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Wenzel

Wenzel

]] Wenzel ist
- ein männlicher Vorname (Langform Wenzeslaus, Nebenform Wentzlaff) als eingedeutsche Form des tschechischen Vornamens Václav bzw. Venceslav = der Ruhmgekrönte; Varianten: russisch Wjatscheslaw, ungarisch Vencel, polnisch Wacław.
- ein Familienname
- eine Spielkarte im deutschen Kartenspiel, auch Unter, Junge (Pendant zum Buben in französischen Kartenspiel)

Personen mit Vornamen Wenzel

Siehe auch: Liste der Herrscher namens Wenzel
- Wenzel von Böhmen, böhmischer Herrscher und Nationalheiliger
- Wenzel von Olmütz, spätmittelalterlicher Kupferstecher und Goldschmied
- Václav Hanka (1791-1861), Sprachwissenschaftler und Entdecker/Fälscher der Königinhofer Handschrift
- Václav Havel (
- 1936), tschechischer Schriftsteller und Staatsmann
- Wenceslaus Hollar (1607-1677), Zeichner
- Wenzel Jaksch (1896-1966), deutscher (bis 1939 böhmischer) sozialdemokratischer Politiker
- Wenzel Jamnitzer (um1507/1508-1585), berühmtester Goldschmied seiner Zeit
- Johann Wenzel Kalliwoda (1801-1866), deutsch-böhmischer Komponist und Violinist
- Wenzel Anton Graf Kaunitz (1711-1794), ein österreichischer Politiker
- Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773-1859), österreichischer Staatsmann.
- Wenzel Parler (Ende 14./Anfang 15. Jh.), Steinmetz und Dombaumeister
- Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz (1766-1858), österreichischer Feldherr
- Wenzel Scholz (1787-1857), österreichischer Schauspieler
- Václav Šimerka (1819-1887), böhmischer Mathematiker
- Johann Wenzel Anton Stamitz (1717-1757), böhmisch-deutscher Musiker
- Wenzel Storch, (
- 1961), deutscher Filmregisseur und -produzent
- Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein (1583-1634), Feldherr im Dreißigjährigen Kriege (Wallenstein)

Personen mit Familiennamen Wenzel


- Hanni Wenzel, (
- 1956), alpine Skirennfahrerin
- Hans-Eckardt Wenzel (
- 1955), deutscher Lyriker, Sänger und Regisseur
- Hans Jürgen Wenzel, (
- 1939), deutscher Komponist und Dirigent
- Stefan Wenzel, (
- 1962), deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) Kategorie:Familienname Kategorie:Männlicher Vorname

Tschechische Sprache

Tschechisch ist eine Sprache aus dem westslawischen Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Sie wird von ca. 12 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen (Stand 1999), von denen ca. 10 Millionen in Tschechien leben, wo es die Amtssprache ist. Seit dem 1. Mai 2004 ist Tschechisch auch eine Amtssprache der EU. Die Wissenschaft, die sich mit der tschechischen Sprache befasst, ist die Bohemistik. Tschechisch und Slowakisch sind gegenseitig gut verständlich (siehe dazu unter slowakische Sprache). Schriftlich sind die beiden Sprachen am einfachsten durch den Buchstaben ř unterscheidbar, den es nur im Tschechischen gibt (zur Aussprache siehe unten). Der ebenso geschriebene Laut des Obersorbischen wird heute nach t wie tsch oder c, sonst wie sch gesprochen. Die Aussprache des Tschechischen gilt als schwierig, einerseits wegen der Zischlaute und des ř, andererseits weil r und l eigene Silben bilden können (z.B. wird der Ortsname Brno, dt. Brünn, zweisilbig gesprochen). Dadurch sind Sätze wie Strč prst skrz krk möglich, die offensichtlich keine Vokale enthalten.

Grammatik

Tschechisch ist eine stark flektierende Sprache mit sieben grammatischen Fällen (Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Lokativ, Instrumental) im Singular und Plural. Im Akkusativ Singular und Nominativ Plural der Maskulina gibt es unterschiedliche Formen für belebte (Belebtheitskategorie) und unbelebte Wesen. Die Substantiva haben in jedem der drei Genera mindestens vier Grundformen. Das Verbum verfügt über die Kategorien von Aspekt (perfektiv und imperfektiv) und Tempus (Präsens, Futur, Präteritum), Person, Numerus und Modus (Imperativ, Konditional). Die Deklinierung und Konjugierung erfolgt mittels Endungen (und/oder kleine Änderungen im Stamm), deren Bildung sehr vielfältig und nicht immer regelmäßig und somit sehr schwer erlernbar ist. Die Wortfolge ist relativ frei und ermöglicht stilistische Differenzierungen. Im Tschechischen werden viele Adjektive und Partizipien nicht nur nach Genus, Numerus und Kasus abgewandelt, es wird zusätzlich zwischen langen und kurzen Formen unterschieden. Im Unterschied z.B. zum Serbokroatischen oder den baltischen Sprachen können kurze Formen nur prädikativ verwendet werden und weisen ein reduziertes Paradigma auf. Während die Kurzformen von Adjektiven meist in gehobenem Stil benützt werden, ist die Verwendung der Kurz-/Langformen von Partizipien im periphrastischen Passiv auch in der Umgangssprache bedeutungsunterscheidend, z.B. okno bylo zavřeno (Vorgangspassiv: das Fenster wurde geschlossen) vs. okno bylo zavřené (Zustandspassiv: das Fenster war geschlossen).

Alphabet

Tschechisch wird mit dem lateinischen Alphabet geschrieben, durch diakritische Zeichen differenziert. Beim Sortieren und in Verzeichnissen (Telefonbuch) und Wörterbüchern werden die Zeichen: Č, Ch, Ř, Š, Ž als selbständige und eigenständige Buchstaben behandelt (das Ch folgt dem Buchstaben H); das tschechische Alphabet hat demzufolge ganze 34 statt nur 26 Buchstaben. :nota bene: Da die diakritischen Zeichen im Web nicht immer korrekt dargestellt werden, werden tschechische Namen (Orts- und Personennamen) oft ohne sie geschrieben, es gibt auch zahlreiche tschechische Webseiten, die heute noch bewusst ganz auf die diakritischen Zeichen verzichten. Teilweise wird dem Besucher (Benutzer) die Wahl überlassen - "Diakritik ein oder ausschalten?" In der westlichen Presse werden dagegen viele Zeichen oft falsch (oft genau umgekehrt) verwendet. Für die Suche im Web braucht es sie meistens nicht, manche Suchmaschinen können mit Sonderzeichen schon gar nichts anfangen. Vollständig lautet das tschechische Alphabet: A, (Á), B, C, Č, D, (Ď), E, (É), (Ě), F, G, H, Ch, I, (Í), J, K, L, M, N, (Ň), O, (Ó), P, Q, R, Ř, S, Š, T, (Ť), U, (Ú), (Ů), V, W, X, Y, (Ý), Z, Ž. Die in Klammern gesetzten Buchstaben werden beim Sortieren so behandelt wie der ihnen vorhergehende Buchstabe. So steht dann beispielsweise pět (= fünf) vor petrklíč (= Schlüsselblume). Wenn sich zwei Wörter nur durch die beiden verwandten Buchstaben unterscheiden, steht zunächst das Wort mit dem einfachen Buchstaben und dann das andere, also etwa pas (= Pass) vor pás (= Gürtel). Ě, Ů und Ý kommen nie am Wortanfang vor, deshalb sind die entsprechenden Buchstaben sehr selten und werden nur dann verwendet, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird (z.B. MĚSTO).

Die tschechischen Laute

Vokale

Es gibt kurze und lange Vokale. Ferner können im Tschechischen die Konsonanten r, l und (selten) m Silben bilden, so gibt es auch Wörter, die nur aus Konsonanten bestehen, vgl. etwa krk "Hals" oder blb "Blödmann".

Diphthonge

Im Tschechischen gibt es die Diphthonge ou, au und eu. Der Diphthong ou ist auch in tschechischen Wörtern häufig, au und eu kommen nur in Fremdwörtern oder Interjektionen vor - in tschechischen Wörtern bilden sie zwei Silben, z.B. in neučím "ich lehre nicht", das dreisilbig gesprochen wird [].
- Der Diphthong au wird wie im Deutschen ausgesprochen, z.B. auto [].
- Bei der Aussprache des Diphthongs ou werden ein offenes o und ein unsilbisches offenes u verbunden, vgl. moudrý "weise" als [], auf keinen Fall darf – wie in französischen Lehnwörtern im Deutschen – nur ein Vokal gesprochen werden (vgl. Souterrain []).
- Bei der Aussprache des Diphthongs eu werden ein offenes e und ein unsilbisches u verbunden, vgl. Leukemie [ˈlɛʊ̯kɛːmɪɛ], auf keinen Fall darf wie im Deutschen oi [ɔʏ̯] gesprochen werden.

Konsonanten

In der tschechischen Rechtschreibung unterscheidet man sog. harte, neutrale und weiche Konsonanten. Weich ausgesprochen (wie in anderen slawischen Sprachen wie dem Russischen) werden aber nur die Konsonanten ť, ď und ň. Für die Rechtschreibung und die Deklination ist diese Einteilung sehr wichtig. Die Kinder lernen daher in der Grundschule zum einen die Reihen der harten und neutralen Konsonanten wie das Alphabet aufzusagen und zum anderen jene Wörter mit neutralen Konsonanten aufzusagen, in denen ein [i] als y geschrieben wird (so genannte vyjmenovaná oder vybraná slova bzw. "ausgewählte Wörter"). Erwachsene haben aber meistens die Rechtschreibung bereits "automatisiert" und brauchen diese Reihen nicht mehr.

Sog. harte Konsonanten

Die 8 harten Konsonanten sind: In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten ein [i] wie y.

Sog. weiche Konsonanten

Die 9 weichen Konsonanten sind: Anmerkung: ď wird handschriftlich als dˇ, ť als tˇ geschrieben. In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten ein [i] wie i.

Sog. neutrale Konsonanten oder Zwitterlaute

Die 8 neutralen Konsonanten sind: In der Rechtschreibung schreibt man nach diesen Konsonanten in "ausgewählten Wörtern" und einigen Fremdwörtern ein [i] wie y, sonst wie i.

Aussprache

Das reglementierte Hochtschechisch (entsprechend der Schriftform) wird bei offiziellen Anlässen gesprochen (z. B. Nachrichten im Rundfunk, TV, Festreden), die tatsächlich gesprochenen Mundarten weichen jedoch oft stark davon ab, sowohl in der Aussprache als auch in der Grammatik.

Grundregeln


- Im Tschechischen wird grundsätzlich die erste Silbe des Worts betont.
- Die mit der so genannten čárka (Akut) gekennzeichneten Buchstaben (á, é, í, ó, ý, ú, sowie ů) werden lang ausgesprochen. Lange und betonte Silben fallen oft nicht zusammen.
- Die mit dem so genannten háček (Häkchen) gekennzeichneten Buchstaben sind entweder Zischlaute (š, č, ž, ř) oder sie werden weich ausgesprochen, d.h. mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert (dies im Falle von ť, ď, ň).
- ě wird wie je gesprochen, außer nach d, t und n, wo es deren Erweichung auslöst.
- Vor ě und i werden die Konsonanten d, t und n weich ausgesprochen, d.h. mit einem Anklang an ein j hinter dem Konsonanten artikuliert. Die Zunge geht dabei zum vorderen Gaumen. Im Folgenden eine Übersicht über die Aussprache einzelner Buchstaben und Buchstabenfolgen im Tschechischen:

- Statt ď/ť/ň+ e wird d/t/n+ ě geschrieben (und ď/ť/ň+ e ausgesprochen), wie in Německo [Njemecko], Deutschland).
- Statt ď/ť/ň+ i wird nur d/t/n+ i geschrieben (und ď/ť/ň+ i ausgesprochen), dy/ty/ny werden dagegen als di/ti/ni ausgesprochen;
- h wird immer ausgesprochen (kein stummes "h" wie im Deutschen!; z.B. husa [hussa] = Gans), ck = c + k (kein hartes k!), sch = s + ch (kein deutsches sch!), sp = s + p (kein deutsches s(ch)p!), st = s + t (kein deutsches s(ch)t!), eu = e + u (kein deutsches eu!; z.B. neutralita [ne-utralita]= Neutralität)
- ou ist ein Diphthong, der aus o und u besteht (Rakousko [Ra|kous|ko] = Österreich). Beide Bestandteile befinden sich in einer Silbe und werden daher zusammen ausgesprochen, wie im deutschen au bei Auto, wobei man jedoch mehr vom u hört, als vom o (etwa wie Rakusko mit nur ganz schwach angedeutetem o).

Tschechische Schrift und ihre diakritischen Zeichen

So schreibt man sie im Web und in der Wikipedia: Siehe Tschechische Sonderzeichen

Zahlen

Beim einfachen Zählen (Kardinalzahlen) im Nominativ gilt für den zu zählenden Ausdruck:
- nach 1 kommt Nominativ Singular,
- nach 2, 3, 4 kommt Nominativ Plural,
- nach 5 und mehr kommt Genitiv Plural. Bei größeren Zahlen mit 1, 2, 3, 4 am Ende (z. B. 21, 103, 123, 2004 ...) ist nach 1 die erste, sonst die zweite Form grammatikalisch richtig, aber in der Praxis die letzte überwiegend gebräuchlich. Bei zusammengesetzten Zahlen (dvaadvacet) gilt immer die letzte Form. :0 - nula :1 - jeden (mask.), jedna (fem.), jedno (neutr.) :2 - dva (mask.), dvě (fem. u. neutr.) :3 - tři :4 - čtyři :5 - pět :6 - šest :7 - sedm (auch sedum - Volksmund) :8 - osm (auch osum - Volksmund) :9 - devět :10 - deset :11 - jedenáct :12 - dvanáct :13 - třináct :14 - čtrnáct :15 - patnáct :16 - šestnáct :17 - sedmnáct (auch sedumnáct - Volksmund) :18 - osmnáct (auch osumnáct - Volksmund) :19 - devatenáct :20 - dvacet :21 - dvacet jedna / jedenadvacet (auch jednadvacet) :22 - dvacet dva / dvaadvacet usw. :30 - třicet :40 - čtyřicet :50 - padesát :60 - šedesát usw. :100 - sto :200 - dvě stě (grammatikalische Ausnahme) :300, 400 - tři, čtyři sta :500, 600, ... - pět, šest, ... set :1000 - tisíc (jeden tisíc) :2000, 3000, 4000 - dva, tři, čtyři tisíce :5000, 6000, ... - pět, šest, ... tisíc

Uhrzeit

Kolik je hodin? - Wie spät ist es? Je ... (z.B. jedna hodina usw.) :1 Uhr - jedna hodina :2, 3, 4 Uhr - dvě, tři, čtyři hodiny :5, 6, ... Uhr - pět, šest, ... hodin

Preise

Co stojí ...? - Was kostet ... ? (Co to stojí - Was kostet das?) ... stojí jednu korunu. usw. :1 Krone - jedna koruna :2, 3, 4 Kronen - dvě, tři, čtyři koruny :5, 6, ... Kronen - pět, šest, ... korun

Wörter tschechischen Ursprungs


- Pistole: abgeleitet von der Bezeichnung für Feuerwaffen in den Hussitenkriegen, ursprüngliche Bedeutung Pfeife, Rohr (vgl. das heutige Wort píšťala)
- Roboter: künstliche Menschen aus Karel Čapeks sozialutopischem Drama R.U.R. (1921)
- rabotten: abgeleitet von robotovatfronen, rabotten
- Trabant: als drabant wurden Landsknechte zu Zeiten der Hussitenkriege bezeichnet

In Österreich (Auswahl)


- Tuchent (Federbett): von duchenka
- Buchtel (Dampfnudel): von buchta
- pomadig (langsam, dialektal): von pomalý
- plazen (weinen, dialektal): von plakat (on, ona, ono pláče – er, sie, es weint)
- Trafik (Tabakladen): von trafika
- Kuckeruz (Mais): von sladká kukuřice

Tschechische Wörter deutschen Ursprungs


- kšeft, ksicht: Dialektal aus Bayern von Geschäft, Gesicht.
- umgangssprachlich: švindlovat, vartovat, mašírovat für schwindeln, warten, marschieren. Auch Interjektionen wie au, pšt und no jo sind dem Deutschen sehr ähnlich. hajzl = Toilette (Dialektal aus Österreich, Bayern). Ich gehe auf das Haisl. = Jdu na hajzl. Eine Übersicht vieler im Tschechischen noch benutzen Germanismen als kostenlosen Download auf [http://www.tandem-org.de/ www.tandem-org.de] unter "Fremdsprachen".

Weblinks


- Tschechisches Nationalkorpus: Die Prager Karlsuniversität bietet für Forschungszwecke verschiedene, über Internet zugängliche Textkorpora: http://ucnk.ff.cuni.cz (Textsammlung)
- [http://slovnik.seznam.cz/ Wörterbuch zwischen tschechisch und dt / en / it / fr/ es / ru]
- [http://www.slovnik.cz/ Noch ein Wörterbuch, zusätzlich mit Latein]
- [http://archiv.radio.cz/deutsch/gesagt/index.html Eine Einführung in die tschechische Sprache mit Tonausgabe (Realplayer)]
- [http://www.tandem-org.de/seite_108.html Sprachanimation - spielerische Vermittlung des Tschechischen auf www.tandem-org.de]
- [http://www.nj.cz/cestina.htm Tschechisch per Internet]
- [http://www.eki.ee/letter/chardata.cgi?lang=cs+Czech&script=latin alle notwendigen Details zu der tschechischen Schrift, UniCode, HTML, Adobe, ISO, CodePage...]
- [http://www.uebersetzung.at/twister/cs.htm tschechische Zungenbrecher]
- [http://www.bohemica.com/czechonline/conversation/ Online-Kurs mit Sound: Ausspracheregeln, Konversation, Real Audio, engl.]
- [http://archiv.radio.cz/php/parse.phtml?start=/english/language/ Besonderheiten des Tschechischen, 36 Folgen von Radio Prag, Real Audio, engl.] Kategorie:bohemistik Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Alphabet Kategorie:Slawische Sprache ja:チェコ語 ko:체코어

Russische Sprache

Die russische Sprache (früher auch Großrussisch genannt) ist die slawische Sprache mit den meisten Sprechern. Sie bildet zusammen mit dem Ukrainischen (früher auch als Kleinrussisch bezeichnet), dem Weißrussischen und dem Russinischen die Gruppe der ostslawischen Sprachen. Die russische Standardsprache beruht auf den mittelrussischen Mundarten der Gegend um Moskau. Russisch wird von etwa 180 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen, von denen etwa 130 Millionen in Russland leben. Es ist Amtssprache in Russland, Weißrussland (zusammen mit Weißrussisch), Kasachstan (zusammen mit Kasachisch) und der zur Ukraine gehörenden Autonomen Republik Krim (zusammen mit Ukrainisch). In diesen und weiteren Staaten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion ist es sowohl Muttersprache eines Teiles der Bevölkerung als auch Sprache eines großen Teiles des öffentlichen Lebens. Die russische Sprache ist ebenso eine verbreitete Sprache für Wissenschaft, Kunst und Technik. Zählt man die Zweitsprachler hinzu, kommt man auf etwa 300 Millionen Sprecher.

Alphabet

Russisch wird mit dem russischen Alphabet geschrieben (rus.: русский алфавит od. русская азбука), das dem kyrillischen Alphabet (rus.: кириллический алфавит od. кириллица) entstammt. Seit der letzten Rechtschreibreform im Jahre 1918 besteht das russische Alphabet aus 33 Buchstaben. Davon dienen 10 Buchstaben zur Wiedergabe der Vokale, und zwar: а, е, ё, и, о, у, ы, э, ю und я. Die übrigen 22 Buchstaben werden zur Wiedergabe von Konsonanten verwendet, wobei die Buchstaben ъ und ь nicht zur Nachbildung bestimmter, eingenständiger Laute, sondern als Indikatoren für die Härte oder Weichheit vorangehender Konsonanten dienen [mehr dazu siehe unter: Russische Phonetik]. Siehe auch: Russische Rechtschreibreform von 1918

Aussprache

Die Aussprache der russischen Sprache bezeichnet die Phonetik und die Phonologie der russischen Standardsprache. Im weiteren Sinne kann darunter auch die Aussprache in verschiedenen Varietäten (Dialekten und Mundarten) der russischen Sprache verstanden werden.

Tonalität

Russisch ist eine nicht-tonale Sprache, d.h. die Tonhöhe der Vokale hat keinen Einfluss auf die Bedeutung eines Wortes. Auch wie im Deutschen wird im Russischen innerhalb oder am Ende eines Satzes unterschiedliche Stimmhöhe benutzt, um z.B. einen Aussagesatz von einem Frage- oder Ausrufesatz kenntlich zu machen. Die Stimmhebung oder -senkung dient hier aber dazu, um die Bedeutung eines Satzes zu ändern oder dessen bestimmte Teile klanglich hervorzuheben. In tonalen Sprachen hingegen ändert der Ton die Bedeutung einzelner Wörter.

Wortbetonung

Die Betonung eines Wortes (der Wortakzent) hat im Russischen eine wichtige und häufig eine sinnunterscheidende Bedeutung. Falsch betonte Wörter können zu Verständnisschwierigkeiten führen, insbesondere dann, wenn sie aus dem sprachlichen Kontext isoliert oder einzeln ausgesprochen werden. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird die russische Wortbetonung u.a. als frei und beweglich bezeichnet. So werden z.B. durch die Verlagerung der Betonung innerhalb einiger russischen Wörter ihre unterschiedlichen Flexionsformen gebildet. Für eine ausführliche Darstellung siehe: Wortbetonung in der russischen Sprache

Phonetik

Die phonetische Struktur der modernen russischen Standardsprache zählt 42 bedeutungsunterscheidende Einzellaute (Phoneme), die sich wiederum in 6 Vokal- und 36 Konsonantenlaute aufteilen lassen. Das umfangreiche Phoneminventar des Russischen erklärt sich durch eine für slawische Sprachen typische Besonderheit der Aussprache, und zwar werden die meisten russischen Konsonanten sowohl hart als auch weich (palatalisiert) ausgesprochen. Hierbei handelt es sich aber nicht um so genannte Phone, sondern um einzelne Phoneme, denn jede dieser Aussprachevarianten ist bedeutungsunterscheidend. Einige russische Dialekte haben einen spezifischen Phonembestand, in dem einige Konsonanten vorwiegend hart bzw. palatalisiert oder etwas anders (z.B. guttural) ausgesprochen werden. Die Aussprache russischer Vokale und Konsonanten variiert in Abhängigkeit davon, welche Position sie in einem Wort einnehmen. Dabei unterscheidet man bei Vokalen zwischen einer betonten und einer unbetonten Position. So wird beispielsweise das "o" als [o] in betonter und als [a] oder ] in unbetonter Position ausgesprochen. Die Aussprache vieler russischen Konsonanten wird wiederum durch andere, ihm nachfolgende Konsonanten bestimmt. So werden u.a. alle stimmhaften Konsonanten nicht nur am Wortende stimmlos ausgesprochen, sondern auch dann, wenn sie einem anderen stimmlosen Konsonanten vorangehen. Im Unterschied zum Deutschen ist die Länge der Vokale im Russischen weder bedeutungsunterscheidend (wie z.B. in Stielstill) noch für die richtige Aussprache eines Wortes ausschlaggebend. Die betonten Vokale werden in der Regel halblang ausgesprochen. Die unbetonten Vokale sind dagegen kurz und unterscheiden sich häufig von den entsprechenden betonten Vokalen auch qualitativ. Im Russischen gibt es keine Diphthonge. Sowohl Doppelvokale als auch zwei unterschiedliche, aufeinander folgende Vokale werden stets als einzelne Laute ausgesprochen (wie z.B. in Kooperation, aktuell, Museum, geimpft). Für eine ausführliche Darstellung der russischen Phonetik siehe: Russische Phonetik

Grammatik

Wie die meisten slawischen Sprachen ist auch das Russische stark flektierend. In einer flektierenden Sprache ändert sich die Gestalt eines Wortes innerhalb diverser grammatischen Kategorien, und zwar einerseits durch Hinzufügung von Affixen (schwache od. äußere Flexion) oder durch Veränderung des Wortstammes (starke od. innere Flexion). Für das Russische sind die beiden Flexionsarten charakteristisch. Im Falle der starken Flexion verändert sich der Stamm vieler russischen Wörter bei deren Beugung (Deklination, Konjugation, Komparation), und zwar durch Ablaut (z.B.: мыть - мою, жевать - жуёт), Konsonantenverschiebung (z.B.: возить - вожу) oder Hinzufügung bzw. Wegfall der Stammvokale (z.B.: брать - беру, один - одна). Dabei können die Attribute der schwachen und der starken Flexion jeweils einzeln oder in Kombination miteinander auftreten (z.B.: жечь - жёг - жгу). Wortarten und deren grammatische Kategorien:
Auch wie im Deutschen werden im Russischen Substantive, Adjektive und Pronomen nach Kasus, Genus und Numerus gebeugt und Adverbien nur gesteigert. Russische Verben werden hingegen nicht nur nach Tempus und Numerus, sondern in der Vergangenheitsform auch nach Genus gebeugt. Anders als im Deutschen werden im Russischen auch Eigennamen (Personen-, Städte-, Ländernamen u.ä.) und Zahlwörter gebeugt. Außerdem kennt das Russische weder bestimmte noch unbestimmte Artikel. Für die Anzeige von Kasus, Genus und Numerus treten stattdessen zahlreiche Suffixe auf. Bei einer kleinen Gruppe russischer Wörter können grammatische Kategorien durch Verlagerung der Wortbetonung von einer auf die andere Silbe gebildet werden (mehr dazu siehe unter: Wortbetonung in der russischen Sprache). Weitere Wortarten im Russischen sind Präpositionen, Konjunktionen, Fragewörter, Interjektionen, Frage- und Modalpartikeln sowie die Verbpartikel «бы». In einem Satz bleiben sie immer ungebeugt. Substantive:
Das Russische kennt drei grammatische Geschlechter und sechs grammatische Fälle (Kasus). Bei der Deklination wird innerhalb der grammatischen Geschlechter weiterhin nach belebten (d.h. Lebewesen) und unbelebten (d.h. Sachen) Substantiven unterschieden. Verben:
Eine Besonderheit der meisten russischen Verben besteht darin, dass sie zwei unterschiedliche Formen haben, um eine Handlung im Zeitgeschehen als vollendet oder unvollendet zu spezifizieren. In der sprachwissenschaftlichen Literatur wird diese verbale Kategorie als Aspekt bezeichnet (mehr dazu siehe unter: Der Aspekt in der russischen Sprache). Tempus:
Im Unterschied zum Deutschen gibt es in der russischen Standardsprache nur eine Vergangenheitsform, die häufig als Präteritum bezeichnet wird. Diese Bezeichnung beschreibt aber lediglich die Art und Weise, wie die Vergangenheitsform russischer Verben gebildet wird. Diese erfolgt ausschließlich durch Änderung der Gestalt eines Verbs, wie etwa durch Anhängen spezifischer Suffixe, und nicht durch zusätzliche Nutzung von Hilfsverben, wie etwa von Verben „haben“ oder „sein“ im Deutschen. Syntax (Satzbildung):
Da das Russische stark flektierend ist, sind die gebeugten Formen vieler russischen Wörter oft einzigartig und entsprechen jeweils nur einer bestimmten grammatischen Kategorie. Deshalb ist die Verknüpfung einzelner Satzglieder im Russischen nicht so streng wie im Deutschen geregelt. So muss das Subjekt nicht notwendigerweise unmittelbar vor oder nach dem Prädikat gesetzt werden, ein Aussagesazt kann mit dem Prädikat anfangen oder enden. Innerhalb kurzer Sätze oder einzelner, geschlossener Satzteile kann die Wortfolge oft stark dennoch nicht willkürlich variieren, ohne dabei die Satzsemantik zu verändern. Insbesondere in der Poesie wird dieses besondere Merkmal der russischen Syntax häufig verwendet, indem Sätze zuweilen durch eine unübliche Umstellung der Wörter gebildet werden und somit die Reimfindung erleichtern. Einige Unterschiede zwischen den Satzbildungsregeln im Deutschen und im Russischen können durch folgende Beispiele veranschaulicht werden:

- Im deutschen Satz „Maria fragt Jan.“ wird die Satzsemantik durch die Reihenfolge [Subjekt] → [Prädikat] → [Akkusativobjekt] bestimmt. Die Substantive, in diesem Fall die Eigennamen „Maria“ und „Jan“, weisen keine grammatischen Merkmale auf, die sie als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen lassen. Deshalb, sobald man die beiden Substantive miteinander vertauscht, ändert sich die Bedeutung des Satzes im Deutschen: „Jan fragt Maria.“. Im Russischen lassen sich die beiden Substantive durch ihre Flexionsformen eindeutig als Subjekt bzw. Akkusativobjekt erkennen. Die Bedeutung des Satzes „Мария спрашивает Яна.“ („Maria fragt Jan.“) wird im Russischen also nicht durch die Reihenfolge der Satzglieder, sondern durch deren Flexionsformen bestimmt. Deshalb ändert sich die Satzsemantik durch die Umstellung der Satzglieder nicht. Im russischen Satz wird es immer Maria sein, die Jan fragt und nicht umgekehrt: „Мария спрашивает Яна.“ oder „Мария Яна спрашивает.“ oder „Яна Мария спрашивает.“ oder „Яна спрашивает Мария.“. Will man im Russischen sagen, dass Jan Maria fragt, muss man die Flexionsformen der beiden Substantive ändern: „Ян спрашивает Марию.“.
- Im deutschen Satz „Ich liebe dich.“ muss das Prädikat immer an der zweiten Stelle stehen. Im Russischen Satz kann es entweder an der zweiten oder an der letzten Stelle sein: „Я люблю тебя.“ bzw. „Я тебя люблю.“. Wird das Prädikat an die erste Stelle im Satz gesetzt, so leitet es im Russischen nicht eine Frage ein, sondern hebt lediglich die Handlung hervor und weist in diesem Fall auf die Gefühlsstärke des Sprechenden: „Люблю я тебя.“ („Ich liebe dich so sehr.“).
Für eine ausführliche Darstellung der russischen Grammatik siehe: Russische Grammatik

Dialekte

Man unterscheidet im europäischen Teil Russlands drei sprachlich unterschiedliche Gebiete: Nord-, Mittel- und Südrussland. Die Gebiete unterteilen sich ferner in einzelne Dialekte.

Nordrussisch

Nord-östlich einer Linie vom Ladogasee über Nowgorod und Jaroslawl bis Joschkar-Ola. Diese Mundart kennzeichnet sich durch ein klar ausgesprochens unbetontes "o" (оканье - Okanje), ein gutturales "g" und ein hartes "t".
- Mundartengruppe von Ladoga und Tichwin
- Mundartengruppe von Kostroma
- Mundartengruppe von Wologda
- Mundartengruppe von Onega
- Mundarten von Beloozersk

Mittelrussisch

Die Nördliche Grenze verläuft von Sankt-Petersburg über Nowgorod und Iwanowo bis Nischni Nowgorod und Tscheboksary, die südliche von Welikije Luki über Moskau bis Pensa. Dieses Gebiet zeigt sowohl nördliche als auch südliche Sprachzüge. Im Westen ist das unbetonte "o" ein "o", im Osten ein "a" (аканье - Akanje).
- Westmittelrussisch von Pskow
- Westmittelrussisch von Nowgorod
- Ostmittelrussisch von Moskau und Umgebung
- Ostmittelrussisch von Jegorewsk und Umgebung
- Ostmittelrussisch von Temnikow und Umgebung
- Ostmittelrussisch vom Wolga-Wladimir Gebiet

Südrussisch

Im Bereich südlich von Welikije Luki über Rjasan bis Tambow. Hier spricht man das unbetonte "o" als "a", ein frikatives "g" und ein weiches "t".
- Mundart von Rjasan
- Mundartengruppe vom Dnjepr
- Mundart von Oskol

Mischsprachen

Es gab und gibt einige natürlich entstandene Mischsprachen mit dem Russischen. Bekannteste Vertreter sind die Mischungen mit den nah verwandten Ukrainisch (Surschyk) und Weißrussisch (Trasjanka). Innerhalb der Sowjetunion vermischte es sich einst auch mit den isolierten Sprachen sibirischer und asiatischer Völker Russlands. An dessen Arktis-Grenzen zu Norwegen wurde vor 100 Jahren noch eifrig Russenorsk gesprochen. Im Fernen Osten wiederum brachte der Kontakt mit Chinesen Kjachta-Russisch hervor. Nationalismus hat auch diese Mischsprachen heute vernichtet. Allein das durch den sowjetischen Einfluss auf Kuba entstandene Rusinol lebt. In Deutschland entsteht zur Zeit unter den russischen Einwanderern eine deutsch-russische Mischsprache.

Lehnwörter

Das Russische hat sich eine ganze Reihe von Wörtern aus dem Deutschen entlehnt (siehe: Liste deutscher Wörter im Russischen). Darüber hinaus sind auch einige russische Wörter in die deutsche Sprache eingegangen (siehe: DDR-Sprache).
- Datsche - дача
- Perestroika - перестройка
- Pogrom - погром
- Sputnik - спутник
- Steppe - степь
- Subbotnik - субботник
- Troika - тройка
- Wodka - водка
- Zobel - соболь

Weitere verwandte Aktikel


- Russische Rechtschreibreform von 1918
- Wortbetonung in der russischen Sprache
- Russische Phonetik
- Russische Grammatik
- Russische Literatur
- Deutschrussisch
- Russischer Mat

Weblinks


- http://www.russian-online.net – Russisch lernen und verstehen – kostenloser Online-Sprachkurs und Sprachführer, für Einsteiger
- http://learning-russian.gramota.ru – Online-Sprachkurs, für Fortgeschrittene
- [http://www.rambler.ru/dict/scripts/go.cgi?btnG=%CD%E0%E9%F2%E8%21&query=&where=deru&start=0&count=15 http://www.rambler.ru/dict/] – Deutsch-Russisches Wörterbuch
- [http://www.dict.russian-german.net http://www.dict.russian-german.net] – freies Deutsch-Russisches Wörterbuch mit Lern-Modus
- [http://www.sz.euv-frankfurt-o.de/Homepages/Lektorate/Russisch/LRLinksOnlineWB.html Liste von Online-Wörterbüchern und Nachschlagewerken]
- [http://www.russlandjournal.de RusslandJournal.de] - Alphabet, Grammatik, viele praktische Sprachübungen und Tests der russischen Sprachlernsoftware und -bücher Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Indogermanisch Kategorie:Russische Sprache ja:ロシア語 ko:러시아어 ms:Bahasa Russia simple:Russian language th:ภาษารัสเซีย

Polnische Sprache

Die Polnische Sprache (Polnisch, poln. język polski) zählt zur lechitischen Gruppe der westslawischen Sprachen, einer Untergruppe der indogermanischen Sprachfamilie. Sie ist eng verwandt mit dem Kaschubischen, dem Tschechischen, dem Slowakischen und dem Sorbischen (das von einer in Deutschland lebenden Minderheit gesprochen wird). Polnisch ist die Landessprache Polens. Weltweit weist sie fast 46 Millionen Sprechern auf. Bedeutende polnische Minderheiten gibt es in Litauen, Weißrussland und der Ukraine. Zudem ist Polnisch die Muttersprache von etwa zehn Millionen Sprechern in den USA, ferner in Russland und den anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion, aber auch in Kanada, Deutschland und Frankreich.

Dialekte

Zu den polnischen Dialekten gehören Kleinpolnisch (Südostpolen mit Krakau), Schlesisch (im Südwesten), Masowisch (Nordostpolen mit Warschau) und Großpolnisch (im Norden und Westen). Das Kaschubische (im Norden) ist eine eigenständige westslawische Sprache, aber insbesondere in der polnischen Literatur auch als polnischer Dialekt zu finden. Das Góralische ist ein Übergangsdialekt vom Polnischen zum Slowakischen, der im äußersten Süden Kleinpolens und in Teilen des slowakischen Gebiets Orava gesprochen wird.

Geschichte

Die ältesten, heute bekannten polnischen Schriftzeugnisse sind Namen und Glossen in lateinischen Schriftstücken, insbesondere in der Bulle von Gnesen des Papstes Innozenz II. von 1136, in der fast 400 einzelne polnische Namen der Ortschaften und Personen auftauchen. Den ersten geschriebenen vollständigen Satz fand man dagegen in der Chronik des Zisterzienserklosters in Henryków bei Wrocław. Unter den Einträgen des Jahres 1270 lesen wir die Aufforderung eines Mannes zu seiner mahlenden Frau. "Daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj", was in der Übersetzung lautet: "Lass mich jetzt mahlen, und du ruh dich aus." Zu den frühesten Denkmälern der polnischen Sprache gehören die "Bogurodzica" – die erste polnische Hymne, die "Heilig-Kreuz-Predigten", der "Florianer Psalter" und die "Gnesener Predigten". Später wurden auch religiöse Texte aus dem Lateinischen ins Polnische übertragen, beispielsweise der Psałterz Floriański ("Florianer Psalter") aus dem 14. Jahrhundert. Im 15. Jahrhundert wurde der zunächst bestehende Einfluss des Tschechischen zurückgedrängt, und das Schriftpolnische emanzipierte sich vom Lateinischen. Nachdem Polnisch bis zum 16. Jahrhundert überwiegend von Geistlichen geschrieben wurde, verbreitete es sich in der Folgezeit auch bei Adel und Bürgertum. Die moderne polnische Literatursprache entwickelte sich im 16. Jahrhundert auf der Grundlage von Dialekten, die in der Gegend von Poznań (Posen) im Westen Polens gesprochen wurden. Aus dieser Zeit stammen die Eulenspiegelliteratur sowie die Chronikliteratur von Marcin Bielski und die Prosaschriften von Mikołaj Rej. Ihr hohes sprachliches Niveau lässt auf eine lange gesprochene Tradition des Polnischen auf dem Königshof, in der staatlichen Verwaltung wie auch in der weltlichen und kirchlichen Rhetorik schließen. Im 16. Jahrhundert erreichte die polnische Sprache einen Stand, der sie wegen ihres Reichtums und ihrer Geschmeidigkeit zu den wichtigsten Sprachen Mitteleuropas aufsteigen lies. Die Gebildeten der Renaissance kämpften um die weitere Entwicklung des Polnischen und seine Durchsetzung gegenüber dem Latein. "Gesagt sei´s allen Völkern außerhalb, der Lache (Pole) ist keine Gans, auch er hat seine eigene Sprache!" lautete die berühmte Maxime des als Vater der polnischen Literatur geltenden Mikołaj Rej aus dem Jahre 1562. Im Polnischen gibt es eine Reihe von Lehnwörtern aus dem Alttschechischen und Mittelhochdeutschen sowie aus dem Lateinischen; in jüngerer Zeit gingen Einflüsse auf die polnische Sprache insbesondere vom Weißrussischen, Ukrainischen, Deutschen, Französischen und Englischen aus.

Alphabet

Polnisch wird von Anfang an mit dem lateinischen Alphabet geschrieben (vgl. andere slawische Sprachen) und benutzt zur Wiedergabe der polnischen Laute diakritische Zeichen. Das polnische Alphabet besteht aus 32 Buchstaben und lautet vollständig: A, Ą, B, C, Ć, D, E, Ę, F, G, H, I, J, K, L, Ł, M, N, Ń, O, Ó, P, R, S, Ś, T, U, W, Y, Z, Ź, Ż. Ą, Ę, Ń und Y kommen nie am Wortanfang vor, deshalb sind die entsprechenden Großbuchstaben sehr selten und werden nur dann verwendet, wenn das ganze Wort in Großbuchstaben geschrieben wird. Q, V und X werden nur bei Fremdwörtern benutzt, die noch nicht polonisiert wurden. Im Lauf seiner Entwicklung ging im Polnischen die Unterscheidung von langen und kurzen Vokalen verloren, und der Wortakzent festigte sich auf der vorletzten Silbe. Zur Aussprache von h und ł: In einigen Regionen ist eine abweichende Aussprache anzutreffen:
- ł - apico dental (ähnlich der Aussprache von л im Russischen)
- h - als stimmhaftes pharyngales Frikativ [] - allerdings artikuliert im Larynx . Diese Aussprache gilt als korrekt, wird auch vereinzelt von (älteren) Schauspielern verwendet. Noch im 19. Jahrhundert galt diese Aussprache als einzig korrekte. r wird als „gerollter“ Zungenspitzlaut [] also (alveolarer Vibrant), ein Zäpfchen-R [] (uvularer Vibrant), wie auch ein Zungenseitenlaut, gilt streng genommen als (häufiger) Aussprachefehler.

Grammatik

Das Polnische hat eine sehr freie Wortstellung, tendiert jedoch langsam zur Verbzweitstellung. Es gibt zwei Numeri:
- Singular
- Plural
- Dual. Es gibt fünf Genera:
- Personalmaskulinum (beschränkt auf männliche Personen)
- belebtes Maskulinum
- unbelebtes Maskulinum
- Femininum
- Neutrum Polnisch verfügt über ein gut ausgebautes Formensystem und hat das altslawische Kasussystem bewahrt: sechs Kasus für Nomen, Pronomen und Adjektive und ein siebter Kasus, der Vokativ, für Nomen und Pronomen, der in der direkten Anrede gebraucht wird. Im Polnischen werden Substantive – im Gegensatz zum Deutschen – grundsätzlich klein geschrieben, Ausnahmen sind Eigennamen und Satzanfänge. Es werden wahrnehmbare und nicht wahrnehmbare (abstrakte Objekte oder Eigenschaften) sowie belebte (personale) und unbelebte (nichtpersonale) Substantive unterschieden. Dies ist für die Deklination sehr wichtig. Fast alle Adjektive werden nach einem Grundmuster dekliniert. Es gibt zwei Arten von Adjektiven:
- weichstämmige, die auf einen weichen Konsonanten oder auf k bzw. g auslauten, haben die Endung -i
- hartstämmige (alle anderen) haben die Endung -y Verben werden nach Person, Numerus und Genus flektiert. Das Tempussystem hat eine Vereinfachung erfahren, indem drei alte Tempora (Aorist, Imperfekt und Plusquamperfekt) aufgegeben wurden. Das Präteritum ist die einzige Vergangenheitsform, die in der Alltagssprache gebraucht wird. Sehr selten vor allem in der Schriftsprache wird noch Plusquamperfekt verwendet - und ist schon mehr oder weniger veraltet. Präpositionen sind unveränderlich und bilden zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen eine Sinneseinheit. Mehr über polnische Grammatik gibt es in den Wikibooks

Sprachwandel in der Gegenwart

Wie jede lebendige Sprache unterliegt auch das Polnische im Laufe der Zeit normalen Entwicklungen und Veränderungen, sowohl in der Grammatik wie auch im Wortschatz. Manche Änderungen werden tief in die Sprache verwurzelt, andere wiederum haben kaum einen Einfluss oder geraten in Vergessenheit.

Änderungen

in der Dialektstruktur

Die Dialekte der polnischen Sprache vereinheitlichen sich im Zusammenhang mit der Umsiedlung der Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg, der Verstädterung, den Einflüssen der Massenmedien und der Bildung, die im allgemeinen Dialekt durchgeführt wird, immer mehr. Die Dialekte sind in der jüngeren Generation kaum ausgeprägt, davon ausgenommen sind jedoch der gorallische und der schlesische Dialekt, denen im Augenblick das Aussterben nicht droht, doch die Allgemeinheit spricht im gemeinsamen Dialekt.

in der Grammatik

Eine gegenwärtig zu beobachtende Veränderung besteht darin, dass die maskuline unbelebte Sachform durch die maskuline belebte Sachform ersetzt wird. Viele Wörter, die bisher als eindeutig unbelebt betrachtet wurden, werden umgangssprachlich, vor allem in der Jugendsprache, als belebt angesehen. Es äußert sich dadurch, dass der Akkusativ dem Genitiv gleicht, und nicht wie bisher, dem Nominativ. Sehr oft (noch in der Umgangssprache) anzutreffende Formen sind „mieć pomysła“ (eine Idee haben) oder „obejrzeć filma“ (einen Film ansehen). Doch die meisten Neologismen und Fremdwörter, die sich auf nichtmaterielle oder nichtwahrnehmbare Begriffe beziehen, nehmen auch in der offiziellen Sprache die maskuline belebte Sachform an. Beispiel: „dostać e-maila/SMSa” (eine E-Mail/SMS bekommen).

im Wortschatz

Es werden immer mehr Wörter aus dem Englischen entliehen. Gleichzeitig verschwinden viele französische und russische Fremdwörter. Eine interessante Erscheinung ist die Änderung mancher französischer Fremdwörter von der französischen in die englische Aussprache, z. B. wird image wie im Englischen imidż ausgesprochen und nicht wie im Französischen imaż.

in der Phonetik

Da immer mehr Wörter aus dem Englischen mit seiner unterschiedlichen Sprachstruktur entliehen werden, verbreiten sich in diesem Zusammenhang immer mehr bisher selten anzutreffende Lautverbindungen. Es erscheint z. B. i nach alveolaren Lauten t, d, s, z, r (didżej, tir, ring).

in der Vulgarität

In den letzten Jahren flossen sehr viele vulgäre Ausdrücke in die Umgangssprache hinein (z. B. das Adjektiv zajebiste, lässt sich mit der heutigen Bedeutung von geil vergleichen, bedeutet ursprünglich aber etwas völlig anderes als die damalige deutsche Bedeutung). Viele andere Wörter, welche weiterhin vulgär sind, verloren ihre Stärke und werden oft in Situationen gebraucht, die früher undenkbar waren (das Wort kurwa, polnisch für Nutte, wird z. B. von vielen Polen in der Umgangssprache als Interjektion verwendet und entspricht damit in etwa dem fuck in der englischen Sprache). Auf der anderen Seite werden im Rahmen der politischen Korrektheit manche Wörter als stärker beleidigend empfunden als früher. Zum Beispiel gehört es sich heutzutage nicht das Wort pedał (hier: schwul) zu benutzen (außer in der Bedeutung Pedal), das englische Wort gej oder homoseksualista (Homosexueller) haben es ersetzt.

Fremdwörter aus dem Polnischen

Es sind nur relativ wenige polnische Wörter aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen. Gurke - mittelgriechisch αγγούριον „Gurke“ (pl. ogórek), das möglicherweise vom altgriechischen αωρος „grün, unreif“ stammt. Das griechische Wort wurde wahrscheinlich aus dem Polnischen ins Deutsche übernommen. Auch das Wort Grenze (pl. granica) sowie einige Vogelarten (z.B. Stieglitz) kamen aus dem Polnischen ins Deutsche.

Weblinks


- [http://www.dep.pl DeP - Deutsch-Polnisch-Online-Wörterbuch]
- [http://portalwiedzy.onet.pl/tlumacz.html?tr=nie-auto Onet - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.ponsline.de/cgi-bin/wb/w.pl Pons - Deutsch-Polnisch Wörterbuch]
- [http://www.deutsches-polen-institut.de/ Deutsches Polen-Institut]
- [http://www.pol-institut.de/int/woert.htm Polnische Wörterbücher] Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Slawische Sprache ja:ポーランド語 ko:폴란드어

Spielkarte

Spielkarten sind bedruckte rechteckige Kartonstücke in handlichem Format, oft etwa 6×10 cm, die auf der Vorderseite mit Bildern, Wertangaben und Symbolen bedruckt sind und auf der Rückseite ein einheitliches Motiv aufweisen, so dass der Wert der umgedrehten Karte nicht erkennbar ist. Das Motiv der Vorderseite ist häufig punktsymmetrisch, damit die Karten im Spiel einfacher lesbar sind. punktsymmetrisch

Geschichte

Die frühesten Spielkarten sind in Korea und China des 12. Jahrhunderts nachweisbar. In Indien sind sie ab dem 16. Jahrhundert bezeugt. In Europa werden sie erstmals in der Chronik des Sandro di Pipozzo von Venedig erwähnt. Der Bischof von Würzburg verbot im Jahre 1329 allen Klerikern seiner Diözese das Spiel mit Spielkarten und ertsmals belegt ist ein vollständiges Verbot des Gebetbuch des Teufels, wie das Kartenspielset genannt wurde aus der Stadt Bern von 1367. Die Produktion von Spielkarten ist wahrscheinlich der Beginn der Entwicklung des Holzschnittes. Nachweislich wurde in Italien bereits in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts mit Karten gespielt, die zu jener Zeit handbemalt waren. Das so genannte "Ambräser Hofämterspiel", das um 1450 entstand, ist das älteste, gedruckte und nachträglich kolorierte Kartenspiel, das bis heute erhalten geblieben ist. Aufgrund seiner Symbolik geht man davon aus, dass es aus dem Höfischen Umfeld entstanden ist. Kartenmacher-Innungen sind aus dieser Zeit im deutschsprachigen Raum aus Nürnberg, Augsburg, Ulm und Straßburg bekannt. Straßburg Heute übliche Spielkarten dürften sich von Tarot-Karten ableiten, wobei das Blatt auf die Zahlkarten und Hofkarten reduziert ist. In diesem System hat jede Karte einen Zahlenwert und eine von 4 Farben. Somit ergeben sich im vollstängen Blatt die Zahlenwerte 1 (= Ass), 2, ..., 10 und den drei Hofkarten 13 Karten pro Farbe, also insgesamt 52 Karten pro Spielsatz, auch Blatt genannt. Der Name "Ass" leitet sich vermutlich von sumerisch as = eins her. Im 20. Jahrhundert wurden hauptsächlich in Altenburg und Stralsund, und nach dem 2. Weltkrieg in Unteraichen bei Böblingen Spielkarten hergestellt. Das Deutsche Spielkartenmuseum in Leinfelden-Echterdingen hat eine umfangreiche Sammlung historischer Spielkarten. Diese Sammlung wurde von der ehemals dort ansässigen traditionellen Spielkartenfabrik ASS erworben. Eine weitere umfangreiche Sammlung befindet sich im Schloß- und Spielkartenmuseum in Altenburg.

Kartenblätter

In Deutschland und Österreich sind drei verschiedene Typen in Gebrauch, das Altenburger, das Bayrische und das französische Blatt; in Österreich kommt dazu noch das Tarockblatt.

Französisches Blatt

Es hat die Farbwerte Die Kartenwerte reichen von Eins (Ass) bis zehn und setzen sich dann mit den Hofkarten Bube/Page, Dame und König fort. Das ergibt insgesamt 52 Blatt. Für manche Spiele (Rommé, Canasta) werden diese noch durch ein bis drei Joker ergänzt.

Symbolik der Bildkarten

Die Bildkarten Bube, Dame und König stellen verschiedene historische Personen dar:
- Kreuzkönig: Alexander der Große
- Pikkönig: König David
- Herzkönig: Karl der Große
- Karokönig: Julius Caesar
- Kreuzdame: Argine, ein Anagram aus regina (lat. Königin)
- Pikdame: Athene, die griechische Göttin der Weisheit
- Herzdame: Judith, das biblische Ideal der Frömmigkeit
- Karodame: Rachel, das biblisches Ideal der Schönheit
- Kreuzbube: Lancelot, der Ritter aus der Artussage
- Pikbube: Hogier, ein Vetter von Karl dem Großen
- Herzbube: La Hire, ein Soldat an der Seite von Jeanne d'Arc
- Karobube: Hektor, der trojanische Held oder Roland, ein Ritter unter Karl dem Großen

Bayrisches Blatt

Das bayrische Blatt kennt die Farben Eichel, Gras (Grün, Laub), Herz und Schellen. In den meisten heute gebräuchlichen Varianten reichen die Kartenwerte von 6 bis 10 sowie Unter, Ober, König und Sau (aufgrund des Schweines auf den Karten; auch Daus von lat. duo, irrtümlicherweise auch als Ass (frz.) bezeichnet). Die Karten mit dem Wert 6 kommen nur in wenigen Spielen zum Einsatz. In manchen Spielen kommt dazu der "Weli" als Joker. Der Ober leitet sich vermutlich vom Ritter des Tarot-Blattes ab. Das bayrische Blatt zerfällt in viele regionale Ausführungen, die sich in unterschiedlichen Details der Farbsymbole und speziell in den Zeichnungen der Hofkarten und des Ass unterscheiden. Es gibt z.B. altdeutsches, schweizerdeutsches, bayrisches, fränkisches oder badisches Blatt. Das Schweizer Nationalspiel Jass bedient sich östlich der Brünig-Napf-Reuss-Linie einer Variante der deutschen Karten mit 36 Karten, die schweizerdeutschen Karten. Sie bestehen aus den Farben Eichel, Schilde, Schelle und Rose. Die Werte sind Sechser bis Neuner, Banner, Under, Ober, König und Ass. Viele populäre Kartenspiele verwenden ein weiter reduziertes Blatt, wobei die kleinen Zahlenkarten (im Jargon der Kartenspieler Luschen, Schwanzal oder Spatzen genannt) entfallen. Im Extremfall verbleiben damit beim kurzen Schafkopf nur noch die Kartenwerte 9, 10, Unter, Ober, König und Ass, beim sehr kurzen entfallen auch noch die Neuner, ähnlich wie beim Schnapsen, das Blatt reduziert sich damit auf 20 Karten. Auch die Reihenfolge in der Wertigkeit der Karten kann sehr verschieden sein. Andere Spiele verdoppeln ein evtl. reduziertes Blatt. Die Farbzuordnung zwischen Deutschem und Französischem Blatt erfolgt meist in folgender Form:
- Eichel = Kreuz
- Gras; Grün = Pik
- Herz; Rot = Herz
- Schellen = Karo

Altenburger Blatt

Das Altenburger Blatt ist vergleichbar mit dem bayrischem Blatt. Es besteht allerdings aus genau 32 Karten. Die Kartenwerte reichen von 7 bis 10, sowie Unter, Ober, König und As. Die Farbwerte sind mit dem bayrischen Blatt identisch, deren Gestaltung unterscheidet sich geringfügig (z.B. ist bei Eichel die Eichel rotgefärbt, etwas länger und kantiger, Grün bzw. Blatt sieht Grün aus, Schelle ist verzierter). Das Blatt wird insbesondere zu Skat und Offiziersskat verwendet.

Französisches Blatt mit deutschen Farben

Das französische Blatt mit deutschen Farben ist das offizielle Turnierblatt der Internationalen Skatordnung für Skat. Es handelt sich hierbei um ein Blatt, das die französische Symbolik verwendet. Die Symbole sind jedoch nicht, wie üblich Schwarz und Rot sondern Schwarz, Grün, Rot und Gelb. Diese Variante ist nach der Wiedervereinigung entstanden, da in Westdeutschland das französische Blatt gebräuchlich war, in Ostdeutschland jedoch das Altenburger Blatt. Um beide Spielerverbände zu vereinen einigte man das auf diesen Kompromiss.

Tarockblatt

Das heute gebräuchliche Tarockblatt kennt dieselben Farben wie das Französische Blatt: Herz, Karo, Pik und Kreuz. Als Kartenwerte werden verwendet: 7 bis 10, Bube/Page, Ritter/Reiter, Dame, König. In manchen Varianten werden bei den roten Farben Herz und Karo als Zahlenkarten auch die Werte 4, 3, 2 und 1 verwendet. Dazu kommen die "Tarock", das sind Bildkarten mit fortlaufender Nummerierung von I(Pagat) bis XXI(Mond) und der Sküs(s). Insgesamt ergibt das ein Blatt von 54 Karten. Bei den meisten Spielvarianten des Spieles Tarock haben diese Karten die Funktion der Trumpffarbe; der Sküs(s) übersticht auch alle anderen Tarock. Auch beim Tarockblatt gibt es viele regionale Ausführungen, die sich in der Gestaltung der Hofkarten und den Abbildungen auf den Tarockkarten unterscheiden.

Andere Spielkarten

Neben den hier beschriebenen klassischen Spielkarten gibt es zahlreiche Kinder-Spielkarten, mit besonderen Motiven wie Autos, Motorrädern oder Flugzeugen, Frage/Antwort-Spiele oder Karten, die als Ereignis- und Wertkarte Bestandteil eines komplexeren Brett- oder Kartenspiels sind. Weiterhin existieren Kartenspiele wie beispielsweise das weit verbreitete UNO, die zwar an "herkömmliche" Kartenspiele wie Mau-Mau angelehnt sind, jedoch mit speziellen Karten gespielt werden. Daneben gibt es auch noch sogenannte Divinations-, Orakel- oder Wahrsagekarten, die zum Zwecke der Vorhersage der Zukunft eingesetzt werden. Das können speziell für diesen Zweck gefertigte Karten, oder aber auch ein gewöhnliches Skatblatt sein.

Spielkartensteuer

In verschiedenen Ländern wurden Spielkarten schon bald nach der Einführung steuerpflichtig und wurden daher von dem Landesherrn, der die Steuer einzog, bzw. seinen Beauftragten gestempelt. In Frankreich beispielsweise wurde diese Steuer seit 1583 erhoben. Der Spielkartenhersteller druckte auf einer festgelegten Karte auf die Vorderseite einen kleinen weißen Kreis, auf der dann der Steuerbeamte seinen Stempel setzte. Danach durften die Karten verkauft werden. Die Steuer war ein wesentlicher Anteil des Verkaufspreises. In Deutschland wurde die Spielkartensteuer erst zum 1. Januar 1981 wegen des geringen Ertrages abgeschafft.

Siehe auch


- Kartenspiel
- Mischen
- Kartentrick

Weblink


- [http://trionfi.com/lg/tarot/tarot-spielkarten-museum/ Online Tarot- und Spielkartenmuseum]
- [http://www.spielkartenmuseum.de/ Deutsches Spielkartenmuseum Leinfelden-Echterdingen]
- [http://www.altenburg-tourismus.de/kunst-kultur/m_spielkartenmuseum.php Schloß- und Spielkartenmuseum Altenburg] Kategorie:Kartenspiel Kategorie:Steuern und Abgaben ja:トランプ

Unter

Der Unter, auch Wenzel, schweizerisch auch Under, ist eine Spielkartenfigur im deutschen Blatt, dem im französischen Blatt der Bube entspricht. Unter leitet sich von Untergebener, Knecht, ab. Für die bildlichen Darstellung werden meist Motive von einfachen Rittern oder gar Bauern gewählt (im Unterschied zum französischen Blatt, wo meist wohlhabendere Edelleute dargestellt sind). Mit den vier Unter enthaltenden Spielkarten spielt man u. a. Skat, Maumau und Schafkopf, während in den Karten für Tarock und Doppelkopf acht Unter enthalten sind. Im Skatspiel sind Unter die höchsten Trumpfkarten.

Liste der Herrscher namens Wenzel

Wenzel hießen folgende Herrscher

Wenzel


- Wenzel (HRR), der Faule, deutscher König (1378-1400)

Wenzel I./II.


- Wenzel I. (Böhmen), König (1230-1253)
  - Wenzel I. (Böhmen), der Heilige, Herzog (928-935)
  - Wenzel I. (Luxemburg), Herzog (1353-1383)
  - Wenzel I. (Sachsen-Wittenberg), Herzog (1370-1388)
  - Wenzel I. (Teschen), Herzog (-1474)
- Wenzel II. (Böhmen), König von Böhmen (1278-1305), König von Polen (1300-1305)
- Wenzel II. (Böhmen), Herzog (1191-1192)
- Wenzel II. (Teschen), Herzog (-1524)

Wenzel III./...


- Wenzel III. (Böhmen), König von Böhmen (1305-1306), König von Polen (1305-1306)
- Wenzel III. (Teschen), Herzog (1528-1579)
- Wenzel IV. (Böhmen) ist: Wenzel (HRR)

Siehe auch


- Liste der Referenztabellen/Herrscher und Regierungschefs#Kaiser, Könige, Kurfürsten etc. nach Vornamen
- Liste von gebräuchlichen Vornamen Kategorie:Herrscher

Wenzel von Böhmen

Der Heilige Wenzel (Wenzeslaus von Böhmen, Wenzel der Heilige) (
- 908, 903 oder 910; † 28. September 929 oder 935) war der erste von insgesamt vier Přemyslidenherrschern Böhmens namens Wenzel (tschech. Václav). Später wurde er zum böhmischen und tschechischen Nationalheiligen. Er war der Sohn von Vratislav I. und Drahomíra. Er wurde 908 (nach anderen Angaben 903/910), vermutlich in Altbunzlau (tschech. Stará Boleslav) geboren und wurde am 28. September 929 (nach anderen Angaben 935) in Altbunzlau ermordet. Beim Tod seines Vaters war Wenzel noch unmündig. Formal wurde er jedoch bereits 921 oder 922 zum Fürsten der Region um Prag bestimmt. Die Regentschaft sollte seine heidnische Mutter Drahomíra übernehmen, Wenzels Erziehung jedoch seine bereits christliche Großmutter Ludmilla. Bald kam es zu einem Streit zwischen den beiden Frauen. Ludmilla wurde am 16. September 921 ermordet. Drahomira ließ daraufhin die bayerischen Missionare aus dem Fürstentum vertreiben. Möglicherweise hatte ein Feldzug Herzog Arnulfs 922 ihre Wiedereinsetzung zum Ziel. Um 925 muss Wenzel allerdings bereits die Regierungsmacht innegehabt haben, da er die Gebeine seiner Großmutter nach Prag umbetten ließ. Kurz darauf holte er auch die bayerischen Priester zurück. Wenzel hat sein damals auf Mittelböhmen begrenztes Fürstentum durch Burgen- und Kirchenbau in östlicher Richtung erweitert und auf der Prager Burg die Kirche des Heiligen Veits gegründet. Die wenigen Überlieferungen aus Wenzels Regierungszeit drehen sich um seine Bemühungen um die Christianisierung und um Auseinandersetzungen mit heidnischen Verwandten. Wegen der Christianisierung und wegen Wenzels Unterwerfung unter die deutsche Krone Heinrichs I. im Jahr 929 soll er auch von seinem heidnischen Bruder Boleslav I. ermordet worden sein. Vermutlich am 28. September 935 wurde Wenzel bei der Taufe von Boleslavs Sohn in Altbunzlau erschlagen. Am 4. März 938 wurden Wenzels Gebeine in die Prager Veitskirche überführt. Der Kult um ihn dürfte allerdings frühestens 970 nach dem Ende der Regierungszeit seines Bruders und Mörders eingesetzt haben. Seit dem 11. Jahrhundert ist Wenzel der böhmische Landespatron und ein Symbol der böhmischen Staatlichkeit. Wenzel wurde und wird als deutschfreundlicher Tscheche von deutschen und tschechischen Christen gleichermaßen verehrt. Alle Fürsten Böhmens galten als seine irdischen Stellvertreter, und die für die Krönung von Karl. IV. im 14 Jahrhundert angefertigte böhmische Königskrone wird als Wenzelskrone bezeichnet. Im Mittelpunkt der Verehrung stehen weniger seine politischen Verdienste, sondern sein Status als Märtyrer für das Christentum. Um die Wenzelskrone rankt sich die Legende, dass jeder, der sie zu Unrecht trägt, binnen eines Jahres einen gewaltsamen Todes stirbt, danach sein ältester Sohn. Im Wissen um diese Legende setzte sich der amtierende Reichsprotektor Reinhard Heydrich bei einer symbolischen Schlüsselübergabe in der Krönungskammer neben dem Prager Veitsdom am 19. November 1941 kurz die Wenzelskrone auf. Am 4. Juni 1942 starb Heydrich, einer der Schlüsselfiguren des Holocaust, an den Folgen des Attentats vom 26. Mai 1942.

Weblinks


- [http://www.heiligenlexikon.de/index.htm?BiographienW/Wenzeslaus.html Leben des Heiligen Wenzel]
- [http://www.genealogie-mittelalter.de/premysliden_herzoege_von_boehmen_maehren/wenzel_1_der_heilige_herzog_von_boehmen_+_935.html Leben und Ahnen Wenzels] Kategorie:Mann Kategorie:Herrscher Kategorie:Tschechische Geschichte Kategorie:Herzog (Böhmen) Kategorie:Heiliger

Wenzel von Olmütz

Wenzel von Olmütz war ein spätmittelalterlicher Kupferstecher und Goldschmied aus Mähren, dessen überlieferte Schaffenzeit die letzten beiden Jahrzehnte des 15. Jahrhunderts umfasste. Sein Kupferstich Die Zigeunerfamilie gilt als eine der ältesten Zigeunerdarstellungen in Böhmen und Mähren. Insgesamt sind knapp 100 Kupferstiche überliefert, von denen die meisten als Kopien fremder Vorlagen gelten (so von Originalen Martin Schongauers und des Hausbuchmeisters). Hingegen gelten seine Goldschmiedearbeiten und Ornamententwürfe als eigene Schöpfungen.

Literatur


- M. Llehrs: Wenzel von Olmütz. Das Verzeichnis der Kupferstiche des Wenzel von Olmütz nebst dem Verzeichnis der Blätter, die ihm irrtümlich zugeschrieben wurden, Dresden 1889
- Fritz Koreny/Jane Campbell Hutchison/Adam von Bartsch: Early German artists - Israhel van Meckenem, Wenzel von Olmütz and German Monogrammists, New York 1981, ISBN 089835000X

Václav Havel

Václav Havel (
- 5. Oktober 1936 in Prag), tschechischer Schriftsteller und Politiker, war während der kommunistischen Herrschaft einer der führenden Regimekritiker der Tschechoslowakei. Nach der Samtenen Revolution, an der er wesentlich beteiligt war, war er von 1989 bis 1992 Präsident der Tschechoslowakei. Von 1993 bis 2003 war er Präsident der Tschechischen Republik. Er ist Mitglied im Club of Rome. Havel entstammt einer einflussreichen Prager Großbürgerfamilie. Sein Vater, der ebenfalls Václav hieß, ließ u.a. den berühmten Lucerna-Vergnügungskomplex in der Nähe des Prager Wenzelsplatzes und die Prager Filmstudios Barrandov erbauen. Mit der Machtergreifung der Kommunisten im Februar 1948 wurde die Familie enteignet. Aufgrund der politischen Rolle, die seine Familie in den Jahren davor gespielt hatte (Kollaboration mit der deutschen Besatzungsmacht), durfte der junge Václav nach Beendigung der Schulpflicht 1951 keine weiterführende Schule besuchen. Er arbeitete als Assistent in einem Chemielabor und schloss seine sekundäre Erziehung in einer Abendschule ab. Aus politischen Gründen an keiner geisteswissenschaftlichen Fakultät zugelassen, begann er 1954 ein Wirtschaftsstudium, das er aber nach zwei Jahren abbrach. Nach zwei Jahren Militärdienst wurde er Bühnentechniker in zwei kleinen Prager Theatern, dem Divadlo ABC und dem Divadlo na zábradlí (Theater am Geländer). In letzterem wurden auch seine ersten Stücke wie etwa Das Gartenfest aufgeführt. Seit seinem 20. Lebensjahr schrieb Havel Artikel für Literatur- und Theaterzeitschriften. Seine in der Tradition des absurden Theaters stehenden Stücke und seine Artikel prägten die Atmosphäre, die 1968 zum Prager Frühling führte, entscheidend mit. Berühmte Theaterstücke Havels aus dieser Zeit sind etwa wie Das Memorandum (1965) oder Erschwerte Möglichkeit der Konzentration (1968), das aus der Abschlussarbeit seines Fernstudiums an der Theaterfakultät in den Jahren 1962 - 1966 hervorgegangen war. In der Zeit der so genannten "Normalisierung" nach der Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Truppen des Warschauer Pakts trat Havel immer wieder öffentlich gegen das Regime unter Präsident Gustáv Husák auf und war 1977 einer der drei Hauptinitiatoren der Charta 77. In dieser Zeit wurde Havel dreimal verhaftet und verbrachte insgesamt etwa 5 Jahre im Gefängnis. Literarisches Zeugnis dieser Zeit sind die Briefe an Olga, also an seine Frau Olga Šplíchalová, die er 1956 kennengelernt und 1964 geheiratet hatte und die bis zu ihrem Tod 1996 seine Gefährtin war. 1997 heiratete er die Schauspielerin Dagmar Veškrnová. Nach 1968 hatte Havel in der Tschechoslowakei Aufführungs- und Publikationsverbot. Seine Werke wurden in dieser Zeit aber fast vollständig im Rowohlt-Verlag in Deutschland publiziert. 1989 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Havel war eine der zentralen Figuren in der zunächst hauptsächlich von Studenten und Künstlern getragenen Samtenen Revolution. Schon zuvor hatte er in den achtziger Jahren, als das politische Klima etwas liberaler wurde, die Petition "Einige Sätze" mitinitiiert. Nun wurde er zum führenden Vertreter des während der Revolution (am 19. November 1989) gegründeten Bürgerforums (OF). Der Umbruch war praktisch besiegelt, als Havel als Kandidat des Bürgerforums am 29. Dezember 1989 von den - bis dahin kommunistischen - Vertretern der Nationalversammlung zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt wurde. In dieser Funktion führte er das Land zu freien Wahlen am 5. Juli 1990, wo er als Präsident bestätigt wurde. In den nächsten Präsidentenwahlen am 3. Juli 1992 bekam Havel von den Abgeordneten nicht mehr genügend Stimmen. Der Grund dafür war vor allem, dass er sich dafür eingesetzt hatte, die zunehmenden Differenzen zwischen tschechischen und slowakischen politischen Vertretern über die zukünftige Staatsform zu überwinden und sich eindeutig für eine Beibehaltung des gemeinsamen Staates ausgesprochen hatte. Nach der Trennung von Tschechischer und Slowakischer Republik im Januar 1993 wurde Havel am 26. Januar 1993 mit großer Mehrheit zum Präsidenten der Tschechischen Republik gewählt. Am 20. Januar 1998 wurde er in seinem Amt bestätigt. Am 2. Februar 2003 war seine zweite Amtszeit zu Ende. Da der tschechische Präsident für höchstens zweimal fünf Jahre gewählt werden kann, wird Havel mit seinen 12 Jahren als tschechoslowakischer und tschechischer Präsident wohl für längere Zeit einer der längstgedienten Präsidenten Tschechiens bleiben. Havel wurde mehrere Male, das letzte Mal 2004, für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen.

Literatur


- John Keane: Václav Havel. Verlag Droemer, München 2000. ISBN 3-426-27192-3
- Fouzieh Melanie Alamir: Der Präsident Václav Havel. Miles-Verlag, Potsdam 2003. ISBN 3-00-012533-7

Weblinks


-
- [http://www.vaclavhavel.cz vaclavhavel.cz] Persönliche Homepage (tschech./engl.)
- http://www.spieker.ch/duerrenmatt/texte/text7.php - die berühmt-berüchtigte Ansprache Dürrenmatts an Havel
- [http://www.rowohlt.de/autor/2678 Bibliographie aller Titel]
- http://www.radio.cz/de/artikel/36232 - der tschechische Rundfunk zu Havels Abtritt Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav Havel, Vaclav ja:ヴァーツラフ・ハヴェル ko:바츨라프 하벨

Wenceslaus Hollar

] Wenzel Hollar (
- 13. Juni 1607 in Prag; † 28. März 1677 in London), auch Wenceslaus oder Václav Hollar, war ein böhmischer Zeichner und Kupferstecher. Hollar gehörte zu seinen Lebzeiten zu den bedeutendsten Vertretern seines Genres und machte als einer der ersten die Technik der Farbradierung in England bekannt. Er hinterließ eine Vielzahl von Arbeiten, die wegen ihrer Detailgenauigkeit und der sorgfältigen Ausführung bis heute geschätzt werden.

Leben

Kindheit und Jugend

Wenzel Hollars Jugend fällt in die Anfangsjahre des Dreißigjährigen Krieges. Er entstammte einer böhmischen Familie, die nach der Rückeroberung Prags durch Truppen des Kaisers und der Katholischen Liga 1621 verarmte. Ursprünglich für ein Jurastudium bestimmt, entschied sich der junge Wenzel jedoch mit 18 Jahren für eine künstlerische Karriere.

Erste Jahre als Künstler

Jurastudium 1627 zog Hollar nach Frankfurt am Main, wo er bei Matthäus Merian, dem berühmtesten Kupferstecher seiner Zeit, in die Lehre ging. Während seiner Frankfurter Zeit arbeitete Hollar u.a. an Merians Topographien mit. Nach 1630 hielt er sich in Straßburg, Mainz und Koblenz auf. Hollar gehörte zu den ersten Künstlern, die die Landschaft des Mittelrheintals als besonders malerisch empfanden. In zahlreichen Abbildungen hielt er Städte, Burgen und die Natur des Rheintals fest, und wurde so zu einem frühen Vorläufer der Rheinromantik. 1633 wurde in Köln Lord Thomas Howard, Earl of Arundel, der als englischer Gesandter zu Kaiser Ferdinand II. unterwegs war, auf Ihn aufmerksam. Die Begegnung mit Arundel, einem der wichtigsten englischen Kuntsammler und Mäzene seiner Zeit, sollte für Hollars weiteres Leben entscheidend sein. Er begleitete den Earl of Arundel zunächst an den kaiserlichen Hof in seine Heimatstadt Prag, später nach Wien und auf ausgedehnte Reisen durch ganz Mitteleuropa. Wieder in Köln, veröffentlichte er 1635 sein erstes Buch mit Stichen. Als sein Förderer 1637 nach England zurückkehrte, folgte Hollar ihm nach London, wo er den größten Teil seines weiteren Lebens verbringen sollte.

Übersiedelung nach England

1637 Hollar lebte anfangs in Arundels Haushalt, arbeitete aber nicht exklusiv für ihn, sondern auch für Verleger und Buchdrucker, die ihn allerdings Zeit seines Lebens schlecht bezahlten. Als unerfahrener Ausländer, weitgehend ohne Verbindungen, musste er immer wieder viel zu niedrige Honorare akzeptieren. Schon in seinem ersten Jahr in England schuf er für den Verleger Peter Stent, für den er auch in den kommenden Jahren des öfteren arbeiten sollte, eine große Ansicht von Greenwich, die dieser mit nur 30 Shilling pro Druckplatte honorierte. Später legte Hollar seinen Preis auf 4 Pence pro Stunde fest; seine Arbeitszeit maß er mit einer Sanduhr. Peter Stent Am 4. Juli 1641 heiratete Hollar eine Kammerfrau der Gräfin von Norfolk namens Tracy, mit der er zwei Kinder hatte. Als 1642 der englische Bürgerkrieg ausbrach, kehrte der Earl of Arundel, der erneut als Gesandter unterwegs gewesen war, nicht nach England zurück. Hollar trat daher in die Dienste des Herzogs von York, arbeitete auch für König Karl I. und war für kurze Zeit Lehrer des Prince of Wales, des späteren Königs Karl II.. Als Anhänger des Königs trat Wenzel Hollar schließlich in ein royalistisches Regiment ein und wurde 1645 bei der Belagerung von Basing House von Parlamentstruppen gefangen genommen. Schon nach kurzer Zeit gelang ihm jedoch die Flucht. In Antwerpen traf er noch im selben Jahr erneut mit dem Earl of Arundel zusammen, der aber schon 1646 starb. In den nächsten Jahren entstanden einige von Hollars besten Werken, niederländische Stadtansichten ebenso wie Seestücke oder Naturdarstellungen. 1652 kehrte er nach London zurück.

Späte Jahre

In den folgenden Jahren erschienen zahlreiche Bücher mit Illustrationen von Hollar, unter anderm Klassikerausgaben von Homer, Vergil und Juvenal. Wenig geschäftstüchtig, verkaufte Hollar auch diese Werke weit unter Wert, so dass er in ärmlichen Verhältnissen lebte. Auch die Restauration der Monarchie unter König Karl II. verbesserte seine Lage nicht, da er vom Hof kaum Aufträge erhielt. Restauration 1665 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag, als sein jüngerer Sohn, der sein zeichnerisches Talent geerbt hatte, an der Pest starb. Im Jahr darauf wurde Hollar Zeuge einer weiteren Katastrophe, des Großen Brandes von London. Bereits in den Jahren zuvor hatte Hollar zahlreiche Ansichten der Stadt geschaffen, dank deren Genauigkeit man sich noch heute ein Bild des mittelalterlichen London machen kann, das in dem Brand vernichtet wurde. Nach der Feuersbrunst fertigte er weitere, bis heute bekannte Darstellungen an, darunter Topographien, die die zerstörten Stadtteile bezeichneten. Deren Qualität mag den König bewogen haben, ihn 1668 mit auf eine Expedition nach Tanger zu schicken. Dort fertigte er detailgenaue Zeichnungen der Stadt und ihrer Befestigungen an, die Karl II. als Mitgift seiner Frau, der portugiesischen Prinzessin Katharina von Braganza, in Besitz nahm. Auf der Rückreise wurde sein Schiff in ein Gefecht mit algerischen Piraten verwickelt, das er später ebenfalls bildlich festhielt. Nach seiner Rückkehr lebte er noch acht Jahre. Er arbeitete unermüdlich und schuf 1670 mit einem Stich Edinburghs eines seiner großformatigsten Werke. Er starb in äußerster Armut, und es wird überliefert, dass seine letzten Worte dem Gerichtsvollzieher galten: Er bat darum, ihm nicht sein Sterbebett zu pfänden. Wenzel Hollar wurde in der St. Margaret's Church in Westminster beigesetzt.

Werk

Westminster Wenzel Hollar war nicht nur einer der besten sondern auch einer der fleißigsten Künstler seiner Zeit. Sein Werk umfasst rund 400 Zeichnungen, über 3.000 Radierungen. Mehr als 2.700 Druckplatten für Stiche sind von ihm bekannt. Seine Arbeiten zeichnen sich vor allem durch absolute Genauigkeit, Detailtreue und einen geradezu dokumentarischen Realismus aus. Hollar interessiert sich für eine unerschöpfliche Vielfalt von Themen. Bekannt wurde er vor allem durch seine Topographien sowie durch seine Landschafts- und Städtebilder aus Deutschland, Böhmen, England, den Niederlanden, der Schweiz und dem heutigen Marokko. Dazu kamen Porträts von Heiligen und bekannten Personen seiner Zeit, Darstellungen von Themen des Alten und Neuen Testaments, mythologische und historische Szenen aber auch Wappen, Karikaturen, Tier- und Pflanzenbilder, Stilleben, Allegorien, Darstellungen von Kleidermoden und vieles mehr. Darüber hinaus fertigte Hollar Druckgrafiken von Werken berühmter Künstler an, die damit einem großen Publikum bekannt gemacht werden konnten. Eine Kopie der "Jungfrau mit Kind" von Albrecht Dürer, der Hollars Kunstempfinden stark beeinflusste, gehört zu seinen frühesten bekannten Werken aus den Jahren 1625 und 1626. Die bedeutendeten Sammlungen von Werken Wenzel Hollars befinden sich heute in Windsor Castle, in der Druck- und Grafik-Abteilung der National Gallery in London, im Hollareum der tschechischen Nationalgalerie in Prag sowie in der Fisher Library der Universität von Toronto.

Literatur


- Vladimir Denkstein: Wenceslaus Hollar, New York 1979 (Biographie: Englische Fassung des tschechichen Originals, Prag 1977) ISBN 0913870943
- Antony Griffiths u. Gabriela Kesnerova (Hg.): Wenceslaus Hollar. Prints and Drawings from the Collections of the National Gallery, Prague, and the British Museum, London, London 1969 ISBN 0714107875
- Gustav Parthey:
Wenzel Hollar. Beschreibendes Verzeichniss seiner Kupferstiche, Berlin 1853
- Richard Pennington:
A Descriptive Catalogue of the Etched Work of Wenceslaus Hollar 1607-1677, Cambridge University Press 2002 ISBN 05215294849
- Werner Schäfke (Hg.):
Wenzel Hollar - Die Kölner Jahre. Zeichnungen und Radierungen 1632-1636, Köln 1992
- Hans Mielke:
Wenzel Hollar. Radierungen und Zeichnungen aus dem Berliner Kupferstichkabinett, hg. von den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz ISBN 3886091287
-
Wenzel Hollar (1607-1677). Radierungen aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1990 ISBN 3921524563
- Berthold Roland (Hg.):
Wenzel Hollar(1607-1677): Reisebilder vom Rhein. Städte und Burgen am Mittelrhein in Zeichnungen und Radierungen Ausstellungskatalog, Mainz 1987

Weblinks


- [http://www.cichw.net/pmholl.html Details aus einem Seestück Hollars, die seine akribische Arbeitsweise erkennen lassen]
- [http://www.library.utoronto.ca/fisher/collections/art-architecture.html Seite der Fisher Collection, Toronto] Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel Hollar, Wenzel


Wenzel Jamnitzer

Wenzel Jamnitzer (
- um 1507/1508 in Wien, † 19. Dezember 1585 in Nürnberg) war der berühmteste Goldschmied seiner Zeit (u. a. im Dienste aller deutschen Kaiser seiner Schaffenszeit). Er erfand eine Maschine zum Prägen von Ornamentstreifen. Jamnitzer, Wenzel Jamnitzer, Wenzel Jamnitzer, Wenzel Jamnitzer, Wenzel

Wenzel Anton Graf Kaunitz

Wenzel Anton Graf Kaunitz (
- 2. Februar 1711 in Wien; † 27. Juni 1794 ebenda), seit 1764 Reichsfürst von Kaunitz-Rietberg, war österreichischer Politiker. Wenzel Anton Graf Kaunitz war seit 1735 im österreichischen Staatsdienst. Von 1750 bis 1753 war er als österreichischer Botschafter in Paris tätig. Seit 1753 war er als Staatskanzler für die österreichische Außenpolitik verantwortlich. Er forcierte eine antibritische Außenpolitik - eine deutliche Kursänderung im Gegensatz zu seinem Vorgänger Freiherr von Bartenstein, den er ausgebootet hatte. 1756 brachte er zur Wiedergewinnung Schlesiens ein Defensivbündnis mit Frankreich zustande (auch bekannt als "Wechsel der Allianzen", frz.: Renversement des alliances), welches nach Kriegsausbruch in ein Offensivbündnis verwandelt wurde. Mit Joseph II. setzte er gegen Maria Theresia den Erwerb Galiziens in der 1. Teilung Polens durch.

Literatur


- Alfred von Arneth: Biographie des Fürsten Kaunitz : Ein Fragment. – In: AÖG 88, 1900, S. 1-202
- Georg Küntzel: Fürst Kaunitz-Rittberg als Staatsmann. – Frankfurt : Diesterwerg, 1923
- Alexander Novotny: Staatskanzler Kaunitz als geistige Persönlichkeit. – Wien : Hollinek, 1947
- Friedrich Walter: Männer um Maria Theresia. – Wien : Holzhausen, 1951
- Grete Klingenstein: Der Aufstieg des Hauses Kaunitz : Studien zur Herkunft und Bildung des Statskanzlers Wenzel Anton. – Göttingen : Vandenhoeck & Ruprecht, 1975
- Tibor Simanyi: Kaunitz oder Die diplomatische Revolution : Staatskanzler Maria Theresias. – Wien : Amalthea, 1984
- Lothar Schilling: Kaunitz und das Renversement des alliances. Studien zur außenpolitischen Konzeption Wenzel Antons von Kaunitz. Historische Forschungen 50. – Berlin : Duncker & Humblot 1994.
- Klingenstein, G.; Szabo, F. A. J. (Hrsg.): Staatskanzler Wenzel Anton von Kaunitz-Rietberg 1711–1794. Neue Perspektiven zu Politik und Kultur der europäischen Aufklärung. – Graz u.a. 1996. Kaunitz, Wenzel Anton Graf Kaunitz, Wenzel Anton Graf Kaunitz, Wenzel Anton Graf Kaunitz, Wenzel Anton Graf Kaunitz, Wenzel Anton Graf Kaunitz, Wenzel Anton Graf

Wenzel Parler

Wenzel Parler (
- vor 1360 vermutlich in Prag, gestorben 1404 in Wien) war einer bedeutendsten Dombaumeister und Bildhauer aus der Parler-Dynastie, Sohn von Peter Parler. Er wirkte u. a. in Prag, Nördlingen und Wien. Das erste Wirken Wenzel Parlers lässt sich in der 2. Hälfte der 1370er Jahre in Prag nachweisen, wo er mindestens bis 1392 (möglicherweise aber nicht durchgehend) wirkt und maßgeblich am Bau des Veitsdoms beteiligt ist. Erv ist in Prag als Ingegnere Venceslao da Praga nachgewiesen. Spätestens 1398, als sein jüngerer Bruder Johann Parler die Dombauleitung übernahm, hatte er Prag verlassen. Danach war er vermutlich am Bau der St.-Salvator-Kirche in Nördlingen tätig. Ab [1400]] taucht er als Steinmetz in der Stephanskirche in Wien auf, wo er 1403 Dombaumeister wird. Vo dort wollten ihn italienische Gesandte nach Mailand abwerben, wo er Baumeister am Dom werden sollte. In Mailand war ab 1392 ein Henrico parlér da Gamodia (Gmünd) nachgewiesen, möglicherweise Heinrich Parler d. J. (Heinrich von Gmünd), ein Cousin Wenzel Parlers. Dazu kam es aber nicht, Wenzel Parler starb 1404. Die Identität der Dombaumeister in Prag und Wien ist nicht restlos gesichert. Wenzel war zu jener Zeit ein häufiger Name in Böhmen und Süddeutschland, und Parler leitet sich von Parlier (heute Polier) ab, was soviel bedeutet wie Bauleiter. Die zeitliche Abfolge sowie deutliche stilistische Parallelen zwischen dem Prager Veitsdom und dem Wiener Stephansdom machen eine Identität wahrscheinlich.

Literatur


- Kletzl, Otto: Zur Identität der Dombaumeister Wenzel Parler d.Ä. von Prag und Wenzel von Wien in: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte 9, 49ff.; Wien 1934
- Die Parler und der schöne Stil 1350-1400. Europäische Kunst unter den Luxemburgern Handbuch zur Ausstellung des Schnütgen-Museums in der Kunsthalle Köln, 5 Bände; Köln 1978
- Parlerbauten - Architektur, Skulptur, Restaurierung, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1882-X

Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz

Johann Josef Wenzel Graf Radetzky von Radetz (tschechisch Jan Josef Václav Radecký z Radče;
- 2. November 1766 in Třebnice, Böhmen; † 5. Januar 1858 in Mailand) war Feldmarschall und der wohl bedeutendste Heerführer Österreichs in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Leben

19. Jahrhundert Radetzky trat 1784 als Kadett in ein Kürassierregiment ein und beteiligte sich 1788/89 am Türkenkrieg. 1792 bis 1795 war er auf Feldzügen in den Niederlanden und am Rhein. Anschließend wurde Radetzky zum Rittmeister befördert und zum Adjutant Beaulieus ernannt. Bei Voltri konnte er sich ebenfalls auszeichnen, wurde Major und 1799 zum Oberst befördert. In der Schlacht von Hohenlinden (1800) kämpfte er ebenfalls mit Auszeichnung. Zu Beginn des Feldzugs von 1805 wurde Radetzky als Generalmajor nach Italien versetzt, 1809 kämpfte er im 5. Armeekorps als Befehlshaber der Vorhut bei Braunau ebenfalls mit Auszeichnung und stieg nach der Schlacht bei Aspern zum Feldmarschallleutnant auf. In dieser Funktion war er auch Teilnehmer an der Schlacht bei Wagram. 1813 entwickelte er als Chef des Quartiermeisteramts den Plan zur Völkerschlacht bei Leipzig. Er organisierte in der Folgezeit das österreichische Heer neu und diente im Stab des Fürsten Schwarzenberg. Nach dem Friedensschluß kam Radetzky als Divisionär nach Ödenburg, später nach Ofen (Budapes