Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Instrumentalis

Instrumentalis

Instrumentalis oder Instrumental bezeichnet in der Linguistik den Fall (Kasus), der das Mittel ausdrückt, mithilfe dessen eine Handlung ausgeführt wird. Der Instrumentalis ist einer der neun Fälle des Substantivs, die das Indogermanische kannte und einige indogermanische Sprachen noch heute kennen. Mit Hilfe des Instrumentalis konnten die Indogermanen zum Ausdruck bringen, dass eine Tätigkeit oder ein Vorgang durch den Einsatz des im Instrumentalis stehenden Substantivs ermöglicht oder gefördert wurde. In den meisten heutigen indogermanischen Sprachen existiert der Instrumentalis nicht mehr, sondern ist durch eine präpositionale Fügung ersetzt worden (mit einem Hammer [dt.], avec un marteau [frz.]). Die meisten slawischen Sprachen haben dagegen den Instrumentalis als einen gesonderten Fall behalten, der allerdings in vielen Fällen gleichwohl der Ergänzung durch eine Präposition bedarf. Er hat hier oft auch noch vielfältige weitere Funktionen erhalten. Eine sekundäre Bedeutung des Instrumentalis im Litauischen und in einigen slawischen Sprachen ist die Lokalbedeutung, z.B. tschechisch jít lesem (durch den Wald gehen), litauisch eiti mišku (dass.). Er wird im beispielsweise im Russischen anstelle der Präposition 'mit' verwendet, dort wo diese das Mittel ausdrückt. In der lateinischen Sprache ist der Instrumentalis im Ablativ aufgegangen. Im Sorbischen existiert dieser Kasus immer noch, wird aber stets mit der Präposition z (mit) verwendet. Der Instrumental hat im Bosnischen, Kroatischen und Serbischen folgende Funktionen:
- Das Mittel: Pišem rukom. - Ich schreibe händisch/von Hand. (Eigentlicher Instrumental)
- Örtlich: Šetam gradom. - Ich spaziere (kreuz und quer) durch die Stadt.
- Zeitlich: Dolazi vikendom. Er/Sie kommt an Wochenenden (wiederholt, jedes Wochenende. radnim danima - an Werktagen.
- Veränderung (v. a. mit postati = werden: Postala je učiteljicom. - Sie wurde (zu einer) Lehrerin.
- Zustand (oft mit Nominativ austauschbar): Bio je direktorom tvrtke/firme. - Er war Direktor der Firma. Im Sinne von "er war als Direktor tätig". In anderen Zusammenhängen wird Nominativ verwendet.
- Mit der Präposition "s(a)" - mit: In der Bedeutung von "gemeinsam mit", "neben; "mittels", "durch" wird ohne Präposition ausgedrückt: Išao sam s prijateljem. - Ich ging mit meinem Freund.
- Mit anderen Präpositionen: za (nach - nach etwas streben etc.), pod (unter), nad (über) pred (vor)... Kategorie:Grammatischer Kasus

Sprachwissenschaft

Sprachwissenschaft ist ein Sammelbegriff für alle Wissenschaften die in irgendeiner Form Sprache untersuchen. Sie ist ein Teilgebiet der Semiotik. Die Bezeichnung Linguistik wird vielfach synonym verwendet, im strengen Sinne ist Linguistik jedoch die Allgemeine Linguistik, und nur ein Teilgebiet der Sprachwissenschaft.

Teilgebiete


- Allgemeine Linguistik, die Untersuchung von Sprache als abstraktes System
- Graphemik, die wissenschaftliche Untersuchung von Schrift als Sprachsystem
- Lexikologie, die Lehre von den Strukturierungen im Wortschatz
- Dialektologie, die Lehre von Dialekten
- Philologie, die sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche Untersuchung einzelner Sprachen
- Interlinguistik, die Untersuchung der internationalen Kommunikation, Sprachpolitik und den Plansprachen
- Paläolinguistik, die Untersuchung der Entstehung menschlicher Sprache
- Sprachphilosophie, die philosophische Betrachtung von Sprache und ihrer Verwendung
- Vergleichende Sprachwissenschaft, die vergleichende Untersuchung von Sprachen
  - Kontrastive Linguistik, die synchron-vergleichende Untersuchung von Sprachen
  - Historische Linguistik, die diachron-vergleichende Untersuchung von Sprachen
- Korpuslinguistik

Verwandte Wissenschaften


- Medienwissenschaft
- Kommunikationswissenschaft

Bekannte Sprachwissenschaftler (Auswahl)


- Ivar Aasen, begründete die neunorwegische Schriftsprache Landsmål (heute Nynorsk)
- Karl Bühler
- August Ferdinand Bernhardi
- Jacob Grimm & Wilhelm Grimm sind die Begründer der Deutschen Philologie
- Gustave Guillaume
- Wilhelm von Humboldt hat die Vergleichende Sprachwissenschaft begründet
- Antoine Meillet beschäftigte sich mit den indoeuropäischen Sprachen
- Ferdinand de Saussure gilt als Begründer des Strukturalismus und prägte den zweiseitigen Zeichenbegriff
- August Schleicher gilt als Begründer der Stammbaumtheorie in der vergleichenden Sprachforschung
- Johannes Schmidt gilt als Begründer der Wellentheorie

Weiterführende Angaben

Siehe auch

Portal:Sprache, Kommunikationswissenschaft, Relator, Sprachphilosophie, Konkomitanz

Weblinks


- [http://www.uni-duisburg-essen.de/germanistik/ E-Learning und Germanistik] (Webangebot der Germanistik der Universität Duisburg-Essen mit zahlreichen E-Learning-Kursen. Hier ist u.a. auch das Webangebot von Linse (Linguistik Server Essen) angesiedelt.)
- [http://www.wissenschaft-online.de/abo/ticker/771860 Es werde Wort – und zwar schnell!] Ein Bericht über die „rasante Entwicklung von Sprache"
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/249202.html Mathe ist sprachlos – Zum Erfassen mathematischer Prinzipien ist Sprache nicht notwendig.] Bericht in www.wissenschaft.de über eine Publikation im PNAS

Literatur


- Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. Kröner, Stuttgart, ISBN 3-520-45202-2.
- Csaba Földes: Interkulturelle Linguistik. Vorüberlegungen zu Konzepten, Problemen und Desiderata. Veszprém: Universitätsverlag/Wien: Ed. Praesens 2003 (Studia Germanica Universitatis Vesprimiensis, Supplement; 1). ISBN 3-7069-0230-3 und ISBN 963-9495-20-4.
- Ludger Hoffmann: Sprachwissenschaft: Ein Reader. de Gruyter, 2000. ISBN 3-11-016896-0.
- George Yule: The study of language. Cambridge University Press, 1996. ISBN 0-521-56851-X.
- Peter Koch: Wozu Linguistik? In: Florian Keisinger u. a. (Hrsg.): Wozu Geisteswissenschaften? Kontroverse Argumente für eine überfällige Debatte, Frankfurt a. M./New York 2003 Kategorie:Semiotik Kategorie:Sprache ! fiu-vro:Keeletiidüs ja:言語学 ko:언어학 th:ภาษาศาสตร์ zh-min-nan:Gí-giân-ha̍k

Kasus

Der Kasus (Pl.: Kasus mit langem u, auch Kasūs), auch der Fall, ist in der Grammatik eine Flexionskategorie eines Nomens (=Deklination). Er dient dazu anzuzeigen, in welcher Beziehung das Nomen zu anderen Wörtern im Satz steht. In der Morphologie ist der Kasus eine morphologische Kategorie, die durch ein System einander gegenüberstehender Formenreihen gekennzeichnet ist, wobei diese Formen die Beziehung eines Gegenstandes zu anderen Gegenständen in einer bestimmten Situation wiedergeben. Typischerweise trägt ein Wort nur eine einzige Kasusmarkierung, in einigen Sprachen gibt es jedoch auch Wörter mit zwei und mehr Kasusmarkierungen (Suffixaufnahme).

Kasus im Hochdeutschen

Die hochdeutsche Sprache kennt vier Fälle (Kasus):
- den Nominativ, 1. Fall, "Wer-Fall"
- den Genitiv oder Genetiv, 2. Fall, "Wessen-Fall"
- den Dativ, 3. Fall, "Wem-Fall"
- den Akkusativ, 4. Fall, "Wen-Fall" Beispielsweise ist in dem Satz : Die Frau gibt ihrem Bruder den Hut ihres Mannes. die Frau das Subjekt (= Ergänzung im Nominativ), ihrem Bruder das Dativobjekt (= Ergänzung im Dativ), den Hut das Akkusativobjekt (= Ergänzung im Akkusativ) und ihres Mannes das Genitivattribut zu Hut. Nur im Genitiv Singular und im Dativ Plural findet sich noch eine Kasus-Beugung des Substantivs, d. h. eine Veränderung der Wortform durch das Anhängen einer Endung an den Wortstamm bzw. den Pluralstamm. Diese Beugung der Substantive ist ansonsten in der deutschen Sprache verlorengegangen. Der Dativ Singular der Maskulina und Neutra wurde im 20. Jahrhundert noch in der Schriftsprache flektiert: dem Manne. In manchen Redewendungen ist dieser Stand noch erhalten: Im echten Manne ist ein Kind versteckt: Das will spielen. (Friedrich Nietzsche). Der Verlust der Endungen ist wiederum Ursache für den Zusammenfall von gleichlautenden Kasus, wie im Englischen und Niederdeutschen (s. unten). Das Deutsche ist auf lange Sicht auf dem Weg, auch den Genitiv als Objektskasus ("ich schäme mich seiner") und den Dativ zu verlieren und damit ein Kasussystem wie das Englische auszubilden (Sprachdrift). Bei den nicht mehr durch Endungen gekennzeichneten Fällen zeigen die Artikel den Kasus des entsprechenden Wortes an.

Kasus im Niederdeutschen

Die niederdeutschen Sprachen (Niederländisch, Niederfränkisch und Niedersächsisch) kennen überwiegend nur drei Kasus: Nominativ, Genitiv und Objektiv. Dies entspricht dem Kasus-System in der modernen englischen Sprache und den skandinavischen Sprachen. Der Objektfall vereint den Akkusativ und den Dativ. Dies gilt aber nicht für das Pronominalsystem in der niederländischen Schriftsprache. Dies unterscheidet für die 3. Person Plural die Formen hun (Dativ) und hen (Akkusativ). Beispiele: :De Fru kiekt de Mann an (Mann steht im Objektiv, im Hochdeutschen oder Lateinischen würde das Wort Mann im Akkusativ stehen)
:(Die Frau schaut den Mann an./Femina hominem adspicit.) :De Fru gifft de Mann Koken. (Mann steht im Objektiv, im Hochdeutschen oder Lateinischen würde das Wort Mann im Dativ stehen)
:(Die Frau gibt dem Mann Kuchen./Femina homini placentam dat.)

Kasus im Indogermanischen

Das Indogermanische kennt acht oder neun Fälle:
- Nominativ
- Genitiv oder Genetiv
- Dativ
- Akkusativ
- Ablativ
- Instrumental
- Allativ (umstritten)
- Vokativ
- Lokativ Die daraus entstandenen Sprachen (baltische, slawische Sprachen, sowie Latein oder Altgriechisch) haben diese vollständig oder nur zum Teil erhalten (teilweise unter anderen Namen). Nicht-indogermanische Sprachen (z.B. die finno-ugrische Sprachen) kennen zum Teil deutlich mehr Fälle. Im Finnischen sind es beispielsweise fünfzehn. Auch das Deutsche besaß vor 1000 Jahren noch einen Instrumental-Kasus und in manchen Ausdrücken hat sich bis heute der Lokativ erhalten.

Kasus in den Sprachen der Welt

Herkunft des Wortes

Die Bezeichnung Kasus geht etymologisch auf den griechischen Grammatiker Dionysios Thrax zurück. Er stellte Nomina als vom Verb 'abfallend' ('abhängig') dar (etwa wie noch heute in der Dependenzgrammatik) und bezeichnete diesen Vorgang als ptosis (πτωσις) 'Fall'. Die Begriffsübernahme des Lateinischen hat sich bis heute erhalten.

Siehe auch:


- Rektion Kategorie:Grammatik ! ja:格

Substantiv

Ein Substantiv (auch Hauptwort, Namenwort oder Dingwort; zum Teil auch Nomen) bezeichnet ein bestimmtes Objekt oder eine bestimmte Person, die in Raum und Zeit existiert oder existiert hat. Außerdem gehören in der deutschen Sprache (und einigen anderen) zu den grammatischen Substantiven abstrakte Objekte oder Eigenschaften, wie Wirklichkeit, Güte, Unwissenheit, Unmöglichkeit, das Gehen, das Rot und andere. Zu unterscheiden sind:
- Eigenname, Name (lat. nomen proprium): Paula, die Alpen, Hamburg
- Gattungsname, (lat. nomen appellativum): Mensch, Tisch, Kunst, Liebe
- Stoff-/Substanzname: Milch, Gold Substantive gehören wie Substantivierungen (die Blauen, das Streiten, das Ich) zu den Nomen. Das Nomen bildet den Kopf der Nominalphrase: „ein schönes Bild“, „die lieben Kleinen“, „der Mann, der zuviel wusste“. Der Kopf gibt Genus-, Numerus- und Kasusmerkmale an die veränderbaren Teile der Nominalphrase weiter, bestimmt also die Grammatik dieser Wortgruppe. Substantive scheinen in allen Sprachen vorzukommen - der westliche Begriff von ihnen ist aber nicht immer problemlos übertragbar, das gilt z.B. für den irokesischen Sprachtyp. In der deutschen Sprache können aus verschiedenen anderen Wortarten Substantive gebildet werden. Zum Beispiel können aus Verben (wie „zurückgehen“) Verbalsubstantive („der Rückgang“) gebildet werden. Aus einigen Substantiven können auch Wörter anderer Wortarten gebildet werden. Substantive beginnen im Deutschen mit einem Großbuchstaben. Beispiele:
- der Bundespräsident (eine Person, eine Funktion)
- der Gott (ein mythologisches Wesen)
- das Haus (ein materielles Objekt)
- das Wasser (ein materielles Objekt, allgemeiner Oberbegriff)
- die Drei (eine Zahl, Menge)
- das Gehen, aus dem Verb gehen
- das Rot, aus dem Adjektiv rot Deutsche Substantive gehören entweder dem Genus Maskulinum (männlich) mit dem bestimmten Artikel der, dem Femininum (weiblich) mit dem bestimmten Artikel die oder dem Neutrum (sächlich) mit dem bestimmten Artikel das an. Im DaF-Unterricht („Deutsch als Fremdsprache“) macht die Grammatik von der Möglichkeit Gebrauch, für die Fremdsprachenlerner das Genus des Substantivs über die Substantivendung und den Artikel erkennbar zu machen. Besonders zuverlässig sind die Regeln für die femininen Substantive, unter denen sich zahlreiche mit den Endungen -e, -anz, -ion, -ik, -heit, -keit, -ung und -tät finden. Substantive sind in flektierenden Sprachen deklinierbar („beugbar“), im Deutschen existieren vier Fälle (Kasus): Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. Die deutsche Deklination ist noch einigermaßen komplex. Das Englische hat kaum noch Kasusdifferenzierungen, es nähert sich in dieser Hinsicht dem Chinesischen, das keinerlei Flexion aufweist. Obwohl die meisten Substantive in den Numeri Singular und Plural vorkommen, werden bestimmte Substantive nur im Singular (Singularetantum) bzw. im Plural (Pluraletantum) gebraucht.

Zusammengesetzte Substantive (Komposita)

Durch Zusammensetzung mehrerer Wörter können neue Substantive gebildet werden. Beispiele:
- das Rotwild
- der Autoverkehr
- die Sonnenfinsternis
- der Landesmusikdirektor
- die Fluss-Schifffahrt bzw. die Flussschifffahrt
- die Donaudampfschifffahrtsgesellschaftskapitänsmützenkokarde Dabei steht das Grundwort in der deutschen Sprache und vielen anderen Sprachen rechts, links davon stehen entsprechende modifizierende bzw. erklärende Wörter, die selbst zusammengesetzt sein können. Prinzipiell können so beliebig lange Substantive gebildet werden, die meisten bestehen aber aus zwei, drei oder vier Wörtern. In der deutschen Sprache werden zusammengesetzte Substantive zusammengeschrieben oder zur Verdeutlichung der Struktur durch einen Bindestrich verbunden. In einigen Sprachen, zum Beispiel im Englischen, werden sie jedoch oft weder zusammengeschrieben, noch besonders gekennzeichnet. Die getrennte Schreibweise wird immer häufiger irrtümlich ins Deutsche übernommen. Dieses Phänomen bezeichnet man abwertend als Deppenleerzeichen.

Siehe auch


- Genus, Wort, Artikel, Syntax, Adjektiv, Verb Kategorie:Grammatik Kategorie:Wort ja:名詞 ko:명사 (품사) simple:Noun

Indogermanen

Indogermanen oder Indoeuropäer bezeichnet alle muttersprachlichen Sprecher einer indogermanischen Sprache. Im engeren Sinne bezeichnet man mit dem Begriff die Mitglieder der Sprechergemeinschaft, die Träger der (angenommenen) indogermanischen Ursprache war, auf die sämtliche indogermanische Sprachen zurückgehen sollen. Alternativ spricht man heute meist von den Proto-Indoeuropäern oder Urindogermanen.

Indogermanisch oder indoeuropäisch?

Durch vergleichende Sprachforschung entdeckte man Ende des 18. Jahrhunderts, dass sehr viele Sprachen in Europa und dem Vorderen Orient von einer gemeinsamen Ursprache abstammen (indogermanische oder indoeuropäische Sprachen). Der Forscher H. J. Klaproth prägte 1823 hierfür den Namen "indogermanische Sprachen" nach der damals bekannten südöstlichsten (indo-arisch) und nordwestlichsten indoeuropäischen Sprache (isländisch), zwischen denen alle anderen Sprachen lagen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand man jedoch im Tarim-Becken (Chinesisch-Turkestan) - also noch östlicher - Schriftrollen, die eine bislang unbekannte Sprache – das Tocharische – enthielten, das als Kentum-Sprache Verwandtschaft unter anderem mit dem Keltischen oder Germanischen zeigte. Da der Terminus indogermanisch als Klammerbegriff ursprünglich den östlichsten und westlichsten Sprachzweig der Sprachfamilie benannte, müsste er nach aktuellem Wissensstand eigentlich tocharogermanisch heißen. Auf der anderen Seite ist der alternativ gebrauchte Begriff indoeuropäisch nicht weniger unpräzise. Schließlich gibt es sowohl in Europa (z.B. Finno-ugrische Sprachen) als auch auf dem indischen Subkontinent (z.B. Dravidische Sprachen) weitere Sprachfamilien. Die Diskussion, welcher Begriff "richtig" oder "treffender" ist, ist damit müßig. Innerhalb des deutschen Sprachraums wird vorwiegend der Begriff indogermanisch verwendet, wohingegen sonst Synonyme des Typs indoeuropäisch (engl. Indo-European, franz. indo-européen usw.) üblicher sind.

Überblick

Früher untergliederte man die indogermanischen Sprachen in einen westlichen Zweig, den Kentum-Sprachen (von lateinisch centum = hundert) und einen östlichen Zweig, den Satem-Sprachen (u. a. altindoarisch satam = hundert), um Nachbarschaften oder Verwandtschaften auszudrücken. Diese Abgrenzung verliert jedoch immer mehr an Bedeutung, da diese Lautentwicklung nur eine von mehreren ist und beispielsweise das Tocharische als Kentumsprache am weitesten östlich lag. Zu den indogermanischen Sprachen zählen fast alle modernen europäischen Sprachen, einige Sprachen des Nahen Ostens und die meisten Sprachen Nordindiens. Genauere Informationen hierzu findet man in dem Artikel über indogermanische Sprachen. Die gemeinsame Ursprache konnte mit rein sprachlichen Forschungen teilweise rekonstruiert werden. Durch Untersuchung der in der Sprache vorkommenden Pflanzen und Tiere versucht man, die Urheimat ihrer Träger zu ermitteln. Trotz zahlloser Forschungsansätze bleibt das Ergebnis umstritten. Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob ein Volk als Träger der indogermanischen Sprache existiert hat. Ethnisch völlig unterschiedliche Stämme könnten Träger der gleichen Sprache gewesen sein. Neuere Untersuchungen indes, basierend vor allem auf Funden "europäisch" anmutender Mumien aus der Takla Makan – diese Mumien werden im Provinzmuseum der Stadt Urumtschi aufbewahrt -, lassen jedoch erneut Vermutungen aufkommen, die einen Zusammenhang von Rasse und "Sprechergemeinschaft" zumindest nicht ausschließen. Hierzu sind auch genetische Untersuchungen aufschlussreich, wie in jüngster Zeit an „skythischen“ Skeletten und Bewohnern der Mongolei vorgenommen wurden. Wünschenswert ist auf jeden Fall eine unvoreingenommene wissenschaftliche Auseinandersetzung zu diesem wichtigen Thema der Anthropologie und Evolution des Menschen, weil gerade hier während der NS-Zeit auch in wissenschaftlicher Hinsicht Schaden angerichtet wurde. Bei der Erschließung des Herkunftgebietes der Urindogermanen gibt es eine Reihe von Theorien. Die folgenden Richtungen erscheinen prominent: Ältere Theorien besagen, dass die Indogermanen in Mitteleuropa entstanden sind und damit die Urbevölkerung dieses Kontinents bildeten. Diese These war besonders in der NS-Zeit sehr beliebt. Dem entgegengesetzt ist die These der „Kurgan Theorie“ (s. unten). Sie geht von erobernden Steppenvölkern aus dem südrussischen Raum aus. Seit den 90er Jahren des 20. Jh. häufen sich Arbeiten, die von Anatolien als Urheimat ausgehen. Das Donaubecken erscheint einigen auch plausibel. Bei der Erforschung der Kultur der Indogermanen interessiert man sich heute vor allem für die Sozialordnung und deren Widerspiegelung im Bereich der Mythologie und Religion. Einzige Basis hierfür ist die teilweise erschlossene indogermanische Ursprache, da eindeutig zuzuordnende materielle Funde bis heute nicht vorliegen.

Methodik

Die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft und die Sprachtypologie erschließen durch Vergleich verschiedener Sprachen so genannte Protosprachen. Die Benennung dieser Protosprachen ist ziemlich willkürlich und erfolgt etwa durch Auswahl von ein oder zwei der Vergleichssprachen. Das so genannte Indogermanische ist die Protosprache vieler verschiedener Sprachen, die von Europa bis Indien und China gesprochen wurden. Eine Protosprache ist demzufolge nur eine Arbeitshypothese. Als reale Sprache hat es sie in dieser Form nie gegeben. Sie beschreibt lediglich einen Teilbereich der realen Sprache, die es gegeben haben muss. Behauptungen, dass die Sprechergemeinschaft dieser realen Sprache, die durch das Konstrukt Protosprache nur approximiert wird, eine Sippe, ein Volk, ein Reich oder ein Staat gewesen seien, sind - wenn dies historisch nicht untermauert werden kann - notwendigerweise spekulativ, wenn auch plausibel - vorausgesetzt, man hält an der aus dem 19. Jahrhundert überkommenen Gleichung Sprachgruppe = Volksgruppe fest. Beispiele:
- Die Franzosen sind Nachfahren der "Kelten", "Römer" und "Germanen" ("Franken", "Alemannen" und "Normannen"). Das Proto-Französische ist Latein, aber nicht alle Römer, die Lateinisch sprachen, sind Vorfahren heute lebender Franzosen.
- Hebräisch ist schon seit vorchristlicher Zeit ausgestorben und hat ähnlich dem Lateinischen als liturgische Sprache überlebt. Iwrith ist eine Kunstsprache, die mit der Gründung des Staates Israel geschaffen wurde. Proto-Iwrith würde Hebräisch approximieren. In Unkenntnis der historischen Fakten könnte jemand, der nur Proto-Iwrith kennt, keinen Zusammenhang zwischen den antiken Juden und Proto-Iwrith herstellen. Für archäologische bestimmte Kulturen gilt das gleiche wie für Protosprachen: Die Archäologie ordnet ihre Funde zu Horizonten. Horizonte mit ausreichender, umfangreicher Datenlage werden Kulturen genannt. Eine Kultur ist ein Konstrukt und eine Arbeitshypothese, die die Verursacher der Horizonte nur approximiert. Behauptungen, das die Kultur eine Sippe, ein Volk, eine Nation, ein Reich oder ein Staat gewesen sei, sind, wenn dies historisch nicht untermauert werden kann, notwendigerweise spekulativ, wenn auch in einigen Fällen plausibel. Natürlich versuchen Sprachwissenschaftler, die eine Protosprache beschreiben, auch archäologische Evidenzen für diese Protosprache zu finden, und natürlich versuchen Archäologen, die eine Kultur beschreiben, in Ermangelung historischer Daten sprachwissenschaftliche Evidenzen zu finden. Dies ändert nichts daran, dass die Herstellung eines Zusammenhangs zwischen Protosprachen und Kulturen prinzipiell hypothetisch ist, so dass zwar allgemein von Gesellschaften gesprochen werden kann, die Sprechergemeinschaft der linguistischen Protosprache und Träger der archäologischen Kultur gewesen sein müssen, jedoch nicht behauptet werden kann, diese Gesellschaften seien ein Volk oder eine Nation gewesen. Die Unkenntnis oder das Ignorieren dieser wissenschaftstheoretischen Problematik führt immer wieder dazu, dass nationalistische Ideologien sowohl Sprachwissenschaft wie Archäologie für sich vereinnahmen können. Insbesondere sollte man wissen, dass die in diesem Artikel erwähnten Theorien, jede für sich, auf völlig verschiedenen Annahmen beruhen. Damit schließen sich die Theorien, obwohl sie sich zu widersprechen scheinen, keineswegs gegenseitig aus. Ferner wird der Begriff "Volk" in diesem Artikel und in fast allen Berichten über Sprachwissenschaft oder Archäologie nur umgangssprachlich und vorwissenschaftlich verwendet und hat mit der Wirklichkeit, die durch die Theorien beschrieben werden soll, nichts zu tun.

Zeitlicher Rahmen

Die verschiedenen Theorien differieren bereits beim Versuch, die Indogermanen zeitlich zu fassen. Sie werden frühstens ins Jungpaläolithikum (Otte) spätestens in die lokal unterschiedlich beginnende Bronzezeit (in Mitteleuropa ca. 2500 v. Chr.) gelegt. Da schon die zeitliche Zuordnung letztendlich spekulativ ist, die zeitliche Einordnung jedoch Voraussetzung für eine Zuordnung zu archäologischen Kulturen ist, widersprechen die Theorien einander nicht oder müssen vorläufig als unentscheidbare Fragen stehengelassen werden, solange man die zu Grunde gelegten Modellvorstellungen nicht widerlegen kann.

Die drei zentralen Theorien

Pontische Steppen-Theorien

Die schon Anfang des 20. Jahrhunderts von vielen Linguisten geäußerte Vermutung, die Urheimat der Indoeuropäischen Sprachen befände sich in den Steppen nördlich und nordöstlich des Schwarzen Meeres, wird auch heute noch von der Mehrheit der Sprachwissenschaftler favorisiert. Archäologen versuchten dies mit Hilfe archäologischer Indizien zu bestätigen. Die während des Neolithikums und der frühen Bronzezeit in Südrussland, der Ukraine und Moldawien existierenden Kulturen nördlich und östlich des Schwarzen Meeres und an der unteren Wolga wurden von Marija Gimbutas in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts nach einer charakteristischen Grabhügelform (Kurgan) zur Kurgankultur zusammengefasst. Die Urindogermanen waren nach der Meinung vieler Sprachwissenschaftler auf Grund der vorhandenen Wörter eine in erster Linie patriarchalisch organisierte Hirtengesellschaft, die den Pflug kannte, das Pferd als Reittier nutzte und mit Sicherheit nicht am Meer beheimatet gewesen sei. All dies korrespondiert mit den archäologischen Funden der Kurgankultur. Dieser Hypothese zufolge lebten die Indogermanen im 5. vorchristlichen Jahrtausend als kriegerisches Hirtenvolk in Südrussland, einige Archäologen identifizieren sie mit dem Kurganvolk. Sie wären nach Klimaverschlechterungen in ihrer Heimat zwischen 4400 und 2200 v. Chr. in mehreren Schüben west-, süd- und ostwärts gezogen. Die sog. Streitaxtleute bzw. Schnurkeramiker waren eine der Auswanderungswellen des sogenannten Kurganvolks. Auf diesen Wanderungen hatten sie auch Mitteleuropa erreicht und sich mit den dort ansässigen Menschen vermischt. Aus der Vermischung von Indogermanen und nicht-indogermanischer Urbevölkerung sowie durch isolationsbedingte Auseinanderentwicklung entwickelten sich die verschiedenen indogermanischen Volks- und Sprachgruppen, wie die Kelten, Germanen, Slawen, Italiker, Griechen, Iranier, Inder, Balten, Armenier, Thraker u.a.

Anatolien-Hypothesen

Bei der Anatolien-Hypothese, die vor allem von Colin Renfrew ausgearbeitet wurde, wird Ostanatolien als Ausgangspunkt einer indoeuropäischen Wanderungen angenommen. Das Urindogermanische hätte sich demnach friedlich entweder mit der Verbreitung der Viehzucht (Nomadismus) zunächst das Kaspische Meer umrundet und dann westwärts gewandt (Gamkredlitse, Iwanow) oder mit der zweiten Welle des Ackerbaus, der sich in die nordpontischen Gebiete verlagerte, ausgebreitete. Diese Theorien verwerfen insbesondere den "Invasionismus" der Kurgan- und Mitteleuropa-Theorien. Die moderne genetische Statistik (siehe Cavalli-Sforza) scheint diese Theorien zu stützen.

Alteuropa-Theorie

Die von Hans Krahe begründete und von Wolfgang P. Schmid weiterentwickelte "Alteuropa-Theorie" (die außer dem Namen nichts mit Gimbutas' Alteuropa-Konzeption gemeinsam hat) stützt sich auf die Untersuchung alter Gewässernamen. Sie geht davon aus, dass sich Gewässernamen gegenüber Umbenennungen als besonders resistent erwiesen haben und damit eine sehr alte Sprachschicht repräsentieren. Die Hydronymie führte zur Annahme eines sprachlichen Kontinuums von europäischen Ausmaßen. Eine besonders von italienischen und spanischen Forschern herausgearbeitete Theorie einer "Paläolitischen Kontinuität" (Palaeolithic Continuity Theory - PCT) könnte zu diesen Ergebnissen passen.

Sonstige Theorien

Balkan

In allen Theorien kommt dem Balkan eine Schlüsselstellung zu, da er mindestens immer als "Durchzugsgebiet" existiert. In letzter Konsequenz muss auch die These geprüft werden, ob dann nicht auch der Balkan, insbesondere das Donaubecken als "Urheimat" in Frage kommt.

Mitteleuropa-Theorien

Anhänger dieser Richtung gehen, im Gefolge Gustaf Kossinnas davon aus, dass die Indogermanen auf die mesolithische Bevölkerung Mitteleuropas zurückgehen und somit die Urbevölkerung bilden würden. Nach ihrer Auffassung erstreckte sich der dafür infrage kommende Raum zwischen Weser, Ostsee, Ostpolen und Karpaten. Etwa um 4000 v. Chr. bildeten diese Protoindogermanen die Trichterbecherkultur aus und traten um 2500 v. Chr. ihre Wanderungen auf den Balkan, nach Vorderasien und Indien an. Eine Invasion aus dem asiatischen oder südrussischen Raum hätte es danach nicht gegeben. Besonders in den 30er und 40er Jahren vertraten zahlreiche Wissenschaftler diese Ansicht. Heute gibt es außerhalb Deutschlands keine Wissenschaftler mehr, die die "Mitteleuropa-Theorie" vertreten.

Out-of-Iran-Hypothese

Durch vergleichende Sprachwissenschaft des iranischen Wissenschaftlers Derakshani sollen bestimmte Wurzeln auf eine Sprache des Volkes der Arier zurückzuführen sein, das bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. im Hochland des Iran lebte und deren Nachweis archäologisch bislang nicht gelang. Von dort aus sollen sich die Arier als Proto-Indoeuropäer (Urindogermanen) ausgebreitet haben.

Siehe auch


- Indoiraner
- Wiege Europas
- Immobilisten
- Kurgan-Hypothese

Literatur

sprachwissenschaftlich


- Thomas W. Gamkrelidse/Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, in: Spektrum der Wissenschaft. a.a.O., S. 50-57.
- W.B. Lockwood: Überblick über die indogermanischen Sprachen, G. Narr Verlag, Tübingen 1979
- Robert S.P. Beekes, Comparative Indo-European Linguistics: An Introduction, John Hopkins, Amsterdam 1995 ISBN 1556195052.
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, de Gruyter, Berlin 2000
- Oswald Szemerényi: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989.

archäologisch


- Marija Gimbutas, Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, "Archeolingua", series minor 6. Budapest 1994, auch als Buch ISBN 3851241711
- Marija Gimbutas u.a, The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe: Selected Articles From 1952 to 1993 ISBN 0941694569.
- Häusler, Alexander: Zum Ursprung der Indogermanen. Archäologische, anthropologische und sprachwissenschaftliche Gesichtspunkte, in: EAZ (39) 1998, S. 1-46.
- Häusler, Alexander.: Ursprung und Ausbreitung der Indogermanen: Alternative Erklärungsmodelle Serie: Indogermanische Forschungen : Zeitschrift für Indogermanistik und allgemeine Sprachwissenschaft Berlin [u.a.] : de Gruyter Band 107 (2002), S. 47-75.
- Häusler, Alexander.: Nomaden, Indogermanen, Invasionen: zur Entstehung eines Mythos : Orientwissenschaftliche Hefte, Halle/Saale 5/2003, ISSN 16172469
- J. P. Mallory, In Search of the Indo-Europeans: Language, Archaeology and Myth ISBN 0500276161.
- James Mallory/ D. Q. Adams (Hrsg), Encyclopedia of Indo-European Culture (London, Fitzroy Dearborn, 1997), ISBN 1884964982.
- Marcel Otte, Diffusion des langues modernes en Eurasie préhistorique, «C.R. Acad. Sc. Paris» 321, série IIa, 1995, 1219-1226.
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, in: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, ISSN 09477934, S. 40-48.
- Colin Renfrew.: Archaeology and Language: The Puzzle of Indo-European Origins. Cambridge 1990 ISBN 0521386756.
- Walkowitz, Jürgen E.: Die Sprache der ersten Bauern und die Archäologie In: Varia Neolithica III (2004) Langenweissbach.

historisch


- Derakshani, Jahanshani: Die Arier in den nahöstlichen Quellen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Teheran. 1998. ISBN 964-90368-1-4

sonstige


- Elizabeth W. Wayland Barber: The Mummies of Ürümchi, W.W. Norton & Copany, New York 1999
- Schmoeckel, Reinhard: Die Indoeuropäer. Aufbruch aus der Vorgeschichte. Bergisch Gladbach: Bastei-Lübbe, 1999 (Bastei-Lübbe-Taschenbuch, Bd. 64162). 575 S. ISBN 3-404-64162-0

Weblinks


- [http://www.continuitas.com/invasionless.pdf Alinei, M.: Towards an Invasionless Model of Indoeuropean Origins: The Continuity Theory]
- [http://web.phil-fak.uni-duesseldorf.de/~wdl/Urheimat%20Indogermanen.PDF Wunderlich, D.: Die Urheimat der Indogermanen]
- [http://www.ship.edu/~cgboeree/indoeuropean.html Boeree, C.G.: The Evolution of the Indoeuropean Languages]
- [http://www.akademienunion.de/_files/akademiejournal/2001-2/AKJ_2001-2-S-42-45_schmid.pdf Schmid, Wolfgang P.: Was Gewässernamen in Europa besagen] Kategorie:Ethnie

Indogermanische Sprachen

Die indogermanische Sprachfamilie, von der nicht deutschsprachigen Philologie eher als indoeuropäische Sprachfamilie bezeichnet, deren Vokabular Übereinstimmung bei Flexion, Numerus, Genus und Ablaut aufweist, ist die mittlerweile vor allem auf Grund der Kolonisation meistverbreitete Sprachfamilie auf der Welt mit mehr als 2,5 Mrd. Muttersprachlern.

Der Begriff „indogermanisch“

Bei der Bildung der Bezeichnung Indogermanisch im 19. Jahrhundert gingen die Sprachforscher von den beiden Sprachgruppen aus, die damals als die räumlich am weitesten voneinander entfernten angesehen wurden, d. h. der indischen im Osten und im Westen der germanischen Gruppe (mitsamt des Isländischen). Die keltischen Sprachen wurden damals aufgrund grammatikalischer Besonderheiten noch nicht als indogermanisch angesehen und das Tocharische weiter östlich wurde erst 1890 entdeckt. Die Bezeichnung Indogermanisch wurde im deutschen Sprachraum, der in dieser Forschungsdisziplin weltweit immer noch führend ist, beibehalten. In anderen Sprachen wird hingegen die Bezeichnung Indoeuropäisch (IE) verwendet. Der amerikanische Linguist Merritt Ruhlen benutzt die Bezeichnung Indo-Hethitisch, um eine vorgebliche Sonderstellung des Hethitischen bzw. der anatolischen Sprachgruppe innerhalb des Indogermanischen zu betonen. Ein solcher Stammbaum wird jedoch (zumindest in der weitreichenden Form) von den meisten anderen Forschern abgelehnt. Heute nehmen viele Forscher aber an, dass sich die anatolischen Sprachen tatsächlich als erste von der Ursprache abgespalten haben.

Ursprung und Entwicklung

Die indogermanischen Sprachen sind nach Meinung der Indogermanistik im linguistischen Sinne genetisch verwandt. Dass ihre Ähnlichkeit nur auf typologischer Angleichung nach Art eines Sprachbunds zustande kam, kann ausgeschlossen werden. Ende des 18. Jahrhunderts erkannte der englische Orientalist William Jones aus Ähnlichkeiten zwischen dem Sanskrit und einigen europäischen Sprachen wie Litauisch, dass es für diese Sprachen eine gemeinsame Wurzel gibt. Der Deutsche Franz Bopp brachte 1816 in seinem Buch Über das Konjugationssystem der Sanskritsprache in Vergleichung mit jenem der griechischen, lateinischen, persischen und germanischen Sprache den methodischen Beweis für die Verwandtschaft dieser Sprachen und gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als Entdecker des Indogermanischen. Diese indogermanische Ursprache ließ sich sprachwissenschaftlich rekonstruieren, obwohl aus dieser Zeit keine Schriftdokumente vorliegen. Für die Sprachen, die auf das Indogermanische zurückgehen, lässt sich auf der Grundlage der Forschungsergebnisse des deutschen Linguisten August Schleicher ein „Stammbaum“ darstellen, der den Ursprung und die Verwandtschaftsstruktur dieser Sprachen wiedergibt. In diesem „Stammbaum“ gibt es sowohl gesicherte als auch spekulative Verzweigungen; letztere betreffen insbesondere ausgestorbene Sprachen, die keine Nachfolgesprachen hinterlassen haben. Schleicher versuchte das hypothetische Protoindogermanische zu rekonstruieren, indem er sich ursprünglicher Formen diverser indogermanischer Sprachen bediente. Daraus entstand eine Übersetzung der sog. indogermanischen Fabel „Das Schaf und die Pferde“ als „Avis akvasasca“. Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass solche Sprachrekonstruktion in der Regel zu Wortwurzeln einerseits und morphologischen und phonologischen Erscheinungen andererseits führen. Auch syntaktische Merkmale des Indogermanischen konnten mit Einschränkungen rekonstruiert werden. Eine Grundsprache im Sinne eines kommunikativen Verständnisses wird mit dieser Rekonstruktion jedoch nicht erreicht. Ausgehend von Wortstämmen, die allen indogermanischen Sprachen gemeinsam sind, wurde weiterhin in Zusammenarbeit mit der Archäologie versucht, das Ursprungsgebiet der Indogermanen zu bestimmen. Dabei wurden sowohl Ostanatolien, Gebiete nördlich des Schwarzen Meeres oder Südosteuropa vorgeschlagen. Von den zahlreichen Hypothesen über diese Urheimat der Indogermanen, beispielsweise Kurgan-These, Anatolien-These ist keine allgemein akzeptiert. Einige Wissenschaftler stellen den Migrationsmodellen die Konzeption eines ausgedehnten indogermanischen Sprachkontinuums gegenüber. Es ist sogar strittig, ob eine 'Urheimat' überhaupt definiert werden kann, weil schon deren Existenz nicht gesichert werden könne, geschweige denn eine auch nur mehr als vage zeitliche und räumliche Ansetzung möglich sei. Auch die Methodik der Glottochronologie liefert nur vermeintlich exakte Daten. Sie versucht an Hand einer Testliste von Begriffen, die in möglichst vielen Sprachen vorhanden sind, Verwandtschaftsbeziehungen von Sprachen festzustellen: je größer der Prozentsatz an als verwandt vermuteten Wörtern der Liste, desto enger seien die Sprachen verwandt. Unter der Hypothese einer konstanten Ersetzungsrate (früher für alle Sprachen, heute je Einzelsprache oder gar Einzelwort) wird der Verlust an gemeinsamem Wortbestand in einem belegbaren Zeitraum mit verschiedenen Methoden einfach zurückprojiziert. Daraus ergäbe sich dann automatisch der zeitliche Abstand der Trennung der Schwestersprachen. Kritisiert an dieser Methodik wird v. a. die Überzeugung, dass für die verschiedenen Stufen der Ausgliederung eine absolute Chronologie bestimmt werden könne. Dies gilt auch für die in der Presse stark beachtete Berechnung von Gray/Atkinson von der Universität Auckland (Neuseeland) aus dem Jahr 2003, die mit Computerprogrammen der Bioinformatik arbeitet. Wahrscheinlich lassen sich sprachliche Rekonstruktionen nur in der Zusammenarbeit von Sprachwissenschaft und Archäologie erarbeiten. Ob die Humangenetik dabei eine Rolle spielen kann, ist umstritten. Populationsgenetiker wie Luigi Cavalli-Sforza versuchen nachzuweisen, dass sich zwischen der genetischen Verwandtschaft auch weit auseinander lebender Bevölkerungsgruppen (z. B. Balten und Hindi) und sprachlicher Verwandtschaft Parallelen ziehen lassen. Vermutungen zu entfernter Verwandtschaft wurden zu beinahe allen Sprachen der Welt angestellt. Die engste Verwandtschaft wird auf Grund grammatisch-morphologischer Gemeinsamkeiten mit den uralischen Sprachen angenommen. Darüber hinaus wird eine lose Verwandtschaft mit unter anderem Afro-Asiatischen Sprachen, sowie mit den altaischen Sprachen angenommen und unter dem Begriff Nostratisch untersucht. Eine überholte Unterteilung der indogermanischen Sprachen erfolgte früher nach dem Zahlwort für „hundert", der erschlossenen Urform
- kmtom, siehe Kentumsprachen.

Untergruppen

Zu den indogermanischen Sprachen gehören die folgenden Gruppen lebender und ausgestorbener (†) Sprachen:
- Indogermanische Ursprache
  - Albanisch
  - Anatolische Sprachen
  - Armenisch
  - Baltische Sprachen
    - Ostbaltische Sprachen
    - Westbaltische Sprachen (Altpreußisch) †
  - Germanische Sprachen
    - Nordgermanische Sprachen
    - Ostgermanische Sprachen
    - Westgermanische Sprachen
  - Griechisch
  - Illyrisch
  - Indoiranische Sprachen
    - Indoarische Sprachen
    - Iranische Sprachen
  - Italische Sprachen
    - Latino-faliskische Sprachen (mit Latein und den romanischen Sprachen)
    - Oskisch-umbrische Sprachen
  - Keltische Sprachen
    - Festlandkeltische Sprachen
    - Inselkeltische Sprachen
  - Phrygisch
  - Slawische Sprachen
    - Ostslawische Sprachen
    - Westslawische Sprachen
    - Südslawische Sprachen
  - Thrakisch
  - Tocharisch
  - Venetisch

Verwandtschaftsverhältnisse

Schon oft wurde versucht, die eben genannten Untergruppen zu größeren Einheiten zusammenzufassen. Nur in seltenen Fällen konnten sich diese Theorien in der Fachwelt durchsetzen, so z. B. die Zusammenfassung der indoarischen und der iranischen Sprachen zu den "indoiranischen Sprachen". Erwogen wurden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, eine "balto-slawische" Sprachgruppe (balto-slawische Hypothese), die Abstammung des Albanischen vom Illyrischen, eine nähere Verwandtschaft zwischen den italischen und den keltischen Sprachen, die Zuordnung des Venetischen sowohl zum Illyrischen als auch zu den italischen Sprachen, eine "thrakisch-phrygische" Sprachgemeinschaft und vieles mehr. Da bisher keine dieser Theorien stichhaltig nachgewiesen werden konnte, wurde in der Liste oben darauf verzichtet, genauere Zuordnungen vorzunehmen, d. h. "Streitfälle" stehen oben als Einzelgruppen und ohne Hinweise auf vermutete Verwandtschaftsverhältnisse. Wer mehr dazu wissen will, kann sich in den Artikeln über die einzelnen Untergruppen genauer informieren.

Siehe auch


- Indogermanische Wortwurzeln
- Indogermanische Ursprache

Literatur


- Robert S. P. Beekes: Comparative Indo-European Linguistics. An Introduction, Benjamins, Amsterdam 1995, ISBN 1-55619-505-2
- Frederik Bodmer: Die Sprachen der Welt, Parkland-Verlag, Köln 1997, ISBN 3-88059-880-0 (Schlechte Populärwissenschaft mit zahllosen sehr ärgerlichen Fehlern bei allen behandelten Themen (nicht nur der Indogermanistik), im Großen ebenso wie im Détail. Untauglich.)
- Luigi Luca Cavalli-Sforza: Gene, Völker und Sprachen. Die biologischen Grundlagen unserer Zivilisation, dtv, München 2001, ISBN 3-423-33061-9
- Cowgill, Waren 1986 Indogermanische Grammatik, I: Einleitung; II: Lautlehre; begr. v. Jerzy Kuryłowicz, hrsg. v. Manfred Mayrhofer, (=Indogermanische Bibliothek: Reihe 1, Lehr- und Handbücher), Heidelberg: Winter.
- Delbrück, Bertold 1919 Einleitung in das Studium der indogermanischen Sprachen. Ein Beitrag zur Geschichte und Methodik der vergleichenden Sprachforschung, (=Bibliothek indogermanischer Grammatiken, IV). 6. Aufl. Leipzig: Breitkopf & Härtel - Beste Darstellung der Wissenschaftsgeschichte mit allen Details im frühen 19. Jh.
- Thomas W. Gamkrelidse, Wjatscheslaw Iwanow: Die Frühgeschichte der indoeuropäischen Sprachen, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 50-57, ISSN 09477934
- Marija Gimbutas: The Kurgan Culture and the Indo-Europeanization of Europe. Selected Articles Form 1952 to 1993, Institute for the Study of Man, Washington 1997, ISBN 0-941694-56-9
- Marija Gimbutas: Das Ende Alteuropas. Der Einfall von Steppennomaden aus Südrussland und die Indogermanisierung Mitteleuropas, In: Archeolingua, Budapest 1994 (series minor, 6)
- Werner König: dtv-Atlas deutsche Sprache, 14. Auflage, dtv, München 2004, ISBN 3-423-03025-9
- James P. Mallory: In Search of the Indo-Europeans. Language, Archaeology and Myth, Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-27616-1
- James P. Mallory, D. Q. Adams (Hrsg.): Encyclopedia of Indo-European Culture, Fitzroy Dearborn, London 1997, ISBN 1-884964-98-2
- Michael Meier-Brügger: Indogermanische Sprachwissenschaft, 8. Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017243-7 (Ursprünglich von Hans Krahe. Gegenwärtig die umfassendste Darstellung, mit vorzüglicher Bibliographie zu sämtlichen Einzelthemen)
- Colin Renfrew: Die Indoeuropäer - aus archäologischer Sicht, In: Spektrum der Wissenschaft. Dossier: Die Evolution der Sprachen, 1/2000, S. 40-48, ISSN 09477934
- Colin Renfrew: Archaeology and Language. The Puzzle of Indo-European Origins, University Press, Cambridge 1995, ISBN 0-521-38675-6
- August Schleicher: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen, Böhlau, Weimar 1861/62, Nachdruck: Olms, Hildesheim 1974, ISBN 3-487-05382-9
- Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 1999, ISBN 3-404-64162-0
- Szemerényi, Oswald: Einführung in die vergleichende Sprachwissenschaft, wb Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 1989, ISSN 0724-5009, ISBN 3-534-04216-6. Sehr gute und umfangreiche wissenschaftliche Darstellung von Entwicklung und Verwandtschaftsverhältnissen der einzelnen indogermanischen Sprachen, referiert u. a. über die Entwicklung der Kasus, der Genus, der unterschiedlichen Konjugationen, des Lautsystems etc. Anfängern ist es allerdings nicht zu empfehlen.
- Eva Tichy: Indogermanistisches Grundwissen, Hempen Verlag, Bremen 2000, ISBN 3-934106-14-5 (Augenblicklich beste Einführung, nicht nur für Studierende. Im Gegensatz zu Meier-Brügger kein Abschnitt zur Syntax, aber ausführliche Diskussion der Entstehung des Systems der drei grammatischen Geschlechter, insbesondere des Femininums, im Indogermanischen. - Reiche weiterführende Literaturangaben. Als Leitfaden fürs (Selbst-)Studium bestens geeignet.)

Weblinks


- http://pages.unibas.ch/klaphil/idg/texte/ie.html - Indogermanisch oder Indoeuropäisch?
- http://www.zeit.de/archiv/2001/51/200151_sprachgen.xml - Wie Gene die Lippen spitzen
- http://www.civisdigitalis.de/em/info/archive_article.asp?article=121003 - Das große Rätsel der indoeuropäischen Sprache – neuer Disput um Alter und Herkunft
- http://static.unilang.org/resources/other/languagefamily_ie.jpg - Stammbaum der indogermanischen Sprachfamilie
- http://www.dabis.at/Anwender.htm/Alscher/contents.htm - The Ergativic Stage of Early Proto-Indoeuropean - Written by Hans-Joachim Alscher Kategorie:Sprachfamilie ja:インド・ヨーロッパ語族 zh-cn:印欧语系

Slawische Sprachen

Die slawischen Sprachen sind ein Zweig der indogermanischen Sprachen.

Allgemeines

Nach der geltenden wissenschaftlichen Auffassung sind sie aus dem sog. Urslawischen entstanden, dem die älteste slawische Schriftsprache, das Altkirchenslawische (ab dem 9. Jahrhundert), noch sehr nahe stand. Aus dem Altkirchenslawischen entwickelten sich etwa dem 11. Jahrhundert verschiedene Varianten, die man traditionell als Kirchenslawisch bezeichnet. Dabei unterscheidet man zwischen Bulgarisch-Kirchenslawisch (oft auch Mittelbulgarisch genannt), Russisch-Kirchenslawisch, Serbisch-Kirchenslawisch, Kroatisch-Kirchenslawisch und Tschechisch-Kirchenslawisch. Auch in Rumänien war bis in das 19. Jahrhundert eine spezielle Variante des Kirchenslawischen als Kirchensprache in Gebrauch. Am nächsten steht den slawischen Sprachen der baltische Sprachzweig, was auf die lange Nachbarschaft zurückzuführen ist und darauf, dass sich beide Sprachgruppen aus ähnlichen indogermanischen Dialekten entwickelt haben. Einige Sprachwissenschafter gehen sogar von einer baltisch-slawischen Spracheinheit aus, diese Meinung gilt jedoch als umstritten. Die folgende Übersicht enthält, gegliedert nach den drei geografischen Untergruppen Ostslawisch, Westslawisch und Südslawisch zunächst die slawischen Standardsprachen und danach die sog. Mikroliteratursprachen -- dieser Ausdruck ist in der Slawistik für Sprachformen üblich, in denen schriftliche Texte verfasst werden, die aber nicht alle Eigenschaften vollgültiger Standardsprachen aufweisen. Innerhalb jedes Abschnitts sind die Sprachen alphabetisch angeordnet.

Überblick über die slawischen Sprachen

KURZÜBERBLICK: Westslawische Sprachen:
- Sorbisch
  - Niedersorbisch
  - Obersorbisch
- Polabisch ausgestorben
- Polnisch
- Pomoranisch
  - Kaschubisch
  - Slowinzisch ausgestorben
- Tschechisch
  - Lachisch
- Slowakisch ostslawische Sprachen:
- Russisch
- Weißrussisch
- Ukrainisch
- Karpato-Russinisch
- Jugoslawo-Russinisch
- Westpolessisch südslawische Sprachen:
- Bosnisch
- Bulgarisch
- Kroatisch
- Mazedonisch
- Slowenisch
- Serbisch

Tabelle

In der Spalte Verbreitung sind Gebiete, in denen die betreffende Sprache Amtssprache ist, fett und Gebiete, in die die betreffende Sprache erst durch Auswanderungen in jüngerer Zeit gekommen ist, kursiv hervorgehoben.

Ausgestorbene slawische Sprachen

Im Zuge der deutschen Ostkolonisation wurde eine größere Zahl von westslawischen Völker assimiliert oder verdrängt, ihre Sprachen sind ausgestorben. Dies betrifft zunächst die slawischen Stämme zwischen Elbe und Oder und der Insel Rügen, die bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts ausgestorben sind, dann das sog. Polabische (auch Drawänopolabisch) im sog. Wendland bei Lüchow (Wendland) und Dannenberg (Elbe), das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ausgestorben ist, und schließlich das bis kurz nach 1900 in Pommern gesprochene Slowinzische. Auch die Sprecherzahl der beiden sorbischen Sprachen geht seit Jahrhunderten stetig zurück, das Niedersorbische kann heute als akut bedroht gelten.

Andere slawische Sprachen und Dialekte

Auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel wird auf eine Liste von weiteren slawischen Sprachen verwiesen ([http://www.uni-klu.ac.at/eeo/abteilung1_neu.htm]), die sich unter im Internet findet. Zu diesen sei, soweit sie nicht oben schon aufgeführt sind, folgendes gesagt:
- Ägäis-Mazedonisch ist eine dem Mazedonischen und Bulgarischen verwandte Sprache in Nordgriechenland, um deren Verschriftung sich dortige Intellektuelle seit wenigen Jahren bemühen;
- Čakavisch ist ein kroatischer Dialekt, der in der Vergangenheit (bis Mitte des 19. Jahrhunderts) auch als Schriftsprache gedient hat;
- Kajkavisch ist ebenfalls ein kroatischer Dialekt, der in der Vergangenheit als Schriftsprache gedient hat;
- Lachisch ist ein in Nordmähren und im ehemaligen Österreichisch-Schlesien gesprochener Dialekt des Tschechischen, den der Schriftsteller Óndra Łysohorsky zur Schriftsprache erheben wollte;
- unter Mährisch versteht man unterschiedliche Versuche, auf der Grundlage der in Mähren gesprochenen tschechischen Dialekte eine eigene Standardsprache einzuführen;
- Masurisch ist ein stark vom Deutschen beeinflusster polnischer Dialekt auf dem Gebiet des ehemaligen Ostpreußen, in dem zeitweise eine gewisse Menge von Literatur veröffentlicht wurde;
- Ostslowakisch bezeichnet den Versuch einer eigenen Schriftsprache auf der Grundlage ostslowakischer Dialekte, den slowakische Calvinisten ab dem 17. Jahrhunderts unternahmen;
- Podhalisch ist der polnische Dialekt des Podhale am Fuße der Karpaten, in dem eine gewisse Menge von Dialektliteratur veröffentlicht wurde;
- Pomakisch ist die Sprache einer slawischen Volksgruppe moslemischer Religion im Süden Bulgariens, die zeitweise in griechischer Schrift geschrieben wurde;
- Schlesisch ist ein Sammelbegriff für die polnischen Dialekte Schlesiens, deren Sprecher über ein klares Bewusstsein von der Eigenständigkeit ihrer Sprache überzeugt sind, die sich aber dennoch bisher zu keiner eigenen Schriftsprache entwickelt haben;
- Slawenoserbisch ist eine Form des Russisch-Kirchenslawischen, die im 18. und am Anfang des 19. Jahrhunderts in Serbien als Schriftsprache verwendet wurde.

Charakteristika der slawischen Sprachen

Die slawischen Sprachen gelten als für Westeuropäer und Sprecher des Deutschen schwer erlernbar. Diese Meinung beruht nicht nur auf Erfahrungen von Ausländern, die eine slawische Sprache lernen wollten, sondern auch auf dem Widerstand gegen das (z.B. nach 1945 in der DDR) oktroyierte Russische und auf Meinungen von Slawen über die schwere Erlernbarkeit ihrer Sprachen (auf die sie ausdrücklich stolz sind). Objektiv zu beschreiben sind die folgenden Faktoren, die sich jedoch nicht bei allen slawischen Sprachen in gleicher Weise auswirken:
- für manche slawischen Sprachen (vor allem Russisch, Polnisch, Bulgarisch) sind weiche bzw. palatalisierte Konsonanten charakteristisch, deren Aussprache Ausländern Schwierigkeiten bereitet
- als typisch slawisch gelten Konsonantengruppen, die aber vor allem in den Sprachen vorkommen, in denen r und/oder l an Stelle von Vokalen gebraucht werden können (Tschechisch, Slowakisch, Kroatisch, Serbisch, Bosnisch)
- man sagt den slawischen Sprachen, die zu den flektierenden Sprachen gehören, einen großen "Formenreichtum" nach; in der Tat haben die meisten slawischen Sprachen sechs oder sieben Kasus, Bulgarisch und Mazedonisch jedoch keine, manche ein reicheres Tempussystem (so die sorbischen Sprachen, das Kroatische, das Serbische, das Bulgarische und das Mazedonische) usw.
- als schwer erlernbar gilt der in allen slawischen Sprachen vorkommende Verbalaspekt.

Maschinelle Übersetzung zwischen slawischen Sprachen

Im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Prager Karlsuniversität, der Universität des Saarlandes und der Universität in Kaunas (Litauen) ist ein System für maschinelle Übersetzung zwischen den slawischen Sprachen entwickelt worden, bisher gibt es sprachliche Ressourcen (Tagger, Grammatik, Wörterbuch) für die Sprachpaare Tschechisch-Slowakisch und Tschechisch-Polnisch. Die im Rahmen des Projektes entwickelte Technologie basiert auf der Verwandtschaft der slawischen Sprachen auf allen sprachlichen Beschreibungsebenen. Darüber hinaus ist kürzlich das Sprachpaar Tschechisch-Litauisch hinzugekommen, womit das System über die slawische Sprachfamilie hinaus erweitert wurde.

Wörter mit slawischem Ursprung


- Grenze
- Roboter
- Vampir
- Zobel

Literatur


- Trautmann, Reinhold: Die slavischen Völker und Sprachen. Eine Einführung in die Slavistik. Leipzig 1948 (alt, aber immer noch gut)
- Rehder, Peter (Hrsg.): Einführung in die slavischen Sprachen. Darmstadt 1998(3).
- Comrie, Bernard: The Slavonic languages. London 1993. Kategorie:Sprachfamilie Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Slawistik ! als:Slawische Sprachen ja:スラヴ語派 ko:슬라브어파

Präposition

Präpositionen (von lat. prä: „vor, voran“ und ponere: „legen, setzen, stellen“), auch Verhältniswörter genannt, drücken Verhältnisse bzw. Beziehungen zwischen Personen, Gegenständen und/oder Sachverhalten aus. Sie gehören zu den nicht flektierbaren Wörtern (d. h. sie sind unveränderlich), verlangen aber einen bestimmten Kasus. Hierbei können lokale, temporale, kausale, konzessive, modale u.a. Verhältnisse ausgedrückt werden. Präpositionen stehen meist vor dem durch sie regierten Ausdruck, manchmal auch danach. Beispiel: Sie sitzt ihrer Tochter gegenüber im Zug.

Die durch Präpositionen gekennzeichneten Verhältnisse


- Räumlich: (lokale Präpositionen)
  - ab, abseits, an, auf, aus, außer, außerhalb, bei, bis, diesseits, durch, entlang, fern, gegen, gegenüber, gen (alt), hinter, in, inmitten, innerhalb, jenseits, längs, nach, nächst, nahe, neben, nördlich, ob (alt), oberhalb, östlich, seitlich, südlich, über, um, unfern, unter, unterhalb, unweit, vis-à-vis, vor, westlich, zu, zunächst, zwischen
  - Beispiele:
    - in den Kühlschrank – in dem (im) Kühlschrank
    - auf die Straße – auf der Straße
    - an den Herd – an dem (am) Herd
    - neben das Haus – neben dem Haus
- Zeitlich: (temporale Präpositionen)
  - ab, an, auf, aus, außerhalb, bei, binnen, bis, für, gegen, in, innerhalb, mit, nach, seit, über, um, unter, von, vor, während, zeit, zu, zwischen
  - Beispiele:
    - am Sonntag
    - vor der Party
    - während des Essens (Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“)
    - zeit seines Lebens (Es gibt kein „Davor“ oder „Danach“)
    - in zwei Stunden
    - gegen Abend
- Begründend: (kausale Präposition im weiteren Sinn)
  - angesichts, anlässlich, auf, aus, behufs (alt), bei, betreffs, bezüglich, dank, durch, für, gemäß, halber, infolge, kraft, laut, mangels, mit, mittels[t], nach, ob (alt), seitens, trotz, über, um, um - willen, unbeschadet, ungeachtet, unter, vermittels[t], vermöge, von, vor, wegen, zu, zufolgen, zwecks
  - Unterteilung:
    - kausal im engeren Sinn/konsekutiv: Er konnte wegen eines Autounfalls nicht rechtzeitig hier sein.
    - instrumental: Das Auto wurde durch einen Unfall beschädigt.
    - konditional: Unter den gegebenen Umständen konnte er nicht rechtzeitig eintreffen.
    - konzessiv: Trotz des Unfalls bemühte er sich rechtzeitig zu kommen.
    - final: Er fuhr zur Einhaltung seines Termins mit dem Taxi.
  - Beispiele:
    - wegen des Schnees (instrumental)
    - aufgrund dieses Sachverhalts (instrumental)
    - angesichts seiner Schulden (konditional)
    - anlässlich meines Geburtstages
    - trotz des schlechten Wetters (konzessiv)
- Modal (modale Präpositionen)
  - abzüglich, auf, aus, ausschließlich, außer, bei, bis, an, bis auf, bis zu, einschließlich, entgegen, exklusive, für, gegen, gegenüber, in, inklusive, mit, mitsamt, nebst, ohne, samt, sonder(alt), [an]statt, unter, von, wider, zu, zuwider, zuzüglich
  - Unterteilung:
    - Art und Weise: Dieser Artikel ist auf deutsch geschrieben.
    - Grad, Maß: Wikipedia ist in hohem Maße zu loben.
    - Beschaffenheit: Der Einband ist aus Leder.
    - Erweiterung: Verkaufspreis zuzüglich Versandkosten wurde verrechnet.
    - Gegensatz: Gegenüber der Vergangenheit wird heute weniger gelesen.
    - Fehlendes: Die Jugend surft im Internet statt ein Buch zu lesen.
  - Beispiele:
    - mit Disziplin (Vorsicht: mit einem Hammer ist instrumental)
    - auf englisch (Vorsicht: auf dem Tisch ist lokal) Anmerkung: Viele Präpositionen kennzeichnen mehrere Verhältnisse!
- etwas aus dem Kühlschrank nehmen (lokal)
- ein Tisch aus Holz (modal)
- etwas aus Furcht tun (kausal) Manchmal kann man die Präpositionen nicht auf diese vier Gruppen zurückführen.

Rektion nach Präpositionen

Präpositionen treten mit einem bestimmten Kasus auf. Die Gruppe: aus, außer, seit, bis, nach, von und zu (Auswahl) regiert den Dativ, die Gruppe: durch, für, ohne, um (Auswahl) regiert den Akkusativ. Eine große Gruppe regiert den Genitiv: angesichts, abzüglich, bezüglich, einschließlich, wegen, mittels, zwecks uvam. Bei der Gruppe: an, auf, hinter, neben, in, über, unter, vor und zwischen muss zwischen Dativ und Akkusativ gewählt werden. Wie bei den Beispielen in, auf, an, neben ersichtlich, steht der Akkusativ, wenn eine Richtung bezeichnet wird, und der Dativ, wenn es um einen bestimmten Ort geht. Bei relativ festen Verbindungen von Verben mit bestimmten Präpositionen aus der Gruppe der Wechselpräpositionen kann der zu verwendende Kasus jedoch nicht logisch erschlossen werden und hängt von der jeweiligen Verbindung ab. Verbindungen aus Präposition und bestimmtem Artikel (zum, fürs, im) nennt man Kontraktionen (Kontraktion (Linguistik)).

Verbpräfixe

Präpositionen können auch als Verbpräfixe auftreten: abstellen, aufstellen, unterstellen, einstellen, durchstellen, zustellen, ...

Herkunft der Präpositionen

Präpositionen waren ursprünglich Ortsadverbien/Lokaladverbien. Zu der örtlichen Bedeutung entwickelte sich oft für jede Präposition zusätzliche eine zeitliche und/oder bildliche bzw. übertragene Bedeutung. Siehe auch: Postposition, Zirkumposition oder allgemein Adposition - griechische Präpositionen - lateinische Präpositionen - Portal:Sprache Kategorie:Grammatik Kategorie:Linguistische Morphologie ja:前置詞 simple:Preposition

Litauische Sprache

Die litauische Sprache (Litauisch) gehört zur östlichen Gruppe der baltischen Sprachen innerhalb der indogermanischen Sprachen. Litauisch ist Amtssprache in Litauen. Besonders archaische (leider im Aussterben begriffene) Dialekte des Litauischen werden im Nordwesten Weißrusslands gesprochen, auch die litauische Minderheit in Polen (um Suwałki) spricht Litauisch. Der Language Code ist lt bzw. lit (nach ISO 639).

Geschichte

Litauisch ist eng verwandt mit der lettischen Sprache und der ausgestorbenen altpreußischen Sprache. Vom Lettischen hat sie sich im Mittelalter (7./8. Jh.) abgespalten. Sie zeichnet sich durch viele erhaltene altertümliche grammatische Formen auf, die sich zum Teil auch im Sanskrit wiederfinden; unter allen lebenden europäischen Sprachen ist Litauisch am nächsten mit dem indischen Zweig der indogermanischen Sprachen verwandt. Trotz des heute kleinen Sprachraumes lassen sich mehrere Idiome unterscheiden, die in zwei Großgruppen unterschieden werden: Aukštaitisch (Oberlitauisch) und Žemaitisch (Niederlitauisch). In der geschriebenen Sprache hat sich das dem Aukštaitischen zuzurechnende Idiom der Region Suvalkija durchgesetzt. Besondere Verdienste um die Erforschung des Litauischen erwarb sich im 19. Jahrhundert August Schleicher, der als Philologieprofessor an der Prager Universität 1856/57 das erste wissenschaftliche Handbuch der litauischen Sprache in 2 Bänden veröffentlichte. Seit dem 1. Mai 2004 ist Litauisch eine der Amtssprachen in der EU.

Alphabet


- Dass ą, ę į und ų sowie ū längere Vokale sein sollen, ist im Gesprochenen aber kaum hörbar, dient vielmehr im Geschriebenen zur Unterscheidung zwischen Nominativ und Akkusativ bzw. Instrumental und Genitiv Plural. Ebenso ist das e einem kurzen ä (wie das 'e' im Wort 'Dreck') ähnlich, das ė hingegen entspricht eher dem deutschen e (siehe IPA).
- Das o wird immer lang ausgesprochen [oː], kann aber auch kurz ausgesprochen werden [], was aber nur in Fremdworten vorkommt, wie z. B. kokonas Kokon oder fokusas Fokus.
- z und ž sind stimmhaft wie im Französischen 'Balzac' bzw. 'Orange'.
- Das r wird stark gerollt, wie in den slawischen Sprachen - schwierig zum Beispiel bei trys broliai = drei Brüder.
- Das i vor a, o, u wird nicht ausgesprochen - es markiert nur, dass der davorstehende Konsonant weich gesprochen wird.
- Die Buchstaben q, w und x sind dagegen in litauischen Worten unbekannt und werden in litauischen Worten als kv, v und ks dargestellt.
- Der Buchstabe f kommt nur in Fremdwörtern, wie z. B. filmas oder futbolas vor, in urlitauischen Wörtern findet man ihn nicht, was folgendes Beispiel zeigt: Prancūzija Frankreich.

Eigenheiten

Typisch für die litauische Schriftsprache ist der Umstand, dass ausländische Lehnwörter und auch Eigennamen der Aussprache folgend „litauisch“ wiedergegeben werden (z. B. Gerhardas Šrederis für Gerhard Schröder, Džordžas Bušas für George Bush oder Haris Poteris für Harry Potter), sowie das Anhängen der Endung -as, -is oder -us an maskuline, und eines -a oder -ė an feminine Substantive, auch wenn es sich um ausländische Worte handelt (z. B. šlagbaumas, ananasas, vunderkindas – aber: taksi, kino(teatras)). Aktuell in der Diskussion ist die Umbenennung des 'Euro', der unter diesem Namen in allen bisherigen EU-Mitgliedsstaaten bekannt ist, in die grammatisch „richtige“ Form Euras. Allerdings wird die „Lituanisierung“ von weniger bekannten Eigennamen nicht immer vorgenommen. So etwa bleiben im Sportteil der Zeitung viele Namen in ihrer Originalschreibweise und werden lediglich um die Endung „korrigiert“, zum Beispiel O'Neil'as.

Grammatik

Das Litauische ist eine hoch-flektierende Sprache und darin dem Lateinischen ähnlich, insbesondere in seiner Fixierung auf die Endungen zur Angabe des Kasus und in der unbeschränkten Voranstellung bestimmenden Adjektiven und Substantiven vor dem eigentlichen Substantiv und deren Verschränkung. Zur näheren Bestimmung eines Substantives ist dabei der Genitiv von essentieller Bedeutung. Zwei Beispiele:
- naujas vyrų ir moterų drabužių salonas = neues Damen- und Herrenkleidergeschäft, wörtlich jedoch: neues der Männer und der Frauen der Kleidung Geschäft
- nacionalinis dramos teatras = Nationales Dramatheater, wörtlich jedoch: Nationales des Dramas Theater Das Litauische kennt keine Artikel und kommt im Wesentlichen mit drei Zeiten aus (einmalige Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft; selten wird die mehrmalige Vergangenheit verwendet), die sehr regelmäßig gebildet werden. Es gibt auch nur eine Konjunktivform, die in der Vergangenheit mit Partizipien kombiniert wird. Auffällig sind zahlreichen Partizipformen, die sich in dieser Vielfältigkeit nur in der litauischen Sprache erhalten haben. Für jede Zeitform existiert ein aktives und passives Partizip (lediglich für die dem Litauischen eigene Zeitform der mehrmaligen Vergangenheit existiert nur ein aktives Partizip). Mit Hilfe dieser Partizipien lassen sich neben den reinen Zeiten auch zusammengesetzte Zeitformen im Aktiv und Passiv bilden. Allerdings ist darauf zu achten, dass sämtliche dieser Partizipien streng nach Zahl, Genus und Kasus des Handlungsträgers gebeugt werden. Zu diesen Partizipen gesellen sich noch spezielle Formen des Gerundiums sowie verschiedene Adverbialpartizipen.

Substantive

Eigenwillig ist die Verwendung des Numerus:
- 1 = Nominativ Singular
- 2-9 = Nominativ Plural
- 10 und größer sowie unbestimmte Mengenangaben = Genitiv Plural
- 21 aber (da Zwanzig und 1!) wieder Nominativ Singular usw. Beispiele: 1 vyras = 1 Mann, 2 vyrai = 2 Männer, 10 vyrų = 10 Männer, keleta vyrų = einige Männer; interessant hierbei: ein Bier im Restaurant zu bestellen ist: "vieną alaus" wobei "vieną" = "ein" (im Akk.) und "alaus" = "des Bieres" (also Genitiv), da dazwischen das Wort Glas/Krug mitgedacht werden muss (also: "ein Glas des Bieres") - entsprechend bestellen Sie zwei Bier ebenfalls: "du alaus" = "zwei (Gläser) des Bieres". Es gibt 5 Beugungsklassen im Litauischen. Substantive, die auf -as, -ias, -ys oder -jas enden, gehören der 1. Klasse an; die auf -a, -ia oder -ė enden der 2. Klasse; die auf -us oder -ius enden der 4. Klasse; und die auf -uo und einige wenige, die auf -ė enden, gehören der 5. Klasse an. Substantive, die auf -is enden, stellen eine Schwierigkeit bei der Beugung dar, da sie entweder zur 1. Klasse gehören können oder zur 3. Klasse. Bei der Beugung erhalten die Substantive, je nachdem welcher Beugungsklasse sie angehören, in jedem der sieben litauischen Fälle eine charakteristische Endung: 1. Klasse (männlich): 2. Klasse (weiblich): 3. Klasse (weiblich und ein paar männliche Ausnahmen): :
- Einige wenige männliche Substantive sind auch in dieser Beugungsklasse zu finden: dantis (Zahn), debesis (Wolke), vagis (Dieb), žveris (Tier) und wenige andere.
- Nach der seltenen 4. und 5. Klasse werden gerne alte, originär litauische (baltische) Wörter konjugiert. Die Endungen lauten in der 4. und 5. Klasse Singular: Die Endungen lauten in der 4. und 5. Klasse Plural: Vokabeln:
- 1. Klasse: vakaras (vakaro) = Abend, tarnautojas (tarnautojo) = Beamter, butelis (butelio) = Flasche, niežulys (niežulio) = Juckreiz
- 2. Klasse: užeiga (užeigos) = Gasthof, šakutė (šakutės) = Gabel
- 3. Klasse: akis (akies) = Auge, ausis (ausies) = Ohr, dalis (dalies) = Teil
- 4. Klasse: alus (alaus) = Bier, sūnus (sūnaus) = Sohn
- 5. Klasse: vanduo (vandens) = Wasser, akmuo (akmens) = Stein, šuo (šuns) = Hund, sesuo (sesers) = Schwester, duktė (dukters) = Tochter, mėnuo (mėnesio) = Monat

Verben und Personalpronomen

Bei der Beugung litauischer Verben sollte man wissen, zu welcher Beugungsklasse sie gehören. Erkennen kann man das nur an der Endung der 3. Person Singular. Anhand dieser Endungen in der 3. Person Singular werden in der Gegenwart drei und in der einmaligen Vergangenheit zwei Beugungsklassen unterscheiden: Gegenwart: 1. Klasse -a oder -ia, 2. Klasse -i, 3. Klasse -o; einmalige Vergangenheit: 1. Klasse -o, 2. Klasse -ė. Ist das Verb reflexiv, wird an die Endsilbe die Endung -si angehängt. In der Grundform enden Verben immer mit -ti, reflexive Verben immer mit -tis. 1. Klasse Gegenwart: 2. Klasse (-i) und 3. Klasse (-o) Gegenwart: Vokabeln:
- 1. Klasse Gegenwart: dirbti = arbeiten, džiaugtis = sich freuen, klausti = fragen, įlipti = einsteigen, imti = nehmen
- 2. Klasse Gegenwart: apžiūrėti = besichtigen, linkėti = wünschen, norėti = wollen, mylėti = lieben
- 3. Klasse Gegenwart: aplankyti = besuchen, maudytis = baden, statyti = bauen 1. Klasse (-o/-jo) und 2. Klasse (-ė) einmalige Vergangenheit: Vokabeln:
- 1. Klasse einmalige Vergangenheit: dirbti = arbeiten, įlipti = einsteigen, apžiūrėti = besichtigen, linkėti = wünschen, norėti = wollen, mylėti = lieben
- 2. Klasse einmalige Vergangenheit: džiaugtis = sich freuen, klausti = fragen, iti = nehmen, aplankyti = besuchen, maudytis = baden, statyti = bauen In der mehrmaligen Vergangenheit und in der Zukunft gibt es keine Beugungsklassen. Die Beugung ist bei diesen Zeitformen bei allen regelmäßigen Verben gleich: Das Verb būti (sein):
- aš esu - ich bin
- tu esi - du bist
- jis/ji yra - er/sie ist
- mes esame - wir sind
- jūs esate - ihr seid
- jie/jos yra - sie sind Das Verb turėti (haben, aber auch müssen i.S.v. ich habe etwas zu tun):
- aš turiu - ich habe
- tu turi - du hast
- jis/ji turi - er/sie hat
- mes turime - wir haben
- jūs turite - ihr habt
- jie/jos turi - sie haben Die Höflichkeitsform "Sie" wird mit dem Personalpronomen der 2. Person Plural ausgedrückt. Allerdings wird in diesem Fall dieses Personalpronomen groß geschrieben:
- Jūs esate - Sie sind
- Jūs turite - Sie haben Die Beugung der Personalpronomina erfolgt auf diese Weise:

Demonstrativpronomen


- 1. männliche Demonstrativpronomen :
- šitas dieser hier :
- tas der da :
- anas jener :
- kitas der andere
- 2. weibliche Demonstrativpronomen :
- šita diese hier :
- ta die da :
- ana jene :
- kita die andere
- 3. šis dieser hier und ši diese hier
- 4. Unveränderliche Demonstrativpronomen (werden nicht gebeugt) :
- tai dieses/das :
- šitai dies hier :
- Tai ... Das ist ... Die Beugung der Demonstrativpronomen:

Adjektive und Adverbien

Das litauische Adjektiv steht vor dem Substantiv und stimmt in Genus, Numerus und Kasus mit dem Substantiv, das es begleitet, überein. Mögliche männliche Endungen von Adjektiven sind -as, -ias, -us und -is; mögliche weibliche Endungen sind -a, -ia, -i und -ė. Beim Steigern eines litauischen Adjektivs wird für den Komparativ -esn- und für den Superlativ -(i)aus- zwischen den Wortstamm und den männlichen bzw. weiblichen Endungen eingefügt: Die Beugung des Adjektivs:
- 1. Klasse Singular:
- 1. Klasse Plural: :
- Die Beugung der Adjektive mit der Endung -is nach der 1. Klasse gilt nur für das Adjektiv didelis groß und für die Komperativformen auf -esnis; ansonsten gehören alle Adjektive mit der Endung -is der 3. Klasse an.
- 2. Klasse Singular:
- 2. Klasse Plural:
- 3. Klasse Singular:
- 3. Klasse Plural: Adjektive lassen sich leicht in Adverbien umwandeln. Dabei werden die männlichen Adjektiv-Endungen durch folgende Endungen ersetzt:
- aus -as wird -ai
- aus -us wird -iai Beim Steigern der Adverbien wird an den Adjektiv-Stamm (= Adjektiv ohne Endung) die Endung -iau für die 1. Stufe und die Endung -iausiai für die 2. Stufe angehängt. Vokabeln:
- geras = gut
- blogas = schlecht
- didelis = groß
- mažas = klein
- stiprus = stark
- silpnas = schwach
- įdomus = interessant
- nuobodus = langweilig

Zahlen


- 1 ... vienas (m.) / viena (w.) :
- Beugung, wie Adj. mit den Endungen -as und -a
- 2 ... du / dvi (Nom./Akk.) :
- dviejų (Gen.) :
- dviem (Dat./Instr.) :
- dviejuose / dviejose (Lok.)
- 3 ... trys (Nom.) :
- trijų (Gen.) :
- trims (Dat.) :
- tris (Akk.) :
- trimis (Instr.) :
- trijuose / trijose (Lok.)
- 4 ... keturi / keturios (Nom.) :
- keturių (Gen.) :
- keturiems / keturioms (Dat.) :
- keturis / keturias (Akk.) :
- keturiais / keturiomis (Instr.) :
- keturiuose / keturiose (Lok.)
- 5 ... penki /penkios (Beugung wie keturi / keturios)
- 6 ... šeši / šešios (Beugung wie keturi / keturios)
- 7 ... septyni / septynios (Beugung wie keturi / keturios)
- 8 ... aštuoni / aštuonios (Beugung wie keturi / keturios)
- 9 ... devyni / devynios (Beugung wie keturi / keturios)
- 10 ... dešimt (wird nicht gebeugt)
- 11 ... vienuolika (Beugung wie Substantiv 2. Klasse mit -a; aber im Akk. -a)
- 12 ... dvylika (Beugung wie vienuolika)
- 13 ... trylika (Beugung wie vienuolika)
- 14 - 19 (männliche Form der Ziffer plus -olika) ... keturiolika - devyniolika (Beugung wie vienuolika)
- 20 ... dvidešimt (wird nicht gebeugt)
- 21 - 29 ... dvidešimt vienas / dvidešimt viena - dvidešimt devyni / dvidešimt devynios (Beugung wie die Ziffern 1 - 9, wobei dvidešimt unverändert bleibt)
- 30 ... trisdešimt (wird nicht gebeugt)
- 40 ... keturiasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 50 ... penkiasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 60 ... šešiasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 70 ... septyniasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 80 ... aštuoniasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 90 ... devyniasdešimt (wird nicht gebeugt)
- 100 ... šimtas (Beugung wie Substantive 1. Klasse mit -as)
- 101 ... šimtas vienas / šimtas viena (Beugung wie die vienas / viena, wobei šimtas unverändert bleibt)
- 111 ... šimtas vienuolika (Beugung wie vienuolika, wobei šimtas unverändert bleibt)
- 155 ... šimtas penkiasdešimt penki / šimtas penkiasdešimt penkios (Beugung wie penki / penkios, wobei šimtas und penkiasdešimt unverändert bleiben)
- 200 - 900 ... du šimtai - devyni šimtai (Beugung wie die Substantive 1. Klasse im Plural, wobie du - devyni unverändert bleiben)
- 1000 ... tūkstantis (Beugung wie Substantive 1. Klasse mit -is)
- 2000 - 9000 ... du tūkstančiai - devyni tūkstančiai (Beugung wie die Substantive 1. Klasse im Plural, wobie du - devyni unverändert bleiben)
- 1.000.000 ... milijonas (Beugung wie Substantive 1. Klasse mit -as)

Wortschatz

Der Wortschatz des Litauischen kommt in der Alltagssprache mit deutlich weniger Wörtern aus als das Deutsche, ein Wort wie 'metas' heißt im Singular etwa 'Zeit(punkt)', im Plural 'metai' aber Jahr, das Wort 'vakaras' heißt 'Westen' und aus diesem Ursprung synonym auch 'Abend', 'vakar' dementsprechend gestern. Im Gegensatz zum Lettischen hat das Litauische nur wenige Fremdwörter übernommen (vorwiegend Lehnwörter aus dem Russischen und einige wenige aus dem Polnischen und dem Deutschen). Eine eigene Kommission, die direkt bei der Regierung angesiedelt ist, wacht über die Reinheit der litauischen Sprache. Teilweise werden auch neue Wörter kreiert, um nicht Anglizismen zu übernehmen. Ein populäres Beispiel ist das Wort 'žiniasklaida' für Medien (wörtlich: Nachrichtenausbreiter), das sich im Alltagsgebrauch durchgesetzt hat. Der Computer heißt dagegen schlicht 'kompiuteris'. Ein lustiges Beispiel eines älteren Lehnwortes aus dem Deutschen ist das Wort 'biški' für deutsch 'bisschen'. Einige Redewendungen:
- Labas! - Hallo!
- Laba diena! - Guten Tag!
- taip - ja
- ne - nein
- Ate! - Tschüss!
- Gero apetito! (Gen.) - Guten Appetit!
- Į sveikatą! (Akk.) - Prost!
- Atsiprašau! - Entschuldigung! (wörtlich: Ich entschuldige mich.)
- Prašom! - Bitte!
- Ačiū! - Danke!
- (labai) gerai - (sehr) gut

Sekundäre Kasus

Die ostbaltischen Sprachen haben unter finno-ugrischem Einfluss vier sekundäre Lokalkasus entwickelt: Inessiv (zB miške "im Wald"), Illativ (zB miškan "in den Wald (hinein)"), Adessiv (zB miškiep "am Wald"), Allativ (zB miškop "zum Wald"). Heute stehen jedoch nur Inessiv und Illativ in Verwendung, wobei der Illativ fast immer mit einer Präpositionalphrase paraphrasiert wird (zB į mišką statt miškan). Der Allativ ist relikthaft in Adverbien erhalten, zB galop "am Ende", velniop "zum Teufel". Der alte indogermanische Lokativ ist ebenfalls nur relikthaft erhalten, zB namie "zu Hause" (vgl. Inessiv name "im Haus"). Auch der Instrumental kann teilweise eine Lokalbedeutung innehaben, zB mišku "durch den Wald". Allativ und Adessiv werden zum Teil noch in litauischen Dialekten in Weißrussland verwendet.

Litauische Mundarten in Weißrussland

Im nordwestlichen Weißrussland gibt es einige kleinere litauische Sprachinseln (Zietela, Gervėčiai, Lazūnai), deren Mundart besonders archaisch ist. Die dortigen Dialekte bewahrten beispielsweise alle vier Lokalkasus und teilweise auch den Dual. Andererseits wurden sie in hohem Maß vom dortigen slawischen Idiom beeinflusst. Sowohl der litauischen als auch der slawischen Mundart Nordwestweißrusslands liegt ein jatwingisches Substrat zugrunde. Beispiele: Die meisten Sprachinseln in Weißrussland schrumpfen, oft sprechen nur mehr ältere Menschen litauisch, die Jüngeren assimilieren sich ans Weißrussische.

Literatur


- August Schleicher: Handbuch der litauischen Sprache. (2 Bde. 1856/57)
- Gertrud Bense u. a.: Deutsch-litauische Kulturbeziehungen: Kolloquium zu Ehren von August Schleicher an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mayer Verlag GmbH, Jena/Erlangen (1994), ISBN 3925978380
- Katrin Jähnert: Litauisch - Wort für Wort. REISE KNOW-HOW Verlag Peter Rump GmbH, Bielefeld (2003), ISBN 3-89416-244-9
- Juozas Algirdas Križinauskas: Vokiečių-lietuvių lietuvių-vokiečių kalbų žodynas. Deutsch-litauisches litauisch-deutsches Wörterbuch. TEV Verlag, Vilnius (2003), ISBN 9986-546-94-X

Weblinks

Litauische Wörterbücher


- http://mokslas.liux.lt/ -- Online/offline-Wörterbuch
- [http://dictionaries.vnvsoft.com/de/index.html Deutsch-Litauisches Wörterbuch/Vokiečių-lietuvių kalbų žodynas] -- Online-Wörterbuch
- [http://dictionaries.vnvsoft.com/index_ltde.html Litauisch-Deutsches Wörterbuch/Lietuvių-vokiečių kalbų žodynas] -- Online-Wörterbuch
- [http://beta.lka.lt/~serveris/biblioteka/KNYGOS/Karinis%20vokieciu-lietuviu%20kalbu%20zodynas_2003.pdf Karinis vokiečių-lietuvių kalbų žodynas] -- 87seitiges Kriegswörterbuch im PDF-Format Litauische Sprachkurse:
- [http://www.angelfire.com/ma4/thelithuanians/page10satsch.html Šeštadieninė Mokykla] -- Litauischer Online-Sprachkurs in englischer Sprache
- [http://www.travlang.com/languages/cgi-bin/langchoice.cgi?page=main&lang1=german&lang2=lithuanian Lietuviškai Pagrindiniai Žodžiai] -- Litauischer Online-Sprachkurs in deutscher Sprache Litauische Musik:
- [http://m11zet.deep-ice.com/22410214/14545/lietus11.htm Lietuviška muzika]-- Litauische Musik
- [http://www.live365.com/stations/raymondbalta Lietuviškas radijas]-- Litauisches Online-Radio
- [http://193.219.139.116/lr1live LR1 live Radio] -- Litauisch-russischer Radiosender LR1 live
- [http://ausis.gf.vu.lt/eka/songs/sutartines.html Sutartinės] -- litauische Folklore-Musik Sonstiges:
- [http://prince.night.lt/princas/antraste.htm Mažasis princas] -- Der kleine Prinz auf Litauisch
- [http://www.hab.de/ausstellung/postille/einleitung.htm Litauische Sprache und Geschichte] -- Einführung zu einer Ausstellung der Herzog August Bibliothek
- [http://www.weltzeituhr.com/laender/108.shtml Uhrzeit in Litauen]
- [http://pauker.at/deutsch/Diskussionsforen/Litauisch.html Litauisches Übersetzungsforum] Kategorie:Einzelsprache ja:リトアニア語

Russische Sprache

Die russische Sprache (früher auch Großrussisch genannt) ist die slawische Sprache mit den meisten Sprechern. Sie bildet zusammen mit dem Ukrainischen (früher auch als Kleinrussisch bezeichnet), dem Weißrussischen und dem Russinischen die Gruppe der ostslawischen Sprachen. Die russische Standardsprache beruht auf den mittelrussischen Mundarten der Gegend um Moskau. Russisch wird von etwa 180 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 130 Millionen in Russland leben. Es ist Amtssprache in Russland, Weißrussland (zusammen mit Weißrussisch), Kasachstan (zusammen mit Kasachisch) und der zur Ukraine gehörenden Autonomen Republik Krim (zusammen mit Ukrainisch). In diesen und weiteren Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ist es sowohl Muttersprache eines Teiles der Bevölkerung als auch Sprache eines großen Teiles des öffentlichen Lebens. Die russische Sprache ist ebenso eine verbreitete Sprache für Wissenschaft, Kunst und Technik. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 300 Millionen Sprecher.

Alphabet

Russisch wird mit dem russischen Alphabet geschrieben (rus.: русский алфавит od. русская азбука), das dem kyrillischen Alphabet (rus.: кириллический алфавит od. кириллица) entstammt. Seit der letzten Rechtschreibreform im Jahre 1918 besteht das russische Alphabet aus 33 Buchstaben. Davon dienen 10 Buchstaben zur Wiedergabe der Vokale, und zwar: а, е, ё, и, о, у, ы, э, ю und я. Die übrigen 22 Buchstaben werden zur Wiedergabe von Konsonanten verwendet, wobei die Buchstaben ъ und ь nicht zur Nachbildung bestimmter, eingenständiger Laute, sondern als Indikatoren für die Härte oder Weichheit vorangehender Konsonanten dienen [mehr dazu siehe unter: Russische Phonetik]. Siehe auch: Russische Rechtschreibreform von 1918

Aussprache

Die Aussprache der russischen Sprache bezeichnet die Phonetik und die Phonologie der russischen Standardsprache. Im weiteren Sinne kann darunter auch die Aussprache in verschiedenen Varietäten (Dialekten und Mundarten) der russischen Sprache verstanden werden.

Tonalität

Russisch ist eine nicht-tonale Sprache, d.h. die Tonhöhe der Vokale hat keinen Einfluss auf die Bedeutung eines Wortes. Auch wie im Deutschen wird im Russischen innerhalb oder am Ende eines Satzes unterschiedliche Stimmhöhe benutzt, um z.B. einen Aussagesatz von einem Frage- oder Ausrufesatz kenntlich zu machen. Die Stimmhebung oder -senkung dient hier aber dazu, um die Bedeutung eines Satzes zu ändern oder dessen bestimmte Teile klanglich hervorzuheben. In tonalen Sprachen hingegen ändert der Ton die Bedeutung einzelner Wörter.

Wortbetonung

Die Betonung eines Wortes (der Wortakzent) hat im Russischen eine wichtige und häufig eine sinnunterscheidende Bedeutung. Falsch betonte Wörter können zu Verständnisschwierigkeiten führen, insbesondere dann, wenn sie aus dem sprachlichen Kontext isoliert oder einzeln ausgesprochen werden. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die russische Wortbetonung u.a. als frei und beweglich bezeichnet. So werden z.B. durch die Verlagerung der Betonung innerhalb einiger russischen Wörter ihre unterschiedlichen Flexionsformen gebildet. Für eine ausführliche Darstellung siehe: Wortbetonung in der russischen Sprache

Phonetik

Die phonetische Struktur der modernen russischen Standardsprache zählt 42 bedeutungsunterscheidende Einzellaute (Phoneme), die sich wiederum in 6 Vokal- und 36 Konsonantenlaute aufteilen lassen. Das umfangreiche Phoneminventar des Russischen erklärt sich durch eine für slawische Sprachen typische Besonderheit der Aussprache, und zwar werden die meisten russischen Konsonanten sowohl hart als auch weich (palatalisiert) ausgesprochen. Hierbei handelt es sich aber nicht um so genannte Phone, sondern um einzelne Phoneme, denn jede dieser Aussprachevarianten ist bedeutungsunterscheidend. Einige russische Dialekte haben einen spezifischen Phonembestand, in dem einige Konsonanten vorwiegend hart bzw. palatalisiert oder etwas anders (z.B. guttural) ausgesprochen werden. Die Aussprache russischer Vokale und Konsonanten variiert in Abhängigkeit davon, welche Position sie in einem Wort einnehmen. Dabei unterscheidet man bei Vokalen zwischen einer betonten und einer unbetonten Position. So wird beispielsweise das "o" als [o] in betonter und als [a] oder ] in unbetonter Position ausgesprochen. Die Aussprache vieler russischen Konsonanten wird wiederum durch andere, ihm nachfolgende Konsonanten bestimmt. So werden u.a. alle stimmhaften Konsonanten nicht nur am Wortende stimmlos ausgesprochen, sondern auch dann, wenn sie einem anderen stimmlosen Konsonanten vorangehen. Im Unterschied zum Deutschen ist die Länge der Vokale im Russischen weder bedeutungsunterscheidend (wie z.B. in Stielstill) noch für die richtige Aussprache eines Wortes ausschlaggebend. Die betonten Vokale werden in der Regel halblang ausgesprochen. Die unbetonten Vokale sind dagegen kurz und unterscheiden sich häufig von den entsprechenden betonten Vokalen auch qualitativ. Im Russischen gibt es keine Diphthonge. Sowohl Doppelvokale als auch zwei unterschiedliche, aufeinander folgende Vokale werden stets als einzelne Laute ausgesprochen (wie z.B. in Kooperation, aktuell, Museum, geimpft). Für eine ausführliche Darstellung der russischen Phonetik siehe: Russische Phonetik

Grammatik

Wie die meisten slawischen Sprachen ist auch das Russische stark flektierend. In einer flektierenden Sprache ändert sich die Gestalt eines Wortes innerhalb diverser grammatischen Kategorien, und zwar einerseits durch Hinzufügung von Affixen (schwache od. äußere Flexion) oder durch Veränderung des Wortstammes (starke od. innere Flexion). Für das Russische sind die beiden Flexionsarten charakteristisch. Im Falle der starken Flexion verändert sich der Stamm vieler russischen Wörter bei deren Beugung (Deklination, Konjugation, Komparation), und zwar durch Ablaut (z.B.: мыть - мою, жевать - жуёт), Konsonantenverschiebung (z.B.: возить - вожу) oder Hinzufügung bzw. Wegfall der Stammvokale (z.B.: брать - беру, один - одна). Dabei können die Attribute der schwachen und der starken Flexion jeweils einzeln oder in Kombination miteinander auftreten (z.B.: жечь - жёг - жгу). Wortarten und deren grammatische Kategorien:
Auch wie im Deutschen werden im Russischen Substantive, Adjektive und Pronomen nach Kasus, Genus und Numerus gebeugt und Adverbien nur gesteigert. Russische Verben werden hingegen nicht nur nach Tempus und Numerus, sondern in der Vergangenheitsform auch nac