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Madison Square Garden

Madison Square Garden

Der Madison Square Garden (MSG) ist eine der bekanntesten Hallen der Welt. MSG hat seinen eigenen Fernsehsender und ein eingetragenes Markenzeichen: „The Worlds Most Famous Arena“ (TM). Die in New York stehende Mehrzweckhalle wird vor allem für Sportevents (Boxen, Basketball, Eishockey) und Konzerte benutzt. Viele bekannte Musiker, zum Beispiel Duran Duran, Madonna, Elton John, Sting und Johnny Cash traten hier bereits auf. Im MSG tragen sowohl das Basketballteam der New York Knicks als auch das Eishockeyteam der New York Rangers ihre Heimspiele aus. Der Garden bietet 19.763 Zuschauern Platz. 2004 war er Schauplatz des republikanischen Parteitags. Die Arena besteht aus Kongresszentrum, Kino, Theater und Sportfeld. Es gab insgesamt 4 „Gardens“, wobei der erste Garden um 1880 gebaut wurde und als Zirkusarena gedient hatte. Mit zunehmender Industrialisierung hatte man sich vom „Zirkusleben“ abgewandt, den ersten Garden abgerissen und im Laufe von 120 Jahren weitere 3 Gardens gebaut und kommerzialisiert. Das 1890 von Stararchitekt Stanford White erbaute, zweite Gebäude war das letzte, das sich noch tatsächlich am Madison Square befand. Es wurde 1928 abgerissen und der Standort der Nachfolgebauten weiter nach Norden, Richtung Westside verlegt. Das heutige MSG-Gebäude wurde ab 1963 anstelle des abgerissenen Bahnhofs Pennsylvania Station errichtet. Man kann den Garden auch für geschäftliche und private Feiern mieten. Die WWE (World Wrestling Entertainment) nutzt dies auch und kommt alle zehn Wrestlemanias wieder in den MSG zurück.

Wichtige Events im MSG


  - 1969: Jimi Hendrix gibt Konzert
  - 1969: Die Rolling Stones treten zum ersten Mal im Madison Square Garden auf (Live-Album Get Yer Ya-Ya's Out!)
  - 1970: Die New York Knicks gewinnen ihre erste NBA-Meisterschaft
  - 1971: Muhammed Ali gegen Joe Frazier
  - 1972: Elvis Presley gibt Konzert
  - 1973: Led Zeppelin nimmt an drei Abenden im August sein Live-Album The Song Remains the Same auf
  - 1974: John Lennon und Elton John geben Konzerte; Frank Sinatra feiert sein Comeback
  - 1979: Papst Johannes Paul II. besucht MSG
  - 1979: Erste WWF WrestleMania mit Hulk Hogan und Muhammad Ali als Gast
  - 1984 Duran Duran Sing Blue Silver Tour
  - 1986: Bob Hope und Bing Crosby eröffnen den 4. Garden
  - 1987: Bruce Springsteen gibt Konzert
  - 1992: Parteitag der Demokraten
  - 1999: Wayne Gretzky tritt zurück (Eishockey)
  - 1999: Steffi Graf tritt zurück (Tennis)
  - 2001: Paul McCartney gibt Konzert zum Andenken für das WTC-Attentat
  - 2004: Jens Henschel besucht Pre-Season-Basketball-Match Knicks vs. San Antonio
  - 2004: Parteitag der Republikaner

Weblinks


- [http://www.nba.com/knicks/tickets/arena.html#about Homepage der NY Knicks mit Infos zum MSG]
- [http://www.thegarden.com Homepage des MSG] Kategorie:New York City Kategorie:Eishockeystadion Kategorie:Veranstaltungszentrum ja:マディソン・スクエア・ガーデン

Boxen

Boxen ist ein Kampfsport, bei dem sich zwei Personen der selben Gewichtsklasse, unter festgelegten Regeln, nur mit den Fäusten bekämpfen.

Geschichte

Die nachweislichen ersten Faustkämpfe zum Zwecke der Unterhaltung von Menschen fanden bereits 3.000 v. Chr. in Ägypten statt. In den darauffolgenden zwei Jahrtausenden breitete sich das Boxen im ägäischen Raum aus. Der Faustkampf wurde erstmal im Jahre 688 v. Chr.in Griechenland bei den 23. olympischen Spielen des Altertums ausgetragen. Im antiken Rom wurde der Faustkampf vor allem bei Gladiatorenkämpfen (Lederriemen mit Metalldornen) vorgeführt. Es lässt sich jedoch nicht genau festlegen, wie alt der Faustkampf wirklich ist, da aus 7000 Jahre alten Darstellungen hervorgeht, dass auch ähnliche Kämpfe zu jener Zeit ausgetragen wurden. Belege zeigen, dass auch im alten Indien, China, Korea und Russland sowie unter den Ureinwohnern Amerikas und Afrikas der Faustkampf Bestandteil von Kulten und Zeremonien war. Die Ursprünge des modernen Boxens liegen im England des 18. Jahrhunderts, wo die ersten Regeln durch den Fechtmeister James Figg aufgestellt wurden. 1719 gewinnt Figg das erste offizielle Boxturnier seit der Antike, und wird Meister von England. 1743 wird das erste Regelwerk (London Prize Rules) veröffentlicht. Wichtigste Neuerung: das Bandagieren der Hände, um Verletzungen zu vermindern. Der erste offizielle Boxweltmeister nach den Regeln des Marques of Queensberry wurde am 7. September 1882 John l. Sulivan. Etwa 100 Jahre nach Einführung der ersten Regeln, im Jahre 1867, werden die London Prize Rules vom Marquess of Queensberry soweit verändert, dass daraus die ersten Boxregeln für das Boxen mit Handschuhen, die sog. Queensberry-Regeln, hervorgehen.Bei den olympischen Spielen 1904 in St. Louis feiert der Boxsport seine Premiere als olympische Sportart. 1906 wird in Köln der SC Colonia gegründet und ist damit der älteste aktive Amateur Boxclub Deutschlands. Am 5. Dezember 1920 schließen sich in Berlin unter dem Namen "Deutscher Reichsverband für Amateurboxen" die deutschen Amateurboxer zusammen. Am 6. Dezember 1920 werden die ersten Deutschen Meisterschaften durchgeführt. Die Sieger werden ab diesem Zeitpunkt in einer Bestenliste registriert.

Boxring

Der Boxring ist quadratisch und hat eine Kantenlänge zwischen 16 und 24 Fuß (488 bis 732 cm).
Der Standard-Boxring hat eine Kantenlänge von 20 Fuß (610 cm).

Regeln

Es gibt grundlegende Unterschiede zwischen dem Amateur- und Profiboxsport. Die Regeln für den Amateurboxsport, bei dem im Gegensatz zum Profiboxen der sportliche Vergleich eher im Vordergrund steht, werden von der AIBA, dem Weltverband des Amateurboxsports festgelegt. Diese Regeln sind zugleich die Grundlage für das Boxen als olympische Disziplin. Somit ist die Teilnahme an olympischen Spielen nur Amateurboxern, die dem Weltverband AIBA angehören, gestattet. Beide Richtungen, der Amateur- und der Profiboxsport, haben eigene Regeln und sind von Technik und Taktik her nur begrenzt vergleichbar. Darüberhinaus gibt es im Profibereich kleinere Unterschiede zwischen den einzelnen Verbänden.
- Amateure :Der Kampf wird - normalerweise - in vier Runden von zwei Minuten Länge ausgetragen. Es entscheidet die Anzahl der Treffer. Ein Treffer wird anerkannt, wenn mindestens drei der fünf Punktrichter einen Schlag innerhalb einer Sekunde als Treffer anerkennen. Dies geschieht durch Eingabe in einen Computer. Dieser wertet die Eingaben aus und zeigt die Treffer an. Dieses System soll die Urteile nachvollziehbarer machen und Manipulationen einschränken. Das Tragen eines Kopfschutzes und eines ärmellosen T-Shirts sind bei Amateurboxkämpfen Pflicht. Das T-Shirt muss sich von der Hose farblich deutlich unterscheiden, damit die Gürtellinie klar erkennbar ist. Bei Boxhandschuhen im Amateursport ist die erlaubte Trefferfläche weiß markiert, um den Ringrichter und die Punktrichter bei der Erkennung regelwidriger Treffer zu unterstützen.
- Profis :Im Profiboxen kann die Zahl der Runden (à drei Minuten) frei festgelegt werden, bewegt sich aber üblicherweise zwischen sechs und zwölf Runden. Drei Kampfrichter bewerten unabhängig voneinander nach jeder einzelnen Runde, welcher Boxer in der Runde stärker gekämpft hat. Dauert der Kampf über die volle Rundenzahl, wird durch Addition der Rundenbewertungen der Sieger bestimmt. Bei vielen Boxkämpfen (Amateure wie Profis) wird der Kampf allerdings vorzeitig beendet: Wenn einer der beiden Boxer nach einem Niederschlag nicht mehr in einem vorbestimmten Zeitraum (10 Sekunden) aufzustehen vermag, ist der Kampf durch Knockout (KO) entschieden. Wenn der Kampf abgebrochen wird oder einer der Kampfteilnehmer aufgibt, ist der Kampf durch technischen Knockout (TKO) entschieden. Im Amateurboxsport wird ein Kampfabbruch durch den Ringrichter wegen sportlicher Unterlegenheit, offensichtlicher Kampf- oder Verteidigungsunfähigkeit oder Verletzung eines der beiden Teilnehmer als RSC bzw. RSC-Verletzung (engl. Referee Stops Contest) bezeichnet. Weitere Möglichkeiten für ein vorzeitiges Kampfende durch RSC sind dreimaliges Anzählen eines Teilnehmers in der gleichen Runde oder viermaliges Anzählen während des gesamten Kampfes, zahlenmäßige Überlegenheit eines Teilnehmers in der Punktewertung (RSC-OS für engl. RS-Outscored), sowie mehrere schwere Kopftreffer (RSC-H) oder einen dezenten Leberhaken. Eine RSC-H-Entscheidung hat darüber hinaus auch eine mehrwöchige Kampf- und Trainingspause für den betroffenen Sportler zur Folge. Ein RSC-Kampfabbruch kann dem Ringrichter während des Kampfes auch durch den Ringarzt durch Zeichen empfohlen werden. Der Ringarzt hat darüber hinaus das Recht, den Kampf unterbrechen zu lassen, um einen Teilnehmer hinsichtlich seiner Kampffähigkeit zu untersuchen. Der Ringrichter ist nach dem Ende der Untersuchung an die Entscheidung des Ringarztes gebunden.
- Siehe auch: Queensberry-Regeln Diese Regeln sind eine Übereinstimmung der Weltboxverbände:
- IBA (International Boxing Association)
- IBC (International Boxing Council)
- IBO (International Boxing Organization)
- IBU (International Boxing Union)
- NBA (National Boxing Association)
- PBO (People's Boxing Organization)
- UBF (Universal Boxing Federation)
- WAA (World Athletic Association)
- WBB (World Boxing Board)
- WBF (World Boxing Federation)
- WBU (World Boxing Union) Jedoch haben viele der Verbände darüber hinaus eigene Regelungen.

Boxen als olympische Sportart

Modus

Die Kampfzeit bei den Olympischen Spielen beträgt 4 x 2 Minuten (effektiv), mit drei Pausen zu je einer Minute. Ein Ringrichter leitet den Kampf, fünf Punktrichter bewerten ihn nach einem festgelegten Punktsystem. Seit den Spielen 1996 werden die besten Boxer nach der Weltrangliste (ähnlich wie im Tennis) gesetzt.

Olympische Geschichte

In das moderne olympische Programm wurde Boxen erstmals 1904 in St. Louis aufgenommen. Es nahmen allerdings nur Amerikaner teil, insgesamt 44 in sieben Gewichtsklassen (Fliegen, Bantam, Feder, Leicht, Welter, Mittel und Schwer). Hinzu kamen bis heute Halbfliegen (1968), Halbwelter und Halbmittel (1952), Halbschwer (1920). 1984 wurde das Schwergewicht unterteilt in die Klassen bis 91 kg Körpergewicht (Schwer) und über 91 kg (Superschwer). In London 1908 traten nur 42 Boxer aus vier Ländern (32 Engländer, sieben Franzosen, zwei Dänen und ein Australier) in nur fünf Gewichtsklassen (Bantam, Feder, Leicht, Mittel und Schwer) an, wobei als einziger Nicht-Engländer der Australier Baker einen Spitzenplatz (Zweiter im Mittelgewicht) errang. 1912 in Stockholm gab es kein olympisches Boxturnier, weil Boxen damals in Schweden verboten war. Von 1920 bis 1948 wurde dann in acht, von 1952 bis 1964 in zehn und von 1968 bis 1984 in elf Gewichtsklassen gekämpft.

Popularität

Boxen ist eine der populärsten Sportarten weltweit. Als eine der ältesten Wettkampfarten des Menschen hat diese Popularität eine lange Tradition und ist beispielsweise Teil der olympischen Spiele, seit diese 1896 wiederbelebt wurden. Heutzutage sind Schwergewichtskämpfe um die Weltmeisterschaft die bestdotierten Sportwettbewerbe überhaupt. In Deutschland gilt der Boxer Max Schmeling, obwohl seine aktive Zeit über 60 Jahren zurückliegt, als populärster Sportler aller Zeiten. Gleiches gilt im Weltmaßstab für Muhammad Ali, der in den 1960er und 1970er Jahren weit über den Sport hinaus bekannt wurde. Allerdings ist das Boxen aufgrund der offen zur Schau gestellten Gewaltausübung, der Gefahr für die Gesundheit der Sportler und seiner Anziehungskraft für das Halbweltmilieu keineswegs unumstritten. Andererseits führt das richtige Training zu erstklassiger Fitness. Für den, der sich verteidigen lernen will, ist das der ideale Einstieg. Beim Boxen lernt man durch das Vollkontakt-Sparring bestmögliche Fähigkeiten zur Selbstverteidigung. Das kontinuerliche, wiederholte Kampftraining, wie es im Boxen mit der Faust geübt wird (Sparring), optimiert die Wirksamkeit, die in der Einfachheit der Boxtechniken liegen.

Siehe auch


- Liste der Boxer
- Liste der Boxweltmeister im Schwergewicht
- Liste der Kämpfe um Boxweltmeistertitel im Schwergewicht
- Bare-knuckle

Weblinks


- [http://www.boxrec.com/media/index.php/Main_Page Boxing-wiki]
- Zum Thema Boxen und Gehirnschädigungen [http://www.merkur.bonnet.de/aktuell/la/wiss_033401.html] Kategorie:Kampfsport ja:ボクシング

Eishockey

Eishockey ist eine auf Schlittschuhen und dem Eis betriebene Sportart, die zwischen 1840 und 1875 in Kanada aus verschiedenen Mannschaftssportarten entwickelt wurde. Dabei spielten die stationierten britischen Truppen eine wichtige Rolle, die das schottische Spiel Shinty 1840 als Shinney in Kanada auf Schnee oder Eis spielten. Ab 1855 wurde mit (Feld-)Hockeyschlägern gespielt. Das erste echte Eishockey-Spiel fand am 3. März 1875 in Montréal zwischen Dozenten und Studenten der McGill-Universität statt. Weitere Vorläufer in Europa hat das Eishockey im Bandy, das auch heute noch in einigen (vor allem nord- und osteuropäischen) Ländern gespielt wird. Das Wort Hockey kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie krummer Stock. Beim Eishockey muss ein Puck, eine flache Hartgummischeibe, mit Schlägern in das gegnerische Tor geschoben werden. Das Spiel ist im Allgemeinen sehr körperbetont: mittels so genannter "Bodychecks" ist es möglich, den Gegner seitlich zu verdrängen, um den Puck zu erlangen. Bodycheck Aus dem Eishockeysport haben sich eine Reihe, heute eigenständiger, Sportarten entwickelt: Zum Einen das Sledge-Eishockey (oder auch Schlitteneishockey genannt), das den Eishockeysport für körperlich Beeinträchtigte ermöglicht und heute als Sportart im festen Programm der Winter-Paralympics steht. Zum Anderen existieren gleich mehrere „Sommer-Eishockey“-Sportarten, wie Inlinehockey (und Inline-Skaterhockey) oder Streethockey, von welchen Inlinehockey und Streethockey über eigene Weltmeisterschaften verfügen, die auch von der Internationalen Eishockey-Föderation durchgeführt oder unterstützt werden.

Verbreitung

Eishockey ist vor allem dort verbreitet, wo auch vor Erfindung der Kältemaschine - und der damit verbundenen Möglichkeit, Kunsteisbahnen zu schaffen - genügend Eisflächen für eine regelmäßige Ausübung dieser Sportart vorhanden waren und sind. Berühmt sind vor allem die Mannschaften des Rekordweltmeisters Kanada, von Russland und den USA, von Tschechien und der Slowakei, sowie den skandinavischen Ländern (vor allem Schweden und Finnland). Einen sehr hohen Stellenwert hat Eishockey in der Schweiz und gehört dort zu den beliebtesten Sportarten. Die Gesamtsumme der Eishockey-Zuschauer in einer Saison liegt weit über derjenigen der Fußball-Zuschauer. Ein traditionsreiches internationales Highlight stellt auch der seit 1923 ausgetragene Spengler Cup, der in Davos, im Kanton Graubünden, stattfindet, dar.

Geschichte

Die älteste Erwähnung stammt aus Dänemark aus dem Jahre 1134. Die Schlittschuhe waren wahrscheinlich aus Knochen. Im 16. Jahrhundert wurde in den Niederlande ein Spiel entwickelt, welches dem heutigen Eishockey sehr ähnelt. Es war bis ins 19. Jahrhundert unter den Namen Bandy bekannt. Geschichtliche Bedeutung erlangten oftmals die Spiele zwischen der damaligen Sowjetunion und den USA oder Kanada vor allem in der Phase des Kalten Krieges als Ausdruck des Kampfes der Systeme. So wurde auch das Spiel der USA gegen die UdSSR beim Olympischen Eishockeyturnier 1980 zu einer Art "show-down" der verschiedenen Mächte. Die USA konnte die seinerzeit übermächtige Sowjetunion bezwingen und das Spiel ging als "Miracle on Ice" in die Geschichte ein. Nachdem in der Sowjetunion bis in die 1950er Jahre auf dem Eis vor allem Bandy gespielt wurde, entwickelte sich das russische Eishockey mit einem enormen Tempo. So gelang es dem sowjetischen Team, bereits bei der ersten Weltmeisterschaftsteilnahme 1954 wie auch bei der ersten Teilnahme am Olympischen Eishockey-Turnier Gold zu gewinnen. Die UdSSR schaffte es, mit ihrem Team eine Perfektion zu erreichen, und machte auch den "Erfindern" des Eishockeys, den Kanadiern, oft das Leben schwer. Weiterhin gab es zwischen der UdSSR und der ČSSR großartige Spiele, in denen die sowjetische Mannschaft mit herausragenden tschechoslowakischen Spielern konkurrierte. Auch hier wurde - insbesondere nach dem Prager Frühling 1968 - die unterschiedliche politische Gesinnung und die politischen Befindlichkeiten in den Sport getragen. Außergewöhnliche sowjetische Spieler den damaligen Zeit waren u.a. : Mikhailow, Petrov, Harlamow, Tretiak, Wladimir Krutow, Igor Larionow, Sergei Makarow (zusammen die berühmte KLM-Reihe) sowie Wjatscheslaw Fetissow oder Alexei Kassatonow. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR gingen einige der besten Spieler in die National Hockey League (NHL), in der Mannschaften der USA und Kanadas spielen. Die NHL stellt heute die bedeutendste Liga der Welt dar, mit vielen der besten Spieler aus Europa und anderen Teilen der Welt. Bei den alljährlich stattfindenden NHL-Allstar-Spielen zeigt sich, dass viele europäische Spieler heute zu den wichtigsten Leistungsträgern der Liga gehören. Nach Nordamerika zieht es die Spieler nicht zuletzt, weil dort auch am meisten Geld zu verdienen ist. Siehe auch: Geschichte des Eishockey

Spielregeln

Das [http://www.iihf.com/hockey/rules/offrules_2006.htm offizielle Regelbuch] wird von der Internationalen Eishockey-Föderation (IIHF) herausgegeben, der auch die internationalen Turniere ausrichtet. Die aktuelle Version ist bis 2006 gültig. In diesem Regelbuch gibt es insgesamt sechs Abschnitte, die die Themen Spielfeld, Teams, Spieler und ihre Ausrüstung, Offizielle und ihre Pflichten, Spielregeln, Strafen und Besondere Regeln beschreiben. In der NHL wird zum Teil von den Vorschriften des IIHF abgewichen. Hier gibt es ein eigenes [http://nhl.com/hockeyu/rulebook/index.html Regelbuch], das zwar ebenfalls sechs Abschnitte aufweist, die jedoch zum Teil andere Inhalte haben. Nachfolgend sei ein kleiner Überblick über die internationalen Regeln nach der IIHF gegeben:

Spielfeld

NHL Das Spielfeld ist eine rechteckige Eisfläche mit einer Länge von 56 bis 61 m und einer Breite von 26 bis 30 m, die Ecken sind mit einem Radius von 7,00 bis 8,50 m abgerundet (Regel 101). Bei offiziellen IIHF-Meisterschaften muss die Länge zwischen 60 und 61 m und die Breite zwischen 29 und 30 m betragen. Umgeben ist das Spielfeld von einer ca. 1,20 m hohen Bande, auf die zum Schutz der Zuschauer eine Schutzglasscheibe aufgesetzt und hinter den Toren zusätzlich ein Fangnetz angebracht ist. Die Tore sind 122cm hoch und 183cm breit, die Torstangen sind rot gefärbt. Um das Tor ist ein halbkreisförmiger Torraum markiert. Das Spielfeld wird in der Länge durch 5 Linien unterteilt (Regel 110): durch zwei 30 cm breite Blaue Linien in 3 gleich große Zonen: die Angriffs-, die Neutrale und die Verteidigungszone (Regel 112). Die Neutrale Zone wird durch die ebenfalls 30 cm breite rote Mittellinie halbiert; mittig auf ihr befindet sich – zentral auf dem Spielfeld – der Anspielpunkt innerhalb des Anspielkreises (auch Bullykreis genannt). Insgesamt gibt es fünf Anspielkreise alle mit einem Radius von 4,5 m, eben jener in der Mitte des Feldes und jeweils zwei in den Verteidigungszonen. Als 4. und 5. Querlinie sind die Torlinien über das gesamten Feld durchgezogen (rot, Breite: 5 cm). Außerhalb der längsseitigen Banden der neutralen Zone befinden sich auf einer Seite die Spielerbänke, gegenüber die Zeitnehmung und die Strafbänke. Im Gegensatz zu vielen anderen Feldsportarten reicht das Spielfeld um die Tore herum. In der nordamerikanischen NHL weicht das Spielfeld von den internationalen Vorgaben ab. Es ist hier meist nur ca. 26 m breit und 56 m lang und verfügt über eine andere Verteilung der Spielfeldzonen. Somit ist das Spiel in Nordamerika in der Regel etwas schneller und aggressiver als in Europa.

Teams, Spieler, Ausrüstung

Eine Mannschaft besteht aus maximal 22 Spielern, davon 20 Feldspielern und 2 Torhütern. Während eines Spiels dürfen maximal 6 Spieler gleichzeitig auf dem Eis sein. (Regel 201a) In der Regel bestehen diese aus 5 Feld-Spielern und einem Torwart, in besonderen Situationen kann der Torwart aber auch durch einen sechsten Feldspieler ersetzt werden.
Torwart Speziell in Unter- bzw. Überzahlsituationen kann von diesem Schema aber auch abgewichen werden. In der Regel wird in Reihen bzw. Blöcken gespielt - das bedeutet, dass Stürmer und Verteidiger möglichst immer mit den gleichen Partnern spielen. Eine optimal besetzte Mannschaft hat vier Verteidigungsreihen (4 x 2+2 Spieler = 10 Spieler) und vier Sturmreihen (4 x 3 Spieler = 12 Spieler). Dies ergibt dann: 1 Torhüter + 10 Verteidiger + 12 Stürmer + 2 Ersatztorhüter = 25 Spieler. Im jeweiligen Spiel/Turnier darf die Anzahl der gemeldeten Spieler jedoch nur 22 betragen. Ein Team muss einen Kapitän und zwei Assistenten bestimmen. Zur Erkennung tragen sie ein „C“ (Captain) bzw. „A“ (Assist) auf der Brust. Bis in die 1990er Jahre trugen die Spieler der russischen/sowjetischen Mannschaften alternativ ein kyrillisches „К“ für den Captain. Heute wäre dies zwar noch zulässig, wird jedoch nur noch selten genutzt. Der Kapitän darf bei Unklarheiten oder Fehlentscheidungen des Schiedsrichters als Einziger den Schiedsrichter nach der Regelauslegung fragen. Wechsel von Feldspielern sind nicht nur während Spielunterbrechungen möglich, sondern können auch "fliegend" erfolgen. In der Regel wechseln die Teams alle 45 bis 120 Sekunden. Bis ca. 1930 gab es noch einen sechsten Feldspieler auf der "Rover"-Position. Um Verletzungen vorzubeugen, ist eine umfassende Schutzausrüstung vorgeschrieben. Neben einem speziellen Eishockey-Schlittschuh (221) und dem Schläger (Stock; 222) gehören dazu ein Helm (223) mit Helmvisier (224), Handschuhe, Nacken- und Kehlkopfschutz sowie Mund- und Zahnschutz. Daneben gibt es noch einen Schulter- und Brustkorbschutz. Da die Torhüter durch auf sie abgefeuerte Schüsse einer erhöhten Gefahr ausgesetzt sind, haben sie eine besondere Ausrüstung: neben besonderen Torhüter-Schlittschuhen (231) und einem besonderen Stock (232) tragen sie einen Helm mit Gesichtsmaske (234), Beinschoner (235) sowie einen Blockerhandschuh mit Schutzplatte (Stockhandschuh; 233a) und einen Fanghandschuh (233b).

Schiedsrichter

Eishockey-Schlittschuh Die Schiedsrichter zählen zu den Spiel-Offiziellen, diese sind unterteilt in Spiel-Offizielle und Off-Ice-Offizielle. Die Spiel-Offiziellen bestehen aus einem Schiedsrichter (Referee) und zwei Linienrichtern (Linesmen). Sie tragen eine schwarze Hose und schwarz-weiß gestreifte Trikots. Der (Haupt-) Schiedsrichter trägt zur Unterscheidung zusätzlich an beiden Oberarmen eine rote Armbinde. Der Schiedsrichter hat die allgemeine Aufsicht über das Spiel sowie die Kontrolle über Spieler und Offizielle (312). Die Linienrichter haben die Kontrolle über Linienverstöße (Abseits und Icing; siehe Regeln), übernehmen die Anspiele / Einwürfe und unterstützen den Schiedsrichter (313). Schieds- und Linienrichter haben beim Eishockey einen erheblich größeren Einfluss als beispielsweise beim Fußball. Sie können durch das Aussprechen von Bankstrafen unmittelbar auf das Spielgeschehen einwirken.
Zu den Off-Ice-Offiziellen zählen neben dem Stadionsprecher und dem Spielzeitnehmer ein Punktrichter (u.U. mit Assistenten), der die Leistung von Schieds- und Linienrichter bewertet, ein Video-Torrichter, der bei strittigen Entscheidungen zu Rate gezogen werden kann, zwei Strafbankbetreuer sowie zwei Torrichter, die unmittelbar hinter dem Tor sitzen und ein erzieltes Goal durch Betätigung einer Lampe anzeigen. Torrichter werden in der DEL nur in Play-Off-Spielen eingesetzt.

Spielregeln

Ein Eishockeyspiel dauert in der Regel 60 Minuten (3 Drittel mit je 20 Minuten). Da bei jeder Spielunterbrechung die Uhr angehalten wird (Nettospielzeit / effektive Spielzeit), dauert ein Eishockeyspiel jedoch brutto meist erheblich länger. Die durchschnittliche Bruttospielzeit eines Drittels variiert jeweils zwischen ca. 30 und 40 Minuten. Zwischen den Dritteln finden 15-minütige Pausen statt. Daher dauert ein normales Eishockeyspiel zwischen zwei und zweieinhalb Stunden. Es ist zulässig, den Puck mit Hilfe des Schlittschuhs fortzubewegen, sofern nicht durch direktes Kicken ein Tor erzielt wird. Den Puck mit dem hohen Stock (Stock über "normaler" Schulterhöhe) zu spielen ist unzulässig – es ist aber erlaubt, den Puck mit der Hand zu stoppen. Handpässe und durch Handpässe erzielte Tore sind verboten. Ausnahme ist der Handpass im eigenen Verteidigungsdrittel. Hier darf auch mit der Hand ein Pass gegeben werden, solange der Puck auch im Verteidigungsdrittel angenommen wird. Siehe auch:
- Abseitsregel
- Auszeit
- Bully (Eishockey)
- Eishockeytor
- Icing
- Schutzausrüstung (Eishockey)
- Puck (Eishockey)

Begriffe


- Bully (Face-Off): Wird das Spiel am Beginn eines Drittels oder nach einer Unterbrechung wieder angepfiffen, gibt es ein Bully. Dazu stehen sich zwei gegnerische Spieler an einem Bully-Punkt gegenüber und der Puck wird von einem Linienrichter (Linesman) eingeworfen. Beide Spieler versuchen, den Puck in ihren Besitz zu bekommen.
- Abseits (Offside): Beim Spiel aufs gegnerische Tor muss der Puck als erstes oder gleichzeitig mit dem ersten angreifenden Spieler, die blaue Linie zw. neutraler Zone und Angriffszone überschreiten, d. h. zwischen puckführendem Spieler und gegnerischem Tor darf sich kein weiterer angreifender Spieler befinden. Das Abseits wird aufgehoben, wenn alle angreifenden Spieler das Angriffsdrittel verlassen, ohne den Puck berührt zu haben. Abseits wird von den Linienrichtern durch das Heben eines Armes angezeigt.
- Torraumabseits: Der Torraum ist halbkreisförmig um das Tor markiert. Erzielt ein Spieler ein Tor, während er oder ein anderer, angreifender Spieler sich im Torraum aufhält, so ist das Tor ungültig, außer er wurde durch einen Gegenspieler in den Torraum gedrängt oder am Verlassen gehindert.
- Unerlaubter Weitschuss (Icing): Dies ist der Fall, wenn der Puck direkt oder indirekt über die Bande die rote Mittellinie und die gegnerische Torlinie überschreitet. Dann wird abgepfiffen und es gibt Bully in der gegenüberliegenden Endzone. Diese Regel findet keine Anwendung, wenn die Scheibe durch den Torraum geschossen wird oder bei Spiel in Unterzahl. Außerdem wird auch nicht auf Icing entschieden, wenn ein verteidigender Spieler die Möglichkeit hat den Puck zu spielen.(Siehe auch: Icing)
- Überzahl-Spiel (Power-Play): Wird gegen eine Mannschaft eine Bankstrafe ausgesprochen, so hat die bestrafte Mannschaft für die Zeit der Strafe einen Spieler weniger auf dem Eis. Die nicht bestrafte Mannschaft hat dann eine 5-4–Überzahl, die bestrafte Mannschaft eine Unterzahl. Wird eine weitere Strafe gegen das reduzierte Team ausgesprochen, dann führt dies zu einer 5–3–Überzahl.
- Überzahl-Tor (Power-Play-Tor): Erzielt eine Mannschaft in Überzahl ein Tor, so wird dieses als Überzahl-Tor bezeichnet. Die zuerst ausgesprochene kleine Strafe oder Bankstrafe wird aufgehoben und der Spieler darf wieder am Spiel teilnehmen.
- Unterzahl-Tor (Short-Hander): Gelingt einer Mannschaft in Unterzahl ein Tor, bezeichnet man dies als Short-Hander.
- Empty-Net-Goal: Schießt eine Mannschaft ein Tor, wenn die gegnerische Mannschaft ihren Torhüter gegen einen zusätzlichen Spieler ausgetauscht hat, so nennt man dies Empty-Net-Goal. Üblicherweise geschieht dies am Ende eines Spiels, wenn die zurückliegende Mannschaft den Torwart zu Gunsten eines weiteren Feldspielers wechselt, um die Chance auf ein spielentscheidendes Tor zu erhöhen.
- Auszeit (Time-Out): jede Mannschaft kann pro Spiel eine Auszeit von 30 Sekunden nehmen.
- Strafschuss (Penalty): Hierbei darf sich der ausführende Spieler von der Mittellinie aus allein auf den Torhüter zubewegen und versuchen, ein Tor zu erzielen. Er darf sich dabei nicht rückwärts bewegen. Der Strafschuss endet nach dem ersten Schuss. Ein Nachschuss ist nicht erlaubt. Das Spiel wird mit einem Bully fortgesetzt. Während des Strafschusses läuft die Spielzeit nicht weiter.

Strafen

Strafen werden vom Schiedsrichter unter Anderem für folgendes Verhalten ausgesprochen:
Behinderung (interference); Beinstellen (tripping); Hoher Stock (high-sticking); Haken (hooking); Angriff gegen das Knie; Spielverzögerung (delay of game, z.B. absichtliches Verschieben des Tores); unkorrekte Ausrüstung (z.B. Spielen mit gebrochenem Stock oder Spielen ohne Helm); Stockschlag (slashing); Stockstich; Stockendstoss; Bandencheck (boarding); Cross-Check (auch Stock-Check); Check von hinten (checking from behind); Check gegen den Kopf; Ellbogencheck (Elbowing); zu viele Spieler auf dem Eis (Wechselfehler / too many men on ice); Unsportliches Verhalten (roughing); Übertriebene Härte; Unerlaubter Körperangriff (charging); Schiedsrichterkritik; Halten (Holding). Für jede Strafe gibt es ein spezielles Handzeichen, mit dem der Schiedsrichter die Strafe anzeigt. Die Höhe der Strafe liegt (innerhalb gewisser Rahmen) im Ermessen des Schiedsrichters. Ahndet der Schiedsrichter eine Strafe, hebt er zunächst den Arm. Es wird jedoch erst abgepfiffen, sobald die Mannschaft, gegen die die Strafe ausgesprochen wird, wieder in Puck-Besitz gelangt. Mögliche Strafen und Strafzeiten :
- kleine Strafe (2 min)
- kleine Bankstrafe (2 min gegen die Mannschaft)
- große Strafe (5 min + automatisch Spieldauer-Disziplinarstrafe)
- Disziplinarstrafe (10 min)
- Spieldauer-Disziplinarstrafe (Restausschluss, Eintrag im Spielbericht: 20 min)
- Matchstrafe (5 min + Restausschluss + evtl. Spielsperren, Eintrag im Spielbericht: 25 min)
- Strafschuss (Penalty) Die kleine, große und Diziplinarstrafe wird von dem Spieler auf der Strafbank abgesessen, gegen den die Strafe ausgesprochen wurde. Somit entsteht meistens einen 5 gegen 4 Spielsituation (Power-Play). Bei der Spieldauer-Diziplinarstrafe und Matchstrafe geht der entsprechende Spieler sofort in die Kabine und die Strafzeit wird von einem zu benennenden Spieler abgesessen, auch hier entsteht eine 5 gegen 4-Spielsituation, jedoch max. 5 min. - für die Restzeit (bei Matchstrafe z.B. 20 min.) steht der Spieler dem Team nicht zur Verfügung. Es sind dann aber wieder 5 Feldspieler auf dem Eis. Die Strafen werden auf der Strafbank abgesessen (außer Penalty). Eine Ausnahme bildet der Torhüter: Er geht nie auf die Strafbank, sondern wird bei kleinen Strafen oder der ersten Disziplinarstrafe durch einen vom Kapitän zu bezeichnenden Spieler vertreten, der zur Zeit des Vergehens auf dem Eis war. Bei einer großen Strafe oder der zweiten Disziplinarstrafe wird der Torhüter umgehend vom Rest des Spiels ausgeschlossen. Ein Spieler, der in einer laufenden Meisterschaft oder einem Turnier die zweite Spieldauer-Disziplinarstrafe bekommt, wird automatisch für das nächste Meisterschafts- oder Turnierspiel gesperrt. Eine Matchstrafe zieht in der Regel eine automatische Sperre für das nächste Spiel nach sich, je nach Bewertung des Vergehens durch die zuständige Instanz kann die Sperre auch auf mehrere Spiele ausgedehnt werden. Wird gegen beide Mannschaften gleichzeitig eine gleiche Anzahl von Strafen ausgesprochen, so müssen die betreffenden Spieler zwar die Strafe auf der Strafbank absitzen, die beiden Mannschaften bleiben aber am Feld in der gleichen Spielstärke wie vor den Vergehen. Einzige Ausnahme: Beide Mannschaften spielen in voller Stärke und beide Mannschaften erhalten genau je eine kleine Strafe - in diesem Fall wird mit vier gegen vier Feldspielern weitergespielt. Eine Mannschaft kann durch Strafen nie auf weniger als drei Feldspieler reduziert werden. Im Falle der dritten Strafe die zu einem Mann weniger am Eis führt muss der betreffende Spieler zwar auf die Strafbank, die Strafzeit beginnt jedoch erst zu laufen, nachdem eine Strafzeit eines vorher bestraften Spielers abgelaufen ist (aufgeschobene Strafe).

Besonderheiten in Mitteleuropa

Auszeit Die höchste Spielklasse in Deutschland ist seit 1994/95 die Deutsche Eishockey-Liga (DEL), die den Beinamen "1. Bundesliga" trägt, in Österreich ist es die Österreichische Eishockey-Liga, in der Schweiz die Nationalliga A. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gibt es in der deutschen Eishockeyliga kein Unentschieden, um rein taktische Spiele zu vermeiden. Steht ein Spiel nach regulärer Zeit unentschieden, so wird in der Vorrunde direkt durch Penaltyschießen entschieden. In den Playoffs wird eine Verlängerung gespielt, die sofort endet, wenn eine der beiden Mannschaften ein Tor erzielt. Fällt kein Tor, so entscheidet ein Penaltyschießen. Die Punkteverteilung ist folgendermaßen:
- Sieg innerhalb der regulären Spielzeit:
  - 3 Punkte für den Gewinner, 0 für den Verlierer
- Sieg durch Verlängerung oder Penalty-Schießen nach der regulären Spielzeit:
  - 2 Punkte für den Gewinner, 1 Punkt für den Verlierer. Diese Regel findet in der Schweiz keine Anwendung, hier wird bei einem Unentschieden nach torloser Verlängerung jeder Mannschaft ein Punkt zugesprochen. Bei einem Sieg werden dem Sieger 2 Punkte zugesprochen. Die Meisterschaft wird in fast allen Ligen durch ein Play-Off ermittelt, für das sich die besten Mannschaften des Grunddurchganges qualifizieren. In der ersten Runde trifft die nach dem Grunddurchgang am besten platzierte Mannschaft gegen die am schlechtesten platzierte, die zweitbeste auf die zweitschlechteste usw. - die Gewinner spielen dann in der nächsten Runde weiter, bis die zwei letzten Mannschaften feststehen und das Finale austragen. Die Begegnungen werden in der Regel als Serie von Spielen ausgetragen bei denen 4 (Best-of-Seven), 3 (Best-of-Five) oder 2 (Best-of-Three) Siege zum Aufstieg in die nächste Runde erforderlich sind. Steht der Aufsteiger fest, werden die verbleibenden Spiele nicht ausgetragen. Amtierende Meister:
- Deutschland: Eisbären Berlin (Saison 2004/05)
- Österreich: Vienna Capitals (Saison 2004/05)
- Schweiz: HC Davos (Saison 2004/05)

Internationale Turniere

Für die Eishockeynationalmannschaften existieren verschiedene bedeutende internationale Turniere. Der offiziellen Rangfolge der Internationalen Eishockey-Föderation entsprechend ist hierbei das Olympische Eishockey-Turnier, welches seit 1924 bei den Winterspielen stattfindet, das bedeutendste Turnier für Nationalmannschaften. Darüber hinaus finden seit 1920 offizielle Weltmeisterschaften der IIHF statt, welche vor allem für die europäischen Teams eine große Bedeutung besitzen. Da die nordamerikanische National Hockey League für die Weltmeisterschaften der Herren ihre Saison normalerweise nicht unterbricht und auch für die Olympischen Spiele bislang nur 1998 und 2002 eine Pause eingelegt hat, ist das Ansehen dieser Turniere in Kanada und den USA relativ schlecht. Vor allem den Weltmeisterschaften wird dabei vorgehalten, dass bei ihnen nicht die besten Spieler der Welt spielen würden und sie deshalb keinen echten Weltmeister küren könnten. Hinzu kommt, dass bis 1976 nur Amateure an den Weltmeisterschaften teilnehmen durften, so dass z.B. Kanada lange Zeit ihren Amateurmeister zur Weltmeisterschaft schickte. Aus diesem Grund wurde der Meister der kanadischen bzw. nordamerikanischen Profiliga lange Zeit als "World Champion" tituliert. Neben dem Olympischen Eishockey-Turnier ist deshalb heute der World Cup of Hockey zum wichtigsten Turnier im Eishockey geworden. Er wird von der NHL in Zusammenarbeit mit der IIHF ausgerichtet und fand bislang 1996 und 2004 statt. Da das Turnier vor Beginn der NHL-Saison stattfindet, können hier die besten Spieler aller Nationen teilnehmen, wodurch die Bedeutung vor allem in Nordamerika deutlich wird. Aber es gibt auch internationale Vereinsturniere: Das wohl bekannteste und traditionsreichste Turnier ist der Spengler Cup, der schon seit 1923 jährlich in Davos in der Schweiz ausgetragen wird. Rekordsieger ist der Gastgeber, der HC Davos, der auch den letzten Spengler Cup am 31. Dezember 2004 gewann.
Ein zweiter in Europa wichtiger Vereinswettbewerb ist der IIHF European Champions Cup. Die Landesmeister der nach IIHF Weltrangliste sechs besten europäischen Eishockeyverbände treffen dabei seit 2005 jährlich aufeinander. Der erste Cup fand im Januar 2005 im russischen St. Petersburg statt. Sieger wurde der russische Meister Avangard Omsk. Der European Champions Cup ist Nachfolger der European Hockey League, des wichtigsten Vereins-Wettbewerbs Europas von 1996 bis 2000. Diese war wiederum Nachfolger des Europapokals der Landesmeister, der von 1965 bis 1996 über 30 Jahre lang jährlich stattfand.

Berühmte Eishockey-Spieler

1996 Verschiedene Spielerinnen und Spieler haben weltweite Bekanntheit erlangt und sind in die internationale oder eine nationale Hockey Hall of Fame aufgenommen worden. Die berühmtesten unter ihnen sind die Kanadier Wayne Gretzky ("The Great One"), Mario Lemieux und Patrick Roy sowie der Tscheche Jaromír Jágr, der Schwede Peter Forsberg und der ehemalige sowjetische Nationaltorhüter Wladislaw Tretjak. Bei den Frauen haben vor allem die Kanadierinnen Manon Rheaume und Hayley Wickenheiser weltweiten Ruhm erfahren. Nicht als Spieler, sondern als Naziverbrecher, machte sich ein Deutscher in der Kanadischen Nationalmannschaft des Jahres 1914 einen zweifelhaften Namen: Joachim von Ribbentrop. Siehe auch: Liste der Eishockeyspieler, :Kategorie:Eishockeyspieler

Weblinks


- [http://www.del.org Seite der Deutschen Eishockey-Liga]
- [http://www.deb-online.de/ Deutscher Eishockeybund]
- [http://www.damen-eishockey.de Deutsches Frauen Eishockey]
- [http://www.eishockey.at Österreichischer Eishockeyverband] (offizielle Seite, betreut von sport1.at)
- [http://www.eishockey.org Portal zum Eishockey in Österreich] (ehemaliger offizieller Medienpartner des ÖEHV)
- [http://www.sehv.ch Schweizer Eishockeyverband]
- [http://www.playoff.ch Schweizer Eishockey-Portal mit Resultaten aus den 3 höchsten Ligen]
- [http://www.frauenhockey.ch Schweizer Frauen Eishockey]
- [http://www.iihf.com Die Internationale Eishockey-Föderation (IIHF)] (engl.)
- [http://www.iihf.com/pdfRules/IIHFRuleBookdeu.pdf Regeln der IIHF] (deutsch, PDF)
- [http://sport-hockey.de/eishockey/ Eishockey] -- Geschichte, Glossar, Regeln
- [http://www.nhl.com Die nordamerikanische Profiliga NHL] (engl.)
- [http://www.hhof.com/index.htm Die Seite der Hockey Hall of Fame] (engl.)
- [http://www.eurohockey.net Eurohockey.net] (engl.)
- [http://www.icetime.ch Icetime.ch]
- [http://www.spoor.ch spoor.ch - internationales Eishockeyportal]

Literatur zum Thema


- Eckert, Horst : Eishockey-Guide / Copress, 2002 ISBN 3-76790-800-X
- Eckert, Horst : Eishockey Lexikon / Copress, 1993 ISBN 3-76790-407-1
- Eckert, Horst : Eishockey-Weltgeschichte / Copress, 1989 ISBN 3-76790-235-4
- Klein, Günter : Dreißig Jahre Eishockey-Bundesliga / Copress, 1988 ISBN 3-76790-289-3
- Klein, Günter : Die Droge Eishockey / Wero Press, 2002 ISBN 3-98059-918-3
- Müller, Stephan : Deutsche Eishockey Meisterschaften / BoD GmbH Norderstedt, 2000 ISBN 3-83110-997-4
- Reichelt, Patrick : Superliga DEL / Agon, 2004 ISBN 3-89784-247-5 ---- Eine Zusammenstellung von Bildern bietet die Galerie. Kategorie:Ballspiel Kategorie:Eishockey Kategorie:Eislauf Kategorie:Wintersportart ja:アイスホッケー simple:Ice Hockey

Duran Duran

Duran Duran sind eine britische Musikgruppe, gegründet 1978 in Birmingham und benannt nach einer Figur aus dem Science-Fiction-Film "Barbarella". Sie waren die Vorreiter der Anfang der 80er Jahre entstehenden New Romantics. Duran Duran verkauften in ihrer bisherigen Karriere weltweit über 70 Millionen Platten.

Geschichte

Die erste Besetzung, Nick Rhodes (Keyboard), John Taylor (Bass), Simon Colley (Gitarre) und Stephen Duffy (Gesang) hielt aber nur ein Jahr. 1979 verließen Duffy und Colley die Band und wurden durch Roger Taylor (Schlagzeug) und Andy Taylor (Gitarre) ersetzt (alle drei Taylors sind nicht miteinander verwandt). Der Gesangspart wurde nacheinander von Andy Wickett, Alan Curtis und Jeff Thomas übernommen, bis im April 1980 Simon Le Bon zur Gruppe stieß und Jeff Thomas ersetzte. Den ersten Auftritt mit der line-up, die heute (wieder) besteht, hatten Duran Duran im Juni 1980 beim Edinburgh Music Festival. Danach tourte die Band von September bis Dezember 1980 mit der damals poulären britischen Sängerin Hazel O'Connor durch England. Im November 1980 schlossen Duran Duran einen Plattenvertrag mit EMI. Die Aufnahmen für das Debüt-Album "Duran Duran" begannen im Winter 1980/81. Im Februar 1981 erreichte die erste Single "Planet Earth" Platz 12 der BBC-Charts. Die zweite Singe "Careless Memories" floppte. Das Video zur dritten Single "Girls On Film" wurde von der BBC aus dem Programm geworfen, weil den Programmdirektoren zu viel nackte Haut, zuviel blanker Busen, zu viel Schamhaare und zu viel lesbische Küsse als "jugendgefährdend" erschienen. Der Clip zu "Girls On Film" war auch das erste Video, das bei MTV (damals ausschließlich in den USA zu empfangen) nur zensiert und nur nach 23.00 Uhr gezeigt werden durfte. Im Juni 1981 erschien dann das Debüt-Album und konnte sich erfolgreich in den Charts platzieren. Im April 1982 ging es auf die erste Welttournee. Schon 1983, nach Abschluss des zweiten Albums "Rio", folgte eine weitere, die 51 Stadien füllte. Man spielte in Amerika, Europa, Japan und Australien. Im November 1983 folgte das dritte Album "Seven And The Ragged Tiger". Nicht weniger als zehn Singles konnten sie bis dahin als Hits verbuchen, so unter anderem "Planet Earth", "Girls On Film", "Hungry Like The Wolf", "Save A Prayer", "The Wild Boys", "The Reflex" und "Is There Something I Should Know?". Neben den Songs widmete sich die Band auch der aufkommenden Videotechnik und brachte zu den Singles aufwändige Video-Clips heraus, was der Band eine enorm hohe Präsenz etwa bei MTV und zahlreiche Preise einbrachte. 1984 beteiligte man sich am Band-Aid-Projekt von Bob Geldof und der Single "Do They Know It's Christmas?". Außerdem steuerten Duran Duran 1985 mit "A View To A Kill" den Titelsong zum gleichnamigen James-Bond-Film bei. John und Andy Taylor gründeten 1985 das Nebenprojekt The Power Station mit Robert Palmer als Sänger und konnten mit den Singles "Some Like It Hot", der alten T.-Rex-Nummer "Get It On" und dem Album "The Power Station" Erfolg erzielen. Simon Le Bon, Nick Rhodes und Roger Taylor gründeten ihrerseits das Nebenprojekt Arcadia. Ihr Album "So Red The Rose" und die Singles "Election Day", "The Promise" und "The Flame" verkauften sich ebenfalls gut. Nach dem Ausstieg von Roger und Andy Taylor 1986 taten sich die übrigen Duran-Duran-Mitglieder Le Bon, Rhodes und John Taylor mit Warren Cuccurullo (Gitarre) und Steve Ferrone (Schlagzeug) zusammen, um die LP "Notorious" einzuspielen. Im Februar 1987 gingen Duran Duran erneut auf Welttournee. 1988 folgte das Album "Big Thing" und 1989 die Compilation "Decade". Mit dem neuen Drummer Sterling Campbell wurde 1990 die nur mäßig erfolgreiche Platte "Liberty" eingespielt. Für das nächste Album ließ man sich drei Jahre Zeit. Mit "The Wedding Album" (wie es in den Medien getauft wurde, da es offiziell titellos war, als Anspielung auf das erste Debut-Album) feierte die Gruppe ein beeindruckendes Chart-Comeback (vor allem durch die Single "Ordinary World"). Es wurde in den USA mit Platin ausgezeichnet. Das 95er-Album "Thank You" bestand aus Cover-Versionen mit Songs von Bob Dylan, Led Zeppelin, den Doors und Iggy Pop. "Medazzaland", die CD von 1997, ging in Europa völlig unter und war in Deutschland nur als Import zu erhalten. Etwas erfolgreicher war das 2000er-Album "Pop Trash", das in Deutschland auf Platz 80 der Charts einstieg. Eine schöne Gesamtwerkschau ist die Compilation von 1998 "Greatest" mit 19 ihrer Hits, die auch als DVD erhältlich ist. 2003 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums kam es zu einer Reunion in der Originalbesetzung. Im Oktober 2004 erschien "Astronaut", ein neues Studioalbum der Band.

Diskografie

Alben


- Duran Duran (1981)
- Rio (1982)
- Seven And The Ragged Tiger (1983)
- Arena (1984/Live)
- Notorious (1986)
- Big Thing (1988)
- Liberty (1990)
- The Wedding Album (1993)
- Thank You (1995)
- Medazzaland (1997)
- Pop Trash (2000)
- Astronaut (2004)
- Live from London (2005) DVD + CD

Compilations


- Carnival (Remix-Mini-LP)
- Tiger!Tiger! (Remix-Mini-LP)
- Decade (1989)
- Nite Romantics - Carnival - Tiger! Tiger! - Strange Behaviour [Japan 1992]
- Night Versions / Essential Duran Duran (USA 1998)
- Greatest (1998)
- Strange Behaviour (1999/Remixes)
- Best Of The 80´s (2000)
- The Singles 81-85 (2003)
- The Singles 1986-1995 (2004)

Weblinks


- [http://www.duranduran.com Offizielle Internetpräsenz] (englisch)
- [http://www.duranduran.de Deutsches Fanportal]
- [http://www.laut.de/wortlaut/artists/d/duran_duran/biographie/index.htm Duran Duran auf Laut.de]
- [http://www.duranduran.no Fanseite aus Norwegen]
- [http://www.duranduran.at Österreichische Community] Duran Duran ja:デュラン・デュラン simple:Duran Duran

Madonna (Künstlerin)

Madonna [] (
- 16. August 1958 in Bay City, eigentlich Madonna Louise Ciccone; Veronica ist ihr gewählter Konfirmationsname) ist eine US-amerikanische Sängerin, Schauspielerin und Buchautorin und seit 2001 mit dem Regisseur Guy Ritchie verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Laut Guinness-Buch der Rekorde ist Madonna mit 250 Millionen verkauften Tonträgern die international erfolgreichste Sängerin unserer Zeit. In ihrer über 20-jährigen Karriere wurde sie mit Hits wie „Like a Virgin“, „Like a Prayer“, „Vogue“ und „Music“ zu einer Pop-Ikone des 20. Jahrhunderts, die es verstand, sich stets kontrovers in Szene zu setzen. Neben mehrfachen Grammys (1998 für "Ray Of Light") erhielt Madonna auch den Golden Globe (1996 für "Evita"). Madonna machte sich auch als erfolgreiche Kinderbuchautorin („Die englischen Rosen“, „Billie Bargeld“) einen Namen und ist mit einem geschätzten Vermögen von 600 Millionen US-Dollar die reichste Künstlerin, laut Forbes. Seit 2001 lebt sie mit ihrer Familie in Wiltshire, England.

Familie

Madonnas Großeltern Michelina and Gaetano Ciccone waren italienische Einwanderer. Madonnas Mutter, Madonna Fortin, Frankokanadierin, starb an Krebs, als Madonna sechs Jahre alt war. Ihr Vater Sylvio „Tony“ Ciccone, ehemaliger Automechaniker und heute Teilhaber des Ciccone Weinguts, geboren in Pittsburg, heiratete später Joan Gustafson, die Haushälterin der Familie. Madonna (
- 1958) ist das dritte von sechs Kindern (aus erster Ehe). Ihre Geschwister: Anthony (
- 1956), Martin (
- 1957), Paula (
- 1959), Christopher (
- 1960), Melanie (
- 1962), Jennifer (
- 1968) und Mario (
- 1969). Madonna war in erster Ehe (16. August 1985 - 14. September 1989) mit dem US-Schauspieler Sean Penn (
- 17. August 1960) verheiratet. Die Ehe wurde wegen "unüberbrückbarer Differenzen" geschieden. Seit dem 22. Dezember 2000 ist sie mit Guy Ritchie (
- 10. September 1968) verheiratet. Kurzzeitig wechselte sie ihre Wohnsitze zwischen Los Angeles, New York und London, bis sie den Landsitz Ashcombe House in Wiltshire vor London erwarben, wo sie seit 2001 leben. Sie selbst ist Mutter einer Tochter, Lourdes „Lola“ Maria (
- 14. Oktober 1996) (Vater ist der Kuba-Amerikaner Carlos Leon) und eines Sohnes, Rocco John (
- 11. August 2000) (Vater ist ihr Ehemann Guy Ritchie).

Leben und Karriere

1958–1983

Madonna genoss eine konservativ strenge Erziehung, die sie in katholischen Schulen und zeitweise in einer Klosterschule erlebte. Diese erzeugten eher Ablehnung, was ihren späteren Lebensverlauf künstlerisch beeinflusste und sie von frühester Kindheit gegen Autoritäten aufbegehren ließ. Nach dem frühen Tod ihrer Mutter (Madonna war sechs Jahre alt) kämpfte Madonna, als eines von sieben Geschwistern um Anerkennung von ihrem Vater. Der heiratete die frühere Haushaltsgehilfin Joan Gustafson - und Madonna verabscheute die Frau, die ihre Mutter ersetzte. Die Hassliebe zu ihrem Vater sollte sie während ihrer gesamten Laufbahn begleiten – sie zeigt sich u.a. offen in ihren sehr persönlichen Texten. Selbstbestätigung fand Madonna auf der Schule (Abschluss 1976 an der Rochester Adams High School in Oakland County, Metro Detroit), in Theateraufführungen und in der Cheerleadermannschaft, wo sie lernte, sich zu inszenieren und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, eine Gabe, die sie benötigte, um sich gegen ihre Geschwister durchzusetzen. Abgesehen davon, dass Madonna mit zerfetzten Strumpfhosen und selbstkreierten Röcken Aufsehen erregte und es liebte zu provozieren, war sie eine sehr gute Schülerin – sie gehörte bei einem Intelligenztest auf ihrer Rochester Adams High School zu den besten zwei Prozent mit einem IQ von 141. Nebenbei nahm sie Klavierstunden und Tanzunterricht und beschloss, nach der Schule Tänzerin zu werden. Madonnas schwuler Tanzlehrer Christopher Flynn war es, der Madonnas Talente erkannte und förderte. Gemeinsam besuchten sie neben Museen und dem Theater auch die angesagtesten Schwulendiscos in Detroit, wo sie auch Steve Bray kennenlernte – mit ihm produzierte sie später einige ihrer größten Hits. Diese Zeit prägte auch ihren musikalischen Stil, der sich am europäischen Europop orientierte. Flynn bestärkte sie, nach New York zu gehen und Karriere zu machen. Nach der High School begann Madonna eine Tanzausbildung an der University of Michigan, brach sie jedoch ab. Stattdessen kaufte sie sich ein Einfach-Ticket nach New York und verließ am Times Square ein Taxi mit 30 Dollar im Gepäck. Die erste Zeit hielt sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Sie kellnerte, verkaufte Donuts und machte Aktaufnahmen (die wenige Jahre später in Millionenauflage in den Männermagazinen Playboy und Penthouse erschienen). Nebenbei lernte sie Schlagzeug und Gitarre spielen, und schrieb ihre ersten Songs mit Dan Gilroy. Nach Engagements als Tänzerin bei der „Alvin Ailey Dance Troupe“ und "Pearl Lang's Dance Company" experimentierte sie als Sängerin und Schlagzeugerin in Punk- und Popbands (Emmy, Breakfast Club). Eine Karriere als Chanson-Sängerin lehnte sie 1979 ab. Der damalige Disco-Sänger Patrick Hernandez ("Born To Be Alive") protegierte (förderte) Madonna und nahm sie mit nach Paris, um sie als Star herauszubringen. Doch sie fühlte sich in diesem Umfeld unwohl und ging nach sechs Monaten wieder zurück nach New York. Dort erlangte sie in den angesagten Diskotheken Bekanntheit, als sie dort zu den Demos ihrer ersten Songs tanzte – und nebenbei Kontakte zu Discjockeys knüpfte, die Verbindungen zur Plattenindustrie hatten. Einer dieser Discjockeys war Mark Kamins, der später Madonnas erstes Album mitproduzierte. Kamins stellte Madonna dem Chef von Sire Records, Seymour Stein vor. Der war begeistert von Madonnas Demobändern (u. a. "Everybody", "Ain't No Big Deal", "Burning Up"), und so bekam sie 1982 ihren ersten Plattenvertrag. Die Single „Everybody“ wurde ein Achtungserfolg in den Clubs, verkaufte sich 250.000 mal und erreichte Platz 3 in den Club- und Black-Charts – ein Kuriosum, da Madonna nicht auf dem Cover abgebildet war und man sie anfangs für eine neue schwarze „Discoqueen“, im Stil von Shannon ("Let The Music Play"), hielt. 1983 erschien Madonnas Debutalbum "Madonna" und mit der vierten Single „Holiday“ schaffte sie weltweit den Durchbruch in die Top Ten der Charts. Kritiker belächelten die 25-jährige als Eintagsfliege, obwohl Madonna mit jeder folgenden Singleauskopplung höher in den Charts stieg und ihre trendigen Videos den Geschmack der MTV-Gemeinde trafen. Neben zahlreichen TV-Auftritten rund um den Erdball, drehte sie das Teendrama "Vision Quest" unter der Regie von Harold Becker ab. Sie hatte nur zwei kurze Auftritte als Nachtclubsängerin, doch ein Jahr später wurde der Film zu einem Hit – vor allem durch Madonnas Singles "Crazy For You" und "Gambler".

1984–1989

Nachdem sich das erste Album, dank Madonnas häufiger Auftritte in TV-Shows und häufiger Ausstrahlung ihrer Videos auf MTV, millionenfach verkaufte, suchte sich Madonna einen neuen Produzenten: Nile Rogers, der schon Michael Jackson, Duran Duran und David Bowie produziert hatte. Madonnas Klang wurde nun rockiger, behielt aber seine eingängigen poppigen Melodien – und Madonnas elektronisch verfremdete Stimme, die sie nicht nur unverwechselbar machte – es gab auch das Problem, dass Madonna die ersten Jahre bei Live-Auftritten sehr viel tiefer klang – und deshalb oftmals Playback notwendig war. Den ersten Skandal, der sich medienwirksam und positiv auf die Verkaufszahlen der Singles auswirkte, löste sie 1984 aus, als sie ihren Hit "Like A Virgin" in einem Hochzeitskleid präsentierte. Amerikanische Elternverbände und konservative Medienwächter zeigten sich "geschockt" – das junge Publikum war begeistert. Von nun an wurden alle Trends von Madonnas Fans kopiert.Kruzifixe, bauchfreie Tops und Lederarmbänder waren der Anfang. Madonna begann zu jedem Album einen neuen "Look" zu entwickeln – den sie sich häufig von den klassischen Hollywood-Stars entlieh. Mit den folgenden Videos wie „Material Girl“ oder „Live To Tell“ kopierte sie ihre Vorbilder Marilyn Monroe, Mae West oder Marlene Dietrich – und gab das auch offen zu. 1985 mehrte sie ihre Popularität durch einen Auftritt beim legendären „Live Aid“-Konzert – sie überraschte in einem hochgeschlossenen weiten Hosenanzug: Kurz zuvor waren ihre alten Aktbildaufnahmen in einschlägigen Herrenmagazine erschienen. Die Singles führten die Charts rund um die Welt, der Susan Seidelmans Kinofilm "Susan... verzweifelt gesucht" wurde ein Hit bei Kritikern wie beim Publikum und auch live begeisterte Madonnas ausverkaufte US-Tournee "The Virgin Tour". Madonna lernte am Set des Videos "Material Girl" den jungen Schauspieler Sean Penn kennen – und lieben. Sie heirateten publicityträchtig unter Hubschraubern und Horden von Journalisten. Wie beide später zu Protokoll gaben: "Es war die Hölle!". Vom "Rausch des Verliebtseins" kündete das 1986 erschienene Album "True Blue" – gewidmet ihrem Mann, dem "coolsten Mann des Universums". Das Album, auf dem Madonna erstmals alle Titel selbst (mit)schrieb, wurde ein riesiger Erfolg. "True Blue" wurde Nr. 1 in 28 Ländern und konnte über 20 Millionen mal verkauft werden. Madonna war die erste Popsängerin, die 5 Single-Auskopplungen von einem Album in den US-Top 5 platzieren konnte. Die Songs "Live To Tell", "Papa Don`t Preach" und "Open Your Heart" kletterten auf Platz 1 der Billboard Single Charts. Das Coverfoto von Herb Ritts machte sie zu einer Ikone der Achtziger. Madonna stand zu jener Zeit auf dem ersten Höhepunkt ihrer Karriere, und die Welt hatte das Pendant zu Michael Jackson, dem King of Pop gefunden: die "Queen of Pop". Durch ihre häufigen Stilwechsel und ihr Gespür dafür, neue Trends zu setzen, war Madonna von nun an von den Covern der Zeitschriften nicht mehr wegzudenken. Ihr Bild bedeutete Auflagensteigerung. Madonna ließ sich in Lagerfeld (siehe Karl Lagerfeld), Lacroix (siehe Maurice Lacroix) oder Chanel fotografieren und etablierte sich als Sexsymbol. Im Juni 1987 startete Madonna in Japan die "Who's That Girl World Tour". Madonnas erste Welttournee zementierte endgültig ihren Status als erfolgreichste Popsängerin der 80er Jahre: Im August war das Wembley-Stadion in London dreimal ausverkauft. Ihre Alben, Singles und Konzertkarten zu ihrer "Who's That Girl Tour" verkauften sich sehr gut, doch ihre Hollywood-Karriere kam nicht in die Gänge: Der groß angekündigte Abenteuerfilm "Shanghai Surprise", wie auch ihre Ehe, endeten in einem Reinfall und die Ehe mit Sean Penn endete mit Geschrei und Prügeln (nachzuhören auf Madonnas Song "Till Death Do Us Part" von 1989). 2004 sagte Penn, dass es für ihn unmöglich gewesen war, Madonna mit der ganzen Welt zu teilen. Das schlechte Verhältnis zu ihrem Vater und das Scheitern ihrer Ehe kompensierte sie in verstärkter Arbeit – und zahllosen Affären, die Schlagzeilen machten. In einem ruhigen Jahr, in dem Madonna in dem ausverkauften Theaterstück "Speed the Plow" spielte, bereitete sie ihr neues Album vor: "Like A Prayer". Das bisher persönlichste Album verarbeitete ihre gescheiterte Ehe, das komplizierte Verhältnis zu ihrer Familie – und nicht zuletzt ihr gespaltenes Verhältnis zum Katholizismus. Das Album "Like A Prayer" wurde von den Kritikern überwiegend positiv aufgenommen und der Titelsong knapp 16 Jahre später von den amerikanischen und deutschen Redaktionen der Musikzeitschrift "Rolling Stone" zu einem der besten Songs aller Zeiten gewählt. 1989 wurde das kontroverse Musikvideo zu "Like A Prayer" veröffentlicht. Pepsi stoppte daraufhin eine Werbekampagne mit ihr (die 5 Millionen US-Dollar-Gage durfte Madonna behalten) und auch der Vatikan zeigte sich entrüstet, als Madonna in dem Video vor brennenden Kreuzen tanzte und einen "schwarzen Jesus" küsste. Madonna: „Damals hat mein Toursponsor Pepsi Cola am meisten Probleme gemacht. Die hatten Angst wegen der erotischen Anspielungen. Aber sie haben gezahlt, sind abgehauen und das war’s.# Das Video (das eigentlich den Rassismus in den USA anprangern wollte) wurde auch in Deutschland verboten und auf MTV nur nachts ausgestrahlt. „Like A Prayer“ wurde auch aufgrund dieser unfreiwilligen Werbung zu einem ihrer größten Erfolge.

1990–1996

Was in den Achtzigern mit fröhlichen Popsongs begann, steigerte Madonna in den Neunzigern ins Groteske: Zu jedem Album und jedem neuen Film wurde ein neuer Skandal inszeniert, meist in Form eines umstrittenen Videos oder auch einer neuen aufsehenerregenden Affäre (u. a. Sandra Bernhard, Tony Ward, John F. Kennedy Jr., Carlos Leon (Vater der Tochter Lourdes), Vanilla Ice, Dennis Rodman...) Mit dem Abschluss des jeweiligen Projektes wurde auch die Affäre nach kurzer Zeit beendet. Madonnas skandalträchtige Affäre mit Warren Beatty währte so lange, bis der gemeinsame Film "Dick Tracy" ein Hit geworden war, genauso wie Madonnas Huldigung des "Vogueing", einem Tanz aus den schwulen Clubs New Yorks, den ihr Mitkomponist Shep Pettibone nahegebracht hatte. "Vogue", eigentlich als B-Seite der letzten "Like A Prayer"-Auskopplung "Keep It Together" gedacht, wurde kurzfristig als eigenständige Single herausgebracht und wurde einer von Madonnas größten Hits: Das gestylte Video des damals unbekannten Video- und Werbefilmers David Fincher ("Se7en"/"Sieben") machte aus Madonna eine Ikone der Schwulen und Clubgänger. Kurz darauf gab sie Statements über schwule Freunde und Familienmitglieder – und brachte sich als potenzielle Bisexuelle ins Gespräch, als sie mit Sandra Bernhard Küsse austauschte. Madonnas erstes Greatest-Hits-Album "The Immaculate Collection" krönte 1990 Madonnas bisherige Karriere und wurde zum meistverkauften "Best of" einer Sängerin und präsentierte den nächsten Skandal: Das sexuell freizügige Video zu "Justify My Love", der ersten Single (mit ihrem neuen Lover, dem Pornodarsteller Tony Ward). Es wurde auf vielen Sendern verboten oder ins Nachtprogramm verbannt. Madonna brachte es als Kaufvideo heraus – und es wurde das meistverkaufte Musikvideo seiner Zeit. Auch die damalige "Blond Ambition Tour" provozierte: Eine angedeutete Masturbationsszene führte in Kanada zu Verwicklungen, doch auch eine angedrohte Ordnungshaft brachten Madonna nicht dazu, die Show zu ändern. Sie bestand auf "künstlerischer Freiheit" – diese Szene findet sich in ihrer Musik-Dokumentation "Truth Or Dare/In Bed With Madonna". Neben diesem Film, lief auch der Kinofilm "Eine Klasse für sich" (mit Geena Davis), in dem sie eine größere Nebenrolle spielte, mit großem Erfolg in den Kinos. Ein weiterer Höhepunkt war die Oscar-Verleihung am 25. März 1991. An diesem Abend wurde sie von Michael Jackson begleitet und präsentierte live den Song "Sooner Or Later" aus dem Film "Dick Tracy". Dieser gewann in der Kategorie "Bester Filmsong". Das Bild Madonnas in den Neunzigern ist vor allem geprägt durch ein Bild: Jean-Paul Gaultiers goldenes Korsett mit riesig geformten Kegeln, die Madonnas Brüste zur "Blond Ambition Tour" betonten. Mit Madonnas Imagewandel zum Erotikstar, arbeitete sie gleichzeitig an ihrer Unabhängigkeit. Sie gründete ihre eigene Produktionsfirma "Maverick", um uneingeschränkte Freiheit über ihr Schaffen zu bekommen. Und auch, um Nachwuchstalente zu fördern. "Maverick" brachte unter anderem Alben von Alanis Morissette, Me'shell NdegéOcello, Candlebox und The Prodigy heraus. Es folgten Madonnas provokanteste Jahre: Madonna erschien nackt in Bild und Ton. Das Skandalalbum "Erotica" (1992) irritierte die Fans mit Hip Hop-lastigen Beats, souligen Melodien und sexuellen Themen. Der Film "Body Of Evidence" versuchte erfolglos den Erfolg von "Basic Instinct" zu wiederholen und das Buch "SEX" verkaufte sich über 1.5 Millionen mal. Zu dieser Zeit gab es Madonna nackt in Videos, auf Covern, im Kino, auf der Bühne, in Zeitschriften, auf Postern, Postkarten. Madonnas junge Fans waren offenbar überfordert: erstmals brachen die Verkäufe ihrer Singles stark ein. Ein Erfolg war dagegen die 1993er ausverkaufte Welttournee "The Girlie Show", die wieder Proteste konservativer Organisationen und Politiker hervorrief. Das nächste Album "Bedtime Stories" versuchte ein letztes Mal Madonna als Sexsymbol zu vermarkten. Mit Hip Hop-Größen, wie Babyface und Nellee Hooper sowie einem von Björk geschriebenen Song überraschte Madonna ihre Kritiker. Allerdings blieben die Verkäufe stark hinter den Erwartungen – nur die Remixe liefen sehr gut in den Diskotheken. 1996 wurden Madonnas jahrelange Bemühungen um die Rolle der Evita Perón im Andrew Lloyd Webber Musical "Evita" belohnt. Alan Parker verpflichtete sie für die Hauptrolle. Madonna bereitete Fans und Kritiker vorher mit dem Balladenalbum "Something To Remember" darauf vor. Madonna präsentierte sich elegant in Versace und begeisterte kurz darauf die Argentinier, als sie auf dem Originalbalkon des Präsidentenpalastes in Buenos Aires "Don't Cry For Me Argentina" vor Hunderten von Komparsen sang. "Evita" wurde zu einem der erfolgreichsten Musical-Filme aller Zeiten. Das dazugehörige Album verkaufte sich sehr gut und Madonna machte wieder mehr musikalisch auf sich aufmerksam, als durch Skandale. "Gekrönt" wurde dieses Comeback ein Jahr später, als sie 1997 den Golden Globe als beste Schauspielerin erhielt. Für den Academy Award (Oscar) wurde sie allerdings nicht nominiert. Trotzdem präsentierte sie dort den Song "You Must Love Me", der den Preis für die Komponisten/Texter Andrew Lloyd Webber und Tim Rice gewann. Ende des Jahres wurde Madonna das erste mal Mutter eines Mädchens: Lourdes. Der Vater, Carlos Leon: Madonnas Fitnesstrainer. Die Beziehung der beiden endete kurz darauf.

1997–2004

Neben ihrer Tochter kümmerte sich Madonna um das neue Album, das sie als ernsthafte Musikerin etablieren sollte: In ihrem musikalisch erfolgreichsten Jahr überzeugte Madonna Fans wie Kritiker mit ihrem Album „Ray of Light“. Ein weiterer Höhepunkt in ihrer musikalischen Karriere. Nicht nur kommerziell konnte Madonna an alte Zeiten anknüpfen: sie erhielt vier Grammys u. a. für das beste Pop-Album und das beste Dance-Album, nachdem sie bei den Grammy-Nominationen jahrelang ignoriert worden war. Textlich stellte Madonna die Themen Mutterschaft („Little Star“) und ihre neue Entdeckung zu fernöstlichen Religionen in den Mittelpunkt („Shanti Ashtangi“, „Sky Fits Heaven“) – und löste damit den nächsten Modetrend aus. Auch das elektronische Folgealbum „Music“ im Jahr 2000 überzeugte mit innovativer Produktion und Undergroundsounds des angesagten französischen DJs Mirwais. Im Mittelpunkt dieser Produktion stand erstmals Madonnas gereiftere Stimme, die minimalistisch, vor allem mit Gitarre und elektronischen Beats unterlegt wurde. Album wie Singles wurden zu einem großen Erfolg: Mit der Vorabsingle "American Pie" erreichte sie nach "La Isla Bonita" 1987 ihren zweiten Nummer Eins Hit in Deutschland. Die Singles wie Videos (u. a. "Music", "Don't Tell Me") lösten den nächsten Mode-Trend aus: Cowboyhut, Hüfthosen und Boots. "Music" war auch in anderer Hinsicht eine Premiere: Erstmals war ein komplettes Album drei Monate vor der eigentlichen Veröffentlichung im Internet in Tauschbörsen wie Napster illegal erhältlich. Sogar die offizielle Homepage von Madonna wurde gehackt: mehrere Stunden lang konnte man dort das komplette Album (und Bootleg-Remixe) illegal herunterladen. Beworben wurde das Album mit zwei Konzerten, wo die neuen Songs vorgestellt wurden: Das erste in New York City (Roseland Ballroom) und das zweite in London (Brixton Academy). Die Konzerte wurden live im Internet übertragen. Zum Flop geriet "Ein Freund zum Verlieben", Madonnas erneuter Versuch, als Schauspielerin erfolgreich zu sein. Am 22. Dezember 2000 heiratete Madonna den englischen Regisseur Guy Ritchie und bekam ihr zweites Kind: Sohn Rocco. Ihre zweite Hochzeit verlief unspektakulär und unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Dornoch/Schottland. Am 9. Juni 2001 startete Madonna nach jahrelanger Bühnenabstinenz die "Drowned World Tour" in Barcelona. Danach standen Konzerte in Mailand, Berlin, Paris und London auf dem Tourplan. Alle Konzerte waren restlos ausverkauft. Im Juli begann schließlich Madonnas große USA-Tour. Die Show am 26. August in Detroit wurde im TV übertragen und später auf DVD vermarktet. Am 14. September endete die "Drowned World Tour" in Los Angeles. Da drei Tage zuvor die Terroranschläge die Welt, und besonders die USA schockiert hatten, rief Madonna ihr Publikum zum Gebet auf. Das zweite Greatest-Hits-Album "GHV2" von 2001 diente offensichtlich nur Madonnas Vertragserfüllung mit Warner Brothers. Es bot kein neues Material und Madonna bewarb es auch nicht. Es verkaufte sich sehr schlecht für ein "Best of". Danach kehrte Madonna 2002 nach 14 Jahren wieder auf die Theaterbühne zurück. Im Stück "Up For Grabs" von David Williamson unter der Regie von Laurence Boswell spielte Madonna die Rolle der Kunsthändlerin Loren. "Up For Grabs" wurde im Wyndham`s Theatre im Londoner West End aufgeführt und Madonna erhielt passable Kritiken. 2002 erregte Madonna mit ihrem gemeinsam mit Mirwais geschriebenen Titelsong zu „James BondStirb an einem anderen Tag“ Aufsehen. Entgegen der bisherigen Tradition steuerte sie einen sehr ungewöhnlichen und umstrittenen Song im Elektro-Sound bei. „Die Another Day“ wurde zum meistverkauften Bond-Titelsong aller Zeiten und Madonna spielte in dem Film auch eine kleine Cameorolle: Sie spielte die Fechtlehrerin Verity. 2003 wurde für Madonna zu einem der umstrittensten Jahre: "American Life", das Nachfolgealbum von "Music" brachte wenig Neues in Madonnas musikalische Welt und war bei Fans, wie Kritikern äußerst umstritten. Zudem geriet es 2003 in den Sog von Madonnas Parteinahme gegen den US-amerikanischen Präsidenten George W. Bush, in dessen Mittelpunkt Madonnas bisher extremstes Video "American Life" stand: Irakische Kinder liefen auf dem Laufsteg einer Modenschau – im Hintergrund explodierten Bomben und Kampfflugzeuge feuerten Salven in Richtung Publikum. Zum Schluss des Videos fängt ein George W. Bush-Double eine Handgranate – und zündet sich damit seine Zigarre an. Das Video wurde nach einem Tag zurückgezogen und durch ein unverfängliches ausgetauscht. Madonna: „Ich habe gesehen, wie sehr die texanische Countryband Dixie Chicks gelitten hat, nachdem die Musikerinnen sagten, dass sie sich schämten, aus demselben Bundesland zu kommen wie Präsident Bush. Sie wurden in den USA zu gehassten Frauen. Ich wollte meine beiden Kinder dieser Situation nicht aussetzen. Auch für die Karriere meines Mannes, des Filmemachers Guy Ritchie, wäre es verheerend gewesen.“ # Ihr Engagement gegen den Irakkrieg löste bei den konservativen Radiostationen einen Boykott aus, der eine Platzierung der folgenden ausgekoppelten Singles in den Billboard Charts verhinderte, obwohl "Die Another Day", "American Life" und "Hollywood" in den Top Ten der bestverkauften Singles standen. Die Singles "Die Another Day" und "Nothing Fails" standen sogar auf Platz 1 der Verkaufscharts. Das Album „American Life“ blieb mit 4 Millionen verkauften Tonträgern weit hinter den Erwartungen zurück, doch es führte die Album-Charts weltweit an - auch in den USA. Das Projekt "American Life" (insbesondere Madonnas politische "Promotion") hatte ihrer Karriere in den USA geschadet, andererseits aber auch großen Respekt von Künstlerkollegen und Kritikern eingebracht. Erstmals in ihrer Karriere kollaborierte Madonna kurz darauf mit einem anderen Künstler auf einer Single: Britney Spears, deren Karriere auch ins Stocken geraten war. Der Live-Kuss mit ihr (und Christina Aguilera) bei den MTV Awards 2003 brachte Madonna wieder ins Gespräch – und das schnell produzierte Duett "Me Against The Music" wurde ein passabler Erfolg. Madonnas nachgeschobenes Remix-Album "Remixed & Revisited" konnte dem Hauptalbum "American Life" keinen neuen Schub verpassen. Im September 2003 erschien Madonnas erstes Kinderbuch „Die englischen Rosen“, das auf Anhieb ein weltweiter Erfolg bei Kritik, wie Käufern wurde: New York Times und Barnes & Noble notierten das Buch auf Platz 1 der meistverkauften Bücher – und auch die vier folgenden waren so erfolgreich, dass Madonna Fortsetzungen und ein umfangreiches Merchandising (Kleidung, Geschirr, Schmuck etc.) für "Die englischen Rosen" produzieren ließ. Allerdings spendete Madonna die gesamten Gewinne dieses Projektes an nahestehende Kinderhilfsorganisationen. "Swept Away", eine Produktion ihres Mannes, Guy Ritchie, in der sie die Hauptrolle übernommen hatte, floppte 2003 bei Kritik und Publikum. Guy Ritchie: "Ich glaube , dass mein Publikum kein Interesse an einem Film mit meiner Frau hatte - und ihre Fans wollten keinen Film mit mir als Regisseur sehen. So, oder so: Der Film machte etwas Gewinn." Ein großer Erfolg dagegen war ihre ausverkaufte Welttournee 2004. Die „Re-Invention World Tour“ etablierte Madonna endgültig als überzeugende Live-Künstlerin. Die Show bot politische Statements, exklusive Kostüme (Karl Lagerfeld), religiöse Motive und einen kalkulierten Skandal: Madonna sang ein Lied auf einem "elektrischen Stuhl". Im Gegensatz zu den letzten Tourneen standen dieses Mal ihre größten Hits im Mittelpunkt, darunter viele Songs aus den Achtzigern, die sie lange nicht mehr vorgetragen hatte. Weihnachten 2004 erneuerten Madonna und Guy ihr Ehegelübde. Die beiden tauschten bei einer Zeremonie erneut die Ringe. # Zitate aus Süddeutsche Zeitung [http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/570/64506/1/]

Aktuell


- 2005 startete Madonna mit einer aufsehenerregenden Kampagne des Modehauses Versace. Die Fotoserie von Starfotograf Mario Testino ließ sich Donatella Versace 10,5 Millionen US-Dollar kosten.
- Zugunsten der Flutopfer des Tsunamis, der Teile Asiens im Dezember 2004 heimsuchte, trat sie mit anderen namhaften Stars bei "Tsunami Aid" auf und sang den John-Lennon-Klassiker "Imagine", der schon während ihrer letzten Welttour Teil des Programms war. Die Erlöse kamen den Flutopfern zugute.
- Ein weiterer Auftritt zu einem Benefizkonzert war am 2. Juli 2005 angesagt: Zusammen mit Stars wie Robbie Williams, Mariah Carey, Elton John und anderen trat sie beim "Live 8" Konzert in London auf – 20 Jahre nach dem legendären "Live Aid" Konzert. Bei ihrer Show präsentierte sie die Klassiker "Like a Prayer", "Ray of Light" und "Music" – und stellte neben ihrer Performance auch ihre ordentliche Livestimme unter Beweis - und überzeugte sogar Elton John, der sie zuvor beschuldigt hatte, nicht live zu singen, sondern Playback nutzen.
- Am 16. August 2005 – ihrem 47. Geburtstag – stürzte Madonna von ihrem Pferd und brach sich Schlüsselbein, Hand und mehrere Rippen. Trotz ihrer Verletzungen konnte Madonna schon am selben Abend das Krankenhaus verlassen, um sich auf ihrem westenglischen Landsitz Ashcombe zu erholen.
- September 2005 gab Madonna ihre 15 Alben (und Einzeltitel) für den Download-Verkauf bei iTunes (mit Motorola) frei, für den sie einen aufwändigen Werbeclip ("Phone Booth") drehte; als "Soundtrack" wurde erstmals ihr neuer Song "Hung Up" genutzt. Auf Anhieb belegten die Downloads der Alben die vordersten Plätze der nationalen und internationalen Download-Charts.
- Mit millionenschwerer Promotion wird das neue Album beworben: Nach dem Flop des letzten Albums wird alles unternommen, um das neue zu einem Erfolg werden zu lassen. Vorab erschien der Song, als Klingelton für das Handy. Nachdem im Internet Ausschnitte der ersten Single "Hung Up" auftauchten, wurde der das Album Ende Oktober bis zur Veröffentlichung auf Pre-Listening- und Release-Partys vorgestellt. Neben Anzeigenkampagnen, Werbeclips, Internetseiten und Auftritten in vielen Sendungen weltweit (u.a.: Star Academy (Frankreich), Wetten, dass..?, MTV-EMA, NRJ) stellte Madonna das Album auch persönlich in Diskotheken in New York und London vor. AOL übertrug ein Promo-Konzert aus dem Londoner Koko Club im Internet. Die Promo-Tour, die in Europa begann, wird in den USA und Japan fortgesetzt.
- Das Ergebnis der aufwändigen Promotion: "Hung Up" steht Mitte November 2005 in mindestens 25 Ländern auf Platz 1 - auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Das Album platzierte sich in Deutschland direkt an der Spitze der Charts - mit 200.000 verkauften Exemplaren in der ersten Woche. Ein Rekord: "Hung Up" ist in Deutschland mit 29.912 verkauften Downloads die erfolgreichste digitale Single. Obgleich "Hung Up" im Libanon Platz 1 der Charts belegt, wird dort das Album nicht veröffentlicht, da der Song "Isaak" jüdisch-jemenitische Texte beinhaltet ("Im Nin 'alu", bekannt in der Version von Ofra Haza).
- Anfang Dezember 2005 belegen Single "Hung Up" und Album "Confessions on a Dance Floor" Platz eins in über 30 Ländern. Ein Rekord: Madonna ist der erste Künstler, der die europäischen Charts in sämtlichen Formaten anführt: Single, Album, Download-Single und Ringtone-Chart.
- Voraussichtlich für Sommer 2006 ist eine neue Welttournee geplant, die auch nach Deutschland führen soll.

Phänomen Madonna

Pressestimmen


- Welches ist die echte Madonna? Natürlich ist die Frage müßig, denn wann hat es uns je interessiert, wer oder wie die echte Madonna ist? Die New Yorker Göre, die inzwischen mit Ehemann Guy Ritchie und den Kindern in London residiert, war stets Projektionsfläche für die Sucht nach Zeichen und Codes der popkulturell Bewegten in mittlerweile zweiter Generation. Ihre vielfachen Wandlungen, oftmals ehrfürchtig "Neuerfindungen" genannt, waren immer Bündelungen untergründiger Mode- und Trendströme, die von Madonna kongenial personifiziert und massentauglich gemacht wurden. Ob Tüllbänder im Haar oder Cowboystiefel und Chaps - was Madonna an Stilmitteln am Leibe trug, war wenig später auf den Straßen als Jedermann-Mode zu sehen. (... ) Ihr Markenzeichen - und der Schlüssel zu ihrer langjährigen Vormachtstellung in der Popwelt - ist das Setzen von Trends, nicht das Aufspringen auf bereits fahrende Züge. Das Gespür der professionellsten Frau im Showgeschäft für den Zeitgeist scheint untrüglich, zu Not kreiert sie ihn einfach selbst. Spätestens seit ihrem letzten Comeback mit "Ray Of Light" (1998) ist Madonna eine Pop-Ikone, von der selbst Andy Warhol nicht zu träumen gewagt hätte. (Der Spiegel [http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,384168,00.html])
- Zu süß. Zu eng. Zu rosa. Schon jetzt sieht die Reise, die Madonna bis hierher geführt hat, über weite Strecken wie ein Irrweg aus. Es war eine Reise hin zum „guten Geschmack“, zur Selbstverfeinerung und zur angeblichen spirituellen Reifung, weg von der Straßengöre mit den musikalischen Killerinstinkten, hin zur britischen Landhaus-Lady mit Kabbala-Bewusstsein und pseudoenglischem Akzent. Jedes Mal, wenn man ihr wieder ein Stück „reifes Künstlerinnentum“ bescheinigte, war ein Teil des originären Madonnentums verloschen – und konnte, wie man im Rückblick sieht, durch nichts annähernd Gleichwertiges ersetzt werden. Warum Madonna in Interviews so wahnsinnig verspannt wirkt, ob ihr 47 Jahre alter Hintern mit diesem rosa Aerobicsuit aus dem Video wirklich noch passend bekleidet ist, was jüdische Rabbis zu einem ihrer Songs sagen, dessen Text ohnehin völlig obskur bleibt – wen interessiert das schon? Sie hat uns hier wieder Momente des reinen musikalischen Glücks geschenkt, das ist alles, was zählt – und genauso muss es sich anfühlen, wenn ein neues Madonna-Album im Laden steht. Süddeutsche Zeitung [http://www.sueddeutsche.de/kultur/artikel/104/64040/]
- Madonna, das ist immer das visuelle Bild ihrer jeweiligen Inkarnation. Kate Bush ist Klang. Madonna personifiziert heute noch den kommerziellen Ehrgeiz, Kate Bush den künstlerischen. Deshalb hätte es ohne die aggressiven Selbstvermarktungsstrategien einer Madonna keine Courtney Love oder Gwen Stefani gegeben - sie mag als postfeministisches Geschäftsmodell in Erinnerung bleiben, als Musikerin sicherlich nicht. TAZ [http://www.taz.de/pt/2005/11/01/a0138.nf/text.ges,1]
- Effekte mit Modernitätswitz: Über so viel Modellkraft verfügt nur noch sie. Michael Jackson und Prince, die Kontrahenten aus den Achtzigern, haben sich in Scharmützeln gegen die Plattenindustrie und anderen, nicht mehrheitsfähigen Aktionen aufgerieben, Vergleichbares ist nicht nachgewachsen. Marilyn und Lady Di weilen auch nicht mehr unter uns. Die Bereitschaft von Fans wie Fachpresse, der seit Montag endlich erhältlichen CD entgegenzufiebern, gilt einer letzten großen Einigerin der zersplitterten Popkultur. Der Rest des Volkes nimmt qua Klatschspalte die Botschaft entgegen, dass Glück, Glanz, Ruhm, Kinder und Karriere eben doch zusammengehen, vorausgesetzt, man packt die Sache souverän genug an. (... ) Ihre Musik ist Pop, ihr Outfit ist Pop, ihr Leben ist es auch, und das seit bald zwei Jahrzehnten. So lange betreibt sie das harte Geschäft des Berühmtseins schon. Vielen, insbesondere jungen Frauen, die mit den eigenen Verhältnissen nicht recht einverstanden sind, ist dieses Gesicht vertrauter als die garstige Familie. Sogar der kleine Spalt zwischen ihren vorderen Schneidezähnen hat etwas Ikonisches, das nach Ausleuchtung schreit. Madonna verstehen ist ein Intellektuellensport, Madonna sehen ein Volksvergnügen. Die Zeit [http://www.zeit.de/2000/39/200039_madonna.xml]
- Brauchen wir Madonna überhaupt noch? Allerdings. Denn so wie Andy Warhol Dinge über Kunst und Gegenwart gewußt hat, die Duchamp in hundert Jahren nicht erraten hätte, verbindet Madonna das Händchen für unbesiegbare Stampfer und Brüller nach wie vor mit Mutterwitz und großem Feldherrinnenknall auf eine Weise, hinter der man schon höheren Beistand vermuten muß. (... ) Seit sie so groß wurde, wie sie ist, will jeder kleine Wurstel sie straucheln sehen und raunt davon, daß sie es jetzt aber wirklich zu weit treibt, mit dieser Filmrolle, diesem Kinderbuch, dieser Platte, dieser Sekte. Manchmal wankt sie, manchmal zittert sie. Aber das Hochseil ist eine schwingende Saite. Madonna kommt zurecht damit. Sie wohnt da oben.. Frankfurter Allgemeine Zeitung [http://www.faz.net/s/RubE219BC35AB30426197C224F193F54B1B/Doc~E7FDC4A7A88CD4FF0A7D24A8865F1AD4E~ATpl~Ecommon~Sspezial.html]

Hintergrund

Brennende Kreuze und rote Bändchen Madonnas konservativ katholische Erziehung hatte prägende Auswirkungen auf ihr Privatleben, wie auf ihre Karriere. Medienwirksam fühlte sich Madonna verpflichtet, ihrem Namen alle Ehre zu machen – und alle Tabus des Katholizismus zu brechen, nachdem Versuche, nach ihm zu leben gescheitert waren. Die kurze Zeit in einer Klosterschule hatte Madonna schnell gelehrt, dass sie von ihrem Leben ganz andere Vorstellungen hatte, als sich in Demut zu üben und sich deren Welt zu unterwerfen. Und so etablierte Madonna in den Achtzigern Kruzifixe als Mode-Accessoires, ließ einen schwarzen Jesus in ihrem Video wiederauferstehen, während sie vor brennenden Kreuzen tanzte ("Like a Prayer"), widmete "The Immaculate Collection" (Die unbefleckte Sammlung) dem Papst – und ließ in "The Beast Within" zu altbiblischen Texten tanzen. Zu ihrer "Blond Ambition Tour" wurde dann Protest aus dem Vatikan laut – ihre anzügliche Show fand dort offensichtlich keinen Anklang. Es war Madonna sehr wohl bewusst, dass sie schockierte und provozierte. Jedes Album hatte seine kalkulierten Skandale. Anfangs geschah das wohl eher zufällig, als sie den harmlosen Popsong "Like a Virgin" (1984) im Brautkleid bei den MTV Awards präsentierte. Ein Raunen ging durch Amerika – und die ersten Elternverbände entrüsteten sich. Als kurz darauf ihre alten Aktaufnahmen durch die Presse gingen, zeigte sich Madonna getroffen und verletzt: Sie präsentierte sich hochgeschlossen "in Sack und Asche" ("Live Aid", 1985, "Live To Tell", 1986), bis sie sich kurz danach offensichtlich dazu entschloss, in die Offensive zu gehen: Mit den Video-Skandalen zu "Like a Prayer" (1989), "Express Yourself" (1989) und "Justify My Love" (1990), zeigte Madonna, dass sie die Klaviatur der Pressemanipulation perfekt beherrschte – und die zeigte sich dankbar, ob des auflagensteigernden Materials, das Madonna in den folgenden Jahren bot. Nach ihrer ersten Schwangerschaft (und einer kommerziell wenig erfolgreichen Zeit) entdeckte Madonna Ende der Neunziger Jahre den Buddhismus und kurz danach auch die Lehre der Kabbalah, welche ihr vor allem durch ihren Künstlerkollegen Sting nähergebracht wurden. Auf der Suche nach Erneuerung und neuen Wegen entdeckte Madonna gleichzeitig einen neuen Modetrend: Ethno & Esoterik. Diese fanden ihre marktgerechte und weltweite Verbreitung sogleich in den folgenden Alben und Videos (z.B. "Ray of Light", "Frozen" & "American Life"). Fasziniert von der Geheimlehre und Mystik der altjüdischen Kabbalah, die nach spiritueller Erfüllung strebt, unterstützt Madonna das europäische Kabbalah-Zentrum in London mit Millionenbeträgen. Außerdem wirbt sie als einflussreiche Botschafterin unter ihrem selbstgewählten Namen "Esther", neue Mitglieder. Und das sehr erfolgreich, denn eine große Anzahl prominenter Kollegen (u. a. Britney Spears, Demi Moore, Mick Jagger oder Paris Hilton) folgten diesem Trend. "Böse Zungen" behaupten, dass es vielen dabei nur um die modischen roten Bändchen (50 US-Dollar) ging, die man als Jünger am Handgelenk tragen darf (ein Trend, der wieder in die Modegeschichte einging). Madonnas Bedürfnis, bekannte Prominente, wie Fans zur Kabbalah zu bekehren, trifft die Reaktion von Plakaten einiger Fans zur letzten Tour: "Madonna don't preach!". In der Tat gehen Madonnas propagandistische Texte (vor allem auf dem Album "American Life" und im besonderen der Kinderbücher) sehr weit in Richtung Rekrutenwerbung – was auch offiziell Madonnas Titel ist: "Recruiting Sergeant" des Kabbalah-Centre London. Seine sektenähnliche Struktur ist äußerst umstritten: Nach Mitgliederangaben ist es ein teurer Spaß, durch das sogenannte "Tor der Wunder" gehen zu dürfen. Nicht weniger als zehn Prozent des Einkommens sind an das Kabbalah-Zentrum zu spenden. Kämpferin und Trendsetterin Das Phänomen Madonna währt nun seit über 20 Jahren. Madonnas musikalisches Schaffen ist schwer zu bestreiten: Alte, wie neue Songs laufen in Radio und Diskotheken und werden regelmäßig gecovert. Ihre Songs sind Klassiker des Pop und Madonna hat wohl jeden großen nationalen und internationalen Preis für ihr musikalisches Werk erhalten. Sie ist Grammy-Preisträgerin und Mitglied der ehrwürdigen Rock'n Roll Hall Of Fame – und doch haftet ihr noch immer der Ruf an, dass ihr einziges Talent darin bestehe, sich selbst zu vermarkten. Madonna polarisiert seit ihren Anfängen gewaltig und ließ niemals daran zweifeln, dass sie an die Spitze wollte. Es gab nur wenige weibliche Persönlichkeiten, die derart konsequent ihren eigenen Weg gingen, ohne letztlich daran zu zerbrechen. Madonnas Gegner waren von ihrer Kindheit an vorgegeben: Konservative und christliche Extremisten, deren Welt Madonna durch Freizügigkeit und weiblichem Ehrgeiz ins Wanken brachte. Madonna brachte es mit ihrer kreierten Redewendung "Blond Ambition" auf den Punkt – das Motto und der Name ihrer Welttournee 1990. Ungerührt forderte Madonna ihren Platz in einer Männerwelt, in der niemand bereit dazu war, seinen Stuhl (für eine Frau) zu räumen. In einem Amerika nach dem 11. September 2001 wirkte Madonna gefährlicher denn je. Sie wurde als "unamerikanisch" gebrandmarkt, nachdem sie offen Position gegen den "Kreuzzug" (Zitat, George W. Bush) der USA bezogen hatte. Madonna gefiel sich meist in der Rolle der einsamen Kämpferin, der Außenseiterin, die nach eigenen Regeln spielt. Und das war wohl ein Grund dafür, dass sich Jugendliche, Yuppies, Normalos oder Randgruppen mit Madonna identifizieren konnten – unabhängig davon, ob sie Madonnas Musik mochten oder nicht. Titel wie "Spotlight", "Express Yourself", "Human Nature" oder "What It Feels Like for a Girl" sollten das Mauerblümchen am Rand der Tanzfläche aufwecken, das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Viele Stars, wie Britney Spears, Christina Aguilera, Gwen Stefani, Missy Elliot oder Jennifer Lopez gaben an, stark von Madonna beeinflusst zu sein, zumal die meisten jungen Pop-Sängerinnen als "neue Madonna" ihre Karriere begannen – und noch heute beginnen. Madonna hatte von Anfang an ein sehr gutes Gespür dafür, was "In" ist und der nächste Trend sein würde – und wirkte immer richtungsweisend für den aktuellen Mode- und Musikgeschmack. Damit lag sie, bis auf ihre "Sex-Phase" in den Neunzigern, fast immer richtig. Kurioserweise ist das die Phase, die ihr Image am meisten mitgeprägt hat, während sie in keiner anderen Zeit ("Erotica") weniger Erfolg in den Charts hatte. Ob bauchfreie Mode ("Lucky Star"), Kreuze und Lederarmbändchen ("Like A Virgin"), Posieren auf der Tanzfläche ("Vogue"), Henna-Tattoos ("Frozen"), Cowboy-Outfit ("Music"), Schottenrock (Drowned World Tour) oder rote Kabbalah-Bändchen... Die Welt blickt auf Madonna, um keinen neuen Trend zu verpassen – während Madonna gleichzeitig aufkommende Trends aufnimmt, um sie marktgerecht zu präsentieren. Es mag ein Zufall sein, dass sich kurz nach Madonnas Schwangerschaften viele Stars und Sternchen in anderen Umständen befanden... Madonna war Marilyn Monroe, Minnie Maus, Elvis Presley, Marlene Dietrich, Sharon Stone, Evita Perón und Versace-Model – im Gegensatz zu den meisten Prominenten, von denen man ein festes Bild im Kopf hat, ist Madonnas Bild eher ein sich morphendes Gebilde. Ist sie die Schlampe im Brautkleid?, die weißblonde Monroe-Karikatur?, das Sexsymbol mit den goldenen konischen Brüsten auf dem Korsett?, der Cowboy-Pimp?, die Kabbalah-Esther?, die biedere Kinderbuchtante? Madonnas Bild sind viele. Karikiert oder parodiert man Madonna, dann ist es ein altes Bild, das die aktuelle Madonna nie trifft – sie ist längst eine "neue Madonna", die sich selbst überzeichnet (z. B. "Material Girl", "Hanky Panky", "Human Nature", "Music", "American Life" oder "Hollywood"). Madonna war paradoxerweise immer dann am erfolgreichsten, wenn ihre "Rolle" ihrer eigenen Person am nächsten kam, musikalisch, wie im Film. Kunstprodukt oder Künstlerin? Ist Madonna nur ein Kunstprodukt der Plattenindustrie? Einem männlichen, erfolgreichen Musiker, der seine eigenen Songs schreibt, über 20 Jahre erfolgreich Alben verkauft und die größten Stadien füllt, würde man diese Frage niemals stellen. Es ist wohl eher der unterschwellige Sexismus in einer von Männern dominierten Welt, der es einer Frau auch im 21. Jahrhundert nicht erlaubt, in der selben Liga der Männer zu spielen. Auch Elvis Presley, Mick Jagger oder David Bowie nutzten sehr bewusst ihren Sexappeal und inszenierten sich. Im Gegensatz zu Madonna wurde deren musikalische Relevanz deshalb allerdings weniger in Frage gestellt. Es ist wohl eher so, dass allen außergewöhnlich erfolgreichen Musikerinnen der Makel des "Unbequemen" anhaftet. Etwas, was sie mit z. B. Politikerinnen oder Managerinnen gemein haben. Ihre bloße Existenz ist Provokation. Kreiert/erfindet Madonna sich wirklich jedes Mal selbst? Tatsache ist, dass Madonna im Laufe ihrer Karriere stets Trends aufgegriffen und für ein Massenpublikum kompatibel gemacht hat. Madonna war niemals ein Produkt der Musikindustrie – sie war eine der wenigen, die selbst über sich entscheiden konnten und ihr eigenes Image geprägt haben – und keine Vorgaben von Plattenbossen oder Managern befolgen mussten, weil sie sich relativ früh unabhängig machen konnte. Sie gründete ihr eigenes Label "Maverick" (was sie 2002 nach einem Streit mit der Mutterfirma Warner Brothers gewinnbringend verkaufte). Nachdem sie Mutter wurde, vollzog sie ihren größten Wandel. Sie begann ihre Musik und nicht mehr sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen - eine erwachsene, geläuterte Madonna? Heute sagt sie, dass es ihr wirklich nur darum ging, Aufmerksamkeit zu erregen – und zeigt erstmals Reue, obwohl sie vormals die Parole "I'm not sorry!" und "Absolutely no regrets!" ("Human Nature") skandiert hatte. Madonna ist mit Höhen und Tiefen seit einem Viertel Jahrhundert an der Spitze des Musikgeschäftes und führt ein unspektakuläres Privatleben mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern zwischen London und New York. Sie arbeitet bis zu 17 Stunden jeden Tag an ihren Alben, Filmen, Büchern und daran, dass ihre Ehe funktioniert, wie sie selbst sagt.

Musik

Sängerin und Musikerin

Madonna spielt neben Keyboard und Schlagzeug auch Gitarre, was sie während ihrer letzten Tourneen und Performances als festen Teil der Bühnenshows einbaute. Ihre "perfekt produzierten Popsongs", die sie meist in Zusammenarbeit mit renommierten Produzenten (Nile Rodgers, Stephen Bray, William Orbit, Lenny Kravitz, Shep Pettibone, Mirwais u. a.) schrieb, spiegeln den Zeitgeist wider und dokumentieren auch ihre persönliche Weiterentwicklung, deren Schwerpunkt in ihrer Spiritualität und ihrer – wenn auch schwierigen – Liebe zu ihrer Familie liegen, was sich in den sehr persönlichen Texten zeigt. Ihre persönliche Entwicklung lässt sich gut am Stil ihrer Alben erkennen. Die ersten Jahre waren vom schwarzen Funk beeinflusst (Madonna, Like a Virgin), danach folgten die leichteren Jahre des Pop, über erste ambitioniertere Gehversuche („Like a Prayer“, „I'm Breathless“) über Black/Soul mit typischen Hiphop-Beats („Erotica“, „Bedtime Stories“) hin zu experimentellem Electronica („Ray of Light“, „Music“, „American Life“), den sie mit eingängigen Melodien und ausgefeilter Produktion massentauglich machte. Unter den besten 500 Songs aller Zeiten nennen die US-amerikanische und die deutsche Ausgabe der Musikzeitschrift "Rolling Stone" auch die Madonna/Pat Leonard -Komposition "Like a Prayer". Madonna hat nicht das beeindruckende Stimmvolumen einer Whitney Houston oder Mariah Carey. Noch in den ersten Jahren wurde Madonnas Stimme gar eine Oktave höher aufgenommen, was sie die Presse mit einer „Minnie Mouse auf Helium“ vergleichen ließ – und Liveauftritte ohne Playback nahezu unmöglich machte. 1989 überraschte Madonna mit „Like a Prayer“. Ihre Stimme war merklich gereift und dunkler – und auch bei Liveauftritten konnte Madonna mehr überzeugen. Etwas, was sie 1996 (mit Hilfe eines Gesangslehrers) steigern konnte – und auch musste, denn Andrew Lloyd Webber bestand darauf, dass der Soundtrack zu seiner Musicalverfilmung „Evita“ live mit Orchesterbegleitung aufgenommen werden sollte. Nach drei Monaten intensivem Gesangsunterricht war es soweit: Madonna konnte von nun an auch live überzeugen. Zuletzt beim Live 8 Konzert am 2. Juli 2005: 2 bis 3 Milliarden Menschen sollen die weltweiten Fernsehübertragungen verfolgt haben. Kritiker warfen Madonna "eine gewisse Ziellosigkeit" vor, doch gerade dieses Talent, sich und ihre Musik ständig wieder neu zu erfinden – und immer wieder interessant zu machen, ist Bestandteil ihres andauernden Erfolges, der sie seit über 20 Jahren zu einer der erfolgreichsten Entertainerinnen macht. Madonna schreibt ihre Lieder meist mit den "angesagtesten" Produzenten der Musikszene. Etwas, was gerade in die oft sehr persönlichen Liedtexte einfließt. Während die Alben bis 1987 vor allem dem Thema Party und Spass am Leben zelebrierten, begann mit „Like a Prayer“ 1989 eine sehr viel persönlichere und ruhigere Periode. Madonnas Erfahrungen und Gefühle finden sich "schonungslos" in den Texten, was auch bei ihrem öffentlich ausgetragenen Scheidungskrieg, mit dem damaligen Ehemann Sean Penn nicht Halt machte („Till Death Do Us Part“). Den Tod der Mutter verarbeitete sie in „Promise to Try“ und das schwierige Verhältnis zum Vater mit der Ballade „Oh Father“. Die "Sex-Eskapaden" führten durch "Erotica" und "Bedtime Stories" – Versuche, im Bereich der amerikanischen Radiocharts Fuß zu fassen, die von Rhythm & Soul und vor allem Hip Hop-Beats dominiert werden - und sich als anspruchsvolle Musikerin Respekt zu verschaffen. Madonna fand hier wenig Akzeptanz und so liefen Alben und Singles nicht so gut wie erwartet (die amerikanische Nummer Eins "Take A Bow" resultierte eher aus der Popularität des Duettpartners Babyface – in anderen Ländern floppte die Single eher). Die "sexualisierte" Madonna war auch unter Fans umstritten – populär blieb Madonna dagegen in den Diskotheken, in denen die Singles in gewohnt poppigen Versionen gespielt wurden. Madonnas Wunsch, bei Kritikern als Musikerin respektiert zu werden gipfelte in "Ray of Light" ihrem bisher erfolgreichsten Album, was die Reputation in der Fachpresse anbelangt. Während sich die letzten Alben (auch textlich) in oberflächlicheren Bahnen bewegten wurde "Ray Of Light" von Spiritualität und der "Sucht nach Selbsterkenn