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FARC

FARC

Die FARC, eigentlich F.A.R.C.-E.P. (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejercito del Pueblo – Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens / Volksarmee), ist eine kolumbianische, marxistisch orientierte Guerillabewegung. Aktiv seit 1964, gehört sie zu den ältesten noch aktiven lateinamerikanischen Guerillaorganisationen.

Anfänge

Ursprünglich war die FARC der militärische Arm der PCC (Partido Comunista Colombiano/Kommunistische Partei Kolumbiens), welche den politischen Kampf gegenüber dem militärischen favorisierte und somit die FARC eher Selbstverteidigungscharakter hatte. Dies änderte sich erst Anfang der 1990er Jahre u.a. mit der zunehmenden Bedeutungslosigkeit linker Parteien und dem verschärften militärischen Vorgehens seitens der Armee (z.B. der Angriff auf das Generalsekretariat der FARC im Dezember 1990).

Heutige Form

Die FARC wird von Manuel Marulanda und weiteren Befehlshabern kommandiert, darunter José Briceño alias Mono Jojoy, Tomás Medina Caracas alias Negro Acacio und Leon Saenz Vargas alias Alfonso Cano. Die Truppenstärke wird auf 10.000 - 30.000 Mann unter Waffen geschätzt, wobei der Frauenanteil bei circa 40% liegen dürfte. Die FARC führt den Bürgerkrieg gegen den kolumbianischen Staat sowohl mit Guerilla-Methoden Terror als auch im konventionellen Kampf. Circa 35% des Landes befinden sich unter der Kontrolle der FARC, in den betroffenen Gebieten besitzt sie weitgehende Bewegungsfreiheit und bestimmen die lokale Gesetzgebung. Die FARC finanziert sich hauptsächlich aus Lösegeldzahlungen und den Erlösen aus dem internationalen Drogenhandel. Die Einnahmen werden auf jährlich über 300 Millionen US-Dollar geschätzt, andere Quellen gehen von bis zu 980 Millionen US-Dollar aus. Im Jahr 2000 hat die FARC die Praxis der Erpressung im „Gesetz 002“ festgehalten, wonach jeder Kolumbianer mit einem Vermögen von über einer Million Dollar eine „Revolutionssteuer“ von zehn Prozent zahlen muss. Sie sieht die Entführungen als Druckmittel, wie etwa bei dem bekannten Entführungsopfer Ingrid Betancourt (Präsidentschaftskandidatin) im Februar 2002. Ähnlich lukrativ ist der Drogenhandel. Kolumbien produziert rund 70 Prozent des weltweit konsumierten Kokains und versorgt etwa drei Viertel des Heroinmarktes der USA. Die Drogenanbaufläche hat sich in den 1990er Jahren auf rund 120.000 Hektar versechsfacht. Die permanenten Verstöße der FARC gegen das Internationale Völkerrecht sind seit Jahren bekannt und belegt. Selektive Morde und Massaker an Zivilisten, Geiselnahmen, direkte Gewalt, Verletzungen der Menschenrechte und ihr autoritärer, militärischer Regierungsstil in der von ihnen verwalteten Enklave stehen im krassen Widerspruch zu ihrem demokratischen Anspruch. In Kolumbien ereignen sich fast die Hälfte aller weltweit registrierten Geiselnahmen. Berüchtigt sind die „pescas milagrosas“, die „wundersamen Fischzüge“, bei denen künstlich Straßensperren errichtet werden, um potenzielle Entführungsopfer abzupassen. Ideologische Absichten sind hinter dem Ziel eines unbarmherzigen Krieges zurückgewichen, welcher mittlerweile zum Selbstzweck geworden ist.

Ziele

1993 stellte die FARC im Rahmen der Plattform für eine Regierung der des Wiederaufbaus und der nationalen Aussöhnung folgenden Zehnpunkteplan auf, der als Gesprächsgrundlage mit der Regierung dient : # Die Lösung des Konflikts mit politischen Mitteln. # Die Armee darf keine innenpolitische Funktionen wahrnehmen. # Die Durchsetzung der Gewaltenteilung zwischen Justiz und Politik, Pressefreiheit und demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten auf allen Ebenen. # Stärkung des internen Konsums, Schutz der einheimischen Industrien vor ausländischer Konkurrenz sowie staatliche Kontrolle über den Energiesektor. # Verwendung von 50% des Staatshaushaltes für Sozialausgaben und 10% für die Förderung der Wissenschaften. # Einführung eines progressiven Steuersystems. # Entwicklungsprogramme für ländliche Regionen # Revision der derzeitigen Energiepolitik und Neuverhandlung der Verträge zur Ausbeutung der Bodenschätze mit den multinationalen Unternehmen. # Der Aufbau souveräner, auf dem Recht auf Selbstbestimmung basierender Beziehungen zu allen Ländern der Welt. # Nicht-militärische Lösung des Drogenproblems.

Kürzliche Entwicklung

Unter dem Präsidenten Andrés Pastrana Arango 1998-2002 kam es zu Friedensverhandlungen mit der FARC. Unter anderem wurde der FARC ein etwa 40.000 km² großes Gebiet zur Verfügung gestellt, die so genannte Zona de despeje, in der die FARC de facto die volle innere Autonomie inne hatte. Die Regierung von Präsident Pastrana hatte die Forderung der FARC auf die Kontrolle dieses Gebietes erfüllt, um dort Verhandlungen zu ermöglichen. Alle sechs Monate muss das Parlament über die Aufrechterhaltung der Zone in Abhängigkeit von Fortschritten bei den Verhandlungen neu bestimmen Mit der Forderung drastisch gegen die FARC vorzugehen gewann Pastranas Nachfolger Álvaro Uribe die Wahlen 2002. Er gab also den Verhandlungskurs auf und strebt aktuell eine militärische Lösung des Konflikts an. Am 21. Februar 2002 hat Kolumbiens neuer Präsident Uribe in einer Fernsehansprache das endgültige Aus für den Friedensprozess erklärt. Die neutrale Zone soll von der Armee wieder besetzt werden. Am 20. Februar 2005 meldet die Zeitung EL Tiempo, dass der Sprecher des Oberkommandos der FARC, "Raúl Reyes", in einem Rundfunkinterview erklärt habe, die Zeit der Zurückhaltung und der militärischen Regeneration der FARC sei vorbei und man strebe nach wie vor, wie das auch die Angriffe auf militärische Ziele in jüngster Zeit gezeigt hätten, die Machtübernahme im Land an. Die Europäische Union hat die FARC auf die Liste der Terrororganisationen aufgenommen. Die FARC lieferte sich am 27. Oktober 2005 um 5 Uhr heftige Kämpfe mit den Paramilitärs der AUC. Starker Regen und Nebel behinderte das erreichen des Militärs nach San José del Palmar in der Provinz Cauca. Bestätigt wurden am Tag darauf aber nur zwei Tote des AUC und sechs Gefangene. Die FARC blockierte Anfang Oktober 2005 den Verkehr der Provinz Arauca, Hauptlieferant des Erdöls in Kolumbien. Auch die Provinz vom Putumayo nahe der Grenze mit Ecuador ist durch eine Bombe an einem Hochspannungsmast durch fehlende Elektrizität in der selben Woche behindert worden. Siehe auch: Ejército de Liberación Nacional (ELN)

Literatur


- Raul Zelik, Dario N. Azzellini: Kolumbien - Große Geschäfte, staatlicher Terror und Aufstandsbewegung ISBN 3-929-008-48-3

Weblinks


- http://www.redresistencia.org
- http://www.farc.de (Kritische Seite zum Thema FARC)
- http://www.farcep.org
- http://www.bbc.co.uk/spanish/specials/1441_farc/index.shtml ein BBC Spezial (spanisch) zum 40. Geburtstag der FARC Kategorie:Kolumbien ja:コロンビア革命軍

Kolumbien

Kolumbien (spanisch Colombia) ist ein Staat im nördlichen Teil von Südamerika und grenzt an Brasilien, Peru, Ecuador, Venezuela und Panama. Kolumbien liegt am Pazifischen Ozean und an der Karibik.

Geografie

Kolumbien liegt im Nordwesten Südamerikas und grenzt sowohl an den atlantischen (1.600 km Grenzlinie), als auch an den pazifischen Ozean (1.300 km Grenzlinie). Im Südwesten liegen Ecuador und Peru, im Nordosten Venezuela und im Südosten Brasilien. Die westliche Hälfte Kolumbiens wird von den Anden dominiert, die in drei große Bergketten geteilt sind: die westliche, die zentrale und die östliche Kordillere. Zwischen den Bergketten fließen die großen, teilweise befahrbaren Flüsse Cauca und Magdalena in den atlantischen Ozean. Die Hochgebirge beherbergen die zum Teil aktiven Vulkane Galeras, Huila, Nevado del Ruiz, Purace, Tolima und Doña Juana. Die höchsten Gipfel sind der Pico Cristóbal Colón sowie der Pico Simón Bolívar, beide jeweils 5.775 m hoch und in der Sierra Nevada de Santa Marta gelegen. Die östliche Hälfte ist durch dicht bewaldetes Flachland charakterisiert, durch das die Flüsse Putumayo, Yapura, Meta und Guaviare fließen, die entweder im Orinoco oder im Amazonas münden. Kolumbien hat Küsten sowohl am atlantischen wie am pazifischen Ozean. Die bekanntesten Inseln im Atlantik sind der Archipel von San Andrés und Providencia (770 km nordöstlich von Kolumbien), mit den Inseln San Andrés, Providencia und Santa Catalina. Der karibischen Küste vorgelagert ist die Insel Fuerte und die Archipele von San Bernardo und del Rosario. Im Pazifik liegen die Inseln Malpelo und Gorgona und Gorgonilla. Je nach Meereshöhe unterscheidet man vier Klimazonen. In den Flachländern (Llanos) herrscht tropisches Klima über 24° C, zwischen 1.000 und 2.000 m gemäßigtes Klima (17-24° C), zwischen 2.000 und 3.000 m kaltes (12-17° C) und in den Bergregionen (Páramos) ab 3.000 m Höhe hochalpines Gletscherklima (unter 12° C). Kolumbiens größte Städte sind die Hauptstadt Santa Fé de Bogotá, Medellín, Cali, Cartagena de Indias, Barranquilla, Ibagué, Manizales, Pasto, Cúcuta und Bucaramanga. Siehe auch: Städte in Kolumbien

Umwelt

Kolumbiens Lage mit unterschiedlichen Höhenstufen und Klimazonen, die den Übergang und Kontakt zwischen Amazonas und Anden einschliessen, heterogene Bodenbedingungen bedingen eine große Biodiversität mit einer hohen Anzahl endemischer Arten. Kolumbien ist eines der Länder mit der größten Artenvielfalt pro Gebietseinheit weltweit: Mit nur 0,7 % Anteil an der weltweiten Festlandsmasse vereinigt das Land 10% aller Tier- und Pflanzenarten des Planeten auf seinem Staatsgebiet. Obwohl Kolumbien den Schutz seiner natürlichen Ressourcen bereits seit den 70er Jahren vorantreibt, haben neben natürlichen Umweltkatastrophen (häufig entweder bedingt durch extreme Trocken- oder Regenzeiten) vor allem das dynamische soziale und wirtschaftliche Wachstum und die bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen in den letzten Jahrzehnten erhebliche Umweltschäden mit sich gebracht. Mit der Verfassung von 1991 hat sich das Land nun explizit der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben; etwa 60 Verfassungsartikel beziehen sich direkt oder indirekt auf die Umwelt. Den normativen Rahmen für die Ausgestaltung dieser Vorgaben bildet das Gesetz 99 von 1993, durch das ein Umweltministerium als Bestandteil des Nationalen Umweltsystems (Sistema Nacional Ambiental, kurz SINA) geschaffen wurde. Zum SINA gehören nebem dem Ministerium unter anderem die Regionalentwicklungsbehörden, die mit dem Management der natürlichen Ressourcen und ihrer nachhaltigen Entwicklung beauftragt sind, städtische Umweltplanungsbehörden und -systeme wie das DAMA in Bogotá und der Ecofondo, der Zusammenschluss aller Umwelt-NGOs. Staatliche Umweltpläne sollen zur Erreichung der ehrgeizigen Ziele beitragen. Allerdings werden den Regionalentwicklungsbehörden unter anderem überhöhte Betriebskosten, fehlende Investitionen in Umweltprogramme und die Aufgabe wieder aufgeforsteter Gebiete vorgeworfen. Diese und andere Mängel sollen deshalb mittels einer weitgreifenden Umweltsektorreform beseitigt werden. Dazu wurde bereits im März 2003 ein Gesetzesvorschlag vorgelegt; darüber hinaus wurde das Umweltministerium im April 2003 zum Ministerio de Ambiente, Vivienda y Desarollo Territorial fusioniert. Derzeit gibt es Bestrebungen, die bereits seit Jahrzehnten bestehende Nationalparkverwaltung (UAESPNN - Unidad Administrativa Especial del Sistema de Parques) umzustrukturieren. Insgesamt wird die bisherige Umweltpolitik von Präsident Uribe oft als ein Rückschritt hinter bereits erzielte Erfolge bezeichnet, insbesondere, da die Umwelt- und Naturzerstörung als Folge des bewaffneten Konflikts von Jahr zu Jahr steigt.

Klima

Da der Äquator durch Kolumbien läuft, liegt das Land in der tropischen Klimazone. Der Norden, also die Karibikküste, liegt in der subtropischen Zone. In Gebieten unterhalb 550m werden Durchschnittstemperaturen von 25°C bis 30°C gemessen (tropischer Bereich), zwischen 550m und 2300m Jahresmittel von bis zu minimal 18°C (gemäßigter Bereich) erreicht. Zwischen 2300m und 3000m beträgt die Temperatur nur noch 10 - 17°C. Bogotá, welches in einer Höhe von 2550m über dem Meeresspiegel liegt, hat eine Jahresdurchschnitttempereatur von 13°C. Über 3000m liegt die kaltgemäßigte bis kalte Klimazone mit Temperaturen zwischen - 17,8°C bis +12,8°C. Jährlich gibt es zwei Regenzeiten (April und Oktober) und zwei Trockenzeiten, die aber nicht extrem ausfallen. An der Westküste der Anden fällt die größte Menge an Niederschlag. Im südlichen Teil des Landes werden ca. 3000mm Niederschlag pro Jahr und gemessen, im Norden bis zu 10.000mm. Einige Orte mit einem Niederschagsvolumen von bis zu 16.000mm im Jahr gehören zu den regenreichsten Gebieten der Erde. Die östlichen Gebiete werden weniger stark beregnet. Durch den Passatwind sind diese Teile der Karibikküste sehr regenarm (unter 400mm Niederschlagsmenge pro Jahr und m²). Weiterhin ist die Niederschlagsmenge in den Hochtälern und Hochbecken durch die Regenschattenseite nur bei 1000mm angesiedelt.

Bevölkerung

Kolumbien mit einer Bevölkerungszahl von ca. 42,31 Mio. hat auf Grund seiner Geschichte eine sehr diversifizierte Bevölkerungsstruktur. Auf jedem Quadratkilometer leben durchschnittlich 31 Einwohner. 72% der Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten und Städten, hauptsächlich in den Tälern des Río Magdalena und des Río Cauca sowie an der Küste des karibischen Meeres. Allein in Bogota, die Hauptstadt und das Zentrum der Industrie, lebt ca. 1/7 der Bevölkerung. Die Bevölkerung setzt sich aus drei sehr unterschiedlichen Gruppen zusammen: den indigenen Indios, den europäischen, zumeist aus Spanien stammenden Kolonisten und den importierten Sklaven aus afrikanischer Herkunft. Die heutige Demografie des Landes besteht aus einer Mischung dieser Gruppen. Demografie Verbindungen zwischen diesen Gruppen waren und sind sehr weit verbreitet. Den größten Anteil an der Bevölkerung stellen mit 60 % die Mestizen, deren Vorfahren Europäer und Indigene waren. Zur hellhäutigen Bevölkerung gehören die Kreolen, Nachfahren der europäischen Kolonisten, die somit die größte Minderheit mit 20 % darstellen. Weiter sind mit 16 % die Mulatten in der kolumbianischen Gesellschaft vertreten, Nachkommen von Europäern und afrikanischen Sklaven. Rein afrikanische Vorfahren haben 4 % der Bevölkerung, 3 % zählen zu den Zambos, die von afrikanischen Sklaven und indigenen Indios abstammen. Im Dorf Palenque de San Basilio existiert die einzige spanischbasierte Kreolsprache in Lateinamerika. Die Menschen dort sind zum größten Teil Nachfahren entlaufener Sklaven und sprechen Palenquero. Heutzutage werden nur noch 1 % als Indigene klassifiziert, unter anderem durch ihre Kultur und Sprache. Dominant ist die römisch-katholische Glaubensrichtung (ca. 90 % der Bevölkerung). Völkerbewegungen vom Land in die Stadt sind massiv. Stadtbevölkerung ist von einem Anteil von 57 % der Gesamtbevölkerung im Jahre 1951 auf 74 % 1994 gestiegen. Dreißig Städte haben mehr als 100.000 Einwohner. Die östlichen Llanos Kolumbiens, die aus 9 Departamentos bestehen und 54 % der Fläche ausmachen, beherbergen nur 3 % der Bevölkerung und damit eine Dichte von einer Person pro Quadratkilometer. Siehe auch: Afrokolumbianer

Geschichte

Nach der Entdeckung Mittelamerikas durch spanische Seefahrer entstanden mit Santa Marta (gegr. 1527) und Cartagena de Indias (gegr.1533) die ersten kolonialen Stützpunkte an der kolumbianischen Karibikküste. Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo Jiménez de Quesada in das Andengebiet vordrangen, wurden die Chibcha unterjocht. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, die die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa Fé de Bogotá und Tunja (gegr. beide 1539). Wenig später erfolgte die Gründung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte. Kolumbien ist einer der Staaten, die durch den Zerfall Großkolumbiens im Jahr 1830 entstand (andere sind Ecuador und Venezuela). Bis zum Jahre 1903 gehörte Panama zu Kolumbien. Kolumbien gehört zu der 1969 gegründeten Andengemeinschaft, die seit 1995 eine Freihandelszone zwischen den Mitgliedsstaaten aufgebaut hat. Seit Jahrzehnten dauert nun schon der Bürgerkrieg in Kolumbien an. Nach einer Welle von Gewalt und Terror verhängt Präsident Álvaro Uribe Vélez am 12. August 2002 für 90 Tage den Ausnahmezustand. Der im Jahre 2003 von Präsident Álvaro Uribe begonnene Friedensprozess mit den Paramilitärs droht zu scheitern. Ein Grund dafür ist das spurlose Verschwinden des Gründers der Paramilitärs, Carlos Castaño, ein anderer die Forderung der Paramilitärs, für ihre Taten, einschließlich des Drogenhandels, nicht bestraft und an die USA ausgeliefert zu werden. Siehe auch: Liste der Präsidenten Kolumbiens

Verwaltungsgliederung

Kolumbien ist in 32 Provinzen untergliedert (Hauptstädte in Klammern): right #Amazonas (Leticia) #Antioquia (Medellín) #Arauca (Arauca) #Atlántico (Barranquilla) #Bolívar (Cartagena de Indias) #Boyacá (Tunja) #Caldas (Manizales) #Caquetá (Florencia) #Casanare (Yopal) #Cauca (Popayán) #Cesar (Valledupar) #Chocó (Quibdo) #Córdoba (Monteria) #Cundinamarca (Bogotá) #Guainía (Puerto Inirida) #Guaviare (San José del Guaviare) #Huila (Neiva) #La Guajira (Riohacha) #Magdalena (Santa Marta) #Meta (Villavicencio) #Nariño (Pasto) #Norte de Santander (Cúcuta) #Putumayo (Mocoa) #Quindío (Armenia) #Risaralda (Pereira) #San Andrés und Providencia (San Andrés) #Santander (Bucaramanga) #Sucre (Sincelejo) #Tolima (Ibagué) #Valle del Cauca (Cali) #Vaupés (Mitú) #Vichada (Puerto Carreño) Zusätzlich: Bogotá - Distrito Capital

Wirtschaft

Kolumbien ist der größte Produzent zahlreicher Schnittblumenarten. Bei der Produktion von Nelken steht es weltweit an erster, bei Schnittblumen insgesamt an zweiter Stelle. Mit 3.500 verschiedenen Orchideen-Arten hat Kolumbien die größte Vielfalt der Welt. Ebenfalls an erster Stelle steht Kolumbien bei der Produktion von Smaragden und Guadua-Holz. Es ist außerdem der zweitgrößte Kaffee-Produzent der Welt und steht bei der Produktion von Bananen weltweit an dritter Stelle. Bei der Produktion von Kartoffeln ist Kolumbien in Lateinamerika führend. Das Land ist der zweitgrößte Exporteur landwirtschaftlicher Produkte in die USA. Darüber hinaus ist Kolumbien weltweit der viertgrößte Produzent von Kohle und Nickel und hat außerdem eine sichere Erdölreserve von zwischen 1,54 bis 1,84 Milliarden Barrel. Ein Teil der kolumbianischen Wirtschaft wird direkt oder indirekt vom Anbau und der Produktion von illegalen Drogen beeinflusst. So bauen Bauern insbesondere Koka, aber auch Schlafmohn an, da sie sich so ein besseres Einkommen versprechen als bei der Produktion von Nahrungsmitteln oder Kaffee; und der Druck der Drogenkartelle ermöglicht es den Kokabauern oft auch nicht, auf legale Waren umzuschwingen. Hauptexportgüter Kolumbiens sind Kaffee, Bananen, Schnittblumen, Smaragde, exotische Früchte, Textilien, Lederwaren, Lebensmittel, Erdöl und Erdölderivate, Kohle und Kohlederivate, Gold und Zucker.

Politik

Als Präsidialrepublik ist Kolumbien in die Exekutive, Legislative und Judikative aufgeteilt. Das Parlament besteht aus zwei Kammern, dem Kongress (congreso) und dem Senat (senado). Die geltende Verfassung wurde am 5. Juli 1991 nach einem Volksentscheid verabschiedet. Fast alle Ämter, vom Präsidenten bis zum Abgeordneten, werden direkt vom Volk gewählt. Als volljährig gilt jeder ab dem 18. Lebensjahr und nur Mitglieder der Armee und Strafgefangene dürfen nicht wählen. Der Präsident und die Senats- und Kongressabgeordneten werden zu einer Amtszeit von vier Jahren gewählt. Kolumbien ist Mitglied in der Südamerikanische Staatengemeinschaft, Organisation Amerikanischer Staaten und den Vereinten Nationen. Beitrittsverhandlungen zu Mercosur werden geführt.

Parteien


- Partido Liberal (liberale)
- Partido Conservador Colombiano (konservative)
- Movimiento de Salvación Nacional (konservative)
- Alianza Democrática M-19 (ehemalige M-19 Guerillagruppe)
- Polo Democrático Independiente
- Unión Democrática
- Unión Patriótica (komunistische)
- Partido Comunista de Colombia (komunistische)
- Movimiento Obrero Independiente y Revolucionario
- Partido para Defensa del Folklore Nacional.
- Oxígeno verde

Bildungswesen

In Kolumbien wird die Bildung in vier Stufen aufgeteilt, Vorschule (preescolar), Schule (educación básica), Gymnasium (educación media) und Universität (nivel universitario). Verantwortlich für die Bildung ist das Ministerium de Educación Nacional. Im Durchschnitt sind die staatlichen Bildungseinrichtungen für die Familien günstiger als die in privater Hand. Außerdem werden auch nicht staatlich anerkannte Titel, meist von privaten technischen Schulen, angeboten, die oft die Selbständigkeit des Auszubildenden zum Ziel haben. Im Vorschulalter werden den Eltern, fast ausschließlich aus dem privaten Sektor, Kindergärten angeboten. Die letzten zwei Jahre vor der Grundschule werden Kinder (4-5 Jahre) und transición (Übergang) (5-6 Jahre) genannt. Von einem Kind in der transición Altersgruppe wird erwartet, dass es schon mit dem Lesen- und Schreibenlernen angefangen hat. Die Schulzeit eines Kindes begrenzt sich auf neun Jahre, fünf davon in der Grundschule (básica) und vier im Gymnasium (secundaria). Meist nur für Familien, die die nötigen finanziellen Mittel haben, bieten Schulen zwei weitere Jahre der Educación Media, auch Bachillerato genannt, an. Schüler die das Bachillerato machen haben meist zum Ziel die Universität zu besuchen. Universitäten werden sowohl vom Staat als auch privat betrieben. Technische Abschlüsse werden nach drei Jahren, Graduierte (vergleichbar mit Bachelor) nach vier und Diplome nach fünf Jahren vergeben. Ergänzend werden Master- und Doktortitel, letztere nur durch staatlich anerkannte Institutionen, angeboten. Die bekannteste Universität Kolumbiens ist die Universidad Nacional de Colombia mit Hauptsitz in Bogotá.

Kultur

Siehe auch: Liste berühmter Kolumbianer

Kunst

Kolumbien rühmt eine lange Geschichte der Künste, die bis in die präkolumbischen Zeiten zurückgeht. Bekannt sind aus diesen Zeiten Goldfiguren, Schmuck und Tonarbeiten. In der Hauptstadt Bogotá sind im Goldmuseum viele dieser Stücke zu bewundern. Ein Großteil der Kunststücke ist aber seit der Entdeckung, erst durch die Entdecker und dann durch Grabräuber, verschwunden. Die diversen Volksgruppen stellen weiterhin unterschiedlichste Arten von Kunst her, unter anderem die handgewebten Handtaschen (Mochilas) und Hängematten der Guajiros. Zu den bekanntesten kolumbianischen Künstlern des 20. Jahrhunderts zählen Enrique Grau, Fernando Botero und Alejandro Obregón. Bekanntester kolumbianischer Schriftsteller ist der Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez.

Musik

Die traditionelle kolumbianische Musik ist sehr vielfältig. Die Musik der Karibikküste, wo viele Afro-Kolumbianer leben, ist stark von afrikanischen Rhythmen geprägt, wie man es in Stilen wie der Cumbia und dem verwandten, aber melodischeren Vallenato hören kann. Eine neue in dieser Region Kolumbiens entstandene Musikrichtung ist der ebenfalls stark von afrikanischen und karibischen Einflüssen geprägte Champeta. Völlig anders ist dagegen die traditionelle Musik der Andenregion um Bogotá, die eine Mischung spanischer und vorkolumbischer Stilelemente ist und damit der Folkloremusik des Hochlandes von Peru und Ecuador ähnelt. Im Rest des Landes ist die traditionelle Musik vor allem von spanischen und italienischen Einflüssen geprägt. Salsa ist in Kolumbien, wie auch im Rest Südamerikas ebenfalls sehr beliebt. Berühmte kolumbianische Salsa-Interpreten sind die Grupo Niche, Fruko y sus Tesos und Joe Arroyo. Eine der populärsten Salsa-Tänzerinnen ist Maria del Pilar, die inzwischen zusammen mit ihrem Guitarriero Nico Berdugo auch in Europa bei zahlreichen Auftritten gefeiert wird. Die bekannteste Musikerin Kolumbiens ist die Sängerin Shakira. Mittlerweile haben es auch der Pop-Sänger Juanes und der Vallenato-Interpret Carlos Vives zu internationaler Berühmtheit gebracht. In den kolumbianischen Großstädten gibt es seit den 90er Jahren eine ständig wachsende moderne Musikkultur. Trotzdem wächst die Szene weiter. Im Jahr 1994 fand zum ersten Mal das Festival „Rock al parque“ statt, dass mittlerweile das größte kostenlose Rockfestival Lateinamerikas ist.

Sport

Kolumbien ist besonders für Fußball und Radsport international bekannt und seit einigen Jahren durch Juan Pablo Montoya in der Formel 1 vertreten. Bekannteste Tennisspielerin ist Fabiola Zuluaga. 2005 hat die Golfspielerin María Isabel Baena erstmalig einen Titel für Kolumbien bei dem in New Jersey, USA ausgetragenen Match Play-Meisterschaft gewonnen. Clara Juliana Guerrero ist die weltbeste Kegelspielerin, eine Sportart in der auch u.a. die Geschwister Paola Rocío Gómez Ardila und Jaime Andrés Gómez Ardila das Land vertreten. Berühmte Boxer sind der legendäre Antonio Cervantes "Kid Pambelé", der vier Jahre lang Weltmeister in der Gewichtsklasse 140 Pfund Juniorgewicht der (WBA) war und Miguel "Happy" Lora, der zwischen 1985 und 1989 den Weltmeistertitel in der Gewichtsklasse 118 Pfund Bantamgewicht der (WBC) hielt.

Fußball

Eine Fußballliga wurde 1924 angedacht und durch den Beitritt 1936 zu der Confederación Sudamericana de Fútbol (CONMEBOL) besiegelt. Die Nationalelf spielte zum ersten mal 1962 in Chile bei der Weltmeisterschaft mit. Aus drei Spielen erhielt sie aber nur einen Punkt, spielte aber mit einem 4:4 gegen die UdSSR eine historische Partie. 1964 wurde die Bundesliga „Federación de Fútbol de Colombia (Fedebol)” mit Unterstützung der FIFA gegründet. Kolumbien wurde 1974 von der FIFA die Austragung der 1986 zu spielenden Weltmeisterschaft zugesprochen, die aber letztlich wegen Uneinigkeiten zwischen Privat- und Staatsfinanzierungen 1981 an Mexiko ging. Der bisher größte Erfolg der Fußball-Nationalmannschaft ist der im Jahre 2001 errungene Titel der Copa América, welcher zudem in Kolumbien ausgetragen wurde. Weitere Höhepunkte waren die jeweilige Qualifikation zu den Fußball-Weltmeisterschaften von 1962, 1990, 1994 und 1998, sowie der historische 5:0-Sieg über Argentinien in Buenos Aires. Dieses Spiel diente der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1994 in den USA. Die Nationalmanschaft wird nicht die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland bestreiten, da sie sich trotz einem 1-0 im letzten Spiel gegen Paraguay nicht qualifizieren konnte. Siehe auch: Kolumbianischer Fußball

Radsport

Das erste in Etappen gefahrene Rennen Südamerikas wurde 1951 in Kolumbien absolviert. Erster bekannter kolumbianischer Radrennfahrer bei der Tour de France war Cochise Rodríguez, der das Rennen 1977 als 27. beendete. Fabio Parra gewann 1988 drei Etappen und endete als Dritter in der Gesamtwertung. Luis „Lucho“ Alberto Herrera gewann 1985 und 1987 zwei Bergetappen und wurde dadurch zum kolumbianischen Nationalhelden. Von sich reden machte seit Ende der 1990er Jahre zudem der aus Medellín stammende Santiago Botero. Er wurde 2002 Zeitfahr-Weltmeister bei der Straßen-Radweltmeisterschaft im belgischen Zolder. Darüber hinaus sicherte er sich unter anderem drei Etappen bei der Vuelta a España sowie bei der Tour de France, bei der er im Jahre 2000 zudem als Gewinner des Bergtrikots die Avenue des Champs-Élysées in Paris erreichte. 2005 gewann der Kolumbianer Ivan Parra zwei Etappen beim Giro d’Italia.

Inline-Skating

Seit einigen Jahren zählt Kolumbien in dieser Disziplin zu den stärksten Nationen weltweit. Die bekannteste Inline-Skaterin ist Cecilia Baena (Sportlerin des Jahres 2001 in Kolumbien), bei den Panamerikanischen Meisterschaften 2005 gewann sie neun Medaillen. 2004 wurde sie in Italien dreifache Weltmeisterin. Außerdem gewann sie das größte Inlinerennen der Welt, den Berlin Marathon mit 10.000 Teilnehmern. Weitere bekannte Weltmeister, sowie Weltrekordhalter sind Diego Rosero und Jorge Andrés Botero.

Tejo

Tejo, eine moderne Version eines Indianerspieles namens Turmequé, wird schon über 500 Jahre lang in den Provinzen Cundinamarca und Boyacá gespielt und wurde im Juni 2000 vom kolumbianischen Kongress zum Nationalsport ernannt. Die moderne Version sieht vor, eine eiserne Halbkugel, den Tejo, in einen metallischen Kreis zu werfen und so, die an den vier Himmelsrichtungen aufgelegten Schwarzpulvertaschen, die Mechas, zum lauten Knall zu zwingen. Wer die meisten dieser Mechas zum Explodieren bringt, gewinnt das Spiel, das sowohl im Team als auch einzeln gespielt werden kann. Die Partien werden traditionell von alkoholischen Getränken begleitet. Die Brauereien sind daher naturgemäß die größten Sponsoren.

Infrastruktur

Kolumbien bedient sich eines Bahnnetzes von 3.304 km Länge, davon aber nur 150 km in Standardbreite, die hauptsächlich zur Förderung von Kohle aus dem El Cerrejón zum Hafen Bahía Portete dienen. Der Personenverkehr auf der Schiene beschränkt sich auf drei kurze touristische Strecken. Zusammen mit den 112.998 km Straßennetz, von denen nur ca. 26.000 km gepflastert sind, besitzt Kolumbien daher eine der am schlechtesten Verkehrsinfrastrukturen Süd- und Mittelamerikas. Der Straßenausbau liegt mit etwa 100 m/km² unter dem lateinamerikanischen Durchschnitt von 118 m/km². Häfen von größerer Bedeutung sind die von Barranquilla, Buenaventura, Cartagena, Muelles El Bosque, Puerto Bolivar, Santa Marta und Turbo. Die Flughafenanzahl wird auf 980 geschätzt, wobei fast jede Millionenstadt einen international angebundenen Flughafen hat. Es sind etwa 1,89 Millionen Festnetztelefone in Betrieb. Offiziell funken 413 LW/MW- und 217 UKW-Radiosender; es sind ca. 5,5 Millionen Fernseher im Einsatz. Seit der neuen Verfassung von 1991 sind die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zurückgegangen, die privaten dagegen angestiegen. Dadurch ist die Beteiligung des Privatsektors in Infrastrukturprojekte des Transportes, Strom und Wasserversorgung rasant gestiegen. Seit 1994 werden Teile des Fernstraßennetzes in Konzession an Privatunternehmer vergeben, die bis dato dadurch 10% bis 15% des Straßennetzes verwalten. Erfahrungen zeigen, dass die Bau- und Unterhaltkosten dadurch von 300% über den ursprünglich veranschlagten Kosten auf 40% reduziert werden. Diese Strecken werden über eine Maut finanziert.

Gesundheitswesen

Der Altersaufbau ist charakterisiert durch einen großen Anteil an junger Bevölkerung. Zwischen 1985 und 1990 ist zwar der Anteil von Menschen unter 15 Jahren von 45,7% auf 36% gesunken, dennoch ist dieser Wert sehr hoch. Für die männliche Bevölkerung ist die Lebenserwartung zwischen 1965 und 1993 von 54 auf 66,5 Jahre gestiegen, bei Frauen von 59 auf 72,4 Jahre. Die medizinische Versorgung ist nicht gleichwertig über das Staatsgebiet verteilt; Küstengebiete und ländliche Regionen sind hier benachteiligt. Ärzte, medizinische Angestellte und Krankenhäuser konzentrieren sich auf die Ballungsgebiete. 23.520 Ärzte, 13.815 Zahnärzte und 43.065 Krankenpfleger verrichten ihren Dienst an der Gesundheit; 1989 wurden 45.858 Krankenhausbetten gezählt. Durch mangelnde Ernährung und schlechte Wohnbedingungen sind die Krankheiten Tuberkulose, Malaria, Ruhr und Typhus in den wenig medizinisch versorgten Gebieten weit verbreitet. Um diesen Missstand zu beseitigen, hat der kolumbianische Staat Weltbankdarlehen aufgenommen und Einnahmen aus der Erdölproduktion für den Aufbau des Gesundheutssystems verwendet. Mutterschaft und Zahnarztbehandlung werden durch die Sozialversicherung unterstützt. Auch Arbeiter im Industriesektor sind unfallversichert und bei Invalidität versichert, die Angehörigen erhalten auch eine Unterstützung. Die Sozialversicherung wird durch Arbeitnehmer, Arbeitgeber und durch den Staat mit Hilfe von Beiträgen finanziert.

Medien

Kolumbiens Medienwelt besteht im wesentlichen aus dem Fernsehen (3 Hauptsendern), der Presse und dem Radio. Die meistgelesenen Zeitungen sind El Tiempo und bis zur Umwandlung zur Wochenzeitung El Espectador. Die Medien sind in Kolumbien in der Hand von wenigen Großunternehmern. Die Organización Ardila Lülle ist Eigentümer von Radio Cadena Nacional (RCN), ein großer Radiosender, seit 1995 auch dem eigenen TV Sender RCNTV und auch des größten Musikverlegers Sonolux. Der Grupo Santo Domingo und weitere Firmen und Beteiligungen der Familie Santo Domingo sind (Teil)Inhaber von Radio Caracol, Caracol TV, Bogotá City TV und der Zeitung El Espectador.

Weitere Themen


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- Britisch-Kolumbien
- District of Columbia

Literatur


- Curth, Oliver: Musik der Welt: Kolumbien. 2002 Lugert Verlag, ISBN 3-89760-803-0
- Dilger, Gerhard: Kolumbien. Beck`sche Reihe Länder. 1996 Verlag C.H. Beck, ISBN 3-406-39864-2
- Raul Zelik/Dario N. Azzellini: Kolumbien-Große Geschäfte, staatlicher Terror und Aufstandsbewegung. ISBN 3-929-008-48-3

Weblinks


- [http://www.presidencia.gov.co/ Homepage Regierung/Präsident von Kolumbien]
- [http://www.auswaertigesamt.de/www/de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_html?type_id=14&land_id=82 Informationen des Deutschen Auswärtigen Amtes]
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Marxismus

Marxismus ist eine philosophische, historisch-politische und ökonomische Gesellschaftstheorie mit wissenschaftlichem Anspruch. Sie bezieht sich auf die Schriften von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) und versucht, deren Ideen in ein schlüssiges Gesamtkonzept zu integrieren, das dem Aufbau einer sozialistischen und darauf aufbauend einer kommunistischen Gesellschaftsordnung dient. Seit ihrer Entstehung hat die marxistische Theorie verschiedene Richtungen entwickelt, die jeweils das Erbe der "Klassiker" beanspruchten und sich voneinander abgrenzten. Die bekanntesten davon sind die Sozialdemokratie, der Marxismus-Leninismus und verschiedene Formen des Neomarxismus: darunter der Austromarxismus, der Postmarxismus oder die Frankfurter Schule. Der Terminus Marxismus wurde zunächst von politischen Gegnern pejorativ verwendet. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde er von Anhängern dieser Weltanschauung selbst verwendet.

Überblick

Die Grundgedanken von Marx wurden erst nach seinem Tod systematisiert. Ihre Einordnung in eine konsistente Theorie steht unter einem doppelten Vorbehalt: 1. Marx verstand sein Werk zunächst als ständig überprüf- und revidierbare Analyse der jeweiligen Verhältnisse und als eine daraus abgeleitete Zukunftsprognose. 2. Engels wollte die Theorie in allgemeinverständlicher Form verbreiten und trug damit - nach Auffassung seiner Kritiker - zu ihrer Schematisierung und Vulgarisierung bei. Andererseits erhoben beide spätestens seit dem "Kommunistischen Manifest" von 1848 Anspruch auf eine allgemeingültige, wissenschaftliche Geschichtserklärung und politische Perspektive, sodass man den "Marxismus" als theoretisches und praxisorientieres System und damit als Weltanschauung betrachten kann. Marx bevorzugte für seine Theorie den Begriff „Wissenschaftlicher Sozialismus“. Damit grenzte er sich von anderen Staats- und Gesellschaftsentwürfen ab, die er dem Utopischen Sozialismus oder dem Anarchismus zuordnete. Er warf diesen Vorläufern und Zeitgenossen vor, eine gerechte und den Idealen der Französischen Revolution verpflichtete Gesellschaft nur zu „erträumen“, ohne die Bedingungen für ihre Verwirklichung wissenschaftlich zu erforschen und sie mit praktikablen Erfolgsaussichten anzustreben. Die marxistische Theorie unterscheidet verschiedene Kernbereiche, welche die Entwicklung der Ideen von Marx und Engels widerspiegeln:
- Die umfassende Abgrenzung von der herkömmlichen Philosophie und deren "Aufhebung" im dialektischen Materialismus. Ausgangspunkt hierfür waren die Religionskritik und die Ideologiekritik der Marxschen Frühschriften, die sich vor allem auf den deutschen Idealismus von Hegel und den Materialismus von Ludwig Feuerbach beziehen. Marx drückte das Ergebnis seiner Studien folgendermaßen aus, er habe die dialektische Methode weiter entwickelt und dabei den Idealismus "vom Kopf auf die Füße" gestellt. Kerngedanke seines Materialismus war der Satz: Das Sein bestimmt das Bewusstsein.
- Die wirtschaftlichen Produktionsverhältnisse bedingen nach Marx als Basis das kulturelle und geistige Leben einer Gesellschaft, den sogenannten Überbau. Die Herrschaftsverhältnisse lassen sich demnach auf klassengebundene Interessen zurückführen.
- Die Kritik der Ideen durch ihren Bezug auf die ökonomische Basis ist eingebettet in eine historisch-materialistische Geschichtstheorie. Danach wird die Geschichte der Menschheit maßgebend von Interessengegensätzen, zyklischen Wirtschaftskrisen und Klassenkämpfen bestimmt, die notwendigerweise zu Revolutionen führen und eine Höherentwicklung der Gesellschaft implizieren. Auch die Entwicklung der Staatsformen von der Antike bis zum modernen Nationalstaat ist für Marx Ergebnis solcher Kämpfe.
- Herzstück seines Werkes bildet die „Kritik der politischen Ökonomie“, vor allem in den drei Bänden des "Kapitals". Die Gesetzmäßigkeiten der Ausbeutung im herrschenden Kapitalismus, die Entstehung der modernen Klassengesellschaft und der Konzentrationsprozess des Kapitals werden sowohl mikro- wie makroökonomisch differenziert analysiert. Dabei griff Marx auf Vorarbeiten der Nationalökonomie von Adam Smith und Ricardo zurück. Werttheorie, Verelendungs- und Krisentheorie sind wichtige Ergebnisse dieser Analyse.
- Der Übergang vom Kapitalismus zur klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft im Kommunismus - über ein Zwischenstadium des Sozialismus - ist Gegenstand der Marxschen Revolutionstheorie. Praktische Anwendung fand der Marxismus zuerst in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts, vor allem der deutschen Sozialdemokratie, welche die Theorien von Marx und Engels zur Grundlage ihrer ersten Programme und Mitgliederschulungen machte. Sodann entwickelte Lenin im Anschluss an Marx seine Imperialismustheorie, die nach der Oktoberrevolution 1917, zusammen mit den Ideen von Marx und Engels, zur neuen Staatsideologie der Sowjetunion wurde. Dieser Marxismus-Leninismus bestimmte den sogenannten real existierenden Sozialismus nach 1945 in weiten Teilen der Welt, darunter in Osteuropa, China (in modifizierter Form des Maoismus), Kuba, Nordkorea und in Nordvietnam. Die praktische Politik dieser Länder wurde jedoch weitgehend vom Stalinismus beherrscht. Ob und wie weit dieser sich noch aus den Grundideen der "Klassiker" herleiten lässt oder eine "Fehlentwicklung" darstellt, ist eine der umstrittensten Fragen innerhalb der marxistischen Theoriebildung. Im Gegensatz zu Stalin und Mao beansprucht auch der Trotzkismus mit seiner Theorie der "permanenten Revolution" das wahre Erbe von Marx. In Abgrenzung zu Stalinismus und Faschismus entstanden seit den frühen 1930er Jahren die Arbeiten der Frankfurter Schule, die versuchten, die Ideen von Marx auf die veränderten politisch-ökonomischen Bedingungen der Moderne anzuwenden und mit der Psychoanalyse zu verbinden. In den 1960er Jahren entstanden besonders im Zusammenhang mit der weltweiten Studentenbewegung, den westeuropäischen Arbeiterstreiks und den sogenannten Befreiungsbewegungen in der 3. Welt verschiedene Formen des Neomarxismus und des Eurokommunismus. Die Kritik am Marxismus begann zeitgleich mit dessen Entstehung. Sie hat sich gegenüber den sich auf Marx berufenden Staatssystemen verschärft und lehnt häufig angesichts von deren inhumaner Politik und ökonomischem Scheitern die Grundideen von Marx selber ab. Eine andere Form der Kritik hält an der Richtigkeit seiner Grundideen fest, kritisiert ihre Realisierungsversuche als Abweichung davon und erklärt die Bedingungen für ihr Scheitern wiederum mit Hilfe der Marxschen Gesellschaftsanalyse.

Grundelemente des Marxismus

Dialektischer Materialismus

Dialektischer Materialismus Philosophisch ist der Marxismus von zwei wesentlichen Elementen geprägt: von der idealistischen Dialektik Hegels und vom philosophischen Materialismus, in dessen Vorstellung alles (auch Gedanken, Empfindungen usw.) auf Manifestationen der Materie beruht (Gegensatz zum Idealismus). Nach der Hegelschen Dialektik ist unsere Welt von Gegensätzen geprägt (These <--> Antithese) die, wenn sie "verschmelzen", eine "absolute Wahrheit" ergeben, in der keine Widersprüche mehr vorhanden sind (dialektischer Dreischritt: These -> Antithese -> Synthese). Diese Synthesen treiben die "objektive Wirklichkeit" voran und "bestimmen" damit die Zukunft. Da Hegel dem Idealismus angehört, war für ihn dieses Geschehen, wie die materielle Welt insgesamt, Produkt des menschlichen Geistes. Marx betrachtet nun die Hegelsche Dialektik aus Sicht des Materialismus. Er stellt sie "vom Kopf auf die Füße" und postuliert, dass sich die Welt - die objektive Wirklichkeit - aus ihrer materiellen Existenz und deren Entwicklung erklären lässt und nicht als Verwirklichung einer göttlichen "absoluten Idee" (Idealismus) oder als Produkt des menschlichen Denkens. Das heißt, objektive Realität existiert auch außerhalb und unabhängig des menschlichen Bewusstseins. Dies ist der Kern von Marx' berühmtem Satz: "Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein" (im Gegensatz zu Hegelschem Denken, demzufolge das Bewusstsein das Sein bestimmt), der als Grundthese des Marxismus gelten kann. In der marxistischen Philosophie wird das Universum als Ganzes gesehen. Es besteht aus untereinander in Beziehung stehenden, gegenseitig voneinander abhängigen und sich in ständiger Bewegung befindenden Materien (objektiver Zusammenhang). Diese Bewegung ist aufsteigend, d. h. vom Einfachen zum Komplexen fortschreitend und durchläuft dabei bestimmte Ebenen, wobei jeder Ebene bestimmte qualitative Veränderungen entsprechen. Das Fortschreiten geschieht dabei durch - dem dialektischen Dreischritt ähnelnde - Synthesen, die aus immer stärkeren Gegensätzen ("Grundwidersprüchen") resultieren. Diese Weltanschauung brachte Marx dann konkret mit der (menschlichen) Geschichte in Zusammenhang und schuf damit den Historischen Materialismus.

Theorie von der Entstehung der Klassengesellschaft

Laut Marx entstand die in Klassen geteilte Gesellschaft durch den technischen Fortschritt und die damit immer mehr gesteigerte Produktivität. Zu Beginn der Menschheitsgeschichte produzierte der Mensch soviel er brauchte, er lebte quasi "von der Hand in den Mund". Nach der Neolithischen Revolution, dem Übergang zu Ackerbau und Viehzucht in der Jungsteinzeit, konnten die Produktivkräfte genügend Überschuss produzieren, um Vorräte anzulegen. Dieses Mehrprodukt wurde anfangs für Notfälle gespeichert. Laut Marxismus machte dies dann auch die Klassengesellschaft möglich, da das Mehrprodukt dazu dienen konnte, eine herrschende Klasse, die selbst am unmittelbaren Produktionsprozess nicht beteiligt war, zu ernähren. So wurde das Mehrprodukt für Notzeiten in besonderen Speichern aufbewahrt, die dann aber auch bewacht werden mussten, und gerade wenn eine Notzeit ausbrach waren Leute notwendig, die gegen die unmittelbaren Ängste der Bevölkerung diese Vorräte verteidigten, damit nicht in der ersten Not gleich alles aufgegessen wurde. Diese Leute mussten also notfalls auch entscheiden, ob welche nicht durchgefüttert werden konnten. Sie mussten mächtig sein, mächtiger als die Masse der Bevölkerung. Die herrschende Klasse und die Klassengesellschaft war geboren. Sie grenzte sich vor allem durch die benötigte Macht und den daraus resultierenden materiellen Besitz ab. Auch bildeten sich durch die nun mögliche Überschussproduktion Hierarchien, in deren Rahmen wenige Personen viele Arbeiter - evtl. unter Bezahlung - "zwangen" oder zumindest drängten, den Überschuss für eine andere Person zu vergrößern. Aufgrund dieser Klassenunterschiede und -beziehungen entstünden dann Klassenkämpfe.

Historischer Materialismus“ (Entwicklungsstufentheorie)

Nach marxistischer Auffassung ist eine Gesellschaft ein sich ständig entwickelnder Organismus. Die Individuen stehen in vielfältigen wirtschaftlichen, politischen und geistigen Beziehungen zueinander. Dabei dominieren materielle Produktionsbeziehungen, die Produktionsweisen; von ihnen werden alle anderen Beziehungen bestimmt. Der übergeordnete Begriff Produktionsweise bezeichnet das Verhältnis der Produktivkräfte, die in die drei Bereiche Menschen, technisches Wissen und materielle Güter unterschieden werden, zu den Produktionsverhältnissen. Menschen produzieren dabei Güter unter Verwendung von Produktionsmitteln, die eine bestimmte Eigentums- bzw. Besitzform haben. Das Verhältnis der Produktionsmittelverteilung auf die produzierenden Menschen dient nun als Kriterium zur Klassenbildung. Während die Produktivkräfte stetig wachsen, sind die Produktionsverhältnisse beharrend-stabil. In der Geschichte kommt es dadurch immer wieder zu Widersprüchen zwischen beiden. Die Beseitigung des Widerspruchs könne nur durch eine "revolutionäre" Umwälzung der Produktionsverhältnisse geschehen (z. B. Anwachsen einer bürgerlichen Handels- und Unternehmerklasse, die sich der gesellschaftlichen Vorrangstellung des Adels entgegenstellt und so zum Träger der französischen Revolution von 1789 wird). Die Produktivkräfte steigen stetig an, bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie an ihre durch die Produktionsverhältnisse gesetzten Grenzen stoßen. Marx begreift die Produktionsverhältnisse an dieser Stelle als "Fesseln", welche die Produktivkräfte an der Weiterentwicklung hindern. Daraus resultiere eine revolutionäre Umwälzung, die in eine nächst höhere Gesellschaftsstufe münde. Im Kommunismus, für Marx die höchste Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung, würde es keine Ausbeutung und Verelendung der Arbeiter mehr geben, da hier der Grundwiderspruch zwischen Arbeit und Kapital und das Missverhältnis zwischen Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnissen beseitigt sei. Die einzelnen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung: # Die Urgesellschaft, der Urkommunismus # Die Sklavenhaltergesellschaft # Der Feudalismus # Der Kapitalismus # Der Kommunismus Einfach ausgedrückt, stehen sich nach der Urgesellschaft und vor dem Kommunismus immer mindestens zwei grundlegende Gesellschaftsschichten gegenüber: Herren <--> Knechte; Arbeiter <--> Kapitalbesitzer/Kapitalisten, usw. Im Verlauf des zunehmenden (technisch-wissenschaftlichen und materiellen) Fortschritts löst die arbeitende Klasse, nach einer Reihe von Klassenkämpfen, die bis dahin jeweils herrschende Klasse ab. Teile der ehemals unterdrückten Schichten bilden nun eine neue Herrschaftsschicht (oft zugleich mit einer neuen Gesellschaftsform). Dieser Prozess wiederholt sich bis zur finalen Gesellschaftsform, dem Kommunismus. Die Reihenfolge der aufeinanderfolgenden Gesellschaftsformen folgt dabei laut Marx festen Bahnen, was die Frage aufwirft, inwieweit das Marxsche Geschichtsbild determiniert ist. Von diesem Schema ist Marx allerdings mit seiner Theorie von der „asiatischen Produktionsweise“ selber abgewichen. Mit diesem Begriff muss er zugestehen, dass es - beispielsweise in den asiatischen Wasserbaukulturen - verschiedene kulturelle Ausformungen von Produktionsweisen gibt, die nicht eins zu eins in die aus der europäischen Geschichte abgeleiteten Periodisierungen passen. Insbesondere Neomarxisten betonen daher die "Kontingenz", das heißt die Zufälligkeit oder Offenheit der Geschichte. Es folgt also nicht automatisch ein Stadium dem anderen, sondern die Übergänge sind das Ergebnis von Klassenkämpfen mit immer offenem Ausgang: „Sozialismus oder Barbarei“ oder, wie es im Kommunistischen Manifest heißt, gemeinsamer Untergang der kämpfenden Klassen. So untersucht die Regulationstheorie auf dieser Grundlage die verschiedenen historischen und regionalen Ausprägungen der kapitalistischen Produktionsweise. siehe auch: Basis und Überbau (Marxismus)

Wissenschaftstheorie

Wissenschaftstheoretisch ging es seinerzeit wesentlich um zwei Punkte: Erstens galt es, dem im Deutschland des 19. Jahrhundert herrschenden Idealismus eine materialistische Weltsicht gegenüber zu stellen, nach der die Welt aus sich selbst heraus erklärbar ist. Im Bereich der Naturwissenschaften hatte - unabhängig von Marx und Engels - gleichzeitig Charles Darwin begonnen, mit seiner Entwicklungsgeschichte der biologischen Arten eine solche Weltsicht durchzusetzen. Zweitens wurde versucht, die Gesellschaftswissenschaften an die Erfolgsgeschichte der Naturwissenschaften anzubinden und die gesellschaftlichen Prozesse theoretisch im Gesamtzusammenhang der Welt - als „Totalität“ (Hegel) - erfassen zu können. Marx zitiert zustimmend eine Rezension, in der soziale Organismus analoge Erscheinungen in der Biologie für die jeweilige Epoche besitzt.

"Kritik der politischen Ökonomie" (Kapitalismusanalyse)

Charles Darwin In seinem Hauptwerk : Das Kapital - Kritik der politischen Ökonomie kritisiert Marx den Kapitalismus, insbesondere die kapitalistische Produktionsweise und die damit verbundenen Wirtschaftswissenschaften (besonders die Volkswirtschaftslehre), scharf. Diese Ökonomie, so Marx, führe fast zwangsläufig zu einer Klassengesellschaft und damit zur Konzentration von verhältnismäßig viel Kapital in den Händen genau der wenigen Personen, die Arbeitern Lohnarbeit anboten, sie aber nur in dem Maße entlohnen wie es ihre Arbeitsleistung notwendig macht. So sind gerade die eigentlichen Träger des kapitalistischen Systems, das Proletariat, unumgänglich vom Großteil des Kapitals, und damit von den Erleichterungen des Fortschritts, weitestgehend ausgeschlossen. Außerdem werden - durch die lebensnotwendige Ausrichtung des individuellen Handelns auf Kapital - kapitalistische Gesellschaften zu großen Teilen von einem Warenfetischismus bestimmt, also einer Konzentration auf materielle Dinge. Daran anknüpfend richtet sich die Kritik auch gegen die politische Herrschaft, die ihre Gewalt ganz in den Dienst des Kapitals stellt und die Abhängigkeit der arbeitenden Klasse vom Privateigentum durch "Recht und Ordnung" absichert. Aus dieser Kritik heraus entwickelte er zusammen mit Engels eine alternative Gesellschaftsform, den Kommunismus, in der es kein Geld gibt und jegliche Besitztümer allen Menschen gemeinsam gehören. Als Wirtschaftsordnung schlug er die - schon von Platon erwähnte - Planwirtschaft vor. Genaue Wirtschaftsstrukturen deutete Marx jedoch nur an. In der Planwirtschaft werden jegliche Betriebe verstaatlicht und deren Produktion zentral koordiniert. Die Entscheidungen über Produktion und Verteilung der Güter sollte nach Marx im Konsens aller Gesellschaftsteilnehmer gemeinsam gefällt werden (Rätekommunismus). So könnte die verrichtete Arbeit effizient zur Verbesserung der Lebensumstände aller anstatt hauptsächlich zur Kapitalbeschaffung genutzt werden. Ebenso wären große (Klassen-)Unterschiede ausgeschlossen, da es unmöglich wäre, Besitz anzuhäufen. Auch merkte Marx an, dass eine solche Wirtschaftsordnung um so besser funktioniere, je größer ihr Wirkungsbereich (gerade im Gegensatz zum Kapitalismus) sei. Aufgrund der großen Unterschiede zum Kapitalismus sollte als Übergangslösung zunächst der Sozialismus geschaffen werden. In dieser Zwischenstufe werden schon alle Betriebe verstaatlicht, jedoch existiert Geld noch als Zahlungsmittel.
Die politisch-ökonomischen Ideen von Marx haben ihren Ursprung, mit den ersten Erwähnung von Konzepten zu einem kollektiven Eigentum, schon in der Antike sowie der Bibel. Praktiziert wurde es z.B. im Mittelalter von den Franziskanermönchen. Auch konnte Karl Marx den dritten Teil des als Trilogie gedachten Werkes nicht mehr fertig stellen. Friedrich Engels veröffentlichte daraufhin aufgrund von Manuskripten die letzten beiden Bücher.

Wert- und Geldtheorie

In Das Kapital stellt Marx sehr detaillierte Theorien zum Wert einer Ware und dessen Zusammenhang mit Geld auf. Dabei unterscheidet er zunächst zwischen dem Gebrauchswert und dem Tauschwert. Während der Gebrauchswert den subjektiven Nutzen für den Benutzer darstellt ("Die Nützlichkeit eines Dings macht es zum Gebrauchswert", Marx, Das Kapital: Band 1) ist der Tauschwert ein abstrakter Wert, der erst durch (Tausch-)Handel an massiver Bedeutung gewinnt. So hat eine Ware, kommt es zu einem Handel, einen bestimmten Wert, der es ermöglicht sie (auch gegen anderes Produkt aus völlig anderem Material) aufzuwiegen (Ware X tauscht sich in soundsoviel Ware Y). Diesen Wert sah Marx in der abstrakten Arbeit - dem Arbeitsaufwand, der zur Herstellung der Ware benötig wird - begründet, wobei er dabei an David Ricardo anknüpft. Wird nun der Tauschwert in Geld aufgewogen (Ware X tauscht sich in soundsoviel Geldeinheiten), stellt er den Preis dar. Wird nun aus Waren etwas Neues geschaffen (Produktion), entsteht ein Neuwert, der sich aus der benötigten Arbeitsleistung, dem variablen Kapital v und dem "Gewinn", dem Mehrwert m zusammensetzt --> Neuwert = v + m. Da der Mehrwert einer Ware - speziell bei der Entwicklung neuer Waren, die einen potentiell höheren Mehrwert "abwerfen" können - maßgeblich von der menschlichen Arbeit bestimmt wird, entwickelte Marx sein Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate. Dieses besagt, dass durch die Konzentration auf den vergleichsweise sinkenden Mehrwert im kapitalistischen Produktionsprozess die Arbeitsproduktivität mit Hilfe von Maschinen schnell vorangetreiben wird (also weniger Menschen für die Produktion benötigt werden). Nun kann laut Arbeitswertlehre nur Lohn-Arbeit gemäß ihrer Arbeitszeit Wert schaffen. Wenn Maschinen Lohnarbeiter verdrängen, wird also insgesamt weniger Wert im Verhältnis zum Wert der eingesetzten Maschinen geschaffen. Daraus schließt Marx, dass auf lange Sicht der gesamtwirtschaftliche Gewinn im Verhältnis zum eingesetzten Kapital (die "Profitrate") “tendenziell“ fallen müsste. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen durch bessere Maschinen seinen Gewinn steigert, da dieser Profit zulasten der Konkurrenz geht und sich so an der grundsätzlichen Tendenz nichts ändert. siehe auch: Wertschöpfung

Theorie vom Übergang zur klassenlosen Gesellschaft (Zusammenbruchstheorie)

Dieses "Gesetz" wird oft zusammen mit anderen Ansichten und Aussagen von Marx als "Zusammenbruchstheorie" angesehen. Er selber hat nie eine konkrete Theorie zu einer sozialistischen Revolution verfasst und es gibt widersprüchliche Aussagen darüber, ob eine sozialistische Revolution zwingend in einem hochentwickelten kapitalistischen Land stattfinden muss, oder ob die Phase des Kapitalismus nicht sogar unter besonderen Umständen übersprungen werden kann, wie Marx in seinem Brief an Wera Iwanowna Sassulitsch schreibt.

Geschichte des Marxismus

Wera Iwanowna Sassulitsch

Grundlagen/Entstehung

Da der Marxismus auf den Schriften von Marx (und Engels) beruht, kann man die Jahre seiner ersten Veröffentlichungen als Entstehungszeit des Marxismus ansehen. Nachdem er bis 1843 eine stark oppositionelle Zeitung leitete (die in Preußen verboten wurde) und das Pamphlet Gegen Bruno Bauer & Consorten 1845 mit Engels zusammen veröffentlichte brachte er 1847 das kapitalismusfeindliche Elend der Philosophie. Antwort auf Proudhons „Philosophie des Elends“ heraus. 1848 verfasste er mit Engels das Kommunistische Manifest für den Bund der Kommunisten, dem sie beide angehörten. Dieses erste wirklich wichtige marxistische Werk enthält zunächst Beschreibungen der damaligen Lebensverhältnisse, besonders zwischen der arbeitenden und der herrschenden Klasse. Darauf aufbauend fordert es die Abschaffung des Kapitalismus und die Schaffung neuer kommunistischer Lebensverhältnisse durch unumgängliche Klassenkämpfe: der "Sturz der Bourgeoisherrschaft" sollte erfolgen. Auch erschienen von 1872 bis 1892 Neuauflagen mit neuen Vorworten, in denen meist ergänzende Bemerkungen gemacht wurden. 1859 wurde das Buch Zur Kritik der politischen Ökonomie veröffentlicht, dem 1867 dann der erste Teil der knapp 3000 Seiten starken Trilogie Das Kapital folgte. Band 1: Der Produktionsprozeß des Kapitals enthält die Definition einer "Ware" und das Zustandekommen des Wertes dieser Ware ( --> Wert- und Geldtheorie) sowie umfangreiche Theorien zu Geld und Arbeit (abstrakte Arbeit). Teil 2 und 3 tragen die Namen Band 2: Der Zirkulationsprozeß des Kapitals sowie Band 3: Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion.
--> politisch-ökonomische Theorien Schon zu Lebzeiten von Marx bildete sich eine Gruppierung von Sozialisten, die sich „Marxisten“ nannte, aber bereits um die Jahrhundertwende inhaltlich schon stark divergierte.

Entwicklung bis heute / Strömungen

abstrakte Arbeit Obwohl eines der mächtigsten Länder der Welt, war das zaristische Russland bis ins ausgehende 19. Jahrhundert noch überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Vielerorts herrschten noch vorkapitalistische Feudalstrukturen (Feudalismus). Eine verstärkte Industrialisierung setzte vor allem seit der Regierung von Zar Nikolaus II. (ab 1894) ein. Das darauf schnell anwachsende Proletariat litt unter miserablen sozialen Verhältnissen. Eine linke Opposition gegen den Zarismus war im 19. Jahrhundert in Russland stärker als in den meisten anderen europäischen Ländern von sozialrevolutionären und anarchistischen Strömungen geprägt, wohingegen die organisierte marxistische Sozialdemokratie zu Beginn des 20. Jahrhunderts erst noch in ihren Anfängen steckte. 1898 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) als Bund von drei marxistischen Organisationen gegründet, der jedoch schnell wieder verboten wurde. 1903 spaltete sich die Partei im Exil in die Bolschewiki ("Mehrheit"), unter der Führung von Lenin und Menschewiki ("Minderheit"). Nachdem die Februarrevolution 1917 unter Führung der sozialdemokratischen Menschewiki nicht zum Austritt Russlands aus dem 1. Weltkrieg führte, wurde Lenin mit Hilfe des Deutschen Reiches über Finnland nach St. Petersburg gebracht um von dort eine weitere Revolution zu initieren und einen Waffenstillstand auszuhandeln. Daraufhin begann dann mit der Oktoberrevolution 1917 die Existenz des real existierenden Sozialismus und damit der Revisionismus des Marxismus in Form des Leninismus (siehe weiter unten). Die Revolution war von Lenin und Leo Trotzki angeführt worden, wobei Lenin sich mit dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk 1918 endgültig in der Führungsspitze der Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) gegen Trotzki durchsetzte und bis zu seinem Tod am 21. Januar 1924 die unbestrittene Führungsperson der Partei blieb. Er schuf mit dem Leninismus eine totalitäre Interpretation des Marxismus, nach der die Partei "Instrument der Diktatur des Proletariats" und ein straff "organisierter Trupp" sein solle, die keinerlei Fraktionsbildung zulässt. Josef Stalin, der schon seit Beginn der Revolution an Macht gewann definierte den Leninismus 1924 als "Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution... die Theorie und Taktik der proletarischen Revolution im allgemeinen, die Theorie und Taktik der Diktatur des Proletariats im besonderen." ("Über die Grundlagen des Leninismus"). Trotzki entwickelt hingegen als Reaktion auf Lenin und später auch Stalin den Trotzkismus. Dieser enthält zwei wesentliche Bestandteile: zum einen die Theorie der "permanenten Revolution", derzufolge der Sozialismus als Übergangsgesellschaft zum Kommunismus nur auf internationaler Ebene funktionieren kann, weswegen die ganze Welt durch eine Revolution vom Kapitalismus befreit werden muss. Zum anderen die Theorie der "langen Wellen", die den "tendenziellen Fall der Profitrate" nach Marx kritisiert. langen Wellen Die Revolution wirkte sich stark auf die internationale Marxismusbewegung aus: ab 1918 wurden in ganz Europa kommunistische Parteien gegründet, die Mitgliedszahlen stiegen rapide und es entstand bald ein offener Konflikt mit den Faschisten. Vor allem in Deutschland (Weimarer Republik) und Italien kam es zu teils bürgerkriegsähnlichen Zuständen, bis Benito Mussolini 1922 in Italien und Adolf Hitler 1933 in Deutschland die Macht übernahmen und jegliche marxistische Organisation zerschlugen oder in den Widerstand drängten. Schon um 1920 bildeten sich eine neomarxistische Denk)-Richtung, die sich später hauptsächlich am Realsozialismus orientierte und eine Dogmatisierung des Marxismus (z.B als "proletarische Weltanschauung) ablehnte. "Neomarxismus" ist jedoch schwer zu definieren, da es kaum Personen gibt, die sich "Neomarxisten" nennen. Vielmehr wird der Begriff als Sammelbegriff für verschiedene Denkrichtungen verwendet. Dogmatisierung Nach dem Tod von Lenin entbrannte innerhalb der KPdSU ein Machtkampf zwischen Stalin und Trotzki, der die Linke Opposition anführte. Stalin entschied diese Auseinandersetzung für sich und konzentrierte bald genug Macht in seiner Person, um Trotzki 1927 sogar aus der KPdSU auszuschließen. Später verlor dieser noch die sowjetische Staatsbürgerschaft und floh über Umwege nach Mexiko, wo er nach unzähligen anti-stalinistischen Veröffentlichungen 1940 von einem russischen Agenten ermordet wurde. Von 1929 bis 1953 war Stalin quasi Alleinherrscher über das Sowjetreich, in dieser Zeit setzte er große Teile seiner Interpretation des Leninismus, den Stalinismus mit paranoider Angst vor Verschwörungen von innen durch. Dieser basierte zum einen auf dem Sozialismus und der Verstärkung von Klassenkämpfen, wobei Stalin auch die kompromisslose Parteiführung von Lenin übernahm. Die Klassenkämpfe sollten die Entwicklung der Gesellschaft zum Kommunismus möglichst schnell herbeiführen und so das Proletariat befreien. Praktisch war dieser Grundsatz Legitimation für Säuberungswellen und Konzentrationslager (Gulag-Lager). 1941 invasierte die Armee Adolf Hitlers trotz eines Nichtangriffspaktes die Sowjetunion (2. Weltkrieg), doch konnte Stalin nach großen Anstrengungen zurückschlagen und schließlich im Mai 1945 Berlin besetzen. Er blieb danach noch ca. acht Jahre Diktator der UdSSR. Nach Stalin folgten mit Nikita Chruschtschow erste Ansätze der Entstalinisierung, wobei der Stalinismus als theoretisches Grundgerüst (und damit auch die Parteistruktur) bis zum Ende bestehen blieb. Der letzte mächtige Politbürochef Michail Gorbatschow leitete die endgültige Abkehr vom Personenkult um Stalin sowie tiefgreifende Reformen (Perestroika und Glasnost) ein, worauf dann der Verlust der Satellitenstaaten und damit der Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1992 folgte. Die UdSSR war bis dahin die letzte auf dem Marxismus aufbauende politische Großmacht gewesen. Mit dem Ende des Faschismus in Europa fand auch der Marxismus zunächst wieder viele Anhänger, die Italienische PCI etwa hatte 1945 circa 1,8 Millionen Mitglieder. Doch diese Größenordnungen wurden bald unerreichbar und viele Marxisten waren sich - erst recht nach dem Tod Stalins - uneins, wie man mit dem Erbe des Diktators (dem Stalinismus und Marxismus-Leninismus) umgehen sollte. Viele italienische und französische Marxisten z.B. distanzierten sich von der Sowjetunion. Als dann Mitte der 60er Jahre die Studentenbewegung einsetzte und es ab 1963 eine Wiederbelebung des Neomarxismus stattfand, zersplitterte der Marxismus endgültig in eine Vielzahl von Gruppierungen unterschiedlichster Ausrichtungen. Bisher war von vielen Marxisten eine "Revolution" nach bestimmten Mustern gefordert worden, doch mit dem Ende des realen Sozialismus in der UDSSR arrangierte man sich weitestgehend mit der Sozialdemokratie und beschränkte sich auf Reformvorschläge. In Italien sitzt momentan die PRC im Parlament (2005). PRC 1949 errang Mao Zedong mit der Kommunistischen Partei die Macht in China. Der Diktator, dessen einziger Verbündeter bis 1965 die UDSSR war, herrschte auf Basis des Maoismus bis 1976. Der Maoismus war für Mao eine ebenso totalitäre Weiterentwicklung des Leninismus und Stalinismus, wo der Fortschritt eine zentrale Rolle einnahm. Die Menschen sollten sich ihm unterordnen und nicht zur Erleichterung nutzen. Auch im Gegensatz zur „Assoziation der freien Produzenten“ nach Marx waren die Arbeiter unter Mao Zedong starken Zwängen unterworfen. Praktisch versuchte Mao Zedong seine Vorstellungen eines maoistischen Staates durch die 1966 ins Leben gerufene Kulturrevolution in die Tat umzusetzen. Diese "Revolution" bestimmte bis Mao Zedongs Tod das politische Geschehen in China und führte zu fatalen Fehlschlägen wie dem " Großen Sprungs nach vorn" sowie (in der Hochphase) exzessiven Morden, Misshandlungen, Zerstörungen und Restriktionen gegenüber dem Volk. Nach dem Tod des Diktators öffnete sich China wieder mehr und mehr westlichem Kapital und damit dem Kapitalismus. Großen Sprungs nach vorn Nachdem 1959 die Kubanische Revolution erfolgreich in Kuba beendet wurde erklärte Diktator Fidel Castro erst 1961 seine Revolte zu einer sozialistischen. Als am 2. Dezember 1961 dann die Proklamation der Sozialistischen Republik stattfand, wurde Kuba eindeutig als ein marxistisch-leninistischer Staat definiert. Im Kalten Krieg beschränkten sich die Politik- und Wirtschaftsbeziehungen auf sozialistische Staaten wie die UDSSR oder China, wobei es während der Kubakrise fast zu einen offenen Konflikt zwischen den Weltmächten gekommen wäre. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion folgte eine schwere Wirtschaftskrise und dann eine Öffnung gegenüber Großkonzernen und Touristen. Momentan wird das Land noch immer von Castro beherrscht. Kim Il-sung führte von 1948 bis 1994 eine Diktatur auf Basis des Realsozialismus mit Orientierung am Maoismus in Nordkorea an. Nordkorea wurde und wird wirtschaftlich von China unterstützt. Der große Verbündete half auch im Koreakrieg (1950-1953) aus. Nach dem Tode Kim Il-sung's übernahm sein Sohn Kim Jong-il alle Macht und führt die Demokratische Volksrepublik Korea im Stil seines Vaters weiter.

Geschichte marxistischer Organisationen

Die Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sind bis heute theoretisches Gerüst für verschiedene marxistische Organisationen und Parteien in allen Teilen der Welt. In Europa, wo alle marxistische Organisationen ihren Ursprung haben, finden sie auch am meisten Zuspruch. In vielen Staaten Europas formierten sich erst kleinere Organisationen und daraus später, um das Jahr 1920, Parteien. Deren Geschichte weist europaweit starke Parallelen auf. Viele Parteien orientierten sich zumindest an der KPdSU, bis der real existierende Sozialismus mit dem Untergang der UDSSR als gescheitert gilt. Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurden viele Organisationen aufgelöst und in den Widerstand gedrängt, viele gingen jedoch nach 1945 gestärkt aus der Neuordnung hervor. Doch das hielt nicht lange, denn die Sozialdemokratie fand unter den europäischen Marxisten bald starken Zuspruch und spaltete und schwächte viele Organisationen. Hinzu kommt, dass nach dem Zerfall der Sowjetunion kaum eine einflussreiche Organisation noch von einer "Revolution" spricht und auch sonst viel mehr Kompromissbereitschaft (oft zulasten eigener Grundsätze) signalisiert wird. Die politische Bedeutung marxistischer Organisationen hat so bis in die heutige Zeit, Ausnahmen ausgenommen, stetig abgenommen. Die vielen kleinen über den Erdball verstreuten Organisationen versuchen möglichst eng miteinander zu kooperieren. Im Rahmen des Europäischen Parlaments haben auch viele marxistische Politiker in der im Mai 2004 gegründeten Europäischen Linkspartei zueinandergefunden.

Deutschland

Europäischen Linkspartei Während der Revolution 1848/1849 versuchten Marx und Engels über die "Neue Rheinische Zeitung" in Köln mit sozialistischen und kommunistischen Inhalten Einfluss auf den Ausgang der Unruhen zu nehmen. Sie hatten wenig Erfolg und so organisierten sich die Arbeiter im Zuge der Liberalisierung erstmals in gewerkschaftlichen Organisationen. Daraufhin bildeten sich erst verschiedene Arbeiterorganisationen, die Vorläufer der Gewerkschaften und schließlich sozialdemokratische und sozialistische Parteien, wie 1869 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) oder die marxistisch orientierte Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) um Wilhelm Liebknecht und August Bebel als deutsche Sektion der ersten Internationale. --> international ersten Internationale ADAV und SDAP vereinigten sich dann 1875 in Gotha unter dem Namen Sozialistische Arbeiterpartei (SAP) auf Basis des Gothaer Programms, welches von Marx wegen seiner kompromisslerischen Anpassung gegenüber dem reformorientierten ADAV kritisiert wurde. Unterdrückung, juristischer Verfolgung und zeitweiliger Verbote sowie die Sozialistengesetze zwischen 1878 und 1890 unter Reichskanzler Otto von Bismarck konnten die Mitgliederzuwächse von marxistischen Organisationen in diesem Zeitraum kaum stoppen und so ging dann 1890 aus der SAP die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) hervor, die sich mit dem Erfurter Programm wieder stärker am Marxismus orientierte. Sie war zum damaligen Zeitpunkt die größte, ideologisch von Marx geprägte Partei vereinigte Anhänger verschiedener marxistischer Strömungen in sich. In ihren Anfängen wurde die Partei durch einen starken linken/marxistischen Flügel, teils um die Person Rosa Luxemburgs versammelt, beeinflusst. Es gab um die Jahrhundertwende eine sehr kontroverse Diskussion über die politische Zielsetzung innerhalb der SPD, die u.a. durch den Aufsatz Sozialreform oder Revolution von Rosa Luxemburg zugunsten der Marxisten und der „Revolution“ entschieden wurde. Jedoch verlief der praktische politische Kurs der Partei, auch nach dem Aufsatz Die Aufgaben der Sozialdemokratie (1899) von Eduard Bernstein, in Richtung Sozialdemokratie. Während der Novemberrevolution 1918 widersetzte sich die SPD-Führung einer Initiative zur Umwälzung des Kaiserreiches in einen sozialistischen Staat, woraufhin sich die Arbeiterbewegung endgültig in Reformisten (Sozialdemokraten) und Kommunisten spaltete. Jedoch orientierte sich ein Großteil der verschiedenen kommunistischen Strömungen an Lenin (Leninismus) oder Stalin (Stalinismus), so dass viele Grundgedanken von Marx schon zu diesem Zeitpunkt kaum mehr Beachtung fanden. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 in Deutschland wurde die europäische Arbeiterbewegung bis 1945 gebremst oder so gut wie handlungsunfähig. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wiederum waren die Forderungen nach einem auf dem Marxismus beruhenden Staatssystem sehr groß, so forderte etwa die neu gegründete CDU in ihrem ersten „Ahlener Programm“ die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien und eine weitgehende soziale Kontrolle der Gesamtwirtschaft. Sie ging teilweise noch über die Forderungen der KPD hinaus. Nachdem die deutsche Spaltung mit der Wiederbewaffnung vollendet und Konrad Adenauer zum 3. Mal wiedergewählt worden war, legte jedoch schließlich auch die SPD 1959 mit ihrem Godesberger Programm die marxistische Weltanschauung als ihre Grundlage ab. Erst durch die Studentenbewegung kam es in der Bundesrepublik seit etwa 1963 zu einer neomarxistischen Renaissance. Im wesentlichen lassen sich dabei zwei Strömungen erkennen:
- eine undogmatisch freiheitliche Vorstellung - insbesondere beim von Rudi Dutschke beeinflussten SDS, Teilen der Jungsozialisten in der SPD und dem Sozialistischen Büro Offenbach;
- und ein Block verschiedener marxistisch-leninistischer Gruppen und kleinerer Kaderparteien, die sich jeweils einem realsozialistischen Vorbild zuordneten (Sowjetunion, China, Albanien). Dazu gehörte nach dem Verbot der KPD in der Bundesrepublik deren Nachfolge-Partei, die Deutsche Kommunistische Partei (DKP; in Westberlin SEW), die sich an der Sowjetunion (UdSSR) und der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) orientierte. Aus den verschiedenen marxistischen Strömungen und - zumeist studentischen - Gruppen sind vielfältige wissenschaftliche Arbeiten bzw. spezielle Richtungen marxistischer Wissenschaft hervorgegangen, deren primäres Interesse es oft war, die „bürgerliche Wissenschaft“ zu „entlarven“. Diese Gruppen finden sich u.a. in den Sammelbegriffen: K-Gruppen, Neue soziale Bewegungen und Neue Linke wieder. In vielen Bereichen haben jedoch die Vorstellungen eines kritischen Marxismus heute im Alltag und den Wissenschaften Eingang gefunden, ohne dass sich in Deutschland (nach der Auflösung der DDR) spezielle marxistische Wissenschaften als solche erhalten haben.

andere Staaten

Neue Linke In Österreich gründete sich 1918 mit die KPÖ die erste kommunistische Partei Österreichs. Sie hatte in der 1. Republik kaum Einfluss auf das politische Geschehen, bekam jedoch bei den ersten Parlamentswahlen nach Kriegsende (1954) 5,4% der Stimmen und hatte zu diesem Zeitpunkt 150.000 Mitglieder. 1970 verlor die Partei dann das letzte politische Mitbestimmungsrecht auf Kanton-Ebene und zählt heute nur noch ca. 3.500 Mitglieder. Die Geschichte großer marxistischer Organisationen in Frankreich begann 1871 mit der Pariser Kommune, einem sozialistischen Aufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Aus den nachfolgenden Ereignissen ging die Section française de l'Internationale ouvrière (SFIO, Französische Sektion der Arbeiter-Internationale) hervor, die wiederum 1920 zerbrach. Aus Teilen der verschiedenen Flügel entstand dann 1922 die PCF oder Parti communiste français. Nach Wahlerfolgen im Jahr 1924 orientierte man sie inhaltlich sehr am Stalinismus, was zu Wahlniederlagen und Massenaustritten (Höhepunkt 1932) führte. Außerdem bakam die PCF ab 1950 jährlich mehrere Millionen Franc an Zahlungseingängen von der Sowjetunion. Nach dem Tod Stalins im Jahr 1953 distanziert man sich jedoch bald davon, und es kommt zu einer Regierungsbeteiligung 1981 am Parlament von Premierminister Pierre Mauroy. Danach verschwindet die PCF aber - auch gerade nach den Wahlen 2002 - wieder fast vollkommen in der politischen Bedeutungslosigkeit. Sie hat zum heutigen Zeitpunkt 135.000 Mitglieder und ist damit stärkste kommunistische Partei in Frankreich und mit dem der Kommunistische Partei Italiens eine der mitgliederstärksten nationalen Organisationen überhaupt. Partito della Rifondazione Comunista (PRC) ist die momentan größte kommunistische Partei und Organisation in Italien. Sie hat ihren Ursprung in der Partito dei Comunisti Italiani (PCI), die sich 1921 um Antonio Gramsci gründete. Nach 1945 hatte die PCI kurzzeitig 1,8 Millionen Mitglieder, was u.a. auf die Distanzierung von den Methoden der KPdSU zugunsten des Eurokommunismus zurückzuführen ist. Das hatte zum einen auf andere marxistische Organisationen in Europa Einfluss - etwa in Frankreich - und stärkte zum anderen mit Anerkennung der Sozialdemokratie als politischen Rahmen den politischen Einfluss der PRC. Nachdem die Sowjetunion 1990 auseinanderbrach und der Sozialismus gescheitert schien, formierte sich die PCI 1991 endgültig zu einer sozialdemokratisch -und reformorientierten Partei. Das traf auf breiten Wiederstand, dem die Traditionalisten sowie eine Gruppe neuer Linken, die eine Neuorientierung innerhalb des Marxismus forderten, angehörten. Letztere gründeten noch im selben Jahr die PRC, die überraschend schnell 100.000 Mitglieder verzeichnen konnte. Es folgten innere Streitigkeiten und dann 2001 mit 5% der Stimmen der Einzug ins italienische Parlament.

international

Der erste Zusammenschluss von marxistischen Organisationen über ländergrenzen hinweg wurde mit der ersten Internationalen Internationale Arbeiterassoziation (IAA) am 28. September 1864 in London ins Leben gerufen. Er vereinigte noch Gruppen sehr unterschiedlicher Ansichten auf Basis des 1848 veröffentlichten Kommunistischen Manifestes in sich. Auf

1964

Ereignisse


- 1. Januar: Ludwig von Moos wird neuer Bundespräsident der Schweiz
- 1. Januar: Guinea erhält von Spanien die volle innere Autonomie
- 1. Januar: Singhalesisch wird auf Ceylon alleinige Amtssprache
- 13. Januar: In Kairo (Ägypten) findet die Erste Arabische Gipfelkonferenz statt: Könige und Staatschefs von 13 arabischen Nationen treffen zusammen
- 23. März: In Genf wird die UNCTAD eröffnet, die Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen. In ihr stellen unter anderem die in der „Gruppe der 77“ organisierten Entwicklungsländer die Forderung nach einer gerechteren Mitwirkung am Welthandel
- 31. März: Militärputsch in Brasilien, der Beginn von 21 Jahren Militärdiktatur. General Humberto Castelo Branco wird Staatspräsident
- 26. Mai: Deutschland. Bundespräsident Heinrich Lübke, Frankreichs Staatschef Charles de Gaulle und Großherzogin Charlotte von Luxemburg weihen die Großschiffahrtsstraße Mosel ein
- 1. Juni: Gründung der PLO durch den Ersten Palästinensischen Nationalrat; Vorsitzender wird der UN-Diplomat Ahmed Shukeiry
- 6. Juni: Mit einstweiliger Verfügung werden alle Raketenversuche im Cuxhavener Wattengebiet untersagt
- 12. Juni: Nelson Mandela, Führer des African National Congress, wird zusammen mit sieben Mitangeklagten wegen Subversion und Sabotage zu lebenslänglicher Haft verurteilt
- 12. Juni: Der schwedische Oberst Stig Wennerström wird wegen Spionage für die