Home About us Products Services Contact us Bookmark
:: wikimiki.org ::
Yayoi

Yayoi

Yayoi (jap. 弥生時代 yayoi jidai) bezeichnet eine japanische Kulturepoche, die ihren Ursprung ungefähr 300 v. Chr. hat und bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. hineinreicht. Ihren Namen verdankt sie der ersten Fundstelle einer neuen Keramikart, die in einem Vorort von Tokio gefunden wurde. Diese neue Keramik unterscheidet sich in Form und Gestaltung sehr von der der Jōmon-Zeit. Sie ist nun wesentlich schlichter und härter, da sie bei höheren Temperaturen gebrannt wird. Offenbar gab es um 300 v. Chr. einen erneuten Einwanderungsstrom von Korea aus, der die Menschen der Jōmon-Kultur verdrängte. Zunächst breitete sich der Zustrom von Nord-Kyūshū und Nara gen Osten aus, während sich in den westlichen und nördlichen Teilen von Kantō, im Norden von Tōhoku und auf Hokkaidō weiterhin die Jōmon-Kultur behaupten konnte.

Landwirtschaft

Mit dem Eindringen kontinentaler Volksgruppen gelangten auch neue kulturelle Einflüsse auf die japanischen Inseln. Neben den Keramiken wurde nun erstmals Nassreis angebaut, und damit eine erweiterte Form der Landwirtschaft und des Ackerbaus betrieben. Der Anbau von Reis wurde schnell zu einer tragenden wirtschaftlichen Komponente, da er fortan als Grundnahrungsmittel diente. Zudem wurde ein ausgefeiltes Bewässerungssystem erschaffen. Auch die Pferde- und Rinderhaltung wurden zu dieser Zeit eingeführt und genutzt. Bedingt durch die gesicherte Nahrungsmittelproduktion und die gute Wasserversorgung stieg die Bevölkerungszahl rasch an und es kam zu einer Vergrößerung der einzelnen Siedlungen. Die Holzhäuser waren durch einen Wassergraben geschützt und hatten eine zentrale Feuerstelle, an der für das gesamte Dorf gekocht wurde. Hierbei wurden spezielle Keramiken als Töpfe benutzt, Krüge für Wasser verwendet und man aß aus Bambustellern. Neben dem Reis war die Einführung von Metallwaren von entscheidender Bedeutung. Zwar wurden Bronze und Eisen noch teuer aus Korea importiert, für die Produktion von Waffen, Schmuck und Gebrauchsgegenständen war es jedoch unverzichtbar geworden. Dies ist auch die Zeit, in der Japan erstmals von chinesischen Quellen erwähnt wird. In diesen werden die japanischen Inseln umfassend als das Land Wa (倭) bzw. Wo bezeichnet. Die Quellen berichten von den Sitten der dort lebenden Menschen, wie sie sich mit rosa und roten Farben schminken und ihre Toten betrauern und verehren. Vor schweren Aufgaben werden aufgekochte Knochen zur Weissagung herangezogen, und es werden lange Rituale zur Verehrung der Gottheiten durchgeführt. Jede Stadt hat einen eigenen Marktplatz, auf dem sich auch Weise aufhalten, die der chinesischen Schrift mächtig sind. Jede Provinz hat Beamte, die für die Ordnung an Märkten und Getreidespeichern sorgen.

Gesellschaft

Auch in der Gesellschaft vollzog sich ein Wandel. Anhand der chinesischen Dokumente lässt sich eine hierarchische Gesellschaftsstruktur nachweisen: ; Uji (氏): Am machtvollsten waren die Ujis, was frei übersetzt Klan oder Sippe bedeutet. Sie bestanden aus großen Familienverbänden und bildeten die Oberschicht in einer Region. Der uji no kami war der Sippenälteste und wurde als Abkömmling der Uji-Gottheit verehrt. Somit besaß er eine patriarchale Stellung und war oberster Priester bei Zeremonien. Die Ujis trugen zudem Familiennamen. ; Be: Die Be bildeten die Arbeiterklasse, die sich auch in Gemeinschaften zusammenschlossen. Sie waren zwar prinzipiell frei, standen jedoch im Dienste der Ujis. ; Yatsuko: Die Yatsuko war die Sklavenklasse. Sie gehörten den Ujis und machten ca. 5 % der damaligen Gesamtbevölkerung Japans aus. Mit der Zeit verschmolzen immer mehr Familien zu großen Klans zusammen. Insbesondere die Yamato-Familie übte große Macht aus. Ausgehend von der Stadt Yamatai schuf sie eine nationale Einheit und führte die ersten Kriege mit anderen Ländern. Oft wird von einer legendären Herrscherin namens Pimiko (auch Himiko oder Himeko gelesen) berichtet, die auch nach Korea übersetzte und dort große Gebiete erobertete. Einige Experten vermuten, dass Himiko die Kaiserin Jingu (um 200 n. Chr.) aus dem Hause der Yamato war. So wird es zumindest im Nihonshoki beschrieben. Beweisen läßt sich dies jedoch nicht. In den japanischen Annalen wird die Einheit Japans durch den ersten Kaiser Jimmu im Jahre 666 v. Chr. geschaffen, nachdem er das Land Yamato erobert haben soll. Dieses Datum wird jedoch angezweifelt und die tatsächliche Einheit eher auf die Wende zwischen der Yayoi-Zeit und der Kofun-Zeit gesehen. Das Heiligtum im Ise-Schrein wird alle zwanzig Jahre identisch auf einem daneben liegenden zweiten Platz neu errichtet, das alte Gebäude wird angezündet. Archäologische Ausgrabungen von Yayoi-Dörfern haben bewiesen, dass der Baustil dieses Holzschreins tatsächlich dem der Yayoi-Zeit entspricht. Kategorie:Japanische Geschichte Kategorie:Archäologische Kultur ja:弥生時代

Japanisches Schriftsystem

:Dieser Artikel enthält japanische Schriftzeichen. Möglicherweise muss eine spezielle [http://www.travelphrases.info/gallery/Fonts_Japanese.html Schriftart] installiert werden. ---- Das Schriftsystem der modernen japanischen Sprache besteht aus den Kanji, die der chinesischen Schrift entstammen und als Logogramme meist den Wortstamm bilden, den Silbenschriften Hiragana (oft für grammatikalische Formen) und Katakana (hauptsächlich für Fremdwörter) und dem lateinischen Alphabet, das in Japan als Rōmaji bezeichnet wird. Diese Schriftarten haben unterschiedliche spezifische Funktionen und werden in Alltagstexten parallel verwendet.

Schreibweise und -richtung

Im Japanischen werden die Wörter gewöhnlich ohne Leerzeichen aneinandergereiht und am Zeilen- oder Spaltenende an beliebigen Stellen ohne Bindestrich getrennt (nur nicht direkt vor einem Satzzeichen). Die Zeichen werden in gedachte Quadrate geschrieben: Anders als z.B. in der lateinischen Schrift, wo ein „i“ viel schmaler ist als ein „m“, erhält in der japanischen Schrift jedes Zeichen (einschließlich Satzzeichen) gleich viel Platz, rund um schmalere oder kleinere Zeichen bleibt also etwas mehr Leerraum. Im traditionellen Japanisch wird, wie auch im klassischen Chinesisch, von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links aneinandergereiht werden. Diese Schreibrichtung findet heutzutage bei literarischen Texten und Manga Anwendung. Hieraus ergibt sich auch, dass japanische Bücher und andere mehrseitige Druckwerke auf der (nach westlichem Verständnis) „falschen“ Seite aufgeschlagen werden: sieht man auf die Titelseite, so liegt der Buchrücken rechts. Bei Sachtexten und Texten, die viele Rōmaji enthalten, wird meist nach westlichem Vorbild in horizontalen Zeilen von links nach rechts geschrieben. Dies gilt auch für (waagerechte) Hinweisschilder. In Zeitungen kommen abhängig vom jeweiligen Artikel beide Schreibrichtungen vor.

Schriftarten

Kanji

Zeitung Zeitung Kanji (漢字) bedeutet Han-Zeichen, wobei Han als Synonym für China bzw. Chinesen steht. Die Kanji haben (im Gegensatz zu den Kana) eine eigenständige Bedeutung und werden auch als Logogramme bezeichnet, die wiederum in drei Gruppen aufgeteilt werden können: Piktogramme, Ideogramme und Phonogramme. Viele Kanji sind dabei aus mehreren (oft zwei) verkleinerten Zeichen zusammengesetzt. Diejenigen Ideogramme unter diesen Bestandteilen, die oft für die Kernbedeutung der jeweiligen Kanji stehen und nach denen sie in Kanji-Lexika geordnet werden, nennt man Radikale bzw. Bushu; das andere Element in zweiteiligen Zeichen bezeichnet oft die originale chinesische Aussprache. Die Lesung (Aussprache-Art) wurde dabei dem japanischen Lautsystem angepasst. In der Folge wurden auch eine relativ kleine Zahl eigener japanischer Kanji entwickelt, die sogenannten Landeszeichen oder Kokuji (国字), wie z. B. 働 (dō, dt. Arbeit), 辻 (tsuji, dt. Straße) und 峠 (tōge, dt. Bergpass). Viele Kanji haben zwei oder noch mehr unterschiedliche Lesungen, die man in zwei Gruppen zusammenfassen kann:
- Die ON-yomi (音読み, wörtlich: Klang-Lesung) nennt man auch sino-japanische Lesung. Sie wurde aus dem Chinesischen abgeleitet (es handelt sich um eine ans Japanische angepasste Variante der originalen chinesischen Aussprache des Zeichens) und wird daher auch oft chinesische Lesung genannt. Die ON-yomi wird meistens (aber nicht immer) verwendet, wenn ein Zeichen zusammen mit anderen Kanji steht, um ein zusammengesetztes Wort zu ergeben. ON-yomi werden in Aussprachelisten (etwa in Lexika) meist mit Katakana oder mit lateinischen Großbuchstaben angegeben.
- Die kun-yomi (訓読み, wörtlich: Begriff-Lesung) heißt auch reinjapanische Lesung. Bei einer solchen Lesung handelt es sich i.d.R. um ein altjapanisches Wort (das also nicht aus dem Chinesischen stammt), für das das Schriftzeichen nur von seiner Bedeutung her übernommen wurde, aber nicht vom Klang her. Diese Lesung wird meistens (aber nicht immer) benutzt, wenn ein Kanji alleine steht und selbst ein ganzes Wort bildet. kun-yomi werden in Aussprachelisten meist mit Hiragana oder mit lateinischen Kleinbuchstaben wiedergegeben. Fast alle Kanji, mit Ausnahme einiger weniger Kokuji, haben eine oder mehrere On-Lesungen, aber nicht alle haben Kun-Lesungen. Die oft mehreren verschiedenen On-Lesungen eines einzigen Zeichens entstanden dadurch, dass viele Zeichen mehrmals zu verschiedenen Zeiten aus verschiedenen Landesteilen Chinas übernommen wurden, und damit auch die verschiedenen Aussprachen des Zeichens in den unterschiedlichen chinesischen Sprachen. Welche der Lesungen jeweils zu verwenden ist, richtet sich nach der Kanji-Kombination, in der das Zeichen jeweils auftaucht. Es heißt in japanischen Legenden, dass ein in Paekche (Baekje) wirkender chinesischer Gelehrter namens Wani (王仁, koreanisch Wang-In, chin. Wang-Ren) die chinesischen Schriftzeichen im späten 4. Jahrhundert nach Japan brachte, als er an den Hof des Yamato-Reiches eingeladen wurde, um den Konfuzianismus zu lehren, und dabei die chinesischen Bücher die Analekte des Konfuzius und den Tausend-Zeichen-Klassiker nach Japan brachte. Wani wird im Kojiki und im Nihon Shoki erwähnt. Ob Wani wirklich lebte oder nur eine fiktive Person ist, ist unklar, denn die heute bekannte Version vom Tausend-Zeichen-Klassiker ist zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Liang Wu Di (502-549) entstanden.
Es wird von einigen Wissenschaftlern für möglich gehalten, dass bereits im 3. Jahrhundert chinesische Werke ihren Weg nach Japan fanden. Als gesichert gilt, dass spätestens ab dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kanji in mehreren Wellen aus verschiedenen Teilen Chinas importiert wurden.
Heute nennt man die klassische Schreibweise der chinesischen Texte für Japan Kanbun. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anzahl der „für den Alltag gebräuchliche Schriftzeichen“ vom Bildungsministerium auf zuerst 1.850 und im Jahr 1981 auf 1.945 (Tōyō- bzw. Jōyō-Kanji) festgelegt, die auch in der Schule gelehrt werden. Amtliche Texte und viele Zeitungen beschränken sich auf diese Zeichen und geben alle anderen Begriffe in Kana wieder. Daneben gibt es weitere ca. 580 sogenannte Jinmeiyō Kanji, die nur für die Verwendung in japanischen Eigennamen offiziell sind. Grundsätzlich entsprechen die Kanji den traditionellen chinesischen Langzeichen. Einige Zeichen wurden mit der Tōyō-Reform aber in einer ähnlichen Weise vereinfacht wie die Kurzzeichen bei der chinesischen Schriftreform von 1955. Gebildete Japaner beherrschen nicht selten (zumindest passiv) über 5.000 Kanji, was vor allem zum Lesen von literarischen Texten notwendig ist. Insgesamt gibt es mehr als 50.000, in der Mehrzahl aber ungebräuchliche Kanji. In manchen Berufsfeldern, etwa Jura, Medizin oder buddhistischer Theologie, wird die Beherrschung von bis zu 1.000 weiteren Kanji, die in diesem Bereich eine Rolle spielen, vorausgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch um Fachbegriffe. Japanische Texte für Erwachsene lassen sich bei Bedarf mit hoher Geschwindigkeit „querlesen“. Da der wesentliche Inhalt mit Kanji geschrieben wird und auch komplexe Begriffe mit nur wenigen Kanji dargestellt werden können, kann man durch Springen von Kanji zu Kanji unter Nichtbeachtung der anderen Zeichensysteme den Sinn eines Textes rasch erfassen. Andererseits kann man am Gesamtanteil und dem Schwierigkeitsgrad der Kanji eines Textes erkennen, für welche Alters- bzw. Bildungsgruppe er vorzugsweise geschrieben wurde. Durch den starken chinesischen Einfluss auf Korea waren Kanji (kor. Hanja) traditionell auch in Korea gebräuchlich, seit der Kabo-Reform Ende des 19. Jh. sind diese aber weitgehend durch die Hangul-Zeichen ersetzt. Insgesamt geht die Anzahl der verwendeten Kanji immer mehr zurück, was möglicherweise auch daran liegt, dass aufgrund der heute vorhandenen elektronischen Schreibhilfen japanischer Textverarbeitungssysteme die jüngeren Japaner sie zwar noch lesen, aber besonders die selteneren Kanji immer öfter nicht mehr handschriftlich schreiben können, so dass in zahlreichen Printmedien inzwischen über komplizierten Kanji die dazugehörigen Kana (Furigana) abgedruckt werden.

Kana

Höfische Dichter des 7. bis 8. Jahrhunderts begannen, die chinesischen Zeichen unabhängig von ihrer Bedeutung nur mehr als Lautzeichen zu verwenden, um bestimmte ästhetische Effekte für ihre Poesie zu erzielen. Langsam kristallisierten sich dadurch jeweils ein oder wenige „Standardzeichen“ für jede mögliche japanische Silbe heraus. Diese Schreibart (Man'yōgana) war jedoch sehr aufwändig – für die oft vielsilbigen japanischen Wörter benötigte man jeweils mehrere komplizierte chinesische Zeichen. Dies führte zur Bildung der so genannten Kana aus den Kanji. Sie sind Silbenalphabete, bei denen die einzelnen stark vereinfachten Zeichen keine eigenständige Bedeutung haben und nur Laute wiedergeben. Je nach Entstehungsgeschichte und Schreibstil unterscheidet man bei den Kana zwischen Hiragana und Katakana. Siehe auch: Ableitungstafel der Kana-Zeichen

Hiragana

Ableitungstafel der Kana-Zeichen Hiragana (ひらがな oder auch 平仮名) wurden im 9. Jahrhundert entwickelt und zuerst vor allem von adeligen Frauen verwendet, da für Frauen sowohl das Studium der chinesischen Sprache als auch das Erlernen der Kanji als unangemessen galt. Bei Hiragana handelt es sich um abgeschliffene Kursivformen der oben beschriebenen Man'yōgana, daher wirken sie relativ einfach geformt und abgerundet. Im Laufe der Jahre setzte sich jeweils ein einziges Zeichen für jede mögliche japanische Silbe durch. Dieses wurde in ein Alphabet eingeordnet, das man nach dem Vorbild der Siddham-Schrift des damaligen Sanskrit systematisch aufbaute, der einzigen alphabetischen Schrift, die durch den Buddhismus in Japan einigen Gelehrten bekannt war. Dieses Alphabet, die Fünfzig-Laute-Tafel, dient auch heute noch in Japan zur alphabetischen Anordnung, etwa in Wörterbüchern; in Kanji oder Katakana geschriebene Wörter werden dabei entsprechend ihrer Hiragana-Umschrift eingeordnet. Japanische Kinder lesen und schreiben alles zuerst in Hiragana, bevor sie zum Lernen der Kanji übergehen (Beispiel: ひらがな bedeutet Hiragana in Hiragana geschrieben und 平仮名 bedeutet Hiragana in Kanji geschrieben). Bei Texten für Erwachsene werden Hiragana vor allem für Prä- und Suffixe, für grammatikalische Partikel (Okurigana) und für solche japanischen Wörter verwendet, für die es kein Kanji gibt oder für die das Kanji so selten ist, dass man es mit Rücksicht auf die Leser nicht benutzen möchte. Auch in Privatbriefen werden viele Hiragana verwendet, da es gegenüber dem Empfänger als unhöflich gilt, diesen durch die eigene Bildung beeindrucken zu wollen. Bei Verwendung von wenig bekannten oder noch nicht gelernten Kanji (z. B. in Schulbüchern) wird die korrekte Aussprache in Form von kleinen Hiragana über (bei senkrechter Schreibweise rechts neben) das entsprechende Zeichen geschrieben. Solche Hiragana werden als Furigana (ふりがな) bezeichnet.

Katakana

Furigana Katakana (カタカナ oder auch 片仮名) wurden von buddhistischen Mönchen, besonders der Shingon-Sekte, entwickelt und dienten zunächst als Lesehilfe für chinesische religiöse Texte sowie als eine Art Stenografie. Sie sind zumeist aus Einzelelementen komplizierter Kanji entstanden und fallen als besonders einfach geformt und eckig auf. Aufgrund ihres futuristischen Aussehens werden sie außerhalb Japans manchmal für Design-Effekte oder sogar für Sciencefiction-Filme verwendet (z. B. bestehen die grünen Zeichenkaskaden, die in den drei US-Filmen der Matrix-Trilogie über den Bildschirm laufen, neben Ziffern auch aus spiegelverkehrten Katakana). Heute werden Katakana meistens für Lehnwörter aus anderen Sprachen verwendet, für die es keine chinesischen Schriftzeichen gibt (hauptsächlich aus dem Englischen, Deutschen und Portugiesischen, aber auch aus allen anderen Sprachen außer Chinesisch und Koreanisch). Dabei wird das fremdsprachige Wort anhand der Aussprache umgesetzt, nicht anhand der originalgetreueren Schriftübertragung. Ein Beispiel: Internet wird in Katakana インターネット, also i-n-ta-(Verlängerungszeichen)-ne-(Verschärfungszeichen)-to geschrieben und somit intaanetto ausgesprochen. Daneben dienen Katakana der Hervorhebung, ähnlich den Kursiven im Deutschen. Verweis: Gairaigo

Rōmaji

Gairaigo Bei den Rōmaji (ローマ字, römische/lateinische Zeichen) handelt es sich um das lateinische Alphabet. Die lateinischen Schriftzeichen kamen hauptsächlich durch portugiesische Jesuiten-Missionare nach Japan, die bereits kurz nach der Landung der ersten Europäer im Jahr 1544 nach Japan reisten um das „Wort Gottes“ zu verbreiten. 1590 wurde die erste Druckpresse von Portugal nach Japan gebracht. Diese und weitere eingeführte Pressen brachten 20 Jahre die kirishitanban (Christen-Drucke) hervor, die in Latein, Portugiesisch oder romanisiertem Japanisch verfasst waren. Danach verschwanden die Rōmaji aufgrund des politischen Klimas fast vollständig aus Japan und gewannen erst wieder nach der Öffnung des Landes an Bedeutung. Der US-amerikanische Arzt und Missionar Dr. James Curtis Hepburn verfasste 1867 das erste Japanisch-Englische Wörterbuch, das wa eigo rin shūsei (和英語林集成), und entwickelte dafür ein lateinisches Transkriptionssystem, das nach ihm benannte Hepburn-System. Rōmaji werden heute zu Marketing-Zwecken benutzt, weil in Rōmaji geschriebenes Japanisch besonders modern und international wirken soll, und zur Umschrift von japanischen Schildern verwendet, damit sich Ausländer besser zurechtfinden. Da alle Schüler in Japan Englisch lernen, lernen auch alle Rōmaji. Es gibt drei anerkannte Transkriptionssysteme von japanischen Schriftsätzen nach Rōmaji: Neben dem Hepburn-System gibt es noch das Nippon-System sowie das Kunrei-System. Das Nippon-System ist eine modifizierte Form des Hepburn-Systems und nach ISO 3602 Strict standardisiert. Das Kunrei-System ist wiederum eine modifizierte Form des Nippon-Systems und nach ISO 3602 standardisiert. Daneben gibt es noch einige andere Transkriptionssysteme, die geringere Bedeutung haben, wie z.B. JSL. Da die sich i.d.R. von einem der anerkannten Systeme ableiten, können diese ohne große Probleme von Kundigen eines anderen Systems gelesen werden. Rōmaji sind für Japaner mittlerweile zur Standardmethode für Computer-Eingaben geworden, da in Japan fast alle Computer englische Tastaturen haben. Um auf einem japanischen Computer japanisch zu schreiben, buchstabiert man die einzelnen Silben gewöhnlich in Rōmaji, die auf dem Bildschirm zunächst als Kana erscheinen. Sobald genügend Silben eingegeben sind, bietet der Computer eine Liste mit möglichen Kanji bzw. Kanji-Kombinationen an, aus der man den richtigen Begriff auswählen kann. Nach der Bestätigung werden die Silben durch den ausgewählten Begriff ersetzt.

Fünfzig-Laute-Tafel

Die alphabetische Reihenfolge der Silben, wie sie etwa in japanischen Telefonbüchern oder Lexika benutzt wird, folgt den Zeilen einer Tabelle, die auf japanisch 五十音 gojūon (Fünfzig-Laute-Tafel) genannt wird. Es gibt sowohl bei Hiragana als auch bei Katakana nicht genau 50, sondern je 46 Grund-Kana (gerade Laute). Bis 1945 waren es je 48; zwei wurden abgeschafft (ゐ und ゑ bzw. ヰ und ヱ), da das w davor nicht mehr artikuliert wird und sie deshalb genau wie die Vokale i und e (い und え bzw. イ und エ) klingen. Die seit 1945 nicht mehr üblichen Zeichen sind in der folgenden Tabelle in runde Klammern gesetzt. Die eingeklammerten (w) zeigen an, dass dort früher ein (englisches) w gesprochen wurde, im heutigen Japanisch aber nicht mehr.

Diakritika

Etwa seit 1945 werden zwei Akzentzeichen und kleinere angehängte Vokalbuchstaben systematisch verwendet, vorher nur in Zweifelsfällen und nach Laune des Schreibers. Bei alphabetischer Anordnung werden sie den entsprechenden unakzentuierten Zeichen beigeordnet.

Stimmhaftigkeit / Trübung

Einige Kana können durch Hinzufügen zweier kleiner Striche (゛, ten ten, dakuten oder nigori) oder eines kleinen Kreises (゜, handakuten oder maru) in der Aussprache verändert werden, um weitere Silben zu erhalten. Nigori macht den Laut stimmhaft oder „getrübt“, Maru halbstimmhaft. So wird aus einem k ein g (z.B. in „Hiragana“), aus s z (englische Aussprache), aus t d und aus h/f erst p und schließlich b. (Beispiel: ふ = フ = hu/fu, ぷ = プ = pu, ぶ = ブ = bu.)

Ligatur / Brechung

Bei den sogenannten gebrochenen Lauten (yō·on) folgt auf eine auf i auslautende Silbe (i·kō, zweite Spalte) eine (verkleinerte) mit y beginnende (ya·dan, achte Zeile). Zusammen bilden sie eine gemeinsame Silbe, so dass entweder nur ein einziger j-Laut gesprochen wird oder dieser ganz entfällt: aus pi und kleinem yu (ぴゅ / ピュ) wird pyu, ein s(h)i gefolgt von kleinem yo (しょ / ショ) würde ein Deutscher „scho“ schreiben. Katakana bietet darüberhinaus weitere Möglichkeiten für Fremdwörter, im Japanischen nicht vorkommende Silben abzubilden, indem auch Silben auf andere Vokale mit kleinen Versionen der Vokale (ァ, ィ, ゥ, ェ, ォ) kombiniert werden. Die 1945 weggefallenen ヰ (wi) und ヱ (we) können so bspw. durch ウ (u) plus Vokal ersetzt werden (ウィ und ウェ), wenn die Laute in einer anderen Sprache vorkommen; außerdem hat ウォ im Gegensatz zu ヲ das double-u. Mit Nigori wird aus dem Vokal endgültig eine Konsonantensilbe: ヴ = vu (dt. wu), die wiederum mit den anderen Vokalen kombiniert werden kann, z.B. ヴィ = vi. Aus su und zu (ス, ズ) plus i wird si und zi. Sche/she/še, –/je/že und tsche/che/če werden aus den Silben auf i (シ = s(h)i, ジ = z(h)i/ji, チ = ti/chi) mit kleinem e (ェ) gebildet. Bei t und d werden einerseits die Silben auf e (テ, デ) mit kleinem i zu ti bzw. di verbunden, andererseits die auf o (ト, ド) mit kleinem u (ゥ) zu tu und du. Die Silben ツ (tsu, dt. zu) und フ (fu/hu) können schließlich mit a, i, e und o kombiniert werden, so dass das u wegfällt. Letztere kann außerdem auch vom kleinen yu gefolgt werden: フュ (fyu).

Iroha-jun

Neben der Fünfzig-Laute-Tafel wird zur Festlegung einer Reihenfolge gelegentlich noch die iroha-jun (いろは順) verwendet. Sie ist ein aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts stammendes „Alphabet“ in Form eines Liedes, in dem jede mögliche Silbe genau einmal vorkommt (伊呂波歌 iroha-uta): Die angegebenen Katakana geben dabei die damalige Originalaussprache wieder, im heutigen Japanisch klingen einige der Wörter etwas anders. Das Zeichen n fehlt, da es erst vor relativ kurzer Zeit als eigenständiges Zeichen eingeführt wurde; früher schrieb man für ein gesprochenes n als Behelf mu, was auch in diesem Gedicht der Fall ist. Dafür finden sich aber die beiden nach 1945 abgeschafften Zeichen. Das Lied ist eine freie, poetisierte japanische Übertragung der folgenden chinesischen Passage des mahayana-buddhistischen Textes Daihatsunehangyō (大般涅槃経; Sutra des Nirvana): 諸行無常 / 是正滅法 / 生滅滅己 / 寂滅為楽 (Chinesisch mit japanischer Aussprache, wie die heiligen Texte im japanischen Buddhismus gewöhnlich gelesen werden: Shogyōmujō / Zeshōmeppō / Shōmetsumetsuï / Jakumetsuïraku)

Reformgedanken

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das japanische Schriftsystem zu dem wohl kompliziertesten Schriftsystem der Welt entwickelt. Vielen Kanji können mehr als fünf verschiedene Lesungen entsprechen, wobei auch zehn verschiedene keine Seltenheit sind. Umgekehrt kann ein gesprochenes Wort, ohne dass es hierfür allgemeine Regeln gäbe, sowohl mit verschiedenen Kanji als auch mit verschiedenen Okurigana-Varianten (Kana für die „Endungen“ eines Wortes) geschrieben werden. Schließlich gibt es noch Wörter, die rebusartig aus verschiedenen Kanji zusammengesetzt werden können: Zum Beispiel wurde das aus dem Portugiesischen übernommene Wort tabako (Zigarette, Tabak) mit den Kanji für Rauch und Gras wiedergegeben, aber nicht so ausgesprochen, wie diese Kanji normalerweise gelesen werden. Diese Entwicklung erreichte in der Meiji-Zeit ihren Höhepunkt, wobei es damals verbreiteter war als heutzutage, den Kanji Furigana (kleine Kana neben oder über den Kanji zur Ausspracheanleitung) beizufügen. Seit der Meiji-Ära hat es in Japan daher mehrmals Überlegungen gegeben, die japanische Schrift radikal zu reformieren. Die Vorschläge reichen von einer Beschränkung auf die Silbenschriften (wie z. B. im Koreanischen) mit weitgehendem Verzicht auf Kanji bis zu einer vollständigen Umstellung auf die lateinische Schrift (ähnlich wie es z. B. im Türkischen geschehen ist). Dies scheiterte bisher jedoch an zahlreichen Faktoren:
- Anders als die Türkei, wo Analphabetismus bis zum Ende des Osmanischen Reiches der Normalfall war und die Lateinschrift für die meisten Türken ihre erste erlernte Schrift war, hat Japan seit mehreren Jahrhunderten eine weitreichende Alphabetisierung (es war im 19. Jahrhundert sogar eine Zeitlang das am stärksten alphabetisierte Land der Welt).
- Die japanische Sprache hat ungewöhnlich viele Homonyme, die sich in Lateinschrift oder in Kana nicht mehr unterscheiden lassen würden. Die japanische Sprache ist mit nur etwa 105 Silben relativ „arm“ an Lauten. Das kommt vor allem daher, dass Japanisch anders als Chinesisch keine Tonsprache ist und keine Triphthonge und viel weniger Diphthonge hat als das Chinesische. Aus dem Chinesischen übernommene Wörter, die sich im Original durch Di- oder Triphthonge oder durch die Tonhöhe unterscheiden lassen, klingen im Japanischen oft völlig gleich, werden aber im Schriftbild durch verschiedene Kanji auseinandergehalten. Oftmals ist deswegen im Japanischen der Kontext eines Wortes wichtig um dessen Bedeutung zu bestimmen. (In Gesprächen kommt es deshalb nicht selten vor, dass bei einem fraglichen Wort das richtige Kanji dazu mit dem Finger auf die Handfläche „gemalt“ wird, damit es nicht zu Missverständnissen kommt.)
- Die großen Bibliotheken und die Jahrtausende alte umfangreiche Schriftkultur wären nur noch wenigen Gelehrten zugänglich.
- Beim Schreiben nur mit Kana würde ein Text länger werden und die Möglichkeit zum schnellen Querlesen verschwinden.
- Die vorhandenen Kanji-Kenntnisse ermöglichen den Japanern das leichte Erlernen der in Ostasien immer wichtiger werdenden chinesischen Sprache.
- Auch manche Eigenheiten der japanischen Kultur gingen dann verloren. So gibt es etwa für viele Vornamen mehrere verschiedene Schreibweisen, aus denen die Eltern nach ästhetischen Überlegungen eine auswählen: Beispielsweise kann der japanische Vorname Akira in Hiragana als あきら, in Katakana als アキラ und in Kanji u. a. als 明, 光, 旭, 玲, 日明, 彰, 晶, 彬, 明朗, 晄, 徴 oder 亜喜良 geschrieben werden. Im Jahr 1945 wurden im Zuge einer Schriftreform die Anzahl der „Alltags-Kanji“ auf ca. 2.000 reduziert, die Zahl der Lesungen eines Kanji deutlich verringert und neue Regeln für die Verwendung von Hiragana, Katakana, Okurigana und Furigana aufgestellt. Dennoch bleibt das Lesen der japanischen Schrift komplizierter als das Lesen einer alphabetischen Schrift.

Das Lehren der Schriftarten an japanischen Schulen

Siehe Schule in Japan

Literatur


- Harald Suppanschitsch und Jürgen Stalph: Japanische Sprache und Schrift. IUDICIUM, München 2001, ISBN 3-89129-399-2
- Christopher Seeley: A History of Writing in Japan.
  - Brill Academic Publishers, Leiden 1991, ISBN 90-04-09081-9 (Gebundene Ausgabe)
  - University of Hawaii Press, Honolulu 2000, ISBN 0-8248-2217-X (Taschenbuch)
- Wolfgang Hadamitzky und Mark Spahn: Langenscheidts Großwörterbuch Japanisch - Deutsch (Zeichenwörterbuch). Langenscheidt, München 1997, ISBN 3-468-02190-9
- Volker Grassmuck: Die japanische Schrift und ihre Digitalisierung. In: Winfried Nöth und Karin Wenz (Hrsg.), Intervalle 2: Medientheorie und digitale Medien. Kassel University Press, Kassel 1999, ISBN 3-933146-05-4 – [http://waste.informatik.hu-berlin.de/Grassmuck/Texts/jp-schrift.html (Kapitel auch online)]

Weblinks


- [http://www.japanische-sprache.de/schrift.html Weitere Informationen zur japanischen Schrift und Sprache]
- http://www.nihongo4u.de
- [http://www.csse.monash.edu.au/~jwb/wwwjdic.html Japanese-English Dictionary Server]

Computerprogramme


- [http://www.physics.ucla.edu/~grosenth/jwpce.html JWPce (Freeware, GPL). Spezielle Textverarbeitung für Japanisch, inkl. Wörterbuch]
- [http://members.aol.com/JapAlpha/private/japa10.htm JapAlpha (Freeware) zum Erlernen der phonetischen Buchstaben]
- [http://www.theiling.de/schrift/#kanatop Hiragana und Katakana online lernen]
- [http://moji.mozdev.org/ Moji] ist eine Erweiterung für Mozilla Firefox mit der man Worte und Kanji nachschauen kann. Wörterbücher sind für Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch und Chinesisch-Englisch verfügbar. (Freeware, GPL)
- [http://www.kanji.de KanjiQuick Wörterbuch Kanji-Deutsch, Deutsch-Kanji mit Übersetzungs- und TTS- (Text To Speech) Modul]
- [http://web.uvic.ca/kanji-gold/ Kanji Gold (Freeware) zum Erlernen der Kanji]
- [http://www.physics.ucla.edu/~grosenth/jfc.html JFC (Freeware, GPL) zum Erlernen der Kanji] ([http://jfcmac.sourceforge.net/ Auch für Mac OS X])
- [http://www.steffen.jp/cambrium.htm Multiple-Choice-Kanji-Lernprogramm (online)]
- Mozilla Firefox [http://en.wikibooks.org/wiki/Japanese:Software Längere Liste an weiteren Computerprogrammen auf der englischen Wikibooks-Seite] Kategorie:Kultur (Japan) ja:日本語の表記体系

300 v. Chr.

----

Ereignisse


- um 300 v. Chr. bricht das Reich von Kusch (Nubien) zusammen
- Zenon von Kition begründet die Stoa, eine Richtung der griechischen Philosophie
- Durch die Lex Ogulnia erhalten die Plebejer Zugang zum Priesteramt

Geboren


-

Gestorben


- 9-0300

3. Jahrhundert

Das 3. Jahrhundert begann am 1. Januar 201 und endete am 31. Dezember 300.
Es ist die Epoche der Spätantike.

Zeitalter/Epoche


- Das römische Reich wird in den Jahren 235-285 von den so genannten "Soldatenkaisern" regiert. Diese wurden fast durchweg von den Legionen zum Kaiser erhoben und regierten oftmals nur wenige Monate.
- Mit dem Herrschaftsantritt Diokletians im Jahre 284 beginnt die Epoche der Spätantike.

Ereignisse/Entwicklungen


- In der Schweiz beginnt die erste Christianisierung die aber erst im folgenden Jahrhundert wirklich durchgreift.
- 262 zerstören Goten den Artemis-Tempel von Ephesos, eines der 7 Weltwunder der Antike

Persönlichkeiten


- Mani (
- 216;†276), persischer Religionsbegründer der nach ihm benannten, ehemaligen Weltreligion (Manichäismus).

Erfindungen und Entdeckungen


- 216 - Kaiser Caracalla vollendet den zehn Jahre zuvor begonnen Bau der nach ihm benannten größten öffentlichen Badeanlage Roms, den Caracalla-Thermen.
- um 230 - Claudius Aelianus beschreibt die vom Zitterrochen ausgehende "betäubende Wirkung" (Elektrizität).
- um 250 - in China werden erste eiserne Hängebrücken gebaut.
- um 260 - In Skandinavien sind Schlittschuhe mit Eisenkufen in Gebrauch.
- 284 - in Alexandria wird die Diokletianische Zeitrechnung eingeführt, die mit der Thronbesteigung des römischen Kaisers Diokletian beginnt und später von den christlichen Kopten übernommen wurde.
- um 290 - Pappos von Alexandria entwickelt die später als Guldinsche Regeln bekannten Formeln zur Berechnung von Rauminhalt und Oberfläche von Rotationskörpern. 01-03 ! ja:3世紀 ko:3세기

Keramik

Die Bezeichnung Keramik stammt aus dem Altgriechischen. „Keramos“ war die Bezeichnung für Ton und die aus ihm durch Brennen hergestellten formbeständigen Erzeugnisse. Die Produktion von Keramik gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit. Ihre älteste Nutzung scheint bei semi-seßhaften Jägerkulturen im Gebiet des oberen Nil erfolgt zu sein. Ihre enorme Verbreitung verdankt sie aber ursprünglich den erweiterten Möglichkeiten zur Aufbewahrung (Vorratshaltung) von Nahrung wie sie mit dem Neolthikum erforderlich wurde. Keramik spielt eine wesentliche Rolle im Rahmen der Determination neolithischer Kulturen. Das Ausgangsmaterial Ton bot jedoch schon sehr früh auch Anreize zu künstlerischer Gestaltung. Heute ist der Begriff breiter gefasst. Keramiken sind weitgehend aus anorganischen, feinkörnigen Rohstoffen unter Wasserzugabe bei Raumtemperatur geformte und danach getrocknete Gegenstände, die in einem anschließenden Brennprozess oberhalb 900°C zu harten, dauerhafteren Gegenständen werden. Der Begriff schließt auch Werkstoffe auf der Grundlage von Metalloxiden ein. Keramik wird heute im zunehmenden Maße für hochtechnische Einsatzzwecke, z.B. bei der Sinterung, genutzt. Eine strenge Systematik der Keramik – wie beispielsweise bei Metall-Legierungen – ist kaum möglich, weil es hinsichtlich der Rohstoff-Zusammensetzung, des Brennvorgangs und des Gestaltungsprozesses fließende Übergänge gibt. Keramische Produkte werden deshalb häufig nach den jeweils im Vordergrund der Betrachtung stehenden Aspekten unterschieden:
- Beschaffenheit des Materials: Grob- und Feinkeramik
- Verwendungszweck: z. B.
  - Baukeramik
  - Sanitärkeramik
  - Tischgeschirr
  - Zierkeramik
  - technische Keramik
  - feuerfeste Keramik
- Besondere Eigenschaften: z. B.
  - Wasseraufnahmevermögen, Porosität
  - DE (Druckerweichen)
  - DFL (Druckfliesen)
  - ARF (Abriebfestigkeit)
  - KDF (Kaltdruckfestigkeit)
  - KBF (Kaltbiegefestigkeit)
  - TWB (Temperaturwechselbeständigkeit)
  - WAK (Wärmeausdehnungskoeffizient)
  - Dichte
  - Korngrößenverteilung der Rohstoffe
  - chemische Zusammensetzung
- Regionale Keramiktypen: z. B.
  - Westerwälder Keramik
  - Bunzlauer Keramik
  - ursprünglich auch Majolika und Fayence Bedeutsam ist die Unterteilung in Grob- und Feinkeramik. Zur ersteren gehört die große Gruppe der Baukeramik (z. B.: Bau- und Dachziegel, Kanalisationsrohre); die Produkte sind dickwandig, häufig inhomogen, von oft zufälliger Färbung. Feinkeramik ist dagegen feinkörnig (unter 0,05 mm), von definierter Färbung (z. B. weiß für Haushaltskeramik, Tischgeschirr und Sanitärkeramik); hierher gehören auch die künstlerischen Erzeugnisse. Feinkeramik erfordert bezüglich Aufbereitung der Rohmasse, der Formgebung und des Trocknens sowie Brennens eine erheblich größere Sorgfalt als bei Herstellung von Grobkeramik nötig ist. Die Eigenschaften keramischer Produkte werden bestimmt durch Art und Menge der in ihnen enthaltenen Kristalle und die als Bindung funktionierende Verglasungen. Keramiken sind formbeständig, geschmacks- und geruchlos.

Keramische Rohstoffe

Allgemeine Anforderungen

Die Auswahl und Mischung der Rohstoffe muss folgenden Forderungen genügen: Gute Formbarkeit der Masse, geringer Schwund beim Trocknen und Brennen, hohe Standfestigkeit beim Brennen, geringe oder keine Verfärbung des Endproduktes.

Ton

Ton ist ein wasserhaltiges Aluminiumsilikat (Al2O3.2SiO2.2H2O). Man unterscheidet zwischen Primärton und Sekundärton.

Entstehungsgeschichte

Als die Erde vor etwa 4,5 Milliarden Jahren entstand, war sie zunächst weitgehend glutflüssig. Allmählich bildeten sich einzelne Schichten heraus: schwere Elemente sanken zum Erdinneren ab und leichtere stiegen zur Erdoberfläche, wo sie abkühlten und erstarrten. Die geschmolzenen Elemente vereinigten sich zu einem glühenden, flüssigen Gesteinsbrei, dem so genannten Magma, welches aus der Tiefe nach oben stieg, an der Erdoberfläche abkühlte und das Erstarrungsgestein bildete. So entstand eine feste Kruste, die Erdrinde. Diese Erdrinde oder Lithosphäre reicht bis zu 1200 km in die Tiefe. Darunter befindet sich das flüssige Magma, das noch heute bei Vulkanausbrüchen an die Erdoberfläche steigt. Der Erdkörper ist von verschiedenen Schalen umgeben, von denen die Erdrinde die größte Bedeutung hat. Sie besteht aus zwei Bereichen, der äußeren Silikathülle mit einer Tiefe von 60-120 km und der darunter liegenden Eklogitschale, die bis zu einer Tiefe von 1200 km reicht.

Erstarrungsgesteine

Erstarrungsgesteine unterscheidet man nach dem Ort und der Art ihrer Erstarrung; die Gesteine sind Quarz, Glimmer und Feldspat.
- Tiefengesteine sind sehr langsam in der Tiefe erstarrt und konnten daher grobkristallines Gefüge bilden, wie zum Beispiel Granit, Gabbro.
- Ganggesteine entstanden aus aufsteigendem Magma, das die Erdoberfläche nicht erreicht hat, sondern sich in darunter liegenden Gängen ausbreitete. Es ist, je nach Lage der Gänge, unterschiedlich schnell erstarrt. Je langsamer ein Gesteinsbrei erstarrt ist, umso besser konnten sich Kristalle bilden. Bei der langsamer Abkühlung konnten die Kristalle ungestört wachsen, und es bildeten sich Lagerstätten mit wertvollen Mineralien.
- Ergußgesteine - hierbei erreichte das Magma die Erdoberfläche - kühlte schnell ab und erstarrte. Es konnten sich daher keine größeren Kristalle bilden. Ihre Grundmasse ist feinkörnig, Beispiele hierzu sind Basalt, Porphyr. Ton ist ein Verwitterungsprodukt von feldspalthältigem Urgestein wie Granit, Gneis, Quarzporphyr, das sich durch versch. mech. und chem. Einflüsse, Klimawechsel, Eisdruck, Wasser, Humussäure, Schwefel- Kohlensäure veränderte. Tonlager bilden sich im Laufe von Jahrmillionen. Tonhaltige Böden zeichnen sich dadurch aus, dass sie leicht Wasser und mineralische wie organische Nährstoffe binden können. Ton ist ein Verwitterungsprodukt feldspalthaltiger Sedimentgesteine, Tiefen- und Eruptionsgesteine wie zum Beispiel Quarz. Feinstkörnige Teilchen, Ton, mit einem Korndurchmesser von 0,002 mm, entstehen durch Erosion, d. h. durch die mechanische und organische Verwitterung, der Einwirkung von Wind, Frost, Wasser usw. verschiedener Gesteine. Starker Temperaturwechsel, Oxidationsvorgänge, Fäulnis- und Zersetzungsprozesse durch Bakterien und Spaltpilze spielen bei der Verwitterung eine große Rolle. Andere organische Substanzen, Holz und Sand sind Beimengungen und nehmen Einfluss auf das Aussehen und die Eigenschaften der Tone.

Plastische Rohstoffe

Kaolin, auch Porzellanerde genannt, ist ein Verwitterungsprodukt von Feldspat. Es besteht weitgehend aus Kaolonit, einem hydratisierten Mischkristall aus Aluminium- und Siliziumoxid, begleitet von Quarzsand, Feldspat und Glimmer. Letztere Verunreinigungen werden durch Schlämmen und Sieben entfernt, das Endprodukt muss möglichst plastisch, beim Trocknen formstabil und nach dem Brennen weiß sein. Zur Erzielung der gewünschten Eigenschaften werden Kaoline unterschiedlicher Herkunft gemischt; um ein gutes Gießverhalten zu erreichen, gibt man noch Plastifizierungsmittel, wie Wasserglas und/oder Soda zu. Tone, Lehme sind ebenfalls Verwitterungsprodukte des Feldspates und verwandter Mineralien. Die Hauptbestandteile sind Illit, Montmorillonit und Kaolonit, die Korngrößen reichen herab bis 0,002 mm. Je nach Verwendungszweck unterteilt man diese Rohstoffe ein in Steinzeugtone, Steinguttone, Töpfertone und -lehme. Mergeltone haben einen hohen Gehalt an Kalk, der stark verflüssigend wirkt. Da an solchen Scherben Blei- und Zinnglasuren sehr gut haften, werden sie häufig für Kacheln und Fliesen eingesetzt. Bentonite sind ein Verwitterungsprodukt vulkanischen Ursprungs, sie wirken bereits bei geringen Zugaben sehr stark plastifizierend, verbessern die Formbarkeit und die Standfestigkeit während des Trocknungsprozesses.

Nichtplastische Rohstoffe

Feldspate sind im Vergleich zum Kalk ebenfalls gute Flussmittel, die aber mit steigender Brenntemperatur eine höhere Verdichtung der Erzeugnisse bewirken. Der Trocknungsschwund wird zwar reduziert, der Schwund beim Brennen steigt jedoch. Quarz senkt als Magerungsmittel den Trocknungs- und Brennschwund, verschlechtert jedoch die Plastizität. Quarz wird als feinstkörniger Sand oder als gemahlenes Ganggestein eingesetzt, er muss möglichst rein sein, um unerwünschte Verfärbungen zu vermeiden. Kalk wird als geschlämmte Kreide oder als gemahlener Kalkstein eingesetzt. Als Magerungsmittel unterstützt er die Formstabilität beim Trocknen, beim Brennen wirkt er als Flussmittel. Allerdings liegen sein Sinter- und sein Schmelzpunkt nahe beieinander, bei zu hohen Brenntemperaturen besteht mithin die Gefahr von Deformationen. Schamotte, als gemahlener gebrannter Ton oder Tonschiefer, ist ein Magerungsmittel, das die Porosität erhöht und die Trocknungs- und Brennschwindung reduziert. Magnesiummineralien (Talkum, Magnesit) verleihen den Erzeugnissen eine hohe Temperaturwechselfestigkeit; sie werden bevorzugt für elektrotechnische Produkte eingesetzt.

Andere Zusatzstoffe

Organische Plastifikatoren sind z. B. Leim, Wachse, Gelatine, Dextrin, Gummiarabikum, Paraffinöl. Sie verbessern die Formbarkeit und verbrennen beim Brennprozess. Feingemahlene Ausbrennmittel wie Säge- und Korkmehl, Stärke, Kohlenstaub machen den Scherben porös und leicht und können interessante Oberflächeneffekte erzeugen; sie verbrennen ebenfalls beim Brand.

Verwitterungsarten

Man unterscheidet zwischen den folgenden Arten:
- Mechanische / Physikalische Verwitterung: Wasserdämpfe und Wasser steigen aus dem Erdinneren auf und durchbrechen die Urgesteinslager als sprudelnde Quellen. Regen, Eisdruck, Frost, Wind, Sonne zersetzen und bauen Urgestein ab.
- Chemische Verwitterung: Chemische Zersetzung des Gesteins durch Schwefel- und Kohlensäure einiger Quellwasser, durch vulkanische Gase und Humussäure der Pflanzen.
- Organische Verwitterung: Anreicherung der Erde mit Kohlenstoff und Stickstoff durch Mikroben, Bakterien, Tiere, Pflanzen. Während der Lagerzeit kann es nicht zu chemischen Umbildungen kommen. Die Tonlagerstätten werden heute maschinell, mit Bagger und Lader im Tagebau ausgebeutet. Der abgebaute Ton kann jedoch in den meisten Fällen nicht sofort verwendet werden. Er wird in Schlämmprozessen gereinigt und zu Tonmehlen oder Fertigmassen aufbereitet. Abgesehen von der Verwitterung unterscheidet man auch zwischen Primär- und Sekundärtonen.

Aufbereitung der Rohstoffe

In der industriellen Keramikproduktion werden die Komponenten, nachdem sie teilweise vorgebrannt wurden, entsprechend der Rezeptur gemeinsam in Trommelmühlen fein gemahlen. Nach dem Schlämmen unter Zugabe von Wasser wird dieses in Filterpressen wieder weitgehend entfernt. Der zurückbleibende Filterkuchen wird getrocknet und nochmals gemahlen. In dieser Form wird die Rohmasse entweder gelagert oder sofort unter Zugabe von Wasser und verflüssigenden Hilfsstoffen in Maschinen geknetet und ggf. entlüftet. Daneben hat in jüngerer Zeit die halbnasse und die trockene Aufbereitung bei der industriellen Herstellung Bedeutung gewonnen. In der Töpferwerkstatt wird z.T. noch heute dieser Prozess in aufwändiger Handarbeit durchgeführt. Da Mahlwerke oft nicht zur Verfügung stehen, kommt dem Schlämmen große Bedeutung zu. Die Homogenisierung der Masse wurde in mühsamer Knetarbeit erreicht, heute stehen dafür meist Maschinen zur Verfügung. Ziel ist es, eine möglichst homogene, geschmeidige und blasenfreie Arbeitsmasse zu erzeugen.

Die Formgebung

Die Formgebung erfolgt bei Grobkeramik u.a. durch Strangpressen (z.B. Rohre) oder durch Formpressen. Feinkeramik wird (analog der historischen Entwicklung) durch folgende Verfahren geformt:
- Modellieren
- Aufbauarbeit aus einzelnen Strängen (z.B. bei Hohlgefäßen)
- Drehen rotationssymmetrischer Hohlgefäße auf der Töpferscheibe
- Gießen dünnflüssiger Mischungen in geteilte Gipshohlformen, die das Wasser aufsaugen
- Formgebung auf motorgetriebenen Scheiben in Hohlformen mit Hilfe von Schablonen (sog. Eindrehen und Überdrehen)
- Pressen und Stanzen oder Fräsen
- Spritzguss
- Foliengießen Industriell hat die halbtrockene und die trockene Formgebung Bedeutung erlangt, weil die Trocknungszeiten sehr verkürzt werden und eine hohe Maßhaltigkeit der Produkte erreicht wird. Foliengießen

Das Trocknen

Nach der Formgebung ist der Rohling feucht durch # mechanisch eingeschlossenes Wasser in den Hohlräumen # physikochemisch gebundenes Wasser (Adhäsion, Kapillarwasser) # chemisch gebundenes Wasser (Kristallwasser) Die Trocknungsgeschwindigkeit hängt außer von dem umgebenden Klima stark von der Rezeptur der Rohmasse ab. Um die Trocknungsgeschwindigkeit zur Vermeidung von Rissen niedrig zu halten, können die Rohlinge abgedeckt werden. Industriell erfolgt das Trocknen in klimatisierten Räumen. Das unter Nr. 2, insbesondere aber das unter Nr. 3 genannte Wasser wird allerdings erst durch den Brand vertrieben.

Die drei Stadien des Trocknens

#Lederhart: Der Scherben lässt sich nicht mehr verformen, besitzt aber noch soviel Feuchtigkeit, dass man ihn dekorieren kann. #Lufttrocken: Der Scherben gibt bei Raumtemperatur keine Feuchtigkeit mehr ab und fühlt sich kühl an. #Brennreif: Der Scherben fühlt sich nicht mehr kühl an, sondern erweist sich als bedingt saugfähig. (Versuch: Zunge bleibt an Scherben kleben.)

Der Brennprozess

Der Brennprozess (Rauh- oder Schrühbrand) - Sintern genannt - ist sehr problematisch und erfordert eine sorgfältige Steuerung. Im so entstehenden „Scherben“ werden die Kristalle miteinander verfilzt und durch glasige Anteile verkittet. Anteil und Art der Kristall- und Glasphase sowie der Poren bestimmen die Eigenschaften des gebrannten Gutes. Die angewandten Temperaturen (bis etwa 1350 °C; teilweise erheblich höher) hängen von der Rohmischung, also von dem zu erzeugenden Produkt ab und müssen in vielen Fällen während des Brennprozesses variiert werden (Temperaturprofil). Überdies ist es häufig wichtig, dass der Prozess zeitweilig unter reduzierender Atmosphäre verläuft (z.B. Vermeiden von Gelbfärbung durch Eisenverunreinigungen bei weißem Geschirr oder bei Sanitärkeramik). Eingesetzt werden Kammer-, Tunnel-, Ringöfen. Für den Handwerksbetrieb kommen elektrische Öfen oder mit fossilen Brennstoffen befeuerte Öfen in Frage. Hier ist zu unterscheiden zwischen offenen Systemen, bei denen die Brenngase (mit unterschiedlicher Flammführung) in unmittelbaren Kontakt mit der Ware treten und Muffelöfen, bei denen die Brenngase das Brenngut indirekt erhitzen.

Glasuren

Glasuren sind dünne, glasartige Überzüge, die zwei wesentliche Forderungen erfüllen. Zum einen machen sie den porösen Tonkörper wasserdicht und geben ihm eine leicht zu reinigende Oberfläche. Zum anderen ermöglichen sie eine abwechslungsreiche, dekorative Gestaltung der Keramiken. Glasuren können farbig, transparent oder deckend, glänzend, halbmatt oder matt sein. Sie können weich und niedrig schmelzend (max. 1000 °C) oder hart und hoch schmelzend (Über 1200 °C) sein. Nach ihrer chemischen Zusammensetzung kann man z.B. zwischen Borosilikat-, Feldspat-, Salz- und bleihaltigen Glasuren unterscheiden. Die Glasuren werden häufig (z.B. Tonwaren) erst nach dem Schrühbrand der Ware aufgebracht (Tauchen, Spritzen, Pinseln, Stempeln) und in einem erneuten Brennprozess (Glattbrand), der aber unterhalb der Brenntemperatur des Rohlings liegen muss, verglast.

Orientierende Einteilung Keramischer Massen

Tunnel- 1 Irdengut
- Tonerde bzw. Kaolin u. ggf. Quarz u./o. Feldspat, Kalk. Poröse, nicht durchscheinende, kristallisierte Scherben. 1.1 Baukeramik
- Nicht feuerfest. Ziegelsteine, Formsteine (1200 ··· 1350 °C), Klinker, Dränrohre (1000 ··· 1150 °C), Dachziegel 1.2 Feuerfeste Massen
- Schamottesteine für Herde, Öfen (1300 °C). Sillimanit, Magnesit, u.a. zur Auskleidung von Industrieöfen in der Eisen- und Zementindustrie (1500 °C) 1.3 Sonstiges Irdengut 1.3.1 Steingut
- Reinweißer bis elfenbeinfarbener, poröser Scherben mit durchsichtiger Glasur. Rauhbrand 1150 ··· 1250 °C; Glasurbrand >960 °C, aber unterhalb der Raubrandtemperatur; meist durchscheinend oder farblos. 1.3.1.1 Kalk- oder Weichsteingut
- Ton, Kaolin, Quarz, Kalk. Brenntemperatur 1120 ··· 1150 °C. Besonders für Unterglasurmalerei geeignet. 1.3.1.2 Feldspat- oder Hartsteingut
- Ton, Kaolin, Quarz, Feldspat. Brenntemperatur 1220 ··· 1250 °C. Frostsichere Wandplatten, Sanitärartikel, Geschirr. 1.3.1.3 Mischsteingut
- Ton, Kaolin, Quarz, Kalk, Feldspat. Wandplatten, Geschirr. 1.3.2 Tonwaren
- Flussmittelreiche Tone, bis 40 % Kalk 1.3.2.1 Unglasierte Tonwaren
- Gelb bis rot gebrannte wetterfeste Keramik. Terrakotta (Zugabe von Schamotte- oder Ziegelmehl); Figuren, Gebrauchs- und Ziergegenstände, Blumentöpfe. 1.3.2.2 Glasierte Tonwaren 1.3.2.2.1 Majolika
- Eine zuverlässige Differenzierung zwischen Majolika und Fayence ist nicht möglich, weil diese Bezeichnungen in der Literatur wechselweise benutzt werden. Ursprünglich: Farbiger poröser Scherben mit undurchsichtiger farbiger Glasur. 1.3.2.2.2 Fayence
- Eine zuverlässige Differenzierung zwischen Majolika und Fayence ist nicht möglich, weil diese Bezeichnungen in der Literatur wechselweise benutzt werden. Ursprünglich: Weißer, gelbgrauer oder hell-rot-braune, poröser Scherben, weiße deckende Glasur. 1.3.2.2.3 Sonstige Töpferware
- Weißer, ocker bis rotbrauner poröser Scherben mit mattem, feinkörnigem Bruch. Brenntemperatur 1000 ··· 1200 °C. Von Hand (Töpferscheibe, Gießverfahren) oder mittels Presse geformte Tonwaren. Geschirr, Gerätschaften für Haus und Garten, Zierkeramik. 2 Sinterzeug
- Tonerde bzw. Kaolin u. gff. Quarz u./o. Feldspat, Kalk. Nichtkristallisierte dichte Massen, nicht oder nur an den Kanten durchscheinend, hohe Festigkeit 2.1 Steinzeug
- Dicht, nicht durchscheinend. Scherben auch farbig meist aber hell. 2.1.1 Grobsteinzeug (nicht weißbrennend)
- Brenntemperatur 1100 bis 1400°C. Häufig Lehm- oder Anflugglasur. Klinker, Fliesen, Tröge, Kanalisationsrohre, Gefäße für die chem. Industrie. 2.1.2 Feinsteinzeug (weiß- oder hellbrennend, ähnlich dem Porzellan)
- Ton, Quarz, Feldspat. Brenntemperatur 1250 bis 1300°C (gemeinsamer Rauh- und Glasurbrand). Porzellanähnlich. Geschirr, Sanitärartikel, chemische Geräte, Mosaiken, Ziergefäße. Übergangsform zum Porzellan: Porzellangut, Halbporzellan, Vitreous China. 2.2 Porzellan
- Hartporzellan: Dichter transparenter Scherben. Kaolin, Quarzsand, Feldspat. Rauhbrand 900°C, Glasurbrand 1400°C. Gebrauchs- und Ziergeschirr Weichporzellan hat eine ähnliche Zusammensetzung aber eine niedrigere Temperatur für den Glasurbrand. Bevorzugt für Zierplastiken. 3 Keramische Sondermassen
- Dazu zählen Raku, Paperclay und technische Massen für Dentalkeramik, die hochgesinterte Oxidkeramik für Schneid- und Schleifkörper (Aluminium-, Zirkonium-, Magnesium-, Beryllium-, Thoriumoxid; frei von Siliziumdioxid). Im weiteren Sinne gehören dazu auch die Ferrite und Titanate. 3.1 Hochtemperatur-Sondermassen (auch Mischkeramik genannt)
- Hochfeuerfeste Oxidkeramik mit geringen Beigaben verschiedener Metalle. Zähigkeit der Metalle ist hier mit der Korrosionsbeständigkeit und Feuerfestigkeit der Keramik vereint. Verwendung als Turbinenschaufeln oder als Schneidwerkzeuge. 3.2 Elektrotechnische Sondermassen
- Elektroporzellan für Isolatoren, Titanoxid-Keramik für Kondensatoren, Piezokeramik für elektroakustische Wandler, Werkstoffe für Magnete, Halbleiterwiderstände. Als Grobkeramik werden die Klassen 1.1; 1.2; 2.1.1 bezeichnet. Alle anderen zählen zur Feinkeramik: Ausgewählte Rohstoffe, sorgfältige Aufbereitung der Mischungen, aufwändigere Formgebung, z. T. von Hand, z. T.

Keramik im 20. Jahrhundert

Keramik ist nicht gleich Keramik, früher wurden einfache Gegenstände hergestellt, heutzutage umfasst aber der Begriff der Keramik noch viel mehr.
- Tonwaren, Porzellan, Ziegel und Fliesen sowie Steinzeug hergestellt
- keramische Isolierstoffe
- bestimmte Teile für die Luft- und Raumfahrtechnik
- Beständigkeit von Keramik gegen konzentrierte Säuren wurde bereits im Mittelalter genützt, indem man diese in Keramikbehältern aufbewahrte
- für Kugellager verwendet, die den Vorteil haben, dass man sie nicht schmieren muss
- als „Haut“ für das Spaceshuttle
- als Bremsen mit einer besonders langen Lebensdauer in der KFZ- Technik
- in der Freizeitindustrie für Skier und Tennisschläger
- in der Küche für besonders effiziente Kochplatten
- Bei Siemens erkannte man die ausgezeichnete Eignung des Porzellans als Elektro- Isolierstoff
- Biokeramik- künstlichen Zähnen, für Knochen oder Gelenksersatz
- An der Berliner Charité testet man eine neue Krebstherapie mit keramischen Feinstpulvern. Dabei werden Keramikpartikeln in die Tumore gespritzt und anschließend durch Magnetfelder erhitzt, um sie zu zerstören
- Sanitärbereich (Spülbecken, Toiletten), als Baumaterial (Ziegeln, Fließen), als Geschirr oder sind Kunstgegenstände.
- Keramikbremse, keramischer Minimotor, dann wird die harte spröde Keramik durch bestimmte Zusätze biegsam

Siehe auch

Künstlerische Keramik, Porzellan, Glaskeramik, Kalkspatz, Töpferei, Raku

Literatur


- Kleine Enzyklopädie Technik, Bibliographisches Institut, Leipzig, 1972
- Lueger Lexikon der Technik, hier "Werkstoffe und Werkstoffprüfung – Grundlagen" (vier Bände), Rowohlt Taschenbuch-Verlag, Reinbek, 2003, ISBN 3499190087
- P. Rada: Die Technik der Keramik, Dausien 1989, ISBN 3-7684-1868-5
- Sven Frotscher: dtv-Atlas Keramik und Porzellan, München 2003, ISBN 3-423-03258-8

Weblinks


- [http://www.milan-keramik.de Milan-Keramik in Münster] (Töpferei Homepage mit ausführlichen Beispielen und Bildern zu verschiedenen Techniken in Keramik, Porzellan und Raku, inkl. Video über die Raku-Brenntechnik) ! Kategorie:Töpferei

Jōmon-Zeit

Die Jōmon-Zeit (jap. 縄文時代) oder Jōmon-Kultur (jap. 縄文文化) bezeichnet eine von 13.000 bis 300 v. Chr. andauernde Phase in der japanischen Geschichte. Grund für diese Einteilung waren Fundstücke aus Keramik, die der Epoche ihren Namen gaben. Jōmon (jap. 縄文, – Schnur, mon – Muster) bedeutet im Japanischen Schnurmuster. Die Besonderheit dieser Keramik besteht in ihrer ausgesprochen kreativen Gestaltung. Mit unterschiedlich dicken Schnüren wurden Rillen in den roten Ton gepresst, so dass bestimmte Muster entstanden. Typisch hierfür waren flammenartige Spiralmuster. Die Keramik wurde im Vergleich zur Yayoi-Zeit mit relativ niedrigen Temperaturen gebrannt. In diesem Zeitraum ernährten sich die Menschen durch Jagen und Sammeln. Das Klima war mild und warm, und es herrschte eine üppige Vegetation auf den japanischen Inseln. Die Nahrung bestand hauptsächlich aus Fisch und Schalentieren, Hirsche und Wildschweine wurden in Gruppen gejagt. Dazu wurden von den Frauen Pflanzen und Früchte gesammelt. Die Keramiktöpfe dienten vermutlich der Lagerung von Früchten und dem Transport von Wasser. Ab ca. 5000 v. Chr. bildeten sich immer größere Dörfer mit bis zu 30 Bewohnern. Gruben mit Bambusdächern dienten hier als Unterkunft. In Sannai Muryama wurde eine solche frühzeitliche Siedlung als Freilichtmuseum aufwendig rekonstruiert. Durch eine Klimaverschlechterung wurden viele Dorfverbände gezwungen, die hohen Berge zu verlassen und in die Nähe von Flüssen und ans Meer zu ziehen. Zu dieser Zeit entwickelte sich die erste Form von Landwirtschaft. Die aufkommende Sesshaftigkeit kann als Folge dieser Errungenschaft gesehen werden und zeugt zudem von einer geordneten Gesellschaftsstruktur, bei der es sich vermutlich um eine matriarchalische Gesellschaft gehandelt hat.

Religion

Über die Verehrung von Gottheiten während der Jōmon-Zeit ist wenig bekannt, da keine schriftlichen Überlieferungen vorliegen und es ebenfalls keine bildhaften Gottheiten gibt. Die Gottheiten waren natureller Gestalt wie Sonne, Feuer, Wasser, Erde etc. Ebenso wurden Berge und Bäume verehrt. Besondere Plätze wie Wasserfälle, Felsvorsprünge oder große Bäume dienten als rituelle Orte für die Ausübung der Gottesverehrungen. Neben diesen Göttern gab es noch Spirituelle, die in Kontakt mit den Ahnen standen. Durch sie wurde die Kommunikation mit Verstorbenen hergestellt und gepflegt. In der Spätphase der Jōmon-Zeit entstanden eindrucksvolle Monumente, die auf erstaunliche mathematische und astronomische Kenntnisse hinweisen. Bei einem handelt es sich vermutlich um einen Kalender. Sie bauten einen Turm, der so ausgerichtet ist, dass die Säulen den Sonnenstand zur Sommersonnenwende markieren. Die Schatten der Pfosten laufen an diesem Tag genau diagonal zur Basis des Turms. Auf die Jōmon-Kultur folgte die Yayoi-Kultur, welche sich wiederum durch eine charakteristische, jedoch von der Jōmon-Kultur gänzlich verschiedene Töpfereikunst auszeichnet.

Einteilung

Weblinks


- [http://www.jomonjapan.org/ JomonJapan] – Widmet sich ausschließlich der Jōmon-Zeit
- [http://www.nbz.or.jp/eng/jomon.htm Niigata Prefectural Museum of History] – The Chronology of the Jomon Period
- [http://www.wsu.edu/~dee/ANCJAPAN/YAYOI.HTM Washington State University] – World Civilisations: Ancient Japan
- [http://newton.uor.edu/Departments&Programs/AsianStudiesDept/japan.html Newton] - Verschiedene Artikel über die japanische Geschichte Kategorie:Japanische Geschichte Kategorie:Archäologische Kultur ja:縄文時代

Korea

Korea ist eine Halbinsel in Ostasien, die seit dem Ende des Korea-Kriegs in zwei Staaten geteilt ist: Die Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und die Republik Korea (Südkorea). Korea grenzt an die Volksrepublik China und Russland und wird von Japan durch das Ostmeer (Japanische Meer) getrennt. Ursprünglich bestand Korea aus mehreren Staaten mit unterschiedlicher Kultur, da es jedoch im vergangenen Jahrtausend bis zur Teilung ein gemeinsames Reich bildete, hat sich eine homogene Kultur und Gesellschaft entwickelt. Die Koreaner haben viele chinesische Handwerkskünste perfektioniert. So war Korea lange bekannt für seine Seide und Töpferei-Arbeiten, die zu den besten der Welt zählten. Auch Goldarbeiten aus Korea waren hoch angesehen. Die ersten metallgepanzerten Schiffe, Schildkrötenschiff (Geobukseon) genannt, wurden in Korea entwickelt und eingesetzt. In Korea wurde rund 200 Jahre vor Johannes Gutenbergs Erfindung in Europa der Buchdruck mit beweglichen Lettern aus Metall entwickelt, vermutlich eine Weiterentwicklung chinesischer Druckmaschinen, wo man bereits im 11. Jahrhundert mit beweglichen Lettern aus Ton druckte. Die koreanische Sprache wird weltweit von etwa 78 Millionen Menschen gesprochen, vor allem natürlich innerhalb Koreas. Geschrieben wird koreanisch fast ausschießlich mit der eigenen Schrift Hangeul, auch wenn es möglich ist, sie mit lateinischen Buchstaben (Revidierte bzw. McCune-Reischauer-Romanisierung) oder chinesischen Zeichen (in Korea Hanja genannt) zu schreiben. Hangeul ist eine 1446 im Auftrag von König Sejong entwickelte Buchstabenschrift mit 40 Zeichen. Da sie sehr logisch aufgebaut ist und gut an die koreanische Aussprache angepasst ist, gilt sie als leicht erlernbar – Gelehrte bezeichneten sie ursprünglich verächtlich Morgenschrift, da sie an einem Morgen erlernbar sei, im Gegensatz zur chinesischen Schrift, die zur Beherrschung oft mehrjährige Studien benötigte.

Namen

Sejong Korea hat im Norden und im Süden verschiedene Namen. In Nordkorea ist Korea unter dem Namen der vorangegangenen Dynastie Chosŏn (Land der Morgenstille) bekannt, im Süden als Hanguk (Land des Han-Volkes). Marco Polo nannte die Halbinsel während seiner Reisen im späten 13. Jahrhundert Cauly. Dies ist vermutlich seine Schreibung der chinesischen Aussprache des Namens von Goryeo, die im modernen Chinesisch "Gaoli" lautet. In europäischen Aufzeichnungen tauchen bis ins 20. Jahrhundert hinein die beiden Schreibweisen "Corea" und "Korea" parallel auf, bis sich schließlich die Schreibweise "Korea" im Englischen (aber nicht in den romanischen Sprachen) allgemein durchsetzte. Die in den letzten Jahren hauptsächlich von koreanischen Nationalisten vertretene These, die Änderung der Schreibweise von "Corea" zu "Korea" sei von der japanischen Besatzungsmacht betrieben worden, damit Japan alphabetisch vor Korea stehe, ist wenig glaubhaft, da sie nicht mit historischen Quellen belegt werden kann und es zweifelhaft ist, ob Anfang des 20. Jahrhunderts das Bewusstsein für die Umschrift in lateinischen Buchstaben in Ostasien besonders ausgeprägt war. Die koreanische Regierung benutzte ihrerseits bereits 1895, also 15 Jahre vor der Besatzung Koreas durch Japan, die Umschrift "Korea" offiziell auf Briefmarken. Die ebenfalls häufig geäußerte Behauptung, der Namenswechsel habe mit den Olympischen Spielen zu tun, ist unglaubwürdig: die erste Teilnahme Japans an den Olympischen Spielen war 1912 in Stockholm, zwei Jahre nachdem sich Japan Korea als Kolonie einverleibt hatte. Eine koreanische Mannschaft nahm nicht teil, koreanische Sportler mussten für das Japanische Kaiserreich an den Start gehen. Der Name Korea leitet sich vom koreanischen Königreich Goryeo her.

Kultur

Hauptartikel: Koreanische Kultur Die Kultur Koreas ist vor allem durch konfuzianische und buddhistische Bräuche geprägt. Auf den ersten Blick mag die westliche Kleidung und das ähnliche Stadtbild in Südkorea zu dem Irrglauben führen, dass die Kultur sich heute nicht mehr so stark von westlichen Ländern unterscheidet. Tatsächlich sind hier gerade in den letzten 20 Jahren viele schnelle Veränderungen und Verwestlichungen geschehen, trotzdem unterscheidet sich die Gesellschaft und Kultur immernoch deutlich von den westlicher Länder.

Geschichte

siehe auch: Liste der Herrscher von Korea Archäologische Funde deuten darauf hin, dass die Halbinsel vor rund 18.000 bis 12.000 Jahren besiedelt war. Die klassische Legende in Korea besagt, dass die erste größere Zivilisation (Go-Choseon) 2333 v. Chr. durch den Gottmenschen Dangun (단군) ins Leben gerufen wurde. Einige chinesische Schriften erwähnen eine Übersiedlung von etwa 5.000 Chinesen um 1122 v. Chr., die das Gija-Choseon-Königreich begründeten und sich mit der einheimischen Bevölkerung mischten. Diese Schriften sind zum Teil umstritten. Von 57 v. Chr. bis 668 existierten die Drei Reiche von Korea. Dies waren Goguryeo, Baekje und Silla. Der Buddhismus wurde im Jahre 372 eingeführt. 660 verband sich das Königreich von Silla mit der Tang-Dynastie von China und vereinigte die drei Königreiche bis 668. Der Buddhismus wurde Staatsreligion. Die Kultur erreichte ihren Höhepunkt, die Hauptstadt Gyeongju war eine für ihren Reichtum berühmte Millionenstadt. Die Goryeo-Dynastie folgte der Sillaperiode und herrschte von 918 bis 1392. In dieser Zeit wurde ein richtiges Staatssystem aufgebaut. 1231 wurde die Halbinsel von den Mongolen erobert und nach 25 Jahren ergab sich auch die Königsfamilie. Für die folgenden 150 Jahre war Goryeo von den Mongolen kontrolliert. Das Wort Goryeo gilt als der Ursprung für die moderne Bezeichnung Korea. 1392 wurde der koreanische General Yi Seong Gye in das Kaiserreich China entsandt, um sich gegen die Ming-Dynastie zu wehren. Stattdessen tat er sich mit den Chinesen zusammen und kam zurück, um die Goryeo-Dynastie zu beseitigen. Als Folge konnte sich die Joseon-Dynastie etablieren. Im Jahre 1394 wurde die Hauptstadt nach Seoul verlegt und der Konfuzianismus wurde als offizielle Religion angenommen. Während dieser Periode erfand der König Sejong (vermutlich als Chef eines zu diesem Zwecke gebildeten Stabes von Gelehrten) im Jahre 1443 das koreanische Alphabet Hangeul. Zwischen 1592 und 1598 wurde Korea verschiedentlich von den Japanern heimgesucht. Diese Invasion auf Befehl des japanischen Oberfeldherrn Hideyoshi führte zu Verwüstungen und Zerstörungen, wie sie erst der Koreakrieg wieder mit sich brachte. Admiral Yi Sun Shin, Koreas berühmtester Militärführer, war maßgeblich daran beteiligt, das Land gegen die Japaner zu verteidigen. Er hatte das erste gepanzerte Kriegsschiff der Geschichte erfunden, eine wendige Galeere, die wegen ihres gewölbten bronzegepanzerten Oberdecks Schildkrötenschiff (Geobukseon) genannt wurde. Diese Schiffe vernichteten die japanischen Nachschubflotten, so dass Hideyoshi seine Truppen zurückziehen musste. Im 17. Jahrhundert kam der Katholizismus nach Korea. Da der neue Glaube nicht toleriert wurde, weil er als ernste Bedrohung des Konfuzianismus angesehen wurde, kam es im 18. Jahrhundert zu einer 102 Jahre andauernden, gewaltsamen Verfolgung der Katholiken, bei der etwa 20.000 Gläubige meist durch Enthauptungen getötet wurden. 1886 hörte die Verfolgung auf, 1899 wurde in Korea die Religionsfreiheit gewährt. Pjöngjang wurde wegen vieler Kirchen und rund 300.000 Gläubigen um 1907 auch „Jerusalem des Ostens“ genannt. In Nordkorea werden Christen auch heute verfolgt und hingerichtet. Außenpolitisch versuchte sich Korea während des 19. Jahrhunderts gegen eine Öffnung des Landes nach außen zu wehren. Alle Grenzen wurden geschlossen und jeglicher Kontakt, mit Ausnahme zum Kaiserreich China, wurde abgebrochen. Als Folge daraus wurde Korea als das Hermit Kingdom bekannt. 1871 kam Korea zum ersten militärischen Kontakt mit den Vereinigten Staaten, in Korea bekannt als der Shinmiyangyo. Ab 1876 zwang Japan den Koreanern Handelsabkommen auf und nach dem ersten Chinesisch-Japanischen Krieg (1894-1895) und dem Russisch-Japanischen Krieg (1904-1905), hatte sich Japan als dominante Kraft in Ostasien etabliert. Dies wurde durch die Ermordung von Königin Min unterstrichen. Am 25. Juli 1907 wurde Korea ein Protektorat von Japan, und 1910 offiziell annektiert.

Korea unter japanischer Herrschaft

Siehe Hauptartikel: Ilje Sidae (일제시대) Nach der Annexion 1910 war Korea eine japanische Kolonie bis zum 15. August 1945, als Japan offiziell im Zweiten Weltkrieg kapitulierte. Während der Kolonialzeit wurden den Koreanern viele Rechte verwehrt. Dies beinhaltete unter anderem das Recht auf Versammlung und Organisation, Redefreiheit und eine unabhängige Presse. Das japanische Schulsystem wurde eingeführt und Fächer wie Koreanische Geschichte und Sprache mussten den entsprechenden japanischen Gegenstücken weichen. Transport- und Kommunikationsnetzwerke wurden im ganzen Land aufgebaut. Dies unterstützte den japanischen Handel und die Kolonialwirtschaft. Koreanern war es verboten, im Handel tätig zu sein. Viele Bauern verloren ihr Land, nachdem sie von den Japanern enteignet wurden. Dies war vor allem dann der Fall, wenn die Bauern das Land nicht von der Kolonialmacht registrieren ließen. Ein fundamentales Problem war, dass die Japaner gemeinsamen Grund, wie er in Korea weitverbreitet war, nicht anerkannten. Nach dem Tod des ehemaligen König Gojong fanden am 1. März 1919 landesweit Demonstrationen gegen die japanische Besatzung statt. Eine Unabhängigkeitserklärung wurde in Seoul ausgerufen. Es wird geschätzt, dass zwei Millionen Leute sich auf die Straßen begaben. Der friedliche Protest wurde von Japan brutal unterdrückt. Es wird geschätzt, dass 47.000 Menschen verhaftet, 7.500 getötet und etwa 16.000 verwundet wurden. Demonstrationen gegen Japan nahmen aber kein Ende. Ende November 1929 revoltierten die Studenten im ganzen Land. Die eiserne Herrschaft wurde im Jahre 1931 wieder eingeführt. Nach dem Zweiten Sino-Japanischen Krieg 1937 und während des Zweiten Weltkrieg versuchte die Kolonialmacht, Korea als Nation auszulöschen. Die Verehrung der japanischen Shinto-Schreine wurde obligatorisch. Das Schulsystem wurde radikal überholt, um der veränderten Politik gerecht zu werden. Japanische Namen wurden den Koreanern aufgezwungen, während traditionelle koreanische Feste verboten wurden. Zeitungen durften nicht mehr in Koreanisch erscheinen, und Koreanische Geschichte wurde als Fach aus den Universitäten verbannt. Hunderttausende von Koreanern wurden nach Japan verfrachtet und mussten in japanischen Minen und Fabriken arbeiten. Viele Männer wurden ins japanische Militär zwangsrekrutiert, um gegen die Republik China zu kämpfen, während viele Frauen zur Zwangsprostitution beziehungsweise sexuellen Sklaverei gezwungen wurden und als so genannte Trostfrauen japanischen Soldaten dienen mussten.
siehe auch: Koreanische Minderheit in Japan. Während der japanischen Besetzung existierte eine provisorische Exilregierung in China. Außerdem gab es umfangreiche Partisanenaktivitäten, gestützt vor allem von aus Nordchina und Russland aus operierenden kommunistischen Guerillatruppen. Am 11. Dezember 1941 erklärte die Exilregierung den Japanern den Krieg und kämpfte mit seiner Koreanischen Restaurationsarmee mit den Alliierten. Nach dem Kollaps Japans drangen sowjetische Truppen von Norden her nach Korea ein, wo sie auf wenig Widerstand trafen. Dieses wurde von den USA sanktioniert. Japan kapitulierte offiziell am 15. August 1945 und 35 Jahre Kolonialherrschaft waren formell vorüber. Korea wurde dann in einer amerikanischen Dringlichkeitssitzung entlang des 38. Breitengrads provisorisch aufgeteilt.

Die Teilung Koreas

1945]] Nach Japans Kapitulation wurde die koreanische Halbinsel ein Opfer von Geopolitik und Ideologiekampf. Das Land wurde in einer Dringlichkeitssitzung von zwei US-amerikanischen Generälen in zwei Hälften aufgeteilt. Diese Teilung wurde der Sowjetunion vorgeschlagen, welche dieses akzeptierte. Nach dem 8. September 1945 verwalteten die Vereinigten Staaten die südliche Hälfte, während die Sowjetunion sich des Nordens annahm. Diese Teilung entlang des 38. Breitengrads war ursprünglich als temporäre Lösung gedacht. Am 1. Dezember 1945 wurde in Kairo von den Besatzungsmächten beschlossen, dass Korea in Bälde (in due course) frei sein sollte. Später arrangierten sich die USA und die Sowjetunion auf eine gemeinsame Verwaltung für vorerst fünf Jahre. Dieses gemeinsame Unterfangen erwies sich als fruchtlos, und im September 1947 brachten die Vereinigten Staaten die Koreafrage vor die UNO Generalversammlung. Die ursprüngliche Hoffnung auf ein vereintes Korea verpufften bald in der Politik des Kalten Kriegs. Separate Wahlen fanden im Norden und Süden des Landes statt. Im Süden verwehrten die Amerikaner den Koreanern Selbständigkeit. Stattdessen unterstützte das Amerikanische Militär den Exilkoreaner Syngman Rhee, welcher zuvor auf Hawaii lebte. Rhee wurde im August 1948 als erster Präsident vereidigt, nachdem die Wahl von vielen Seiten boykottiert wurde. Im Norden hielten sich die Sowjets seit Beginn ihrer Verwaltung eher im Hintergrund. Im Februar 1946 wurde eine provisorische Regierung um Kim Il-sung gebildet, die später mit verdächtigen 100 Prozent Zustimmung bestätigt wurde. Im Juni 1950 brach der Koreakrieg aus und zementierte die Trennung Koreas. Die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg ist unter Nordkorea und Südkorea zu finden.

Literatur


- F.H. King: 4000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan. München 1984 ISBN 3922201059

Weblinks

Korea ja:朝鮮 ko:한국 simple:Korea zh-min-nan:Tiâu-sián (Khu-pia̍t-ia̍h)

Nara

Nara (jap.: 奈良市; -shi) ist Hauptstadt der Präfektur Nara im Süden von Honshū der Hauptinsel von Japan. Sie wurde 1898 gegründet. In Nara gibt es eine Universität neben einer Hochschule für Medizin. Wirtschaftlich bedeutend sind hier die Textil- und Nahrungsmittelindustrie. Wegen seiner vielen alten und gut erhaltenen Tempeln gehört Nara mit zu den bedeutendsten touristischen Zielen in Japan. Mehrere Tempel, Schreine und Ruinen in Nara sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes, das sind: Todai-ji, Horyu-ji, Kofuku-ji, Kasuga Schrein, Gango-ji, Yakushi-ji, Toshodai-ji und die Überreste des Heijo Palastes. Bekannt ist auch der Nara-Park mit seinen Sikahirschen.

Geschichte

Nara war in der Nara-Zeit von 710-784 unter dem Namen Heijō-kyō (jap.: 平城京) die Hauptstadt von Japan. Aus dieser Zeit stammen die meisten der großen Tempelanlagen für die Nara so berühmt ist. Zwar wurde die Stadt nach der Verlegung der Hautpstadt nach Kyoto eher vernachlässigt, die Tempel und Schreine jedoch bauten ihre Macht schrittweise aus und überstanden bis heute. 1180 wurde bei einem Angriff der Taira ein großer Teil der Stadt zerstört. Todai-ji und Kofuku-ji wurden rekonstruiert und die Stadt weiter ausgebaut.

Städtepartnerschaften


- Gyeongju, Korea - seit 1970
- Toledo, Spanien - seit 1972
- Xi'an, China - seit 1974
- Versailles, Frankreich - seit 1986
- Canberra, Australien - seit 1993

Weblinks


- [http://www.city.nara.nara.jp/ Offizielle Website] (Japanisch)
- [http://www.city.nara.nara.jp/english/index.htm Offizielle Website] (Englisch) Image:NaraTodaiji0195.jpg|Todai-ji Image:Deers in Nara.jpg|Hirsche Image:NaraKofukuji2.jpg|Kofukuji Image:NaraTodaijiDaibutsu0212.jpg|Daibutsu Image:YakushijiPagoda.jpg|Yakushiji Kategorie:Ort in Japan Kategorie:Weltkulturerbe ! ja:奈良市

Kant

Kant ist der Nachname folgender Persönlichkeiten:
- des deutschen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804)
- des deutschen Schriftstellers Hermann Kant (
- 1926)
- des deutschen Schriftstellers Uwe Kant

außerdem:
- der Name einer Stadt in Kirgisistan: Kant (Kirgisistan)
- als KANT der Name eines Software-Pakets für Computeralgebra in ANSI FORTRAN 77 der Heinrich Heine Universität Düsseldorf

Tōhoku

Die Region Tōhoku (jap.: 東北地方 Tōhoku-chihō) befindet sich auf der Insel Honshū, der größten Insel Japans. Tohoku bedeutet der Nordosten auf Japanisch. Sie ist auch bekannt als Michinoku (みちのく), das Ende des Weges auf Japanisch. Tōhoku ist relativ dünn besiedelt mit wenigen Großstädten. In den Bergen gibt es viele heiße Quellen. Die Küste besteht hauptsächlich aus Felsenküste. Früher lebten hier die Ezo, ein dem der Ainu verwandtes Volk.

Geographie

Die Region Tohoku liegt im Norden von Honshu. Ihre westlische Seite ist am japanischen Meer, die östlische Seite am Pazifik. Sie ist gebirgig, vor allem im mittleren Teil. Am Meer gibt es einige Ebenen auf denen sich auch die wichtigsten Städte befinden. Das Klima ist im Westen und Osten unterschiedlich. Im Osten ist es relativ milde, im Westen hingegen ist es eher kühler mit viel Schnee im Winter.

Präfekturen

Die Region besteht aus sechs Präfekturen: Akita, Aomori, Fukushima, Iwate, Miyagi und Yamagata. Die größte Stadt in Tohoku ist Sendai, die Hauptstadt von Miyagi.

Wirtschaft

Hauptsächlich wird Tohoku landwirtschaftlich genutzt. Hauptprodukte sind dabei Reis und Früchte. Auch die Fischerei ist ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Sehenswürdigkeiten


- Matsushima, eine der drei schönsten Landschaften Japans. Siehe auch: Regionen Japans Tohoku ja:東北地方 ko:도호쿠 지방

Kultur

Kultur (lat. cultura), Pflege (des Körpers, aber primär des Geistes), später im Kontext mit dem Landbau, aus colere, bebauen, (be)wohnen, pflegen, ehren, (ursprünglich etwa) emsig beschäftigt sein, ist die Gesamtheit der menschlichen Leistungen. Dies schließt einerseits physische Dinge wie Werkzeuge ein, aber auch die durch den Menschen hervorgerufene Veränderung der Natur, die geistigen Hervorbringungen der Menschheit wie Schrift und Kunst sowie die sozialen Organisationsformen, in denen die Menschen zusammenleben. Der Begriff der Kultur steht insofern in Zusammenhang mit dem Begriff der Zivilisation und der sie erhaltenden menschlichen Arbeit. Der Begriff wird einerseits generell auf die Menschheit als Ganzes bezogen, andererseits aber auch als Zusammenfassung der Lebensumstände einer bestimmten Ethnie oder Region (beispielsweise die amerikanische Kultur) oder historischen Phase (z.B. die minoische Kultur). Frühe Kulturen haben entscheidend mit der gesellschaftlichen Praxis der Ernährung ihrer Träger zu tun (Jäger- Hirten/Nomaden- oder Bauernkultur).

Definition

Das Wort Kultur (von lat. cultura: Landbau, Pflege, auch des Körpers und Geistes) bezeichnet im Deutschen: 1. die Pflege und Bebauung des Bodens, die Zucht von Bakterien - 2. die Gesamtheit der geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft bzw. eines Volkes und - bezogen auf einzelne Menschen - seine Bildung, Gesittung und verfeinerte Lebensweise. Kultur ist die Summe aller Bestrebungen, die Grundbedürfnisse der menschlichen Natur zu befriedigen; eingeschlossen sind die Hilfsmittel dazu sowie die Erträge dieser Leistung ( z.B. Arbeitsgeräte, Techniken, sittliche, religiöse und politische Ordnungen).

Weitere Definitionsmöglichkeiten

William James Durant gibt in seinem Werk (Kulturgeschichte der Menschheit) folgende populäre Definition. Dieser Kulturbegriff spart prähistorische Kultur aus: :"Kultur ist soziale Ordnung, welche schöpferische Tätigkeiten begünstigt. Vier Elemente setzen sie zusammen: Wirtschaftliche Vorsorge, politische Organisation, moralische Traditionen und das Streben nach Wissenschaft und Kunst. Sie beginnt, wo Chaos und Unsicherheit enden. Neugier und Erfindungsgeist werden frei, wenn die Angst besiegt ist, und der Mensch schreitet aus natürlichem Antrieb dem Verständnis und der Verschönerung des Lebens entgegen." Nach Albert Schweitzer ist Kultur "Fortschritt, materieller und geistiger Fortschritt der einzelnen wie der Kollektivitäten". Der Fortschritt bestehe "zunächst darin, dass für die Einzelnen wie für die Kollektivitäten der Kampf ums Dasein herabgesetzt" werde. Letztes Ziel der Kultur ist nach Albert Schweitzer "die geistige und sittliche Vollendung des Einzelnen": :"Der Kampf ums Dasein ist ein doppelter. Der Mensch hat sich in der Natur und gegen die Natur und ebenso unter den Menschen und gegen die Menschen zu behaupten. Eine Herabsetzung des Kampfes ums Dasein wird dadurch erreicht, dass die Herrschaft der Vernunft über die Natur sowohl wie über die menschliche Natur sich in größtmöglicher und zweckmäßigster Weise ausbreitet. Die Kultur ist ihrem Wesen nach also zweifach. Sie verwirklicht sich in der Herrschaft der Vernunft über die Naturkräfte und in der Herrschaft der Vernunft über die menschlichen Gesinnungen." (Albert Schweitzer, Kultur und Ethik, ISBN 3406392504, S. 35) Im engeren Sinne versteht man unter Kultur folgende Bereiche: Sprache, Literatur, Religion und Ethik, Medizin, Kunst, Wirtschaft, Wissenschaft und Rechtsprechung. Die interkulturelle Kommunikation versteht unter Kultur ein gültiges Sinnsystem oder die Gesamtheit der miteinander geteilten verhaltensbestimmenden Bedeutungen. Wissenssoziologisch könnte man eine Kultur auch als das einem Kollektiv gemeinsame "Wissen" kennzeichnen, das heißt als die im Bewusstsein seiner Mitglieder verankerten Erwartungen hinsichtlich üblicher Verhaltensweisen, Werthaltungen, sozialer Deutungsmuster und Weltbilder die von Kulturschaffenden entwickelt und zu Allgemeingut wurden. Johann Wolfgang von Goethe ging sogar soweit, dass in seinem Kulturbegriff "weder die Kleidung noch die Eß- und Trinkgewohnheiten, weder die Geschichte noch die Philosophie, weder Künste noch die Wissenschaft, weder die Kinderspiele noch die Sprichwörter, weder das Klima noch die Landschaftsformen, weder die Wirtschaft noch die Literatur, weder das Politisch noch das Private noch der Hinweis auf ‚Schäden durch Abholzung der Berge’ fehlen." Neben der oben genannten Definition gibt es im allgemeinen Sprachgebrauch eine weitere Verwendung des Wortes im Sinne von Kultiviertheit, der stets aber Unkultiviertheit gegenübersteht, die es -da Kultur alles umfasst- eigentlich nicht gibt. Verschiedene Definitionen des Begriffes spiegeln verschiedene Theorien der Bewertung und des Verständnisses menschlichen Tuns wider. 1952 haben Alfred Kroeber und Clyde Kluckhohn eine Liste von über 200 verschiedenen Definitionen in ihrem Buch (Culture: A Critical Review of Concepts and Definitions) zusammengetragen. In der nordamerikanischen cultural anthropology (der in der englischen Sozialwissenschaft die social anthropology entspricht) wird culture ("Kultur") oft gleichbedeutend mit society ("Gesellschaft") benutzt (vor allem bei Stammesgesellschaften, vergleiche Anthropologie, Ethnologie und Soziologie).

Etymologie

Das Wort Kultur kommt aus dem Lateinischen. Das lateinische Wort cultura bedeutet Landwirtschaft, Feldbestellung, bebautes Land (zurückgehend auf das Verb colo, colui, cultus - pflegen) - als Gegensatz zu Natur - und so wurde das Wort Kultur bis ins 19. Jahrhundert verwendet, während für die heutige Bedeutung des Begriffes Kultur mehrheitlich das Wort Kunst seine Anwendung findet.

Entstehung der Kultur

Die vier entscheidenden Schritte des Menschen auf dem Weg zum Kulturwesen (Hominisation) sind vielleicht folgende gewesen, wobei sich der Übergang von der natürlichen zur kulturellen Weiterentwicklung nicht scharf trennen lässt und die Reihenfolge nicht chronologischen Anspruch erhebt.
- Die Entwicklung der Sprache (=>Sprachkultur)
- Die extensive Nutzung von Werkzeugen
- Die Zähmung des Feuers
- Die Entwicklung von expliziten Regeln und Formen des Zusammenlebens (Religion, Ethik, Diakonie und Medizin Rechtsprechung)

Entwicklung des Kulturbegriffs

Gelehrte des 18. und 19. Jahrhunderts und viele Menschen heutiger Zeit setzen Kultur gleich mit Zivilisation und sehen beides im Gegensatz zur Natur. So wurden Menschen, denen Elemente einer Hochkultur fehlten, oft als naturverbunden, bodenständig und im negativen Sinne als unzivilisiert bezeichnet. Die gehobene Kultur wurde kritisiert oder auch verteidigt, da sie angeblich die menschliche Natur unterdrücken würde. Kultur in Abgrenzung zur Barbarei war und ist teilweise heute noch definiert als das Fehlen ökonomischer Notwendigkeit und Betonung des Rituellen, so z.B. ein nach allen Regeln der Kunst gedeckter Tisch als Gegensatz zu ausschließlich "sinnvoller" Bestückung. Im späten 19. Jahrhundert plädierten Anthropologen für eine breitere Definition des Begriffes Kultur. Sie wollten das Wort auf eine Vielzahl von verschiedenen Gesellschaften anwenden können. Sie argumentierten, dass die Kultur der menschlichen Natur entspräche. Die Kultur habe ihre Wurzeln in der menschlichen Fähigkeit, Versuche systematisch auszuwerten und deren Ergebnisse in Schrift und Sprache weiterzugeben. 1 Deswegen entwickeln Menschen, die getrennt voneinander leben, einzigartige Kulturen. Trotzdem können sich Elemente verschiedener Kulturen heute leicht von einer Menschengruppe zu einer anderen ausbreiten. Es wurde also notwendig, methodisch und theoretisch nützlichere Definitionen des Wortes Kultur zu entwickeln. Dabei unterscheiden die Anthropologen zwischen einer
- materiellen Kultur und einer
- symbolischen Kultur (Schrift und Sprache). Der Unterschied spiegelt nicht nur verschiedene menschliche Tätigkeiten wider. Man braucht auch verschiedene Untersuchungsmethoden, um beide Bereiche zu beschreiben und zu untersuchen. In der Regel konzentrieren sich die Archäologen auf die materielle Kultur und die Kulturanthropologen auf die symbolische Kultur. Beide wollen aber letztendlich auch wissen, wie diese zwei Bereiche zusammenhängen. Darüberhinaus bezieht sich der Begriff Kultur für die Anthropologen nicht nur darauf, wie Güter verbraucht werden, sondern auch darauf, wie sie produziert werden und wie sie für die Menschen bedeutsam werden. Die Anthropologen wollen darunter auch die sozialen Beziehungen und Handlungsweisen verstehen, in welche die Dinge des täglichen Lebens einbezogen werden. 2000 wurde von Anthropologen gefordert, den Kulturbegriff auf Primaten auszudehnen. Kultur ist in Zeiten des Umbruchs und der Veränderung auch ein Modewort geworden: Kultur wird mit großem Aufwand als Event inszeniert und als ein wirtschaftlicher Impulsgeber konsumierbar gemacht ("Kulturalismus").

Verwandte Themen


- Alltagskultur
- Baukultur
- Enkulturation
- Gegenkultur
- Internetkultur
- Investmentkultur
- Jugendkultur
- Kulturkapitalismus
- Kulturalismus
- Kulturdarwinismus
- Kulturell Kreativ
- Kulturindustrie
- Kulturkreis
- Kulturschock
- Kulturtechnik
- Kultur und Entwicklung
- Mobilitätskultur
- Subkultur
- Tradition
- Unternehmenskultur
- Zivilisation

Siehe auch


- Aborigines-Kultur
- Afrikanische Kultur
- Arabische Kultur
- buddhistische Kultur
- chinesische Kultur
- christliche Kultur
- deutsche Kultur
- europäische Kultur
- französische Kultur
- indianische Kultur
- Indische Kultur
- islamische Kultur
- Israelische Kultur
- Japanische K