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Ranking

Ranking

Eine Rangordnung (auch Rangfolge, Rangliste, Ranking []) ist das Ergebnis einer Sortierung von mehreren vergleichbaren Objekten, die mit einer vergleichenden Bewertung einhergeht. Rangordnungen ermöglichen es beispielsweise, komplexe Informationsangebote nach bestimmten Kriterien zu bewerten und eine Auswahl zu treffen. So werden beispielsweise in einer Suchmaschine die Webseiten automatisch nach ihrer Relevanz sortiert. Andere Ranglisten sind das Ergebnis von aufwendigen Vergleichsstudien oder Bestandteil der Hierarchie in sozialen Systemen.

Die Rangordnung in der Verhaltensforschung

In der Verhaltensbiologie wird der Begriff Rangordnung meist gleichbedeutend mit der anschaulichen Bezeichnung Hackordnung verwendet und beschreibt die Hierarchie in Tiergruppen. siehe auch: Alpha-Tier

Protokollarische Rangordnung

Die protokollarische Rangordnung der einzelnen Staaten ordnet die Träger öffentlicher Ämter nach ihrer nominellen Bedeutung ein. Zuoberst steht in der Regel das Staatsoberhaupt, gefolgt von den höchsten Vertretern der drei Staatsgewalten.

Hochschulranking

Das Centrum für Hochschulentwicklung, eine gemeinschaftliche Einrichtung der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz, veröffentlicht jedes Jahr ein umfangreiches Hochschulranking Deutschlands. Seit 2005 sind auch die österreichischen und schweizer Hochschulen einbezogen. Das Ranking wurde mehrere Jahre gemeinsam mit dem "Stern" publiziert. Seit 2005 wird es mit der Wochenzeitschrift "Die Zeit" veröffentlich. Es hat den Anspruch, für jedes Fach die Qualität von Forschung und Lehre an Universitäten und Fachhochschulen mit jeweils etwa 40 Indikatoren zu erfassen.

Städte- und Nationenranking

Die Bertelsmann Stiftung erstellt Rankings wie das der unternehmensfreundlichsten Städte Deutschlands, ferner internationale Wirtschaftsrankings für Unternehmensstandorte.

Ranking bei Internet-Suchmaschinen

Auch bei der Abfrage von Suchmaschinen werden die Ergebnisse in einer vom Hersteller vorgegebenen Rangordnung dargestellt: In einer Reihenfolge, bei der die ersten Treffer die größte Relevanz für den Suchbegriff aufweisen sollten. Eines der Kriterien für die Einstufung ist die Zahl der Verweise anderer Webseiten auf eine bestimmte Homepage. Je mehr Links im Internet auf die betreffende Webseite verweisen, desto höher wird sie eingestuft, weil eine höhere Übereinstimmung zwischen Suchbegriff und dem Inhalt der Website angenommen wird. Welche Kriterien für das Ranking der Suchmaschinen herangezogen werden, ist meist ein Firmengeheimnis der Betreiber. Webseiten mit höherer Einstufung in den Trefferlisten werden auch von mehr Surfern besucht. Aus diesem Grund gibt es legale und illegale Tricks um das Ranking einer Webseite in einer Suchmaschine zu erhöhen und um so mehr Besucher auf das Angebot dieser Webseite aufmerksam zu machen. Illegale Tricks zum Erhöhen des Rankings werden meist von der Suchmaschinen erkannt und mit einer Entfernung des Links aus dem Datenbestand der Suchmaschine bestraft. Da das Ranking maßgeblich für den Erfolg einer Webseite sein kann, ist es bei vielen Suchmaschinen möglich sich ein hohes Ranking zu erkaufen oder man kann dies mittels redaktioneller Suchmaschinen-Optimierung (Englisch: editorial-SEO) erreichen. siehe auch: Top-N-Anfrage

Weblinks


- [http://www.dashochschulranking.de Informationen zum CHE-HochschulRanking]
- [http://sina.eetezadi.de/inhalt/computer/tool/google_pagerank_calculator Google PageRank Calculator] - Tool zum Überprüfen des Google Rankings
- [http://www.ranking-check.de/suchmaschinen.php Tool zum Überprüfen des Suchmaschinen Rankings.]
- [http://www.linksandlaw.de/suchmaschinen-leitfaden-zur-Manipulation-von-Suchergebnissen.htm Manipulationsmethoden des Rankings bei Suchmaschinen im Überblick]

Wissenschaftliche Analyse von Rangordnungen mit Hilfe der Statistik

Die Untersuchung von Rangordnungen mit Hilfe der Statistik (rank order statistics, zum Beispiel mit Hilfe des Wilcoxon-Rangsummentests) bietet in vielen Fällen wesentliche Vorteile gegenüber der Analyse der Rohdaten durch den t-Test, denn Rangtests sind deutlich robuster gegenüber Extremwerten und Nichtlinearitäten. Durch die Bildung von Rängen werden die zu untersuchenden Einheiten in eine Ordinalskala gebracht; die Beträge der absoluten Unterschiede zwischen benachbarten Werten wirken sich dann weniger stark auf das Testergebnis aus, was insbesondere bei mehrgipfeligen Verteilungen der Rohdaten die Nachweismöglichkeiten von Signifikanzen erhöht.

Weblinks


- Roger Newson: [http://www.kcl-phs.org.uk/rogernewson/papers/somersd.pdf Confidence intervals for rank order statistics and their differences].

Siehe auch


- Zipfsches Gesetz Kategorie:Statistik

Sortierung

Sortierung bezeichnet den Vorgang des Ordnens. Davon leiten sich die Worte sortieren (als Tätigkeit), sortiert (als Zustand) und Sortiment (als Oberbegriff) ab. Beim Sortieren wird über die sortierte Menge nach einem einheitlichen Sortierkriterium eine festgelegte Ordnungsreihenfolge hergestellt. Dies geschieht im allgemeinen aufsteigend (abc..., 123..., klein/mittel/groß...), aber auch absteigende Sortierung (rückwärts) ist möglich (zyx..., 99 98 97..., groß/mittel/klein...) und kann sinnvoll sein. Zweck der Sortierung ist, durch die hergestellte Ordnung
- eine bessere Übersicht zu erhalten
(Minimum, Maximum, Anzahl unterschiedl. Elemente, Histogrammbildung)
- die spätere Suche in der sortierten Menge (ggf. durch Indizierung über das Sortierkriterium) zu vereinfachen und vor allem zu beschleunigen
- eine bessere Qualität zu erhalten (Sortierung in Toleranzbereiche, nach gut - schlecht, nach Haltbarkeit, Erhaltungszustand und ähnlichem
- Prioritäten festzulegen (zum Beispiel Handlungsreihenfolge nach Katastrophen). Ein griffiges Sprichwort besagt: Wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen.
Dabei wird auf den gewonnenen Zeitvorteil beim Suchen im Verhältnis zum einmaligen Aufwand für das Einordnen abgehoben. Offensichtlich wird der Vorteil des Sortierens vor allem beim Suchen in sehr umfangreichen Mengen und wenn dies sehr häufig geschieht, wie z.B. im Lager eines Versandhandels, in einem Lexikon oder in einer Datenbank wie hier bei diesem Artikel in Wikipedia. Sortieren kann man sowohl Gegenstände als auch Informationen (Daten). Typisch gegenständliche Sortierungen werden nach Farbe, Größe, Gewicht, Volumen, Material und Typ vorgenommen. Es liegt somit oftmals eine messtechnisch bestimmbare Größe zugrunde, deren Zahlenwert das Sortierkriterium bildet. Andere nicht-messbare Sortierkriterien müssen in der Reihenfolge festgelegt werden, z.B. bei Farben (rot, blau, grün ist nicht besser oder schlechter als blau, grün, rot). In der Informationsverarbeitung werden meist Namen, Nummern und ähnliche Größen geordnet. Karteien, Listen und Verzeichnisse sind die typischen Ergebnisse eines Sortiervorgangs. Das ideale Beispiel für eine Sortierung ist eine Enzyklopädie in Buchform oder ein Telefonbuch. Die Informatik kennt verschieden leistungsfähige Sortieralgorithmen, z.B. Quicksort. Bei einer alphabetischen Sortierung werden Zeichenketten entsprechend der Reihenfolge der Buchstaben im Alphabet angeordnet.

Weitere Sortierungen


- Beim topologischen Sortieren einer Halbordnung kann es mehrere gültige Reihenfolgen geben.
- Das Sortieren bewerteter Objekte führt zu einer Rangordnung (Ranking).
- Mechanische, chemische oder physikalische Sortierverfahren beschreibt Trennverfahren. Kategorie:Klassifikation

Suchmaschine

Eine Suchmaschine ist ein Programm zur Recherche von Dokumenten, die in einem Computer oder einem Computernetzwerk wie z. B. dem World Wide Web gespeichert sind. Nach Eingabe eines Suchbegriffs liefert eine Suchmaschine eine Liste von Verweisen auf möglicherweise relevante Dokumente, meist dargestellt mit Titel und einem kurzen Auszug des jeweiligen Dokuments. Dabei können verschiedene Suchverfahren Anwendung finden. Die wesentlichen Bestandteile bzw. Aufgabenbereiche einer Suchmaschine sind
- Erstellung und Pflege eines Indexes (Datenstruktur mit Informationen über Dokumente),
- Verarbeiten von Suchanfragen (Finden und Ordnen von Ergebnissen) sowie
- Aufbereitung der Ergebnisse in einer möglichst sinnvollen Form. In der Regel erfolgt die Datenbeschaffung automatisch, im WWW durch Webcrawler, auf einem einzelnen Computer durch regelmäßiges Einlesen aller Dateien in vom Benutzer spezifizierten Verzeichnissen im lokalen Dateisystem.

Arten von Suchmaschinen

Websuchmaschinen sind die bekannteste Form von Suchmaschinen. Sie durchsuchen das World Wide Web, das meistgenutzte Dateiformat ist hierbei HTML. Metasuchmaschinen schicken Suchanfragen parallel an mehrere normale Suchmaschinen und kombinieren die Einzelergebnisse zu einer Ergebnisseite. Als Vorteil ist die größere (da kombinierte) zugrundeliegende Datenmenge zu nennen. Ein Nachteil ist die lange Dauer der Anfragebearbeitung. Außerdem ist das Ranking durch reine Mehrheitsfindung (welche Seite taucht in den meisten verwendeten Suchmaschinen auf?) von fragwürdigem Wert. Metasuchmaschinen sind vor allem bei selten vorkommenden Suchbegriffen von Vorteil. Als Desktop-Suchmaschine werden neuerdings Programme bezeichnet, welche den lokalen Datenbestand eines einzelnen Computers durchsuchbar machen. Wird die Datenbeschaffung manuell mittels Anmeldung oder durch Lektoren vorgenommen, handelt es sich nicht um eine Suchmaschine sondern um einen Katalog (auch Verzeichnis genannt). In solchen Verzeichnissen wie beispielsweise Yahoo! und dem Open Directory Project sind die Dokumente hierarchisch in einem Inhaltsverzeichnis nach Themen organisiert. So genannte Echtzeit-Suchmaschinen starten den Indexierungsvorgang erst nach einer Anfrage. So sind die gefundenen Seiten zwar stets aktuell, die Qualität der Ergebnisse ist aber aufgrund der fehlenden breiten Datenbasis insbesondere bei weniger gängigen Suchbegriffen schlecht.

Ranking / Suchrang

Die Darstellung der Suchergebnisse geschieht sortiert nach Relevanz (Ranking bzw. Suchrang), wofür jede Suchmaschine ihre eigenen, meist geheim gehaltenen Kriterien heranzieht. Dazu gehören:
- Häufigkeit und Stellung der Suchbegriffe im jeweiligen gefundenen Dokument.
- Einstufung und Anzahl der zitierten Dokumente.
- Häufigkeit von Verweisen anderer Dokumente auf das im Suchergebnis enthaltene Dokument sowie in Verweisen enthaltener Text.
- Einstufung der Qualität der verweisenden Dokumente (ein Link von einem „guten“ Dokument ist mehr wert als der Verweis von einem mittelmäßigen Dokument). Größere Bekanntheit erlangt hat PageRank, eine Komponente des Ranking-Algorithmus der erfolgreichen Suchmaschine Google. Manche Suchmaschinen sortieren Suchergebnisse nicht nur nach Relevanz für die Suchanfrage, sondern lassen gegen Bezahlung auch Einflussnahme auf ihre Ausgabe zu. In den letzten Jahren hat sich allerdings bei den großen Anbietern eine Trennung zwischen Suchergebnissen und als "bezahlte Treffer" markierte eingeblendeter Werbung durchgesetzt. Die "bezahlten Treffer" werden kontextbezogen zur Suchanfrage ausgegeben.

Geschichte

Archie kann als ältester Vorfahre der heute allseits bekannten Suchmaschinen und Webverzeichnisse angesehen werden. Der erste Vorläufer der heutigen Suchmaschinen war eine im Jahr 1991 an der University of Minnesota maßgeblich von Paul Lidner und Mark P. McCahill entwickelte Software namens Gopher. Sie wurde als Campuswide Information System (CWIS) zur Vernetzung der dortigen Informationsserver entwickelt und basiert auf dem Client-Server-Prinzip. Die Struktur von Gopher war für den damaligen Zeitpunkt richtungsweisend; alle Gopher-Seiten wurden katalogisiert und konnten vom Gopher-Sucher Veronica (Very Easy Rodent-Oriented Net-wide Index to Computerized Archives) komplett durchsucht werden. Allerdings verschwand Gopher schon einige Jahre später, vermutlich vor allem wegen der fehlenden Möglichkeit, Bilder und Grafiken einzubinden. Mit der Freigabe des WWW-Standards zur kostenlosen Nutzung 1993 und einer handvoll Webseiten begann die einzigartige Erfolgsgeschichte des weltweiten Datennetzes. Der erste Webcrawler namens The Wanderer wurde im selben Jahr von Mathew Gray programmiert, einem Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT). The Wanderer durchsuchte und katalogisierte von 1993 bis 1996 halbjährlich das zu dieser Zeit noch sehr übersichtliche Web. Im Juni 1993 wurden insgesamt 130 Websites gezählt. Im Oktober des gleichen Jahres wurde Aliweb (Archie-Like Indexing of the Web) entwickelt, bei dem die Betreiber von Webservern eine Beschreibung ihres Dienstes in einer Datei ablegen mussten, um so ein Teil des durchsuchbaren Index zu werden. Im Dezember 1993 gingen die Suchmaschinen Jumpstation, WorldWideWeb Worm und RBSE Spider ans Netz. Die beiden erstgenannten waren Crawler, die Webseiten nach Titel und URL indexierten. RBSE Spider war die erste Suchmaschine, die ihre Ergebnisse nach einem eigenen Ranking-System sortiert anzeigte. Keine dieser Suchmaschinen bietet heute noch ihre Dienste an. Im April 1994 ging eine weitere Suchmaschine namens WebCrawler online, die ebenfalls eine nach Ranking sortierte Trefferliste vorweisen konnte. 1995 wurde sie an AOL verkauft, ein Jahr später weiter an Excite. Im Mai begann die Arbeit von Michael Mauldins an der Suchmaschine Lycos, die im Juli 1994 online ging. Neben der Worthäufigkeit der Suchbegriffe innerhalb der Webseiten durchsuchte Lycos auch die Nähe der Suchbegriffe untereinander im Dokument. Im selben Jahr riefen David Filo und Jerry Yang, beide damals Studenten des Fachbereichs Elektrotechnik an der Stanford University, eine Sammlung ihrer besten Web-Adressen in einem online verfügbaren Verzeichnisdienst ins Leben – die Geburtsstunde von Yahoo! (für Yet Another Hierarchical Officious Oracle). Das Jahr 1995 sollte eine bedeutende Trendwende für die erst kurze Geschichte der Suchmaschinen werden: In diesem Jahr wurden erstmals Suchmaschinen von kommerziellen Firmen entwickelt. Aus diesen Entwicklungen entstanden Infoseek, Architext (wurde später in Excite umbenannt) und AltaVista. Ein Jahr später wurde Inktomi Corp. gegründet, deren gleichnamige Suchmaschine zur Grundlage von Hotbot und anderen Suchseiten wurde. Führend in dieser Zeit war der Verzeichnisdienst von Yahoo, aber AltaVista (der Name bedeutet „Blick von oben“, ist aber auch ein Wortspiel den Standort Palo Alto betreffend) wurde zunehmend populär. 1996 war das Startjahr von zwei Metasuchmaschinen. MetaCrawler erblickte in den USA das Licht der Welt und - in Deutschland - MetaGer. Bis zur Marktdurchdringung von Google galten Metasuchmaschinen als eine der interessantesten Informationsbeschaffer, da der Suchindex der Suchmaschinen meist nur Teilbereiche des Internets enthielt. Metasuchmaschinen leiten die Abfragen des Nutzers parallel an mehrere Suchmaschinen weiter und fassen die Treffer formatiert zusammen. Ende 1998 veröffentlichten Larry Page und Sergey Brin ihre innovative Suchmaschinen-Technologie in dem Artikel The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine. Diese Arbeit stellte den Startschuss für die bisher erfolgreichste Suchmaschine der Welt dar: Google. Im September 1999 erreichte Google Beta-Status. Die geordnete Benutzeroberfläche, die Geschwindigkeit und die Relevanz der Suchergebnisse bildeten die Eckpfeiler auf dem Weg, die computererfahrenen Nutzer für sich zu gewinnen. Ihnen folgten in den nächsten Jahren bis heute Scharen von neuen Internetbenutzern. Doch Google dominiert den Suchmaschinenmarkt nicht allein, durch spektakuläre Aufkäufe im Frühjahr 2003 sicherte sich Yahoo! den Anschluss in diesem Marktsegment. Seit 2004 gibt es nach einigen Firmenübernahmen nur mehr drei große (bezogen auf die Anzahl erfasster Dokumente) indexbasierte kommerzielle Websuchmaschinen. Neben Google sind dies Yahoo! Search und Microsofts MSN Search.

Herausforderungen


- Mehrdeutigkeit – Suchanfragen sind oft unpräzise. So kann die Suchmaschine nicht selbständig entscheiden, ob beim Begriff Laster nach einem LKW oder einer schlechten Angewohnheit gesucht werden soll. Umgekehrt sollte die Suchmaschine nicht zu stur auf dem eingegebenen Begriff bestehen. Sie sollte auch Synonyme einbeziehen, damit der Suchbegriff Rechner Linux auch Seiten findet, die statt Rechner das Wort Computer enthalten. Weiterhin wird oft Stemming verwendet, dabei werden Wörter auf ihren Grundstamm reduziert. So ist einerseits eine Abfrage nach ähnlichen Wortformen möglich (schöne Blumen findet so auch schöner Blume), außerdem wird die Anzahl der Begriffe im Index reduziert.
- Datenmenge – Das Web wächst schneller als die Suchmaschinen mit der derzeitigen Technik indexieren können. Dabei ist der den Suchmaschinen unbekannte Teil – das sogenannte Deep Web – noch gar nicht eingerechnet.
- Aktualität – Viele Webseiten werden häufig aktualisiert, was die Suchmaschinen zwingt, diese Seiten immer wieder zu besuchen. Dies ist auch notwendig, um zwischenzeitlich aus der Datenbasis entfernte Dokumente zu erkennen und nicht länger als Ergebnis anzubieten. Das regelmäßige Herunterladen der mehreren Milliarden Dokumente, die eine Suchmaschine im Index hat, stellt große Anforderungen an die Netzwerkressourcen (Traffic) des Suchmaschinenbetreibers.
- Spam – Mittels Suchmaschinen-Spamming versuchen manche Website-Betreiber, den Ranking-Algorithmus der Suchmaschinen zu überlisten, um eine bessere Platzierung für gewisse Suchanfragen zu bekommen. Sowohl den Betreibern der Suchmaschine als auch deren Kunden schadet dies, da nun nicht mehr die relevantesten Dokumente zuerst angezeigt werden.
- Technisches – Suche auf sehr großen Datenmengen so umzusetzen, dass die Verfügbarkeit hoch ist (trotz Hardware-Ausfällen und Netzengpässen) und die Antwortzeiten niedrig (obwohl oft pro Suchanfrage das Lesen und Verarbeiten mehrerer 100 MB Index-Daten erforderlich ist), stellt große Anforderungen an den Suchmaschinenbetreiber. Systeme müssen sehr redundant ausgelegt sein, zum einen auf den Computern vor Ort in einem Rechenzentrum, zum anderen sollte es mehr als ein Rechenzentrum geben, welches die komplette Suchmaschinenfunktionalität anbietet.
- Rechtliches – Suchmaschinen werden meist international betrieben und bieten somit Benutzern Ergebnisse von Servern, die in anderen Ländern stehen. Da die Gesetzgebungen der verschiedenen Länder unterschiedliche Auffassungen davon haben, welche Inhalte erlaubt sind, geraten Betreiber von Suchmaschinen oft unter Druck, gewisse Seiten von ihren Ergebnissen auszuschließen. Die deutschen Internet-Suchmaschinen wollen jugendgefährdende Seiten durch die Freiwillige Selbstkontrolle aus ihren Trefferlisten streichen.

Siehe auch


- Hubs und Authorities, Google-Bombe, Linkfarm, Web Impact Faktor, Information-Retrieval, Vektorraum-Retrieval, Data Mining, semantisches Web, Open Archives Initiative, Web Mining, Schnitzelmitkartoffelsalat, Nutch, Objektivität, Suchmaschinen-Optimierung

Literatur


- Stefan Karzauninkat: Die Suchfibel Wie findet man Informationen im Internet? Klett, 2002 3. Aufl. ISBN 3-12-238106-0
- Heike Faller: [http://www.zeit.de/2005/41/Suchmaschinen_2?page=all David gegen Google]. In: Die Zeit Nr. 41/2005, 6. Oktober 2005, S. 17ff (Dossier).
- Dirk Lewandowski: "Web Information Retrieval: Technologien zur Suche im Internet" DGI, 2005 ISBN 3-925474-55-2. [http://www.durchdenken.de/lewandowski/web-ir Online-Version des Buchs]"

Weblinks


- http://www.suchfibel.de/ Die Suchfibel - Alles über die Websuche
- http://www.ososo.de/suchmaschinen-faq/ FAQ der Newsgroup de.comm.infosystems.suchmaschinen - Grundlagen zur Funktionsweise und zur Benutzung von Suchmaschinen
- http://www.suchmaschinen-und-recht.de/ Suchmaschinen & Recht: Aktuelle Urteile und Aufsätze zu Suchmaschinen-/SEO-Themen
- http://www.rechercheportal.de Zugriff auf rund 2000 spezialisierte Suchdienste
-
- http://www.at-web.de Nachrichten zum Thema Suchmaschinen
- http://www.suchfibel.de/5technik/images/suchmaschinereien_gross.gif Beziehung der Suchmaschinen zueinander Kategorie:Dokumentation Kategorie:Internet Kategorie:Suchmaschine ja:検索エンジン ko:검색 엔진 ms:Enjin gelintar simple:Search engine th:เครื่องมือค้นหาบนอินเทอร์เน็ต

Hierarchie

Die Hierarchie ([] oder []) (griechisch ἱεραρχία, ein Kompositum aus ἱερή, hierí - die heilige und ἀρχή, arché - Herrschaft, Ordnung, Prinzip) ist ein System von Elementen, die einander über- bzw. untergeordnet sind, so dass jedem Element nur höchstens ein anderes unmittelbar übergeordnet ist (siehe auch: Rangordnung). Eine Hierarchie bedarf einer klaren Definition der jeweiligen Ordnung, also, was die Bedeutung ist von „übergeordnet“ bzw. „untergeordnet“ im gegebenen Zusammenhang. Mathematiker sprechen in diesem Zusammenhang von einer Ordnungsrelation. Für Nichtmathematiker: Es muss nicht nur festgelegt werden, welche Elemente unmittelbar miteinander in Beziehung stehen, sondern auch die Richtung der Beziehung. Generell ist eine Hierarchie eine rigidere Untermenge der Strukturen.

Sozial

Bezogen auf Soziale Systeme sind Hierarchien oft mit Verhältnissen von Herrschaft und Autorität verbunden - beispielsweise der Linienorganisation in einem Unternehmen, einer Behörde, dem Militär. Hierarchien werden auch allgemein zur Ordnung von Objekten zum Beispiel in einer Systematik verwendet. Formal lässt sich die Struktur einer Hierarchie als Baum beschreiben. Bildlich werden Hierarchien häufig mit einer Pyramide verglichen. Die Elemente lassen sich meist in Ebenen anordnen, wobei jedes Element (bis auf das oberste) nur mit einem (Monohierarchie) oder mehreren (Polyhierarchie) Elementen der jeweils nächsthöheren Ebene verbunden ist. Eine alternative Struktur wie das Netzwerk (auch: Rhizom) kennt grundsätzlich weder Hierarchie, noch notwendigerweise ein Zentrum. Spezielle Arten von hierarchischen Strukturen, die auch häufig synonym verwandt werden, sind Klassifikationen oder Taxonomien.

Beispiele

Taxonomie
- Hierarchie Krankenhaus
  - Chefarzt - Oberarzt - Stationsarzt - Assistenzarzt - Arzt im Praktikum
- Hierarchie Militär
  - Generale/Admirale - Stabsoffiziere - Offiziere - Unteroffiziere mit Portepee - Unteroffiziere ohne Portepee - Mannschaften
- Hormonhierarchie der Schilddrüse
  - TRH steuert TSH, TSH steuert Schilddrüse, Schilddrüse steuert Körperzellen
- Hierarchie Leben (veraltet)
  - vegetativ (Pflanze, Tier, Mensch)
  - seelisch (Tier, Mensch)
  - geistig (Mensch)
  - ewig (Die ewige Veränderung, Der große Atem, Götter)
- Hierarchie des Seins (jede Ebene setzt die Vorhergehende voraus, ist aber selber etwas völlig Neues)
  - mathematisch (Punkt) - physikalisch (Welle) - chemisch (Atom) - biologisch (Zelle) - sinnlich (Nerv) - geistig (Wort)
- Ein Klassifikationssystem
- Ein Verzeichnisbaum als Sonderform der Verzeichnisstruktur
- Ein Baumdiagramm Entscheidungsbaum oder Dendrogramm
- Ein Stammbaum
- Im Rechtswesen: Normenhierarchie

Siehe auch

Peter-Prinzip, Hierarchische Datenbank, Baum des Wissens, Einliniensystem, Mehrliniensystem, Gilles Deleuze, Hierarchie (Philosophie), Rangordnung Kategorie:Management Kategorie:Personalwesen Kategorie:Herrschaftssoziologie ! Kategorie:Planung und Organisation ja:ヒエラルキー simple:Power structure

Verhaltensbiologie

Die Verhaltensbiologie ist eine Teildisziplin der Biologie und erforscht das Verhalten der Tiere und des Menschen. Sie beschreibt das Verhalten, stellt Vergleiche zwischen Individuen und Arten an und versucht, das Entstehen bestimmter Verhaltensweisen im Verlauf der Stammesgeschichte zu erklären, also den "Nutzen" für das Individuum. Wissenschaftshistorisch betrachtet ist die Verhaltensbiologie eine Nachbardisziplin der Psychologie. Ihre heutigen, äußerst vielgestaltigen Zweige wurzeln in der Tierpsychologie des späten 19. Jahrhunderts und der "klassischen" vergleichenden Verhaltensforschung (Ethologie) des frühen 20. Jahrhunderts. Die Aussagen und Ergebnisse der Verhaltensforschung finden über die Biologie hinaus auch in mehr oder weniger weit entfernten wissenschaftlichen Disziplinen wie der Soziologie und der Pädagogik Beachtung.
- Eine Übersicht über wichtige verhaltensbiologische Fachbegriffe findest Du HIER.
- Eine Übersicht über bedeutende Verhaltensforscher findest Du HIER.

Die zentrale Frage: Welche Ursachen hat ein Verhalten?

Verhaltensbiologen analysieren insbesondere
- welche inneren und äußeren Faktoren das Verhalten auslösen
- wie Verhalten gesteuert wird und
- wie Umwelt und Verhalten einander beeinflussen. Der Grund für die heute festzustellende Vielfältigkeit der Teildisziplinen der Verhaltensbiologie und ihrer Arbeitsmethoden wird anhand einer knappen Frage rasch erklärlich: Warum bebrüten Vögel Eier? Diese Frage lässt sich nämlich ohne viel Federlesen allein durch veränderte Betonung vierfach aufspalten: # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? # Warum bebrüten Vögel Eier? Die Verhaltensbiologen müssen sich in diesem Fall also u.a. beschäftigen mit folgenden Aspekten des Verhaltens: # Woran erkennt ein Vogel (s)ein Ei? Wie unterscheidet er es von einem Stein? # Welche physiologischen Prozesse hindern den Vogel daran, das Ei kurzerhand aufzufressen? Warum scheint der Vogel zu wissen, dass er beim Brüten auf dem Ei sitzen muss und dass das Ei zerbrechlich ist? # Warum zeigen gerade die Vögel solches Brutverhalten, nicht aber Hunde und Schildkröten? # Welchen Überlebenswert hat das Erbrüten von Jungen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Brutverhalten, Flugfähigkeit und “maximal zulässigem Fluggewicht” einer werdenden Vogelmutter? Nikolaas Tinbergen beschrieb 1963 in seinem Buch On aims and methods of ethology die vier Ebenen der Erklärung von Verhalten so:
- Proximate Ursachen - proximate causation (lat. proximus, der Nächste) - „Wirkursache“, die Frage danach, wie etwas funktioniert:
  - Mechanismen der Verhaltenssteuerung (Physiologie, Neurophysiologie, Theorie der Neuronalen Netze, Systemtheorie)
  - Mechanismen der Verhaltensentwicklung (Physiologie, Genetik, Humanethologie)
    - ontogenetisch - ontogenetic development (Physiologie, Genetik)
    - phylogenetisch - evolutionary development (Evolutionstheorie, Populationsgenetik, Spieltheorie).
- Ultimate Ursachen - ultimate function (lat. ultimus, der Letzte) - „Zweckursache“, die Frage nach der Funktion des Merkmals: Evolutionstheorie, Populationsgenetik. Die klassische vergleichende Verhaltensforschung ("Ethologie") beschäftigt sich vorwiegend mit der Frage, wie etwas passiert: also mit den Mechanismen der Verhaltenssteuerung (vergl. hierzu Instinkttheorie), d.h. mit den proximaten Ursachen des Verhaltens. Die neueren Zweige der Verhaltensbiologie (insbesondere die Verhaltensökologie und die Soziobiologie) beschäftigen sich vorwiegend mit der Frage, warum etwas passiert: also mit der evolutionären Angepasstheit eines Verhaltensmerkmals, d.h. mit den ultimaten Ursachen des Verhaltens.

Die wichtigsten Zweige der Verhaltensbiologie

Die Verhaltensbiologie ist eine synthetische Wissenschaft, deren Arbeitsmethoden und Fragestellungen in erheblichem Maße Überlappungen mit anderen Fachgebieten aufweisen.

Vergleichende Verhaltensforschung

Die anfangs Tierpsychologie und später Ethologie genannte, “klassische” vergleichende Verhaltensforschung wurde in den 1930er-Jahren von Oskar Heinroth, Konrad Lorenz und Nikolaas Tinbergen begründet. Diese Forscher gingen von dem damals grundlegend neuen Ansatz aus, dass die äußerst vielfältig und komplex erscheinenden Verhaltensabläufe der Tiere aus bestimmten Grundbausteinen des Verhaltens aufgebaut sind, den sogenannten Erbkoordinationen oder Instinktbewegungen. Daher bemühten sie sich vor allem um eine genaue Beschreibung der Verhaltensweisen einzelner Tiere mit Hilfe von Ethogrammen, wozu auch experimentell gearbeitet wurde (u.a. zum Phänomen der Prägung). Ferner gingen sie, in krassem Gegensatz zum Behaviorismus, von inneren, spontanen Antrieben für das Verhalten aus.
- Zentrale Konzepte der klassischen Ethologie wurden 1990 von Prof. Wolfgang Wickler, einem Schüler von Konrad Lorenz und 1992 von Prof. Hanna-Maria Zippelius, einer Schülerin von Karl von Frisch, kritisiert (vergl. hierzu u.a. Übersprungbewegung und Leerlaufhandlung).
- Der Begriff “Ethologie” wird gelegentlich auch als gleichbedeutende Bezeichnung (als Synonym) für die gesamte Verhaltensbiologie verwendet.

Humanethologie

Die Humanethologie erforscht insbesondere jene Verhaltensweisen des Menschen, die als angeboren gelten und die daher als Anpassungen an die natürliche Umwelt verstanden werden. Solche Verhaltensweisen müssen die sich im Verlauf der Stammesgeschichte entwickelt haben und sollten daher bei Menschen unterschiedlichster Kulturen in ähnlicher Ausprägung nachweisbar sein. Tatsächlich haben sich im Kulturenvergleich zum Beispiel zahlreiche Gesten und viele Aspekte der Gesichtsmimik als erstaunlich ähnlich herausgestellt.
- Der bekannteste deutsche Forscher auf diesem Gebiet ist Irenäus Eibl-Eibesfeldt.

Neuroethologie (Verhaltens-Neurologie)

Die Neuroethologie ist in gewissem Sinne eine Fortsetzung der “klassischen” vergleichenden Verhaltensforschung mit den Methoden der Neurologie. Beispielsweise untersucht sie die neurophysiologischen Entsprechungen für Phänomene wie spontanes Instinktverhalten und angeborene Auslösemechanismen, aber auch Rezeption (Aufnahme), Fortleitung und Verarbeitung von Lichtsinneseindrücken. Arbeitsmethoden sind hierfür u.a. die Ableitung von elektrischen Impulsen aus einzelnen Zellen, die Nutzung moderner bildgebender Verfahren, die elektrische Reizung bestimmter Hirnareale und das Untersuchen von Ausfallerscheinungen.

Ethoendokrinologie (Verhaltens-Endokrinologie)

Die endokrinologische Verhaltensforschung untersucht die Wechselwirkungen von Hormonsystem und Verhalten, also beispielsweise den Einfluss von Adrenalin und Serotonin sowie der Endorphine auf das Verhalten und - umgekehrt - den Einfluss des Verhaltens auf die Ausschüttung von Hormonen. Bekannt (aber nicht verstanden) sind solche Wechselwirkungen beispielsweise schon lange aus dem Gebiet des Sexualverhaltens und der Erforschung von Stressoren.

Ethoökologie (Verhaltens-Ökologie)

Die Verhaltensökologie (Verhaltensökobiologie, Ethoökologie) beschreibt und analysiert das Verhalten der Lebewesen in einer spezifischen Umwelt und untersucht die evolutionäre Angepasstheit des Verhaltens an spezifische Umweltbedingungen. Grundlage für diese Forschungsrichtung ist die Evolutionstheorie, was besagt, dass die Angepasstheit eines Merkmals an die Umwelt des Merkmalsträgers (des Individuums) letztlich das Ergebnis einer Selektion ist, die zur Erhöhung der Überlebenswahrscheinlichkeit (zur Fitnessmaximierung) führt. Unter anderem versucht man in mathematischen Modellen zu beschreiben, wie sich optimal angepasste Individuen verhalten sollten.

Soziobiologie

Die Soziobiologie kann als Teilbereich der Verhaltensökologie aufgefasst werden; sie beschäftigt sich mit dem Sozialverhalten der Tiere und des Menschen: untersucht werden zum Beispiel die Bedingungen, unter denen soziale Gruppen (Sozialverbände, Insektenstaaten) und Hierarchien entstehen; das Phänomen der Territorialität und des Altruismus (siehe hierzu auch: Eintrageverhalten); Fortpflanzungsstrategien (Monogamie, Polygamie, Polygynie).

Evolutionäre Psychologie

Die Evolutionäre Psychologie versteht sich als biologische Grundlage für viele Disziplinen innerhalb der Psychologie und versucht, menschliche Handlungsweisen aus der Perspektive der evolutionären Entwicklung zu verstehen.

weitere Teilgebiete

Weitere Zweige der Biologie, die der Verhaltensforschung nahe stehen, sind die Verhaltens-Genetik, die Psychobiologie, die Chronobiologie, die Biologie des Orientierungsverhaltens und - sehr allgemein formuliert - die Biologie der Individualentwicklung (Ontogenese), des Lernens und der Kommunikation.

Die Methoden der Verhaltensbiologie

Beobachtung und Beschreibung

Am Beginn vieler verhaltensbiologischer Studien steht auch heute noch die Beobachtung der Tiere, und zwar am besten unter natürlichen Bedingungen und ohne Einflussnahme durch den Beobachter. Das beobachtbare Verhalten wird so genau wie irgend möglich beschrieben und quantifiziert, in der Regel mit Hilfe von Ethogrammen. Schwierig ist häufig
- die eindeutige Zuordnung von Verhalten zu bestimmten Verhaltensweisen bei stationären (bewegungsarmen) Zuständen; :Beispiel: Soll die Putzbewegung einer offensichtlich schlafenden Maus als Körperpflege bewertet werden?
- die Zuordnung von Reiz und Reaktion, wenn innere (endogene) Reize die unmittelbaren Auslöser waren und äußere (exogene) Reize - wenn überhaupt - nur eine Nebenrolle spielen; :Beispiel: Die Tageslänge beeinflusst den Hormonspiegel, der das Zugverhalten bei Zugvögeln steuert: Was ist hier die "wirkliche" Ursache des Zugverhaltens?
- die Interpretation von Verhaltensweisen, die man als Reaktion auf Reize auffassen kann, die schon vor Beobachtungsbeginn auftraten und deren Folgen während der Beobachtungszeit registriert werden; : Beispiel: Ist ein bestimmtes beobachtetes Verhalten angeboren oder erlernt?
- die Interpretation von Verhaltensweisen, deren physiologische Ursachen noch völlig unerklärlich sind; :Beispiel: Das Verhalten von Zugvögeln, die – aus Deutschland kommend – über Frankreich und Spanien Richtung Westen fliegen und in der Höhe von Gibraltar plötzlich nach „links“ (nach Süden) abbiegen.

Experimente

Von Verhaltensbiologen werden sowohl Freiland- als auch Laborexperimente durchgeführt. Letztere dienen häufig dem Erforschen der physiologischen Grundlagen des Verhaltens, also zum Beispiel der Feststellung von Hormonkonzentrationen im Blut und von Aktivitätsmustern der Nervenzellen sowie zur Klärung von Verwandtschaftsbeziehungen. Verhaltensexperimente werden in der Regel an lebenden Tieren durchgeführt, gelegentlich – zur Klärung von Detailfragen – aber auch an isolierten Geweben oder an einzelnen Zellen. Eine noch immer wichtige Vergehensweise der Verhaltensbiologen kann als physiologische Variante der Black Box-Methode bezeichnet werden, da trotz der stetig wachsenden Erkenntnisse von Neurophysiologie und Gehirnforschung die spezifischen, das Verhalten steuernden inneren Strukturen noch immer unbekannt sind: Man erforscht den Zusammenhang bestimmter Reize mit bestimmten Reaktionen, blendet aber viele Details der inneren Regelungsprozesse aus der Analyse aus. Beispiele:
- Kreuzung von (grauen) Wildmäusen mit (weißen) Labormäusen, um Verhaltensunterschiede zwischen diesen und den Mischlingen zu erforschen: Ähneln die Mischlinge eher den Wildmäusen oder eher den Labormäusen?
- Können Schimpansen Kisten so stapeln und an ihnen empor klettern, dass sie an eine hoch hängende Banane heran kommen? (siehe hierzu: Werkzeuggebrauch bei Tieren)
- Wie wirkt sich die Gabe einer bestimmten Menge eines Medikamentenwirkstoffs auf das Schlafverhalten einer Ratte aus?
- Wie schnell lernt ein Hund, dass nach einem Klingelton Futter gereicht wird? Welche Veränderungen sind dabei in seinem Gehirn nachweisbar?
- Ein Tier erhält für eine gewisse Zeit kein Futter. Wann und wie intensiv zeigt es Unruhe, die man als Futtersuche deuten kann?
- Ein Lichtblitz wird gegen ein Auge gerichtet; zugleich wird mit Hilfe von Elektroden gemessen, in welchen Gehirnbereichen der Reiz verarbeitet wird. Nur durch Experimente kann ferner beispielsweise geklärt werden, ob auch Tiere "Wissen über ihr eigenes Wissen" besitzen, also zur Metakognition befähigt sind.

Schlussfolgerungen und Modellbildung

Wie in jeder experimentell arbeitenden naturwissenschaftlichen Disziplin werden auch die Einzelbefunde einer verhaltensbiologischen Studie zuletzt zu einem Modell des Verhaltens zusammengefasst, aus dem neue Schlussfolgerungen abgeleitet werden können. Diese Schlussfolgerungen sind häufig Ausgangsbasis für weitergehende Experimente. Da kein Experiment ohne gewisse Vorüberlegungen begonnen wird, basieren Experimente stets auf bestimmten (bewussten oder unbewussten) Grundannahmen, den Arbeitshypothesen. Ein häufig wiederkehrender, grober Fehler derartiger Modellbildungen ist die allzu rasche Verallgemeinerung von Erkenntnissen: Da schon bei nah verwandten Arten unterschiedliches, artspezifisches Verhalten auftritt, ist es grundsätzlich (das heißt: bis zum Beweis des Gegenteils im Einzelfall) nicht möglich, Erkenntnisse der Verhaltensforschung von einer Art auf andere, nah oder entfernt verwandte Arten oder gar auf den Menschen zu übertragen. Groteskerweise haben gerade die Vertreter der klassischen vergleichende Verhaltensforschung (der Ethologie im engeren Sinne) einerseits wertvolle Erkenntnisse über Verhaltensunterschiede nah verwandter Arten geliefert, zugleich aber immer wieder einzelne Beobachtungen bei bestimmten Tierarten ohne jedes zusätzliche Experiment auf den Menschen übertragen. Beispiele:
- Kaninchen bilden größere soziale Verbände, Hasen sind Einzelgänger, und auch ihr Nestbau und ihre Jungenaufzucht unterscheidet sich erheblich. Trotz der nahen Verwandtschaft dieser beiden Tierarten kann also nicht vom Verhalten der einen auf das Verhalten der anderen geschlossen werden.
- Aus dem Verhalten der dem Menschen am nächsten verwandten Tierart, der Schimpansen, kann nach Millionen Jahren getrennter Evolution nicht auf Gesetzmäßigkeiten des Verhaltens der Menschen geschlossen werden.

Einige Schlaglichter aus der Geschichte

Die genaue Beobachtung und die Analyse des Verhaltens der Tiere durch den Menschen reicht vermutlich bis in die früheste Vorzeit zurück, war dies doch lebensnotwendig, wenn man Tiere jagen wollte. Sicher belegt ist die Erforschung des Tierverhaltens seit dem klassischen Altertum. Schon Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) hielt in seiner “Historia animalium” beispielsweise fest, dass es zu untersuchen gelte, ob das Verhalten durch innere Antriebe gesteuert werde und wie man dessen Ursachen erklären könne. Jahrhunderte lang wurde das Verhalten von Mensch und Tier allerdings häufig kurzerhand so interpretiert:
- vitalistisch: alle Lebewesen besitzen eine weder physikalisch noch chemisch fassbare „Lebenskraft”, lat. vis vitalis;
- teleologisch: die Natur handelt bewusst, also ziel- und zweckgerichtet;
- anthropozentrisch: der Mensch hat eine Sonderstellung inne und ist allen anderen Lebwesen überlegen;
- anthropomorph: Tieren wird Einsicht, Tugend, Verstand, Gerechtigkeitsempfinden u.ä. zugeschrieben. Eine im modernen Sinne rationale Verhaltensforschung kam erst als Folge des Darwinschen Hauptwerkes “Über die Entstehung der Arten” auf: Charles Darwin hatte aufgrund eigener, jahrelanger Kreuzungsexperimente (vor allem an Tauben) auch den Weg dafür geebnet, Verhalten als in gleicher Weise vererbbar wie körperliche Merkmale zu betrachten. Dies führte allerdings noch nicht zu einer Verselbständigung der Verhaltensforschung; im 19. und auch noch im frühen 20. Jahrhundert blieb die Erforschung des Tierverhaltens ein (Rand-) Gebiet der Psychologie. Weitere Stufen der Entwicklung des Faches:
- „Das objektive Ziel, der ‚Zweck’ der Tätigkeit bestimmt ihren Ablauf in seinen Einzelheiten …“ (Bertrand Russell, 1872 - 1970): Diese teleologische Erklärung von Verhalten wird aus einer vorweg ganzheitlichen Definition des Instinktbegriffs deduktiv gewonnen, da dieser einer kausalen Erforschung nicht zugänglich sei. Mit anderen Worten: „Wir erkennen den Instinkt, aber wir erklären ihn nicht.“ (Johan Bierens de Haan, 1883 - 1958). Die moderne Verhaltensbiologie geht hingegen davon aus, dass Verhalten grundsätzlich kausal erforschbar ist.
- Der im 19. Jahrhundert noch immer weit verbreitete anthropomorphe Ansatz erklärte das beobachtbare Verhalten durch psychische Vorgänge, wie sie auch dem Menschen zugute gehalten werden. So schreibt Alfred Edmund Brehm (1829 - 1884) dem Löwen menschliche Eigenschaften wie Mut, Kühnheit, Tapferkeit, Heldensinn, Adel, Großmut und Ernst zu. Da psychisches Erleben nur subjektiv durch Introspektion erfahrbar ist, lehnt die moderne Verhaltenslehre psychische Vorgänge als letzte Ursache von Verhalten ab, ohne ihre Existenz aber grundsätzlich zu bestreiten. Psychische Vorgänge können Verhalten begleiten, sind aber nicht objektiv erforschbar.
- Reflexologie (1905): Der russische Physiologie Iwan Pawlow (1849 - 1936) führt an Hunden seine Versuche zum Speichelreflex durch und entwickelt die Reflexkettentheorie: Auch komplexes Verhalten sei nichts anderes als eine einfache Kette von Reizen und reflexartigen Reaktionen.
- Behaviorismus (am. behavior, Verhalten): John Broadus Watson (1878 - 1958) begründete Anfang des 20. Jahrhunderts diese Theorie der Psychologie, die sich durch eine Überbewertung des Lernverhaltens zu Lasten angeborenen Verhaltens auszeichnete: Verhalten erfolge nur auf Grund von Umwelteinflüssen. Es gebe keine angeborenen Verhaltensanteile, zumindest seien sie nicht nachweisbar und daher in Verhaltensanalysen zu ignorieren. Burrhus Frederic Skinner (1904 - 1990) baute diese Grundüberzeugungen zu einer umfassenden Lerntheorie aus.
- Ethologie: Im Gegensatz zu den Behavioristen beachteten die Vertreter der sogenannten klassischen vergleichenden Verhaltensforschung seit dem 1930er-Jahren vor allem die angeborenen Anteile im Verhalten von Tier und Mensch. Die von dieser Schule entwickelte Instinktlehre besagt, dass Instinktbewegungen im Erbgut verankert seien und in der Regel durch Schlüsselreize ausgelöst werden, solange eine innere aktionsspezifische Energie vorhanden ist. Die Zweckmäßigkeit des Verhaltens diene letztlich der Arterhaltung und erkläre sich aus der Evolutionstheorie. Der bekannteste Vertreter der Ethologie war Konrad Lorenz.
- Karl von Frisch führt vor allem die experimentelle Verhaltensphysiologie zur Vervollkommnung (Methode der konditionierten Diskriminierung).
- Gruppenselektion: Vero Wynne-Edwards (1906 - 1997) vertritt 1962 die These der Gruppenselektion, mit der zum Beispiel erklärt werden soll, dass altruistisches Verhalten letztlich der Erhaltung der Art diene.
- Auch William D. Hamilton (1936 - 2000) ging 1964 davon aus, dass Verhalten eine genetische Grundlage aufweist, richtete den Blick aber auf die Fitness des Individuums: Verhalten diene der möglichst erfolgreichen Weitergabe der eigenen Gene. Mit dem Prinzip der Verwandtenselektion (kin selection) konnte er auch altruistisches Verhalten erklären. Ebenso legen John Maynard Smith, George C. Williams und Robert L. Trivers die theoretischen Grundlagen ein neues Teilgebiet der Verhaltensforschung, für die Edward O. Wilson 1975 mit seinem Buch Sociobiology – the new synthesis den Begriff Soziobiologie prägt.
- Richard Dawkins spitzte 1976 in seinem Buch Das egoistische Gen die Thesen der Soziobiologie zu und trug durch seine provozierenden Formulierungen viel ihrer Verbreitung bei.
- Einen originellen Ansatz zur Erklärung von Verhalten legten die israelischen Forscher Amotz und Avishag Zahavi vor, unter dem Schlagwort "Das Handicap-Prinzip": Da bei der Partnerwahl stets die Fitness des potentiellen Sexualpartners beachtet wird, entstehen im Prozess der Evolution unmissverständliche Signale, anhand derer das Ausmaß an Fitness ablesbar ist. Solche Signale sind aber nur dann zuverlässig, wenn sie für den Signalgeber ein echtes Handicap darstellen: ein sperriges Geweih, ein farbenfrohes Gefieder, eine laute Stimme (ein teurer Sportwagen?).

Literatur


- Grzimeks Tierleben, Sonderband "Verhaltensforschung". Kindler Verlag, Zürich 1974
- John Alcock: Das Verhalten der Tiere aus evolutionsbiologischer Sicht. G. Fischer Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-437-20531-5
- David McFarland: Biologie des Verhaltens. Evolution, Physiologie, Psychobiologie. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1999 (2. überarb. Auflage), ISBN 3-8274-0925-X
- Aubrey Manning, Marian Stamp Dawkins: An Introduction to Animal Behaviour. Cambridge University Press, 1998 (5. Auflage), ISBN 0521578914

Weblinks


- [http://www.ethoges.uni-halle.de (Deutsche) Ethologische Gesellschaft e. V.]
- [http://www.ethoges.uni-halle.de/etholink.html Internationale Verhaltensbiologische Vereinigungen]
- [http://www.abi-bayern.de/bio/aambeimmensch.htm Abiturvorbereitung Humanethologie (Bayern)] Kategorie:Ökologie Kategorie:Handlung und Verhalten ! !

Hierarchie

Die Hierarchie ([] oder []) (griechisch ἱεραρχία, ein Kompositum aus ἱερή, hierí - die heilige und ἀρχή, arché - Herrschaft, Ordnung, Prinzip) ist ein System von Elementen, die einander über- bzw. untergeordnet sind, so dass jedem Element nur höchstens ein anderes unmittelbar übergeordnet ist (siehe auch: Rangordnung). Eine Hierarchie bedarf einer klaren Definition der jeweiligen Ordnung, also, was die Bedeutung ist von „übergeordnet“ bzw. „untergeordnet“ im gegebenen Zusammenhang. Mathematiker sprechen in diesem Zusammenhang von einer Ordnungsrelation. Für Nichtmathematiker: Es muss nicht nur festgelegt werden, welche Elemente unmittelbar miteinander in Beziehung stehen, sondern auch die Richtung der Beziehung. Generell ist eine Hierarchie eine rigidere Untermenge der Strukturen.

Sozial

Bezogen auf Soziale Systeme sind Hierarchien oft mit Verhältnissen von Herrschaft und Autorität verbunden - beispielsweise der Linienorganisation in einem Unternehmen, einer Behörde, dem Militär. Hierarchien werden auch allgemein zur Ordnung von Objekten zum Beispiel in einer Systematik verwendet. Formal lässt sich die Struktur einer Hierarchie als Baum beschreiben. Bildlich werden Hierarchien häufig mit einer Pyramide verglichen. Die Elemente lassen sich meist in Ebenen anordnen, wobei jedes Element (bis auf das oberste) nur mit einem (Monohierarchie) oder mehreren (Polyhierarchie) Elementen der jeweils nächsthöheren Ebene verbunden ist. Eine alternative Struktur wie das Netzwerk (auch: Rhizom) kennt grundsätzlich weder Hierarchie, noch notwendigerweise ein Zentrum. Spezielle Arten von hierarchischen Strukturen, die auch häufig synonym verwandt werden, sind Klassifikationen oder Taxonomien.

Beispiele

Taxonomie
- Hierarchie Krankenhaus
  - Chefarzt - Oberarzt - Stationsarzt - Assistenzarzt - Arzt im Praktikum
- Hierarchie Militär
  - Generale/Admirale - Stabsoffiziere - Offiziere - Unteroffiziere mit Portepee - Unteroffiziere ohne Portepee - Mannschaften
- Hormonhierarchie der Schilddrüse
  - TRH steuert TSH, TSH steuert Schilddrüse, Schilddrüse steuert Körperzellen
- Hierarchie Leben (veraltet)
  - vegetativ (Pflanze, Tier, Mensch)
  - seelisch (Tier, Mensch)
  - geistig (Mensch)
  - ewig (Die ewige Veränderung, Der große Atem, Götter)
- Hierarchie des Seins (jede Ebene setzt die Vorhergehende voraus, ist aber selber etwas völlig Neues)
  - mathematisch (Punkt) - physikalisch (Welle) - chemisch (Atom) - biologisch (Zelle) - sinnlich (Nerv) - geistig (Wort)
- Ein Klassifikationssystem
- Ein Verzeichnisbaum als Sonderform der Verzeichnisstruktur
- Ein Baumdiagramm Entscheidungsbaum oder Dendrogramm
- Ein Stammbaum
- Im Rechtswesen: Normenhierarchie

Siehe auch

Peter-Prinzip, Hierarchische Datenbank, Baum des Wissens, Einliniensystem, Mehrliniensystem, Gilles Deleuze, Hierarchie (Philosophie), Rangordnung Kategorie:Management Kategorie:Personalwesen Kategorie:Herrschaftssoziologie ! Kategorie:Planung und Organisation ja:ヒエラルキー simple:Power structure

Protokollarische Rangordnung

Eine protokollarische Rangordnung (auch Vortritt oder Präzedenz) ist eine Liste, die verschiedene Personen - hauptsächlich die Träger hoher Staatsämter - ihrer nominellen Bedeutung nach ordnet. In jedem Staat und auch im diplomatischen Protokoll gibt es eine offizielle oder inoffizielle protokollarische Rangordnung. Heutzutage dient sie vor allem zeremoniellen Zwecken - wer bei Reden zuerst anzusprechen ist, wer bei Staatsbanketten wo sitzt etc. Die protokollarische Rangordnung entspricht nicht notwendigerweise der tatsächlichen politischen Bedeutung der auf ihr aufgeführten Ämter bzw. Personen, und sie hat in der Regel keine eigenständige politische Bedeutung. In Monarchien ist die Präzedenz meist sehr genau durch den Hof geregelt und jedes Amt in einer Hofrangliste im Hofkalender veröffentlicht; Demokratien behandeln den protokollarischen Vorrang dagegen wesentlich flexibler.

Protokollarische Rangordnung im diplomatischen Protokoll

Die Diplomatie kennt z.B. folgende Präzedenzregeln:
- Ein Staatsoberhaupt rangiert vor einem Regierungschef, der seinerseits vor einem Minister rangiert. Des weiteren gilt: ein ausländischer Gast rangiert vor seinem inländischen Pendant, ausgenommen davon ist das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes.
- Unter Gleichrangigen kann das Anciennitätsprinzip zur Anwendung kommen - d. h. der Amtsälteste hat Vorrang. Wenn mehrere Personen das gleiche Amtsalter haben, ist ihre Reihenfolge nach dem natürlichen Alter (Senioritätsprinzip). Die Rangordnung unter Diplomaten ist im [http://www.admin.ch/ch/d/sr/c0_191_01.html Wiener Übereinkommen vom 18. April 1961 über diplomatische Beziehungen] festgelegt.

Protokollarische Rangordnung in einzelnen Staaten

Deutschland

Die protokollarische Rangfolge der Bundesrepublik Deutschland ist nicht offiziell festgelegt, sondern hat sich in der Praxis so herausgebildet (siehe die [http://www.bund.de/nn_168112/Microsites/Protokoll/Rang-und-Titulierung/Protokollarische-Rangfragen/Protokollarische-Rangfragen-knoten.html Website des Innenministeriums]). #Bundespräsident (Horst Köhler). #Bundestagspräsident (Norbert Lammert). #Bundeskanzlerin (Angela Merkel) #Bundesratspräsident (Peter Harry Carstensen). #Bundesverfassungsgerichtspräsident (Hans-Jürgen Papier). Das tatsächlich mächtigste Amt ist das des Bundeskanzlers als Regierungschef.

Frankreich

Die protokollarische Rangordnung der Französischen Republik wird durch Verfügung des Präsidenten der Republik offiziell festgelegt ([http://www.legifrance.gouv.fr/texteconsolide/PPHLX.htm Décret n°89-655 du 13 septembre 1989]). #Der Präsident der Republik (Jacques Chirac) #Der Premierminister Frankreichs (Dominique de Villepin) #Der Präsident des Senats (Christian Poncelet) #Der Präsident der Nationalversammlung (Jean-Louis Debré) #Frühere Präsidenten der Republik in Reihenfolge ihres Amtes (zurzeit nur Valéry Giscard d'Estaing) #Die Minister der Regierung in der vom Präsidenten der Republik bestimmten Rangfolge. #Früherere Präsidenten des Ministerrats (vgl. Vierte Republik) und frühere Premierminister. #Der Präsident des Verfassungsrats (des französischen Verfassungsgerichts). #Der Vizepräsident und Vorsitzende des Staatsrats (des obersten französischen Verwaltungsgerichts). #Der Präsident des Wirtschafts- und Sozialrats. #Die Abgeordneten der Nationalversammlung. #Die Senatoren. #Die rechtsprechende Gewalt, repräsentiert durch den ersten Präsidenten und den Staatsanwalt des Kassationsgerichts. #Der erste Präsident und der Staatsanwalt des Rechnungshofes (Cour des Comptes). #Der Grosskanzler der Ehrenlegion, der Kanzler des Verdienstordens und die Ratsmitglieder dieser Orden. #Der Kanzler des Befreiungsordens und die Ratsmitglieder dieses Ordens. #Der Stabschef der Armeen. #Der Ombudsman der Republik. Weitere Staatsämter sind auf einer besonderen Präzedenzliste für Paris aufgeführt. Das tatsächlich mächtigste Amt ist das des Präsidenten der Republik als Staatsoberhaupt mit grossen Exekutivkompetenzen und als Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Großbritannien und Nordirland

Die protokollarische Rangordnung im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland ist - wie die Geschichte der britischen Monarchie - lang und kompliziert. Sowohl für die einzelnen Teile des Reiches (England und Wales, Schottland und Nordirland) wie auch für Damen und Herren existieren separate Listen (vgl. für die Details die [http://en.wikipedia.org/wiki/United_Kingdom_order_of_precedence englischsprachige Wikipedia]). Im Vereinigten Königreich war die gesellschaftliche Bedeutung des protokollarischen Rangs noch bis zum 2. Weltkrieg sehr gross. Eine konsolidierte Präzedenzliste würde stark vereinfacht etwa diesem Muster folgen: #Der Souverän (Königin Elizabeth II.). #Die Angehörigen der königlichen Familie. #Der höchste kirchliche Würdenträger (in England der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams). #Die Inhaber einiger zeremonieller Staatsämter. Diese Ämter sind heute grossteils obsolet. Weitere dieser Ämter finden sich auch verteilt auf den Rest der Liste. #Der Premierminister des Vereinigten Königreichs (Tony Blair). #Der Lordkanzler und Vorsitzende des Oberhauses (Lord Falconer of Thoroton). #Premierminister des Commonwealth, wenn auf Besuch im Königreich. #Der Sprecher des Unterhauses des Parlaments (Michael Martin). #Ausländische Botschafter. #Höhere britische Adlige: ##Herzöge (Dukes) ##Markgrafen (Marquesses) ##Grafen (Earls) ##Viscounts #Bischöfe der Kirche Englands (nicht in Schottland). #Barone. #Minister der Krone. #Titularadel (O.B.E etc., Anrede "Sir"/"Dame"), dazwischen Richter. #Esquires und Ladies bzw. Gentlemen. Das tatsächlich mächtigste Amt ist das des Premierministers als Regierungschef.

Schweiz

Die offizielle protokollarische Rangordnung der Schweizerischen Eidgenossenschaft ist durch das [http://www.eda.admin.ch/eda/g/home/dep/protcl/cervis/regpro.html Protokollreglement] und die [http://www.eda.admin.ch/eda/g/home/dep/protcl/cervis/regpro.ContentPar.0023.UpFile.tmp/lt_031024_preseancCH_f.pdf Präzedenztabelle] des Aussendepartementes bestimmt. Zu beachten ist, dass gemäss diesen Vorschriften nicht - wie verbreitet angenommen - die Nationalratspräsidentin, sondern der Bundespräsident das protokollarisch höchste Amt inne hat. Der obere Teil der Liste lautet wie folgt. Die aufgeführten Präsidialämter rotieren traditionellerweise jährlich unter den Mitgliedern des entsprechenden Gremiums. #Der Bundespräsident (2005: Samuel Schmid) #Der Vizepräsident des Bundesrates (2005: Moritz Leuenberger) #Die anderen Mitglieder des Bundesrates in der Reihenfolge ihrer Wahl (2005: Pascal Couchepin, Joseph Deiss, Micheline Calmy-Rey, Christoph Blocher, Hans-Rudolf Merz). #Der General (das Amt ist nur im Kriegsfall besetzt). #Die Nationalratspräsidentin (2005: Thérèse Meyer). #Der Ständeratspräsident (2005: Bruno Frick). #Die Bundeskanzlerin (Annemarie Huber-Hotz). #Der Bundesgerichtspräsident (2005: Giusep Nay). #Der Präsident des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (2005: Aldo Borella). #Frühere Mitglieder des Bundesrates in der Reihenfolge ihrer Wahl. #Die Regierungspräsidenten der Kantone in der verfassungsmässigen Reihenfolge der Kantone sowie gleichrangig Kardinäle, der Rat des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und Grossrabbiner. #Der 1. Vizepräsident und die 2. Vizepräsidentin des Nationalrates (2005: Claude Janiak, Christine Egerszegi-Obrist). #Der 1. und 2. Vizepräsident des Ständerates (2005: Rolf Büttiker, Peter Bieri). #Der Bundesgerichtsvizepräsident (2005: Bernard Corboz). #Die Vizepräsidentin des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (2005: Susanne Leuzinger-Naef). #Bischöfe. #Staatssekretäre der Bundesverwaltung. #Die Mitglieder des Nationalrates in der Reihenfolge ihrer Wahl. #Die Mitglieder des Ständerates in der Reihenfolge ihrer Wahl. #Die Richter am Bundesgericht. #Die Richter am Eidgenössischen Versicherungsgericht. #Gleichrangig: Schweizerische Missionschefs, Korpskommandanten und die obersten Führungspersonen der Nationalbank, SBB, Post, ETHZ und EPFL. Das tatsächlich mächtigste Amt ist das der Mitglieder des Bundesrates als Regierungsmitglieder (Staatsoberhaupt ist der Bundesrat als Gremium; der Bundespräsident ist kein Regierungschef, sondern ein primus inter pares).

USA

Die protokollarische Rangordnung der Vereinigten Staaten von Amerika wird durch Verfügung des Präsidenten offiziell festgelegt. Sie ist nicht identisch mit der durch Verfassung und Gesetz geregelten Nachfolgeregelung des Präsidenten. Der obere Teil der US-Präzedenzliste lautet wie folgt. Die vollständige Liste ist in der [http://en.wikipedia.org/wiki/United_States_order_of_precedence englischsprachigen Wikipedia] verfügbar. #Präsident der Vereinigten Staaten (George W. Bush) und wenn anwesend seine Frau, die First Lady (Laura Bush). #Vizepräsident der Vereinigten Staaten und Vorsitzender des Senats (Richard B. Cheney). #Ein Gouverneur in seinem Bundesstaat. #Ein Bürgermeister in seiner Stadt. #Sprecher des Repräsentantenhauses (Dennis Hastert). #Oberster Richter der Vereinigten Staaten (John Roberts) #Frühere Präsidenten der Vereinigten Staaten (in Reihenfolge ihres Amtes): ##Gerald Ford ##Jimmy Carter ##George H. W. Bush ##Bill Clinton #Ein amerikanischer Botschafter auf seinem Posten. #Außenministerin (Condoleezza Rice) #Ausländische Sonderbevollmächtigte (Ambassadors Extraordinary and Plenipotentiary). #Witwen früherer Präsidenten: ##Lady Bird Johnson ##Nancy Reagan #Ausländische Minister. #Beigeordnete Richter am Obersten Gerichtshof (in der Reihenfolge ihrer Ernennung): ##John Paul Stevens ##Sandra Day O'Connor ##Antonin Scalia ##Anthony Kennedy ##David Souter ##Clarence Thomas ##Ruth Bader Ginsburg ##Stephen Breyer Das tatsächlich mächtigste Amt ist das des Präsidenten als Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Staat

Max Weber definiert in seiner Herrschaftssoziologie Staat als einen solchen politischen Anstaltsbetrieb, dessen Verwaltungsstab erfolgreich das Monopol legitimen physischen Zwanges (also das Gewaltmonopol) für die Durchführung der Ordnungen in Anspruch nimmt (Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, [http://www.textlog.de/7321.html Kap. 1, § 17]). In der Ökonomie wird der Staat oftmals als Summe aller Zwangsverbände betrachtet. Zur Unterscheidung oder Kongruenz von Staat und Gesellschaft siehe Staat und Gesellschaft.

Völkerrecht

Ein Staat (aus lat. status Zustand, Verfassung) ist ein ein Gebilde, das laut der Konvention von Montevideo folgende Eigenschaften aufweist:
- eine mehr oder weniger stabile Kernbevölkerung (Staatsvolk);
- einen klar abgegrenzten oder definierten Landbesitz (Staatsgebiet, Territorium);
- eine Regierung, die eine Staatsgewalt ausüben kann;
- die Fähigkeit, mit anderen Staaten in politischen Kontakt zu treten, d. h., ein Völkerrechtssubjekt zu sein. Die klassische Staatsrechtslehre nennt nur die ersten drei Merkmale (Drei-Elemente-Lehre Jellineks). In diesem Sinne sind die Glieder eines Bundesstaates, wie die deutschen Länder auch "Staaten" (übrigens auch beschränkt Völkerrechtssubjekte, da sie auf Grund ihrer "Kulturhoheit" z. B. mit dem Heiligen Stuhl unabhängig von der Bundesrepublik Deutschland Konkordate abschließen können). Der klassische Ausnahmefall eines Staates ohne Staatsgebiet ist - seit der Annexion Maltas durch Napoleon I. - der "Souveräne Malteserorden". Die Souveränität ist kein definierendes Merkmal des Staates. Staaten können rechtlich auch dann fortbestehen, wenn sie unter Besatzung stehen (okkupiert sind); oder (in der älteren Staatsrechtslehre), wenn sie nur "souverän" sind (z. B. Samos im Osmanischen Reich). Jedoch muss faktisch eine Teilsouveränität gegeben sein. Wie denn überhaupt das Völkerrecht mangels einer Welt-Legislative von Entscheidungen von Fall zu Fall abhängt (case law) und mithin ein sehr nachgiebiges Recht ist, wenn Völkerrechtssubjekte "Fakten setzen".

Völkerrechtliche Anerkennung

Ein Staat bedarf zu seiner Gründung keiner juristischen Legitimation (er wird 'ausgerufen', vgl. den Rütli-Schwur bei der Begründung der Schweizerischen Eidgenossenschaft im Mittelalter - die neuzeitliche Schweizerische Konföderation besteht aber durchaus aus einzelnen Staaten, den Kantonen). International hat es sich eingebürgert, einen Staat anzuerkennen, sobald mehrere andere Staaten seine Existenz anerkannt haben. Einige Gebiete wie Taiwan oder Nordzypern auf Zypern, die zwar die Merkmale eines Staates aufweisen, wurden dennoch, meist aus politischen Gründen, nicht allgemein anerkannt; diese werden als Stabilisierte De-Facto-Regime bezeichnet. Die Konvention von Montevideo regt häufig zu Diskussionen an, ob es möglich ist, durch Kauf einer staatenlosen Insel oder Bohrinsel quasi eine Mikronation zu gründen. Die Anerkennung durch andere Staaten ist das Hauptproblem solcher Vorhaben.

Anzahl

Insgesamt gibt es 192 vollständig anerkannte souveräne Staaten. Darunter fallen die 191 Mitglieder der UNO sowie die Vatikanstadt. Weitere Staaten sind nur von einer Minderheit der weltweiten Staaten anerkannt, dies sind u. a. Taiwan, Westsahara (DARS), die Cookinseln und Niue.

Literatur


- Michail Bakunin, Gott und der Staat, Berlin: Karin Kramer 1995
- Karl Held (Hrsg.): [http://www.gegenstandpunkt.com/vlg/staat/staat_i.htm Der bürgerliche Staat]. Die Staatsableitung. München, 1999. 138 Seiten ISBN 3-929211-03-3
- Stefan Breuer: Der Staat. Entstehung, Typen und Organisationsstadien, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1998.
- Heide Gerstenberger, Die subjektlose Gewalt. Theorie der Entstehung buergerlicher Staatsgewalt, Münster: Westfälisches Dampfboot 2005
- Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Sonderausgabe, München: C.H. Beck 2002
- Franz Oppenheimer:
[http://www.opp.uni-wuppertal.de/oppenheimer/st/staat0.htm Der Staat], 3. überarbeitete Auflage von 1929
- OVG Münster, Urteil vom 14.02.1989, Az. 18 A 858/87, in: NVwZ 1989, S. 790.

Siehe auch


- Staatstheorie
- Liste unabhängiger Staaten
- Liste der Staatsformen souveräner Staaten
- Staatliche Souveränität
- Territoriale Integrität Kategorie:Politische Geographie ! ja:国家 simple:State


Gewaltenteilung

In der Staatstheorie versteht man unter Gewaltenteilung (Gewaltentrennung) eine Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Träger. Ursprünglich bezog sich dies auf Krone, Adel und Bürgertum mit dem Zweck, Macht durch Macht zu zügeln (Montesquieu: Vom Geist der Gesetze. 1748). In den heutigen (repräsentativen) Demokratien ist die Gewaltentrennung eine Voraussetzung, auf welche nicht verzichtet werden kann. Es gibt verschiedene Ebenen der Gewaltenteilung; meistens bezeichnet der Begriff die horizontale Gewaltentrennung zwischen den 3 Staatsorganen Legislative (Parlament), Exekutive (Regierung) und Judikative (Gerichte). Mit der Gewaltentrennung soll die Einmischung eines Staatsorgans in die Aufgaben eines andern minimiert werden.

Arten der Gewaltenteilung

Horizontale Ebene

Judikative Unter der horizontalen Gewaltenteilung versteht man die Aufteilung der Macht im Staat auf die drei Bereiche gesetzgebende Gewalt (Legislative), ausführende Gewalt (Exekutive) und rechtsprechende Gewalt (Judikative), die voneinander funktional getrennt sind, aber gegenseitig kooperieren. Für dieses institutionelle Gefüge wird im Englischen der Begriff Checks and Balances gebraucht. Das politische System der USA ist ein gutes Beispiel für die horizontale Gewaltenteilung und gegenseitige Kontrolle der Gewalten. politische System der USA

Vertikale oder föderative Ebene

Unter der vertikalen oder föderativen Gewaltenteilung versteht man die Aufteilung der Gewalt zwischen Behörden, die für das ganze Land zuständig sind, und Behörden, die für ein kleineres Gebiet zuständig sind. Deutschland ist mit seinem Aufbau aus Bundesländern, die eigene Kompetenzen haben, ein gutes Beispiel.

Zeitliche oder temporale Ebene

Darunter versteht man die zeitliche Begrenzung der Dauer, für die eine Person ihr Amt oder Mandat bekommt. Gewählte Repräsentanten müssen sich in regelmäßigen (und möglichst nicht zu langen) Abständen immer wieder der Wahl des Volkes stellen und somit mittelfristig genau dem Willen der Wähler folgen. Durch einen festgelegten Wahlzyklus (und damit auch der Möglichkeit der Abwahl) wird außerdem sichergestellt, daß sich kein "Machtfilz" um ein politisches Amt bildet.

Soziale Ebene

Soziale Gewaltenteilung bedeutet, dass allen Bürgern ermöglicht wird, politische Positionen im Staat zu erreichen. Die Auswahl dafür erfolgt allein anhand der Qualifikation der Person für ein Amt, also in fairer Konkurrenz mit Rechtsgleichen. Dies ermöglicht die Existenz einer "offenen Gesellschaft", in der nicht eine einzelne Schicht die politischen Ämter bekleidet.

Dezisive Ebene

Darunter versteht man die Aufteilung der Entscheidungen (dezisive Ebene=Entscheidungsebene) zwischen beispielsweise Regierung, Parteien, Medien, Gewerkschaften oder anderen Interessenverbänden. Hier wird durch die Mitwirkung dieser Gruppen die Macht einer einzelnen Gruppe, vor allem der Regierung, eingeschränkt.

Konstitutionelle Ebene

In den modernen Staaten werden die Entscheidungsspielräume durch eine Verfassung eingeschränkt, die nur durch eine Zweidrittelmehrheit - oder teilweise (bestimmte Artikel) überhaupt nicht - geändert werden kann.

Medien als "vierte Gewalt"

Aufgrund ihres großen Einflusses in modernen Demokratien werden die Medien manchmal als vierte Gewalt bezeichnet. Sie kontrollieren die Staatsgewalt, womit sie praktisch Teil der Gewaltenteilung werden. Sie unterliegen keiner staatlicher Kontrolle (Zensur), aber den wirtschaftlichen und politischen Interessen der Verleger bzw. Sendereigentümer. Als vierte Gewalt könnte man allerdings auch andere Mächte bezeichnen, zum Beispiel die Wirtschaft und Gewerkschaften, die über ihre Interessenvertreter (Lobbyisten) auf die Politiker und Funktionäre massiv einwirken. Siehe auch: Funktionen der Massenmedien

Lobbyismus in Deutschland

Kritiker behaupten, dass die Lobby und die Interessengruppen wie z.B. die Gewerkschaften, Arbeitsgeberverbände, die fünfte Macht im Lande sind. Sie bestimmen die Richtlinien der Politik und beeinflussen durch ihre Macht die Abstimmungen im Bundestag. Die Zahl der beim Bundestag eingetragenenen Lobbyverbände beträgt 2003, die Rekordmarke von 1781. So stehen jedem Abgeordneten des Bundestages 20 Lobbyisten gegenüber. Die Drohung von Verlust von Arbeitsplätzen und der Verlagerung der Produktionsstätten ins Ausland, machen die Lobbyverbände in Deutschland stärker.

Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Gewaltenteilung im Grundgesetz festgelegt: Nach dem unveränderlichen Artikel 20 GG wird die Staatsgewalt durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und die Rechtsprechung ausgeübt (horizontale Ebene). Die Organe der Gesetzgebung sind Bundestag und Bundesrat, das Organ der vollziehenden Gewalt die Bundesregierung. Aufgrund der ebenfalls im Grundgesetz festgelegten Gewaltenverschränkung, die durch die Wahl der Regierung durch den Bundestag entsteht, wird die institutionelle Gewaltenteilung teilweise durch eine Gewaltenteilung zwischen Opposition und Regierungskoalition ersetzt. Die klare Trennung von Exekutive und Legislative wird durch den von den Länder-Exekutiven beschickten, aber selbst legislativ tätigen Bundesrat aufgehoben. Dies wird in der juristischen Literatur als "Durchbrechung der Gewaltenteilung" bezeichnet. Gleiches gilt für die Möglichkeit ministerieller Verordnungen. Diese sind (anders als der spezifisch deutsche Bundesrat) in fast allen Ländern der Welt üblich und sind sinnvoll, um die Handlungsfähigkeit zu gewährleisten und den Bundestag nicht mit kleinen Detailvorschriften zu überlasten. Nach dem im Grundgesetz verankerten Demokratieprinzip erscheint es zunächst so, als ob jegliche Gewalt ausschließlich vom Parlament ausgeübt werden dürfte, da in Deutschland auf Bundesebene nur der Bundestag und auf Landesebene nur die Länderparlamente direkt vom Volk durch Wahl legitimiert sind. Die Grundregel "Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus" muss jedoch so verstanden werden, dass das Parlament Entscheidungen - auch mehrstufig - delegieren kann, da das Parlament z. B. nicht sämtliche Verwaltungshandlungen selber vornehmen kann. Dementsprechend sind Befugnisse der anderen Gewalten schon im Grundgesetz berücksichtigt. Dabei muss beachtet werden, dass nicht nur das Demokratieprinzip gilt, sondern es teilweise in einem Spannungsverhältnis etwa mit dem Rechtsstaatsprinzip steht. Die vertikale Gewaltenteilung ist durch Artikel 20 Grundgesetz, der Deutschland als Bundesrepublik und Bundesstaat bezeichnet, sowie durch Artikel 79 Grundgesetz gesichert, in dem festgelegt wird, dass [e]ine Änderung dieses Grundgesetzes, durch welche die Gliederung des Bundes in Länder [und/oder] die grundsätzliche Mitwirkung der Länder bei der Gesetzgebung [verändert wird,] unzulässig ist. Auch die Aufteilung der Macht zwischen Bund und Ländern ist im Grundgesetz festgelegt. Die zeitliche Ebene ist durch die Festsetzung von Amtsperioden und regelmäßigen Wahlen (bedingt durch die Regierungsform Demokratie) festgelegt. Die soziale Ebene wird durch Grundrechte wie das Recht auf freie Meinungsäußerung, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit und Petitionsrecht gesichert. Die dezisive Ebene wird durch die eben genannten Grundrechte und Artikel 21 Grundgesetz gesichert, der den Parteien die Mitwirkung bei der politischen Willensbildung des Volkes gibt. Die konstitutionelle Ebene ist ebenfalls stark ausgeprägt: das Grundgesetz schützt sich selbst (Artikel 79 Grundgesetz – "Ewigkeitsklausel") und den Staat vor Änderungen wichtiger Prinzipien (siehe: wehrhafte Demokratie). Siehe auch: Politisches System Deutschlands, Rechtsstaat

Geschichte

Ansätze zu einer Form der Gewaltenteilung finden sich schon in der von Aristoteles und Polybios vertretenen Theorie der Mischverfassung, in der Staatsphilosophie taucht der Begriff aber erstmals in den Werken des englischen Philosophen John Locke und des französischen Barons Montesquieu auf. Als politisches Programm verkündet wurde die Gewaltenteilung erstmals in der Unabhängigkeitserklärung der USA (1776) und als Checks and Balances bezeichnet. Heute sind die Prinzipien der Gewaltenteilung in den meisten modernen Demokratien dem Verfassungstext nach verwirklicht. In der Verfassungswirklichkeit wird die Gewaltenteilung mehr und mehr durch Mechanismen der Parteiendemokratie ausgehöhlt. Dies geschieht einerseits durch Verlagerung legislativer Entscheidungsprozesse in außerparlamentarische Gremien, anderseits aber auch innerhalb der einzelnen Gewalten durch eine institutionalisierte, dem Parteiproporz folgende Besetzung jedenfalls der höheren Ämter in Rechtsprechung und Verwaltung. Inwieweit eine wirksame gegenseitige Kontrolle der einzelnen Gewalten noch stattfindet, hängt maßgeblich vom jeweils geltenden Wahlrecht und Beamtenrecht ab. Lange Wahlperioden und ein stark ausgeprägtes Verhältniswahlrecht behindern den Austausch des parteipolitischen Personals und führen damit zu einer fortschreitenden Erosion des Gewaltenteilungsprinzips. Gleichzeitig hat sich das Verständnis von Gewaltenteilung erweitert und umfasst nunmehr nicht allein die horizontale Aufteilung in die Bereiche Judikative, Exekutive und Legislative. Manche Politologen sprechen von sechs Ebenen der Gewaltenteilung (siehe oben): die klassische horizontale, eine vertikale Ebene, eine temporale Komponente, eine konstitutionelle Ebene, eine dezisive Ebene, sowie eine soziale Ebene.

Missverständnis der Gewaltenteilung

Häufig wird Gewaltenteilung missverstanden als die Forderung nach einer völligen Trennung der einzelnen Gewalten. Dabei wird verkannt, dass Gewaltenteilung nur dadurch funktionieren kann, dass die einzelnen Organe ein Eingriffsrecht in die anderen Zweige besitzen müssen, um effektiv ihre Kontrollfunktion ausüben zu können. Präziser wird hier manchmal von "Gewaltenverschränkung" gesprochen. Ein typisches Beispiel für diese Art der Gewaltenverschränkung ist das im Grundgesetz niedergelegte konstruktive Misstrauensvotum, mit dem eine Mehrheit des Bundestags, also die Legislative, den Bundeskanzler, die Exekutive, abberufen kann. Des Weiteren können die Gerichte Akte der Verwaltung überprüfen, Verfassungsgerichte auch Legislativakte. Das Parlament wählt darüber hinaus auch den Bundeskanzler, und ist an der Wahl des Bundespräsidenten beteiligt.

Totalitäre/identitäre "Demokratien"

In Staaten deren Regierungssystem der Identitätstheorie folgt, wo also eine Einheit des Willens der Führung und der Bevölkerung propagiert wird (z. B. faschistische oder kommunistische Staaten), gibt es keine Gewaltenteilung. Dies wird damit begründet, dass alle Entscheidungen Entscheidungen des Volkes sind, weshalb eine Aufteilung der Befugnisse unnötig ist. In der Realität verbirgt sich hinter diesen "Demokratien" ein totalitärer Staat. Siehe auch: Trennung von Amt und Mandat

Gewaltenteilung in der EU

Die Europäische Union entwickelte sich von einem Staatenbund zu einem Staatenverbund und ist möglicherweise auf dem Weg zur föderalen Republik. In der EU existiert zwischen Exekutive und Legislative momentan keine echte Gewaltenteilung. Die Exekutive der einzelnen Staaten - vertreten im Ministerrat - hat einen sehr großen Einfluss auf die Gesetzgebung. Im Gegensatz zu den nationalen Parlamenten hat das EU-Parlament weit weniger Einfluss auf die EU-Gesetzgebung. So besitzt beispielsweise ausschließlich die Kommission, die innerhalb der EU der Exekutive am nächsten kommt, das Initiativrecht, also das Recht, eine neue Richtlinie (Gesetz) vorzuschlagen. EU-Verfassungskritiker bemängeln, dass in der EU-Verfassung der Rat gegenüber dem Parlament sogar noch weiter gestärkt wird. Verwirklicht ist bereits die unabhängige Justiz in Form des Europäischen Gerichtshofes. Auch die Europäische Zentralbank ist von Weisungen unabhängig.

Weblinks


- [http://www.dissertationen.unizh.ch/2002/baumann/index.html Zum Einfluss des Völkerrechts auf die Gewaltenteilung]
- [http://www.gewaltenteilung.de Zum Status der dritten Gewalt in Deutschland] Kategorie:Staats- und Verfassungsrecht Kategorie:Politischer Begriff Kategorie:Staatsphilosophie Kategorie:Rechtsphilosophie Kategorie:Staatsgewalt ja:権力分立 ms:Pembahagian kuasa


Bertelsmann Stiftung

Die Bertelsmann Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung des privaten Rechts mit Sitz in Gütersloh. Sie wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet. Heute hält die Stiftung mittelbar 57 Prozent des Aktienkapitals der Bertelsmann AG. Die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet, der von einem Kuratorium überwacht wird. Die Stiftung will konkrete Beiträge zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme leisten und fordert etwa mehr Wettbewerb, Rationalisierung und Privatisierung in der staatlichen Verwaltung. Kritiker werfen ihr einen neoliberalen Kurs vor. Aufgegriffen werden praxisorientierte Projekte mit Modellwirkung und exemplarischem Charakter in den Themenfeldern Bildung, Wirtschaft und Soziales, Unternehmenskultur, Gesundheit, Demokratie, Internationale Verständigung, Kultur und Stiftungsentwicklung. Die Bertelsmann Stiftung versteht sich als unabhängig und parteipolitisch neutral. Sie initiiert und gestaltet ihre Projekte eigenständig. Sie beschäftigt z.Zt. 300 Mitarbeiter. Davon sind 185 im konkreten Projektmanagement tätig. Sie erstellt etwa Rankings wie das der unternehmensfreundlichsten Großstädte Deutschlands oder internationale Standort-Rankings. Diese werden jedoch wegen der Auswahl der Vergleichskriterien nicht allgemein anerkannt. Über das Centrum für Hochschulentwicklung wird auch Einfluss auf die Bildungspolitik genommen. Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft zeigt beispielhaft auch die Mitarbeit des Nahost-Experten der Bertelsmann-Siftung, Christian-Peter Hanelt, beim außenpolitischen Planungsstab des Auswärtigen Amtes oder die Beratung des Fernsehsenders RTL durch Hanelt während des Irak-Krieges. Auch bei einem wissenschaftlichen Partner der Bertelsmann-Stiftung, dem Centrum für angewandte Politikforschung (C·A·P), dem nach eigener Angabe größten universitären Institut der Politikberatung zu europäischen und internationalen Fragen in Deutschland, finden sich zahlreiche Mitarbeiter der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik, so ist etwa der stellvertretende Direktor des C·A·P, Josef Janning auch der Leiter dieser Forschungsgruppe (Stand Okt 2005). Vorsitzender des Vorstands ist Heribert Meffert (bis Mai 2005, Nachfolger wird ab 2007 Gunter Thielen). Daneben gehören dem Vorstand an Liz Mohn, Brigitte Mohn, Johannes Meier und Werner Weidenfeld. Vorsitzender des Kuratoriums ist Ernst Buschor.

Literatur


- Frank Böckelmann, Hersch Fischler: Bertelsmann. Hinter der Fassade des Medienimperiums. Eichborn Verlag, 2004, ISBN 3821855517
- Ulrich Brömmling: Konzerne schmücken sich gerne mit einer Stiftung. In: Die Kunst des Stiftens. 20 Perspektiven auf Stiftungen in Deutschland. edition pro arte infantibus, Berlin 2005, S. 22-25, ISBN 3-9805009-6-9
- Reinhard Mohn: Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers. C. Bertelsmann, 2003, ISBN 3570007332

Weblinks


- [http://www.bertelsmann-stiftung.de/ bertelsmann-stiftung.de]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18749/1.html Ohne Bertelsmann geht nichts mehr] - Interview mit Hersch Fischler und Frank Böckelmann, die ein Buch über Bertelsmann und die Stiftung verfassten
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/20/20558/1.html Durchsetzung von Controlling und Ranking auf allen Ebenen] - Ein Bericht von einem Kongress über die Macht der Bertelsmann Stiftung und deren (Hochschul-)Politik
- [http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/Personal/Lohmann/Materialien/bennhold.pdf Die Bertelsmann Stiftung, das CHE und die Hochschulreform] - Buchbeitrag von Prof. Martin Bennhold, Rechtssoziologe, Uni Osnabrück
- [http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2005/08/26/dlf_200508261915.mp3 "Meinung für Millionen" (Baetz, Brigitte) - Kritischer Bericht im Deutschlandfunk vom 06.08.2005 19:15 (44:04 Minuten)]
- [http://www.heise.de/tp/r4/artikel/21/21364/1.html Die neue Weltordnung aus Gütersloh (Telepolis)] Kategorie:Denkfabrik Kategorie