom 10. bis 12. Jahrhundert nicht auszumachen, was die Datierung einzelner Stücke erschwert. Stil- und Typvergleiche beschränken sich deshalb meist auf Details. Bei der Beschäftigung mit dem Gerokreuz werden Vergleiche mit den erhaltenen Kruzifixen des 11. und 12. Jahrhunderts gezogen, darunter der 2003 restaurierte Georgskruzifixus in Köln oder das Mindener Kreuz.
Image:Torso stgeorg full.jpg|Torso des Georgskruzifixus (um 1067), mit ähnlich schwellender Körperform und Leidenszügen. Köln, Museum Schnütgen (Inv.-Nr. A 9)
Image:Torso stgeorg detail.jpg|Die Augen des Gekreuzigten sind geschlossen. Georgskruzifixus, Köln, Museum Schnütgen (Inv.-Nr. A 9)
Image:Mindener kreuz full.jpg|Das Mindener Bronzekreuz (1170/1020): Christus zwar mit geöffneten Augen, eher stehend als hängend, ohne Seitenwunde, dennoch mit Anzeichen des Leidens, eingesunkener Brust und heruntergezogenen Mundwinkeln.
Image:Mindener kreuz detail.jpg|Der mögliche Schöpfer des Mindener Kreuzes, Rogerus von Helmarshausen, dürfte das Gerokreuz von seiner Tätigkeit in Köln her gekannt haben.
Alternative Entstehungstheorien
In einer Arbeit von 1989 stellte Wilhelm Jordan die These auf, das Gerokreuz sei nach dem Turiner Grabtuch bzw. einer Pergamentkopie davon gestaltet worden. Er geht davon aus, dass es sich bei dem 944 nachweislich von Edessa nach Konstantinopel überführten Tuch um das Turiner Grablinnen handelte und dass Erzbischof Gero es deshalb während seines Aufenthaltes in Konstantinopel sehen konnte. Die Radiokarbon-Analyse von 1988, die das Turiner Grabtuch erst in das 14. Jahrhundert datiert, zweifelte Jordan als fragwürdig an.
Jordan konstatierte, dass Gero eine Kopie des Grabtuches auf Pergament nach Köln mitgebracht und hier einen Künstler mit der Anfertigung der Skulptur nach dieser Vorlage beauftragt habe. Die Textstelle aus der Thietmar-Chronik ex ligno studiose fabricari precepit. — „[Das Kreuz] ließ er [Gero] kunstfertig herstellen.“ übersetzt er alternativ mit „ließ er mit Sorgfalt herstellen“, also genau nach dem (Vor-)Bild des Tuches. Eine Reihe von Ähnlichkeiten des Tuches mit der Christusskulptur des Gerokreuzes seien nicht als zufällig anzusehen, so etwa die fast genau übereinstimmende Größe, die Ähnlichkeit des Gesichts, eine „Asymmetrie in Bezug auf die stärker oder geschwollen erscheinende linke Wange“ und eine Anomalie beim rechten Ohr.
Die Rezeption dieser Theorie ist unter Theologen und Kunstwissenschaftlern eher gering. Ein Einfluss des Bildes auf dem Turiner Grabtuch auf spätere Christusdarstellungen ist wohl nicht auszuschließen, allerdings ist nicht wissenschaftlich nachzuweisen, dass die Entstehung des Gerokreuzes direkt mit dem Tuch in Konstantinopel in Zusammenhang steht.
Theologische Aspekte
Neben den geschilderten ikonographischen Details spielt in der Interpretation besonders die Tatsache eine Rolle, dass beim Gerokreuz der tote Christus gezeigt wird. Das Hängen — nicht Stehen — am Kreuz, die geschlossenen Augen und der im Johannesevangelium (19,34) erwähnte Todesnachweis durch den Lanzenstich in die rechte Körperseite sind bezeichnend hierfür.
Altchristliche, frühbyzantinische Darstellungen stellten zwar die Seitenwunde dar, jedoch an einem Gekreuzigten mit weit geöffneten Augen, am Kreuz „stehend oder schwebend“ (Haussherr). Im Abendland hingegen herrschte der Typ des lebenden Triumphators am Kreuz vor. Die Ursachen für eine so deutliche Weiterentwicklung der Ikonographie können nicht unabhängig von theologischen Dogmen und Glaubensentwicklungen betrachtet werden.
Da nun im frühen Mittelalter keine umwälzenden Dogmenveränderungen bekannt sind (wie etwa die Christologie), geht man in der theologischen Interpretation eher von einer Veränderung des abendländischen Christusbildes innerhalb der gegebenen Dogmen aus. Die Entstehungszeit des Gerokreuzes lag genau zwischen der Patristik und dem Beginn der Scholastik. Für das ganze Abendland dürfen allerdings Einflüsse der Cluny-Bewegung angenommen werden, die den Gekreuzigten ins Zentrum des religiösen Denkens stellte (Kröger).
Verwirft man nicht gänzlich den möglichen byzantinischen Einfluss auf das Gerokreuz, so könnte auch der Bilderstreit der Ostkirche im 7. und 8. Jahrhundert eine Rolle bei der veränderten Christusdarstellung gespielt haben. Gerade das Menschsein Christi, das Sterblichkeit und Tod einschließt, galt den Ikonodulen — den Bilder-Verteidigern — als Argument für eine bildliche Darstellung des Erlösers.
Haussherr führt als Beispiel für die Kreuzesfrömmigkeit der betrachteten Zeit eine Gebetssammlung von Petrus Damiani an, in der einerseits die Passion Christi als Sieg über „Sünde, Tod und Teufel“ gefeiert wird, andererseits aber auch schon der Opfercharakter des Kreuzestodes, Demut und Verwundbarkeit des Gekreuzigten herausgearbeitet wurde. Die theologischen Anschauungen über den Charakter des Kreuzestodes variieren in dem betracheten Zeitraum also ebenso wie die künstlerische Kreuzesdarstellung in dieser Zeit. Bis ins 12. Jahrhundert hinein existierten viele Anschauungen parallel zueinander.
Weitere Belege für den Glaubenshintergrund der mittelalterlichen Kreuzigungsdarstellungen finden sich bei Jonas von Orléans und Bernhard von Angers, die beide ebenfalls das Opfer betonen, den wichtigste Aspekt des katholischen Abendmahls: Im Messopfer wird das Kreuzesopfer für die Vergebung der Sünden vergegenwärtigt.
Für den karolingischen Einflussbereich des 8. und 9. Jahrhunderts dokumentiert das Libri Carolini den vorherrschenden Kreuzesglauben; hier ist die Rede vom „Banner, Zeichen unseres Siegers“ — betont wird also noch das Gottsein Christi. Allerdings kristallisieren sich schon zu Beginn des 9. Jahrhunderts Sakrament, Messe und die Eucharistie als religiöse Mittelpunkte stärker heraus. Aus dieser Bedeutungsverschiebung lassen sich auch die Veränderung in der bildlichen Darstellung von Kruzifixen deuten: Blut aus der Seitenwunde korrespondiert mit dem Blut des Messopfers; Leiden und Tod des menschgewordenen Gottes, „die Heilstat schlechthin“ werden veranschaulicht und begreiflich gemacht.
Diese theologische Bildaussage des Gerokreuzes wird in späteren wichtigen Arbeiten, etwa von Bernhard von Clairvaux oder Anselm von Canterbury, weiter herausgearbeitet — Bernhard stellt den Menschen Jesus in den Mittelpunkt des Glaubens, Anselm betont vor allem die Erlösung der Menschheit durch den Kreuzestod des „Gottmenschen“.
Literatur
- Hermann Beenken: Romanische Skulptur in Deutschland (11. und 12. Jahrhundert). Klinkhardt & Biermann, Leipzig 1924, S. 214f
- Hanns-Ulrich Haedeke: Das Gerokreuz im Dom zu Köln und seine Nachfolge im 11. Jh., in: Kölner Domblatt 14-15 (1958), S. 42 ff.
- Reiner Haussherr: Der tote Christus am Kreuz. Zur Ikonographie des Gerokreuzes. Dissertation, Universität Bonn 1963
- Max Imdahl: Das Gerokreuz im Kölner Dom. (= Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universalbibliothek; B 9097). Reclam, Stuttgart 1964
- Rudolf Wesenberg: Frühe mittelalterliche Bildwerke. Die Schule rheinischer Skulptur und ihre Ausstrahlung. Schwann, Düsseldorf 1972, ISBN 3-508-00179-2
- Wilhelm Jordan: Das Gerokreuz in Köln und das Turiner Grablinnen. Neue Entdeckungen. Queckenberg, 1989
- Christa Schulze-Senger: Das Gero-Kreuz im Kölner Dom. Ergebnisse der restauratorischen und dendrochronologischen Untersuchung im Jahre 1976, in: Jahrbuch der rheinischen Denkmalpflege, 32, 1987
- Ludwig Kröger: Das Gero-Kreuz im Kölner Dom und seine glaubensdidaktische Vermittlung. Diplomarbeit, Universität Bonn 1989
- Bruno Klein: Das Gerokreuz. Revolution und Grenzen figürlicher Mimesis im 10. Jahrhundert, in: Bruno Klein, Harald Wolter-von dem Knesebeck (Hrsg.): Nobilis Arte Manus. Festschrift zum 70. Geburtstag von Antje Middeldorf Kosegarten. Selbstverlag Bruno Klein, Dresden 2002, ISBN 3-00-009205-6, S. 43-60.
Kategorie:Köln
Kategorie:Skulptur
Kategorie:10. Jahrhundert
Kölner Dom
Der Kölner Dom, sein offizieller Name ist Hohe Domkirche St. Peter und Maria, ist mit 157 Metern Höhe nach dem Ulmer Münster die zweithöchste Kirche in Deutschland sowie die dritthöchste der Welt. Von 1880 bis 1888 war er das höchste Gebäude der Welt, weil der Ulmer Münster erst 1890 fertiggestellt wurde. Er ist zudem die populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands, 2004 wurden etwa sechs Millionen Besucher aus aller Welt gezählt (dies entspricht etwa den Zahlen des Eiffelturms).
Der Dom gilt als die größte gotische Kathedrale überhaupt und viele Kunsthistoriker sehen in ihm eine einmalige Harmonisierung sämtlicher Bauelemente und des Schmuckwerks im Stil der mittelalterlich-gotischen Architektur verwirklicht. Aus diesem Grund wurde der Kölner Dom 1996 in das Weltkulturerbe aufgenommen. Die atemberaubend große Fläche der Westfassade mitsamt den beiden Türmen von über 7000 Quadratmetern ist bis heute nirgendwo übertroffen worden.
Der Dom
Geschichte
Antike und frühmittelalterliche Architektur
Weltkulturerbe
Bei Ausgrabungen unter dem Dom wurden Reste römischer Wohnhäuser des 1.–4. Jahrhundert gefunden. Im späten 4. oder im 5. Jahrhundert entstand unter dem Chor des heutigen Domes ein 30 bis 40 m langer Apsidenbau, vielleicht schon eine erste Kirche. Abgelöst wurde dieses Gebäude noch im 5. oder spätestens im frühen 6. Jahrhundert durch eine ähnlich dimensionierte Architektur in die in den 530er Jahren reiche fränkische Fürstengräber eingebracht wurden. Diese Gräber sind ein Indiz für die kirchliche Nutzung von Bau 2. In der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts entstand eine neue Kirche, die archäologisch durch ihre schlüssellochförmige Kanzel (Ambo) erkennbar ist und die älteren Anlagen überdeckte. Durch Erweiterung in Richtung Westen entwickelte sich diese Kirche etwa bis zur Größe des nachfolgenden Alten Domes und bestand wohl bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts.
Der Alte Dom (Vorgängerbau/fälschlich so genannter Hildebolddom)
9. Jahrhundert
Der Alte Dom ist der unmittelbare Vorgängerbau des heutigen Domes. Er wurde am 27. September 873 geweiht. Erzbischof Hildebold war zu dieser Zeit bereits seit langem verstorben. Als Bauherr bzw. als Stifter kommt er für Teile der dem Alten Dom vorausgehenden letzten Umbauphase des merowingerzeitlichen Domes in Frage, insbesondere für dessen Westteil mit dem sogenannten St. Galler-Ringatrium.
Der Alte Dom verfügte über ein Langhaus, das an beiden Enden durch Querhäuser begrenzt wurde. Er war Vorbild für viele in seiner Zeit in Europa entstandenen Kirchen und beherbergte u. a. bereits das im 10. Jahrhundert entstandene Gerokreuz, das erste erhaltene Monumentalkruzifix des Abendlandes. Im Jahre 1248 wollte man den Alten Dom nach und nach abreißen, um mit dem Bau des neuen gotischen Domes beginnen zu können. Jedoch brannte bei dem Versuch, nur den Ostchor mit Brandabbruch niederzulegen, 1248 beinahe der gesamte Bau ab. Die Westteile wurden provisorisch wiederhergestellt, damit man in ihnen Messen feiern konnte. Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau des heutigen Kölner Domes begonnen.
Der heutige Kölner Dom
1248
Das Motiv zum Bau des Doms datiert im Jahre 1164. Damals brachte der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel die Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln. Sie waren ein Geschenk des Kaisers Friedrich I. aus dessen Kriegsbeute. Diese Reliquien führten um 1225 zu dem Plan, einen neuen Dom zu bauen.
Der gotische Bau wurde am 15. August 1248 nach einem Plan des Dombaumeisters Gerhard von Rile begonnen. An der Grundsteinlegung nahm auch Graf Adolf IV. von Berg teil. Die Weihe des Chors erfolgte im Jahr 1322. 1410 erreicht der Südturm das zweite Geschoss. Um 1528 stellte man den Bau ein. Über 300 Jahre bestimmte der unfertige Kölner Dom mit dem Baukran auf dem unvollendeten Südturm die Silhouette der Stadt.
1814 wird die eine Hälfte des 4,05 m großen überarbeiteten Fassadenplanes des 2. Nachfolgers Gerhards, Dombaumeister Arnold, von Georg Moller in Darmstadt wiederentdeckt, die andere 1816 von Sulpiz Boisserée in Paris. Um die Wende zum 19. Jahrhundert lenkten außerdem Romantiker in ihrer Begeisterung für das Mittelalter das öffentliche Interesse erneut auf den unvollendeten Dombau. Neb | | |