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Oboe D'amore

Oboe d'amore

Die Oboe d'amore (hautbois d'amour/Liebesoboe) ist das Altinstrument in der Oboenfamilie. Sie ist in a gestimmt, also eine kleine Terz tiefer als die Oboe. Ihre Tonfarbe ist weicher als die der Oboe, aber nicht so weich wie die des Englischhorns. Ihr birnenförmiges Schallstück nennt man Liebesfuß. Sie wurde hauptsächlich im Barock, und da besonders von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann verwendet. Ihr Einsatz im modernen Sinfonieorchester kommt vor, ist aber vergleichsweise selten (z.B. in der Sinfonia domestica von Richard Strauss oder in Ravels Bolero). Die Oboe d'amore repräsentierte seit dem frühen 18. Jahrhundert die Altlage, während die eigentliche Oboe die Sopranlage repräsentiert. Die Tenorlage wurde durch die Oboe da caccia (Taille de Hautbois) vertreten, die zum Englischhorn weiterentwickelt wurde.

Literatur


- Gifford, Virginia S.: Music for oboe, oboe d'amore and English horn : a bibliography of materials at the library of Congress. - Westport, Conn. : Greenwood, 1983. - ISBN 0-313-23762-X Kategorie:Holzblasinstrument

Alt (Stimmlage)

Die Stimmgattung Alt (lat. altus = hoch, vox alta = hohe Stimme) bezeichnet in der Musik die tiefere Stimme der beiden Frauen- oder Knabenstimmen (Knabenalt). Der Stimmumfang beträgt etwa g-c’’. Die Bezeichnung stammt vom vierstimmigen Männerchorsatz (im Brust- und Falsett-Register), in dem die zweite Stimme den Namen Contratenor altus trägt. Ein Männeralt hat dabei einen Stimmumfang von e-e’’ (Kastraten erreichten häufig auch noch das d’’’). Eine Anzahl bedeutender Altistinnen ist auf der Liste berühmter Sängerinnen und Sänger klassischer Musik aufgeführt. Kategorie:Stimmlage ja:アルト

Oboe

Die Oboe (v. franz. hautbois „hohes Holz“) ist ein Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt. (Ungeachtet dessen, dass das h nicht ausgesprochen wird, kann man in älteren Partituren manchmal auch das Wort „Hoboe“ finden).

Aufbau und Funktion

Oboen werden aus Grenadill-, Buchsbaum- oder Ebenholz gebaut, seltener sind Instrumente aus Rosenholz. Verschiedene Versuche, Oboen aus Plexiglas oder anderen Kunststoffen herzustellen, scheiterten bislang an den klanglichen Unzulänglichkeiten dieser Materialien. Das Instrument hat eine konische Bohrung und überbläst daher in die Oktave. Kunststoff Das Mundstück der Oboe wird vom Oboisten aus den Internodien des Pfahlrohrs (lat. Arundo donax) gefertigt. Das Holz stammt aus Südfrankreich und Kalifornien, wo es auf eigens für diesen Zweck betriebenen Plantagen angebaut wird. Oboenrohre sind empfindlich gegenüber mechanischen Einwirkungen. Vor Gebrauch weicht der Oboist sein Rohr in Wasser ein, um es bespielen zu können. Die Klangqualität und Ansprache des Oboentons und damit das spielerische Niveau des Oboisten hängen in starker Weise von der Qualität des verwendeten Rohrholzes sowie der sorgfältigen Fertigung des Oboenrohrs ab. Oboisten verwenden daher viel Zeit und Sorgfalt auf den Bau ihrer eigens auf ihre persönliche Konstitution zugeschnittenen Rohre. Der Tonumfang der Oboe reicht vom kleinen b bis zum c4, ihr Klang ist ausdrucksstark und klingt - je nach Bläserschule und nationaler Tradition - von nasal-hell bis dunkel-samtig. Weil der Oboenton sehr klare Obertöne hat (speziell den 3., 4. und 5.), ist die Frequenz ihres Tons gut hörbar, daher hat es sich im 18. Jahrhundert eingebürgert, dass der Oboist vor Proben und Aufführungen den anderen Musikern den Stimmton a¹ angibt. Das geschieht auch heute noch, wobei die Musiker zur genauen Kontrolle der Frequenz gerne ein elektronisches Stimmgerät zuhilfe nehmen. Die Behauptung, Oboe spielen würde wegen des benötigten hohen Luftdrucks das Gehirn schädigen ist falsch, da dieses durch die Schädelbasis gegen den Luftdruck geschützt ist. Umstritten ist, ob der recht hohe Luftdruck während des Spielens bei Oboisten im Alter zu Lungenemphysemen führen kann. Im rechten Daumensattelgelenk kann es bei Berufsmusikern aufgrund langjähriger Belastung zu arthrotischen Veränderungen kommen, zur sogenannten Rhizarthrose, weil an sich mit dem rechten Daumen das gesamte Instrument gehalten wird [http://www.infoline.at/arbeitsmedizin/musiker5.htm] Zu Erkrankungen bei Berufsmusikern im allgemeinen [http://regelwerk.unfallkassen.de/daten/inform/I_8626.pdf] Neben der auf der ganzen Welt verbreiteten Bauform der Französischen Oboe existiert auch die Wiener Oboe, die fast ausschließlich in Wien und Niederösterreich gespielt wird (zum Beispiel im Orchester der Wiener Philharmoniker). Sie ist etwas anders mensuriert und hat einen etwas helleren, näselnden Ton und reicht in der Tiefe nur bis zum kleinen h. Generell lässt sich sagen, dass diese Oboe dem Barock-Instrument baulich und klanglich ähnlicher ist. Sie unterscheidet sich auch im Interpretationsstil (weniger Vibrato-Einsatz) und im Klangverhalten (die Klangfarbe ändert sich zwischen piano und forte weniger stark [http://iwk.mdw.ac.at/Forschung/deutsch/wrinst/wroboe1.htm]).

Stimmlagen

Weitere Instrumente aus der Oboenfamilie sind die Oboe d'amore (eine kleine Terz tiefer als die Oboe, in a stehend) und das Englischhorn (Cor anglais), eine Quinte tiefer, in f stehend. Das Vorgängerinstrument des Englisch Horns wurde Oboe da caccia genannt. Ferner gibt es das Heckelphon und die Baritonoboe (auch Bassoboe genannt), die beide eine Oktave unterhalb der Oboe klingen. Baritonoboe

Geschichte

Im Mittelalter gab es verschiedene Formen von konischen Doppelrohrblattinstrumenten wie den Pommer oder die Schalmei. Aus letzterer entstand im 17. Jahrhundert durch Jean de Hotteterre die Oboe. Diese sogenannte Barockoboe mit zunächst drei Klappen wurde im Laufe der Zeit von Instrumentenbauern weiterentwickelt, enger mensuriert und mit einer ausgefeilten Mechanik versehen.

Verwendung in der Musik

Solistisch

Seit der Barockzeit ist die Oboe ein beliebtes Soloinstrument, viele Komponisten schätzten sie in der Ausdruckskraft als der menschlichen Stimme am ähnlichsten. Bach setzte sie in zahllosen Kantaten (Kreuzstabkantante, Ich habe genug) und in seinen Passionen gerne als Begleitinstrument für den leidenden Menschen ein. Der bedeutendste Komponist für Oboe im 18. Jahrhundert aber war Georg Philipp Telemann, von dem allein neun Oboenkonzerte erhalten blieben, hinzu kommen drei Konzerte für Oboe d'amore. Eines der ersten Werke, die er in seinem Verlag publizierte, war die "Kleine Cammer-Music", sechs Partiten "besonders ... vor die Hautbois" von 1716. Diese Partiten sind außerdem Oboisten gewidmet. So war in der Barockzeit auch die Sonate für Oboe und Generalbass eine beliebte Form, deren Tradition sich später in den Drei Romanzen von Robert Schumann und den Sonaten für Oboe und Klavier von Camille Saint-Saëns oder Paul Hindemith fortsetzt. Bekannte Oboenkonzerte komponierten Georg Friedrich Händel, Antonio Vivaldi (viele jedoch in Transkription), Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss. Unter den Werke für Oboe ohne Begleitung sind die Metamorphosen (nach Ovid) von Benjamin Britten und die Sequenza VII von Luciano Berio zu erwähnen.

Kammermusik

In der Holzbläser-Kammermusik spielt die Oboe im Bläserquintett und in der Harmoniemusik (Bläseroktett) eine wichtige Rolle, eine weniger bekannte Form ist das Oboentrio (3 Oboen oder 2 Oboen und Englischhorn) oder das Rohrblatttrio ("Trio d'Anches", mit Oboe, Klarinette und Fagott). Weitere wichtige Stücke in anderen Besetzungen gibt es von Francis Poulenc, Heitor Villa-Lobos oder André Jolivet Das Oboenquartett (mit Streichtrio) von Mozart ist das bekannteste Kammermusikwerk für Oboe mit Streichern, in seiner Tradition stehen einige andere Werke dieser Besetzung. Ein weiteres schönes Beispiele für gemischte Kammermusik mit Oboe ist das Nonett von Louis Spohr.

Orchester

Seit der Barockzeit besitzt die Oboe einen festen Platz im Orchester und ist somit neben Flöte und Fagott die erste Vertreterin der Holzblasinstrumente. Üblicherweise gibt es zwei Oboenstimmen (1. und 2. Oboe), besonders in der Romantik jedoch auch drei und vier (vgl. Gustav Mahler, Richard Strauss) und/oder eine Englischhornstimme. Gelegentlich (selten) werden Oboenstimmen verdoppelt. Große Oboensoli in der Orchesterliteratur findet man bei allen Komponisten, meistens für lyrische, getragenere Melodien. Erwähnenswert sind neben den erwähnten Werken von Bach zum Beispiel der Trauermarsch in Beethovens 3. Sinfonie, das Thema im langsamen Satz der großen C-Dur-Sinfonie von Schubert oder das Andante aus der 4. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. In schnellen Passagen, vor allem im Staccato kann die Oboe auch einen komischen Effekt erzeugen, wie bei vielen Stellen in Wagner-Opern, aber auch in Alban Bergs Wozzeck.

Pädagogik

Bis in die 1970iger Jahre wurde Kindern mit noch nicht ausgereiften Lungen abgeraten, Oboe zu erlernen. Durch die Wiederentdeckung der Barockoboe mit ihren leichter anzublasenden Rohren hat sich dies geändert. So können heute Kinder bereits im Alter von 7 - 10 Jahren mit dem Oboeunterricht beginnen. Hierzu stehen sogar Kinderoboen (in hoch f, Guntram Wolf) zur Verfügung. Unterrichtet wird das Instrument an den meisten Jugendmusikschulen sowie bei Privatmusiklehrern. Besonders förderlich und motivierend ist das frühe Ensemblespiel, z.B. in kleinen Kammermusikgruppen, im Blasorchester oder klassischen Symphonieorchester.

bekannte Hersteller

:Deutschland: Adler, Püchner, Mönnig, Mollenhauer :Frankreich: Buffet-Crampon, Fossati, Lorée, Marigaux, Rigoutat :Großbritannien: Howarth :Italien: Patricola :Japan: Yamaha :USA: Fox, Selmer

Literatur


- Joppig, Gunther: Oboe und Fagott. Ihre Geschichte, ihre Nebeninstrumente und ihre Musik, 1981. ISBN 3795723450

Weblinks


- [http://www.bremer-oboe-band.de/index/interessantes/instrumente.html Galerie alter Instrumente] Entwicklung der Oboe (de)
- [http://mfo.alte-musik.net Bruce Haynes: Music for oboe] Online-Bibliographie der Oboenliteratur von 1650 bis 1800. (en)
- [http://music.wcu.edu/st/ob.htm Hörbeispiele (en)]
- [http://www.oboistgallery.8m.net verschiedene Oboensolisten als Hörbeispiel]
- [http://www.wieneroboe.at/ Homepage] des Vereins der Freunde der Wiener Oboe (de)
- [http://www.guntramwolf.de Guntram Wolf], Instrumentenbau, Kinderoboe ! Kategorie:Holzblasinstrument ja:オーボエ ko:오보에 simple:Oboe

Terz

Der Begriff Terz (von lat. tertius = der dritte) bezeichnet # Eine der drei sog. Kleinen Horen (Terz, Sext, Non) im Stundengebet der katholischen Kirche. Sie wird zur dritten Stunde der antiken Tageseinteilung gebetet (= 09:00 Uhr). # ein musikalisches Intervall bzw. die dritte Stufe von heptatonischen Tonleitern; siehe Terz (Musik); # im Fechtsport die dritte Fechtbewegung # umgangssprachlich in manchen Gegenden Deutschlands: das Aufhebens, das Gezeter

Englischhorn

Das Englischhorn ist ein Holzblasinstrument. Der Aufbau und die Funktionsweise entsprechen der Oboe; es handelt sich also um ein Instrument, bei dem die Tonerzeugung mit einem Doppelrohrblatt geschieht. Allerdings ist es um eine Quinte tiefer als die Oboe, also auf f gestimmt. Das Instrument endet auch nicht wie die Oboe in einem Trichter, sondern hat einen birnenförmigen Schallbecher (auch Liebesfuß genannt), das ihm einen gedeckten, warmen, elegischeren und weniger schnarrenden Klang verleiht. Die Stimmen für Englischhorn werden transponierend notiert (ein notiertes c’ klingt dann als f), so dass die ausführenden Oboisten die gewohnten Griffe verwenden können. In der Barockzeit war das Englischhorn sehr beliebt und wurde u. a. auch von J. S. Bach vielfach in seinen Kantaten eingesetzt. Das Englischhorn hat seinen festen Platz im Sinfonieorchester. Es stellt in der Oboenfamilie den Tenor dar. Ein Schwesterinstrument zum Englischhorn ist die Oboe d'amore, die ebenfalls einen birnenförmigen Schallbecher besitzt, jedoch in a gestimmt ist; es gilt als das Altinstrument in der "Oboenfamilie". Die Musiker, die das Englischhorn spielen, sind in aller Regel Oboisten, die auch das Englischhorn spielen. In vielen Orchesterwerken muss der Spieler zwischen den beiden Instrumenten wechseln. Die Bezeichnung Englischhorn kommt wahrscheinlich nicht daher, dass dieses Instrument aus England stammt. Ursprünglich kommt es vermutlich aus Amerika und hieß "Angled Horn" ("abgewinkeltes Blasinstrument"), wurde aber in Europa falsch übersetzt in "Englischhorn": Die französische Bezeichnung cor anglé (gewinkeltes Horn) sich zu cor anglais (englisches Horn) gewandelt hat oder dass es sich aus "Engels-Horn" entwickelte (Engel spielen auf mittelalterlichen und neuzeitlichen sakralen Abbildungen Hörner, an die das Englischhorn erinnert). In Italien wurde das Englischhorn als Corno inglese bezeichnet. Es ist eventuell eine Weiterentwicklung der von Johann Sebastian Bach verwendeten 'Oboe da caccia' (Jagdoboe); dafür spricht die Tatsache, dass im Instrumentenmuseum Kopenhagen mehrere Englischhörner des Leipziger Instrumentenbauers der Bach-Zeit Eichentopf gefunden wurden. Es muss jedoch davon ausgegangen werden, dass das Englischhorn - wie alle Oboeninstrumente - zunächst in Frankreich und zwar als Weiterentwicklung der Altoboe in f, der sog. "taille de hautbois" entstanden ist. Auf der [http://www.cuc.claremont.edu/fiske/#PHOTOS Seite des Kenneth G. Fiske Museum Of The Claremont Colleges] sind zwei Beispiele von barocken Englischhörnern zu sehen: [http://www.cuc.claremont.edu/fiske/images/2keyhorn.jpg August Grenser, Dresden ca. 1760] und [http://www.cuc.claremont.edu/fiske/images/7keyhorn.jpg Jean Baptiste Tabard ca. 1830] Heutige Englischhörner sind meist gerade gebaut, besitzen jedoch immer noch ein abgewinkeltes Zwischenstück, den sogenannten S-Bogen, zum Rohrblatt.

Weblinks


- [http://www.vsl.co.at/deutsch/instruments/holzblasinstrumente/oboen/englisch_horn/Geschichte.htm Geschichte des Englischhorns] Kategorie:Aerophon Kategorie:Rohrblattinstrument Kategorie:Holzblasinstrument ja:コーラングレ

Barock

Das (der) Barock ist der in Europa vorherrschende Kunststil von etwa 1600 bis 1750. Er ging von Italien aus und ist charakterisiert durch Sinnesfreude, Formenreichtum und üppige Verzierungen. Auch das entsprechende Zeitalter wird oft "Barock" genannt.

Der Begriff „Barock“

Die Bezeichnung dieser Kunstepoche geht auf das 17. Jahrhundert zurück und stammt aus vom portugiesischen barroca oder italienischen barocco (schief, eigenartig) - in Anklang an pérola barroca (unregelmäßig geformte Perle). Die genaue Etymologie ist nicht sicher (lat. veruca, Wucherung?). Es wird eine Beeinflussung im Französischen durch den Namen des Syllogismus baroco angenommen, mit dem in der Renaissance das verschnörkelte Denken und Argumentieren der Scholastik verspottet wurde. Erwin Panofsky favorisiert diese Bedeutungsherleitung: "Derart kam es zustande, dass das Wort Baroco dazu diente, alles Wild-Verworrene, Unklare, Wunderliche und Nutzlose zu kennzeichnen" (What ist baroque?, 1935; siehe unter "Literatur"). Das Eigenschaftswort barock steht heute auch für verschnörkelt, überladen und vereinzelt für seltsam-grotesk. Im 19. Jahrhundert verstand man unter Barock zunächst ausschließlich die der Renaissance folgende Kunstepoche zwischen etwa 1570/1600 und 1750. In diesem Sinne hat Jakob Burckhardt seit 1855 das Wort verwendet. Diese Terminologie wurde in anderen Sprachen übernommen und bald international verwendet. Der Literaturhistoriker Fritz Strich (1882-1963) übertrug den Begriff Barock auf die Literatur des 17. Jahrhunderts. Im 20. Jahrhundert setzte sich der Begriff Barock für die gesamte historische Epoche durch.
- In der Kunstgeschichte gilt die Einteilung für die Baukunst, die bildende Kunst und für die Musik, wobei die Epochengrenzen zwischen den Künsten abweichen. Barock wird auch als Zeitalter der Theatralik und Inszenierung bezeichnet. Die Barockmusik ist regelhaftig und pathetisch. Kunstgeschichtlich wird der Barock unterteilt in die Epochen Frühbarock, Hochbarock und Spätbarock.Die kunstgeschichtliche Spätphase des Barock, das Rokoko (in Deutschland ca. 1730-1770), wird häufig als eigener Stil bezeichnet. Was für den Stilwandel in der Musik zutrifft (siehe Vorklassik), ist jedoch für andere Kunstbereiche weniger deutlich. Die Literatur bezeichnet ausschließlich das 17. Jahrhundert als Barock, hingegen das vorklassische 18. Jahrhundert als Aufklärung bzw. Empfindsamkeit.
- Politisch entspricht der Barock dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, dem Zeitalter des Absolutismus und - speziell in Mitteleuropa - dem Aufatmen nach den Türkenkriegen.
- Die breite universitäre Philosophie beschäftigte sich vor allem mit den Themen der Barockscholastik. Daneben kennzeichneten die Strömungen des Rationalismus und des Empirismus die Philosophie dieser Zeit.
- Religionsgeschichtlich wird der Barock eingeleitet durch die vor allem von den Jesuiten getragene Gegenreformation.
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Literatur

Die Barockliteratur wurde stark beeinflusst durch den 30-jährigen Krieg. Daraus resultierte eine ausgeprägte Beschäftigung mit Themen wie Vanitas (Vergänglichkeit), Memento mori (Gedenke zu Sterben / Denke daran, dass du sterben wirst) und Carpe diem (Nutze den Tag). Die Autoren stellten oft Begriffe antithetisch gegenüber, typisch waren die Gegenüberstellung von Leben und Tod, Gegenwart und Unendlichkeit, Schein und Sein. Die bevorzugte Literaturform war das Gedicht, vor allem das Sonett, übliches Versmaß war der Alexandriner mit 6-hebigen Jamben mit starken Zäsuren. Stilmittel wie Anaphern und Symbole wurden bevorzugt eingesetzt, um durch bildliche Darstellungen elementare Dinge wie Diesseits und Jenseits, sowie die Rolle des Menschen zu erläutern. Wichtige Vertreter einer von Krieg und Zerstörung geprägten Zeit sind die Lyriker Andreas Gryphius (1616–1664), Martin Opitz (1597–1639), Angelus Silesius und Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1617–1697). Der Pfarrerssohn Gryphius zum Beispiel musste als Kind den Herztod seines Vaters mitansehen, nachdem eine brandschatzende Soldateska in dessen Kirche eindrang. Seine Gedichte über Eitelkeit und Vergänglichkeit. "Es ist alles eitel" und "Tränen des Vaterlandes" sind wohl die bekanntesten Barockgedichte. Auch die Kirchenlieder von Paul Gerhardt (1607–1676) wie "Geh aus mein Herz und suche Freud" werden der Barocklyrik zugeordnet. Wichtigstes Prosawerk ist der Schelmenroma "Der abenteuerliche simplicissismus Teutsch" (1668) von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1621–1676).

Die Barockpredigt

Die Barockpredigt ist gekennzeichnet durch eine blumige Sprache. Die häufigsten Stilmittel sind die Wiederholung (repetitio), die Häufung (besonders das Epitheton), Symbole und Embleme sowie besonders Allegorien und Metaphern. Fabeln und Märchen vermitteln meist eine moralische Lehre. Ferner wurden Vergleiche, Schwänke sowie Sprichwörter häufig verwendet. Viele Prediger benutzten Sprachbilder und griffen dabei nicht nur auf die Bibel zurück, sondern auch auf antike Werke. Am Ende des 16. Jahrhunderts wird die Predigt ein Massenmedium und kann durch die Erfindung des Buchdrucks die öffentliche Meinung beeinflussen. Dadurch änderte sich die Absicht der Prediger, zur theologischen Botschaft kam die politische Einflussnahme. Die Kirche erkannte dieses Machtpotenzial und machte auf dem Konzil von Trient die Predigttätigkeit für Priester obligatorisch. Die Themenwahl der Predigten war breit gestreut. So wurden theologische Probleme ebenso erörtert wie bibelexegetische Aussagen. bibelexegetische.]] Abraham a Sancta Clara ist im deutschsprachigen Raum der bekannteste katholische Prediger des Barocks. Der heute weniger bekannte Georg Scherer bekämpfte in seinen Barockpredigten oft die Reformation. Der Jesuit Piotr Skarga (1536–1612) war der bekannteste polnische Prediger der Barockzeit. Seine wichtigsten Werke sind die Parlamentpredigten von 1597, die Heiligengeschichten von 1579 und die Militärmessen von 1618. Literaturhinweise zur Barockpredigt:
- Werner Drobesch: Sozialpolitische Aussagen in den Predigtsammlungen der Gegenreformation.
in: Katholische Reform und Gegenreformation in Innerösterreich 1564-1628, ed. France M. Dolinar (Klagenfurt, 1994) 491 - 507
- Valentin Hertle: Andreas Strobl als Modellfall der bayrischen Barockpredigt (kath.-theol. Diss. München, 1965)
- Maximilian Neumayr: Die Schriftpredigt im Barock. Auf Grund der Theorie der katholischen Barockhomiletik (Paderborn, 1938)

Theater

Im 17. Jh. wurde als neue Entwicklung in der Theatergeschichte die Kulissenbühne eingeführt, die sich gegenüber der Winkelrahmenbühne der Renaissance (16. Jahrhundert) durch ihre Verwandlungsfähigkeit und die starke Tiefenwirkung auszeichnete. Auch Bühnenmaschinerien aller Art erfreuten sich großer Beliebtheit.

Bildende Kunst

Malerei

Die Malerei der Hochrenaissance war um harmonische, ausgewogene und formstrenge Komposition bemüht. In der Spätrenaissance bzw. im Manierismus geriet dieses Gleichgewicht aus den Fugen. In der Barockmalerei kam es zu einer Synthese von Manierismus und Hochrenaissance. Mit dem Manierismus widmete sich die Malerei zum ersten Mal explizit dem Unausgewogenen und Bizarren. Kennzeichen dessen sind die sogenannten figurae serpentinatae. Sie thematisieren menschliche Affekte. Die Barockmalerei ließ diese tiefen menschlichen Affekte nicht unvermittelt stehen, sondern verdichtete sie zu einer Gesamtaussage höchster Dramaturgie. In der barocken Malerei herrschen dem entsprechend dynamische Bildwelten vor, welche für religiöse Themen ebenso wie für weltliche, mythologische oder Landschaftsdarstellungen verwendet werden. Als Begründer des barocken Stils gelten Caravaggio mit seiner derb-realistischen Hell-Dunkel-Malerei und die Carracci in Rom. Weitere berühmte italienische Barockmaler sind Guido Reni, Pietro da Cortona, Carlo Carlone und Domenichino. In der flämischen Malerei war Peter Paul Rubens mit seiner Schule führend, in Spanien Diego Velázquez. In Holland dominierten Frans Hals und Rembrandt.

Baukunst und Landschaftsarchitektur

In der barocken Baukunst wurde das Ganze des Bauwerkes nicht mehr durch Summation von Einzelteilen verstanden, also vom Teil zum Ganzen, sondern umgekehrt als einen ausdifferenzierten Organismus vom Ganzen zum Teil. Als Vorreiter der barocken Baukunst kann Michelangelo mit seinen späten römischen Bauten, insbesondere dem Petersdom angesehen werden. Denn im Entwurf zu Letzterem war eine bis dahin unbekannte kolossale Ganzheitlichkeit erreicht. Sein Schüler Giacomo della Porta führte dieses Erbe in Rom fort, wobei insbesondere die Fassade zu Il Gesu - der Mutterkirche des Jesuitenordens - zu nennen ist. Diese leitete direkt zur bedeutendsten frühbarocken Kirchenfassade über, Santa Susanna von Carlo Maderno. Im 17. Jahrhundert breitete sich der Barockstil in ganz Europa und Südamerika aus, wobei sich die Jesuiten als Förderer hervor taten. Weitere wichtige Merkmale der barocken Baukunst sind
- Ablösung schmaler, langer Kirchenschiffe durch breitere, bisweilen runde Formen
- Dramaturgischer Gebrauch des Lichtes entweder durch starke Hell/Dunkel-Kontraste (z. B. Klosterkirche Weltenburg) oder einheitliche Durchflutung durch zahlreiche Fenster (z. B. Basilika Weingarten)
- Häufiger Gebrauch von plastischen Zierelementen (Girlanden, Putten aus (oft vergoldetem) Holz, Schweifwerk, Kartuschen, Gips bzw. Stuck, Marmor oder Stuckmarmor)
- Großflächige Deckengemälde
- Die Außenfassade ist häufig durch eine dramatische Steigerung zur Mitte charakterisiert.
- Das Innere ist oft nur Schale für die dekorative Ausschmückung durch Malerei und Plastik (vor allem im Spätbarock).
- Häufiger Gebrauch von illusionistischen Effekten wie Scheinarchitektur oder Verschmelzung von Malerei und Architektur
- Im bayrischen und schwäbischen Barock sind Zwiebeltürme sehr verbreitet.
- Zimmerfluchten
- Symmetrie
- Abstufungen mit Treppen für die Darstellung der Rangordnung (Wer höher stand, hatte auch einen höheren Rang).
- runder und ovale Formen wie etwa Kuppeln
- Spiegelsäle Während die Sakralarchitektur des Barocks vor allem durch Italien, d. h. durch Rom durch das Paradigma der basilikalen Kreuzkuppelkirche mit Langhaus, seine initialen Impulse erfuhr, war das Zentrum der barocken feudalen Profanarchitektur Frankreich. Schon im 16. Jahrhundert etablierte sich dort die offene Dreiflügelanlage als kanonische Lösung des feudalen Schlosses. Doch erst durch Salomon de Brosse Palais du Luxembourg (erbaut 1615-1620) wurde hier auch strukturell das Paradigma für die barocke Baukunst geliefert. Denn hier war zum ersten Mal das Corps des Logis klar von den niedrigeren Seitenflügeln, welche die Wirtschaftsgebäude bildeten, als repräsentativer Hauptteil des Bauwerkes abgehoben. Auch hier vollzog sich also eine Ausdifferenzierung mit dem Ziel, ein organisches Ganzes zu bilden. Schließlich findet sich auch hier die Entwicklung vom Turm zum Risalit vollständig vollzogen. Ein weiterer Schritt der Entwicklung stellt die konsequente Einbeziehung des Gartens in die Ganzheit des Schlossensembles, welche beispielgebend in Vaux-le-Vicomte (Bauzeit von 1656-1661) bei Paris geschah. Hierbei ergänzten sich der Architekt Louis Le Vau und der Gartenbauer André Le Nôtre in idealer Weise. Dieselben Künstler steigerten dieses Konzept beim königlichen Jagdschloss und späteren Hauptresidenz Schloss Versailles (erweitert 1661-1690) ins Monumentale. Wenngleich hierbei viele stilistische Unzulänglichkeiten zu Tage traten, so war Schloss Versailles dennoch konzeptionell maßgebend für viele europäische Residenzen (etwa Mannheim, Nordkirchen, Caserta, u. a.). In Mitteleuropa bzw. Deutschland setzte das Barock erst verzögert ein. Zwar hatten bereits der Augsburger Stadtbaumeister Elias Holl (1573-1646) sowie der wichtigste Theoretiker der Zeit Wendel Dietterlin (ca. 1550 - 1599) die Wende zum Barock vollzogen, doch blieben diese Leistungen durch die katastrophalen Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges zunächst ohne Nachfolge. Erst ab 1650 setzte wieder eine verstärkte Bautätigkeit ein, wobei sich Sakralbaukunst und Profanbaukunst an Bedeutung in etwa die Waage hielten. Oftmals wurde zwischen süddeutschem und norddeutschem Barock unterschieden, was jedoch die Tatsache verschleiert, dass es eigentlich der Unterschied protestantischem und katholischem Barock war, der diese Zeit prägte. Die katholische Sakralbaukunst fand durch die Vorarlberger Bauschule in Anschluss an die Münchner Jesuitenkirche St. Michael und vor allem die Studienkirche der Jesuiten in Dillingen recht bald zum überaus verbreiteten Schema der Wandpfeilerkirche (das vom italienischen Abseitensaal deutlich zu unterscheiden ist, Typus Il Gesù in Rom). Dieses Schema wurde im süddeutschen Barock bis zum Ausgang der Epoche beibehalten und variiert. Dagegen gehen die atemberaubenden Raumkompositionen von Balthasar Neumann auf einen anderen Traditionsstrang zurück, den böhmischen "Radikalbarock" guarinesker Prägung. Der Unterschied lässt sich sehr gut im Vergleich der Reichsabteikirchen von Zwiefalten (Wandpfeilerkirche mit gekurvt vortretenden Emporen, von Johann Michael Fischer) und Neresheim (kurvierte Architektur, deren Grundriss sich aus Ovalen konstituiert, entworfen von Neumann) beobachten. Das größte und eindrucksvollste Barockschloss Deutschlands befindet sich in Ludwigsburg (ca. 12 km von der Stuttgarter Innenstadt entfernt). Die Anlage weist eine enorme barocke Gartenanlage auf. Zeitweise im 18. Jahrhundert war Ludwigsburg die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Württemberg. Der protestantische Sakralbau ist dagegen nur von untergeordneter Bedeutung, und hat allein mit der Dresdner Frauenkirche (Dresdner Barock) ein Werk erstklassiger Bedeutung hervorgebracht. In der Profanbaukunst findet neben einer intensiven Auseinandersetzung mit dem klassischen französischen Schema der Dreiflügelanlage die Herausbildung der mehrhöfigen Stadtresidenz statt (Münchner Residenz, Berliner Stadtschloss, Hofburg in Wien). Typische Vertreter barocken Kirchenbaus sind viele oberbayrische Kirchen, wie Ettal oder die Wieskirche. 1966 wurde die Ferienstraße "Oberschwäbische Barockstraße" ins Leben gerufen. Sie ist ca. 500km lang und führt zu über 100 sehenswerten Kirchen und Schlössern in Oberschwaben, Oberbayern, Schweiz, Österreich und rund um den Bodensee. Bodensee Der erste Barockbau in Polen ist die Peter-und-Paul Kirche in Krakau, mit deren Bau 1597 begonnen wurde. Die Zentren des Frühbarock in Polen waren Krakau und Lemberg. Erwähnenswert sind vor allem die Kirchenkapellen der polnischen Monarchen, Adeligen und Großbürger, die an viele gotische Kirchen angebaut wurden, insbesonder die Waza-Kapelle an der Wawelkathedrale. Zu den Meisterwerken der sakralen polnischen Barockarchitektur zählen die Annakirche und die Benediktinerkirche in Krakau, die Dominikanerkirche und orthodoxe Kirche des Hl. Jura in Lemberg, die Jesuitenkirche in Posen, die Königskapelle in Danzig, die Heiligkreuz-, die Sakraments-, die Kapuziner- und die Visitenkirche in Warschau, die Petruskirche in Wilna und das Kloster Heilige Linde in Masuren. Die profane polnische Barockarchitekur zeichnet sich durch die vielen Paläste der Magnaten aus. Erwähnenswert sind vor allem aber das Warschauer Königsschloss, der Wilanów Palast bei Warschau und der Krasinski Palast in Warschau. Führende Länder und Meister:
- Italien (Gianlorenzo Bernini, Pietro da Cortona, Francesco Borromini, Filippo Juvara, Pietro Bardellino)
- Österreich und Deutschland (Johann Lucas von Hildebrandt, Johann Bernhard Fischer von Erlach, Andreas Schlüter, Daniel Pöppelmann, Balthasar Neumann, die Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam, Carlo Carlone aus dem steiermärkischen Zweig der Künstlerfamilie Carlone, Daniel Gran, Paul Troger, Franz Anton Maulbertsch, Friedrich-Joachim Stengel (Architekt), Martin Johann Schmidt, Leonhard Kern, Johann Georg Plazer, Peter Thumb, Johann Michael Beer)
- Niederlande (Peter Paul Rubens, Rembrandt, Jan Vermeer, Jacob van Ruisdael)
- Frankreich (Claude Lorrain, Nicolas Poussin, Charles le Brun, Louis le Nain, Pierre Mignard)
- Spanien (Diego Velázquez, Jusepe de Ribera, Bartolomé Esteban Murillo)
- Polen (Karol Dankwart, Jan Piotr Norblin, Tylman Gamerski, Jerzy Siemiginowski, Baltazar Fontana)
- England (Christopher Wren, Thomas Gainsborough)
- Brasilien (Aleijadinho)

Bilder sakraler barocker Baukunst aus Süddeutschland

Bild:Ottobeuren-basilika.jpg|Päpstliche Basilika in Ottobeuren von 1750 Bild:Dsver100.JPG|St. Martin in Tannheim (Frühbarock) Bild:deckesteinhausen.jpg|Decke der Wallfahrtskirche Steinhausen Bild:Zwiefalten_Abtei.jpg|Kloster Zwiefalten Bild:Birnau 2004-02.jpg|Birnau am Bodensee

Gartenkunst

siehe auch: Barockgarten
- Ein bekanntes Beispiel für eine Parkanlage jener Zeit sind die Herrenhäuser Gärten in Hannover.
- Der bekannteste Gartenkünstler der Barockzeit war André Le Nôtre.
- Bekannte polnische Gartenanlagen der Barockzeit in Warschau der Sächsische Garten, und der Park um den Krasinski Palast, in Bialystok der Park um den Branicki Palast, in Pulawy der Park um den Czartoryski Palast und bei Posen der Park um den Palast in Rogalin.

Bekleidungs- und Frisurenmode

Die Entwicklung historischer Epochen lassen sich sehr gut an der Bekleidungs- und Frisurenmode ablesen - so auch die verschiedenen Zeitströmungen des Barock. Auch der Mensch der frühen Neuzeit kleidete sich so, wie er sich fühlte, bzw. gemäß dem Zeitgeist. In anderen Bereichen der Kulturgeschichte vollzogen sich Änderungen meist allmählich. In der Mode dagegen schlugen Wechsel immer wieder spontan und plötzlich durch, meist angeregt durch berühmte Persönlichkeiten. Die Mode des Barock wurde hauptsächlich von den großen europäischen Höfen beeinflusst. Innerhalb des Oberbegriffs "Barock" findet man verschiedene, bisweilen gegenläufige Strömungen. Der spanischen Mode der Renaissance folgte zu Beginn des "Barock" die holländisch-flämische Mode. Aus den runden spanischen Halskrausen wurden ausladende Spitzenkragen - sowohl bei den Damen, als auch bei den Herren. Spitze war damals hochmodern - sogar die gewöhnlichen Soldaten des 30-jährigen Krieges trugen sie im Feld. Die ansonsten dominierende Farbe war schwarz. Dazu trug man sehr große, breitkrempige Hüte. In den 1660er Jahren setzte sich eine neue Richtung durch: Sie nannte sich "Rheingrafen-Mode". Wie noch bei der vorhergehenden spanische Mode trugen die Herren weite, pluderige Hosen. Zunächst trug er darüber einen weiten, rundgeschnittenen Überwurfmantel; später setzte sich der Kasak durch, der jackenartige "Rock" des Herrn. Sehr typisch für die Rheingrafen-Zeit sind Bänder und Schleifchen. Manche 'Cavaliere' überhäuften sich damit - woran Anstoß genommen wurde. Die Mode wurde allgemein farbenfreudiger. Die Männerhaare trug man damals lang - die Perücke war noch nicht in Mode. Die Kleider der Damen fielen, wie zuvor, bis knapp über den Boden oder berührten diesen. Besonders auffällig war um die Mitte des 17. Jahrhunderts der breit umgeschlagene Saum im Dekolleté-Bereich. Sehr verbreitet waren eng anliegende Halsketten, meist aus Perlen. Das Haar der Dame wurde streng nach hinten frisiert, wo es dann oftmals in üppigen Locken herabfiel. Ab dem Hochbarock wurde die Mode hauptsächlich von Frankreich bestimmt. In den 80er Jahren kam hier eine elegantere Richtung auf. Der Herr trug nun einen Juste-au-corps (frz: eng am Körper), einen taillierten Überrock, der den Kasak verdrängte. Die Hutkrempe wurde an drei Seiten hoch geschlagen (Dreispitz). Enger war nun auch die Kniebundhose - Culottes genannt - die von dem Gewickel der Strümpfe, im Saumbereich des Knies, ein kleines Stück überdeckt wurde. Strümpfe waren in dieser Zeit (um 1700) farbig und zwar in allen Farben, die jeweils zur Aufmachung passten. Man kleidete sich Ton in Ton: z.B. mit braunem Juste-au-coprs, brauner Hose und braunen Strümpfen. Ansonsten beschränkte man sich zumeist auf Zweifarbigkeit. Mit Zierrat hielt man sich nun zurück. Spitze setzte man dezent ein. Die Cravatte, Halstuch des Herrn, bestand zumindest teilweise aus Spitze. An den Ärmeln seines Hemdes befand sich oft ebenfalls etwas eingekräuselte Spitze. Wer es sich leisten konnte, gestaltete den Juste-au-corps betont prächtig. Hierfür nahm man edle Stoffe, die mit Gold- oder Silberstickereien veredelt wurden. Maßlos war die Zahl der Knöpfe: Über dreißig solcher Prunkstücke waren bei einem Juste-au-corps durchaus normal. Wer hier noch eins drauf zu setzen wünschte, ließ alle seine Knöpfe mit Edelsteinen versehen. Unter dem Juste-au-corps trug der Herr die 'Veste'. Hier waren die Knöpfe kleiner - dafür standen sie um so enger, zumal auch die Veste in aller Regel bis auf Handbreite oberhalb des Knies endete. Der Juste-au-corps war hinten geschlitzt und der Degen ragte heraus. Der üppig in Falten gelegte Saum des Cavaliers-Rock war seitlich geschlitzt. Hier schaute der Griff des Degens hervor. Alle diese drei Schlitze waren mit zahlreichen Knöpfen versehen. Zudem befanden sich an den Manschetten und aufgenähten Taschen zahlreiche Knöpfe. Die Dame kleidete sich um 1700 entsprechend dem Anlass: Ging sie aus, schnürte sie sich kräftig ein, um eine schmale Taille zu zeigen. Unter dem eigentlichen Kleid trug sie ein steifes und etwas weites Unterkleid, das im Dekolleté-Bereich rund und betont weit ausgeschnitten war. Dort war die Seide in einem schmalen Streifen rund herum eingekräuselt, oder es war ein Streifen von Spitze angenäht - was dann aus dem Überkleid dezent herausschaute. Das Unterkleid ist ebenfalls im Ellenbogen eingekräuselt, wo Spitze oder Seide reichlich aus dem Ärmel des Überkleides heraus fallen. Für die ganz große Robe trägt die Dame über dem Überkleid ein weiteres Überkleid: den Manteau. Dieser Manteau ist im Hüftbereich angerafft, um dann als Schleppe weit nach hinten zu fallen. Davon schleifte mindestens ein halber Meter hinter der Dame auf dem Boden - um sich optimal damit fort zu bewegen, klemmte sie sich diese Schleppe einfach unter dem Arm. In 'Teutschen' Landen beliebt war auch die schlichte, einfarbige englische Mode - davon zeugen Portraits einiger Fürstinnen. Die Kleider waren vorn oft vom Ausschnitt bis zur Hüfte geschlitzt und wurden zusammengehalten von kostbaren Spangen-Knöpfen. Viele waren sogar von der Schulter bis an die Ellenbogen geschlitzt.. Diese Kleider ohne Manteau waren von schlichter Eleganz. Die Frisur wurde relativ einfach dazu getragen: Vorne in die Stirn toupiert, hinten hoch gesteckt, um dann häufig in zwei langen, auf einem Lockenstab aufgedrehten Spiralen auf die Schulter zu hängen. Zum Manteau war dagegen eine aufwändige Frisur üblich. Sie wurde mit Draht arrangiert und oft gehörte dazu eine Fontagne, meist eine mit Spitze verzierte Leinenhaube. Am Hals verzichtete die Dame meist auf Schmuck, dafür wurden Perlenketten in die Frisur eingearbeitet. Der Herr trägt um 1700 eine Perücke mit Allongen. Diese war naturhaarfarben und reichlich schulterlang. In Polen entwickelte sich in der Barockzeit das Sarmatentum, das seinen Ausdruck auch in der Kleidung fand. Der polnische Adelige trug der osmanischen Mode entsprechend einen langen, reichbestickten Mantel, den er mit einem Kontusch umgürtete. Dazu trug er meist rote oder gelbe Lederstiefel und eine Mütze aus Bärenfell, den eine Fasanenfeder schmückte. Typisch war auch der lange Oberlippenbart.

Musik

Siehe Artikel Barockmusik.

Literatur


- Ashley, Maurice: Das Zeitalter des Barock. Europa zwischen 1598 und 1715, Zürich 1968.
- Bauer, Hermann: Barock. Kunst einer Epoche, Berlin 1992.
- Hubala, Ernst: Kunst des Barock und Rokoko, Stuttgart 1991.
- Panofsky, Erich: "Was ist Barock?" (englisch "What is Baroque?" aus "Three essays on Style", 1935), Hamburg 2005. (ISBN 3-86572-410-8)
- Trunz, Erich: Weltbild und Dichtung im deutschen Barock, München 1992. Kategorie:Barock

Weblinks


- [http://www.barockstrasse.de/ Barockstrasse]
- [http://www.oberschwaben-tourismus.de/seiten_mehr/barock_karte.html Barock in Oberschwaben]
- [http://www.deutschland-tourismus.de/media/route_barockstrasse.gif Routenkarte] ja:バロック ko:바로크

Johann Sebastian Bach

Johann Sebastian Bach (
- 21. März 1685 (JK) in Eisenach; † 28. Juli 1750 in Leipzig) war ein deutscher Komponist des Barock und ein auch zu seiner Zeit berühmter Organist und Cembalist. Er gilt heute als einer der größten Tonschöpfer überhaupt, der die spätere Musik wesentlich mitbeeinflusst hat und dessen Werke im Original und in zahllosen Bearbeitungen weltweit präsent sind.

Bedeutung

Zu seinen Lebzeiten fand Bachs kompositorisches Schaffen keine große Beachtung, verglichen etwa mit seinen Zeitgenossen Georg Friedrich Händel oder Georg Philipp Telemann. Europaweit bekannt war Bach zu Lebzeiten vor allem als ein Orgel- und Cembalovirtuose sowie als Meister der Improvisation (siehe auch Musikalisches Opfer). Ferner hatte er einen ausgezeichneten Ruf als Orgelgutachter. Daneben beherrschte Bach natürlich, wie jeder damalige Musiker, auch die Violine und leitete Aufführungen seiner Werke häufig von der Bratsche aus. Bachs heutige Berühmtheit hat ihre Wurzeln zum einen in der Tatsache, dass seine Werke (zusammen mit denen von Heinrich Schütz und Georg Friedrich Händels Opern) die einzigen waren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in großem Umfang von einem Barockkomponisten überliefert waren. Zum anderen übte seine konsequente Anwendung des Kontrapunktes, verbunden mit der Affektwirkung seiner Melodik und der kühnen Harmonik, auf spätere Komponisten eine große Wirkung aus. Seit dem 19. Jahrhundert schätzen kirchliche Kreise Bachs geistliche Musik vor allem wegen ihrer starken Religiosität. Die weite Verbreitung von Bachs Werken wurde insbesondere durch das Wirken seiner Nachfolger sowie durch zahlreiche Biografen gefördert.

Lebensstationen

thumb Wohnorte von J. S. Bach: Eisenach (ab 1685), Ohrdruf (ab 1695/96), Lüneburg (ab 1700), Thüringen (möglicherweise Ohrdruf, ab 1702), Weimar (Januar bis Juni 1703), Arnstadt, Mühlhausen (ab 1707), Weimar (ab 1708), Köthen (ab 1717), Leipzig (1723 bis 1750)

Eisenach

Johann Sebastian Bach war das jüngste von acht Kindern von Johann Ambrosius Bach und seiner Frau Elisabeth Bach, geborene Lämmerhirt. Zur Geburt Bachs galt an seinem Geburtsort Eisenach noch der Julianische Kalender. So wird sein Geburtsdatum in der Regel mit dem örtlich gültigen Datum, dem 21. März 1685, angegeben. Sein Todesdatum wird hingegen nach dem in Leipzig gültigen Gregorianischen Kalender angegeben. Will man Bachs Geburtsdatum mit anderen Daten dieser Zeit vergleichen, ist zu berücksichtigen, dass er nach dem in dieser Zeit schon meist verwendeten Gregorianischen Kalender erst am 31. März 1685 geboren wurde. Bach wurde am Montag, dem 23. März, in der Georgenkirche getauft. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Eisenach, wo er durch den Cousin seines Vaters, den Organisten der Eisenacher Georgenkirche Johann Christoph Bach, auch erstmalig mit Kirchen- und Orgelmusik in Kontakt gelangte. Im Alter von acht Jahren kam Bach auf die Lateinschule des Eisenacher Dominikanerklosters. Seine Mutter starb am 3. Mai 1694. Am 27. November 1694 heiratete sein Vater die Witwe Barbara Margaretha Bartholomäi, geborene Keul. Nur wenige Monate danach starb sein Vater am 20. Februar 1695. Johann Sebastian zog mit seinem Bruder Johann Jacob zu seinem älteren Bruder Johann Christoph (1671-1721) nach Ohrdruf.

Ohrdruf

In Ohrdruf besuchte Johann Sebastian das Lyzeum bis zur Prima und bekam damit eine bessere Schulausbildung, als seine Vorväter vorweisen konnten. In der Secunda waren sein Vetter Johann Ernst Bach und sein lebenslanger Freund Georg Erdmann seine Mitschüler. Der vierzehn Jahre ältere Bruder Johann Christoph, der in Ohrdruf Organist war, übernahm seine weitere Erziehung und musikalische Ausbildung. Von ihm lernte Bach das Orgelspiel und das Komponieren. Zu seinem Lebensunterhalt trug seine Tätigkeit als Chorsänger bei. Am 19. Januar 1700 verließ Georg Erdmann Ohrdruf und reiste nach Lüneburg. Kurz danach, am 15. März, folgte ihm Johann Sebastian nach.

Lüneburg und erster Aufenthalt in Weimar

Bach und Erdmann wurden in Lüneburg Freischüler des Michaelis-Klosters. Sie sangen als Diskantisten im Mettenchor. Georg Böhm war zu dieser Zeit Organist an der Johanniskirche. Sein Einfluss auf Johann Sebastian lässt sich in dessen frühen Orgelwerken feststellen. Auf Wanderungen nach Celle und Hamburg zu dem berühmten Organisten Johann Adam Reincken bildete sich Bach im Orgelspiel weiter. Zwischen Ostern 1702, als Bach seine Schulzeit in Lüneburg beendete, und 1703 lassen sich Bachs Spuren nicht mehr genau nachvollziehen. Aus einem späteren Brief ergibt sich, dass er sich im Juli um die vakante Organistenstelle in Sangerhausen bewarb und beim dortigen Rat bevorzugter Kandidat war, dass aber der Herzog von Sachsen-Weißenfels sich darüber hinwegsetzte. Spätestens ab März 1703 war Bach als Lakai und Violinist in der Privatkapelle des Mitregenten Johann Ernst von Sachsen-Weimar angestellt. Bei einer Orgelprobe am 17. März 1703 knüpfte Bach Kontakte zum Rat in Arnstadt.

Arnstadt

Violinist Am 9. August 1703 erhielt Bach ohne weiteres Probespiel seine Bestallung als Organist der Neuen Kirche in Arnstadt. Für ein Gehalt von 50 Gulden und 30 Gulden für Kost und Logis war er offiziell nur für das Orgelspiel, nicht für die Figuralmusik zuständig. Zumindest ab einem bestimmten Zeitpunkt scheint er jedoch auch zur Zusammenarbeit mit dem Chor des Lyzeums verpflichtet worden zu sein, wegen dessen mangelnder Disziplin es immer wieder zu Reibereien kam. 1705 kam er auf der Straße mit einem Schüler, der älter als er selbst war, in Streit und Handgreiflichkeiten, nachdem er den Schüler einige Tage zuvor verächtlich einen "Zippelfagottisten" genannt hatte. Im Oktober 1705 erhielt er für eine Reise zu Dietrich Buxtehude nach Lübeck einen Urlaub über vier Wochen, den er allerdings eigenmächtig auf über drei Monate ausdehnte. Obwohl er für einen Vertreter gesorgt hatte, wurde er am 21. Februar 1706 deswegen und wegen „Nachlässigkeit im Dienst“ vom Konsistorium der Gemeinde gerügt. Er wurde ermahnt, bei der Begleitung der Choräle im Gottesdienst die Gemeinde nicht durch befremdliche Zwischenspiele, Verzierungen und Modulationen zu verwirren. (Hierfür liefern die Choralvorspiele In dulci jubilo, BWV 729, und Herr Jesu Christ, dich zu uns wend, BWV 726, zwei anschauliche Beispiele.) Immer wieder kam Bach so mit dem Konsistorium in Konflikt. Am 11. November wurde ihm nochmals die Zusammenarbeit mit dem Schulchor angemahnt. Ein anderes mal kam die Klage, dass er eine „frembde Jungfer“ auf die Chorempore mitgenommen habe.

Mühlhausen

Nachdem Bach am 24. April 1707 in Mühlhausen vorgespielt hatte, trat er dort an Divi Blasii am 1. Juli seinen Dienst als Organist an. Sein Gehalt betrug 85 Gulden, dazu kamen Naturalien und Einkünfte aus den Nebenkirchen. Wie schon in Arnstadt fällt auf, dass er eine wesentlich höhere Bezahlung als seine jeweiligen Vorgänger und Nachfolger erzielte. Diese Verhältnisse erlaubten es ihm nun, eine Familie zu gründen. Am 17. Oktober 1707 heiratete er in Dornheim bei Arnstadt seine Cousine zweiten Grades Maria Barbara Bach. Auftragsgemäß komponierte Bach zum Ratswechsel am 4. Februar 1708 die festliche Kantate Gott ist mein König (BWV 71), die als einzige aus dieser Zeit als Druck erhalten ist. Kurz darauf konnte er eine kostspielige Erweiterung und Reparatur der Orgel durchsetzen. Im Juni 1708 reiste Bach im Zusammenhang mit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten an der dortigen Orgel nach Weimar und spielte vor dem Herzog Wilhelm Ernst. Dieser bot ihm die Stelle als Hoforganist und Kammermusiker mit einem Gehalt von 150 Gulden zuzüglich Naturalien an. Zudem hatte ein großer Stadtbrand in Mühlhausen zu einer Verteuerung der Lebenshaltungskosten geführt. Die Aussicht auf eine wesentlich bessere finanzielle Situation war offenbar ausschlaggebend dafür, dass er schon am 25. Juni 1708 – kaum ein Jahr nach seinem Amtsantritt – in Mühlhausen um seine Entlassung bat. Sein Nachfolger wurde Johann Friedrich Bach. Der Stadt Mühlhausen blieb Johann Sebastian Bach aber weiterhin verbunden. Jeweils für den Februar 1709 und 1710 bekam er Aufträge für Ratswechselkantaten, die ebenfalls auf Kosten des dortigen Rates gedruckt wurden, aber verschollen sind.

Hoforganist in Weimar

Bach siedelte in der ersten Julihälfte 1708 mit seiner schwangeren Gattin und dem gesamten Hausrat nach Weimar über. Am 29. Dezember desselben Jahres wurde das erste Kind, Catharina Dorothea, getauft. Während der Weimarer Zeit folgten noch fünf Kinder: Wilhelm Friedemann (
- 22. November 1710), die Zwillinge Maria Sophia und Johann Christoph (
- 23. Februar 1713, beide starben bald darauf), Carl Philipp Emanuel (
- 8. März 1714) und Johann Gottfried Bernhard (
- 11. Mai 1715). Neben seinem Dienst in der Wilhelmsburg des Herzogs Wilhelm Ernst stand Bach auch in enger Verbindung mit dessen Neffen Ernst August, der im Roten Schloss wohnte und 1709 Mitregent wurde. Ein Großteil von Bachs Orgelwerk entstand während der Weimarer Zeit, darunter seine Passacaglia und zahlreiche Toccaten und Fugen. Auch begann er hier sein Orgel-Büchlein, das als Sammlung von 164 Choralvorspielen angelegt war, von denen er aber nur 44 vollendete. Am 21. und 22. Februar 1713 befand sich Bach in Weißenfels anlässlich der Feierlichkeiten zum Geburtstag des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels. Möglicherweise wurde die Jagdkantate BWV 208 aufgeführt, Bachs früheste bekannte weltliche Kantate. An Kirchenkantaten sind aus der früheren Weimarer Zeit dagegen nur wenige überliefert. Gegen Ende des Jahres 1713 wurde Bach nach der Aufführung einer Probekantate die Organistenstelle an der Liebfrauenkirche in Halle angeboten. Der Grund für Bachs Interesse an der Stelle ist nicht bekannt. Er erhielt am 14. Dezember seine Bestallung vom Kirchenkollegium, zögerte aber mit der Vertragsunterzeichnung und schickte erst am 19. März 1714 eine endgültige Absage mit der Begründung, dass die Besoldung nicht seiner Erwartung entspräche.

Konzertmeister in Weimar

Am 2. März 1714 wurde Bach in Weimar zum Konzertmeister ernannt. Obwohl er in der Hierarchie immer noch unter dem Kapell- und dem Vizekapellmeister stand, bekam er mit 250 Gulden ein erheblich höheres Gehalt als beide. Mit dem neuen Amt war die Pflicht verbunden, alle vier Wochen eine Kirchenkantate auf den jeweiligen Sonntag zu komponieren. Als erste erklang am 25. März (Palmsonntag und gleichzeitig Mariä Verkündigung) die Kantate Himmelskönig sei willkommen (BWV 182). Ihr folgten in regelmäßigen Abständen noch mindesten 20 weitere Werke, die den Grundstock der späteren Leipziger Kantatenjahrgänge bildeten. Schließlich sah sich Bach nach einer neuen Stelle um und fand sie am Hof des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen, dessen Schwester Ernst August am 24. Januar 1716 geheiratet hatte. Der Grund für diesen Schritt kann nur gemutmaßt werden. Am 1. Dezember 1716 war der kränkelnde erste Kapellmeister Johann Samuel Drese gestorben. Eine Nachfolgeregelung wurde zunächst nicht getroffen, aber Dreses Sohn Johann Wilhelm hatte eine gewisse Vorrangstellung, da er als Vizekapellmeister schon längere Zeit die Amtsgeschäfte seines Vaters versehen hatte. Damit wäre für Bach ein Aufstieg zum Kapellmeister langfristig blockiert gewesen. Bach unterschrieb am 5. August den Vertrag für seine neue Stelle in Köthen, ohne vorher um seine Entlassung in Weimar gebeten zu haben. Als er dies nachholen wollte, erhielt er seine Demission nicht, sondern wurde am 6. November wegen seiner „Halßstarrigen Bezeügung“ in der Landrichterstube arretiert. Erst am 2. Dezember wurde er freigelassen und in Ungnade entlassen. In den Herbst 1717 datiert eine Geschichte im Nekrolog, nach der Bach an den Hof nach Dresden reiste, wo ein Wettstreit mit dem berühmten Orgelvirtuosen Louis Marchand stattfinden sollte. Dazu kam es nicht, weil Marchand an dem festgelegten Tag in der Frühe abreiste.

Köthen

Ab Dezember 1717 war Bach Kapellmeister in Köthen. Bach schätzte den musikalischen Herzog und stand ihm offenbar auch persönlich nahe, wie man z.B. daran sieht, dass sowohl Leopold als auch seine Geschwister August Ludwig und Eleonora Wilhelmine Taufpaten von Bachs am 15. November 1718 geborenen Sohn Leopold August waren. Das Kind starb kaum ein Jahr später. In der Zeit vom 15. bis 18. Dezember 1717 verweilt Bach in Leipzig anlässlich einer Orgelprüfung in der Paulinerkirche. Als Bach 1720 nach einer zweimonatigen Reise des Hofs aus Karlsbad zurückkehrte, musste er erfahren, dass seine Gattin Maria Barbara nach kurzer Krankheit gestorben und schon am 7. Juli bestattet worden war. Am 3. Dezember 1721 heiratete er Anna Magdalena, die jüngste Tochter des fürstlichen Hof- und Feldtrompeters zu Sachsen-Weißenfels Johann Kaspar Wilcke, die 1720 als Sopranistin an den Köthener Hof gekommen war. Auch aus dieser Ehe entstammen zahlreiche Kinder, von denen die meisten aber schon im Kindesalter starben: Christiana Sophia Henrietta (
- Frühjahr 1723; † 29. Juni 1726), Gottfried Heinrich (
- 26. Februar 1724), Christian Gottlieb (getauft 14. April 1725; † 21. September 1728), Elisabeth Juliana Friederica (getauft 5. April 1726), Ernestus Andreas (
- 30. Oktober 1727; † 1. November), Regina Johanna (10. Oktober 1728; † 25. April 1733), Christiana Benedicta (
- 1. Januar 1730; † 4. Januar), Christiana Dorothea (
- 18. März 1731; † 1732), Johann Christoph Friedrich (
- 21. Juni 1732), Johann August Abraham (
- 5. November 1733; † 6. November), Johann Christian (
- 5. September 1735), Johanna Carolina (getauft 30. Oktober 1737), Regina Susanna (getauft 22. Februar 1742). Möglicherweise bedeutet dies für Bach eine Wende in seinem Leben, der Köthen als Lebensstellung betrachtet. Auch scheint sich Fürst Leopold von Bachs Ensemble-Musik ab- und der Klaviermusik zuzuwenden. Vielleicht bezieht sich die berühmte Stelle in Bachs Brief vom 20. Oktober 1730 an seinen Jugendfreund Georg Erdmann (siehe oben) auf diese Änderung im Musikgeschmack des Fürstenhauses, wobei er ungerechterweise der Gattin des Fürsten die Hauptschuld gibt: „Daselbst [in Köthen] hatte einen gnädigen und Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten; bei welchem [ich] auch vermeinte meine Lebenszeit zu beschließen. Es musste sich aber fügen, dass erwehnter Serenissimus sich mit einer Berenburgischen Princeßin vermählete, da es denn das Ansehen gewinnen wollte, als ob die musicalische Inclination [= Neigung] bey besagtem Fürsten in etwas laulicht werden wollte, zumahln da die neüe Fürstin schiene eine amusa [= unmusikalisch] zu sein.“ Dies wird dadurch bestätigt, dass nach Bachs Weggang von Köthen sein Posten nicht wieder besetzt wurde. Trotzdem darf er nach seinem Weggang den Titel eines Kapellmeisters weiterführen und lieferte bis zum Tod des Fürsten 1728 noch Musik zu den Festtagen des Fürstenhauses. Als Beitrag zur musikalischen Erziehung seiner Kinder begann Bach am 22. Januar 1720 das Clavierbüchlein für den ältesten Sohn Wilhelm Friedemann, das unter anderem die zwei- und dreistimmigen Inventionen enthält. Das 1722 angelegte Clavierbüchlein vor Anna Magdalena Bachin enthält die Frühfassungen der Französischen Suiten. Neben dem Wohltemperierten Klavier und den sechs Violinpartiten und -sonaten sind dies die sicher auf die Köthener Zeit datierbaren autografen Instrumentalkompositionen. Daneben sind noch einige Geburtstags- und Neujahrskantaten überliefert, jedoch nicht für alle in Frage kommenden Feiertage. Es gilt als sicher, dass Bach für den Hof eine beträchtliche Zahl an Konzerten und anderen Instrumentalkompositionen geschrieben haben muss, die aber weitgehend verschollen oder aber in späteren Bearbeitungen als Cembalokonzerte oder Kantatensätze erhalten sind. Im September 1720 wurde die Organistenstelle zu St. Jakob in Hamburg frei, um die sich Bach bewarb. Er wurde auch vom Hamburger Rat zum Probespiel zugelassen, sagte aber dann doch ab, wahrscheinlich weil die Übernahme der Stelle mit einer beträchtlichen Kaufsumme verknüpft war. Möglicherweise ist auch die Widmung – sie datiert vom 24. März 1721 – der Brandenburgischen Konzerte (BWV 1046-1051) für den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg im Zusammenhang einer Suche nach einer neuen Stelle zu sehen. Durch den Tod von Johann Kuhnau am 5. Juni 1722 wurde in Leipzig die Stelle des Thomaskantors frei. Nach einem ersten Probespiel am 14. Juli wurde von den Bewerbern, zu denen Johann Friedrich Fasch (Kapellmeister am Hofe zu Anhalt-Zerbst) und Christian Rolle (Musikdirektor in Magdeburg) zählten, Georg Philipp Telemann gewählt. Da Telemann aufgrund einer Gehaltserhöhung in Hamburg blieb, wurde eine zweite Kantoratsprobe anberaumt, bei der neben Bach Georg Friedrich Kauffmann aus Merseburg, der freiwillig zurücktrat, Johann Christoph Graupner (Kapellmeister in Darmstadt) und Balthasar Schott (Organist an der Neuen Kirche zu Leipzig) kandidierten. Bach führte am 7. Februar 1723 als Probestück die Kantaten Jesu nahm zu sich die Zwölfe, BWV 22, und "Du wahrer Gott und Davids Sohn", BWV 23, auf. Gewählt wurde Graupner, der aber ablehnen musste, weil ihm vom hessischen Landgrafen die Entlassung verweigert wurde. Somit wurde Bach „als dritte Wahl“ Thomaskantor, eine Stelle, die er bis zu seinem Tode behielt.

Leipzig

Ende Mai 1723 nahm Bach seinen Dienst in Leipzig auf. Als Kantor und Musikdirektor war er für die Musik in den vier Hauptkirchen der Stadt verantwortlich. Dazu zählte die Vorbereitung einer Kantatenaufführung an jedem Sonntag und an den Feiertagen. Außerdem unterlag ihm der Musikunterricht in der Thomasschule. Die Internatsschüler waren verpflichtet, als Chorsänger die Gottesdienste mitzugestalten. Sein Deputat als Lateinlehrer, das mit seiner Stelle traditionell verbunden war, übertrug er gegen eine Geldzahlung einem Lehrer der Schule. - - Gleich nach seiner Ankunft fing Bach an, Kantaten für die jeweils anstehenden Aufführungen zu komponieren oder zu überarbeiten. Bei dieser systematischen Arbeit muss in den ersten beiden Jahren im Schnitt ungefähr ein Werk pro Woche entstanden sein, danach verlangsamte sich sein Tempo. Insgesamt sind zwei vollständige Jahrgänge überliefert, der Nekrolog berichtet von drei weiteren (siehe Bachkantate). Insgesamt sollen in dieser Zeit ca. 300 Kantaten entstanden sein. - - Für Weihnachten 1723 schrieb er die zweite Fassung des Magnificat in Es-Dur mit den weihnachtlichen Einlagesätzen (die erste Fassung erklang ohne die später erstellten Einlagesätze schon am 2. Juli 1723 zu Mariae Heimsuchung), für den Karfreitag 1724 sein bis dahin umfassendstes Werk, die Johannespassion, für Weihnachten 1724 ein Sanctus. Wohl Anfang 1725 begegnete Bach dem Textdichter Christian Friedrich Henrici alias Picander, der schließlich den Text für die Matthäuspassion lieferte, die 1727 uraufgeführt wurde. - - 1729 übernahm Bach auch die Leitung des 1701 von Telemann gegründeten Collegium musicum, die er bis 1741, vielleicht sogar bis 1746, behielt. Mit diesem studentischen Orchester führte er deutsche und italienische Instrumental- und Vokalmusik auf, außerdem schrieb er dafür etliche seiner weltlichen Kantaten, wie z. B. Hercules am Scheidewege, die er "Dramma per musica" nannte und die strukturell der Oper nahestehen. In Kaffee- und Bauernkantate zeigt sich, dass er auch im humoristischen Genre schreiben konnte. - - Etliche seiner Huldigungskantaten arbeitete Bach kurz nach ihrer Entstehung in geistliche Werke um. Diesem Parodieverfahren ist das Weihnachtsoratorium von 1734/1735 zu verdanken, das Himmelfahrtsoratorium von 1735 und das Osteroratorium. Durch Parodierung geistlicher Kantaten entstanden die sogenannten Lutherischen Messen, ebenso die Urfassung der h-Moll-Messe von 1733 (die sogenannte Missa), die nur das Kyrie und das Gloria umfasste. Nach Einreichung dieses Werks beim kurfürstlichen Hof in Dresden wurde ihm 1736 der Titel Hofkompositeur verliehen.

Die letzten Jahre

In den 1740er Jahren scheint sich Bach weitgehend von Neukompositionen für die Kirche und für das Collegium musicum zurückgezogen haben. Im Mai 1747 besuchte er auf Einladung Friedrichs des Großen, in dessen Hofkapelle Carl Philipp Emanuel Bach angestellt war, Potsdam und Berlin und improvisierte auf den dortigen Pianoforti und Orgeln. Er versprach, ein ihm vom König vorgegebenes Thema in einer Fuge auszuführen und in Kupfer zu stechen. Aus diesem Versprechen wurde das Musikalische Opfer, eine Sammlung von zwei Fugen (drei- und sechsstimmig), zehn Kanons und einer Triosonate, alle über das gleiche Thema. Ein weiterer kontrapunktischer Werkzyklus ist die Kunst der Fuge, deren erste Reinschrift Bach 1742 abschloss, die er aber danach bis 1749 umfassend ergänzte und überarbeitete. Die Sammlung von einfachen Fugen, Gegenfugen, Spiegelfugen, Fugen mit mehreren Themen und Kanons stellt ein Kompendium der Techniken der Fugenkomposition dar. Ebenfalls in Bachs letzte Jahre fällt die Vollendung der h-Moll-Messe unter Verwendung der Missa von 1733, des Sanctus von 1724 und anderer älterer Kompositionen. Bach litt an angeborener Kurzsichtigkeit. Da es zu seiner Zeit noch keine Korrekturgläser gab, führte diese Krankheit zunehmend zu einer Sehverschlechterung, die 1749 so kritisch wurde, dass er sich von dem schon damals umstrittenen Okulisten (Starstecher) John Taylor operieren ließ, der vom 4. bis zum 7. April 1750 in Leipzig weilte. Eine gefürchtete Komplikation des Starstechens war eine sehr schmerzhafte Entzündung des Auges, welche bei Bach eintrat und zur fast vollständigen Erblindung führte. Die neuere Bachforschung hält es allerdings auch für möglich, dass eine zunehmende Zuckererkrankung die Ursache für Bachs nachlassendes Sehvermögen war und zu dem Schlaganfall vom 20. Juli 1750 führte; er verstarb nach kurzer gesundheitlicher Erholung am 28. Juli 1750. Nach zweimaliger Umbettung befindet sich sein Grab heute in der Leipziger Thomaskirche.

Musikalisches Schaffen

Bach wurde unter anderem von Giovanni Pierluigi da Palestrina, Johann Pachelbel, Antonio Vivaldi und Georg Philipp Telemann beeinflusst, von welchen er mehrere Stücke kopierte oder transkribierte oder deren Stile er modifiziert übernahm. Sein Sohn Carl Philipp Emanuel schrieb, dass Bach sich als Organist außerdem an den originellen Pionierwerken von Nicolaus Bruhns, Johann Adam Reincken, Dietrich Buxtehude sowie einiger französischer Komponisten orientierte. Mit Ausnahme der Oper komponierte Bach Werke aller zu seiner Zeit verbreiteten musikalischer Gattungen. Einige seiner weltlichen Kantaten (von ihm als Dramma per musica bezeichnet) könnten als kleine Singspiele gelten. Bachs kirchliche Werke sind geprägt von seiner tiefen protestantisch-lutherischen Religiosität. Von ihm sind rund 250 Kantaten überliefert, davon ca. 200 Kirchenkantaten. In seinen Kantaten und Passionen griff Bach häufig auf populäre Choräle des evangelischen Kirchengesangbuches zurück. Eine größere Anzahl seiner Werke, vor allem aus der frühen Schaffenszeit, gilt als verschollen. Bach schrieb wahrscheinlich fünf Passionen. Die Johannes- und Matthäuspassion sind die einzigen erhaltenen authentischen Passionen. Es ist anzunehmen, dass unter den drei anderen verschollenen Werken die Lukaspassion und die Markuspassion waren. Bei der fünften verschollenen Passion vermuten Forscher eine umgearbeitete einchörige Variante der Matthäus-Passion. Neben seiner Wirkung als Musiker und Komponist hatte Bach auch Einfluss auf die Musiktheorie. Vermutlich angeregt durch die verschiedenen Temperierungen von Andreas Werckmeister komponierte Bach sein Wohltemperiertes Klavier, dessen Popularität später wohltemperierten Stimmungen zum Durchbruch verhalf. Daneben wird Bach häufig als Mitbegründer der Spieltechnik des Daumens als vollwertiger Spielfinger beim Orgelspiel genannt. Auch setzte er sich für die Weiterentwicklung von Musikinstrumenten, speziell der Tastenistrumente, ein. Bach war ein geschätzter wie auch gefürchteter Orgelinspektor, der in seinen Gutachten kein Blatt vor den Mund nahm. Johann Gottfried Silbermann forderte und förderte er in der Entwicklung des Pianoforte, das er in seinen späten Jahren auch als Spielinstrument schätzte. Frühe Entwürfe Silbermanns hat er mit der ihm eigenen, manchmal recht schroffen Art abgelehnt.

Verzeichnisse der Bachschen Werke

Johann Sebastian Bachs musikalische Werke sind im "Bach-Werke-Verzeichnis" (BWV) katalogisiert. Ein neueres, aber weniger gebräuchliches Verzeichnis ist das "Bach Compendium" der Musikwissenschaftler H.-J. Schulze und Christoph Wolff. Folgende Wikipedia-Artikel befassen sich ebenfalls mit Überblicken über Bachs Gesamtwerk:
- Alphabetisches Titelverzeichnis
- Verzeichnis der Kantaten nach BWV und ihre Bestimmung

Besonders bekannte Werke

Verzeichnis der Kantaten nach BWV und ihre Bestimmung a 3 voci" (Wohltemperiertes Klavier) von J. S. Bach]]

Reisen

Hörbeispiele


- Bild:Audiobutton.png Fuga a 3 voci (7KB) aus Bachs Wohltemperiertem Klavier

Nachwirkung

Bach hatte insgesamt 20 Kinder: zwei Söhne und fünf Töchter aus der ersten sowie sechs Söhne und sieben Töchter aus der zweiten Ehe; etwa die Hälfte überlebte die ersten drei Lebensjahre nicht. Vier seiner Söhne wurden ebenfalls Komponisten, die als solche zu Lebzeiten teilweise den Ruhm ihres Vaters übertrafen und bis heute bekannt sind:
- Wilhelm Friedemann Bach, der Dresdener oder Hallesche Bach (1710 - 1784)
- Carl Philipp Emanuel Bach, der Berliner oder Hamburger Bach (1714 - 1788)
- Johann Christoph Friedrich Bach, der Bückeburger Bach (1732 - 1795)
- Johann Christian Bach, der Mailänder oder Londoner Bach (1735 - 1782) Zeit seines Lebens war Bach als Instrumental- und Kompositionslehrer tätig. Die Schüler lebten, oft über lange Zeit, im Haushalt der Familie und nahmen später wichtige Kapellmeister- und Kantorenposten ein. Sie waren es, die Bachs Namen und musikalischen Nachlass auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebendig hielten. Neben seinen Söhnen war ein bekannter Schüler von Bach Johann Ludwig Krebs. Dennoch war Bachs Werk in den ersten achtzig Jahren nach seinem Tod nur wenig präsent und wurde öffentlich kaum aufgeführt. Das ist auch der Grund dafür, warum so viele seiner Werke nicht erhalten geblieben sind. 1789 hörte Wolfgang Amadeus Mozart bei einem Besuch in der Thomaskirche Bachs Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied". Außergewöhnlich beeindruckt, vertiefte er sich in diese und andere Partituren Bachs. Die Spuren dieser Begegnung sind in Mozarts späterem Schaffen überall erkennbar. Felix Mendelssohn Bartholdy gebührt der Verdienst, mit der Wiederaufführung der Matthäus-Passion am 11. März 1829 J. S. Bach fast achtzig Jahre nach seinem Tod wieder einer breiten Öffentlichkeit ins Bewusstsein gerückt zu haben. Er gab damit einen enormen Anstoß für die Publizität der Bachschen Musik.

Standbilder und Denkmale

1829
- Sandsteinsäule von Hermann Knauer in den Promenadenanlagen am Leipziger Dittrichring, errichtet auf Initiative von Felix Mendelsohn-Bartholdy, der mit Benefizkonzerten des Gewandhausorchesters auch den Großteil der Baukosten sammelte; eingeweiht am 23. April 1843
- Büste in der Walhalla
- Bronzeguss für Eisenach, enthüllt am 28. September 1884, Entwurf von Adolf von Donndorf, ausgeführt von Hermann Howaldt
- Bronzestatue von Karl Seffner auf dem Thomaskirchhof an der Südseite der Leipziger Thomaskirche, enthüllt am 17. Mai 1908
- Nach ihm ist das Johann-Sebastian-Bach-Gymnasium Windsbach benannt.

Literatur


- Wolfgang Schmieder: Bach-Werke-Verzeichnis (BWV). Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke von Jahann Sebastian Bach, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden, 1990, ISBN 3-7651-0255-5
- Hans Heinrich Eggebrecht: Geheimnis Bach, Nötzel, Wilhelmshaven 2001 ISBN 3-7959-0790-X
- Hans Heinrich Eggebrecht: Bachs Kunst der Fuge. Erscheinung und Deutung, Piper, München 1998, ISBN 3-492-00667-1
- Klaus Eidam: Das wahre Leben des Johann Sebastian Bach, Piper, München 1999, ISBN 3-492-04079-9
- Johann Nikolaus Forkel: Über Johann Sebastian Bachs Leben, Kunst und Kunstwerke, Bärenreiter-Verlag, Kassel 2004, ISBN 3-7618-1472-0
- Martin Geck: Johann Sebastian Bach, Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-50637-8
- Douglas R. Hofstadter: Gödel, Escher, Bach. Ein Endloses Geflochtenes Band, Dtv, München 2003, ISBN 3-423-30017-5
- Konrad Küster (Hrsg.): Bach Handbuch, Bärenreiter-Verlag, Kassel 1999 ISBN 3-7618-2000-3
- Ludwig Prautzsch: Die verborgene Symbolsprache Johann Sebastian Bachs, Merseburger Verlag, Kassel
  - 1. - Zeichen- und Zahlenalphabet der kirchenmusikalischen Werke, 2004 ISBN 3-87537-298-0
- Gottfried Scholz: Bachs Passionen. Ein musikalischer Werkführer, Beck, München 2000, ISBN 3-406-43305-7
- Albert Schweitzer: Johann Sebastian Bach, Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1990, ISBN 3-7651-0034-X
- Christoph Wolff: Johann Sebastian Bach, Fischer, Frankfurt/M. 2000, ISBN 3-10-092584-X

Siehe auch


- Liste deutscher Komponisten
- Liste der Kirchenliederkomponisten
- Familie Bach
- Werner Neumann, Bachforscher
- Richard Buchmayer, Musikhistoriker und Bachforscher
- Bachhaus
- Neue Bachgesellschaft
- Bachwoche Ansbach

Weblinks


-
- [http://www.johannsebastian.de Johann Sebastian Bach - Ein Lebensalbum] Visuelle Kantate mit bemerkenswerten Zitaten
- [http://www.music.qub.ac.uk/~tomita/bachbib/ Die "Bach Bibliography"] umfangreiche Bibliografie zum Thema Bach (auf englisch)
- [http://jsbach.org/ jsbach.org] - Internationale Seite mit Informationen über Interpretationen
- [http://www.bach-leipzig.de/ Bach-Archiv Leipzig]
- [http://www.bachhaus.de/ Bachhaus Eisenach]
- [http://bachdigital.uni-leipzig.de/ Bach Digital] - Eingescannte Autografen und mehr
- [http://www.greatjsbach.net/ Greatjsbach.net] - Live-Stream und Klavierauszüge zahlreicher Bach-Werke zum Hören und Ansehen
- [http://www.s-line.de/homepages/bachdiskographie/ Diskografie der Werke Bachs und der Bach-Familie] mit vielen weiteren Informationen
- [http://www.bach-leipzig.de/ Bach-Archiv Leipzig]
- [http://www.cs.ualberta.ca/~wfb/bach.html Bach Cantata Page] - Die Texte aller Vokalwerke Bachs
- [http://www.jsba.ch/ jsba.ch: Bach-Portal, BachForum, Bach-Community]
- [http://www.pianosociety.com/index.php?id=10 Piano Society - Bach] - Freie Aufnahmen
- [http://www.bach.de/ bach.de] - Deutschsprachige Seiten über J. S. Bach frei erhältliche Musiknoten von J.S. Bach:
- [http://www.mutopiaproject.org/cgibin/make-table.cgi?preview=1&searchingfor=&Composer=BachJS Mutopiaproject.org] - frei erhältliche Bach-Partituren
- [http://www.free-sheetmusic.org/vocalscoresbach.html frei erhältliche Bach-Partituren auf www.free-sheetmusic.org]
- [http://www.tobis-notenarchiv.de/bach/index.htm Bach-Notenarchiv auf www.tobis-notenarchiv.de] Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian Bach, Johann Sebastian ja:ヨハン・ゼバスティアン・バッハ ko:요한 제바스티안 바흐 ms:Johann Sebastian Bach simple:Johann Sebastian Bach th:โยฮันน์ เซบาสเทียน บาค

Georg Philipp Telemann

Georg Philipp Telemann (
- 14. März 1681 in Magdeburg; † 25. Juni 1767 in Hamburg) war seinerzeit einer der berühmtesten Komponisten Europas. Er prägte durch neue Impulse, sowohl in der Komposition als auch in der Musikanschauung, maßgeblich die deutsche Musikwelt der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Komponisten

Leben

Kindheit und Jugend

Telemann stammte aus einer gebildeten Magdeburger Familie; fast alle seine Vorgänger besuchten die Universität. Sowohl sein Vater Heinrich als auch der Vater seiner Mutter Johanna Maria Haltmeier übten ein Kirchenamt aus. Abgesehen von Telemanns Urgroßvater, der zeitweilig Kantor in Halberstadt war, hatte niemand aus seiner Familie direkten Bezug zur Musik. Georg Philipp war das jüngere von zwei Kindern, die das Erwachsenenalter erreichten. Sein älterer Bruder Heinrich Matthias wurde nach einem Theologiestudium Pfarrer. Georg Philipp besuchte das Gymnasium der Altstadt und die Schule am Magdeburger Dom, wo er Unterricht in Latein, Rhetorik, Dialektik und deutscher Dichtung erhielt. Von seiner umfassenden Allgemeinbildung zeugen beispielsweise seine selbst verfassten deutschen, französischen und lateinischen Verse, die er in seiner späteren Autobiografie wiedergab. Daneben beherrschte Telemann auch die italienische und die englische Sprache bis ins hohe Alter. Da öffentliche Konzerte zur damaligen Zeit in Magdeburg noch unbekannt waren, ergänzte die in der Schule aufgeführte weltliche Musik die Kirchenmusik – auch die altstädtische Schule verfügte über konzertierende Musikinstrumente und betrieb regelmäßig Musik. Telemann war bekannt dafür, dass er in jungen Jahren jedes Instrument, das ihm in die Hände kam, zu spielen erlernte. Erste musikalische Erfahrungen sammelte er als Autodidakt mit dem Spiel von Geige, Flöte, Zither und Klavier. Telemann zeigte beachtliches musikalisches Talent; mit zehn Jahren begann er, seine ersten Stücke zu komponieren, oft heimlich und auf ausgeliehenen Instrumenten. Bereits nach wenigen Wochen Gesangsunterricht war Telemann in der Lage, seinen Kantor Benedikt Christiani, der lieber komponierte als unterrichtete, in den Oberklassen zu vertreten. Abgesehen von einer zweiwöchigen Unterweisung im Klavierspiel erhielt er keinen weiteren Musikunterricht. Gedämpft wurde sein Eifer von seinen Eltern und der Autorität des Kantors. Insbesondere seine Mutter, die 1685 Witwe wurde, missbilligte seine Beschäftigung mit Musik, zumal befreundete pietistische Theologen sie davor warnten, ihr Sohn könne sich zu einem Straßenmusikanten entwickeln. Zwei Jahre später, mit nur zwölf Jahren, komponierte Telemann seine erste Oper, Sigismundus, auf ein Libretto von Christian Heinrich Postel. Um Georg Philipp von einer musikalischen Karriere abzubringen, beschlagnahmte seine Mutter alle seine Instrumente und schickte ihn zur Schule nach Zellerfeld. Jedoch blieb Telemann auch dort der Musik nicht fern; unter anderem lernte er den Superintendenten Caspar Calvör kennen, der sich in seinen Schriften intensiv mit den Parallelen zwischen Mathematik und Musik beschäftigte und Telemann förderte. Fast wöchentlich komponierte Telemann für den dortigen Kirchenchor Motetten. Deneben schrieb er auch Arien und Gelegenheitsmusiken, die er dem Stadtpfeifer vorlegte. 1697 wurde Telemann Schüler des Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Unter der Leitung von Johann Christoph Losius vervollkommnete er seine musikalische Ausbildung und lernte – auch hier größtenteils im Selbststudium – Blockflöte, Orgel, Violine, Gambe, Flöte, Oboe, Schalmei, Kontrabass und Bassposaune zu spielen. Daneben komponierte er Vokalwerke, die zur Begleitung von Theaterstücken dienten. Weitere Kompositionsaufträge für den Gottesdienst des St.-Godehardi-Klosters erhielt er vom jesuitischen kirchenmusikalischen Direktor der Stadt, Pater Crispus. Später ging Telemann nach Hannover und Braunschweig, wo er mit französischer und italienischer Instrumentalmusik in Berührung kam. Die zu dieser Zeit gesammelten Erfahrungen sollten große Teile von Telemanns späterem Werk prägen. Außerdem lernte er bei heimlichem Musikunterricht die italienisch geprägten Stile von Rosenmüller, Corelli, Caldara und Steffani kennen. Trotz seiner intensiven Beschäftigung mit der Musik scheint Telemann auch die Naturwissenschaften nicht vernachlässigt zu haben; nach eigener Erinnerung belegte er von 150 Schülern seines Jahrgangs den dritten Platz.

Studienjahre in Leipzig

1701 beendete Telemann seine Schulausbildung und schrieb sich an der Universität Leipzig ein. Unter dem Druck seiner Mutter nahm er sich vor, wie vorgesehen Jura zu studieren und sich nicht mehr mit der Musik zu beschäftigen. Zumindest versicherte er dies in seiner Autobiografie; dennoch scheint die Wahl der Stadt Leipzig, die als bürgerliche Metropole der modernen Musik galt, nicht zufällig gewesen zu sein. Schon auf dem Weg nach Leipzig hielt Telemann in Halle, um den damals sechzehnjährigen Georg Friedrich Händel zu treffen. Mit ihm begründete er eine Freundschaft, die sein ganzes Leben andauern sollte. Telemann schrieb, dass er seine musikalischen Ambitionen zunächst vor seinen Kommilitonen verheimlicht habe. Angeblich fand jedoch Telemanns musikbegeisterter Zimmerkamerad zufällig eine Komposition unter dessen Handgepäck, die er am folgenden Sonntag in der Thomaskirche aufführen ließ; diese Darstellung kann jedoch angezweifelt werden. Daraufhin wurde Telemann vom Bürgermeister beauftragt, zwei Kantaten pro Monat für die Kirche zu komponieren. Dank des großen Erfolges seiner musikalischen Tätigkeiten erlangte Telemann bald das Vertrauen der Musik spielenden Leipziger Studenten. Nur ein Jahr nach dem Eintritt in die Universität gründete er für sie ein 40-köpfiges Collegium musicum, das auch öffentliche Konzerte gab. Im Gegensatz zu ähnlichen studentischen Einrichtungen dieser Art blieb das Collegium auch nach Telemanns Weggang bestehen und wurde unter dessen Namen weitergeführt. Auch später noch hatte das „Telemannische“ Collegium großen Einfluss auf das Musikleben der Stadt. Im selben Jahr wurde Telemann zum Direktor der 1693 von Nicolaus Adam Strungk eröffneten Leipziger Oper ernannt, an deren Aufführungen auch viele Mitglieder des Collegium teilnahmen und deren Hauptkomponist er bis zur Schließung blieb. 1704 wurde er von der Neuen Kirche (heute: Matthäikirche), der damaligen Universitätskirche der Stadt, als Organist und Musikdirektor eingestellt. Telemann unternahm von Leipzig aus zweimal Reisen nach Berlin. Von Telemanns wachsendem Ansehen irritiert, warf der offizielle städtische Musikdirektor Johann Kuhnau ihm vor, mit seinen weltlichen Werken zu großen Einfluss auf die geistliche Musik genommen zu haben und verweigerte die Teilnahme seiner Choristen an den Opernaufführungen. Möglicherweise war die aus Sicht der Stadt relative Genügsamkeit Telemanns und die damit verbundene Schwächung von Kuhnaus Position ursächlich für die zwischen beiden Musikern entstandenen Spannungen, die schließlich Telemann zum frühzeitigen Verlassen der Stadt bewegt haben mögen. Trotz dieses Konfiktes lobte Telemann in seinen Autobiografien die kompositorischen Leistungen Kuhnaus.

Sorau und Eisenach

Im Juni 1705 wurde Telemann zum Kapellmeister am Hofe des Grafen Erdmann II. von Promnitz in Sorau (dem heutigen Żary) ernannt. Der Graf war ein großer Bewunderer der französischen Musik und sah in Telemann einen würdigen Nachfolger der von Lully und Campra geprägten Versailler Musikschule, von deren Kompositionen er bei einer Frankreich-Reise einige Abschriften mitbrachte und die Telemann studierte. Auf Reisen nach Krakau und Pleß lernte Telemann die polnische und mährische Folklore, wie sie wohl in Wirtshäusern und auf öffentlichen Veranstaltugen aufgeführt wurde, zu schätzen. Zweimal besuchte Telemann von Sorau aus Berlin; 1707 besuchte er Paris. Ende 1708 verließ Telemann das vom Einmarsch der schwedischen Armee bedrohte Sorau und ging nach Eisenach, wo er Konzertmeister und Kantor am Hof des Herzogs Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach wurde. Oft musizierte er gemeinsam mit Pantaleon Hebenstreit. Telemann traf auf Johann Sebastian Bach und wurde einige Jahre später Patenonkel dessen Sohnes Carl Philipp Emanuel. In Eisenach komponierte Telemann zahlreiche Vokal- und Instrumentalwerke, unter anderem vier oder fünf Jahrgänge an Kantaten. Telemann war als solistischer Tenorist bei der Aufführung seiner eigenen Kantaten beteiligt. Im Oktober 1709 heiratete er Amalie Luise Juliane Eberlin, eine Hofdame der Gräfin von Promnitz. Kurz zuvor noch wurde Telemann vom Herzog zum Sekretär ernannt – eine zur damaligen Zeit hohe Auszeichnung. Telemanns Frau verstarb bereits im Januar 1711 bei der Geburt der ersten Tochter am Kindbettfieber.

Frankfurt

Kindbettfieber Telemann, der nun auf der Suche nach neuen Herausforderungen war, bewarb sich erfolgreich in Frankfurt am Main, wo man ihn im Februar 1712 zum Kapellmeister der Barfüßer- und Katharinenkirche und kurz darauf zum städtischen Musikdirektor ernannte. Wie auch in Leipzig und Frankfurt begnügte sich Telemann nicht mit diesen Verpflichtungen. 1713 übernahm er die Leitung des Collegium musicum der Gesellschaft Frauenstein, die wöchentliche Konzerte organisierte, und wurde Vermögensverwalter und Wirtschafter der Vereinigung. Hier fanden auch die ersten Aufführungen seiner Oratorien statt. Telemann plante eine Aufführung seiner Brockes-Passion im Armenhaus, dem die Einnahmen aus dem Verkauf der Textbücher zugute kommen sollten, allerdings musste das Konzert wegen großen Andrangs in der Barfüßerkirche stattfinden. Während seiner Zeit in Frankfurt komponierte Telemann neben fünf Jahrgängen von Kantaten weitere Oratorien sowie Orchester- und Kammermusik, von der ein Großteil veröffentlicht wurde. Allerdings fand er keine Gelegenheit, Opern zu veröffentlichen, auch wenn er weiterhin Werke für die Leipziger Oper schrieb. 1714 heiratete Telemann Maria Katharina Textor, die Tochter eines Ratskornschreibers. Auf einem Besuch in Leipzig wurde Telemann mit der Ernennung zum städtischen Kapellmeister geehrt. Ein Jahr später bot der Herzog von Sachsen-Gotha ihm die Stelle als Kapellmeister an. Der Eisenacher Hof ernannte ihn zum Kapellmeister „von Haus aus“, sodass Telemann seinen Titel behielt, aber seine Musik nur noch an den Hof lieferte. Herzog Ernst August von Weimar bot Telemann seinerseits an, ihn zum Musikdirektor aller thüringischen Höfe zu ernennen. Ein an den Frankfurter Rat gerichteter Brief, in dem Telemann in höflichen Worten ein Ultimatum bezüglich seines Gehaltes stellte, beweist sein diplomatisches Geschick. Er blieb in Frankfurt und setzte eine Gehaltserhöhung von 100 Gulden durch. Zusammen mit seinen Einkünften aus der Gesellschaft Frauenstein und Honoraren für Gelegenheitskompositionen bezifferten sich Telemanns Jahreseinkünfte auf 1.600 Gulden, womit er zu den Bestbezahlten in Frankfurt gehörte. Ab 1715 gab Telemann seine ersten gedruckten Werke im Selbstverlag heraus. Während eines Besuchs in Dresden traf er wieder auf Händel und widmete dem Geigenvirtuosen Pisendel eine Sammlung von Violinkonzerten. Später übernahm er auch die Stelle des Kapellmeisters des Prinzen von Bayreuth. Trotz seiner zahlreichen Reisen schrieb Telemann auch weiterhin mehrere Jahrgänge an Kantaten für Frankfurt, nachdem er die Stadt verlassen hatte.

Anfangszeit in Hamburg

1721 nahm Telemann das Angebot an, als Nachfolger von Joachim Gerstenbüttel die Kantorenstelle des Hamburger Johanneums zu übernehmen. Vermutlich schlugen Barthold Heinrich Brockes, der Telemanns Musik bewunderte, und Erdmann Neumeister, dessen Kantatentexte er oft vertonte, seinen Namen vor. Damit wurde Telemann neben seiner Stelle als musikalischer Leiter der Stadt auch Direktor der fünf größten Stadtkirchen – mit Ausnahme des Domes, der musikalisch von Johann Mattheson geleitet wurde. Sein feierlicher Amtsantritt fand am 16. Oktober statt. Hier, mit der Möglichkeit, Werke aller